Sezession
12. März 2019

Wagenknecht, die »soziale Frage« und wir (4)

Benedikt Kaiser / 59 Kommentare

Sahra Wagenknecht verläßt die Führung von »Aufstehen« und zieht sich von der Fraktionsspitze im Bundestag zurück: Machtfrage gestellt und verloren.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Wie bereits hier, hier und hier dargelegt, verfolgten wir als Redaktion der Sezession die Entstehung einer anvisierten linken Sammlungsbewegung zugleich mit Interesse, Neugier und Gelassenheit. Nun zeigt sich: Die Gelassenheit war begründet; »Aufstehen« ist sitzengeblieben.

Die Gruppierung, so ambitioniert ihr Ziel einer überparteilichen linken Plattform mit Ausstrahlungspotential auf Unzufriedene jenseits aller Lager auch gewesen sein mag, war von Anbeginn ihrer Proklamation im Sommer 2018 keine wirkliche »Bewegung«.

Sie wurde am Reißbrett von klugen Köpfen wie Wagenknecht und Bernd Stegemann entworfen, wies aber zu wenig intellektuelle Größen wie Wolfgang Streeck auf. Vor allem aber fehlten lebendige, gärende, gewiß anstrengende Prozesse einer aktionsorientierten Basis. Der Versuch, sich nachträglich eine breites Unterstützungsfundament mit entsprechendem Wachstumsstreben zu generieren, schlug fehl.

Zwar gab es bundesweit lokale Vernetzungstreffen mit zum Teil bis zu 200 Teilnehmern. Aber alles blieb diffus – Organisation, Theorie, Praxis. Offenbar hatte man kaum Erfahrung mit außerparlamentarischer Netzwerk- und Kampagnenarbeit. Wagenknecht selbst ist es eher gewohnt, in Talkshows, in Interviews und im Plenarsaal zu glänzen.

Konstant und regelmäßig unter Menschen zu gehen und sich in die Kärrnerarbeit flächendeckenden Strukturaufbaus zu vertiefen, war ihre Sache indes noch nie, was an und für sich kein Grund für allfälliges Scheitern wäre – nur fand sich eben niemand, der ihr diese eminent bedeutende Arbeit abnahm und professionell erledigte.

Dabei wollte »Aufstehen« genau das abbilden: Eine populare »Bewegung«, die Proteststimmungen bündelt und die allgemeine Unzufriedenheit ob der herrschenden Verhältnissen in linke Fahrwasser kanalisiert. Nur macht es eben den Wesenskern einer jeden politischen Bewegung aus, Mobilisierungspotential, Vernetzungsarbeit und Kampagnenfähigkeit publikumswirksam zu verbinden. Nichts davon gelang »Aufstehen«.

Stattdessen wurde die Netzseite samt aller Mailadressen zwischenzeitlich abgeschaltet, weil es Unklarheiten über die Bezahlung gegeben haben soll; stattdessen fremdelte die spärlich erschlossene Basis mit der bisweilen autoritär wirkenden Führung; stattdessen blockierten Grüne, SPD und Wagenknechts Linkspartei jedes Ausgreifen der Ideen der Aufstehen-Kernmannschaft um Wagenknecht, Stegemann, Fabio de Masi und andere auf ihre starren Strukturen und Denksysteme.

Im August 2018 schrieb ich an dieser Stelle:

So entsteht keine Dynamik, und die relevanten Akteure von SPD, Grünen und Linkspartei gehen bereits jetzt auf Abstand. Das liegt natürlich an der entstehenden Konkurrenzsituation, an Wagenknecht, an Grandseigneur Lafontaine, an eben den klugen Köpfen um Fabio de Masi und Co. (die ohnehin seit geraumer Zeit als »linksnationale« Abweichler verdächtig erscheinen).

Es liegt aber auch daran, daß die bundesdeutsche Linke die Notsituation, in der sie sich befindet, nicht begreifen will; sie ist erkenntnisblind, ideologisch auf Irrwegen und inhaltlich wie strategisch erfreulich beratungsresistent. (...)

Aufstehen wird daher kein Rettungsanker für die Linke bedeuten, sondern ein letztes Aufbäumen linkssozialdemokratischer Restvernunft, gepaart mit nationalstaatlicher Pragmatik, die dem linken Lager freilich zu weit geht.

Dieses Aufbäumen ist nichts mehr wert ohne Wagenknecht. Nur sie war telegen, populär, intellektuell und über Lagergrenzen hinweg anerkannt bzw. beliebt zugleich, nur sie hätte, bei einem forscheren und entschlosseneren Antritt des Projekts, das Gesicht einer – wenngleich kleinen – linken Tendenzwende verkörpern können.

Daß gerade sie, die unbändigen Arbeitsfleiß entwickeln kann, ausgerechnet jetzt erkrankte, und von zahlreichen internen wie externen Faktoren gehemmt wurde, mag dafür mit ausschlaggebend gewesen sein.

Den Hauptgrund darf man jedoch in jener ätzenden Art und Weise vermuten, mit der das Kipping-Mehrheitslager der Linkspartei, relevante Personen der Grünen und die Resterampe der Sozialdemokratie dem Wagenknecht-Aufbruch entgegentraten. Wagenknecht leugnet heute nicht einmal mehr, daß es um Mobbing-ähnliche Verhaltensweisen ihrer Genossen geht.

In meinen neuen kaplaken-Band Blick nach links, der in wenigen Tagen bei Antaios erscheint, habe ich u. a. auch einen Text zu »Aufstehen« und Wagenknecht aufgenommen, der wie folgt endet:

Es ist nicht auszuschließen, daß die Spirale der innerlinken Anti-Wagenknecht-Agitation im Zuge der Konkretisierung des Vorhabens und weiteren Verstößen gegen antifaschistische Verhaltensgebote in offene Abneigung und Haß umschlägt, ja daß die Köpfe der anvisierten linken Sammlungsbewegung aus der politischen Linken flüchten müssen – dann, erst dann werden die Karten neu gemischt.

Es ist vorstellbar, daß jene, die heute versuchen, Realismus und Gemeinschaftsdenken aufs neue in die Linke einzubringen, aus diesem hybriden Konstrukt verstoßen werden. Bei antifaschistischen Wannabe-Exekutoren wetzt man in diesem Sinne bereits die publizistischen Messer:

Der Grandseigneur des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung Wolfgang Streeck, der nicht nur die bereits zitierten verweltbürgerlichten Linken kritisierte, sondern zuletzt bei einer „Aufstehen“-Veranstaltung äußerte, eine Gesellschaft ohne Grenze sei keine Gesellschaft und man könne zudem eine Grenze nur öffnen, wenn man sie habe, wird vom antideutschen Grandseigneur Hermann L. Gremliza daraufhin spöttisch in die Nähe des ausländerfeindlichen Terrorismus gebracht: „Wenn ein Ausländerheim nicht brennt, kann man’s nicht löschen.“

Wer solche Genossen hat, wird angesichts dieser Verfallsform der gegenwärtigen Mehrheitslinken nicht mehr unbekümmert und vorwärtsdrängend am Projekt des Aufstehens arbeiten können.

Einige Monate nach Niederschrift dieser Passage sehe ich wenig Anlaß, sie zu ergänzen oder gar zu korrigieren. Wagenknecht ist – politisch – am Ende; ihr Wirkungskreis wird sich fortan vermutlich auf ihre Rolle als Public Intellectual beschränken.

Für die sozial und popular orientierte Rechte birgt das verbriefte, nicht weiter nur gemutmaßte Ende der nationalstaatlichen, kommunitaristischen und »populistischen« Linken eine ungeheure Chance. Und die AfD kann das Ost-Superwahljahr 2019 mit seinen Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg nun entschlossen als einzige Kraft bestreiten, die entlang der Grundpfeiler Identität, Sicherheit und Solidarität operiert.

Insbesondere in den »neuen Bundesländern« der Bundesrepublik glaubten viele Linkswähler nämlich hartnäckig, die Partei Die Linke wäre Wagenknecht und Wagenknecht wäre die Partei Die Linke – damit dürfte Schluß sein, und die Linke wird zwischen Erzgebirge und Ostseestrand sukzessive auf ihren kosmopolitischen, urbanen, antifaschistischen Mehrheitsflügel zurechtgestutzt.

Dieser freilich ist alles, aber sicherlich keine Alternative für Ostdeutschland.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Bitte überweisen Sie auf das Konto:

Verein für Staatspolitik e.V.
IBAN: DE86 5185 0079 0027 1669 62
BIC: HELADEF1FRI

Oder nutzen Sie paypal:

Kommentare (59)

Sandstein
12. März 2019 17:02

Die Linke weiß ja gar nicht, was sie sich damit antut.
Da wird die einzige Person kaltgestellt, die über alle Parteigrenzen und Ideologie-Kammern hinweg gehört und für voll genommen wird.
Im Grunde die einzige Linke, der man wirklich mal zuhören kann.
Als sie auf einem der letzten Parteitage davon sprach, dass ein Sozialstaat natürlich Grenzen bräuchte, da standen innerhalb von Sekunden die Choleriker_innen (es waren eigentlich fast nur Frauen..) am Saal-Mikrophon zwecks peinlicher Befragung.
Nicht therapierbar der Laden und es ist gut so, dass diese wirklich intelligente Frau sich nicht weiter für ihn aufreibt.
Ich bin so mutig und sage in 5 Jahren steht die bei uns.

Laurenz
12. März 2019 17:32

Die Analyse von Herrn Kaiser ist nachwievor exakt und gut. In der Schlußfolgerung möchte ich gerne etwas abweichen. Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht starteten in meinen Augen schlicht einen Versuchsballon wider besseren Wissens, um festzustellen, inwieweit man den Gelbwesten-Furor der gallo-romanischen Heloten über die Grenze schwappen lassen könnte. Frau Wagenknecht lief desöfteren selbst mit 200 Hanseln als Eskorte in einer solchen Weste mit Strahlkraft erfolglos durch Berlin. Auch mag dies der absehbaren Rest-Lebenszeit von Oskar Lafontaine geschuldet sein, Sahra Wagenknecht ist 1/4 Jahrhundert jünger und hat noch Zeit. Beide Protagonisten vergaßen wohl auch, daß die linke Agitprop nur mit Sponsoring, am besten aus Steuermitteln, funktioniert. Das geschätzte mutmaßliche Brutto-Monats-Einkommen des Ehepaars Lafontaine/Wagenknecht von ca. 50.000 Euro reicht nicht aus, um die Antifa permanent für Demos zu buchen. Und die Organe der Linken haben natürlich nichts locker gemacht, was für sie Macht- und Deutungsverlust bedeuten würde. Daß Frau Wagenknecht Mensch ist, und das Mobbing der SED-Nachfolger Ihr zu Schaffen und krank macht, ist nachvollziehbar. Andererseits ist es wahrscheinlich, daß Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht ganz bewußt aktuell diese Entscheidung in Anbetracht der anstehenden Wahlen getroffen haben, und zu derselben Analyse und Wahl-Prognose gekommen sind, wie Herr Kaiser auch. Daher ist die Schlußfolgerung von Herrn Kaiser, daß Sahra Wagenknecht in die politische Bedeutungslosigkeit rutschen wird, unwahrscheinlich. Herr Kaiser widerspricht sich quasi selbst. Die Linke hat nach dem weitestgehenden Abgang von Gregor Gysi und Oskar Lafontaine nur noch Sahra Wagenknecht als charismatische Figur, die man auch in einer Talk-Schau reden lassen kann, das Gegenstück zu Herrn Höcke quasi. Wenn die diesjährigen Wahlergebnisse der Linken wirklich einbrechen sollten, wird jeder, wie Herr Kaiser, wissen, warum. Die Abgeordneten der Linken, die dann aus dem jeweiligen Parlamenten fliegen, werden dann nach Sahra Wagenknecht rufen, um die zunehmende Bedeutungslosigkeit der Linken aufzuhalten. Nach einer solchen Rückkehr in Amt und Würden, wird Sich Frau Wagenknecht der Widersacher entledigen.

Niekisch
12. März 2019 17:32

"Grundpfeiler Identität, Sicherheit und Solidarität".

Gebetsmühlenartig werfe ich immer wieder Souveränität - Identität - Sozialität in den Ring. Denn die beiden letzteren Begriffe setzen menschliche und staatliche Souveränität voraus, ohne Identität sind Souveränität und solidarische Gerechtigkeit (Sozialität) wertlos, ohne solidarische Gerechtigkeit sind Souveränität und Identität nicht haltbar, zerbröckeln nach und nach.

Lotta Vorbeck
12. März 2019 18:01

Sehr geehrter Herr Kaiser,

"So entsteht keine Dynamik ... Aufstehen wird daher kein Rettungsanker für die Linke bedeuten, sondern ein letztes Aufbäumen linkssozialdemokratischer Restvernunft, gepaart mit nationalstaatlicher Pragmatik, die dem linken Lager freilich zu weit geht."

****************************

Anfang August 2018 hoffte ich, Sie würden recht behalten. Und Sie lagen mit Ihrer Einschätzung goldrichtig. - Chapeau!

Gustav Grambauer
12. März 2019 18:13

Wenn Gysi erst noch weg ist, gibt es keinen einzigen Strategen, keinen kreativen Kopf, keinen Querdenker, nicht mal einen Riskierer, ja, nicht mal ein schnödes Anchor Face mehr an der Spitze dieser Partei. Sie gehen an ihrem eigenen Egalitarismus zugrunde. Es mußte so kommen, das Karma ist unerbittlich: Plechanow hatte diesen Niedergang in "Die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte" antezepiert, welche im dortigen Milieu zwischenzeitlich auf die Formel "Der Mensch ist (nur) das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse" heruntergebrochen worden war und wozu sich Rolf Henrich in seiner gerade erschienenen Autobiographie die Anspielung auf Tschechows Menschen im Futteral nicht verkneifen konnte. Sowieso schlägt das große unsichtbare Pendel jetzt von totalitärem Personenkult auf totalitäre Entpersönlichung zurück. Meine steile These: Wagenknecht wird gar nicht aus Querfront-Gründen so sehr gehaßt und bekämpft, sondern weil sie immer mit Nachdruck als Mensch und niemals als Dejateljnitza / Funktionärin / Apparatschika / Parteinomenklaturakader auftritt, was die - im Prinzip - auf das Makarenkokollektiv geprägten Langweiler dieser Partei niemals ertragen und niemals verzeihen. (Dazu gehört auch: Es irrt der Mensch solang er strebt, sie hat sich offenbar nie ihr eigenes Persönlichkeitsprofil und das dementsprechende Resonanzprinzip klargemacht.)

Für mich war damals mit #aufstehen alles klar als ich beim Aufrufen des Portals die einschläfernde Fahrstuhlmusik gehört habe, den Gegensatz sehr stark im Ohr z. B. zu den lediglich vier Gitarrenschlägen plus Chorbegleitung je zu Beginn der Clips beim Vlog Identitär, die so unter die Haut gehen, daß sie niemand jemals mehr vergißt, der sie auch nur einmal gehört hat.

Die, Rotfuchs-Jargon:, "PdL" ist nicht die einzige linke Partei, die sich selbst der Magnetnadelung hin zu Grüne AfD opfert. Was die SPD betrifft, so hat Danisch deren Selbstzerstörungsmechanismus gerade mit wenigen kurzen Schnitten des feinen Skalpells am Beispiel Gender seziert:

http://www.danisch.de/blog/2019/03/08/spd-gibt-gender-auf/

- G. G.

Der_Juergen
12. März 2019 18:35

Das haben viele vorausgesehen, darunter meine Wenigkeit, die in einem Kommentar zu Kubitscheks am 31. Januar erschienenem Artikel "Feind oder Gegner?" schrieb:

"Mir scheint, dass Kubitschek den versprengten Linken um Sahra Wagenknecht, die noch einen Funken von Menschenverstand bewahrt haben, zu viel Bedeutung einräumt. Ich würde sehr hoch wetten, dass die Wagenknecht-Bewegung keine bedeutende Rolle spielen und sich letztlich als Totgeburt erweisen wird. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: In der Migrationsfrage, welche die absolute Schlüsselfrage darstellt, können die Wagenknecht-Linken nicht radikal umdenken."

Um zu diesem Schluss zu gelangen, bedurfte es keiner hellseherischen Fähigkeiten. Wagenknecht hat zwar Grips genug, um zu kapieren, dass sich Masseneinwanderung und Sozialstaat nicht unter einen Hut bringen lassen, bringt jedoch nicht den Mut auf, hieraus die Konsequenzen zu ziehen. Sie müsste dann ja von jener internationalistischen Ideologie abrücken, die sie jahrzehntelang vertreten hat, und sie würde noch vor Höcke zum Hassobjekt Nummer eins ihrer ehemaligen Gesinnungsgenossen.

Ich wünsche der Frau nichts Böses, aber in der Politik hat sie ausgespielt. Wie Kaiser in seinem Büchlein über die Querfront zu Recht festhält, braucht eine nationale und soziale Rechte nicht auf die Linke zuzugehen und für eine Allianz zu werben. Sie genügt sich selbst und wird, wenn sie dem sozialen Aspekt den ihm gebührenden entscheidenden Stellenwert einräumt, die noch lernfähige Minderheit innerhalb der Linken ins eigene Lager holen.

Das hat auch Björn Höcke begriffen, dessen Buch ich während meiner Arbeitspausen mit Gewinn lese.

Laurenz
12. März 2019 19:39

@Der_Juergen .... wieso sollte Frau Wagenknecht in diesem Super-Wahljahr für die stalinistischen Apparatschiks ihrer Partei die Kastanien aus dem Feuer holen? Ihre Entscheidung war ein taktischer Rückzug, ist aber in der Planung ein Partei-strategischer Groß-Angriff, wenn die Wahlprognose von Herrn Kaiser sich erfüllen wird. Die kurzfristige öffentliche Häme macht, nach der jahrelangen internen -, den Bock nicht fett. Nur eine relevante Krise der Linken, bringt die Linke dazu, Fraktions- und Parteivorsitz in Personalunion zuzulassen. Und die Rückkehr Frau Wagenknechts an die Spitze der Linken wird nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen, wie die Rückkehr des Herrn Merz. Die endgültige Entscheidung liegt sowieso beim Wähler. Frau Wagenknecht hat ganz sicher verstanden, daß die Option "mit Linken reden" rein rhetorischer Natur ist. Im real existierenden, Partei-internen Stalinismus der Linken zählt nur, wer den größten Knüppel hat. Manchmal dauert es eben ein bißchen, bis man den richtigen - gedrechselt hat.

Holsteiner
12. März 2019 19:56

Wahre Worte Herr Kaiser, wahre Worte. Als "linkssozialdemokratischer" Linker verschlägt es mir manchmal den Atem ob der abgehobenen Dämlichkeit des politischen Personals im "linken" Lager. Wenn Höcke in der AfD nicht geschasst wird, tja dann ... werdet Ihr dieses Segment wohl für Euch gewinnen. Dann nehmen die Dinge eben ihren Lauf. Verdenken kann man es den Leuten nicht.

Old Linkerhand
12. März 2019 20:26

Sehe ich nicht so. Wagenknecht war nach der Wende das Aushängeschild der "Kommunistischen Plattform" und wurde als Neostalinistin verlacht. Mit ihrer Liaison mit dem geschassten SPD Kanzlerkandidaten und ihr Vermögen drei gerade Sätze in Talk Shows unterzubringen, kam der nötige Erfolg und damit der Burgfrieden innerhalb der Partei. Mit "Aufstehen" hat sie hoch gepokert und verloren. Es gibt wohl keinen Politiker, der so sehr die kleinen Leute verachtet wie Wagenknecht, aber die kleinen Leute spüren das, gerade im Osten! Das Wahlklientel sind hier die Altlasten der DDR, die bis zum Tod ihre SED wählen und die antifaschistische Jugend. Am Wahlergebnis im Superwahljahr dürfte sich daher nicht viel ändern. Allenfalls der herrschende und nun offen ausgetragene Unfrieden der Linken, dürfte einige Wähler abschrecken. Sahra Wagenknecht war zu schön, zu klug und zu hochnäsig, das wurde ihr, bei all den Neidern innerhalb der einfältigen Linken, nun zum Verhängnis.

Waldgaenger aus Schwaben
12. März 2019 20:51

Nun denn, mit den Gelbwesten in Frankreich wird es wohl auch nichts mehr. In Deutschland hält sich PEGIDA zwar recht tapfer, aber ein Durchbruch wird aus dieser Ecke auch nicht mehr kommen.

Die historische Epoche der APO ist wohl vorbei, die der Revolutionen von der Straße aus sowieso.

Vielleicht ist das Internet heute der Ort der Rebellion - und die Wahlurne. Irgendwo findet die Revolution immer ihren Ort.

Was die Partei "Die Linke" angeht:
Wenn LaFontaine und Wagenknecht weg sind, stehen einer Zusammenarbeit von SPD und Linke auf Bundesebene keine persönlichen Animositäten im Wege. Die Parteien könnten sich auch vereinigen zu einer Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands.

Die SPD rückt aus Verzweiflung jetzt ja nach links. Für die Rechte in Deutschland wäre das gar nicht so schlecht, die CDU/CSU müsste dann sich wohl oder übel über "Mehrheiten rechts der Mitte" nachdenken.
Willy Brandt löst BRD-weite Empörung aus, als mit Blick auf die Grünen von "Mehrheiten links der Mitte" sprach.

Gotlandfahrer
12. März 2019 23:05

Wenn man alle Brücken hinter sich verbrennt, kann man nicht zurück. Wagenknecht war deshalb nicht mehr als eine Defätistin in den eigenen linken Reihen. Es geht immer um das die oberen Hierarchien in ihrem Tun bestätigende Gefühl, nie um den rational richtigen Zug. Alle (ausser der Widerstand) wünschen sich, dass das, womit sie sich etabliert haben, weiter als richtig angesehen wird. Solange nicht alles in Chaos aufgelöst ist, ist die Rendite aus Sicht des Einzelnen im Herdenstrom im Jetzt höher, als die unsichere zukünftige Verlustvermeidung durch Widerspruch und Umkehr. Es gibt keinen argumentativen Weg aus diesem Prozess, er muss von selbst zu seinem Ende kommen, denn jeder gesellschaftliche Ablauf ist irreversibel. Man kann ihn höchstens beschleunigen, um in der nachfolgenden Phase mehr durch Schlupf, d.h. einen in kürzerer Zeit weniger vollständig möglichen Abtrag von Substanz, für den Neuaufbau verwenden zu können. Es wird mit Bobos keine Übereinkunft geben, wie es nie eine Übereinkunft der Ausgebeuteten mit ihren Ausbeutern und ihren Handlangern gab. Doch jede Gier ist blind und beendet ihren Zyklus durch Verzehr dessen, was sie ermöglicht.

Atz
13. März 2019 00:29

Frau Wagenknecht und Frau Kipping verbindet etwas, beide sind Retrolinke, und sind sie es auf ganz verschiedene Art. Katja Kipping ist links wie deine Mitschüler in den 90ern waren und interessiert sich immer noch genau für deren Themen auf dem damaligen Diskussionsstand. Intellektuelles Nullwachstum. Wagenknecht war retrolinks im Auftreten, kommunistische Plattform, und bringt statt Analyse mehrheitsfähiges Wettern gegen die Geldsäcke.

Beide haben eigentlich keinen Club von Gleichgesinnten, aber sie kommen bei alten Männern an. Kipping auch bei Klemmlesben. Was an Gremliza fasziniert, wie er nur als Name, nicht als Foto existiert, man ihn zitieren kann wie Eckermann seinen Goethe.

Für eine Bewegung Marke Aufstehn brauchst Du ein harmloses frisches Gesicht. Und echte Wutthemen. Ein Berufskraftfahrer, der seinen Diesel z.B. verteidigt. Oder ein Thema, das man überparteilich gut hämmern könnte wie, dass Amazon keine Steuern zahlt. Man muss themenspezifisch sein und bekannte Großnarrative vermeiden.

Man kann keine Spitzenpolitikerin der Linken gebrauchen, die in der Villa wohnt, und seit 30 Jahren nichts anderes anzubieten hat als Verteilungsgequassel und Wettern gegen den Deutsche Bank Chef. Die sind ja gar nicht mehr in der Lage, was anderes zu sagen und zu denken. Kipping machte Institut Solidarische Moderne als Xover, Wagenknecht Aufstehn.

Jetzt zieht sie sich zurück aus Gesundheitsgründen wie einst der Staatsratsvorsitzende. Wenn bei links die Themen verfallen, bleiben nur noch der verbohrte Kampf "gegen rechts". Oder behelfsgemäß "gegen Polizeigewalt". Nicht zu schweigen von Slogans wie "Löhne rauf, Mieten runter".

Imagine
13. März 2019 00:37

Im Kapitalismus weisen im Parlament vertretene Parteien eine typische Struktur auf, die jener der Kirchen ähnelt.

Es gibt zwei Klassen von Parteimitliedern, die eine Klasse (ca. 90%), die zahlt, und die andere, bestehend aus Berufspolitikern und Funktionären, die bezahlt wird und profitiert. Letztere haben die Macht in den Parteien, weisen sehr hohe Einkommen, Status und Privilegien auf.

Bei den Berufspolitikern und Funktionären finden sich zum einen Idealisten, die um der Sache willen tätig sind, und zum anderen Aufsteiger, Karrieristen und Opportunisten, deren Ziel es ist, nach „oben“ zu kommen, um für sich Macht, hohe Einkommen, Status sowie Privilegien zu erhalten.

Geschichtlich zeigte sich immer wieder, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis in neuen Oppositionsparteien die Gruppe der Aufsteiger und Karrieriste - die „Realos“ – die Politik der Partei bestimmen und ihre Parteien zu „Systemparteien“ machen.

Das sind die soziologischen Gesetze der Parteienentwicklung innerhalb der repräsentativen Demokratie, die Robert Michels schon vor 100 Jahren erkannte und formulierte.

Selbstverständlich wollen die Herrschenden ihr System der Herrschaft und Ausbeutung erhalten und die repräsentative Demokratie ist ihr wichtigstes Mittel dabei. Das kann man bereits bei John Stuart Mills (*1806 †1873) nachlesen. Oder im Buch“ Die Transformation der Demokratie“ von Johannes Agnoli und Peter Brückner, das 1967 erstmals erschien und zu einer Art Bibel der APO wurde.

Die Plutokratie beherrscht mittels ihrer Geld- und Vermögensmacht die Massenmedien und mittels dieser Informationsmacht das Wählerverhalten. Zudem besitzt sie Korruptionsmacht und kann damit das Verhalten von Politikern, Journalisten, Wissenschaftlern etc. beeinflussen.

Linke Politik lässt sich unterscheiden in eine Politik des Systemerhalts und der Systemtransformation.

In allen linken Parteien haben sich, wenn sie sich parlamentarisch etabliert hatten, die Aufsteiger und Karrieristen - die „Realos“ – gegen die „Systemveränderer“ durchgesetzt. Sie haben ihre Parteien korrumpiert und in den Dienst der Plutokratie und des Systemerhalts gestellt.

Wagenknecht ist keine Rosa Luxemburg, sondern eine typische Berufspolitikerin.

Insofern war und ist sie hinsichtlich ihrer politischen Ziele flexibel und wendefreundlich. Früher war sie Kommunistin und vertrat eine systemkritische und antikapitalistische Position, heute gehört sie zu den Systemlinken, welche die Illusion einer Rückkehr zur „Sozialen Marktwirtschaft“ propagieren. Was Wagenknecht vertritt, hört sich sehr „links“ an, hat aber mit der politischen und ökonomischen Realität wenig gemein. So wie damals bei Oskar Lafontaine, als er der mit seinem realitätsfernen Linkspopulismus 1998 der SPD zum Wahlsieg verhalf und Schröder dann anschließend neoliberale Politik umsetzte.

Lotta Vorbeck
13. März 2019 03:09

@Holsteiner - 12. März 2019 - 07:56 PM

Alle Achtung Holsteiner, für Ihren vom anderen Ufer des großen Flusses herüber gesandten Kommentar!

Laurenz
13. März 2019 05:33

Hier gäbe es bei einigen Positionen von Mitforisten Kontroverses zu diskutieren, aber ich verbleibe mal bei der Historie ....
@Imagine ... Oskar Lafontaine hat wohl einen brillanten Geist, auch wenn er nicht immer richtig liegt. Seine Schwächen liegen vordergründig in den Bereichen, wenn er seine Ideen selbst nicht lebte, wie z.B. bei seiner Arbeitszeit und der Beurteilung der Arbeitszeit anderer, also sein übergroßes Ego. Als Ministerpräsident agierte er ziemlich streng und behielt sich die letzt gültigen Entscheidungen von A12 oder A13 Beförderungen vor. Interessant ist Lafontaines Haltung zu identitären Staatsbürgerschaft, da war er schon immer eher ein Konservativer. In seiner Karriere als saarländischer Bürgermeisterpräsident war Lafontaine keinen Widerspruch gewohnt, und war bei seinen internationalen Vorstellungen über den ausländischen Widerstand gegen seine Ideen wohl überrascht, weil er einfach keine Ahnung von internationalen Finanz-Interessen hatte, und die Rolle von Staatsmännern falsch einschätzte. Ich kann mich heute noch genau daran erinnern, wie die Meldung in Rot über Reuters tickerte, daß die Bundesregierung vorschlüge, alle weltweiten Währungen an die 3 Leitwährungen US$, Yen und Euro zu koppeln, um damit die oft riesigen Verwerfungen von Währungen der Schwellenländer besser in den Griff zu kriegen. Ich wußte damals sofort, daß dies eine linke Idee (aber keine schlechte) von Oskar Lafontaine war, wie ich ebenso wußte, daß das Ärger gibt. 3 Tage später trat er zurück. Er hat einmal öffentlich den Satz gesagt, "Ich habe nicht gewußt, wie wenig Macht ein deutscher Bundesfinanzminister hat". Er hat den Satz nie wiederholt und nie dementiert. Und da er "Haltung" hat, könnte man vermuten, daß er sich dem Druck der Amis nicht gebeugt hatte und lieber nachhause gegangen ist. Im Gegensatz dazu hat sich Josef Fischer mit Madeleine Albright arrangiert und nie mehr international linke oder grüne Ideen vertreten. Dafür gefiel ihm der rote Teppich wohl zu gut.

t.gygax
13. März 2019 08:28

old [email protected]
" es gibt wohl keinen Politiker, der das einfache Volk so sehr verachtet wie sie"

Der Satz ist gut! Bescheidene Frage: welcher Politiker in den Altparteien verachtet das Volk nicht ? Ich wäre froh, einmal so jemand zu entdecken.
Ansonsten bleibt nur eines: "Friede den Hütten, Krieg den Palästen", ein Satz Georg Büchners, der bis heute Abi - Pflichtlektüre in Baden-Württemberg ist.
Man sollte auch mal wieder Kleist lesen, "Michael Kohlhaas".
Es gab nicht nur unterwürfige Untertanen in Deutschland, zum Glück.

Old Linkerhand
13. März 2019 10:29

Hallo @t.gygax, der Satz, den Sie mir hier unterjubeln wollen, ist nicht von mir. Mit "kleine Leute" sind die meisten der Mitglieder und Wähler der Linken gemeint. Bei Umfragen zur Bewertung der Kandidaten zur Wahl von Betriebsräten etc. erhält der Satz:
"Er/Sie ist eine von uns" immer die höchste Priorität. Kompetenz, Loyalität, Pflichtgefühl etc. folgen weit abgeschlagen. Ansonsten Friede den Hütten und den Palästen.

Niekisch
13. März 2019 10:44

"Es gab nicht nur unterwürfige Untertanen in Deutschland, zum Glück"

@ t.gygax 13.3. 8:28: Einfach mal Alain Felkel, Aufstand - Die Deutschen als rebellisches Volk, lesen, dann bestätigt sich dieser sehr richtige Befund noch mehr.

Imagine
13. März 2019 11:32

Um Wählerstimmen zu gewinnen, benötigen Oppositionsparteien „Testimonials“, welche glaubhaft den Willen zum politischen Kurswechsel repräsentieren.

Die Brandt-SPD war mehrheitlich Systemerhaltungspartei, deshalb brauchte sie damals die Jusos um Illusionen und Hoffnungen auf Systemveränderung zugunsten der arbeitenden Bevölkerung zu erzeugen.

Die Regierung Schmidt hatte die arbeitende Bevölkerung hinsichtlich der erhofften Veränderungen desillusioniert. Denn statt aufwärts ging es für sie abwärts.

Ohne Lafontaine, der mit seinem Linkspopulismus zum Hoffnungsträger der SPD wurde, hätte die SPD 1998 nicht die Wahl gewonnen.
Von der neoliberalen Politik der rot-grünen Regierung Schröder-Fischer enttäuscht, wählte „die Mitte“ dann 2005 mehrheitlich die CDU/CSU und machte damit Angela Merkel zur Kanzlerin.

Merkel propagierte eine „Politik der Mitte“, tatsächlich war es eine Politik für die Reichen und Mächtigen und gegen das Volk.

Bei den heutigen realen gesellschaftlichen Machtverhältnissen wird es zur Hauptaufgabe der Politiker, Demokratie zu simulieren, die Systemloyalität zu erhalten und die arbeitenden Massen zu pazifizieren, um den sozialen Frieden zu erhalten.

CDU und CSU haben versucht, den Lügenbaron als neuen Hoffnungsträger aufzubauen. Daraus ist bekanntlich nichts geworden.

Die AfD hat bei der letzten BT-Wahl 2017 nur 12,6% (= 9,9% der Wahlberechtigten) erreicht. Anders als die AFD meint, repräsentiert sie nicht den politischen Willen der „Silent Majority“, denn die Mehrheit der bundesdeutschen Bevölkerung will eine linksliberale und keine rechte Politik, auch wenn die Mehrheit der Deutschen gegen die Migrationspolitik ist. Deshalb wird die AfD als rechte Partei auch keine großartige Zukunft haben, was Leute wie Frauke Petry längst begriffen haben.

Wagenknecht weiß, dass sich ihre Partei – wie alle linken Parteien – im Prozess des Niedergangs befindet. Bislang war Wagenknecht DIE Hoffnungsträgerin für die „kleinen Leute“.

Aufwind bekäme die Linkspartei nur, wenn diese glaubhaft eine Politik für die arbeitende Bevölkerung machen würde.

Aber wie die neoliberalen Politiker insgesamt, betreiben die linken Berufspolitiker primär eine „Politik der Selbstversorgung“ und eine Politik gegen das Volk.

Die SED-Nachfolgepartei „PDS“ war bei der BT-Wahl 2002 nicht über die 5% Hürde gekommen. Das Gleiche kann der Linkspartei passieren, vermutlich nicht bereits 2021, aber möglicherweise bei der nachfolgenden BT-Wahl.

Dies ist Lafontaine und Wagenknecht bewusst und daher wollten sie einen politischen Kurswechsel bei der Linkspartei erreichen. In diesem Zusammenhang ist das Projekt „Aufstehen“ zu sehen. Aber das Gegenteil ist eingetreten. Wagenknecht hat mit „Aufstehen“ ihre Position in der Partei nicht gestärkt, sondern geschwächt.

So hat sie dann medienträchtig ihren doppelten Abgang inszeniert. Klar, dass sie ihr BT-Mandat behalten will. Sie wird auch weiter Wahlkampf für die Linkspartei machen, um so zu sichern, dass sie 2021 wieder in den BT kommt. Denn das bedeutet ca. 200.000 € Jahreseinkommen, bezahlte Mitarbeiter und sonstige Privilegien, insbesondere hohe Alterssicherung. Mit Vorträgen und Büchern kann sie – wie in der Vergangenheit – weitere Kohle machen.

Sollten sich größere Teile von der SPD und Linkspartei abspalten und eine neue Partei gründen, dann wäre dies eine weitere Option für Wagenknecht.

RMH
13. März 2019 11:50

Frau Wagenknecht scheint wohl auch gesundheitliche Probleme zu haben, insofern hat wohl eher auch der Körper eine Art von Reißleine gezogen, als die eigenen Ambitionen (das schreibe ich jetzt einmal einfach so, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was sie hat). Von "Gescheitert" aufgrund externer Faktoren kann man da in dieser Gesamtheit also nicht reden, da ja "hätte, wäre, wenn" ...

Wie auch immer, dass Thema der sozialen Frage muss, auch wenn jeder Blick über den Tellerrand erlaubt ist und auch in der Politik die alte Musikerweisheit gilt, lieber gut geklaut, als schlecht komponiert, rechts behandelt werden und ich vermisse hier das sich Herausbilden einer Art von "herrschenden Meinung". Es herrscht hier nachwievor eine bunte Meinungsvielfalt von z.T. extremen Gegensätzen.

Bspw. hat B. Höcke vor drei Jahren 2016 einmal gesagt, "Die Soziale Frage der Gegenwart ist nicht primär die Verteilung des Volksvermögens von oben nach unten, unten nach oben, jung nach alt oder alt nach jung. Die neue deutsche Soziale Frage des 21. Jahrhunderts ist die Frage nach der Verteilung des Volksvermögens von innen nach außen."

Wobei "außen" heutzutage wohl auch dahingehend erweitert interpretiert werden muss, dass unter "außen" auch die von "außen" neu ins Land Hinzukommenden zu zählen sind.

Aber so richtig "Rundes" erkenne ich nicht, da es entgegen dieser Feststellung doch auch die Fragen einer Art von Binnengerechtigkeit und "Generationenvertrages" gibt (gut, Höcke hat zumindest jetzt auch einen Rentenvorschlag zur Diskussion gestellt).

In diesem Zusammenhang möchte ich an den Debatten Teilnehmer @Waldgaenger aus Schwaben erinnern, der in einer vorhergehenden Diskussion einmal eine Debatte über die stark divergierenden Rentenkonzepte der AfD angemahnt hat (meiner Meinung nach zu recht).

Wie stellt sich denn das "Autorenkollektiv" der Sezession die Lösung der Rentenfrage vor? Gibt es wenigstens hier eine vorherrschende Ansicht oder auch nur "ein weites Feld"?

Ggf. könnte man ja einmal so einen spezifischen Punkt wie die Altersversorgung, der immerhin einer der ganz großen Brocken aus dem Bereich der "sozialen Frage" darstellt, in einem separaten Beitrag behandeln und diskutieren.

heinrichbrueck
13. März 2019 14:19

Wagenknecht hat noch nie Politik in Deutschland gemacht. Ihre politischen Entscheidungen sind irrelevant. Aber so langsam werden mir einige Dinge klar. Der potentielle Wähler kann Gedanken lesen. Daher auch seine Macht. Seine Projektionen verfehlen nie ihr Ziel. Aber Wagenknecht als Projektionsfläche? Du lieber Oskar! Sollte man sich vormerken, für die nächste Wahl. Findet die nächste Wahl in der Realität statt? Oder in den bunten Köpfen der Wähler?
Das Rentenkonzept der Zukunft? Kann ohne Probleme gelöst werden. Den Rentnern darf nur nicht auffallen, daß die Supermärkte prall gefüllt sind (sogar nach 2015 prall gefüllt blieben), dann geben sie sich auch mit weniger zufrieden. Am besten eine bedingungslose Demokratenrente; Hubertus Heil für alle.

Andreas Walter
13. März 2019 15:13

Na ja. Letztendlich darf und kann ganz Deutschland nicht aufstehen. Da bilden die Linken darum keine Ausnahme.

Waldgaenger aus Schwaben
13. März 2019 15:19

@RMH

Danke für Ihre Stellungsnahme zur Rentenfrage. Meiner Ansicht nach ist, das Meuthen-Konzept, Stärkung der privaten Vorsorge angesichts der Erfahrungen der letzten Jahre, auch nicht überzeugend. Am besten gefällt mir das Konzept von Kleinwächter, das in der konservativen Mitte liegt.

Die Rentenfrage ist nicht das einzige Thema der sozialen Frage, richtig.
Diese Woche schaute ich mal wieder "hart, aber fair". Es ging um die starken Anstieg der Mieten und Immobilienpreise. Ein AfD-Politiker war nicht eingeladen.

"GottSeiDank!", dachte ich, "Das wäre mal wieder oberpeinlich geworden." Und das als bekennender AfD-Wähler und -Anhänger.

Auf die Ursachen hingewiesen, hätte er schon - richtig und deutlich. Aber wie man jetzt in der Lage, in der wir nun mal sind, aus der Nummer kommt, da hätte er auch keine Parteilinie vertreten können.
Vielleicht hätte er sogar eine gut fundierte Privatmeinung vertreten. Aber auf die Frage, ob das die Linie der AfD sei, wäre wahrscheinlich nur der Hinweis auf anhaltende parteininterne Diskussionen gekommen.

Benedikt Kaiser
13. März 2019 15:39

Aus Zeitgründen nur zwei kleine Anmerkungen:
1. Das bis dato sinnvollste Rentenkonzept einer AfD-Gliederung ist dasjenige in Thüringen. Sehr durchdacht, darf Schule machen.
2. Heute wurden noch mehr Informationen zur Niederlage Wagenknechts bekannt:

"Update vom 13. März: Der Linke-Abgeordnete Thomas Lutze hat der Parteispitze vorgeworfen, Fraktionschefin Sahra Wagenknecht unwürdig behandelt zu haben. „Für eine linke Partei war der Umgang mit Sahra Wagenknecht ein unwürdiges Schauspiel“, sagte Lutze der Deutschen Presse-Agentur. Die Parteivorsitzenden hätten ihre Verantwortung nicht wahrgenommen. Wagenknecht hatte angekündigt, im Herbst nicht erneut für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren. Die 49-Jährige gab dafür gesundheitliche Gründe, Stress und Überforderung an.

Eine Schlammschlacht innerhalb der Linken droht. Ein Insider sagte der Bild-Zeitung: „Die Stimmung in der Fraktion ist unerträglich. Der Mobbing-Terror gegen Wagenknecht und Dagdelen geht auf keine Kuhhaut. In der Fraktion ziehen Bernd Riexinger, Katja Kipping, Caren Lay, Anke Domscheit-Berg, Sabine Leidig, Cornelia Möhring und Martina Renner permanent über sie her.“

Die Gruppe um Wagenknecht und Dagdelen will sich nun wehren, verlangt den Rücktritt der Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger, berichtet das Blatt."

Sandstein
13. März 2019 16:46

@ Benedikt Kaiser

eine kleine Anmerkung zu 1.

Es ist kein wirklich gutes Argument, was Sie da bringen. Das Rentenkonzept ist weder so ohne weiteres finanzierbar, noch rechtlich derzeit durch zu bekommen, da gibt es nämlich einige Punkte die sicher nicht durchgehen, allein schon wegen des EU Rechts.
Gibt da durchaus paar gute Punkte, aber da ist mehr Wunsch als Realität verarbeitet.
Das ist für mich nicht sinnvoll. Da finde ich die Ansätze von Meuthen gelungener.

Imagine
13. März 2019 17:13

Eine Frage ist, warum Wolfgang Streeck das Projekt „Aufstehen“ unterstützt hat?
Er ist Deutschlands international renommiertester Soziologe. Seine Analysen über das Endstadium des Kapitalismus mit Niedergang von Demokratie sowie Rechts-und Sozialstaatlichkeit passen überhaupt nicht zur herrschaftsaffirmativen, illusionären Ideologie der Möglichkeit einer Rückkehr zur Sozialen Marktwirtschaft, welche Linkspopulisten wie Wagenknecht propagieren.

Dass Streeck für den Erhalt des Nationalstaats eintritt, um rechts- und sozialstaatliche Verhältnisse solange wie möglich gegen den Wirtschaftsfaschismus der Plutokraten verteidigen zu können, ist eine defensive und rationale linke Position. Daraus müsste eigentlich ein linker Patriotismus resultieren, der Bündnisse mit anderen Patrioten sucht, welche die zivilisatorischen Errungenschaften verteidigen wollen. Z.B. mit Konservativen wie Prof. Schachtschneider.

Jedoch erscheint seine Begründung für seine Unterstützung für das Projekt „Aufstehen“ nicht wirklich überzeugend (https://wolfgangstreeck.com/2018/11/21/linke-politik-im-schachmatt/).

Denn ihm als Soziologen müsste eigentlich klar gewesen sein, dass mit Wagenknecht an der Spitze bei „Aufstehen“ nur linker Populismus sowie Symbolpolitik herauskommen kann und dies der supranationalen Klasse von Oligarchen und Plutokraten in die Hände spielt. Eben weil die Systemfrage ausgeklammert wird.

Gustav Grambauer
13. März 2019 18:03

"Eine Schlammschlacht innerhalb der Linken" ... "Stimmung ... unerträglich" ... "... Der Mobbing-Terror ..."

Es handelt sich um die ehrlosen Söhne und Töchter der Traditionslinie der konsequentesten deutschen Sozialrevolutionäre seit Thomas Müntzer, Frau Kippling hat die Verankerung in dieser Traditionslinie im Heimatkundeunterricht und im Pionierzirkel sogar auswendig lernen und aufsagen müssen. Ob es dieser Fronde paßt oder nicht, diese Traditionslinie setzte sich nicht nur in August Bebel und Wilhelm Liebknecht über 'Karl & Rosa', Clara Zetkin usw. fort sondern auch - sie sind (!) in diese Linie hineingestellt - in Ernst Thälmann, in dem nach ihm benannten Bataillon und letztlich ohne Wenn und Aber in allen Toten am Rondell und am Pergolenweg in Friedrichsfelde sowie noch in zwei speziellen in Santiago de Chile. Auf seiten der Fronde ist allein Gysi diese ganze Die-Toten-Mahnen-Uns-Dimension der Schande bewußt (und deshalb wohl beißt er sich in diesen Tagen schwer auf die Lippe, wobei er in der Vergangenheit fleißig gegen Frau Wagenknecht mitgemobbt hat). Diese Schande wird nicht nur in hunderten von Jahren noch in den Geschichtsbüchern nachzulesen sein sondern, wenn man um die Projektionsspiele der kollektiven und individuellen Psyche weiß, auch ein kollektives und individuelles Verantwortenmüssen vor dem unerbittlichen Revolutionsgott nach sich ziehen. Müntzer hatte gesagt "Die Enkel fechten`s besser aus" - über Jahrhunderte hatten Generationen darin ihre ganze Hoffnung gesetzt, ihr ganzes Herzblut gegeben. So konnte diese Tradition mit dem Blut ihrer Märtyrer zwischenzeitlich mal im Glanze ihres "wissenschaftlichen Programms" die angebliche "objektive Realität" bis tief ins Bürgertum und in Teile des Adels hinein definieren und sogar auf den Bajonetten der Russen einen veritablen Teil Mitteleuropas unterwerfen und zu ihrem eigenen Ameisenstaat machen. Jetzt benehmen sich die letzten Enkel Thomas Müntzers, - Riexinger, Kipping, Lay & Co. -, übler als die übelsten Rabauken im Buddelkasten im Kindergarten, und auch nur weil sie von einer Mischung aus Verblendung und Profilneurose besessen davon sind, diese mindestens 500 Jahre alte Tradition in der globalistischen Hochdekadenz aufzulösen, deren revolutionäres Subjekt von Karl Marx als Lumpenproletariat

https://de.wikipedia.org/wiki/Lumpenproletariat

charakterisiert wurde. Leute, laßt es tief auf Euch wirken: der Niedergang der SED 1989 als angebliche Avantgarde des deutschen Proletariats und Staatspartei sowie damit die (Selbst-)Zerstörung von dessen wissenschaftlichem Anspruch und von dessen Stolz waren nur ein kleiner Pups im Vergleich damit, daß deren damals tragender 500 Jahre alter Geschichtsstrom heute vor unseren Augen ins Ultrasektiertertum und sogar in Hahnenkämpfe wie in den Slums der Dritten Welt abgleitet.

- G. G.

Andreas Walter
13. März 2019 21:09

Habe eben kurz vor'm Einkaufen einen alten Bekannten auf der Strasse getroffen, der bei den Linken ist (ich bin da schmerzfrei, kann bekanntlich mit fast jedem reden).

Da erzählt er mir doch glatt, wie auch er und speziell auch einige seiner weiblichen Bekannten das mit der Sahra (mehr linker Patriotismus) doch eigentlich gut fanden, auch wenn man das bei Die Linken auch nicht laut aussprechen darf. Er lebt nämlich in prekären Verhältnissen, weshalb er sich in dem Milieu auch sehr gut auskennt. Da habe ich ihm auch das von dem Professor aus Frankfurt erzählt (Andreas Nölke), der das nämlich genauso sieht. Das nämlich ausgerechnet die Schwächsten in Deutschland jetzt den Preis der ungeregelten Einwanderung bezahlen werden, jetzt schon bezahlen.

Die Linke besteht daher auch aus einer elitären Latte Macchiato Fraktion, hat aber auch eine Unterschicht von wirklich armen, von der Gesellschaft abgehängten und abgeschriebenen Leuten. Er hat auch mir darum viel Glück jetzt bei der Wohnungssuche gewünscht, und mir sogar nur halb im Scherz die deutschen Städte an der polnischen Grenze als Chance empfohlen. Bier würde in polnisch übrigens piwo heissen, wie auch in Tschechisch und Russisch (pivo), auch wenn er eigentlich noch wissen müsste, dass ich höchstens mal ein Radler oder ein Dreckiges, Diesel trinke.

Die AfD sollte sich daher gut überlegen, ob sie wirklich nur die "Professoren-Partei" sein will, obwohl schon jetzt 23% ihrer Wähler derzeit Arbeitslose sind, und 22% Arbeiter.

https://www.bz-berlin.de/deutschland/wahl-analyse-woher-die-stimmen-fuer-die-afd-kommen

Die AfD hat darum tatsächlich das Potential zu einer echten Volkspartei, in der dann alle Schichten der Gesellschaft vertreten sind. Herr Stein sieht daher die Machtverhältnisse in der AfD auch ein wenig falsch, denn eine Zeitung mehr oder weniger, die gegen die AfD wettert, macht jetzt auch keinen Unterschied mehr. Die soziale Frage stellt sich daher gar nicht, sondern wird bereits von den Wählern beantwortet. Auch Die Linken werden das bald darum merken. Wer tatsächlich für Deutschland und die Deutschen aufsteht und auch einsteht, und wer alles nur Schwätzer und Blender, oder auch Träumer und Phantasten sind. Denn erst kommt bekanntlich das Fressen, dann die Moral.

Sprüche über Kameltreiber finde ich aber auch deplatziert, sollten wir Deutschen eigentlich nicht nötig haben. Auch das habe ich ihm offen gesagt, was mir missfällt. Dass aber ansonsten alle Leute, die ich persönlich kenne und AfD wählen, ganz normale und auch nette Menschen sind. Nicht einmal Extremisten, Fanatiker, wie man sie von Linken, Grünen und der SPD kennt.

Zeit daher, endlich wieder ein normales Land zu werden, wie auch der Rest der Welt. Sogar in Kuba und auch Nordkorea, alles Patrioten.

Gustav Grambauer
14. März 2019 08:43

Kleiner atmosphärischer Einblick gefällig, in Anbetracht, daß der hier immer noch gestauten Aggression wohl erst hinter gepolsterten Türen freien Lauf gelassen wird? Binsenweisheit: die Häßlichleit erträgt die Schönheit nicht, wobei ja Frau Schubert mit ihrem Frauenknastaufseherhabitus nicht mal Mutter Courage aus Kurdistan erträgt:

https://www.youtube.com/watch?v=RFf-_dg6KNw

- G. G.

H. M. Richter
14. März 2019 09:40

Nachdem ich gestern aufgrund des von ihm verwendeten Gleichheitszeichens doch tatsächlich für einige Sekunden dachte, der hochverehrte GG sei womöglich mit dem "Insel-der-Schwäne-Stefan (= G. G.)" identisch, muß ich ihm heute für obigen Link in die linke Hölle danken, denn ausdenken kann man sich dies keinesfalls, man muß es gesehen und gehört haben.
"Frauenknastaufseherhabitus" trifft es recht gut, schon die Nachfragen nach den Delegiertennummern, als ob es sich bei diesen um Häftlingsnummern handeln würde, erzeugt ein - von so manchem vergessen geglaubtes - Erschauern und die Erkenntnis, daß Hilde Benjamin diese Partei nie verlassen hat.

Andreas Walter
14. März 2019 12:30

@Gustav Grambauer

Danke für diesen Ausschnitt/Einblick in das aspirierende Politbüro Region Deutschland 2018.

Frau Wagenknecht hat sich mit ihrem Rückzug darum gerade das grösste Geschenk ihres noch restlichen Lebens gemacht. Weil Frauen aber Frauen sind kann ich mir sogar vorstellen, dass sie diese Partei schon bald auch ganz verlässt.

Imagine
14. März 2019 13:41

Was ist die soziale „soziale Frage“?

Es wird zwar häufig von der sozialen Frage gesprochen, aber so, wie „Blinde vom der Farbe reden“.

Mangels historischen und gesellschaftlichen Bewusstseins wird begriffslos dahergeredet und diese Begriffslosigkeit findet sich auch in „Wikipedia“. Es ist so als ob eine gesellschaftliches Tabu herrsche, die soziale Frage realitätsadäquat zu thematisieren.

Der Kern der sozialen Frage ist die Frage:
„In welcher Gesellschaft wollen wir leben!"

Weiterhin in der kapitalistischen Klassengesellschaft, in der aufgrund der Funktionsweise des Systems eine kleine Klasse auf Basis ihres Vermögens ein arbeitsfreies Einkommen erzielen kann und immer reicher wird, während die arbeitende Bevölkerung, die den gesellschaftlichen Reichtum schafft, immer weniger davon hat und ein zunehmender Teil der Klasse der Arbeitenden zu „Working Poor“wird und im Prekariat und der Altersarmut landet?

Wollen wir dieses System aufrechterhalten oder wollen wir ein anderes?

Wenn von „wir“ die Rede ist, dann stellt sich die Frage nach der Klassenzugehörigkeit. Denn selbstverständlich wird diese Frage von der herrschenden Klasse bejaht werden, denn sie profitieren vom herrschenden System, das ihnen eine sozialparasitäre Existenz in Reichtum und Luxus ermöglicht.

Die Systemfrage ist die entscheidende Frage. „Links“ bedeute früher, für Systemveränderung, für Aufhebung der Klasengesellschaft und für eine gemeinwohlorientierte und solidarische Gesellschaft zu sein. „Rechts“ war die Position der „Systemerhalter“ und Reaktionäre.

Interessanterweise sind jene Parteien, die heute als „links“ bezeichnet werden, inzwischen zu „Systemerhaltern“ geworden. Sie wollen keine neue Gesellschaft mehr, sondern vertreten eine Politik der Umverteilung, die aber nur hohles Gerede ist, weil das System, welches Basis für das arbeitsfreie Einkommen und der Reichtumsvermehrung der Vermögenden ist, nicht thematisiert wird und unangetastet bleibt.

Die linken Berufspolitiker simulieren eine Demokratie und verbreiten Illusionen und Hoffnungen auf bessere Zeiten. Der Lohn für diesen Betrug und Verrat an der arbeitenden Bevölkerung ist ihre privilegierte Position als Berufspolitiker. Die (pseudo)linken Berufspolitiker sowie Partei- und Gesellschaftsfunktionäre betrügen ihre Klientel und diese ist inzwischen so verblödet, dass dies nicht begreift.

Und wie gehen die „Neuen Rechten“ mit der „sozialen Frage“ um?

Gustav Grambauer
14. März 2019 14:16

H.M.Richter

"daß Hilde Benjamin diese Partei nie verlassen hat"

Deswegen gibt es auch zehn Jahre Bautzen II dafür, auf den Niedergang der Linkspartei in ihrem derzeitigen Zustand mit einem symbolischen Fair-Trade-Pappbecher "Rotkäppchen Fruchtsecco alkoholfrei Pomegranate" anzustoßen.

Andreas Walter, "Weil Frauen aber Frauen sind ..." - Frauen kriegen fünfzehn Jahre Hoheneck mit 400 % Arbeitsnorm und in verschärftem Arrest - wegen der Phytoöstrogene in der Frucht!

"Insel der Schwäne" war einer der wenigen dero Kinderfilme, die mich ab dem Alter von neun, zehn, elf Jahren noch angesprochen haben, zusätzlich gab es hier starke Parallelen zu meinem Leben wie sonst kaum, auch waren die Typologien treffsicher, wobei aber die Wucht der Realität nur vorsichtig angedeutet werden konnte (und das war manchen schon viel zu viel).

- G. G.

Seneca
14. März 2019 14:42

Wie klug doch dagegen die AfD mit Höcke umgeht...man könnte fast meinen, dass sich Götz, Dieter und Roland im konservativ-medialen Background absprechen....Anders als bei der Linken gibt es in allen Lagern der AfD überwiegend Verbindendes und nicht Trennendes. Der große nationale wie internationale Graben verläuft zwischen demokratischen Souveränitisten und postdemokratischen Globalisten? Letztere werden sich nachhaltig nur dann durchsetzen können, wenn es einen ethnisch-kulturell völlig entgrenzten Weltdemos gibt. An diesem Punkt ist die Welt noch lange nicht. Im Gegenteil, es gibt national wie global zahlreiche Anzeichen für eine Rückkehr des Demos in vielfältiger Form. Hier lohnt sich ein sehr genauer Blick, den keine Statistik ersetzen kann. Ich mag mich statistisch täuschen, aber ich nehme ähnlich wie neulich Kositza wahr, dass regelrecht gegenproportional zur medialen wie politischen One-World-Propaganda und auch zur rein arithmetischen Datenlage eine ethnisch-kulturelle Segregation dh eine freiwillige Begrenzung innerhalb eines offiziell politisch entgrenzten Raumes stattfindet. Hierzu gehören aktuelle Schlagzeilen wie „Deutsche Familien verlassen die Städte“, die freilich nur den Beginn eines längerfristigen Trends beschreiben, aber auch meine Augen-Wahrnehmung, dass es noch vor 20 Jahren im öffentlichen Raum mehr ethnisch-gemischte junge Paare als heute gegeben hat. Es ist für den großen Lümmel „Volk“ längst nicht alles verloren...

Seneca
14. März 2019 14:47

PS: Sarah Wagenknecht ist übrigens eine halbe Iranerin. Das mag 2019 (!) auch eine Erklärung für mehr Klarheit im Denken sein, als bei der roten Hexe...

links ist wo der daumen rechts ist
14. März 2019 22:00

Benedikt Kaiser hatte bereits hier auf das Video vom Parteitag der „Linken“ hingewiesen:
https://sezession.de/58700/wagenknecht-die-soziale-frage-und-wir-2/2

Und ich darf ganz unbescheiden meine damalige Bemerkung zitieren:

Schöne Menschen und Glaubwürdigkeit

Vielen Dank v.a. für den Hinweis auf den Parteitag der Linken.
Ja, wirklich erschreckend, wie da manche Wesen (Mann oder Frau?) aussehen wie das Produkt 200jähriger deutscher Inzucht:
https://medien.metropolico.org/img/a1b2mu?l=de
Ein bißchen Durchmischung könnte da doch nicht schaden, wie wär's, neben iranisch-deutsch, z.B. mit algerisch-deutsch:
https://theredlist.com/wiki-2-24-525-526-657-view-1980s-2-profile-isabelle-adjani.html

Aber im Ernst:
Es gibt von Sahra Wagenknecht keinen einzigen Text bzw. Vortrag, in dem sie nicht die soziale Frage mit der nationalen verknüpft hätte; im Gegenteil: gerade von diesem Ausgangspunkt aus ist doch ihr Kampf gegen transnationale Auswüchse erst glaubwürdig.
Die Mehrheitssozialisten (das wirft sie der SPD ja ständig vor) haben den Kniefall vor dem "Globalismus" schon längst vollzogen.

Und wie verhält es sich mit den Mehrheitskonservativen?
Blicken wir nach Österreich: eine rein neoliberale Agenda wird eiskalt durchgezogen, das "Ausländerthema" galt halt der Stimmenmaximierung, und die Steigbügel-FPÖ dackelt brav mit.
Von "sozialer Frage" weit und breit nichts zu sehen, eher Klassenkampf von oben.

Sollte die AfD die "soziale Frage" (mit einer Investmentbankerin in atypischen Familienverhältnissen an vorderster Front) doch noch für sich entdecken, bitte mich umgehend zu informieren.
(Und diese kleine Spitze ad personam nur, da man z.B. Macron immer wieder auf seine Rolle als Banker festlegt oder die Kinderlosigkeit bestimmter Politiker glaubt thematisieren zu müssen.)

Und diesmal kürzer formuliert:
Gibt es im rechten Spektrum auch nur irgendeine glaubwürdige Person, die in der Lage wäre wie Sahra Wagenknecht zu formulieren (vgl. ihre unmittelbaren Antworten im Video)? Und zwar so, daß es stilistisch und intellektuell ein Vergnügen ist zuzuhören?

Andreas Walter
15. März 2019 12:37

Die soziale Frage sind eigentlich Zwei (Fünf).

National:

Wie gross soll die Bandbreite der verfügbaren Einkommen/Geldmittel für den Einzelnen in der von uns angestrebten Gesellschaft sein?

Wer wird dabei zuerst berücksichtigt (ähnlich wie auch bei der Erbfolge nämlich)?

International:

Wie gross soll der Anteil sein, den man aber auch fremden Menschen wie aber auch ferneren, weniger wohlhabenden Gesellschaften zwecks Unterstützung und möglicherweise zukünftiger Zusammenarbeit zukommen lässt?

Und auch dort dann wem und für was?

K&K können nämlich Ihre Kinder selbst ernähren, was man von vielen Afrikanern nicht behaupten kann. Vollkommen verantwortungslos also, christliche Nächstenliebe oder Humanismus hin oder her, was viele dieser Hilfsorganisationen in Afrika darum anrichten und deshalb sogar immer weiter verschlimmern.

https://youtu.be/BINo7vucFmc

Atz
15. März 2019 14:20

@BenediktKaiser
Anke Domscheit-Berg, die Frau von dem Wikileaks Dissenter Daniel Berg, ist sehr bemerkenswert in ihrer Entwicklung. Eine ehemalige McKinsey und Microsoft-Lobbyistin, die sich zuerst bei den Grünen mit Frauenthemen plazieren wollte, dann zu den Piraten ging und schliesslich bei den Kommunisten auf die Liste für Brandenburg setzen konnte. Wo immer sie auftauchte, konnte sie Medienseilschaften nutzen.

Für mich ist jemand, der für Microsoft oder Exxon lobbyiert hat, politisch verbrannt.

Nun ist es bei den Linken so, dass alle Politiker irgendwie ohne Hausmacht dastehen und allein, auf Distanz gehen. Überleben kann man nur durch Distanz und konsensfähiges Fingerzeigen auf andere. Die Männer in der Linkspartei sind eher stille Apparatschiks wo man eigentlich gar nicht weiss, wie man sich mit denen streiten sollte. Eine ganz andere Persönlichkeit ist Dieter Dehm, Texter eines Trinkliedes, sehr offen mit jedem, aber eben auch untypisch... Oder Gesine Lötzsch als engagierte Kümmerfrau.

In der Linkspartei wird viel über Solidarität geredet, aber die Kameradschaft geht gegen null. Der Kampf gegen rechts in den 90ern und später beruht mehr auf innerlinken Einigungsnöten und Planlosigkeiten als auf einer tatsächlichen Bedrohung ihrer politischen Position. Der Kampf gegen rechts ist rein instrumentell zur Einigung einer zur Solidarität miteinander unfähigen Partei durch Feindbilder nach aussen. Die Linke hat keine Ideen und keinen Plan.

Lotta Vorbeck
15. März 2019 15:45

@Atz - 15. März 2019 - 02:20 PM

"... In der Linkspartei wird viel über Solidarität geredet, aber die Kameradschaft geht gegen null. Der Kampf gegen rechts in den 90ern und später beruht mehr auf innerlinken Einigungsnöten und Planlosigkeiten als auf einer tatsächlichen Bedrohung ihrer politischen Position. Der Kampf gegen rechts ist rein instrumentell zur Einigung einer zur Solidarität miteinander unfähigen Partei durch Feindbilder nach aussen. Die Linke hat keine Ideen und keinen Plan."

****************************************

Was die zur "Linke" transformierte, mit Trümmerstücken der West-Kommunisten angereicherte, einstige DDR-Staatspartei SED politisch zu bieten hat, sind ist gaaaanz alter Wein, in uralten Schläuchen.

Die zahlende Basis dieser Partei besteht in Mitteldeutschland aus weitgehend fossilem SED-Personal.

Unter Gysi gelang es während der 1990er Jahre zumindest einen Teil des gigantischen SED-Vermögens für die PDS zu retten.

Was die zur "Linke" umfirmierte PDS indessen in nicht unerheblichem Maße (für hauptamtliches Funktionärspersonal) zu bieten hat, sind komfortable, finanziell einträgliche Plätze an den nach wie vor bestens gefüllten Fleischtöpfen des Systems.

Niekisch
15. März 2019 16:05

"Die Linke hat keine Ideen und keinen Plan."

@ Atz 15.3. 14:20: Ist es auf der "Rechten" nicht noch schlimmer?
1. Massive Selbstzensur
2. Pathologische Distanzeritis
3. Chronisches Ausschließen früheren Gedankengutes
4. Scheu vor Mythen und außerreligiösr Transzendenz
5. Verharren im Beichtstuhl des Schuldkults.
6. Kein Versuch, die Begriffe "rechts" und "links" durch Brückenschlag überflüssig zu machen.

Ostelbischer Junker
15. März 2019 17:54

@ Imagine

Großartig!

,, in welcher Gesellschaft wollen wir leben "?

Ich finde auch hier auf der rechten sollte geträumt und utopiert werden, die Linke hat das Träumen aufgegeben - oder Leben wir schon in dem Alptraum der entsteht,
,, wenn sie hält was sie verspricht"?

Ein Geldsystem, dass nicht auf Betrug (Kreditexpansion) beruht, ein Steuersystem, dass die Leute bis zum Erreichen eines Mittelklasselebensstandarts, abgesehen vielleicht von einer kleinen Kopfsteuer um zu wissen, dass alles erwirtschaftet werden muss, komplett in Ruhe lässt und vor allem ohne Privilegien für Konzerne auskommt, ein sozialsystem, dass den Menschen nicht in eine entwürdigende Bürokratie zwingt (Negative Einkommensteuer/Bedingungsloses Grundeinkommen), und die Entfesselung der Wirtschaft von Bürokratischem Firlefanz wären was.

Nath
15. März 2019 17:57

Wagenknecht steht vor einem Dilemma. Einerseits ist die Basis einer Zusammenarbeit mit der globalistischen Mehrheit ihrer Partei nicht mehr gegeben, und es wäre konsequent, eine neue Partei zu gründen. Andererseits würde dies sie persönlich nicht nur als Spalterin dastehen lassen - darin ihrem Ehemann folgend - sondern auch das gesamte, dann aus drei Parteien bestehende linke Lager auf Jahre hin handlungsunfähig machen. Ein heilloses, völlig unübersichtliches Durcheinander wäre die Folge. (Diese Tendenz würde noch verstärkt, falls es Poggenburg auf der rechten Seite gelingen würde, der AfD durch eine stärkere Betonung der sozialen Gerechtigkeit Stimmen wegzunehmen, wodurch sich die letztere wiederum zu einer Art konservativen FDP entwickeln könnte.)
Es ist daher verständlich, dass Wagenknecht einen solchen Schritt niemals gehen wird. Eher macht es Sinn für sie, sich auf die "metapolitische" Arbeit, etwa das Schreiben von Büchern, zu konzentrieren und dem politischen Tagesgeschäft den Rücken zu kehren. Dennoch spricht manches dafür, dass sie in nicht allzulanger Zeit zu der Einsicht gelangt, dass eine Mitgliedschaft in der Linken mit ihren Auffassungen nicht mehr vereinbar ist, so wie ja auch Lafontaine schließlich die SPD verließ.
Für alle diejenigen, die ungeachtet ihrer appollinischen Neigung zu ethnokultureller Identität gleichwohl die emanzipatorische Perspektive der Linken (von der sich so nennenden Partei ist hier nicht die Rede) nicht völlig aufzugeben bereit sind, ist Sahra Wagenknechts Rückzug ein bedauerlicher Schritt. Wenn man sie etwa mit der gleichfalls intelligenten und sympathischen ehemaligen Börsenmaklerin Alice Weidel vergleicht, so kommt unsereiner am Ende zu dem Befund: Sie hat einfach "mehr drauf". Vielleicht irre ich mich aber auch, und die letztere ist ebenfalls eine profunde Kennerin von Goethe und Aristoteles.
PS Eine Diskussion zwischen den beiden an einem neutralen Ort (und unter Vermeidung von Parteislogans) könnte übrigens interessant sein.

Atz
16. März 2019 00:05

@Niekisch - ich hatte an anderer Stelle auf die Rede von Roman Herzog am Historikertag verwiesen, das Pendel ist zurück geschwenkt, aber eine scharfe Formulierung bleibt:

" denn auch die Angst vor dem Blick auf eigene Fehlleistungen in der Geschichte und Verbrechen in der Geschichte ist eine Form der Feigheit, die keinem auf die Dauer Ehre einbringt. Mehr und mehr werden die Völker nach ihren Leistungen für die Welt beurteilt und nicht danach, wie sehr sie in sich selbst verliebt sind. Und das ist gut so."

Ich halte die avisierte Strategie für töricht, gerade hinsichtlich Punkt 3. Man muss ja nicht immer sofort auffallen und losbellen.

Neue Mythen finde ich zielführend. Wenn ich was hartrechtes machen will, dann schreibe ich das am besten mit linkem Jargon auf und veröffentliche in der Jungle World.

Der "Schuldkult" mag nerven aber funktioniert zur Balsamierung der einst lebendigen Polemik zur Mumie. Subversion ist, wenn die Staatspartei dein Spottlied singt: Die Partei, die Partei, die Partei... Rechts hilft, wenn Frau Chebli noch mehr rangelassen wird. Das schönste X ist das U.

Apropos Distanzeritis. Es ist ja zum Kotzen, dass der "eco-fascist" Templer-Attentäter von Christchurch sein Manifest den "Großen Austausch" nannte. Vor gruseligen Mördern braucht niemand sich zu distanzieren. Ach so... und schon mal gehört was der Grüne Volker Beck über saudische Araber vom Stapel lässt? Würde durchaus in ein solches Manifest passen...

Der politische Mensch von rechts verdient eigene Ideen, nicht immerzu sich einzuordnen in bestehenden Schubladen und seine Ideen von der Stange zu kaufen. Er darf die Sondermänner ignorieren.

Das Projekt von rechts ist jedem klar: die Bewahrung der Identität und Sitten und die Mehrung der Macht unseres Volkes. Das ist heute ein emanzipatorisches, antiimperialiales Projekt.

Das Projekt von links ist gar nicht klar. Neue Opfer suchen und gegen die "Privilegierten" ausspielen? Oder wie Diätfanatiker und Grüne irgendwas zum Toxischen erklären, Dieseruß, CO2 irgendwas und Weltuntergang spielen? Oder YPG Rojava Schwärmen um mal endlich die Türkei hassen zu dürfen? Oder Refugee-Welcome so ganz ohne jeden Hauch von kategorischen Imperativ und gemeinsam mit dem BDI für offene Grenzen um den Sozialstaat zu wracken? Mütter Küster hat weiterhin nichts davon.

Juerg_Jenatsch
16. März 2019 00:52

@Atz, sofern Sie die Linke nicht von innen kennen, muß ich sagen, daß dies eine der besten Analysen der innerparteilichen Situation ist. Die Linke war und ist in miteinander verfeindete Cliquen und Seilschaften geteilt. Nur durch die Marke Linke (die mit dem Robin Hoodimage), den relativ vielen Wähler und den daraus resultierenden lukrativen Posten wird die Partei zusammengehalten. Was ich dort an persönlichen Animositäten und Feindschaften erlebt habe, geht kaum auf die vielbeschriebene Kuhhaut. Ost und West, aber auch die verschiedenen Fraktiönchen sind einander spinnefeind. Hinzu kommen die besonders im Westen gepflegten persönlichen Aversionen und ideologischen Grabenkämpfe von Personen, die oftmals jahrzehntelang bedeutungslos waren, aber nun mittels der Linken Parteiämter und Abgeordnetenposten einnehmen konnten. Zur Not tat es auch eine Mitarbeiterstelle in Partei und Fraktion. Viele dieser Leute, vor allem im Westen, kommen aus materiell eher prekären sozialen Umständen und erhlaten durch die Partei die Gelegenheit, ein, für ihre Verhältnisse, überdurchschnittliches Gehalt zu lukrieren. @ Lotta Vorbeck Das von Gysi, aus Sicht der PDS (man kann da anderer Meinung sein), gerettete Parteivermögen tut sicher ein übriges, wobei die westlichen Parteigliederungen nicht alle üppig dotiert werden. Sahra Wagenknecht ist sicher die letzte, intellektuell einigermaßen respektable Person dieser Partei und in dieser Hinsicht halbwegs satisfaktionsfähig. Richtig geschätzt wird sie aber nur von wenigen. Bestenfalls zähneknirschend respektiert, so lange sie das Renommee der Linken beim Wähler und in Talkshows aufpoliert. Wir sollten aber nicht die Augen vor dem Umstand verschließen, daß auch die Linke zutiefst mit der Antifa verstrickt ist. Auch hier gibt es Querverbindungen und Parteimitglieder schulen diese ideologisch.
@ Ostelbischer Junker Bis auf das Grundeinkommen gehe ich mit Ihren Vorschläge d'accord. Ohne ein soziales Angebot ist auf Dauer kein Blumentopf zu gewinnen. Und dies, ohne die Umverteilungsorgien der Wohlfahrtsstaatler der Sozialdemokratie zu imitieren. Ein Spagat zweifelsohne, aber ein notwendiger Schritt, um auf Dauer den Normalbürger zu gewinnen.

Imagine
16. März 2019 14:03

Ein zentrales Problem ist, dass man weder mit den heutigen Linken noch mit den heutigen Rechten richtig reden kann, weil es beiden an Bildung und Realitätsbezug mangelt.

Realität ist die wirkliche Wirklichkeit, deren Basis die materielle Beschaffenheit des Stoffwechsels der Menschen mit der Natur ist, also die ökonomische Grundlage unserer gesellschaftlichen Existenz.

Eine Gemeinsamkeit zwischen den heutigen Linken und Rechten ist, dass sie Marktgläubige sind und sich für die Zukunft keine andere Wirtschaftsform als die Marktwirtschaft vorstellen können.

Historisch betrachtet, haben sich die die Linken von der sozialistischen Ökonomie und die Rechten von der Ökonomie des „nationalen Sozialismus“ verabschiedet.

Dabei war die nationalsozialistische Ökonomie die effektivste deutsche Ökonomie ever. Weil sie – mit Marx zu sprechen - der „markwirtschaftlichen Anarchie“, also dem markt- und betriebswirtschaftlichen Chaos, durch gesamtwirtschaftliche Steuerung ein Ende setzte, also eine echte Volkswirtschaft war.

Durch die gesamtwirtschaftliche Steuerung konnte sie die Stärken Deutschlands, nämlich den hohen Stand des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, den Erfindergeist und die Leistungsfähigkeit der Deutschen, zur Entfaltung bringen.

Die Schwäche Deutschlands lag in der politischen Führung und der soziokulturellen Rückständigkeit, denn in Deutschland regierte nach wie vor der reaktionäre Adel und Deutschland hatte noch nicht den Entwicklungsschritt zur bürgerlichen Gesellschaft und zur Republik gemacht.

Technisch gehörte Deutschland zur Weltspitze, aber politisch-kulturell war es vorbürgerliches Mittelalter. Denn statt die nationale Position in der Welt durch Produktion und Handel auszubauen, setzte der reaktionäre Adel auf die militärische Karte, konkret: auf die kriegerische Eroberung des Ostens, auf die Versklavung der Ostvölker und den Raub von deren Bodenschätze. Raub- und Versklavungsökonomie ist primitives Mittelalter und primitiver, anti-humanistischer Sozialdarwinismus.

Dass eine intelligente gesamtwirtschaftliche Steuerung der Anarchie der Marktwirtschaft überlegen ist, zeigt sich heute bei China. China betreibt eine echte Nationalökonomie.

Auf ihrem Weg zur Weltmacht setzt die chinesische Führung auf wissenschaftlich-technischen Fortschritt, Realökonomie sowie friedlichen Handel.

Würden die am Gemeinwohl orientierten Patrioten etwas mehr von Ökonomie verstehen, dann würden sie sich vom marktwirtschaftlichen TINA-Denken verabschieden und offen sein für eine Systemtransformation zu einer gemeinwohlorientierten Ökonomie.

Hartwig aus LG8
16. März 2019 16:53

""
@ Imagine
Großartig!
,, in welcher Gesellschaft wollen wir leben "? ""

@ osteblischer Junker

Ist das nicht schon die falsche Frage? Müsste es nicht besser heißen: Welche Gemeinschaft wollen und können wir sein?
Eine Volksgemeinschaft zum Beispiel? Dahinter setze ich viele Fragezeichen. Aber was für ein verbindendes, um nicht zu sagen fesselndes Etwas hält uns zusammen? Ist das nicht die erste Frage, und die "Soziale Frage" dann die zweite? Und ist es tatsächlich nötig, hier dem Narrativ der Klassengesellschaft zu frönen?

Hartwig aus LG8
17. März 2019 09:09

Ich möchte mich ergänzen.
Der Sozialstaat richtet sich gegen die Deutschen im Allgemeinen und beutet die tätigen Deutschen per Saldo aus. Unter den gegebenen Bedingungen ist es das Gebot, in kleinen dezentralen solidarischen Strukturen zu überwintern. Die AfD sollte dies propagieren und dazu eine Trump'sche Steuer- und Sozialpolitik verfolgen. Die Werktätigen, ich scheue dieses Wort nicht, sollen so viel Ertrag wie nur irgend möglich behalten. Nur damit sind kleine Solidarstrukturen von und für Deutsche zu unterhalten.

Der_Juergen
17. März 2019 09:37

@Imagine

Ihre Wortmeldungen sind durchdacht und differenziert. Sie stellen für diesen Blog eine Bereicherung dar. Was Sie z. B. über den Nationalsozialismus sagen, kann man hundertprozentig unterschreiben.

Als ein italienischer Spitzenpolitiker vor ein paar Tagen Teile von Mussolinis Politik lobte und erwähnte, dass dieser die Infrastruktur Italiens enorm ausgebaut hat, schrien die Systempolitiker Zeter und Mordio, und die Medien-Köter stimmten ein wütendes Kläffkonzert an. Dies ist ein gutes Beispiel für die Infantilisierung und Idiotisierung des politischen Diskurses seitens der Herrschenden und ihrer Zuträger. Ein normal denkender Mensch müsste nämlich begreifen, dass man, um ein Regime oder System gerecht beurteilen zu können, sowohl seine Leistungen als auch seine Fehler und/oder Verbrechen angemessen analysieren muss. Das eine gegen das andere abzuwägen, ist nicht leicht.

"Staline? Boucher d'hommes, mais geant d'histoire", meinte der französische rechte Schriftsteller Jean Cau beispielsweise über Stalin. Stalin hat durch seinen Terror mindestens zehn Millionen Sowjetmenschen ausgelöscht, aber gleichzeitig sein Land in unwahrscheinlich raschem Tempo industrialisiert und dadurch die Grundlage für den Sieg im 2. Weltkrieg geschaffen. Was wiegt aus der Sicht eines Sowjetbürgers bzw. Russen schwerer? Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Niekisch
17. März 2019 11:28

@ Atz 16.3. 00:05:

Wir sind uns nicht fern. Denn ich habe kein Strategie vorgelegt, sondern eine extrem kurze kleine Bestandsaufnahme, die ja falsch sein mag.

Jedenfalls stimme ich dem Herzog - Satz zu. Eigene Verbrechen und Fehler müssen am besten gemeinsam mit den anderen Beteiligten in den geschichtlichen Kontext gestellt, aufgearbeitet und allseits geahndet werden.

Und sofort auffallen und losbellen wollen wir auch nicht. Aber gelegentlich die Haare sich sträuben lassen und ein Fletschen der Zähne ist dringend erforderlich, weil ansonsten der seelische Haushalt aus dem Gleichgewicht kommt. Der politisch-geschichtliche sowieso.

Neue Mythen? Und dann noch im linken Jargon in der "Jungle World? Helfen Sie mir bitte. Mir fallen nur alte, wohl ewig gültige in zeitgerechter Sprache ein.

Der Schuldkult ist leider kein Balsamierungsöl für eine Mumie. Er ist in quicklebendiges Kopfwaschmittel für die tägliche Gehirnwäsche, das vielleicht bei uns Beiden nicht mehr wirkt, aber doch bei einigen Generationen mit Millionen Menschen eine Willenslähmung bewirkt hat und kilometerweites Kriechen vor der bösartigen Monstranz in der Hand von Lügenbaronen.

Subversion ist ein taktische Mittel der Metapolitik, setzt aber eine Strategie auf der Basis klarer und gefestigter Anschauungen unter ständiger Selbstkritik voraus. Ob das schönste X das U ist, das erkennen wir erst, wenn wir uns des X gewiß sind.

Die Distanz zu Mördern wie in Christchurch ist eine Selbstverständlichkeit, sie werden vom System gebraucht, nicht von uns. Pathologisch beziehe ich anamnetisch auf das "Pfui" gegenüber Ideen und Leuten, die ohne fremdveranlaßte Scheuklappen besehen uns nahestehend sind. In den 60iger Jahren gab es Hunderte, wenn nicht Tausende Bernd Höckes, die nicht einmal der politische Gegner und Feind als auch die Schnüffler für staatsgefährdend erachteten. Wir sollten uns nicht auf die beabsichtigte Begriffsverschärfung der Gegenseite einlassen, sie unbeachtet lassen und an der eigenen Begriffsfindung arbeiten.

Gibt es einen politischen Menschen von rechts oder gibt es politisch und geschichtlich interessierte Menschen, die mangels selbstkreierter Begriffe auf überholte Kategorien zurückgreifen?

Das Projekt ist zwar nicht jedem klar, aber es ist trefflich beschrieben, vor allem kurz und klar. Ja, eine Revolution (Rückwälzung) zum Wiederaufleben der Deutschen und unserem Land ist heute ein emanzipatorischer, antiimperialistischer, auch wissenschaftsaffiner Akt.

Die Linke geht mit dem Begriff "links" unter, die Rechte kann sich mit dem Begriff "rechts" nicht zukunftsgerecht erfinden.

Laßt uns positive, seelenheilende, Narrative suchen, finden und erzählen.

Imagine
17. März 2019 12:20

Wie überall in der Gesellschaft: Begriffskonfusion und postmodere Beliebigkeit.

Ist die Klassengesellschaft Realität oder ein Narrativ?

Ist die deutsche Nation Realität oder ein Narrativ?

Ist die Neue Rechte Realität oder ein Narrativ?

Niekisch
17. März 2019 13:17

@ Imagine 12:20: dem Urteil von Der_Juergen schließe ich mich gerne an außer, daß Sie Beliebigkeit konstatieren. ich meine schon, daß hier um Werte und Begriffe gerungen wird und -wenn auch nicht durch mich:-)- zumindest hin und wieder zu den Wurzeln vorgestoßen wird.

Wie wäre es, wenn wir neben der Unterstützung von antaios die ältere Literatur meinetwegen ab der Jahrhundertwende zum 20. J.h. stärker in den Diskurs einbeziehen. Da finden wir viele Begriffe und Narrative zur Kreation des Neuen.

Hartwig aus LG8
17. März 2019 13:41

@ Imagine

Es ist sicher einer ausschweifenden Grundsatzdebatte wert, über die Realität der marx'schen Klassengesellschaft zu streiten. Von Begriffskonfussion meinerseits würde ich aber ungern sprechen. Ich nutzte das Wort Narrativ ganz bewusst.

Zooey
17. März 2019 20:20

"Realität ist die wirkliche Wirklichkeit, deren Basis die materielle Beschaffenheit des Stoffwechsels der Menschen mit der Natur ist, also die ökonomische Grundlage unserer gesellschaftlichen Existenz." Finde ich nicht. "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Bewusstsein - Geist und Seele - schaffen die menschliche Wirklichkeit. Sieht man auch an der Werbung, wenn die Produkte mit nahezu metaohysischem Sinn aufgeladen werden. Ich geben Ihnen u. a. hier im Forum recht, dass es Individuen ganz natürlich um die materielle Existenzsicherung geht.

Imagine
18. März 2019 10:22

@Zooey 17. März 2019 20:20
„"Realität ist die wirkliche Wirklichkeit, deren Basis die materielle Beschaffenheit des Stoffwechsels der Menschen mit der Natur ist, also die ökonomische Grundlage unserer gesellschaftlichen Existenz." Finde ich nicht. "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Bewusstsein - Geist und Seele - schaffen die menschliche Wirklichkeit.“

Der Mensch existiert sowohl als körperliches wie auch geistiges Wesen.
Der Mensch kann weitgehend ohne Geist existieren, aber nie ohne Körper.

Die heutigen kapitalistischen Gesellschaften mit ihrer Massenverblödung und Geistlosigkeit zeigen dies. Die Menschen werden den Tieren in Geist und Verhalten immer ähnlicher.

Die anthropologische Grundtatsache, nämlich dass die Ökonomie die Basis für das Überleben der Menschen ist, legt Marx seiner Theoriebildung zugrunde: Die Ökonomie bestimmt das gesellschaftliche Leben. Solange ökonomischer Mangel herrscht, solange konkurrieren und kämpfen Menschen gegeneinander. Erst eine Überflussökonomie ermöglicht ein Leben, wo der Mensch nicht mehr nach dem Prinzip „homo homini lupus“ leben muss.

Marx´ Theorie ist sowohl naturwissenschaftlich, wie auch geisteswissenschaftlich fundiert (cf. z.B. Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844).

Kein primitiver Materialismus wie die kapitalistische Ideologie des Sozialdarwinismus, welche die zentrale Ideologie der Reaktionäre ist.

Im entwickelten Kapitalismus wird den Menschen ein System weiterhin aufgeherrscht, welches sie zu Objekten der Profitmaximierung macht und ihrer menschlichen Natur widerspricht (cf. Entfremdungstheorie), obwohl durch die Überflussproduktion ein menschenfreundliches sowie ökonomisch effektiveres System möglich wäre.

Die Logik des kapitalistischen Systems macht die Masse der Menschen – die Arbeits- und Nutzmenschen - zu Arbeits- und Konsumidioten und die Eliten zu Menschenfeinden und Verbrechern.

Deshalb wird das Verhalten der Mensch als „krank“ erlebt, weil sie sich – unten und oben - hirnlos dem System anpassen. Geistig gesunde Menschen würden nie eine selbstzerstörerische Massenimmigration von Menschen aus inkompatiblen Kulturen zulassen.

Weil das System immer mehr selbstzerstörerisch funktioniert, braucht es ein neues, der Natur des Menschen entsprechendes System. Das altes System behalten und eine andere Politik machen, das geht nicht. Jedem Systemtheoretiker ist dies klar. Weil die Politik unter dem „Sachzwang“ der Systemerhaltungslogik steht.

Aufgrund der wissenschaftlich-technischen Entwicklung kann man die ökonomische Basis der Gesellschaft – das ökonomische System - heute menschenfreundlicher und besser organisieren, eben weil die Produktivität so hoch ist und die menschliche Arbeit immer mehr durch Maschinen ersetzt werden kann.

Deshalb ist die Überwindung des kapitalistischen Systems möglich und nötig.

Die Systemfrage macht den wesentlichen Kern der „sozialen Frage“ aus.

KlausD.
18. März 2019 19:59

@Niekisch 17. März 2019 13:17
"Wie wäre es, wenn wir ... die ältere Literatur meinetwegen ab der Jahrhundertwende zum 20. J.h. stärker in den Diskurs einbeziehen."

Zählen Meinungsäußerungen von Schrifstellern auch dazu?
Zur Frage der Entwicklung Deutschlands hat sich Theodor Fontane in einem Brief an seinen Freund Georg Friedlaender am 5. April 1897 folgendermaßen geäußert:

„ ...er (der Kaiser) träumt … von einer Demüthigung Englands. Deutschland soll obenan sein, in all und jedem. Das alles … berührt mich sympatisch und ich wollte ihm auf seinem Thurmseilwege willig folgen, wenn ich sähe, daß er die richtige Kreide unter den Füßen und die richtige Balancirstange in Händen hätte. Das hat er aber nicht. Er will, wenn nicht das Unmögliche so doch das Höchstgefährliche, mit falscher Ausrüstung, mit unausreichenden Mitteln. …
Was der Kaiser muthmaßlich vorhat, ist mit „Waffen“ überhaupt nicht zu leisten …
die Rüstung muß fort und ganz andere Kräfte müssen an die Stelle treten: Geld, Klugheit, Begeisterung. …
Nur Volkshingebung kann die Wunderthaten thun, auf die er aus ist …
dieser Adel … ist unser Unglück … und so lange dieser Zustand fortbesteht, ist an eine Fortentwicklung deutscher Macht und deutschen Ansehns nach außen hin gar nicht zu denken. ...
Wir brauchen einen ganz anderen Unterbau …
Daß Staaten an einer kühnen Umformung, die die Zeit forderte, zu Grunde gegangen wären, - dieser Fall ist sehr selten … Aber das Umgekehrte zeigt sich hundertfältig.

Wahrheitssucher
18. März 2019 23:53

@ links ist wo der daumen rechts ist et al.

„Schöne Menschen und Glaubwürdigkeit“

Dazu ein Hegel-Zitat:
„Das Äußere ist die Äußerung des Inneren...“

Zooey
19. März 2019 00:22

@imagine
Ich bin soweit einverstanden, dass die Ökonomie die Basis für das menschliche Über- und Zusammenleben bildet. Ich bin auch mit Ihrer Symptombeschreibung weitgehend einverstanden. Wie Marx da eine Lösung bietet - fraglich; ich kenne Marx aber zu wenig. Ich kann mir allerdings eine Änderung des Wirtschaftslebens ohne Bewusstseinswandel nicht vorstellen. Ein Bewusstseinswandel kann nicht politisch angeordnet werden. Der "passiert" m. E. nur, wenn immer mehr Menschen aufwachen und sich bewusst werden, dass das Streben nach Konsum, nach Profit sinnlos und hohl ist und keine Erfüllung bringt. M. E. gibt es auch kein Zurück hinter das Bewusstsein individueller Freiheit - insoweit kann da auch China kaum als Vorbild dienen.

Die "Vertierung" des Menschen ist auch nicht unbedingt widernatürlich, sondern ständige Versuchung/Sehnsucht. Das Tier ist doch beneidenswert: Es lebt in vollem Einklang mit der Natur, es ist unschuldig und es weiss nichts vom Tod.

Der Konkurrenzkampf ist ebenfalls nicht widernatürlich. Gibt es nicht auch eine Lust, sich mit anderen zu messen und dabei an seine Grenzen zu stossen. Der Konkurrenzkampf muss wahrscheinlich "nur" durch das Prinzip der Kooperation "überlagert" werden.

Niekisch
19. März 2019 09:32

@ KlausD 18.3.19:59: Ein sehr schönes Beispiel, das Sie da geben. Der Text kann uns für die Jetztzeit inspirieren.
Natürlich sollen nicht die Lesehinweise von SiN durchkreuzt werden oder abgewertet werden, aber für das tägliche Leben des Soldaten im Ersten Weltkrieg, die Nebenschauplätze und Hintergründiges kann durchaus mit Gewinn auch das kleine Werk von Alexander Moritz Frey, Die Pflasterkästen - Ein Feldsanitätsroman- dienen. "So liegen viele in Reihen auf Heu, auf Matratzen, mit zerstörten Därmen, zerplatzten Harnblasen, zerhackten Lungen, zerschossenen Röchelhälsen, eisenversehenen Schädeln-die Aufgegebenen. Sie werden nicht einmal weggeschafft, wenn die Rumpelkästen der Sanitätskompanie angeprescht kommen, wenn die in Schweiß und Angst getauchten Fahrer und Begleiter ihre Wagen überstürzt füllen-in Angst deshalb, weil sie mit jeder weiteren Minute fürchten müssen, Artillerie bricht erneut los und über sie herein, während sie unterwegs sind." (S. 209)

Ich bin froh, als Jugendlicher die heute vergessene oder verfemte ältere Literatur verschlungen zu haben.

Imagine
19. März 2019 13:34

@Zooey 19. März 2019 00:22
„Die "Vertierung" des Menschen ist auch nicht unbedingt widernatürlich, sondern ständige Versuchung/Sehnsucht. Das Tier ist doch beneidenswert: Es lebt in vollem Einklang mit der Natur, es ist unschuldig und es weiss nichts vom Tod.“

Der Mensch ist erziehungsbedürftig und erziehungsfähig. Im Gegensatz zum Tier ist er vernunftbegabt. Aber diese Begabung bedarf der Entwicklung, ansonsten bleibt er unvernünftig wie ein Kind.
Obwohl genetisch weitgehend identisch mit den Primaten, hat sich die Menschheit in einem Prozess der „Menschwerdung des Affen“ F. Engels) entwickelt.

Kein Tier kennt Recht und Moral, kein Tier besitzt die Kreativität, seine Umwelt so technisch (= künstlich) umzugestalten wie der Mensch. Nur der Mensch ist zu derartigen schöpferisch-geistigen Leistungen begabt.

Um dieses menschliche Potential zu entfalten, braucht es eine entsprechende menschliche Umwelt. Der Prozess der kulturellen Höherentwicklung von Menschen wird als Bildung bezeichnet. Je höher die Kultur der Gemeinschaft, in der ein Mensch aufwächst, umso höher sind die Chancen, dass ein Individuum sein geistig-kulturelles Potential entwickeln können.

Je unentwickelter die Kultur der Gemeinschaft, umso geringer sind die Entwicklungschancen, umso mehr ähnelt das Verhalten der Menschen jenem von Tieren.

Menschen können von einer höheren Entwicklungsstufe auf niedrigere Stufen zurückfallen. Bei Individuen spricht man von Demoralisierung, Regression sowie charakterlichem und geistigem Verfall. Bei Kollektiven und Nationen wird dieses Phänomen als Dekadenz, Dehumanisierung und Barbarisierung bezeichnet.

Wenn in einer Gesellschaft eine „ständige Versuchung/Sehnsucht“ besteht, in das Stadium eines Tiers zu regredieren, bei dem sich das ganze Leben triebgesteuert nur ums Wohlfühlen, Fressen und Fortpflanzen dreht, dann stimmt etwas mit der gesellschaftlichen Matrix nicht. Jener Mensch, der wie Tier ständig triebgesteuert seine Wohlfühlbedürfnisse befriedigen will, hat nie die Stufe eines kulturell gebildeten Menschen erreicht oder er ist regrediert und dehumanisiert.

Ein aufgeklärter und gebildeter Mensch, der gelernt hat, „seinen Verstand selbstständig zu gebrauchen“ (vgl. Kant) und eine Liebe zur Vernunft und Kunst – zum Wahren, Schönen und Guten - entwickelt hat, wird dies auch weiterhin tun, so wie ein Künstler seine Kunst bis zu seinem Tod oder geistigem Verfall weiterhin zu pflegen und weiterentwickeln versucht.

Wenn die gesellschaftliche Matrix nicht auf geistig-kulturellen Erhalt und Weiterentwicklung ausgerichtet ist, sondern wie beim Kapitalismus auf Ausbeutung und Übervorteilung, ist dies jedoch völlig anders.

Die bürgerliche Gesellschaft war vom Gedanken des Humanismus bestimmt (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), inzwischen hat ein Prozess der Entbürgerlichung stattgefunden, eine „neoliberale“ Regression in die sozialdarwinistische Welt des Mittelalters.

Gab es in den ersten Nachkriegsjahrzehnten noch eine Renaissance des bürgerlichen Humanismus, in dem das Bildungsziel der „mündige Bürger“ war, so befinden sich heute die kapitalistischen Gesellschaften in einem Prozess ständigen kulturellen Niedergangs.

Im Kapitalismus gibt es große Industrien, deren Hauptzweck ist, die Menschen zu manipulieren und zu verblöden, um den Profit zu maximieren und das Herrschafts- und Ausbeutungssystem aufrechtzuerhalten. Typisch dafür sind die Werbeindustrie und die Massenmedien.

Anmelden Registrieren