Sezession
15. November 2018

USA: Die Rolle der ethnischen Wahl

Martin Lichtmesz / 18 Kommentare

Die amerikanischen Halbzeitwahlen sind vorbei. Demokraten und Republikaner versuchten jeweils, das Ergebnis als Triumph zu verkaufen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Beide haben teilweise Recht. Die Republikaner haben zwar etliche Sitze im Kongress verloren, allerdings zum Ausgleich im Senat dazugewonnen. Es ist durchaus normal, daß die Regierungspartei in den "Midterm Elections" an Macht verliert, und Trump hat im Vergleich mit anderen Präsidenten ziemlich gut abgeschnitten:

Reagan (-26 im Repräsentantenhaus/-0 im Senat)

Bush I. (-8/-1)

Clinton (-54/-9)

Bush II. (+8/+1)

Obama (-65/-6)

Trump (-34/+5)

Die Verluste der Demokraten im Jahr 2010 waren eklatant hoch, trotzdem wurde Barack Obama 2012 wiedergewählt. Von einer "blauen Welle", die den unliebsamen Präsidenten hinweggeschwemmt oder seine schwindende Popularität bewiesen hätte, kann also keine Rede sein, allenfalls von einem "blauen Auge".

Trump selbst begab sich auf eine aufwendige Kampagnentour, um den Kontakt mit seiner Basis wieder aufzufrischen, die ihm stärker als je zuvor die Treue hält. Im traditionell republikanisch (rot) regierten "Bible Belt"-Staat Missouri (Anteil der "non-Hispanic Whites" rund 80%) kam es zu einer bewegenden Szene, als die Menge anfing, "Amazing Grace" zu singen, nachdem eine Besucherin kollabiert war und ein Arzt gerufen werden mußte.

Nachdem sich der Pulverdampf verzogen hat, steht Trump also immer noch aufrecht, obwohl die Medienhetze gegen ihn einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Diesmal stimmte auch Fox News in den Chor ein, und weigerte sich, seinen (sehr guten) Wahlspot zu zeigen, da dieser "rassistisch" sei.

Trump selbst kommt darin nicht vor; er stellt die unter seiner Präsidentschaft schnurrende Wirtschaft den Mobs der "Karawane" und der Antifa gegenüber, und beschuldigt die Demokraten, Kriminelle ins Land zu holen (von denen ein besonders leckeres Exemplar präsentiert wird).

Nicht nur mit diesem Spot drückte er den Republikanern seinen ureigenen Stempel auf, indem er den Brennpunkt auf seine bewährten Themen verlegte: Einwanderungskontrolle, sichere Grenzen, "ökonömischer Nationalismus", anstelle der "softeren" konservativen Standardversprechen, Steuern zu senken, die keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken. In der Tat waren unter den Republikanern, die ihre Sitze verloren, signifikant viele "Never Trumpers", also Moderate und Trump-Gegner, die sich das alte System vor dem Erdbeben von 2016 zurückwünschen.

Der trump-feindliche, linke Neocon Max Boot schrieb:

Der republikanische Caucus im Unterhaus, in der Tat die gesamte Republikanische Partei wird trumpiger als je zuvor werden. Dies vollendet ihre Transformation von einer konservativen Reagan-Ryan-Partei in eine weiß-nationalistische Partei nach Trumps Ebenbild.

Wie ich bereits ausführlich darstellte (hier und hier), ist die Behauptung, Trumps Agenda wäre "weißer Nationalismus" eine fixe Idee der Linken, die wie so viele ihrer Überzeugungen keine reale Basis hat. Ein Körnchen Wahrheit steckt jedoch darin. Eine anti-multikulturalistische, rigidere Einwanderungspolitik als die laufende (dazu gehört auch die Ohnmacht gegenüber den "Illegalen") könnte den demographischen Abstieg der weißen Mehrheitsbevölkerung um einige Jahre verzögern, und einem eher traditionellen Selbstverständnis der USA wieder Auftrieb geben. Für Trumps Gegner gilt schon der Wunsch, daß die Weißen des "heritage America" in der Mehrheit bleiben, als "weißer Nationalismus"; dieser kann allerdings im öffentlichen Diskurs kaum offen geäußert werden.

Die Linke betrachtet die kulturelle Entmachtung der Weißen und ihr Schrumpfen zur Minderheit jedoch als "fortschrittlich" und "revolutionär", als "dritte amerikanische Revolution" (Bill Clinton), als endgültige Umwandlung der USA zu einer universalistischen Menschheitsrepublik, in der es keinen Rassismus und keine Diskriminierung mehr geben soll. Auf diesem Weg muß vor allem das "weiße Privileg" demontiert werden. Folglich ist es vor allem die Linke, die bei praktisch jeder Gelegenheit den laufenden politischen Kampf zur Rassenfrage erklärt.

Und sie hat recht. Die "ethnische Wahl" ist in den USA zu einem entscheidenden Faktor geworden, wobei die Demokraten (ironischerweise einst die Partei der Südstaaten) ihre Mehrheiten heute vor allem durch nicht-weiße, die Republikaner ihre Mehrheiten vor allem durch weiße Wähler erzielen, zum Teil unabhängig davon, welche konkreten Positionen die jeweiligen Kandidaten vertreten (es gibt etliche Republikaner, die eine sehr liberale Einwanderungspolitik propagieren).

Darum ist der Kampf um die demographische Zusammensetzung der Vereinigten Staaten ein Kampf um die nackte politische Macht; überall dort, wo Weiße in der Minderheit sind, gewinnen nahezu automatisch die Demokraten.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (18)

Monika
15. November 2018 21:54

Danke für die Wahlanalyse und die Statistiken - wie immer sehr klar und strukturiert. Trotzdem habe ich drei Fragen betreffend den "demographischen Abstieg der weißen Mehrheitsbevölkerung".
1. Sollte man die demographische Verschiebung zunächst nicht mal wertneutral ( weder positiv noch negativ) zur Kenntnis nehmen und erst dann Ableitungen treffen anstatt auf das linke Narrativ ( Entmachtung der Weißen) anzuspringen ? Eine rechte Gegenreaktion engt möglicherweise den Blick ein.
2. Amerikaner asiatischer Abstammung sollen bis 2050 10 % der Bevölkerung in USA ausmachen. In Harvard kam es zu Ärger wegen der Bevorzugung ethnischer Minderheiten ( Schwarze, Hispanics) an Universitäten ( affirmative effect) . Dagegen klagten Chinesen wegen Diskriminierung und Rassismus.
https://www.nytimes.com/2018/04/04/us/harvard-asian-admission.html
Es wird in Zukunft mindestens noch ein " gelbes Privileg" geben, mit dem man rechnen sollte, weil es in Konkurrenz zum "weißen Privileg" tritt.
3, Zur Verknüpfung von Feminismus mit einer antiweißen Ideologie (weiße Frauen sollen von weißen Männern abgespalten werden ) . Entsprechende Überlegungen gibt es sogar in konservativ katholischen Kreisen, natürlich mit anderen Folgerungen. So schreibt ein Franz Zimmermann 1936, "Die beideb Geschlechter in der Absicht Gottes) : " Der mönnliche und der weibliche Typus stehen zur Natur des Menschen nicht wie die weiße, schwarze oder gelbe Rasse. Die Ausrichtung der geschlechtlichen Eigenschaften ist nicht die Anpassung an äußere Lebensumstände, sondern geht auf Zwecke, die in der Selbstbehauptung des Einzelwesens und in der biologischen Variations- und Anpassungsfähigkeit nicht ihren zureichenden Grund finden. Die Geschlechtlichkeit ist eine in der menschlichen Natur veranlagte Einrichtung".
Hier dürfen sich Ethnologen und Genderideolgen die Köpfe einschlagen.
4. Zur Verbindung von muslimischen Frauen mit den Linken. Das ist zuerst eine taktische Verbindung. Eine Strategie, muslimische Interessen durchzusetzen . Mit Feminismus hat das nichts zu tun. Siehe die Auseinandersetzung Linda Sarsour - Hirsi Ali .
Soviel für heute.

eike
16. November 2018 05:33

Ohne das zwei Weltkriege entscheidende Eingreifen der Amerikaner wären das alles keine Themen. Ihr Sieg hat erst die Kräfte freigesetzt, die jetzt voll zuschlagen.

Die USA hätten noch ihre restriktiven Einwanderungsgesetze, in Rotherham würden keine Engländerinnen vergewaltigt, Paris wäre noch französisch und in Deutschland könnte man sich nachts auf die Straße trauen.

Der CIA nennt sowas "blowback"; die Deutschen - immer etwas subtiler - formulieren es poetischer:

"Herr, die Not ist groß!
Die Geister, die ich rief,
werd' ich nun nicht mehr los.

Ratwolf
16. November 2018 10:16

Vielen Dank für die große Mühe. Gut zu lesen.
Das alles klingt nicht nach „Vereinigte Staaten von Amerika“. Die große Zeit des Aufbruchs, in der jeder unabhängig von seiner Herkunft „vom Tellerwäscher zum Millionär“ werden kann, scheint vorbei zu sein. Es wird eng, und nun kommen die Verteilungskämpfe, in denen üblicherwise Zirkusparteien versuchen, für ihre Gruppen das beste herauszuholen.
Was neu ist: Die gezielte Änderung von Wahlergebnissen durch selektive Einwanderung seit dem Ende des zweiten Weltkrieg in vielen westlichen Staaten. Dazu ist eine Fokussierung auf Herkunft oder Rasse notwendig.
Für mich sind das alles Zeichen des Niedergangs der westlichen demokratischen Nationalstaaten. Das viel weniger durch Parteien oder gesellschaftlich Gruppen fragmentierte China steigt auf. Das, was die USA uns Europäer angetan haben (check and balence), wird ihnen selber nun auch Teil.

Fritz
16. November 2018 10:21

Wie immer sehr aufschlussreich, was sie über die USA schreiben.

In diesem Zusammenhang: Kennen sie Joe Bageant?

https://en.wikipedia.org/wiki/Joe_Bageant

Ein hochinteressanter Autor, Weißer aus der ländlichen Unterschicht Virginias, erklärter Linker. Er schildert und erklärt wie kein zweiter das Denken und Empfinden der einfachen weißen Menschen (die weiße Unterschicht umfasst nach seinen Angaben 60 Millionen Menschen in den USA, von denen aber praktisch nie gesprochen wird, weil sie sich fast alle für Mittelschicht halten. Unterschicht sind nur Schwarze).

Seine hervorragenden Artikel finden sich hier:

https://www.joebageant.org/

quarz
16. November 2018 10:35

@Monika

"Es wird in Zukunft mindestens noch ein " gelbes Privileg" geben, mit dem man rechnen sollte, weil es in Konkurrenz zum "weißen Privileg" tritt."

Zum politischen Verhalten der US-Asiaten fehlt derzeit noch eine schlüssige Analyse. Einerseits stehen sie an der Spitze der IQ-Hierarchie und gehören zu den produktiven Kräften, die die Gesellschaft am Laufen halten. Sie müssten also ein Interesse daran haben, dass sich das Staatsvolk nicht zu ihren Lasten mit unproduktiven Leuten aus notorischen Niedrig-IQ-Ländern anreichert, deren Lebensunterhalt dann von ihnen erwirtschaftet werden müsste. Andererseits stellen sie ein klar demokratenlastiges Wählersegment dar, unterstützen also die benannte Immigrationspolitik zu ihren Lasten.

Mit Hinblick auf die ostasiatische Mentalitätsgeschichte ist die Annahme wenig plausibel, dass sie sich aus Humanismus und Nächstenliebe zu ihrem Nachteil politisch für die Interessen anderer Ethnien entscheiden.

Die von ihnen angedeutete Rivalität zu den US-Weißen könnte einen Schlüssel zur Erklärung liefern. Möglicherweise ist es gerade ihr ethnisches Bewusstsein (oder Unbewusstes?), das darauf drängt, unter lauter Minderheiten die erste Geige zu spielen. Und um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Weißen freilich zuerst zu einer Minderheit gemacht werden. Ob es auf lange Sicht klug ist, wenn die intellektuell führenden Gruppierungen im Rivalitätskampf ihre Energien verschwenden und dabei Opfer der lachenden Dritten und Vierten und Fünften werden, ist eine andere Frage.

Vieles von dem, was ich gerade hinsichtlich der US-Asiaten angemerkt habe, könnte man sich auch in Bezug auf die US-Juden fragen. Aber dort scheint mit die Situation noch komplexer zu sein. Zu komplex, um dieses Fass in einem Atemzug aufzumachen.

Stil-Bluete
16. November 2018 12:15

'Die USA sind nicht Europa...' '... und Europa wird nicht zur USA.'

Gustav
16. November 2018 14:06

"Aber als Amerikaner glauben wir, daß wir durch unsere Unterschiede bereichert werden - e pluribus unum; und wir Juden sind ein lebendes, atmendes Zeugnis, daß ein solcher Glaube Wirklichkeit werden kann...."

Was die Bindekraft angeht, ist der einzig wirklich effektive soziale Klebstoff, der die zerstrittenen Elemente einer zunehmend dysfunktionalen Gesellschaft zusammenhält, die eine Sache, die sie gemeinsam haben: Antiweißer Hass vermischt mit intensivem Philosemitismus und wenn auch etwas weniger grundlegend, eine gewisse Heiligenverehrung Nichtweißer. Das ist es, was ihre Leidenschaften und Emotionen tief beschäftigt hält. Im Grunde sind sie vereint in brennendem Hass.

Tatsächlich hat ihr Rassismus den Status eines öffentlichen Kults angenommen, ein Satz institutionalisierter Dogmen, die nicht hinterfragt werden dürfen.

Juden sind heute Gottmenschen, Halbgötter oder Ersatz für Gott und haben sich die Rolle Christi angeeignet. Sie sind die gekreuzigte Gottheit, auf übernatürliche Weise aus der Asche von Auschwitz auferstanden, wo Hitler-Nazis-Deutsche-Christen-Europäer-Weiße – die Ausgeburt des Bösen – versucht haben, Gott durch die Vernichtung seiner geheiligten Kinder zu ermorden.

Wie es der jüdische Sprecher und mächtige Zensor Abraham H. Foxman, der Vorsitzende der Anti-Defamation League of B’nai B’rith ausdrückte:

Der Holocaust ist etwas anderes. Er ist ein singuläres Ereignis. Er ist nicht nur ein Beispiel für Völkermord, sondern ein beinahe erfolgreicher Anschlag auf das Leben von Gottes auserwählten Kindern und damit auf Gott selbst. (ADL On the Frontline, Januar 1994, Seite 2)

Die Strafe für die Sünde der Weißen ist der Tod: Der Genozid der weißen Rasse, des Krebsgeschwürs der Menschheitsgeschichte.

Somit ist dieser Genozid nicht zufällig und wird nicht in irgendeiner unverständlichen Art von Geistesabwesenheit betrieben. Noch ist er etwas, das „wir uns selber antun”.

Er ist vorsätzlich, zielgerichtet, absichtlich.

Die schuldigen Parteien wissen ganz genau, dass Rassismus und Genozid gemäß ihrer eigenen Gesetze und ausgedrückten Standards Verbrechen sind.

Hervé Ryssen sagt:

Es ist ganz klar, dass all das ins Werk gesetzt wird, um uns dazu zu bringen, unsere Wurzeln, unsere Traditionen, unsere Geschichte, unsere Familien und unsere Vaterländer zu verleugnen, um uns schließlich dahin zu bringen, die „offene“ Gesellschaft zu akzeptieren, die den kosmopolitischen Geistern und der Vorstellung einer Weltregierung entgegenkommt. Alain Finkielkraut beharrt auf diesem Punkt: „Das Böse“ so schreibt er, „kommt durch Vaterländer und Vatersnamen in die Welt.“ (26) Der postmoderne Mensch muss aufhören, „sowohl in sich als auch in anderen den Spuren der Vergangenheit nachzujagen.“ Es soll ihm Ruhm und Ehre bedeuten, „Kosmopolit zu sein und gegen Lokalpatriotismus in den Krieg zu ziehen.“ (27) Von da aus kann man schließlich dazu kommen, die Idee einer „planetaren Konföderation“ anzunehmen, wie es sich der Soziologe Egar Morin in all seinen Büchern wünscht, oder besser gesagt, für die Einführung einer Weltregierung tätig zu sein, wie es auch Jacques Attali ausdrückt: „Nach der Einführung kontinentaler europäischer Institutionen wird vielleicht die dringende Notwendigkeit einer Weltregierung auftauchen.“ (28)
(26) Finkielkraut, Alain: L’Humanité perdue [Die verlorene Menschheit], p.154.

(27) Finkielkraut, Alain: Le Mécontemporain [Unzufriedene Zeitgenossen], Gallimard, 1991, pp. 174-177.

(28) Dictionnaire du XXIe siècle [Wörterbuch des 21. Jahrhunderts]

All das hindert ganz offensichtlich den berühmten antifaschistischen Bauernfänger Pierre-André Taguieff nicht, sich über die antisemitischen Hirngespinste zu empören, und zu behaupten, die Vorstellung von Weltherrschaftsstreben sei auf Geisteskrankheit oder Täuschungsabsicht zurückzuführen.

Der_Juergen
17. November 2018 10:11

@Elke @Gustav

Vielen Dank für Ihre treffenden Kommentare. Die Tatsache, dass die meisten Juden die "Multikultur" intensiv propagieren, obwohl zumindest die islamischen Einwanderer für sie selbst eine grosse Gefahr darstellen, erklärt sich neben dem von @Gustav erwähnten, eminent wichtigen Faktor auch dadurch, dass sie in einer fragmentierten Gesellschaft nicht mehr sonderlich auffallen und von den Nichtweissen im allgemeinen einfach als "Weisse" eingestuft werden. Der amerikanisch-jüdische Journalist Charles Silbermann schrieb anno 1985:

"Die amerikanischen Juden sind entschiedene Befürworter der kulturellen Toleranz, weil sie aufgrund ihrer historischen Erfahrung der Ansicht sind, dass sich Juden nur ein einer Gesellschaft sicher fühlen können, die ein breites Spektrum von Einstellungen und Verhaltensweisen ebenso akzeptieren wie das Vorhandensein verschiedener religiöser und ethnischer Gruppen."

Deutlicher äussert sich der grosse amerikanische Soziologe Kevin MacDonald:

"Ethnischer und religiöser Pluralismus ist jüdischen Interessen auch darum förderlich, weil die Juden hierdurch zu lediglich einer von vielen ethnischen Gruppen werden.. Dies führt zur Diffusion politischen und kulturellen Einflusses unter den verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen, und es wird schwierig, wenn nicht gar unmöglich, zusammengeschweisste Gruppen von Nichtjuden zu bilden, die in ihrer Gegnerschaft gegen das Judentum zusammenhalten." ("The Culture of Critique", 2002, S. 242)

Anons
17. November 2018 11:54

Lieber Herr Lichtmesz,

ich möchte ihren hervorragenden Artikel noch um eine Tatsache ergänzen, die auf die ethnische Wahl "obenauf" kommt, nämlich den ethnischen Wahlbetrug.

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0261379417300811
(schon erstaunlich dass in dem linken Klima in der Wissenschaft solche Artikel publiziert werden)

Ein anschauliches Beispiel aus Deutschland hierzu:

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/urteil-gegen-linke-nach-wahlfaelschung-15634416.html

Deshalb ist die manchmal belächelte Wahlbeobachtung so wichtig. Viel unerträglicher als die Anzahl an Stimmen die manche Parteien bekommen ist für mich der Gedanke, dass meine Stimme einfach nicht gezählt wird.

AlderHorst
17. November 2018 12:15

Mich würde interessieren, wie bei den Midterms 2018 das Wahlverhalten aufgeschlüsselt nach Haushaltseinkommen aussieht. Vielleicht offenbart sich da ein anderes Bild als es das linke Narrativ von den privilegierten weißen Männern als Kernwählerschaft Trumps vermitteln will. Hätte jemand belastbare Zahlen darüber zur Hand?

AlderHorst
17. November 2018 12:15

Mich würde interessieren, wie bei den Midterms 2018 das Wahlverhalten aufgeschlüsselt nach Haushaltseinkommen aussieht. Vielleicht offenbart sich da ein anderes Bild als es das linke Narrativ von den privilegierten weißen Männern als Wählerschaft Trumps vermitteln will. Hätte jemand belastbare Zahlen darüber zur Hand?

Benno
17. November 2018 20:27

@ Monika
„Sollte man die demographische Verschiebung zunächst nicht mal wertneutral ( weder positiv noch negativ) zur Kenntnis nehmen und erst dann Ableitungen treffen anstatt auf das linke Narrativ ( Entmachtung der Weißen) anzuspringen ? Eine rechte Gegenreaktion engt möglicherweise den Blick ein.“

-In einer Demokratie, in der sich die Macht AUCH an der Wahlurne entfaltet, geht demographischer Niedergang natürlicherweise mit einem Rückgang an Einfluss einher. Was es da „wertneutral“ zur Kenntnis zu nehmen gibt, was zu einer anderen Betrachtungsweise als der von der Linken beobachteten und gewünschten gäbe, erschliesst sich mir nicht.

„Amerikaner asiatischer Abstammung sollen bis 2050 10 % der Bevölkerung in USA ausmachen. In Harvard kam es zu Ärger wegen der Bevorzugung ethnischer Minderheiten ( Schwarze, Hispanics) an Universitäten ( affirmative effect) . Dagegen klagten Chinesen wegen Diskriminierung und Rassismus.
Es wird in Zukunft mindestens noch ein " gelbes Privileg" geben, mit dem man rechnen sollte, weil es in Konkurrenz zum "weißen Privileg" tritt.

-Verglichen mit den Weissen gibt es offenbar schon so etwas wie ein „gelbes Privileg“, während ersteres scheinbar eine Illusion, eine Fata Morgana ist:
„Der Grund warum Weisse sich keinen Zugang zur Ivy League als Ganzem verschaffen können ist, dass Juden, relativ zur Menge von Studenten mit hohen Fähigkeiten, mit 381% überrepräsentiert sind. Hochbegabte Asiaten sind mit 62% unterrepräsentiert, und nicht-jüdische Weisse sind mit nur 35% am meisten unterrepräsentiert… Die Asiaten verklagten Harvard wegen Diskriminierung, aber jegliche solche Aktion von Weissen würde als ein Akt von „white supremacy“ verworfen.“ (https://www.paulcraigroberts.org/2018/11/12/why-white-gentiles-cant-get-admission-to-ivy-league-universities/)

@quarz
„Die von ihnen angedeutete Rivalität zu den US-Weißen könnte einen Schlüssel zur Erklärung liefern. Möglicherweise ist es gerade ihr ethnisches Bewusstsein (oder Unbewusstes?), das darauf drängt, unter lauter Minderheiten die erste Geige zu spielen. Und um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Weißen freilich zuerst zu einer Minderheit gemacht werden. […]
Vieles von dem, was ich gerade hinsichtlich der US-Asiaten angemerkt habe, könnte man sich auch in Bezug auf die US-Juden fragen.“

-Umgekehrt wird vielleicht eher ein Schuh draus:

„US-Amerikanische Juden engagieren sich für kulturelle Toleranz wegen ihrer Überzeugung – die fest in der Geschichte verwurzelt ist -, dass Juden nur in einer Gesellschaft sicher sind, die ein breites Spektrum von Einstellungen und Verhaltensweisen akzeptiert sowie eine Vielfalt religiöser und ethnischer Gruppen. Es ist zum Beispiel diese Überzeugung, nicht eine Billigung der Homosexualität, die dazu führt, dass eine überwiegende Mehrheit der US-Juden ‚Schwulenrechte‘ befürwortet und eine liberale Haltung zu den meisten anderen sogenannten ‚gesellschaftlichen‘ Fragen einnimmt.“
(Charles Silberman, amerikanisch-jüdischer Autor und Journalist)
Charles Silberman, A Certain People: American Jews an Their Lives Today, New York 1985, S.350

Horace M. Kallen, den Martin Lichtmesz hier auch schon erwähnt und der den Terminus des „cultural pluralism“ geprägt hat, war übrigens auch kein Asiate.

quarz
17. November 2018 21:01

@Benno

Weder sehe ich, was an diesem Schuh "umgekehrt" wäre, noch erkenne ich in Ihrer Anmerkung einen Erklärungsansatz für das Wahlverhalten der US-Asiaten, das im Zentrum meines Kommentars stand.

Benno
17. November 2018 23:34

@quarz
Dass man sich eher fragen muss, ob das was für das US-Judentum recht gut belegt ist, je länger je mehr auch für die Asiaten gilt. Asiaten sind ja nun keineswegs genuine Demokratenwähler, sondern haben bis Ende 90er noch mehrheitlich die Republikaner gewählt.

Ruewald
18. November 2018 09:56

@Der_Jürgen, @Benno

Den treffenden Zitaten von K. McDonald und C. Silverman möchte ich, wie an anderer Stelle bereits, den Hinweis auf eine der tiefgreifendsten Analysen des "jewish mindset" hinzufügen:
Gilad Atzmon, "The Wandering Who? A Study of Jewish Identity Politics", und "Being in Time. A Post-political Manifesto".

Auf einen knappen Nenner gebracht:
The jewish strategy: "THINK TRIBAL – SPEAK UNIVERSAL".

quarz
18. November 2018 15:35

@Benno

"Dass man sich eher fragen muss, ob das was für das US-Judentum recht gut belegt ist, je länger je mehr auch für die Asiaten gilt."

In Bezug auf die Juden haben Sie als Motiv angeführt, dass sie sich - historisch bedingt - nur in einer Gesellschaft mit breitem religiös-kulturellem Spektrum sicher fühlen. Dass ähnliche historische Determinanten bei Asiaten ähnliche Unsicherheitsgefühle produziert haben, erscheint mir alles andere als offensichtlich. Abgesehen allenfalls von den US-Japanern während des 2. Weltkrieges weisen Asiaten doch keine auch nur annähernd vergleichbaren traumatisierenden Erfahrungen auf, die für sie ein Motiv für die Förderung einer ethnischen Fragmentierung aus Sicherheitsgründen darstellen könnten.

Benno
18. November 2018 22:35

@quarz

Es ist schon richtig, was sie in Zusammenhang mit dem von mir angeführten Zitat sagen. Man könnte auch noch Belege bringen, die eine explizite Rivalität gegenüber der Mehrheitsgesellschaft belegen. Ein Schlaglicht auf diesen Aspekt wirft bspw. eine Lektüre der Memoiren von Jordan Belfort, die von Hollywood als "The Wolf of Wallstreet" auf die Leinwand gebracht wurden. Da tritt dann auch jede Menge Ressentiment und Konkurrenzdenken gegenüber der traditionellen WASP-Elite zutage, die sich nicht mehr mit einem reinen Sicherheitsdenken erklären lassen. Man will an die Fleischtöpfe.

Die USA sollten aus jüdischer Sicht eigentlich ein denkbar schlechtes Beispiel für ein Land sein, das man aus Sicherheitsgründen fragmentieren muss. Ohne jetzt konkrete Daten anführen zu können, war Amerika wohl eines der am wenigsten judenfeindlichen Länder der Weltgeschichte, ohne damit behaupten zu wollen, es hätte dort keine Restriktionen gegeben.

Und dann schwingt vielleicht noch ein psychologischer Effekt mit. Wenn Weisse je länger je mehr als Bedrohung von Minderheiten und Überrassisten dargestellt werden, dann kann man auch als eine bis dato zumindest geduldete und nicht verfolgte Minderheit auf diesen Zug aufspringen. Jedenfalls gab es bei der asiatischen Gemeinschaft (was ja eigentlich ziemlich breit gefasst ist) in den letzten 20 oder 30 Jahren einen Wechsel hin zu den Demokraten. Wenn sie also so wie von ihnen angeführt denken sollten (demographische Dezimierung des Rivalen), so war das zumindest nicht immer der Fall und angestossen haben sie diese Bewegung auch nicht. Vielleicht müsste man auch einmal schauen, ob die Demokraten in den letzen Jahrzehnten in puncto Einwanderungsfragen einen politischen Schwenk vollzogen haben.

PeterKnoll
20. November 2018 19:55

@Ratwolf: Was spricht gegen check and balance?

Sie schreiben: "Das, was die USA uns Europäer angetan haben (check and balence), wird ihnen selber nun auch Teil."

Was spricht gegen diese Verfassungsprinzipien? Checks and Counterchecks? Checks and Balances? Eine institutionelle Prüfung und Gegenprüfung ist doch nicht schlecht? Und ein Gleichgewicht von konkurrierenden Staatsorganen, die sich selbst in Schach halten, könnte eine Diktatur verhindern, oder?

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