Leipzig: Wir kommen!

Wette Nr. 4 hätten wir schon mal gewonnen. Kubitschek hatte am 21.Februar fünf Wetten bezüglich der Leipziger Buchmesse ausgeschrieben:

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Wer­den Cato und JF ihre Stän­de absa­gen und auf den Mes­se­auf­tritt ver­zich­ten, falls es Ihnen nicht gelin­gen soll­te, ande­re Plät­ze zu ergat­tern (wor­um sie sich – jede Wet­te – der­zeit bemühen)?

Nun: Der Jun­gen Frei­heit ist es nicht gelun­gen, einen ande­ren Stand­platz als den ihr von der Mes­se­lei­tung zuge­wie­se­nen zu bekom­men. Die Zei­tung sieht sich samt ange­häng­ter Zeit­schrift nun ins „rech­te Eck“ gestellt – flan­kiert von Com­pact, einem NPD-Ver­lag und Antai­os. Nun hat man also den Rück­zug ange­tre­ten. Die Lin­ken jubeln!

In die­sem Zusam­men­hang möch­te ich dar­an erin­nern, wie es anno 2006 zuge­gan­gen war, als Kubit­schek mit dabei war, den Zugang der JF zur Leip­zi­ger Buch­mes­se zu erstrei­ten. Unter ande­rem fuhr er damals nach Ber­lin, um Mate­ri­al und einen Mit­ar­bei­ter abzu­ho­len und danach in Leip­zig auf der zen­tra­len Pres­se­kon­fe­renz der Mes­se dem Anlie­gen der JF Gehör zu ver­schaf­fen. Die Pres­se­kon­fe­renz wur­de damals abge­bro­chen.

Nun wirft JF-Geschäfts­füh­rer Die­ter Stein in sei­nem Kün­di­gungs­schrei­ben dem Mes­se­di­rek­tor Oli­ver Zil­le vor, mit der von links­ra­di­ka­len Ver­la­gen initi­ier­ten Akti­on #ver­la­ge­ge­gen­rechts zu koope­rie­ren. Durch den von der Mes­se kon­stru­ier­ten „rechts­ex­tre­men Block“ sei eine Teil­nah­me für die JF “ruf­schä­di­gend und wirt­schaft­lich sinnlos.“

Die­ses Ein­kni­cken war abseh­bar. Und wir? Unser a) Ruf, unse­re b) Wirtschaftsinteressen?

Ad a): Hier machen wir uns mit der Ant­wort gemein, die Gott­fried Benn Jün­ger gab, als letz­te­rer über bedenk­li­che „Hetz­kam­pa­gnen“ sich besorgt zeig­te. Benn:

Über mich kön­nen Sie schrei­ben, daß ich Kom­man­dant von Dach­au war oder mit Stu­ben­flie­gen Geschlechts­ver­kehr aus­übe, von mir wer­den Sie kei­ne Ent­geg­nung vernehmen.

Und zu b): In der Wirt­schaft gehen wir hin­ter­her einen trin­ken. Mehr ist zu unse­ren wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen auf der Mes­se nicht zu sagen.

Gut. Was ist dran am Bünd­nis der Mes­se­lei­tung mit #ver­sa­ger­ge­gen­rechts, und wel­che Typen ver­ber­gen sich über­haupt hin­ter die­sem hashtag?

Zil­le sag­te dem Mit­tel­deut­schen Rund­funk , er wol­le und kön­ne rech­te Ver­la­ge nicht gene­rell aus­schlie­ßen. Man arbei­te jedoch dar­an, “dass rech­te Ver­la­ge nicht zu sehr domi­nie­ren.” Ande­re The­men dürf­ten nicht außer Acht gelas­sen werden.

Hier muß man bereits ein­ha­ken: Dro­hen­de Domi­nanz rech­ter Ver­la­ge? Ich habe nach­ge­rech­net: Unter 2000 Aus­tel­lern ste­hen nun gan­ze 0,15% unter „Rechts­ver­dacht“. Ich schrei­be „Ver­dacht“, weil ich unsi­cher bin, inwie­fern sich der NPD-nahe Ein-Buch-Ver­lag  und Com­pact selbst als „rechts“ definieren.

Zil­le wei­ter: Außer­dem ste­he man mit Initia­ti­ven wie #ver­la­ge­ge­gen­rechts im Aus­tausch: „Wir sind einer der weni­gen ana­lo­gen Orte, wo eine Aus­ein­an­der­set­zung mit Rechts statt­fin­den kann.“ Man habe eine gan­ze Rei­he an Ver­an­stal­tun­gen zum The­ma geplant.

Mit uns steht Zil­le jeden­falls nicht „im Aus­tausch“, und wir wur­den als „Aus­tausch­part­ner“ auch zu kei­ner die­ser Dis­kus­si­ons­run­den gela­den. Einen unver­hoh­le­nen Gewalt­auf­ruf lin­ker Kräf­te haben wir hier jüngst pla­ka­tiert. Zil­le sagt dem mdr, man habe das Sicher­heits­kon­zept nun unter Bera­tung mit Poli­zei, Staats­schutz und eige­nen Sicher­heits­leu­ten „der aktu­el­len Lage angepaßt.“

Auf Nach­fra­ge teil­te uns die Sicher­heits­crew heu­te mit, es gäbe natür­lich kei­ne „Extra­wurst“ für uns, man sehe uns nicht im beson­de­ren Maße bedroht. Wie wer­de man ver­fah­ren, wenn es wie­der Brüll­chö­re gegen unse­re Ver­an­stal­tun­gen gäbe? Ant­wort: Auch Chö­re dürf­ten auf der Buch­mes­se auf­tre­ten. Das fal­le alles unter die Meinungsäußerungsfreiheit.

Soviel wäre also klar.

Wie steht es nun um das hys­te­ri­sche Gezap­pel der #ver­sa­ger­ge­gen­rechts? Dazu wäre eini­ges zu sagen. Die­se Hash­tag­men­schen haben vor Mona­ten begon­nen, per Crowd­fun­ding Mit­tel ein­zu­wer­ben. Mit­tel wofür?  Um Lese­zei­chen zu dru­cken, klei­ne Strei­fen, auf die #ver­sa­ger­ge­gen­rechts gedruckt ist. Als „Fun­ding­ziel“  haben sie sich 10.000 Euro gesetzt, mitt­ler­wei­le haben sie gut 11.000 Euro ein­ge­sam­melt. Hel­ga, die kein Lese­zei­chen will, son­dern nur ein pdf, um #ver­sa­ger­ge­gen­rechts auf „ihr Laufs­hirt“ zu dru­cken, wur­de auch zufrie­den­ge­stellt. (Ich mag’s mir ungern vor­stel­len, live.)

Der Rum­mel der #ver­sa­ger­ge­gen­rechts beginnt bereits am Mitt­woch, den 14. März. Da pla­nen sie eine Demons­tra­ti­on in der Leip­zi­ger Innen­stadt (face­book: „91 neh­men teil“). Gegen wen? – Gegen „die Scharfmacher*innen, in deren Wind­schat­ten sich Gewalttäter*innen bewegen.“

Um 18:15 Uhr soll es zu einer Foto­ak­ti­on »Bücher gegen Rechts« kom­men. Der Aufruf:

Brin­ge zu der Kund­ge­bung ein Buch mit, dass dich poli­tisch bewegt hat, in dem gegen Ras­sis­mus und Aus­gren­zung ange­schrie­ben wird, in dem Geschich­ten von Soli­da­ri­tät und Mensch­lich­keit erzählt wer­den. Gemein­sam wol­len wir die­se Bücher hoch­hal­ten und ein anti­fa­schis­ti­sches Bücher­meer pro­du­zie­ren. Wir freu­en uns auch über Pla­ka­te mit einem Zitat aus dem Buch.

#ver­sa­ger­ge­gen­rechts haben übri­gens von einem geneig­ten Car­too­nis­ten ein Logo ent­wor­fen bekom­men, das ob sei­nes Retro­char­mes schmun­zeln läßt: Ein Gewalt­buch mit einer Eule und dem Schrift­zug „vgr“ fliegt durch die Gegend und zer­schmet­ternd ein… ja, ein Hakenkreuz.

Was sind das für Leu­te, die sich so mutig her­vor­wa­gen und sich per Unter­stüt­zer­un­ter­schrift als Freun­de der #ver­sa­ger­ge­gen­rechts dar­stel­len? Blütenlese:

Ein Ansprech­part­ner der “Bewe­gung” heißt René Arns­burg. Er betreibt den sehr, sehr klei­nen Mani­fest-Ver­lag, der Mar­xis­ti­sche Schrif­ten sowie eine Lenin-Text­samm­lung her­aus­gibt. Etli­che Unter­stüt­zer die­ses Ver­lags fin­den sich unter den Unter­zeich­nern von #ver­sa­ger­ge­gen­rechts.

Mit dabei ist natür­lich der noto­ri­sche, lin­ke Ver­bre­cher­ver­lag, der vom Groß­feuil­le­ton stets mit Lor­bee­ren bedacht wird. Ver­le­ger Jörg Sun­dermei­er ist Autor eines Buchs, das im (eben­falls unter­zeich­nen­den) bebra Ver­lag publi­ziert wur­de: „Sprich mit mei­nem Arsch, mein Kopf ist krank!“ Nun denn.

Apro­pos „krank“. Ein beson­de­res Schman­kerl scheint mir der  Joa­n­mar­tin Lite­ra­tur­ver­lag dar­zu­stel­len. Ich erlau­be mir, von des­sen Netz­sei­te zu zitieren:

Wer tags­über Stress hat, will am Abend entspannen.Damit auch  Eltern, die Kin­der erzie­hen, oder Men­schen, für die kul­tu­rel­le Orte aus ande­ren Grün­den nicht gut zu errei­chen sind, Lite­ra­tur live erle­ben kön­nen, will j:m: zu Ihnen nach Hause.

Ohne dass Sie mehr tun müss­ten als viel­leicht ein paar Freun­de und Bekann­te zu sich ein­zu­la­den, will j:m: Sie lite­ra­risch unterhalten.

Auch Kran­ken- oder Senio­ren­zim­mer las­sen sich durch „eat & read“ in Lese­or­te verwandeln.

Aus dem „aktu­el­len Pro­gramm von „joa­n­mar­tin“:

„ausch­witz : heute“
Boden­aus­stel­lung mit Lesung

Jede Lesung  dau­ert 45 Minu­ten und beinhal­tet eine Dia­show, die für (mul­ti­me­dia­le) Abwechs­lung sorgt, so dass auch digi­tal nati­ves auf ihre Kos­ten kommen.

Wie sagt man? Wer sol­che Fein­de hat, braucht kei­ne Freun­de mehr?

Zahl­rei­che ande­re unter­stüt­zen­de Ver­la­ge sind per Netz­su­che über­haupt nicht auf­find­bar, bei­spiels­wei­se „Lite­ra­tu­re and Feli­cy“, „Och­sen­fur­ter Edi­ti­on“, „Froh­mann Ver­lag“ und „Georg Lindt- Verlag“.

Unter den unter­zeich­nen­den Ein­zel­per­so­nen ist auch Susan­ne Schüs­s­ler zu fin­den, Ver­lags­lei­te­rin eines der weni­gen grö­ße­ren Ver­la­ge, näm­lich Wagen­bach. Erin­nert man sich? Wagen­bach hat­te in den sieb­zi­ger Jah­ren das RAF-Mani­fest ver­öf­fent­licht, er war damals zu einer Gefäng­nis­stra­fe (auf Bewäh­rung) ver­ur­teilt wor­den. Gilt heu­te immer noch als schick, so eine coo­le, gewalt­af­fi­ne Kampf­kur­ve in der Biographie.

Ein paar der 160 „Ein­zel­per­so­nen“, die sich #ver­sa­ger­ge­gen­rechts ange­schlos­sen haben, habe ich spa­ßes­hal­ber gegooglet.

Na hopp­la, die erfül­len die Hasth­tag­aus­sa­ge ja for­mi­da­bel! Wir hät­ten da die „Autorin“ Dian­dra Lin­ne­mann. Sie teilt ihre Woh­nung mit zwei Kat­zen und „abster­ben­den Grün­pflan­zen“ und hat ein Buch ver­faßt, das Andrea die Lüs­ter­ne und die lus­ti­gen Ten­ta­kel des Todes titelt. Ver­kaufs­rang bei amazon.de: 503. 261.

Oder Jost Ren­ner, lei­der ver­kann­ter „Lyri­ker“. Sein Gedicht­band Lie­bes­en­den erzielt Ver­kaufs­rang 790. 200. Oder das Pär­chen Tia und Alfred und Tia Ber­ger. ER ist Ex-Jun­kie und ver­faßt „absto­ßen­de Kurz­ge­schich­ten, in denen er gern Blut, Gedärm und Fol­ter“ zeigt. So geht es fort und fort.

Wie scha­de, daß die Jun­ge Frei­heit und Cato vor die­sen Bes­ser­men­schen ein­ge­knickt sind!

Wir jeden­falls wer­den hüb­sche Neu­erschei­nun­gen im Gepäck haben. Unter ande­rem Natio­nal­ma­so­chis­mus, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Licht­mesz und Michel Ley. Im März erschie­nen, ist die ers­te Auf­la­ge bereits ver­grif­fen, die zwei­te wird zur Buch­mes­se lie­fer­bar sein, Stand heu­te: 5000 Exemplare.

Und beson­ders stolz sind wir auf das neue Buch Frau­en blei­ben. Män­ner wer­den. Sex, Gen­der, Femi­nis­mus  der furio­sen Camil­le Paglia , das exakt zum Buch­mes­se­be­ginn aus der Dru­cke­rei kom­men wird. Wer will uns die Prä­sen­ta­ti­on die­ser präch­ti­gen Bücher versagen?

Hier noch­mals unse­re Termine:

Sams­tag, 17. III.

16.30 Uhr: Die Zeit­schrift Sezession
mit Bene­dikt Kai­ser, Erik Leh­nert und Götz Kubitschek

17.00 Uhr: Defend Euro­pe – das Buch zur Kampagne
mit Alex­an­der Schley­er, Mar­tin Sell­ner und Götz Kubitschek

Sonn­tag, 18. III.

13.30 Uhr: Camil­le Pagli­as Frau­en blei­ben, Män­ner werden
Gespräch mit Ellen Kositza und Mar­tin Lichtmesz

14.00 Uhr: Natio­nal­ma­so­chis­mus – ein Sammelband
Prä­sen­ta­ti­on mit Mar­tin Licht­mesz und Caro­li­ne Sommerfeld

– – –

Für alle vier Ver­an­stal­tun­gen ist uns die Lese­insel in Hal­le 3 zuge­wie­sen wor­den – schräg gegen­über von unse­rem Ver­lags­stand, H601. Wir haben also kur­ze Wege. Wie schrieb Kubit­schek vor drei Wochen?

Laßt uns mal alle zusam­men die­se zuge­wie­se­ne Ecke tat­säch­lich zu unse­rer Ecke machen – zu den inter­es­san­tes­ten, anstö­ßigs­ten, bela­gerts­ten, fröh­lichs­ten, umtrie­bigs­ten 200 Qua­drat­me­tern der Mes­se (die Man­ga-Hal­le aus­ge­nom­men, gegen die­sen Auf­trieb hat man kei­ne Chance).

Leip­zig, wir kommen!

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (24)

Hartwig aus LG8

8. März 2018 08:06

Ich werde kommen.
H.

Caroline Sommerfeld

8. März 2018 09:00

Ich kicher noch immer vor mich hin und schicke Euch für die Tage bevor ich da bin zur Verteidigung ein "lebendes Buch" (Walter Moers), möget Ihr Euch am Zweikampf dieses Buches mit dem mit der Versagereule delektieren:

https://de.zamonien.wikia.com/wiki/Datei:Lebendes_Buch_(3).jpg

Caroline Sommerfeld

8. März 2018 09:13

https://de.zamonien.wikia.com/wiki/Datei:Lebendes_Buch_(2).jpg

Der Link war unvollständig.

Langsax

9. März 2018 08:29

Guten Morgen, bei der Fahrt über die Autobahn habe ich auf MDR-Kultur ein Interview mit der Frau Bednarz bezüglich Buchmesse und "rechte Verlege" gehört. Herr Kubitschek, Sie sind für die Frau Bednarz und dem MDR die Ausgeburt der Hölle, der Oberbösewicht in der heutigen Zeit. Und die "Junge Freiheit" wurde fast gelobt für ihre Absage der Buchmesse.
Ich sehe ja ein, dass Verlage die Gesundheit und das Leben ihrer Mitarbeiter nicht gefährden wollen (die roten Schlägerbanden werden schon üben für den Einsatz auf der Buchmesse), aber: Wer sich duckt, wird noch mehr geprügelt! Man hat den Eindruck, in diesem Lande spitzt sich die Lage fast unmerklich aber rasant zu.

Hartwig aus LG8

9. März 2018 13:05

""Man hat den Eindruck, in diesem Lande spitzt sich die Lage fast unmerklich aber rasant zu.""

@Langsax
Nicht nur in diesem Land, und auch nicht 'fast unmerklich'.
Wer die Presse, also online-Medien der vergangenen Monate aufmerksam verfolgt, der erkennt sowohl die Erosion des Establishments als auch dessen kraftvoll repressives Aufbäumen dagegen. Das deutsche "Weiter so" täuscht massiv über den Beschuß hinweg, den das kulturmarxistische Globalisierungsprojekt weltweit ausgesetzt ist. Ganz aktuell ist es mal wieder Trump, der den Globus am Schlafittchen packt und ordentlich durchschüttelt.

RMH

9. März 2018 13:49

Evtl. braucht ja der Herr Tellkamp jetzt auch bald einen neuen Verleger:

https://www.spiegel.de/kultur/literatur/uwe-tellkamp-suhrkamp-distanziert-sich-von-autor-a-1197266.html

Würde m.M.n. gut zu Antaios passen. Vielleicht kommt er ja mal am Messestand in Leipzig vorbei.

"Der Turm" habe ich gerne gelesen. Die NVA-Sache wurde zwar etwas sehr breit ausgewalzt (wo war der Lektor?), aber als BW-Gedienter aus der Zeit vor der Wiedervereinigung konnte ich dann doch erstaunlich viele Parallelen zwischen BW und NVA erkennen, auch wenn viele Ex-NVAler immer so tun, als ob die BW ein Muschi-Haufen mit Wattebällchen-Weitwurf gewesen wäre ;)

Hartwig aus LG8

9. März 2018 18:39

Tilman Krause kritisiert auf welt.de, dass es der Suhrkamp-Verlag für nötig hält, sich vom Schriftsteller Uwe Tellkamp zu distanzieren. Er bringt dabei folgenden Halbsatz unter: "... Uwe Tellkamp also hat sich nach den Übergriffen auf rechte Verlage im Rahmen der Frankfurter Buchmesse ...".
Mal sehen, ob welt.de sich jetzt von Tilman Krause distanzieren wird.

Der Feinsinnige

9. März 2018 19:22

Ja, die Lage spitzt sich zu. Das zeigt sich auch daran, daß immer wieder auch Prominente die Deckung verlassen:

https://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Dichter-Tellkamp-und-Gruenbein-liefern-sich-verbalen-Schlagabtausch

Die Nachricht von dieser Veranstaltung ist inzwischen in zahlreichen „Leitmedien“ angekommen. Die prompte Distanzierung des Suhrkamp-Verlages auch. Vielleicht sucht Uwe Tellkamp demnächst (freiwillig oder unfreiwillig) einen neuen Verlag? Das müßte wohl ein nonkonformer sein. Ein solcher ließe sich sicher finden.

Waldgaenger aus Schwaben

10. März 2018 06:51

Mit klammheimlicher Freude sehe ich die Verwirrung im Lager der linken Kulturschaffenden. Der Feinsinnige und Hartwig erwähnten schon die Distanzierung des Suhrkamp-Verlages von seinem Bestseller-Autor Tellkamp. Hierzu ein scharfer Kommentar:

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article174394865/Eklat-um-Uwe-Tellkamp-Suhrkamp-wechselt-ins-Lager-der-Gesinnungspruefer.html

Man muss den Vorgang mal kurz durchdenken.
Ein Autor äussert eine politische Meinung. Sein Verlag meint dazu:

"Aus gegebenem Anlass: Die Haltung, die in Äußerungen von Autoren des Hauses zum Ausdruck kommt, ist nicht mit der des Verlags zu verwechseln."

Käme je ein Mensch, der halbwegs klar im Geist ist, auf die Idee politische Meinungen von Autoren seinem Verlag zu zu schreiben?

Wie groß muss die Panik und Verwirrung im Hause Suhrkamp sein, einen Bestseller-Autor, von dem der Verlag wirtschaftlich mehr abhängt, als er vom Verlag, so an's Bein zu pinkeln?

Welche Wirkung hat solche Distanzierung auf andere Autoren des Verlages und welche auf den Kundenstamm?

Möchte der Suhrkamp - Verlag in Zukunft nur noch Erfolgsautoren wie Heiko Maas verlegen, oder verkannte „Lyriker“ wie Jost Renner?

Hofft vielleicht der Suhrkamp - Verlag auf Staats-Knete, eine Art Verlags-GEZ, wenn das Kerngeschäft nicht mehr so läuft?

Ha ha ha!

H. M. Richter

10. März 2018 06:55

Die Dresdner Rede von Uwe Tellkamp, davon bin ich überzeugt, wird zur Zäsur werden.

https://www.youtube.com/watch?v=4X4ArZAcmbg

Die Distanzierung des Suhrkamp-Verlages vom eigenen Haus-Autor ist dagegen nicht nur in einem Maße peinlich, das vor wenigen Jahren in der Verlagsbranche noch völlig undenkbar gewesen wäre, sondern auch äußerst aufschlußreich.

Erinnert man sich beispielsweise daran, mit welch klammheimlicher oder offener Sympathie verschiedene (west-)deutsche Schriftsteller die Angehörigen der sog. Rote-Armee-Fraktion bedachten, ohne daß ihre Verlage sich zu Distanzierungen gegenüber der "Haltung" dieser Autoren bemüßigt fühlten, kann man ermessen, wo man sich inzwischen befindet.

Daß Tellkamps mutige Wortmeldung noch vor der Leipziger Buchmesse erfolgte, ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Man wird sich in wenigen Tagen nun auf ihn und seine Äußerungen zur bedrohten Meinungsfreiheit in Deutschland berufen können. Nicht zuletzt deshalb wird von bestimmter Seite darauf auch so empfindlich reagiert ...

clivestaples

10. März 2018 14:36

Tellkamp / Gruenbein
wer sich die 2 Stunden und 10 Min. nicht komplett ansehen mag. Reduziert auf ein Wort wäre zu den Aussagen der Protagonisten zu sagen : Gruenbein : relativierend, Tellkamp : anklagend.
Die Moderatorin Großmann (Sächsische Zeitung) wie zu erwarten ) : beschwichtigend.
Am interessantesten die Publikumsfragen gegen Ende, als der leibhaftig aufgestandene Kubitschek die Drohungen der linksextremen zur kommenden Leipziger Buchmesse zum Thema machte. Gruenbeins Provokation am Schluss ( „ was ich Sie schon immer fragen wollte Herr Kubitschek...sind Sie ein Anarch?...“ blieb wegen fehlenden Mikros leider unbeantwortet bzw.nicht hörbar.

Ein gebuertiger Hesse

10. März 2018 16:31

Das Tellkamp/Gruenbein-Gespräch hat etwas von einer Momentaufnahme, die präzise vergegenwärtigt, wo der Graben durch unser Land verläuft. Man könnte drunterschreiben: März 2018, genau da stehen wir.

@ clivestaples
Nein, man kann GKs Antwort auf Gruenbein auf der Aufnahme schon hören, laut gedreht über Kopfhörer. Aber die Pikanterie ist schon schlagend: warum war denn das Mikro plötzlich weg?

W. Wagner

10. März 2018 16:34

@clivestaples
Großen Dank für den Hinweis auf die Fragerunde am Ende der Diskussion mit Tellkamp in Dresden und Götz Kubitscheks wirklich hervorragend und sorgfältig formulierte Ausführungen und Frage - übrigens unter dem langen Applaus des Publikums. Jeder sollte sich das auf YouTube ansehen! Damit verbunden mein Dank an Götz Kubitschek und das Antaios-Team in Leipzig dabeizubleiben - Sie werden wieder neue Leser und Mitdenker gewinnen.

Stresemann

10. März 2018 19:04

Es tut sich etwas in der deutschen Diskurslandschaft:

https://www.deutschlandfunk.de/meinungsfreiheit-die-tellkamp-kontroverse.2849.de.html?drn:news_id=859816

Waldgaenger aus Schwaben

10. März 2018 20:19

In den Leitmedien wird es so dargestellt, dass die "Rechten" sich als Opfer inszenieren, und niemand die Absicht hat, die Meinungsfreiheit einzuschränken.

Ein reibungsloser Verlauf der Buchmesse wäre eine Bestätigung dessen, und wird angesichts der Diskussionen im Vorfeld wahrscheinlich nun der Wunsch aller mutigen Kämpfer gegen Rechts sein.

Es ist die Frage, ob es noch gelingt, die scharf gemachten Antifa-Schoßhündchen davon abzuhalten, am Antaios-Stand das Beinchen zu heben und laut zu kläffen.
Ich vermute eher ja. Ausser ein paar armseliger Demonstrationen wird sich wenig tun.

Die JF wird sich in den A... beißen, weil sie eine solche Gelegenheit kostenloser Werbung sich hat entgehen lassen.

quarz

10. März 2018 20:44

Derweilen versucht sich Poschardt in der "Welt" als Pausenclown mit eher für die Schülerzeitungs-Liga chrakteristischem Humor und berichtet dem Publikum vom "vollkommen überschätzten Theorie-Ramschladen der Rechten, dem sogenannten Antalya-Verlag von Ruth Kubitschek (oder so)".

Utz

11. März 2018 07:46

@ quarz
Derweilen versucht sich Poschardt in der "Welt" als Pausenclown mit eher für die Schülerzeitungs-Liga chrakteristischem Humor und berichtet dem Publikum vom "vollkommen überschätzten Theorie-Ramschladen der Rechten, dem sogenannten Antalya-Verlag von Ruth Kubitschek (oder so)".

Poschardt? Kenn ich nicht! Haben Sie sich vielleicht verschrieben? Ach, Sie meinen bestimmt den Oliver Pocher, den mit dem Sex-Skandal.

Stresemann

11. März 2018 08:52

@quarz/@Utz: Jeder JF-Schreiber hat mehr Humor... Die WELT als hochdefizitäres Feigenblatt des Springerverlages wird von der theorie- und geistfreien BILD querfinanziert... Poschardt weiß also ggf. gar nicht wovon der schreibt, wenn er Worte wie "Theorie" benutzt... Die Auflage der BILD geht ja auch nach unten - und insofern ließe sich fragen, wie lange es die WELT in dieser Form noch geben wird. Die BILD-App soll es wohl richten (ein Beitrag zum selbtgewählten Eingang in die totale Unmündigkeit). Bleibt zu hoffen, dass auch die Internetaktivitäten von BILD irgendwann nicht mehr genug Geld in die Kassen spülen, damit Poschardt vlt mal wieder selbst wahrnehmen und denken lernt. Und sich dann nicht mehr im geist- und theoriefreien Kontinuum bewegen muss. Vlt fängt er ja an, heimlich HIER zu lesen, DAS wäre ein Anfang :-)

Der Gehenkte

11. März 2018 09:15

Respekt, Herr Kubitschek! Dort in Dresden, nach allem, was gesagt wurde, als der aufzustehen, der man ist, um dann in aller Ruhe einen wohlüberlegten Beitrag vorzutragen, das hat was von männlicher Aufrichtigkeit, von gelebtem Vorbild, von Einheit von Wort und Tat ...

Die ganze Diskussion, die ich anfänglich ein wenig peinlich fand, gewinnt nach und nach eine ganz eigene Dynamik und Ästhetik und erinnert - auf der Gefühlsebene - fatal an historische Ereignisse der jüngeren deutschen Vergangenheit.

Brettenbacher

11. März 2018 10:26

@
quarz &Utz

Ein wirklich schöner Doppelpass !

Immer noch S.J.

11. März 2018 10:51

Natürlich beweist das Stürmen und Brausen um Tellkamp, wie heruntergewirtschaftet das Wahrnehmungsvermögen der Linken für die Realität der von ihnen selbst wiederholt und gönnerhaft vorgetragenen Forderung nach "offenen Gesprächen" und einem "Alles-schonungslos-auf-den-Tisch-legen" mittlerweile ist, aber man muss sich auch kurz in die Perspektive der Chefetage des Suhrkamp-Verlags versetzen. Kaum dass ein Schriftsteller (per definitionem der Linken immer zuverlässig links, zivilgesellschaftlich engagiert, das Große und das Ganze im Blick habend) mal nicht ins übliche Horn bläst, stehen dort die Telefone nicht mehr still und Entrüstungstsunamis fluten die Mail-Server. Irgendwann machen selbst die gesündesten Ohren und Augen schlapp und die erlösende Distanzierung wird publiziert. Mich würde interessieren, ob das Verlagsgebäude schon von der Antifa vollgesprüht wurde. Wie dem auch sei, auch in Leipzig wird es laut werden. Die können nicht anders.

Der Feinsinnige

11. März 2018 19:56

Ich schließe mich zunächst den Worten von @ W.Wagner an.

Die gesamte Veranstaltung ist denkwürdig, der Auftritt von Götz Kubitschek großartig. Die Häufung und schnelle Abfolge der durchaus als historisch anmutenden Ereignisse (zuletzt neben der Dresdner Diskussion vom 8.3.2018 auch die Festnahme von Martin Sellner uns Brittany Pettibone in London) macht fast schwindelig.

Eine kleine Anmerkung zu einem Argumentationsmuster des Establishments, welches einem in letzter Zeit immer wieder gegenübertritt, in der Aufzeichnung von dem betreffenden Abend (https://www.youtube.com/watch?v=4X4ArZAcmbg) ab Minute 1.51.10 in den Äußerungen der Moderatorin und von Durs Grünbein:

Der vermeintlich sakrosankte Maßstab, daß alle Verlage bzw. Publikationen auf einer Buchmesse zu dulden seien, die sich „an das Grundgesetz“ halten. Grünbein antwortet darauf, daß „verfassungrechtlich anstößige Schriften...schon allein vom Strafgesetzbuch her nicht möglich“ seien und lenkt damit immerhin in die richtige Richtung. Zur Klarstellung:

Kein Autor, kein Verlag hat irgendeine Pflicht, nur Schriften zu verbreiten, die grundgesetzkonform oder „verfassungsrechtlich nicht anstößig“ sind. Die Grundrechte sind Abwehrrechte des Bürgers (auch des Verlegers oder des Autors) gegen den Staat, nicht Abwehrrechte einer Messeleitung gegen die Aussteller. Dies ist streng zu unterscheiden von der Pflicht, die für jedermann gilt, die Normen des Strafgesetzbuches zu beachten. Insoweit hätte sicher auch die Messeleitung Möglichkeiten, Schriften oder Aussteller auszuschließen. Aber nicht jede „verfassungsrechtlich anstößige“ Äußerung ist strafbar (sogar die wenigsten). Das sind zwei völlig verschiedene Sachverhalte. Strafrecht und Verfassungsrecht sind gänzlich verschiedene rechtliche Materien. Hier geht in der öffentlichen Diskussion einiges (bewußt oder unbewußt) durcheinander.

Solution

11. März 2018 20:49

Wenn es gut läuft, wird Antaios wieder bundesweit bekannt gemacht.

Der Feinsinnige

12. März 2018 18:49

Beim Durcharbeiten des gedruckten Buchmesseprogramms „Leipzig liest“ fällt mir gerade auf, daß die erste der vier Antaios-Veranstaltungen (Samstag, 16.30 h: „Die Zeitschrift Sezession“) dort nicht eingetragen ist (immerhin: im Online-Programm von „Leipzig liest“ ist sie angezeigt, dort ungleich schwerer zu finden als es über das Inhaltsverzeichnis der Druckausgabe möglich wäre). Nur ein ärgerlicher Zufall?