Sezession
5. Januar 2019

Rechenschaftsbericht 2018 (IV): September bis Dezember

Götz Kubitschek / 21 Kommentare

September: Vorbereitung auf die Buchmesse, Oktober: Buchmesse, November: Nachbereitung der Buchmesse, Dezember: Weihnachtsgeschäft.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Im Nachhinein hört sich das an wie generalstabsmäßig getaktete Abläufe oder, weniger dramatisch ausgedrückt, wie der ganz normale Jahresplan eines Verlags auf den Branchen- und den Umsatzhöhepunkt hin. Aber für einen Verlag wie Antaios, der zwangsläufig ein "erweitertes Verlegertum" pflegt, sind weder eine Frankfurter Buchmesse noch das Weihnachtsgeschäft normale Bausteine, aus denen ein wiederkehrendes Jahresgerüst zusammengesetzt ist.

Die Sache mit dem Loci-Verlag war sicher die aufwendigste "konservativ-subversive aktion", die wir je austüftelten und umsetzten. Unser Netzwerk (hier hat dieser Begriff jenseits seiner Blenderfunktion für Leute, die "Kommunikation" und "Chatgruppen" für Arbeit halten, tatsächlich einmal eine Bedeutung) hielt für jeden unserer Planungs- und Umsetzungsschritte die richtigen Mitstreiter zur Verfügung. Dies ist das, worauf wir stolz sind: im entscheidenden Moment von Freunden und Profis umgeben zu sein, mit denen man ein solches Ding durchziehen kann.

Im Mai gründete Thomas Veigel den Loci-Verlag, meldete ihn beim Börsenverein des Buchhandels an, erwarb eine ISBN-Liste, buchte eine Internet-Domain und schaltete eine Telefonverbindung frei. Dann übergab er uns alle Verbindungsdaten. Die Kommunikation fand ausschließlich mittels der guten, alten Briefpost statt, meine mechanische Schreibmaschine wurde zum Instrument der Stunde.

Im Juni war die Internetpräsenz fertig aufgebaut, Kositza hatte ja nicht nur den Verlagsnamen entworfen, sondern ein komplettes Verlagsprogramm samt Verlagsgeschichte und Selbstauskunft eines Zahnarztes, der für den Feierabend seine Leidenschaft am Verlegen von Büchern entdeckt hatte ...

Im Juli meldete der Verleger seinen Verlag auf der Frankfurter Buchmesse an und sprang mit ihm in eine schöne 8qm-Lücke in einem Gang, der sonst nur von linken, gendernden, zivilgesellschaftlich an vorderster Front agierenden Verlagen bevölkert war.

Im August bestätigte sich unsere Voraussage: Die Messeleitung platzierte die offiziell angemeldeten Verlage des "rechten Spektrums" in einer Sackgasse in derselben halle, die auch Loci gewählt hatte: Die Junge Freiheit, das Magazin Cato und der Verlag Manuscriptum sahen sich einer geistigen Apartheit räumlich ausgesetzt, und vor lauter Zorn über diese Unverschämtheit zog Cato seine Messeanmeldung zurück.

Im September entwarfen wir einen doppelten Messestand: das Loci-Design der ersten ein, zwei Messetage würde nach und nach durch ein Antaios-Design ersetzt werden. Außerdem erweiterten wir das Loci-Programm um zwei Titel, deren Selbstironie jedem halbwegs wachen Beobachter der Aktion rasch zeigen würden, wieviel Ernst und wieviel Potemkinsches Dorf hinter der Sache steckte. Die endgültige Ausarbeitung der Werbetexte und des tagebuchartigen Verlaufsprotokolls des Verlegers auf seine erste Buchmesse hin war für Kositza als Texterin und für mich als Erstleser ein Riesenspaß. Diese Vollversion der Internetpräsenz wurde als Beta-Version so vorbereitet, daß sie erst am ersten Messetag zum Eröffnungsgong einsehbar war.

Zeitgleich lief eine letzte juristische Prüfung, denn längst war uns klar: Wir mußten den Verkauf in der umgekehrten Richtung abwickeln. Nicht Antaios würde Loci, sondern Loci würde Antaios kaufen. Zu einfach würde es sonst für die Messe sein, den Stand aufgrund von geänderten Ausgangsbedingungen zu kündigen.

Wir waren also tatsächlich für fünf Tage nicht mehr die Eigentümer unseres Verlags. Der Kaufvertrag war wasserdicht, er hätte jeder juristischen Überprüfung standgehalten, auch vor Gericht, falls die Messeleitung uns qua einstweiliger Verfügung hätte von der Messe komplimentieren wollen. Unsere Mitarbeiter sahen bei diesem Schachzug das Maß an Vertrauensvorschuß überschritten, aber sie kennen Thomas Veigel nicht so gut wie wir.

Überhaupt ist das eine aus der Loci-Aktion gewonnene Erkenntnis (und nicht nur aus ihr): Es gibt Leute, denen man ohne jeden Vertrag, einfach per Handschlag oder auf Zuruf, das eigene Vermögen, sensible Daten, die Kinder, eine Rettungsaktion anvertrauen würde, wissend, daß sie keine Sekunde lang auf irgendeinen eigenen Vorteil bedacht wären oder fahrlässig mit dem ihnen anvertrauten Gut umgingen. Von anderen weiß man, daß sie eine Menge Ausreden und Gründe dafür vorbrächten, warum es wieder einmal nicht geklappt habe. Dies sind - ich muß es leider sagen! - meist die Gesinnungsbetrunkenen und die jüngeren.

Was mir zuletzt am meisten Spaß machte, obwohl es gemein und hinterlistig war, betrifft den FAZ-Redakteur und (so nennen wir ihn intern) großen Konfirmanden Justus Bender: Ihm band ich innerhalb von vier Tagen einen Bären auf, den er nicht so schnell losgeknotet bekommen wird. Noch immer denken viele seiner Kollegen "Loci" mit, wenn sie Bender lesen.

Ich bot ihm eine exklusive Geschichte über den Verkauf des Verlags an, der notwendig geworden sei, weil ich nach einigem Zögern nun doch zum politischen Berater einiger AfD-Strukturen und - diese Münze warf ich zuletzt ein - eines ostdeutschen CDU-Verbands würde, der den zukünftigen Koalitionspartner und dessen metapolitisches Umfeld kennenlernen wollte. Bender - mit dem Kositza und ich noch ein Hühnchen zu rupfen hatten - schluckte den Köder, biß sich am Haken fest und brachte am Vorabend der Messe zunächst online und am Messemorgen in der Druckausgabe exklusiv eine volle Packung "fake news", die unsere Aktion zu einem Paukenschlag machte.

Den Rest kann man hier nachlesen. Daß Kositza und ich dann am Abend vor dem letzten Messetag in Frankfurt nicht auf der Hut waren und von Linksextremisten hinterrücks angegriffen werden konnten (Kositza laboriert bis heute an einem angerissenen Kreuzband), hätte nicht sein müssen. Irgendwann aber mußte so etwas passieren, und es paßte zur hybriden Stimmung, in der wir uns befanden: Während dreier aufeinanderfolgenden Buchmessen die Schlagzeilen mindestens mitzuprägen, wenn nicht zu dominieren - das war eine Herausforderung, die wir meisterten und die uns an diesem letzten Abend euphorisch und unvorsichtig werden ließ.

In zweieinhalb Monaten ist nun schon wieder Messe. Wir haben in Leipzig einen Stand angemeldet, bisher keine Bestätigung erhalten, aber dennoch mit den Planungen bereits begonnen. Es soll - wenn wir uns etwas wünschen dürfen - dieses Mal so sein, daß unsere Bücher im Vordergrund stehen, nicht unsere möglichst trickreiche oder provozierende Anwesenheit.

Denn wir verlegen Bücher, und wir machen eine Zeitschrift. Beides hat ja im mittlerweile vergangenen Jahr auf gutem Niveau stattgefunden. Ein paar Schlaglichter:

Den französischen Autor und aufgrund publizistisch-moralistischer Verfehlung als Lektor bei Gallimard geschaßten Richard Millet präsentierten wir mit der Essay-Sammlung Verlorene Posten und dem autobiographischen Bericht Töten aus dem Libanonkrieg - beide Bände erfuhren keine Würdigung im Feuilleton, obwohl sie von der Qualität der Übersetzung durch Christa Nitsch und der Luzidität der Gedankenführung her ein breiteres Publikum verdient hätten.

Zuvor hatten wir mit Alexander Schleyers Defend Europe. Eine Aktion an der Grenze der Dokumentationsfahrt der Identitären Bewegung gegen die Schleuserkriminalität im Mittelmeer zur Sprache in Buchform verholfen. Schleyer hat seither etliche Vorträge zu seinem Einsatz als Schiffsoffizier gehalten - er verkörpert als Autor und Typ den Guerilla, der den Mächtigen bis zur Raserei auf die Nerven gehen kann.

Wir legten mit dem Roman Die blaue Insel den vierten Raspail-Roman in deutscher Übersetzung vor - eine meisterhafte Jugendperspektive auf die rasche, demütigende Eroberung Frankreichs durch die Wehrmacht 1940. Raspails Suche nach wenigstens ein paar Helden, die auf verlorenem Posten die Fahne trotzig hissen, ist natürlich auch in diesem Buch vom Erfolg gekrönt.

Herausgegeben von Stefan Scheil erschien bei uns die Kriegsschuldstudie Die dreiste Fälschung aus der Feder eines Franzosen - ein Dokument aus dem Jahr 1925, das mit der Kriegstreiberei Frankreichs und Rußlands sehr hart ins Gericht geht und den Deutschen ein ziemlich stilles Blatt austeilt.

Zuletzt erschien bei uns Udo Ulfkottes letztes Buch: Alles Einzelfälle ist eine Darstellung des Zusammenhangs zwischen der Massenmigration aus kulturfremden Ländern und dem krassen Anstieg von Sexualdelikten in Deutschland. Solche Bücher wollen wir nicht unbedingt, müssen sie aber machen: Sie dienen der Aufklärung und der Dokumentation zugleich.

Und dann sind da noch die kaplaken, die knappen Essays in Hardcover gebunden, von denen das bisher bekannteste Sieferles Finis Germania ist. Dieser 50. Band der Reihe hat das Gesamtprogramm zu hohem Bekanntheitsgrad geführt, und wir haben einfach weitergemacht, obwohl wir manchmal denken, daß uns die Autoren und die Stoffe ausgehen könnten. Aber nein: 2018 haben Lichtmesz, Liebnitz, v. Waldstein, Rabehl, Bensberg, Braun, nochmals Lichtmesz, Wessels, Preusse und de Benoist kaplaken beigesteuert - wir sind bei Band 60 angelangt und sehen kein Ende ab.

In der Tat, wir sehen kein Ende ab, und dennoch ist das Verlegersein seit der Loci-Aktion auf der Frankfurter Buchmesse etwas anderes als noch zuvor. Ich meine damit nicht, daß unser nochmals gestiegener Bekanntheitsgrad unsere Arbeit verändert hätte, auch nicht der Tritt an den Hinterkopf.

Ich meine etwas anderes, ich meine die Stille nach dem Schuß.

Worauf hoffen wir eigentlich? Auf einen Durchbruch? Sind wir nicht längst durchgebrochen, eingebrochen in eine Stellung, die nun die unsere ist und die "der Gegner" wütend bekämpft, weil er den Verlust der Macht, ausschließlich selbst die Themen setzen zu können, nicht akzeptieren will? Ist dieser Gegner nicht immer noch in der Lage, die Deutung über ein von uns gesetztes Thema zu bestimmen, zu betonieren?

Wir spähen unseren seltenen Treffern nach und werten dabei jedes indifferente Wort aus den Reihen des politisch-medialen Komplexes als Erfolg, als substantielle Verunsicherung des Gegners. Wohin aber führt dieses nachgerade süchtige Lauschen auf den Nachhall eines Schusses?

Ich will es einmal so ausdrücken: Es führt letztlich dazu, daß wir sehr vieles verpassen - den Genuß des Erfolgs, den guten Schlaf, gelassene Stunden, tagelanges, nicht-vernutzendes, eintauchendes Leben und Lesen. Wir meinen, daß wir noch besser zielen sollten, weil die Wirkung nicht ausreicht. Wir fragen uns: Dürfen wir lesen, während andernorts sich Leute zu einem Demonstrationszug formieren? Dürfen wir absagen, weil wir meinen, in Dresden oder andernorts alles gesagt zu haben, was von unserer Seite aus gesagt werden konnte? Dürfen wir nur Verleger sein, nur Redakteure, nur Publizisten, dürfen wir Schabernack in Messehallen treiben, dürfen wir die Normalität des Büchermachens vorführen?

Das war einmal.

In meinem ersten Buch, Raki am Igman, den Reportagen aus Bosnien, wo ich als Leutnant von Sarajewo aus in die zerstörten Regionen fuhr, beschrieb ich in einem der Texte, daß es Augenblicke gäbe, in denen in einem etwas zerbräche wie eine Eierschale. Man kann danach nicht mehr so tun, als liefe einem der Dotter nicht über die Finger.

Oder es ist wie mit den Glasbildern in Michael Endes unendlicher Geschichte: Wenn das Geschrei zu laut geworden ist, zerbrechen sie einem in den Händen.

Schwächeanfall.

Dann legt man die Scherben beiseite und streift sich die Rolle über als zweite Haut. Dienstantritt.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (21)

Frieda Helbig
5. Januar 2019 10:41

Seien Sie gewiß, Sie treten diesen Dienst nie alleine an.

Danke für Alles!

Hartwig aus LG8
5. Januar 2019 12:10

"Stille nach dem Schuss", "Spähen nach seltenen Treffern".

Manchmal hört sich das Echo ganz anders an, als der Ruf. Aber auch so etwas (siehe Link) nenne ich Treffer.
Und wer diese Postille kennt, kann die Grabenkämpfe erahnen.

http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Solidarisch-gegen-Gewalt

Ein gebuertiger Hesse
5. Januar 2019 14:09

Die letzten paar Sätze gehören zum stärksten, was hier seit langem zu lesen war. Das Wort "Dienstantritt" als Schlußpunkt ist eine neurechte Setzung, die in jedem, der empfangsbereit ist, einen großartig weiten Hall erzeugt. Es packt einen bei Ehre und an der Gurgel und gemahnt daran, was NUTZVOLLES Dienen sein kann (Montherlant meinte mit dem umgedrehten Begriff aber ohnehin das gleiche). So funktionieren poetische Zauberformeln zum richtigen Zeitpunkt - und mehr kann man, wenn man schreibt, womöglich gar nicht schaffen. Alles weitere ist in die Hände des Lesers gelegt, die, wenn sie ausgreifen, klug agieren mögen.

Old Linkerhand
5. Januar 2019 16:27

"Es gibt Leute, denen man ohne jeden Vertrag, einfach per Handschlag oder auf Zuruf, das eigene Vermögen, sensible Daten, die Kinder, eine Rettungsaktion anvertrauen würde, wissend, daß sie keine Sekunde lang auf irgendeinen eigenen Vorteil bedacht wären oder fahrlässig mit dem ihnen anvertrauten Gut umgingen. Von anderen weiß man, daß sie eine menge Ausreden und Gründe dafür vorbrächten, warum es wieder einmal nicht geklappt habe. Dies sind - ich muß es leider sagen! - meist die Gesinnungsbetrunkenen und die jüngeren."
Das ist auch meine persönliche Trennlinie! Leider werden die Blender und Betrüger immer mehr.
"Dürfen wir lesen, während andernorts sich Leute zu einem Demonstrationszug formieren? Dürfen wir absagen, weil wir meinen, in Dresden oder andernorts alles gesagt zu haben, was von unserer Seite aus gesagt werden konnte? Dürfen wir nur Verleger sein, nur Redakteure, nur Publizisten, dürfen wir Schabernack in Messehallen treiben, dürfen wir die Normalität des Büchermachens vorführen?"
Ja, Ja und Ja und alles erdenklich Gute im Neuen Jahr.

Sara Tempel
5. Januar 2019 17:26

Mann, Mann, Mann, der Loci-Trick war in der Tat der clou des Jahres! Hat mich spontan an den gleichnamigen Film mit Lancaster und Newman erinnert (ok, nicht alles was hinkt, ist auch ein Vergleich), wo dieser Mobster am ihm „servierten Menue“ lange zu verdauen hatte.
Herr K., sie sind mein Ritter, und Sie Frau K. meine Ritterin, mit vielen treuen Knappen, da geht einem das Herz auf. Der Stein mußte darob wohl 3mal schlucken?!
(mit entsprechendemThymos geschrieben !!)

numerusclausus
5. Januar 2019 19:09

"Die Stille nach dem Schuß" dient der Vorbereitung auf den nächsten.

Ich wünsche noch zahlreiche Treffer. In diesem Sinne: ausrichten und Feuer!

Laurenz
5. Januar 2019 20:28

Die Patrioten dieses Landes besitzen viel zu wenige Kämpfer, die auf den eigenen Vorteil im unternehmerischen Sinne bedacht sind.

H. M. Richter
5. Januar 2019 20:30

"Manchmal hört sich das Echo ganz anders an, als der Ruf." [Hartwig aus LG8]
____________________________

Das von Ihnen angesprochene Solidaritätskonzert mit hunderten von Teilnehmern vom gestrigen Freitag für die von Linksextremisten verwüstete Gaststätte bei Leipzig, in der vor kurzem eine AfD-Veranstaltung stattgefunden hatte, gehört für mich zum Ermutigendsten der letzten Zeit überhaupt.

Dieses Konzert ist Echo, und es ist Ergebnis von Ermutigung durch andere. Zugleich ist es Signal und Ermutigung für andere.

https://www.youtube.com/watch?v=hGrmb51K430

Wenn dabei DIE Hymne der oppositionellen DDR-Rockmusik überhaupt - "Wer die Rose ehrt" [Renft] - gespielt wurde, dann ist dies ein ganz besonderes Signal. Vielleicht sogar eines mit Signalwirkung ...

Interessant, vielleicht nicht nur für Grambauer, daß auch "Sag mir, wo Du stehst" (s. 2:30 Min.) gespielt wurde.

Da paßt ins Bild, daß die Verursacher für den gegen das Parteibüro der AfD in Döbeln gerichteten Sprengstoffanschlags aufgrund von Bürgerhinweisen festgenommen wurden, - festgenommen werden mußten ...

Unke
6. Januar 2019 00:19

Lieber Herr Kubitschek, Sie haben keine Ahnung wie groß die Freude ist, die Sie vielen mit dieser Aktion (ksa forever!) bereitet hatten und haben. Ein einfaches „Danke“ ist viel zuwenig, was ich dafür aufbieten kann, aber ich hoffe doch das Bewusstsein, dass ich nicht der einzige bin die aufkeimende Resignation zuverlässig in die Soffitten verschwinden lassen möge!

Waldgaenger aus Schwaben
6. Januar 2019 08:33

Keine Jammern, kein Triumph - die unaufgeregte, nüchterne Art des Berichts ist beeindruckend. Der erfolgreichste Scharfschütze aller Zeiten, der Finne Simo Häyhä, der im Winterkrieg seine Heimat gegen die Sowjetunion verteidigte, wurde einmal von einer Journalistin gefragt, was er empfunden hätte, wenn er abdrückte. "Den Rückstoß", war die lakonische Antwort.

Monika
6. Januar 2019 12:35

Ich habe den vierteiligen Rechenschaftsbericht nochmals durchgelesen. Zuallererst meine Hochachtung für die verlegerische, familiäre und metapolitische Leistung. Sie schreiben in Bericht II:
"Solche Fragen sind, wenn sie von den eigenen Kindern gestellt werden, immer mit der Hoffnung verknüpft, daß den Eltern, den Leithammeln, ein Weg, eine Handlungsmöglichkeit bekannt sei. Natürlich können unsere mittlerweile doch recht großen Kindern auch die Wahrheit verkraften: daß wir ab und an dann doch mit unserem Latein am Ende sind und uns in einem Wechselspiel aus Konfrontation, Inszenierung und Angriffsgeist, Fremdheit und Unversöhnlichkeit zu einem nicht geringen Teil auch selbst für die Festlegung auf eine bestimmte Rolle im Gesamtspektakel verantwortlich sind."
Dies scheint mir ein Schlüsselsatz ! Und ich möchte an das Kommentariat weitergeben: Kubitschek und Kositza sind keine Leithammel oder Leitziegen und wir Leser sind keine kleinen unmündigen Kinder !!! Jeder von uns muß seinen Handlungsspielraum im Gesamtspektakel bestimmen und gestalten . Schnellroda kann allerfalls ein "Ideengeber" und ein Vorbild sein. Mehr nicht. Wer hier mit persönlichen Schwächen und überzogenen Erwartungen das alles überfrachtet, wird enttäuscht werden. Und das ist Schade. Ja, wenn wir aus diesem amüsanten Boot aussteigen wollen, sollten wir nicht nachtreten und die beleidigte Blutwurst spielen.
2. Der loci Coup war einmalig. Dafür Danke. Man spürt den Spass aller Beteiligten, dieses Stück auszuhecken. Ich hoffe, es hat auch im unternehmerischen Sinne etwas gebracht.
3. Zum eingestampften Paglia-Buch. Das ist sehr , sehr schade - Kubitschek räumt zögerlich (seinen) Formfehler ein. Zum Trost: aus einer solchen Niederlage kann große Kraft erwachsen!

Es wäre noch einiges zu sagen und zu fragen: Was macht die Umfrage, die vor Weihnachten gestartet wurde? Worauf hoffen wir eigentlich? Zuallererst auf Gott. Ich zumindest auf interessante Diskussionen im Forum ( einige Selbstdarsteller nerven). Und eine subversive Aktion würde mir auch Spaß machen. Ansonsten wünsche ich der Verlegerfamilie , daß sie auf einer Buchmesse " unspektakulär als normaler Verlag neben anderen Verlagen auftreten kann" mit einer spektakulären Neuerscheinung. Und wenn alle Stricke reißen, kann man im Alter immer noch auswandern und ein nicht vernutzendes Leben mit Büchern führen. Alles Gute der ganzen Familienzum Neuen Jahr !
Monika

Der_Juergen
6. Januar 2019 15:24

Anstelle eines langen Kommentars ein kurzer, aber herzlicher Dank an Kubitschek, Kositza und ihre Mistreiter für ihre grossartige Arbeit. Dass "Sezession" und die Kaplakenbände nur von relativ wenigen Menschen gelesen werden, ist kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Man vergegenwärtige sich, dass alle gesellschaftlichen Veränderungen auf die Tätigkeit kleiner Minderheiten zurückgehen. Die grosse Masse wechselt erst das Lager, wenn der Boden dafür bereitet ist, und hierzu leistet Sezession einen sehr erheblichen Beitrag.

Dafür, dass die von den Autoren behandelten Themen ihre Aktualität nicht verlieren, sondern im Gegenteil immer brennender werden, sorgt das System mit seiner Politik selbst.

2019 wird spannend!

Sylvia Taraba
6. Januar 2019 15:42

Vor gut eineinhalb Jahren bin ich in verzweifelter Suche nach Weiterbildung durch Wissende, Gebildete, Passionierte, längst Fortgebildete, Linkskenner und sozusagen Konservativgeborene, Traditionsgebundene mit größter Freude auf den Verlag, den Verleger, die Lektorin, Rezensentin, das Paar, die Mitarbeiter und Kommentatoren der Sezession gestoßen. Als Bewunderin der Sezession fand ich unter den Autoren und Autorinnen noch dazu unglaubliche vier Österreicher(innen), die ich persönlich kennen lernen durfte. Nach all diesen Monaten des Erstaunens, dem Miterleben und Mitfühlen mit allen Vorgängen und Vorkommnissen draußen im Leben und drinnen im Haus, und gerade jetzt nach diesem von Bescheidenheit und menschlicher Größe getragenem Jahresrückblick über freche Interventionen, maßvolle Konfrontationen und unglaubliche Geschehnisse, möchte auch ich mich zutiefst bedanken, nicht nur für das unwahrscheinlich wohltuende Gefühl einer zeitgenössischen Zugehörigkeit, der profunden Informationsmöglichkeit, vier Metern Bücherzuwachs, der Möglichkeit Zusammenhänge herzustellen und Vorgänge zu durchschauen, sowie last not least, die wunderbaren Buch-Rezensionen und das literarische Terzett und ein Institut für Staatspolitik. Wow. Danke! Und nochmals beste Wünsche und weiterhin, Kraft, Gleichmut und diese gute Energie, um auf der Welle der glücklichen Inspiration zu bleiben - auch für das Kommende Jahr und die Jahre danach!

LotNemez
6. Januar 2019 16:34

@Monika
"Schnellroda kann allerfalls ein "Ideengeber" und ein Vorbild sein. Mehr nicht. Wer hier mit persönlichen Schwächen und überzogenen Erwartungen das alles überfrachtet, wird enttäuscht werden. Und das ist Schade. Ja, wenn wir aus diesem amüsanten Boot aussteigen wollen, sollten wir nicht nachtreten und die beleidigte Blutwurst spielen."

Sie treffen mit der Blutwurst die Nadel auf den Kopf. Im Ernst: Daher gefällt mir auch das Motto "Dienstantritt". Ein Rechts e.V., in dem man sich die ganze Vereinsmeierei erlaubt, die man sich wochentags auf Arbeit verkneift, mündet in Beliebigkeit und Zerfaserung. Dafür sollte man sich bei Bedarf ein anderes Ventil suchen. Ich fasse mir dabei auch an die eigene Nase und wünsche uns allen ein frohes und tatkräftiges Jahr 2019.

Elvis Pressluft
6. Januar 2019 19:37

Noch aus Teil II: „Ist der Ernstfall (also der Verteidigungsfall der eigenen Kultur) in Deutschland ausgeschlossen?“ – Entschuldigung, aber die Frage kann nur im rhetorischen Register gestellt sein, oder? Daß der Ernstfall da ist, zeigt mir ein Blick aus dem Fenster oder der Gang durch die Fußgängerzone (in einem bis vor ein paar Jahren noch meist friedlichen norddeutschen Provinznest). Auch ich habe die Antwort nicht – allerdings eine deutliche Intuition, in welcher Richtung die Antwort zu suchen ist. Dies hier en detail zu entwickeln verbietet sich aus naheliegenden Gründen. Gesagt sei allerdings: Der befreundete Kfz-Mechaniker, der das über Nacht demolierte Auto kostengünstig instandsetzt; das Solidaritätskonzert, um die Folgen eines unerwarteten Hausbesuchs der „Anti“fa zu mildern … das alles ist überaus erfreulich und ehrenwert, wird aber – für sich genommen – unser Land nicht retten.

Sara Tempel
6. Januar 2019 19:57

@Monika: Sie haben die Ordungszahl 1. vergessen, nichtsdestoweniger möchte ich mich dazu äußern. Was veranlaßt sie dazu, den Stab über Kommentatoren zu brechen? Kennen Sie diese Leute persönlich? Ich für meinen Teil kann Ihnen nur Glück wünschen, daß sie nicht, wie ich an einer unheilbaren Krankheit leiden, die ich nur ertrage, weil ich in meinem Mann einen Superpfleger habe ! Wir tun das was wir meinen zu können, um diesen "Laden" zu unterstützen. Das dürfte doch Legitimation genug sein, auch mal etwas beiseite Gesprochenes zu äußern !?
"der Splitter ... usw.

Monika
6. Januar 2019 22:28

@Sara Tempel
Ich verstehe nicht ganz, was sie meinen. Ich wollte keinen Stab über die Kommentatoren brechen. Die ich im einzelnen nicht persönlich kenne. Ich glaubte, aus dem Rechenschaftsbericht auch die große Anstrengung der Verlagsarbeit, Familienarbeit und Verantwortung für die Leser herauslesen zu können. Ich denke, die wenigsten von uns würden diese Herausforderung auf sich nehmen und zusätzlich die täglichen Anfeindungen ertragen können. Deshalb mein "Appell",
die Familie Kubitschek/Kositza nicht zu überfordern mit "Kindereien". Da muß sich niemand persönlich angesprochen fühlen. Ich meine auch nicht mal was "beiseite Gesprochenes".
Sondern eher persönliche Eitelkeiten. Hiervon nehme ich mich selbst nicht aus.

Stil-Bluete
6. Januar 2019 22:43

@ Sara Tempel @ Monika

Ungern fängt man im neuen Jahr mit Kritik an. Da heute das Aufräumen der 'Raunächte' zu Ende geht, noch kurz ein letztes Ausfegen, wahrlich keine Drecksarbeit, nur ein Staubwischen.

Eine 'Stabbrecherin' kann ich in Monika nicht ausmachen. Vielmehr erscheinen Sie und Monika mir in Ihrer Art gleichermaßen entfernt und nahe.

In diesem Sinne: Ihnen und Ihren Treuen, Angetrauten, Lieben im neuen Jahr Heil und Segen.

Stil-Bluete
6. Januar 2019 22:52

@ Sara Tempel
@ Monika

Ungern fängt man im neuen Jahr mit Kritik an. Da heute das Aufräumen der 'Raunächte' zu Ende geht, noch kurz ein letztes Ausfegen, wahrlich keine Drecksarbeit, nur ein Staubwischen.

Eine 'Stabbrecherin' kann ich in Monika nicht ausmachen. Vielmehr erscheinen Sie und Monika mir in Ihrer Art gleichermaßen entfernt und nahe.

In diesem Sinne: Ihnen und Ihren Treuen, Angetrauten, Lieben im neuen Jahr Heil und Segen.

'Dienstantritt': Im Dienst der Sache - verdienen - 'Erster Diener des Staates', dienstbare Geister des Hauses... - also nicht 'a. D.' Mehr als genug!

Olsenbande
7. Januar 2019 01:05

Sehr geehrter Herr Kubitschek ,ich bin nicht der Mann der großen
Worte ! Mehr derTaten.Ich sage nur wenn Sie Hilfe und Unterstützung brauchen ,Ich stehe bereit!!
Schönen Gruß aus der Region (Nebra)

Gustav Grambauer
7. Januar 2019 09:31

H. M. Richter

"Sag mir, wo du stehst"

Na, Hartmut König und der ganze Oktoberklub werden sich freuen! Es trifft auf dieses Lied ausnahmsweise nicht zu, habe mir nach 1990 die Augen gerieben, wieviele solcher Lieder auf beiden Seiten gesungen wurden und werden, z. B.

https://www.youtube.com/watch?v=G2pG5ac950M

https://www.youtube.com/watch?v=xJlZk1S8kFA

Oder:

http://ingeb.org/Lieder/durchsge.html

- G. G.

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