Sezession
6. August 2018

Wagenknecht, die »soziale Frage« und wir (3)

Benedikt Kaiser / 18 Kommentare

Spannung am Wochenende: Wie würde die linke Sammlungsbewegung starten? Einiges ist deutlich geworden: 

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Wie bereits hier und hier dargelegt, verfolgen wir die Entstehung einer neuen linken Sammlungsbewegung zugleich mit Interesse, Neugier und Gelassenheit.

Seit Samstag wissen wir nun mehr über das Wagenknecht-Stegemann-Projekt, das nicht mehr als #fairland projektiert wird, sondern als #aufstehen (inhaltlich blieb es beim altbekannten, wenngleich manch allzu »rechtsabweichlerische« Position für den – einstweiligen – linken Burgfrieden liquidiert wurde).

Die Gesichter der Kampagne sind indes nicht Linkspolitikerin Sahra Wagenknecht und Mastermind Bernd Stegemann, sondern 18 »normale Menschen«, die sich mit Videos präsentieren:

Es gibt die Journalistin Nada, die syrische Wurzeln hat und sich Sorgen macht, dass Deutschland fremdenfeindlich wird. Es gibt die Rentnerin Margot, die gerade genug Geld hat, um sich und ihren Hund Jack zu ernähren. Es gibt den Studenten Sebastian, der in der Provinz wohnt und über das Handynetz schimpft. Einige Auserwählte haben minutenlange Videos, andere nur eine Fotografie mit Vornamen, Beruf und einer Schlagzeile beigesteuert. Ein Unternehmer zum Beispiel gibt zu Protokoll: «Managergehälter in Millionenhöhe finde ich zum Kotzen.» Der rote Faden ist die Unzufriedenheit, mal über dieses, mal über jenes. «Flaschen sammeln darf keine Lösung sein!», heisst es zwischen zwei Videos. Oder: «Den Bürgern muss zugehört werden!»

Marc Felix Serrao ergänzt seine Darstellung:

Wagenknecht hat für den Auftakt ihrer Bewegung eine Strategie der geringstmöglichen Festlegung gewählt. Es gibt keinen Einleitungstext, kein Programm und keine Prominenten, mit deren Namen sofort bestimmte Positionen verbunden wären. Selbst Wagenknechts Name taucht auf der Website bis jetzt nicht auf. Im Impressum ist von einem «Trägerverein Sammlungsbewegung e. V.» die Rede, der sich noch in Gründung befinde. Selbst die Telefonnummer fehlt; «wird eingerichtet», heisst es. Als Adresse ist eine Anwaltskanzlei am Berliner Kurfürstendamm angegeben.

Der Hinweis auf die fehlende Wagenknecht ist ebenso wichtig wie jener auf die vorläufige Anonymität der »Bewegung«.

Wagenknecht fehlt, weil man im Team Sahra natürlich gemerkt haben dürfte, daß gerade das Aushängeschild nach außen (also in Richtung unzufriedener Normalbürger) für Friktionen und Ablehnungen nach innen (also ins rot-rot-grüne Lager hinein) sorgen würde, falls man die anvisierte linke Sammlungsbewegung von Anfang an medial zu stark mit ihr (und ihrem Ehemann Lafontaine) verbände.

Man muß keine ausgiebige, ausufernde Analyse vorlegen, sondern lediglich konstatieren: Der Start von #aufstehen ist ein Reinfall.

  • Eine Bewegung, die von wenigen Köpfen erdacht, konstruiert, klandestin entwickelt wird, ist keine.
  • Eine Bewegung, die am Reißbrett geplant wird, ohne lebendige Prozesse der Basis aufzuweisen, ist keine.
  • Eine Bewegung, die eine solche Basis erst gar nicht aufweisen kann, sondern sie zunächst über Newsletter generieren möchte, ist keine.
  • Eine Bewegung schließlich, die mit allgemeinen Wohlfühlfloskeln operiert, ohne von vornherein substantielle Ansätze wenigstens erkennen zu lassen, ist keine populistische, keine populare, keine volksnahe Bewegung sondern eben: gar keine.

Gewiß: Mit Fabio de Masi, Marco Bülow, Sevim Dagdelen oder Antje Vollmer verfügt man über einige kluge Politiker. Mit Bernd Stegemann hat man einen Wissenschaftler und Publizisten an der Seite, der aktuelle Lageanalyse und populistische Theorie vermitteln kann. Und mit einigen medial firmen Idealisten kann man im September dann zum nächsten Schritt, der offiziellen Präsentation seiner rund 40 »prominenten« Unterstützer, schreiten.

Doch: So entsteht keine Dynamik, und die relevanten Akteure von SPD, Grünen und Linkspartei gehen bereits jetzt auf Abstand. Das liegt natürlich an der entstehenden Konkurrenzsituation, an Wagenknecht, an Grandseigneur Lafontaine, an eben den klugen Köpfen um Fabio de Masi und Co. (die ohnehin seit geraumer Zeit als »linksnationale« Abweichler verdächtig erscheinen).

Es liegt aber auch daran, daß die bundesdeutsche Linke die Notsituation, in der sie sich befindet, nicht begreifen will; sie ist erkenntnisblind, ideologisch auf Irrwegen und inhaltlich wie strategisch erfreulich beratungsresistent. In dieser Hinsicht unterscheidet sie sich fundamental von ihren unmittelbaren Vorbildern wie der französischen Sammlungsbewegung »La France insoumise«.

#aufstehen wird daher kein Rettungsanker für die Linke bedeuten, sondern ein letztes Aufbäumen linkssozialdemokratischer Restvernunft, gepaart mit nationalstaatlicher Pragmatik, die dem linken Lager freilich zu weit geht. Man bleibt zudem, wiederum anders als »France insoumise« und weitere Inspiratoren, gänzlich dem Bestehenden verpflichtet und verkörpert keine fundamentale Opposition.

Wenn Wagenknecht beispielsweise im Gespräch mit den – im linken Lager weitgehend als »Querfront-nah« verbrämten – Nachdenkseiten letztendlich suggiert, man würde gegen das politisch-mediale Establishment streiten, bemerkt sie nicht die ironische Situation, daß ebendieses Establishment der einzige Faktor ist, der die Entstehung der Sammlungsbewegung einigermaßen positiv begleitet, weil er sie womöglich als potentiellen Wahlkonkurrenten der AfD begreift und daher für strukturell bedeutsam erachtet.

Doch eine Bewegung, die ihren Startschuß am Wochenende gleichzeitig in Leitmedien wie dem Spiegel oder auch in der FAZ abfeuern konnte, ist, ein mal mehr, eben keine Bewegung, und schon gar keine solche, die das politisch-mediale Establishment als Gegner aufweist, sondern es, im Gegenteil also, verschiedentlich als Multiplikator und Promoter für die eigene Gründungsphase nutzen darf.

Das alles hat, es wurde bereits erwähnt, eine spezifische, ironische Konnotation, die aber durch Wagenknechts Fazit erst ihre volle Bedeutung entfaltet:

Inzwischen bestimmt die AfD in Deutschland die Themen der Politik und treibt die anderen vor sich her. Das wollen wir nicht länger akzeptieren.

Weil man also nicht akzeptieren will, daß das linke Lager von der AfD getrieben wird, läßt man sich dazu treiben, ein die gesamte bundesdeutsche Linke potentiell unterminierendes, weil aufsprengendes und tendenziell spaltendes Von-oben-Konstrukt zu plazieren, das inhaltlich mannigfaltige populistische Ansätze absorbiert, die von der AfD besser, da authentischer, vertreten werden können.

Linke Dialektik im Jahr 2018.

__________

Dieser Dialektik ist im übrigen jene Unbeschwertheit gänzlich fremd (geworden), mit der rechts fortan operiert wird. Man denke nur an Till-Lucas Wessels' Auseinandersetzung mit dem »Phänomen Sahra«:


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Kommentare (18)

MartinHimstedt
6. August 2018 14:14

Wagenknecht wird also von ihrer eigenen Partei als „Nazi“ diffamiert (wie im Grunde genommen alle rechts der Sonnenkanzlerin, aber das ist ein anderes Thema). Sie vertritt in ihrem Buch („Reichtum ohne Gier“) Thesen, die man auch von Sieferle oder der neuen Rechten im allgemeinen kennt (Unvereinbarkeit von Sozialstaat und offenen Grenzen, Demokratie nur mit halbwegs homogenen Demos und so weiter). Auf dem Parteitag sorgt sie für einen Eklat, weil die Delegierten es so rein gar nicht fassen können, dass sie ernsthaft behauptet, so etwas wie Wirtschaftsmigration würde es überhaupt geben.

Sie gründet also eine Sammelbewegung „für Wähler von SPD, Grünen und Linken“ (vgl. ihr Nachdenkseiten-Interview: „Wir hoffen, dass sich möglichst viele Mitglieder aus SPD, Linker und Grünen bei uns zusammenfinden“). Also für Leute, die Teile ihrer Thesen für „Nazi“ halten. Auf Twitter und so weiter wird sie, für die Bewegung, sowohl von gemäßigten Genossen angefeindet, als auch von linksextremen Wirrköpfen wie Jutta D. Das U-Boot der AfD, und unser Mann Nummer 1 im Staat, Ralf Stegner, lehnt die Bewegung ab: „Egotrip notorischer Separatisten“.

Wer hat sich das Alles ausgedacht? Was habe ich nicht verstanden?

„#aufstehen wird daher kein Rettungsanker für die Linke bedeuten, sondern ein letztes Aufbäumen linkssozialdemokratischer Restvernunft, gepaart mit nationalstaatlicher Pragmatik, die dem linken Lager freilich zu weit geht“ – dem dürfte eigentlich nichts mehr hinzuzufügen sein.

Maiordomus
6. August 2018 16:55

Kaiser hat hier einen analytischen Glanzpunkt gesetzt, wiewohl ich zu bedenken gebe, habe es gegen Schluss der Debatte von Kubitscheks "Überläufer"-Artikel geschrieben, dass es leider auch bei der AfD von Leuten nur so wimmelt, die letztlich keine Ahnung von Politik haben. Selbst auch beim weder dummen noch unerfahrenen Gauland fehlt das notwendige Minimum an Genie und eine annähernd genügend weite strategische Perspektive. Beim rechten Flügel der Altparteien fehlt jedoch, wie ich hervorheben zu müssen glaubte, ein deutscher Talleyrand, von einem Mirabeau bei der deutschen Rechten ganz zu schweigen. Dabei wäre Lafontaine bei den deutschen Linken noch einer der Klügeren gewesen, aber irgendwie ist er, wenngleich er die einst stalinistische Wagenknecht noch nicht immer ungeschickt in die Arena senden zu können glaubt, unterdessen einigermassen verbraucht. Erstaunlich war, wie relativ gut er sich bei einem Besuch in der Schweiz noch mit Christoph Blocher ausgetauscht hat, dessen Fähigkeiten als Schweiz-Retter sich allmählich dem Grenznutzen nähern. Natürlich hält Letzterer von einem Stephen Bannon u. Co. den gebührenden Abstand, auf jenen für Amerika fähigen Mann hat in Europa niemand gewartet.

Kaiser manifestiert anerkennenswerte analytische Fähigkeiten. Da könnten sich noch einige aus dem Sezessions-Team, Sellner wohl inbegriffen, noch ein Stück davon abschneiden.

Der Gehenkte
6. August 2018 17:46

Die verquere linke "Dialektik" wurde hier sauber herausgearbeitet. Dennoch wäre ich mit Vorab-Wertungen etwas vorsichtiger. SW hat zumindest eines verstanden: Politik ist intermedialen Zeiten vom Konkretum zum reinen Abstraktum geworden und darauf reagiert sie.

Es gibt keine Realpolitik mehr, sondern nur noch Imaginärpolitik/Virtuellpolitik und Irrealpoltik (linke Politik).

Parteien, Politiker, Bewegungen, Strömungen sind zu Projektionsflächen geworden, in die Vorstellungen, Wünsche, Begehren, Hoffnungen, Glauben, Überzeugungen etc. hinein projiziert werden. Der Hype um Schulz letztes Jahr war das paradigmatische Phänomen, das wir mit dem temporären Aufstieg der Grünen gerade wiederholt sehen. Da die SPD derzeit ein jämmerliches Bild abgibt, projizieren Teile der Linken ihre Hoffnungen nun auf Habeck und Co.

Deswegen bleibt SW vage, weil Projektionen umso besser funktionieren, je mehr sie Spielraum für verschiedene Phantasien bieten. Ob das im konkreten Fall klappt, wird sich zeigen - es ist jedenfalls schwer zu planen, weil es erstens an den kairos gebunden ist und zweitens selbstverstärkend wirkt. Lucke und Petry etwa sind damit abgestürzt.

Je tiefer sich die Linke in die Krise reitet, desto stärker wird das Bedürfnis der habituellen Linken nach Alternativen und Projektionsflächen und desto wahrscheinlicher wird ein Erfolg der Bewegung. Insofern müßte SW - als Machtpolitikerin - an der Zerstörung der linken Parteienlandschaft durchaus interessiert sein.

Maiordomus
7. August 2018 15:01

@Der Gehenkte. Interessante Perspektiven, aber SW wird mit Sicherheit nicht an der Zerstörung der linken Parteienlandschaft interessiert sein. Sie will dort lediglich, wenn es möglich wäre, wie es Lafontaine schon länger anstrebte, angfristig die Führung übernehmen. Aber auf die Grünen werden alle, die je Hoffnungen in sie gesetzt haben und setzen, sich am wenigsten verlassen können, weil sie am stärksten von Träumen und anthropologischen Illusionen geprägt sind, letztere haben ihren im Prinzip höchst bedenkenswerten ökologischen Ansatz überlagert und die Partei, wie @der Gehenkte sinngemäss formuliert, zu einer Partei des virtuellen Gutmenschenbewusstseins gemacht.

Gustav Grambauer
7. August 2018 15:22

Zu einem psychologischen Durchbruch müßte sich der "Dem-Karl-Liebknecht-Dem-haben-wir`s-geschworen-Der-Rosa-Luxemburg-Reichten-wir-die-Hand"-Effekt einstellen. Aber Wagenknecht und Lafontaine werden unfreiwillig dafür sorgen, daß der sich nicht einstellt, denn die (!) würden bzw. werden Margot, Wilko oder Susi, träfen bzw. treffen sie sie auf der Straße, ohne Gummihandschuhe und Desinfektionsspay gar nicht die Hand geben. Diese Verlogenheit trieft aus jedem Pixel der hochprofessionell-medienagenturmäßig patinierten und dadurch noch zusätzlich verlogenen Clips heraus, und auch wenn das Publikum im Beuteschema das im Oberstübchen vielleicht nicht so klar reflektiert so wird das der Hauptgrund dafür sein, daß kein Funke überspringt.

Nebenbei gesagt sehe ich keinen konzeptionellen Rückhalt in den auch nur etwas höheren Etagen der Machtpyramide. Wenn SPEIGEL und FAZke diese Bewegung etwas hochschreiben, so nur weil W. und L. für das System nützliche Idioten sind, die jetzt die Ressentiments einsammeln dürfen. Die Freien Radikale der von oben her zerstörten SPD sowie der von oben her vergifteten Grünen und Linkspartei müssen ja irgendwie unter Monitor gebracht werden. Frau Wagenknecht mag sich also einreden, sie würde das Spiel "dynamisch" neu definieren, in Wahrheit sitzt sie nur zwischen allen Stühlen und macht einen kleinen Countergang-Job, während insbesondere CDU und Grüne jenseits der durchs mediale Dorf getriebenen Säue umso geschmeidiger am Rad der Neuformatierung Europas drehen dürfen.

Dem kreativen, konstruktiven Kern eines einigermaßen geistig gesunden Volkes ist eine solche Ressentiment-Einsammlerei auch entschieden zu wenig bzw. er verspürt sogar Ekel davor, erst recht vor dem darauf gründenden notorischen Spielchen, bei dem in einem bestimmten Bereich des Gehirns der Sozialneid-Knopf mit "die Armen sind nur so arm weil die Reichen so reich sind" gedrückt wird und woraufhin allerhand einlullende und bei Durchsetzung allseits destruktive Forderungen der Sklaven, die selbstverständlich gefälligst strikt in ihrer Sklavenrolle zu bleiben haben, von den Vormündern dem Big Brother entgegengekräht werden. Dieses Kanalisieren kindestrotziger Forderungen (anstatt gemeinsam mit den "Betroffenen" etwas Konstruktives aufzubauen, sie, - neudeutsch -, tatsächlich zu "empowern") durchzieht seit jeher wie Fäulnisgestank die politische Unkultur der linken Bewegung. Es ist eine reine Verhöhnung der Menschen, die da ihr Vertrauen und ihre Hoffnungen investieren.

Tippe darauf, daß die kreativen, konstruktiven Kerne selbst der linken Milieus, und auf die kommt es an, sich nicht davon einlullen lassen werden. 36.000, sie scheinen extra eine Satanszahl für ihre Verkündigung abgewartet zu haben, sind nicht viel, aber es kommt hier auch gar nicht auf Zahlen, gar nicht auf Masse, an.

- G. G.

Maiordomus
7. August 2018 17:41

36 000 sind für mich keine Satanszahl. Die langfristige Führung der Linken bleibt wohl der Ehrgeiz. Grambauer sieht aber wohl richtig, dass Wagenknecht im Moment die in Deutschland erlaubten Ressentiments einsammelt und in diesem Sinn ihrerseits zur Systemstabilisierung vorgesehen ist. Aber auch mit den unerlaubten Ressentiments kann man aus meiner Sicht keine langfristige, wirklich heilsame Politik machen. In diesem Sinn bleiben echte Auseinandersetzungen ebenfalls innerhalb der deutschen Rechten wohl unvermeidlich. Die brave Kersti Wollnow in Ehren, ihr Kurzfutter etwa im Blogteil der Jungen Freiheit unweit einer rechten Wagenknecht, aber ohne deren Charisma und ohne deren unzweifelhafte rhetorische, auch dialektische Puste. Aber weder Wagenknecht noch (pars pro toto) die Hundenärrin Wollnow werden Deutschland wirklich verändern können.

Andreas Walter
7. August 2018 18:51

Die "Sammlungsbewegung" ist eine Folge dieser Studie:

https://www.progressives-zentrum.org/wp-content/uploads/2018/03/Rückkehr-zu-den-politisch-Verlassenen_500-Gespräche-in-rechtspopulistischen-Hochburgen-in-Deutschland-und-Frankreich_Studie-von-Johannes-Hillje_Das-Progressive-Zentrum.pdf

Es geht aber nicht primär um das Einsammeln von Linken, sondern um das Abgraben von Patrioten die links wären, wenn ... die Linken patriotisch wären. Was ruft man also ins Leben, gründet man also?

Eine linke, patriotische Bewegung/Partei.

https://deutsch.rt.com/inland/74096-wagenknecht-sammlungsbewegung-lehnt-grenzenlose-willkommenskultur-ab/

Eine Alternative zur Alternative also.

Es geht daher weiter nur darum, die AfD zu spalten, diesmal aber am anderen Ende, also nicht Lucke und Petry.

Der ganze Quatsch mit dem Streit bei den Linken und jetzt auch diese angebliche Graswurzelbewegung ist daher alles nur inszeniert, Show, Theater, um die Zirkusnummer, den Bluff von allen abgekauft zu bekommen.

Da kommt also auch eine Menge Nazikeule demnächst, denn das ist ja die Demarkationslinie, an der man die Schäfchen dann abholen will. "Ja, wissen sie, ich war ja eigentlich schon immer links, aber es gab ja keine patriotische Alternative."

Danke Sahra, so macht Sozialismus doch gleich wieder viel mehr Spass.

Maiordomus
7. August 2018 21:57

@ Kersti Wolnow schreibt man mit einem "l". Ich wollte die Dauerforistin der Jungen Freiheit weder unter- noch überschätzen mit der Bezeichnung "Wagenknecht der Rechten"; umgekehrt Wagenknecht nicht zu einer kleinen Bloggerin verniedlichen. Aber beide sind auf höchst unterschiedliche Weise Repräsentanten einer Politik, die letztlich ohne sie gemacht wird. Eher ist es aber doch so, dass man den Typus "Wolnow" unterschätzt, den Typus Wagenknecht überschätzt, wobei ich beiden durchaus etwas mehr Einfluss gönnen würde. Es sind im Prinzip nicht gekaufte authentische Stimmen in der deutschen Politik, zur Hauptsache eher untergründig als vordergründig. Um es mit Hegel auszudrücken, der von Deutschlands noch bedeutendstem lebenden politischen Gefangenen regelmässig zitiert wird (mindestens so historisch gewichtig für das Verständnis unserer Zeit wie Wagenknecht oder Wolnow): Der Weltgeist schreitet über solche Gestalten hinweg., benützt sie bestenfalls dann und wann als Griffel, mit Resultaten, die ganz woanders hinführen als die Eifrigen und Übereifrigen gewollt haben.

Maiordomus
8. August 2018 07:06

PS. Betrifft den Volksbegriff, über den vor kurzem auch mit dem etwas hilflosen Ronny Licht gestritten wurde und über den auch die deutsche Linke nicht genügend nachgedacht hat. Empfehle den Schweizer Mitforisten morgen den Kauf der Weltwoche, wo von einem reflektierten Volksbegriff auf der Basis der Bundesverfassung von 1848 die Rede ist im Zusammenhang mit dem Begriff "Willensnation", was jenseits von billiger Distanzeritis nicht ohne einen gewissen Abstand zum herkömmlichen Volksbegriff der deutschen Rechten erörtert wird. Aber wohl noch treffend sowohl für Deutschland wie auch für die Schweiz: "Eine Willensnation muss wollen" (Alt Bundesrat Kaspar Villiger).

H. M. Richter
8. August 2018 08:40

Nun kam von GG bei der Zahl 36.000 der Hinweis auf die vermeintliche(?) Satanszahl eher, als von gewisser Seite die Empörung über die in dieser Zahl zwei Mal enthaltene Zahl 18, - Wagenknecht und Lafontaine gewissermaßen als "doppelter Möllemann". Sie wird wohl noch kommen; der IB jedenfalls hätte man diese Zahl wohl nicht so einfach durchgehen lassen ...

Ich halte die Entwicklung von #aufstehen zunächst für offen. Meldungen, wie SW dränge auf "Kurskorrektur in der Asylkpolitik" lassen immerhin aufhorchen, ja könnten zu einer Eigendynamik innerhalb der deutschen Linken führen, wo dort am Ende niemand mehr weiß, wie der Zauberbesen wieder in die anti-deutsche Ecke verbannt werden kann. "Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los" ...

Lotta Vorbeck
8. August 2018 11:52

SW: "... Wir wollen das Internet und die Straße nicht länger den neoliberalen Eliten und den Rechten überlassen. Wir wollen soziale Themen wieder in den Mittelpunkt der politischen Debatte in Deutschland bringen und verhindern, dass die AfD weiterhin die Themen diktieren kann."

und weiter:

"Auch wenn sich viel Unmut vordergründig gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung Merkel richtet, in Wahrheit geht es bei der Wut und Enttäuschung der Menschen doch um ganz andere Themen. Es geht um Niedriglöhne, schlechte Pflege, verfallende Schulen, Mietwucher. ..."

________________

Wenn Sie sich die Madame Lafontaine da mal nicht täuscht.

Gerechtigkeitsgeschwätz a la "Ihr müßt mal Maddin rufen!" ließ unlängst erst den Chultz-Zug krachend entgleisen.

Gustav Grambauer
8. August 2018 12:01

Um es noch klarer auf den Punkt zu bringen: bin ja nicht der PR-Berater von Frau Wagenknecht, aber so wird das nichts. Man kann eine solche Bewegung nicht aus der abgedunkelten Panzerlimousine heraus rein mit dem Smartphone aufbauen. Sehe keine psychoenergetischen Synergien mit ihrem Zielpublikum. Die müßten Säle anmieten, Stammtische organisieren usw. und sich selbst als Menschen den Fragen, Anregungen, ggf. Kritiken stellen, die Leute an die Hand nehmen, Verbundenheit zeigen, die Vertrauensvorschüsse - zunächst - mit ihrer öffentlichen Präsenz einlösen.

Auch das Portal lebt nicht, es ist energetisch tot. Da müßte ein Forum mit einer Prise Kontroverse rein so daß es knistert. Die Musik haben sie vom Bestatter bekommen?! Man schläft ja ein beim Anhören. Die müßten sich gemeinsam mit Margot, Wilko und Susi auf der Parkbank zeigen und reden, reden, reden, meinetwegen für Selfies zur Verfügung stehen oder sonstwas, so wie wir das ja sogar Frau Merkel bisweilen sehen. Sie müßten in der vollen Bedeutung des Wortes, wie gesagt als Menschen, erreichbar sein.

Vor allem: sie müßten sofort mit besonderem Nachdruck Partizipation innerhalb des Projekts anbieten. Meinetwegen sogar wie Nikolai Alexander mit seinen Generälen und Paladinen oder sonstwie. Machen sie aber nicht. Aus der Art, wie sie das aufgebaut haben, wird sehr klar, daß sie nur aus dem Hintergrund heraus die Strippen ziehen und dafür alle anderen nur als Manövriermasse benutzen wollen.

Schade, denn eigentlich liegt in der Idee nicht zuletzt ein schönes innerparteiliches Hebelpotential gegenüber den Entristen wie Kipping, Riexinger & Co.

- G. G.

Maiordomus
8. August 2018 12:44

@G.G. Analytisch wohl zu 100% getroffen! Da macht Sezession wohl doch einiges eher besser, wenn auch klar mit weit mehr Gegenwind.

MartinHimstedt
8. August 2018 16:08

@GG Täuschen Sie sich da mal nicht: SW sprach bereits davon, dass sie derartige Veranstaltungen im Blick hat.

Problematisch sehe ich vor allem, dass Otto Normalbürger die Hintergründe nicht kennt – und natürlich auch nichts davon weiß, wie isoliert Wagenknecht in der Flüchtlings-Frage innerhalb der Linken tatsächlich ist. Dieser Otto-Normalbürger könnte sich also durchaus angesprochen fühlen, bekommt dann aber auch wiederum SPD/Grüne/Linke vorgesetzt und an der Migrationsfrage wird sich nichts ändern. Denn: Ihre Positionen und Aussagen zur Flüchtlingspolitik (https://de.wikipedia.org/wiki/Sahra_Wagenknecht#Fl%C3%BCchtlingspolitik) werden bei den oben genannten Parteien auch weiterhin nicht auf Gegenliebe stoßen. Ganz im Gegenteil: Sie werden Hass hervorrufen. Mal ehrlich: Wäre die Gute nicht ein derart prominentes Zugpferd, wäre sie schon längst entsorgt (haha!) worden.

Gotlandfahrer
8. August 2018 17:28

Aus meiner Sicht ist die „Sammlungsbewegung“ ein köstliches und zugleich beruhigendes Phänomen. Köstlich, da man sich in diesem Teil der Linken analog der Struktur des Zauberlehrlings offenbar bereits an Punkt 6 von 8 befindet. Somit dem Mainstream gegenüber vorauseilend, der noch in 3. Verharrt. Der Ablauf entspricht damit einer gewissen Vorhersehbarkeit:

1. Überheblichkeit und Wichtigtuerei
2. Umsetzung des Vorhabens
3. Machtrausch
4. Angst und Verzweiflung
5. Hilfloses Schimpfen
6. Verzweiflungstat
7. Hilferuf
8. Rettung durch den Zaubermeister

Beruhigend ist, dass mit der sozialen Frage genau die Emotion angesprochen wird, die geeignet ist, die Moralmaskerade zu beenden. Denn jetzt gilt es Farbe zu bekennen: Ist Sozialstaat wirklich „Nazi“? Denn darauf läuft alles hinaus. Wenn diese Konsequenz erfahrbar wird, bei gleichzeitiger Propagandamüdigkeit, dann wird auch dem Letzten klar, welches Rezept jedenfalls NICHT geeignet ist. Ein bisschen von allem ohne Wehtun ist dann nicht länger möglich. Nur wer soll das dann umsetzen? Wenn es die Linke oder die CDU wäre: Tja, bitte sehr. Oder doch nur ein bisschen? Auch gut, warten wir ab, bis hinreichend viele bei 7. angekommen sind.

Andreas Walter
9. August 2018 13:49

Unbegreiflich, was sich auch in Deutschland derzeit abspielt:

https://www.compact-online.de/widerlich-bild-schmierer-freuen-sich-ueber-krebserkrankung-von-praesidentengattin-assad/

Ein kollektiver Wahnsinn, allerdings auch in anderen westlich orientierten Ländern, der auch dort vor allem die Eliten, Liberale und Marxisten erfasst hat.

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2018/linksextremist-attackiert-afd-mitarbeiter-in-wahlkreisbuero/

In solchen Situationen kann man daher nur versuchen, sich selbst davon nicht anstecken zu lassen und einen kühlen Kopf zu bewahren. Die westlich Welt also tatsächlich bereits im Panikmodus, nur leider gegen die Falschen. So einen Kampf zu gewinnen, sowohl gegen Entrückte wie auch gleichzeitig noch weitere, anrückende Entrückte, das wird nicht einfach. Ohne dabei Autoritär zu werden. Weil es hier nicht um Vernunft geht, diese Menschen sich nämlich nicht auf der Ebene der Ratio bewegen, sondern auf der oralen und analen Ebene, und das gleich in Massen. Chaos scheint daher sogar erwünscht, um dadurch das autoritäre implementieren einer neuen Ordnung (EUSASSSR?) zu legitimieren. Ja ja, ich habe da schon so eine grobe Vorstellung von dem, was die vorhaben. Hat beim Imperium Romanum ja auch eine Zeit lang geklappt, oder bei den Briten. Die Vereinigten Staaten von Europa, VSE. Darum in Deutschland ja auch nur ein Feind, die AfD, weil national.

Dem Ziel doch so nah', und ausgerechnet jetzt regt sich Widerstand. Also dranbleiben, Patrioten, und vor allem nicht bange machen und beirren lassen. Solche Dinge brauchen ihre Zeit, nach 70 Jahren Gehirnwäsche, Lügen und Manipulation. Die wenigsten springen aus dem Bett und sind sofort wach. Schon gar nicht ohne Café.

https://www.youtube.com/watch?v=B-I6nOy4inA

Andreas Walter
12. August 2018 15:55

Hier die Bestätigung meines ersten Kommentars in diesem Strang vom 7. August 2018 18:51:

https://rp-online.de/politik/deutschland/oskar-lafontaine-aufstehen-soll-auch-erstarken-der-afd-verhindern_aid-24324705

Weltversteher
12. August 2018 23:10

Keiner kommentiert diesen Schlager am Klavier?! Ein wunderbarer Ohrwurm.
Hallo Herr Wessels, haben Sie vielleicht auch Gitarrengriffe dafür parat?

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