Szene-Kaleidoskop XII: Kubitschek, Karma und Krawall

Trotz oder gerade angesichts all der Wahlen und Parteitage, die dieses Wochenende das Internet überziehen, kann man sich ruhig auch mal anderswo umsehen:

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

Kubit­scheks Rede in Dres­den vom vor­ver­gan­ge­nen Mon­tag wur­de bereits im unmit­tel­ba­ren Nach­gang hier ver­öf­fent­licht und zur Dis­kus­si­on gestellt. Inzwi­schen steht sie auch als Mit­schnitt zur Ver­fü­gung (inklu­si­ve spon­ta­nen Aus­tei­lens und Situa­ti­ons­ko­mik im Hin­blick auf Mar­tin Schulz), natür­lich im kanal schnell­ro­da: Kom­men­tie­ren, “Liken”, Tei­len aus­drück­lich erwünscht!

Bei “Laut Gedacht” wid­men sich Phil­ip und Alex dies­mal struk­tu­rel­lem Ras­sis­mus im öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr, lukra­ti­ven Stu­di­en­gän­gen und dem Segen der Demo­kra­tie – beson­ders in der Tür­kei. Vor­sicht also vor all den geschei­tel­ten Existenzen!

In den USA bre­chen der­zeit – wenn nicht auf höchs­ter poli­ti­scher Ebe­ne, dann eben auf der Stra­ße – ande­re Zei­ten an. Wäh­rend ein geplan­ter Vor­trag des Jour­na­lis­ten Milo Yianno­pou­los an der Uni­ver­si­tät Ber­ke­ley, der ame­ri­ka­ni­schen Hoch­burg links­ex­tre­men poli­ti­schen Betriebs, noch im Febru­ar aus Sicher­heits­grün­den abge­sagt wur­de (nach­dem ran­da­lie­ren­de Anti­fa knap­pe 100.000 Dol­lar an Sach­scha­den ver­ur­sacht hat­te), ver­an­stal­te­te eine Grup­pe kon­ser­va­ti­ver Netz­per­sön­lich­kei­ten, dar­un­ter Lau­ren Sou­thern und der “Based Stick Man” Kyle Chap­man, eben­dort am 15. April einen “Patri­ots Day”.

Das wur­de (eben­so wie der Auf­takt der Cam­pus-Tour Richard Spen­cers eini­ge Tage spä­ter, der erst vier Stun­den vor dem geplan­ten Beginn durch höchst­rich­ter­li­chen Beschluß gegen den Wil­len der Uni­ver­si­tät erzwun­gen wur­de) nicht nur zu einem Fanal der Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit: Es scheint, als lie­fe nun das Faß tat­säch­lich über und als lie­ßen sich die Kon­ser­va­ti­ven und Rech­ten den auto­no­men Eier­tanz nicht mehr bie­ten. In Ber­ke­ley setz­ten sich Ver­an­stal­tungs­teil­neh­mer nach meh­re­ren Stun­den der Pro­vo­ka­ti­on so unver­hofft und mas­siv zur Wehr, daß am Ende die lin­ke Meu­te quer durch die Stadt getrie­ben wurde:

Und der Rei­gen ist noch lan­ge nicht zuen­de: Momen­tan legt sich auch die hoch­ka­rä­ti­ge Publi­zis­tin Ann Coul­ter mit Ber­ke­ley an, und die Mem-Magi­er von /pol/ und ande­ren Foren haben nicht nur die Ver­bin­dun­gen des zustän­di­gen Bür­ger­meis­ters von San Fran­cis­co zu Anti­fa-Kadern ent­hüllt, son­dern auch durch uner­müd­li­ches Abglei­chen von Bil­dern allen Erns­tes einen durch­gän­gig mas­kier­ten Schlä­ger als Dozen­ten(!) der Uni­ver­si­tät iden­ti­fi­zie­ren kön­nen – die Lage bleibt heiß und ver­dient alle wei­te­re Beach­tung! (Auch wenn, wie zu erwar­ten war, die übli­chen Ver­däch­ti­gen nun den armen Schwar­zen Block in Schutz neh­men und die Aus­schrei­tun­gen, die ganz klar von Links aus­gin­gen – unter ande­rem durch Wür­fe von Kano­nen­schlä­gen in Men­schen­grup­pen –, in den Medi­en anfangs teils zu einem Nazi­über­fall auf die Teil­neh­mer einer Anti-Trump-Demo(!) ver­dreht wur­den. Die Lügen­pres­se ist eben auch globalisiert.)

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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Kommentare (2)

Solution

22. April 2017 19:06

Die "Siege" von Berkeley und Auburn in den USA sind nicht hoch genug einzuschätzen. Wenn es jetzt gelingt, eine organisierte Gegenmacht aufzubauen, kann man daraus einen dauerhaften Siegeszug machen.

Die Siege waren nur möglich, weil sich alle interessierten Gruppen und Einzelpersonen zusammengetan haben. Das waren militante, radikale Rechte, AltRight und AltLite (Light), GOP-Anhänger, Kriegsveteranen, Biker, Christen, normale Trump-Fans, Sezessionisten, sog. "Verschwörungstheoretiker", ja sogar Schwule, die gegen eine weitere Ausbreitung des Islams in den USA eintreten. Nur durch das Zusammenwirken aller war dies möglich. 

Und bei uns gibt es als Hauptthema immer wieder die Ab- und Ausgrenzung im eigenen Bereich. Aus Berkeley und Auburn können auch wir grundsätzlich lernen, wie man sich gegen den Mob aus Antifa und "seriösen" Gegendemonstranten durchsetzt. Das heißt nicht, Gewalt zu predigen, sondern mit den rechtlich zulässigen Methoden sich gemeinsam zu verteidigen. Die bei SIN gerade beschriebene Mosaik-Rechte wird entweder einzeln untergehen oder sich gemeinsam durchsetzen.

silberzunge

23. April 2017 00:22

Habe die Videos aus Berkeley (inkl. der emanzipatorischehn hairy porn Revolutionärin) sehr genossen. Für Deutschland undenkbar, es sind ganz und gar andere Verhältnisse.

Die Macht des rechten, realitätsnahen Netzes ("they have the media but we have the memes") ist nicht hoch genug einzuschätzen.

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