Sezession
1. Januar 2019

Rechenschaftsbericht 2018 (III) – Mai bis August

Götz Kubitschek / 36 Kommentare

Oft werden wir (nicht nur von Journalisten) gefragt, welche Lektüre uns prägte und welche Bücher wir in den vergangenen Monaten lasen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Die Antwort, die ein Rechter auf die Frage nach seinen erlesenen Grundlagen geben wird, ist ohne Zweifel grundsätzlich weit weniger selbstsicher als die eines Linken: Wir haben kein so zentrales Gestirn wie die Gegenseite ihren Marx, wir pflegen keine Leseverwegenheit, indem wir eine vergleichbare Figur wie Lenin unter seinen Greuel- und Schandtaten herausklaubten und am Ende gar seine eliminatorische Formierungspolitik für ein nicht ganz so schlimmes Übel hielten.

Die Lektürezugänge zur Rechten sind schillernder eingefärbt. Aber natürlich schält sich am Ende ein Kanon heraus, der zum Teil sicherlich im 2. Band des von uns verlegten "Staatspolitischen Handbuchs" exemplarisch aufgefächert ist. Aber darüber hinaus hat jeder von uns (und das sind wirklich viele mittlerweile!) einen ganz eigensinnigen Stapel aufgetürmt.

Wenn ich darüber nachdenke, auf welchen Begriff der rechte Umgang mit dem Buch zu bringen sein könnte, komme ich seltsamerweise auf das Wort "Freiheit". Seltsam ist das deshalb, weil ich (seit ich politisch denken kann) der Meinung bin, daß zuviel Freiheit weder schöpferisch oder persönlichkeitsprägend, noch ordnungsstiftend oder gerecht sei.

Dennoch also Freiheit: Wir sind privat und öffentlich freier in der Wahl unserer Lektüre als die Linken, und vor allem freier und weniger gefährdet, wenn wir über unsere Lektüre Auskunft geben sollen: Wir können Linke, Rechte, Liberale, Anarchisten, Etatisten, Faschisten, Bolschewisten lesen und von dieser Lektüre berichten, ohne daß jemand aus "unserem Lager" darin eine Grenzüberschreitung sähe.

Ein Linker hingegen muß heute einen halben Eiertanz aufführen, wenn er mit einem Buch aus unserem Milieu erwischt wird. Er muß dann sofort den Nachweis erbringen, daß er es entweder nur aus wissenschaftlichem Interesse oder als professioneller Nazijäger gelesen hat, und nicht selten wirken diese armen Würstchen dabei wie jemand, der behauptet, er schaue sich Pornos bloß an, um sie auszuwerten.

Ich jedenfalls sehe den Linken und der von ihr durchdrungenen Zivilgesellschaft recht gern bei jenem Vorgang zu, über den ich unter der Überschrift "Selbsterdrosselung" Mitte des Jahres einen Text geschrieben habe. Hier ist er.

Die Monate Mai bis August waren Lektüre- und Konsolidierungs-, Klärungs- und Vorbereitungsmonate. Sie bescherten uns zunächst ein neues, wichtiges Format: "Aufgeblättert. Zugeschlagen - Mit Rechten lesen" konnte nach einem Entwurf von Kositza und mit einer sofort begeisterten Susanne Dagen als literarisches Trio umgesetzt werden, denn zu jeder Sendung stößt ein literarisch interessierter Gast dazu. Am 8. Mai war Auftakt mit Caroline Sommerfeld und drei Büchern, insgesamt kam das literarische Trio auf fünf Folgen bis zum Jahresende. Hier kann man sich einen Überblick verschaffen.

"Aufgeblättert. Zugeschlagen" ist nicht als PR-Format entworfen worden. Das ist für das Verständnis dieser Sendungen wichtig: Kositza und Dagen sind begeisterte Leserinnen. Das bedeutet: Sie lesen nicht, weil sie lesen müssen, sondern weil sie gerne lesen und wiederum beide das auch unternehmerische Zeug dazu haben, lesen und Lektüre zu vermitteln zu ihrem Beruf gemacht zu haben - die eine als Literaturredakteurin der Sezession, die anderen als Buchhändlerin nebst angeschlossenem, literarischem Kulturzentrum in Loschwitz.

Ich bin jedesmal und immer sehr gern dabei, wenn Dagen und Kositza ihren Gast in Loschwitz begrüßen, während die Filmleute das Buchhaus in eine Filmkulisse verwandeln. Jedesmal geht es am Kaffeetisch um kulturpolitische Fragen, um die Lage im Land und um den nächsten bürgerlichen Feigling und einen weiteren Tapferen, den wir in unserer Mitte begrüßen dürfen, weil auch ihm nun endgültig der Kragen geplatzt ist aufgrund der ganzen Verlogenheit ringsumher.

Und natürlich geht es dann um Bücher, um Entdeckungen, Enttäuschungen, und manchmal denken wir im Nachgang, wir hätten einfach mitten auf dem Tisch ein Mikrofon platzieren und ein paar Kameras rundum aufstellen sollen - keinerlei Künstlichkeit, großartige Gespräche, Feuilletonpräsenz, und am Rand ich, zuhörend und mit einem Fächer aus Pfauenfedern dem Trio Luft zufächernd, im trockensten Sommer meines Lebens.

Staubtrockene Bürowochen, Konsolidierungsmonate! Wer nicht wissen will, wie es im Maschinenraum eines Verlags und einer Zeitschrift zugeht, sollte nicht nachfragen. Wir haben binnen weniger Monate die Strukturen bei laufendem Betrieb sozusagen entkernt, ohne daß auf der Fassade sich ein Riß gebildet hätte. Danach wurde der Innenraum saniert und - mitten in der Nacht gegen Ende des Sommers - verdrahtet und hochgefahren.

Wer danach dann als Verleger in Richtung Berlin fahrend den auf dem Beifahrersitz mitreisenden Systemadministrator dabei erlebte, wie er am Mobiltelefon einer mittelschweren Attacke auf einen unserer Server verfolgte und live erläuterte, warum sie an unserer neuen Struktur zerschellen mußte, hatte zwar noch immer keine Ahnung von diesen Dingen, kam sich aber so vor.

Klärungsmonate aber auch jenseits der Verlagsarbeit: viele Gespräche mit AfD-Politkern, mit den Protagonisten von örtlichen und überregionalen Protestbewegungen, mit bewährten und möglichen Autoren, mit Wissenschaftlern, die sich um die neue AfD-Stiftung zu sammeln beginnen, mit Verleger-Kollegen, mit Blog-Betreibern, mit Intellektuellen aus den anderen Lagern, die (ich beschrieb es oben) sich nie mit einem Antaios-Buch in der Hand erwischen lassen würden, aber insgeheim alles lesen, undsoweiter.

Unsere Leitfragen sind in solchen Gesprächen stets dieselben: Ist der Ernstfall (also der Verteidigungsfall der eigenen Kultur) in Deutschland ausgeschlossen? Wenn nicht: Wann, wenn nicht jetzt, wäre eine resolute und konsequente Reaktion angemessen? Und zuletzt: Wie kann es gelingen, die für einen "Aufstand für das Eigene" notwendige Energie zu wecken und zu bündeln?

Ich habe nach den empörten Reaktionen in Kandel, nach der Widerstandswelle in Cottbus und angesichts der "Einzelfälle", die sich aneinanderreihen wie die Perlen einer Kette, diese Fragen in einem Blogbeitrag gestellt. Mit Bazon Brock und Peter Sloterdijk stand dabei das Analysebesteck zweier Denker bereit, die sich über den "ausgeschlossenen Ernstfall" freuen und auf ihn zu arbeiten. Fünf Stufen der Bändigung und Zivilisierung konnte ich referieren, aber eines (das Entscheidende!) bleibt bei Brock wie Sloterdijk unausgesprochen:

Wir befinden uns nicht in einem geschlossenen System, in dem man sich rückhaltslos über die Niedrigspannung unter den Mitmenschen freuen könnte (weil es einfach nicht mehr zu Schlägereien, Foulspiel beim Fußball oder Einzelfällen kommt). Vielmehr dürfen wir dem seltsamen Umstand zusehen, daß dieselben Leute, die ihre Söhne nicht mehr mit Soldaten spielen lassen wollen, den Zustrom hunderttausender junger Männer aus Kulturen beklatschen, in denen der Kampf um das bißchen Lebenschance zum Alltag gehört und an der Grenze nicht schlagartig verlernt wurde. Man kann das hier nachlesen.

Aber dennoch funktionieren wir alle weiter wie Maschinen und halten ein hochkomplexes Gemeinwesen in Gang, dessen Früchte Jahr für Jahr gründlicher und schamloser von Leuten verprasst wird, die keine Dankbarkeit kennen, selbst kein Plus erwirtschaften und darüber hinaus unser Schlechtestes wollen (ich meine damit nicht die Ausländer, sondern unseren politisch-medialen Komplex samt angegliederter Zivilgesellschaft).

Weil dann, wie in Chemnitz geschehen, der Unmut der Bürger einmal wirklich hoch- und sogar ein klitzekleines Bißchen überkochte, konnte sich dieser Komplex sich selbst und den Unentschiedenen ein Feinbild konstruieren und eine Chiffre formulieren, die wie Codes funktionieren. "Sachsen", "Chemnitz", "Hetzjagd".

Darf ich die Gespräche zusammenfassen? Wir suchten nach einer Antwort, fanden aber keine. Die Begriffsfindungspräzision, die Erklärungsschärfe, das Auffindungsnetz - unser Milieu (im weitesten Sinne) hat alles, kann alles, weiß alles, um Kampagnen gegen die Schwätzer, Lügner, Lückner und Deppen der Gegenseite zu fahren; aber hat es einen Entwurf von effektivem, entschlossenem, aufräumendem Regierungshandeln, eine Vorstellung vom Härtegrad des Durchgriffs? Oder denken wir mittlerweile, daß nach Wahlerfolgen eine ganze Gesellschaft im 30-, 45- oder 90-Grad-Winkel abbiegt und einfach alles ein bißchen oder ziemlich richtiger mache?

Keine Klärung also, bis Ende August keine Klärung, aber Vorbereitungen auf den Herbst, auf die Herbstmesse, das Herbstprogramm, den Bücherherbst und das Dieselfahrverbot, während wir das seltene Privileg besitzen, dem Untergang des Abendlandes als in die Bühnen-Show integrierte zusehen zu dürfen.

Das Abendland versammelten wir Mitte August zu einer der schönsten Akademien, die wir in Schnellroda bisher erlebten. Aus Rumänien, Serbien, Kroatien, Ungarn, Österreich und Dänemark waren Referenten zu Gegenbesuchen angereist (wir hatten in den vergangenen drei Jahren jedes dieser Länder wiederum zu eigenen Vorträgen bereisen können). Wir ließen über diese Europa-Akademie einen Film drehen, hier ist er.

Die vier inhaltsreichen Tage bestätigten unseren Eindruck: Die Schere öffnet sich zwischen den Ländern, die ihre angestammte Kultur und Lebensart noch verteidigen wollen und denen, die zwischen dem Ich und der Menschheit keine Größe mehr akzeptieren wollen.

Einladungen, nach Budapest oder Zagreb zu ziehen und den Verlag von dort aus zu betreiben, selbstverständlich verbunden mit einem Ferienhäuschen am Plattensee oder an der Adria.

Freunde, sagten wir, Freunde: Wir haben doch auch unseren Osten!


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (36)

Ein gebuertiger Hesse
2. Januar 2019 16:20

"... während wir das seltene Privileg besitzen, dem Untergang des Abendlandes als in die Bühnen-Show integrierte zusehen zu dürfen."

Womit eine der krassesten Perversionen des heutigen Alltags im Lande benannt ist. Gab es das ein solches Phänomen eigentlich schon einmal? Die Indianer in den Bühnen-Shows von Buffalo Bill & Konsorten haben ihre Selbstzersetzung wenigstens nicht sehenden Auges mitinszeniert, sondern wurden von den Siegern als Verlierer-Staffage vorgeführt. Wir (bzw. nicht WIR, sondern der, wie GK es treffend ausdrückt, "politisch-mediale Komplex samt angegliederter Zivilsgesellschaft") vollführen diese Selbstbespeiung dagegen fortlaufend. Was ist da eigentlich los? So lange ein - durchaus psycho-analytisch auf die kaputte Kollektiv-Seele hin zu betreibendes - Verständnis dieser elementaren Schädigung nicht erbracht ist, sind alle Hoffnungen auf eine Gesundung womöglich vergebens.

Breckert
2. Januar 2019 17:45

Richtig, richtig, richtig...........alles richtig.

Aber ehrlich; mittlerweile kommen mir die Gesprächskreise in konservativen Zirkeln wie Altherrenrunden mit Skat vor.

Oder wie ein Schock Philosophen, die in geselliger Runde auf dem Oberdeck der sich schon bedenklich neigenden Titanic sitzen, und darüber sinnieren, wie lange das Abrauschen in die Tiefe bis zum Aufschlagen des Schiffskörpers auf dem Meeresboden dauert.
Und ob dabei die Konfession des Kapitäns eine Rolle spielt.

Gebraucht werden aber Leute, die die Frauen und Kinder nach oben, an die Reling, bringen. Und andere, die sich um die Rettungsboote kümmern.
Und, wenn möglich, eine suizidal veranlagte Truppe, die versucht, mit dem Schweißgerät nach unten zu kommen, um zu retten, was zu retten oder wenigstens zu verzögern ist.

Ich bin zwar längst dem Revoluzzeralter entwachsen, aber die physische Tatenlosigkeit, die sich hinter geschliffenen, aber gleichwohl wohlfeilen Redewendungen an allen konservativen Orten im Web versteckt, enttäuscht mich doch sehr.

Seit nunmehr drei Jahren warte ich auf irgendwelche Strömungen, denen man sich aktiv anschließen kann.
Stattdessen haben die Seiten, die dem Mainstream entgegenstehen, den Charakter von Debattierclubs, deren schlußendliche Meinung niemanden mehr interessiert.

Man möge mich nicht falsch verstehen.
Ich lese hier jeden Beitrag mit Sorgfalt, Interesse und überwiegender Zustimmung und möchte an dieser Stelle auch explizit den Dank an die Autoren dalassen, aber das kann es doch wohl nicht gewesen sein mit der konservativen Alternative?
War das jetzt alles?

Oder kommt da noch was?

starhemberg
2. Januar 2019 18:26

Ein schöner, beruhigend wirkender letzter Satz. Sogar mit Ausrufezeichen. Klingt mir doch recht stark nach - "wir lassen uns nicht unterkriegen oder vertreiben". Damit beginnt für mich das neue Jahr mit einer sehr positiven Meldung. Danke nochmal für alles, Herr Kubitschek, auch wenn ich gar nicht weiß, was dieses "alles" beinhaltet. Sie sind unverzichtbar.

micfra
2. Januar 2019 18:30

Köstlich, Herr Kubitschek! Und tolle Kinder haben Sie erzogen!

richard4
2. Januar 2019 18:34

diese frage stellte ich mir öfter: "aber hat es [unser Milieu] einen Entwurf von effektivem, entschlossenem, aufräumendem Regierungshandeln, eine Vorstellung vom Härtegrad des Durchgriffs?"
als wohlwollender, manchmal schwankender Aussenstehender der "szene", hätte ich das gerne beantwortet. Kubitschek z.b, als Innenminister, ausgestattet mit einer parlamentarischen mehrheit. was würde die neue Rechte tun/politisch umsetzen? - Vosgerau hat mal gesagt, wir können den derzeitigen zustand nicht zurückdrehen, ohne die menschenrechte zu verletzen.

Gast auf Erden
2. Januar 2019 19:48

Was mich die Tage auch beschäftigt: Reden und Klären der Fakten und Ansichten mit möglichst vielen Zeitgenossen des gesamten Spektrums, ich glaube, das tun Sie wirklich. und dann lese ich bei "Tichy" die Sequenz von Herrn Gadamer
>... Ich habe auf der Frankfurter Buchmesse versucht, mit Götz Kubitschek, dem Verleger des Antaios Verlags zu diskutieren. Ich habe nur Achselzucken geerntet, seine Mitarbeiter waren sogar aufgebracht über meine Gegenargumente.<
Sowas verstört dann ein wenig, wenn man denkt, wir "Guten" auf der "rechten Seite des Grabens" müssten uns im Groben einig sein, da wir doch wissen, worum es geht. Aber nein, noch'n Graben und noch'n Graben. - Und: waren die "Mitarbeiter" aufgebracht? Kann ich mir kaum vorstellen (so wie ich sie kennengelernt habe), denn der Wunsch/Wille zur Wahrhaftigkeit sollte doch gelassen machen...

Caroline Sommerfeld
2. Januar 2019 21:00

@Gast auf Erden: Och wissen Sie, das kommt sehr darauf an, wie und was der Mann mit dem Nick "Gadamer" denn konkret vom Verlag wollte. Ich für meine Person habe gelassen auf Studenten reagiert, die unser Buch kritisierten und dann signiert und geschenkt haben wollten, Leute, die uns für "kontrollierte Opposition" halten, völlige Nichtchecker des Loci-Manövers, die darob wütend wurden, daß sie's nicht checkten, und eine Dame, die meinte, ich solle meinem Mann mal sagen, er sei bestimmt gut ausgestattet mit dem, was ein Mann brauche, bloß da im Oberstübchen ... "Gegenargumente" nehmen die unterschiedlichsten Farben und Formen an, und der Überbringer kann auch bei einer kurzen Erstbegegnung durchaus eigentümlich rüberkommen. Lichtmesz hatte mal einen, der wollte als soundsovielter in der Signierschlange mit ihm die Gottesfrage als solche ausdiskutieren, und trug dem Autor dessen Kurzangebundenheit noch ausgiebig per Kommentarspalte nach. Sowas gibt es also auch.

Simplicius Teutsch
2. Januar 2019 23:43

@Breckert,
verzeihen Sie, das ist für mein Gefühl schon grenzwertig, was Sie da vorwurfsvoll in die Runde schreiben: „Aber ehrlich; mittlerweile kommen mir die Gesprächskreise in konservativen Zirkeln wie Altherrenrunden mit Skat vor ...“

Auf die jahrelange, großartige, mühsame metapolitische Kernerarbeit, die Kubitschek, Kositza, Lichtmesz, Sellner, Sommerfeld, etc, etc. hier an vorderster Front mit durchschlagendem (!) Erfolg und deutschem Selbstbehauptungswillen in so vieler Hinsicht verrichten, werden Sie ja hoffentlich nicht angespielt haben mit Ihrer Kritik.

Ich weiß natürlich nicht, in welchen „konservativen Zirkeln“ Sie verkehren. Aber wenn Ihnen politische, historische und metapolitische Gespräche und Erörterungen allzu harmlos sind, gibt es jede Menge von Möglichkeiten, sich konkreter zu engagieren; auf die Schnelle fallen mir ein: Pegida, Identitäre, AfD, eigene youtube-Präsentationen, Leserbriefe in den Tageszeitungen, Besuch von Versammlungen und Demonstrationen aller rechten oder auch linken Schattierungen oder auch, ein heißes Eisen, konservative „Missionierung“ im Bekanntenkreis.

Was diese oben nicht abschließend aufgezählten intelligenten Köpfe und tapferen Herzen in den letzten 10 Jahren gegen eine zivilgesellschaftliche Welt von übermächtigen ideologischen Feinden angestoßen und geleistet haben, diese geistige Gegenöffentlichkeit, die sie weit über diesen Blog hinaus und nicht zuletzt für die – ich hoffe, ich erinnere die Zahl richtig - 4000 Abonnenten der Zeitschrift Sezession hergestellt haben, da kann ich als Urteil nur akzeptieren, dass man als Rechter den Hut zieht und sich dankbar verbeugt.

Andreas Walter
3. Januar 2019 01:25

Ein Thema und drei verschiedene Arten, damit umzugehen:

Man nimmt die Sache ernst, scheitert jedoch am System:

https://youtu.be/DzqH4bYZ-x8

Man macht sich eher schlecht als recht darüber lustig und verdient so seine Brötchen:

https://youtu.be/wxuEyQdOi9g

Man glorifiziert es professionell für die Jugend und macht damit richtig Asche:

https://youtu.be/2m4ZblO6YlI

Wenn ich es recht bedenke machen es aber alle gleich, egal ob sie Marx, Stalin, Hitler oder das Geld glorifizieren. Oder Jesus, den Propheten, das Judentum, oder wen oder was auch immer. Das ist aber auch schon unter vielen Tieren so. Jeder will der Grösste sein, oder zumindest den Grössten als Freund haben. Auch die Mädchen.

Lotta Vorbeck
3. Januar 2019 04:27

@richard4 - 2. Januar 2019 - 06:34 PM

"... Vosgerau hat mal gesagt, wir können den derzeitigen zustand nicht zurückdrehen, ohne die menschenrechte zu verletzen."

_______________________________________________

# "Human rights must work to uplift human dignity.
But human rights cannot be used a shield or an excuse to destroy the country – your country and my country."

Menschenrechte sind dazu da, die Menschenwürde zu erhöhen. Aber die Menschenrechte können nicht als Schild oder Vorwand benutzt werden, um das Land zu zerstören - Ihr Land und mein Land.

# "I have to protect the country.
The interest of the country must come first."

Ich habe das Land zu schützen.
Das Interesse des Landes muss an erster Stelle stehen.

# "We cannot move forward if we allow the past to pull us back. Finger-pointing is not the way. That is why I will not waste precious time dwelling on the sins of the past or blaming those who are perceived to be responsible for the mess that we are in and suffering from."

Wir können uns nicht vorwärts bewegen, wenn wir uns von der Vergangenheit zurückziehen lassen. Nützliche Hinweise zu geben, ist nicht der Weg. Deshalb werde ich keine kostbare Zeit damit verschwenden, mich mit den Sünden der Vergangenheit zu beschäftigen oder diejenigen zu beschuldigen, von denen angenommen wird, dass sie für die völlige Verwahrlosung verantwortlich sind, in der wir uns befinden und unter der wir leiden.

Rodrigo Duterte

Quelle:

FULL TEXT: President Duterte's first State of the Nation Address

INQUIRER.net / 07:16 PM July 25, 2016

https://newsinfo.inquirer.net/799060/full-text-president-rodrigo-duterte-first-sona-state-nation-address-2016

Waldgaenger aus Schwaben
3. Januar 2019 08:32

Das Internet, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2019.

Und ich stieß bei meinen Streifzügen durch die Geschichte, über Calvin zu Zwingli, zu dessen Tod im Zweiten Kappeler Krieg.

Der Zürcher Reformator Zwingli wollte die Reformation gewaltsam in die Innerschweiz ausbreiten, unterlag jedoch im Zweiten Kappeler Krieg gegen die katholischen Kantone. Im folgenden "Zweiter Kappeler Landfrieden" wurden den unterlegenen Kantonen milde Bedingungen auferlegt, die maßgeblich dazu beitrugen, dass sich die Eidgenossenschaft nicht am Dreißigjährigen Krieg beteiligte.
Jeder souveräne Kanton der Eidgenossenschaft konnte in seinem Gebiet nach dem Prinzip "cuius regio, eius religio" die Konfession für alle Einwohner verbindlich regeln. Um soweit zu kommen muss Deutschland den Dreißigjährigen Krieg erleiden.

Die Gegend, in der ich wohne, wurde im Dreißigjährigen Krieg nahezu entvölkert und dann von der Schweiz aus wieder besiedelt.

Und da schweifen die Gedanken weiter - geistige Kämpfe materialisieren sich irgendwann in blutigen Konflikten. Nicht nur in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, auch in der durch die Zeitenwende der Industrialisierung herauf gerufenen Umbrüche, war Deutschland von 1914 bis 1945 das Zentrum blutiger Konflikte.

Und heute, Internet, Globalisierung, Migrationskrise - wieder scheint sich sich Deutschland das Schicksal zu wählen, im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen zu wollen.

Warum eigentlich?
Wir haben die Freiheit, unser Schicksal selbst zu bestimmen, und hier widerspreche ich Kubitschek auf Schärfste - die Freiheit ist das Wichtigste!

Seien wir so frei, halten wir uns einfach raus, sollen andere sich die Köpfe einschlagen, wir warten ab und schlagen uns dann auf die Seite der Sieger.

Prichpl
3. Januar 2019 12:44

1. "Ist der Ernstfall (also der Verteidigungsfall der eigenen Kultur) in Deutschland ausgeschlossen?"
Nein.

2. "Wenn nicht: Wann, wenn nicht jetzt, wäre eine resolute und konsequente Reaktion angemessen?"
Die Reaktion ist aktuell am Laufen. Sehr geehrte K+K: Geduld. Bitte nicht "hundert Meter vor dem Ziel" aufgeben.

3. "Und zuletzt: Wie kann es gelingen, die für einen "Aufstand für das Eigene" notwendige Energie zu wecken und zu bündeln?"
Nicht regelmäßig, aber doch häufig besuche ich Ihre Seiten. Neben Ihren Beiträgen gefallen mir besonders die Kommentare, die auf hochgebildete Menschen schließen lassen.
Nun dazu gehöre ich nicht unbedingt. Deshalb mag mein Beitrag ein wenig robust und stammtischhaft ausfallen. "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. - Denn wovon lebt der Mensch?" so Brecht. Und zu Fressen gibt es für die meisten Mitbürger genug, die Tische biegen sich; Moral ist überflüssig. Noch gibt es genug, doch wie lange noch? Die Armut nimmt bereits deutlich spürbar auch in unserem Land zu - jetzt lassen Sie mich bitte mal in die Glaskugel schauen - und spätestens dann, wenn sich die Tische nicht mehr biegen, wird genug Energie vorhanden sein, für das Eigene einzustehen. Mit dem Verprassen wird Schluß sein, das "hochkomplexe Gemeinwesen" wird auseinanderfallen (möglicherweise unter bürgerkriegsähnlichen Zuständen). Weshalb? Weil die weltweite Verschuldung bei knapp 250 Billionen (nicht Millionen oder Milliarden) US-Dollar liegt. Diese Schulden, sind nicht mehr zurückzubezahlen! Das ein gewaltiger Zusammenbruch des Lügen- und Finanzsystems bevorsteht, dafür stehen seriöse Namen wie:
Prof. Hans Werner Sinn:
https://www.youtube.com/watch?v=UUMfcsOLgUw
Dr. Markus Krall:
https://www.youtube.com/watch?v=uyx0rVfCoho
Dr. Daniel Stelter:
https://www.youtube.com/watch?v=bACcCreIGco
Egon von Greyerz:
https://www.goldreporter.de/realer-goldpreis-der-niedrigste-seit-50-jahren/gold/80048/

Mir ist nicht bekannt ob Ihr IfS ökönomische Fragestellungen genug berücksichtigt. Vielleicht könnte Ihr Institut für Staatspolitik zu den kommenden Akademien auch einmal einen hochkarätigen Wirtschaftswissenschaftler zum Vortrag einladen. Hoffentlich findet der Eingeladene dann auch den Mut Schnellroda zu besuchen.

Wünsche Ihnen sehr verehrte K+K und Ihren Kindern ein gesundes, glückliches und gesegnetes Neues Jahr 2019. Beste Grüße aus Bayern.

Andreas Walter
3. Januar 2019 13:44

Während der Weihnachtsfeiertage habe ich auf YouTube etwas entdeckt, was es in Mexiko in den Jahren zuvor in dem Ausmass noch nicht gab.

Die Stichworte dazu lauten policía comunitaria (Kommunale Polizei) und grupos de autodefenca comunitaria (Kommunale Selbstverteidigungsgruppen) oder auch umgangssprachlich vigilantes (Bewacher) genannt.

Siehe dazu auch "Grupos de Autodefensa Comunitaria“ auf Wikipedia (in englisch), aber auch “Vigilante“ (in vielen Sprachen).

Dorf für Dorf, Region für Region holt sich so derzeit das ganz normale und einfache mexikanische Volk wieder die Kontrolle und Sicherheit über seinen unmittelbaren Lebensraum zurück.

Die Gruppen müssen nur gross genug und offen organisiert sein (am besten halbe Dörfer und mehr), um juristisch aber auch real nur noch ganz schwer bekämpfbar zu sein. Natürlich ist das Thema auch in Mexiko in intellektuellen Kreisen einschließlich der Regierung höchst umstritten, aber eben überaus effektiv. Auch viele Mexikaner haben nämlich mittlerweile die Schnauze voll, von kriminellen Banden und einer gleichzeitig untätigen und korrupten Regierung. Es gibt eben auch in der mexikanischen Verfassung, bei uns ein Grundrecht, ein Recht auf Organisation und Massnahmen, um die demokratische Ordnung wieder herzustellen. Dazu gehören aber sicherlich keine Kriminellen und auch keine Regierung, die den Schutz und die Sicherheit seiner Bürger nicht mehr gewähren kann - oder will.

Der Punkt ist nämlich, es funktioniert, im Gegensatz zur Regierung, und das ist am Ende das Einzige was zählt:

https://youtu.be/8XiSnCt9fDc

RMH
3. Januar 2019 14:18

Sehr geehrter Herr Prichpl,

die Ökonomie kommt hier nicht zu kurz, könnte aber durchaus stärker behandelt werden, da haben Sie sicher recht.

Wenn eine "neue Rechte" über Ökonomie diskutiert, sollte sie sich aber vor der kritiklosen Übernahme eines vulgärmarxistischen Denkens im Sinne von zwingenden "Gesetzmäßigkeiten" des "Kapitalismus" bzw. einer Determiniertheit der "Ökonomie" hüten, wie Sie es aber gerade aber exemplarisch durch das Herbeiwünschen einer Art von revolutionärem Zustand quasi im Sinne der linken Zusammenbruchstheorie orakelten. Es ist eben mitnichten sicher, dass ein Zusammenbruch zu den gewünschten Effekten eines Regime-Changes, womöglich auch noch nach "unserem" Gusto führen würde (könnte genauso gut zu einer Jakobiner-Herrschaft der grünen Eliten führen). Die Wahrscheinlichkeit, dass unser Land Krisen entweder schlicht wegstecken und aussitzen kann (wie in der Vergangenheit durchexerziert - wir haben auch schon zig Millionen an Arbeitslosen "aussitzen" können. Das wird wiederkommen) oder dann eben bei einem echten, massiven Zusammenbruch einfach nur ein weiteres shithole mit teilweise deutlich repressiverer Herrscherclique werden würde, wo Deutsche dann eben sich irgendwie auf niedrigem Niveau buchstäblich durchschlagen müssen, ist deutlich größer, als dass eine Regierung an die Macht käme, die dann womöglich auch noch Rückführungsprogramme bei Migranten etc. einleiten würde etc.

Wenn die Rechte etwas gerade nicht brauchen kann, dann ist es eine Art von chiliastischer Erwartungshaltung, als ob irgendetwas deterministisch ablaufen würde, wenn etwas "noch schlimmer" wird. Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott, ist die bessere Maxime. Die Rechte braucht Leute mit wirtschaftlichem Erfolg und damit eine funktionierende Ökonomie, denn die Rechte war zu Lange von den Pfründen und Fleischtöpfen abgeschnitten. Wir müssen nicht nur die Politik-, Jura- und Journalistik-Studenten mit Karo-Hemd und Hipsterbart mit trendiger Cut-Frisur gewinnen, die gescheit daher reden können. Wir brauchen die jungen und alten Unternehmer, Handwerker, Selbständige, die genug Bimbes über haben, um die Denker und Politiker zu finanzieren.

Es geht nur mit der Ökonomie, nicht gegen sie (das hat das Scheitern des Lehrbuchsozialismus, wie er von 1919 bis 1989 versucht wurde, deutlich gezeigt). Es geht auch nur mit einem gesunden Maß an Liberalismus, denn ohne ihn gibt es keine Räume für Institutionen wie eben gerade Schnellroda.

In diesem Sinne an alle: Gutes neues Jahr! Es wird spannend!

Sara Tempel
3. Januar 2019 17:07

ecce homo

quarz
3. Januar 2019 18:08

@richard4

"wir können den derzeitigen zustand nicht zurückdrehen, ohne die menschenrechte zu verletzen"

Wir können den derzeitigen Zustand auch nicht beibehalten ohne dass Menschenrechte verletzt werden. Es stellt sich lediglich die Frage, für wessen Menscherechte wir primär Verantwortung tragen. Für die, deren Rechte beim Zurückdrehen des Zustandes verletzt werden oder für die, deren Rechte beim Beibehalten des Zustandes verletzt werden.

Nemesis
3. Januar 2019 23:37

"Wie kann es gelingen, die für einen "Aufstand für das Eigene" notwendige Energie zu wecken..."

Wäre es wirklich wünschenswert, die hierfür notwendige Energie zu erwecken?
Ich vermute, daß aufgrund der augenblicklichen Verfaßtheit von Vielen die "Erweckung des Eigenen" gar nicht gelingen kann.
Es hat ja Gründe, weshalb das Eigene gar nicht als das Eigene begriffen wird oder werden kann. Eine von außen aufgelegte "Erweckung des Eigenen", wäre aber wiederum genau dies: von Außen aufgelegt.
Die Erweckung, d.h. das Begreifen des Eigenen, muß von Innen kommen. Man kann das, aus meiner Sicht, moderieren und, vielleicht in sehr begrenzter Weise initiieren, aber der Prozeß muß eigenständig ablaufen.

Ich würde das in Kürze so zusammenfassen:
1. Aus dem Verlust grundmatrieller Freiheit folgt der Verlust innergeistiger Freiheit.
2. Grundmaterielle Freiheit kann nur frei bleiben, wenn sie verteidigt wird.
3. Aus einer Nichtverteidigungsbereitschaft kann geschlossen werden, daß grundmaterielle Freiheit:
a) nicht mehr gegeben ist (extreme Abhängigkeitsverhältnisse) oder
b) als nicht mehr notwendig betrachtet wird. (mit eben beschriebenen Folgen: Eiertanzerei, Maschinenfunktion, 30, 45, 90° Abbiegerei, Niederspannung...)

Das Ganze wird solange weitergehen, bis an Stelle zwei der biologische Schalter kippt.

"und zu bündeln?"

Aus meiner Sicht das kleinste Problem. Es wird sich bündeln.
Das viel größere Problem:
Wie kann verhindert werden, daß die frei werdenden Kräfte nicht destruktiv oder von destruktiven Kräften vereinnahmt werden?
An dieser Stelle nehme ich die Angst von politisch Andersdenkenden (nicht Allen) sehr ernst und unterstelle keineswegs, daß
sie ausschließlich als vorgeschobenes Argument eines reinen Machterhalts dient. Zumindest nicht im mittleren, unteren oder in Teilen der "Zivilgesellschaft".

Aus meiner Sicht ergibt sich daraus eine ganz praktische Fragestellung an eine rechts-konservative politische Programmatik:
Wie kann dieser Angst wirkungsvoll begegnet werden?
Es geht um Emotionen.

Immer noch S.J.
4. Januar 2019 10:48

@quarz

Überlegungen zu genau diesen Aussagen treiben alle gesellschaftspolitisch interessierten Bürger verstärkt seit dem Jahr 2015 um. Dabei stehen sie ratlos einer ganzen Reihe von Fragen gegenüber: Inwiefern verletzt es ein Menschenrecht, wenn beispielsweise gemäß § 2 BPolG (Grenzschutz, Gesetz über die Bundespolizei) die Grenzen konsequent geschützt werden „bis zu einer Tiefe von 30 Kilometern und von der seewärtigen Begrenzung an bis zu einer Tiefe von 50 Kilometern“, zur „Abwehr von Gefahren, die die Sicherheit der Grenze beeinträchtigen“, sodass in der Folge konsequent nicht zum Grenzübertritt befugte Personen abgewiesen werden? Ist es legitim, aus Gründen der Hochmoral die konsequente Einhaltung von Gesetzen sowie die dafür nötigen Maßnahmen nachlässig bis kreativ zu handhaben oder bei jedem Anlass Überlegungen anzustellen, wie aus Gründen der politischen Korrektheit und vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Stimmungslage gehandelt werden sollte? Wie ist es zu erklären, dass ein Dschungel aus Verwaltungsvorschriften und ungelösten Verfahren wuchert, obwohl doch Gesetze und Verwaltungsvorschriften die sprichwörtliche Wohlfahrt und Effizienz des Staates garantieren sollen? Wie ist es zu verstehen, dass große Gesellschaftsgruppen den Eindruck erwecken, zufrieden mit diesem alles behindernden Verwaltungs- und Verfahrensdschungel zu sein? Und so weiter und so fort.
Ein Kommentar von Ulf Poschardt (N24/WELT) titelte am 21.8.2018 mit den Worten „Is‘ mir egal“, um das Desinteresse des Berliners an den Geschehnissen um sich herum zu kritisieren. Darunter war ein Foto eines mittlerweile legendär dämlich markierten Fahrradwegs in Berlin zu bestaunen, der im Zickzack an allen Bäume der Straße vorbeiführte und der jeden gesetzestreuen Radfahrer zu einem sturzbesoffen wirkenden Schlingerkurs genötigt hätte. Die Markierung wurde mittlerweile entfernt; eine der wenigen erfolgreichen Maßnahmen, die die Stadt Berlin im Jahr 2018 überhaupt vorweisen könnte. Der Kommentar Poschardts gehört leider verallgemeinert. Nicht nur dem Einwohner Berlins, sondern der Mehrheit der Deutschen ist so ziemlich alles egal. Auf viele trifft womöglich das Diktum Henryk M. Broders zu, der bei den Deutschen Impotenz und Größenwahn zu entdecken meint. Deshalb nehmen die Prognosen Martin van Crevelds im Zusammenhang mit dem Zerfall der europäischen Staatlichkeit leider immer deutlicher Gestalt an. Mit den genannten Entwicklungen ist kein Staat im herkömmlichen Sinn zu machen.

Urwinkel
4. Januar 2019 10:49

Nemesis: Es geht um Emotionen.

Aha. Nur liegen die Schlussfolgerungen daraus meisten schief bis kriminell. Gewöhne dich daran, es nur nur noch mit Irren zu tun zu haben. Das ist Kali-Yuga-Style in Höchsform.

Breckert
4. Januar 2019 11:00

Erweckung?

Die Meisten in diesem Land merken seit langem intuitiv, daß hier etwas grundsätzlich, vermutlich sogar vorsätzlich, falsch läuft.

Nach Silvester 2015 in Köln aber noch auf Erweckungsphantasien zu setzen, halte ich für ziemlich weltfremd.
Ebenso wie die Ansicht, man bräuchte nur ein gutes Programm, um Menschen von konservativen oder rechten Werten begeistern zu können.

Denn:
Keiner, jemals in unserer Nation herrschenden, Staatsform ging ein Erweckungserlebnis voraus.
Da wurde immer übergestülpt und nachträglich mit Rechtfertigung ausgepolstert. Und hinterher mal mehr, mal weniger begeistert angenommen.

Vermutlich geht das auch nicht anders.
Meine philantropen Regungen haben seit Amtsantritt Merkel und dem, was ich dann von meinen Mitmenschen erleben durfte, erheblich nachgelassen.

Was diesem Land fehlt, sind Identifikationsfiguren, um die herum sich ein Wandel kristallisieren könnte.
Deswegen wird ja auch auf Jeden und Jede massenmedial eingeprügelt, die den Kopf aus der Deckung heben und Leute um sich scharen könnten.

Für sämtliche derartigen Vorgänge gibt es übrigens lateinische Redewendungen aus der Römerzeit.
Die kannten sich damals sicher mindestens so gut aus mit politischer Infiltration, dem Teilen und Beherrschen von Völkern und dem Beruhigen und Führen von dummen Menschenmassen wie heutige Politologen.

Urwinkel
4. Januar 2019 11:22

@ Nemesis, nochmal, genauer:

"Ich würde das in Kürze so zusammenfassen:

1. Aus dem Verlust grundmatrieller Freiheit folgt der Verlust innergeistiger Freiheit."

Unbestimmte Behauptung.

"2. Grundmaterielle Freiheit kann nur frei bleiben, wenn sie verteidigt wird."

Von welcher Freiheit reden Sie eigentlich und gerade? Grundmaterielles wird von jeher schutzverteidigt, der Rest geht nur noch die Steuerabzocker was an. Blitzscharfe Schusswaffen? Nichtmal Knallraketen sind mehr rechtssicher.

"3. Aus einer Nichtverteidigungsbereitschaft kann geschlossen werden, daß grundmaterielle Freiheit:
a) nicht mehr gegeben ist (extreme Abhängigkeitsverhältnisse) oder
b) als nicht mehr notwendig betrachtet wird. (mit eben beschriebenen Folgen: Eiertanzerei, Maschinenfunktion, 30, 45, 90° Abbiegerei, Niederspannung...) "

Kürze ab, dahin: Depression wird breit. An dieser Stelle wird es gefährlich für Gegner. Kennt man aus Filmen (RAF-Filmographie, z.B.).

Andreas Walter
4. Januar 2019 15:09

"4. Das Ende und seine Alternativen

Die Anpassung an elterliche Bedürfnisse führt oft (aber nicht immer) zur Entwicklung der ‘Als—ob—Persönlichkeit’ oder dessen, was man häufig als falsches Selbst bezeichnet. Der Mensch entwickelt eine Haltung, in der er nur das zeigt, was von ihm gewünscht wird, und ganz mit dem Gezeigten verschmilzt. Das wahre Selbst kann sich nicht entwickeln und differenzieren, weil es nicht gelebt werden kann. […]
Das wahre Selbst kann nicht kommunizieren, weil es in einem unbewußten und daher unentwickelten Zustand geblieben ist, in einem inneren Gefängnis. Der Umgang mit den Gefängniswärtern begünstigt keine lebendige Entwicklung. Erst nach der Befreiung fängt das Selbst an, sich zu artikulieren, zu wachsen und seine Kreativität zu entwickeln. Und wo früher nur die gefürchtete Leere oder die gefürchteten grandiosen Phantasien zu finden waren, tut sich ein unerwarteter Reichtum an Lebendigem auf. Es ist nicht eine Heimkehr, denn das Heim hat es nie gegeben. Es ist eine Heimfindung. [179]

[179] Miller, Alice: Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst. Eine Um- und Fortschreibung. Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1997. (= Suhrkamp
taschenbuch. 2653) 1. zitierter Absatz S. 26, 2. zitierter Absatz S. 37."

Aus:
Kolb, Georg, Eine Apologie der Zweideutigkeit: Franz Kafkas "Proceß" um das Recht auf Eigentümlichkeit, Verlag: Books on Demand, 2001, S. 173

Das Ganze kann man allerdings ebenso auch auf das Kollektiv übertragen, auch auf das Deutsche (ca. 90%). Doch es geht sogar noch weiter, da es mittlerweile ein internationales Gefängnis ist. Die Befreiung aber beginnt immer erst bei einem Selbst. Dann in seiner Umgebung, dann das Dorf, eine Region, usw.. Weil es immer um Integrität und schiere Masse geht. Integrität eines Körpers, dann einer Gruppe, dann einer Region. Danach eine Region mit Unterzentrum, dann die mit dem Mittelzentrum, und am Ende ein Oberzentrum. Von unten nach oben. Andere Kulturen kürzen das ab, indem sie einzelne Viertel innerhalb eines Oberzentrums erobern. Dazu sind aber eben Ungebundenheit und eine hohe Mobilität Voraussetzung. Am besten also eine Armee von Schnorrern und Habenichtsen, die nichts mehr zu verlieren haben, darum nur noch gewinnen können. Alternativ, die Chinesische Variante, der Lange Marsch (in der europäischen Version die Europa- und Nordafrika-Tour der Westgoten). All das werden aber Intellektuelle niemals zustande bringen. Die Soziale Frage ist für die Neue Rechte daher weitaus wichtiger, als ihr derzeit noch bewusst ist. Um Geisterstädte im Osten wieder zu beleben mit einer alternativen Lebensweise. Ganze verlassene Dörfer besetzen, gleich mit 500 Personen und mehr. Den deutschen Pioniergeist wecken. Das was K&K privat machen, nur zwei Nummern grösser. 500 Personen mal 100 Euro im Monat sind nämlich auch 50.000 € im Monat für die Dorfentwicklung. 500 Leute die alle an einem Strang ziehen, in eine Richtung. Nicht in gut ein Dutzend Richtungen wie im Rest der demokratischen Welt, die dadurch nämlich auf der Stelle tritt, nicht weiter kommt. "Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand!" - und mit Verstand. Rehabilitationszentren und Kuranstalten sind nämlich genau darum auch nicht in der Stadt, sondern draussen, auf dem Land. "Lass mein Volk ziehen, dass es mir ein Fest halte in der Wüste." 2. Buch Mose 5. Es ist nämlich das Gefängnis, dass so viele Deutsche erst in der Seele krank macht, dann den Verstand und zuletzt auch die Hand. Wie im Grossen nämlich auch im Kleinen, es ist alles das Gleiche, wie ein Hologramm. Menschen heilen ist Arbeit, mit Sicherheit aber eine der Schönsten auf der Welt.

Nemesis
4. Januar 2019 17:56

@Urwinkel
Zunächst:
1. Sie schreiben unter 1. daß es sich um eine unbestimmte Behauptung handelt.
2. Sie schreiben unter 2. daß Sie gar nicht wissen, "von welcher Freiheit ich eigentlich und gerade" rede.

Daraus folgt, daß Sie entweder:
1. wissen von was ich rede. Dann können wir darüber diskutieren, ob es sich dabei um eine unbegründete Behauptung handelt.
2. nicht wissen, von was ich rede. Wie können Sie dann wissen, daß es sich dabei um eine unbegründete Behauptung handelt?
3. Eine Behauptung ist per Definition unbestimmt, sonst handelt es sich um eine begründete Annahme.

Unter grundmaterieller Freiheit verstehe ich die Freiheit, durch Arbeit an Dinge zu gelangen, die Sie materiell am Leben halten: Schlafen, Essen, Trinken... 1. ist im Grunde eine Eigenumschreibung des berühmten Brechtschen Satzes und als solcher eigentlich eine Binsenwahrheit. Das Experiment zur Begründung können Sie selber durchführen: Essen sie 3 Wochen nichts, schlafen und trinken Sie minimal. In drei Wochen treffen wir uns hier wieder und diskutieren. Ich bin gespannt, wieviel innere Freiheit Sie dann noch an den Tag legen.

Was ich generell meine (das betrifft nicht Sie):
Andere als Schlafschafe, Weicheier, Dummmichel.. zu bezeichnen verschafft möglicherweise Erleichterung, ausgeblendet wird dabei jedoch, daß sie es vielleicht keineswegs unbedingt sind, sondern aufgrund sehr realer und existierender (Existenz)Ängste so handeln, wie sie handeln.

Beide Reaktionen (mehr Anpassung und Wutauslagerung) sind möglich und auch verständlich. Je mehr man aber andere beschimpft, um so mehr werden sie mauern.

Das wahrzunehmen und sich immer wieder klarzumachen, halte ich für wichtig.

Sylvia Taraba
4. Januar 2019 19:12

In Ihrem Rundbrief 1/2019 sehr geehrter Herr Kubitschek bezeichnen Sie Peter Sloterdijk als (dem Bekenntnis nach) „einen von uns“ – das hat mich gerade einerseits irgendwie verblüfft, empfinde das oft auch so und wertschätze ihn. Aber ich dachte das erzählt man sich nur unter vier Augen. Andererseits bin ich ambivalent, da ich bei Sloterdijk nicht sicher bin, was seine Analysen letztendlich bedeuten. Sind es Beschreibungen von etwas Unvermeidbarem oder Anzustrebendem? Beschreibungen des „linken Konservativen“ auf dem Weg der „Selbstzähmung“ des Menschen (??? welcher zähmt hier welchen?) hin zum friedlichen Menschenpark in einer One World? Ist er nicht ein Globalist? Schreibt er nicht eigentlich klar dafür? Seine Analyse zielt ja auf eine Zeit nach den ärgsten Auswüchsen und Auswirkungen von „Elendsfruchtbarkeit“ und „verwilderter Kampffortpflanzung“, und andererseits den entsprechenden genozidalen Ausrottungsprognosen oder – phantasien, bzw „Selbstvernichtung der Überflüssigen“. Dieser Zeit „danach“ meint Sloterdijk schon jetzt ein vorsichtig positives Zeugnis ausstellen zu müssen...

Gibt es bei ihm irgendwo seit 2015! wenigstens explizite Gedanken die auf gebotene kulturelle Gründlichkeit und ethnische Wahrheit, Rolle der Religion, Christentum, Redefreiheit, Demokratie, Verantwortungspolitik, Wehrhaftigkeit, die Wichtigkeit einer Großen Erzählung, z.B. des abendländischen, christlichen Abwehrkampfes gegen die islamischen Invasionen Europas (C.Sommerfeld in Rechtes Christentum?) und entsprechende Strategien setzt? (In den Tagebüchern möglicherweise...)

In "Was geschah im 20. Jahrhundert ?" wären solche Andeutung mager gewesen, sind mir nicht in Erinnerung geblieben und in "Zorn und Zeit" 2008 wurde mir auch nicht klar warum soviel starke Gedanken und Worte ohne empathische Visionen geblieben sind, gleichwohl in trockene Thesen münden? Wo Sloterdijk zugegeben immerhin Schluss macht mit linken „Vorwurfsbewegungen“ und mit der „altehrwürdig-fatalen Allianz von Intelligenz und Ressentiment“.

Doch Beispielsweise den gegenwärtig sichtbar werdenden Zorn anzuerkennen, ihm eine „offene Ambitionskultur“ zuzuerkennen und in Ideen permanenter politischer Aktion (nicht Revolution) umzusetzen, statt in Fantasien von fixfertigen zukünftigen „Meritokratien“, die eine „antiautoritär entspannte Moral“ zum Ausdruck bringen – Verdienste zunächst wofür?

Immerhin tat Sloterdijk 2015 kund, dass wir nicht verpflichtet wären uns an unserer eigenen Selbstauflösung zu beteiligen. Ich glaube das war die einzige wenn auch, schnelle, starke aktuelle Wortmeldung 2015 diesbezüglich.

In Ihrem hier verlinkten Beitrag in der Sezession vom 1. Februar 2018, Köln, Kandel, Cottbus

Zu Sloterdijks ...Stufen der Selbstzähmung (2. Kap.Was geschah im 20. Jh.?) ... schreiben Sie:

„Der Wir-Verband gegen die Anderen – vierte Stufe der Selbstzähmung, und wir ahnen, wo das enden soll: Können wir als Volk die traditionellen kulturprägenden Formen der Maximalstreß-Kooperation, die uns den Kampf der Kulturen führen lassen wollen, überwinden? Können wir die Gegnerschaft aufkündigen und den Weltinnenraum vergrößern?“
Und Sie schreiben: „Die Antwort lautet: Ja, wir schon, wir machen seit Jahrzehnten und für jeden augenfällig seit 2015 nichts anderes, und zwar um den Preis der Dekonstruktion aller verteidigungswürdigen Bestände und gleichzeitiger Auflösung des solidarischen »Wirs« im Innern. Zugleich gehen wir den fünften, den selbstmörderischen Schritt und zähmen unsere »Risikogruppe junge Männer« mittels Reproduktionsverweigerung. Wo keine jungen Männer mehr nachwachsen, wird die Domestikation zum Kinderspiel.“
Wir müssten dann jetzt eigentlich sagen Sloterdijk sieht das gar nicht, ist ein realitätsblinder Utopist, ein selten(er)genial analysierender Linker (was er ja übrigens von sich selbst sagt) der ohne Scheuklappen seine Utopien darlegt, weil er diesbezüglich sowieso in den Augenaußenwinkeln blind ist. In den Kommentaren fand ich gute Stellen, die Sloterdijk klar widerlegen.

Allerdings dürfte er sich in seiner Eigenschaft als präziser Analytiker möglicherweise so weit hinauslehnen, dass auf seinem extravaganten linken Weg genuine Schnittmengen mit rechts entstehen können? Was ich durchaus positiv sähe.
Es wäre schön, wenn Sie bei Gelegenheit Zeit dafür hätten, darlegen könnten Warum und Wo er „einer von uns ist“- vielleicht ist es nur, dass man sich in seine Sprache, besser gesagt seine trefflichen unerschöpflichen Formulierungen verliebt, und deswegen gern hätte, dass er einer von uns ist. Jedenfalls bin ich auf die beiden Tagebuchbände neugierig.
Mit den besten Neujahrswünschen für die Schnellroda-Familie Ku&Ko&Ki&Co und viel Freude, Frohsinn und Kraft

Laurenz
4. Januar 2019 22:07

Sehr geehrter Herr Kubitschek,
sind Sie mit der "Linken" Seite unserer Gesellschaft nicht zu rücksichtsvoll? Ist Marx denn nichts anderes als eine Religion? Erreicht man nicht einen leeren Keller, wenn man dort eine Etage tiefer geht? Was sind denn Linke überhaupt ohne einen imaginären ausgegrenzten Feind?

Ist es nicht die Inkonsequenz unserer linken NomenKlatura und rechte Dämlichkeit, wenn wir uns Einzelfälle auftischen lassen, aber gleichzeitig bis 2030 Weltkriegs-Reparationen zahlen, oder, wie in 2017 ca. 530 Mio. Euro an Wiedergutmachung zugunsten der Kirchen für die Säkularisierung durch Bonaparte? Kann sich mal irgendwer für das Maß der Dinge entscheiden? Anstatt sich permanent im deutschen öffentlich-rechtlichen Bildungs-TV lächerlich zu machen?

@RMH .... Ökonomie ist der am meisten relevante politische Parameter. Die radikale Linke, vor allem die Trotzkisten, hatten Recht. Eine Veränderung im allgemeinen Bewußtsein einer Bevölkerung zugunsten eines (revolutionären) Umdenkens basiert rein auf dem Niedergang existenter Lebensumstände. In Deutschland ist dies noch extremer. Nur wenn der Michel Hunger leidet, lehnt er sich auf. Der allgemeine Patriot bringt es nur nicht über das Herz, das eigene Land leiden zu sehen. Im Grunde müßte der Patriot nur für die Betroffenheit jedes einzelnen, vor allem der Frauen, sorgen und die Schuld dafür der Linken zuschustern. Das wird sicherlich auch schon probiert, aber immer noch relativ stümperhaft.

Urwinkel
4. Januar 2019 22:43

1. Sie schreiben unter 1. daß es sich um eine unbestimmte Behauptung handelt.
2. Sie schreiben unter 2. daß Sie gar nicht wissen, "von welcher Freiheit ich eigentlich und gerade" rede.

Daraus folgt, daß Sie entweder:
1. wissen von was ich rede. Dann können wir darüber diskutieren, ob es sich dabei um eine unbegründete Behauptung handelt.
2. nicht wissen, von was ich rede. Wie können Sie dann wissen, daß es sich dabei um eine unbegründete Behauptung handelt?
3. Eine Behauptung ist per Definition unbestimmt, sonst handelt es sich um eine begründete Annahme.

Zu 1.
Ja. Hoffentlich begegnen wir uns niemals in der Echtzeit.

Zu 2. Wer weiß das schon - Ihr Schlafzimmer interessiert keinen weiter.

Zu 3. Binnenkonflikt, den ich thematisch gewogen und detailiert aufdröseln kann.

4. (nebenbei) Die Faulheit jagt mich.

5. (auch nebenbei) lass' uns lieber über Jazz-Girlies parlieren. da gibts eine Hausnummer aus Schweden dazu:

Lisa Ekdahl:

https://www.youtube.com/watch?v=RnrJYc1T64Q

Dank an DLF-Kultur für den Gratisporno, - immer noch ein Geheimtipp den noch nochnichtmal Jazz-Nerds schnallen.

Tuzub 37
4. Januar 2019 22:54

Lieber Waldgänger, zur Frage der Neutralität sei auf das Werk Christoph Stedings, Das Reich und die Krankheit der europäischen Kultur, verwiesen. Das gibt es antiquarisch und möglicherweise im Nachdruck von Arnshaugk auch noch bei Antaios.
Gruss Tuzub 37

Andreas Walter
5. Januar 2019 01:11

@Sylvia Taraba

Männer mit Reproduktionsverweigerung?

Bitte die Verantwortung nicht immer auf die Männer abschieben, Frau Taraba. Die letzte Entscheidung liegt in Industriegesellschaften ausser in Fällen wie Josef Fritzl immer bei der Frau und auch der Weg zur Samenbank ist meist nicht weit.

Ist aber sehr häufig die klassische Achillesferse des eher passiven Geschlechts, dass es nicht auch seine Macht, Möglichkeiten und damit auch Verantwortung erkennt. Ich bezeichne es darum die überzogene Anspruchshaltung der modernen deutschen Frau, der sie aber häufig selbst gar nicht gerecht wird, auch dank des Feminismus. In der Mehrheit aber ein Problem eher linker Frauen. Die sollten darum in der Tat lieber keine Kinder in die Welt setzen, denen sie dann nämlich ihre psychischen Probleme und Traumen weitervererben, weitergeben. Heile Menschen, heile Gesellschaft, gestörte Menschen, kranke Gesellschaft. Oder "If I were a rich man, Yidle-diddle-didle-didle dumm".

https://goo.gl/images/iJLpZr

Ja aber ... die Schlange hat doch auch gesagt ... und ausserdem, ich heisse nicht Ilsebill, oder Golde, sondern Eva. Ja, Belle, ich weiß.

https://youtu.be/eJtvnJ7y49s

"Walt Disney Studios chairman Jeffrey Katzenberg commissioned Beauty and the Beast as an animated musical with a strong heroine and hired first-time screenwriter Linda Woolverton to write it. Basing her on the heroine of Jeanne-Marie Leprince de Beaumont's fairy tale "Beauty and the Beast", Woolverton adapted Belle into a stronger and less passive character for the film. Inspired by the women's rights movement, Woolverton wanted Belle to be a unique Disney heroine different from The Little Mermaid's popular Ariel, and thus deliberately conceived the character as a feminist in an effort to avoid the criticism Disney had long been receiving due to the studio's reputation of depicting its female characters as victims." Wikipedia, Belle (Beauty and the Beast)

“Woolverton was born in 1952 in Long Beach, California. As a child, she began acting in the local children's theater as an escape from what she has described as a "traumatic childhood."[1]“, Wikipedia, Linda Woolverton

Grüsse aus der Matrix. Nach der man beinahe die Uhr stellen kann. Die man nicht entdecken und erforschen könnte, wenn es sie nicht gäbe.

Nemesis
5. Januar 2019 07:51

@Urwinkel
Vielen Dank für Ihre ebenso eloquente, wie sprachlich höchst ausdifferenzierte Antwort.
Es bleiben aber Fragen:
1. War es das bereits?
2. Oder kommt da noch was zur Sache?

Es grüßt Sie
Nemesis

Urwinkel
5. Januar 2019 11:11

@Nemesis:

Ebenso; aus der Raunacht. Ich dämmerte gerade durch Girlpopmusik. Das kann uns Beiden stilistisch gefallen. So zumindest der Anspruch der Weiber an ihre Jazzträllerrei. Der Rest interessiert mich nicht. Einverstanden?

Zurückgegrüßt. Aufs nächste Thema, bitte.

RMH
5. Januar 2019 12:30

"Die radikale Linke, vor allem die Trotzkisten, hatten Recht. Eine Veränderung im allgemeinen Bewußtsein einer Bevölkerung zugunsten eines (revolutionären) Umdenkens basiert rein auf dem Niedergang existenter Lebensumstände. In Deutschland ist dies noch extremer. Nur wenn der Michel Hunger leidet, lehnt er sich auf."

@Laurenz,

das ist genau die Kernthese, die mit Nichts belegt werden oder verifiziert werden kann. Es kann so sein, muss aber nicht so sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland einfach vergeht bzw. sich in eine shithole verwandelt und keine Auflehnung entsteht ist, als eben solche These, mindestens gleich hoch, nach meiner subjektiven Meinung sogar eher höher. Wenn einer "rebellieren" wird, dann werden es zuerst die Nichtdeutschen sein und das tun sie ja bereits in Form der Bildung von Subkulturen, eigenen Claims und No-Go-Areas, Missachtung des Staates wenn immer halbwegs risikolos möglich (de facto damit also zur Zeit zu 99%) etc. etc.

Kurz: Sie behaupten mithin genau das, was ich mit der Formulierung vulgärmarxistischer Determiniertheit zum Ausdruck bringen wollte. Und da die Wahrscheinlichkeit, dass Deutsche sich im Falle eines Zusammenbruchs auflehnen werden, mir persönlich zu gering ist (s.o.), schließe ich diesen Weg in meinem persönlichen politischen "Wunschdenken" eben aus. Aber evtl. kommt der Zusammenbruch ja unabhängig von intellektuellen Diskussionen so oder so (ist ja nicht ausgeschlossen, bei den aktuellen Parametern), dann wird sich unabhängig von unseren reinen Diskussions-Prognosen zeigen, was passieren wird. Ich hege für diesen Fall eben aber, im Gegensatz zur gefühlten Mehrheit hier im Forum, wenig Hoffnung darauf, dass Deutschland den Phönix aus der Asche geben wird.

Nemesis
5. Januar 2019 18:21

@Urwinkel
Aber klar doch. Ich erteile Ihnen mein Einverständnis.
Girlpopmusik oder Jazzträllerei?
Nah.
Es ist da noch mehr.
Viel mehr.
Vielleicht finden sie es auch wieder?
Who knows?
Passen Sie auf sich auf.
Denn die Rauhnächte sind dunkel.
Und kalt.
Auf zum nächsten Thema.

Sylvia Taraba
5. Januar 2019 21:51

@ Andreas Walter

es handelt sich hier um ein Zitat von Götz Kubischek und steht unter Anführungszeichen. Ich verstehe es so, dass er von der solidarischen Auflösung des „Wir“ im Inneren spricht, welches ja Männer und Frauen inkludiert. Hier wird keine Verantwortung auf Männer abgeschoben. Gezähmt wird hier allerdings auch nicht, sondern verhindert. Aber die jungen Männer, die sich nicht verhindern ließen, sind dann, bis sie so weit sind, meist endgültig gezähmt, so wie es aussieht ...

„Zugleich gehen wir den fünften, den selbstmörderischen Schritt und zähmen unsere »Risikogruppe junge Männer« mittels Reproduktionsverweigerung. Wo keine jungen Männer mehr nachwachsen, wird die Domestikation zum Kinderspiel.“

Der besagte selbstmörderische Schritt ist ein Ergebnis der „Emanzipation von Frauen und Männern. Ja, und Sie haben Recht diesbezüglich - vermutlich vor allem im linken Milieu wird sich von lebenden Kindern auf die unterschiedlichste Weise emanzipiert. Und wo sie doch gelingen, werden sie bereits ab dem Kindergarten eines besseren belehrt, mangels der rechten Eltern .... und dank „working mums“, die sich dabei nichts rechtes denken.

Man könnte damit beginnen, immer mehr Zöpfe zu flechten, morgens Kleider zu favorisieren und vorher noch eine Runde mit ihnen zu laufen. Das wäre schon mal ein Anfang.

Über die Anspruchshaltung der modernen deutschen Frau und den Feminismus zu ... oh Gott, darüber sollte mal jeder zuerst selbst in sich gehen und Tagebuch führen wie sehr ihn/sie der Liberalismus und die Beliebigkeit im Griff hat und dagegen - also gegen sich - aufbegehren.

LotNemez
6. Januar 2019 04:25

An die Wenigen, die hier ihre privaten Dispute austragen: Denken Sie bitte auch daran, was das mit den sicher sehr zahlreichen passiven Lesern macht. Ich vermute, nichts gutes. Ich wenigstens besuche diese Seiten nicht zuletzt, um Trost in den Gedanken Gleichgesinnter zu finden und neuen Mut für die nächsten Tage unter Linken zu schöpfen. Das Wort Wehrkraftzersetzung ist wohl zu hoch gegriffen? Jedenfalls fällt uns doch sicher besseres ein.

Wenn etwa ein Autor, auch das gibt es eben, in eine Phase der Konsolidierung oder gar der Sinnfrage gerät, wenn ihm sein Optimismus auch einmal abhanden kommt, sollten wir da nicht mit Freuden aushelfen? Jeder Einzelne sollte sich für die Ermutigung des anderen verantwortlich fühlen.

Der wesentliche Vorteil des Konservativen: Er kennt nicht die berauschende Wirkung des Utopismus, sie ist ihm suspekt. Deshalb wird er nicht wie im Wahn seiner eigenen Clique voraneilen, den Mitstreiter in seinem Wahn dabei noch übertrumpfend und ausbremsend. Wenn wir uns einig sind, unseren Standpunkt zu behaupten, zwingen wir damit auch die den politischen Gegner auf unsere Umlaufbahn, wie der Domteur das Pferd in der Manege. Dann wird sich der Erschöpfungszustand des so Bewegten früher oder später einstellen. Die Panik, die uns veranlasst, uns zu verändern, etwa aus Angst, die Zeit könnte uns davon laufen, ist die gefährlichste Fehlerquelle. Wer auf dem Boden der Tatsachen steht, kann sich nicht totlaufen.

Laurenz
6. Januar 2019 07:01

@RMH ... Ihre Sicht habe ich Ihrem früheren Kommentar entnommen. Ich teile diese Sicht auf die Dinge aber nicht, aus historisch belegbarem Grunde. Deutschland hatte in den letzten 100 Jahren 5 - und die ehemaligen Bürger der DDR 6 Währungsreformen. Das war meist nicht lustig. Unsere heutige Sozialgesetzgebung, Sozial-Verbände, usw., basieren nicht auf Bismarck, sondern mehr oder weniger auf dem III. Reich. Die Nationalsozialisten machten sich in die Hose bei der Befürchtung, die deutsche Bevölkerung könnte sich aufgrund einer Mangelversorgung im letzten Weltkrieg, ähnlich wie am Ende des 1. Weltkriegs gegen den Krieg auflehnen. Deswegen stellte die NS-Führung auch erst 1943 von Friedensproduktion auf Kriegsproduktion um (, im 1. Weltkrieg geschah dies 1915). Ludwig Erhard machte im Grunde nichts anderes an Wirtschaftspolitik als die Nationalsozialisten auch, ebenso ist das Bundesbankgesetz eine Reminiszenz an Hjalmar Schacht. Das Bundesbankgold wurde in den 50ern und 60ern erwirtschaftet. Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts war man der Meinung, daß das Wohlstandsgefälle von West nach Ost nicht mehr nötig sei. Das bedeutet, daß der heute noch existierende Mittelstand auf Kosten der in den ersten 3 Jahrzehnten in der BRD erwirtschafteten Substanz lebt. Der DDR-Bürger hatte nie Gelegenheit solch eine Substanz zu erwerben, hat daher auch nichts zu verlieren, und ist eher bereit, sich auf ein politisches Umdenken einzulassen. Sie liegen also auch in der aktuellen politischen Debatte und den Wahlergebnissen falsch. Das materielle Sein bestimmt das Bewußtsein. Marx feindete in erster Linie die Produktionsmittelinhaber, also die Industriellen an, und ließ die Banker weitestgehend außen vor, und vergnügte sich auch gerne auf den Parties des Pariser Rothschilds. Von was lebt denn die deutsche Wirtschaft? Von den Banken? Daher wird es auch im Westen so sein, wenn es ökonomisch den Bach runter geht. Hunger und Gewalt gegen Frauen sind die Garanten eines jeden Umschwungs. Solange der einzige Orientale im Bad Homburger Hardtwald der türkische Konsul ist, sieht man dort kein Problem, dort besteht ja bisher auch keines.

Laurenz
6. Januar 2019 07:12

@Sylvia Taraba ... selbst auf Civey ist das deutsche Springer-Publikum, bestehend aus Abiturienten, mehrheitlich konservativer als Sie es beschreiben. Selbst die Aktivistinnen der RAF wollten alle mehr oder weniger von dem recht männlichen, und nicht wirklich politischen Andreas Baader beglückt werden. Die Damen lebten in einem quasi-linken Harem. Was ist an der deutschen Linken schon immer das am meisten Ekelhafte gewesen? Genau, die Bigotterie, links reden und rechts leben. Wer wählt denn aktuell die Grünen? Genau, die Frauen gut verdienender Männer, die sich keine Gedanken über absurde Grenzwerte machen müssen, weil die schlechteren Hälften sowieso einen Dienstwagen fahren. Und für die Umweltbelastung durch Urlaubsflüge kauft man sich Ablaßbriefe und wählt dementsprechend.

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