Sezession
21. Dezember 2018

Nexus Conference: Battle between Good and Evil

Caroline Sommerfeld / 50 Kommentare

Man hatte mich aufgrund der im Sommer erschienenen home story in der New York Times über uns als politisch diverses Paar eingeladen.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Diesmal nicht als rechtsabweichlerische Gattin. Auch nicht, wie ich zuerst vermutete, als das Böse (fürs battle auf der Bühne waren beide Parts zu besetzen), sondern als Philosophin. Sollte ich das glauben?

Die Nexus Conference mit dem Titel The Battle between Good and Evil fand am vergangenen Wochenende in der Amsterdamer Oper statt: ein gut ausgeleuchteter runder Tisch auf der Bühne, 1000 Leute im Publikum, eine hochkarätige Besetzung der besonderen Art. Wie sich das Ganze finanziert, blieb mir unklar, es gibt erkennbare Förderungen durch die Stadt Amsterdam und eine Bank sowie tätiges Fundraising, jedoch auch Verbindungen zum Aspen Institute und zum IWM, welches seinerseits George Soros im Aufsichtsrat sitzen hat und tragfähige CIA-Kontakte.

Als ich genauer studierte, mit wem ich es da zu tun bekommen sollte, wurde mir eines allmählich klar. Dieser Kampf sollte auf verschiedenen Ebenen ausgefochten werden: Er hat eine politische, eine philosophische, eine zwischenmenschliche und sehr wohl auch eine alles über- oder unterwölbenden Bedeutung. Mittendrin ich, dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Realkontakt mit "der Elite" ist eine heikle Sache, dazu angetan, einen zu korrumpieren. Ein anthroposophischer Freund hatte mir vorher geschrieben, in Steiners Dramen spreche die Maria auch mit Ahriman, um zu erfahren, wie der Typ tickt.

Photo: Dolph Cantrijn

Am großen roten Tisch (es gab zwei Round-Table-Gespräche nacheinander) saßen außer meiner Person unter anderem die Transhumanistin Natasha Vita-More, der evangelische Theologe aus Yale Miroslav Volf, ein syrisch-pakistanischer, in die USA zwecks Informationsweitergabe geflohener Refugees-Aktivist namens Kassem Eid, der amerikanische Publizist und „proud Jew“ Leon Wieseltier, und Michael Vickers, CIA.

Vita-More ist eine der Protagonisten, die Thomas Wagner (Die Angstmacher) in seinem immer noch hervorragend als Einführung in das Thema Transhumanismus geeigneten vorherigen Buch Robokratie beschrieben hat: eine eindeutig eher religiöse denn wissenschaftliche, utopistische Strömung des amerikanischen Pragmatismus. Man kann sie, also weder Frau Vita-More noch den Transhumanismus überhaupt, in die Spinnerecke stellen, denn dahinter stecken Geld und Einfluß noch und nöcher – der Obertranshumanist Ray Kurzweil hat mit seinem Kollegen Diamandis am NASA-Gelände im Silicon Valley die Singularity University gegründet, nutzt und finanziert Google als Plattform für sein Weltverbesserungsprojekt.

Es geht nicht nur um individuelle Lebensverlängerung durch Kryonik und/oder durch Auslagerung der menschlichen Hirnleistung in Clouds, sondern um den sehnsüchtig erwarteten und von Kurzweil auf 2045 terminierten Augenblick der „Singularität“, wenn nämlich technologische Superintelligenz unabhängig von ihren menschlichen Erfindern operieren kann und eine neue Zeit anbricht.

Vita-More glaubt fest, daß diese Singularität „more humane“ werden wird als unsere leidige conditio humana mit all ihrer Gewalt, ihren Kriegen, ihrer Sterblichkeit und Not. Ihr Transhumanist Manifesto erschien bereits 1983. Man darf sie sich als einen gläubigen Menschen vorstellen. Ich habe beim Dinner lange mit ihr über meinen Glauben geredet, ich kann das nicht so pathetisch wie die amerikanischen Evangelikalen, aber die europäische Schlichtheit hat gewiß eine eigene Kraft.

Zwei weitere Transhumanistengestalten erschienen mir auf andere Weise berückend: ein schwules Paar, beide höchstbegabt (heißt: IQ über 145, die US-Zählung ist nach oben offen), einer der beiden trug eine Medaille um den Hals, auf der sich alle Anweisungen befanden, die im Falle seines Todes zu befolgen seien, um ihn fachkundig für eine bessere Zukunft einzufrieren.

Über den Chef desselben, Nick Bostrom (Gründer des Future of Humanity Institutes in Oxford, Erfinder der „Superintelligenz“) schreibt Thomas Wagner bezeichnenderweise, Bostrom stelle sich die sich verselbständigende technologische Entwicklung so vor, als wenn Kinder eine Bombe fänden und mit ihr spielten, und er, Bostrom, wolle nun selber die Rolle des Erwachsenen übernehmen und mit ihr „verantwortlich“ umgehen zum Wohle der Menschheit. Sein Adlatus und dessen Gefährte jedenfalls sind ganz und gar spielende Kinder, in gewisser Weise Menschen im Larvenstadium.

Schien mir zuvor der Transhumanismus als das Hauptböse, gegen welches mit rechtsintellektuellen oder christlichen kleinen Pieksnadeln anzutreten ich nach Amsterdam bestellt sein sollte, kam es doch ganz anders, bis hin zu mir angetragener Solidarität. Lassen Sie mich ein paar Höhepunkte aus meiner eitlen Opernbühnenperspektive schildern, danach krieg' ich mich wieder ein und steige zumindest mal für eine Weile demütig aus dem Provokationskampf aus.

Vorhang auf, Second Round Table: Beyond Good and Evil. Paradise regained.

Ich grinse immernoch gelegentlich (Christian Morgenstern: "Korf erfindet eine Art von Witzen, die erst viele Stunden später wirken. Jeder hört sie an mit langer Weile. Doch als hätt' ein Zunder still geglommen, wird man nachts im Bette plötzlich munter, selig lächelnd wie ein satter Säugling.") über die Szene, daß mir der Syrer das Komplettprogramm aller NPC-Argumente an den Kopf warf, sich noch dahingehend steigerte, daß er in einem Land aufgewachsen wäre, wo die Schulkinder lernten, den Holocaust habe es nie gegeben, und am Schluß mit dem Satz auftrumpfte: "I have been gased!"

Worauf ich entgegnete: "Oh wow, you're really well trained, even the Holocaust is part of your program!"

Zuvor war er Mrs. Vita-More heftig angegangen mit der Aussage, daß sich nur reiche Egoisten wie sie transhumanistische Pläne leisten könnten, womit er zweifelsohne völlig recht hatte, sie aber bis aufs Blut triggerte und eine erboste virtue-signalling-Lawine bei ihr lostrat. Später, vor dem Fundraising Dinner, gelang es meinem mitgereisten Philosophenkollegen, Freund und Schutzengel Stephan Siber, dem jungen Eiferer Nietzsches Perspektivismus soweit nahezubringen, daß er mir die Hand entgegenstreckte. Und beim Frühstück tags darauf der Vita-More. Eine Arbeit an Perspektiven, an der der Körper immer Anteil hat.

Zweiter Höhepunkt war, Herrn Wieseltier (der in den 90ern ein Werk mit dem Titel Against Identity verfaßt hat) danach zu fragen, warum alle anderen keine Identität haben dürften außer den Juden. Worauf er (was für amerikanische Juden durchaus ungewöhnlich ist, bei israelischen praktisch gar nicht vorkommt), verlangte, daß auch Israel kein homogener Nationalstaat sein dürfe, sondern sich öffnen solle. "Have fun with that" fiel mir dazu nur ein.

Dritter Höhepunkt war eine längere Kontroverse zwischen dem CIA-Vickers und mir. Ich hatte am Vorabend beim Speakers' Dinner schon das Vergnügen gehabt, ihm gegenüberzusitzen. Zu Michael Vickers muß man ungefähr das wissen, was William Engdahl in einem (inzwischen nicht mehr online verfügbaren) Kopp-Artikel vor zehn Jahren schrieb, ich zitiere:

Nur wenige Menschen außerhalb des Pentagon haben jemals den Namen Michael Vickers gehört. Aber das ist ein Fehler. Er ist nämlich zuständig für die Entwicklung des globalen Kriegs gegen den Terror sowie für die Modernisierung der Nuklearstreitkräfte zur Abschreckung und Vergeltung und der Umrüstung konventioneller Streitkräfte auf den Kampf gegen den Terrorismus – ein Aufgabenbereich, der so umfassend ist, dass er seine Arbeit einmal als »Durchführung des Weltplans« bezeichnet hat. (…) Bei der CIA war er für das größte Geheimprogramm in der Geschichte dieser Organisation zuständig – die paramilitärische Operation, mit der die Sowjetarmee in den 1980er Jahren aus Afghanistan vertrieben wurde. Das bedeutet aber doch wohl, dass Vickers seine eigene Schöpfung bekämpft, wenn wir die Propaganda des Pentagon in Bezug auf al-Quaida ernst nehmen wollen. Kompetente Kritiker wie der angesehene Journalist Peter Scholl-Latour sind davon überzeugt, dass es sich bei al-Qaida um ein fiktives Konstrukt handelt, das von der US-Propaganda geschaffen wurde, um nach dem 11. September die massive Militarisierung ganzer Regionen in der ganzen Welt zu rechtfertigen. Wer wäre geeigneter für die Führung eines Pseudokrieges gegen den Terrorismus als der Förderer Osama bin Ladens und seiner Bande von Terroristen, Michael Vickers?

Von Natur aus neugierig und draufgängerisch, mit einer Prise gehöriger Naivität dazu, mußte ich Vickers beim Essen ausfragen: über 9/11, den „Krieg gegen den Terror“, die Farbenrevolutionen und ob die CIA im Kontext der 68er-“Studentenrevolte“ eine Rolle gespielt habe.

Habe ich etwas erfahren? Wo denken Sie hin. Seine Strategie lief so: natürlich hat die CIA früher mitgemischt, Farbenrevolutionen angezettelt, ja sogar Ho Chi Minh getroffen und gesteuert (das zum Thema Anti-Vietnam-Proteste und Ho-ho-ho-Chi-Minh). Kann er mir ja jetzt alles sagen, für das Interesse der Historiker ist all dies sicher relevant. Doch 9/11 war ganz unvorhersehbar, wir vom CIA seien ja auch nur Menschen.

Farbenrevolutionen? Sie meinen die in den 70er Jahren, ja, das war ein Fehler. Man nennt das plausible deniability: glaubhaft die Verantwortung bestimmter Personen abstreiten, um mit dem Abgestrittenen umso sicherer weiterzumachen. Dann ging die Philosophin mit mir durch: Gut, Mr. Vickers, wenn man aber in gewissem Zeitraum mehrmals beobachtet, daß die CIA etwas abstreitet, um dann Jahre später genau dies zuzugeben, kann man doch extrapolieren auf die aktuellen oder jüngst vergangenen Ereignisse. Wie schaut's aus mit Frankreich beispielsweise? Ich durfte nicht erwarten, daß er mir darauf etwas antworten würde – limited hangout ist auch für kleine Philosophen limited, zumal solche, die man eben erst kennengelernt hat.

Ich brauchte mir keine Gedanken über eine geringfügige Strategieänderung zu machen, denn am nächsten Tag auf der Opernbühne kam es zu einem ganz anderen Disput, ausgerechnet über Iwan Iljin und „rechtes Christentum“. In meinem Beitrag im Sammelband „Rechtes Christentum?“ hatte ich mich positiv auf den russisch-orthodoxen Denker und seine heuer auf Deutsch neu herausgegebene Schrift „Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse“ (1925) bezogen.

Der Veranstalter und Moderator der Konferenz, Rob Riemen, hatte den Text gelesen und in der Frage "Resisting Evil by force?" zusammengefaßt: muthaftes Christentum (nein, ich rufe nicht zum Kreuzzug auf, meine Damen und Herren, verehrte Moslems und Kuschelchristen!) vs. CIA in Afghanistan. Vickers fand Iljin „a weird dumbass“ oder so ähnlich heftig, weil seine Überreste von Putin zur Verehrung bestimmt worden seien und Iljin die Losung ausgegeben hätte, „our sword is our prayer“. Abgesehen davon, daß es sich bei Iljin genau umgekehrt verhält, unser Gebet nämlich unser Schwert ist, und ihn ein Filmemacher seinem Testament gemäß ins Moskauer Kloster hat umbetten lassen, greifen doch wohl die USA gelegentlich selber zum Schwerte.

Sicherheitshalber kam dann ein illustrativ die Gut-Böse-Aufteilung festklopfender Filmausschnitt aus „Der Krieg des Charlie Wilson“, starring Michael Vickers as a young genius. Ich verstehe amerikanische Filme nie, und mein familiär bedingtes Holländisch ist zu schlecht, um dem Untertitel Sinn entnehmen zu können. Es blieb also beim Atmosphärischen, doch konnte ich mir anläßlich der im Raume stehenden Überlegungen zum Kampf des Guten gegen das Böse nicht verkneifen, zu fragen, ob nicht womöglich vom Standpunkt eines höheren Beobachters womöglich der Transhumanismus, die CIA und der Mossad "the Evil" sein könnten?

Huh, was hat Leon Wieseltier daraufhin sein weißumflortes Haupt geschüttelt, zwei Stichworte reichten. Vickers war sich's zufrieden, er konnte mich langsam einordnen, schien es mir.

Natasha Vita-More verschwisterte sich nach dieser gemeinsamen hochkontroversen intellectual opera dann beim Hinausgehen mit mir, doch kam ich mir gar nicht „humiliated“ vor, bloß von Worten angegriffen und von guten Mächten wunderbar geborgen. Ein seltsamer Zug des Puppenspielers vom Ankündigungsplakat, daß die Transhumanistin zu mir Zutrauen faßte. Überhaupt hätte alles auch kippen können, so ein linksliberales Riesenpublikum macht akustisch ziemlich deutlich, wo es steht, und die guten und bösen Kräfte hatten eifrig zu tun mit uns da auf der Bühne.

Do demonic powers exist? Is there a cosmic force for Good? Miroslav Volf bezog sich in seiner Antwort auf diese letzten Fragen von Rob Riemen auf die Worte aus dem Johannesevangelium (1,5): „Und das Licht leuchtet in der Finsternis, / und die Finsternis hat es nicht erfaßt“ (eine andere Übersetzung gibt her: „und die Finsternis hat es nicht begriffen“). Das Böse kann das Gute einfach nicht fassen, es ist ihm unterlegen, aber das Gute ist und bleibt umgeben von Finsternis – denn nur vor diesem Hintergrund leuchtet das „Licht der Welt“ (Joh 8,2) überhaupt.

Bei Rudolf Steiner fand ich im Nachgang auf der Suche nach einer eingängigen Ahriman-Definition, die es nicht gibt, just den folgenden Ratschlag:

Um sich zurecht zu finden in dem Chaos, das einen beim Eintritt in die geistige Welt umgibt, um das rechte Steuer für das Seelenschiff zu haben, muß man in der Seele wachrufen das erste Kapitel des Johannes-Evangeliums oder Kap. 8,2. Mit ihnen kann man nicht dem Irrtum verfallen. (GA 266c).

Ganz zum Schluß fragte der Moderator in die illustre Runde, wer am 24. Dezember zu Weihnachten in die Kirche gehe. Das Bild unten zeigt das Ergebnis. Frau Tolstaya feiert am orthodoxen Weihnachtsfest. Eid (der mit dem Kinderhauberl, das er sich vorher sorgfältig aufgepudelt hatte) ist Moslem und ward als solcher nicht müde, die Ökumene mit den Christen zu betonen. Vita-More setzt eher auf den God Man als den Man God, und Wieseltier erzählte, in einer Kirche in seiner Nähe hätten die Christen einmal nicht genug Leute gehabt, um auf das Weihnachtslicht aufzupassen, und wer hat dann drauf aufgepaßt? Immer dieselben.

 

Photo: Dolph Cantrijn


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.


Kommentare (50)

Gustav Grambauer
21. Dezember 2018 16:02

"Bei Rudolf Steiner fand ich im Nachgang auf der Suche nach einer eingängigen Ahriman-Definition ..."

Ein Grundirrtum, es ist nicht Ahriman bzw. Mephistopheles, der den Transhumanismus inspiriert, es geht hier schon lange nicht mehr um die Gemüts- bzw. Verstandeseele. Ahriman war gestern, sowieso strahlt der ganz anders aus und hat auch ganz andere Pläne mit der Zivilisation. Es sind bereits die Asuras (das Karma Ahrimans), die hier wirken bzw. welches hier wirkt, es geht jetzt an den Kern, - das Ich -, heran:

"In der Empfindungsseele hat sich verankert Luzifer; da hinein hat er sich geschlichen, da sitzt er drinnen. Weiter ist entstanden durch die unbewußte Umarbeitung des Ätherleibes die Verstandesseele. Genaueres ist darüber gesagt in der Abhandlung über 'Die Erziehung des Kindes'. In diesem zweiten Glied der menschlichen Seele, der Verstandesseele, also in dem umgearbeiteten Stück des Ätherleibes, da hat sich festgesetzt Ahriman. Da ist er drinnen und führt den Menschen zu falschen Urteilen über das Materielle, führt ihn zu Irrtum und Sünde und Lüge, zu allem, was eben aus der Verstandes- oder Gemütsseele kommt. In alledem zum Beispiel, daß der Mensch sich der Illusion hingibt, mit der Materie sei das Richtige gegeben, haben wir Einflüsterungen des Ahriman, des Mephistopheles zu sehen. Drittens kommt an die Reihe die Bewußtseinsseele, die in einer unbewußten Umarbeitung des physischen Leibes besteht. ... Und in der Zeit, die jetzt kommen wird, werden sich hineinschleichen in diese Bewußtseinsseele und damit in das, was man das menschliche Ich nennt - denn das Ich geht auf in der Bewußtseinsseele -, diejenigen geistigen Wesenheiten, die man die Asuras nennt. Die Asuras werden mit einer viel intensiveren Kraft das Böse entwickeln als selbst die satanischen Mächte der atlantischen oder gar die luziferischen Geister der lemurischen Zeit.

Das Böse, das die luziferischen Geister den Menschen zugleich mit der Wohltat der Freiheit brachten, das werden sie alles im Verlaufe der Erdenzeit ganz abstreifen.

Dasjenige Böse, das die ahrimanischen Geister gebracht haben, kann abgestreift werden in dem Ablauf der karmischen Gesetzmäßigkeit.

Das Böse aber, das die asurischen Mächte bringen, ist nicht auf eine solche Weise zu sühnen.

Haben die guten Geister dem Menschen Schmerzen und Leiden, Krankheit und Tod gegeben, damit er sich trotz der Möglichkeit des Bösen aufwärts entwickeln kann, haben die guten Geister die Möglichkeit des Karma gegenüber den ahrimanischen Mächten gegeben, um den Irrtum wieder auszugleichen - gegenüber den asurischen Geistern wird das im Verlaufe des Erdendaseins nicht so leicht sein. Denn diese asurischen Geister werden bewirken, daß das, was von ihnen ergriffen ist - und es ist ja des Menschen tiefstes Innerstes, die Bewußtseinsseele mit dem Ich -, daß das Ich sich vereinigt mit der Sinnlichkeit der Erde. Es wird Stück für Stück aus dem Ich herausgerissen werden, und in demselben Maße, wie sich die asurischen Geister in der Bewußtseinsseele festsetzen, in demselben Maße muß der Mensch auf der Erde zurücklassen Stücke seines Daseins. Das wird unwiederbringlich verloren sein, was den asurischen Mächten verfallen ist. Nicht, daß der ganze Mensch ihnen zu verfallen braucht, aber Stücke werden aus dem Geiste des Menschen herausgeschnitten durch die asurischen Mächte. Diese asurischen Mächte kündigen sich in unserem Zeitalter an durch den Geist, der da waltet und den wir nennen könnten den Geist des bloßen Lebens in der Sinnlichkeit und des Vergessens aller wirklichen geistigen Wesenheiten und geistigen Welten. Man könnte sagen: Heute ist es erst mehr theoretisch, daß die asurischen Mächte den Menschen verführen. Heute gaukeln sie ihm vielfach vor, daß sein Ich ein Ergebnis wäre der bloßen physischen Welt. Heute verführen sie ihn zu einer Art theoretischem Materialismus. Aber sie werden im weiteren Verlauf - und das kündigt sich immer mehr an durch die wüsten Leidenschaften der Sinnlichkeit, die immer mehr und mehr auf die Erde herniedersteigen - dem Menschen den Blick umdunkeln gegenüber den geistigen Wesenheiten und geistigen Mächten. Es wird der Mensch nichts wissen und nichts wissen wollen von einer geistigen Welt. Er wird immer mehr und mehr nicht nur lehren, daß die höchsten sittlichen Ideen des Menschen nur höhere Ausgestaltungen der tierischen Triebe sind, er wird nicht nur lehren, daß das menschliche Denken nur eine Umwandlung dessen ist, was auch das Tier hat, er wird nicht nur lehren, daß der Mensch nicht bloß seiner Gestalt nach mit dem Tier verwandt ist, daß er auch seiner ganzen Wesenheit nach vom Tier abstamme, sondern der Mensch wird mit dieser Anschauung Ernst machen und so leben.

Heute lebt ja noch niemand im Sinne des Satzes, daß der Mensch seiner Wesenheit nach vom Tiere abstamme. Aber diese Weltanschauung wird unbedingt kommen, und sie wird im Gefolge haben, daß die Menschen mit dieser Weltanschauung auch wie Tiere leben werden, heruntersinken werden in die bloßen tierischen Triebe und tierischen Leidenschaften. Und in mancherlei von dem, was hier nicht weiter charakterisiert zu werden braucht, was sich jetzt namentlich an den Stätten der großen Städte als wüste Orgien zweckloser Sinnlichkeiten geltend macht, sehen wir schon groteskes Höllenleuchten derjenigen Geister, die wir als die asurischen bezeichnen." - Steiner, GA 107 (1997), Seiten 247 ff.

Mit Verlaub, selbst Prokofieff hat dies in seiner - davon abgesehen soweit ich sehen kann bis heute unerreichten - Kurz-Umreißung des Themas Transhumanismus aus anthroposophischer Sicht nicht gesehen gehabt, an vielen Stellen müßte auch hier "Ahriman" durch "Asuras" ersetzt werden:

http://wfgw.diemorgengab.at/WfGWmblB20.htm

Nebenbei gesagt: bitte die Zeit sinnvoller z. B. mit der Lektüre von "Die Tempellegende und die Goldene Legende", der Grundlage der Grundlagen hierzu, nutzen ...

https://anthrowiki.at/GA_93

Jetzt aber allmählich - Einstimmung auf Weihnachten!

"Alles Dunkel / Sinkt hinweg
Wir haben unser Licht entfacht."

- G. G.

Cacatum non est pictum
21. Dezember 2018 21:12

Werte Frau Sommerfeld,

eigentlich wollte ich mich bereits aus dem Kommentariat der Sezession im Netz verabschiedet haben. Aber Ihr toller Beitrag hat mich dazu bewogen, doch noch ein letztes Mal hier Stellung zu nehmen.

Bei dieser illustren Veranstaltung haben Sie ja direkt ins Auge des Orkans geblickt! Davon werden Sie sicher Ihren Enkeln noch erzählen. Daß Sie einem Mann wie Vickers so unverblümt Fragen stellen konnten, finde ich grandios. (Nicht, daß man ehrliche Antworten hätte erwarten können, aber die Ho-Chi-Minh-Episode klingt schon interessant.) Solche Gelegenheiten ergeben sich meist nur einmal im Leben. Die Frage nach 9/11 war nachgerade hochmütig, die absolute Spitze des Eisbergs sozusagen; dafür verdienen Sie wirklich Bewunderung.

Den Film "Der Krieg des Charlie Wilson" sollten Sie sich trotzdem unbedingt anschauen. Vielleicht nicht im Originalton (die amerikanischen Leinwandgrößen neigen in der Tat zum Nuscheln), aber doch in der gut synchronisierten deutschen Sprachfassung. Er steht bei mir seit Jahren im DVD-Regal, und ich greife immer wieder auf ihn zu. Zwar ist der Streifen politisch nicht objektiv, sondern trieft von amerikanischem Patriotismus; dafür ist er aber mit exzellenten Darstellern besetzt und durchdrungen von guter Komik. Ihr Mr. Vickers (im Film heißt er Gust Avrakotos, so er denn gemeint ist) wird von dem großartigen, leider schon verstorbenen Schauspieler Philip Seymour Hoffman gemimt.

Nemesis
21. Dezember 2018 23:24

":..Bostrom stelle sich die sich verselbständigende technologische Entwicklung so vor, als wenn Kinder eine Bombe fänden und mit ihr spielten, und er, Bostrom, wolle nun selber die Rolle des Erwachsenen übernehmen und mit ihr „verantwortlich“ umgehen zum Wohle der Menschheit."

Bevor ich nachforschte, wer dieser Bistron eigentlich ist, war mir irgendwie sofort klar, daß er wohl Philosoph sein muß (bitte entschuldigen Sie, Frau Sommerfeld). Wieso denken (nicht alle, aber offensichtlich zu viele) Philosophen eigentlich, daß ihre Art die Welt zu interpretieren, der Maßstab für alle anderen sein müßte? Mich würde wirklich interessieren, woher diese Hybris stammt.

Meine Einschätzung zu Kurzweil et al:
Kurzweil und die anderen der Silicon Valley Sekte sind in erster Linie eins: Inhaber von Technologiefirmen, die ihre Produkte an den Mann oder die Frau bringen wollen. Und in einer technologiegetriebenen und -gläubigen Epoche, in der auch noch das dümmste Geräte als smart bezeichnet wird, ist die Behauptung, daß man Bewußtsein in Maschinen implementieren wird, ohne überhaupt zu wissen wie dieses entsteht und was es eigentlich wirklich ist, natürlich der Verkaufsschlager schlechthin.

Die Gefahr des Transhumanismus liegt aus meiner Sicht an zwei anderen Stellen:

1. Nicht das Sein bestimmt das Bewußtsein, sondern aus meiner Sicht verhält es sich gerade andersherum:
Wenn Menschen permanent indoktriniert werden, daß sie mit Maschinen verschmelzen würden, weil sie wie Maschinen funktionierten, werden sie irgendwann anfangen sich wie Maschinen zu VERHALTEN ( ohne es wirklich zu sein).
2.Implantate haben neben durchaus positiven Effekten vor allem einen heftigen Nebeneffekt: Sie machen extrem abhängig vom System.

Falls jemand Interesse hat: Noam Chomsky (in seiner Eigenschaft als Mathematiker und Linguist, nicht als Politischer Aktivist) hat sich sein gesamtes wissenschaftliches Leben mit diesen Thematiken (vor allem Sprache) auseinandergesetzt:

Noam Chomsky - Can Machines Think?
https://www.youtube.com/watch?v=Ex9GbzX6tMo
Noam Chomsky: The Singularity is Science Fiction
https://www.youtube.com/watch?v=0kICLG4Zg8s

Hier der allen dieser Thematiken zugrundeliegenden Artikel von Alan Turing von 1950: "Computing Machinery and Intelligence"
http://phil415.pbworks.com/f/TuringComputing.pdf

@Cacatum non est pictum
Ich hätte nicht gedacht, daß wir so schnell auf die "transhumanistischen" Machtthesen zurückkommen.

"eigentlich wollte ich mich bereits aus dem Kommentariat der Sezession im Netz verabschiedet haben."
Ich hoffe doch nur im Hinblick auf Ihre Weihnachtsferien...
:)

Laurenz
22. Dezember 2018 06:31

Der Artikel war etwas schwierig zu lesen, hat aber trotzdem Spaß gemacht. Auffällig war die Selbst-Definition der Autorin, protestantische Philosophin....da fällt einem doch sofort Phillip Möller ein, "wer leichter glaubt, wird schwerer klug". Im Falle von Frau Sommerfeld handelt sich wohl um einen weißen Rappen, einer konträren Tautologie. Dasselbe gilt für "rechte Christen". Christen sind grundsätzlich totalitäre Bolschewisten oder sie sind keine Christen und tun, wie die meisten, nur so, als wären sie welche. Die abrahamitische Debatte, egal welches Fähnlein da geschwungen wird, über Gut und Böse ist doch immer dieselbe. Gut ist man selbst und das Böse verkörpern "die anderen". Das reicht bis hinein in die Familie. Wer mal in die Schriften von Carlos Castaneda, Bert Hellinger oder Eckhart Tolle hineingeschaut hat, weiß, daß wenn jemand einen bestimmten moralischen Raum okkupiert hat, anderen nur noch der amoralische Raum bleibt. Ohne Gewalt und Terror, in erster Linie den von Ganser geprägten Begriff "Staatsterrorismus", wüßten wir weder etwas vom Christentum, noch vom Islam. Die friedliche Mission Mohammeds war ein totaler Reinfall, in neudeutsch ein Flop.

Die Guten erschaffen das Böse, damit sie sich von ihm unterscheiden können.

Daher erschufen die Abrahamiten die Ungläubigen, die Familie das schwarze Schaf, und die Linken die Rechte. Der konstruierte Feind, eine Ablenkung von der eigenen Inhaltslosigkeit und Destruktivität, das Verlangen den Menschen komplett zum Haustier zu entmündigen, kriminalisiert die Guten zwangsläufig, eine Schuld, die Jahrtausende braucht, um bezahlt zu werden. Und das alles nur, weil ein Wüstenräuberhauptmann meinte, er müßte Weltreiche regieren. Die politische Gesellschaft, vor allem das degenerierte Wien, täuscht sich. Frau Sommerfeld ist keine Rechtsabweichlerin. Sie tut nur so.
Was die Finanzen des Terrors oder Revolutionen angeht, ist die Simulation das einfachste. Jeder der in der Grundschule in Rechnen aufgepaßt hat, und die Finanzierung einer eigenen kleinen bösen Terrorzelle, wie die NSU oder die RAF durchkalkuliert hat, weiß, daß er/sie ohne staatliche Unterstützung oder die von sogenannten NGOs nicht auskommt. Banküberfälle werden immer schwieriger und Tankstellenüberfälle sind auf Dauer nicht lukrativ genug, erhöhen aber ungemein das Risiko aufzufliegen. Von daher, selbst der Spiegel ist eine CIA-Gründung noch aus der vor-Vickers'schen Ära. Ich lese ihn gern, man muß ja schleißlich wissen, was der Feind denkt und will. Und bei den kümmerlichen virtuellen Werbe-Einnahmen, wie der Auflage von 3 Mio. Druck-Exemplaren im Jahr, kann keiner an die 1.000 Mitarbeiter und Verlagshauskosten bezahlen. Der Spiegel wird wohl als "systemrelevant" angesehen. Was Herrn Wieseltier angeht, so wird er wissen, daß Israel ein nationalsozialistisches Land ist, ähnlich wie China. Und wenn das Judentum nicht zügig diesen inneren Widerspruch zwischen Diaspora-Juden und Israel nicht auflöst, werden es die Chinesen tun. Und in der Erinnerung der Chinesen an die Opium-Kriege wird da kein Auge trocken bleiben. Und was die Debatte um die zukünftige "künstliche - oder digitale Intelligenz" angeht, ist es da nicht viel unterhaltsamer Frank Herbert "Dune - Der Wüstenplanet" zu x-ten mal zu lesen und dem post-digitalen Zeitalter zu frönen....(?)

Caroline Sommerfeld
22. Dezember 2018 13:47

@Laurenz
Na, Sie sind ja ein ganz Schlauer, klüger als die Nur-so-klug-Tuenden. Ich bin Katholikin, nur nebenbei. Erklärt vielleicht, warum ich das Böse selbstverständlich sowohl auto- als auch heterosterotyp zu sichten und zu bekämpfen beliebe.

Maiordomus
22. Dezember 2018 14:15

@Laurenz. Machen Sie nur weiter mit Ihrer bornierten Ignoranz bei garantiert mangelnden Grundlagenkenntnissen. Ich verabschiede mich von hier in Richtung einer vielleicht noch möglichen wenigstens teilweise einzubringen Lebensernte bei sich verknappender Lebenszeit im Jahre 2019.

Cacatum non est pictum
22. Dezember 2018 15:14

@Nemesis

"...

Ich hätte nicht gedacht, daß wir so schnell auf die 'transhumanistischen' Machtthesen zurückkommen ..."

Da waren Sie aber hellwach! Obwohl der Artikel Ihre Thesen höchstens streift. Sie behaupteten ja, daß die sich vollziehende globale Einebnung der Kulturen vor allem dazu diene, Hindernisse zu beseitigen; Hindernisse, die dem Vormarsch der Hochtechnologie sozusagen als Überbau des Systems im Wege stehen. Diesen Gedanken finde ich sehr originell, und er ist auch nicht unplausibel. Originelle Ideen baue ich immer gern in meine theoretischen Erwägungen ein.

"...

Ich hoffe doch nur im Hinblick auf Ihre Weihnachtsferien...
:)"

Nein, ich werde mich aus privaten Gründen dauerhaft hier ausklinken. Das schließt aber nicht aus, daß ich noch gelegentlich mitlese.

Wahrheitssucher
22. Dezember 2018 15:24

@ Laurenz

„Die Guten erschaffen das Böse, damit sie sich von ihm unterscheiden können.“
Der Satz ist mit Sicherheit allemal richtig im Hinblick auf Geschichtsbild und Geschichtsdeutung.
Doch wollen Sie mit dem Satz auch die Existenz des Bösen als real eigenständige Macht bestreiten?

Der_Juergen
22. Dezember 2018 15:34

Das ist kein Kommentar zum vorliegenden Artikel, sondern ein Dank an Caroline Sommerfeld und alle anderen Sezessionisten für ihre hervorragende und aufopfernde Arbeit, die bereits reiche Früchte trägt. Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Übergang ins Neue Jahr, das sich dramatisch ankündigt, jedoch auch viel Grund zur Hoffnung bietet.

Mich wird Sezession auch anno 2019 begleiten.

Andreas Walter
22. Dezember 2018 15:56

Hohoho, sehr geil. Ist wirklich passiert, hoffe ich mal. Klingt einfach (fast) zu bizarr, um nicht eine geniale, aber erfundene Geschichte zu sein.

Jetzt aber müssen diese erlesenen Damen und Herren erstmal "das Licht auf Erden" entfachen, zum laufen bringen, weil sie sonst so ab 2100 in ihren aufgetauten Kyrostaten einfach nur jämmerlich und stinkend verrotten werden.

Doch es ist bezeichnend, dass die Hochmütigen die Idiotie ihrer eigenen Gedanken schlicht und ergreifend nicht erkennen. Die Achillesferse der Selbstüberschätzung. Könnte man daher Hoffnung nicht so leicht verkaufen, diese Leute wären alle so arm wie Franziskus.

Doch all das ist eben der ""American" Spirit", Hoffnung auf ein besseres Leben. Hahaha, darüber gibt es nichtmal einen Artikel auf Wikipedia. Über den Balken im eigenen Auge.

"TEDxWarwick - David MacKay - How the Laws of Physics Constrain Our Sustainable Energy Options", auf YouTube

Leider redet David MacKay nicht über die Kosten. Dann wird das Thema nämlich richtig bitter, sehr ernst, denn Milliarden Menschen glauben heute an den "Amerikanischen" Traum, nicht nur in China. Gut daher, wenn man bescheiden ist, und man jetzt schon seine Kinder und Enkel darauf vorbereitet. Ein frohes Fest daher mit Kartoffelsalat und Würstchen, dafür aber mit ganz viel Liebe im Herzen. Das ist nämlich auch die wahre Bedeutung von Wasser zu Wein verwandeln.

Maiordomus
22. Dezember 2018 20:22

@derjürgen. Auch mich wird Sezession im Jahre 2019 begleiten, zumal die gedruckte Ausgabe, die in der neuesten Nummer abermals gediegen war und im Prinzip eben weit reflektierter als wie es im Blog läuft, in der Tat "rechtsintellektuell" und überraschungsfähig. Ihre geäusserten Wünsche möchte ich absolut teilen und mich denselben anschliessen. Und wie gesagt geht es um eine wenigstens noch teilweise e i n z u b r in g e n de Lebensernte.

clivestaples
22. Dezember 2018 20:36

@cacatum non est pictum

sehr bedauerlich, gerade ihre Beiträge lese ich stets sehr genau und sehr gerne. Keine gute Nachricht zum Jahresausklang. Ich hoffe Sie sind noch kein Fall für das Pflegeheim?
Das Alter der Leute die hier schreiben, kann man abgesehen von den „hauptamtlichen ja doch nur erahnen.
Alles Gute!

Monika
22. Dezember 2018 21:09

Köstlich ! Einfach köstlich ! Amüsant geschrieben. Frau Vita-More, Herr Leon Wieseltier, diese Namen kann man ( nicht/nur) erfinden.
Da hätte man gerne Möuschen gespielt.
Doch jenseits aller Eitelkeiten:
Frau Sommerfeld, ich habe Ihren Beitrag über das Christentum und die identitäre Bewegung in dem Buch "Rechtes Christentum" gelesen und würde darüber gerne mal diskutieren. Vor allen über das "Existenzverständnis" von Identität lässt sich streiten. Bei der Frage, " wofür man bereit ist, sein irdisches Leben zu lassen" kommt man m. E. an dem Buch von Josef Pieper "Vom Sinn der Tapferkeit" nicht herum. Zumindest, was die Denkherausforderung betrifft.

@ Maiordomus
Auch wenn sich die Lebenszeit verknappt, sollte man dies gelassen sehen und nicht in Hektik verfallen. Was ist die noch einzubringende Lebensernte ? Johannes vom Kreuz war es , so glaube ich, der bedauert hat, dass er seine Schriften nicht mehr zu Ende bringen konnte. Weil ihm stöndig etwas Banales dazwischenkam.
Andere haben ein abgeschlossenes Werk hinterlassen und sind vergessen.
Und Jesus hat kein einziges schriftliches Zeugnis hinterlassen..
Ich wünsche allen in dieser Runde ein friedvolles Weihnachtsfest.
(einen Frieden, wie ihn die Welt nicht gibt)
Monika

Mauerbluemchen
22. Dezember 2018 21:28

Utopien verdanken ihr Dasein der Ignoranz.

Nicht anders die Säue des Transhumanismus und dieser offenbar messianischen Singularität, die derzeit mit viel Mediengetöse durch das Dorf getrieben werden.

Nur derjenige, der wenig bis keine Ahnung von Realien wie zB der Mehrfachkodierung der DNS hat (vorwärts, rückwärts, hintenrum und zuguterletzt auch zeitlich; das bedeutet, wenn man eine Vorwärtsinformation ändert oder austauscht, greift man zwangsläufig, aber völlig ignorant auch in die an dieser Stelle rückwärts und auch sonstwie kodierte Information ein), hat die nötige Naivität, um an diese güldenen Berge des Transhumanismus zu glauben. Deren Kryozüchtungen, synthetischen Organe und ihnhänßten Fertigkeiten sollen doch erst einmal vorgeführt werden, bevor da wieder Schalmeienklänge ertönen, wie sie der leidgeprüfte Alteuropäer aus dem letzten Paradies auf Erden 1917ff. kennt. Damals die klassenlose Gesellschaft, heute also der Transhumanismus - funktionieren kann beides aus ganz handfesten materiellen Gründen nicht.

Mit deren Singularität hat es wohl auch dieselbe Bewandtnis; Leute, die aus ideologischen Gründen überhaupt keine Ahnung vom Sein und Wesen des Bewußtseins haben, versprechen sich von mechanischen Maßnahmen wie zB dem Zusammenlöten einer gewissen Menge von Schaltkreisen eine Art synthetischen Messias oder so.

Viel Geld wird für redselige Intellelle und ignorante Wissenschaftler ausgegeben, dabei hat Stanislaw Lem zu diesem Problem mit "Also sprach Golem" aus materialistischer Sicht längst alles nötige gesagt; nach Lem würde selbst eine materialistische Singularität - wenn sie denn möglich wäre - nicht die geringste Lust haben, sich mit Menschen abzugeben und mit solchen Typen wie dieser guttäntievill-Betreibern sowieso nicht.

Caroline Sommerfeld
22. Dezember 2018 21:32

@Andreas Walter: Ist genau so passiert, so wahr mir Gott helfe, und Kartoffelsalat und Würstchen gibt's natürlich bei uns Exilanten.

Laurenz
22. Dezember 2018 23:03

@Maiordomus .... Sie werden immer nur persönlich, geben zwar gerne Empfehlungen ab, benennen aber nie die Fakten. Sie besitzen also nicht mal Grundlagenwissen oder auch nur Halbwissen, wobei gegen letzteres auch nichts einzuwenden wäre, wenn es denn zu einem Erkenntnisgewinn käme. Es ist ihnen einfach zuviel Arbeit, sich auf eine schlichte Argumentation einzulassen. Ich gehe einfach davon aus, daß meine Persönlichkeit sie antriggert. Ich empfehle ihnen, wenden sie sich schlicht der Sachfrage und nicht dem Foristen.

@ Wahrheitssucher ..... das Böse und das Gute sind Teil des Universums. Castaneda bezeichnete das Universum als ein räuberisches. Und das ganz frei von Wertung, es handelt sich um eine schlichte Feststellung. Sind wir nicht selbst kleine Universen? Wir bestehen aus Mio. von Zellen, von denen wir keine einzige mit Namen kennen, und zählen noch Milliarden Bakterien in uns. Wenn der Zellstaat der Leber den Aufstand probt, medizinisch Leber-Krebs, also über den eigenen Selbstzweck hinauswächst, stirbt das Universum meist. Von daher bleibe ich bei Castaneda, der uns selbst als Sinneszellen des "Großen Geistes", im Germanischen "der göttliche Allmacht" sieht. Wir dienen, angeblich, der Bewußtseinswerdung des Universum selbst, egal ob wir mal gut oder böse handeln, universal spielt das keine Rolle, für uns persönlich und den Kosequenzen wohl. Wenn wir von der Frage Abstand nehmen, und beides in uns selbst akzeptieren, brauchen wir uns nicht zu polarisieren, damit vermeiden wir die Erfindung des diametralen Pols, und definieren uns nur aus uns selbst, und nicht, sich in Abhängigkeit bringend, über andere. Natürlich sind wir alle christlich geprägt, und es ist sehr schwer sich davon zu befreien. Von daher erscheint es doch günstig, sich vom Humanismus zu verabschieden, entfremdet er uns doch jeglicher Natürlichkeit. Umso weniger wir von Standards ausgehen, umso klarer werden wir. Ich würde, anstatt "Gut und Böse", aus einem ganz subjektiven Standpunkt heraus, die Termini "günstig und ungünstig" bevorzugen.

@ Sehr geehrte Frau Sommerfeld .... ich kam zu dem falschen Schluß bezüglich Ihrer Konfession, indem ich Ihren Vergleich zu den us amerikanischen Protestanten heranzog. Ich bitte daher um Entschuldigung wegen der falschen Einschätzung. Wobei, wenn man einen Standpunkt außerhalb des Abrahamitismus' einnimmt, es sich völlig gleich bleibt, ob Sie Christ, Jude, Kommunist oder Moslem sind, geschweige welcher Unter-Fraktion Sie angehören. Ist doch im Prinzip dieselbe Soße, philosophisch betrachtet, verwischen die Unterschiede quasi gegen null. Und ich danke natürlich für Ihr ernstes oder weniger ernstes Kompliment. Aber spielt es eine Rolle, ob ich einen IQ von 80 oder 130 habe? Ich denke nicht. Sie lenken ab, da Sie lieber als Gegner von Mephisto damit beschäftigt sind, das Böse zu erschaffen. Liebe Grüße nach Wien.

Andreas Walter
23. Dezember 2018 01:50

https://s3-eu-central-1.amazonaws.com/nexus-institute/wp-content/uploads/sites/2/20180927114423/Nexus-Conference-2018-The-Battle-Between-Good-and-Evil.pdf

Nemesis
23. Dezember 2018 03:21

@Cacatum non est pictum
"Nein, ich werde mich aus privaten Gründen dauerhaft hier ausklinken. Das schließt aber nicht aus, daß ich noch gelegentlich mitlese."

Jeder hat den Weg zu gehen, den er zu gehen hat.
Das mag banal klingen, auf die individuelle Lebenswirklichkeit heruntergebrochen ist es das aber niemals. Für keinen von uns.
Ich wünsche Ihnen viel Kraft für das Kommende; danke daß Sie uns an Ihren Gedanken haben teilnehmen lassen.

Ja, meine These ist, daß die sich vollziehende globale Einebnung der Kulturen vor allem dazu dient, Hindernisse zu beseitigen; Hindernisse, die dem Vormarsch der Hochtechnologie sozusagen als Überbau des Systems im Wege stehen. Deswegen wird offiziell auch von "transition times", Übergangs oder Überleitungszeiten gesprochen.
Diese Art von Hochtechnologie kann aus meiner Sicht nur funktionieren, wenn das Denken der Menschen gleichgeschaltet wird.
Vorgegeben, getaktet, ausgerichtet. Physiologisch-biologische, historische oder individuelle Eigenheiten werden als störende Randparameter zu eliminieren versucht. Daraus erklärt sich aus meiner Sicht auch das, was wir gegenwärtig erleben: der Versuch der Einebnung der Geschlechter sowie der Versuch des Aufhebens der kulturellen Unterschiede.
Dies ist meine Annahme.

Haben Sie sich z.B. schon jemals Gedanken darüber gemacht, inwieweit alleine die Bedienung Ihres Computers Ihre gedankliche Struktur prägt?
Und ich meine hier nicht das sich tägliche Bewegen im www oder die Programmierung Ihres Rechners.
Allein das Ablegen von Informationen auf Ihrem PC zwingt Sie in ein Denkschema, das Ihnen von außen aufoktroyiert wird: Ordnerstrukturen.
Das heißt doch aber nichts anderes, als das unser Denken systematisch einer von außen aufgelegte Struktur unterworfen wird. Das gilt natürlich auch umgekehrt: Diese Art von Technologie kann nur dann funktionieren, wenn unser Denken dieser Technologie und Ihrer Art zu funktionieren unterworfen wird. Wenn das nun weltweit ausgedehnt werden soll, müssen alle Unterschiede biologischer oder kultureller Natur nivelliert werden. Das ist so krank wie es pervers ist.

Was eigentlich schade ist, denn auch diese Art der Technologie hat ihre positiven und und guten Seiten:
Man kann damit z.B. nichtkausale Systeme implementieren, was mit herkömmlicher, analoger Technik so nicht möglich ist.
Um nur ein Beispiel zu nennen.

@Carolin Sommerfeld
Existiert denn ein Videomitschnitt der Veranstaltung? Mich würde die Diskussion sehr interessieren.

"Mittendrin ich, dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Realkontakt mit "der Elite" ist eine heikle Sache, dazu angetan, einen zu korrumpieren."

Mich freut es zu sehen, daß Ihre Intuition intakt ist.
Und darüberhinaus freue ich mich sehr, daß Sie die Herausforderung angenommen haben.

@Maiordomus
"Und wie gesagt geht es um eine wenigstens noch teilweise e i n z u b r in g e n de Lebensernte."

Ich lese sehr gerne Ihre Beiträge und Ihre Anregungen.
Uns wird ja immer wieder verkauft, wir befänden uns in einem Informationszeitalter. Information, aus informationstheoretischer Sicht, ist jedoch eine Nachricht, die mit Bedeutung versehen ist.
Insofern bewegen wir uns eigentlich in einem Nachrichtenzeitalter, da Bedeutung nur aufgrund von Vorwissen erschlossen werden kann.
Sie tragen dazu bei, Vorwissen beizusteuern.
Ich schätze das sehr.

Eine der Särken des Konservativen scheint mir darin zu liegen, daß sie Menschen akzeptieren kann und sein läßt, wie sie sind.

Ich wünsche allen, egal ob christlich, pegan, atheistisch oder anderweitig eine besinnliche und schöne Weihnachtszeit (oder Yulezeit oder was auch immer :))

Michael B.
23. Dezember 2018 13:19

> Information, aus informationstheoretischer Sicht, ist jedoch eine Nachricht, die mit Bedeutung versehen ist.

Das (die Bedeutung) hat sie nun gerade in der Informationstheorie nicht, sie ist einfach eine Menge von Symbolen aus einem Alphabet. Die einzige Bewertung erfolgt in Shannonschen Sinn ueber Statistik/Wahrscheinlichkeit/Entropie.

Maiordomus
23. Dezember 2018 14:13

@Laurenz. Ich habe Ihnen zweimal noch längere Antworten auf Ihre "Fakten" geschrieben, die aber, um die Sache nicht zu episch werden zu lassen, nun mal nicht geschaltet wurden. Klar habe ich im Vergleich zu Ihnen kaum Halbwissen. Ich gestehe sogar ein, ich verfüge im Vergleich zu Ihnen im Sinne einer gefestigten Weltanschauung mit klaren Feindbildern im Idiotenstil eigentlich über gar kein Wissen. Weil man, wenn man sich mit den angesprochenen Themen 50 bis 60 Jahre lang täglich ein paar Stunden befasst und sich sogar in die Archive verirrt, auch ein paar zugegebenermassen weithin nutzlose Bücher je über ein paar hundert Seiten geschrieben hat, lächerlicherweise etwa über Fundamentalismus, dann sollte man eingesehen haben, sogar klarer als die Gegner, was für eine absurde Ideologie das Christentum ist, wenngleich zwar nicht ganz eine Variante des Bolschewismus, wie Sie es als Oberkapazität mit Ihren gewaltigen Grundlagenkenntnissen in dieser Sache formulieren. Das ist hier aber nicht weiter zu debattieren. Wenn sie wollen, können Sie sich im Kreis der Schweizer Sezessionsleser, der sich immer wieder mal trifft auf Veranlassung des verdienstvollen G.d.R. mal zu einem Streitgespräch zur Verfügung stellen, das hier nun mal nicht weiter durchgeführt werden kann. Klar scheint jedoch, dass man sich mit täglichem Quellenstudium nicht bloss von seinen Gegnern entfernt, sondern womöglich erst recht vom eigenen Lager.

Wünsche denjenigen, denen das Licht von Weihnachten etwas bedeutet, und sei es das Licht von Sol invictus oder Mithras oder halt auch das Licht von Jesus, jetzt ein gesegnetes Fest. Bedaure, @Monika, dass die seinerzeit geplante Begegnung mit Ihnen am Wallfahrtsort Hergiswald bei Luzern, wo 200 alchemistisch-mystische Bildtafeln an der Decke prangen, wegen Ihrer dringenden Abreise leider nicht zustandekommen konnte. Jede dieser Bildtafeln scheint mir einen Jahrgang "Sezession" wert oder gar überwert, was ich durchaus als Ehrerbietung und Anerkennung gesagt haben möchte. Wünsche allen zumal ein fruchtbares 2019.

Caroline Sommerfeld
23. Dezember 2018 15:16

@Nemesis: Es wird ein zusammengeschnittenes Video geben, auf der Nexus-Instituut-Seite dann. Ob es unsere ganze Diskussion enthält, wage ich zu bezweifeln.

Durendal
23. Dezember 2018 15:41

Die transhumanistische Utopie beruht auf einem unzutreffenden Menschenbild und wird daher scheitern, wie ein Forscher hier ausführlich beschreibt:
https://aeon.co/essays/your-brain-does-not-process-information-and-it-is-not-a-computer

Monika
23. Dezember 2018 17:47

@ Maiordomus
Lieber Maiordomus !
Noch einmal vielen Dank für Ihren Tipp Hergiswald. Ich war dort und es ist ein ganz besonderer Ort. Die 200 Bildtafeln sind überwältigend und ich habe mir diejenigen rausgesucht, die mich spontan ansprachen. Als u.a. gelernte Chemotechnikerin ist mir zuerst das Destilliergerät aufgefallen ("Reines gebe ich wieder") , die Arche Noah, die Harfe, Die Nachtigall, Der Schirm...
Ja, es gibt viel zu entdecken, aber da reicht die Lebenszeit nicht aus. Nochnals Danke und ein gesegnetes Weihnachtsfest.
P.S.
Im Himmel werden Sie in einer riesigen Bibliothek landen :))

Nemesis
23. Dezember 2018 17:54

@Michael B.
"Das (die Bedeutung) hat sie nun gerade in der Informationstheorie nicht, sie ist einfach eine Menge von Symbolen aus einem Alphabet. Die einzige Bewertung erfolgt in Shannonschen Sinn ueber Statistik/Wahrscheinlichkeit/Entropie."

Das kommt ganz darauf an, welche Informationstheorie und die sich daraus ergebende Informationsdefinition Sie zugrunde legen:
Aus Shannonscher/Nachrichtentechnischer Sicht: ja.
Aus Semiotischer/Informationswissenschaftlicher Sicht: nein (im Gegensatz zum informationstechnischen Ansatz von Shannon wird hier die Fähigkeit des Lernens (und damit der Bedeutung) beim Empfänger einer Information als wichtige Eigenschaft des Begriffs herausgestellt).

Laurenz
23. Dezember 2018 18:48

@Maiordomus ...... wen interessiert, was Trotzki oder Lenin im einzelnen publiziert hatten? Entscheidend ist das, was sie bewirkt hatten, z.B, den polnisch-sowjetischen Krieg mit einem kleinen Mißerfolg (Verlegung der Grenze um ca. 250 KM nach Osten) zu beenden, was aber bleibend dazu führte, daß sich Polen und Weißrußland bis heute um dieses Gebiet streiten. Von daher, bleiben sie dabei, über mich zu schreiben, anstatt über ein Thema. Sie tun mir fast ein bißchzen leid.

@ Nemesis ..... Sie haben die aktuelle gesellschaftliche Lage trefflich und schön formuliert. Eines möchte ich allerdings zu bedenken geben. Die Gleichschaltung von Geschlechtern, das Einebnen von Verhaltensprozessen, wie Heterophobie um Familienstrukturen zu zerstören, und menschliche Bindungswelten abzuschaffen, sind wirklich nicht neu. Die hellenischen Stadtstaaten führten genau um diese Themen viele Kriege, wie auch um die Einführung und Ablehnung des degenerierenden Geldes. Die aktuellen Protagonisten einer sogenannten pseudo-liberalen Herrschaftsstruktur sind nicht von einem neuen Genius beseelt, sie bedienen sich der altbekannten Mittel.

micfra
23. Dezember 2018 20:32

Liebe Frau Sommerfeld,
ich habe Ihren Artikel noch gar nicht gelesen aber alleine einen Artikel von Ihnen gleich zu lesen erfüllt mich mit Vorfreude! Seit Mit Linken leben möchte ich Sie immer wieder lesen!
Ich wünsche Ihnen eine frohe Weihnachtszeit!

Michael B.
23. Dezember 2018 21:23

@Nemesis

> Informationswissenschaftliche Sicht

Na ja, den Status einer Theorie wuerde ich dem Gebilde allerdings nicht zugestehen. Da gilt es die Begriffe m.E. schon mit Feinheit zu unterscheiden. Eine Sicht mag das natuerlich darstellen und aus der heraus kann man dann natuerlich mit Bedeutungen hantieren. Wie bei vielen weichen Gebieten wird es dann allerdings schnell willkuerlich.
Sehen Sie es mir nach, ich stehe halt hier https://xkcd.com/435/ ganz auf der rechten Seite :)

Dabei moechte ich die Diskussion aber erst einmal belassen, sonst bewegen wir uns wieder forentypisch lichtschnell vom Thema weg.

Maiordomus
23. Dezember 2018 22:02

@Wie kommen Sie dazu, mich auf Lenin anzusprechen, von dem doch gar nicht die Rede war? Meine Gastvorlesungen an höheren Schulen über ihn stammen aus den Jahren 1975 und 1983, einmal über Brechts Verhältnis zu Lenin, das andere Mal über den Hintergrund seines Satzes (vor Elektrotechnikern an einer Höheren Technischen Lehranstalt): "Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes". Die letztere berühmte Sentenz, aus dem grossen Elektrifizierungsplan von 1920, als Losung wiederholt beim VI. allrussischen Elektrotechnischen Kongress in Petrograd, ist für das Verständnis der Sowjetunion bis und mit Tschernobyl und noch später grundlegend. Es ist auch keine Kleinigkeit, dass Lenin Stalin riet, pfuschende Elektrotechniker "zu erschiessen", welches Verb dem Georgier zur angemessenen "Deklination" nicht extra beigebracht werden musste. Sinngemäss führte Lenin aus, das kann ich nach Jahren nicht mehr so genau zitieren, bleibt aber eindrucksvoll: Nicht nur das Ziel, auch die Details besser kennen als der Feind!

Das ist wohl nicht der schlechteste Grundsatz, auch über Lenin und Trotzki sollte man sich nicht mit den Hühnerlosungen aus Orwells Farm der Tiere begnügen, in diesen Tagen schon gar nicht, wo in der Schweiz eine heftige Debatte zwischen links und rechts über den Einfluss Lenins auf den Generalstreik von 1918 entbrannt ist. Vielleicht können Sie mal Laurenz, da Sie es gern haben, dass über "Themen" gesprochen wird, darüber ein Korreferat halten, aber wohl doch eher nicht in diesen Spalten, aber sich endlich mal richtig vorbereiten, bevor Sie urteilen. Sie erinnern mich an eine Grüne an einer Tagung am Bodensee, die im Ernst der Meinung waren, Sozialarbeiterinnen und Kindergärtnerinnen seien in Sachen Umgang mit Atomtechnologie kompetenter als Atomingenieure, weil letztere bei ihrem Detailwissen die Sozialkompetenz und die Verantwortungsfähigkeit verloren hätten. Auf die Gesinnung kommt es offenbar an und nicht auf die Details! Für mich war es aber immer selbstverständlich, bei Vorlesungen über Lenin auf die in der DDR gedruckte etwa vierzig bis sechzigbändige deutsche Gesamtausgabe seiner Werke, in der Zentralbibliothek Zürich ausleihbar, zurückzugreifen.

cnahr
23. Dezember 2018 22:56

Der Artikel, auf den Durendal verlinkt, ist sehr lesenswert und grundsätzlich richtig (bin selbst Informatiker). Er deckt indessen lediglich die KI-Seite des Transhumanismus ab. Es ist theoretisch möglich, daß genetische Manipulation einen Übermenschen schneller hervorbringt als die natürliche Evolution. Allerdings sind die Hürden hier ähnlich groß, Genmanipulation steckt noch in den Kinderschuhen. Insgesamt sind Furcht vor und Hoffnung auf den Übermenschen wohl gleichermaßen sinnlos. Wir müssen hier bis auf weiteres mit gewöhnlichen Menschen herumstöpseln.

Cacatum non est pictum
24. Dezember 2018 00:58

@clivestaples

"sehr bedauerlich, gerade ihre Beiträge lese ich stets sehr genau und sehr gerne. Keine gute Nachricht zum Jahresausklang. Ich hoffe Sie sind noch kein Fall für das Pflegeheim?
Das Alter der Leute die hier schreiben, kann man abgesehen von den 'hauptamtlichen ja doch nur erahnen.
Alles Gute!"

Das wünsche ich Ihnen auch! Übrigens vielen Dank für die Blumen. Es freut mich, wenn ich den einen oder anderen Gedankenanstoß geben konnte. Fürs Seniorenheim fühle ich mich mit Ende dreißig aber definitiv zu jung. Und um ehrlich zu sein, möchte ich da - so Gott will - auch später nicht hin.

@Nemesis

Auch Dank und Wünsche von Ihnen retourniere ich hiermit. Wie gesagt: Ihre Thesen habe ich gedanklich abgespeichert. Ich werde sie gewiß immer wieder mit den Entwicklungen abgleichen, die sich so vollziehen. Sich der Wahrheit anzunähern (und mehr als Annäherung gelingt niemandem von uns), ist ein mühsames Geschäft, das leider zu Abkürzungen einlädt. Es kann nicht schaden, eine Sache aus allen möglichen Perspektiven zu betrachten, bevor man über sie urteilt.

Ansonsten allen Sezessionisten frohe Feiertage und einen guten Start ins kommende Jahr. Ich habe hier gern gelesen und debattiert, habe viele Gedankenanregungen bekommen und außerdem tolle Literaturhinweise. Dies ist ein Ort des freien Meinungsaustausches, der seinesgleichen sucht. Möge das auch in Zukunft so bleiben!

Laurenz
24. Dezember 2018 17:43

@Maiordomus .... sie meinten wohl mich mit @ .... Wie ich ihnen gegenüber auf Lenin komme, ist doch recht einfach...Zitat- Fundamentalismus, dann sollte man eingesehen haben, sogar klarer als die Gegner, was für eine absurde Ideologie das Christentum ist, wenngleich zwar nicht ganz eine Variante des Bolschewismus, wie Sie es als Oberkapazität mit Ihren gewaltigen Grundlagenkenntnissen in dieser Sache formulieren. -Zitatende.

Vielleicht lesen sie mal ihren eigenen Texte.

Marx schrieb in seinem Werte-Katechismus "das Kapital" schlicht bei Augustinus ab. Die Marxisten ersetzten Gott durch den Generalsekretär und verlegten das Paradies ins diesseits, das war's schon, im update das Christentum 2.0. Und Marx gehört derselben Volksgruppe an, die schon die Bibel erfand, das sehen Monty Python genauso .... https://youtu.be/bsFzc0wAtFs (Das ist der Grund, warum ich Frau Sommerfeld überhaupt einen Kommentar schrieb.) Der alte Jesus-Trick des Verbots von Privateigentum diente einfach der Aushebelns der Mitbewerber. In Kapitalismus gibt es immer wieder einen unerwünschten Ford, Rockefeller oder Krupp, die einem Schacht oder Morgan in die Suppe spuckten. Das ist im Marxismus nicht mehr möglich, genial einfach. Ich verlasse mich in der Betrachtung des Bolschewismus im wesentlichen auf die Werke des gallo-romanischen Kommunisten Stéphane Courtois & die seiner Mitautoren, das "Schwarzbuch des Kommunismus" und auf "Stalin: The Court of the Red Tsar" von Simon Sebag Montefiore und weiterer ähnlicher Werke, etcetc. und wie zu lesen ist, sie halten sich immer noch mit Belanglosigkeiten auf, bis auf besagte Elektro-Techniker, werden das die meisten Historie-Interessierten ähnlich sehen. In Hitlers mitgeschnittenen Monolog gegenüber Mannerheim im Eisenbahn-Wagon, finden Sie eine kurze treffliche Beschreibung der sowjetischen Industrie, und das entsetzte Erstaunen Hitlers diesbezüglich.

Ruewald
24. Dezember 2018 23:44

Anmerkungen zum Transhumanismus:
Scheint mir eine Ausgeburt von Hybris und Denk-Hypertrophie, ein Luxus analog zu maladaptiven Exzessbildungen in der Evolution (wie Riesengeweihe oder Prachtgefieder mit Flugfähigkeitsverlust).
Große Skepsis gegenüber Menschheitsverbesserungsutopien ist angebracht!
Warum geht man nicht an die überlebenswichtigen Hausaufgaben? Den ungeheueren Scherbenhaufen auf der Welt in Ordnung zu bringen!

@Durandal, @Nahr
Der erwähnte Artikel ist lesenswert. Das Computermodell des Gehirns ist offensichtlich falsch. Hierzu ein Hinweis auf die emergentistisch-materialistische Ontologie des Philosophen Mario Bunge ("Die Natur der Dinge"), der als Naturwissenschaftler sicher kein Technikskeptiker ist: nach seiner Auffassung sind die emergenten Eigenschaften dessen, was wir Denken und Geist nennen, an das materielle biologische Substrat des Gehirns und Nervensystems gebunden. Die Emergenz eines "Innenaspekts" wäre etwa bei einem aus Silizium-Chips bestehenden System kaum zu erwarten.

Nemesis
25. Dezember 2018 14:36

@Laurenz @Maiordomus

Na, da arbeiten sie sich aber ganz schön aneinander ab. Eine Mischung aus unterschiedlichen philosophischen und weltanschaulichen Sichtweisen, gepaart mit unterschiedlichen Persönlichkeitstypen. Und schon krachts im Gebälk.
Nun, auch ich bin kein Freund künstlicher Harmonierungsversuche und eine knackige Diskussion ist allemal interessanter als
eine Veranstaltung in der alle immer der gleichen Meinung sind, aber eine Diskussion zu führen, die allein darauf basiert, daß man
sich unter allen Umständen vom anderen abgrenzt, ist nahezu unmöglich.
Wie wäre es denn, wenn Sie es einfach mal andersrum versuchten?
Wenn Sie erst einmal Punkte suchen, in denen Sie möglicherweise eine ähnliche Sichtweise oder eine Schnittmenge haben?

Was spricht dafür?
1. Eben weil sie aus völlig unterschiedlichen Richtungen zu kommen scheinen, wäre doch die Wahrscheinlichkeit, daß Sie dies aufgrund unterschiedlicher Überlegungen und Begründungen tun, relativ groß. Ein Lernprozess wäre für beide Seiten vorprogrammiert.
2. Es ist zwar eine Binse, aber: Trennendes kann leichter stehen bleiben, wenn man zumindest versucht hat, etwas Verbindendes zu finden.
3. Nur die Flanke beim Anderen zu suchen, in die man dann reingrätscht, endet, außer in Rechthaberei, nirgendwo. Der Erkenntnisgewinn ist dabei i.d.R. Null.
4. Manchmal gibt es wenig bis nichts Verbindendes. Dann ist das halt so. Aber auch die Suche nach etwas Verbindenden kann ja schon verbinden...

Nennen Sie es ruhig Küchenpsychologie, aber ich halte die Küche für einen der wichtigsten Orte.

Und schließlich, wenn gar nichts mehr hilft:
Nutzen Sie doch die Gunst der Stunde die gemeinsame Schnittstelle zu schaffen, indem sie gemeinsam auf mich einprügeln , weil ich mich hier unaufgefordert in ihre Diskussion einmische.
Sie wissen doch: Ein gemeinsamer Gegner verbindet und gibt dem Tag Struktur!
(Ich bestehe allerdings vehement auf ein rein verbales Einprügeln!)
:))

Das bringt mich noch zu einem Punkt,den ich bisher vergessen hatte:

Ich wollte den Veranstaltern (Nexus Institut) und den Teilnehmern der Diskussion für die Einladung Fr. Sommerfelds danken. Auch für ihren Mut der Einladung, denn es ist ja nicht so, daß man um das mediale Getöse bei einer entsprechenden Einladung nicht wüßte.
Manche Dinge muß man einfach auch mal aussprechen.

quarz
25. Dezember 2018 14:53

@ Ruewald

"Das Computermodell des Gehirns ist offensichtlich falsch."

In der Philosophy of Mind ist es jedenfalls bereits seit Jahrzehnten aus der Mode. Nur bei Informationstechnologen, die sich selten mit den Gründen befassen, aus denen dieses Modell (nach einem Boom in den 70er Jahren) inzwischen von so vielen Philosophen verworfen wurde, gilt es nach wie vor als alterativloser letzter Schrei. Wie heißt es doch: "Demjenigen, der als einziges Werkzeug einen Hammer besitzt, erscheint jedes Problem wie ein Nagel."

Laurenz
25. Dezember 2018 16:41

@Nemesis ..... Künstler, Politiker und sonstige öffentliche Personen, so behaupte ich, haben einen verstärkten Hang zum Narzißmus, welcher Ausprägung auch immer, da sind auch Foristen keine Ausnahmen. Wen das mehr interessiert, kann das gut in den Schriften von Heinz-Peter Röhr nachlesen.

(...) Kommentar Sommerfeld: "Ad hominem", um es schön triggernd-intellektualistisch für Sie auszudrücken, wird gelöscht, egal, gegen wen.

Was mich mit Maiordomus verbindet, der Trigger, ist wohl, daß wir beide Worte extrem als Waffe gebrauchen. Diese Methodik dient damit natürlich nicht in unerheblichen Maße auch einem Selbstzweck.
Der Unterschied zwischen uns ist, daß mir mein sozialer Status und mein nicht-intellektuelles Dasein vollkommen egal ist, mir auch keine Kopfschmerzen bereitet.
Es ist doch für Herrn Kubitschek & Co. eine literarische Zwickmühle. Sind die Schreiberlinge des Blogs Sezession nun Journalisten oder politisch geisteswissenschaftliche Sachbuchautoren?
Die Idee zu einem rechts-intellektuellen Blog entstand mutmaßlich wohl mehr oder weniger aus der linken Deutungshoheit, die das Märchen in die Welt setzte, Rechte seien rückwärts gewandt und Holzköpfe. Jahrzehntelang finanzierte der Verfassungsschutz den Deckel von versoffenen Skinheads, die dafür den NeoNazi mimten, was das allgemeine bundesrepublikanische Gesellschaftsbild über Rechte prägte. Was hatten denn jemals NeoNazis mit dem III. Reich zu tun? Genau, nichts.
Quasi aus einer selbst-erfüllenden Prophezeiung heraus, zu beweisen, nicht blöd zu sein, schreiben manche Autoren hier Ihre Artikel (nicht alle), geschwollener als nötig.
Vielleicht ist diese Strategie die richtige, wer weiß das schon.
Ob man sich in einen historischen Zeitgeist hinein begibt oder von den Gedankengängen eines Autoren zur aktuellen Lage treiben läßt, entscheidend ist, wie Rudolf Augstein sagte, zu schreiben, was ist. Entweder ist die Quelle, der Gedanke plausibel, oder eben nicht.
Daß man dann Paradiesvögel, wie Maiordomus zu ertragen hat, die viel schreiben, um nichts zu sagen, ist vollkommen menschlich.

Laurenz
25. Dezember 2018 17:55

@Kommentar Sommerfeld .... das können Sie halten, wie sie wollen. Die Enthemmung, persönlich über andere zu schreiben, andere persönlich zu bewerten und zu richten, wurde unter diesem Artikel nicht von mir initiiert, aber bei mir zuerst gelöscht. Mit Verlaub, das ist ganz menschlich betrachtet, höchst inkonsequent.

Nemesis
25. Dezember 2018 20:21

@Laurenz
"Quasi aus einer selbst-erfüllenden Prophezeiung heraus, zu beweisen, nicht blöd zu sein, schreiben manche Autoren hier Ihre Artikel (nicht alle), geschwollener als nötig."

Das mag so sein. Oder auch nicht. Ich denke aber, daß Sie da ein grundsätzliches Problem ansprechen, was vollkommen unabhängig von einer Links-Rechts Verortung oder von dem Blogg hier (oder anderen) existiert.
Was als geschwollen bezeichnet wird, liegt ja jeweils im Auge des Betrachters. Denn was für die Einen völlig abgehoben klingt, ist für Andere der normale Umgangston, eben weil sich aufgrund von Spezialisierung ein bestimmter Rededuktus herausgebildet hat, der dann von dieser Gruppe als normal empfunden wird. Das hat dann aber aus meiner Sicht eher etwas mit der grundsätzlichen Art und Weise unseres Bildungserwerbes zu tun, als mit dem Spezifikum eines Bloggs.
Wie auch immer:
Ich bin ja nicht dafür verantwortlich, wie andere sich ausdrücken.
Ich kann höchstens versuchen zu verstehen, ob und was sie mir zu sagen haben. Meine Verantwortung liegt darin, daß sich die Meinung die sie sich dabei über mich bilden, nicht meine eigene Realität wird.
Thats simple as that.

"Es ist doch für Herrn Kubitschek & Co. eine literarische Zwickmühle. Sind die Schreiberlinge des Blogs Sezession nun Journalisten oder politisch geisteswissenschaftliche Sachbuchautoren?"
Gegenfrage: Warum überlassen Sie diese Entscheidung nicht Herrn Kubitschek & Co? Vielleicht ist es für sie ja gar keine?

"Entweder ist die Quelle, der Gedanke plausibel, oder eben nicht."
So siehts aus.

"Daß man dann Paradiesvögel, wie Maiordomus zu ertragen hat, die viel schreiben, um nichts zu sagen, ist vollkommen menschlich."
Ich bin mir ziemlich sicher, daß der das genau so sieht - nur andersherum.

Caroline Sommerfeld
26. Dezember 2018 00:12

@Laurenz: Na, "machen Sie nur weiter mit Ihrer bornierten Ignoranz bei garantiert mangelnden Grundlagenkenntnissen" ist sehr herablassend, aber nicht ad hominem, "deine Mutter ..." hingegen sehr wohl. Und nun hört's auf mit dem battle, es gibt wichtigere Kämpfe. Heil und Segen für diese.

Maiordomus
27. Dezember 2018 05:53

@ Ich habe keinen Status, zähle sicher nicht zum Geistesleben meines Landes. Schreibe ich der Neuen Zürcher Zeitung einen Leserbrief, so wird dieser nicht gedruckt. Meine Vorlesung über Lenin von 1975 erreichte damals in einem Wettbewerb um eine Dozentur den ersten Rang: es wurde aber, weil ich politisch nicht ins Kollegium passe, die Stelle neu ausgeschrieben. Auch dort, wo ich dann mal unterrichten durfte, wehrte sich der Repräsentant der linken Lehrergewerkschaft bis zuletzt gegen meine Anstellung. Noch mit 64 Jahren wurde ich wegen Genderkritik als Lehrerfortbildner fristlos und ohne Verteidigungsmöglichkeit entlassen, selbstverständlich hatte ich mal auch eine rein politische Haussuchung. Es war auch ein Grund, warum ich mal gewisse junge Leute, die hier den Identitären nahe stehen, sogar mit der einen oder anderen Warnung versehen wollte. Es ist nicht herablassend, dass @Laurenz keine Grundlagenkenntnisse hat, er hat in diesen Fragen, und wohl nicht nur bei den gnostischen Grundlagen der modernen Ideologien, keine und basta, da würde ich auch einen Alfred Rosenberg schon, vgl. auch die Religionskritik von Feuerbach, Marx, Bloch und Deschner, am meisten Karl Popper, noch als echte Herausforderung einschätzen. Der Verfasser des "Mythos des 20. Jahrhunderts" hat sich mit seinen bis zuletzt durchgehaltenen Überzeugungen als imponierender Heide immerhin hinrichten lassen. Aber mit Vulgär-Rosenberg würde die deutsche Rechte (das ist in keiner Weise das von mir respektierte Niveau von Kubitschek u. Co.) auf den Abfallhaufen der Geschichte gehören und ganz gewiss auch dort landen. Es bleibt dabei, dass diese "Kolonne" die letzten Beiträge zu derlei Debatten enthält, was ich nächstes Jahr weder weiterführen werde noch weiterführen kann. Dabei gab es bisher gewiss nicht nur unfruchtbares Pingpong, einzelne echte schriftliche Gespräche führten zu fruchtbaren Begegnungen. Es reut mich insofern nicht, dass ich ein paar Jahre lang da mitgemacht habe, Aber meine Prioritäten im Neuen Jahr sind eindeutig andere, wobei ich als zahlender Abonnent und Kunde etwa geschlossene Kontakte auf anderer Ebene wohl weiterführen würde.

Stil-Bluete
27. Dezember 2018 20:25

Die obligatorischen 'Frohes-Fest'-Tage sind vorüber, nicht so Weihnachten (das Ende so unterschiedlich wie nirgendwo sein könnte). Geblieben für Christen, Heiden Christen-Heiden, Heiden-Christen - die Raunächte, die, schaut man heutzutage genauer hin, zu Graunächten und -tagen mutiert sind.

So sehr mich das Sommer-Feld in der Winterzeit als 'ein z u weites Feld' anzieht - lasse ich es wie der alte Briest beiseite.

Sondern gebe zu bedenken: Seit dieser Blog formal umgestellt wurde, gibt es geringere Möglichkeiten, auf einen Kommentar erkennbar präzise so zu antworten, dass auch andere Kommentatoren die Dialoge auch ohne Umstände und Umschweife nachvollziehen und auf sie reagieren können.

Wen zwei sich verhakeln, ist es besonders schwierig, den Wortlaut vorangegangener Beiträge präsent zu haben/halten oder wachzurufen.

Weder kann man anrücken, noch kursiv, noch fett gedruckt reagieren. Auch die graue breite Schrift ist ja ermüdend. Von Kommentar zu Kommentar herrscht fortrschreitend Unübersichtlichkeit.

Es bleibt bei (ungenauen, aus dem Zusammenhang gerissenen) Zitaten (von wem?) nicht aus, den Faden zu verlieren.

Raunächte hin, Grautage (und Grau-Schrift) her, ich wünsche mir, dass im neuen Jahr die Möglichkeit besteht, Irritationen, die der Schrift und den Erscheinungs(un)Bilden geschuldet sind, behoben werden könnten.

Das kostet was? Da spende ich gerne.

Guten Rutsch!

Hesperiolus
27. Dezember 2018 23:26

@ Maiordomus

Ihnen ein herzliches und bedauerndes Valet, dessen praeceptoriale Wortmeldungen und belesene Anregungen ich unter den geschätzten Schweizer Stimmen, welche den Kommentarbereich überhaupt lesenswert machen, besonders vermissen werde. Zur Geisterscheidung hinsichtlich gnostischer Häresien, auch zu Steiner und Guenon, wie zu einigen hier einspielenden beachtenswerten Gedanken über die Nouvelle Droite, verweise ich auf den noch zu wenig bekannten Jean Vaquié, dessen Schriften zum Teil ins Netz gestellt sind und hier mit Gewinn zu lesen wären.

Maiordomus
28. Dezember 2018 13:57

@Hesperiolus. Verbindlichen Dank für diesen Ihren Hinweis. Im Gegensatz zu Steiner und Guenon habe ich von Jean Vaquié noch nie gehört. Dass die Anthroposophie, Jahrhunderte vorher schon die mittelalterliche Esoterik bis hin zu Paracelsus, natürlich die Freimaurerbewegung und ohne Zweifel Hegel gnostische Wurzeln haben (selber plädierte ich hier wiederholt für die "Hegelsche Rechte"), zeigt, dass man die Gnosis nicht in Bausch und Bogen verwerfen sollte, so wie nicht generell zum Beispiel den Universalismus, dem man nicht pauschal die Verantwortung für die linke Ontologie in die Schuhe schieben sollte. Was aber bei gnostischen Sekten wie nicht nur dem Marxismus (für Ernst Bloch gehörte derselbe in die gnostische Tradition) zu kritisieren bleibt, ist meines Erachtens die Selbstvergottung des Menschen, Gottlosigkeit als Verwechslung mit Emanzipation, und wie, es Eric Voegelin in seinem Buch "Wissenschaft, Politik und Gnosis" aufgezeigt hat, die dogmatische Errichtung von Frageverboten, was u.a. sogar bei Marx, Engels, Nietzsche, Comte und anderen nachgewiesen wurde. Ideologien und Sekten, auch Religionen, mit Frageverboten bleiben meines Erachtens im höchsten Grade kritisierbar zumal mit ihrer Neigung, zu totalitären Welterklärungen zu entarten.

In einer solchen geistigen Umbruchphase leben wir auch jetzt. Ich hoffe, dass mir noch ein paar brauchbare und öffentliches Interesse findende Publikationen zur deutschen, schweizerischen und europäischen Mystik gelingen. Nicht als Selbstzweck, auch als Herausforderung an den heutigen Zeitgeist mit seinen konstitutiven Lügen und Frageverboten sowie der fortwährend sich noch verstärkenden Ideologisierung des öffentlichen Bildungswesens.

Noch eine Schluss-Bemerkung über den nicht dummen, durchaus auf dem Niveau eines gelehrten Marxisten oder Neomarxisten argumentierenden Nationalsozialisten Alfred Rosenberg: Dass er, teilweise analog zu Ernst Bloch, versuchte, statt auf der Basis dümmlicher primitiver Gottlosigkeit auf dem Hintergrund von Meister Eckhart Religionskritik zu betreiben, war von der Grundidee her nicht schlecht. Die meisten Atheisten haben ja keine Ahnung (das hat Nietzsche schon mit Recht kritisiert), was es überhaupt heisst, gottlos zu sein. Dazu muss man sich nun mal den Meister Eckhart durchaus mal vornehmen oder wenigstens Jean Paul, ohne deswegen eine Sekte zu gründen. Aber man verfehlt die Perspektive der Mystik, wenn man dann aufgrund einer neuen "Gottgläubigkeit" wieder zu einer Ersatzreligion beziehungsweise zu einer "Sozialreligion" (Voegelin) sich verirrt wie "Ubi Stalin, ibi Jerusalem" (Ernst Bloch) oder einem völkisch-nationalen Pseudo-Gedankengebäude wie Alfred Rosenberg.

Noch interessant bleibt für mich, dass ausgerechnet ein Nicht-Christ aus Japan, Shizuteru Ueda, die bis jetzt ideologisch unbefangenste und auf Deutsch klarste Darstellungs-Skizze der Anthropologie von Meister Eckhart gegeben hat in seinem 1965 erstmals erschienen Buch: "Die Gottesgeburt in der Seele und der Durchbruch zur Gottheit - Die mystische Anthropologie Meister Eckharts und ihre Konfrontation mit der Mystik des Zen-Buddhismus", welches Standardwerk nun soeben in einer aktualisierten Neuausgabe im Verlag Karl Alber Freiburg-München 2018 wieder zugänglich gemacht wurde. Erstmals studierte ich das Buch für meine Doktorprüfung 1974. Das kann man nun mal nicht auf Wikipedia-Niveau zusammenfassen. Es ist vielleicht auch nicht unbedingt nötig, den Unterschied und die Gemeinsamkeiten zwischen Zen-Buddhismus und westlicher Mystik kennenzulernen, ausser dass klar wird, dass beide Richtungen nichts mit Bolschewismus oder einem sonstigen -ismus zu tun haben. Es könnte für Freunde und Weggefährten zum Beispiel aus dem mitteldeutschen Raum sich schon als sehr fruchtbar erweisen, sich mal mit dem schlichten Meister und äusserst tiefsinnigen Denker Jakob Böhme zu befassen. Selbstverständlich meine ich das nicht im Sinne politischer Resignation oder gar blossem Quietismus.

Cacatum non est pictum
28. Dezember 2018 19:41

Meine Aussage zum Film "Der Krieg des Charlie Wilson" muß ich noch korrigieren. CIA-Mann Michael Vickers wird dort unter seinem richtigen Namen dargestellt, und zwar von dem Schauspieler Christopher Denham. Er taucht aber nur in wenigen Szenen auf und kann als Nebenrolle eingeordnet werden.

Stil-Bluete
28. Dezember 2018 22:35

Wer könnte all die geistreichen Kommentare mal in einen kommentierenden aufschlussreichen Kon-Text bringen?

Martin Lichtmesz!

Warum sollte er seine Fähigkeit, haarscharf nur die Medien-Landschaft abzugrasen, nur für die Gegenseite einsetzen? Warum nicht mal die eigenen Gefilde, sofern freigegeben?

Maiordomus
29. Dezember 2018 13:16

@Hesperiolus. Noch von allgemeinem, zu vertiefendem Interesse finde ich Ihren Hinweis auf René Guénon, zu dessen besten Kennern in Deutschland der Bundestagsabgeordnete Marc Jongen zu zählen ist, einst Stipendiat der Leopold-Ziegler-Stiftung, mit dem zusammen ich 2014 für einen philosophischen Leopold-Ziegler-Gedenkband einen Essay schreiben durfte. Guénon war tatsächlich sowohl für den Goethe-Preisträger Ziegler (als Nachfolger von Stefan George) wie auch für Gerd-Klaus Kaltenbrunner einer der massgebenden Denker aus einer nicht von der Linken geprägten französischen Tradition. Mein einschlägiger Essay gehört zu den wenigen meiner Arbeiten, die integral im Internet unter dem Titel "Leopold Ziegler - Orientierungsgrösse für geistige Alternative" via das mittlerweile eingestellte Reinhold Schneider Literaturforum noch abrufbar sind.

Hesperiolus
29. Dezember 2018 18:51

@ Maiordomus. Danke für den Hinweis auf das PDF Ihres Essays. Zieglers "Menschwerdung", hier oder im Heft schon von Sezessionisten empfohlen, habe ich leider erst noch zu entdecken, Kaltenbrunners "Dionysius" lese ich aber wieder in den Tagen inter annos. Zu dem genannten Shizuteru Ueda noch etwas, vielleicht als kleine "Gegengabe", gefunden:
http://www.thezensite.com/ZenEssays/Philosophical/Silence_and_Words.html
Die Kyotoer Schule und Fernöstliches darüber hinaus wären ein womöglich lohnendes Angehen, grade im Sinne von "overcoming modernity", umsomehr wenn man denn auch sprachlichen Zugang zu der vorausgesetzten Textwelt hätte. Überhaupt müsste es in der uns weitgehend unbekannten ostasiatischen Antimoderne doch noch eine Menge Reaktionäres zu entdecken geben, mit freilich hohen Zugangsschwellen.
Der angeführte Vaquié ist zwar eher essay-journalistisch, aber anscheinend an thomistischer clarté geschult und in der ma. Exegese zuhause. Nur á propos des Transhumanismus, dekonspiriert er auch gegen eine der scheußlichen anglo-ätzendsten Hydrafratzen: den szientistischen Fabianismus. Dessen wells-sche "open-conspiracy", die Soros ja eigentlich meint.
Für einen wichtigen national-identitären Text halte ich Th. Haeckers "Betrachtungen über Vergil. Vater des Abendlandes", darin besondere den Abschnitt "Das Reich". Während ich mich mit meinen zuweiligen Décontenancen und Indignatio facit-Kommentaren verabschieden möchte, würde ich mich doch freuen, nebst Grambauer und Jürgen hier noch viel von Ihnen zu lesen und zu lernen. Werfen Sie weiter Perlen wie Peuckert auf ausgetrocknete Schwämme. Im Sinne Guenons, "que l´esprit moderne, qui est véritablement `diabolique` dans tous les sens de ce mot", Ihr ortho-reaktionärer Hesperiolus.

links ist wo der daumen rechts ist
31. Dezember 2018 17:51

Mr. Vickers, der liebe Gott, die Geschichte und wir

Zurück zur illustren Runde. Spannendste Figur war fraglos Mr. Vickers, CIA.
Der gute Mann hätte sich doch bloß a'la Robert McNamara entspannt zurücklehnen und in die Debatte werfen können: Well … legt ihr euch mal schön die Welt zurecht, den Rest machen ohnehin wir.
Und dieser Rest nennt sich bekanntlich „Geschichte“.

Klar, daß Mr. Vickers, CIA, alle Fragen ausweichend beantwortet, so auch ad Ho Chi Minh; sein Nachnachfolger wird in einigen Jahrzehnten sagen: Natürlich haben wir Osama Bin Laden gesteuert – und zu den dann aktuellen Ereignissen/Verwicklungen in China genüßlich schweigen...

Denn eines ist sicher: Ex-Agenten seines Ranges sind neben einflußreichen Politikern und Militärs (natürlich in erster Linie der USA und ihrer Vasallen) die letzten Vertreter einer „heroischen Moderne“, die daran glauben, Geschichte „machen“ zu können. Ihre geopolitischen taktischen Winkelzüge wissen sie scheinbar der großen Strategie, eben ihrer Weltmission, unterzuordnen, während es gerade die Taktik ist, die ihre de facto weltzerstörerische Strategie im Zaum hält.

Es wäre doch einmal interessant eine „Verhaltenslehre des Kalten Krieges“ (in diskontinuierlicher Fortsetzung als globaler „Kampf gegen den Terror“) zu entwerfen:
Agenten der untersten Ebene als „Kreaturen“, die als Kanonenfutter geopfert werden, Agenten der mittleren Ebene, die, ohne die großen Entscheidungen zu teffen, genügend Insiderwissen haben und sich als „Duellsubjekte“ lagerübergreifend respektieren, während die Agenten der Kommandoebene am liebsten wie „Dr. Strangelove“ agieren würden, aber die Taktik … (s.o.).

Die Kernfrage zu Jahresende (und eine der Sieben Todsünden des neurechten Diskurses) lautet für mich deshalb: ist es nicht unheimlich anmaßend aus purer Ohnmacht zu glauben, in die Weltgeschicke eingreifen zu müssen. „Wehrhaftes Christentum“ hin oder her.
Denn erstens verkehrt sich ohnehin vieles in sein Gegenteil (s.o.) und zweitens kann absolut niemand, schon gar nicht ein Mr. Vickers, CIA, voraussehen, wie die geopolitische Lage in 50 oder 100 Jahren sein wird.
Ums zu konkretisieren: Vielleicht gibt es dann einen europäisch-russischen Block mit einem türkisch-levantinisch-nordafrikanischen „Hinterland“ (also eine Konstellation, die vor WK1 als deutsch-russisch-osmanisches Bündnis möglich gewesen wäre) als Gegengewicht zu einem von China dominierten asiatischen und einem gesamtamerikanischen Block. Wer weiß es abgesehen vom lieben Gott?

Maiordomus
1. Januar 2019 12:48

"Wehrhaftes Christentum"? Ein jahrtausendealtes Missverständnis, sage ich sogar als Kritiker von allem dummen Zeugs, das beispielsweise vermeintlich kritisch über die Kreuzzüge abgesondert wird. Christus sei nicht der Ordner der Welt, formulierte 1958 der Verfasser von "Winter in Wien", in Nachfolge auch von Reflexionen zum Beispiel von Franz Grillparzer. "Er ist unsere tödliche Freiheit."

Caroline Sommerfeld
1. Januar 2019 14:08

@Maiordomus: Doch wehrhaft! Unbedingt sogar. Ich denke, über die geistige Wehrkraft brauchen wir nicht lang zu diskutieren, diese fehlt schmerzhaft. Nun die äußere, die des Schwertes. Waffensegnungen sind so eine Sache, und die päpstliche Rede an das Heer vor Lepanto ist auch Historie. Doch ist nicht das Gebet für das Eigene, das ja vollkommen legitim ist, auch eines, das beispielsweise der eigenen Armee oder Grenzschutztruppe gelten darf? Gott wird dadurch nicht "instrumentalisiert", er ist sozusagen das prinzipiell Nichtmanipulative und Nichtmanipulierbare. Im Namen Christi die Welt ordnen zu wollen als Menschenkinder kann nur manipulativ sein, doch in Christus weltordnende Kraft zu erkennen, ist doch notwendig, nicht wahr? Dieses Thema muß unbedingt noch einmal separat aufs Tapet kommen!

Maiordomus
1. Januar 2019 15:28

@Aufs Tapet kommen wohl schon, aber eher seminarmässig mit vorbereiteten Teilnehmern als hier im Blog mit elektronisch vorschnell schaltbaren vermeintlichen Belegen und Gegenbelegen.

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