Sezession
28. Dezember 2017

Wie bekommt man den Moralismus vom Hals?

Gastbeitrag / 55 Kommentare

Das Christentum stellte sich das gefährlichste Böse, den Ersatz-Christus, vor als einen Weltenfriedensbringer, als einen Moralapostel von weltumfassendem Format. Die beste Tarnung für den Wolf scheint der Schafspelz zu sein. Gibt es Mittel dagegen? Wie wird man die vergiftete Moral los, den Moralismus, der sich einem jeden Tag ärger an den Hals wirft? Der unsere Widerstandskraft im Kern lähmt ...

Viele, die spüren, dass da was faul ist, verfallen auf das falscheste Mittel. "Dann muss ich eben noch moralischer sein!" denken sie. So rutscht man in den Hypermoralismus. So verlief die traurige Geschichte etwa der Grünen. Nein, Trunkenheit lässt sich nicht wegsaufen. Das Problem ist nicht neu, und die Grossen haben schon vor Jahrtausenden Hilfestellungen gegeben. Zwei Beispiele:

Der Grund- und Eckstein des Christentums hielt nichts vom Moralisch-sein-wollen. Auf ihn geht die Parabel vom Moralphilosophen und vom Kollaborateur zurück. Jeder von den beiden ging an den Ort, wo sie den Quellen des Guten nahetreten wollten, in den Tempel. Der Moralphilosoph, ein Mann der pharisäischen Schule, fühlt sich dem Guten gegenüber dankbar für seinen Ist-Zustand ("Ich danke dir dafür, dass ich nicht so bin wie die anderen!"). Er schätzt am Guten, was es für ihn geleistet hat und leistet. Es schenkt ihm seine soziale Stellung und sein erfreuliches Selbstverständnis. Sein erhöhtes Selbsterleben, für das er dem Guten dankt, entzündet sich allerdings an seinen eigenen Denkleistungen, Festlegungen und Definitionen und denen seiner Kollegen, in die sie meinen das Gute einschliessen zu können, an ihren Moralkonstruktionen und Gesetzen. 

Ganz anders der Kollaborateur, der im Dienste der Besatzungstruppen aus der Bevölkerung Tributsteuern herauspresst. Von sich selber hält er aus guten Gründen nicht viel. Seine Aufmerksamkeit sucht nach dem Guten als einer ihm mangelnden, schaffenden Macht, einer Macht, die auf den ungenügenden, den minderwertigen Kerl in seinem Ist-Zustand verwandelnd, 'gnadevoll' einwirken soll ("Sei mir Unzulänglichem gnädig!"). Der Kollaborateur steht sich selber nicht im Weg. Ihn behindert auch nicht, was er sich über das Gute ausdenkt und in Regeln, Gesetze und Auslegungen fasst. Der Moralismus kann ihn nicht packen. Er öffnet sich für die 'göttliche' Unmittelbarkeit des Guten, für die Stärkung und Gesundung ('Gnade'), die von ihm ausgeht. Er denkt nicht über das Gute generell (Moralismus) nach, er sucht das Konkrete, Jetzige, Unmittelbare, ohne Vorschriften zu machen. – 

In einem anderen Kulturkreis findet man ähnliche Hilfen gegen den Moralismus: "Der Ordinäre fordert die edle Handlung von anderen; der sich Veredelnde nur von sich." heisst es etwa bei Konfuze. Das moralische Fordern (der Moralismus) steigert den Hochmut, und je mehr, um so weniger man selber leistet. Das "Allein-sich-selber-in-Dienst-nehmen" macht ganz natürlich um so bescheidener, je mehr man es betreibt. Man lernt dabei sich und den eigenen Kollaborateurscharakter und die Welt immer besser verstehen. Das macht bescheiden. Moralismus stört da nur.

Das sind zwei der vielen Könner, die lange vor Nietzsche und trittsicherer als er die Wege aus dem Moralismus gebahnt haben. Selbst Erich Kästner hat es verstanden: Das Gute ist immer nur das Konkrete, das man selber tut. Das, was man von anderen fordert, ist nie das Gute. Das ist nur Moralismus. Fort mit ihm!

Fazit: Moralphilosophie, mittels derer man das Gute aus allgemeinen Gedanken meint ableiten zu können, führt nicht zum Guten. Man  muss das Gute als eine Macht aufsuchen, als einen Gott, nicht als einen Gedanken. Und dann finde man es hoffentlich und bleibe ihm nahe. Leben in der Gegenwart Gottes nennt es ein anderer Klassiker, Frère Laurent. Man kann auch im Krieg und in ähnlichen Verantwortungslagen handelnd und kämpfend mit der schaffenden Güte verbunden sein. Auch und gerade im Kampf. So spricht Krischna zum König Arjuna mitten auf dem Schlachtfeld, als dieser einen massiven Anfall von Pazifismus bekommt: "Tu deine Pflicht! Das 'Ich bin' hat deine Feinde (deine Verwandten) schon erschlagen. Nimm den 'Ich bin' in deinen Willen auf und schlage den Feind!". So zog Jeanne d'Arc in die Schlachten, im Bewusstsein, dass sie das Werk Michaels, des himmlischen Heerführers tat. In dieser Haltung sangen die Soldaten und Ritter des alten europäischen Kaiserreiches das Michaelslied, wenn sie in den Kampf zogen. Führen wir den Gedanken von Thomas Wawerka weiter: Das Christentum soll uns nicht nur vor rechts- oder linksgekämmten politischen Vereinnahmungen befreien. Wir brauchen jetzt ein Christentum, das uns von der moralischen Vereinnahmung befreit.


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Kommentare (55)

Franz Bettinger
28. Dezember 2017 09:30

Es gilt: Eine guter Mensch tut Gutes. Ein Gutmensch lässt Gutes (von anderen) tun. 

Maiordomus
28. Dezember 2017 10:09

Natürlich hat die Frage nach der Moral mit Vernunft zu tun, und zwar mit der aristotelischen und kantischen praktischen Vernunft, welche nicht zu verwechseln ist mit einem fundamentalistischen und fanatischen Schema. Selber war ich im Februar in Rouen auf Recherche betr. Jeanne d'Arc, die für mich jenseits ihres erbärmlichen Schicksals (mit den Projektionen von Hexe und Heiliger, beides fürchterliche Rezepte)  eine fragwürdige historische Figur bleibt, trotz vordergründigen Ähnlichkeiten das Gegenteil ihres Zeitgenossen Klaus von Flüe, der sein Land rettete, weil er es als einziger nicht retten wollte und sich eigentlich nie vereinnahmen liess, wenigstens nicht zu Lebzeiten. Es lohnt sich, in Sachen Jeanne etwa die Studien des illusionslosen Salzburger Mittelalterforschers Peter Dinzelbacher über Hexen und Heilige im Mittelalter näher zu vergegenwärtigen, allenfalls auf youtube den Film "Le procès de Jeanne d'Arc" von Robert Bresson runterzuladen. Die Akten wurden vom Schweizer Priester und Schulrektor Josef Bütler aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt.

Ich besuchte indes nicht nur Rouen, sondern auch Saint-Etienne de Louvray, gleich bei Rouen, wo der fromme Priester Jacques Hamel im vorletzten Juli auf unglaublich sadistische Art und Weise am Altar abgeschlachtet wurde. Zu meiner Überraschung war seine Kirche unterdessen geschlossen. Immerhin findet einmal die Woche ein Rosenkranzgebet statt, und einmal die Woche eine Messe, sonst aber tut man, im Gegensatz zu einer sonst fast 2000jährigen Traditon, alles, um die Stätte eines Martyriums nicht zu einem Wallfahrtsort machen zu lassen. Weil dies vielleicht "islamophobe" Gedanken aufkommen lassen könnte? Dabei scheint Père Jacques Hamel bis jetzt der ausdrucksstärkste christliche Heilige Europas im 21. Jahrhundert gewesen zu sein; für diesen Eindruck braucht es keinen Heiligsprechungshokuspokus mit organisierten Wundern; es bleibt zu anerkennen, dass niemandem zu Lebzeiten der Gedanke der Rache so fern war wie dem in vielfacher Hinsicht geopferten Jacques Hamel. Der Papst wird nur schon nur seinen Namen bei keiner öffentlichen Predigt erwähnen, so wie er bis zur Sekunde noch nie auch nur einen Hauch einer Reform durchgezogen hat, angeblich, weil die Kurie ihn hindert.

Es gibt keinen Grund, die Rückweisung des Moralismus, womit der im Tiefsten durchaus berechtigten Moralkritik von Nietzsche ("Ich bin gerecht heisst für den Moralisten: Ich bin gerächt!" eine legitime Hommage erwiesen würde, mit der Rückweisung von Ethik und Moral als Theorie der Praxis vernünftigen Handelns zu verwechseln. Die Ersetzung klerikaler Moralprediger durch universitäre Moralbeamte bringt es aber kaum, wiewohl die Erforschung der Moral sowie die Kritik der Moral durchaus wissenschaftsfähig wären. Für Kants Frage "Was sollen wir tun?" ist gemäss Max Weber die Wissenschaft nicht zuständig. Der Mensch braucht, wie der Physiker Werner Heisenberg monierte, dazu Religion. Was aber, wenn nicht einmal, was der Papst durchaus treffend anmerkte, nicht einmal das Vaterunser von den Christen ausreichend verstanden wird?

Gut, dass der oben genannte Wawerka durchaus bereit scheint, sich auf die Socken zu machen. Macht er seine Sache gut, wird er zum Beispiel für die Leute der AfD eher eine Art Pfahl im Fleische sein als sich nur auf die Funktion des Orwellschen Kanzelraben zu beschränken, der vom Kandiszuckerland predigt.

PS. Nach meinen neuesten Benachrichtigungen soll sich ein französischer Bischof für die Einleitung eines Seligsprechungsprozesses für den ermordeten Père Hamel verwendet haben.

 

Der_Jürgen
28. Dezember 2017 10:52

Als ich diesen überaus treffenden Artikel las, kam mir auf einmal eine gar traurige Geschichte in den Sinn, die ich als kleines Kind von meiner Urgrossmutter gehört habe:

Die gar traurige Geschichte vom Ritter Kunibert.

Man schreibt das Jahr 1241. Bei Liegnitz stehen sich die mongolische Invasionsarmee unter Batu Khan und ein deutsch-polnisches Heer unter Heinrich II. gegenüber. Siegen die Mongolen, so bedeutet dies für zahlreiche Städte Plünderung Brandschatzung und Zerstörung, für zahllose europäische Männer den Tod und für ihre Frauen und Töchter ein noch schlimmeres Schicksal.

Im christlichen Heer, das dem Feind Europas entgegentritt, gibt es auch einen jungen Ritter namens Kunibert. Er war anfangs mit wilder Entschlossenheit in den Krieg gezogen wie seine Kollegen, aber zwei Tage vor der Schlacht hatte er bei einem Brunnen, wo er sich erquickte, eine wandernde Bettelnonne namens Kässmann getroffen, die ihm ins Gewissen redete und ihm die Augen öffnete. "Nein zu jeder Gewalt gegen Menschen anderer Hautfarbe und Religion, nein zu Rassismus und Fremdehass", hatte sie ihm eingeschärft.

Als sich die beiden Schlachtreihen aufeinander zu bewegten, schossen dem jungen Kunibert folgende Gedanken durch den Kopf: "Der Mongole, der mir da gegenübersteht, ist vielleicht auch ein heimlicher Pazifist, genau wie ich. Vielleicht ist er auch gegen Gewalt und Terror. Dass hier gekämpft wird, daran sind Batu und Heinrich gleichermassen schuld. Man hätte verhandeln und gemeinsam eine multikulturelle Gesellschaft aufbauen müssen; wir hätten den Mongolen gegenüber eine Willkommenskultur entwickeln müssen, und dann hätten sie sich rasch an unsere Lebensart gewöhnt und auch unser Grundgesetz respektiert."

Kunibert liess es nicht bei Gedanken bewenden, sondern erwies sich als Mann der Tat. Er warf sein Schwert weg, streifte seine Rüstung ab und rannte den Mongolen entgegen.  "Liebe Freunde, schmiedet Schwerter zu Pflugscharen um. Sagt nein zu Vorurteilen und rechtsextremer Intoleranz, so wie ich es tue. Bitte werft..."

Weiter kam er nicht, denn in diesem Augenblick durchbohrte ein Pfeil seine Kehle.  Mit fassungslosem Gesichtsausdruck fiel Kunibert zu Boden und verschied zur selbigen Stund. Und über seine Leiche hinweg stürmten seine Ex-Kollegen mit gezücktem Schwert auf den Feind zu.

Der Gehenkte
28. Dezember 2017 12:03

Wenn das die Lösung ist - dann gibt es keine mehr!

Unabhängig davon ist sie ein Minoritätenproblem; sie schließt die Mehrheit der Deutschen per definitionem aus. Ich gehöre dazu - und sage kein Wort mehr.

Lotta Vorbeck
28. Dezember 2017 13:51

@Maiordomus - 28. Dezember 2017 - 09:09 AM

... Ich besuchte indes nicht nur Rouen, sondern auch Saint-Etienne de Louvray, gleich bei Rouen, wo der fromme Priester Jacques Hamel im vorletzten Juli auf unglaublich sadistische Art und Weise am Altar abgeschlachtet wurde. Zu meiner Überraschung war seine Kirche unterdessen geschlossen. Immerhin findet einmal die Woche ein Rosenkranzgebet statt, und einmal die Woche eine Messe, sonst aber tut man, im Gegensatz zu einer sonst fast 2000jährigen Traditon, alles, um die Stätte eines Martyriums nicht zu einem Wallfahrtsort machen zu lassen. Weil dies vielleicht "islamophobe" Gedanken aufkommen lassen könnte? Dabei scheint Père Jacques Hamel bis jetzt der ausdrucksstärkste christliche Heilige Europas im 21. Jahrhundert gewesen zu sein; für diesen Eindruck braucht es keinen Heiligsprechungshokuspokus mit organisierten Wundern; es bleibt zu anerkennen, dass niemandem zu Lebzeiten der Gedanke der Rache so fern war wie dem in vielfacher Hinsicht geopferten Jacques Hamel. ...

______________________________

Ergänzend sei zu dem während des Gottesdienstes am 26. Juli 2016 in Saint-Étienne-du-Rouvray ermordeten Priester Jacques Hamel noch nachgetragen:

# in der deutschsprachigen Wikipedia heißt es zu Jacques Hamel

"... In dieser Stadt habe der interreligiöse Dialog einen hohen Stellenwert gehabt, erklärte Imam Mohamed Karabila. Die katholische Kirche hatte den Muslimen das Grundstück geschenkt, auf dem sie dann ihre Moschee errichtet haben. Karabila, Vorsitzender des regionalen Rats der Muslime, kannte Hamel von regelmäßigen Treffen der Religionsvertreter. Er habe ihn als „Mann des Friedens, der Religion, einen charismatischen Mann“ erlebt, sagte er dem Figaro. ..."

# in der englichsprachigen Wikipedia lesen wir zu Jacques Hamel

"... With local imam Mohammed Karabila, the president of Normandy's regional council of Muslims, Hamel worked since early 2015 on an interfaith committee. After Hamel's death, Karabila described him as his friend with whom he had discussed religion and as also someone who gave his life for others. ..."

Frieden nur durch Freundschaft zu erreichen

" ... Zu den zahlreichen Menschen, die nach Hamels Tod nur Gutes über ihn zu berichten hatten, gehörten sehr prominent die Vertreter der muslimischen Gemeinde. In den letzten Monaten seines Lebens intensivierte der Priester sein Engagement für den islamisch-christlichen Dialog. Unter dem Eindruck der zurückliegenden Terroranschläge von Paris und Nizza, die von Islamisten verübt wurden und das Land zutiefst erschüttert hatten, war sich der 85-Jährige sicher, Frieden nur durch Freundschaft erreichen zu können. ..."

Quelle: www.katholisch.de

Hamel stand im Dialog mit der islamischen Gemeinde

"... Hamel lässt seine Pfarrei mit 75 Jahren los, unterstützt seinen Nachfolger aus dem Kongo loyal. Er bleibt dessen Hilfspfarrer, pflegt Kontakte zur islamischen Gemeinde, nimmt am Fastenbrechen der Muslime teil. Hamel bewegt das Statement des Abtes von Tibhirine, er sei betrübt, dass der bevorstehende Mord, den er erahnt, dem ganzen algerischen Volk angelastet werden würde. ..."

Quelle: www.domradio.de

Herr K.
28. Dezember 2017 14:15

Superwitzig!!! Ein Traktat über die moralische Verwerflichkeit der Anderen, wobei der Bescheidene nur die eigene Veredelung sucht. Sie sind mir aber auch ein Schelm, soviel Scherzerei zum Jahresende gefällt mir sehr gut...

Aber dennoch haben Sie ja auch ein wenig recht: das moralische Aufgeplustere ist schon drollig, wenn man den (manchmal offen) vorgegebenen Maßstäben selbst nicht standhalten kann. Meine Empfehlung: das Individuum mit Humor wieder auf den Boden holen, Doppelmoral war und ist schon zu allen Zeiten das Brot der Eulenspiegel gewesen. 

Was uns lähmt ist das mangelnde Testosteron, die Lebendigkeit, der Pathos, das emotionale Aufbegehren... das könnte man schon erreichen, allerdings ist Intellektualität vlt nur ein begrenzt wirksames Mittel. Witzigerweise kann man sich da etwas von den Nicht-Intellektuellen anschauen: Fußballfans, Clans etc.

Herr K.
28. Dezember 2017 14:21

@jürgen

Die Frage ist, wie Kunibert hätte handeln sollen. Dass sein Verhalten falsch ist, geschenkt. Nur was stattdessen? Die Wandernonne flachlegen? Gegen Mongolen und Wandernonne kämpfen? Die Wandernonne von den Mongolen flachlegen lassen? 

Ich hab da durchaus Antworten für mich, nur ist unklar, was Sie jetzt konkret empfehlen!?!?!?!

Gegendarstellung.
28. Dezember 2017 15:25

 

Wer bei der Schlacht auf dem Feld von Kurukshetra von "schaffender Güte" und bei der Arjuna-Szene aus der Bhagavadgita von einem "massiven Anfall von Pazifismus" spricht, der weiß nicht, wovon er redet.

Arjuna ist ein kshatriya (Krieger) mit unvergleichlichem Kampfesmut. Er wird auf dem Feld von Kurukshetra – auf dem sich Blutsverwandte und Freunde gegenüberstehen – nicht von einem weibischen Pazifismus übermannt. Vielmehr geht es um die Frage, ob sein dharma verlangt, seine Verwandten, Freunde und Lehrer zu töten, oder ob er damit Sünde auf sich lädt. Arjuna bedenkt vor der Schlacht (alle Übersetzungen von mir):

"Infolge der Zerstörung einer Familie gehen die ewigen heiligen Gesetze der Familie unter, und wenn die Gesetze untergegangen sind, überwältigt die Gesetzlosigkeit die gesamte Familie. Wegen des Überhandnehmens der Gesetzlosigkeit, oh Krshna, werden die Frauen der Familie ehrlos, und wenn die Frauen ehrlos sind, folgt eine Vermischung der Kasten. Die Vermischung der Kasten führt die Zerstörer der Familie und die Familie selbst fürwahr zur Hölle, denn ihre Ahnen fallen in die Hölle, da sie der Opferhandlungen mit Mehlklößen und Wasser beraubt sind." (Bhagavadgita I, 40-42).

Krshna fordert Arjuna auf, seine Pflicht zu tun: "Nachdem du dein dharma betrachtet hast, darfst du nicht zittern, denn eine bessere Sache als einen Kampf aus Pflicht gibt es für einen Krieger nicht." (Bhagavadgita II, 31)

Zudem kann Arjuna ohnehin nur die Körper töten: "Diese vergänglichen Körper sind die Hülle des Beständigen, das unzerstörbar und unermeßlich ist, deshalb: kämpfe, oh Bharata!" (Bhagavadgita II, 18)

Allein der Kontakt zur Materie erzeugt Dualität, wie e.g. Freud und Leid oder Beginn und Ende. Diese Dualität ist allerdings nicht von Bestand. Das Beständige hingegen ist zeitlos, wie Krshna dem Arjuna erklärt: "Aber wahrlich, weder ich war jemals nicht, noch du, noch jene Herrscher – und fürwahr werden wir nicht zu irgendeiner Zeit nicht sein." (Bhagavadgita II, 12)

Das Ergebnis der Kampfes? Die Armee der Kurus ist vollständig vernichtet.

Insofern ist es doch arg beschönigend, hier von "schaffender Güte" zu sprechen.

nom de guerre
28. Dezember 2017 16:17

 

Den Artikel habe ich jetzt zweimal gelesen – dankenswerterweise ist er ja nicht besonders lang – und trotzdem verstehe ich ihn nicht. Besonders diese Stelle bereitet mir Schwierigkeiten: >>Das, was man von anderen fordert, ist nie das Gute. Das ist nur Moralismus. Fort mit ihm!<< Hierzu ein (erfundenes) Beispiel. Ich bekomme mit, wie mein Nachbar seinen Hund verprügelt. Da ich so etwas nicht mit ansehen will, gehe ich zu ihm hin und lege ihm nahe, es sein zu lassen. Dabei versuche ich, ihm zu erklären, warum das, was er da macht, falsch ist. In einer idealen Welt lässt er sich sogar überzeugen. Hierbei handelt es sich einerseits um eine konkrete Handlung, nämlich hingehen und mit dem Hundebesitzer reden. Andererseits leitet sich aus dem Reden jedoch eine Forderung an ihn ab, ohne die das Reden im Übrigen gar keinen Sinn machen würde: „Sei gut zu deinem Hund“, basierend auf dem allgemeinen Gedanken, dass auch der Hund den Schmerz fühlt und jemand, der mit seinem Haustier so umgeht, keines haben sollte. Schließlich kann man auch gut ohne einen Hund leben, es besteht mithin kein nachvollziehbarer Grund, sich einen zu halten und ihn dann zu schlagen. Aber aus allgemeinen Gedanken kann man laut Artikel das Gute nicht ableiten, vielmehr kann (so verstehe ich obige Ausführungen) nur das gut sein, was der einzelne selbst tut bzw. zu tun imstande ist. Demnach ist es gut, wenn ich mich um meine eigenen Haustiere vernünftig kümmere (ich glaube, das ist tatsächlich der Fall), nicht aber, wenn ich entsprechendes von anderen fordere. Sollte ich also einfach weitergehen und mich nicht darum kümmern? Wenn ja, ist das eine seltsame Einstellung. Denn die Tatsache, dass es ihm gut ginge, wenn er mein Hund wäre, nützt dem fremden Hund rein gar nichts. Und selbst helfen kann er sich in der Situation nicht.

Um von meinem Beispiel wegzukommen und – vielleicht zur Klarstellung – auf den Kontext einzugehen, auf den der Artikel sich bezieht: Grundsätzlich bin ich auch der Ansicht, dass Moral kein alleiniger Maßstab von Politik sein kann. Über das Ergebnis eines (in bestimmten Bereichen – man darf ja nicht vergessen, dass andere moralisch durchaus fragwürdige Sachverhalte, wie z.B. die neulich hier erwähnten armen deutschen Rentner, die Flaschen sammeln, gerade die sogenannten „Gutmenschen“ einen Dreck interessieren) allein an Moral orientierten politischen Handelns muss ich mir hier sicher nicht verbreiten – das Stichwort Lemminge sollte genügen. Aber deshalb muss/kann man doch nicht generell auf eine (immer im Rahmen des machbaren!) allgemeingültige Moral verzichten. Wenn man das täte, würden wir im Ergebnis wieder beim reinen, gänzlich unmaskierten Recht des Stärkeren ankommen. Das scheint der Autor, wenn er sich ausdrücklich auf das Christentum bezieht, aber nicht zu meinen(?)

PS: Wie man Jeanne d’Arc angesichts des allgemein bekannten Ausgangs ihrer Geschichte als Beispiel für etwas anderes als „das arme Mädchen“ anführen kann, ist mir ein Rätsel.

Caroline Sommerfeld
28. Dezember 2017 17:11

"Worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen" beendete Wittgenstein seinen "Tractatus". Ich gewinne den Eindruck, daß die Rede über Moral das Schicksal der logischen Definition von Sprache teilen muß, wenn man's so angeht.

Wir stecken in einem multiplen Paradox fest, wenn's sowas gibt:

Moral zu fordern ist schaler und falscher Moralismus, weil man sie immer nur von den anderen fordert. Fordert man sie hingegen nur von sich selbst, darf man nicht drüber reden, weil man dann schon so gut wie Pharisäer ist. Wenn es aber ein Sprechverbot gibt, kann man Moral in Tugendform nicht entwickeln, verbreiten, anderen anerziehen und schon gar nicht die leidigen Moralisten widerlegen. Versucht man Moral theoretisch zu begründen, verfehlt man das gerade jetzt und hier zu tun Notwendige, da man sich ja mit Glasperlenspielchen aufhält und dafür nun wirklich keine Zeit ist. Schreitet man allerdings mutergriffen zur guten Tat, verfehlt man die dringend gebotene philosophische Reflexivität, ohne die wir nichts mehr und nichts weniger als tribale Barbaren sind.

Man kann's keinem rechtmachen. Herr, hilf mir aus dem Paradox!

Monika L.
28. Dezember 2017 17:31

Den Moralismus bekommt man überhaupt nie vom Hals !

Es gibt immer Moralisten: kommunistische, pazifistische, nationale, katholische, evangelische, jüdische, vegane, muslimische, liberale, soziale, christlische  etc...pp. Moralismus ist menschlich. Wir alle sind mehr oder weniger Moralisten.

Ein  Christentum, das uns von der moralischen Vereinnahmung befreit ? Was ist das ? Wenn schon, dann befreit die Nachfolge Christi vor der Sünde des Moralismus. "Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein...." , das wäre Befreiung von moralischer Vereinnahmung .

Ansonsten ist zu trennen zwischen philosophischer und theologischer Ethik, verschiedenen Morallehren, Tugendethiken, jesuanischem Ethos usw, 

Was war jetzt eigentlich das Problem ? 

Langsax
28. Dezember 2017 19:32

Wie man den Moralismus vom Halse bekommt? Ganz einfach, das erledigt die Evolution (manche sagen dazu: Darwinismus). 

Die heuten Hypermoralisten sind doch als "Gutmenschen" allgemein bekannt. Es sind aber keine guten Menschen, sondern sie sind Idealisten. Und Idealisten sehen die Welt durch ihre "ideale" ("rosarote") Brille. Und damit erkenne sie die Realitäten nicht! Nicht wenige von den Hypermoralisten wollen die Realitäten auch gar nicht sehen. 

Aber die gesellschaftlichen Realitäten sind unerbittlich, die Gesetze der Humanethologie (Naturgesetze!) kann auch kein Gutmeinender aushebeln. Der Idealist (Gutmensch) wird gnadenlos selektiert. 

Die Zeit "riecht" nach Veränderung, Deutschland wurde zu Babylobien verändert,  die Widersprüche der verschiedensten Kulturen auf engsten Raum streben zur Auflösung derselben. Ein neuer 30-jähriger Krieg steht ins Haus. Egal ob es danach noch das deutsche Volk geben wird, die Gutmenschen (Hypermoralisten) werden alle unter den Opfern des großen Mordens sein. 

Scholasticulus Paracelsi
28. Dezember 2017 20:03

Danke für diesen dichten Text.

... das Gute als eine Macht, einen Gott suchen, nicht es im Gedanken suchen...

Letztlich geht es da um die allgemeine Neigung, das Gute im Abstrakten, Erdachten, gut-gemeinten zu suchen. Und ja, dies geht von "links" und "rechts". Es immer gut und besser zu meinen.

Also statt des erdachten Guten, das man von anderen fordert, das eigene Gute setzen, das man tut.

@ Barkhoff: Welcher Art Christen"tum" kann das sein, dass uns vor moralischer Vereinnahmung befreit? Denken Sie an eine Organisation, an eine der Konfessionen ...? Ist es denkbar, dass noch einmal bekenntnishaft größere Teile der Christenheit vor die Welt treten und sagen: Schluß mit dem Moralismus! Was unsere Kirchenführer predigen ist christusfern....  ?

quarz
28. Dezember 2017 23:28

Das Schimpfen auf den "Moralismus" hat immer was von einer Entlastungsoffensive, mit der man die eigene Unzulänglichkeit rechtfertigen will.

Selbstdenker
28. Dezember 2017 23:39

Den Moralismus wird man erst vom Hals bekommen, wenn es finanziell finster wird. Moralismus muss man sich schliesslich leisten können. Man kann das ja sehr gut an den Champagner- Linken sehen, der von Multikulti träumt und seine Kinder dennoch in eine Privatschule schickt. Die Hypermoral ist die Folge einer satten Gesellschaft, die alle Werte und Traditionen verloren hat. Diese nehmen auch die Selbstaufgabe in kauf. Das sie aber zu den ersten Opfer gehören werden sehen sie nicht, noch nicht.

Heinrich Brück
29. Dezember 2017 01:14

Wenn dieser fünfzehnjährige Afghane (ganz sicher 15) in Kandel gewußt hätte, "greife ich das deutsche Mädchen an, bin ich ein toter Afghane", wäre die Tat dann geschehen? Hätten wir also eine solche Situation gehabt, in welcher dieses Denken realistischerweise für den Afghanen die Möglichkeit geboten, diesen Gedanken fassen zu müssen, der Afghane diesen Gedanken dann immer noch in Kandel gehabt haben könnte?

 

Für wen entscheiden wir uns? In diesem konkreten Beispiel darf einer am Leben bleiben. Die eigene Art zu erhalten, wie es die Natur vorsieht, und wogegen das Christentum nichts einzuwenden hätte. Die eigene Art zu vernichten, was keiner gesunden Rechtfertigung standhalten könnte. Wann fiel die Entscheidung? 

 

Franz Bettinger
29. Dezember 2017 01:40

@Sommerfeld, @Langsax 

Gefällt mir, was Sie über Moral geschrieben haben. Man lebt sie vor, und damit hat es sich! Wie in einem Wolfspack, möchte ich ergänzen. In einer (Groß-) Familie sind es die älteren Geschwister, die die jüngeren nolens volens "erziehen", nicht so sehr die Erwachsenen. Ich habe es mal erwähnt: Es wäre viel gewonnen, wenn spätere Von-Beruf-Denker erst einmal eine Natur-Wissenschaft erlernen würden, am besten Zoologie. Es darf auch Maurer sein. Mir war das, was andere verächtlich Biologismus (Naturalismus) nennen, stets eine Leitschnur. Man hatte Jack London zu seiner Zeit (1897) vorgeworfen, seine Tiere (Wolfsblut...) zu sehr vermenschlicht zu haben. Konrad Lorenz und andere Verhaltensforscher haben mehr als ein halbes Jahrhundert danach festgestellt, dass Jack Londons Anthropomorphismus (also das Zusprechen menschlicher Eigenschaften auf Tiere) sich gut mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft deckt, dass dieser geniale Tier- Beobachter und Roman-Schriftsteller mithin intuitiv erfasste, was später durch Experiment und Statistik bestätigt wurde. Experiment und Statistik sind übrigens die 2 einzigen Wege zur Wahrheit. Wie weit die Denker bzw. Moralisten uns gebracht haben, ist in seiner Perversität nie extremer anzuschauen gewesen als gerade heute.  So verstehe ich's. "Wir brauchen jetzt ein Christentum, das uns von der moralischen Vereinnahmung befreit," schreibt M. Barkhoff. Ich streiche für mich das Christentum. Dann bliebt: "Zur Hölle mit der verdammten Moral!" Man könnte auch sagen: Die verdammte Moral wird uns noch in die Hölle führen! Ich glaube, Raskolnikow würde dem zustimmen. Das ist für mich die Kernaussage dieses Aufsatzes. Vergesst nicht: Die größten Schweinereien der Menschheitsgeschichte (Inquisition, Genozide, Folter...) sind immer mit höchsten moralischen Ansprüchen gerechtfertigt und dem bestem Gewissen betrieben worden (Hexen-Unwesen, Rechtgläubigkeit, Missionierung, zur Ehre und zum Ruhme Gottes oder Allahs, ... ). Nein, wir brauchen nicht mehr Hirne, wir brauchen mehr Muskeln.

Lotta Vorbeck
29. Dezember 2017 02:36

@Selbstdenker - 28. Dezember 2017 - 10:39 PM

Den Moralismus wird man erst vom Hals bekommen, wenn es finanziell finster wird. Moralismus muss man sich schliesslich leisten können. Man kann das ja sehr gut an den Champagner- Linken sehen, der von Multikulti träumt und seine Kinder dennoch in eine Privatschule schickt. Die Hypermoral ist die Folge einer satten Gesellschaft, die alle Werte und Traditionen verloren hat. Diese nehmen auch die Selbstaufgabe in kauf. Das sie aber zu den ersten Opfer gehören werden sehen sie nicht, noch nicht.

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Ob die in gehobener Wohnlage residierende, linksgestrickte Toskana-Fraktion, die, sofern vorhanden den eigenen Nachwuchs selbstverständlich nicht auf eine der drogenverseuchten, staatlichen Rütli-Restschulen schickt, tatsächlich feuchten, multikulturellen Träumen nachhängt sei dahingestellt. Womöglich sollen vom Haß auf das "große Eigene", nämlich die eigene (deutsche) Herkunft getrieben nur die "Anderen", sozial vermeintlich tieferstehenden, nativen Deutschen in der Multikultihölle schmoren, während man solches für sich selber und die blutsverwandten Eigenen, selbstredend kategorisch ausschließt.

Rhetorisch gefragt: Wo wäre man total ausländerfrei nur unter Deutschen?Antwort: Bei den Antifanten ...  

Lotta Vorbeck
29. Dezember 2017 03:04

Derselbe Zeitgeistgemeinde, der in Verzückung gerät, sobald von kultureller Vielfalt die Rede ist, will wenig davon wissen, wenn Anderssein sein Sosein irritiert. Im Herzen des Multikulturalismus wohnt ein kryptoimperialer Homogenisierungsdrang. 

Wolfgang Engler

gefunden bei seidwalk

 

 

quarz
29. Dezember 2017 08:49

Ich kann der Rede von "Hypermoral" hier keinen Sinn abgewinnen. Entweder ist etwas moralisch geboten - dann ist bei einer Verfehlung der Norm nicht die Moral schuld, sondern der Akteur, der dieser Norm nicht gerecht wird. Oder es ist moralisch nicht geboten. Dann ist eine diesbezüglich verfehlte Norm eben keine moralische Norm, auch keine irgenwie spezifizierte ("Hyper") moralische Norm. Und wo keine moralische Norm ist, da ist auch keine Schuld, eine solche verfehlt zu haben.

Vielleicht soll mit "Hypermoral" ja auch auf das Bezug genommen werden, was in der Ethik als "supererogatorisch" bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um Dinge, deren Umsetzung zwar löblich wären, die aber über das moralisch Gebotene hinausgehen. Wenn dem so ist, dann soll man es aber einfach klipp und klar benennen. Denn dann ist niemand in der Rechtfertigungspflicht, der diesem Ideal (denn um ein solches handelt es sich dann, nicht um eine moralische Pflicht) nicht gerecht wird.

Im Zusammenhang mit der Immigrationsdebatte, in dem all dies hier wohl thematisiert wird, scheint mir der Fall klar zu sein: Die Aufnahme all der Massen aus Arabien und Afrika ist aus verschiedenen Gründen moralisch verwerflich. Daraus folgt, dass sie weder moralisch geboten noch "hypermoralisch" löblich ist.

Stresemann
29. Dezember 2017 12:02

Mir scheint es sinnvoll und notwendig zu sein, "Ethik" und "Moral" voneinander zu unterscheiden - und dann ggf. die Interdependenzen beider Phänomene/Konzepte anzuschauen. e(m) = h ließe sich zunächst stark vereinfacht statuieren (vlt sollten Laufvariablen ergänzt werden). Dann könnte Ethik (e) verstanden werden als eine Funktion, die über den je eigenen moralischen Grund-Sätzen (m) operiert und als Ergebnis Handlungsoptionen (h) liefert. Mind. 2 (denn Alternativlosigkeiten sind nicht Ergebnis eines ethischen Entscheidungsfindungsprozesses...).

Auf Sezession wurde ja bereits auf Horst G. Hermanns Moralapostolat verwiesen (Moralapostolat), auch durch Frau Kositza (und das soll jetzt kein neuer Werbeblock sein... ;-) ) Gut finde ich bei Herrmann, dass er viele Protagonisten des klärenden Moral-Diskurses adressiert (ein kurzer Blick in das Literaturverzechnis macht dies deutlich, manche hier Genannte finden sich dort wieder). Und dann werden Zuspitzungen geliefert:

Eine allgegenwärtige Moralisierungsoffensive (nicht e!)  im westlichen Christentum anhand der Reinheitsagenda der reformatorischen Theologie  – der
Rechtfertigungslehre, der »Soli« (allein durch Glauben, allein die Schrifft, allein die Gnade, allein Christus) etc., die das vorreformatorische Sollen einer christlichen Tugendethik in ein Müssen umgeschmolzen haben: ein Glaubenmüssen, Lesenmüssen, Begnadetseinmüssen.
Das es dann ungemütlich, weil hypermoralisch wird, ist dort bereits eingepreist, aber man darf es nicht Moral und auch nicht Hypermoral nennen (folgt man den Sprachspielen evangelischer Theologen). Ein gutes Beispiel dazu aus dem Kapitel über die »Unfähigkeit zur symbolischen Darstellung«:

»Der Siegeszug einer »Öffentlichen Theologie« (Bedford-Strohm) und Verfall und Ende des öffentlichen Lebens (Richard Sennett) als Kultus gehen Hand in Hand. In der protestantischen Befreiung und Emanzipation von symbolischen Formen, von sakramentaler Eschatologie, vom Priestersein, von Repräsentation und auch vom Opfer markiert die Ordination beider, des Mannes wie der Frau, die Gleichstellung im liturgischen Vakuum, eine »Eintragung ins Nichts« (Blumfeld). Die Kirche als Ekklesia, wörtlich: »die Herausgerufene«, die aus der Welt Herausgerufene, war noch fähig, einen öffentlichen Kult zu feiern; die sich selbst Hereinrufende ist dazu nicht mehr in der Lage.«

M.E. auch interessant für die "religiös Unmusikalischen", denn, wenn Hermann Recht hat, dann ist der religiös induzierte Moralismus auch in säkularen Räumen wirksam...

Ralf Kaiser
29. Dezember 2017 14:15

Sehr lobenswert, daß der Verfasser, obwohl er dem Christentum den Vorzug gibt, doch auch andere tradierte Weisheitslehren miteinbezieht. Ebenso lobenswert, daß eine @Gegendarstellung das Exempel aus der indischen Überlieferung präzisiert hat. Wie man an diesem Beispiel nämlich sieht, kann die Wahrung der göttlichen Ordnung nicht einfach als "gut" bezeichnet werden, sondern steht jenseits von Gut und Böse.

Nicht nur die alten Inder, auch unsere nichtchristlichen Vorfahren wußten das. Seit den bahnbrechenden Forschungen des schwedischen Indologen Stig Wikander ist nämlich der Wissenschaft bekannt, daß die Handlung des indischen Heldenepos Mahabharata, zu dem auch die Bhagavadgita gehört, denselben indoeuropäischen Ursprung hat wie die germanische Sage von König Harald Kampfzahn. Was in Indien der Gott Vishnu in Gestalt des Wagenlenkers Krishna (wörtlich "der Dunkle") ist, ist in Europas Norden der Gott Odin in Gestalt des Wagenlenkers Bruno (wörtlich "der Dunkle"). Es hat schon seinen Sinn, daß die germanischen Wörter Gott und gut nicht miteinander verwandt sind.    

Lotta Vorbeck
29. Dezember 2017 15:39

@Heinrich Brück - 29. Dezember 2017 - 00:14 AM

"Wenn dieser fünfzehnjährige Afghane (ganz sicher 15) in Kandel gewußt hätte, "greife ich das deutsche Mädchen an, bin ich ein toter Afghane", wäre die Tat dann geschehen? Hätten wir also eine solche Situation gehabt, in welcher dieses Denken realistischerweise für den Afghanen die Möglichkeit geboten, diesen Gedanken fassen zu müssen, der Afghane diesen Gedanken dann immer noch in Kandel gehabt haben könnte? ..."

 

__________________

 

# Wikipedia vermerkt unter dem Eintrag "Die Zeitmaschine"

"Die kindlichen Eloi leben scheinbar sorgenfrei und glücklich, aber völlig unreflektiert und verweichlicht in einer paradiesischen Umgebung, sehen ähnlich aus wie heutige Menschen und scheinen alle relativ jung zu sein. Es ist dem Zeitreisenden anfangs unverständlich, wer sie ernährt und kleidet, da sie offensichtlich nie zu arbeiten brauchen. Andererseits scheint eine namenlose Furcht vor der Dunkelheit, besonders den mondlosen Nächten, ihrer Idylle entgegenzustehen.

Die Morlocks, nach Empfinden des Zeitreisenden hässliche, affenartige, lichtscheue Wesen, hausen in unterirdischen Höhlen. Bei seinen Nachforschungen stellt er fest, dass sie dort riesige Maschinen betreiben und auf diese Weise das Leben der oberirdischen Eloi ermöglichen und erhalten. Anfangs scheint es ihm, als seien die Morlocks die Sklaven der Eloi, so wie in der Vergangenheit die Arbeiterklasse ausgebeutet wurde, um den Wohlstand der oberen Klassen zu sichern. Allmählich aber erkennt er, dass sich das Verhältnis inzwischen umgekehrt hat: Die Morlocks halten sich die Eloi wie Bauern das Vieh, sie sorgen für ihr leibliches Wohl, weil die Menschenfresser sie als Nahrung brauchen. In den dunklen Nächten holen sie sich oben ihre Mahlzeiten."

 

# Michael Klonovsky notierte am 20. Dezember 2017

[Auszug]

" ... Während sich die Wahrheits- und Qualitätspresse in bewährter Penibilität mit einem "Nazi-Emblem" bei der sächsischen Polizei beschäftigt, dem nur noch Reichsadler und Hakenkreuz fehlen, dann sähe es wie ein Emblem mit Reichsadler und Hakenkreuz, also wie ein Nazi-Emblem aus (hier), ist zu Nürnberg eine 72jährige Frau von einem kohlpechrabenschwarzen Zeitgenossen, der nur mit einer Unterhose bekleidet und anscheinend ohne konkrete Pläne für den weiteren Tagesverlauf auf der Straße stand, niedergeschlagen und danach mehrfach gegen den Kopf getreten worden – hier; wenn Sie Geschmack an so etwas finden, es gibt auch ein Händi-Video (aber Vorsicht, der Tag ist hin danach) – ohne dass dieser Exzess, der in jedem Land, in dem man nicht gut und gerne lebt, einen Lynchmord ausgelöst hätte, aber in ’schland vorbildlich mit der Herbeirufung der Polizei endete, von den Genossen Medienschaffenden bei Spiegel online, Süddeutscher, stern, FAZ, Zeit etc pp. als meldenswert befunden wurde (korrigieren Sie mich, wenn ich etwas übersehen habe), weil es in ihrer journalistischen Verantwortung liegt, unnötigen Verallgemeinerungen vorzubeugen, damit nicht noch mehr Steine auf die Mühlen der AfD fliegen. Hätte Heribert Prantl vielleicht zum x-ten Male darauf hinweisen sollen, dass es wahrscheinlicher ist, sich beim Rückwartseinparken den Halswirbel zu brechen, als Mitte Dezember am helllichten Tag in einer deutschen Stadt auf einen nahezu nackten Mohren zu treffen, der einem obendrein noch den Schädel eintritt? Und der Vorfall war ja nun wirklich nur von regionaler Relevanz!

PS: Willige Helfer der Sonnenkanzlerin befleißigen sich anscheinend, die weitere Verbreitung des Videos zu verhindern, speziell auf Facebook (hier – da sieht man doch gleich, dass die Masi vor die richtige Schmiede getreten ist, und jetzt kommt bekanntlich Youtube an die Reihe). Unserer Willkommenjunta schwant allmählich, welche Bestien sie mit dem Strom der sog. Flüchtlinge ins Land gelassen hat und dass alles nur der Anfang gewesen ist; nun versucht man, die Blutspuren zu verwischen."   

 

# sowie per heutigem 29. Dezember 2017 explizit zu dem von einem vor noch nicht allzu langer Zeit über die unbewacht, scheunentorweit offenstehende Grenze ins Land geschlappten, afghanischen, angeblich miderjährigen Kriminellen verübten Mord an einer Fünfzehnjährigen im pfälzischen Kandel

[Auszug]

" ... Bereits zuvor hatte die Polizei eine sogenannte Gefährderansprache gemacht – und den Jugendlichen auf sein Verhalten angesprochen und ihn gewarnt. 'In aller Regel fruchten solche Ansprachen auch', sagte der Ludwigshafener Polizeivizepräsident Eberhard Weber."  

"In aller Regel" meint: bei Zivilisierten. Bei einigen von Merkels Gästen haben die rührenden Behörden mit dem Instrumentarium des Rechtsstaates offenkundig das sogenannte Ende der Fahnenstange erreicht. Eine gewisse Klientel ist davon nicht beeindruckbar. Diese fidelen Kreaturen werten die Bemühungen um ihre Sozialisation als Eingeständnis von Schwäche. Bewährungsstrafen interessieren sie nicht, sondern ermuntern sie eher, Geldstrafen können sie eh nicht bezahlen, Haftstrafen bringen keinen Imageverlust, weil sie kein bürgerliches Image kennen und es meist keinen Arbeitgeber geben wird, der nachschaut. Wie man mit ihnen ein gedeihliches Zusammenleben organisiert, darüber sollten Sie den Jürgen Habermas befragen, der in migrationsfreundlichen Kreisen als bedeutendster lebender deutscher Denker gilt und 1995 in seiner Paulskirchenrede verkündet hat: "Aus den gewiß konfliktreichen und schmerzhaften Prozessen des Übergangs zu multikulturellen Gesellschaften geht eine bereits über den Nationalstaat hinausweisende Form der sozialen Integration hervor". Die "gemeinsame Bindung an historisch errungene republikanische Freiheiten" sowie "eine im historischen Bewußtsein verankerte Loyalität zu einer überzeugenden politischen Ordnung" seien es, die "über alle subkulturellen Differenzen hinweg das wechselseitige Einstehen der Bürger füreinander motivieren".  

Keiner hat etwas falsch gemacht. Auch die Medien nicht. Die Tagesschau erklärte auf anscheinend vielfache Anfrage: "Nach allem, was wir bisher wissen, handelt es sich um eine Beziehungstat. So schrecklich sie gewesen ist, vor allem für die Eltern, Angehörigen und Bekannten – aber tagesschau und tagesschau.de berichten in der Regel nicht über Beziehungstaten." 

Stimmt. Es handelt sich um eine Beziehung: die deutsch-afghanische nämlich. ..."

Monika L.
29. Dezember 2017 16:33

@Lotta Vorbeck @Maiordomus

Gut, dass Sie in diesem Zusammenhang an Jacques Hamel erinnern. Was den Dialog dieses Priesters mit der islamischen Gemeinde betrifft, findet dieser Dialog in Frankreich vor einem anderen historischen Hintergrund statt als etwa in Deutschland. Hamels Lieblingsfilm soll der Film " Von Menschen und Göttern" gewesen sein. Diesem Film liegt die reale Begebenheit der Ermordung von sieben Mönchen aus einem Kloster in Algerien zugrunde. ( Der letzte Mönch von Tibhirine) . Beeindruckend die Filmszene vom letzten gemeinsamen Mahl der Mönche zur Musik von Schwanensee, in der Erwartung des kommenden Todes:

https://m.youtube.com/watch?v=95tnV2WJhrA

Das versteht nur, wer seine Hoffnung über diese Welt hinausrichtet. Diese Mönche waren von jeglicher moralischen Vereinnahmung befreit. 

Ihr bewußter Gang in den Tod ist von anderer Qualität als etwa der Suicid von Dominique Venner. Das muss man jetzt nicht moralisch bewerten. ( Moralismus) 

 

Ruewald
29. Dezember 2017 18:25

"Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer." (Arthur Schopenhauer)
- man könnte hinzufügen: moralisch handeln noch schwerer...

"Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert, nicht mit schlechten." (G.B. Shaw)

Scholasticulus Paracelsi
29. Dezember 2017 21:09

@ Monika L. 28.12.17, 16:31

"Was war jetzt eigentlich das Problem ?" - Ja, Sie haben es doch zwei Absätze vorher sehr genau beschrieben: die Nachfolge Christi, die von der Sünde des Moralismus befreit. Das Problem ist, dass die Nachfolge, die in anderen Worten auch mit Paulus "Nicht ich, sondern Christus in mir" ausgedrückt werden kann, zum kulturbestimmenden Faktor werden muss, wenn die Menschheit überleben soll. Aber wir sehen sehr wenig davon, dass ein solches Christen-tum irgendwie maßgebend ist für jedwede gesellschaftliche Gestaltungen. Vielmehr sehen wir religiöse und areligiöse Formen der Moral, die letztlich an der Oberfläche des Menschseins bleiben.

@ Franz Bettinger, 29.12.17, 0:40

Ich bewundere seit einigen Wochen die Stringenz, mit der Sie Ihre biologische Sichtweise auf all die Gesprächsthemen anwenden, die hier verhandelt werden. Mit Ihrer Aussage, es gebe nur zwei "einzige" Wege zur Wahrheit, Experiment und Statistik, haben Sie diese Sichtweise wieder einmal treffend auf den Punkt gebracht. - Als einziges Problem sehe ich, dass oder wenn die Distanz zur eigenen Sichtweise fehlt, d.h. die Erkenntnis, dass es viele sehr verschiedene Sichtweisen auf die Welt gibt, die alle ihre Berechtigung haben, aber natürlich nicht die ganze Komplexität abbilden können. So wird wohl kaum einer den Wert von Experiment und Statistik für das Erkenntnisleben gering achten, wenngleich es doch notwendig ist, dass Experiment und Statistik von einem denkenden Bewußtsein wahrgenommen und interpretiert werden. Letztlich muss die Wahrheit immer in einem denkenden Wesen, dem Menschen, bewußt werden.

@ Caroline Sommerfeld, 28.12.17, 16:11

Ich meine, um das moralisch Gebotene, das Gute zu tun, ist die philosophische Reflexivität nicht vonnöten. Es braucht "nur" die Herzensbildung, um kein tribaler Barbar zu sein. -

Letztlich entsteht beim Nachsinnen hier für mich die Frage: Wie, wodurch, wann usw. entstand und entsteht: Gewissen. ?

Maiordomus
29. Dezember 2017 21:21

Die Debatte um "Hypermoral" führt auf das Standardwerk von Arnold Gehlen zurück "Moral und Hypermoral", welches ich mir 1970 als Student der politischen Philosophie einverleibte, was damals schon vergleichsweise viel mit der Mentalität der 68er zu tun hatte, welche im Ernst den Anspruch erhoben, sich quasi als erste mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands auseinandergesetzt zu haben. Es ging um den "Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft" (Hermann Lübbe). In Tat und Wahrheit wurde damals die Gesinnungshistorie begründet, so wie sie sich heute zum Beispiel in dem gegen Joachim Fest gerichteteten Pamphlet "Albert Speer - Eine deutsche Karriere" (Siedler 2017) von Magnus Brechtken lehrbuchmässig manifestiert, ein Beispiel auch für revisionistische Historie, bloss umgekehrt, in potenziertem Antifaschismus und durchaus analog vergleichbar mit revisionistischen Werken der Rechten etwa gegen Wiesental, insofern natürlich sowohl Speer als auch Fest Widersprüche und Ungenauigkeiten nachgewiesen werden, was im Detail analog dann und wann Anlass zu echten Korrekturen gibt. Trotzdem, mit Gesinnungshistorie lässt sich heute zwar Karriere machen, wenn man auf der richtigen Seite steht und ins richtige Horn bläst, im Gegensatz etwa zu Frank Lisson, vergleiche seinen eindrücklichen Artikel "Das Kaninchen bin ich" in der neuesten gedruckten Nummer von Sezession, nach wie vor ergiebiger als der Durchschnitt der Online-Kolumnen. Es bleibt dabei, dass mit Hypermoral weder kompetent philosophiert werden noch eine ernst zu nehmende Geschichtschreibung in die Wege geleitet  werden kann. Über manchen tendenziösen Schrott von Brechtken kann man nur den Kopf schütteln, wiewohl der Anmerkungsteil noch ernst genommen werden kann, mit immerhin einer Andeutung der Probleme mit Himmlers Posener-Rede, in welche Geschichte bekanntlich auch Speer involviert ist. Dass Speer indes wie alle Memoirenschreiber perspektivisch schreibt und im Zweifelsfall zu seiner Rechtfertigung und Entlastung, ist eine reine Banalität und gilt bekanntlich für Texte von Bismarck genau so wie für solche von Churchill usw., bei welch letzterem niemand auf die Idee einer "Täterbiographie" kommen würde. Danach aber herrscht heute aber im Sinne des "Tätervolks" nun halt mal ein "antifaschistisches" Bedürfnis.

@Monika. Ihre Hinweise auf die Unterscheidung zwischen dem im Sinne von Max Scheler ressentimentgeladenen Moralismus gegenüber einer brauchbaren theologischen und philosophischen Ethik bleiben als Mahnung, beim Kampf gegen den Hypermoralismus das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten, hier jederzeit eine Besinnung wert. Bei meinen Ausführungen oben wird die Hauptaussage von wegen einem langatmigen Einschub wohl nicht ganz klar. Es muss, wohl auch in Ihrem Sinne heissen: "Es gibt keinen Grund, die Rückweisung des Moralismus (...) mit der Rückweisung von Ethik und Moral als Theorie der Praxis vernünftigen Handelns zu verwechseln."  Ein sehr wertvoller Beitrag von @Monika im gedruckten Dezemberheft Sezession ist die Rezension des Buches von Ulrich L. Lehner "Die katholische Aufklärung. Weltgeschichte einer Reform bewegung", was indirekt auch mit der Geschichte einer christlich orientierten Ethik zu tun hat.

 

PS. Nachtrag zu Frank Lisson. Gemäss seinem Artikel "Das Kaninchen bin ich"  (Sezession, Dezember 2017) ist das deutsche Geistesleben im Hinblick auf eine ehrliche Auseinandersetzung zur geistigen Situation der jeweiligen Gegenwart zur Zeit in einem Zustand, erbärmlicher als die DDR um 1965, wo damals immerhin einige mutige Filme gedreht wurden (die indes vor Publikum erst nach der Wende gezeigt werden durften). 

 

 

Ruewald
29. Dezember 2017 23:37

Instrumenteller Moralismus

Mit diesem Begriff und Aspekt die Moralismus-Debatte zu ergänzen, erscheint mir angebracht. Gemeint sind damit Täuschungsstrategien, durch Argumentationsebenenverschiebung ins Moralische die Adressaten zur Zustimmung zu verleiten, indem die verbreitete Resonanzbereitschaft für moralische Appelle (über biologische, kulturelle, psychologische Wurzeln mag gestritten werden) ausgenutzt wird. -
Beispiele: „wir müssen unsere Freiheit im Hindukusch verteidigen“; Regimewechsel durch Beseitigung „brutaler Diktatoren“ (z.B. Saddam Hussein, Gaddafi, Assad); wir müssen den armen „Flüchtlingen“ helfen und sie ohne Obergrenze willkommen heißen, das sind wir der Welt schon wegen unserer dunklen Vergangenheit schuldig; usw. -
Es handelt sich dabei auch um eine Manipulationsmethode des „Manufactoring Consent“ (Chomsky).

Wie ist dem zu begegnen? Beispielsweise durch eine Skeptische Ethik, die einerseits Inkonsistenzen, logische und performative Widersprüche auf der (vorgeblichen) moralischen Ebene nachweist, und andererseits decouvriert, inwiefern es sich gar nicht primär oder überhaupt nicht um eine moralische Sache handelt. – Es sei an den weisen Rat erinnert: „Man traue keinem erhabenen Motiv für eine Handlung, wenn sich auch ein niedrigeres finden läßt!“

Schenkendorf
30. Dezember 2017 00:40

Zur Kunibert-Geschichte von Der Jürgen:

Der Begriff "brandschatzen" ist  - wie seit einiger Zeit allgemein üblich  - falsch verwendet. Er bedeutet nicht wie hier gemeint: "niederbrennen", sondern eine Erpressung mit der Drohung des Niederbrennens. Wurde bei der Brandschatzung Geld oder Gut geliefert, unterblieb das Niederbrennen.

 

quarz
30. Dezember 2017 00:51

@Ruewald

"Wie ist dem zu begegnen?"

Die Wirkungsmacht solcher Strategien beruht weniger auf der Kraft von Argumenten als auf Einschüchterung. Andersdenkende werden gesellschaftlich isoliert und als Parias stigmatisiert und es wird ihnen der Eindruck vermittelt, dass ihnen ein übermächtiger, homogener gesellschaftlicher  Block gegenübersteht, angesichts dessen sich Selbstzweifel beim Isolierten einstellen, die ihn schließlich in die Kapitulaition treiben sollen. In der Sozialpsychologie sind solche Wirkungsmechanismen ja gut untersucht und werden auch in verschiedenen Praxisfeldern eingesetzt.

Dem ist nun vor allem damit zu begegnen, dass im scheinbar isolierten Dissidenten das Bewusstsein erweckt wird, dass er eben nicht allein ist mit seiner Sicht der Dinge, sondern dass es fundierte Gegenpositionen gibt, die auf einem Niveau vertreten werden, das dem der Hegemonen nicht nachsteht oder dieses gar in den Schatten stellt. Es muss das Selbstvertrauen des Zweiflers gestärkt und ihm das Wissen darum vermittelt werden, dass seine Position eine respektable ist, die den öffentlichen Vergleich nicht zu scheuen braucht.

Die ganze Misere unserer politischen Gegenwart lässt sich vielleicht auf diese zwei Kernprobleme reduzieren: Blindheit und Angst. Die beiden sind eng verknüpft. Besserung des einen zieht Besserung des anderen nach sich. Wem die Augen geöffnet werden, der gewinnt an Selbstvertrauen, weil ihm das Defizitäre im Opponenten bewusst wird. Und umgekehrt: wer mutiger wird, der traut sich auch, die Augen zu öffnen und der Realität ins Gesicht zu blicken.

Harding
30. Dezember 2017 03:07

Den Moralismus wird man nie vom Hals bekommen, da es immer Besserwisser, Weltretter, Schlaumeier, Bevormunder, Regelmacher und Sozialisten geben wird.

In meinem Alltag lebe ich aber sehr gut damit, meinen Mitmenschen zu erklären, das der Mensch ein fehlerhaftes Geschöpf ist. Ich erwarte gar nicht den Allerbesten Menschen, sondern kann auch mit dem Zweitbesten gut leben. Jeder von uns muss immer wieder an sich arbeiten und das beste raus machen. Auch mit Zweitbesten Menschen kann noch zu guten Resultaten gelangen. Damit nimmt man den Moralisten schon vorab den Wind aus den Segeln.

Lotta Vorbeck
30. Dezember 2017 09:10

@Monika L. - 29. Dezember 2017 - 03:33 PM

@Lotta Vorbeck @Maiordomus

Gut, dass Sie in diesem Zusammenhang an Jacques Hamel erinnern. ...

______________

 

Ein Aberwitz, daß ausgerechnet dieser, den Kontakt zum (lokalen) Islam suchende römisch-katholische Priester Jacques Hamel, in seiner'Kirche, während des Gottesdienstes auf bestialische Weise von zwei sogenannten Korangläubigen, nach islamischer Sitte quasi geschächtet worden ist.

Die beiden Mörder Hamels sind kurz nach der Tat - im Verlaufe eines Polizeieinsatzes - erschossen worden. Genauso wie es zuvor mit moslemischen Attentätern in Paris, Molenbeek, einen Tag vor dem Heiligen Abend 2016 mit dem als Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche identifizierten Tunesier in Sesto San Giovanni, Italien oder im Sommer 2017 bei Barcelona geschah.

Wenn die späteren Jihadisten als angebliche Flüchtlinge ins Land gelassen werden, sind sie mit nichts als ihren Smartphones "bewaffnet", haben ihre Personaldokumente selbstverstädlich auf der Flucht "verloren".

Werden dieselben Leute später als Attentäter identifiziert, pflegen sie mit schöner Regelmäßigkeit ihre Pässe zuvor entweder am Tatort oder im Fluchtfahrzeug zu "verlieren", bevor sie in einer Art Showdown-Shootdown liquidiert werden.

Und mit dem Tode der Täter ist der Kriminalfall dann jeweils abgeschlossen. Gewiß ein Schelm, wer Arges dabei denkt ...

 

Sehr aufschlußreich auch dies hier:

Frans Timmermanns - Vizepräsident der EU-Kommission: „Monokulturelle Staaten ausradieren!“

veröffentlicht am 04.05.2016

Vizepräsident der EU-Kommission: „Monokulturelle Staaten ausradieren!“

Die Zukunft der Menschheit, so EU-Kommissar Timmermans, beruhe nicht länger auf einzelnen Nationen und Kulturen, sondern auf einer vermischten Superkultur. Die heutigen Konservativen, die ihre eigenen Traditionen wertschätzen und eine friedliche Zukunft für ihre eigenen Gemeinschaften wollen, berufen sich laut Timmermans auf eine „Vergangenheit, die nie existiert hat“ und können deshalb nicht die Zukunft diktieren. 

Europäische Kultur und europäisches Erbe seien lediglich soziale Konstrukte und jeder, der etwas anderes behaupte, sei engstirnig. Europa sei immer schon ein Kontinent von Migranten gewesen und europäische Werte bedeuteten, dass man multikulturelle Diversität zu akzeptieren habe. Wer dies nicht tue, stelle den Frieden in Europa in Frage.

Die Masseneinwanderung von moslemischen Männern nach Europa sei ein Mittel zu diesem Zweck. Kein Land solle der unvermeidlichen Vermischung entgehen, sondern vielmehr sollen die Zuwanderer veranlasst werden, auch „die entferntesten Plätze des Planeten zu erreichen, um sicherzustellen, dass nirgends mehr homogene Gesellschaften bestehen bleiben.

Timmermans ist einer der ersten unter den EU-Führern, der die Maske fallen lässt und seine Vorstellungen so deutlich ausspricht.

[Youtube]

 

Die Aussage: "Kein Land solle der unvermeidlichen Vermischung entgehen, sondern vielmehr sollen die Zuwanderer veranlasst werden, auch „die entferntesten Plätze des Planeten zu erreichen, um sicherzustellen, dass nirgends mehr homogene Gesellschaften bestehen bleiben." - wird auf absehbare Zeit lediglich ein frommer Wunsch Timmermanns bleiben müssen. Die russischen, chinesischen, indischen, koreanischen, vietnamesischen, thailändischen, burmesischen wie auch die Streitkräfte Singapurs oder die Armeen südamerikanischer Staaten werden der islamischen Invadierung ihrer Länder im Stile von "Das Heerlager der Heiligen" mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht tatenlos zuschauen.

Franz Bettinger
30. Dezember 2017 09:23

@Thema "Die Diktatur der Moral". @Kositza: Ich würde gerne konkreter werden, wenn ich darf. Die Frage, die wir beantworten müssen und um die wir seit Monaten herumtanzen, ist immer wieder die gleiche: Warum wollen wir keine Einwanderung? Meine Erklärung ist die:

1. Deutschland ist kein Einwanderungs-Land. - D ist im Gegenteil eins der überbevölkertsten Länder der Erde. Wir brauchen keine weiteren Menschen in unserem eng gewordenen Land.

Intuitiv und zurecht haben daher vergangene Generationen von Abstammungs-Deutschen beschlossen, weniger Kinder zu haben. Das hätte (außer für Wall-Street) eine gedeiliche Schrumpfkur werden können, wenn die 300 Familien, die die Welt beherrschen, ja wenn diese Globalisten nicht etwas völlig anderes mit unserem Land und dem Rest der Welt vorhätten.

2. "Wir müssen den armen Menschen helfen." Seit wann? Seit wann müssen wir das? Seit wann weißt du das? Wieso hast du das nicht immer schon getan, mit deinem eigenen Geld? Vergessen? Warum leerst du dann nicht dein Konto wenigstens jetzt, und überweist alles nach Nigeria, wo dein Geld Gutes tun kann? Warum glaubt nur Merkel-Deutschland, aber kein anderer der 365 Staaten der Welt, dass wir aus humanitären Gründen Leute ins Land holen und sie "integrieren" müssen? Sind wir - wieder mal - schlauer, besser und moralischer als der Rest der Menschheit? Gruselt es euch Gutmenschen nicht manchmal vor eurer Güte? 

3. "Wir müssen 'Flüchtlinge' doch reinlassen!" Warum schließt du dann deine Haustür ab, die Wagentüren und dein Fahrrad? Und was heißt überhaupt hereinlassen? Die haben uns die Tür eingetreten, haben gar nicht erst gefragt. Was machst du mit einem, der auf dein Gelände vor dringt, die Tür eintritt, in dein Haus einbricht, von dir versorgt sein will und zwar für immer, und seine Verwandtschaft auch? Und der dir Böses androht, solltest du ihm nicht geneigt sein?

Franz Bettinger
30. Dezember 2017 11:03

Ergänzung nötig:
Nein, die Frage ist nicht Moral (positiv) oder Moralismus (negativ). Moralismus, so geht die Definition, ist die Vorstellung von Moral als alleiniger Richtschnur. Es soll nichts neben ihr geben. Wieso auch? Wenn sie doch so gut ist, die Moral? Und trotzdem jucken einem, salopp gesagt, die Hosenträger. Zurecht. Wir müssen das goldene Kalb nämlich schlachten, sage ich. Mit der Moral-Keule hat der politische Gegner uns, wenn ihm ansonsten nichts zur Verfügung stand, immer wieder erfolgreich in die rechte, die unbarmherzige Ecke geknüppelt. Weil wir, zumal die Gott-Gläubigen unter uns, zu feige sind, in diese Arena zu springen, in medias res. Warum verweigern wir den Kampf? Weil wir spüren, dass wir dann in uns selbst etwas sehr Lieb-Gewonnenes in Zweifel ziehen müssten. Aus so Zwickmühlen kommt man nicht leicht raus. Dem Allmächtigen gehorchen oder Isaac schonen? Das bleibt die ewige Frage. Ich habe sie für mich eindeutig beantwortet. Gott ist für mich gestorben. Dazu können sich viele nicht durchringen. Gut, ich will (und kann) Euch den Glauben an etwas Höheres, Transzendentes nicht nehmen. Das Jenseitige löst ja auch viele Probleme, nicht wahr? Ich aber denke, Gott ist und war immer nur ein Herrschafts-Instrument der Mächtigen. - Vögel verteidigen oft, den Tod verachtend, aus dem Nest gefallene Kücken. Zu solchen Heldenstücken bedarf es keiner Moral, wohl aber Motivation. Wo die herkommt und wozu die gut ist, ist erst mal egal. Es gibt sie, und basta. Motivation ist übrigens der Begriff, den die Natur-Wissenschaft an die Stelle von Moral gesetzt hat. Die Politik-"Wissenschaft" (ha) spricht ebenfalls nicht von Moral, sondern von Staats-Interessen. Zurecht, es ist weniger verlogen. Konkret: Es kann gerechtfertigt sein, zu töten! Das einzusehen muss ich bloß in die Natur schauen. Dazu brauche ich keinen Kant und keinen Aristoteles.

Franz Bettinger
30. Dezember 2017 11:47

@Ruewald:

"Man traue keinem erhabenen Motiv für eine Handlung, wenn sich auch ein niedriges finden lässt!" -  Ich befürchte, das Gegenteil ist wahr. Sogar den ruchlosen Globalisten traue ich die aller wertesten Motive zu für das Chaos, das sie anrichten. Wir stehlen den Hühnern ihre Eier, um sie zu verfrühstücken. Wir schlachten Lämmer. Aber doch nicht aus niederen Beweg-Gründen! Wir müssen schließlich "auch leben", oder? Ok, die Lämmer sehen das anders.

Nochmals, es geht kein Weg daran vorbei: Wir müssen glasklar darlegen, wieso es moralisch - ja, wir müssen diesen schwammigen Begriff benutzen, da wir ansonsten nicht verstanden werden - wieso es moralisch ist, die ins Land Drängenden abzuweisen und Die-Sich-Bereits-Hier-Befindlichen dahin zurück zu schicken, wo sie herkommen oder - falls die Herkunft nicht eruierbar wäre - dahin, wo der Pfeffer wächst. Dies mit gut verständlichen Argumenten. Wir dürfen nicht allein von Haare spaltenden Elfen, nein, wir müssen auch außerhalb des Elfenbein -Turms verstanden werden.

Ruewald
30. Dezember 2017 12:36

@quarz

Richtig, auf den Vorrang des Psychologischen hinzuweisen! Die Wirkungsmacht rationaler Argumente ist Null gegen die Macht der psychologischen Blockaden: Angst durch Einschüchterung, Blindheit. Die Blindheit ist kognitiv und psychologisch, induziert durch Indoktrination.

 

Maiordomus
30. Dezember 2017 12:41

@Bettinger. Wiewohl ich Sie auch schon dann und wann mal kritisiert habe, sehen Sie vieles richtig. Als noch bedeutender als Experiment und Statistik würde ich hoffentlich in Ihrem Sinne die schlichte Alltagserfahrung einschätzen, was bei einem Teil der akademisch ausgebildeten und an Hochschulen wirkenden Ethikern und Ethikerinnen durchaus als Schwachstelle auszumachen ist. @Scholasticulus/Bettinger: Dass "Experiment und Statistik" jedoch die "einzigen Wege zur Wahrheit" werden könnte, beruht im Hinblick auf Ethik auf einem grundsätzlichen Missverständnis, einer Sichtverengung, als habe Kant niemals gelebt. Mit der Tatsache etwa, dass praktisch alle Menschen gelegentlich lügen, zu schweigen vom Wahrheitsproblem, wie es Machiavelli und Adenauer (log trotz viel besserer Politik klar mehr als Hitler, der nach Reinhold Schneider und Max Frisch weniger log als herkömmliche Politiker), erfahrungsträchtig erörtert haben, also mit der empirisch wohl ausmachbaren Häufigkeit des Lügens können Sie Kants moralische Imperative nicht widerlegen. Überhaupt braucht es nun mal für ethische Erörterungen (nicht zu verwechseln mit gewissenhaftem Handeln von Menschen mit Herzensbildung, wie von @Sommerfeld angesprochen) eine methodische Schulung, die über das statistische Erörtern hinausgeht. Beispielsweise ist man ohne Kenntnis der Husserlschen Phänomenologie schlicht nicht kompetent. Für den Anfänger empfehle ich nach wie vor das Buch "Die zeitgenössischen Denkmethoden" von Joseph M. Bochenski, selber gemäss meiner Studien einer der 5 besten Logiker der letzten 100 Jahre. Mit zum phänomenologischen Denken gehören gemäss dem Motto "Zu den Sachen selbst!" die 4 Reduktionen, nämlich die Reduktion vom Subjektiven, die Reduktion vom rein Theoretischen, die Reduktion von allem, was nur Denktradition und Denkgewohnheit ist und die Reduktion vom Dasein, was in der neueren Philosophie das Existentielle genannt wird. Über Kant, Husserl, Bochenski, Dietrich von Hildebrand hinaus bleibt es aber dabei, dass es sich jederzeit lohnt, sich über den Common sense derjenigen Menschen Gedanken zu machen, die es theoretisch mit Berufsethikern niemals aufnehmen könnten und die trotzdem über eine hohe Kompetenz zumal im Durchschauen des ethisch Falschen haben.  Auf die Verhältnisse und Proportionen würde es ankommen! Das sind diejenigen, die sich in der heutigen Gesellschaft in ihrem Verhalten vielfach dumm vorkommen, weil für sie zum Beispiel des blosse Ausnützen des Sozialstaates ebenso widerwärtig ist wie die Akzeptanz einer permissiven Gesellschaft, die weder innere noch äussere Grenzen akzeptieren will. Die sich aber, als Nettozahler des Systems und zum Teil von diesem Ausgenützte, im tätigen Alltag trotz allem unverdrossen als anständige Menschen bewähren, als Mitbürgerinnen und Mitbürger, wie man sie sich wünschen würde.  

 

@Monika. Ihr Hinweis, dass es in Frankreich eine andere Tradition im Umgang mit Muslimen gibt als bei uns, vgl. das seinerzeitige Verhältnis des Père Hamel selig zu Algerien, geht sehr in die Tiefe. Es bliebe in diesem Zusammenhang noch zu reflektieren, dass die ältere deutsche Rechte traditionell nie besonders muslimfeindlich eingestellt war, zum Teil eher schon im Gegenteil.

Lotta Vorbeck
30. Dezember 2017 13:44

@Franz Bettinger - 30. Dezember 2017 - 08:23 AM

@Franz Bettinger - 30. Dezember 2017 - 10:03 AM

 

# „Wir schulden den Afrikanern und Arabern nichts“ – Prof. Thomas Rauscher im Interview

"Wir schulden den Afrikanern und Arabern nichts. Sie haben ihre Länder durch Korruption, Schlendrian, ungehemmte Vermehrung, Stammes- und Religionskriege zerstört und nehmen uns nun weg, was wir mit Fleiß aufgebaut haben."

 

# McBaal am 07.12.2016 zu: "Tunesien: Ein Großteil der Jugend "hat die Nase voll" und will raus"

Nein, wir schulden denen nichts, aber auch gar nichts!

"Es gibt kein einziges islamisches Land, in dem die Dinge, nach unseren Maßstäben, "gut" laufen. Ist der böse Westen in all diesen Ländern einmarschiert? Nicht mal annähernd. Wurden dort überall Muslime Opfer von westlichen Geheimoperationen? Nope. Ich könnte diese Liste fortführen, lasse das aber jemand anderen machen

Why Europe Owes The Migrants Nothing

Kurz: Wir als 0815 Otto Normalo schulden den Bewohnern des Nahen Ostens und anderen Muslimen der Welt absolut gar nichts. Ebensowenig haben sie "ein Recht" auf Wohlstand. So etwas gibt es nicht. Sie haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und Freiheit, so wie andere Menschen auch. Aber mehr auch nicht. Interessant dass alle modernen / wohlhabenden Gesellschaften der Welt eines gemein haben: Sie sind nicht islamisch. Ob nun autokratisch, kommunistisch oder demokratisch. Sie alle sind entweder christlich, buddhistisch, hinduistisch oder atheistisch geprägt, in jedem Fall aber säkular. Nur in islamischen Ländern kriegen die das nicht gebacken. Die Folge? Sie müssen Opfer einer Weltverschwörung sein, der typisch muslimische Opfermythos. Das ist Bullshit! Je islamischer eine Gesellschaft umso rückständiger, unfreier und barbarischer ist sie. Ein Blick in die Welt genügt als Beweis. Und solche Zustände möchte ich bei uns nicht. Deshalb ist es mir völlig schnuppe wie viele Unititel und Qualifikationen ein Migrant hat (was seltenst der Fall ist). Muslimische Einwanderer bekommen muslimische Kinder (meistens mehr als die native Population) und fördern damit eine Islamisierung der Gesellschaft. Das will ich nicht und deshalb lehne ich eine Migration aus dem muslimischen Raum rigoros ab. Es gefällt ihnen bei sich nicht? Dann sollen sie es ändern anstatt vor den Problemen davon zu laufen."

Heinrich Brück
30. Dezember 2017 14:14

Das Spiel lautet schon seit Jahrzehnten "Rat mal, wer zum Essen kommt"!

@ Maiordomus

Welche Art der Lüge ist gemeint? Beispiel: Zeitung verkündet, das Alter des Mörders sei 15. Lüge 1: Der Mörder ist älter, der Behauptung wird kein Bild beigefügt. Lüge 2: Der Mörder ist älter, ein Bild wird beigefügt.

Monika L.
30. Dezember 2017 14:53

@Maiordomus

ergänzend sei hingewiesen auf Charles de Foucauld ( 1858-1916) , Offizier, Mönch, Eremit, Priester, seliggesprochen von Benedikt XVI. Auf den etliche Ordensgründungen zurückgehen:

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Charles_de_Foucauld

Dieser Charles de Foucauld lebte als Kind kurz in Weißenburg ( Elsass) . Eine Plakette an einem Haus erinnert an den Bewohner. Ich bin ganz zufällig dort mal höngengeblieben. Kandel ( "Der Tod eines Mädchens") liegt nur 20 Km von Weißenburg entfernt. So kann man Spirituelle Kreise schließen. Das video von Sellner zum Mord in Kandel wurde von YT gelöscht. Die Relativierungen von sog. Experten sind unerträglich. Aber:

Vielleicht resultieren aus den Verbrechen an Mädchen und Frauen ( einheimischen und muslimischen) dereinst ( wer weiß) neue Frauengemeinschaften in Europa. Und es geht von christlichen und muslimischen Frauen eine Erneuerung aus. Die in die islamischen Länder reicht. 

Ruewald
30. Dezember 2017 18:49

@Bettinger 10:03
Bzgl. Ihrer nüchternen naturalistischen Sicht bin ich ganz auf Ihrer Seite.
Wenn Sie schreiben:„mit der Moral-Keule hat der politische Gegner uns.. immer wieder erfolgreich .. geknüppelt“, dann sprechen Sie gerade das an, was ich mit „instrumenteller Moralismus“ meine.
@Bettinger 10:47
Wenn Sie den politische Akteuren nun auf einmal die „wertesten Motive“ zugestehen, dann scheint mir das im Widerspruch zu Ihrer sonst eher skeptischen Sicht der „Moral“ zu stehen. Ich würde diese angeblich „wertesten Motive“ realistischer als Vortäuschungen instrumenteller Art einordnen. Selbst wenn man naiv wohlwollend „werteste Motive“ zugesteht, dann allenfalls in der Innenperspektive des Akteurs als Selbsttäuschung und Rationalisierung der „niedereren“ Motive, die er vor sich selbst nicht wahrhaben will. Für uns ist aber die Außenperspektive der zu schlachtenden Lämmer maßgebend.
Daß wir aus dem Elfenturm heraus müssen, ist selbstverständlich. Ob es gelingt, Andere auf moralische Weise zu überzeugen, „wieso es moralisch ist, die ins Land Drängenden abzuweisen“, da ist Skepsis angebracht, wenn die Anderen eine andere „Moral“ haben.
Wo Moral (bzw. Ethik) überfordert wird, geht es nur noch auf der Basis von Recht durch Gesetze und ihren Vollzug, notfalls mit Gewalt.   

Maiordomus
30. Dezember 2017 20:18

@Brück. Die sogenannten Lügen Adenauers gingen anders als Ihr Beispiel, wo es im heutigen Zusammenhang hauptsächlich darum zu gehen scheint, das Volk zu täuschen und im Endeffekt zu betrügen. Der erste Bundeskanzler unterschied drei Wahrheiten: die volle Wahrheit, die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit, was jeweils unterschiedliche Versionen ermöglichte. Adenauers Lügen gingen im Allgemeinen eher auf die Täuschung der politisch Korrekten aus, so wie er trotz allem Entgegenkommen gegenüber Israel und den Vereinigten Staaten einen gewohnheitsmässigen anerzogenen altkatholischen Antijudaismus längst nicht immer verleugnete, welcher im übrigen mit dem brutalen und total ressentimentgeladenen rassischen Antisemitismus nie zu verwechseln war. Aber Adenauer machte noch 1952 klar, dass die sogenannte Wiedergutmachung einer starken Volksgruppe mit hohem Einfluss im Osten der Vereinigten Staaten geschuldet sei und keineswegs mit einer Kollektivschuld des deutschen Volkes zu verwechseln. Im Gegensatz zu dem, was man heute die Gutmenschenideologie nennt, glaubte er indes nicht immer, was er sagte. Letztere Eigenschaft war noch für Franz Josef Strauss charakteristisch. Über Adenauers Verhältnis zur Wahrheit hat sich seinerzeit William S. Schlamm noch recht differenziert geäussert, auf der Basis der Analyse eines politischen Machiavellisten. Das Wichtigste an einem begabten Machiavellisten ist und bleibt, dass er seinen Charakter unter Kontrolle behält, was freilich bei Adenauer eher der Fall gewesen ist als bei FJS. 

Franz Bettinger
30. Dezember 2017 22:17

@ Lotta Vorbeck: Wir immer Zustimmung. Die Dinge gut ausgeleuchtet!

@ Ruewald: Sie haben es richtig erkannt. Wenn ich den Globalisten "nur die wertesten Motive" zutraue, dann meine ich dies nicht in einem objektiven Sinn, sondern in deren subjektivem Empfinden. Abraham hätte seinen Sohn Isaak eben auch nur aus dem edlen Motiv der Gottes -Liebe (oder Gottes-Furcht?) geopfert. Die IS- Terroristen, deren Selbst-Bezeichnung Gottes- Krieger lautet, empfinden wohl ähnliches.

Verehrter @Maiordomus: 
1. So gern ich Ihnen beipflichten würde, aber die Alltags-Erfahrung kann trügen. Warum sonst hätten wir 1000 Jahre lang den Aderlass gehabt, den Ärzte wie Patienten für hilfreich hielten? Der Skandal in der heutigen Medizin - auch wenn das etwas vom Thema abschweift - liegt aber darin, dass trotz der seit 40 Jahren vorhandenen eindeutigen (und hauptsächlich statistischen) Erkenntnisse viele Methoden (diagnostische wie therapeutische, vor allem bzgl. Krebs, aus pekunieren Gründen) weiter praktiziert werden. Die "On Evidence Based Medicine" (Epidemiologie) bleibt leider ein Stiefkind. Natürlich: Die Alltags-Erfahrung kann den Weg weisen (muss aber nicht).

2. Ich würde das Lügen nicht Untugend nennen. Ich habe spaßeshalber mitgezählt: Man lügt im Laufe des Tages viel häufiger als dass man die (vermeintliche) Wahrheit spricht. Dies aber aus gutem Grund. Meistens um andere zu erfreuen oder zu schonen. Es beginnt mit Floskeln wie "How are you" oder "Guten Morgen" (Fragen und Wünsche, die man nicht hat) bis hin zum falschen sozialen Lächeln. Lügen, Tarnen und Täuschen sind Eigenschaften, die die Evolution aus gutem Grund herausgebildet worden. Sie sind uns so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir sie kaum noch bemerken. Nein, wir zählen sie sogar zum guten Ton. Beobachten Sie sich mal selbst während nur eines Tages. Bewerten Sie kurz jeden Satz, nachdem Sie ihn ausgesprochen haben, ob es sich um eine Lüge handelt. Sie werden staunen. Die Wahrheit zu sagen halte ich nicht einmal für eine Sekundär-Tugend. (Die meisten, die mich kennen, halten mich für einen gnadenlosen! Wahrheits-Sager.) Kant ist bei seinem Tungend-Beispiel, wieder mal, von falschen Voraussetzungen gestartet. Das ist ja grade, was mich so immens nervt bei "starken Denkern": dass sie mutig ins Wasser gehen, ohne schwimmen zu können. Schlicht: Sie haben keine Ahnung, von was sie reden. Versetzen Sie sich einmal zurück in die Zeit der Inquisition (oder schauen Sie sich den Film 'Der Name der Rose' an) und in die Lage des braven William von Baskerville: Von was für irrwitzigen Prämissen er ausgehen musste! Der traurige Witz dabei: Wir sind heute nicht viel weiter.

Franz Bettinger
30. Dezember 2017 22:27

Ich weiß nicht, ob ich dies noch in die Diskussion werfen darf. Ich schrieb einem Freund (einem Homöopath), der keiner mehr sein wollte, folgendes: Mein Lieber, man kann nicht über eine Sache diskutieren, von der der andere keine Ahnung an. Nicht über die Cholesterin-Lüge, 9/11, das Dritte Reich oder das Objektivitäts-Postulat. Um mitreden zu können, muss man sich mit einem Thema gründlich befasst haben. Es ist sehr einfach: Um sinnvoll über das Auswahl-Axiom zu reden, muss man Mengenlehre studiert haben. Es geht nicht anders. Und wer die Dinge studiert hat, weiß mehr. (Er ist kein Besserwisser.) Trotzdem kann er irren. Und deshalb zieht es ihn in die Diskussion. Kluge Menschen wollen widerlegt werden! Weil sie nur dadurch der Wahrheit näher kommen. Dumme Menschen wollen bestätigt werden. Weil sie dadurch ihrem Ego näher kommen. Diese Falle nennen die Engländer confirmation bias, zu deutsch: die Vorurteils-Falle (eigentlich: Bestätigungs-Falle, also der Wunsch, bestätigt zu werden). Ich bin schon sehr früh, durch Dr. Blandfort (FB: einem der besten Chirurgen, die mir je begegnet sind) auf die überragende Rolle der Falsifikation (der Widerlegung) aufmerksam geworden.

"Jeder Trottel findet täglich Dinge, die seine Sicht zu bestätigen scheinen," sagte der große Chirurg: "Dahinter stecken Wünsche und selektive Wahrnehmungen. Weiter bringen uns aber nur die Dinge, die nicht ins Schema passen; das sind experimentelle oder statistische Ergebnisse, die beweisen, dass bisherige Annahmen falsch sein müssen." Warum Helmut Schmidt als Kettenraucher fast 99 Jahre alt werden konnte. Wieso die Franzosen ein viel geringeres Herzinfarkt-Risiko haben als die Finnen, obwohl beide Völker vergleichbare (mittlere) Cholesterin-Spiegel haben. Warum zwei Eisberge bis nach Dunedin (Neuseeland), also Richtung Äquator, treiben konnten, wenn es doch angeblich ständig wärmer wird. Warum bei dem angeblichen Terrorangriff am 11. September 2001 das Gebäude WTC 7 wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen konnte, obwohl es nicht von einem Flugzeug getroffen wurde und kaum brannte. Diese Sachverhalte legen nah, dass unsere bisherigen Vorstellungen wahrscheinlich falsch sind.

Das Problem liegt darin, dass viele Unwissende sich für informiert halten. Sie verwechseln die Propaganda der "Öffentlichen Meinung" mit Fakten. Sie glauben, was sie im TV sehen und in Zeitungen lesen. Stichwort "Gehirnwäsche". Durch viele Wiederholungen in möglichst vielen Medien soll ein Konsens vorgetäuscht werden, eine Wahrheit. Diese Methode funktioniert bei dummen Leuten recht zuverlässig, es sei denn man übertreibt die Lügen. Das ist gerade in der brd und in Europa geschehen. Mit den Boni und astronomischen Gehältern der Parlamentarier, Fußballer und Bank-Managern (ohne die sie ja alle weglaufen würden). Mit dem Gelddrucken (staatlichen und privaten Schulden-Machens). Den Flüchtlingen (die uns reich machen und nix kosten sollen). Der Ausländer-Kriminalität (die ganz verschwiegen oder als Einzelfall-Problem abgetan wird). Und mit dem Breitmachen des Islam (der nur "eine Religion wie viele andere" sein soll). Da schütteln sogar die Dummen den Kopf. Das ist genau die Zeit, in der es zu (leider meistens blutigen) Revolutionen kommt. Tut mir leid, wenn diese Fakten dir in den Hintern beißen, lieber Jetzt-Ex-Freund, aber so iss-es. Gruß, Franz - PS:  Ich möchte dir einen simplen Test vorschlagen, den "Heuchler-Test". Stell dir die Frage: Wäre deine Reaktion anders, wenn die andere politische Seite das gesagt hätte? Wenn Ja, könntest du ein Heuchler sein.

Lotta Vorbeck
31. Dezember 2017 10:43

Doppelt gepostet, wegen nicht funktionsfähiger Links

 

@Der_Jürgen - 30. Dezember 2017 - 04:08 PM

@Lotta von Vorbeck

Bevor Sie hier dabei waren, im Frühling letzten Jahres, erschien aus der Feder von Martin Lichtmesz ein hochinteressanter Artikel zu diesem Timmermans. Auch die Kommentare haben es teils in sich. Damals schrieb @Winston Smith noch hier; seine Stimme ist vor geraumer Zeit leider verstummt. Er gehörte sicherlich zu den kenntnisreichsten Foristen.

https://sezession.de/53702/frans-timmermans-der-grosse-austausch-als-manifest-destiny

______________________________

 

Lieber @Der_Jürgen,

Ihre Response rutschte offensichtlich in den falschen Strang, deshalb lege ich meine Reaktion hier ab.

DANKE für Ihren Hinweis auf Martin Lichtmesz' vorhergehenden Blogeintrag zu dieser niederländischen, in feuchten White-Genocide-Phantasien schwelgenden EU-Schranze.

Diesen Eintrag vom Martin Lichtmesz zur Causa Timmermanns hatte ich seinerzeit sehr wohl gelesen, er war mir aber anders, als Lichtmesz' ähnlich fulminante, bereits am 10. Dezember 2013 ebenfalls auf SiN publizierten Betrachtungen zu dem in den Regenbogenfarben gleißend am Globalistenfirmament strahlenden Stern von Afrika - Mea culpa! - augenblicklich schlicht entfallen.

Bin selber schon ein wenig länger hier dabei, kommentierte freilich bis vor geraumer Zeit hier noch unter meinem Mädchennamen ...

Ja, der meinerseits ebenfalls hochgeschätzte @Winston Smith, sowie etliche andere, langjährige Mitglieder des SiN-Kommentariats schweigen eisern seit dem nun schon ein Jahr zurückliegenden SiN-Relaunch.

 

An dieser Stelle sein Ihnen, sowie der gesamten SiN-Gemeinde schon mal Alles Gute für das Jahr 2018 gewünscht!

 

 

 

S.J.
31. Dezember 2017 11:04

"Die größte Ungerechtigkeit ist, dass man gerecht scheine, ohne es zu sein." (Platon, Politeia)

Da es in diesem Beitrag und in der sich anschließenden Diskussion vornehmlich um Moralismus geht, der das gesellschaftspolitische Handeln der Gegenwart prägt, könnten wir Platons Aussage als Grundlage nehmen. Es ist beinahe selbsterklärend, wie zutreffend sie beispielsweise eine der größten Fehlentscheidungen der Kanzlerin (die im September 2015) beschreibt bzw. das Handeln aller, die in der Folgezeit dazu beitrugen, diese Fehlentscheidung nicht rückgängig zu machen. Muss man es konkret erläutern, wie ungerecht es ist, wenn z. B. junge Männer aus dem Maghreb unter Vortäuschung falscher Tatsachen in den Genuss von Zuwendungen kommen, nicht aber wirklich Bedürftige? Man muss es nicht. Für eine Regierung sollte der einzige Maßstab des politischen Handelns die Anwendung der gültigen Gesetzeslage sein, die in der Regel in friedlichen Zeiten und nach ausgiebiger Prüfung und Zustimmung der "civitas" und ihrer Institutionen entstanden ist. Wenn die Bürger den Mut haben, für ihre Bürgerlichkeit einzustehen - sprich: die Einhaltung der Gesetze unverzüglich einzufordern oder ggf. massiv und friedlich zu demonstrieren sowie die Regierung im Rahmen der legitimen Mittel und Wege zügig auszuwechseln -, dann geht es gerecht und sittlich zu. Diesen Mut haben die Deutschen derzeit leider nicht.

Brettenbacher
31. Dezember 2017 14:09

@ Maiordomus

 

Im Ganzen eine sehr gute Beschreibung des "dünnen Dickhäuters" und des "dicken Dünnhäuters".

Wenn sie aber schreiben

Der erste Bundeskanzler unterschied drei Wahrheiten: die volle Wahrheit, die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit, was jeweils unterschiedliche Versionen ermöglichte

dann rumort es in meinem Gedächtnis. Ging das nicht so:?

Es gibt drei Stufen der Wahrheit. Die Wahrheit, die reine Wahrheit und die lautere Wahrheit. Und von mir bekommen se jetzt die Wahrheit.

Um das lauter wär's doch schad, oder.

 

 

Heinrich Brück
31. Dezember 2017 17:45

 

Lüge 2 wird erst dann verstanden und neutralisiert, wenn die Deutschen bereit sind, ihr demokratisches Weltbild zu hinterfragen und neu zu denken. Warum eine Demokratie verteidigenswert ist, die ein Volk nahezu auslöscht, verdanken wir exakt der psychologischen Form der Kriegsführung aus diesem Bereich. Es sind dies keine normalen Lügen. Und dem deutschen Geist entstammen sie auch nicht. Sie dienen dem Machterhalt durch Machtausübung durch seelische Zerstörung. Beispiel: (Orwell - https://www.youtube.com/watch?v=wTFV9w4B0eg ). Was im Kopf vor sich geht. Was in der Realität passiert, geschieht. Er lügt in seinem Sarg, auch wenn er nicht an die Lüge glaubt. Der Folterer will die Lüge nicht geglaubt wissen, aber der Gefolterte soll so tun als ob. Das Dilemma ist interessant. So häßlich macht Demokratie (die Realität).

 

Maiordomus
1. Januar 2018 15:16

Meine ersten Gedanken im Neuen Jahr galten der Erinnerung an Abbé Jacques Hamel, wie sein offizieller Titel gemäss Grabplatte lautet, und der Hilfspriester und ehemaliger Pfarrer von Saint-Etienne-du-Rouvray war, wie mich @Lotta Vorbecke (wünsche ihr alles Gute zum Neuen Jahr) meinen Verschreiber "de Louvray"  korrigiert hat, wiewohl ich doch selber vor Jahresfrist dort war, wenngleich wegen der sogar tagsüber geschlossenen Kirche ordentlich enttäuscht. Im Innern der Kirche, wo ich mich nicht aufgehalten habe, prangt immerhin ein Bild des Ermordeten, dessen Anbringen vom Papst, welcher verdienstvoll die Frist für die Einleitung einer Seligsprechung verkürzt hat, ausdrücklich erlaubt worden ist. Der heilige Stefan oder frz. Etienne war immerhin der Erzmärtyrer, welcher im Augenblick seines Todes den Himmel offen gesehen haben soll.

 

Dass Adenauer von der "lauteren Wahrheit" sprach, die er von machiavellistisch verwendeten anderen Wahrheitsversionen offenkundig unterschied, ist eine weitere, von mir aus gesehen tiefsinnige Korrektur von @Brettenbacher, für die ich ihm hiermit ebenfalls mit den besten Wünschen meinen Dank bekunde. Ehrlich gesagt kommt bei einem bloss improvisierten Meinungsaustausch die "lautere Wahrheit" selten auf den Tisch, so wie Platon schliesslich klar unterschied zwischen "Meinung" (doxa) und "Wahrheit" (aletheia), welch letzteres Wort der Philosoph Heidegger tiefsinnig und durchaus wörtlich aus dem Griechischen als "Unverborgenheit" interpretierte. Die Unverborgenheit, dessen müssen wir uns klar sein, ist nie mit einer blossen Meinungsäusserung zu verwechseln, sondern es handelt sich um das, was am Ende im besten Fall nach einem guten Austausch glücklicherweise zum Vorschein kommen kann. Meines Erachtens ist indes mit blosser Rechthaberei in einem Meinungsstreit die Aletheia als Unverborgenheit niemals zu erreichen. So weit kann nun einmal ein Blog nicht tragen, insofern sollten wir uns weniger ereifern. 

 

Der Bischof von Rouen, Dominique Le Brun oder Lebrun, soll es gewesen sein, der sich als erster oder als einer der ersten für die Seligsprechung von Abbé Hamel verwendet hat.  

Maiordomus
2. Januar 2018 10:43

Grandios der von S.J. zitierte Satz aus der Politeia von Platon, dem grossen Werk über den Staat, in dem auch die Ideenlehre skizziert ist: "Die grösste Ungerechtigkeit ist, dass man gerecht scheine, ohne es zu sein." Sehr oft wird, zumal bei politischen Debatten, mit idealistischen Argumenten gestritten, wo im Hintergrund aber eigentlich bloss ein Ressentiment bzw. eine Art Hassgefühl ausgetragen wird. Das ist es, was letztlich mit der berechtigten Kritik am Moralismus gemeint ist, eine Kritik, als deren Klassiker Friedrich Nietzsche und Max Scheler anzusehen sind. Ich wünsche allen Debattenteilnehmern und Autoren in diesem Sinn ein gutes und erspriessliches und womöglich gesegnetes Neues Jahr 2018. Bis zum Beweis des Gegenteils nehme ich bei jedem Beitrag an, dass er konstruktiv gemeint ist. So soll es auch bleiben. 

Maiordomus
2. Januar 2018 13:38

@Bettinger. Der "Name der Rose" ist ein eindrucksvoller und eigentlich nobelpreiswürdiger Roman von Umberto Eco, den ich 1980 zum ersten Mal las, später noch mehrmals als Klassenlektüre mit Gymnasiasten. Absolut genial ist das Eingangskapitel mit dem Beispiel des Rappen Brunellus, eine grandiose und didaktisch unübertroffene Einführung in das Universalienproblem mit dem Gegensatz von Universalismus und Nominalismus. Das ist echt gut und auch für die mittelalterliche Philosophie ergiebig, nicht zu vergleichen mit irgendeinem Hollywood-Mittelalter in dem von Ihnen erwähnten Film, die dazumaligen Produzenten hatten gewaltige Probleme mit dem Grundwissen. Also für den Fall, dass Sie im Ernst glauben, der Film habe irgendetwas mit dem Mittelalter zu tun, dann würde man merken, dass Sie sich nie in den Archiven mit mittelalterlichen Quellen befasst haben. Lesen Sie nur mal das Buch von Peter Dinzelbacher über "Atheismus und Skepsis im Mittelalter - Unglaube im Zeitalter des Glaubens", das gab es damals in mindestens gleich hohem Ausmass wie heute, wo fast mehr Unsinn geglaubt wird denn je. Auch mit der Inquisition lohnt es sich, einen quellenmässigen Umgang zu gewinnen, wobei freilich meine neueste Lektüre betreffend die Prozesse gegen die Katharer in Südfrankreich mich wirklich teilweise an die Justiz zur Zeit der französischen Revolution sowie an die Nürnberger und Haager Kriegsverbrecherprozesse erinnerten, die Verfahren waren "fürchterlich gutgemeint". Das intellektuelle Niveau der Inquisition war aber nicht in jedem Fall niedriger als es bei der heutigen Justiz der Fall ist, bloss die nicht der Kritik unterstellten Basiswertungen waren vom Ausgangspunkt etwas anders.

T. de Ahumada
2. Januar 2018 15:16

@majordomus

"Dabei scheint Père Jacques Hamel bis jetzt der ausdrucksstärkste christliche Heilige Europas im 21. Jahrhundert gewesen zu sein; für diesen Eindruck braucht es keinen Heiligsprechungshokuspokus mit organisierten Wundern; es bleibt zu anerkennen, dass niemandem zu Lebzeiten der Gedanke der Rache so fern war wie dem in vielfacher Hinsicht geopferten Jacques Hamel."

Sie sind nicht katholisch, oder? Im Falle eines Martyriums braucht es grundsätzlich keine nachgewiesenen Wunder für eine offizielle Heiligsprechung. Die Lebenshingabe für Jesus Christus genügt vollauf, um direkt in den Himmel zu kommen. Offizielle Heiligsprechungen sind nichts weiter, als "amtliche" Feststellungen, dass eine bestimmte, katholisch getaufte Person mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit, direkt nach dem Tod in den Himmel eingegangen ist (ohne den Durchgang durchs Fegefeuer). 

Voraussetzung für die Heiligsprechung ist daher, dass der Heilige den ganzen Glauben bezeugt hat, und das auf "heroische Weise". Zum Bezeugen des Glaubens gehört aber das Anerkennen der verbindlichen Glaubensinhalte (=Dogma), weil zur Gottesliebe auch die Liebe zur geoffenbarten Wahrheit gehört. Ein Häretiker könnte aus diesem Grund nicht heilig gesprochen werden, weil er sich Gott intellektuell verweigert.

Leider ist im Fall von Abbé Hamel nicht ganz klar, wofür er gestorben ist. So richtig katholisch war er ja nicht. Er war ein religionsübergreifender Ökumeniker, also ein Wahrheitsrelativierer. Jesus aber hat nicht gesagt, "ich bringe den Frieden", sondern "ich bringe das Schwert". Jesus hat auch nicht gesagt: "Versöhnt euch trotz unterschiedlicher Auffassungen über Gott, denn die Wahrheit über Gott ist relativ", sondern: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater (=Gott), denn durch mich."

Ich bin der Meinung, dass Abbé Hamel ein tragisches Opfer seines gutgemeinten Modernismus und er damit einhergehenden Begriffsverwirrung war. Aber ein "Zeuge Jesu Christi", was die eigentliche Bedeutung von "Märtyrer" wäre, nein, das war er definitiv nicht, denn Christus ist nicht nur die Gewaltlosigkeit, sondern auch die Wahrheit.

Eine öffentliche Verehrung von Abbé Hamel als Märtyrer ist damit von einem rechtgläubigen Katholizismus her ausgeschlossen. Was den Dienst am Mitmenschen angeht, den Abbé Hamel sicherlich in bester Intention vollzogen hat, wird Gott ihn sicher entsprechend belohnen. 

 

 

T. de Ahumada
2. Januar 2018 16:30

@ Frau Sommerfeld.

Nein, das ist kein Paradox.

Selbstverständlich dürfen wir Christen uns wünschen, Tugenden zu haben, ja wir müssen es sogar. Jesus Christus ist gekommen, um uns zu erlösen und uns an seinem göttlichen Leben teilnehmen zu lassen. Wer aber ist tugendhafter als der Mensch, dessen "Ich" eine göttliche Person ist.

Es ist ein typischer protestantischer (lutherischer) Irrtum zu glauben, dass wir immer Sünder bleiben müssten, um vor Gott bestehen zu können. Wir haben uns leider angewöhnt, solche Debatten durch den Nebel des protestantischen Fiduzialglaubens zu führen. Das liegt daran, dass der Protestantismus unsere moderne Kultur wesentlich stärker prägt, als der katholische Realismus. Es ist aber der falsche Fiduzialglauben, der säkularisiert dann in diese fanatische Gesinnungsmoral kippen muss. Das ist auch nur konsequent.   

Gott will keine kriechenden, er will erlöste, d.h. tugendhafte und damit moralisch starke Menschen. Man muss Tugend thematisieren, man muss sie kennen um sie zu wollen. Wie sonst?

Die Debatte hier im Forum übersieht vielleicht, dass es im angesprochenen Gleichnis Jesu nur sekundär um Tugend geht. Primär geht es um die rechte Beziehung zu Gott und die Einschätzung der Rolle des Einzelnen in dem, was man gemeinhin seine "Existenz" nennt.

Alles Grundlegende, die Existenz inklusive hat jeder Mensch nicht sich selbst zu verdanken. Wie alles, was wahr und gut ist, ist Tugend etwas objektiv Gegebenes: Take it or leave it. Außerhalb ist nur Selbstbetrug (Bigotterie).

Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner erzählt, dass der Pharisäer sich den Erwerb der Tugend selbstgerecht zuspricht, wogegen der Zöllner bereit ist, sich diese Tugend schenken zu lassen und für sein durch Gebet erwobenes "Gut-Sein" Gott gegenüber demütig und dankbar bleibt.

Da Gott das Sein per se ist, gibt es 'Tugend' (virtus="Kraft"), die diesen Namen verdient nicht außerhalb von Ihm.Deshalb wird Gott Mensch, damit wir wir wieder Zugang dazu bekommen. Durch Glauben an die Wahrheit, Hoffnung auf Seine Güte und Hingabe aus Liebe zu dem, der sich unseres unendlichen Nichts erbarmt hat.

Da wir aber "Nichts" sind, muss auch niemand die Welt als Ganze retten. Zur christlichen Demut gehört es, in erster Linie für die Umgebung zu sorgen, die einem konkret anvertraut ist. Im gleichen Neuen Testament gibt es ein "Wehe" über jene "Gesetzestreuen", die ihren armen Eltern, die notwendige Unterstützung im Alter verweigern unter dem Vorwand, dass sie den Tempel finanziell unterstützen wollen. Es geht um die Heuchelei, das Notwendige um eines Vermeindlichen Besseren zu unterlassen. Auch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter weist auf diese (Fehl-)Haltung hin, wenn der Pharisäer auf dem Weg in den Tempel in Jerusalem an einem schwer Verletzten ungerührt vorbeigeht, weil er sich rituell nicht verureinigen will.

Wer meint, er müsste seiner nächsten Umgebung schaden oder diese vernachlässigen, um eines vermeintlich höheren Gutes willen (der z.B. seinen Kindern das Rechtmäßige wegnimmt, um Fremde zu beglücken, für die er sich nicht verantworten muss), der betrügt sich um jene Tugend, die ihm objektiv geschenkt ist, und die ihn vor seiner eigenen Verblendung retten könnte.

Maiordomus
2. Januar 2018 23:34

@Ahumada. Ja, es stimmt, dass Heilige von Wundern dispensiert werden können, wie das z. B. 1940 bei Klaus von Flüe der Fall war durch ein Machtwort von Papst Pius XII.,  und dass das Martyrium, wie Sie verdienstvoll als Korrektur anmerken, kirchenrechtlich von Wundern dispensiert, wobei jedoch diese bei den meisten Heiligsprechungen trotzdem "mitgeliefert" werden, zum Teil auch noch nachträglich auf den Tisch kommen, vgl. die Heilung von Anna Melchior in Kärnten im Mai 1947. Ihre Vorstellungen von Katholizismus scheinen mir im übrigen reichlich sektiererisch und ausgrenzungswütig zu sein, solche Katholiken spielten und spielen in der Kirchengeschichte eine in der Regel erbärmliche Rolle,  und mit der im Kern immer noch in vielem reichhaltig katholisierenden, stark von Tauler geprägten Spritualität Luthers scheinen Sie Mühe haben. Zu schweigen von Meister Eckhart, Jacob Böhme und Paracelsus (von letzterem gibt es gegen 14 Bände Theologischer Werke), die durchwegs als hyperkatholisch eingeschätzt werden können. Die Einschätzungen zumal der "Wunder", welche die Heiligsprechung von Bruder Klaus ermöglichten, erfolgten u.a auch deshalb, weil die Erklärungen von Franz Anton Mesmer für spontane Berührungsheilungen von der Kirche als materialistisch verurteilt wurden und weil man in Rom die Zusammenhänge in Sachen Spontanheilungen nun mal nicht kannte, glücklicherweise auch nicht wusste, dass Klaus von Flüe Kirchensteuerverweigerer war. Allerdings gab es in diesem Fall schon 1732 drei beglaubigte Wunder, welche jedoch nicht zur Heiligsprechung führen konnten, weil Luzern damals gerade den apostolischen Nuntius bei den Eidgenossen kurzfristig vertrieben hatte. Es empfiehlt sich, hauptsächlich an diejenigen Wunder zu glauben, die man selber organisiert hat. Die ganz grossen Heiligen Gottes waren und sind weder auf Wunder noch auf Heiligsprechung angewiesen. 

Martin Barkhoff
3. Januar 2018 06:25

@ de Ahumada   und  @ Sommerfeld

Moral vs. Tugend, das öffnet den Blick. Moral ist vor allem ein Maß-Stab, Tugend eine Realität, vergleichbar Thermometer und Ofen. Das Thermometer macht nicht warm. Moral bewertet was, Tugend kann was.  Moral wird sofort moralistisch, wenn sie nicht zur Tugend stets sagt: "Bitte nach Ihnen!" Sie kann helfen, die Tugend zu verstehen, aber sie tendiert dazu, ihren Platz einzunehmen.

Sich grossartige Eigenschaften wünschen und darüber auch reden, das darf man doch. Moral ist "besser Wissen", Tugend ist "besser können". Und das Können kann aus dem blossen Wissen nicht entstehen. Die blosse verstandene Moral kommt nicht ans Sein heran, ist steril im Sinne von impotent. Das, was das Göttliche, das Können im Menschen erzeugt, ist selber Können, Wirklichkeit umgestaltendes Göttliches. Göttlich, weil mehr als theoretisch, weil wirklichkeitsmächtig. Darüber darf man reden, das darf man preisen und propagieren.

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