Sezession
2. Dezember 2018

Sonntagsheld (86) – Konterfei-Revolution

Till-Lucas Wessels / 12 Kommentare

Ein Schlag ins Gesicht der Freiheit.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Paris im Dezember 2018: Brennende Autos und Barrikaden, fix gesprühte Protestsprüche auf mal mehr, mal weniger ehrwürdigen Gemäuern – alles das gehört zur Französischen Krawallfolklore. Erbeutete Uniform-, und Ausrüstungsteile von Polizisten müssen ebenso dran glauben, wie deren Einsatzfahrzeuge, hinzu kommt dann gerne einmal noch das eine oder andere Schaufenster, oder Privatfahrzeug, das meist nahbarer ist, als der fauchende Wasserwerfer.

Auch der Lynchmord an den Symbolen, Statuen, Inschriftentafeln oder Gemälden der Altvorderen findet stets seinen Platz. Und da sind wir eigentlich auch schon direkt beim Thema, denn das  Verhältnis zur Bilderstürmerei muß ja für rechte Revolutionäre immer ein zwiespältiges sein.

In der Regel ist es so: Egal ob Reformation, französische Revolution, oder rote Barbarei – in der Regel steht der Rechte eher auf der Seite des Denkmals, als an der Seite derer, die es zerstören wollen.

Nun ist aber dieser Zerstörungsakt über die Jahrhunderte quasi selbst zur Ikone geworden und reproduziert sich  täglich selbst: Mehrmals pro Woche wird die Sprengung des Hakenkreuzes über der Haupttribüne des Reichsparteitagsgeländes auf den Bildschirmen der Republik zelebriert, brennende Flaggen egal welcher Couleur gehören zu den beliebtesten Aufmacher-Motiven für sensationstriefende Demo-Stories.

Der Kult des Ikonoklasmus kommt letztendlich nicht ohne Denkmäler aus und das ist für den revolutionären Anteil von uns wiederum eine Chance. Man kann der Vernichtung in die Parade fahren – wie die Pariser Demonstranten, die sich vor das Denkmal des Unbekannten Soldaten stellten, um es als Wellenbrecher vor den aufwallenden Wogen des Chaos zu beschützen.

Man kann aber auch einen Hammer, oder einen Pflasterstein nehmen und im allgemeinen Trubel dort anfangen zu arbeiten, wo sich die tobenden Entweiher und Brandschatzer der andauernden Vergangenheit ihre eigenen Denkmäler gesetzt haben; etwa bei der Statue der Marianne, jener republikanischen Nationalfigur, welche die Freiheit verkörpern sollte, wie sie sich die Revolutionäre wünschten: Als gerüstetes Mannweib mit fanatischem Blick.

Keine Ahnung, wer das war. Vielleicht einer von den angereisten Krawalltouristen, oder einfach nur ein Querschläger, der unverhofft und ohne Absicht sein Ziel fand. Das Loch im Angesicht der Freiheit wird jedenfalls rasch wieder ausgeputzt sein, davon gehe ich aus.

Aber es überkommt mich doch eine stille Genugtuung im Angesicht der geschlagenen Visage und die paßt dazu, daß die Gelbwestenrevolutionäre (Kollege Lichtmesz hat wie immer das ausführlichere Auge aufs Ausland) eben nicht die üblichen Barrikaden-Brüder aus Pariser Wohlstandskommunisten und Banlieu-Barbaren sind, sondern die vergessenen 50% des weißen Mittelstands. Für mich ist das klaffende Loch im Antlitz der republikanischen Ikone ein kleines Stück späte Rache für die geplünderten französischen Königsgräber, ein kleines bißchen Klassenkampf der Peripherie gegen den globalistischen Zentralismus, kurz: ein fragiles Stück guter Laune, das mindestens einen Sonntag abend lang reicht.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (12)

Durendal
2. Dezember 2018 21:25

Auf das Auftreten von Plünderern und Vandalen gab es aus rechter Sicht immer nur eine angemessene Antwort. Die Parole "ACAB", die offensichtlich vorhandene Gewalterfahrung und die schwarze Vermummung liefern übrigens deutliche Hinweise darauf, aus welcher Richtung diese "Helden" wahrscheinlich kamen. Nach der Verhängung des zur Lösung solcher Probleme vorgesehenen Ausnahmezustands wird hoffentlich die französische Gendarmerie zügig und gründlich mit der Racaille aufräumen.

Fredy
2. Dezember 2018 22:30

Frankreich ist längst gefallen. Das Bild ist wunderschön.

Lotta Vorbeck
3. Dezember 2018 00:18

@Durendal - 2. Dezember 2018 - 09:25 PM

"... Nach der Verhängung des zur Lösung solcher Probleme vorgesehenen Ausnahmezustands wird hoffentlich die französische Gendarmerie zügig und gründlich mit der Racaille aufräumen."

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Womöglich mit gar mit dem Kärcher, wie von einem gewissen, indessen in Vergessenheit geratenen Monsieur Sarkozy weiland im Präsidentschaftswahlkampf ebenso wohlfeil wie folgenlos angekündigt?

# "Kärchern"-Äußerung im Wahlkampf

Kärcher schickt Protestbrief an Sarkozy
Seit 2005 schwelt der Konflikt: Nun beschwert sich die Firma Kärcher erneut bei Nicolas Sarkozy - weil er im französischen Wahlkampf wieder von "kärchern" spricht.

... Damals war Sarkozy Innenminister. Nach einer Schießerei unter verfeindeten Jugendbanden in der Trabantensiedlung La Courneuve bei Paris hatte er den Ort besucht und gesagt, er werde sie "mit dem Kärcher reinigen" und damit "das Pack" beseitigen. ...

Weiterlesen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kaercher-schickt-protestbrief-an-sarkozy-a-1117410.html

# Nachdenken über 'le Kärcher' Frankreich Sarkozys Äußerung zu den Unruhen in den Pariser Banlieus 2005 gewinnt weitere Dimensionen, wenn man temporär in Frankreich lebt und dort die Straßenreinigung betrachtet

... Zuerst einmal die Frage, wie Sarkozy damals überhaupt auf dieses Bild kam. Was damit gemeint ist, versteht jeder. Viel plastischer wird die Vorstellung allerdings, wenn man sieht, wie in Frankreichs Städten täglich die Straßen gereinigt werden: per Hochdruck-Komplettreinigung.

Grund dafür ist das hohe Aufkommen an Hundekot und tierischem und menschlichem Urin, das in manchen südfranzösischen [sic!] Städten sämtliche Vorstellungsgrenzen sprengt. Um derartigem Dreck Herr zu werden, bleibt da quasi nur der gute alte Hochdruckreiniger.

Genau diese Praktik war es dann jedoch wohl auch, die viele Franzosen vor Augen hatten, nachdem sie Sarkozys Äußerungen hörten. Der Ton seiner Aussagen gewinnt so jedenfalls noch einmal an Schärfe hinzu. Wird der Vergleich von Menschen mit Dreck doch im wahrsten Sinne des Wortes noch ekelhafter, wenn es sich bei dem damit implizierten Dreck vor allem um eine seiner unschönsten Formen handelt: Fäkalien.

Wie grässlich die Aussagen auch sein mögen: Sie haben Einzug in die französische Sprache gehalten. Und auch in Aussagen von Politikern kommen sie – im Sinne Sarkozys oder der ihm entgegneten Kritik – wieder vor. Zwar nicht oft, aber häufig genug, dass sich Kärcher Frankreich vor den Präsidentschaftswahlen 2007 dazu veranlasst sah, alle Kandidaten darum zu bitten, von derartigen Äußerungen abzusehen. Gleichzeitig wurde eine mediale Großkampagne geschaltet. Die (vorgeschobene?) Empörung war bei Kärcher scheinbar groß. Geschadet hat ihnen die ganze Aufmerksamkeit jedoch sicherlich nicht.

Weiterlesen: https://www.freitag.de/autoren/hierundjetzt/nachdenken-ueber-le-kaercher

Durendal
3. Dezember 2018 07:42

P.S. Die Schmierereien der "Helden" bestehen vor allem in positiven Bezügen auf die Französische Revolution und den Mai 1968. Eine lautet: "Die Ultrarechten werden verlieren". Es finden sich neben dem bereits erwähnten "ACAB" auch das Anarchistenzeichen und Erwähnungen von "Anonymous" und (im Original auf Englisch) "yellow is a new black block". Ich könnte die Liste noch lange fortsetzen, aber wo hier "Helden" tätig gewesen seien sollen, erschließt sich mir nicht.

RMH
3. Dezember 2018 08:09

Ich habe auf dem Video keinen Wellenbrecher am Grab des unbekannten Soldaten erkennen können und auch niemanden, der versuchte, dieses Mahnmal zu "stürmen". Vielmehr zeigten die Gelbwesten an diesem Ort, der das Symbol für den "kleinen Mann", der sich für sein Land opfert, schlechthin ist, dass sie diese Weihestätte als Ort für ihren Protest wählten und hier, weil es eben das Symbol des einfachen Mannes ist, entsprechend respektvoll auftraten.

Einer Napoleon-Büste aus Marmor soll dagegen von Demonstrationsteilnehmern der Kopf abgeschlagen worden sein. Napoleon steht wie Macron für das autokratische Ausnutzen des "kleines Mannes".

Wie auch immer, ich bin kein großer Freund von Demonstrationen und von Gewalttätigen schon gleich gar nicht, aber folgende Gegenüberstellung darf erlaubt sein:

In Deutschland protestiert seit 4 Jahren vorbildlich und friedlich regelmäßig Pegida in Dresden. Außer, dass damit Herrn B. ein Auskommen verschafft wurde, hat diese Bewegung unter dem Strich nichts erreicht (ja, ich weiß, da wird es jetzt Widerspruch geben, aber ich schreib das jetzt ganz bewusst einmal so provokant).

Die gelben Westen hingegen werden bereits heute vom Premier, also dem Regierungschef, empfangen (das wiederum kann nun ernsthaft ein Wellenbrecher sein zum Versuch, die Wogen billig zu glätten sein).

So schnelllebig wie die Proteste sind, werden wir bis Weihnachten sehen, was dabei heraus kommen wird.

Benedikt Kaiser
3. Dezember 2018 08:30

@"Durendal": Bevor Sie mit der typisch "cuckservativ"-untertänigen Empörung über Dinge urteilen, deren Kern Ihnen womöglich entgeht, empfehle ich Ihnen die Lektüre von Lichtmesz:

https://sezession.de/59917/die-gelben-westen-und-das-periphere-frankreich

Ansonsten folgt hierzu noch ein Gespräch mit Alain de Benoist.

Simplicius Teutsch
3. Dezember 2018 09:45

In Paris gehen die „Randalierer“ auf die brennenden Barrikaden und in Deutschland tönt fröhlich aus dem Radio die Media-Markt-Werbung: „Hauptsache Ihr habt Spaß“.

MARCEL
3. Dezember 2018 12:03

Eine Revolte nach dem Geschmack Kropotkins oder Proudhons: Revolution als "Naturkatastrophe", als heilsames Fieber zur Errichtung eines neuen Gleichgewichts. Ein Zurück zum davor ist nicht mehr denkbar, ein Rubikon wurde beherzt und spontan überschritten.
Deutschland traue ich das phasenverschoben auch zu - durchaus, vermutlich im Osten zuerst.

Simplicius Teutsch
3. Dezember 2018 14:12

@MARCEL
Großer "Focus"- online-Artikel:
Vertrauliche Analyse zur Inneren Sicherheit. Verfassungsschutz warnt: Viele Menschen haben „Wut und Hass“ auf die Politik.

Nach den Ausschreitungen in Chemnitz haben Verfassungsschützer die Stimmungslage in Deutschland untersucht. Ihr alarmierendes Fazit in einem vertraulichen Bericht: Viele Bürger misstrauten dem Staat so sehr, dass Gewaltaktionen bis hin zur Selbstjustiz zu befürchten seien.

Taurec
3. Dezember 2018 15:04

Die französische Wikipedia weiß im Artikel über den Arc de triomphe de l'Étoile zu berichten, daß es sich bei der zerstörten Skulptur mitnichten um eine Darstellung der Marianne handelte, sondern um ein Hochrelief des "Départ des volontaires".
Siehe hierzu auch:
https://fr.wikipedia.org/wiki/Le_D%C3%A9part_des_volontaires_de_1792

Die Figur stellt in der Tat nicht die Marianne dar, sondern die Personifizierte Victoria:
https://de.wikipedia.org/wiki/Victoria_(Mythologie)

MARCEL
3. Dezember 2018 15:44

@Simplicius Teutsch
Eines könnte sich bewahrheiten: Wenn in Deutschland einmal der Geist aus der Flasche entwichen ist, gibt es kein Halten...
Hierzulande war 68 kompromissloser als in Berkely oder Paris, nicht zuletzt auch gewalttätiger (siehe RAF).
Die Machthaber werden hier wachsamer sein, hysterischer, repressiver

Waldgaenger aus Schwaben
4. Dezember 2018 05:52

Zum Artikel von Martin Lichtmesz schrieb ich vor Tagen:

"Es braucht nicht viel Phantasie vorher zu sagen, was geschieht, wenn die Proteste noch etwas andauern oder sich ausweiten. Die Bewohner der banlieues werden sich gelbe Westen überstreifen, Geschäfte und Banken plündern und nebenbei nur zum Spaß Autos und Häuser anzünden."

Möglicherweise waren die Randalierer überwiegend nicht Nordafrikaner sondern linksextreme Franzosen. Aber die Entwicklung hin zur Randale war abzusehen.

Ich wage nun eine weitere Prognose:

Marcon wird verbal auf die Gelben Westen zugehen, vielleicht sogar die Steuererhöhungen auf Benzin(2,9 Cent pro Liter ) und Diesel (6,5 Cent) zurück nehmen.
Als Leckerli obendrauf gibt es dann maximal noch das Versprechen einer Steuerreform. Die Steuerreform wird ausbleiben und den Ausfall aus der Steuererhöhungen auf Benzin und Diesel wird sich die Regierung bei der selben Klientel andersweitig wieder holen.

Und das wird es dann gewesen sein mit den Gelben Westen. Eine Bewegung ohne parlamentarischen Arm ist in westlichen Demokratien zum Scheitern verurteilt. Das Verhältnis zwischen Bewegung und Parlamentarismus ist in diesem pi-news Artikel gut ausgeleuchtet: Bewegung oder Parlamentarismus? Beides, aber bitte getrennt

http://www.pi-news.net/2018/11/bewegung-oder-parlamentarismus-beides-aber-bitte-getrennt/

Hinzufügen möchte ich nur noch, dass das Primat des Parlamentarismus' gelten muss. Wo es eine Wende zum Besseren gab, Österreich, Ungarn, USA, Italien, Polen, etc, geschah dies über Wahlen. Den Revolutionsromantikern, die es auch rechts gibt, wünsche ich einen ungetrübten Blick auf die Realität: Die Mauern, die uns umgeben, sind nicht aus Beton sondern aus Gummi. Dagegen anzurennen oder mit wuchtigen Hammerschlägen auf sie einzuschlagen, ist vergebens und wirkt lächerlich.

Doch auch Gummi ist nicht unzerstörbar. Säure, die einsickert löst ihn auf. Seien wir die Säure!

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