Mit Nicht-Rechten reden: Ich seh was, was du nicht siehst

Die Welt hat die Buchmessenschlager "Mit Linken leben" und "Mit Rechten reden" per Zitateauswahl in einen fiktiven Dialog treten lassen. An der Gegenüberstellung kann man gut ablesen, welche Rolle der Hype um das letztere Buch für das Narrativ der Mainstreampresse spielt.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Zunächst möch­te ich bezwei­feln, daß sowohl das eine als auch das ande­re Buch bis­lang wirk­lich gründ­lich gele­sen wur­de. Lob und Kri­tik, wie sie etwa von Ijo­ma Man­gold geäu­ßert wur­den, sind glei­cher­ma­ßen ober­fläch­lich und schei­nen sich mehr an dis­kurs­po­li­ti­schen Auf­trä­gen und Scha­blo­nen zu orientieren.

Man­gold gibt vor, sich über den so weit und so hoch sprin­gen­den “home­ri­schen Witz” (was auch immer damit gemeint ist) von MRR schlapp­ge­lacht zu haben, aber ich kau­fe ihm nicht ab, daß er tat­säch­lich aus die­sem “als Sach­buch getarn­ten Mind­fuck” (taz) so schlau gewor­den ist, wie er tut. Zumal das Buch, wie Götz Kubit­schek schrieb (und wie Per Leo uns im münd­li­chen Gespräch bestä­tig­te), “der­art voll­ge­stopft” ist “mit Anspie­lun­gen selbst auf ent­le­ge­ne Tex­te und atmo­sphä­ri­sche Schnip­sel aus unse­rem Kos­mos, daß wohl nur wir selbst in der Lage sind, das alles zu entschlüsseln”.

Trotz des Unter­ti­tels han­delt es sich bei MRR um alles ande­re als um einen “Leit­fa­den”; es ist eher ein qua­si-expe­ri­men­tel­ler Knäu­el­sa­lat, über des­sen Gelin­gen die Autoren wohl selbst Zwei­fel beschli­chen haben, sehen Sie sich doch ver­an­laßt, den ins­ge­samt ziem­lich kuri­os und unein­heit­lich gera­te­nen lite­ra­ri­schen Basi­lis­ken­ken­taur mit etwas ver­däch­tig expo­nier­tem Selbst­be­wußt­sein zu rechtfertigen:

Ob man es dann Lite­ra­tur, Mythos, Para­bel oder Fik­ti­on nennt, ist in die­sem Fall neben­säch­lich. Wich­tig ist, dass sich jeder Leser sei­nen eige­nen Reim dar­auf machen muss. Soll­ten die­se Stel­len für Sie den­noch rät­sel­haft blei­ben, ist das nicht schlimm, den Rest des Buches kann man auch ohne sie ver­ste­hen. Aber ver­trau­en Sie uns: Wir haben uns etwas dabei gedacht. Und vor allem wis­sen wir, dass es Leser gibt, die sich einen Reim dar­auf machen können.

Die ekla­tan­tes­te Schwä­che des Buches liegt auf der Hand: Es wur­de ver­faßt, bevor einer der Autoren wirk­lich mit “Rech­ten” gere­det hat, ins­be­son­de­re jene Rech­ten, die in die­sem Buch stän­dig impli­zit wie expli­zit prä­sent sind, näm­lich wir Sezes­sio­nis­ten und Schnell­ro­dia­ner (ich las­se hier mei­ne Twit­ter­schar­müt­zel mit Dani­el-Pas­cal Zorns Inter­net­per­so­na außer acht, die kaum als “Gesprä­che” bezeich­net wer­den kön­nen). Kubit­schek bemerkt treffend:

Sie reden nicht mit uns, son­dern mit unse­ren Büchern, vor allem mit unse­rem Gesprächs­band Tris­tesse Droi­te [M.L.: also ein Buch, in dem Rech­te mit Rech­te reden] , der in zwei Auf­la­gen erschien und Kult­sta­tus errang. Man kann also nicht recht behaup­ten, daß in die­sem neu­es­ten unter den Annäh­rungs­bü­chern bloß über uns gere­det wür­de – es ist eher ein Zu-uns-Spre­chen, eine Art Mono­log von drei­en, die auf ihrem Vor­stoß ins Herz der Fins­ter­nis Din­ge erlebt und Erfah­run­gen gemacht haben, mit denen sie nun fer­tig­wer­den müssen.

Auch mein Ein­druck war, daß die Autoren (ich ver­mu­te auf­grund des schil­lern­den lite­ra­ri­schen Stils, der weit ent­fernt ist von den zäh­flüs­si­gen Tex­ten, die Zorn und Stein­beis ver­öf­fent­licht haben, daß der Löwen­an­teil, nomen est omen, Per Leo gehört) in die­sem Buch eher damit beschäf­tigt waren, ihre eige­nen Gehirn­win­dun­gen aus­zu­wi­ckeln und aus­zu­stel­len. Sobald “wir” von “ihnen” direkt ange­spro­chen wer­den, schal­ten sie auf einen zumeist arro­gan­ten und her­ab­las­sen­den Ton um, den man als Ange­spro­che­ner tie­risch ner­vig emp­fin­den kann, beson­ders, wenn man mit Befind­lich­kei­ten zuge­la­bert wird, die einen nichts ange­hen. Ich als dezi­diert “Rech­ter” (womit ich es allen Schub­la­den­freun­den ja ziem­lich leicht mache) und Sezes­sio­nist habe mich kaum ange­spro­chen gefühlt; zu offen­sicht­lich war es, daß sich hier jemand an sei­nen eige­nen Miß­ver­ständ­nis­sen und Batail­lo­nen von Papp­ka­me­ra­den abar­bei­tet. Umso kurio­ser (und dreis­ter) erschie­nen mir dabei Sät­ze wie diese:

Es ist und bleibt ja bis auf Wei­te­res so, dass wir euch deut­lich weni­ger brau­chen als ihr uns.

“Uns”? Wen mei­nen die Autoren damit? In wes­sen Namen spre­chen sie hier? Als “Lin­ke” wol­len sie ja nicht abge­stem­pelt wer­den, als “Nicht-Rech­te”, wie sie sich selbst nen­nen, sie­deln sie sich selbst in einem vagen Bereich an, den sie selbst kaum defi­nie­ren kön­nen, der aber “Lin­ke” inklu­diert (und, wie sie es iro­nisch nen­nen, »Grund­ge­setz­fans« oder »frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Edel­men­schen”). Ich weiß jedoch ehr­lich gesagt nicht, wen oder was sie mei­nen, wenn sie sagen (obwohl ich das theo­re­tisch ja müß­te, da ich angeb­lich so “beses­sen” bin):

Wenn Rech­te reden, dann  haben sie dabei uns Nicht-Rech­te, unse­re Reak­tio­nen und unse­re Ant­wor­ten, fest im Blick. Sie sind sogar gera­de­zu beses­sen von uns. Sie müs­sen, um als Rech­te zu exis­tie­ren, gegen uns reden.

Wird nicht umge­kehrt eher ein Schuh dar­aus? Erle­ben wir heu­te nicht einen gesell­schaft­li­chen Kon­sens, wonach “die Rech­ten” oder was man gera­de so nennt, immer irgend­wie “die Ande­ren” sind, die nicht dazu­ge­hö­ren, nicht rein­dür­fen oder aus­ge­stos­sen wer­den müs­sen, die Ali­ens und Stö­ren­frie­de “mit Haß und Käl­te im Her­zen” (schnüff), die angeb­lich “unse­re Demo­kra­tie” zer­stö­ren wol­len? Kom­men die Hell­deut­schen ohne den Satan der Dun­kel­deut­schen aus? Haben die Autoren bedacht, daß “rechts” sel­ten eine Eigen‑, häu­fi­ger eine Fremd­zu­schrei­bung ist?

Steht dazu nicht im Wider­spruch, daß “Lin­ke” als unkon­tro­ver­ser Teil des Sys­tems gel­ten, selbst wenn die  (teil­wei­se staats­sub­ven­tio­nier­ten) Rabau­ken der Anti­fa manch­mal geschol­ten wer­den, wenn sie zu sehr über die Strän­ge schla­gen? Wie ist das mit dem der Links-Rechts-Dicho­to­mie zugrun­de­lie­gen­den Sche­ma Links-Mit­te-Rechts ver­ein­bar? Haben wir nicht eine Repu­blik, die sich dezi­diert, fun­da­men­tal, ritua­lis­tisch als “anti-rechts” betrach­tet und insze­niert? Sind unse­re “Kon­ser­va­ti­ven” (vul­go: Rech­te, das kann man dre­hen und wen­den, wie man will) nicht schon längst links auf­ge­weich­te und zahn­los gemach­te Tei­le eines Kar­tells, das kei­ne ech­te Oppo­si­ti­on mehr zulas­sen will?

Da kann ich den Autoren einen ihrer vie­len pro­jek­ti­ven Sät­ze zurück­ge­ben: “Wir hät­ten im Grun­de auch nichts gegen Nicht-Rech­te. Wenn sie uns nicht andau­ernd sagen wür­den, was uns antreibt und wer wir sind”, und zwar meis­tens nach Vor­ga­ben der Lin­ken (wie MRR am lau­fen­den Band bestä­tigt; am bedeu­tends­ten die Über­nah­me des lin­ken Mythos des rech­ten “Opfer­my­thos”). Sie geben ihren Links­drall (und damit den Links­drall des­sen, was sie “Nicht-Rech­te” nen­nen) selbst zu:

… wenn die Lin­ke lei­det, lei­den wir mit. Nur weil wir uns ande­ren Zie­len ver­schrie­ben haben, ist uns ihr Pro­jekt ja nicht egal. Wie könn­te es uns egal sein, wenn Men­schen Not lei­den? Wenn Arbeits­kraft aus­ge­beu­tet wird? Wenn Ange­hö­ri­ge bestimm­ter Schich­ten oder Reli­gio­nen, Men­schen ande­rer Her­kunft oder Haut­far­be, Frau­en oder Homo­se­xu­el­le dis­kri­mi­niert wer­den? Die Zie­le der Lin­ken waren immer schon wich­tig, so wie ihr Hang zur Selbst­ge­rech­tig­keit immer schon fatal war. Wir sind nicht-lin­ke Huma­nis­ten und nicht-lin­ke Dia­lek­ti­ker. Dar­um liegt uns die Lin­ke am Herzen.

Das alte Las­ter der der Libe­ra­len (ver­zeiht, aber da paßt ihr “Nicht-Rech­ten” am bes­ten hin­ein): “Pas d’en­ne­mis à gau­che!” Nun aber die­ser Kon­sens: Ist er nicht in Wahr­heit eine (durch­aus wirk­mäch­ti­ge) Fik­ti­on, die die Indif­fe­ren­ten, sich “in der Mit­te” wäh­nen­den oder Unwis­sen­den vor sich her­treibt, ein Instru­ment der sozia­len und poli­ti­schen Kon­trol­le, das vor­ran­gig von den links­li­be­ra­len und (nicht nur nicht- son­dern dezi­diert anti-rech­ten) Mas­sen­me­di­en und ihren Ton­an­ge­bern und Hohe­pries­tern erzeugt wird, die für sich rekla­mie­ren, die “öffent­li­che Mei­nung” , ja das “Wir” der “Demo­kra­tie” zu reprä­sen­tie­ren? Nun, dann kann man beob­ach­ten, daß sich immer mehr Men­schen nicht mehr von die­sem medi­al simu­lier­ten “Wir” der “Nicht­rech­ten” reprä­sen­tiert fühlen.

Wir haben die­se Fra­gen im ers­ten Teil von MLL jeden­falls wesent­lich detail­lier­ter und kom­ple­xer beant­wor­tet als MRR und gehen kei­nes­wegs von einer ein­fa­chen Dicho­to­mie “Rech­te” (klei­ne Grup­pe von spin­ner­ten Sprach­spiel­pro­vo­ka­teu­ren) vs. Gesamt­heit der “Nicht-Rech­ten” (Rest der Welt) aus, aber das konn­ten die Autoren ja nicht wissen.

Wenn sie aber, was eher dem Sound von MRR ent­spricht, in ihrem eige­nen Namen spre­chen, als Leo(-Steinbeis-Zorn), und man die­sen obi­gen Satz wört­lich nimmt, dann paßt es erst recht nicht: Da quat­schen mich als rech­ten Adres­sa­ten drei Typen an, die bean­spru­chen, für die Gesamt­heit der “Nicht-Rech­ten” zu spre­chen, die ein gan­zes Buch über ihre um uns krei­sen­den Obs­ses­sio­nen geschrie­ben haben, und die mir bis zur Ver­lags­an­kün­di­gung (im Früh­jahr) des Meis­ter­werks kaum bekannt waren.

Leo kann­te ich flüch­tig durch eine Buch­re­zen­si­on Ellen Kositz­as, Stein­beis durch ein ein, zwei Arti­kel über die “Neue Rech­te” (in dem total nicht-lin­ke Sät­ze ste­hen wie “Sell­ner ist ein wei­ßer Hete­ro-Mann vol­ler Angst”), und Zorn eben­falls nur, weil er sich über uns geäu­ßert hat­te, sich dabei als gro­ßer “demo­kra­ti­scher” Weg­wei­ser aus der Kri­se der “deut­schen Dis­kus­si­ons­kul­tur” emp­fiehlt und irgend­wann ange­fan­gen hat­te, mit mir her­um­zu­zwit­schern. Mit ande­ren Wor­ten, ich wür­de mich mit allen drei­en gar nicht erst beschäf­ti­gen, wenn sie sich nicht mit “uns” beschäf­ti­gen wür­den. Ja, der Name, den sie sich geben, ist eine blo­ße Nega­ti­on des unse­ren: “Nicht-Rech­te”. Wer braucht also wen so “drin­gend”?

Was die dezi­diert lin­ke Sei­te die­ses nicht-rech­ten Reichs­tei­les betrifft, wäre der Satz voll­ends eine Ver­keh­rung der Tat­sa­chen. Die Autoren for­mu­lie­ren ihn sogar in die­ser Fas­sung: “Ohne die Lin­ke ist die Rech­te nichts. Aus eige­ner Kraft ver­mag sie nichts, weder in Gedan­ken noch im Sein.” Nun, lin­ke Ideen (und ihre Umset­zun­gen) brin­gen rech­te her­vor, und umge­kehrt. Aber die Lin­ke nährt sich para­si­tär an der Rech­ten, oder genau­er: die Rech­te steht für das Bestehen­de, die Lin­ke für sei­ne Auf­lö­sung im Namen wech­seln­der Uto­pien. Botho Strauß schrieb:

Zwi­schen den Kräf­ten des Her­ge­brach­ten und denen des stän­di­gen Fort­brin­gens, Abser­vie­rens und Aus­lö­schens wird es Krieg geben.

Man kann es auch tri­via­ler beschrei­ben: Eine nur mar­gi­na­le Kennt­nis der lin­ken Lite­ra­tur genügt, um zu zei­gen, wie sehr die Lin­ke die Rech­te, oder genau­er: das Feind­bild Rech­te, den Stroh­mann “Rech­te” bit­ter nötig hat (Kubit­schek: “Es gibt min­des­tens ein Dut­zend Bücher, die sich mit uns und unse­rem Milieu beschäf­ti­gen…”), um sich noch eine Exis­tenz­be­rech­ti­gung zu geben. Ohne das “anti­fa­schis­ti­sche” Nar­ra­tiv wür­de der Groß­teil der heu­ti­gen Lin­ken in sich zusam­men­stür­zen, und ihre kul­turm­ar­xis­ti­sche Frak­ti­on hät­te kei­ne fins­te­re Folie mehr, vor der sie ihren aggres­si­ven Abbau des Bestehen­den im Namen einer strikt ideo­lo­gisch defi­nier­ten “Antidiskriminierungs”-Politik recht­fer­ti­gen könnte.

Die Autoren von MRR strei­fen die­sen Zusam­men­hang, bekom­men ihn flüch­tig zu packen, aber die­ser glit­schi­ge Fisch englei­tet ihnen wie­der zwi­schen den Hän­den, wäh­rend sie sich in sur­rea­len, unstim­mi­gen Para­beln verirren:
Am Anfang der rech­ten Erfolgs­ge­schich­te steht die Über­macht der Lin­ken. Sie ist nicht Ursa­che, aber Bedin­gung für das Come­back der Rech­ten, das uns heu­te so mys­te­ri­ös erscheint.

Ich sage: die­se Über­macht ist eben doch die Ursa­che, vor allem seit die Lin­ke mutiert ist, seit sie nach dem Ende der kom­mu­nis­ti­schen Welt mit dem Libe­ra­lis­mus zum Upgrade des Glo­ba­lis­mus ver­schmol­zen ist (schlag nach bei Fuku­ya­ma, Hun­ting­ton, Kon­dy­lis, Michéa oder Legut­ko), den ich auf die For­mel Neo­li­be­ra­lis­mus + Kul­turm­ar­xis­mus brin­gen würde.

In die­sen Kon­text gehö­ren auch die zahl­lo­sen “anti­ras­sis­ti­schen”, scharf links bis neo­sta­li­nis­tisch aus­ge­rich­te­ten Stif­tun­gen ( Ama­deu Anto­nio), Initia­ti­ven, “Bil­dungs­stät­ten”, Kam­pa­gnen…, die reich­lich mit Staats­kne­te ver­sorgt wer­den und den domi­nan­ten poli­ti­schen Deu­tungs­rah­men ent­schei­dend mit­be­stim­men, bzw. poli­tisch und sta­tus­mä­ßig reich­lich davon pro­fi­tie­ren. Der “Kampf gegen Rechts”, der “Rechts­po­pu­lis­mus” als Feind­bild, das “anti­fa­schis­ti­sche” Nar­ra­tiv erfüllt im bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Dis­kurs seit den neun­zi­ger Jah­ren eine eini­gen­de, mobi­li­sie­ren­de Funk­ti­on, spielt gar die Rol­le einer Klam­mer, die die zuneh­mend dis­pa­ra­te “bun­te” und “viel­fäl­ti­ge” Gesell­schaft zusam­men­hal­ten soll (“Bunt statt Braun”).

Hin­zu kommt, daß die Lin­ken wie auch vie­le der “Nicht­rech­ten” (meis­tens ver­kapp­te Lin­ke oder links­of­fe­ne Libe­ra­le) unun­ter­bro­chen “Rech­te” gene­rie­ren, sei es durch ihre Poli­tik und Rhe­to­rik, die erheb­li­che Reak­tio­nen her­vor­ruft, sei es durch die Aus­wei­tung des Begriffs “rechts”, der als Bann­wort die­nen soll, das alle Dis­kus­sio­nen been­det (sie­he dazu unse­re Bemer­kun­gen in MLL zu so unter­schied­li­chen, “rechts” oder “rechts­ex­trem” oder “Nazi” ein­sor­tier­ten Leu­ten wie Xavier Naidoo, Jörg Babe­row­ski, Ali­ce Wei­del, Sah­ra Wagen­knecht oder Ali­ce Schwarzer).

In die­ser Lage ist es völ­lig egal, in wel­cher Wei­se Rech­te oder “Rech­te” über bestimm­te The­men reden, ob nun ein Sar­ra­zin oder Sie­fer­le nüch­tern mit Fak­ten und Zah­len argu­men­tiert oder ob ein Akif Pirin­çci def­tig auf die Tube drückt, ob ein Björn Höcke den Volks­red­ner gibt oder ob ein Micha­el Klo­n­ovs­ky bis­si­ge, geschlif­fe­ne Apho­ris­men schreibt: Immer wird es jeman­den geben, der reflex­ar­tig schreit: “Pro­vo­ka­ti­on! Pro­vo­ka­ti­on! Er hat Jeho­vah gesagt! Wie kann er es wagen?? Stei­nigt ihn!” Und nach der Stei­ni­gung: “Er soll jetzt bloß nicht das Opfer spie­len, er hat ja provoziert!”

“Pro­vo­ka­ti­on” ist für die­se Leu­te, daß wir über­haupt da sind, daß wir über Din­ge spre­chen, über die sie nicht spre­chen und nichts hören wol­len. Sie schlie­ßen von ihren eige­nen Affek­te auf unse­re Absich­ten, sie ver­hal­ten sich im Prin­zip nicht anders als ihre komi­sche Extrem­form, die “Social Jus­ti­ce War­ri­ors”, die ihre eige­nen Gefüh­le und angeb­li­chen “Trigger”-Traumata zum Maß­stab aller Din­ge machen und damit ihre Umwelt tyrannisieren.
Leo & Co trei­ben ihre Behaup­tung von der ein­sei­ti­gen Abhän­gig­keit der Rech­ten von einem lin­ken “Feind­bild” aber noch wei­ter, indem sie dar­aus ein vor allem psy­cho­lo­gi­sches Pro­blem machen. “Solan­ge das so ist”, daß “wir” “sie” “deut­lich” mehr “brau­chen”, als sie uns,

… wer­den wir euch auch nicht los. Dar­um haben wir dar­über nach­ge­dacht, ob es nicht irgend­ei­ne Mög­lich­keit gebe, euch zu las­sen, wie ihr seid, aber zugleich den geis­ti­gen Bür­ger­krieg zu been­den. Für vie­le von euch ist das eine gera­de­zu exis­tenz­be­dro­hen­de Idee, das wis­sen wir.

Nichts wißt ihr. Ich für mei­nen Teil ken­ne kei­nen Rech­ten, der ernst­haft so denkt. Ihr habt euch in eine beque­me, psy­cho­lo­gi­sie­ren­de Fik­ti­on ver­liebt. Genau wegen sol­cher betriebs­blin­den Kurz­schlüs­se haben wir dem ers­ten Kapi­tel von MLL ein Zitat von Leo­nard Cohen vor­an­ge­stellt: “The­re is a war bet­ween the ones who say the­re is a war and the ones who say the­re isn’t.” Wir sind kei­ne Bür­ger­kriegs- oder “Feindbild”-Junkies, die aus einer psy­cho­lo­gi­schen Not­wen­dig­keit her­aus irgend­et­was her­bei hal­lu­zi­nie­ren müs­sen, um sich in einer kon­trä­ren Exis­tenz (oder was weiß ich) zu bestä­ti­gen. Wir haben den geis­ti­gen Bür­ger­krieg nicht begon­nen. Wir war­nen im Gegen­teil tag­aus tag­ein davor, daß sei­ne Pul­ver­fäs­ser mit aller­lei guten Absich­ten gestopft wer­den, aber das geht nicht in eure Köp­fe, ihr blin­zelt und sagt: “Bis hier­her lief’s noch ganz gut! Mir geht’s doch noch ganz gut!”


Er wird auch nicht magi­scher­wei­se auf­hö­ren, wenn uns plötz­lich das Schick­sal unse­rer Polis egal ist (um nichts ande­res geht es), wenn wir uns wider­stands­los ins “Mani­fest Desti­ny” und Uto­pia der bun­ten, durch Ausch­witz legi­ti­mier­ten Mensch­heits­de­mo­kra­tie ein­ku­scheln oder uns nicht mehr mit der isla­mi­schen Infil­tra­ti­on Euro­pas, dem lau­fen­den Bevöl­ke­rungs­aus­tausch und der Mas­sen­ein­wan­de­rung, dem Ter­ro­ris­mus, den “Inte­gra­ti­ons­pro­ble­men” und ande­ren Kol­la­te­ral­schä­den der “welt­of­fe­nen” Poli­tik beschäf­ti­gen.
Wie einer unse­rer Meis­ter­den­ker, Arnold Geh­len sag­te, wer­den wei­ter­hin zahl­lo­se lin­ke und nicht-rech­te Per­so­nen sich öffent­lich bemü­hen, “mit allen Mit­teln der Mei­nungs­ma­che, allem, was irgend­wie noch steht, das Mark aus den Kno­chen zu bla­sen.” Aber mit solch einer Fest­stel­lung sti­li­sie­ren wir uns schon wie­der zu Opfern, was?

Wir erle­ben das “Deutsch­land schafft sich ab”, den “Stran­ge Death of Euro­pe” (Dou­glas Mur­ray, Chris­to­pher Cald­well: “Can Euro­pe be the same with dif­fe­rent peop­le in it?”), die “Iden­ti­té mal­heu­re­u­se” (Fin­kiel­kraut), die “Migra­ti­ons­kri­se” oder das “Finis Ger­ma­nia” (Sie­fer­le), den “gro­ßen Aus­tausch” (Camus), die “Unter­wer­fung” (Hou­el­le­becq), den “Sui­ci­de fran­çais” (Eric Zem­mour), “die libe­ra­le Gesell­schaft und ihr Ende” (Klei­ne-Hart­la­ge), den Mer­ke­lis­mus, die “Flücht­lings­kri­se”, den »Willkommenskultur«-Größenwahn (Hans-Joa­chim Maaz), die “Hier­ar­chie der Opfer” (Licht­mesz), die Macht der Lügen‑, Lücken- und Lum­pen­pres­se etc. als einen rea­len Alp­druck, als ver­zeh­ren­des, nim­mer­sat­tes Feu­er, als einen Krieg, der auch dann tag­täg­lich zu uns käme, wenn wir uns ins Bie­der­mei­er­schne­cken­haus ver­krö­chen und fern­blie­ben (wie es ja auch gro­ße Tei­le des wie­der ein­mal oder noch immer bewußt­s­eins­ge­spal­te­nen deut­schen Bür­ger­tums tun).

Wir “brau­chen” den “geis­ti­gen Bür­ger­krieg” nicht. Wir kon­sta­tie­ren, daß er da ist. Wir kön­nen beim bes­ten Wil­len nicht so tun, als ob kein Goril­la auf der Hol­ly­wood­schau­kel säße (wie Gevat­ter Klo­n­ovs­ky zu sagen beliebt). Wir geden­ken aller­dings auch nicht, pas­siv zu blei­ben und ihn zu erdulden.

Wir bewe­gen uns hier auch in den Denk­mus­tern der gän­gi­gen Lite­ra­tur über »Rechts­po­pu­lis­mus« und die art­ver­wand­te Fau­na und Flo­ra, in der Regel unter dem Blick­win­kel »was man dage­gen tun kann« und im Stil von Dolch­stoß­le­gen­den ver­faßt, in denen rech­te Schur­ken aus purer Bos­haf­tig­keit das »sozia­le Kli­ma ver­gif­ten« und die hei­le, bun­te, libe­ra­le, bes­te aller Wel­ten sabo­tie­ren und »spal­ten« (nach der Logik: »Wenn es sie nicht gäbe, wären wir nicht gespal­ten.«) Die­ser Logik fol­gen im Kern auch die Autoren von MRR:

Unser Pro­blem mit euch ist also gar kein mora­li­sches. Viel­mehr sehen wir mit Stau­nen, wie ihr euch lau­fend in euer eige­nes Pro­blem hin­ein­ma­nö­vriert – und uns unge­fragt mitzieht.

Sie kön­nen es noch origineller:

Das, lie­be nicht-rech­te Leser, ist unser Pro­blem mit den Rech­ten. Nicht weil sie irgend­wel­chen Ideen anhän­gen, die viel­leicht ein biss­chen skan­da­lös klin­gen mögen, aber tat­säch­lich nur schlicht und undurch­dacht, jeden­falls nie im Leben mehr­heits­fä­hig sind, machen sie uns zu schaf­fen, son­dern weil sie ande­ren die Schuld dafür geben, dass kein Gott und kein Prä­fekt erscheint, um sie zu erlö­sen. Sie spu­cken und fau­chen von ihrem selbst­ge­wähl­ten Kreuz auf uns hin­ab – und hof­fen, dass wir zurückfauchen.

Well, ihr armen, unschul­di­gen, pas­si­ven (und mit euch selbst und der Welt ach so zufrie­de­nen) Opfer (har), die ihr nur dann faucht, wenn man euch grund­los aus irgend­ei­nem über­hol­ten Herr­gotts­win­kel her­aus pro­vo­ziert, wir sehen “mit Stau­nen”, wie ihr so bizarr blind dafür sein könnt, daß es auch “euer eige­nes Pro­blem” ist, daß ihr in ein- und der­sel­ben Kis­te sitzt! Daß euch man­gels Wider­spruch gar nicht mehr auf­fällt, wie schlicht und undurch­dacht, wie unred­lich und ver­ant­wor­tungs­los eure eige­nen Ideen, Prä­mis­sen, Begrif­fe sind!

Wir war­ten kei­nes­wegs dar­auf, daß ein “Prä­fekt” (huh?) oder ein “Gott” erscheint (har­har), um “uns” zu “erlö­sen”. Wir fra­gen uns viel­mehr, was eigent­lich mit euren ver­ne­bel­ten Lem­mings- und Schafs­köp­fen und offen­bar atro­phier­ten Gehir­nen pas­siert ist, daß ihr euch und unge­fragt auch uns in gewal­ti­ge Pro­ble­me hin­ein­ma­nö­vriert oder hin­ein­ma­nö­vrie­ren läßt, die, das könnt ihr uns glau­ben, schon mehr “Nicht­rech­ten” auf den Kopf gefal­len sind, als ihr euch in euren hal­kyo­ni­schen Echo­kam­mern aus­zu­ma­len wagt.

Cha­rak­te­ris­tisch ist die Dop­pel­bö­dig­keit, mit der vie­le Lin­ke das Pro­blem der “pola­ri­sier­ten Gesell­schaft” beschrei­ben. Neh­men wir Ulri­ke Gué­rot (noch so eine “Nicht­rech­te”, die man aus sehr guten Grün­den “knalllinks” nen­nen darf). Wie Som­mer­feld und ich in MLL schrei­ben, nennt sie in ihrem Pam­phlet “Der neue Bürgerkrieg”

fol­gen­de »Kri­sen­er­schei­nun­gen«, die einen »Vor­ge­schmack auf den euro­päi­schen Bür­ger­krieg« geben: »Arbeits­lo­sig­keit, Indi­vi­dua­lis­mus, Nie­der­gang tra­di­tio­nel­ler Kon­fes­sio­nen, demo­gra­phi­scher Wan­del, Fun­da­men­ta­lis­mus, Ter­ror, Migra­ti­on und Flücht­lin­ge, Ver­ar­mung, dras­ti­scher Bil­dungs­ver­fall, Kri­mi­na­li­tät, Pola­ri­sie­rung zwi­schen Arm und Reich.« Ein Rech­ter hät­te die Lage kaum anders beschrie­ben, aller­dings wür­de er dabei auf die Tat­sa­che hin­wei­sen, daß all die­se Pro­ble­me von eben­je­ner »Eli­te« von »Kos­mo­po­li­ten« und »Glo­ba­li­sie­rungs­ge­win­nern« ver­ur­sacht wur­den, auf deren Sei­te sich die EU-apo­lo­ge­ti­sche Gué­rot schlägt. Die »Rechts­po­pu­lis­ten« (FPÖ, AfD, Front Natio­nal, Wil­ders-Par­tei usw.), die sie als Schur­ken und Schul­di­ge an der Spal­tung der Gesell­schaft nennt, kön­nen es jeden­falls nicht gewe­sen sein, da sie ja nicht an der Macht waren; in der Tat ver­dankt sich ihr Auf­stieg direkt pro­por­tio­nal dem Ver­sa­gen eben­die­ser Eli­ten und den Fol­gen ihrer Poli­tik. Vor­wit­zi­ger­wei­se betrach­tet Gué­rot die Zuspit­zung der Kri­se durch die rechts­po­pu­lis­ti­sche Revol­te als Chan­ce, die euro­päi­schen Natio­nal­staa­ten end­gül­tig abzu­wra­cken und an ihre Stel­le eine »Repu­blik Euro­pa« (eher eine Art Euro­päi­sche Sowjet­uni­on) unter dem öko­no­mis­ti­schen Ban­ner »ein Markt – eine Wäh­rung – eine Demo­kra­tie« zu set­zen: Denn »Euro­pa« sei »ohne die ent­schie­de­ne Ableh­nung des Natio­nal­staats als ver­meint­li­chem Inha­ber von Sou­ve­rä­ni­tät gar nicht denkbar.«

Wenn Leo & Co nun schreiben:

Eini­ge von euch fin­den die Mög­lich­keit, irgend­wie rechts blei­ben zu kön­nen, ohne sich andau­ernd gegen alle Nicht­rech­ten behaup­ten zu müs­sen, ja viel­leicht interessant.

Dann fra­gen wir: Wie denn, bit­te­schön? Sagt es uns. Vor allem, erklärt das mal den Lin­ken unter den “Nicht­rech­ten”. Das liegt nicht in unse­rer Hand. Die Lage ist, wie sie ist. Und “die Lage ist immer legal” (Hei­mi­to von Doderer).

Der Applaus, den Leo & Co nun von Leu­ten bekom­men, die vor­ge­ben, ihr Buch gele­sen oder ver­stan­den zu haben, gilt wohl in ers­ter Linie dem auto­im­mu­ni­sie­ren­den Nar­ra­tiv, das es stärkt: Sie ver­le­gen die Ursa­chen unse­rer Dis­si­denz und der Sys­tem­kri­tik, die von rech­ter (oder “rech­ter”) Sei­te kommt, vor­ran­gig ins Psychisch-Subjektive.

Das klingt dann so:

Die Rech­ten ver­hal­ten sich tat­säch­lich so, als hät­ten sie Sar­tres „Geschlos­se­ne Gesell­schaft“ wie einen Rat­ge­ber gele­sen, oder den „Don Qui­xo­te“ wie einen Hee­res­be­richt. Wenn die Ver­la­ge­rung ihres Iden­ti­täts­pro­blems für uns – die ande­ren – nicht so pro­ble­ma­ti­sche Kon­se­quen­zen hät­te, könn­te man sich aus­schüt­ten vor Lachen oder Trä­nen des Mit­leids ver­gie­ßen über erwach­se­ne Men­schen, die sich statt in der Welt im Wider­spruch zu ihr ein­ge­rich­tet haben.

Hier wird unter­stellt, die Rech­ten lit­ten unter indi­vi­du­el­len Iden­ti­täts­pro­ble­men, die sie dann aus irgend­ei­nem Grund nach außen pro­ji­zie­ren. Für­wahr eine ein­fa­che Ant­wort auf kom­ple­xe Pro­ble­me. MRR legt uns fol­gen­de Sät­ze in den Mund:

Mein Pro­blem, das seid ihr. Ich stim­me nicht mit mir selbst über­ein, weil ihr das ver­hin­dert. Und mein Beweis ist, dass ihr nicht mit dem über­ein­stimmt, was ich sein will.

Im Gegen­teil: Wir stim­men völ­lig mit uns selbst über­ein, und nie­mand “ver­hin­dert” dies (ich wüß­te übri­gens nicht, wo irgend­ein neu­rech­ter Autor dies behaup­tet hät­te). Was die Autoren von MRR für sich bean­spru­chen, gilt genau­so für jeden ein­zel­nen uns: “Wir sind, wer wir sind. Uns beschäf­tigt, was uns beschäf­tigt.” Es ist viel­mehr das Mit-uns-selbst-Über­ein­stim­men, das uns in die Oppo­si­ti­on und den Wider­spruch bringt; wir sind nach David Ries­man vor­wie­gend “tra­di­ti­ons”- oder “innen­ge­lei­te­te” Cha­rak­te­re (MLL S. 55).

Leo & Co wer­fen uns hier im Grun­de man­geln­de Anpas­sung an (sprich: Unter­wer­fung unter) einen in unse­ren Augen fau­len und irra­tio­na­len öffent­li­chen Kon­sens vor (den sie aus irgend­ei­nem Grund “die Welt” nen­nen). Sie wol­len uns mit ande­ren Wor­ten genau das als “Rei­fe” und “Erwach­sen­sein” ver­kau­fen, was der Psy­cho­lo­ge Hans-Joa­chim Maaz, den wir in MLL mehr­fach zitiert haben, als “Nor­mo­pa­thie” bezeich­net, als Ein­rei­hung in eine kon­for­mis­ti­sche, nar­ziß­ti­sche und infan­ti­le Gesellschaft.

Mit die­ser Logik lie­ße sich prak­tisch jede Form der poli­ti­schen Oppo­si­ti­on und Sys­tem­kri­tik als sub­jek­tiv-patho­lo­gi­sches Pro­blem ent­wer­ten, sofern das Sys­tem nur mäch­tig genug ist, sich abso­lut zu set­zen und jeder Fun­da­men­tal­kri­tik zu ent­zie­hen. Von hier aus ist man nicht weit von der sowje­ti­schen Pra­xis ent­fernt, Dis­si­den­ten in der Psych­ia­trie zu entsorgen.

Damit wird auch die rea­le (zuneh­mend insti­tu­tio­na­li­sier­te und per Gesetz­ge­bung zemen­tier­te) Macht der soge­nann­ten “poli­ti­schen Kor­rekt­heit” und des sozia­len Drucks eben­falls in unse­re Köp­fe ver­legt. Das magi­sche Zau­ber­wort (mit all sei­nen Abwand­lun­gen) heißt “Opfer­my­thos” (MRR S. 92), wie ich aus­führ­lich hier dar­ge­legt habe. Hier soll der Blick auf kon­kre­te Vor­gän­ge und Mecha­nis­men der Macht ver­wischt wer­den, in dem sie zur “self-full­fil­ling pro­phe­cy” (Leo) derer erklärt wer­den, gegen die sie sich wen­den. Das ist für die­je­ni­gen, die die­se Macht aus­üben, sich vor die­ser Kri­tik abschir­men, über­aus bequem!

Nun: Wenn ich ein Minen­feld betre­te, und die Mine geht hoch, habe ich dann die Mine selbst dort­hin gezau­bert? Gegen­fra­ge des Lin­ken oder Nicht-Rech­ten: Sel­ber schuld, war­um betre­te ich über­haupt das Feld, wenn ich doch weiß, daß dort eine Mine liegt? Nun, ist das eigent­li­che Pro­blem nicht die Mine? War­um ist die über­haupt dort? Wer hat sie dort­hin gelegt und aus wel­chen Grün­den? Was schirmt sie ab? War­um ist gera­de die­ses Gelän­de ver­mint und jenes nicht? War­um darf ich es nicht betre­ten? War­um konn­te ich es ges­tern noch betre­ten und heu­te nicht mehr? War­um darf x es betre­ten, und war­um y nicht? War­um wächst die­ses Minen­feld immer wei­ter? War­um erwi­schen die Minen inzwi­schen auch jene, die bloß sagen, daß es die Minen und das Minen­feld über­haupt gibt? War­um wer­den also immer mehr Berei­che des Den­ken­den und zu Sagen­den und zu Sehen­den ver­mint? Dazu bedarf es der Minen­räu­mer, jener, die sich nicht erpres­sen und ein­schüch­tern lassen!

“Mit Rech­ten reden” basiert mit ande­ren Wor­ten auf dem­sel­ben Meis­tern­ar­ra­tiv, das die ton­an­ge­ben­den poli­ti­schen und media­len Milieus durch­ge­setzt haben: Daß die “Rech­ten” (und alles, was in die­se Ecke gescho­ben wird) von rein psy­cho­lo­gi­schen Momen­ten ange­trie­ben wer­den, sei es “dif­fu­ser”, also irra­tio­na­ler “Haß”, sei­en es “dif­fu­se”, also irra­tio­na­le “Ängs­te” und so wei­ter. Es fällt also vor­ran­gig unter den Mit-Lin­ken-leben-Modus “Psy­cho­krieg” (MLL, S. 232)

Das wirft die Fra­ge auf, ob hier das (aus lan­ger, reich­li­cher Erfah­rung desti­lier­te) “Licht­mesz-Som­mer­feld-Gesetz” (MLL S. 121) in Gel­tung tritt. Es ist eine Abwand­lung von Vox Day’s For­mel “SJWs always pro­ject” und lau­tet so:

Alles, was pro­fes­sio­nel­le [zu ein­schrän­kend for­mu­liert, das wird in der nächs­ten Auf­la­ge gestri­chen. – ML] »Ent­lar­ver« und “Auf­klä­rer« gegen »Rechts« über Rech­te schrei­ben, ist eine Pro­jek­ti­on ihrer eige­nen Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, Denk­struk­tu­ren und Modi ope­ran­di. Immer. Aus­nahms­los. Dies ist eng ver­wandt mit der eher­nen Regel des ame­ri­ka­ni­schen Under­ground­au­tors Jim Goad: »If you dis­agree with someo­ne who has a Dumb Belief Sys­tem, they will auto­ma­ti­cal­ly think you iden­ti­fy with a com­pe­ting Dumb Belief Sys­tem.« – »Wenn du jeman­des Sys­tem blö­der Über­zeu­gun­gen nicht zustimmst, denkt der­je­ni­ge auto­ma­tisch, du sei­est Anhän­ger eines Kon­kur­renz­sys­tems blö­der Über­zeu­gun­gen.« Korol­la­ri­um: Der­je­ni­ge, der im Lau­fe einer Dis­kus­si­on den ande­ren als ers­ter patho­lo­gi­siert, ist in der Regel selbst der patho­lo­gi­sche Fall.

Ein paar Indi­zi­en dafür hät­ten wir bereits zusam­men­ge­tra­gen. Nicht nur die taz-Rezen­sen­tin, auch wir haben MRR als “Mind­fuck” emp­fun­den – inklu­si­ve reich­lich unter­halt­sa­mer Traum­se­quen­zen (das Bes­te am gan­zen Buch!) mit eksta­ti­schen Grou­pies, die von einem wild­le­der­be­hos­ten Rock­star Mar­tin Sell­ner ein Kind erfle­hen, dio­ny­si­schen Frei­luf­t­or­gi­en mit ari­schem Per­so­nal und Musik­be­glei­tung von Cur­rent 93, sowie den Kas­tra­ti­ons­phan­ta­sien eines Erzäh­lers, der zuse­hen muß, wie sein dis­so­zi­ier­tes Alter Ego, der Roman­au­tor “Leo”, von einem “schwar­zen Rit­ter” und einer “Ker­zen­frau” des “teils-teils” Rechts­seins über­führt wird (oder so).

In letz­te­rer Sequenz tritt auch ein gestren­ger “bär­ti­ger Mann im Roll­kra­gen­pull­over” auf, “der an einem sozia­len Defekt zu lei­den” scheint, “Asper­ger oder so” (ich wuß­te es). Als ich Leo, der einen völ­lig nor­ma­len Ein­druck auf mich mach­te, auf der Buch­mes­se mit­teil­te, daß mir sein Buch “völ­lig ver­strahlt” erschien, ant­wor­te­te er: “Ist es auch.”

Wie auch immer. Die smo­king gun, daß der Wahr­neh­mungs­emp­fän­ger der Autoren von MRR erheb­lich gestört ist, ist für mich vor allem ihre Schil­de­rung mei­nes Duells mit Wolf­ram Eilen­ber­ger in der Ser­vus-TV-Sen­dung “Talk im Han­gar 7” vom Anfang des Jah­res. Sie erfüllt per­fekt den Tat­be­stand des “Gas­lich­terns” (MLL S. 207) und ist sozu­sa­gen die Pro­be auf’s Exem­pel, ob der Bau­plan “Sprachspiel/Provokation – Reak­ti­on – Opfer­spie­len” zutrifft, oder nicht. Ich ana­ly­sie­re sie hier nicht aus per­sön­li­cher Eitel­keit, son­dern weil sich dar­an gut zei­gen läßt, war­um und wie die Spu­le von MRR schief gewi­ckelt wurde.

Dem­nach hät­te ich einem armen, unschul­di­gen, pas­si­ven Opfer den “Rol­lenzwang des rech­ten Sprach­spiels”, mit­hin den geis­ti­gen Bür­ger­krieg hart­nä­ckig auf­ge­nö­tigt (weil Rech­te das eben so machen):

Es gelang ihm, Eilen­ber­ger aus der zivi­len Gesprächs­run­de in eine offe­ne Rede­schlacht zu locken. Teils durch klei­ne Pro­vo­ka­tio­nen, wie die Ver­dre­hung sei­nes Namens zu »Eiles­ber­ger«, teils durch gro­ße, wie die breit­bei­nig geäu­ßer­te Unter­stel­lung, sein Kon­tra­hent sei fei­ge. »Ich seh’ doch die gan­ze Zeit, wie Sie sich fürch­ten«, äff­te Licht­mesz. »Wenn Sie zu mir her­gu­cken, fürch­ten Sie sich!« Und Eilen­ber­ger nahm die Her­aus­for­de­rung an. Er nann­te Licht­mesz einen »Ver­fas­sungs­feind«, des­sen gan­zes Den­ken um das »Phan­tas­ma des Bür­ger­kriegs« krei­se. Schlag­ar­tig war sein Gegen­über in Eksta­se. Ob gespielt oder tat­säch­lich in Rage, wip­pen­den Rumpfs und wild ges­ti­ku­lie­rend gerier­te Licht­mesz sich als Opfer einer »schä­bi­gen Unter­stel­lung«, die er empört zurückwies…

Ich möch­te nun jeden Leser ein­la­den, sich die Sen­dung noch ein­mal genau anzu­schau­en, und dann möch­te ich sehen, wer ernst­haft behaup­ten will, es hät­te sich so ver­hal­ten, wie Leo & Co behaup­ten. Auf eine gera­de­zu aber­wit­zi­ge Wei­se hat sich das genaue Gegen­teil abge­spielt. Eilen­ber­ger atta­ckier­te mich von Anfang an auf einer per­sön­li­chen Ebe­ne, indem er mir aller­lei Rol­len (“Framings” nen­nen wir es in MLL), wie man mich als Rech­ten wahr­zu­neh­men und zu beur­tei­len habe, über­stül­pen woll­te. Die Unter­grif­fig­keit ging ein­deu­tig von ihm aus, und ich war es, der “die Her­aus­for­de­rung ange­nom­men” hat, und ihm sei­ne Pro­vo­ka­tio­nen ent­spre­chend zurückzahlte.

Man kann den Punkt genau mar­kie­ren, an dem die Angrif­fe began­nen. Mein ers­ter Rede­bei­trag war eine schar­fe Kri­tik des Anti-Trump-Nar­ra­tivs gewe­sen, das mei­ne Kon­tra­hen­ten Her­bert Lack­ner und Eilen­ber­ger ver­tra­ten, als wäre es eine unhin­ter­frag­ba­re Selbst­ver­ständ­lich­keit, und das von den Video­ein­spie­lun­gen des Sen­ders (Trump + Hit­ler) noch unter­stützt wur­de. Ich führ­te zuerst aus, was es mit dem “mus­lim ban” Trumps tat­säch­lich auf sich hat­te, kri­ti­sier­te die krass hys­te­ri­sche, unan­ge­mes­se­ne Stim­mungs­ma­che der Medi­en (ins­be­son­de­re des Spie­gels), und äußer­te, daß ich deren Selbst­gleich­schal­tung (alter­na­ti­ve Dar­stel­lun­gen Trumps fand man damals allen­falls in der Welt­wo­che) ziem­lich gru­se­lig fände.

Dar­auf Eilen­ber­ger (5:32):

Da sieht man aber beim Herrn Licht­mesz, oder Herrn Sem­litsch, wie er eigent­lich heißt, sehr klar die­se Stra­te­gie, daß die eigent­li­chen Täter sich als Opfer sti­li­sie­ren. (…) Las­sen Sie mich kurz aus­re­den, Sie haben jetzt nichts gesagt, aber das sehr lan­ge. Es geht dar­um, daß die eigent­li­chen Täter sich als Opfer sti­li­sie­ren und die eigent­li­che Mehr­heit sich in eine Psy­cho­se der Min­der­heit begibt. Das ist auch bei Bewe­gun­gen, wie Herr Licht­mesz, die ja ver­fas­sungs­feind­lich sind, anhängt, man ist in einer fak­ti­schen Mehr­heit und kre­iert eine Psy­cho­se der Min­der­heit, als bedroh­tes Volk, als bedroh­te Ras­se, als bedroh­te Iden­ti­tät, macht das in extrem aggres­si­ver Wei­se und wenn eine gemä­ße Reak­ti­on kommt, dann ist man in der Opfer­rol­le. In der Mimik, in der sehr weib­li­chen Hal­tung, daß man unglaub­lich unge­recht behan­delt wird, die­ses Que­ru­lan­ten­tum und Para­do­xe, einer­seits unglaub­lich aggres­siv und men­schen­ver­ach­tend vor­zu­ge­hen, ande­rer­seits sich sofort in die Opfer­po­si­ti­on zu bege­ben, das ist das eigent­lich Kenn­zeich­nen­de von Trump, aber natür­lich auch von vie­len rechts­po­pu­lis­ti­schen Bewe­gun­gen hier.

Eilen­ber­ger ging also sofort zu einer per­sön­li­chen Atta­cke auf mich über, in der er das gesam­te Arse­nal des “Psy­cho­kriegs” gegen mich in Stel­lung brachte:

1) Die ers­te Pro­vo­ka­ti­on war, daß er mich im despek­tier­li­chen Ton­fall mit mei­nem bür­ger­li­chen Namen nann­te, in der drit­ten Per­son, um einen Out­grou­ping-Effekt zu erzie­len und im Ges­tus der “Mimikry”-Entlarvung, was ich ihm spä­ter (übri­gens ver­se­hent­lich, aber das glaubt mir kei­ner) heim­zahl­te, als ich ihn bei einem leicht ver­ball­horn­ten Namen nann­te. Daß Leo & Co die­se ganz am Anfang der Dis­kus­si­on ste­hen­de Unter­grif­fig­keit Eilen­ber­gers unter­schla­gen, wäh­rend sie mir gleich­zei­tig die “Ver­dre­hung sei­nes Namens” ankrei­den, zeigt deut­lich, wie par­tei­isch ver­zerrt ihre Sicht der Din­ge ist.

2) die zwei­te, daß er mich (in einem Atem­zug mit Trump, was für eine Ehre!) einen “Täter” nann­te, der sich zum “Opfer” sti­li­sie­re, also die “Opfermythos”-Platte, die dar­auf basiert, daß Rech­te qua Rechts­sein “Täter” sind (“Über jeder Tür ist ein Schild ange­bracht, auf dem lin­ken steht Für Opfer, auf dem rech­ten Für Täter”, MRR 59). Über mich selbst hat­te indes ich kein Wort gesagt, son­dern ledig­lich, daß ich die Uni­so­no-Het­ze gegen Trump für hys­te­risch und unan­ge­mes­sen halte.

3) die drit­te, daß er mir unter­stell­te, daß ich “ver­fas­sungs­feind­li­chen” Bewe­gun­gen anhän­ge – was eine Lüge ist und mei­ner Mar­kie­rung als Aus­sät­zi­ger dien­te; auch die berüch­tig­te “Beob­ach­tung” durch den VS bedeu­tet ledig­lich einen “Ver­dacht” (also genau­er gesagt die poli­ti­sche Herr­schaft des Ver­dachts). Dar­über­hin­aus ist “Ver­fas­sungs­feind­lich­keit” an sich kein Argu­ment – wer als Phi­lo­soph mit dem Ver­fas­sungs­schutz argu­men­tiert, macht sich zum Büttel.

4) die vier­te, daß er mir unter­stell­te, ich hät­te “nichts” gesagt (ich hat­te sehr kon­kret aus­ge­führt, war­um die Panik um Trumps “mus­lim ban” unan­ge­mes­sen sei)

5) die fünf­te, daß er tief in die Patho­lo­gi­sie­rungs­kis­te griff und mir (wie auch den “Rechts­po­pu­lis­ten” und wohl auch dem rech­ten Gesocks ins­ge­samt) wört­lich eine “Psy­cho­se” unter­stell­te, gebut­tert mit dem put­zi­gen Ver­such, mich mit der Unter­stel­lung einer “sehr weib­li­chen Hal­tung” zu ärgern. Die­se Per­fi­di­en zahl­te ich ihm spä­ter zurück, indem ich ihn selbst der neu­ro­ti­schen Angst bezich­tig­te (etwa vor den dämo­ni­sier­ten “Rechts­po­pu­lis­ten”), wobei ich übri­gens nicht ein­mal über­trieb: Schon im Back­stage­raum war Eilen­ber­ger mit einem ängst­li­chen Blick her­um­ge­schli­chen, sah mich wäh­rend der Sen­dung an wie der Leib­haf­ti­ge und ergriff nach­her als ein­zi­ger der Gäs­te rasch die Flucht (hier kann man den ewig­gest­ri­gen Angst­film nach­le­sen, in dem er drin­nen­steckt) (mei­net­hal­ber muß­te er viel­leicht einen Zug oder einen Flie­ger erwi­schen, jeden­falls hat­te er es sehr eilig, weg­zu­kom­men, wäh­rend ich mich mit den ande­ren Gäs­ten, Lack­ner inklu­si­ve völ­lig nor­mal unterhielt.)

6) Die sechs­te, daß er mir “Aggres­si­vi­tät” und “Men­schen­ver­ach­tung” unterstellte.

Damit war der Eimer, den er mir über­ge­stülpt hat­te, ohne mit irgend­ei­nem Wort sach­lich auf das ein­zu­ge­hen, was ich gesagt hat­te, mit allen übli­chen Ingre­di­en­zi­en gefüllt. In dem­sel­ben Ton­fall ging es dann mun­ter wei­ter, und mein ande­rer Kon­tra­hent, Her­bert Lack­ner, stand ihm in Arro­ganz und pole­mi­scher Schär­fe nur wenig nach. Man las­se es sich nun ange­sichts des obi­gen Tran­skripts auf der Zun­ge zer­ge­hen, daß Leo & Co behaup­ten, ich hätte

es geschafft, einem kon­tro­ver­sen, aber offe­nen Gespräch das Sche­ma »Wir gegen euch« aufzuzwingen.

(Man ver­glei­che übri­gens mei­nen Auf­tritt bei Ser­vus-TV mit dem von Caro­li­ne Som­mer­feld am 12. Okto­ber, ein ech­tes “kon­tro­ver­ses, aber offe­nes Gespräch”, das eine völ­li­ge ande­re Dyna­mik hat­te – unter ande­rem des­we­gen, weil nie­mand sie anfein­de­te und ihr aller­lei Schu­he zum Anzie­hen unter­schob, wie es bei mir der Fall gewe­sen war.)

Der Rest der Dis­kus­si­on zwi­schen Eilen­ber­ger und mir bestand im wesent­li­chen dar­in, daß ich sei­ne Eimer, “Framings” und Schu­he abweh­ren und ihm gege­be­nen­falls Retour­kut­schen ver­pas­sen muß­te. Als er mir dann am Schluß ohne irgend­ei­ne Begrün­dung oder irgend­ei­nen kon­kre­ten Anlaß vor­warf, ein “Ver­fas­sungs­feind” zu sein, und mich allen Erns­tes nötig­te, mich “zur Ver­fas­sung” zu “beken­nen” (Wel­cher eigent­lich? Der deut­schen? Der öster­rei­chi­schen? Der ame­ri­ka­ni­schen? Sei­ner Geis­tes­ver­fas­sung?), war das kei­ne Ant­wort auf eine Her­aus­for­de­rung oder Pro­vo­ka­ti­on mei­ner­seits, wie Leo & Co behaup­ten, son­dern ein klas­si­sches Derai­ling (eben hat­te ich mei­ne Sicht auf das popu­lis­ti­sche Phä­no­men aus­ge­führt), über die Schie­ne einer Ad-homi­nem-Behaup­tung. Über die­ses Stöck­chen bin ich jeden­falls nicht gesprungen.

Das von Ser­vus-TV und mei­nen Kon­tra­hen­ten ser­vier­te Nar­ra­tiv (Popu­lis­mus = Sehn­sucht nach einem star­ken “auto­ri­tä­ren” Mann, der “die Demo­kra­tie” abschaf­fen will) zu durch­bre­chen und in Fra­ge zu stel­len, war mein wesent­li­ches Ziel an die­sem Abend, und es ist mir gelun­gen, zumin­dest ein paar Punk­te zu ser­vie­ren. Eilen­ber­gers dif­fa­mie­ren­de Angrif­fe waren in die­ser Hin­sicht eher läs­tig. Leo & Co stel­len es dage­gen so hin, als hät­te ich gezielt auf eine Eska­la­ti­on mit Eilen­ber­ger ange­steu­ert, um einen Vor­wand zu lust­vol­ler Empö­rung zu fin­den und mich in fol­gen­de Pose zu werfen:

Schaut her, der Herr Phi­lo­soph ist ein Salon­lin­ker, soll­te das hei­ßen, und ich bin ein Rit­ter des Volkes.

Weit gefehlt! (Sie­he auch MLL S. 56, “War­um wir nicht die Mehr­heit des Vol­kes ver­tre­ten”). Was sie nicht gese­hen haben, ist Eilen­ber­gers in so gut wie jedem Satz prä­sen­te Mes­sa­ge: “Schaut her, der Herr Licht­mesz, der nicht ein­mal so heißt, offen­bar was zu ver­ber­gen hat, ist ein böser, rechts­ex­tre­mer Ver­fas­sungs­feind, und ich bin ein libe­ra­ler, demo­kra­ti­scher Phi­lo­soph, der euch über sei­ne üblen Tricks und Stra­te­gien auf­klärt!” Dabei über­schät­zen sie ordent­lich den ver­meint­li­chen Spaß, den es macht, in einer Situa­ti­on zu ste­cken, in der man eine Unter­stel­lung nach der ande­ren abweh­ren muß, noch dazu, wenn Fern­seh­ka­me­ras auf einen gerich­tet sind (aber ja, ich “spie­le” schon wie­der das “Opfer”, alles klar?).

Wie kommt es nun zu sol­chen kogni­ti­ven Fehl­leis­tun­gen? Was Eilen­ber­ger betrifft, so ist die Fra­ge wohl ein­fach zu beant­wor­ten: Er glaubt sei­nen Gru­sel­film wirk­lich, er hält es für eine “gemä­ße Reak­ti­on”, Trump so dar­zu­stel­len, wie es der Spie­gel bis­lang auf sei­nen Panik‑, Welt­un­ter­gangs- und Ku-Klux-Klan-Covers tat, er denkt wirk­lich, daß es einen Plu­ra­lis­mus in der Bericht­erstat­tung über Trump gibt (oder hält es für völ­lig abwe­gig, daß man die Din­ge ernst­haft anders sehen kann), und er kann sich mei­nen Wider­spruch nur durch irgend­ei­ne psy­cho­ti­sche, men­schen­ver­ach­ten­de Hin­ter­fot­zig­keit mei­ner­seits erklä­ren. So fel­sen­fest, so unre­flek­tiert ist er davon über­zeugt, daß sein Buh­mann­bild von mir stimmt und gerecht ist, daß er jeden Ver­such mei­ner­seits, es als unzu­tref­fend (“unge­recht”) abzu­weh­ren, nur als “Opfer­rol­le” oder “Pro­vo­ka­ti­on” wer­ten kann.

War­um aber sind Leo & Co offen­bar stock­blind für die Pro­vo­ka­tio­nen, Unter­grif­fig­kei­ten und Rede­schlach­t­er­öff­nun­gen Eilen­ber­gers? Ganz ein­fach, weil sie in dem glei­chen abge­schot­te­ten Wahr­neh­mungs­sche­ma befan­gen sind wie er selbst. Auch wenn sie es viel­leicht dif­fe­ren­zier­ter aus­drü­cken wür­den, so den­ken sie doch im Kern das­sel­be wie Eilen­ber­ger: Ich sei ein “Täter” (sie nen­nen es im Buch galant “Arsch­loch”), der “Opfer” spielt, und von irgend­ei­ner omi­nö­sen Iden­ti­täts­psy­cho­se getrie­ben, mit der ich dem fried­fer­ti­gen Rest der Welt auf den Sack gehen möchte.

Soli­de Basis für ein Reden mit Rech­ten, oder ein Leben mit Lin­ken, was? Ich den­ke, daß Du einen Knall hast, Du denkst, das ich einen habe, na dann Prost, dar­auf trin­ken wir, und wir sehen uns im Mor­gen­grau­en im Pra­ter. Ich kann nur wie­der­ho­len (und erwei­tern), was ich bereits gesagt habe:

Ich habe kein Inter­es­se an “Sprach­spie­len”, “Opfer­rol­len”, “Pro­vo­ka­tio­nen”, “Stra­te­gien” und der­glei­chen. Ich bin, wer ich bin. Mich beschäf­tigt, was mich beschäf­tigt. Ich bin poli­tisch rechts­ge­rich­tet, aber ich las­se mich dar­auf nicht redu­zie­ren, und ich spre­che nur für mich allein. Ich bin ein Autor, des­sen ein­zi­ger Ehr­geiz es ist, ein paar eini­ger­ma­ßen gute Bücher zu schrei­ben, und der vor allem gele­sen, gehört und ver­stan­den wer­den will.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (22)

Franz Bettinger

26. Oktober 2017 08:51

Wenn das Begriffspaar Rechts / Links überflüssig wäre, existierte es nicht. Was wäre falsch daran, so wie man die Norm über die Zahl definieren kann, Links und Rechts über die Gleichheit zu definieren bzw. deren Gegenteil? Das Bejahen oder Negieren von Gleichheit der einzelnen Menschen, Geschlechter, Völker und Rassen ist der Schlüssel zum Verständnis. Links ist das Negieren von Unterschieden und das Streben nach Gleichheit (Gleichmacherei). Rechts das Gegenteil. Rechts ist das Erkennen und Anerkennen von Unterschieden. Links glaubt, niemand sei im Grunde echt für sich verantwortlich, alles sei unverschuldet und entweder genetisch oder Umwelt-bedingt. Rechts bestreitet das. Rechts glaubt, es gäbe immer auch eine Mit-Verantwortung für das eigene Schicksal, und der Nützliche (Fleißige, Begabte) sollte Vorteile (z.B. mehr Geld) aus seinem Leistungs-Plus erzielen dürfen. Rechts anerkennt das Leistungs-Prinzips und hat nichts gegen Leistungs-Eliten. Links strebt nach einem leistungslosen (Grund-) Einkommen. Was ist an meiner Definition ungenügend?

Ich finde, eine humane Gesellschaft sollte, sofern sie sich es leisten kann, zwischen den Polen Links und Rechts einen Kompromiss herstellen. Zur Zeit ist das Pendel aus der Verankerung geflogen. Ekelhaft die exorbitanten Manager-Gehälter und Boni. Ekelhaft auch, dass Manager und Politiker sich in der Regel verlustfrei und straflos aus der Verantwortung stehlen können. Nicht weniger abstoßend finde ich das Immer-Enger-Flechten der sozialen Hängematten und erst recht die Forderung nach Solidarität mit dem ganzen Globus.

Ich habe nichts dagegen, als Rechter bezeichnet zu werden. Ich nenne mich selber so, nachdem ich definiert habe, was das ist, ein Rechter. Er anerkennt Unterschiede. Nicht mehr und nicht weniger, basta. Dennoch frage ich mich, wer die echten Nazis zu Rechten gestempelt hat, denn nach ihrer eigenen Einschätzung waren sie das nicht. (Dazu gibt es viele Quellen und Zitate.) Ich vermute, die DDR-Bonzen steckten dahinter. Die mussten sich irgendwie vom S und vom A in der NSDAP abgrenzen. Die DDR war es auch, die aus demselben Grund den Nazis das Attribut faschistisch angehängt hat, um vom Linken und Sozialistischen der NSDAP abzulenken. Zeuge und Quelle: Marcel Reich-Ranicki. Die Länder, die das Wort "Links" groß auf den Fahnen stehen hatten, waren nicht die bunten, weltoffenen, sondern die, die sich am meisten nach innen und außen verschlossen hatten: die UDSSR, DDR, Nord-Korea, China, Kuba, Albanien... .

Franz Bettinger

26. Oktober 2017 09:07

Die hirnlosen Neuen Linken begegnen gerade ihrem schlimmsten Traum, dem intelligenten Neuen Rechten, der die historischen Nazis ablehnt, die soziale Schräglage inklusive der Manager-Boni, TTIP und der Auswüchse im Super- und Finanz-Kapitalismus korrigieren will; der gegen die scheinheiligen Kriege der NATO und gegen deutschen Waffen-Exporte ist; der die Sanktionen gegen Russland und Syrien beendet sehen will. Das sind alles urlinke Positionen, und die haben mit dem Klischee des bösen Rechten nicht die Bohne zu tun. Ich bin gespannt, wie lange die Linken noch das Spiel spielen wollen, ihre Köpfe gegen die Wand der harten Wirklichkeit zu rammen.

A. Kovács

26. Oktober 2017 09:25

Verehrter Herr Lichtmesz, Ihre sorgfältigen Argumentationen sind verlorene Liebesmüh.

ML: Weil Sie nicht nachgedacht haben, ehe Sie gepostet haben, und nicht kapieren, für wen ich hier argumentiere.

„Nimm mich ernst, nimm mich ernst!“ Die Linke nimmt nicht ernst. Wir sind in Deutschland über das Stadium des Miteinander-Reden-Könnens schon längst hinaus, und die Rechten sind nicht schuld daran. Auf dem Markt, der Arbeit, im Zug, im Restaurant erleben Freunde und ich nur Niederbrüllen und Gewaltandrohung, wenn die Sprache auf die bekannten Probleme kommt. Bestenfalls rennen die Linken davon wie vor Aussätzigen. Bei denen, die solchen „Disputen“ still zuhören, kann man eventuell hoffen, dass sie sich ihr Teil denken. Doch ist es unfassbar, wie stark auch Leute, die sich für konservativ halten, von linken Gedanken durchsetzt sind.

ML: Steht alles in "Mit Linken leben".

Es bleibt, sich von keiner Zeitgeistigkeit anstecken zu lassen, das Bewußtsein möglichst vieler Leute durch ständige Wiederholung einfacher Wahrheiten zu schärfen und zu hoffen, dass die ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnisse sich weiterhin so verschlechtern, dass eine Krisis eintritt. Es muss Deutschland noch viel schlechter gehen. Das Sein wird nach dem alten Marx das Bewußtsein am ehesten verändern. Solange die Rente und der Urlaub auf Malle einigermaßen sicher sind, passiert gar nichts. Unsereins kann nur wie das Salz der Erde wirken.

H. M. Richter

26. Oktober 2017 10:33

"Die eklatanteste Schwäche des Buches [Mit Rechten reden; H.M.R.] liegt auf der Hand: Es wurde verfaßt, bevor einer der Autoren wirklich mit "Rechten" geredet hat, insbesondere jenen Rechten, die in diesem Buch ständig implizit wie explizit präsent sind, nämlich wir Sezessionisten und Schnellrodianer."" [M. L.]

Der zulässige Vergleich mit hypothetisch angenommenen Schriften wie "Mit Motorrädern fahren", "Mit Kindern spielen" oder "Mit Buntstiften malen", deren Verfasser zuvor nicht die im jeweiligen Titel angeführten Handlungen ausgeführt haben, zeigt überaus deutlich, daß es sich hierbei wohl doch um weit mehr handelt als lediglich um eine "Schwäche" ... Auch erinnert es - vermeintlich entfernt, doch letztlich gefährlich nah - an Sätze wie "Mit Klassenfeinden braucht man gar nicht erst zu diskutieren, denn schließlich weiß man nur zu genau genau, was die wollen";                              Sätze, welche in einer verhängnisvollen Traditionslinie liegen, die gerade in Sibylle Bergs Aufruf "Die Zeit des Redens ist vorbei" mündete.

deutscheridentitärer

26. Oktober 2017 11:00

Vielen Dank Herr Lichtmesz für diesen Artikel, darauf warte ich seit längerem! Ich sehe diese ganze Entwicklung seit der Buchmesse positiv. Zum einen haben diejenigen, die uns nicht aus dem Diskurs schließen wollen, durch die Ereignisse dort wie auch eben durch MRR eine sichtbarere Präsenz erlangt. Zum anderen ist der Teil, der uns aus dem Diskurs ausschließen will, gezwungen worden, dieses Vorhaben öffentlich zu explizieren und hat die Bruchlinie mit dem diskurswilligen Teil verstärkt.

Zorn und Co. meinen, uns in einem Diskurs argumentativ stellen zu können - verständlich, wenn man wie Zorn die Kunst des Argumentierens zu einem wesentlichen Teil seiner Forschungen gemacht hat und auch ansonsten sehr umfassend gebildet ist. Ich bin aber zuversichtlich, dass Lichtmesz und Co. auch vor einem Zorn bestehen können, und der obige Artikel bestätigt mich darin.

Ich würde es begrüßen, die Autoren von MRR nun beim Wort zu nehmen und mit Ihnen in einen direkten, öffentlichen Austausch zu treten - eventuell kann man ihnen für ihre Replik ja sogar diese Seite zur Verfügung stellen. Das würde vielleicht das Narrativ unterminieren, dass wir an einem Diskurs nicht oder nur unter unfairen Bedingungen bereit wären, unterminieren.

Preußischblau

26. Oktober 2017 12:10

die sybille ist ein faules früchtchen, ein dummes ist sie nicht. vielleicht hat sie  beide bücher gelesen, nun schwant auch  ihr, dass die partie auf geistiger ebene nicht mehr zu gewinnen ist , also fordert sie, dass das brett vom tisch gefegt und der spieler gelyncht wird.

ob sich zorn & co eine niederlage eingestehen könnten?

Corax

26. Oktober 2017 12:25

Das sogenannte linke Denken der heutigen Tage, und um manchen doch noch existenten rechten (will sagen: richtigen) Linken nicht zu beleidigen, sag ich lieber: das heutige selbsternannt linke Denken der heutigen Denkfaulen (denn auch „Denken“ ist zu viel gesagt, aber ich unterlasse es hier, eine passendere Bezeichnung für diese Mentalzuckungen zu finden), erscheint mir so abgeschmackt und abgestanden, so dröge und langweilig, so vermieft und verfault, und insgesamt so jämmerlich und therapiebedürftig (wobei ich für mein Teil nicht bereit bin, hier als Therapeut einzuspringen ), dass ich seit langem nichts mehr lese, was von dieser Seite in die Welt hineinlaboriert und -lamentiert, immer aber hineingemüllt wird. Ich habe viele Jahre große Mengen dieses Mülls rezipiert also in mich hineingeschaufelt, und mir in der Folge daran einen Ekel geholt. Denn genauso wie irgendeine unverdauliche Biomasse einem Organismus nicht gut bekommt, da es keine verwertbaren Nahrungselemente enthält und nur den Verdauungstrakt traktiert, so traktieren auch irgendwelche Wortmassen mit fehlenden inneren und äußeren Bezügen, bei denen es sich naturgemäß nur um willkürlich mit dem Besen der Mode zusammengekehrten Wortkram handelt, Seele und Geist des damit Zugetexteten, da sich aus dem verbalen Unrat keinerlei Sinn destillieren lässt. Der Dreck bleibt mir daher weg. Nur in homöopathischen Dosen „rezipiere“ ich da noch das eine oder andere, so wie ein Arzt Stuhlproben untersucht. insgesamt aber lasse ihn achtlos in der Gosse liegen, wo er hingehört. Da können sich die sich selber „Linke“ Nennenden gern drin suhlen und sich mit dem herumliegenden Wortabfall vollstopfen, meinetwegen bis sie sich irgendwann daran zu Tode kotzen.

Der_Jürgen

26. Oktober 2017 13:06

Ein echter Lichtmesz; messerscharf analysiert, elegant formuliert. Ich wollte "Mit Rechten reden" eigentlich kaufen, werde aber nach der Lektüre dieses Textes davon Abstand nehmen, weil ich mein Geld besser verwenden kann.

Es mag ja keine sonderlich neue Erkenntnis sein, aber man darf es ruhig noch einmal sagen: Der Dialog mit der Gegenseite ist so unmöglich wie ein Gespräch zwischen einem Zulu und einem Eskimo, von denen jeder nur seine eigene Sprache versteht. Ich habe das in früheren Zeiten, als ich noch mit  Linken zu debattieren versuchte (ich spreche hier von westlichen Linken, denn mit einem russischen Kommunisten kann man sehr wohl fruchtbar diskutieren, zumal man in vielen wichtigen Fragen ohnehin mit ihm einig ist), immer wieder bemerkt; heute probiere ich das nur noch sehr selten und sehe meine damalige Erfahrung stets bestätigt. Wir reden aneinander vorbei.

Wir wollen nicht, dass unser Volk von Orientalen und Afrikanern verdrängt wird; die Linken antworten darauf mit dem Vorwurf des "Rassismus" und der "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit". Reagieren wir hierauf mit der Frage, ob die Indianer, die sich gegen ihre Verdrängung durch weisse Siedler wehrten, denn auch Rassisten gewesen seien und einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit gehuldigt hätten, stehen sie da wie der berühmte Ochse vor dem Berg und brechen entweder das Gespräch ab oder kommen mit dem nächsten leeren Schlagwort.

Es tut mir  manchmal leid um Denker wie Lichtmesz, Kubitschek und die anderen, die sich hier zu Wort melden. Sie möchten sich gerne mit Gegnern messen, die in der gleichen Liga spielen wie sie, so wie sich Bayern München lieber mit Borussia Dortmund misst als mit der Reservemannschaft der Sportfreunde Hinterkaffigen, aber sie finden keine. Achilles hält Ausschau nach einem Hektor, der ihm im Waffengang entgegentritt, aber anstellte eines Hektor findet er einen Thersites.

marodeur

26. Oktober 2017 13:17

@A. Kovács: "Wir sind in Deutschland über das Stadium des Miteinander-Reden-Könnens schon längst hinaus, und die Rechten sind nicht schuld daran."

Ich fürchte, Sie haben Recht. Frau Berg drückt mit ihrem Gewaltaufruf nur aus, was in weiten Teilen der Bevölkerung bereits Konsens ist. Im persönlichen Umfeld musste ich feststellen, dass die üblichen "Framings" bereits in Fleisch und Blut übergegangen sind. Insbesondere die Themen "Mimikri/Entlarvung" und die unsägliche Opferverschwörung haben mittlerweile fast alle drauf. Gewaltaktionen oder Ausgrenzungsstrategien werden von vielen gutiert. Zweifel werden routiniert abgewehrt. Man habe ja aus der Geschichte gelernt, dass Gewalt gegen Despoten eine Lösung ist. Jetzt wäre die Chance da, "Babyhitler zu töten" (Titanic). Sicher überspitzt, aber eine schöne Kurzfassung des politischen Klimas.

Trotzdem muss der Dialogversuch fortgesetzt werden, denn die Sache steht gut für uns. Die Schweigespirale ist geknackt. Gerade unpolitische Menschen sind angwidert von den übliche Phrasen und Gewaltexzessen. Dieser schweigende Dritte ist unser Publikum. "Mit Linken reden" ähnelt ja leider eher einer Prüfung der Selbstbeherrschung. Letzteres reicht aber aktuell, um Verbündete zu gewinnen.

Gustav Grambauer

26. Oktober 2017 13:32

"Wenn die Verlagerung ihres Identitätsproblems für uns - die anderen - nicht so problematische Konsequenzen hätte, könnte man sich ausschütten vor Lachen oder Tränen des Mitleids vergießen über erwachsene Menschen, die sich statt in der Welt im Widerspruch zu ihr eingerichtet haben."

Wer denkt da nicht an das von Kierkegaard entliehene Dictum, mit dem mit dem sich Karl Marx als Spruch im Poesiealbum seiner Tochter eingetragen hat, "An allem ist zu zweifeln", oder an das Rosa-Luxemburgsche "Trotz alledem und alledem!".  Leo & Co. schütten sich also vor Lachen aus oder vergießen Tränen des Mitleids über / für Karl Marx und Rosa Luxemburg & Co. oder wie jetzt?!

"Har", ist das mal wieder selbstentlarvend, und entweder die haben`s nicht mal gemerkt oder die sind bei Alice Miller auf der Couch und arbeiten sich bewußt im Drama-Modus des begabten Kindes an ihrer Elterngeneration ab (wofür sie uns nur instrumentalisieren wollen, und allein dafür verdienten sie eine gehörige Abfertigung).

Obiger Satz ist ja sogar noch selbstentlarvender als der Lemmini-Satz par excellence:

"Das, liebe nicht-rechte Leser, ist unser Problem mit den Rechten. Nicht weil sie irgendwelchen Ideen anhängen, die vielleicht ein bisschen skandalös klingen mögen, aber tatsächlich nur schlicht und undurchdacht, jedenfalls nie im Leben mehrheitsfähig sind."

"Wer sich in einer kranken Welt für gesund hält, kann nur selber krank sein" usw. - das war noch bis vor kurzer Zeit genuin linkes Credo, ergo das Credo - sozusagen oder vielleicht auch 1:1 - der Eltern von Leo & Co. Es ist noch nicht lange her, da drehten sich nahezu die ganze Philosophie und fast alle Genres der Literatur, Filmkunst usw., weit über Sartre hinaus, um nichts anders als um den "Grundkonflikt von Individuum und Gesellschaft". Dieselben Protagonisten haben damals die Stalinisten im Ostblock angegriffen, weil bei denen dieser Grundkonflikt bis zum 17. Juni `53 offiziell-staatsdoktrinär als gelöst galt. (Prononciert wurde dieser Grundkonflikt damals auch als "Konflikt von Geist und Macht" bezeichnet, Johannes R. Becher hat dessen angebliche Lösung in an die griechische Antike angelehnten Elegien und Hymnen abgefeiert, wobei er selber genau daran zerbrochen ist.) Vom 17. Juni an haben sogar die allermeisten staatstragenden Stalinisten diesen Grundkonflikt unentwegt thematisiert, unentwegt ihre Finger in der Wunde gebohrt, damit praktisch nahezu alle Intellektuellen.

Gegenläufig kam mit der Hegemonie der Babyboomer von der "Weltgesundheitsorganisation" (schon diese Bezeichnung per se ist ein Lacher, "Klein-Mäxchen-Will-Die-Ganze-Welt-Gesund-Machen") ausgehend die Public-Health-Afterreligion auf, in der "Sozialgesundheit" erneut und auf eine etwas andere, etwas weniger kybernetische Masche als bei den Stalinisten zum Popanz erhoben wurde, und deren neuer Totalitarismus ("Gesundheitsdiktatur") bisher noch von den wenigsten gesehen wird. Damit sind wir im globalen Maßstab wieder sozusagen im Ostblock vor dem 17. Juni angelangt: die "Gesellschaft" wird offiziell als gesund erklärt, wenn du noch irgendein Problem hast, dann bist Du adaptionsgestört. Die ersten Stimmen regen sich von der Esoterik-, Positiv-Denkens- und Advaita-Szene ausgehend, die dir sagen, daß deine "Störungen" eine Zumutung für die "Umwelt" sind und daß du eine moralische Pflicht hast, "sozio-gesund" zu sein so wie alle anderen (ergo ein guter Einkommenssteuerbürger zur Abführung der Tribute). Es liegt nur an dir - heute noch irgendein "Problem" zu haben oder gar "sich im Widerspruch zur Welt eingerichtet zu haben" wie es Leo & Co. ausdrücken gilt als "narrow-sentimented", aber es gibt Medikamente und immer wirksamere Medikamente. Die Formel, zu der die Organisationspsychologie diesen Totalitarismus hat gerinnen lassen und die heute jeden Weltgesellschaftsjünger zur Verzückung bringt, lautet: "Don`t be part of the problem - be part of the solution".

Jeder muß für sich selber wissen, ob er sich nicht zu fein, zu aristokratisch ist, sich für diese Farce herzugeben. Aber die sollen gefälligst nicht versuchen, uns ihre Farce aufzunötigen, was leider mit ziemlichem massen- und gruppendynamischem - sowie hypermoralisch unterfüttertem - Druck geschieht. Für meinen Teil studiere ich nur gern wie ein Arvicolinae-Forscher, zu welchen metaphilosophischen 180-Grad-Wendehalsungen die Lemminge innerhalb von zwei Generationen so fähig sind.

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"... den ich auf die Formel Neoliberalismus + Kulturmarxismus bringen würde."

Meine noch etwas knackigere Formel,  die sich für mich sehr bewährt hat, hab` sie schon oft hier genannt, lautet Liberalbolschewismus. (Deshalb, lieber Martin, nehme auch ich gern Deinen Topos "Leo & Co." auf.) Der klarste und eindringlichste Nachweis des zugrundeliegenden Phänomens ist auf historischer Ebene zu finden, und zwar in der (Ex-)UdSSR der Jahre 1985 bis 1999 ausgehend von Gorbatschows Perestroika, dabei wiederum mit dem weiteren Verlauf der Biographien der Komsomol-Nomenklatura.

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"Schaut her, der Herr Philosoph ist ein Salonlinker, sollte das heißen, und ich bin ein Ritter des Volkes." / "Warum wir nicht die Mehrheit des Volkes vertreten"

Aufgabe für Leo & Co.: bei Google "maschke + vulgär-rousseauistisch" eingeben. Dürfte hier bei Sezession nur noch ein Abwinker sein.

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Oh, Martin,  ich bewundere Dich in Deiner Unermüdlichkeit, immer wieder in die "tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus" reinzugehen.

- G. G.

Herr K.

26. Oktober 2017 15:29

Mein Applaus für die Metapher des Minenfeldes, eine exzellente Beschreibung. Für die Rechte geht es jetzt vor allem darum jene Minen absichtlich in aufsteigender Reihenfolge explodieren zu lassen und die Linke in ihrer Ohnmacht zurückzulassen. Angriffe wie in Halle beschreiben letztlich nur deren neurotische Ausweglosigkeit nicht funktionaler Lösungen.

Aber: man muss nicht JEDE Mine zum explodieren bringen. Auch für uns gilt die Grenze des guten Geschmacks.

Hartwig aus LG8

26. Oktober 2017 15:48

Rechts ist eine Befähigung, Links ist ein Bestreben. Rechts ist Über-Leben, Links ist Besser-Leben. Rechts ist Acker und Saat, Links ist Dünger und Pflug. Rechts ist Lebenskraft. Links ist Lebensglück.

Es gab mal eine Zeit, da war das mein (vor- oder gar unpolitisches) Verständnis von Rechts und Links; beides mit Berechtigung, oft zusammenhängend, manches kaum zu trennen. Das Zweite auf dem Ersten fußend, somit immer sekundär, aber der menschlichen Natur eigen.  Und beides naturgemäß immer im gegenseitigen Kampf um die knappen Ressourcen.

Einem ernstzunehmenden Linken ist zu entgegnen, dass sein linkes Handeln und Tun zwingend rechtes Handeln und Tun voraussetzt (heute vor allem das unserer Vorfahren).  Wer das nicht anerkennt, ist wohl perse ein schwieriger Gesprächspartner für einen Rechten. Aber das aktuelle Ausmaß an Wirklichkeitsverleugnung lässt Debatten mit Linken bzw. den Karikaturen ihrer selbst, eigentlich kaum zu.

Selbstdenker

26. Oktober 2017 15:59

das schlimme an der ganzen Sache ist ja, wie kommt man an einen politischen Gegner ran, der die Diskussion fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Ich habe es vor langer Zeit öfters probiert, dass Ergebnis war gleich Null. Ich bin kein Intellektueller, und suchte daher das Gespräch mit dem sog. "normalen Linken" Das Ende vom Lied waren die üblichen Phrasen vom Nazi. Wenn einem die Dummheit bei einem Gespräch begegnet, dann weis man das man bei einem linken gelandet ist. Feigheit und Dummheit das sind die Merkmale diese Leute.

GeS

26. Oktober 2017 16:08

Der_Jürgen:

Ich würde MRR trotzdem eine Chance geben. Es enthält sicher grobe Mängel und einen teils nervigen Ton (es ist deutlich nicht aus einer Feder), ist aber originell und teilweise sogar brilliant geschrieben. Statt Verärgerung habe ich fast nur Amüsement empfunden. Insbesondere die Traumsequenzen, die ja auch Martin Lichtmesz gefallen, sind lesenswert. Politisch-kulturell finde ich es auch interessant.  Was wohl ein Psychologe in die  mantrahaften Selbstetikettierung als "Nicht-Rechte" interpretieren würde? Letztlich ist es doch schön, dass "Nicht-Rechte" feststellen und sogar öffentlich anerkennen, dass ihre eigenen "Verbündeten" auf der Linken diskursunfähige Schwachköpfe sind und dass die neue Rechte den Vorteil hat offen diskutieren zu können, während die "Linke" nur Kopf-in-den-Sand (oder Steinewerfen) spielen kann. MRR kann man über Antaios beziehen und Rechte bekennen, dass sie das Buch teilweise sogar gerne gelesen haben. Welcher linke oder "nichtrechte" Buchhandel würde sich das mit MLL trauen? Darauf kann die Rechte aufbauen, stolz und selbstbewusst.

Gustav

26. Oktober 2017 16:15

Im Gefolge der französischen Revolution kehrte der Weltanschauungshaß wieder. Seitdem gilt das Wort Lagardes: »Wir leben mitten im Bürgerkrieg. .... Er ist ein Kampf der Geister.« (Paul de Lagarde, Deutsche Schriften, 1884, AS. 176). Als sich im April 1995 Konservative in einem öffentlichen Appell dagegen verwahrten, den 8. Mai als Tag der Befreiung zu bejubeln, reagierte ein Zentralratsvorsitzender einer einflußreichen Kultusgemeinde nach Formulierung Eckhard Fuhrs mit einem »politisch-moralischen Overkill« und »erklärte den geistigen Bürgerkrieg,« (Eckhard Fuhr, Überwunden, nicht befreit, in: FAZ, 11.04.1995, S. 1 [Leitkommentar]) indem er Konservative als »Nazis minus Völkermord« hinstellte. Aber nicht nur Vertreter handfester Interessen laufen im moralischen Kettenhemd herum. Alle Feindschaft erreicht als normative Feindschaft »ihren Siedepunkt in Religionskriegen und in Bürgerkriegen mit ihren juristischen, moralischen und ideologischen Verfemungen, d.h. in der Verabsolutierung des eigenen Rechts und der damit verbundenen Kriminalisierung des Gegners, der nicht mehr als Mensch anerkannt wird, sondern der als Störer, Schädling oder letztes Hindernis des Weltfriedens beseitigt werden soll.« (Carl Schmitt, Die geschichtliche Struktur des Gegensatzes von Ost und West, 1955, in: Staat, Großraum, Nomos, S. 522).

Normativistisch inspirierte Gesellschaftstheoretiker haben es sich darum auch nie verkneifen können, ihre Wahrheit mit staatlichen Mitteln dem Volke einzupflanzen. Fichte forderte ein staatliches Erziehungswesen mit nationalistischer Moral: Ganz im Stile des 18. Jahrhunderts und seines Erziehungsoptimismus solle die Freiheit »so eng als immer möglich beschränkt« und »alle Regungen unter eine einförmige Regel« gebracht und »immerwährender Aufsicht« unterstellt werden. (Vgl. Johann Gottlieb Fichte, Reden an die deutsche Nation, 1807-1808, 8. Rede, S. 138). Heutige Sozialtechniker finden hier eine gewaltige Spielwiese vor, schon unseren Kindergartenkindern ihre Betroffenheitsneurosen aufzupfropfen. Wie Pilze schießen die Mahnmale einer Moral als Geßlerhüte aus dem Boden, vor denen wir uns pflichtschuldigst zu verneigen haben. Dagegen wandte sich Schopenhauer unverändert aktuell: »Einige deutsche Philosophaster dieses feilen Zeitalters möchten den Staat verdrehn zu einer Moralitäts-, Erziehungs- und Erbauungs-Anstalt: wobei im Hintergrunde der jesuitische Zweck lauert, die persönliche Freiheit und individuelle Entwicklung des Einzelnen aufzuheben, um ihn zum bloßen Rade einer Chinesischen Staats- und Religions-Maschine zu machen. .... Dies aber ist der Weg, auf welchem man weiland zu Inquisitionen, [Ketzerverbrennungen] und Religionskriegen gelangt ist.« (Arthur Schopenhauer, D , 1841, § 17, S. 242).“ (Klaus Kunze, Mut zur Freiheit - Ruf zur Ordnung, 1995, S. 131).

S. J.

26. Oktober 2017 18:36

Der Artikel, aber auch die Kommentare hier sind ein Lesegenuss (vermutlich nur für Rechte). Nun, der Prozess des Urteilens hat eigentlich immer mit einem kränkenden Gefälle zu tun. Im harmlosesten Fall beurteilt auf einer weitgehend sachlichen Ebene eine dafür qualifizierte, kompetente Person etwas oder jemanden nach Kriterien der inhaltlich-formalen Stimmigkeit (eine Lehrkraft bspw. eine Schüler- oder Examensarbeit). Und selbst da gibt es regelmäßig Konflikte. Kompliziert wird es bei per se subjektiven Einstellungen zu mehr oder weniger offenen, heiß umstrittenen Fragestellungen (Politik). Da man es hier gewissermaßen mit Dichotomien zu tun hat, drückt sich das beschriebene Gefälle stets in bewusst vollzogenen Auf- und Abwertungen aus. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, in solchen erregt diskutierten Fragen überzeugen zu wollen oder es zu können. Man äußert sich und belässt es dabei. Es ist vertane Liebesmüh.    

Linkerhand

26. Oktober 2017 19:31

Die Frankfurter Buchmesse hatte in den letzten Jahren den Charme einer Neueröffnung eines Friedhofs. Nun kamen 2017 zeitgleich zwei politische Bücher auf den Markt und sorgten für einigermaßen Furor. Ein Literaturkritiker in der Zeit tat dazu seine Meinung kund. Die Rezension von MLL war aber so oberflächlich und allgemein gehalten, daß sofort der Verdacht aufkam, der Kritiker kann unmöglich dieses Buch gelesen haben. Ijoma Mangold orientierte sich hier nur an Gemeinplätze und den üblichen Satz- oder Worthülsen, die immer wieder als Geschütz gegen rechte(s) Literatur (Gedankengut) verwendet werden. Das erste was mir bei beiden Büchern aufgefallen ist, waren die "falschen" Titel, die womöglich nur gewählt wurden um die Alliteration aufrecht zu erhalten. MLL behandelt eher das Thema: mit Linken reden und MRR: mit Rechten leben. Das war ja auch der stärkste Vorwurf an Zorn, Leo und Steinbeis, eben nicht mit Rechten zu reden, sondern über sie und ihre Bücher zu schreiben, ergo irgendwie mit dem rechten Ärgernis zu leben, aber eben auch mit allen Mitteln den (öffentlichen) Dialog zu verweigern. Bei MLL liegt meines Erachtens das Hauptaugenmerk auf einer schlagfertigen Argumentation um linke Tricksereien a là Gaslighting und Co. zu begegnen, also mit ihnen zu reden. Meine Vorkommentatoren haben schon mit einigem Recht darauf verwiesen, daß mit Linken nicht zu reden sei. Das mag auf öffentliche Veranstaltungen per Ausladung etc. so sein, aber reden kann man eben auch anders. Facebook, Twitter, aber auch die Sezession und der Antaios Verlag "redet" mit den stillen Mitlesern von links. Die besseren Argumente zu haben und diese öffentlichkeitswirksam eloquent zu verbreiten, geht auch ohne Dialog.

Vielleicht ist das Rechte und das Linke wie die beiden Ufer eines gemeinsamen Flußes; ein Gesellschafts- und Geschichtsfluß, der unaufhaltsam seinem Ende ins Meer der Zeit entgegen strömt. Mal ist der Fluß breit und ruhig und die beiden Ufer können sich nicht sehen, dann wieder schmal, tief und rasend, mit Stromschnellen und gefährlichen Klippen, die Ufer aufgepeitscht vom tosendem Wasser. Wir gehen gefährlichen Zeiten entgegen.

Linkerhand

26. Oktober 2017 19:38

P.S. Ich mache mir erstmal eine Tasse grünen Tee, so wie es "Die Alte vom Berg" empfiehlt.

John Haase

26. Oktober 2017 19:53

Irgendwie liest sich jedes Zitat aus MRR so gezwungen von oben herab. Liegt das an der Auswahl oder ist das ganze Buch so geschrieben? Man kennt diesen Typus ja aus dem Privatleben. Unterscheidet sich in nichts vom Mainstream. Der Mainstream sagt: „Du bist dumm und Nazi.“ Der Witzbold sagt: „Du bist dumm und Nazi, höhö.“ Man fragt sich bei diesen Leuten immer, wo sie ihr hohes Ross herhaben. 

@ H.M. Richter

Ich stimme Ihren Vergleichen zu. „Die eklatanteste Schwäche des Hochhauses liegt auf der Hand:  es wurde vergessen, das Fundament zu errichten.“

Martin Lichtmesz

26. Oktober 2017 22:43

Sich selbst "Nicht-Rechte" nennen -> Schreiben: "Es ist und bleibt ja bis auf Weiteres so, dass wir euch deutlich weniger brauchen als ihr uns."

 

ede

27. Oktober 2017 02:49

Wahre Dinge sind wie umgekehrt : Lao Tse

Der Kern ist die Frage nach Schönheit oder wieviel Wahrheit kann man aushalten. Konkret, wer hat die schöneren Frauen. Da ist doch der Begriff "Nichtrechter" schon mal eine putzige Ranganmeldung, schnöder Linker ist nicht mehr ganz das Wahre.

Also, Herr Lichtmesz, glänzende Vorstellungen, sowohl im obigen Beitrag als auch in der Show mit Eilenzwerger. Das wird schon. Und wenn nicht hatten wir ne Menge Spaß. Gruß & Dank

Cacatum non est pictum

27. Oktober 2017 04:10

@A. Kovacs

Verehrter Herr Lichtmesz, Ihre sorgfältigen Argumentationen sind verlorene Liebesmüh. „Nimm mich ernst, nimm mich ernst!“ Die Linke nimmt nicht ernst. Wir sind in Deutschland über das Stadium des Miteinander-Reden-Könnens schon längst hinaus, und die Rechten sind nicht schuld daran.

Das mußte mal ausgesprochen werden. Dieses ständige In-den-Dialog-Treten-Wollen mit der Gegenseite müffelt nach Anbiederung. Sie wollen nicht reden, versteht Ihr das nicht? Heult nicht rum, wenn sie Euer Diskussionsangebot zum zigtausendsten Mal ausschlagen. Verkündet laut, was Ihr zu sagen habt, aber schert Euch nicht um das Echo. Es ist ein reines Machtspiel, und in Machtfragen ist die Linke traditionell äußerst versiert.

Um das zu illustrieren, darf ich aus einem Dialog in dem Buch "Alice hinter den Spiegeln" zitieren:

"Ich verstehe nicht, was Sie mit 'Glocke' meinen", sagte Alice.

Goggelmoggel lächelte verächtlich. "Wie sollst du auch - ich muß es dir doch zuerst sagen. Ich meinte: 'Wenn das kein einmalig schlagender Beweis ist!'"

"Aber 'Glocke' heißt doch gar nicht ein 'einmalig schlagender Beweis'", wandte Alice ein.

"Wenn ich ein Wort gebrauche", sagte Goggelmoggel in recht hochmütigem Ton, "dann heißt es genau, was ich für richtig halte - nicht mehr und nicht weniger."

"Es fragt sich nur", sagte Alice, "ob man Wörter einfach etwas anderes heißen lassen kann."

"Es fragt sich nur", sagte Goggelmoggel, "wer der Stärkere ist, weiter nichts."

 

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