Strafbare Gesinnungen? Prozeß gegen die Identitäre Bewegung

"Nazi-Hipster vor Gericht" betitelt Spiegel Online mit üblicher Sachlichkeit seinen Bericht über den Identitären-Prozeß in Graz.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Wir erin­nern uns: Im April führ­te die Poli­zei Haus­durch­su­chun­gen bei 17 Mit­glie­dern und Sym­pa­thi­san­ten der IBÖ durch, dar­un­ter Mar­tin Sell­ner und Patrick Len­art, deren Bank­kon­ten beschlag­nahmt wur­den. Alle 17 sit­zen nun in Graz vor Gericht, ange­klagt der Bil­dung einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung nach § 278a des öster­rei­chi­schen Strafgesetzbuches.

Um bloß kei­nen “Opfer­my­thos” auf­kom­men zu las­sen, stellt der Spie­gel-Schrei­ber Max Hol­scher die Lage so dar, als han­de­le es sich hier um ein ein­zi­ges Publi­ci­ty-Fes­ti­val für die Identitären:

Es sind die­se Momen­te, die Öster­reichs Nazi-Hips­ter lie­ben: Im Gra­zer Gerichts­saal sind an die­sem Tag Anfang Juli die Besu­cher­rei­hen voll besetzt. Vor dem Gebäu­de drän­gen sich Kame­ra­teams, Foto­gra­fen und Jour­na­lis­ten – Pro­zess­auf­takt gegen meh­re­re Per­so­nen der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung Öster­reichs (IBÖ.) Das gro­ße Inter­es­se kommt nicht über­ra­schend. Die Grup­pe hat­te in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mit ihren Gue­ril­la-Aktio­nen inter­na­tio­nal häu­fi­ger für Schlag­zei­len gesorgt. Pro­vo­zie­ren, sich Auf­merk­sam­keit ver­schaf­fen, in den sozia­len Netz­wer­ken als Grup­pe mit ver­meint­lich gro­ßer Anhän­ger­schaft auf­tre­ten – das ist die Masche der Rechtsextremen.

Letz­te­res unter­schei­det die IB natür­lich immens von allen ande­ren Grup­pen, die einer poli­ti­schen Agen­da “Auf­merk­sam­keit ver­schaf­fen” wollen.

Aber schon im nächs­ten Satz ver­si­chert er, daß sich ohne­hin bald kein Schwein mehr für die Iden­ti­tä­re Bewe­gung inter­es­sie­ren werde:

Schon am nächs­ten Ver­hand­lungs­tag sind die meis­ten Jour­na­lis­ten nicht mehr da. Es ist ein Spie­gel­bild für die Ent­wick­lung einer rech­ten Grup­pe, die es immer sel­te­ner schafft, für Auf­se­hen zu sorgen.

Na, wenn er meint. Immer­hin ist die ita­lie­ni­sche Regie­rung heu­te damit beschäf­tigt, wesent­li­che For­de­run­gen der Iden­ti­tä­ren umzu­set­zen, womit der meta­po­li­ti­sche Avant­gar­de-Cha­rak­ter der Akti­on “Defend Euro­pe” (sie­he auch Alex­an­der Schley­ers fes­seln­den Bericht) vom Vor­jahr nach­hal­tig bestä­tigt wurde.

Einen ähn­li­chen Kurs hat die öster­rei­chi­sche Regie­rung auf­ge­nom­men, was aller­dings nicht bedeu­tet, daß der Vor­hut gedankt wird. Im Gegen­teil, die Tat­sa­che, daß die Iden­ti­tä­re Bewe­gung Ziel­schei­be recht­li­cher Repres­sio­nen gewor­den ist, zeigt, daß sie gewis­sen poli­ti­schen Schich­ten inner­halb Öster­reichs immer noch – und jetzt erst recht – ein erheb­li­cher Dorn im Auge ist.

Nicht zuletzt, weil sich die Schlüs­sig­keit der iden­ti­tä­ren Kri­tik an der Ein­wan­de­rungs- und Asyl­po­li­tik immer deut­li­cher erweist, wie etwa der über­ra­schend muti­ge Arti­kel von Mari­am Lau über den Sinn und Zweck der See­not­ret­tung im Mit­tel­meer zeigt, der inner­halb ihrer Zunft mit aggres­si­ver Gereizt­heit quit­tiert wur­de, als habe die Autorin Hoch­ver­rat begangen.

Thors­ten Hinz bemerk­te hierzu:

Der Text ist maß­voll in der Form und in der Sache. Er ist Ange­bot für eine längst fäl­li­ge Debat­te. Die abschlie­ßen­de Fra­ge müß­te man aller­dings zuspit­zen: Wie lan­ge wür­de es dau­ern, bis auch die letz­ten euro­päi­schen Metro­po­len zu Kal­kut­ta gewor­den sind, mit allen sozia­len, kul­tu­rel­len, zivi­li­sa­to­ri­schen Konsequenzen?

Nichts ande­res ist die iden­ti­tä­re Frage.

Die Grund­la­ge der Ankla­ge ist wie gesagt der § 278a StGB:

Wer eine auf län­ge­re Zeit ange­leg­te unter­neh­mens­ähn­li­che Ver­bin­dung einer grö­ße­ren Zahl von Per­so­nen grün­det oder sich an einer sol­chen Ver­bin­dung als Mit­glied beteiligt

1. die, wenn auch nicht aus­schließ­lich, auf die wie­der­keh­ren­de und geplan­te Bege­hung schwer­wie­gen­der straf­ba­rer Hand­lun­gen, die das Leben, die kör­per­li­che Unver­sehrt­heit, die Frei­heit oder das Ver­mö­gen bedro­hen, oder schwer­wie­gen­der straf­ba­rer Hand­lun­gen im Bereich der sexu­el­len Aus­beu­tung von Men­schen, der Schlep­pe­rei oder des uner­laub­ten Ver­kehrs mit Kampf­mit­teln, Kern­ma­te­ri­al und radio­ak­ti­ven Stof­fen, gefähr­li­chen Abfäl­len, Falsch­geld oder Sucht­mit­teln aus­ge­rich­tet ist,

2. die dadurch eine Berei­che­rung in gro­ßem Umfang anstrebt und

3. die ande­re zu kor­rum­pie­ren oder ein­zu­schüch­tern oder sich auf beson­de­re Wei­se gegen Straf­ver­fol­gungs­maß­nah­men abzu­schir­men sucht,

ist mit Frei­heits­stra­fe von sechs Mona­ten bis zu fünf Jah­ren zu bestrafen.

Die­ser Para­graph hat eine inter­es­san­te Vor­ge­schich­te: Er kam 2010/11 im “Wie­ner Neu­städ­ter Tier­schüt­zer­pro­zeß” zum Ein­satz, der gegen eine mili­tan­te links­ra­di­ka­le Tier­schüt­zer­grup­pe geführt wur­de. Ermit­telt wur­de seit 2007, Ver­haf­tun­gen erfolg­ten 2008.

Eine links­ex­tre­me Sei­te aus dem Jahr 2008 berichtet:

Als am 21. Mai 2008 23 Woh­nun­gen, Büros und Häu­ser von Tier­rechts­ak­ti­vis­tIn­nen in Wien, Nie­der­ös­ter­reich, der Stei­er­mark, Salz­burg und Tirol durch Son­der­ein­hei­ten der Poli­zei gestürmt und durch­sucht wur­den, sowie zeit­gleich Haft­be­feh­le gegen 10 der Betrof­fe­nen ergin­gen, stell­te sich schnell her­aus, was als Begrün­dung für die­ses mas­si­ve Repres­si­on gegen lin­ke Akti­vis­tIn­nen her­hal­ten muss. Den Inhaf­tier­ten wird die Bil­dung einer kri­mi­nel­len Orga­ni­sa­ti­on nach § 278a StGB vorgeworfen.

Die­ser Para­graph wur­de ursprüng­lich 1993 gemein­sam mit dem § 165 StGB gegen Geld­wä­sche ein­ge­führt, um bei der Bekämp­fung der orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät bereits die Mit­glied­schaft in einer kri­mi­nel­len Orga­ni­sa­ti­on unter Stra­fe zu stel­len, ohne das von die­ser kri­mi­nel­len Orga­ni­sa­ti­on bzw. deren Mit­glie­dern bereits kon­kre­te Taten began­gen wor­den sind. Der Straf­tat­be­stand ist ein soge­nann­tes “Vor­be­rei­tungs­de­likt”, das heißt, dass der Tat­be­stand der kri­mi­nel­len Orga­ni­sa­ti­on ein im Vor­feld zukünf­ti­ger ver­bre­che­ri­scher Akti­vi­tä­ten lie­gen­des Ver­hal­ten erfasst, das für sich allei­ne gese­hen straf­los wäre.

Zu die­sem Zeit­punkt ent­hielt der Para­graph einen Zusatz, der spä­ter gestri­chen wurde:

Wer eine auf län­ge­re Zeit ange­leg­te unter­neh­mens­ähn­li­che Ver­bin­dung einer grö­ße­ren Zahl von Per­so­nen grün­det oder sich an einer sol­chen Ver­bin­dung als Mit­glied beteiligt

2. die dadurch eine Berei­che­rung in gro­ßem Umfang oder erheb­li­chen Ein­fluß auf Poli­tik oder Wirt­schaft anstrebt …

Damit wäre eine Hand­ha­be gege­ben, poli­tisch unlieb­sa­me Grup­pen zu kri­mi­na­li­sie­ren, und genau dies wur­de auch von den zahl­rei­chen Kri­ti­kern des Pro­zes­ses hef­tig bean­stan­det. In die­sem Fall gal­ten die Kam­pa­gnen der Grup­pe “gegen den Pelz­han­del und die Schwei­ne­mast” als Grund für eine Anwen­dung von § 278a “da die­se zeig­ten, dass die angeb­li­che kri­mi­nel­le Orga­ni­sa­ti­on Ein­fluss auf Poli­tik und Wirt­schaft anstre­be.” (Wiki­pe­dia).

Anders als bei dem Pro­zeß gegen die Iden­ti­tä­ren gab es mas­si­ve natio­na­le und inter­na­tio­na­le Pro­tes­te und brei­te Soli­da­ri­sie­rung mit den Tier­schüt­zern. Unter ande­rem setz­te sich der heu­ti­ge Bun­des­prä­si­dent Alex­an­der van der Bel­len für die Grup­pe ein:

Grü­nen-Chef Alex­an­der Van der Bel­len hat die Ent­haf­tung der Tier­ak­ti­vis­ten, und mitt­ler­wei­le Grü­ne-Kan­di­da­ten für die Natio­nal­rats­wahl, begrüßt. Er ver­lang­te aber gleich­zei­tig die Novel­lie­rung des soge­nann­ten Anti-Mafia-Para­gra­fen, der gegen die orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät geschaf­fen sei und “nicht gegen die Arbeit von NGOs ein­ge­setzt wer­den” sol­le. “Die­ser Spuk muss ein Ende haben”, so Van der Bellen.

Der Pro­zeß ende­te schließ­lich mit einem Frei­spruch der 13 Beschul­dig­ten vom Tat­vor­wurf der Bil­dung einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung, wie auch ande­rer Ankla­ge­punk­te wie “schwe­re Nöti­gung, schwe­re Sach­be­schä­di­gung, Wider­stand gegen die Staats­ge­walt und Tierquälerei”. 

In der Fol­ge lei­te­te das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um unter der ÖVP-Minis­te­rin Bea­trix Karl eine Reform des “Mafia-Para­gra­phen” ein, die dazu führ­te, daß der Punkt des Anstre­bens einer poli­ti­schen Ein­fluß­nah­me gestri­chen wurde.

Die Ange­klag­ten erlit­ten trotz ihres Frei­spru­ches erheb­li­chen per­sön­li­chen Schaden:

Die meis­ten der Ange­klag­ten hat­ten mit dem Ver­lust der Arbeits­stel­le, Ver­dienst­aus­fall oder Ver­zö­ge­run­gen von Bil­dungs­ab­schlüs­sen per­sön­li­che und finan­zi­el­le Fol­gen zu tragen.

Trotz der Reform des “Mafia-Para­gra­phen” wur­de die­ser nun von der Staats­an­walt­schaft auf exakt die­sel­be Wei­se gegen die Iden­ti­tä­re Bewe­gung in Stel­lung gebracht wie einst gegen die Tier­schutz­ak­ti­vis­ten. Zusätz­li­che Vor­wür­fe betref­fen Sach­be­schä­di­gung, Nöti­gung (in einem ein­zi­gen Fall) und natür­lich Verhetzung.

Wie zu erwar­ten, steck­ten dies­mal nur ver­gleichs­wei­se weni­ge den Kopf her­vor, um Kri­tik an dem Pro­zeß zu üben. Unter ihnen befan­den sich jedoch immer­hin der Ver­fas­sungs­recht­ler Bernd-Chris­ti­an Funk, SPÖ-Jus­tiz­spre­cher Han­nes Jaro­lim, die Neos-Jus­tiz­spre­che­rin und ehe­ma­li­ge Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin Irm­gard Griss oder gar der Fal­ter-Chef­re­dak­teur Flo­ri­an Klenk.

Die Pres­se berich­te­te:

Exper­ten kri­ti­sie­ren: Die Staats­an­walt­schaft Graz füh­re ein Gesin­nungs­straf­recht ein. Der frü­he­re Vor­stand des Straf­rechts­in­sti­tuts der Uni Wien, Hel­mut Fuchs, bezwei­felt, dass der Tat­be­stand der kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung über­haupt erfüllt ist. Eine sol­che liegt vor, wenn ein Zusam­men­schluss von Per­so­nen dar­auf aus­ge­rich­tet ist, Ver­bre­chen, erheb­li­che Gewalt­ta­ten, schwe­re Sach­be­schä­di­gun­gen, Dieb­stäh­le, Betrü­ge­rei­en, Ver­het­zung, Bestechung, Ter­ror­fi­nan­zie­rung, Schlep­pe­rei, Geld­wä­sche­rei etc. zu begehen.

Des­halb sei­en die Vor­wür­fe auf Ver­het­zung aus­ge­rich­tet, so Fuchs. Aber er kön­ne der Ankla­ge nichts ent­neh­men, wodurch Ver­het­zung erfüllt wäre. Dies bedeu­te etwa Auf­ru­fen zur Gewalt (was nicht behaup­tet wer­de) oder Auf­sta­cheln zu Hass, wobei der Para­graf „sehr unbe­stimmt“ for­mu­liert sei. Also müs­se im Ein­zel­fall „ganz kon­kret aus­ge­legt“ wer­den, „sonst besteht Gefahr, dass es zum poli­ti­schen oder Gesin­nungs­straf­recht wird und ideo­lo­gisch ver­wen­det wer­den könnte“.

Nun, man kann die Sache kurz fas­sen: Es geht bei dem Gra­zer Pro­zeß offen­bar in der Tat aus­schließ­lich dar­um, die “Gesin­nung” der Ange­klag­ten zu bestra­fen, und damit jede Form des patrio­ti­schen Pro­tests, etwa gegen Mas­sen­ein­wan­de­rung oder Isla­mi­sie­rung, im Keim zu ersticken.

Wer dar­an noch zwei­felt, soll­te sich die­ses Inter­view mit Chris­ti­an Pil­nacek, dem Sek­ti­ons­chef für Straf­recht im öster­rei­chi­schen Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um anse­hen, geführt von Armin Wolf, dem Gesin­nungs­meis­ter des ORF. (Pil­nacek ist übri­gens auch Ver­fech­ter des “Bun­destro­ja­ners”).

Ich habe ein paar ent­schei­den­de Stel­len transkribiert.

Pil­nacek behaup­tet wahr­heits­wid­rig, daß die IB “Pro­pa­gan­da” ver­brei­te, “die het­ze­risch ist und zur Gewalt auf­ruft”, und unter­stellt ihr, daß ihret­we­gen “tür­ki­sche Geschäfts­in­ha­ber ihre Geschäf­te mit Paro­len beklebt und beschmiert vor­fin­den”. Eben­so wahr­heits­wid­rig ist die Behaup­tung, sie wür­de “Moti­ve und Sym­bo­le aus natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Zeit” benut­zen, “die sie in ande­rer Form über­set­zen” (was auch immer das wie­der hei­ßen mag).

Auf Wolfs Fra­ge, ob ein der­ar­ti­ges “Grup­pen­de­likt” nicht pro­ble­ma­tisch sei, da man dadurch auch Mit­glie­der oder blo­ße Sym­pa­thi­san­ten ankla­gen und ver­ur­tei­len kön­ne, denen man gar nicht mehr nach­wei­sen muß, daß sie selbst an einer ganz bestimm­ten Tat betei­ligt waren, ant­wor­tet Pil­nacek (mit ver­wa­ckel­tem Satzbau):

Pil­nacek: Aber Herr Wolf, ich den­ke immer, auch das hat der Staats­an­walt in sei­nem Eröff­nungs­plä­doy­er gut aus­ge­führt, daß es schon auch dar­um geht ‘Weh­ret den Anfän­gen’, und auch das Doku­men­ta­ti­ons­ar­chiv des öster­rei­chi­schen Wider­stands hat sich aus­führ­lich mit den Iden­ti­tä­ren und der Über­nah­me von bestimm­ten Moti­ven und Sym­bo­len aus natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Zeit, die sie in ande­rer Form über­set­zen, sehr tief­ge­hend aus­ein­an­der­ge­setzt. Und ich den­ke, es geht dar­um, daß es durch­aus so ist, daß man in einer Gesell­schaft, in der öster­rei­chi­schen, eine demo­kra­tisch-frei­heit­li­che Gesell­schaft, grund­sätz­lich schon abgren­zen muß, wol­len wir das, daß es Grup­pie­run­gen gibt, die zum Haß auf­ru­fen und die damit auch noch ein Geschäft machen… und genau des­halb hat auch der Euro­pa­rat und hat auch die UNO, und des­we­gen ist es ja 2015 ein­ge­führt wor­den, dazu auf­ge­ru­fen, daß Grup­pie­run­gen, die der­ar­ti­ge Taten bege­hen und dazu auf­ru­fen, geson­dert zu bestra­fen sind.

Die Stoß­rich­tung Pil­naceks ist klar: Er folgt einem “anti­fa­schis­ti­schen” Nar­ra­tiv (wie üblich gefüt­tert von Links­au­ßen durch das berüch­tig­te DOEW), wodurch bereits die poli­ti­sche Gesin­nung der Ange­klag­ten in den Bereich der straf­recht­li­chen Rele­vanz gerückt wird (etwa Rich­tung “Wie­der­be­tä­ti­gung”). Dem­nach müß­te die Ant­wort auf Wolfs Fra­ge Ja lau­ten – Es ist in die­sem Fall gerecht­fer­tigt, Mit­glie­der und Sym­pa­thi­san­ten (!) zu bestra­fen, obwohl sie kei­nes indi­vi­du­el­len Ver­ge­hens schul­dig sind. Und nicht nur das: Er begrün­det dies mit dem Tat­be­stand des “Has­ses”, einem Begriff, der über­aus dehn­bar ist, und der bekannt­lich nahe­zu aus­schließ­lich auf “rech­te” For­men des “Has­ses” ange­wandt wird.

Dar­aus wür­de fol­gen: Wer Mit­glied oder Sym­pa­thi­sant einer Grup­pe ist, die “Haß” ver­brei­tet, macht sich strafbar.

Damit wird kla­rer­wei­se beab­sich­tigt, die Kri­tik an der Ein­wan­de­rungs­po­li­tik mund­tot zu machen. Im Okto­ber 2015, im Jahr der Eska­la­ti­on der “Flücht­lings­kri­se” for­der­te der Euro­pa­rat Öster­reich auf, “Haß­re­den” “sys­te­ma­tisch entgegenzutreten”:

Besorgt über die Aus­brei­tung des Aus­län­der­has­ses in Öster­reich zeigt sich die Kom­mis­si­on gegen Ras­sis­mus und Into­le­ranz des Euro­pa­ra­tes (ECRI). “Meh­re­re poli­ti­sche Par­tei­en und ande­re Orga­ni­sa­tio­nen kul­ti­vie­ren und ver­brei­ten ras­sis­ti­sches, frem­den­feind­li­ches und neo­na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sches Gedan­ken­gut”, heißt es in einem am Diens­tag in Straß­burg ver­öf­fent­lich­ten Län­der­be­richt.

Die Anti­pa­thie gegen­über Migran­ten sei in jüngs­ter Zeit “erheb­lich gestie­gen”, bekla­gen die Exper­ten. “Hass­re­den ins­be­son­de­re von Poli­ti­kern wird nicht sys­te­ma­tisch ent­ge­gen­ge­tre­ten.” So sei auch “eine neue Genera­ti­on rechts­ex­tre­mer Orga­ni­sa­tio­nen ent­stan­den”, die eine Radi­ka­li­sie­rung durch­lau­fe. Auch eini­ge Medi­en wür­den “ein­deu­tig ras­sis­ti­sche Inhal­te” ver­öf­fent­li­chen und Ent­schei­dun­gen des Pres­se­rats nicht respektieren.

Inter­net­fo­ren wür­den nicht sys­te­ma­tisch dar­auf kon­trol­liert, dass sie kei­ne Hass­re­de ent­hal­ten. Ras­sis­mus im Inter­net und in den sozia­len Medi­en sei auf dem Vormarsch.

Damit klar ist, in wel­che Rich­tung die­ser Ukas weist, illus­trier­te der Kurier sei­nen Bericht mit einem Bild von FPÖ-Anhän­gern, die Schil­der hal­ten, auf denen steht: “Nein zum Asy­lan­ten­heim”: “Bil­der wie die­se besor­gen den Europarat”. 

Schon im Früh­jahr 2015 wur­den die Ver­het­zungs­ge­set­ze in Öster­reich verschärft:

Bis­her war Ver­het­zung straf­bar, wenn die Äuße­run­gen eine „brei­te Öffent­lich­keit“ (rund 150 Per­so­nen) erreich­ten. Laut dem Geset­zes­ent­wurf ist die öffent­li­che Het­ze künf­tig bereits straf­bar, wenn sie „vie­len Men­schen zugäng­lich wird“. Dar­un­ter wer­den nur noch rund 30 Per­so­nen ver­stan­den. Die Straf­bar­keit ist also rascher erfüllt.

Neu ist auch, dass man nicht gegen jeman­den wegen „der vor­han­de­nen oder feh­len­den Staats­an­ge­hö­rig­keit“ het­zen darf. Bis­her stell­te das Gesetz zwar etwa auf „Kri­te­ri­en der Ras­se, der Haut­far­be, der Spra­che, der Reli­gi­on oder Welt­an­schau­ung“ ab, aber nicht expli­zit auf einen Her­kunfts­staat. Die Ver­het­zung (§ 283) ist künf­tig auch schon erfüllt, wenn man „zu Hass“ gegen eine geschütz­te Grup­pe auf­sta­chelt. Und nicht wie bis­her bei Auf­ru­fen „zu Gewalt“.

Damit ist die Fal­le instal­liert: Jede nega­ti­ve, kri­ti­sche, pole­mi­sche oder auch nur beschrei­ben­de Aus­sa­ge über eine bestimm­te Grup­pe (etwa Mus­li­me, Isla­mis­ten, kri­mi­nel­le Asy­lan­ten, Kin­der­schän­der­gangs à la Rother­ham oder New­cast­le), inklu­si­ve des Ver­wei­ses auf “vor­han­de­ne oder feh­len­de Staats­an­ge­hö­rig­keit“ oder “Her­kunfts­staa­ten” kann nach Lau­ne des Rich­ters oder Staats­an­walts als “Haß” oder “Dis­kri­mi­nie­rung” klas­si­fi­ziert und bestraft wer­den, unab­hän­gig davon, ob sie auch tat­säch­lich zutrifft. Damit ist einer kaf­ka­es­ken Jus­tiz der Weg berei­tet, die im Diens­te des “anti­ras­sis­ti­schen” Gas­lich­terns steht.

Um nichts ande­res geht es in Graz. Das bedeu­tet natür­lich auch, daß bestimm­te Mei­nun­gen außer­halb des Spek­trums von “Demo­kra­tie” und “Mei­nungs­frei­heit” gestellt wer­den müssen.

Wolf: Jetzt sagt der Anwalt der Grup­pe – gut, das ist sein Beruf und dafür wird er bezahlt – , das sei nor­ma­ler poli­ti­scher Aktio­nis­mus und das fal­le unter die Mei­nungs­frei­heit und eine Demo­kra­tie müs­se das aushalten…

Pil­nacek: Ich glau­be, gera­de hier ist zu ent­geg­nen, daß auch der euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te sagt, wer die Mei­nungs­frei­heit schein­bar dazu benützt, ande­re der Men­schen­wür­de zu ent­klei­den oder zu Haß gegen bestimm­te Grup­pie­run­gen auf­zu­ru­fen, fällt nicht unter den Schutz der Mei­nungs­frei­heit. Man muß auf­pas­sen, es ist sicher­lich ein sehr heik­les Gebiet, aber ich den­ke die Staats­an­walt­schaft erfüllt ihre Auf­ga­be, sie legt dem Gericht eine Ankla­ge vor, die ver­tret­bar ist aus unse­rer Sicht…

die Poli­tik hat sich 2015 ent­schie­den mit dem Straf­rechts­än­de­rungs­ge­setz 2015, daß auch Grup­pie­run­gen, die auf Ver­het­zung, dis­kri­mi­nie­rend auf­sta­cheln zum Haß, ähm, aus­ge­rich­tet sind, als kri­mi­nel­le Ver­ei­ni­gung zu beur­tei­len sind. Und jetzt der Staats­an­walt­schaft den Vor­wurf zu machen, daß das, was erst 2015 ver­ab­schie­det wor­den ist, auch umge­setzt wird, das fin­de ich nicht ganz fair.

Damit wird der Tat­be­stand der “Ver­het­zung” kon­sti­tu­tiv für die Bil­dung einer kri­mi­nel­len Vereinigung.

Noch­mal Pilnacek:

Wolf: Jetzt sind die Paro­len die­ser Grup­pe zwei­fel­los ras­sis­tisch und rechts­ex­trem, ande­rer­seits lese ich jeden Tag im Inter­net noch viel schlim­me­re Din­ge, die nie ange­klagt werden.

Pil­nacek: Na ich glau­be, die stei­gen­den Ankla­gen im Bereich der Ver­het­zung zei­gen, daß sich die Staats­an­walt­schaf­ten die­ser Auf­ga­be durch­aus bewußt sind, und natür­lich ist das Inter­net und sind die sozia­len Medi­en eine gro­ße Ver­brei­tungs­form der­ar­ti­ger Äuße­run­gen, aber es wird nach und nach die Ver­fol­gung ausgebaut..

Als nächs­tes unter­streicht Pil­nacek unver­hoh­len, daß die­se “Ver­fol­gung” aus­schließ­lich in eine poli­ti­sche Rich­tung gehen soll (wie er auch her­vor­hebt, daß die Tier­schüt­zer nach der Geset­zes­än­de­rung des § 278a heu­te nicht mehr ver­folgt wer­den könnten.)

Wolf: Mit die­ser Begrün­dung könn­te man auch NGOs wie Green­peace ankla­gen, die auf aktio­nis­ti­sche For­men set­zen, mög­li­cher­wei­se auch mal eine Sachbeschädigung…

Pil­nacek: Aber das ist im Ansatz falsch, weil Green­peace dis­kri­mi­niert kei­ne bestimm­te Grup­pe aus reli­giö­sen Moti­ven. Das ist nicht ver­gleich­bar. Green­peace sieht sich dem Umwelt­schutz ver­pflich­tet, und macht manch­mal durch­aus grenz­wer­ti­ge Aktio­nen, wird aber nie in der Gefahr sein jeman­den zu verhetzen.

Damit wäre alles wei­te­re Bei­werk wie “Sach­be­schä­di­gung” etc. abge­räumt: Das ein­zi­ge, das die Ver­fol­ger inter­es­siert, ist die omi­nö­se “Dis­kri­mi­nie­rung”, was – wie gesagt – kon­se­quent ange­wen­det dazu füh­ren wür­de, daß kei­ne kri­ti­sche oder auch nur unter­schei­den­de Aus­sa­ge über eine Grup­pe getrof­fen wer­den kann (wobei man jede Wet­te ein­ge­hen, daß sich die­sel­ben Ver­fol­ger einen feuch­ten Keh­richt für den Haß von Anti­fan­ten oder links­li­be­ra­len Jour­na­lis­ten gegen “Rech­te” interessieren.)

Pil­naceks Ver­weis auf höhe­re Auto­ri­tä­ten wie den Euro­pa­rat, den Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te oder die UNO zeigt, daß sich die öster­rei­chi­sche Jus­tiz an die Lei­ne einer über­na­tio­na­len, glo­ba­lis­ti­schen Agen­da legen hat las­sen, die sich bekannt­lich die Mas­sen­ein­wan­de­rung in west­eu­ro­päi­sche Län­der, “Diver­si­ty” und “Bestands­er­hal­tungs­mi­gra­ti­on” auf ihre Fah­nen geschrie­ben hat.

Die “New Yor­ker Erklä­rung” (“Glo­bal Com­pact on Immi­gra­ti­on”) der UN Refu­gee Agen­cy (19. Sep­tem­ber 2016) verlautbarte:

Wir ver­ur­tei­len nach­drück­lich gegen Flücht­lin­ge und Migran­ten gerich­te­te Akte und Bekun­dun­gen von Ras­sis­mus, Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung, Frem­den­feind­lich­keit und damit zusam­men­hän­gen­der Into­le­ranz sowie die häu­fig auf sie ange­wand­ten Ste­reo­ty­pe, ins­be­son­de­re auf­grund der Reli­gi­on oder Welt­an­schau­ung. Viel­falt berei­chert jede Gesell­schaft und trägt zum sozia­len Zusam­men­halt bei. Flücht­lin­ge oder Migran­ten zu ver­teu­feln rüt­telt an den Grund­fes­ten der Wür­de und Gleich­heit aller Men­schen – Wer­te, denen wir uns ver­schrie­ben haben. Wir, die wir uns heu­te bei den Ver­ein­ten Natio­nen, der Wie­ge und Hüte­rin die­ser uni­ver­sel­len Wer­te, ver­sam­melt haben, miss­bil­li­gen zutiefst alle Erschei­nungs­for­men von Frem­den­feind­lich­keit, Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung und Into­le­ranz. Wir wer­den eine Rei­he von Schrit­ten unter­neh­men, um der­ar­ti­gen Ein­stel­lun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen ent­ge­gen­zu­wir­ken, ins­be­son­de­re gegen­über Hasskri­mi­na­li­tät, Ver­het­zung und ras­sis­ti­scher Gewalt.

Die Ver­fech­ter die­ser Agen­da haben klar die Gefahr der sozia­len Medi­en und des Auf­baus einer Gegen­öf­fent­lich­keit erkannt. Die “Haß­re­de”- und “Fake News”-Gesetze (wie das deut­sche “NetzDG”) sind unmit­tel­ba­re Reak­tio­nen darauf.

Thors­ten Hinz kommentierte:

Mar­tin Sell­ner, der Wei­ße Rit­ter, der so vir­tu­os die neu­en Medi­en zu nut­zen ver­steht, wur­de fak­tisch waf­fen­los gemacht. Auch das gehört zum Lehr­stück. In sei­nem Buch „Iden­ti­tär!“ hat Sell­ner die Mög­lich­keit ver­stärk­ter Repres­si­on in Rech­nung gestellt und eine „Anti-Repres­si­ons­tak­tik“ aus „Offen­heit und Soli­da­ri­tät“ skiz­ziert, die öffent­li­che Unter­stüt­zung mobi­li­siert. Doch das Rezept ver­sagt, wenn das „Sys­tem“ den Auf­bau einer Gegen­öf­fent­lich­keit unter­bin­det, indem es die nöti­gen Instru­men­te beschlagnahmt.

Zum andern sind die neu­en Medi­en und sozia­len Netz­wer­ke kei­ne neu­tra­len, rein tech­nisch zu ver­ste­hen­den Trans­port­mit­tel von Infor­ma­tio­nen und Ideen. Um das zu erken­nen, bedurf­te es nicht erst der Fotos, die Face­book-Chef Mark Zucker­berg beim Plausch mit Ange­la Mer­kel zei­gen. Face­book, Twit­ter, Goog­le, Wiki­pe­dia, Ama­zon und so wei­ter ver­fol­gen glo­bal ange­leg­te Geschäfts­mo­del­le, die ihr poli­tisch-ideo­lo­gi­sches Gegen­stück in der Visi­on einer Welt ohne Gren­zen haben.

Sie wer­den auf Dau­er kei­ne Ideen ver­brei­ten, die die­sem Modell und die­ser Visi­on wider­spre­chen. Hier betritt man das schwie­ri­ge Ter­rain der Eigen­tums- und Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­se. Sell­ner ist inzwi­schen zu dem Schluß gekom­men, sich in einer „feind­li­chen Matrix“ zu befinden.

Apro­pos Eigen­tums­ver­hält­nis­se. Wolf begeht einen selt­sa­men Schnit­zer, als er fragt:

Wolf:  Jetzt wur­den die Tier­rechts­ak­ti­vis­ten damals alle frei­ge­spro­chen, die meis­ten davon waren nach die­sem sehr lang­wie­ri­gen, umfang­rei­chen Pro­zess finan­zi­ell völ­lig rui­niert. Jetzt ange­nom­men, in Graz die­se 17 Ange­klag­ten wer­den auch frei­ge­spro­chen, hät­te dann die Jus­tiz die­ser an sich mög­li­cher­wei­se völ­lig irrele­van­ten Grup­pe von ein paar jun­gen Men­schen nicht einen Rie­sen­ge­fal­len getan oder eine Rie­sen­wer­be­ak­ti­on für die ver­an­stal­tet und sie wahn­sin­nig wich­tig gemacht?

Den Ange­klag­ten droht wie den Tier­schüt­zern der finan­zi­el­le Ruin auch bei Frei­spruch, trotz­dem hät­te das Gericht ihnen einen “Rie­sen­ge­fal­len” getan?

Pil­nacek besteht jeden­falls auf der “Gefähr­lich­keit” und Rele­vanz der Identitären:

Pil­nacek: Herr Wolf, ich fra­ge mich, ob sie wirk­lich so unbe­deu­tend sind, wenn im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2017 das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz die­ser Grup­pie­rung ein eige­nes Kapi­tel wid­met, und auch den Aus­wir­kun­gen, und wenn Sie dar­an den­ken, das Schiff, das hier auch die inter­na­tio­na­len Ver­bin­dun­gen in Genua, die sozu­sa­gen ver­hin­dern woll­ten, daß ein Flücht­lings­schiff anlegt, also ich den­ke mir, das wird einen Grund haben…

Aus dem Gestam­mel ist wohl min­des­tens zu ent­neh­men, daß Pil­nacek in den Iden­ti­tä­ren in der Tat eine Grup­pe sieht, die für einen ernst­haf­ten poli­ti­schen Trend inner­halb Euro­pas steht, der ihm nicht paßt. Was nun den Ver­fas­sungs­schutz­be­richt betrifft, den er wie eine Bibel behan­delt, so wirkt sich hier der Ein­fluß lin­ker Krei­se, die wie immer im Ein­klang mit der glo­ba­lis­ti­schen Agen­da von oben ste­hen, beson­ders fatal aus. Die öster­rei­chi­schen VS-Berich­te über die “Iden­ti­tä­ren” und ande­re Rech­te sind noto­risch auf dem trü­ben Niveau anti­fan­ti­scher Tra­ka­te ver­faßt, was von den Anti­fan­ten selbst mit eini­ger Genug­tu­ung bemerkt wird. Und die­se haben wohl­ge­merkt ihre eige­nen Kapi­tel in den­sel­ben VS-Berichten.

Patrick Len­art hat den Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2017 hier sowie das DOEW und ande­re lin­ke Quel­len über die Iden­ti­tä­ren hier mus­ter­gül­tig auseinandergenommen.

Das öster­rei­chi­sche Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz und Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung (BVT) zeich­net im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt ein Bild der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung, wonach es in fünf Jah­ren des Bestehens kei­nen ein­zi­gen geplan­ten Gewalt­akt gege­ben hat. Wo es Gewalt gab, geschah dies aus­schließ­lich zur Ver­tei­di­gung gegen links­ex­tre­mis­ti­sche Angrif­fe. Aus­drück­lich stellt der Ver­fas­sungs­schutz auch fest, dass die Iden­ti­tä­re Bewe­gung eine Stra­te­gie der Gewalt­lo­sig­keit ver­folgt und sich eine Gewalt­be­reit­schaft nicht an Ein­zel­per­so­nen fest­ma­chen lässt. Da die Gut­hei­ßung oder Anwen­dung von Gewalt zu den not­wen­di­gen Bedin­gun­gen des BVT-Extre­mis­mus-Begrif­fes zählt, ist die IBÖ vom BVT ein­deu­tig nicht als rechts­ex­tre­mis­tisch einzustufen.

Doch anstatt sich an den eige­nen Ermitt­lun­gen zu ori­en­tie­ren, über­nimmt die SPÖ-nahe Extre­mis­mus-Beauf­trag­te im BVT unre­flek­tiert die Cha­rak­te­ri­sie­rung des Doku­men­ta­ti­ons­ar­chivs des öster­rei­chi­schen Wider­stands (DÖW). Das DÖW ver­wen­det jedoch einen am Mar­xis­mus ori­en­tier­ten Begriff von „Rechts­ex­tre­mis­mus“ , der in aus­drück­li­chem Gegen­satz zu jenem der Behör­den liegt. Auch die Behaup­tung einer „mili­tan­ten Grund­hal­tung“ über­nimmt das BVT vom DÖW – eine Unter­stel­lung, die einer nähe­ren Betrach­tung nicht standhält. (…)

Ins­ge­samt ist eine unwis­sen­schaft­li­che Immu­ni­sie­rungs­stra­te­gie im Umgang mit der IBÖ bemerk­bar. Das bereits vor­ge­fass­te Inter­pre­ta­ti­ons­er­geb­nis über den angeb­li­chen Rechts­ex­tre­mis­mus der IBÖ wird nicht auf kon­kre­ten Hand­lun­gen der IBÖ aufgebaut.

Wo Hand­lun­gen und Äuße­run­gen der IBÖ der Ein­ord­nung als „rechts­ex­trem“ expli­zit ent­ge­gen­ste­hen, wer­den die­se als Bewei­se einer „beson­ders geschick­ten“ Tarn­stra­te­gie aus­ge­legt. Ein Aus­blei­ben von Gewalt und extre­mis­ti­schen Bot­schaf­ten wird als „Tak­tik“ aus­ge­legt. Unter die­sen Umstän­den ist es für die IBÖ völ­lig unmög­lich, durch Aus­sa­gen oder Ver­hal­ten den Vor­wurf und Ver­dacht des Rechts­ex­tre­mis­mus zu entkräften.

Eine Hand­voll ein­schlä­gi­ger Jour­na­lis­ten ver­sucht zudem, ein Bild der IBÖ als gewalt­tä­tig und extre­mis­tisch zu unter­mau­ern. Bei genaue­rer Betrach­tung der zehn Gewalt­vor­wür­fe zeigt sich jedoch, dass kein ein­zi­ger Vor­wurf auf eine behaup­te­te Gewalt­tä­tig­keit der IBÖ zurück­geht. Hin­ge­gen hat sich die IBÖ immer aus­drück­lich von jeder Form poli­ti­scher Gewalt distan­ziert. Die Unpro­fes­sio­na­li­tät der aktu­ells­ten Ein­stu­fung durch den Ver­fas­sungs­schutz lässt ver­mu­ten, dass schlicht Mei­nun­gen aus frem­den Quel­len über­nom­men und zusam­men­ge­fasst wur­den, ohne die Begriff­lich­keit oder die behaup­te­ten Fak­ten zu hin­ter­fra­gen. Das führt zu einer star­ken Inkon­sis­tenz und Über­nah­me unbe­grün­de­ter Behaup­tun­gen von Geg­nern der IBÖ. Teil­wei­se beruft sich das BVT sogar auf Per­so­nen aus dem links­ex­tre­mis­ti­schen Spektrum.

Soll­ten die Iden­ti­tä­ren im Sin­ne der Ankla­ge schul­dig gespro­chen wer­den, wird es im Öster­reich von Kurz und Stra­che kei­nen lega­len Platz mehr für eine patrio­ti­sche NGO geben. Damit hät­te auch die Gesin­nungs­jus­tiz über den Rechts­staat tri­um­phiert; und damit hät­te man bloß einen wei­te­ren Deckel auf einen Topf gepreßt, der (blind­lings oder sehen­den Auges?) am Köcheln gehal­ten wird.

Heu­te, Mitt­woch, 18. 7., wird der Pro­zeß fort­ge­führt. Wei­te­re Ver­hand­lungs­ta­ge sind der 19., 20., 23–27. sowie 30. und 31. Juli, jeweils von 9 bis 15 Uhr.

 

 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (46)

Maiordomus

18. Juli 2018 08:27

Informative, nüchterne und ernüchternde Ausführungen von Lichtmesz, welche es vielfach kaum in die Mainstreammedien schaffen. Nie mehr seit den Dreissigerjahren, als noch Carl Schmitt die Massstäbe setzte, mit der allerdings richtigen Feststellung, dass die Justiz seit eh und je schon politisch war, war die Justiz in Österreich und auch Deutschland derart durchpolitisiert wie heute. Und wie in den Vereinigten Staaten von Amerika findet bei der Besetzung der Richterämter ein absolut wesentlicher Teil des politischen Machtkampfes statt.

Der_Juergen

18. Juli 2018 08:59

Vom Ausgang dieses Prozesses hängt in der Tat ungeheuer viel ab. Werden die angeklagten Identitären schuldig gesprochen, so bedeutet dies, dass es in Österreich keine legale Opposition mehr gibt.

An dem ausgezeichneten Artikel von Lichtmesz stört mich nur, dass er nicht mit der gebotenen Deutlichkeit auf das "Verbotsgesetz" hinweist, welches seit Jahrzehnten zur Verfolgung missliebiger Meinungen und Forschungsergebnisse verwendet wird, wobei die Strafen oft extrem hoch ausfallen. Man sollte nicht so tun, als sei die Repression in Österreich ein neues Phänomen. Leider haben es die patriotischen Kräfte regelmässig versäumt, sich mit den Opfern dieser Repression zu solidarisieren und die Abschaffung des totalitären Verbotsgesetzes zu fordern. "Nein, ich bin kein Extremist, mit denen habe ich nichts zu tun", war das gängige Erklärungsmuster. Nun soll es den "gemässigten" Patrioten in Gestalt der Identitären also ebenfalls an den Kragen gehen. Wer nun ruft: "Die Identitären sind mir zu radikal, mit denen habe ich nichts zu schaffen" soll sich bloss nicht wundern, wenn er als nächster an der Reihe ist. "Salamitaktik" heisst das im Jargon des ungarischen Kommunistenführers Matyas Rakosi alias Roth.

Noch eine Bemerkung zu der von Lichtmesz zitierten "New Yorker Erklärung" der UN Refugee Agency vom 19. September 2016, die den ganzen abgrundtiefen Irrsinn der "antirassistischen" Ideologie zeigt. In der Erklärung heisst es:

"Vielfalt bereichert jede Gesellschaft und trägt zum sozialen Zusammenhalt bei."

Dergleichen zeigt, dass wir uns tatsächlich auf eine Schreckensherrschaft von Orwellschen Massstäben hinbewegen. Typisch für Orwells Albtraumstaat Ozeanien ist, dass dort permanent Schwarz zu Weiss und Weiss zu Schwarz umgelogen und aus jedem Wert ein Unwert, aus jedem Unwert ein Wert gemacht wird. Wie sehr Vielfalt eine Gesellschaft bereichert und zu ihrem Zusammenhalt beiträgt, sehen wir ja Tag für Tag. Wir sahen es am Sonntagabend, als Maghrebiner und Schwarze in Frankreich zur Feier der Weltmeisterschaft wieder einmal annähernd tausend Autos abfackelten. Wir sehen es an den unzähligen "No go areas" westeuropäischer Städte.

Die beklagenswertesten Menschen in Europa sind nach dieser Logik die Isländer, deren Gesellschaft akut von Zerfall (und nach Wolfgang Schäuble zweifellos auch von Inzucht) bedroht ist, weil sie nicht durch Heerscharen schwarzer und muslimischer Immigranten bereichert wird. Da hilft nur eins: Schleunigst hunderttausend Neger, Araber und Afghanen nach Island, damit sie zum Zusammenhalt der dortigen Gesellschaft beitragen können!

RMH

18. Juli 2018 10:37

Es ist eines der Grundprobleme aller Staaten, die mit den Themen wie Menschenrechte, Grundrechte, Recht auf Meinungsfreiheit etc. positive Werbung für sich machen wollen, dass diese Rechte schon immer und überall ihre (wenn auch unterschiedlichen) Grenzen hatten. Früher hätte man gesagt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Verfassungsrechtler und Juristen ihres Vertrauens, aber auch diese stehen mittlerweile ja perplex da, da eine seröse Rechtsberatung nicht mehr möglich ist, wenn absehbar ist, dass die Justiz selber nicht mehr berechenbar ist und allzu oft das Odium der politisch herrschenden Meinung und der Abhängigkeit versprüht, statt kernige Unabhängigkeit zu demonstrieren. Dafür wurden mit definitiv unbestimmbaren Tatbestandsbegriffen wie "Hass" (man kann den sprichwörtlichen Pudding besser an die Wand nageln, als diese Wert- und Gesinnungsfloskel sauber bestimmbar zu definieren) die Mittel geschaffen, uferlos und nach eigenem "gesunden Empfinden" zu urteilen. Im Religiösen und Weltanschaulichen gab es einmal den Begriff der negativen Bekenntnisfreiheit und im Bereich der Tarifautonomie den, der negativen Koalitionsfreiheit, sprich, man ist nicht gezwungen, einem Club beitreten oder anzugehören, der einen als Mitglied unbedingt will. Das Recht für etwas zu sein, beinhaltete früher auch immer das Recht, gegen etwas zu sein. Heute ist gegen etwas zu sein, was den Herrschenden gerade sehr schmeckt, offenbar "Hass" und "Hass" steht unter Strafe -- damit kann man sich im Ergebnis dann aber auch das ganze demokratische Theater sparen. Ich bin immer wieder fasziniert, wie die juristische Bestenauslese bei der Gewinnung von Richtern und Verwaltungspersonal ab der Ernennung bzw. Verbeamtung allzu oft zu einer völligen Verdrängung elementarer juristischer Regeln und entsprechendem Rechtsverständnisses führt (und da regen wir uns im nachhinein seit langem über "furchtbare Juristen" auf - in der Hoffnung, dass die Neuen es besser machen werden würden).

Wie auch immer:
Für uns deutsche Beobachter des Prozesses ist besonderes interessant zu verfolgen, wie die jetzige Regierungspartei FPÖ darauf reagiert. Auch wenn einem voll und ganz bewusst ist, dass die FPÖ bzw. wesentliche Repräsentanten von ihr sicher bemüht sein werden, bereits aus taktischen Gründen besser nichts oder nicht zu viel zu sagen, um so nicht in den Vorwurf zu geraten, die "unabhängige" Justiz beeinflussen zu wollen und den "Radikalen" zu nahe zu stehen, sollten die FPÖ (und auch deren geistesverwandten Kurz-Jünger der anderen Partei - die haben schließlich auch profitiert von den Aktionen der IB!), aber dennoch wissen, dass für uns Außenstehende sich hier recht deutlich eine homöopathische Dosis "Nacht der langen Messer" zeigt. Angekommen an den Fleischtöpfen der Macht, will man mit Leuten, die mit ihren Aktionen m. M. n. die entscheidenden paar Prozent Stimmen mit ermöglichten, dann nichts mehr zu tun haben, da zu revolutionär und nicht mehr "zielführend".

Richtig spannend für uns in Deutschland wird es also werden, wenn in nicht allzu ferner Zeit auch die AfD an einer Regierung beteiligt wird. Die Revolution frisst ihre Kinder (gerne!).

MartinHimstedt

18. Juli 2018 10:48

"Sollten die Identitären im Sinne der Anklage schuldig gesprochen werden (…)"

... weiß ich ehrlich gesagt auch noch nicht, was ich machen werde. Mein "normales" Leben völlig dem politischen Aktivismus widmen? Haftstrafen und/oder die de facto Zerschlagung der IBÖ wären für mich jedenfalls nur schwer erträglich. Leider habe ich bisher noch keine Prognosen zum Ausgang des Verfahrens vernehmen können.

MARCEL

18. Juli 2018 10:49

Lässt an Kafka oder Ionesco denken...
Wenn man sich das "NSU"-Verfahren hierzulande ansieht, dann könnten solche Prozesse auch bei uns stattfinden.
Einschüchterung auf breiter Front, um die Überzeugung der Aktiven ins Wanken zu bringen. Absuchen nach Schwachstellen, angestrebte soziale Isolation, die nur durch eine "Parallelgesellschaft"(sic) aufgefangen werden kann. Da helfen frühzeitige Immunisierung, das Durchbrechen der Allmacht des Privaten und die Prise Fanatismus, den es in solch einem Kampf neben den Argumenten ebenso braucht.
In manchen Kommentaren der Einheitspresse kann man übrigens zwischen den Zeilen die heimliche Bewunderung herauslesen...Dagegen ist Antifa (wann kommen die eigentlich vor Gericht?) roh, plump und disziplinlos.

MARCEL

18. Juli 2018 10:54

Kleiner Nachtrag zum politischen Zynismus:
Hat General Franco die Falange nicht auch verboten, als es opportun erschien?
Hat de Gaulle die Algerien-Franzosen (und das Militär) nicht kaltschnäuzig im Stich gelassen, nachdem sie ihn 1958 an die Macht gebracht hatten?
Die Liste ließe sich verlängern...

t.gygax

18. Juli 2018 12:00

Marcel: Sie bringen es auf den Punkt: De Gaulle -der als großer Europäer verehrt wird wegen seiner schwülstigen Rede in Ludwigsburg 1963 an "die deutsche Jugend" - ließ die Algerienfranzosen im Stich und seine größte Schweinerei war die Entwaffnung der Harkis, d.h. der Algerier, die loyal zu Frankreich standen, so dass diese unmittelbar nach dem Abzug der Franzosen wehrlos den barbarischen Mordexzessen der Muslime ausgeliefert waren.
Nun will ich mich nicht in die französische Politik und Geschichte einmischen, das ist deren Sache, aber mir scheint, daß diejenigen, die nun an die Macht gekommen sind, sich schnell ihrer ungeliebten Helfer entledigen. Auch die deutsche Geschichte kennt solche Beispiele. Leider. Das Ganze ist ein Trauerspiel, aber vielleicht gibt es in der FPÖ ein paar ehrliche Menschen, die in der Stille dafür sorgen, dass den jungen Leuten der IB nicht die Zukunft zerstört wird...ich pflanze frei nach Schiller noch am Grab die Hoffnung auf, wie soll man denn sonst in diesem Irrenhaus weiterleben?

W. Wagner

18. Juli 2018 12:04

Warum gelten all diese EU-Gesetze etc. eigentlich scheinbar nur in Deutschland, Österreich? Ich habe das Gefühl - das täuschen kann -, dass man in Italien weit freier über alles sprechen und schreiben kann (vgl. u.a. Facebook-Auftritt Matteo Salvinis). Vielleicht gehen dem einmal Juristen gezielter nach?!

Andreas Walter

18. Juli 2018 14:19

https://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2014/03/25/provokation-analyse-eines-sozialen-verhaltens/

Unbedingt daher dem IB auch einen guten Psychologen zur Seite stellen, der sich mit solchen Psychospielchen auskennt. Denn hier geht es nicht um Justiz. Die Justiz ist nur das Feigenblatt, um dem Ganzen eine legitimen Anstrich zu geben. Dahinter stehen aber andere Kräfte, darum auch Robinson in England und ähnliche Geschichten. Am besten alle Weinen, den ganzen Tag lang, bis ihr aus dem Gerichtssaal entfernt werden müsst. Ihr wüsstet gar nicht, was plötzlich los ist, habt doch niemand etwas getan, die ganzen ermordeten und vergewaltigten Mädchen sind doch echt, wie auch die ermordeten durch Terror, ihr seid die Opfer, nicht der Staat. Der Staat ist der Täter, der durch Unterlassung für all diese grausamen Taten verantwortlich ist, einschließlich jedes ertrunkenen im Mittelmeer. Ich will Nervenzusammenbrüche, Weinkrämpfe, Hysterie im Gerichtssaal sehen, so wie einstmals in ...

heinrichbrueck

18. Juli 2018 15:59

Die Botschaft lautet: Es gibt keine Reservate! Und den Grundsatz, die Mehrheit im eigenen Lande stellen zu wollen, inkriminiert in den Köpfen, dürfte diese Botschaft plausibel erscheinen lassen. Die Wahrheit, dafür wird gesorgt, nicht mehr einem notwendigen Verständnisbereich Zugang gewährt, durch eine Gegenerziehung verschleiert, historisch toleranzbesoffen zugedröhnt, zur letzten Ruhe geleitet wird. Kann ein solcher Verständnisbereich nicht mehr geschaffen werden, also nicht existieren, ist die Erkenntnismöglichkeit nicht anwendbar (bzw. zur Verwendung geeignet oder zugelassen). Fehlt der Verständnisbereich, bleibt das nichtvorhandene Wissen dienstbar. Über Nutzen und Schaden dieser Dienstbarkeit, die toleranzgesteuert ein größeres Unwissen leugnen, läßt sich nicht so leicht reden. In diesem Sinne und Kraftfeld, lastet der Druck nicht auf den Identitären, sollte die StA unter Rechtfertigungsdruck stehen, im Volk jener Verständnisbereich angesprochen bzw. geschaffen und ausgeweitet werden, der patriotisch dem Leben dient. Die Identitären sind in diesem Zusammenhang positiv aufgeladen. Sie können, je nach Deutungsmuster und Zustandekommen der Anklageerhebung, über das negative Energiefeld der Anklage, das identitäre Wahrheitsfeld verstärken.

Sylvia Taraba

18. Juli 2018 17:35

Super gute Analyse. Ich hatte bis zu meiner Mail nur die Hälfte gelesen: es wurde eh alles hinsichtlich der UN und EU Migrationspläne zur legalen (!) (unverbindlichen!) Migration von Dir erwähnt:
Nun muss sich die IB Kritik und die IB Politik rein auf die Migrationspolitik der eigenen Regierung(en) und der EU, sowie auf die legalisierten Migrationsvorhaben von UN und EU beziehen!! Empfohlene Zwangs- und Strafjustiz und soziale Strafvorhaben inklusive. Vera Lengsfeld hat eine gute Zusammenfassung erstellt: "Die Migration verläuft nach Plan"

Solution

18. Juli 2018 18:13

Wo bleibt die Unterstützung der FPÖ? Anstatt zunehmend in ihren eigenen Reihen Säuberungen gegen Rechte durchzuführen, sollten sie sich hinter die IBÖ stellen.

John Haase

18. Juli 2018 19:28

In England werden Pakistanis im offiziellen Sprachgebrauch als „Asians“ bezeichnet, in Amerika ist jeder Schütze Arsch ein „Hero“ und in Deutschland heißt unmaskierte Zeckenhetze in der politischen Umgangssprache „Satire“.

Unglaublich, was der Titanic-Chefredakteur da abläßt (siehe Link zu Hinzartikel).

Wolfram Amadeus

18. Juli 2018 20:07

Mir fehlt etwas in all den Artikeln und Kommentaren zu Netzwerksdurchsetzungsgesetz, Verhetzungsparagrafen, etc., nämlich die Thematisierung der Geringschätzung der Kritikfähigkeit der Wähler und Steuerzahler, die in solchen Gesetzen durchschimmert. Als wäre unsereins ohne Vernunft und Intellekt. Ich bin nicht verhetzbar, und ich denke der größte Teil der Staatsbürger auch nicht.

RMH

18. Juli 2018 22:00

"nämlich die Thematisierung der Geringschätzung der Kritikfähigkeit der Wähler und Steuerzahler, die in solchen Gesetzen durchschimmert. Als wäre unsereins ohne Vernunft und Intellekt. Ich bin nicht verhetzbar, und ich denke der größte Teil der Staatsbürger auch nicht."

@W. Amadeus:
Sehr richtiger und wichtiger Punkt! Der Nanny- und Nudging-Staat denkt, jeder sei manipulierbar und liese sich beliebig zu "Hass" gegen wen oder was auch immer aufstacheln und davor müsse man "geschützt" werden - für wie blöde halten die eigentlich ihr eigenes Stimm-Volk?

Wen ich hasse, entscheide ich immer noch selber! So hasse ich ja schließlich trotz aller staatlicher Bemühungen keine Rechten ;) - und auch keine Ausländer, ebenfalls trotz aller staatlicher (und eben keiner rechten ;) ) Bemühungen :)

Pit

19. Juli 2018 05:06

Es ist doch leider völlig klar, was all dies bedeutet:
wenn die IBÖ verurteil wird, ist das Eintreten für die Eigenen kriminell

-> und was natürlich zu passieren hat, ist, daß sich alle, z.B. die 25% AfD-Wähler, jeder, der für das Eigene ist, bei der Polizei selbst anzeigt und seine Verhaftung fordert.

Das heißt: der Volksaufstand. Der Generalstreik
(im Sinne des massenhaften Zivilen Ungehorsams).

Ok wie schon früher gesagt: ich neige, wie vemutlich jeder, zum Schwarz-Weiß-Denken.
Es mag unendlich viele Zwischenstufen zwischen Nichtstun und dieser ultimativen Konfrontation geben.

Abe natürlich ist diese ultimative Konfliktstellung das, was der ganzen Lage zugrunde liegt.
Gibt es wirklich noch "Zwischenstufen"? Oder ist der Moment für den showdown gekommen !!!!!!??????

Waldgaenger aus Schwaben

19. Juli 2018 06:41

Dieser Tage tat ich mir als Kasteiung eine ZDF-Sendung an, über China. Verschärfte Bußübungen sind dann Merkel-Reden.

In dieser ZDF Sendung kam auch ein Speigel-Journalist zu Wort:
"China und Rußland sind Diktaturen, aber man muss sagen, dass Diktaturen zur Zeit stabiler sind als Demokratien, wenn man an Dinge Trump und Brexit denkt."

Das heißt das wohl:
Ein bisschen Foltern und Schauprozesse wären schon ok, wenn es die Rechten träfe.

Zum Thema selbst:
Der Artikel beleuchtet sehr gut die Hintergünde und Zusammenhänge. Was mir fehlte, war Informationen über Entscheidungsprozesse und Akteure beim Zustandekommen der Anklage. Ich habe bei wikipedia nachgeschaut:

In Österreich ist die Exekutive gegenüber der Staatsanwaltschaft weisungsbefugt, so wie in Deutschland.
In Italien und den USA sind Staatsanwaltschaften unabhängig und können Ermittlungen aufnehmen oder einstellen und anklagen oder nicht anklagen, ohne dass das Justizministerium darauf Einfluss hat.

In Deutschland unterstehen Staatsanwaltschaften konkret den Justizministern der Ländern, in Österreich dem Bundesjustizminister, zur Zeit ein Herr Josef Moser, der mal Bürochef bei Jörg Haider war. Er kandidierte als Parteifreier auf dem dritten Platz der Bundesliste für die Liste "Sebastian Kurz – die neue Volkspartei".

https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Moser_(Jurist)

Kann ein Kenner der österreichischen Politik mehr zu ihm sagen?
In wieweit ist er in die Anklageerhebung involviert?

Wie hätte es im politischen Klima in Österreich gewirkt, wenn Herr Moser die Staatsanwalt angewiesen hätte keine Anklage gegen die IB zu erheben?

maru

19. Juli 2018 07:02

"Vielfalt bereichert jede Gesellschaft und trägt zum sozialen Zusammenhalt bei".

Pure UNO-Ideologie, die die Mehrheit der islamischen Staaten und Entwicklungsländer in dieser Organisation widerspiegelt.
Empirisch betrachtet verhält es sich genau umgekehrt: Je mehr ethnische Heterogenität in der Bevölkerung desto mehr Kriminalität, Unfrieden bis hin zum Bürgerkrieg und zu ethnischen Säuberungen. Auf europäischem Boden zuletzt im ethnischen Krieg in Jugoslawien vorexerziert.
Mit Moslem-Beteiligung ist diese "Vielfalt" in der Regel überhaupt nicht mehr friedlich zu lösen. Die davon befallenen Länder zerfallen in Gegengesellschaften (Parallelgesellschaft ist reinste Verharmlosung).

Zum Prozeß: Diese Leute sind konsequent gewaltfrei, im Grunde sogar recht harmlos - dennoch wird so scharf auf sie geschossen.
Wenn die IBÖ tatsächlich verknackt wird, wie kann man dann noch Widerstand leisten?

maru

19. Juli 2018 07:13

@Pit: "Es ist doch leider völlig klar, was all dies bedeutet:
wenn die IBÖ verurteil wird, ist das Eintreten für die Eigenen kriminell".

Das ist z.B. bei vielen indigenen Völkern auch so. Die meisten Führer der Mapuche (Chile), Guaranis (Brasilien & Paraguay), Lakota u. Sioux (USA) sitzen im Gefängnis.

Der kollektive Suizid ist angeordnet, die Verweigerung wird kriminalisiert,

Reaktion

19. Juli 2018 09:48

Meiner unmaßgeblichen Meinung nach verstößt § 283 StGB (Verhetzung), insbesondere durch Verwendung des unbestimmten Begriffes "Hass" gegen das strafrechtliche Bestimmtheitsgebot (Art 7 EMRK).
https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrechtlicher_Bestimmtheitsgrundsatz_(%C3%96sterreich)
https://de.wikipedia.org/wiki/Unbestimmter_Rechtsbegriff
Dies zu relevieren wird aber auch nichts bringen: Verfassungsrechtliche Judikatur ist immer politisch. Man sollte sich keinen Illusionen über "Rechtsstaat", "Demokratie" und dergleichen hingeben.

Zwei ebenfalls sehr lesenswerte Kommentare zu diesem politischen Prozess:

https://www.andreas-unterberger.at/2018/07/wer-hetzt-da-eigentlichij
mit Hintergrundinformationen

https://www.blauenarzisse.de/ib-prozess-die-spiele-sind-eroeffnet/
sehr gute strategische Analyse

Cacatum non est pictum

19. Juli 2018 10:40

Nach dem Strafurteil gegen Beate Zschäpe von letzter Woche - in meinen Augen der größte Justizskandal in der Geschichte der Bundesrepublik - würde mich eine Verurteilung der IB-Aktivisten in Österreich nicht überraschen. Rechtliche Substanz scheint die Anklage kaum zu haben. Dadurch erklärt sich ja auch das peinliche Herumgeeiere eines Herrn Pilnacek. Aber man wird, so befürchte ich, das angestrebte Resultat genauso erzwingen, wie man es im NSU-Prozeß offenbar getan hat. Eine öffentlichkeitswirksame Niederlage in dieser Causa wird man sich nicht leisten wollen. Und die Stoßrichtung wäre damit klar: hin zur völligen Erosion der rechtsstatlichen Garantien. Wer hat sich noch mal über die politischen Strafverfahren in Erdogans Türkei echauffiert?

Gestern habe ich nach längerem mal wieder Bücher von Manfred Kleine-Hartlage zur Hand genommen. Dieser kluge politische Analyst sieht die Bundesrepublik auf dem Weg in den Totalitarismus; und wer ihn gelesen hat, der weiß, daß in den letzten Jahren die meisten seiner Prognosen ins Schwarze getroffen haben. Ich möchte ihn hier gern zitieren, und zwar zu seinen Einschätzungen für die kommenden Jahre:

"...

Wir werden also erleben, daß man versuchen wird, die Entmachtung der Nationalstaaten speziell in der EU zu beschleunigen und unumkehrbar zu machen; ... daß man nordafrikanische und nahöstliche Staaten so nahe an die EU heranführen wird, daß Migranten nahezu nach Belieben nach Europa kommen können; ... Flankierend dazu wird die Repression gegen die politische Rechte ein bisher unvorstellbares Ausmaß annehmen und jedes Begriffs von 'Rechtsstaatlichkeit' spotten ..."

Das war ein Auszug aus einem Interview von 2013, abgedruckt in seiner Essaysammlung "Die Besichtigung des Schlachtfelds" (Seite 25). Um die Sache in einen größeren Kontext einzubetten, zitiere ich noch aus Kleine-Hartlages Werk "Die liberale Gesellschaft und ihr Ende" (Seite 38), und zwar zum Thema politischer Dissens in einem Volk am Beispiel der Weimarer Republik:

"...

Die Katastrophen, die der Weimarer Republik vorangingen und sie begleiteten ... legten die latenten Schwächen einer Gesellschaft bloß, die von der Aufklärung durchdrungen ist. Was in normalen Zeiten unsichtbar bleibt, tritt im Falle krisenhafter Erschütterungen ans Tageslicht, und die Tatsache, daß die Republik unter der Wirkung externer Schocks zusammenbrach, bedeutet nicht, daß diese Erschütterungen die Ursache ... gewesen wären; sie haben nur sichtbar gemacht, wie morsch das Gesellschaftsgefüge schon vorher gewesen war ...

Zu Beginn der dreißiger Jahre gab es in Deutschland kaum einen Beobachter des Zeitgeschehens, der der liberalen Demokratie noch eine Chance einräumte, und dies galt selbst für ihre Anhänger. Die Politik stellte sich zunehmend als Wettlauf von Kommunisten und Nationalsozialisten, also von totalitären Gegenentwürfen, um die Macht dar, und ich halte es für wahrscheinlich, daß dies den Zeitgenossen deshalb so erschien, weil es nichttotalitäre Lösungen für die tiefe Gesellschaftskrise damals in der Tat objektiv nicht mehr geben konnte. Von einem gewissen Grad der Gesellschaftszersetzung an gewinnen zentrifugale Kräfte derart das Übergewicht ... daß die Gesellschaft nur noch duch die Gewalt eines ... totalitären Staates rekonstituiert werden kann; ...

..."

Wenn der einzige Kitt, der hier alles noch zusammenhält - unser Wohlstand! -, den Bach runtergeht, dann finden wir uns im Szenario Weimar wieder, nur eben unter aktuellen Bedingungen. Vielleicht sind die politischen Prozesse unserer Tage erste Vorboten dafür.

Old Linkerhand

19. Juli 2018 11:26

Nach dem Text vom Mariam Lau in der Zeit und der Rückendeckung durch ihren stellvertretenden Chefredakteur Bernd Ulrich, kommt nun die sozialistische Selbstkritik.

Schließlich kam im Contra-Text von Mariam Lau nicht genug zum Ausdruck, dass wir – auch die Autorin – großen Respekt haben vor jenen, die ihre Freizeit und ihr Geld einsetzen, um auf dem Mittelmeer Menschen in Not zu retten, und sich dabei mitunter selbst in Gefahr bringen. Unabhängig davon, aus welcher Motivation und mit welchem Weltbild die Retter handeln, sind sie erst einmal zu bewundern. Was nicht bedeutet, dass die politischen Folgen ihres humanitären Handelns nicht auch kritisch gesehen werden können.

Was haben wir gelernt? Das Jahrhundertthema Flucht setzt Europa unter hohen moralischen und politischen Druck, es fordert auch unseren Journalismus ungemein. Wir haben uns vorgenommen, es in Zukunft wieder besser zu machen.

Die ZEIT-Chefredaktion

Der_Juergen

19. Juli 2018 11:37

@Caccatum non est pictum

Ihr Hinweis auf die klugen Prognosen von Manfred Kleine-Hartlage kommt zur richtigen Zeit. Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass die BRD, und andere europäische Staaten wie England und eventuell auch Österreich, rasch auf eine heimtückische Form des Totalitarismus zusteuern, der äusserlich noch demokratisch ist, weil er ein Mehrparteiensystem und Wahlen kennt, de facto aber keine Opposition mehr duldet, die diesen Namen verdient.

In Österreich regiert zwar heute eine Mitte-Rechtskoalition, doch wenn die Identitären letztinstanzlich verurteilt werden, ist der Schritt in einen notdürftig kaschierten Totalitarismus auch dort vollzogen. Im Moment erhalten Kurz und Strache viel Zustimmung, weil sie Massnahmen zur Eindämmung der Immigrantenflut getroffen haben; wie konsequent diese vollzogen werden, bleibt abzuwarten. Ich würde keinem der beiden auch nur eine Sekunde lang über den Weg trauen.

In Deutschland leistet die AFD im Reichstag recht gute Arbeit. Auf dem Weg in den Totalitarismus ist die Partei jedenfalls ein ernsthafter Stolperstein.

Man kann natürlich Zweckoptimismus betreiben und argumentieren, das Anziehen der Repressionsschraube zeige die Hilflosigkeit des Regimes und deute auf dessen baldigen Kollaps hin. Diese Argumentation erinnert ein wenig an das berühmte Pfeifen im Walde.

Meiner Meinung nach wird die Entwicklung in Deutschland und anderswo von aussenpolitischen Faktoren abhängen, auf welche die Regierenden in Berlin und anderen europäischen Hauptstädten wenig bis keinen Einfluss haben. Nachdem ich meine Hoffnungen auf Trump nach dem zweiten Syrienbombardement bereits begraben hatte, geben mir seine - wenn auch heillos erratischen - Versuche zur Verbesserung der Beziehungen zu Russland wieder etwas Zuversicht. Und auch die Entwicklung der Lage in Italien bietet Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Eines ist sicher: Langweilig werden die kommenden Jahre nicht.

Fredy

19. Juli 2018 11:51

Es wird auf erhebliche Geldstrafen und entsprechende Konsequenzen persönlicher und beruflicher Art hinauslaufen. Haftstrafen sind nicht zu erwarten, denn sehr wohl ist dem Gegner bewußt, dass die IB gewaltfrei agiert. Aber sie ist eben sehr lästig.

Gewaltfreie agierende Politaktivisten sanktioniert man mit Geldstrafen und anderen, vordergründig humanen, Knüppeln. Der Aktivist selbst soll von sich aus zur Aufgabe bewegt werden, und wenn schon nicht gläubig abschwören so doch des Ärgers überdrüssig werden und sich alleine noch um seinen eigenen Kram kümmern wollen. Gefängnisstrafen sind daher nicht zu erwarten. Es ist durchaus bekannt, dass wer gewaltfreie Aktivisten wegsperrt sich seine gewaltaffinen Aktivisten damit heranzüchtet und das Problem eskaliert. Ein offensichtliches Unrecht (Märtyrer) zieht weitere Aktivisten an, fundamentalisiert Überzeugung und Bereitschaft. Hinzu kommt: Warum soll auf Gewalt verzichtet werden, wenn man auch ohne in den Knast kommt?

Eine Zäsur ist aber auch schon alleine dieser Versuch der Kriminalisierung, daraus resultierende Strafen, und seien es "nur" Geldstrafen erst recht. Ein Sellner und einige wenige andere werden sich davon nicht beeindrucken lassen. Viele andere schon. Wenn man weitermachen würde, müßte man vom Gegner lernen und die Aktivitäten in Richtung Kunst, Theater und Satire verlegen. Dort winken einstweilen noch mehr Freiheiten. Unter dem Deckmantel jedenfalls war Hass und Hetze gegen Andere schon immer erträglich.

Auch wenn man sich nicht einschüchtern läßt, sollte man fragen was das alles bringt. "Volk", "Mehrheit" und "Wille" stehen bei mir hoch im Kurs. An einiger weniger Wesen kann das Volk nicht genesen. Man kann die Menschen in Person und schon gar nicht ein Volk zum Glück zwingen. Die Mehrheit ruft "Hosianna". Nun denn, dann soll es so sein. Ich habe schon lange keine Lust mehr ständig gegen das eigene Volk anzurennen. Nicht der Kampf macht müde, sondern dass der Gegner das Eigene ist.

An der Demokratie, der angeblich größten Errungenschaft der Europäer, wird das Ganze zugrundegehen. So kann man sich zu Tode siegen. Aber es gab in der Geschichte schon zu jeder Zeit Phasen, wo man als Deutscher oder Europäer sein Glück woanders suchen mußte. Nur Mut dazu.

MARCEL

19. Juli 2018 14:10

@Fredy
Die Strategie ist genau die von Ihnen aufgezeigte: Zivilen Widerstand zivil brechen, vornehmlich über die wirtschaftliche Schiene (es gibt eben mehrere Tode, bevor man stirbt)
Dazu das psychologische Momentum: Schlag wenige, aber triff viele!
Haben wir eigentlich das seelische Rüstzeug für Widerstand?
Trotzdem: Joseba Elosegui, der Baske, der sich 1970 als knapp 55jähriger in Flammen gehüllt auf Dikator Franco stürzte, sagte einmal: "Denke nie schlecht über dein Volk".
Das möchte ich auch nicht. Es ist für uns noch viel möglich!
Grüße Marcel Kehlberg

Old Linkerhand

19. Juli 2018 14:41

@Fredy
Sie irren sich. Dieser Widerstand wird von Stil und Haltung getragen. Es gibt nur das Wort, auch wenn dieses in einer Welt, in der Worte nichts mehr bedeuten, verhallt. Westeuropa wird multitribalistisch und da wird man sich entscheiden müssen. Das Volk schläft tief und fest, so wie es immer war, aber es muss irgendwann aufwachen. Nicht vom Volk hängt das Schicksal einer Nation ab, sondern von wenigen, von der Geschichte, Auserwählten.

Reaktion

19. Juli 2018 16:25

@Fredy
Man muß mit bedingten Haftstrafen rechnen, mit dem Damoklesschwert des Widerrufs der bedingten Strafnachsicht bei jeder weiteren Aktion.

"Bestrafe einen, erziehe hundert."
https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2016/bestrafe-einen-erziehe-hundert/

Andreas Walter

19. Juli 2018 16:30

@maru

"Der kollektive Suizid ist angeordnet, die Verweigerung wird kriminalisiert,"

Den Gedanken hatte ich gestern (oder vorgestern?) auch. Dass das im Grunde genommen die Agenda ist, auf die alles hinausläuft, wenn man es zu Ende denkt. Habe es aber nicht abgeschickt, weil es mir zu extrem für dieses Forum vorkam. Hatte dabei wirklich plötzlich das Bild vom Jonestown-Massaker im Kopf, über das ja auch gerätselt wird, was die VSA und die CIA damit zu tun hatten.

@Fredy

"Aber es gab in der Geschichte schon zu jeder Zeit Phasen, wo man als Deutscher oder Europäer sein Glück woanders suchen mußte. Nur Mut dazu."

Klar, doch damals gab es auch noch nicht Interpol und das weltweit umspannende Netz. Ich glaube daher, diese negative Stigmatisierung von Patrioten und Neuen Rechten verfolgt ein ganz anderes Ziel, über das sich vor allem die Architekten auch der EU sicherlich freuen werden. Wie Liebe fliest ja auch "Hass", Ablehnung in beiden Richtungen, und das um so mehr versteckt, je stärker das zum Ausdruck bringen negativer, ablehnender "Gefühle", Gedanken unterdrückt wird. Dieses immer weiter absinken bestimmter Bereiche des menschlichen Miteinanders in den Schatten führt ja gerade zu all den Perversionen, die sich im Lauf der Geschichte immer wieder gezeigt haben. Ich frage mich lediglich, ob wohl erst Gewalt oder Sexualität tabuisiert wurde, zuletzt aber mit Sicherheit "Rassismus", die Bevorzugung des Eigenartigen.

Wobei die zwei ersten grossen Tabus schon sehr alt sein müssen, das Jüngste aber ein Kind der Globalisierung ist, der wwm, wer weltweiten Mobilität, eingeläutet durch die Dampfmaschine. Damit wurde erst der Massentransport von Rohstoffen, Waren und Menschen möglich. Wobei es etwas ähnliches, nur in viel kleinerem Massstab, schon vorher gab, und das war das antike Rom mit seinen noch vielen Göttern aber auch schon nur einem Mare Nostrum.

Hat das Christentum womöglich Rom zerstört, gespalten, so wie Jahrhunderte später auch der Marxismus die Welt? War der Nationalsozialismus darum nur eine Antwort auf den Marxismus? Der gescheiterte Versuch einer Synthese zwischen frühem globalen Kapitalismus und Marxismus?

Doch wenn alles möglichst frei fliessen soll, Geld, Waren, Rohstoffe, Kapital, Menschen, warum will man dann jetzt das Netz und die Sprache zensieren? Wenn doch das Netz sogar nur ein virtueller Raum ist, der in der Realität aber gar nicht existiert. Während die materielle Realität immer grenzenloser, unbegrenzter wird, versucht man gleichzeitig jetzt auf der geistigen Ebene die Freiheiten immer mehr einzuschränken. Zwecks Gleichschaltung? Alle sollen das Gleiche denken, die gleichen Regeln befolgen und nach ihnen leben?

Fragt sich also, wer hier wirklich gefährlich ist, die "Nazis", die "Faschisten", die machtbesessenen Kontrollfreaks sind, und die Roten und Grünen, die Antifa nur gekaufte Marionetten.

Ergon

19. Juli 2018 17:37

@Cacatum non est pictum
Kleine-Hartlages Analysen sind in ihrer Ausrichtung alt-bundesrepublikanisch und folgen teilweise linksliberalen, teilweise totalitarismustheoretischen (lettzere wurde während des Kalten Krieges nicht zu unrecht als NATO-Ideologie bezeichnet) Interpretationsansätzen, u.a. zur Aufklärung. Das Kaiserreich war "von der Aufklärung durchdrungen", aber nicht im Rückgriff auf die Französische Revolution und die Formel liberté, égalité, fraternité, sondern in Bezug auf die deutsche Aufklärung, wie sie von Kant in seinem Aufsatz "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" ausformuliert wurde, mit der Betonung auf Erziehung und Bildung. Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht und die Entwicklung des Bildungsbürgertums sind typische Beispiele für diese Ausrichtung. Die Gesellschaftsform läßt sich mit Carl Schmitt als bürgerlich-liberal bezeichnen, unterscheidet sich aber deutlich von der nach den beiden Weltkriegen von den Siegern oktroyierten "liberalen Demokratie". Die Instabilität der Weimarer Republik hatte eine ganze Reihe von Gründen hatte, u.a. gab es keine das System tragende Schicht in Form der Linksliberalen. Es war eine liberal democracy ohne Liberals.

Zum eigentlichen Thema: Auf wenn sich die Rechtslage in Österreich unterscheiden mag, gegen Gruppierungen, die wie in der Zuschreibung von SPON als "rechtsextrem" oder "Nazi" bezeichnet wurden und die nicht zufällig sind, wird in der Bundesrepublik Deutschland seit Anbeginn vorgegangen, auch mit vereinsrechtlichen Mitteln oder mit Hilfe des Konstrukts der kriminellen Vereinigung. In Bezug darauf hat Der_Juergen recht. Erstaunlich ist, dass sich gerade Martin Sellner mit seiner Biografie der neurechten Illusion, eine Konterrevolution nach dem Muster der 68-er Revolte inszenieren zu können, hingab. Die Gefahr besteht in erster Linie darin, dass, unabhängig vom Ausgang des Prozesses, aufgrund dieser Fehleinschätzung eine ganze Reihe jüngerer Leute in Bezug auf ihre Zukunftsplanung "verbrannt" wurden.

ullrich

19. Juli 2018 19:58

Obwohl ich mit der IB nicht übereinstimme, ist dieser Prozess die unterste Schublade. Es widert mich an.

Cacatum non est pictum

19. Juli 2018 20:08

@ Ergon

Ich erspüre liberalkonservativen bzw. libertären Hintergrund bei Ihnen. Liege ich da richtig? Ist aber auch egal, denn auf die Güte der Argumente sollte es ankommen. Ich finde Kleine-Hartlages Thesen zur Selbstgefährdung liberaler Gesellschaften durchweg plausibel, unabhängig davon, in welche Begriffsschubladen man sie einsortiert.

Mir ging es aber auch nicht darum, den Anteil der Aufklärung an den Krisen der Moderne zu thematisieren, sondern um die politische Zerrissenheit unseres Volkes (z. B. Willkommensbefürworter versus Einwanderungsgegner); darum, daß unser Gemeinwesen über keinen Grundkonsens mehr verfügt, auf den es sich in Krisenzeiten berufen könnte; und um die Folgen, die das zeitigen wird, wenn es bei uns wirtschaftlich bergab geht. Mit Blick auf Weimar ist zu befürchten, daß wir dann sozusagen zwangsläufig in einen neuen Totalitarismus abgleiten.

RMH

19. Juli 2018 21:45

"Mit Blick auf Weimar ist zu befürchten, daß wir dann sozusagen zwangsläufig in einen neuen Totalitarismus abgleiten."
@Cacatum non est pictum
Die Gefahr ist existent bzw. befinden wir uns bereits in einer Umsetzungsphase. Dieses Mal kommt der Totalitarismus aber nicht über die berühmten 2 Enden, an denen die Kerze brannte, heute kommt er direkt von der Kerze, vom Establishment selber. Schlechte Zeiten für eine echte Opposition - aber gibt es für eine Opposition je gute Zeiten, bis sie keine mehr ist?

Ergon

19. Juli 2018 22:44

@Cacatum non est pictum
Um meine Position etwas pointierter zu formulieren: Die Gefahr eines Abgleitens einer liberalistischen Gesellschaft in einen "Totalitarismus" sehe ich schon deshalb nicht, weil der Liberalismus, insbesondere in seiner Ausprägung seit 1945 in Deutschland, per constructionem "totalitär" ist. Allerdings halte ich, und darin dürfte Ihre Mutmaßung über meinen Hintergrund begründet sein, nichts von der neurechten Modernitätskritik, vor allem nicht an Ansichten, die heutige Ausprägung des Liberalismus sei in der Aufklärung angelegt oder der Ausdruck der Moderne.

Andreas Walter

19. Juli 2018 22:48

@Cacatum non est pictum

Stellen Sie das noch in Frage?

"Mit Blick auf Weimar ist zu befürchten, daß wir dann sozusagen zwangsläufig in einen neuen Totalitarismus abgleiten."

Wir sind doch schon mitten drin. Diese(r) vollkommen absurde Anklage/Prozess kann so nur im Totalitarismus statt finden.

Dann war es das. Ihr habt "Hitler/Stalin/Mao", nennt die W. wie ihr wollt, für mich haben sie auch noch 1.000 andere Namen, diesmal nicht einmal kommen sehen. Weil sie aus einer anderen Richtung kamen, als sie dem Volk ständig erzählt haben.

Jeder von uns hier weiß, dass die IB ein vollkommen harmloser Haufen ist. Was(!) also sind das bitte für Leute, die ihnen jetzt trotzdem einen Prozess machen, mit Sicherheit zumindest aber auf Bewährung verurteilen wollen?

Richtig. Übelste Verbrecher, wie sie nur Diktaturen, totalitäre Systeme in solche Ämter bringen, die sie derzeit bekleiden.

Mit dem einzigen Unterschied, dass diese Diktatur so leise, so unbemerkt und so geschickt installiert wurde, dass es selbst 85% der Deutschen noch nicht bemerkt haben.

Den Richter würde ich als Angeklagter fragen, ob er noch ganz dicht ist. Warum er die Anklage der Staatsanwaltschaft nicht sofort als unsinnig, vollkommen an den Haaren herbeigezogen abgewiesen hat.

Er musste so handeln (vielleicht sogar nach dem Gesetz?)? Dann will ich wissen, wer die Anordnung geben hat. Wer ist der höchste dafür Verantwortliche? Von wem kam die Anweisung, die ja in schriftlicher Form existieren muss. Kurz?

Tatsächlich der österreichische Justizminister? Dann hat Europa ein ernstes, ein sehr ernstes Problem. Denn Hitler hatte zumindest keine Atomwaffen.

Doch egal wer es war. So jemand gehört sofort aus dem Amt geprügelt, bevor er noch mehr Schaden anrichten kann.

Nein, nicht zu radikal, sondern nach 70 Jahren Holocaustaufklärung die einzig richtige Reaktion auf solche W.. Um so mehr verwundert es mich, dass die Juden sich noch nicht kritisch zum neuen Europa des Unrechts geäussert haben. Auch übersehen? Das schon wieder unliebsame Leute in Europa bedroht und verfolgt werden?

Andreas Walter

20. Juli 2018 05:43

Interessante Doku, an der man als Wissender und Revisionist alle Zusammenhänge, auch die Geschichtlichen, sehen und erklären kann:

https://www.youtube.com/watch?v=Rbt0v0RcGc4

Alles wiederholt sich zudem beinahe 1:1. Verdichtet wie in einem Mikrokosmos, lässt sich hier auf kleinster Fläche die gesamte Problematik Deutschlands erkennen - und darum auch seine Zukunft. Wer sich als Einheimischer aber gegen die Pläne der Reichen, auch die EU, auflehnt, nämlich den Import von billigen Arbeitskräften zwecks gegenseitiger Ausspielung mit den Einheimischen, wird als "Nazi" dämonisiert. Doch wer unterstützt die Reichen dabei? Die gekauften Marxisten.

Bei dem Prozess passiert im Grunde genau das Gleiche. Die IB repräsentiert das einheimische Volk, und der gesamte Justizapparat einschliesslich der Politiker sind die Reichen. Die Schlepper und die gesamte Asylindustrie einschließlich der Presse die gekauften Marxisten (beziehungsweise Liberalisten), die den Reichen in die Hände, ihre Rolle spielen, und dafür auch etwas vom Kuchen abbekommen. Denn nicht vergessen, die Linken, die davon etwas haben, sind auch nicht mehr als 1% Prozent der Deutschen Bevölkerung. Auf die Art aber werden seit hundert Jahren die restlichen 98% aller Völker gegeneinander ausgespielt, aufgehetzt und ausgebeutet. Überall das gleiche, egal ob in China, Südafrika oder Indien, nur dass überall ein etwas unterschiedliches Mindestniveau bei den Ärmsten herrscht, je nach Klima und Preisindex des "Mindestwarenkorbs" um leistungsfähig zu bleiben. Wobei letzteres sogar egal ist, bei 7,5 Milliarden Menschen. Es gibt ja ständig genug Ersatz für die Arbeiter, die vorzeitig aus dem Rennen ausscheiden, während die reichsten Leute gleichzeitig derzeit bereits 100 werden.

Solange diese Leute Geld haben werden sie Andere kaufen können. Sie haben aber mit der Sklaverei gleichzeitig auch das leistungsfähigere und gewinnträchtigere System (Adam Smith). Der Marxismus kann daher so oder so nicht gewinnen, wenn er nicht auch pervertiert. Wann hat das GULag System angefangen? Schau' ich noch mal genau nach.

Konkurrenz ist ein unvermeidbarer Faktor der menschlichen Existenz. Er würde selbst dann noch existieren, wenn alle gleich viel verdienen, weil nicht alle gleich gesund und schön sind, oder gross, klug, fruchtbar, motorisch geschickt, was auch immer. Eine Tragödie für fast die gesamte Menschheit, das nicht alle als Halbgötter geboren werden, und aus der sie darum erst mit dem Tod erlöst sind. Manche machen sich allerdings auch selbst zu Halbgöttern, in dem sie über das Leben anderer bestimmen, bis hin sogar zum Mord oder zumindest sterben lassen. Wobei das auch ganz oft indirekt und unbewusst passiert. Weil die Zusammenhänge so komplex sind. Eine mittlerweile vollkommen überforderte Menschheit, die eigentlich gar nicht mehr weiß, was sie eigentlich tut. Oder wie sie der ganzen Probleme noch Herr werden soll, die jeden Tag immer grösser werden.

Fragt das Gericht, was an deren Weg also besser ist. Nicht für sie selbst, sondern für das europäische Volk, dass die IB repräsentiert. Das Gericht soll euch überzeugen, warum sie die bessere Lösung glauben zu haben. Was die EU dann als Superstaat überhaupt soll, wenn sie eh kein Grenzen hat. Ist so etwas überhaupt ein Staat? Oder eine autonome Institution, die nur für sich und die ihren arbeitet? Doch heisst es nicht auch, kein Gesetz ohne klar festgelegtem Wirkungsbereich? Wenn die EU keine Grenzen hat, dann hat auch Österreich keine Grenzen, existiert Österreich also auch nicht. In wessen Namen aber klagt dann die Staatsanwaltschaft. Das Österreichische Volk? Das gibt es dann ja auch nicht, ohne Grenzen, ebenso wenig wie die Einwohner der EU. Im Namen der Weltregierung, oder was?

Maiordomus

20. Juli 2018 06:30

Gegen die Totalitarismus-Theorie, die im Hinblick auf den Nationalsozialismus unterdessen durch die kommunistische Faschismus-Ideologie abgelöst wurde, ist im Prinzip und im methodischen Ansatz nichts einzuwenden, sie ist vielmehr Voraussetzung auch für die Aussage einiger hier, dass wir wieder auf totalitäre Verhältnisse zusteuern. Zu den wohl bedeutendsten Totalitarismus-Theoretikern gehören u.a. Eric Voegelin, Eric von Kuehnelt-Leddihn, James Burnham und William S. Schlamm, natürlich auch der Wirtschaftstheoretiker Hayer. Nach dem 2. Weltkrieg gab es z.B. an den Berliner Universitäten, wo u.a. der Schweizer Historiker Walther Hofer lehrte, die fundamentale Auseinandersetzung zwischen Antitotalitaristen und Antifaschisten, wobei im westlichen Denken die ersteren unter der Führung Hofers sich vorübergehend durchsetzten, bis dann die 68er ihren neototalitären Marsch durch die Institutionen unternommen haben, einen fürwahr "langen Marsch*, der unterdessen sein Ziel weitgehend erreicht hat. Obwohl Walther Hofer sich in der Reichstagsbrandfrage verrannt haben dürfte, war und blieb er einer der bedeutendsten Historiker seiner Zeit. Vgl. den Nachruf auf ihn in der online-Ausgabe des Schweizer Monat.

maru

20. Juli 2018 07:35

@Cacatum non est pictum

Die Zupitzung einer Polarisierung zwischen Willkommensbefürwortern versus Einwanderungsgegnern ist jetzt schon an den Wahlumfragen in Dtschld. ablesbar.
Alle Parteien verlieren Wähler, einzig die AfD und die Grünen legen beide kräftig zu.

Es wird zu noch mehr Härte, Schärfe und Polarisierung kommen. Ermüdend daran ist, daß der Gegner aus dem eigenen Volk kommt: die eigene Familie, der Nachbar, der Kollege.

Maiordomus

20. Juli 2018 08:30

@ullrich. Jenseits von Distanzeritis bezeugt schon die Anklage einen Tiefpunkt des Rechtsstaates. Es wäre ja gelacht, wenn derselbe nur noch für "Gleichgesinnte" und "Gutgesinnte" gelten würde, wobei jedoch dieser Ansatz bereits bei den Prozessen der Jakobiner zur Zeit der Französischen Revolution nicht nur geprobt, sondern praktiziert wurde.

Reaktion

20. Juli 2018 10:21

Da das ganze auch als Schauprozess dient gibt es auch eine ausführliche Berichterstattung durch linke Gruppierungen, zum Beispiel den Verein prozess.report, der ursprünglich installiert wurde, um "Repression" und die "Kriminalisierung von Protest" linksextremer Gruppierungen aufzuzeigen. ("In den letzen Jahre [sic!] haben wir viele Prozesse beobachtet, in denen Protestbewegungen und Widerstand kriminalisiert wurden, hier soll der Versuch einer Aufarbeitung entstehen.")

https://prozess.report/noidisgraz/berichterstattung/

Wie zum Hohn heißt es dort im Impressum zum Vereinszweck, die Plattform sei "ein Versuch, ausgewählte Prozesse zusammenzuführen und die breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass diese keine Einzelfälle sind.

Denn während Einzelpersonen mittels umstrittener Paragraphen angeklagt werden, betrifft die Kriminalisierung gesamte soziale Gruppen bzw. politischen Protest."

Montesquieu

20. Juli 2018 12:21

@ RMH

"Sehr richtiger und wichtiger Punkt! Der Nanny- und Nudging-Staat denkt, jeder sei manipulierbar und liese sich beliebig zu "Hass" gegen wen oder was auch immer aufstacheln und davor müsse man "geschützt" werden - für wie blöde halten die eigentlich ihr eigenes Stimm-Volk?"

Nun, ich denke diese Einschätzung deckt sich mit der Realität.

Die "schweigende Mehrheit" ist eine Schimäre. In Deutschland hat eine überwältigende Mehrheit der Wähler (100 - 12.6 %) das Narrativ des universalistischen Humanitarismus ebenso geschluckt wie die Assoziation von kritischer Hinterfragung des Narrativs mit abgrundtiefer moralischer Verkommenheit.

Ideologisch weitestgehend homogenisierte Massenmedien, Parteien, Kirchen, pädagogische Einrichtungen und Sozialverbände üben einen enormen manipulativen Druck aus.

Angst vor sozialer Isolierung und Bedürfnis nach moralisch "richtiger" Positionierung sind aber anthropologische Konstanten. Da bedarf es keines Opportunismus mehr, um die Schäfchen im Gatter zu halten.
Nüchtern betrachtet formiert sich doch z.B. gegen die desaströse (anhaltende!) Masseneinwanderung gar kein substanzieller Widerstand.
In meinen Augen leben wir schon in einem "sanften" Totalitarismus.

Maiordomus

20. Juli 2018 13:21

Es bleibt dabei, dass die Kritik am Totalitarismus im Gegensatz zum rein ideologischen feindbildorientierten "Antifaschismus" eine weiterhin ernst zu nehmende Aufgabe bleibt, bei der Rechten allenfalls selbstkritisch; selbst noch das hochgradig "ethnopluralistisch" durchsetzte neue Nationalitätengesetz Israels enthält totalitäre Momente, die zu reflektieren bleiben, wiewohl gerade in der Frage nach der Ethnie auf keinen Fall das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden soll. Einer der von mir oben genannten Totalitarismus-Kritiker hiess natürlich nicht "Hayer", sondern Hayek, wobei mit Nachdruck auf dessen Hauptwerk "Der Weg zur Knechtschaft" verwiesen sei, nicht einfach identisch mit dem man, was man heute Brutalo-Neoliberalismus nennt. Die Selbstbestimmung über Einwanderung war im klassischen Liberalismus stets noch eine Selbstverständlichkeit, wiewohl natürlich grundsätzlich die Begrenzungen begründungspflichtig sind, nicht die Freiheit. Dieser Grundsatz scheint mir auch heute noch nicht falsch. Er gilt zumal auf die immer häufiger gehörte Argumentation, dass ein sog. Menschenrecht auf Migration, welches ein Hayek sicher nie forderte, natürlich Errungenschaften hoch entwickelter Sozialstaaten bis zu deren Zerstörung in Frage stellen würde. Ohne Zweifel ist dies aber nicht der einzige Gesichtspunkt ist, aber einer der wichtigeren. Noch spannend bleibt indes, dass fast alles, was Israel praktiziert, als Forderung in Westeuropa als "rechtsextrem" und politkriminell eingeschätzt würde. Insofern ist es aber nicht ungeschickt, dass und wie ein Orban sich derzeit mit Israel engagiert, unbeschadet seines früheren Anerkennungsstatements für den einstigen sog. Reichsverweser Horthy.

Maiordomus

20. Juli 2018 13:31

@Montesquieu. Wenn Meinungsäusserungen auf Blogs, so weit sie sie nicht die "antifaschistische" Leier bedienen, als "Hass"-Äusserungen gelten, was dann sind die hysterischen Kommentare der Mainstreampresse über Trumps Annäherung an Putin? Es gibt wohl kaum eine Primitivität gegen den US-Präsidenten, die es nicht einfach auf eine anonyme Blogspalte, sondern in Leitartikel und Kolumnen sogenannter Meinungsführer geschafft hätte. Als "Hass" gilt diejenige Polemik, die einem gegen den Strich geht, nicht aber der eigene flächendeckend vorhandene Hass, worüber der vor drei oder vier Jahren verstorbene französische Philosoph André Glucksmann ein bemerkenswertes Buch geschrieben hat.

Andreas Walter

22. Juli 2018 18:48

Ein bis in die höchsten Richterämter gekapertes Deutschland:

https://jungefreiheit.de/wissen/2018/klopfzeichen-aus-der-karlsruher-echokammer/

Ja, man muss selbst das Ungeheuerliche in Betracht ziehen, um dafür überhaupt Beweise zu suchen und sie dann nämlich auch erst eventuell zu finden. Aus dem Grund sind und bleiben die meisten Menschen blind, oder stellen sich opportunistisch lieber dumm oder taub. Weil sie es nicht sehen, hören, wissen wollen, das absolut Erschütternde.

Die Finanziers der "Architekten" des Deutschen Reichs sind übrigens "die Gleichen" wie auch die der EU. Habe ich die letzten Tage festgestellt. Nur dass Namen wie Gerson von Bleichröder oder Pierre Uri eben niemand kennt, vielleicht auch genau deswegen. Um bloss keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen, ähnlich wie auch bei den Migranten.

https://www.youtube.com/watch?v=1MteTVEaxww

"Am Anfang waren's sechs Die Römischen Verträge Doku 2016", auf YouTube (ein ansonsten etwas langweiliger Film)

Erinnert mich alles auch ein wenig an die Macht der Mandarine während der Ming- und Qing-Dynastie in China. Die Kaiser - oder auch Politiker - sind daher oft nur eitle, narzisstische Marionetten, die man vorschiebt, um von den wahren Akteuren abzulenken. Auch der König ist nämlich eine Schachfigur, nicht nur die Bauern, die angeblich vorgeschoben werden, und so ist es auch mit den Richtern.

Reaktion

23. Juli 2018 14:48

Eine sehr gute Analyse aus juristischer bzw. rechtsphilosophischer Sicht:
https://www.andreas-unterberger.at/2018/07/verhetzung-als-resultat-einer-gesamtbetrachtungij-zur-architektonik-des-prozesses-gegen-die-identitren/

Zu beachten ist allerdings, daß § 283 StGB (Verhetzung) nicht wie § 3g Verbotsgesetz (Auffangtatbestand für "nationalsozialistische Wiederbetätigung", nach dem 95% aller Verurteilungen nach dem Verbotsgesetz erfolgen) im Verfassungsrang steht.

MartinHimstedt

26. Juli 2018 11:28

Freispruch!

https://kurier.at/chronik/oesterreich/identitaere-prozess-letzte-runde-im-verfahren-in-graz/400072016 – es scheint doch noch einen Gott zu geben.

Maiordomus

26. Juli 2018 12:45

Die Identitären wurden heute freigesprochen! Keine Kleinigkeit, auch wenn einiges an einigen hängenbleibt und zumal Sellner es nicht leicht haben wird, traue ihm aber dennoch eines Tages ein österreichisches Ministeramt zu, vertrauenswürdiger als viele FPÖ-Politiker scheint er mir alleweil zu sein. Über die bisherigen Aktivitäten und das Erscheinungsbild der Identitären muss trotzdem über die Bücher gegangen werden.


M.L.: Quark:

Dass einige von ihnen keine Unschuldslämmer waren, ist ebenfalls an den Tag gekommen.

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