Sezession
9. November 2018

Die grauen Herren

Nils Wegner / 22 Kommentare

Die grauen Herren

Stefan George hat einen gewissen Typus Mensch als »anglo-amerikanische Normalameise« bezeichnet.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Mittlerweile hat dieser sich als drohnenhafter Käfermensch (Bugman) kerbtiergleich weltweit ausgebreitet – und ebenso das Problem an Tiefenschärfe gewonnen.

Da Tiervergleiche in den letzten paar Jahrzehnten ein wenig außer Mode gekommen – wenn auch immer noch lustig – sind, und wir mittlerweile wohl alle im 21. Jahrhundert angekommen sind, hat sich auch das Motiv des hier angesprochenen Menschentypus verfeinert.

Beim Verweis auf die Jetztzeit werden es sicher die meisten schon ahnen: Es geht mal wieder um so ein englischsprachiges Internetding. Wen derlei empört, der höre lieber hier auf zu lesen. Neueinsteiger seien zum Einstieg auf die Grundzüge der memetischen Kampfführung verwiesen, damit wir alle wissen, worum es hier geht.

Nun aber zur Sache: Aktueller Geniestreich und Cause célèbre ist das Mem des "NPC" – verbildlicht in einem kleinen grauen Kerl mit leer starrendem Blick und ausdruckslosen Gesichtszügen. Der NPC ist damit exaktes Gegenteil (und Gegenspieler) seiner zeichnerischen Vorlage, des "Wojak", der für Nachdenklichkeit und Emotionalität steht.

Das Kürzel "NPC" steht in der Terminologie der digitalen wie analogen Spielebranche für Non-player character, also eine Spielfigur, die nicht der Kontrolle eines konkreten Spielers unterliegt. Die Fäden dieser Marionetten bedient der Computer (bzw. in klassischen Rollenspielrunden der Spielleiter), und ihre Interaktion mit dem autonomen Spieler folgt vordefinierten Mustern, etwa durch vorgefertigte Gesprächsverläufe und Handlungsparameter.

Die Entwicklung dieser Spielfiguren hin zum skandalträchtigen Mem, das gleich zu Beginn seiner schlagartigen Verbreitung in den sozialen Netzwerken eine prophylaktischen Gegenschlag von Twitter (samt der mit derartigen Aktionen inzwischen Hand in Hand gehenden "Wehret-den-Anfängen"-Berichterstattung bis hin zur New York Times) heraufbeschwor, läßt sich bis Juli 2016 zurückverfolgen. Im notorischen Aufmarschraum der memetischen Todesschwadronen, dem Imageboard 4chan, meldete sich einer der stets anonymen Nutzer zu Wort:

Ich habe die Theorie, daß es auf dem Planeten Erde nur eine begrenzte Menge an Seelen gibt, die immer wiedergeboren werden. Weil aber die menschliche Wachstumsrate so enorm ist, türmt sich das seelenlose wandelnde Fleisch um uns herum auf – als NPCs, als die absoluten Normalschwuchteln, die selbständig dem Gruppendenken und gesellschaftlichen Trends folgen, um möglichst überzeugend menschlich zu erscheinen.

Dahinter steht mitnichten bloße Kalauerei. Vielmehr sind die oft jugendlichen Digital-Krawallmacher, die sich in diesen Foren tummeln, durch die entsprechenden popkulturellen Einflüsse deutlich theoretischer geprägt, als sie vielleicht selbst wissen.

Bestes Beispiel dafür ist der Film Matrix als großer Stichwortgeber: Nicht nur stammt die spätestens seit 2016 weltweit fest etablierte Allegorie der wachrüttelnden Red pill aus diesem audiovisuellen Philosophiegulasch. Auch die ansonsten eher arkane Metapher von der »Wüste des Realen« (Jean Baudrillard in »Die Präzession der Simulakra«) hat sich vom Film aus bis in die berüchtigtsten Reden geschlichen.

Zumindest geht es dem Redner an der konkreten Stelle um den Film; da er allerdings ein kundiger Leser von Slavoj Žižek ist, wird er die Formulierung auch von dessen gleichnamigem Sammelband her kennen, der wiederum von Matrix herkommt.

Nun also das Mem von den NPCs: Im Grunde ist das das »Habe Mangel an Versöhnung« aller, die sich für ein Leben mit Linken endlich oder immer schon zu schade sind. Die keinen Diskussionsbedarf mehr mit solchen haben, die überhaupt nicht zugänglich für andere Meinungen sind und darauf stets nur mit den immergleichen jammervollen Phrasen reagieren, so als würden sie tatsächlich von simplen Verzweigungen gesteuert – was ein entsprechendes "Bullshit-Bingo" zu einem Spiel mit Gewinngarantie macht:NPC Bingo

Auch die Sprachpfleger-Fraktion kann sich gleich wieder beruhigen – den memetischen Ausbreitungsverläufen entsprechend, haben die fleißigen Mitstreiter von "Rechtstwitter" natürlich längst eine Lokalisation vorgenommen!

NPC in Deutsch

Spätestens jetzt dürfte das Prinzip wohl klar sein. Mit derartigen Gestalten lohnt sich der ohnehin überschätzte "Diskurs" ebensowenig wie in Computerspielen mit den ursprünglichen NPCs, die bei jeder Interaktion dasselbe von sich geben. Wie aber haben die neckischen Figuren es nun geschafft, so schnell einen derartigen Zorn zu erregen, daß ihretwegen zahllose Twitterkonten in den digitalen Orkus verbannt wurden?

Hier laufen zwei geradezu dialektische Erregungsleitungen der persiflierten Linken und Liberalen zusammen, nämlich einerseits das zwanghafte Suchen nach rechten "Codes" (während sie gleichzeitig den Rechten "Verschwörungstheorien" vorwerfen) und andererseits das Beharren darauf, daß die eigenen Positionen ausgesprochen individuell, mutig und besonders seien, weshalb sich jede Verallgemeinerung von allein als "Entmenschlichung" demaskiere (während sie gleichzeitig alles aus ihrer Sicht Rechte – mal ernsthaft: Wer will schon mit Horst Seehofer zusammengeworfen werden?! – über einen Kamm scheren und verunglimpfen).

Die mit diesem Verhalten einhergehende Empörungsspirale reicht schon bis mindestens 2014 zurück, als im Zuge der sogenannten #GamerGate-Affäre das Mem des Social justice warrior (SJW), also des Bestmenschen angloamerikanischen Zuschnitts, so richtig an Fahrt aufnahm. Die damit gemeinten Inhaber oder Verteidiger eines Multiminderheitsbonus liefen Amok, weil sie derart sarkastisch kategorisiert wurden, was natürlich das Trolling nur noch verstärkte.

Dieser hämische Spaß hat das Mem mit Schwung bis in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 hineingetragen, woran der durch #GamerGate bekanntgewordene Milo Yiannopoulos und sein Flügelmann Theodore "Vox Day" Beale einen nicht geringen Anteil hatten; das launig zu lesende SJWs Always Lie des letzteren stellt mit seinen taktischen Regeln für den Umgang mit SJWs übrigens eine wesentliche Vorlage für Mit Linken leben dar.

In der Etikettierung als NPC wittern die (Berufs-)Betroffenen nun abermals eine "Entmenschlichung"...

NPC als Entmenschlichung

... und natürlich "Faschismus", wie könnte es auch anders sein? Seit so ausgeklügelten "Codes" wie der OK-Geste, dem Trinken von Milch und gehäuft auftretenden Klammern wurde ja schon lange keine neue Dog whistle mehr aus dem Hut gezaubert.

NPC als Faschismus

Tatsächlich – und davon legen sie damit selbst beredt Zeugnis ab – geht es eben gerade darum, daß ihnen bescheinigt wird, sich wie willenlose Automaten aufzuführen, die unkritisch alles aufnehmen und wiederholen, womit sie gefüttert werden. (Für das ihnen fehlende objektive Urteilsvermögen hat sich die augenzwinkernde Formulierung Inner monologue etabliert.)

NPC Akademie

Die Reaktion der SJWs/NPCs darauf sorgt nun wieder für die gewohnte Eskalation: Die gängigste Reaktion auf das NPC-Mem neben dem Aufschrei bzgl. Dehumanization ist nämlich, die Benutzer des Mems in fast schon lächerlicher Uniformität schlicht den berüchtigten "russischen Bots" zuzurechnen, die ja bekanntlich erst kürzlich die US-Zwischenwahlen so zugunsten Trumps manipuliert haben sollen, daß nur der Senat betroffen war, das Repräsentantenhaus aber nicht – oder so ähnlich.

Bot Lives Matter!

Nun mag natürlich weiterhin der Vorbehalt im Raum stehen, das alles sei eine reine Online-Veranstaltung ohne jeden Bezug zur erlebbaren Wirklichkeit. Nun, das ist selbstverständlich ein Trugschluß.

Zumal man es gerade als Homo bundesrepublicanensis besser wissen sollte: An erbarmungswürdige Gestalten wie Jan Böhmermann oder Oliver Welke mit ihren immergleichen dummen Witzchen und dem immergleichen Roboterlachen des hippen Publikums dazu (»Also die AfD...« *hahahahaha* »Nein, ernsthaft, BERND Höcke...« *HAHAHAHAHAHAHAHAHAHA!!!*) haben wir uns längst gewöhnt, selbst diejenigen, die aus gutem Grund kein Fernsehen konsumieren. Denn gerade diese einzig mit GEZ-Abgaben künstlich aufgeblasenen Hautsäcke sind es, die auch in allen anderen Formaten bloß des medialen Abglanzes wegen um ihre Meinung zu Thema xy gefragt werden.

So ist der Medienzirkus, aus dem sich die weltweite NPC-"Community" speist, tatsächlich ein in sich geschlossenes, selbsterhaltendes und -referentielles System, wie es schon seit spätestens 1967 absehbar war.

Um diesen "Ringelpiez mit Abschreiben" am Leben zu erhalten, braucht es überhaupt keinen Realitätsbezug mehr – ob es nun tagesaktuell darum geht, daß das Weiße Haus und nicht CNN ein inkriminiertes Video manipuliert habe, oder ob ausnahmslos alle deutschen Medien unisono von Martin Sonneborns wahnsinnig kreativem und witzigem Auftritt »als Stauffenberg verkleidet« bei der Höcke-Lesung auf der Frankfurter Buchmesse berichteten, während jedermann klar sehen kann, daß der etwas chaotische Uniformfundus mit Totenkopf auf der Mütze, Leibstandarte-Ärmelband und Kragenabzeichen eines Hauptsturmführers nicht ganz dazu passen will. Naja, Sie wissen schon, Satire und so.

Abschließend aber noch einmal zu unseren eigenen NPCs: Ein aktuelles, besonders drolliges Beispiel ist das empörte Quieken aus dem wohlfühllinken Feuilleton über die Münchener Buchhandlung Lehmkuhl: Margarete Stokowski, der Fährte des Geldes von der taz zu Spiegel Online gefolgt und dort Große Vorsitzende der Hauptverwaltung Pipikaka-Feminismus und -Antifaschismus, fühlt sich von bedrucktem Papier bedroht. Emanzipation führt heute eben durch selbstbewußten Opferstolz hindurch, und so wird die Auslage von Antaios-Büchern in einer Buchhandlung zu einer "Mikroaggression". Stokowski also möchte ein Zeichen setzen, indem sie ihre Lesung dort absagt (die aber natürlich anderswo sehr wohl stattfinden soll, gibt ja schließlich Honorar!).

Dieses "couragierte" Verhalten löst natürlich die erwartbaren Reaktionen entlang der psychosozialen Algorithmen unserer Zeit und Gesellschaft aus. Ein schönes Beispiel liefert dieser gut ausgesteuerte Automat, dessen gesamtes digitales Auftreten man fast für ein Satireprojekt halten könnte:

Doch Vorsicht: Die Migranten-Margarete – deren Gewäsch in Polen wohl ein weitaus weniger begeistertes Publikum finden würde... – schwingt sich hier mitnichten zur Strippenzieherin auf, sondern hat selbst ihren Platz unter den brav mitblökenden Schäfchen ihrer getreuen Anhänger. Denn natürlich wurde ihr laut der unvermeidlichen Stellungnahme zur Stellungnahme die böse Kunde vom frechen Fascho-Regal in der »linksliberalen (!)« Buchhandlung – ein, nein, zwei Goldene Bednarze! – nur zugetragen:

»Anfang Oktober erzählte mir jemand, dass es bei Lehmkuhl auch ein Regal mit Büchern von rechten und rechtsextremen Autor*innen und aus dem Antaios-Verlag gibt.« (Etwas bemüht um einen direkten Anwurf herumlaviert, ganz so weit reicht die wackere Antifa-"Handarbeit" also doch nicht...)

Stokowski triggert also nicht von sich aus zum Spaß oder aus Überzeugung, sondern wurde zuallererst einmal selbst getriggert und hat dann umgehend die für sie selbstverständliche Empörungskaskade entfesselt. Natürlich hat sie den erwarteten Presserummel bekommen, der ihre Lesetour nun überhaupt erst allgemein bekannt gemacht hat, aber wir sind ja mittlerweile schon so weit, daß Journalisten mit Absicht erstmal Stahlgetwitter provozieren, um sich hinterher in eigenen Artikeln darüber ausweinen zu können...

Insgesamt also ist das NPC-Mem ein aktueller Höhepunkt der Bewaffnung der Memetik, wenn wir es einmal so nennen wollen. Die Überreaktion von Twitter hat deutlich gezeigt, daß die Charakterisierung der hysterisch-histrionischen Medienlandschaft und ihrer ebenso geist- wie seelenlosen Konsumenten als programmierte Monolog-Drohnen ein Volltreffer ist. Nach meinem Kenntnisstand wurde noch gegen kein vergleichbares Mem derart tollwütig polemisiert und vorgegangen, nicht einmal im hitzigen US-Präsidentschaftswahlkampf.

Gerade deshalb kann und sollte der geneigte Leser es sich getrost zu eigen machen, denn schließlich ist es ein nobles (und das einzig sinnvolle) Ziel, den Gegner maximal zu reizen. Man darf gespannt sein, wie ausbaufähig das alles gerade hierzulande noch ist – vielleicht sogar außerhalb des Internets. Werden zur kommenden Karnevalszeit die ersten Bilder von grau kostümierten und angemalten Narren auftauchen, so wie in den USA zu Halloween? Falls ja, dann wären wir auf dem besten Wege dahin, in »Großwestdeutschland« (Henning Eichberg) erstmals so etwas wie subversiven Humor zustande zu bringen.

Und um in Richtung Fräulein Stokowski aus Spaß an der Freude noch ein bißchen nachzutreten, zum Abschluß ein hervorragend zum Thema passendes Video (witzigerweise unmittelbar vor Hochkochen der "Affäre Lehmkuhl" veröffentlicht), zu dessen Beginn die Dame der Fairneß halber ihrer Programmierung ihrem Meningenabsud freien Lauf lassen darf und das in der weiteren Folge allgemeinverständlich aufzeigt, daß so ein Inner monologue doch seine Vorteile haben kann: Film ab!


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.


Kommentare (22)

silberzunge
10. November 2018 20:09

Auf 4chan ist so unglaublich bizarres Zeug zu finden, und war man auch einmal längere Zeit nicht dort, man kann sicher sein, dass beim nächsten Besuch wieder die gleichen Säue durch das digitale Dorf getrieben werden.
Mir macht das, nicht zuletzt auf /pol/, schon immer wieder Spaß, es ist trashig-kreativ und strikt gegen die aktuelle ideologische Ordnung.
Und wenn man den von NW verlinkten ursächlichen Kommentar betrachtet: man möchte den Urheber für sein gewähltes Bild und für den dazugehörenden Text einfach abbussln (no homo).

Simplicius Teutsch
10. November 2018 20:15

Also, die Mem-Wissenschaft scheint mir eine ziemliche Geschwätz-Wissenschaft, anscheinend mit Verbreitung im „sozialen“ Internet zu sein, in Bereichen, wo ich gar nicht hinkomme(n will). Aber sei's drum. Auch schon bisher wurden von unseren nicht digitalen Vorfahren Erkenntnisse und Informationen in Begriffen, Melodien oder (Kult-)Gegenständen (z.B. der Reichsapfel oder das christliche Kreuz) verschlüsselt, um als Wegweiser und Mahnung für menschliches Verhalten über Generationen hinweg zu wirken.

Ein Erkenntnisgewinn bzw. eine Bestätigung meiner gewachsenen Vorurteile (festgemacht an "Memen"?) über die linken Bessermenschen ist der letzte Abschnitt und der Link zu dem SPIEGEL-„Fräulein Stokowski“: „...Sogar das Wort alternativ haben die Fucker uns geklaut...“ - Und ganz erbärmlich wird es, wenn diese „Solidaritäts“-Nudel immer wieder von „Liebe“ zu sprechen bzw. den Rechten abzusprechen beginnt. Man wünscht ihr fast für eine Woche die solidarische, veganische Liebes-Seligkeit auf einer einsamen Insel - ohne böse Wurst essende und Bier trinkende deutsche Rechte - mit fünfzehn aus Deutschland eingeflogenen syrischen oder afghanischen oder nigerianischen Asylbewerbern.

Ein „Mem“, aus meiner eigenen Lebenserfahrung geboren, sind die „Aufstände der Anständigen“. Wer das Gegenteil von Liebe, nämlich schreienden, blödsinnigen Hass erleben will, der muss sich nur mal die zahlenmäßig im Westen immer um ein Vielfaches überlegenen, aufgehetzten jungen(!) Gegen-Demonstrant-Innen zu einer Demonstration von Rechten anschauen.

Kahlenberg
10. November 2018 23:24

Dieses Meme gefällt mir außerordentlich gut. Ich kannte es bisher nicht, und eiskalt serviert vom Autor des Artikels, hat es mich zum, leicht bitteren, Lachen gebracht.
Ich bin wohl kein "Gamer", habe aber auch schon mal ein Konsolenspiel probiert, und mir sind diese synthetischen Charaktere als Teil davon bekannt.
Eben überkommt mich schon wieder ein infantiler Drang, zu Lachen, ich kann mir den Triggerfaktor auf die karikierten Gruppen lebhaft vorstellen ! Es ist wirklich sehr lustig !

Nils Wegner
11. November 2018 09:49

Simplicius,

die instruktive Einführung in die ganze Thematik ist ja nun oben gleich im vierten Absatz verlinkt, es braucht also niemandem die Memetik irgend etwas zu »scheinen«, was sie nicht ist. Wer dazulernen möchte, der hat die Gelegenheit. Sie werden vielleicht überrascht sein, daß es dabei mitnichten um das Internet geht, sondern um so etwas wie evolutionäre Kommunikation bzw. kommunikative Evolution.

Um bei Ihren Beispielen zu bleiben: Die »nicht digitalen Vorfahren« hätten da also nichts transgenerational »verschlüsselt«, auch wenn Erich von Däniken das vielleicht anders sehen mag, sondern die Memplexe Ihrer Zeit (Reich hüben, Reich drüben) in die ihnen zugängliche Symbolsprache gefaßt, die uns heute kryptisch anmutet. Und das nicht aus Sendungsbewußtsein heraus, sondern weil diese kognitiven Einheiten von sich aus zur Ausbreitung "drängen".

In diesem Rahmen ist der notorische »Aufstand« denn übrigens nach wie vor nichts anderes als ein besonders dummer Euphemismus. Der übergeordnete Memplex wäre »die Bundesrepublik«, Submemplex »Zivilgesellschaft«. Ist, vereinfacht gesagt, ein bißchen wie MKHs »Sprache der BRD«, bloß mit wissenschaftlichem Ansatz.

Zarathustra
11. November 2018 11:16

1. Die Idee des Mems ist nicht nur einiges älter als heutige Twitternarren (Richard Dawkins führt sie 1976 in seinem »The Selfish Gene« ein), sondern philosophisch auch viel tiefer als so mancher meint. Der Begriff könnte genauso gut vom »göttlichen Plato« stammen, denn darin wird der gleiche Vorrang des εἶδος (der Gestalt) vor dem Einzelexemplar gedacht wie ihn die Ideenlehre formuliert. @Wegner: Bei einem Mem geht es übrigens nicht primär um eine Kommunikationsform, sondern um eine sich fortpflanzende Verhaltensform, insofern geht es bei der Memetik weniger um die »evolutionäre Kommunikation« als vielmehr um eine »Evolutionslehre der Verhaltensmuster«, worin die Kommunikation als der Fortpflanzungsweg seinen natürlichen Platz hat.

2. Ich rate dringend von verbalen Radikalisierungen wie der entmenschlichenden Bezeichnung des Gegners als »Non Player Character« ab. Denn während WIR dies als Ansporn zum Nachdenken und zum Aufhören mit den immer gleichen Reiz-Reaktions-Schemata beim Gegner meinen, scheut der Gegner nicht davor zurück, uns tat-sächlich zu entmenschlichen und entsprechend zu behandeln (siehe Antifas Taten). Wozu solche Verbaleskalationen führen können, zeigt das Goebbelssche Gerede vom »Coventrieren« im 2. Weltkrieg: Während die einen damit bloß prahlen, TUN es die anderen: Wirklich coventriert wurde nämlich nicht London, sondern Dresden und Hamburg. Wie man so schön sagt: »Speak softly and carry a big stick«, aber nie umgekehrt.

Zarathustra

Nero
11. November 2018 12:33

Ich liebe das NPC Mem.
Es ist deswegen so genial, weil es wahr ist.

Ein weiterer Favorit ist der Cuck und der Golem.
Das sind auch so herrliche Mems die kurz und knapp das Wesentliche beschreiben und offenlegen.
Der Cuck-Rage gegen die Mems kommt hauptsächlich von denen, die es nicht verstanden haben oder die insgeheim wissen, dass es auf sie selbst zutrifft.

Mems wirken unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt. Die Halbwertzeit eines Mems ist allerdings abhängig von der möglichst genauen Annäherung an die tatsächlichen Sachverhalte.

Beispiel:
"Ich bin nicht rechts aber..."

Das ist auch ein bekanntes Mem. Jeder kennt es und es wirkt.

Der ganze Schuldkult ist ein Mem der jedes Jahr neu zelebriert wird um den Sachverhalt möglichst nah erscheinen zu lassen.

@Zarathustra
Meiner Meinung sind sie dem feindlichen Mem von der Dehumanisierung bereits auf den Leim gegangen.

>>Denn während WIR dies als Ansporn zum Nachdenken und zum Aufhören mit den immer gleichen Reiz-Reaktions-Schemata beim Gegner meinen, scheut der Gegner nicht davor zurück, uns tat-sächlich zu entmenschlichen und entsprechend zu behandeln (siehe Antifas Taten). <<

In wiefern schützt es uns, wenn wir sprachlich und stilistisch ungefährlich sind?
Das Urteil wurde schon längst gefällt.

Googeln Sie bitte cuckservative.

Breckert
11. November 2018 12:40

Ich habe mich amüsiert.

Aber, und da muß ich meinem Vorposter "Zarathustra" Recht geben, über den humorigen Aspekt hinaus sollte man das Spiel nicht treiben.
Auch ich sehe da eine Entmenschlichung des politischen Gegners, der in Wahrheit ja gar keiner ist. Denn, und das kann man ja auch dem Eingangsbeitrag entnehmen, die große Mehrheit der Gegenspieler auf dem Feld sind einfach nur getriggert.
Weil sie sich haben triggern lassen. Aus Trägheit, aus Gewohnheit, aus intellektueller Flachheit oder aber auch oft aus Unwissen. Wohl immer eine Mischung aus allem.
Wer aber einmal getriggert ist, ist, wie schon hier gelesen, nicht mehr im normalen Diskurs erreichbar.
Diese Menschen stehen aber nicht grundsätzlich zu ihrer von ihnen öffentlich vertretenen Mehrheitsmeinung, sondern sind durchaus in der Lage, ohne diese Triggerung selbstständige Entscheidungen oder Einschätzungen zu treffen, die in kompletten Widerspruch zu ihrer vorher verlautbarten Meinung stehen.

Machen Sie ein Experiment:
Gehen Sie mit den Forderungen der AfD im Bekanntenkreis herum und befragen sie die Leute nach ihren Meinungen.
Also z.B. die Forderungen nach Reduzierung der Einwanderung, die Rückführung oder auch konsequente Forderungen an die Leistungs- und Integrationsbereitschaft derer, die "nun einmal schon hier sind".
Sie werden mindestens eine einfache Mehrheit von >50% Zustimmung bekommen.
Bei mir waren es sicher zwei Drittel.
Der Knackpunkt dabei aber ist: Sie dürfen dabei die AfD als Initiator der Fragen nicht erwähnen!
Tun Sie das, können Sie sofort mit mindestens 80% Ablehnung rechnen, weil diese Partei erfolgreich massenmedial stigmatisiert wurde.

Ziel sollte es also sein, diese Triggerung aufzubrechen, diese Leute auf den rechten Weg zurückzuführen und ihnen ermöglichen, frei und ohne das Mantra des Linksjournalismus zu entscheiden.

Auf die Frage, wie man das machen könnte, muß ich allerdings den Stab an andere weiterreichen.
Der verbale Diskurs scheidet ja nun aus.

Und wenn jemand der Meinung ist, das hörte sich alles herablassend und menschenfeindlich an; dann muß ich sagen: ja, das ist es auch, wenn man einen normal intelligenten und nicht verblendeten Menschen so behandelt.
Aber die sind dann ja auch nicht das Problem, das es zu lösen gälte.
Es sind die Lemminge, auf deren Unbedarftheit und Naivität auch das dritte Reich basiert hat. Keiner von denen war richtig böse, aber alle haben mitgemacht, weil alle anderen auch mitgemacht hatten.

Darüber hinaus hat mein Menschenbild seit 2015 doch sehr gelitten.
Und mittlerweile verstehe ich auch die Antwort von Peter Scholl-Latour einer grinsenden Moderatorin gegenüber, der er vom Algerienkrieg und seinen Erfahrungen dort mit den Warlords erzählt hat und die ihn fragte, ob er denn mittlerweile an dem "Guten im Menschen" zweifeln würde.
Die Antwort fiel anders aus, als sie und ich erwartet hatten:
"Der Mensch ist nicht gut!"

John Haase
11. November 2018 12:59

@Zarathustra
„Entmenschlichung“ gehört in dieselbe Kategorie wie „Menschenverachtung“ und „Menschenfeindlichkeit“. Beliebig dehnbare Begriffe, die immer nur in eine Richtung wirken. Wer ihnen auf den Leim geht, folgt der uralten konservativen Tradition, sich an die von der Linken aufgestellten Spielregeln zu halten und sich zu beklagen, wenn diese es nicht tun.

Die meisten Beleidigungen sind „entmenschlichend“. Tiernamen, Körperteile, selbst so etwas wie Dummkopf: als wäre der Bezeichnete ein Kopf oder als sei Dummheit seine einzige Eigenschaft. Von dem „braunen Sumpf“, den „Rattenfängern“ oder dem „Basket of deplorables“ muß man gar nicht erst anfangen.

Getroffene Zecken twittern. Die internationale Linke ist ein zerstörerischer, krebsartig-wachsender, alles auffressender Kult und ihre Mitglieder haben sämtlich einen derart schweren seelischen Schaden (oftmals schon am Äußeren zu sehen), daß man sich fragen muß, ob es sich überhaupt noch um Menschen handelt, oder nicht um Hüllen, Roboter, NPCs eben.

Verstehen Sie mich nicht falsch: man muß gegenüber diesen Typen gnädig sein, das gebietet Gott, und für den, der nicht an Ihn glaubt, gebietet das die Tradition. Auch sind längst nicht alle Linken rettungslos verloren. Aber politisch gehören sie trotzdem plattgemacht. Sie sind Schädlinge.

Alles kaputtmachen, dem Gegner auch nicht das kleinste bißchen Vernunft, Wahrheit, Ehrlichkeit zugestehen und dann rumheulen, weil man „entmenschlicht“ wurde - typisch links.

Simplicius Teutsch
11. November 2018 13:21

@Nils Wegner. Ich hätte mich aus dem Mem-Thema raushalten sollen, wenn ich schon kommunikationswissenschaftlich nicht up to date bin. Ich kann Ihnen bzw. dieser Theorie tatsächlich nicht aus dem Stand heraus folgen. Aber ich dachte, ich verstünde Sie wenigstens ansatzweise, wobei ich nur kritisch anmerken wollte, dass für mein eigenes evolutionär geformtes und zur Simplifizierung neigendes Kommunikationsvermögen jene irgendwie schwer verständliche Memetik aber doch wie alter Wein in neuen Schläuchen schmeckt - und ich mir deswegen keine neuen Schläuche kaufe.

-Und eigentlich, das war der Anreiz für meinen Kommentar, ging es mir um die unnachsichtige, ja schon irre Meinungsdiktatur, die das motzige SPIEGEL-Fräulein Stokowski in linksliberalen, demokratischen Buchhandlungen herbeiführen möchte, während sie (ich phantasiere jetzt) am nächsten Abend vor loderndem Symbol-Feuer auf dem Königsplatz in München zusammen mit der üblichen bundesdeutschen Moralprominenz leidenschaftlich für „Vielfalt“ und gegen die menschenfeindliche Bücherverbrennung der Nazis zu Felde zieht.

Dankenswerter Weise haben Sie ganz konkret Manfred Kleine-Hartlage als unser beider gemeinsamen Nenner ins Spiel gebracht. Sein Buch, auf das Sie anspielen, habe ich gerade in die Hand genommen und die Einleitung „Die Sprache der BRD“ neu gelesen. Absolut entlarvend und leicht verständlich auch für mich. Dieses „Lexikon der Unwörter“ müsste als Grundschulung zur Pflichtlektüre für jeden AfD-Politiker oder Rechten werden. Und viele lesen es wahrscheinlich/hoffentlich auch.

Ein beispielhaftes Zitat aus der Einleitung: „Die rhetorischen Mittel dieser Lügensprache sind vielfältig. Da ist die orwellsche Verdrehung vom Kaliber „Krieg ist Frieden“. Man spricht von „Zivilcourage“ und meint demonstrativen Konformismus, von „humanitärer Intervention“ und meint völkerrechtswidrige Angriffskriege, von Staatsraison“ und meint die Hintanstellung deutscher Staatsinteressen, von „Toleranz“ und meint damit, dass Andersdenkende nicht zu Wort kommen sollen ...“

Ergon
11. November 2018 13:40

Für sich genommen illustrieren die an die grauen Herren in Momo erinnernden NPC sehr gut den Kontrast zwischen dem Inhalt der Rede von Buntheit, Verschiedenheit und Einzigartigkeit, und dem performativen Akt, dass genau diese Rede als Massenphänomen in grauer Eintönigkeit und Einförmigkeit entlang vorgestanzter und kaum variierender Phrasen erfolgt. Die als theoretischer Hintergrund ausgezeichnete auf Dawkins zurückgehende und wegen ihrer direkten evolutionstheoretischen Interpretation soziokulturelller Phänomene eher pseudo-wissenschaftliche "Memetik" ist ist aber, genau wie ihre popkulturelle Aneignung im Netz, kennzeichnend für den englischsprachigen Kulturraum. Im Allgemein überschätzen, denke ich, diejenigen, die in eine Subkultur im Netz eingetaucht sind, den, um den Soziolekt selbst zu verwenden, Coolness-Faktor dieser subkulturellen Erscheinungen wie 4chan im Real Life.

Die Herkunft des NPC aus dem Rollen- und Videospielbereich dürfte in Bezug auf die Anschlussfähigkeit hinderlich wirken, werden mit dieser Art der Freizeitbeschäftigung weiterhin Eskapismus, bildungsferne und sozial benachteiligte Gruppen und Gewaltaffinität assoziiert. Zudem, und das wird durch andere "Meme" deutlicher, ist in den USA eines der ausgemachten Ziele des Spotts eine besonders zu Theatralik und Hysterierie neigende Bevölkerungsgruppe, mit beinahe vorhersehbaren Reaktionsmustern, während hier Stokowskis wahrgenomme "Mikroagression" und die Antwort der Buchhandlung "Natürlich führen wir als linksliberale Buchhandlung auch Nazi-Bücher." eher ins Absurde und Bizarre abgleitet.

@Zarathustra Wie ist zwar schleierhaft, wie Sie es schafften, hier einen NS-Bezug herzustellen, zu "Goebbels Gerede" vom "Coventrieren" hätte ich aber gerne ein Quelle, und zwar eine, die quellenkritischen Nachfragen standhält, also insbesondere nicht Klemperer o.ä.. Im Gegensatz zum angloamerikanischem Flächenbombardement hatte Coventry einen militärischen bzw. rüstungswirtschaftlichen Hintergrund.

Weltversteher
11. November 2018 20:19

John Haase,
im Menschen den Menschen zu sehen, steht auf einer viel länger und größer gewachsenen Grundlage, als daß es eine linke Spielregel wäre. Linke schnappen sich jedoch die Dinge, die (herrenlos) rumstehen, zum Mißbrauch.

Zarathustra
11. November 2018 20:41

@Nero
Sie fragen: »Inwiefern schützt es uns, wenn wir sprachlich und stilistisch UNGEFÄHRLICH sind?« Meinen Sie wirklich, daß wir sprachlich GEFÄHRLICHER wären, wenn wir den Gegner als »Non-Player Character« beschimpfen würden? Dann wären die Pöbeleien irgendwelcher Hooligans weit gefährlicher als die ideologiekritischen Werke von Manfred Kleine-Hartlage und Thor von Waldstein oder die gekonnten Zeitgeist-Demontagen von Martin Lichtmesz. Wer jede Ritterlichkeit und jedes Beharren auf argumentativem Niveau als »cuckservative« abtut, tut es sich zu leicht: Zwischen kernloser Kompromisslerei à la CDU und dem Beschimpfen des Gegners als »Non-Player Character« (d.h. auf gut deutsch: als Unmensch) und »Schädling« (wie Ihr Nachredner es tut) gibt es eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten, die Sie ausblenden.

@John Haase
Es geht nicht darum, »sich an die von der Linken aufgestellten Spielregeln zu halten und sich zu beklagen, wenn diese es nicht tun«. Denn erstens sind Anstand und stilistischer Anspruch keine linken Erfindungen (ganz im Gegenteil!), und zweitens BEKLAGE ich mich nicht, daß sich die Linke nicht daran hält: Der intellektuelle Bankrott der heutigen Linke ist so offensichtlich, daß man kaum anderes von ihr erwarten KANN als einen Kampf mit schmutzigen Mitteln.

Ihre Beschimpfung des Gegners als »Hüllen, Roboter, NPCs« sind übrigens eine willkommene Bestätigung für jeden, der seinen blinden Haß auf alles Gediegene moralisch bestätigt sehen will. Für die Unentschlossenen unter den Zeitgenossen aber (und die wollen wir für uns gewinnen, oder?) sind sie der beste Beweis für die Richtigkeit der feindlichen Propaganda. Auf solche »Gefährlichkeiten« können wir gerne verzichten.

Zarathustra

John Haase
11. November 2018 23:44

@Zarathustra
Es ist allerdings eine linke Erfindung, unter mangelndem Anstand alles zu verstehen, was auch nur ein klein bißchen gegen die Linke geht. Das Geheule um Gaulands Merkeljagd ist ein gutes Beispiel.

Ein Unentschlossener, der sich von dem Ausdruck NPC derart abschrecken lässt, daß er in das Lager der Wirsindmehrmenschen geht, setzt sich dem Verdacht aus, so unentschlossen dann doch nicht gewesen zu sein.

Bezüglich des linken Bankrotts haben Sie natürlich recht. Man darf mit der „Entmenschlichung“ auch nicht zu weit gehen, das ist klar. Aber bildhafte Sprache muß drin sein, sonst stirbt man in Sterilität.

@Weltversteher
Da haben Sie recht. Ja ich weiß, widerspricht sich mit meinem Kommentar.

Alveradis
12. November 2018 08:01

In einer von Fremden entworfenen,allerdings durchaus komplexen Spielanordnung zu punkten indem man sich am geschicktesten den vorgegebenen Regeln unterwirft, ist sicher keine befreiende Handlung, sondern nur eine Reaktion auf angebotene Reize.
Entsprechend finde ich das Mem schädlich auch wenn es leider sehr genau das aufzeigt, was auf der rechten Seite zu häufig unter Kampf verstanden wird.
Man wird getriggert, reagiert und wird zum Teil des Spiels.
Das Drehbuch ist allerdings von anderen Leuten
geschrieben worden.

Es kommt nicht darauf an, ob sich Leute in ihrer Rolle innerhalb der Simulation grandios vorkommen, ja sogar viel toller als virtuelle Figuren, die eingebaut sind (also "echte" Bots, die ebenfalls das Netz anfüllen) sondern darauf, dass sie am Faden hängen.

Ausgerechnet einen Hollywood Film zum Stichwortgeber zu nehmen - "red pill"- war auch nicht sehr klug. Innerhalb des Systems geht es unentwegt darum, dass wir entweder die eine oder die andere angebotenen Pille schlucken sollen.
Zu merken, dass man nicht alles schlucken sollte, was einem präsentiert wird, ist sozusagen die "bittere Pille.

RMH
12. November 2018 08:03

Ich persönlich finde derartige Berichte über die Auseinandersetzungen "drüben" und wie sie auch mit dem Mitteln des Internet geführt werden, immer sehr interessant und aufklärend, da ich selber nicht die Zeit und die Lust habe, mich in amerikanische Netzwelten zu begeben.

NPC mit dem grauen Männlein ist nun in der Tat auf den ersten Blick interessant. Die Einleitung von einem der Stichwortgeber zu den NPC, dass er meint, dass es nur eine begrenzte Zahl von Seelen gäbe und das er - selbstverständlich - eine habe, da er die Vorgänge checkt und die NPC eben nicht, ist dermaßen anmaßend und damit auch gleichzeitig wiederum auch abstoßend, dass ich froh bin, dass es hierzulande noch Leute wie "Zarathustra" gibt, die diese Pestilenz des Narzissmus und der Selbsterhöhung sofort wahrnehmen.

Die Welt ist voller Psychopathen, viele davon in führender Stellung. Wer ernsthaft alternativ sein will, der sorgt immer dafür, dass er Psychopathen in den eigenen Reihen keinen großen, tragenden "Rollen" gibt und dass er für den Gegner auch selber interessant ist und bleibt. Daher ist die Matrix Legende, dass jeder nur ein Pillchen schlucken muss, um "Aufzuwachen" deutlich anschlussfähiger. Ja sogar eher christlich, denn die Erlösung ist auch im Christentum universell und nicht an eine Herkunft oder das menschliche Unterscheiden (Du darfst, Du nicht, etc.) gebunden. Man muss also nur die richtige Pille finden … ;)

Michael B.
12. November 2018 12:03

@Zarathustra

Zum Memebegriff. Der Fairness halber - der Autor hat in seinem erwaehnten link (https://sezession.de/59608/meme-kognitive-biowaffen-im-informationskrieg), die wesentlichen Dinge zur Entwicklung des Wortes m.E. noch einmal richtig und ausreichend umfassend skizziert (seine nicht passende Kuerzestdefinition hier verstehe ich allerdings und gerade deswegen auch nicht).
Zur Schwerpunktsetzung hat Dawkins in meiner Erinnerung dem Ganzen aber gar nicht soviel Bedeutung beigemessen, er suchte einfach ein etwas nichttrivialeres Beispiel fuer einen Replikator, nachdem er das ganze erwaehnte Buch hindurch nur mit Genen hantiert hatte. Aufgeblasen hat das erst Ende der Neunziger eine Frau Susan Blackmore (auch oben erwaehnt).
Es sei aber noch einmal hervorgehoben, dass Meme viel mehr umfassen, als ein paar Netzschnipsel - eigentlich fast jedes gedanklich moegliche Artefakt. Ganze Religionen, Ideologien, Moden, aesthaetische Kategorien, whatever. Alles eben, was in diesem Bild um das limitierte Substrat Gehirn kaempfen kann und - als Voraussetzung - allgemein kommunizierbar ist.

Den NPC haenge ich persoenlich nicht so hoch, um Kategorien wie Entmenschlichung heranziehen zu muessen. Er gehoert m.E. einfach zu den Analoga aus dem Sprachgebrauch des Publikums, an welches es gerichtet ist. Als solches hat er treffende und - speziell fuer Leute, die damit eher selten umgehen - unverstaendliche, auch wie hier zu sehen fuer manchen verabscheuungswuerdige, und wie jedes Bild sicher auch unzutreffende Bestandteile. Die letzteren der genannten Attribute sind aber sicher auch dann nicht deckungsgleich.
Es kommt wohl eher auf die Verhaeltnismaessigkeit und durchaus auch die beabsichtigte Wirkung in Inhalt und auf die Zielgruppe gesehen an. Und da kann man dann schon abgekuehlter darueber reden.

bb
12. November 2018 13:02

Jetzt hört doch auf uns den schönen NPC-Meme madig zu machen. Er verkörpert perfekt den politischen Analphabetismus der Massen. Dafür war er gedacht und die Geschichte dahinter entspringt wohl kaum dem Menschenhass, sondern dient eher dazu, ihn durch eine kontroverse Theorie abzurunden, damit der Thread nicht sofort stirbt.

An die Christen hier: NPCs sind biblisch. Man denke an die Kreuzigung Jesu, die ohne NPCs nicht in dieser Form hätte stattfinden können.

„Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.“

Verwendet Jesus selbst nicht schon den NPC-Meme?

heinrichbrueck
12. November 2018 14:38

Staaten als NPCs. War es dem Reich möglich, hatte es eine Alternative, dem 1. WK aus dem Weg gehen zu können; und wenn ein unmögliches Ja herauskäme, als was?

Franz Bettinger
12. November 2018 18:59

@Nils Wegner: Kann man das sperrige und für mich nicht nur schwer- sondern auch miss-verständliche Wort NPC nicht besser und einfacher mit Statisten (und im weiteren Sinne dann als Mitläufer) übersetzen?!

Franz Bettinger
12. November 2018 19:09

@Nils Wegner: ... und ist ein Mem nicht einfach bloß ein meist berechtigtes Vorurteil? Ich verwende ja selbst gern Anglizismen und Gallizismen und Schnipsel aus anderen Sprachen, wenn diese schön eingängig oder doppelsinnig sind (wie "Handy", "sorry" und "voilà"). Aber man kann's übertreiben, und Rätselraten tue ich überhaupt nicht gern!

Wegner:
Lohnt sich aber hin und wieder durchaus, etwa um am Ende festzustellen, daß just "Handy" ein genuin und ausschließlich deutsches Wort ist... Es soll ja auch Leute geben, deren Seelenheil an Abscheulichkeiten wie "Lichtscheibe" und "Gesichtserker" hängt. Wer's mag, kann's vermutlich haben – aber nicht von mir.

Zumal bei Themenfeldern, in denen die Verkehrssprache nun einmal Englisch ist, kann man ruhig mal wagemutig über seinen Schatten als wackerer Sprachwahrer hüpfen. Ein wenig Lockerheit (nicht: Schlendrian) hilft sicher auch beim "Gewinnen" Außenstehender, so wie Zarathustra oben das möchte.

Und hinsichtlich dessen, was ein Mem ist und was nicht: Auf den Grundlagenartikel zum Thema ist oft genug verwiesen worden.

Franz Bettinger
15. November 2018 22:17

@Nils Wegner: Schade, dass sich keine anderen Foristen zu meiner Frage geäußert haben. Ist sie so uninteressant? In meinem Gehirn sind während des Lebens (obwohl der englischen Sprache mächtig) keine Assoziationen zu den Worten NPC und Mem vorhanden, ich müsste bei diesen Vokabel stets in die Schublade des Auswendig-Gelernten greifen, was ich immer nur sehr ungern tue, und meistens ist es auch nicht nötig, denn oft gibt es eine passgenaue deutsche Übersetzung, und ich glaube sie mit Statist und Vorurteil gefunden zu haben. Ich bin wirklich kein wackerer Sprachprüfer und locker genug, mit Galli- und Anglizismen umzugehen. Viele davon sind nicht nur brauchbar, sondern geradezu schön oder handy (dt: handlich). Und dass die Angelsachsen unser famosen Handy nicht in ihre Sprache überführen, wundert mich gelinde gesagt, denn der Pun, die Doppelbedeutung, ist reizvoll. Die Worte NPC und Mem gehören für mein ästhetisches Empfinden allerdings nicht in die Kategorie des Nachahmenswerten. Okay, lassen wir das; ist vermutlich Geschmacksache. Nur eins wüsste ich gerne von Ihnen als Kenner der Materie: Sind meine zwei deutschen Ersatz-Wörter 'Statist' und 'Vorurteil' dienlich oder gar zutreffend? Wenn immer ich NPC und Mem lese und gedanklich durch Statist und Vorurteil ersetze, kommt Sinn heraus. - Gehen Sie mal vorurteilsfrei an meine Frage heran, Herr Wegner. ;-)

Franz Bettinger
18. November 2018 09:09

@Nils Wegner und ganz allgemein @Mem und NPC:
Sagt mal, liebe Foristen, steht ihr alle auf dem Schlauch? Oder etwa ich? Kann mir mal einer sagen, was das Wort Mem hat, was das Wort Vorurteil nicht ebenfalls und viel besser hat? Ist "Mem" etwa das präzisere oder schönere Wort? Nein. Es ist ein nichts-sagendes Angeber-Wort. Ich falle ja selten aus der Rolle, aber jetzt leiste ich's mir mal: Mem isn't even understood in the english speaking world of normal people. Prejudice is. So, what's the fuck! Get real! Dasselbe gilt für NPC (Non-Playing-Characters). Engl: super-numeraries, tumb actors, bystanders !! Das sind Statisten oder Mitläufer. - Da von Nils Wegner wohl nichts Aufbauendes oder Erhellendes mehr kommen wird, am besten das Bade-Handtuch werfen. Vielleicht vorher noch aus Gründen der Hygiene und Freundschafts-Pflege meinen letzten Post löschen.

Wegner:
Nö nö, das kann ruhig jeder sehen. Man soll ja bekanntlich auch und vor allem im Internet nur von sich geben, wozu man auch steht.

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