Sezession
18. März 2019

Netzfundstücke (2) – Party, Mobbing, Todesfall

Jonas Schick / 9 Kommentare

„The Times They Are a-Changing“, Reinhold Beckmann hätte sich keinen passenderen Inspirator suchen können.

Er wählte für sein „vergiftetes Geschenk“ an Matthias Matussek anläßlich dessen 65. Geburtstags Bob Dylan. In der Tat, die Zeiten und Dinge ändern sich und haben sich bereits geändert, nur nicht so, wie das den „Granden“ der deutschen Medienwelt schmecken mag. Was war geschehen?

Matussek hatte es gewagt, zu seinem Geburtstag alte und neue Weggefährten einzuladen – darunter auch Mario Müller, ehemaliger C-Star Matrose und Buchautor von Kontrakultur im Antaios-Verlag. Aus seiner nonkonformen, selbstverständlichen Haltung heraus hatte der Hausherr Szenen seiner Feier auf Facebook veröffentlicht, auf denen Müller zu sehen war.

Das rief umgehend die dauerempörte Medien-Antifa in Gestalt ihres Lieblingssaubermanns Jan Böhmermann auf den Plan, der sich in der Manier eines beleidigten Primaners in Meldeaktivitäten ergoß. Über den Her- und Nachgang plus illustrer Gästeliste der skandalösen „Nazi-Party“ weiß Alexander Wendt (selbst Geladener dieser diabolischen Zusammenkunft) ausführlicher zu berichten.

Es soll zudem der „Pegida-Bücherwurm“ Susanne Dagen anwesend gewesen sein, der mit Rechten in seinem Buchhausaufblättert, zuschlägt und liest – man munkelt, daß Matussek dort auch schon Gast gewesen ist: .

Mit welcher Geisteshaltung man derartigen Empörungsfronten des Feindes am besten begegnet, hat Altwrite-Wegner in den letzten Tagen spitzfindig auf seinem Instagram-Blog dargelegt: „(Meta-)Politik oder Selbsthilfegruppe – tertium non datur“.

Wer Macht über die Köpfe und den Diskurs verliert, der schäumt, der beißt – von dem braucht man keine Nettigkeiten erwarten. Ihre Rage ist Indiz unseres Erfolgs. Um es weiterhin mit Bob Dylan zu halten:

„The order is rapidly fadin'

And the first one now will later be last

For the times, they are a-changin'“

„Die Ordnung, sie ist im raschen Zerfall begriffen

Und die Ersten werden später die Letzten sein

Denn die Zeiten ändern sich“

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Ein anderer Auslöser linker Empörungswellen in dieser Woche war das Gedenken an das verstorbene Fan-Urgestein des Chemnitzer FC namens Thomas Haller gewesen.

Der langjährige Chef der CFC-Stadionsicherheit, der in seinen Jugendjahren Mitgründer der Hooligangruppe „HooNaRa“ gewesen sein soll, erlag vor rund einer Woche einem Krebsleiden. Jedoch wurde die Trauer-Choreographie, mit der die CFC-Fankurve beim Spiel gegen Altglienicke von einem der Ihren gebührenden Abschied nahm, von der virtuell auftrumpfenden Chemnitzer Antifa-Szene dazu genutzt, eine Hexenjagd zu initiieren.

Die Kollegen von Ein Prozent haben das „Paradebeispiel einer linksextremen Schmutzkampagne“ in zwei Beiträgen nachgezeichnet und die treibenden Akteure dahinter sichtbar gemacht: Teil 1 findet sich hier, Teil 2 da.

Ein letztes Lebewohl an einen Freund aus der Fanszene des CFC“ blieb den Chemnitzern dank antifaschistischen Furors verwehrt.

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Erneut den Blick auf die linke Seite des politischen Spektrums gerichtet, mußten die Vertreter der „alten“, an der sozialen Frage ausgerichteten Linken einen herben Schlag hinnehmen.

Sahra Wagenknecht verkündete ihr Aus bei der „Aufstehen“-Bewegung und zieht sich von der Fraktionsspitze ihrer Partei im Bundestag zurück. Die Kipping-Clique obsiegt und damit der Teil der Linken, der moralisierend Schmutzkampagnen lostritt und Gästelisten von Geburtstagsfeiern auf ihre Gesinnungstauglichkeit überprüft.

Wer etwas über den konservativen Tellerrand hinausschauen und die zentrale Motivation hinter „Aufstehen“ ergründen möchte, der findet in Bernd Stegemanns – Dramaturg und neben Wagenknecht tragende Figur von „Aufstehen“ – Moralfalle. Für eine Befreiung linker Politik eine Quelle aus erster Hand; wider den erhobenen Zeigefinger, für eine realistische Betrachtung der Welt.

Derweil elaboriert Benedikt Kaiser in einem konzisen Beitrag hier bei Sezession im Netz, welche Implikationen die Zerfallserscheinungen auf Seiten der Linken für unser Milieu haben dürften:

(…) die Linke wird zwischen Erzgebirge und Ostseestrand sukzessive auf ihren kosmopolitischen, urbanen, antifaschistischen Mehrheitsflügel zurechtgestutzt. Dieser freilich ist alles, aber sicherlich keine Alternative für Ostdeutschland.

Das ist zum Wochenbeginn doch mal eine gute Nachricht.



Kommentare (9)

Ein gebuertiger Hesse
18. März 2019 16:31

So schade es um die Steilvorlage der Lyrics auch ist, der Dylan-Song, den Beckmann für Matussek spielte, ist nicht der Bürgerrechts-Klassiker "The Times They Are a-Changin" von 1963, sondern das ultra-desillusionierte "Things Have Changed" von 2000.

Beckmanns Studio-Version des Songs: https://www.youtube.com/watch?time_continue=213&v=WkmProWgYOU
Das Original:
https://www.youtube.com/watch?v=L9EKqQWPjyo

Atz
18. März 2019 18:18

Hach! Berlin, Hamburg, der großstädtische Sumpf, ich lobe mir die Provinz. Voll im Bild - Der Ziehsohn von Höckes Medienberater hat publizistisch ganz schön vom Stapel gelassen gegen Matussek, ob das alles eine gute Show ist? Letzten Endes bleibt Matussek sakrosankt, der weiss halt wer mit wem kokst und kennt den ganzen Verein mit allen Bettgeschichten. Es ist das seltsame Ding bei Spiegel, Springer und co. Man ist immer ganz symbiotisch mit dem "Feind". Wer in der Jugend Hetzlieder gegen Springer komponierte, kann sicher sein, dass seine Gören da ein Pöstchen kriegen, und egal welche Sachen mitgebracht werden, man hat seinen Spaß.

Immer dem weissen Häschen hinterher. "Rabbit he'll run a mile/Poor little rabbit/Cries like a new born child". Lustig nicht, keiner schreibt über Drogen in der Redaktion. Zeit für einen Hof-Identitären bei den großen Medienhäusern in den Zentren der publizistischen Macht.

Andreas Walter
18. März 2019 21:10

Fundstück:

https://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/zwei-neue-boeing-737-max-abgestuerzt-aus-der-panik-geboren-wie-airbus-boeing-unter-zugzwang-setzte-mit-fatalen-folgen_id_10470002.html

Ach so. Airbus ist also daran schuld, wenn die Flieger von Boeing wegen Schlamperei vom Himmel fallen.

Erinnert mich irgendwie an "Deutschland ist schuld am Ersten Weltkrieg, weil die Produkte Made in Germany eben besser waren als der ganze Rest, und sich darum weltweit besser verkauft haben".

Allerdings gibt es auch in den VSA unfassbar viele Marxisten und darum Antiamerikaner, die auch dort ihr Werk der Zerstörung betreiben.

Die Alternative zu Nationen wäre allerdings ein globaler, orwellscher Albtraum, gegen den selbst die unselige Sowjetunion noch ein Witz war.

Doch der Lebenslauf dieses Lohnschreibers spricht ja für sich. Was hat so jemand darum überhaupt im Ressort Finanzen zu suchen.

Laurenz
18. März 2019 21:42

Man weiß nicht genau, ob Sich MM zwischen 2 "rechten & blonden" Amazonen wohl fühlen will oder nicht. Das Bild bleibt zwiespältig und zeigt eine gewisse Ungewohntheit, was im Vergleich zum sonstigen Umgang mit den Beckmann'schen, wohl alimentierten Warmduschern nicht verwundert. Letztere bieseln sich wohl schon in die Buchse, wenn der Russe noch hinterm Ural steht.

RMH
19. März 2019 08:22

Die alte Doppelmoral. Marxismus, K- und Mao-Gruppen, "Putztruppe" etc. sind romantische Jugenderinnerungen, die nach dem Motto "wer mit 20 Jahren kein Kommunist war, hatte keine Herz" gerne vergeben werden, ja sogar kokettierend präsentiert werden, da ein bisschen "Rebell" in der "Jugend" ja so schön unangepasst erscheint (dabei erfüllte man dann letztlich doch nur Zwecke anderer - die wirklichen echten 68, Hippies, Aussteiger und "Gammler" landeten meistens in der Gosse, im Drogentod oder bestenfalls in einer Sozialwohnung, in der es noch heute nach "schwarzer Krauser" stinkt - ein paar wenige wurden sogar "rechts").

Wenn einer einen vergleichbaren Weg von Rechts aus in Richtung "Mitte" oder zumindest politisch alternativ, demokratisch und gewaltfrei macht, dann geht das natürlich gar nicht.

Die Herrschaft des Verdachts eben. Und Leute wie Böhmermann und seine Truppe sind seine willigen Vollstrecker.

PS: Hoffe, dass jetzt nicht noch ein dritter Beitrag über die Geburtstagsparty von MM kommt.

Laurenz
19. März 2019 11:06

@RMH ..... Kinder, Jugendliche kopieren entweder die Handlungen ihrer Eltern oder sie gehen in eine 180 Grad-Opposition. Erst ab dem Alter von 25 Jahren bildet sich so etwas wie eine eigene Meinung aus, eben dann, wenn es abwärts geht. Von daher waren die Regelungen des Kaiserreichs bezüglich der Volljährigkeit artgerecht. Jürgen Trittin ist ein wunderbares Beispiel dafür. Geistig opponierte er gegen seinen Vater, äußerlich überholte er ihn, und sah immer geschniegelt wie der Führer persönlich aus (inklusive Postmannsbärtchen), halt nur blonder.

Atz
19. März 2019 12:35

Nehmen wir doch mal den Let's-bomb-bomb-bomb Kolumnisten von Springer. Der Richard Herzinger. Fast schon eine Karikatur des Bombenhuggers. Hat auch mal in der Jungle World geschrieben, die - aufgepasst liebe Böhmermänner - "vom Verfassungsschutz überwacht" wurde.

Null Problemo für eine konservative Zeitung. Alle irren Gewaltfantasien sind erlaubt für transatlantische Schulterschlüsse und philosemitische Extremismen.

Zum Trittin alias Onkel Jürgen. Der begann seine Karriere als grüner Punchbag der niedersächsischen CDU. Tritt-In. Die waren nur wirklich solche ländlichen Saufköppe mit Betonschädel, dass Onkel Jürgen ganz immun wurde und manche sagen ein wenig oberlehrerhaft.

Dabei ist der Böhmermann auch nichts anderes als ein Fanboy von rechts, so wie einst Springer gegen Dutschke schrieb, aber symbiotisch. Ohne Springer gäbe es keinen Bombenrudi. Ach, übrigens die Straße, in der sie Redaktionskonferenz halten, heisst, na, na... Alle wie bei der Verfolgung von Homosexuellen in der katholischen Kirche während die meisten Priester schwul veranlagt sind. Je schwuler, desto mehr Hatz gegen die "Homogestörten".

RMH
19. März 2019 13:30

"Kinder, Jugendliche kopieren entweder die Handlungen ihrer Eltern oder sie gehen in eine 180 Grad-Opposition."

Na, da kann sich die Familie Kositza Kubitschek aber freuen, bei der Zahl von Kindern dürfte es mindestens 1x Opposition geben ... ;)

Lotta Vorbeck
19. März 2019 20:52

@RMH - 19. März 2019 - 01:30 PM

"... Na, da kann sich die Familie Kositza Kubitschek aber freuen, bei der Zahl von Kindern dürfte es mindestens 1x Opposition geben ... ;)".

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Könnte, muß aber nicht!

... und selbst dann stände es noch immer 5 : 1.

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