Kollegah vs. Campino: Kulturkampf oder Ablösung?

Ein Libertärer fragte mich, wie ich denn zu der Causa Kollegah vs. Campino stünde.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Er selbst war der Ansicht, daß sich die Rech­ten und Iden­ti­tä­ren in der Ange­le­gen­heit doch logi­scher­wei­se auf die Sei­te der umstrit­te­nen Rap­per Kol­le­gah und Farid Bang stel­len müß­ten. Die bei­den sei­en am Ende doch auch Rebel­len gegen die “poli­ti­sche Kor­rekt­heit”, ver­kör­pert durch die estab­lish­ment-höri­ge Gou­ver­nan­ten­tan­te Cam­pi­no, des­sen lin­ke Moral­keu­le sie mit sou­ve­rä­nem Spott gekon­tert hät­ten. Sei­en sie nicht die “wah­ren” Punks, viel mehr, als es der Tote-Hosen-Chef viel­leicht jemals war?

Und wäre es für mich womög­lich ange­sichts der bereits mas­siv mul­ti­kul­tu­ra­li­sier­ten Alters­ko­hor­ten, die von Kol­le­gah & Co ange­spro­chen wer­den, nicht denk­bar, daß ein grö­ße­rer Teil der zuge­wan­der­ten Jung­män­ner in man­chen Fra­gen am Ende doch “inte­grier­bar” oder anschluß­fä­hig sein könn­te, als Ver­bün­de­te (à la Alain Soral?) einer Jugend­re­vol­te, die lei­der nicht genug Jugend auf ihrer Sei­te hat?

Letz­te­res mag zumin­dest so aus­se­hen, wenn man sich das Cover der jüngs­ten Aus­ga­be von eigen­tüm­lich frei ansieht. Das 1968 nach links gestos­se­ne Pen­del “schwingt zurück”, heißt es da, und an die Stel­le von Mein­hof, Dutsch­ke, Lang­hans und Teu­fel tre­ten Lengs­feld, Tell­kamp, Mat­tus­sek und Sell­ner. Der Schön­heits­feh­ler ist aller­dings offen­sicht­lich, daß Sell­ner der ein­zi­ge ist, der aus einer Alters­ko­hor­te stammt, die den Ori­gi­nal-68ern ver­gleich­bar ist. Macht sich nicht auch hier das demo­gra­phi­sche Schick­sal Deutsch­lands bemerkbar?

Und schließ­lich, so immer noch jener Liber­tä­re, soll­te es uns Rech­ten zu den­ken geben, wenn nun apro­pos Kol­le­gah Hei­ko Maas und Ali­ce Wei­del mit einer Stim­me heu­len. “Für sol­che ‘Künst­ler’ ist in Deutsch­land kein Platz”, schrieb Wei­del in der Jun­gen Freiheit:

Wäh­rend deutsch­land­weit Schü­ler vor allem jüdi­schen Glau­bens in ihren Schu­len gemobbt oder sogar kör­per­lich atta­ckiert wer­den, ehrt die Echo-Jury aus­ge­rech­net soge­nann­te Künst­ler, die in ihren Lied­tex­ten Anti­se­mi­tis­mus und damit zusam­men­hän­gen­de Gewalt­ta­ten ver­herr­li­chen. Damit nicht genug, fand die Preis­ver­lei­hung auch noch gleich­zei­tig mit dem jähr­lich in Isra­el statt­fin­den­den Holo­caust-Gedenk­tag statt.

Ihre Ziel­schei­be war eher Farid Bang als Kollegah:

Für Künst­ler, die Juden- und Frau­en­haß pro­pa­gie­ren, die Opfer und Hin­ter­blie­be­ne des Breit­scheid­platz-Atten­tats ver­höh­nen und unse­re Jugend nicht nur damit sehr nega­tiv beein­flus­sen, ist in Deutsch­land kein Platz. Um es mit dem Titel eines Stücks von Farid Bang von dem Album „Asphalt Mas­sa­ka 3“ zu sagen: Er ist nichts wei­ter als ein „aso­zia­ler Marok­ka­ner“, der unse­re Kul­tur und Wer­te ver­ach­tet, und der in Marok­ko deut­lich bes­ser auf­ge­ho­ben wäre als in unse­rem Land.

Ich ver­mag ihr hier kaum zu widersprechen.

Hei­ko Maas äußer­te sich so:

Anti­se­mi­ti­sche Pro­vo­ka­tio­nen haben kei­ne Prei­se ver­dient, sie sind ein­fach wider­wär­tig. Dass am Holo­caust­ge­denk­tag ein sol­cher Preis ver­lie­hen wird, ist beschä­mend. So wie Cam­pi­no müs­sen wir uns schüt­zend vor jüdi­sches Leben stel­len – jeden Tag und überall.

Kol­le­gah ant­wor­te­te dar­auf schlau:

Inwie­fern schüt­zen Sie denn jüdi­sches Leben, wenn Sie eine Mas­sen­zu­wan­de­rung von aus Ihrer Sicht anti­se­mi­tisch gepräg­ten Men­schen unterstützen?

Was an den Satz von Karl Lager­feld erinnert:

Wir kön­nen nicht, selbst wenn Jahr­zehn­te zwi­schen den bei­den Ereig­nis­sen lie­gen, Mil­lio­nen Juden töten und Mil­lio­nen ihrer schlimms­ten Fein­de ins Land holen.

Wenn Maas und Wei­del, Böh­mer­mann und Alex­an­der Kis­s­ler schein­bar in einer Front ste­hen, dann liegt offen­bar eine ver­wi­ckel­te Situa­ti­on vor. Ich will ver­su­chen, sie aufzudröseln.

Ober­fläch­lich betrach­tet hat sich hier gewiß eine Sze­ne abge­spielt, die dem Tru­bel um die “umstrit­te­ne” Band Frei.Wild aus Süd­ti­rol im Jahr 2013 ähnelt.

Damals schrieb ich in der Jun­gen Freiheit:

Nach­dem sich das Album „Fein­de dei­ner Fein­de“ mehr als 100.000mal ver­kauft hat­te, stand auto­ma­tisch eine Nomi­nie­rung für den deut­schen Musik­preis „Echo“ ins Haus. Damit war nun end­gül­tig Schluß mit lus­tig: Eine Hand­voll Platz­hir­sche der deut­schen Musik­sze­ne blies in die Anti­fa-Trom­pe­te, um den Riva­len vom Feld zu pus­ten. Dar­un­ter befan­den sich pikan­ter­wei­se auch die Tra­la­la-Pop­per von Mia, die im Jahr 2003 ihrer­seits durch die anti­fa­schis­ti­sche Man­gel gedreht wur­den, weil sie sich in einem Song all­zu posi­tiv auf die Far­ben „Schwarz-Rot-Gold“ bezo­gen hatten.

Es dau­er­te nicht lan­ge, bis der Ver­an­stal­ter des „Echo“, die Deut­sche Pho­no-Aka­de­mie, Frei.Wild kur­zer­hand von der Nomi­nier­ten­lis­te stri­chen – also allein des­halb, weil die Band in den Augen bestimm­ter Leu­te die „fal­sche Gesin­nung“ hat.

Die inkri­mi­nier­ten Text­stel­len der Band waren (jeden­falls nach nor­mal-mensch­li­chen, nicht-links­ex­tre­men Maß­stä­ben) ungleich harm­lo­ser als jene von Kol­le­gah und Bang. Gewalt­ver­herr­li­chun­gen, obs­zö­ne Pro­vo­ka­tio­nen oder “Ver­schwö­rungs­theo­rien” sucht man hier ver­geb­lich, statt­des­sen scho­ckie­rend kon­tro­ver­se Zei­len wie diese:

Da, wo wir leben, da wo wir ste­hen, ist unser Erbe, liegt unser Segen, Hei­mat hat Volk, Tra­di­ti­on und Sprache.

Wo soll das hin­füh­ren, wie weit mit uns gehen? Selbst ein Baum ohne Wur­zeln kann nicht bestehen! Wann hört ihr auf, eure Hei­mat zu has­sen? Wenn ihr euch ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch ver­las­sen! Du kannst dich nicht drü­cken, auf dein Land zu schau­en. Denn dei­ne Kin­der wer­den spä­ter drauf bauen!

Inzwi­schen hat sich eini­ges geän­dert. Frei.Wild haben sich – nach eini­gen poli­tisch kor­rek­ten Kot­aus – eini­ger­ma­ßen ihren Platz im Busi­ness erkämpft, und erhiel­ten 2016 schließ­lich doch noch ihren “Echo”. “Umstrit­ten” ist die Band wei­ter­hin, gilt aber als deut­lich weni­ger anstö­ßig als noch vor eini­gen Jah­ren. Iden­ti­tä­rer Patrio­tis­mus, wie ihn Frei.Wild (auf eher emo­tio­na­le als poli­ti­sche Wei­se) ver­tre­ten haben, ist heu­te ein biß­chen weni­ger “sho­cking” als damals. Viel­leicht kann man dies als ein Zei­chen für gewis­se meta­po­li­ti­sche Ver­schie­bun­gen betrachten.

Hier springt jeden­falls als ers­tes das Ungleich­ge­wicht des “Kon­tro­ver­sen” ins Auge. Was sich Farid Bang, Kol­le­gah und ande­re Meis­ter­sän­ger ihrer Zunft so alles leis­ten, wür­de nor­ma­len Kar­tof­fel­deut­schen nie­mals nach­ge­se­hen wer­den (auch das links­ex­tre­me Blog “Ruhr­ba­ro­ne” sieht das so). Daß sich der Skan­dal vor allem an dem Kil­ler­vor­wurf des “Anti­se­mi­tis­mus” ent­zün­det, ist sym­pto­ma­tisch, denn an die­ser Stel­le wird momen­tan ein dras­ti­scher Bruch im mul­ti­kul­tu­rel­len Nar­ra­tiv sicht­bar – nicht erst seit dem viral gewor­de­nen “Kippa”-Experiment eines jun­gen israe­li­schen Ara­bers in Ber­lin. (Hier das Ori­gi­nal­vi­deo, hier eine Umfra­ge der Bild-Zei­tung vom Dezem­ber 2017).

Die poli­tisch-media­le Klas­se scheint mit die­ser Stö­rung ihrer Meis­ter­erzäh­lung über­for­dert zu sein. Ihr ideo­lo­gi­sches Sys­tem ist in Kon­flikt gera­ten, und eine erheb­li­che “kogni­ti­ve Dis­so­nanz” macht sich breit. Die Ideo­lo­gie des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus und des Bevöl­ke­rungs­aus­tau­sches beruht auf einer “Hier­ar­chie der Opfer”, deren Kern eine Art zivil­re­li­giö­se Deu­tung des Holo­caust ist.

Die­se beinhal­tet auch eine kom­ple­men­tä­re “Hier­ar­chie der Täter”, wes­halb es den Ver­tre­tern besag­ter Klas­se enor­me Schwie­rig­kei­ten berei­tet, Roß und Rei­ter zu nen­nen, wäh­rend sie peni­bel dar­auf ach­ten, daß stets auch der angeb­li­che haus­ei­ge­ne Anti­se­mi­tis­mus, auf den man so merk­wür­dig stolz zu sein scheint, deut­lich genug her­vor­ge­ho­ben wird. Bei Anne Will wird um den hei­ßen Brei her­um­ge­re­det, das Pro­blem ver­all­ge­mei­nert, rela­ti­viert und gene­ra­li­siert, wäh­rend Mer­kel, die für die­se Lage wesent­lich mit­ver­ant­wort­lich ist, in ihrem übli­chen Prä­zi­si­ons­deutsch Sät­ze wie die­se absondert:

„Wir haben auch neue Phä­no­me­ne, indem wir jetzt auch Flücht­lin­ge haben oder Men­schen ara­bi­schen Ursprungs, die wie­der eine ande­re Form von Anti­se­mi­tis­mus ins Land brin­gen“, sag­te sie. Juden­feind­lich­keit habe es aber „lei­der auch schon vor­her“ in Deutsch­land gegeben.

Kon­junk­tur haben auch Rela­ti­vie­run­gen oder gar Teil­recht­fer­ti­gun­gen des mus­li­mi­schen Anti­se­mi­tis­mus gemäß der “Hier­ar­chie der Täter”, nicht sel­ten von jüdi­schen Autoren oder Akti­vis­ten selbst – Bei­spie­le wären Ilja Sich­rovk­sy in einer Talk-im-Han­gar 7‑Runde mit Micha­el Ley oder der israe­li­sche Autor David Ranan:

“Ran­an macht “einen defi­ni­to­ri­schen Unter­schied (…) zwi­schen dem euro­päi­schen Anti­se­mi­tis­mus samt sei­nen Phan­tas­men einer jüdi­schen Über­macht und dem ’sach­lich sogar nach­voll­zieh­ba­ren Gefühl vie­ler Mus­li­me, beson­ders ara­bi­scher, dass nur eine über­wäl­ti­gen­de Macht es dem klei­nen Isra­el ermög­li­chen konn­te, sich mit sol­chem Erfolg Paläs­ti­na einzuverleiben’.”

Mit den Juden wird nun auch in Deutsch­land (in Frank­reich schon viel län­ger, wie von Michel Hou­el­le­becq 2015 in sei­nem Roman “Unter­wer­fung” dar­ge­stellt und aktu­ell in einem “Mani­fest” pro­mi­nen­ter Unter­zeich­ner ange­pran­gert; eben­so in Schwe­den und Groß­bri­tan­ni­en) eine Grup­pe von “Alpha-Opfern” atta­ckiert, wäh­rend ver­gleich­ba­re Angrif­fe auf deut­sche “Beta-Opfer”, die sich schon seit Jah­ren häu­fen (schon 2010 brach­te der Ver­lag Antai­os ein inzwi­schen ver­grif­fe­nes Buch zu die­sem The­ma her­aus), bis­lang eher igno­riert wur­den. Man wird nicht erle­ben, daß sich Hei­ko Maas, bers­tend vor “vir­tue signal­ling”, für offen­bar weni­ger kost­ba­res “deut­sches Leben” aus dem Fens­ter hän­gen wird, wie er es für “jüdi­sches Leben” tut. Und trotz der etli­chen nicht-jüdi­schen Todes­op­fer ihrer Ein­wan­de­rungs­po­li­tik sah sich Mer­kel bis­her nicht bemü­ßigt, ihrem Staats­volk zu sagen: „Wir tun alles für Ihre Sicherheit!“

Über­grif­fe und Mob­bing etwa gegen deut­sche, nicht-jüdi­sche Schü­ler in Ber­lin und ande­ren Städ­ten sind aller­dings nicht min­der bru­tal und nicht min­der “ras­sis­tisch” moti­viert als die anti­se­mi­ti­schen Über­grif­fe und Mob­bings. Der Tages­spie­gel druck­te am 17.4. eini­ge Berich­te von Betrof­fe­nen ab:

“Unser Sohn besucht die vier­te Klas­se einer Schu­le in Mit­te und wird seit dem ers­ten Schul­jahr gemobbt. Er wur­de beschimpft, geschla­gen und getre­ten, weil er Deut­scher ist. Mit­schü­ler bezeich­nen ihn als ‚Schwei­ne­deut­scher‘, ‚Schwein­echrist‘ und als ‚deut­sche Kar­tof­fel‘. Auf sei­ner Schu­le sind haupt­säch­lich Kin­der mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Die meis­ten sind Muslime.”

Ich sehe nicht ein, war­um das in irgend­ei­ner Wei­se weni­ger “schlimm” oder weni­ger skan­da­lös sein soll, als die immer häu­fi­ger wer­den­den Über­grif­fe auf jüdi­sche Schul­kin­der, die Micha­el Wolff­s­ohn beklagt hat. War­um schwei­gen Maas und Mer­kel hier­zu? (Kol­le­gah hat die­ses Pro­blem, das sei zu sei­ner Ehre gesagt, schon vor Jah­ren ange­spro­chen, und das man­geln­de patrio­ti­sche “Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl” der Deut­schen beklagt. Dar­um kön­nen die Immi­gran­ten mit ihnen “machen, was sie wollen”.)

Ganz ein­fach: Tat­säch­li­che Opfer, egal wel­cher Her­kunft, küm­mern sie nur inso­fern, als sie eine ent­spre­chen­de sym­bo­li­sche Rol­le in dem ideo­lo­gi­schen Sys­tem spie­len, durch das sie sich legi­ti­mie­ren. Wir erin­nern uns an den Satz von Hei­ko Maas: “Ich bin wegen Ausch­witz in die Poli­tik gegan­gen” – den Micha­el Klo­n­ovs­ky übri­gens so kommentierte: 

Ohne Ausch­witz wüss­te kei­ner, wem er äußer­lich ähnelt und auch habituell.

Um nun auf den Fall Kol­le­gah zurück­zu­kom­men: Die Moti­va­tio­nen von Maas und Wei­del sind grund­ver­schie­den. Für Maas sind gemäß der Ideo­lo­gie, der er anhängt, “Ausch­witz” und “Anti­se­mi­tis­mus” Argu­men­te, um eine anti-natio­na­le, anti­deut­sche, mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­sche Poli­tik zu betrei­ben; er hat hier also ein bestimm­tes Nar­ra­tiv zu wah­ren und zu ver­tei­di­gen, in des­sen Zen­trum der Holo­caust steht.

Wei­del dage­gen kri­ti­siert den mus­li­mi­schen Anti­se­mi­tis­mus in Gestalt von Kol­le­gah und Farid Bang aus genau dem ent­ge­gen­ge­setz­ten Grund: Um natio­na­le Poli­tik zu betrei­ben, um das Eige­ne zu ver­tei­di­gen, um Argu­men­te gegen die Isla­mi­sie­rung ins Feld zu füh­ren, und dabei die anti­deut­schen Eli­ten, zu denen Maas zählt, an ihren eige­nen Maß­stä­ben zu messen.

Ähn­lich argu­men­tier­te Alex­an­der Kis­s­ler im Cice­ro, der in der migran­tisch domi­nier­ten Rap-Sze­ne eine eth­no­kul­tu­rel­le Front ausmachte:

Dar­aus ler­nen wir: Eine mus­li­misch gepräg­te Jugend­kul­tur kann mus­li­mi­schen Juden­hass, mus­li­mi­sche Frau­en- und Schwu­len­ver­ach­tung, mus­li­mi­sche Gewalt­ver­herr­li­chung ver­brei­ten und in Mil­lio­nen Hir­ne hin­ein häm­mern, Sil­be um Sil­be, Ton für Ton.

Wenn man sich nun Vide­os wie die­ses des Paläs­ti­nen­sers “Mas­siv” ansieht, dann sind eth­ni­sche Abson­de­rung und Aggres­si­on wie auch eine gehö­ri­ge Por­ti­on Ras­sen- und Klas­sen­haß nicht mehr zu über­se­hen. Deut­li­cher kann man es den Gut­men­schen­deut­schen und Inte­gra­ti­ons­gläu­bi­gen nicht sagen: “Wir sind nicht wie du.”

Auch Kis­s­ler betont, daß die besag­te Misch­po­ke eine Nar­ren­frei­heit genie­ße, die bio­deut­schen (so direkt spricht er es nicht aus) Pen­dants nicht gewährt würde:

Der Ein­wand liegt parat und lau­tet, es han­de­le sich beim Gangs­ter­rap um Rol­len­ly­rik, um Pose, nicht Bekennt­nis. Rap sei gene­rell ein Macho­phä­no­men und beru­he auf „ver­ba­len Pro­vo­ka­tio­nen“ und schar­fen Abgren­zun­gen, also müss­ten die­se Mus­ter bedient wer­den: der star­ke Jun­ge in einer Welt von Fein­den, die er gemein­sam mit sei­nen Freun­den ver­nich­te. Das stimmt – und kann doch hass­erfüll­te Ent­glei­sun­gen nicht legi­ti­mie­ren, die bei ande­ren Prot­ago­nis­ten längst zur gesell­schaft­li­chen Äch­tung, zur Indi­zie­rung, wenn nicht zum Straf­ver­fah­ren geführt hätten.

Wei­del und Kis­s­ler ver­wei­sen also mit völ­li­gem Recht auf einen deut­li­chen Wider­spruch im ideo­lo­gi­schen Über­bau der poli­tisch-media­len Klas­se: Einer­seits soll der Islam “zu Deutsch­land gehö­ren”, ande­rer­seits der Anti-Anti­se­mi­tis­mus eher­ne Staats­rä­son blei­ben. Daß nun anti­jü­di­sche und anti-israe­li­sche Affek­te und Mei­nun­gen in unter­schied­li­chen Inten­si­täts­gra­den unter ara­bi­schen und ande­ren Mus­li­men weit ver­brei­tet, ja die Norm sind, wis­sen PI-Leser und “Islam­kri­ti­ker” schon seit lan­gem. Wenn nun füh­ren­de Mei­nungs­ma­cher wie Ulf Pos­ch­ardt erschro­cken (wie sie behaup­ten) auf die­sen Trich­ter kom­men, müs­sen sie sich den Vor­wurf gefal­len las­sen, daß die AfD & Co mit die­ser Erkennt­nis viel frü­her an der Rei­he waren.

Was nun die Vor­wür­fe gegen Kol­le­gah und Farid Bang betrifft, so scheint mir ihre Basis ziem­lich dünn zu sein. Sie stützt sich auf ein, zwei (gezielt) geschmack­lo­se Text­zei­len (“… mein Kör­per defi­nier­ter als von Ausch­witz-Insas­sen”) und angeb­li­che “anti­se­mi­ti­sche Codes” (ein äußerst vager Begriff, der mit unbe­weis­ba­ren Ver­dachts­mo­men­ten und Unter­stel­lun­gen ope­riert), kon­kret einen Hexa­gramm-Ring (“David­stern”) in dem 13-minü­ti­gen Video “Apo­ka­lyp­se”. Ganz an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen ist dies wohl nicht. Offen­sicht­lich ist Kol­le­gah ein glü­hen­der Unter­stüt­zer der Paläs­ti­nen­ser und ein schar­fer Kri­ti­ker Isra­els, wie vie­le Rap­per mit mus­li­mi­schem Hintergrund.

Wer will, kann sich die ARD-Doku “Die dunk­le Sei­te des Rap” anse­hen, um sich selbst ein Bild zu machen. Sie ist eine Spur weni­ger ten­den­zi­ös als ver­gleich­ba­re Sen­dun­gen über “rechts”. Als Erklär­bä­ren wur­den “Exper­ten” befragt, wie man sie aus den Fil­men über “Rechts­ex­tre­mis­mus” zur Genü­ge kennt. Als lin­ke Sze­ne­säu­ber­män­ner und “hel­le Sei­te des Rap” wird eine deut­sche, nicht-migran­ti­sche Kapel­le namens Anti­lo­pen Gang prä­sen­tiert, die Text­zei­len wie die­se im Reper­toire hat (und auf dem haus­ei­ge­nen Label der Toten Hosen, JKP, ver­öf­fent­licht, also von Cam­pi­no produziert):

Ihr seid 80 Mil­lio­nen, die man abschlach­ten muss

(…)

Ein hal­bes Jahr­hun­dert, bevor wir auf die Welt kamen
Da leb­ten in Deutsch­land die Eltern unse­rer Eltern
Men­schen zu ver­fol­gen und zu töten hat sie geil gemacht
Spä­ter haben sie dann gesagt, dass Hit­ler es allei­ne war
Oma und Opa tob­ten sich aus
Und spreng­ten die Zivi­li­sa­ti­ons­fes­seln auf
Ein rau­schen­des Fest, bis die Alli­ier­ten kamen
Und ihnen gegen ihren Wil­len die Demo­kra­tie aufzwangen

Atom­bom­be auf Deutsch­land, dann ist Ruhe im Karton
Komm wir bom­ben einen Kra­ter und dann flu­ten wir das Loch
Atom­bom­be auf Deutsch­land, dann ist Ruhe im Karton
Atom­bom­be auf Deutsch­land, alles Gute kommt von oben

Man kann sich auch Kol­le­gahs eige­ne State­ments anhö­ren, die mei­ner Ansicht nach doch einen etwas ande­ren und dif­fe­ren­zier­te­ren Ein­druck erge­ben, als den von Bild & Co gezeich­ne­ten. Den Vor­wurf des “Anti­se­mi­tis­mus” weist er scharf zurück: Hier und hier.

Und als ein Bei­spiel dafür, wie mäan­dernd heu­te man­che Fron­ten ver­lau­fen, kann man sich die­ses Plä­doy­er anse­hen, das der Bild-Zei­tung nicht nur “Het­ze” gegen Kol­le­gah, son­dern auch “gegen Flücht­lin­ge” vor­wirft, gegen den Para­gra­phen § 130 StGB wie auch gegen Ali­ce Wei­del pole­mi­siert, und auch den Pro­blem­bä­ren selbst vor Kri­tik nicht ver­schont (sei­ne Pro-Paläs­ti­na-Pro­pa­gan­da sei zu “ein­sei­tig” usw.)

Mit sei­ner Gene­ral­at­ta­cke auf die Medi­en (die mich lus­ti­ger­wei­se stark an das Kuschel­tier Xavier Naidoo erin­nert, der noch eini­ges ande­re mit Kol­le­gah gemein­sam hat) erfüllt Kol­le­gah übri­gens das Kri­te­ri­um der “zwei­ten Bruch­li­nie” der Pola­ri­sie­rung, die Som­mer­feld und ich in unse­rem Buch “Mit Lin­ken leben” genannt haben.

Die­se Bruch­li­ni­en wären: 1. Uto­pis­mus vs. Rea­lis­mus, 2. Ver­trau­en vs. Miß­trau­en in Medi­en und Regie­rung (nun wis­sen­schaft­lich als poli­ti­sche Bruch­li­nie bestä­tigt), 3. Globalismus/Universalismus vs. Natio­na­lis­mus, Par­ti­ku­la­ris­mus, “Iden­ti­tät” usw. Wer in allen drei Punk­ten die letz­te­ren Optio­nen wählt, gilt heu­te als “rechts” oder “Rechts­po­pu­list”.

Als jemand, der selbst stark von einer kon­tro­ver­sen und von der Pro­vo­ka­ti­on leben­den Sub­kul­tur geprägt wur­de (Neofolk/Industrial/Gothic), weiß ich aus eige­ner Erfah­rung, daß Fremd- und Selbst­wahr­neh­mung inner­halb von Musik­sze­nen oft stark aus­ein­an­der­klaf­fen. Sobald sich anti­fan­ti­sche oder auch kon­ser­va­ti­ve Hexen­jä­ger und Sit­ten­wäch­ter von außen auf ein­zel­ne Text­zei­len, Song­ti­tel, Plat­ten­co­ver usw. stür­zen, sei es im Rap, Neo­folk, Indus­tri­al oder Metal, um schreck­li­che Gefah­ren für die Gesell­schaft an die Wand zu malen, rückt die ange­grif­fe­ne Fan­ge­mein­de einer­seits empört über die in ihren Augen kraß unge­rech­ten Angrif­fe zusam­men, und ist ande­rer­seits belus­tigt über die phan­ta­sie­vol­len Deu­tun­gen, Miß­ver­ständ­nis­se und hys­te­ri­schen Reak­tio­nen. Nicht sel­ten legt sie dann noch ger­ne eins drauf, um das Feu­er der Empö­rung zu schü­ren und die Angrei­fer nach Kräf­ten zu trollen.

Es ist und bleibt eben doch so, daß der Groß­teil “kon­tro­ver­ser” oder sehr aggres­si­ver Musik “Rol­len­ly­rik”, “Kunst”, emo­tio­na­ler Aus­druck und Ven­til ist, und vom Groß­teil der Hörer auch so wahr­ge­nom­men wird – egal, ob es nun Metal‑, Rap- oder Neo­folk-Fans sind. Hier wird sel­ten so heiß geges­sen, wie es gekocht wird. Frei­lich bleibt an die­ser Stel­le auch der kon­ser­va­ti­ve Ein­wand legi­tim, die Fra­ge, inwie­fern popu­lä­re Musik einen erheb­lich nega­ti­ven Ein­fluß auf die Gesell­schaft aus­üben kann, indem sie Vul­ga­ri­tät und Amo­ra­li­tät för­dert und fol­gen­rei­che Rol­len­bil­der pro­pa­giert, etwa was die Ver­herr­li­chung von Kri­mi­na­li­tät (im Rap), Dro­gen­miß­brauch oder pro­mis­kui­ti­ver Sexua­li­tät angeht (ich den­ke hier an Miley Cyrus, Lady Gaga, Nicki Minaj und so weiter).

Das ist ein schwer zu lösen­des Dilem­ma der Mas­sen­kul­tur, deren Trend­set­ter trotz all ihrer Per­mis­si­vi­tät ihrer­seits hys­te­risch reagie­ren, wenn sie auch nur harm­lo­se Ver­stö­ße gegen die poli­ti­sche Kor­rekt­heit ent­deckt haben oder haben wol­len (es genügt schon, wenn Kanye West eine kon­ser­va­ti­ve Autorin lobt, eine kana­di­sche Sän­ge­rin sich für Trump aus­spricht oder daß Tay­lor Swift “zu weiß” ist.)

Ich selbst habe Null Ahnung von der Rap-Sze­ne und fin­de die Musik grau­en­haft, aber Argu­men­te wie die­se von Fler kom­men mir aus ande­ren Zusam­men­hän­gen bekannt vor:

Ich mei­ne die­se Schub­la­den: Anti­se­mit, Ras­sist, Frau­en­has­ser. Wer so redet, ver­steht Hip-Hop nicht. Das ist die Stras­se. Wenn wir unse­re Müt­ter, unse­re Frau­en und unse­re Her­kunft belei­di­gen, kann man sagen: ‘Oh Gott, wie geschmack­los.’ Manch­mal geht es wirk­lich zu weit. Man braucht aber nicht die Moral­keu­le aus­pa­cken und jam­mern, dass wir uns nicht so beneh­men wie an der Uni.

Und auch das hier leuch­tet mir ein:

Weil der über etwas redet, von dem er kei­ne Ahnung hat. Hip-Hop ist nicht lieb, das ist die Musik der Unter­schicht. So redet man auf der Stras­se. Bei uns gibt’s kei­ne Poli­ti­cal Cor­rect­ness. Wer aus der Scheis­se kommt, der muss hart sein. Cam­pi­no und die­se gan­zen pseu­do­lin­ken Gut­men­schen haben das nie kapiert.

Ähn­lich hat Colin Robert­son ali­as “Mill­en­ni­al Woes” den schot­ti­schen You­tube-Komi­ker “Count Dan­ku­la” ver­tei­digt, dem bis vor kur­zem noch eine Gefäng­nis­stra­fe gedroht hat, weil er sei­nem Mops bei­gebracht hat, auf das Kom­man­do “Gas the Jews” die Pfo­te zum Nazi­gruß zu stre­cken (er ist nun mit einer Geld­stra­fe davon­ge­kom­men).

Robert­son beton­te, daß Mark Mee­chan ali­as “Count Dan­ku­la”, der selbst kein “Rech­ter” und eher unpo­li­tisch ist, aus der schot­ti­schen Arbei­ter­klas­se stam­me, wo man gegen­über poli­tisch unkor­rek­ten und geschmack­lo­sen Wit­zen deut­lich unemp­find­li­cher sei, ja die­se als Ven­til gebrauche:

Ihr Leben ist hart, und alles ande­re als groß­ar­tig. Kras­ser Humor ist zum Teil ihre Art, damit umzu­ge­hen. Ich habe vie­le von Count Dan­ku­las Vide­os gese­hen, und man kann erken­nen, daß er kein ein­fa­ches Leben hat­te. Er kann ein­ste­cken, aber auch zurückschlagen.

Zum Ver­gleich noch­mal Fler:

Das Pro­blem ist doch nicht, dass Jugend­li­che ‘ficken’ und ‘Scheis­se’ sagen. Das Pro­blem ist, dass sie in Städ­ten wie Ber­lin Scheis­se erle­ben. Zu Hau­se. In der Schu­le, die kaputt ist und zu weni­ge Leh­rer hat. In einem Sys­tem, das ihnen sagt: Ihr seid nichts, euch braucht kei­ner. Bloss weil ich einer von Hun­dert­tau­sen­den bin, der es geschafft hat, kann ich mich doch nicht hin­stel­len und dar­über rap­pen, dass alles gut wird. Das heißt aber nicht, dass wir kei­ne Wer­te vermitteln.

Was das “Wer­te ver­mit­teln” betrifft, so klingt das ange­sichts der gan­zen Tit­ten-Gangs­ter-Dro­gen-Gewalt-Zuhäl­ter-Ver­ge­wal­ti­gungs-Schuß­waf­fen-Tira­den des Gen­res natür­lich lus­tig heuch­le­risch, aber den­noch steckt hier ein Körn­chen Wahr­heit drin­nen, und das kann man gera­de an Kol­le­gah recht gut beobachten.

Mark Mee­chan ali­as “Count Dan­ku­la” zeigt sei­ne bösen Tatoos.

Der haupt­säch­li­che “Wert” scheint mir hier die – häu­fig kari­ka­tur­haf­te – Pro­pa­gie­rung einer mas­ku­lin-thy­mo­ti­schen Ehren­kul­tur zu sein, deren Schwund wohl eines der gra­vie­rends­ten Pro­ble­me der west­li­chen Welt ist, und sie reif zur Über­nah­me gemacht hat – Jack Dono­van hat die­ses Pro­blem in sei­nen Büchern “Der Weg der Män­ner” und “Nur Bar­ba­ren kön­nen sich ver­tei­di­gen” scharf­sin­nig und mit­rei­ßend dargestellt.

In der Ter­mi­no­lo­gie Dono­vans: Das Image, das die Rap­per pfle­gen, ist das “böser” Män­ner, Män­ner, die zwar kei­ne “guten” Män­ner sind, die aber Wert dar­auf legen, “gut im Männ­lich­sein” zu sein. Bei Kol­le­gah kommt hier noch ein gerüt­telt Maß an spi­ri­tu­el­ler Affir­ma­ti­on und Sinn­su­che hin­zu, eine Mischung aus gefühl­s­is­la­mi­schen (denn wei­ter scheint mir das nicht zu gehen) und wild eso­te­ri­schen Ele­men­ten, mit­samt den berüch­tig­ten okkul­ten “Ver­schwö­rungs­theo­rien”.

Er ist über­haupt ein selt­sa­mer Fall: Felix Blu­me, so sein bür­ger­li­cher Name, ist durch sei­nen nur “mil­den” Migra­ti­ons­hin­ter­grund (Mut­ter Deut­sche, Vater Kana­di­er) einer der weni­gen Deut­schen in einer Sze­ne, die von jun­gen Migran­ten aus vor allem isla­mi­schen Län­dern geprägt ist. Durch sei­nen alge­ri­schen Stief­va­ter wur­de Blu­me nach eige­ner Aus­kunft schon früh zum Islam bekehrt. Im Habi­tus und in der Optik ist er kaum von sei­nen migran­ti­schen “Brü­dern” zu unter­schei­den; auf den ers­ten Blick könn­te er genau­so gut ein tür­ki­scher, ara­bi­scher oder kur­di­scher Rap­per sein.

Hier hat mit ande­ren Wor­ten eine Art Gegen-Assi­mi­la­ti­on statt­ge­fun­den. Indem Blu­me den “kana­ki­schen” Habi­tus voll­stän­dig ange­nom­men hat, hat er sich auch ein Stück jener Nar­ren­frei­heit ergat­tert, die den “Mihi­grus” über wei­te Stre­cken gewährt wird. Wenn er dem auch phy­sisch stark ent­ge­gen­setz­ten Cam­pi­no gegen­über­tritt, dann wirkt es weni­ger wie ein bin­nen­deut­scher Genera­tio­nen­kon­flikt, in dem der alt­lin­ke, hyper­mo­ra­li­sie­ren­de Opa mit dem jun­gen, poli­tisch unkor­rek­ten Rebel­len zusam­men­stößt. Es wirkt viel­mehr wie eine Sze­ne aus dem lau­fen­den Film “gro­ßer Aus­tausch”, denn Blu­me tritt weni­ger als Ver­tre­ter einer jun­gen, genu­in deut­schen Genera­ti­on auf, son­dern einer hybri­den, migran­tisch-mus­li­misch domi­nier­ten Misch(sub-)kultur.

Zum Ver­gleich sehe man sich die spa­ßi­ge Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen Ali­ce Schwar­zer und dem deut­schen Rap­per King Orgas­mus One vor zehn Jah­ren an. Letz­te­rer wirkt wie ein klei­ner, unge­zo­ge­ner Jun­ge, der von sei­ner Schul­di­rek­to­rin gemaß­re­gelt wird, weil er im Schul­un­ter­richt Por­nos mit­ge­bracht hat. Schwar­zer ist eben­so wie Cam­pi­no ein Relikt der alten Bun­des­re­pu­blik – wenn auch ein klü­ge­res und klü­ger gewor­de­nes. Wo Schwar­zer heu­te offen islam­kri­tisch ist, feh­len Cam­pi­no schon sprach­lich die Mit­tel, um mit dem Goril­la fer­tig­zu­wer­den, der da im Gewächs­haus des von ihm seit Jahr­zehn­ten geför­der­ten bun­ten Deutsch­lands her­an­ge­wach­sen ist, und der sich schon jetzt auch gegen die Lin­ke wendet.

Und das ist für mich der eigent­li­che Clou an der Sze­ne bei der Echo-Preis­ver­lei­hung: Man konn­te zuschau­en, wie den lin­ken Mul­ti­kul­tis ein Mons­ter auf den Kopf fällt, das sie sich selbst her­an­ge­züch­tet haben. Und die­ses Mons­ter ist weder links noch rechts, weder deutsch noch migran­tisch im her­kömm­li­chen Sin­ne, es ist fremd, unver­ständ­lich, angriffs­lus­tig, respekt­los und hat die Dis­kurs­re­geln auf­ge­kün­digt. Die Fein­de mei­ner Fein­de sind nicht not­wen­di­ger­wei­se mei­ne Freun­de, aber ich habe aus vol­len Zügen genos­sen, wie Kol­le­gah und Farid Bang mit nur weni­gen Wor­ten und Ges­ten Cam­pi­no als den alten pein­li­chen Dep­pen ent­larvt haben, der er nun mal ist.

Zu der besag­ten rela­ti­ven Nar­ren­frei­heit für Migran­ten gehört auch die Fei­er hyper­mas­ku­li­ner Insze­nie­run­gen. Auch hier ist die Kör­per­spra­che auf­schluß­reich, mit der Cam­pi­no einer­seits und Bang und Kol­le­gah ande­rer­seits die Büh­ne betra­ten, bis zur höh­ni­schen Imi­ta­ti­on des Hand­zit­terns des Alt­punks. Eine genu­in “deut­sche”, die eige­ne Natio­na­li­tät und Her­kunft beto­nen­de Männ­lich­keits­in­sze­nie­rung die­ser Art ist heu­te kaum vor­stell­bar und wür­de von den Gou­ver­nan­ten spä­tes­tens ab einem bestimm­ten Erfolgs­grad erst recht bit­ter bekämpft wer­den; der bereits erwähn­te Fler hat es schon vor über zehn Jah­ren ver­sucht (“Schwarz-rot-gold, hart und stolz”), und sich prompt die übli­chen “Nazi”-Vorwürfe ein­ge­han­delt, ver­gleich­bar mit den Atta­cken auf die Rock­va­ri­an­te von Frei.Wild (hier hat mir ein Leser, der sich in dem Gen­re bes­ser aus­kennt als ich, ein Gegen­bei­spiel von den öster­rei­chi­schen Rapid-Hoo­li­gans Guil­ty & Vearz geschickt).

Ande­re Aus­nah­men wären die milieu­prä­gen­den Böh­sen Onkelz, die ihren Zenit aller­dings lan­ge hin­ter sich haben, oder Ramm­stein, die sich in dicke Schich­ten von Selbst­par­odie und bewuß­ter gro­tes­ker Über­trei­bung ein­ge­packt haben. Den­noch gibt es für jun­ge pro­le­ta­ri­sche deut­sche Män­ner ohne “Migra­ti­ons­hin­ter­grund” wenig “iden­ti­tä­re” Ven­ti­le und Rol­len­bil­der, es sei denn, sie wol­len wirk­lich in den ver­blie­be­nen Reser­va­ten und Ghet­tos des “natio­na­len Wider­stands” landen.

Und doch: Wenn ich mir Kol­le­gah auf sei­ner selbst­ver­lieb­ten Tour durch die paläs­ti­nen­si­schen Auto­no­mie­ge­bie­te anse­he, dann kommt hin­ter sei­ner gan­zen Ghetto-“Bruda”-Assi-Nummer etwas Uner­war­te­tes zum Vor­schein – der bra­ve, etwas nai­ve, deut­sche, sehr deut­sche Gut­mensch mit star­kem sozia­lem Gewis­sen, der ernst­haft Gutes und Edles tun will. Beson­ders deut­lich wird das in die­ser Sze­ne sei­nes Paläs­ti­na-Films, in der sich Blu­me von einem Häupt­ling der UNRWA für sei­ne Unter­stüt­zung des al-Am’a­ri ‑Flücht­lings­la­gers im West­jor­dan­land ehren läßt.

Die­ser betont, um die Natio­na­li­tät sei­nes Gas­tes zu wür­di­gen, daß die Paläs­ti­nen­ser eben­so wie die Deut­schen ein “fried­li­ches Volk” seien:

Wir wis­sen, daß Deutsch­land das gast­freund­li­che Land ist und die meis­ten Flücht­lin­ge auf­ge­nom­men hat, was uns sehr berührt. Frau Mer­kel ist die­je­ni­ge, die sich am inten­sivs­ten um alle Flücht­lin­ge geküm­mert hat.

Was von Kol­le­gah mit einem erns­ten und stol­zen “That’s right!” quit­tiert wird. Spä­ter, in sei­ner Ant­wort an Hei­ko Maas, wird er die­sen Vor­gang “Mas­sen­zu­wan­de­rung” nennen.

Ich sehe in die­ser Sze­ne einen jun­gen Mann, der nach einem Glau­ben, nach männ­li­cher Ehre, nach einer Mis­si­on, nach Vätern, nach Brü­dern, nach einem Volk gesucht hat, all dies jedoch unter den Men­schen sei­nes eige­nen Stam­mes und in einem Land namens Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, ver­tre­ten durch Mer­kel, Cam­pi­no, Maas und Böh­mer­mann, nicht fin­den konnte.

Zumin­dest in die­ser Hin­sicht ist Felix Blu­me viel­leicht jenen Deut­schen nicht unähn­lich, die sich einen lei­den­schaft­li­chen pro-israe­li­schen Ersatz­pa­trio­tis­mus ange­eig­net haben, und ihn für einen “Anti­se­mi­ten” hal­ten, weil er sich eben­so lei­den­schaft­lich für die ande­re Sei­te des Kon­flikts einsetzt.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (46)

Nath

24. April 2018 22:43

Wenn AfD-Funktionäre ihren bürgerlich-konservativen Konfirmationsanzug anziehen und sich in philosemitischen Äußerungen ergehen , fühle ich mich in erster Linie ästhetisch peinlich berührt. Das ist jene tausendfach wiederholte, Gähnkrämpfe auslösende Mainstream-Rhetorik, die man von einer a l t e r n a t i v e n Partei gerade nicht nicht hören will. Das Fehlen eines intellektuellen Gewissens, welches einem solche ausgeleierten Empörungsrituale schon aus Stilgründen verbieten müsste, unterstreicht dann nur noch einmal, wie abgrundtief mittelmäßig viele von ihnen sind. Ja, sie wollen Stimmen einfangen aus dem mittigen Milieu, das ist schon klar. Es jedoch auf diese Weise zu tun, desavouriert sie ein für allemal.
Vielleicht ist Curio ja eine löbliche Ausnahme.

Der Starost

24. April 2018 23:38

Die hysterischen Aufgeregtheiten legen den Blick doch herrlich frei auf den vollständig von politischer Korrektheit durchdrungenen Mainstream der Deutschen Popkultur und auf ihre realitätsverweigernden Protagonisten: Man hat sich doch mit der Entscheidung der Jury den vermeintlichen Erwartungen der Mächtigen in diesem Business besonders liebedienerisch andienen wollen, gerade indem man „Musiker mit Migrationshintergrund“ hat ehren wollen. Was mag dies doch für eine traumatische Erfahrung für unsere lieben Gutmenschen aus der Jury gewesen sein, nachdem man nun genau das Gegenteil bewirkt und so tief daneben gegriffen hat. Wie oft werden sie sich in schlaflosen Stunden jetzt selbst dafür verflucht haben, nicht genauer auf den Text geachtet zu haben.

Ede

25. April 2018 00:36

Ganz starker Beitrag Herr Lichtmesz, einleuchtende Analyse!

heinrichbrueck

25. April 2018 01:11

Die zivilreligiöse Holocausterziehung sollte weltweit Umvolkungstoleranz bewerkstelligen. Emotionale Gehirnwäsche global.
Unter Antisemitismus haben die Juden nur die weißen Europäer subsumiert, auch die AfD wird als antisemitisch tituliert. Juden und Moslems spielen die Minderheitenopferrolle, gegen die ewige Verantwortung der durch Massenmigration gefügig und schuldbeladen gehaltenen Mehrheit. Wenden sich die Moslems gegen die Juden, fällt die ganze Konstruktion in sich zusammen. Denn wie will man eine Minderheit als schützenswert anpreisen, damit sie ihre Umvolkungsarbeit leisten kann, wenn diese Minderheit schadet?
Ein Streit unter Ausländern; zumindest einer, der uns etwas sagen sollte. Deutsche Schuld profitiert einseitig. Dieser unterstellten Schuld begegnen manche mit größerer Intoleranz; schon aus Gründen der Selbsterhaltung zu begrüßen.

Pit

25. April 2018 02:09

... es hat ja vermutlich seine Vorteile, die Sachen ausgiebig zu betrachten...
... aber es ist halt doch einfach: Weißenhaß. Sorry.... mehr braucht´s nicht, um die gesamte Situation zu erfassen (und, ebenso, interessiert mich nichts an irgendwelchen Inhalten von irgendwem, mich interessiert, ob es Deutsche sind, die zum Deutschen Volk gehören, oder Nicht-Deutsche, die nicht dazugehören und also unser Territorium zu verlassen haben).

Und es fällt also Linken auch nicht irgendwas unerwartet und erschreckend vor die Füße.... nichts ist "versehentlich" schiefgelaufen: sorry Leute, es ist alles ABSICHT. Es ist die Absicht des Völkermords am Deutschen Volk und der Weißen insgesamt. Niemand sagt das gern... Und... ist es reduktionistisch? Nein. Es ist halt nun mal nicht komplizierter als das (wenn jemand "kompliziert" will: der "Grund" für diesen Völkermord ist das Ergebnis von Machtkalkulationen... da kann sich dann Kompliziertheit austoben... aber auf der phänomenologischen Ebene isses halt nunmal nicht schwierig).

Durendal

25. April 2018 08:18

Aus dem Beitrag ergeben sich weitere Fragen, u.a. die danach, welche aktiven Bestände es an "maskulin-thymotischer Ehrenkultur" denn im eigenen Erbe und außerhalb der Unterschichten-Improvisationen denn überhaupt noch gibt.
Vor allem Donovans erstes Buch wurde diesbezüglich über die verschiedenen Lager hinweg gelobt, soweit ich es überblicken kann.
Es gibt darüber hinaus aber weitere, größtenteils noch unerschlossene Bestände, die ohne unterschichtliche Verwahrlosung auskommen, und die man wiederentdecken kann, z.B. diesen:
https://bundsanktmichael.org/2017/10/29/romano-guardini-der-ritterliche-mann/

deutscheridentitaerer

25. April 2018 08:59

1. Meine politische Positionsbestimmung erfolgt maßgeblich nach emotionalen Maßstäben. Und emotional bin ich seit jeher ein großer Bewunderer Israels. Angefangen mit der Hagana über den Sechstagekrieg bis zu den Gebrüdern Netanyahu.

Leider wird mir meine Parteinahme durch philosemitische Antideutsche und rechte Möchtegern-Zionisten vergällt. Mit solchen Leuten will man nun wirklich nicht einer Meinung sein.

2. Der obige Artikel von Lichtmesz hat eine unerwartet starke Red-Pill-Wirkung auf mich.

Der Gegensatz zwischen der Reaktion auf einen geprügelten (vermeintlichen) Juden und der auf die vielen ermordeten und vergewaltigten Deutschen lässt die Hierarchie der Opfer ganz plastisch und unzweifelhaft hervortreten.

3. Der zweite Red-Pill-Moment ist das Lied der Antilopengang. Das ist dermaßen pathologisch, hasserfüllt und böse, wie ich es mir nicht ausdenken könnte.

Nie, nichtmal zu meinen dümmsten Naziseiten, habe ich auch nur ansatzweise so über ein Volk gefühlt.

Dass das einfach gar nicht thematisiert wird, ja die Band sogar noch ein insgesamt gutes Image hierzulande geniest, ist ehrlich gesagt zuviel für mich.

4. Dritter Red-Pill-Moment, schon etwas abgedroschen: Diskussion mit Juristen (bekanntlich nicht die geistig flexibelsten Menschen und insofern dem deutschen Durchschnitt wohl recht nahe) über die Polizeiliche Kriminalstatistik.

Meine "These" (eher: Benennen eines Fakts) war, dass bei Zuwanderung einer Gruppe mit höherer Kriminalitätsrate in eine Gruppe mit niedrigerer Kriminalitätsrate die Kriminalitätsbelastung für die aufnehmende Gruppe erhöht.

Das ist ein simpler rechnerischer Vorgang, der jedem 5. Klässler einleuchtet und eigentlich nicht bestritten werden kann.

Trotzdem wurde er bestritten ("Klar, wo mehr Menschen gibt, gibt es auch mehr Kriminalität, eine Binsenweisheit haha dummer Rechtspopulist").

Zum anderen habe ich vertreten, dass "Flüchtlinge" krimineller sind als Deutsche schon alleine, weil eine kriminologisch allgemein anerkannte Korrelation zwischen männlichem Geschlecht und jugendlichem Alter und der Kriminalitätsrate besteht (auf andere Faktoren, die meine Gesprächspartner noch mehr getriggert hätten, bin ich gar nicht erst eingegangen).

Hier war die Reaktion auch lediglich unsinnige Bemerkungen a la ich würde "Kausalität und Korrelation verwechseln",vermutlich hat das Wort "Korrelation" diesen Standard-Schlaumeier-Spruch getriggert.

Jedenfalls war es ernüchternd, dass Akademiker nicht in der Lage waren, einem simplen (!), logisch zwingenden Gedankengang zu folgen.

5. Das führt mich zum nächtsten Punkt: Als Rechter denkt man es gibt keine bösen Menschen, weil man selber ja ständig als Böse tituliert wird, aber ja von sich weiß, dass man nicht böse ist.

Man denkt also, es wäre alles nur ein großes Missverständnis.

So ist es aber nicht, die Konformität und der Wille zur Ignoranz, den wir bei so vielen unserer Landsleute beobachten, ist dagegen eine tatsächliche Manifestation des Bösen.

Und diese Eigenschaften haben auch, sagen wir es ruhig, trotz dessen, dass wir uns auf einem Terrain bewegen, dass unzählige Male missbraucht wird, den Holocaust ermöglicht.

Und vor diesem Hintergrund, dass die Deutschen halt so gar nichts aus ihrer Geschichte gelernt haben, stellt sich halt schon die Frage, ob das Deutsche Volk nicht tatsächliche ein missglückter Wurf der Weltgeschichte darstellt.

Benjamin Kaiser

25. April 2018 09:40

In einer Gesellschaft, die in ihrer medialen Inszenierung aufgegangen ist, hat das doch vor allem Unterhaltungswert:

Ein israelischer Araber kommt nach Berlin, setzt sich eine Kippa auf, um die mediale Erzählung des Antisemitismus in Deutschland zu bestätigen. Dabei gerät er mit einem anderen Araber aus Syrien in eine Art Hahnenkampf, der sich schließlich so weit steigert, bis der arabische Kippaträger durch den arabischen Nicht-Kippaträger mit dem Gürtel verprügelt wird. Die Mediensensation ist perfekt.

Ein Deutsch-Kanadier spielt den palästinensischen Rapper und bekommt dafür von Pseudo-Punk Campino medial wegen „Antisemitismus“ die Leviten gelesen. Ein Mediengekreisch ohne Ende ist die Folge.

Eine Differenzierung zwischen Unterhaltung und Wirklichkeit wird dabei doch seit Jahrzehnten überhaupt nicht mehr unternommen. Selbst die genannte „zivilreligiöse Deutung des Holocausts“ ist inzwischen Unterhaltungsspur, Teil der medialen Dauerberieselung und Narrativ der Unterhaltungsindustrie.

Neil Postmans Buchtitel aus den 1980ern dürfte hierzu programmatisch sein: „Wir amüsieren uns zu Tode“, denn das Erwachen aus der medialen Traumwelt dürfte für viele grausam werden.

Der_Juergen

25. April 2018 09:43

Da ich Rap-"Musik" verabscheue, interessiert mich die "schöpferische Tätigkeit" der lärmigen Querköpfe herzlich wenig, aber den sehr nuancierten und klugen Artikel von Martin Lichtmesz habe ich mit grossem Interesse gelesen, nicht zuletzt, weil er ein grelles Licht auf die moralische und intellektuelle Misere mancher Leute wirft, die sich als "Alternative" anpreisen.

@Nath @Heinrich Brück

Danke für Ihre klaren Worte. Die Bücklinge vieler AFD-Politiker, darunter Weidel, vor Israel sind würdelos und peinlich, vor allem wenn man bedenkt, dass Israel, der Zentralrat sowie alle massgeblichen jüdischen Organisationen (nicht jedoch alle individuellen Juden; hier gibt es rühmliche Ausnahmen) die Umvolkung und Islamisierung bejubeln und jeden deutschen Patriotismus fanatisch bekämpfen.

Martin Sellner arbeitet ja neuerdings mit Michael Ley zusammen, der auf dem Gebiet der Islamkritik gute Arbeit leistet. Ob Ley Jude ist, weiss ich nicht, doch versäumt er keine Gelegenheit, den Islam als grösste Gefahr für die deutschen und europäischen Juden zu bezeichnen. Vielleicht fragt Martin Sellner seinen neuen Kampfgefährten einmal, warum die Ober-Umvolkerin Merkel einen jüdischen Preis nach dem anderen einstreicht (bisher mindestens ein Dutzend) und warum der Präsident des Jüdischen Weltkongresses nach den letzten Bundestagswahlen das Verbot der AFD gefordert hat.

Gelddrucker

25. April 2018 09:53

Ich wollte noch etwas sagen zu den "massiv multikulturalisierten Alterskohorten".

Glücklicherweise ist es immer noch so, dass das Massive an der Multikulturalisiertheit größtenteils durch europäische Einwanderer verursacht wurde - noch. In den letzten Jahren nahm die Zahl der afrikanischen Kinder zwar stark zu, die der Moslems ja bekanntermaßen sowieso, dennoch: der Großteil bleibt europäisch. Und falls wir es schaffen, wieder zu Deutschland zurückzufinden, könnte es ja einfach eine Regelung geben, deutsche Namen anzunehmen, wie es ja z.B. bei den Russlanddeutschen praktiziert wird. Danach merkt niemand mehr, ob das ein Rumäne, Bulgare (nicht Roma), Pole oder Italiener (je nach südländischem Einschlag) war. Oder will tatsächlich jemand irgendwelche absurden Konzepte von "deutschem Blut" annehmen? Das würde der Überfremdung extrem entgegenwirken, allein schon wenn die Namen deutsch wären.

deutscheridentitaerer

25. April 2018 10:28

"Ob Ley Jude ist, weiss ich nicht, doch versäumt er keine Gelegenheit, den Islam als grösste Gefahr für die deutschen und europäischen Juden zu bezeichnen. Vielleicht fragt Martin Sellner seinen neuen Kampfgefährten einmal, warum die Ober-Umvolkerin Merkel einen jüdischen Preis nach dem anderen einstreicht (bisher mindestens ein Dutzend) und warum der Präsident des Jüdischen Weltkongresses nach den letzten Bundestagswahlen das Verbot der AFD gefordert hat."

Der größte Feind des Deutschen ist nicht der Jude, sondern andere Deutsche.

Das legt nahe, dass es auch bei den Juden solche und solche gibt, also Globalisten und Nationalisten. Allerdings bleibt zuzustehen, dass die Juden sich selten über diesen Zwist so zerfleischen, wie wir es pflegen.

Reaktion

25. April 2018 10:50

Non assumes nomen Domini Dei tui in vanum: nec enim habebit insontem Dominus eum qui assumpserit nomen Domini Dei sui frustra.
(Exodus 20, 7)

Sentenza

25. April 2018 11:45

Bumms, Treffer und versenkt! Danke für den sehr guten Artikel, Herr Lichtmesz.

Max Piccolomini

25. April 2018 12:47

Großartiger Text von Martin Lichtmesz! Zuerst dachte ich: "Wieder mal viel zu lang." Doch dann habe ich gemerkt: Diese Länge ist erforderlich, um sich in sämtliche Verästelungen der aufgezeigten Konstellation und deren Sublimitäten einzufühlen. So daß man am Ende feststellt: Ein klares "Daumen nach oben" oder "Daumen nach unten" für die Protagonisten kann es nicht geben. Nichts ist so einfach wie es scheint; man muß nur lange genug hinsehen.

RMH

25. April 2018 14:45

So - Rums - gerade geht es über die Ticker, der "Echo" wird in allen seinen Formen abgeschafft.

https://www.bild.de/unterhaltung/2018/echo/echo-preisverleihung-wird-abgeschafft-55508920.bild.html

Irgendwie schade, denn der "Echo" hatte etwas leicht Objektives und damit fast schon Demokratisches an sich, da ja Hauptsächlich die Verkaufszahlen zu seiner Verleihung führten und nicht irgendwelche Abstimmungen unter mehr oder weniger elitären Feuilletonisten. Aber das kann ja in unserem Land nicht sein, dass der sog. "Verbraucher" an den Gatekeepern vorbei bestimmt, wer eines Preises würdig ist. Gab schon in der Vergangenheit zu viel Unbehagen, also jetzt endlich weg damit. So wie man auch "weg damit" zu einem Volk sagt, welches sich erdreistet, in nicht unerheblichem Maße eine nicht genehme Partei zu wählen. B.t.w.: Hat nach der BT-Wahl eigentlich tatsächlich jemand seine deutsche Staatsbürgerschaft zurück gegeben, weil ihm das Wahlergebnis nicht gepasst hat, so wie das jetzt beim "Echo" passiert ist? Ich meine, mich daran erinnern zu können, dass es entsprechende vollmundige Ankündigungen vor der letzten BT-Wahl gab. Aber so einen "Echo" gibt man dann eben doch leichter und Publicity-gerechter ab, als einen Personalausweis.

Im Ergebnis: Wenn die Musikkonsumenten nicht passen, dann nimm deren Geld gerne, aber mach kein großes Gerede darüber, so sieht es heute aus. Mal wieder Doppelmoral vom Feinsten.

PS: Ich befürworte deswegen noch lange nicht Typen wie Kollegah & Co. Aber so lange ein Herr Welke ein Stoffkaninchen an Ostern kreuzigen darf und das nur unter die Rubrik "geschmacklos, aber nicht strafbar" für die Staatsanwaltschaften fällt, so lange ist ein Ausschwitz (Laibach lässt grüßen - die hätten nur den Text Laibach gemäß veröffentlichen müssen ;) ) definierter Körper eben auch geschmacklos, aber nicht strafbar (aber evtl. hat ja nur einfach noch keiner der Überlebenden oder Angehörigen entsprechend Strafanzeige eingereicht - evtl. ist es ja doch strafbar, was die Kollegah & Co. gemacht haben). Im Übrigen hat M.L. das Thema umfassend und präzise abgearbeitet, da gibt es nicht mehr viel dazu zu sagen.

Thomas Martini

25. April 2018 15:28

Was bei dieser Analyse von Martin Lichtmesz nicht unerwähnt bleiben sollte: Rapper wie Kollegah und Farid Bang haben die Hip-Hop-Kultur verraten.

Ohnehin handelt es sich bei Rapmusik, die nur ein Bestandteil des HipHop ist, um einen rein amerikanischen Kultureinfluß. Aus dem ist in den 90er Jahren der sogenannte „Deutschrap“ entstanden. Als die hiesige Rapszene noch in den Kinderschuhen steckte, war sie stark durch „Conscious Rap“ geprägt, und es brauchte die „harten“ Rapper aus Berlin, um den „Gangsta Rap“ auf die deutsche Landkarte zu wuchten. Es waren Typen wie Taktlo$$ und Kool Savas, schließlich Bushido und Fler, die Nachahmern wie Kollegah und Farid Bang das Feld bestellt haben. Die haben das Rad nicht neu erfunden, dafür aber das peinliche Gangster-Gehabe ein gutes Stück ernster genommen. Mit der HipHop-Kultur hatte das bereits nichts mehr zu tun. Man ging im Gegenteil dazu über, bestimmte Erscheinungen der eigenen Subkultur zu verunglimpfen und lächerlich zu machen.

Erstaunlicherweise war man damit erfolgreich. Das ist in meinem Augen der eigentliche Skandal. Bis zum heutigen Tag kommt der „Gangsta-Rap“ in Deutschland nicht über die Kernaussage hinaus, anderer Leute Mütter zu penetrieren. Es handelt sich eindeutig um eine Musikrichtung, die sich seit 20 Jahren ohne Erkenntnisgewinn oder Fortschritt im Kreis dreht. Langweiliger und eintöniger geht’s nicht. Dennoch stürmen Kollegah und Farid Bang mit ihren Machwerken die Charts und verdienen Millionen. Wo so etwas möglich ist, hat man den Gipfel der Kulturlosigkeit erreicht. Es ist dies nur ein weiterer nihilistischer Auswuchs des Liberalismus nach angloamerikanischer Bauart.

Was den aktuellen „Skandal“ angeht, ist dem Kommentar von Benedikt Kaiser kaum etwas beizufügen, man könnte auch sagen: Viel Lärm um nichts. Tatsächlich dürften sowohl Campino als auch die beiden Rapper dank der „Publicity“ noch einige zusätzliche Plattenverkäufe verzeichnen. Was den „Antisemitismus“ angeht, in „Der letzte Tag deines Lebens“ behauptete Farid Bang mal frech:

„Wir holen Palästina zurück mit 50 Panzern“

Und in seinem Song „Ich will Beef“ heißt es:

„Jeder singt, um raus zu kommen
Star sein, ich wollte es gerne versuchen
Doch es stand schon damals in den Sternen, wie "Jude"“

Gegen diese Provokationen wirkt die Aussage auf dem aktuellen Album ziemlich harmlos. Auschwitz zu erwähnen, reicht in dem BRD-Irrenhaus aber eben noch locker aus, um die linksliberale Kulturhegemonie in helle Aufregung zu versetzen.

Der_Juergen

25. April 2018 15:43

@deutscheridentitärer

Die letzten paar Sätze Ihrer Wortmeldung von 8.59 Uhr finde ich schlechthin beschämend; dergleichen hätte ich von Ihnen nicht erwartet. "Konformität" und "Wille zur Ignoranz" finden sich beispielsweise bei den Briten noch bedeutend mehr als bei den Deutschen; in Deutschland, vor allem in seinem östlichen Teil, regt sich immerhin ein wachsender Widerstand gegen den Grossen Austausch, in England, wo die Lage noch verheerender ist (siehe die einschlägigen Beiträge von Sellner) praktisch nicht. Zu den beiden letzten Sätzen Ihrer besagten Wortmeldung sage ich mit Hamlet: "The rest is silence."

Zu Ihrem Kommentar von 10.28 Uhr: Dass es bei den Juden Globalisten und Nationalisten gibt, wobei stellvertretend für erstere der Name Soros und stellvertretend für letztere der Name Netanyahu steht, wissen wir alle. Wie scharf die Gegensätze hier sind, hat sich am Streit um die Abschiebung der illegalen afrikanischen Einwanderer aus Israel gezeigt.

Tatsache ist jedoch, dass auch jene Juden, die Israel als jüdischen Staat bewahren wollen (und das sind die meisten) in aller Regel Gift und Galle gegen patriotische Bewegungen in Europa und insbesondere in Deutschland und Oesterreich speien, obwohl sie diese der Logik des Herrn Michael Ley zufolge eigentlich als Bundesgenossen gegen die islamische Invasion begrüssen müssten. Lesen Sie bitte den hier verlinkten Artikel; er ist eindeutig. Deshalb finden etliche Foristen, darunter ich, die Schleimerei von Strache, Weidel und Konsorten unerträglich.

https://www.timesofisrael.com/loathed-by-jews-germanys-far-right-afd-loves-the-jewish-state/

RasterNoton

25. April 2018 16:30

Was Lichtmesz hier einigermaßen treffend attackiert ist die bedauerliche Tatsache, mit welcher Beliebigkeit sich die "politisch-mediale Klasse" einzelner Versatzstücke linker und liberaler Denkschulen bedient, die aufgrund der Abwesenheit kohärenter Überzeugungen zu leeren Argumentationshülsen verkommen.

Da wurde viel zu lange faschistoide Menschenverachtung (aka Deutsch-Rap a la Kollegah) zu einem legitimen Kunstausdruck benachteiligter Systemverlierer romantisiert (als ob Kollegah nur ansatzweise mit zB Kendrick Lamar zu vergleichen wäre), während dieser Verständnisbonus dem abgehängten AfD-Wähler nicht gewährt wurde.

Das Gleiche beim Thema "Religionskritik": während Kritik an der (eh schon seit langem gesellschaftlich kaum relevanten) kath. Kirche jedem Hansel ohne mit der Wimper zu zucken über die Lippen geht, traut sich in der Linken (von ein paar redlichen Ausnahmen abgesehen) keiner an die reaktionären bis radikalen Ausprägungen des Islams heran, obwohl deren Einfluss auf orientierungslose Migrantenkinder kaum mehr zu übersehen war und ist.

Diese Doppelmoral bleibt den Menschen nicht verborgen, und deswegen hat diese Schein-Linke "Mitte" außer virtue signaling kaum noch etwas entgegen zu setzen.

Mit persönlichem Bedauern muss ich gestehen, dass eine progressive Linke, frei nach Heine, als Kämpfer für die Freiheit aller Menschen, heute quasi inexistent ist. Übrig bleibt Moralismus und Identitätsgeschwurbel. Gute Zeiten für die Rechte....

Gurbanguly

25. April 2018 16:38

"Die Bücklinge vieler AFD-Politiker, darunter Weidel, vor Israel sind würdelos und peinlich, vor allem wenn man bedenkt, dass Israel, der Zentralrat sowie alle massgeblichen jüdischen Organisationen (...) die Umvolkung und Islamisierung bejubeln und jeden deutschen Patriotismus fanatisch bekämpfen."

Dass Organisationen, die an Staatsgeldern und sonstigen linken Geldgebern hängen, die AfD bekämpfen, liegt schon in der Sache an sich begründet.

Wenn man von AfD-Seite nicht schon aus empathischen Gründen pro jüdisch/pro-israelisch ist, dann sollte man es dennoch allemal aus taktischen Gründen sein.

Herr Lichtmesz hat zu Recht darauf hingewiesen, dass der zunehmende Antisemitismus das Narrativ des Multikulti nachhaltig stört. Ich halte das für eine der entscheidenden Sollbruchstellen, auf die man unentwegt einhämmern muss, auf dass sie irgendwann einfach nachgeben muss.
Ganz besonders, weil Rechts die einmalige Chance hat nun mit Opfern zu wuchern, die in der Hierarchie ganz oben stehen. Und wenn die hundertste Mia sterben muss, moralisch wird man da niemals viel Profit bei den Berufsmoralisten herausschlagen können.
Es tut mir leid, wenn das zynisch klingt, aber die Gegenseite hat ja mit diesem Opferzynismus erst angefangen.

Es sollte daher klar sein, dass die Rechte sich den Schlaghammer selber aus der Hand nimmt, wenn man sich sich in der Frage nun entsprechend anders positioniert.

Stil-Bluete

25. April 2018 16:59

Alle Achtung, einen brandaktuellen politischen Vorgang wie die Echo-Verleihung mit seinen Folgen und Folgerungen geistig und stilistisch so präzise zu durchleuchten!
Den Rappern und dem Rappen abhold, hat mich das Phänomen dennoch durch die Lichtmesz-Brille in den Bann gezogen. Abhold bin ich der subcutanen Zersetzung, Eintönigkeit und Unterfütterung durch Töne, Rhythmen, Gesten, Symbole, Bilder, die durch schnelle Abfolge glauben machen, es handele sich um Spannung, Energie, 'action', Faszination.
Kollegha: Der ist also Einer, der den Hunger der Jugend nach Kampf, Provokation, Freiheit, Autonomie, Verachtung gegenüber der Konsum-/Elterngeneration zu verkörpern weiß; Klage über (Hochhaus-)Ghettos mit Fernwärme, Dusche, Balkon, Schule.
(Schon in den Zwanzigern des letzten Jhd. war abzusehen, dass dieser Block-Hochaus-Architektur Isolation und Langeweile produziert. Ttrotzdem nach diesem Muster fleißig weitergebaut)
Warum packen diese Kerle, abgesehen von einigen, die zur IS gezogen sind, nicht ihre sieben Sachen und gehen auf Pirsch, auf Abenteuer in die weite, weite Welt? Warum treffen sie sich am liebsten nur an schäbigen Ecken, unter dunklen Brücken, in versifften Tunnels, an stinkenden Containern und malen immer wieder dieselben stupiden Graffitis? Ist es der ewige Fluch der Entwurzelten, Heimatlosen, die das eigene 'Schicksal' verleugnen, um es so mehr dem Gastland anzulasten. Warum wandern sie nicht in den Alpen, in den Dolomiten, um sich in der Natur zu stählen? Immerhinl ieferte d a s der Pioniergeist in Amerika: Waghalsigkeit. In Schweden: So viel Raum, um überschüssige masukuline Kräfte in den Wäldern, an den Seen, im Fjälen zu erproben. Sind die Einwanderer letztendlich gar nicht so mutig?
'Wenn die Neugier nicht wär, müsste ich nicht mehr wandern...'

John Haase

25. April 2018 17:04

„Ey yo Max Herre, lass' ich dich Stahlpatronen fressen
Bist du tot wie der Pilz von der Marioprinzessin
Leg dich nicht mit uns, an sonst gehst du drauf, es könnte tödlich sein
Freundeskreis ist out wie die Abkürzung von Österreich
Vertick' an deine Bitch weiter Stoff am Block
Arabische Hauszutat
Rufe meine Clique, geben der Fotze Cock
Und sag' dann, du musst raus, mein Schatz
Jetzt ist die Nutte süchtig, der Stoff war deiner Frau zu stark
Sie sagt zwar, sie wär' clean, doch drückt E wie bei 'ner Aufzugsfahrt
Und Rapper, die von Geld erzählen, verdien' nur kleine Sümmchen
Labern ständig von Koks, doch kaufen Pep wie Bayern München
Elendjunkies vom Bahnhof schmeißen sich schmutzige Pillen
Weil sie nur Kackdealer kenn', wie wenn ich Russisch sprechen will
Mir passt du Nutte nicht ins Bild, ich fick' deine Mutter seperat
Zu deiner Schwester, beide wollen Schwanz, ich hab den Sip parat
Wieder mal angeklagt, MILFs weiter wegficken
Deine Tage sind gezählt wie der Urlaub von Beschäftigten“
(Kollegah - Kriminell und asozial)

Wuuuuuuuuhhhhhhuuuuuuu, wie edgy, etwas kontrovers, aber hier herrscht Kunstfreiheit, ihr Spießer, wuuuuuu!

„Mein Körper ist definierter als der von Ausschwitzinsassen“

Wha-what? Hat der gerade echt Ausschwitz gesagt? Das geht zu weit!

Die ganze Echo-Affäre zeigt die Befindlichkeiten der Spät-BRD wie in einem Brennglas. Früher mußte man wenigstens noch Juden kritisieren, um ein „geschlossenes antisemitisches Weltbild“ unterstellt zu bekommen. Heute reicht bereits die Aussprache eines einzelnen Wortes um das einzige Tabu, das die BRD nicht abschaffen will, zu brechen.

Auf eine gewisse Weise bewundere ich die beiden Rapper. Sie sind asoziale Kanaken, aber sie sind Männer, die sich von der weibischen modern-deutschen Petzgesellschaft nicht ins Bockshorn jagen lassen und davon gibt es einfach nicht sehr viele in der Altersklasse.

MartinHimstedt

25. April 2018 17:08

Bitte nicht vergessen, dass es sich bei „Kollegah“ um ein Produkt des alten, weißen Mannes handelt. Ein alter, weißer Mann übrigens, welcher Campino vermutlich nicht unähnlich sehen dürfte. Jener alte, weiße Mann riet Kollegah beispielsweise dazu, in seinen Songs nicht mehr über Mercedes zu rappen, sondern auf BMW umzusteigen: Weil jene Marke bei der Zielgruppe populärer ist.

ML: So "alt" ist der nun auch nicht.

Und das „Die toten Hosen“ oder auch „Die Ärzte“ keine richtigen Punks sind, wussten selbst die dümmsten Kinder spätestens Anfang der Neunziger. Man kannte „The Exploited“ zwar, aber jene waren den Menschen viel zu hart.

Das sich heute jemand wie Campino vehement für Frau Dr. Merkel einsetzt, mag zunächst kafkaesk wirken, letztlich ist es jedoch nur folgerichtig.

Hartwig aus LG8

25. April 2018 18:12

Ein sehr guter Debattenbeitrag von Lichtmesz, dem eigentlich nichts hinzuzufügen ist. Dennoch eine Bemerkung, die nur am Rande mit dem Thema zu tun hat: Die nur stiefmütterliche Erwähnung des "Reservates bzw. Ghettos des nationalen Widerstandes" tut angesichts der Empathie für Felix Blume in den Schlussabsätzen weh. Fünf Seiten Kollegah, Gangsterrap und sonstige Gang-Kultur, dazu der Bezug auf Jack Donovans "Barbaren" - und nichts zum wohl einzig verbliebenen deutschen Pendant? Vielleicht ein anderes Mal?

ML: Bitte um Aufklärung, wie gesagt, ich habe wenig Ahnung von diesen Genres.

deutscheridentitaerer

25. April 2018 18:55

@DerJürgen

Vieles was ich hier schreibe, dient auch dazu den Frust abzubauen, den ich anderswo nicht loswerde.

Aber dass diejenigen, die Deutschland lieben bzw. die Idee dessen lieben, was es sein könnte, den Zustand dessen, was es aktuell ist, verachten - das wird Ihnen sicher auch schon das ein oder andere Mal passiert sein.

Was die Briten angeht, so ist klar, dass die sogar einen noch größeren Schlag weghaben als wir.

Aber da ich nun mal Deutscher bin, tröstet mich das nur bedingt.

Was die Juden angeht, so haben Sie Recht, dass auch die Interessen der jüdischen Nationalisten nicht mit unseren zusammenfallen. Das ist bedauerlich, mache ich ihnen aber nicht zum Vorwurf. Es ist für mich leicht nachvollziehbar, dass Netanjahu die Afrikaner in Israel lieber nach Deutschland weiterreichen würde. Dieser Plan ist ja mittlerweile auch durch die Kritik rechter Israelis obsolet geworden.

Dass viele jüdische Organisationen etc. aktiv für den großen Austausch arbeiten ist ebenfalls wahr. Ich weise aber daraufhin, dass das ebenfalls für alle namhaften deutschen Organisationen zutrifft.

Lichtmesz meinte auf Twitter, Liedtexte wie der der Antilopengang wiesen auf die erfolgreiche Re-Education hin.

Ich habe da meine Zweifel. Ich habe nie etwas von Re-Education- Wirkungen in meiner Jugend erfahren; in Schule und sozialem Umfeld war weniger der Schuldkult, als die Gänseblümchen-Fahrradhelm-Linke dominant. Nie wurde dort ein eigentlicher Hass gegen das deutsche Volk gepredigt, eher war das deutsche Volk halt einfach kein Thema.
Derartige Hasskomplexe, wie sie sich in den zitierten "lyrics" zeigen, kommen mMn aus der deutschen Seele selbst.

ML: Das Narrativ von den mordlüsternen Deutschen, die erst von den Alliierten in ihrer Mordparty gestört wurden, das die Antilopen Gang bedient, stammt direkt aus der Re-Education-Zeit. Offenbar wirkt das alles noch fort.

tedesca

25. April 2018 19:02

Noch vor wenigen Tagen hätten wir einem Interviewer nicht einmal beantworten können, was der Echo denn sei. "Der Echo", hätten wir vielleicht gesagt, das klingt nach einem Preis, so wie "der Oskar", wobei "der Echo" den Preischarakter des Echo deutlicher betont, weil es sonst "das Echo" hätte heißen müssen.

Wir vermuten nun nicht nur mehr, daß "der Echo" ein Preis war, wir wissen es sogar. Aber da war er schon abgeschafft. Durcheinandergewirbelt in einem Shitstorm, zugrundegeschrieben von allen Medien, zurückgegebenen von allen unterbelichteten früheren Empfängern (so viele, deren Unterbelichtetsein uns bislang entgangen war), eingestellt von seinen Auslobern. Eine absterbende Gesellschaft in einem untergehenden Staat schleift eine weitere ihrer kulturellen (so hört man) Institutionen. Denn er hat "Auschwitz" gesagt.

Mehr nicht, mehr war auch gar nicht nötig. Von Juden soll nicht die Rede gewesen sein. Aber egal. Schon das Wort "Auschwitz" allein ist in der neueren deutschen Geschichte immer ein schöner Auslöser der Fremd- und Selbstabschaffung. Ein bißchen Rap, echtes deutsches Kulturgut, wie alle wissen (auch wenn wir selbst von Rap wenig verstehen), das Wort "Auschwitz", und weg ist er, der Echo. Na sowas. Das war ja mal ein echter Rap, ein Meta-Rap, sozusagen.

Wer ist jetzt borniert - wir oder diejenigen, die sein, des Echo, Verschwinden je nach ideologischer Ausrichtung mit Bedauern oder Genugtuung beobachten?

Fand überhaupt eine Beschimpfung statt? Und falls ja, wer eigentlich war der Beschimpfte in einer undurchsichtigen Textzeile eines unverständlichen Liedes? Und gehen uns der Beschimpfende oder der womöglich, mutmaßlich Beschimpfte irgendetwas an?

Wird jemand eines Tages zu passender Gelegenheit das passende Triggerwort über Deutschland sagen? Womöglich gar irgendein Beutedeutscher? Ein so kräftiges Wort zu so passender Gelegenheit, daß das gesamte indigene und sonstige Staatsvolk oder zumindest eine signifikante Mehrheit von SPD bis AFD wie aus einer Kehle ruft: "Deutschland, du mieses Stück Scheiße, du gehörst ja tatsächlich abgeschafft, hinweg mit dir!" - Wird dann Deutschland kurzerhand geschlossen, eingestellt oder aufgelöst? (Ja, wie benennt man diesen Vorgang?) Wird das uns dann genau so wurst sein wie jetzt die Abschaffung des Echo? (Immerhin wissen wir, was Deutschland einmal war, im Gegensatz zum Echo, von dem wir bislang nichts wußten.)

Wird ein Dichter, vielleicht einer wie Botho Strauß, eine Farce schreiben des Titels "Deutschland. Ein Verdämmern", die dann auf norwegischen und albanischen Staatstheaterbühnen aufgeführt wird? Werden wir davon Kenntnis nehmen und welches Medium wird übrig geblieben sein, diese Kenntnis zu uns zu tragen in unser mecklenburgisches Exil?

Wir fühlen uns in dieser Causa irgendwie unpolarisiert, zumindest stark unterpolarisiert. Benn kam uns wieder einmal in den Sinn: "Die Clique, die klatscht, ist das gleiche Kaliber wie die Clique, die pfeift, die einen sind von rechts dumm, die andern sind von links dumm." Wir werden es wohl dabei bewenden lassen und sehen alles rein phänomenal.

John Haase

25. April 2018 19:26

@MartinHimstedt
Ich stimme Ihnen zu. Campino und Merkel passt. Dieses ganze kulturlinke Milieu von Popmusikern, Studenten und Aktivisten der Siebziger und Achtziger beherrscht uns heute als Künstler, Intellektuelle und Politiker. Sie haben seit damals immer nur mit gereckter Faust und „erhobener Stimme“ weit offene und unverteidigte Türen eingerannt und stehen nun wie die Deppen, die sie sind, vor dem Unrat, den sie selbst mit hineingeschleppt haben.

Lustig wäre mal pro-preussischer Punk oder biblisch-homerischer Hiphop.

„Du tanzt ums goldene Kalb, du gehst zur Arbeit am Sabbath
Du entführst meine Frau und denkst das du mich plattmachst.
Du wirfst mich ins Meer - ein Wal spuckt mich wieder aus
Du schlägst mich ans Kreuz - kurz drauf steh ich wieder auf!
Zieh mit Gott und Armee vor deine löchrigen Tore,
Wo ich dich niederwerf und deine Zweitfrau durchbohre
Deine Götter im Staub und deine Knie zitternd
Erschlag ich dich, Frau, Kind und Rind wie bei den Kanaanitern.
Mit deiner Leiche am Streitwagen fahr ich dreimal um die Stadt,
Schneid dir den Penis ab und werf ihn nach in dein Grab.

Yoyo, remember Masada, free Judea, John DAVID Haase MC out!

Hartwig aus LG8

25. April 2018 19:38

"" ML: Bitte um Aufklärung, wie gesagt, ich habe wenig Ahnung von diesen Genres. ""

Werter Herr Lichtmesz,
ich rede konkret vom Festival "Schild und Schwert", was Sie verlinkten und welches am Wochenende bundesweites "Medieninteresse" erweckte. Im allgemeinen rede ich von der als rechtsextrem bezeichneten Jugendszene, die sich auf solchen Festivals trifft.
Was ich an Ihrem wie gesagt beeindruckenden Artikel zu kritisieren habe, ist die kalte Aussparung des deutschnationalen Parts bei der Betrachtung junger, extremer, politisch aufgeladener und sich wehrhaft gebärdender Subkulturen. Vielleicht passten sie nicht in diesen Kontext. Aber sie von neurechts als Ghetto zu bezeichnen, sollte überdacht werden - drei Tage, nachdem "Schild und Schwert" von "breiten Bündnissen" buchstäblich zum Ghetto gemacht wurde.
Um eines klar zu sagen: Ich habe mit denen nichts (!) am Hut. Aber ich weiss auch, wen ich für meine Familie zu fürchten habe, ... und wen nicht.


ML: Ich weiß nicht, was Sie wollen, ich hab's ja mit Verlinkung erwähnt. Ich finde nur nicht, dass diese Spartenszene noch irgendwie ins Gewicht fällt. Die Selbstmarginalisierung per Herum- und Trotzhitlern ist dort Programm, dafür braucht es auch keine "breiten Bündnisse" mehr.

Benno

25. April 2018 20:22

"Auschwitz, the meaning of pain, The way that I want you to die", sangen vor über 30 Jahren schon die us-amerikanischen Thrash-Metal Pioniere von Slayer. Nichts neues unter der Sonne also, dass Musiker mit Auschwitz provozieren wollen. In der BRD bekommt sowas aber halt eine ganz eigene Dynamik.
Die Bunte Republik scheint ihren Zenit erreicht zu haben. Campino echauffiert sich ob ein paar rüppeligen Mihigru-Rappern, produziert selber aber Gruppen, welche irgendwas von einem atomaren Holocaust an den Deutschen schwafeln. Der "Mann" hat die Staatsraison in sich aufgesogen wie ein trockener Schwamm und gibt seinen Sermon nun tröpfchenweise von sich. Der Herr ist die Inkarnation des Wortes Doppelmoral.
Ein mit dem Gürtel tracktierter Fake-Jude versetzt die BRD in helle Aufgregung, 1000nde jeden Tag in der Schule gemoppte und verprügelte deutsche Schüler interessieren nicht. Es sollte langsam jedem klar werden, dass in diesem Staat Juden sakrosankt sind, oder eben Opfer erster Klasse, wie ML es ausdrückt, währende der Deutsche einfach die Schnauze halten soll, oder, wenn er sich schon äussert, gefälligst ins Hohelied des Multikulturalismus einzustimmen hat.

@Gurbanguly Ich frage mich, was sie sich von ihrem "Vorschlaghammer Argument" erhoffen? Juden werden auch Opfer islamischer Gewalt? Und jetzt? Haben sie ernsthaft das Gefühl, dies zu erwähnen werde irgendetwas in der Bundesrepublik verändern? Wenn sie sich so daran stören, dann können sie ja auch in Berlin mit einer Kippa auf dem Kopf demonstrieren gehen und von den Moslems fordern, sie mögen sich bitte in die Anti-Antisemitische bundesrepublikanische Einheitsfront eingliedern, die letztlich mithilft, zwei Kategorien von Opfern zu schaffen. Während dem wandern weiterhin 10.000 von Arabern und Schwarzafrikanern nach Deutschland ein, es werden weitere Frauen den Weg einer Mia gehen, am Dogma der Bunten Republik wird das nichts ändern. Einzig und alleine sie werden sich dadurch zu den Campinos und all den anderen Islamdomestizierern gesellen und damit zur Stütze des grossen Austausches werden, welche die immer offensichtlicher zu Tage tretenden Risse im Gewölbe irgendwie umzuleiten versucht. Sie werden damit die Einteilung in Alpha- und Betaopfer nur weiter zementieren. Nein, ich finde ihren Vorschlag nicht zynisch, ich finde ihn erbärmlich. Wenn man nur noch auf die Missstände im eigenen Land hinweisen kann, nur noch über das Leid, das viele, gerade auch junge Landsleute ertragen müssen, reden kann, indem man auf Opfer einer Drittgruppe hinweist, dann ist das schlicht würdelos. Und das wäre was die Deutschen in ihrer Masse als erstes wieder erlangen müssten: Würde und Stolz.

@ Der_Jürgen Wobei man noch erwähnen könnte, dass die nationalistische Variante kürzlich einen Teil der in Israel lebenden, ungebetenen Gäste von südlich der Sahara nach Deutschland abschieben wollte und davon nur abgewichen ist, weil für die ultranationalistische Variante bei diesem Vorgehen immer noch zuviele der "Infiltratoren" (wie "Flüchtlinge" dort genannt werden), im Land geblieben wären. Mit Drittopfern zu wuchern ist gerade auch in besagtem Fall völlig unnötig. Denn erstens ist es ihnen seit über 2000 Jahren gelungen als Minderheit zu überleben und zweitens verfügen sie seit fast genauso langer Zeit, wie die Deutschen die Bundesrepublik haben, über einen Staat, der sich vehement für ihre eigenen Interessen einsetzt. Die Deutschen werden ohne einen solchen Staat einfach untergehen.

Benno

25. April 2018 20:39

@ML Die Spartenszene könnte als Kanarienvogel im Schacht dienen. Einreisesperren wie gegen Sellner sind dort vor längerer Zeit auch schon verhängt worden, wie ich der Tagespresse entnehmen konnte. Es handelte sich dabei glaub ich um eine Gruppe aus dem Umfeld von Casa Pound. Wobei das jetzt vielleicht nicht das beste Beispiel ist. Casa Pound marginalisiert sich ja nicht selbst, wie das bei der deutschen Glatzenszene der Fall ist. Zum Glück gibt es ja mittlerweile Gruppen wie die Identitären, so dass man als Jugendlicher vorwärtsgewandte Alternativen hat, wenn man unter Bluthochdruck leidet.

RMH

25. April 2018 21:05

Nachdem von den linken Leitmedien, wie SPON & Co., immer wieder die Bedeutung des sog. "Rechtsrocks" als Mobilisierungs- und Szenebindendes Mittel für die mitteldeutschen Jugendlichen beschrieben wird, auch im Zusammenhang mit dem sog. "NSU", würde mich eine kritische, kleine Bestandsaufnahme des R.A.C. und seinen Epigonen von einem der Sezessions-Autoren (oder aus diesem Umfeld) durchaus interessieren. Wenn man durch YouTube mäandert, findet man durchaus interessantes, kann es aber schlecht einordnen.

PS: Wenn ich mich richtig erinnere, gab es da doch schon mal irgendwo nen Artikel in der Sezession, oder? Finde nur gerade nichts ...

Benno

25. April 2018 21:29

@RMH Das wäre doch mal was. Denn unter dem ganzen Müll der dort kursiert, gibt es durchaus auch Diamanten. Aber ich denke, ML spricht wohl eher vom ganzen Umfeld, das an solchen Gruppen dranhängt. Gibt es eigentlich auch Musik aus den Reihen der Identitären?

RMH

25. April 2018 21:51

@Benno:
https://www.youtube.com/watch?v=NyoSk48QLto

und dann mal weiter folgen ...

Turmherzog

25. April 2018 21:52

Zitat Lichtmesz:
"Ich sehe in dieser Szene einen jungen Mann, der nach einem Glauben, nach männlicher Ehre, nach einer Mission, nach Vätern, nach Brüdern, nach einem Volk gesucht hat, all dies jedoch unter den Menschen seines eigenen Stammes und in einem Land namens Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch Merkel, Campino, Maas und Böhmermann, nicht finden konnte."

Interessant hierzu ein Gesprächsauszug von Kollegah in Minute 20:05-23-20, in dem er für Patriotismus und ein deutsches Zusammengehörigkeitsgefühl plädiert, um bspw. dem deutschenfeindlichen Mobbing an Schulen etwas entgegenzusetzen, und gleichzeitig in ein Wir-sind-alle-Menschen-Gequatsche zurückzufällt: https://www.youtube.com/watch?v=I0HvDx5qMI8 .
Klarer Fall von bundesmultikulturalistisch gepolter Identitätsstörung.

ML: Finde ich nicht so schlimm. Toller Fund, und noch ein Pluspunkt für Kollegah.

Gurbanguly

25. April 2018 22:00

@Benno: die Essenz meines Beitrages war mitnichten, dass man sich auf das Beklagen jüdischer Opfer versteifen sollte. Ja, das wäre armselig.
Ich bin sogar sehr dafür weiter für die toten Deutschen auf die Straße zu gehen. In den Kategorien Können und Sollen sind die Möglichkeiten grenzenlos.
Nur wird bei dem Thema das Narrativ keinerlei Schaden nehmen. Da kannst Du dagegen anrennen wie Du willst, mit so vielen Leuten wie du willst, dort ist keine Verwerfung vorhanden, kein logischer Widerspruch in der Deutschen Staatsräson. Es wird dort nichts knarren und nichts ächzen.
An anderer Stelle aber sehr wohl.

Waldgaenger aus Schwaben

26. April 2018 18:27

Ausschwitz wird in großen Teilen der Bevölkerung als negativer Gründungsmythos der Bundesrepublik, als Bestandteil unserer Identität, wahrgenommen.
Quelle z.B. hier
https://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-40128214.html (aus dem Jahre 2005)

"Doch erst Mitte der achtziger Jahre erreichte Auschwitz den Status eines negativen Gründungsmythos der Bundesrepublik, wurde Bestandteil unserer Identität, wie Bundespräsident Köhler zu Jahresbeginn in Israel bekräftigte."

Der unsäglich Text der Rapper ist kein singuläres Ereignis sondern steht in einer Reihe ähnlicher Vorkommnisse speziell seit der Grenzöffnung 2015.
("Hamas, Hamas - Juden in's Gas" - Rufe, Angriffe auf Kippa-Träger, Mobbing jüdischer Kinder in der Schule)

Bis vor Kurzem bestand eine friedliche Koexistenz zwischen moslemischem Antisemitismus und dem Gründungsmythos Ausschwitz. Solange der moslemische Antisemitismus noch irgendwie als Antizionismus oder Israelkritik durchgehen konnte, drückten die BRD-Eliten alle Augen zu.
Henryk M. Broder hat diese Heuchelei schon im Jahre 2006 heftig kritisiert (Quelle https://henryk-broder.com/hmb.php/blog/article/1743)

"Nun haben tote Juden nicht erst seit gestern in Deutschland Konjunktur, die Deutschen lieben tote Juden, je toter sie sind, umso mehr mehr werden sie geliebt: am 27. Januar, am 9. November und auch mal zwischendurch bei der Woche der Brüderlichkeit. Mit den lebenden Juden ist es eine andere Sache, die werden ermahnt, nicht zu unfairen Mitteln zu greifen und sich nicht allzu heftig zu wehren, wenn sie angegriffen werden."

In seinem Buch "Vergesst Ausschwitz!" spitzt er weiter zu:

"Nur ein toter Jude ist ein guter Jude."

Doch solche Zwischenrufe störten nicht weiter. Man ließ die moslemischem Antisemiten gewähren, solange sie nur nicht am Mythos Auschwitz kratzen.
Dieser Kompromiss wird nun seitens der moslemischen Unterschicht aufgekündigt. Diese hat weniger zu verlieren und verfügt über eine archaischen Machtinstinkt.
Die besser integrierten Moslems schweigen natürlich noch und halten mit ihren antisemitischen Überzeugungen, so sie welche haben, noch hinter dem Berg, und warten ab, wie die BRD-Eliten reagieren.
Gelingt es die moslemischen antisemitischen Ausfälle zu unterbinden, oder werden sie irgendwann mal hingenommen wie der Drogenhandel in Berliner Parks? Oder werden die BRD-Eliten gar auf Distanz zu Israel gehen um den moslemischen Anteil der Bevölkerung zu beschwichtigen und um dort Wählerstimmen zu gewinnen?
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass heute die Linke einer Bundestagsresolution bezüglich des Existenzrechts Israels, nicht zugestimmt hat.

Der Grund, warum nun der Kompromiss gekündigt wird ist, dass der politische Islam in Kombination mit dem archaischen Machtwillen der Unterschicht, sich nun stark genug fühlt, mehr zu fordern als nur Duldung und Mitreden.
Sie greifen frontal an, dort wo der heftigste Widerstand zu erwarten ist. Brechen sie da durch, gibt es keine geschlossen Widerstandsfront mehr in der BRD, nur noch lokalen Widerstand dort wo der moslemische Bevölkerungsanteil noch unter etwa 30% liegt.

Für die deutsche Rechte tut sich hier ein Dilemma auf. Sie kann kaum den Mythos Auschwitz (im Sinne Sieferles zu verstehen!) verteidigen. Noch weniger kann sich sie dem politischen Islam als Hilfstruppe andienen, in dem sie die islamische Kultur preist und in die islamische Israelkritik einstimmt, in der Hoffnung, dass der Islam in Deutschland erreicht, woran sie seit Jahrzehnten scheitert. Der Lohn für Verräter im Lager der besiegten Feinde war stets im besten Falle die privilegierte Knechtschaft.

Doch dieses Dilemma ist die große Chance der deutschen Rechten.
Sie kann eine mittlere, rationale Position vertreten, in dem sie Ausschwitz, den Holocaust, historisiert.
Etwa so:

1) Israel als Teil der abendländischen Kultur, als Vorposten des Westens im Nahen Osten braucht unsere besondere Unterstützung.
2) Die hier lebenden Juden müssen natürlich geschützt werden.
3) Ausschwitz, der Holocaust waren schreckliche Verbrechen, keine Zweifel. Aber unsere aktuelle Politik, z.B. in der Einwanderungsfrage dürfen wir nicht danach ausrichten.
4) Selbstverständlich dürfen wir auf unsere Kultur stolz sein und unsere Identität verteidigen.

Damit kann die deutsche Rechte in die bürgerliche Mitte der Gesellschaft vorstoßen.
Jetzt!

Andreas Walter

26. April 2018 20:59

Und danke auch für die Studie über Bindung, Martin L.

Ist zwar auch Tantrikern davon bereits vieles bekannt, doch es ist immer wertvoll, es noch mal aus der klassisch westlich wissenschaftlichen Sichtweise zu "sehen", zu lesen zu bekommen.

Zum Dank dafür etwas auch ganz aktuelles zurück über Gruppendenken am Beispiel der "Weltklimaerwärmung":

https://www.thegwpf.org/content/uploads/2018/02/Groupthink.pdf

Lässt sich nämlich auch auf andere Bereiche übertragen, die der Welt vorgespiegelt werden. Kognitive Dissonanz hat ja immer eine Ursache, die entsteht nie einfach so aus dem Nichts. Muss daher auch gerade sehr viel lachen, bei aller auch verständlicher und begründeter Trauer. Toller Artikel darum und mir ging es auch erst so wie Max Piccolomini, oh je, so lang, und dann liest es sich leicht wie ein Detektivroman.

Der_Juergen

26. April 2018 21:16

@Waldgänger aus Schwaben

Wie Sie auf die Vorstellung kommen, Israel "als Vorposten des Westens im Nahen Osten" brauche unsere besondere Unterstützung, ist mir absolut unerfindlich. Was ist das für ein "Westen", dessen Vorposten Israel sein soll? Richtig, die imperialistische Monstermacht USA, die Deutschland seit über sieben Jahrzehnten besetzt hält. Ein Vorposten gegen wen? Gegen den islamischen Terrorismus? Ach wo, mit dem IS und anderen sunnitischen Extremisten und Terroristen arrangiert sich Israel ja prächtig; die reaktionären Golfmonarchien sind de facto längst seine Verbündeten.

Und ein Staat, der je nach Schätzung 150 bis 400 Atombomben besitzt, kann auf die Unterstützung der BRD mit ihrer zur Lachnummer heruntergewirtschafteten Bundeswehr prima verzichten.

Sehen Sie denn nicht, wie würdelos Ihre Argumentation ist? Dergleichen erwartet man in der Bildzeitung oder der "Zeit", nicht aber auf einem seriösen patriotischen Forum.

Die von Ihnen gewünschte "Historisierung" von Auschwitz wäre mir sehr recht, nur bedarf es dazu zunächst einmal einer Wiederherstellung der Forschungsfreiheit zu diesem Thema.

Curt Sachs

26. April 2018 21:24

Danke, Herr Lichtmeß, für diesen sehr überlegten Beitrag.

Benno

26. April 2018 21:30

Mir scheint, hier überschätzen einige Leute die jüdische Angst vor einem islamischen Antisemitismus. Immerhin hat dieser Hass, der schon viel älter ist als der Staat Israel, wie Siegfried Gerlich uns in seiner Artikelreihe erzählte, die Zionisten nicht daran gehindert, ihren Staat in einem Meer von Mohammedanern zu errichten. Aus mythologischer und abstammungsgeschichtlicher Warte machte es ja durchaus Sinn, die Staatsgründung in der Levante zu vollziehen, aus sicherheitspolitischer Perspektive allerdings weniger.
Im Judentum gibt es sowohl religiöse als auch ideologische Strömungen, welche ein multikuturelles Europa (auch islamisch geprägt) durchaus begrüssen. Ein Beispiel für letzteres ist der Journalist Ari Paul, der unter anderem für den linken The Guardian schreibt. Im Zuge des Brexits meinte er:
„Europas Juden sind ein stolzer Teil des Gewebes des westlichen Pluralismus und Liberalismus. Nicht nur sollten sie es ablehnen politische Werkzeuge für die extreme Rechte zu sein, sie sollten auch gegen jede Agenda sein, welche versucht die Uhr bezüglich des Multikulturalismus zurückzudrehen…“
Bei solchen Leuten wird es natürlich schwierig, sie von den Vorzügen einer nationalkonservativen Politik zu überzeugen. Broder stösst in mMn in ein ähnliches Horn. Im Gegensatz zu ihm, würde ich als überzeugter Europäer und Demokrat, lieber das demokratische als das weisse Europa aufgeben. Eine bestimmte Staatsform kann man immer wieder errichten, ein verschwundener Zweig der Menschheit bleibt verschwunden.

@Waldgänger Ich sehe die rationale mittlere Position nicht.
1) Im Gegensatz zur LINKEN anerkenne ich durchaus das Existenzrecht Israels. Allerdings sehe ich nicht, warum dieser Staat ein Vorposten des Westens sein soll. Erstens ist er ein Akteur der zu den politischen Verwerfungen in der Region beiträgt, welche wiederum hier unerwünschte Menschenmassen in Bewegung setzen lassen. Zweitens sollte ein Vorposten auch das Selbstverständnis eines Vorpostens haben. Israel wurde aber als ein Staat für ein staatenloses Volk aus dem Nahen Osten gegründet und nicht als europäische Kolonie, welche nach Europa wandernde Völkermassen schon vor dem Mittelmeer aufhalten soll, oder den historischen Expansionsdrang des Islam vor Ort binden sollte.
2) Dieser Punkt ist derart "natürlich", dass er gar keiner Erwähnung bedarf. Juden sollen durch deutsches Recht, bspw. in ihrer körperlichen Integrität, genauso geschützt werden wie alle anderen Menschen in diesem Land, sei es ein christlicher Bauer, ein chinesischer Geschäftsmann oder ein russischer Tourist.
3) Dieser Punkt kann natürlich die Idee untergraben, die hier eingebracht wurde, die Einwanderung u.a. mit dem Hinweis auf antisemitische Einstellungen der Einwanderer einzudämmen. Etwa so: "Der Holocaust war ein schreckliches Verbrechen, aber wir können schutzbedürftigen Menschen nicht die Einreise verwehren, weil sie Juden gegenüber kritisch eingestellt sind."
4) Selbstverständlich

Sie sehen das schon richtig, Waldgänger, wenn sie sagen, wir könnten weder den Auschwitz-Mythos im sieferleschen Sinne verteidigen, noch uns dem politischen Islam als Hilfstruppe andienen. Deshalb können wir uns in diesem Fall zurücklehnen und zusehen, wie sich die herrschende Elite in ihrem Netz von Widersprüchen verfängt.

Andreas Walter

27. April 2018 03:45

https://www.focus.de/kultur/musik/umbenennung-in-german-music-award-chef-des-echo-aeussert-sich-so-soll-der-musikpreis-erneuert-werden_id_8836621.html

And the winner is?

Die Künstler? No.

Die Muse? No.

Die Freiheit? No.

Das deutsche Volk? No.

Die Demokratie? No.

Die Wahrheit? No.

Fragt sich also, wer hier der Autoritäre Charakter ist.

Denn dass die VSA nur der Proxy, ein Proxy sind, auch daran habe ich keinen Zweifel.

(...)

Fritz

27. April 2018 07:20

Ich könnte mir durchaus vorstellen, in Israel zu leben, auch als Christ oder Atheist, ich denke man würde da keine Probleme haben. Anders in jedem beliebeigen islamischen Land.

Für mich keine Frage das Israel meiienweit vorzuziehen ist.

Valjean72

27. April 2018 09:36

@Benno: „Broder stösst in mMn in ein ähnliches Horn. Im Gegensatz zu ihm, würde ich als überzeugter Europäer und Demokrat, lieber das demokratische als das weisse Europa aufgeben.“
---
Tja der Broder ein überzeugter Demokrat, „scharfer“ Islamkritiker, dennoch Multikulti-Apologet, würde nach eigener Aussage gerne das weiße Europa aufgegeben.

Gleichwohl wird er von vielen Konservativen ob seiner Islamkritik hochgeschätzt.

[„Allerdings sehe ich nicht, warum dieser Staat ein Vorposten des Westens sein soll. Erstens ist er ein Akteur der zu den politischen Verwerfungen in der Region beiträgt, welche wiederum hier unerwünschte Menschenmassen in Bewegung setzen lassen.“]

Die WELT berichtete im Januar und im März 2016, dass die israelische Hilfsorganisation IsraAID einen Ableger in Deutschland gegründet hat (IsraAID Germany), um syrische Flüchtlinge zu betreuen, zu versorgen und nach Deutschland zu verbringen. Ja richtig, nach Deutschland und nicht ins nahe gelegene Israel.

[„wir könnten weder den Auschwitz-Mythos im sieferleschen Sinne verteidigen, noch uns dem politischen Islam als Hilfstruppe andienen.“]

Weshalb sollte letzteres überhaupt zur Debatte stehen?
Weder dem politischen Islam noch dem politischen Judentum, dem Zionismus, gilt es meiner Auffassung nach sich anzudienen.

Wobei es meiner Ansicht nach klar auf der Hand liegt, welche von beiden religiös-politischen Strukturen deutlich mehr Einfluss auf die die bundesdeutsche Medien- und Politlandschaft hat.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article129001377/Ich-bin-ein-nichtjuedischer-Zionist.html

Andreas Walter

27. April 2018 09:52

"Echo unterhielt im Auftrag Zeus’ dessen Gattin Hera mit dem Erzählen von Geschichten, damit Zeus Zeit für amouröse Abenteuer hatte. Als Hera dieses Komplott entdeckte, beraubte sie Echo zur Strafe der Sprache und ließ ihr lediglich die Fähigkeit, die letzten an sie gerichteten Worte zu wiederholen."

"Insasse, Insasse."

Zumindest aber können die Deutschen dann eines Tages davon berichten, wessen Untertanen ihr Volk schon alles war. Feudalherren und Monarchen zu Beginn ihrer Unterwerfung und am Ende dann der Islam. Wobei auch die Germanen so etwas wie Sklaven gehabt haben sollen, habe ich mal gelesen.

Der Wert von Sklaven liegt in ihrer Arbeitskraft aber auch dem Vergnügen, das sie einem bereiten können. Die höchste Form der Versklavung ist die, die der Sklave nicht bemerkt.

Arbeitssklaven sind heutzutage unglaublich billig zu haben, wenn man sich in Bangladesch umsieht, talentierte Vergnügungssklaven dagegen sind immer noch recht teuer. Dieser Missstand lässt sich aber nur durch Genforschung beseitigen, durch Klonen und gezielte Ausbildung.

Auch ist zu klären, was unterm Strich billiger kommt zur Erledigung von Arbeit. Menschen, oder Maschinen, Roboter, Computer und Künstliche Intelligenz. Das hängt allerdings auch von der Komplexität der Aufgabe ab, die zu erledigen ist. Das lohnt sich nur bei teuren Kampfflugzeugen, eventuell noch bei der Marine und Submarine oder eben bei einfachen Aufgaben oder solchen, die stupide in Serie erledigt werden müssen.

Der Islam darum als Schutzmacht? Jeder macht dabei das, was er am besten kann? Im Dienen haben wir ja Erfahrung. Ich sehe schon die Schlagzeile im Economist:

Germany's new muslim army. A threat to the free world?

Oder: Europas neue Armee. Jung, brutal, gutaussehend.

JBG X

Urwinkel

27. April 2018 15:37

Jawoll, Andreas: Gutaussehend mit Mitte 40. Das Ergebnis muß man optisch überzeugend ausstrahlen können, ohne zum Modeaffen zu verkommen. Ein Campino, ein J. Delay, oder auch U. Lindenberg gehört zermastert. Rock-und Rapidiotie gab es erst gestern. Heiß und frisch noch aus der freien Mediathek. Rapper? Haben die was gesagt? Interressiert mich nicht weiter.

Tronjer

28. April 2018 02:58

Wenns schon um Hip Hop geht, hier mal was das den meisten Sezession Lesern Zusagen dürfte.
https://m.youtube.com/watch?v=tJwzb4qljQM
Schon paar Jahre alt aber rein intellektuell wohl mit das beste...

ullrich

29. April 2018 14:42

Danke für den guten Artikel.

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