14. April 2019

Sonntagsheld (102) – Der „patriotic turn“…

Till-Lucas Wessels / 44 Kommentare

...und seine Folgen

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Daß man die Zeit nicht zurückdrehen kann, ist normalerweise ein Problem, mit dem sich die Konservativen auseinandersetzen müssen. Egal wie der Sehnsuchtsort heißt – Bonner Republik, Kaisserreich, Lützower Jäger, oder absolutistischer Barock – die Wege in die Vergangenheit mußten stets in der Sackgasse der Geschichtsfolklore und Trachtenvereine enden.

Egal ob es an uns lag, oder an den berüchtigten Verhältnissen: Es hat jedenfalls eine lange Zeit gedauert, diese alte Haut abzustreifen. Selbst die Neue Rechte, die darunter zum Vorschein kam, trägt noch ein gutes Stück davon mit sich herum, aber dazu vielleicht einmal an anderer Stelle mehr.

Es geht nämlich in diesem Sonntagshelden einmal nicht um uns, sondern vor allem um die Normalität und natürlich auch wieder ein bißchen um die anderen, also die Linken.

Vielleicht zuerst zur Normalität, denn die scheint sich in den vergangenen Jahren in einem Ausmaß und einer Geschwindigkeit verschoben zu haben, daß man mit Fug und Recht von einem patriotic turn reden kann. Ich weiß, ich weiß, die Germanophilen unter meinen Lesern verzeihen solche anglophonen Stil-Blüten nur sehr zögerlich, aber die Übersetzung "Patriotische Wende" greift in diesem Fall einfach zu kurz.

Zum einen, weil wir es ja nicht mit einer Wende im eigentlichen Sinne zu tun haben, sondern vielleicht eher mit einer neuen Richtung, die eingeschlagen wird; und zum anderen, weil diese neue Richtung keineswegs heißen muß, daß jetzt alles gut ist. (Ab-)gewendet ist rein gar nichts.

Und doch erleben wir, die wir als politische Aktivisten recht nah am Puls der für unsere Ideen empfänglichen Menschen operieren, diese metapolitische Tektonik in ihren Mikroschritten fast täglich. Wir merken etwa, daß auf einmal 16-, 17jährige Schüler vor der Tür unseres Hausprojektes stehen, die eine politische Welt ohne AfD und PEGIDA nie bewußt erlebt haben.

Wir begleiten im Wochentakt Unterstützer und Interessenten dabei, wie sie ihre Scheu vor einem offenen Engagement für ihre Heimat verlieren, weil sie merken, daß die patriotische Zivilgesellschaft inzwischen ein echter, wachsender Faktor ist, der über wirksame Strukturen und tatsächlichen politischen Einfluß verfügt.

Und wir merken allmählich, wie an den privaten Reibungspunkten, in den Familien, in der Universität oder im Fußballverein Normalität einkehrt und die wüsten Beschimpfungen und Freundschaftskündigungen der Debatte, oder dem höflichen Beschweigen weichen.

Diese Entwicklungen nehmen nicht nur wir wahr, ich weiß, daß sie auch auf der Gegenseite intensiv beobachtet werden und allmählich melden sich auch die ersten Redlichen zu Wort, die das Hygienegerassel und Vernichtungsgetrommel der eigenen Seite nicht mehr ertragen können, oder einfach neugierig auf das sind, was wir wirklich zu sagen haben.

Der Großteil der politischen Linken und mit ihr der Großteil der politisch-medialen Öffentlichkeit verharrt indes – ich verweise auf meinen Sonntagshelden zum 90er-Jahre-Anti-Rechts-Reenactment von Maxim Biller – stur in den sorgfältig erlernten Verhaltensmustern, die aus einer Zeit stammen, in der mit einer richtigen Gegenöffentlichkeit noch nicht zu rechnen war.

Heute sind es die Linken, die wieder zurück wollen und das wir für sie in den nächsten Jahren zum Problem werden. Denn diese Gegenöffentlichkeit, die sich allmählich ankündigt, muß - wenn es nach uns geht – keinesfall knallerechts sein. Uns reicht es vollkommen, wenn sie einfach das macht, was eine Öffentlichkeit eben macht, nämlich den Themen und Personen einen Resonanzraum, ein Podium, oder auch eine Arena bietet, die die Menschen bewegen.

Wer hier regelmäßig liest weiß: Einige Zeitungen wagen sich bereits zögernd in diese Gefilde vor, die meisten deutschen Fernsehanstalten tun sich hingegen noch schwer, die zaghaften Versuche in diesem Bereich wurden bisher erfolgreich erstickt.

Das ist in Österreich dann doch ein wenig anders. Mit dem Sender Servus TV – Kollege Schick erwähnte ihn bereis in seinen "Netzfundstücken" - hat sich dort ein Fenster aufgetan, durch das man sich ganz ungeniert einmal abschauen könnte, wie etwa eine Talkshow eigentlich ablaufen sollte:

Ein linker Sozialwissenschaftler mit St.-Pauli-Shirt, der am Ende mit Henryk M. Broder eine Gartenzwerg-Allianz gründen will, Kubitschek im Anzug, eine Philosophin, die den Identitären bescheinigt, daß sie einfach klüger sind als die Biertisch-Rechten von der FPÖ und dazu ein Sozialdemokrat, der auch etwas sagen darf – das klingt nach einer illustren Runde, die sich am Ende sogar auf eine ganz kuriose Art doch irgendwie einig ist.

Ich kenne die Einschaltquoten dieses Senders nicht, aber ich gehe mal stark davon aus, daß diese Gästekonstellation vor allem zusammenkam, weil die letzte aufsehenerregende Runde mit Sellner womöglich nicht ganz unerfolgreich war.

Daß diese Ausgabe vom "Talk in Hangar 7" wirklich unterhaltsam , bissig, lustig und tatsächlich die gute Stunde Sendezeit wert war, verdanken wir dabei nicht zuletzt dem Moderatoren Michael Fleischhacker, der seine Sache wirklich gut machte. Seine Fragen waren gut vorbereitet, scharf aber fair und vor allem nicht in der politkommissarischen Art und Weise gestellt, wie man sie aus bundesdeutschen Talkshows kennt, wo es einzig und allein ums Enttarnen und Entlarven des rechten Monstrums geht, das man sich zur wohligen Abscheu aller in seine Mitte geholt hat.

Die sonntäglichen Glückwünsch gehen daher dieses mal Richtung Salzburg, wo der Sender seinen Sitz hat, den Lorbeerkranz behalte ich Fleischhacker vor, dem ich noch viele interessante Gäste und kontroverse Themen wünsche!


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (44)

Laurenz
8. April 2019 02:58

Don Juan (Carlos Castaneda) Zitat- Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß auch nicht, wo er hingeht. -Zitatende.

Historisch Erfolge oder - Mißerfolge zeichnen doch immer nur eines. Wie reagierten Menschen, und wie wahrscheinlich ist die eine oder andere zukünftige Reaktion. Die Rechtsfrage, auf die Herr Kubitschek in der Servus-TV-Sendung hinwies, ist eine entscheidende, wie aktuell hoch problematische. Einerseits überfluten uns Einzelfälle und andererseits wird ein ganzes Volk in Sippenhaft genommen, je nachdem, wie es gerade paßt. Das geht schon viel zu lange gut, aber gelernt hat aus der Weimarer Zeit wirklich fast niemand, schon gar nicht unsere Nachbarn.

Der Unterschied im anglophilen "patriotic turn" zu "patriotischen Wende" befindet sich nur in Ihrem Kopf, Herr Wessels. Schreiben Sie es doch mal auf chinesisch, einfach nur, um sich schon mal für die Zukunft abzusichern. Auch der letzte Kaiser und Adolf Hitler waren anglophil. Was hat es ihnen gebracht? Genau, die Niederlage. Historisch hat sich die Welt in den letzten Kriegen, wie auch danach, vom britischen Imperialismus befreit, um sich jetzt mit dem Nachfolgern, dem us amerikanischen - und dem chinesischen Imperialismus, wenn es denn geht, auf einer nicht-militärischen Ebene auseinanderzusetzen. Natürlich hat der aktuelle mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador Unrecht, wenn er den Spaniern, auf spanisch, menschliches Unrecht, begangen vor 500 Jahren, vorwirft, vor allem in Anbetracht dessen, daß er selbst auch wie ein Asturier aussieht. Die Spanier eroberten und zerstörten Kulturen, keine Frage. Allerdings, die heimischen Azteken waren keinen Deut besser. Und die Nachfolger der Spanier, ob nun Ösi-, Frog-oder Ami-Gringos waren vielleicht weniger katholisch, aber hatten ein ähnlich einnehmendes Wesen. Der mexikanisch-/us-amerikanische Krieg ist jünger als die napoleonischen Kriege, ähnlich den Opium-Kriege in China.

Von daher, Herr Wessels, wenn Sie das 30fach belegte billige "turn" ins Wörterbuch eingeben, finden Sie vielleicht die deutsche Bedeutung, die am besten in Ihr Sprachgefühl paßt. Ich sehe gerade, Heidegger übersetzt es mit Kehre. Und Alan Parsons hatte bei seinem Meisterwerk "The Turn of a Friendly Card" einfach nichts besseres, mehr literarisches, zur Verfügung. Das heutige Englisch ist vor allem militärisch geprägt. Und mir gefällt "die patriotische Nummer" ganz gut, weil sie eher einem sozial prekärem Milieu entspricht, daß meist jeder versteht.

nietzschikus
14. April 2019 12:11

Ich habe nur zwei knappe Anmerkungen:
a) Ich finde wir sollten uns nicht zu schnell zufrieden geben mit dem was Gegenöffentlichkeit ausmacht: Debatte, höfliches Beschweigen. Dies drückt sich dann noch einmal wie folgt aus: "Uns reicht es vollkommen, wenn sie einfach das macht, was eine Öffentlichkeit eben macht, nämlich den Themen und Personen einen Resonanzraum, ein Podium, oder auch eine Arena bietet, die die Menschen bewegen." Nein, dies reicht selbstverständlich nicht! Wenn dieser "Resonanzraum" weiterhin alleine von linken Subvenstionsabgreifern bevölkert wird, wo die Altparteien (insb. die linken) ihre tiefen Parteistrukturen verankern und allimentieren lassen. Das muss weitreichend beendet werden - auch in den Universitäten.

b) Des weiteren stellt sich mir die Frage: Ist es wirklich so? Ich hoffe inständig, dass unsere Sache an Fahrt gewinnt. Aber wenn ich mir ansehe, was derzeit in Ösiland rund um die IB geschieht, wirft dies massive Fragezeichen auf. Wenn rechtspopulistische Parteien auf einmal MASSIVST die Nazikeule schwingen und man meint, dass man sich eigentlich wünscht, die IB´ler bald ins Gulag zu stecken ... Naja. Zweifel.

Wolfram Amadeus
14. April 2019 14:23

Wer wissen möchte wie die andere Seite den "Talk im Hangar 7" erlebt hat kann sich hier ein Bild machen: https://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/5611785/Gastkommentar_Ein-Lehrstueck-wie-man-mit-radikalen-Rechten-nicht-redet --- "Die Presse" galt vor etlichen Jahren noch für bürgerlich-konservative wenigsten in Zwischenwahlzeiten noch als lesbar, heute schwimmt sie im Mainstream mit. Die Medien in Österreich sind vom "Patriotic Turn" noch einiges entfernt.

Gelddrucker
14. April 2019 15:49

"Und wir merken allmählich, wie an den privaten Reibungspunkten, in den Familien, in der Universität oder im Fußballverein Normalität einkehrt und die wüsten Beschimpfungen und Freundschaftskündigungen der Debatte, oder dem höflichen Beschweigen weichen."

Das sehe ich exakt genauso. Es gibt die Allergiker zwar noch immer, aber das Verständnis für unseren Widerstand wird deutlich größer.

Aber wie richtig erwähnt: Gewonnen und abgewendet ist noch nichts, und man sollte dem Status der Zufriedenheit nie eine Chance geben. Nur das permanente Kratzen und Aufweichen des geistigen Widerstands gegen die, welche die europäische Zivilisation erhalten wollen, kann die Option sein. Zurücklehnen gilt nicht.

Der_Juergen
14. April 2019 16:33

Nachdem ich mir eben Martin Sellners gestrige Rede in Wien angehört und angesehen haben, würde ich ihn als unbestrittenen Sonntagshelden vorschlagen, gemeinsam mit seinen Freunden und Unterstützern. Ob es für ihn persönlich gut herauskommen wird, wissen wir nicht, doch was er und die IB geschaffen haben, wird sich nicht mehr zerstören lassen. Das Volk ist auch in Österreich enorm geduldig, aber auch dort wird der Brunnen so lang zum Krug gehen, bis er bricht.

Wer soll es denn tun, wenn nicht ich? ist die Frage, die sich Menschen wie Sellner seit jeher gestellt haben und auch weiter stellen. Solche Männer und Frauen sind vom Schicksal (oder von der Vorsehung, oder von Gott; all diese Begriffe bedeuten ja im Grunde dasselbe) für ihre Aufgabe auserkoren worden.

Ratwolf
14. April 2019 17:26

Ich würde keine Hoffnung auf den Sender projezieren. Aber diese und andere Sendungen von "Talk im Hangar" waren wirklich gut.

Amos
14. April 2019 20:54

Ja, the times they are a' changing. Manchem von uns ein bisschen zu gemächlich. Widerstand findet oft nur in den Kommentarspalten statt, wo er sich, zwar mit potentiell unbegrenzter Reichweite, dennoch ins Leere entlädt. Gleichgesinntheit und Wirkungslosigkeit heizen die Stimmung dort an, aber alle starren gebannt auf die Frage: "warum TUT niemand etwas" . Eine gefährliche Frage, denn ganz gleich, welche psychischen Dispositionen beim Christchurch- Attentäter eine Rolle spielen, seine Antwort war "Ich mach jetzt etwas". Es fehlt (Im Westen mehr als im Osten, wie Ihre Beispile zeigen) eine Bottom- up Struktur für den Widerstand gegen die herrschende Ideologie. Eine Möglichkeit, sich außerhalb der Kommentarspalten an konkreten Personen, Projekten und Aufgaben zu beweisen. Zwar gibt es die Ortsgruppen der AFD, aber das Potential der Unzufriedenen ist weit größer, als die hier Lust, Bekenntnismut und Leidensbereitschaft Zeigenden. Vielleicht braucht es neben der AFD noch Gruppen und Vereine, die sich z.B. thematisch fokusierter aufstellen. Die Erklärung 2018 von Vera Lengsfeld war klar anschlussfähig über die AFD hinaus. Die Demontage des Rechtsstaates und der bürgerlichen (also exklusiven) Rechte zugunsten von "Menschenrechten"(also letztlich Rechten der nackten Haut) leuchtete offenbar vielen unmittelbar ein. Die komplette Aktion verlief nach der Anhörung vor dem Petitionsauschuss komplett im Sande, was schade ist. Mich würde interssieren, ob man dieses Potential durch einen "Verein für Bürgerrechte" o.ä. institutionalisieren und zu verstetigen könnte. Die Leute (Einzelmasken) könnten sich endlich auch bei uns im Westen näher kennen lernen, gemeinsam Aktionen und Demonstartioenen vorbereiten, und so für die längst notwendige Straßenpräsenz sorgen (-man wird ja noch träumen dürfen). Eine überparteiliche Organisation hätte auch den Vorteil, thematisch ohne Rücksicht auf Parteidisziplin- und Strategie agieren zu können. -Und würde wie gesagt Leute bis weit in das bürgerliche Lager hienein ansprechen. Aber das wäre vielleicht eher an Vera Lengsfeld und Mitstreiter heran zu tragen?

Fredy
14. April 2019 21:34

Man kann nie alles richtig machen. Aber Martin Sellner macht fast alles richtig. Ein wunderbarer Mann. Ein Mann. Aber ob wir wieder einem Österreicher folgen sollen? Sicher doch.

Laurenz
14. April 2019 22:13

@Wolfram Amadeus ..... vielen Dank für den Einblick in die sozial-faschistische Presse. Das Geilste war der Angriff, mit wem Herr Kubitschek sich identifiziert, mit Weißen. Ja, mit wem denn sonst? Dem Autoren, Herrn Weber, ist nur zu empfehlen, mal alleine durch Alt-Mombasa zu latschen oder dem Basar von Marseille einen Besuch abzustatten. Die Zeit, die Herrn Weber dann bleibt, zu erfahren, wer er ist, wird nur sehr kurz sein. Wer mal diesbezüglich wieder mal was zu lachen haben will, mag sich Mark Steyn aus 2007 anschauen. Der formuliert es klar und deutlich..... "there is no point of having an argument......" https://youtu.be/CdEGJb5W5ks

quarz
15. April 2019 09:25

"die Wege in die Vergangenheit mußten stets in der Sackgasse der Geschichtsfolklore und Trachtenvereine enden."

Ich sehe im Gegenteil das Irrlichtern vieler Zeitgenossen in einer fast schon grotesken Überschätzung der Gegenwart als geistigem Orientierungsrahmen begründet. Nichts taugt neben der Logik besser als Instrument zur Justierung des aus den Fugen geratenen Zusammenlebens, als ein Blick auf das, was sich in der Vergangenheit in den Stürmen der Moden, Räusche und Wahnideen bewährt hat. Scruton hat es sinngemäß folgendermaßen auf den Punkt gebracht: "Ein Konservativer ist ein Mensch, der begriffen hat, dass gute Dinge leicht zu zerstören, aber schwer zu erzeugen sind".

Der_Juergen
15. April 2019 09:34

@Amos

Ein guter Kommentar! Der letztendliche Feind ist nicht das verrottete politische System und auch nicht dessen Lügenpresse. Die Merkels, Nahles', Hofreiters, Roths, Augsteins, Prantls und wie sie alle heissen sind Larven. Sie haben kein Ich. Sie leisten, jeder mit seinen Mitteln, ihren Beitrag zur Völkerzerstörung, sondern dazu die üblichen Sprachblasen ab, kassieren derweil kräftig ab und vertrauen darauf, einst mit fetten Pensionen abtreten zu können.

Nein, der wahre Feind ist unsere eigene Feigheit, unsere eigene Bequemlichkeit unsere eigene Faulheit. Ein selbstbewusstes Volk hätte sich nie von einer negativen Auslese regieren lassen. Diese wurde nach oben gespült, weil das Volk es zuliess, dass jeder Versager, jeder Schmarotzer, jeder Verräter und jeder Perverse, der den Weg in die Führungsetage geschafft hatte, dann Seinesgleichen nachholte.

Gut, viele murren über die Ausländerkriminalität und die horrenden Kosten der Invasion, machen ihr Kreuzlein aber weiterhin brav bei der Union oder der FDP, weil die AFD ja "rechtspopulistisch" ist und Höcke von "afrikanischem Reproduktionsverhalten" gesprochen und den Schrotthaufen in Berlin als "Denkmal unserer Schande" bezeichnet hat. Das ist ja viel, viel schlimmer als die Ghettoisierung der deutschen Städte und die Verdrängung der Deutschen durch Schwarze und Orientalen!

Und AFD zu wählen, ist wirklich nur das absolute Minimum, was man von einem Deutschen, der es noch sein will, heute verlangen kann. Wer kann, muss sehr, sehr viel mehr tun.

Wenn Sellner eingesperrt oder als Folge der gegen ihn betriebenen Hetze von einem Islamisten ermordet wird, wird das System an seiner Stelle Breiviks und Tarrants bekommen. Dies ist eine nüchterne Feststellung, kein Aufruf zur Gewalt: Unschuldige zu ermorden, wie es diese zwei Terroristen taten, ist zutiefst verwerflich, und wer einen Schuldigen aus dem Weg räumen will und eine der Larven umlegt, liefert dem System dadurch ebenfalls einen willkommenen Vorwand für Repression, und an die Stelle der betreffenden Larve rückt die nächste.

Nur eine breite Kampagne zivilen Ungehorsams kann das Monstersystem aus den Angeln heben.

Niekisch
15. April 2019 09:47

"die Germanophilen unter meinen Lesern verzeihen"...nicht gerne, weil sie wie ich wissen, daß die deutsche Sprache eine unserer letzten Waffen in der Selbstbehauptung ist und daher unbedingt in all ihren schönen Blüten erhaltenswert ist. Und "Minenhunde" mit jahrzehntelang durchgehaltener Beharrlichkeit und Furchtlosigkeit finden sich unter uns auch. Etwas revolutionärer als mancher heutige "Rechte" abseits von Geschichtsfolklore und Trachtenvereinen sahen wir uns und waren wir sogar auch. Ich kenne sogar noch Leute, die für den "turn", besser Revolution, also Rückwälzung zum Normalen und Besseren, ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Als Besserossis noch in den Grenztruppen dienten, haben Kameraden von mir an der Grenze unter Lebensgefahr Selbstschußapparate abmontiert, um deren Vorhandensein und Funktionsweise zu demonstrieren.

Lernfähig und willig aber sind wir, lassen uns gerne von der besseren Wirksamkeit jetziger metapolitischer Mittel überzeugen, aber nicht die feste Überzeugung, daß die deutsche Eiche ohne das Wässern ihrer Wurzeln ganz schnell zugrundegeht, auch ganz ohne Überfremdung und Austausch.

RMH
15. April 2019 09:52

"Nachdem ich mir eben Martin Sellners gestrige Rede in Wien angehört und angesehen haben, würde ich ihn als unbestrittenen Sonntagshelden vorschlagen, gemeinsam mit seinen Freunden und Unterstützern."

@Der_Juergen,

aus dem Format "Sonntagshelden" sind Herr Sellner und seine Leute mittlerweile aber deutlich heraus gewachsen.

Wenn von dieser Saat nur ein paar Prozent aufgehen, wäre schon sehr viel gewonnen.

Im Übrigen gebe ich hier den Kommentatoren recht:

Ich denke, meine "Wahrnehmungs-Blase" muss mittlerweile schon recht große Ausmaße angenommen haben, denn Menschen, die den grün-linken Transformationsprozess noch begrüßen und rechtfertigen, begegne ich eigentlich kaum noch (was aber auch daran liegen mag, dass ich spezifische Biotope wie Schulen, Universitäten und Kirchen nach Möglichkeit meide, bzw. nur wenn notwendig, aufsuche). Nur Konsequenzen daraus scheinen nach wie vor viel zu wenige ziehen zu wollen.

Fritz
15. April 2019 10:12

Man muss es halt erst bemerken. Solange man die Mentalität und das Sozialverhalten von Muslimen und vielen Afrikanern nicht selber erlebt hatte, konnte man den Märchen über die armen Opfer des westlichen Imperialismus ja glauben; ebenso den Idealismus von Feminstinnen und Grünen, solange er nichts kostete. Wenn man sieht, dass das dazu führt, dass reihenweise unfähige auf hochbezahlte politische Posten gelangen (und man deren Gehälter mit seinen Steuern finanziert), fängt man an nachzudenken.

Das ist in vielen Lebensbereichen zu beobachten, ein sich Bewusstwerden über die Konsequenzen der Gutmenschen-Ideologie.

Der sich abzeichnende wirtschaftliche Abschwung wird ein übriges tun.

Laurenz
15. April 2019 10:35

@Der_Juergen ... leider muß man Ihnen schon wieder widersprechen. Sie haben das natürlich richtig benannt, aber ignorieren die Ursachen. Man hat dem deutschen Volke in den letzten 100 Jahren 2x auf die Fresse gehauen, die Deutschen jeweils mit 4 bzw., 5 Währungsreformen enteignet. Daher sind die Deutschen nun mal ängstlich, risikoavers und scheuen auch nur die kleinste Veränderung. Niemand wünscht mit Meißener Porzellan wieder seine Butter bezahlen zu müssen. Von daher wird es nichts mit Ihrem "Volk steh auf und Sturm brich' los", so, wie Sie Sich das vorstellen. Die deutsche Angst müssen Sie in Ihre Vorschläge schon mit einbeziehen, und eben dafür sorgen, daß jeder wieder sein Pfund Butter mit Meißener Porzellan bezahlen muß. Ohne Schmerz kein Preis.

Sandstein
15. April 2019 11:10

Hab mir gestern die Sendung angeschaut, musste aber zweimal kurz Pause machen und tief an einem Nikotinstängel inhalieren, um ja nicht in Rage zu geraten.
Ganz unangenehmer Mensch ist ja dieser Fritz Hausjell, der spritzt doch nur Gift und Galle, weil ihm der Mut fürs Outcoming fehlt. Wie solche offensichtlich verkommenen und niederträchtigen Menschen sich selber noch für "gut" erachten können, verstehe ich echt nicht mehr.
Was ich bisschen Schade fand: fast alle Teilnehmer haben sich selbst widersprochen, und das wurde denen nicht mal zum Fallstrick. Ein Beispiel dieser Volkskundlerin, die im Grunde von nichts wirklich Ahnung hat: "Es gibt keine Linke, das ist eine Einbildung der Rechten", nur 2 Sätze später heißt es dann sinngemäß "Es gibt die Linken, es gibt die Rechten, und das ist auch in Ordnung so."
Ja was denn nun?

Da fehlte mir bisschen souveräne Schlagfertigkeit, obwohl ich K's Auftritt trotz allem ziemlich gelungen fand.

Herr Broder hat richtig verloren bei mir. Eitelkeit kann ja so entlarvend sein. Am Ende steht da ein bissiger und intelligenter Geist, der sich selbst nicht genug ist. Gott was war das peinlich dieser Gartenzwergschlagabtausch.

Stil-Bluete
15. April 2019 11:19

@ Wessels

"Ein Konservativer ist ein Mensch, der begriffen hat, dass gute Dinge leicht zu zerstören, aber schwer zu erzeugen sind (Scruton)".

Bei I h n e n , Herr Wessels, und I h r e n Sonntagshelden, (das Korrekturprogramm hat mir 'Sonntagsfahrer' vorgeschlagen) finde ich das nur in in homöopathischer Dosis, manchmal gar als Placebo, obwohl Sie doch zum Inneren K&K-Kreis gehören bzw. sich als 'Wagner' in dessen Reich-Weite befinden.

heinrichbrueck
15. April 2019 11:30

@ Der_Jürgen
Jetzt wird es aber abenteuerlich, zu sagen, die Funktionsweise der Demokratie hinge vom Mehrheitswillen ab, zugunsten des Volkes. Bevor die Demokratie eingeführt werden konnte, mußten zwei Weltkriege (eigentlich einer) dafür herhalten. Damals konnte das Volk noch kämpfen, danach Umerziehung und Demokratie. Und jetzt soll das Volk schuld sein? Was hat die Demokratie denn mit diesem Kommentariat angestellt? Es herrschen nicht die CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke, AfD etc. Es wäre niemals die AfD gegründet worden, wenn nicht von vornherein klar gewesen wäre, daß nur eine kleinprozentig unzufriedene Menge sie wählen würde. Diese kleine Menge nur war bereit und enttäuscht, deshalb wurde der Enttäuschung ein Grund präsentiert. Es sollte nicht zur Ent-Täuschung kommen. Und die Medien erledigten den Rest. In einer Demokratie werden Wählermassen genau dorthin manipuliert, wo man sie haben will. Nicht die Wähler entscheiden, diese politische Selbstständigkeit ist unterstellte Illusion, wo die Reise hingeht, und die Mächtigen müssen auch nicht blind reagieren. In einem ausgeklügelten Plan müssen alle Reaktionen einkalkuliert sein, damit sie den Plan umsetzen helfen, was tiefes Wissen vom menschlichen Verhalten voraussetzt. Es entscheidet immer eine Minderheit.

Laurenz
15. April 2019 11:58

@Sandstein ..... https://youtu.be/bo5p42PO_To
Herr Broder lebt, auch materiell, von der Polarisierung. Das ist nicht immer angenehm, weil er dann sich selbst zum radikalen Klischee macht. Daß er in seinem Geschichtsbild, seinesgleichen, abgesehen von der Opfer-Rolle, gerne ausnimmt, ist vielleicht feige, aber was soll's. Wer hier mehr historische Nüchternheit wünscht, kann ja auf britische Historien-Dokus, wie zB "The Great War"zurückgreifen. Außerdem kann man jetzt nicht behaupten, daß sich Herr Broder in der Sendung, neben Herrn Kubitschek sitzend, unwohl gefühlt hätte. Ihm machte es mehr Spaß, sich mit den selbst ernannten linken Denk-Darstellern "auseinander" zu setzen, die nichts eigenes von sich zu berichten hatten, sondern sich, orientalisch religiös, rein über den politischen Gegner und seine Ausgrenzung, wie immer, definierten. Außer Totalitarismus existieren keine linken Inhalte.

Imagine
15. April 2019 15:00

@Amos 14. April 2019 20:54
„Die Erklärung 2018 von Vera Lengsfeld war klar anschlussfähig über die AFD hinaus. … Eine überparteiliche Organisation hätte auch den Vorteil, thematisch ohne Rücksicht auf Parteidisziplin- und Strategie agieren zu können. -Und würde wie gesagt Leute bis weit in das bürgerliche Lager hinein ansprechen.“

Sahra Wagenknecht wäre dafür geeignet gewesen.

Amos
15. April 2019 21:26

@Der_Jürgen: Die IB ist aber eben halt was für Jüngere. Die gesetzteren Jahrgänge seilen sich nicht mehr von Gebäuden ab, oder jedenfalls nicht mehr so leicht :-). In Ihren Reihen findet sich dafür Berufs- und Lebenserfahrung. Außer dem Stammtisch ist da aber sonst nicht viel.

Soll es das dann gewesen sein? Eine Flut von hoch elaborierten Texten in Blogs Leserbriefen und Kommentaren, angeschwollen mit der Flut seit 2015, ein nur im Internet präsenter Widerstand, der vom Effekt her genauso gut Fanatasy Spiele machen könnte? Ich will damit nicht sagen, dass das fruchtlos war. Nach dem Schock von 2015 musste nachgedacht werden um aus der Falle: "Willkommenskultur oder Nazi" rauszukommen. Und es wurde nachgedacht über das Recht, die Tradition, die Familie, das subsidiäre Prinzip, die Gemeingüter, die Bürgerrechte vs. Menschenrechte, Leviathan vs. Behemot, Nietzsche, Sklavenmoral, den Missbrauch des Begriffs der Nächtsenliebe etc, etc.. Aber das ganze hat nun eine gewisse Reife erreicht, und im Netz geht es nicht mehr wirklich weiter. Die Texte beginnen sich zu widerholen. Eine theoretische Basis zeichnet sich ja ab, alle Argumente sind längst besser als die der Gegenseite. Es könnte eine Bewegung daraus werden, die vielleicht nochmal etwas gerade rücken kann. Es fehlt: Organisation und ein Nenner. Die Bürgerechte könnten da eine Klammer bilden, die weit genug gefasst wäre.

@Imagine
Frau Wagenknecht hätte vermutlich, als dezidiert Linke kaum einen von uns auf Ihre Seite gezogen. Sie hat sich zuletzt in einen Aspekt, nämlich der Masseneinwanderung, regierungskritisch gezeigt. Und ihre Kritik an den globalen Konzernen darf man ihr wohl abnehmen und ist sicher auch richtig. Aber ihr Denken ist links, das bedeutet, dass sie in Masstäben von Abhängikeit, Versorgung, "Gerechtigkeit", Umverteilung und Bevormundung denkt. Sie mag "open borders" nicht mehr so toll finden, aber ihr Navi ist grundsätzlich auf Kurs Venezuela programmiert. In ihrem eigenen Millieu der Kontaktschuld und der Denkverbote hatte sie mit ihrem Ansatz keine Chance.

Der_Juergen
15. April 2019 21:44

@heinrichbrück

Dass Merkel u. a. nicht die wirklichen Herrscher sind, weiss ich genau so gut wie Sie, aber sie erledigen die Drecksarbeit und bilden die sichtbare Regierung. Mildernde Umstände sind ihnen nicht zuzubilligen; kein Vertreter der Schattenregierung zwingt sie mit vorgehaltener Pistole, ihr eigenes Land zugrunde zu richten. Ob sie das nun aus wahnsinniger ideologischer Verblendung tun oder um ihres persönlichen Profits willen oder aus anderen Gründen, darüber mögen künftige Historiker ihre Doktorarbeiten schreiben. Mich interessieren die psychologischen Motive eines Massenmörders auch nur sehr bedingt; sehr viel wichtiger ist mir, mir, dass ihm das Handwerk gelegt wird.

Und wenn ein Deutscher zwar über die Invasion schimpft, aber trotzdem eine Systempartei wählt, weil die AFD ja "rechtspopulistisch" und Höcke gar ein "Rechtsradikaler" ist, der ein "völkisches Vokabular" verwendet, trägt dieser Narr meiner Überzeugung nach eine Mitschuld an der Katastrophe, die sein Land ereilt hat. Gehirnwäsche hin oder her, jeder kann sich heute via Internet informieren.

Imagine
16. April 2019 09:00

@Amos 15. April 2019 21:26
„Frau Wagenknecht hätte vermutlich, als dezidiert Linke kaum einen von uns auf Ihre Seite gezogen. Sie hat sich zuletzt in einen Aspekt, nämlich der Masseneinwanderung, regierungskritisch gezeigt. Und ihre Kritik an den globalen Konzernen darf man ihr wohl abnehmen und ist sicher auch richtig. Aber ihr Denken ist links, das bedeutet, dass sie in Masstäben von Abhängigkeit, Versorgung, "Gerechtigkeit", Umverteilung und Bevormundung denkt. Sie mag "open borders" nicht mehr so toll finden, aber ihr Navi ist grundsätzlich auf Kurs Venezuela programmiert. In ihrem eigenen Milieu der Kontaktschuld und der Denkverbote hatte sie mit ihrem Ansatz keine Chance.“

Was lernen wir daraus?

Die heutigen rechten und linken Milieus sind politisch-kulturell inzwischen so inkompatibel, wie es die Religionen zur Zeit des 30-jährigen Krieges waren. Die Linken würden lieber mit Muslimen zusammenleben als mit völkisch-rechtsextremistischen Deutschen.

In meiner Jugendzeit (Abi 1967) war es normal, mit Nazis zusammenzuleben. Ein Lehrer war stolz, SA-Mann gewesen zu sein. Er predigte seine Rassenideologie. In den Pausen lief er mit der National-Zeitung untern Arm herum. Ein Mitschüler war Hitler-Fan. Ein perverser Psychopath. Er geilte sich an Folter und Mord auf. Sang Lieder wie „Wenn das Juden-Blut vom Messer spritzt…“ Später hat er mit den Maoisten sympathisiert, weil es dort noch „Zucht und Ordnung“ gab. Erst hat er Lehramt studiert, aber dann aufgegeben, weil die Autorität des Lehrers nicht mehr akzeptiert wurde und die Schüler nicht mehr wie zu unserer Zeit aufstanden, wenn der Lehrer zur Tür hineinkam.

Zu meiner Studienzeit kamen Linke und Burschenschaftler miteinander noch ganz zivilisiert aus. Da gab es nicht den Fanatismus wie heute. Trotz unterschiedlicher Ideologien studierte und machte man Sport zusammen.

Nur eine Minderheit hatte Hassprojektionen und sah in den politischen Gegnern Todfeinde. Das waren aber eher die Rechten. Die sprachen dann im privaten Kreise oder am Stammtisch von den Linken als „rote Ratten“. Strauß gehörte zu denen, der keine Hemmungen hatte in der Öffentlichkeit faschistisches Vokabular gegen Andersdenkend anzuwenden und diese als „Ratten und Schmeißfliegen“ zu bezeichnen.
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14327657.html

Es waren die Rechtsextremen, die Terror und Morde gegen unschuldige Mitbürger ausübten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Todesopfer_rechtsextremer_Gewalt_in_der_Bundesrepublik_Deutschland

Zutreffend ist, dass Wagenknechts Denken links ist und sie in Maßstäben von Abhängigkeit, Versorgung, "Gerechtigkeit", Umverteilung und Bevormundung denkt.

Doch dies machte den zivilgesellschaftlichen Konsens in Deutschland aus, nämlich „soziale Marktwirtschaft“ mit sozialstaatlich garantierter hoher sozialer Sicherheit.

Die nationalen Rechten werden als Bedrohung und Zerstörer des zivilgesellschaftlichen Konsens wahrgenommen. Das ist der psychologische Grund, warum die Massen in den „Kampf gegen Rechts“ eingebunden werden können.

Niekisch
16. April 2019 09:52

@ Imagine 9:00: Wieder einmal so ein Hieb gegen die "Rechten". Ich bin ebenfalls Abi-Jahrgang 1967, habe an der Uni Gießen aber eine ganz andere Welt kennengelernt. Da ging der Terror-wie an den meisten Unis- nur von Linksradikalen aus und es gab zu den Burschenschaften, die ich als reaktionär ablehnte, nur aggressive Feindschaft von Seiten der marxistischen Gruppen. Interessant, wie Sie immer wieder mit Teilwahrheiten kommen, um je nach Bedarf links und rechts gleichzeitig in die Pfanne zu hauen. Cui bono?

heinrichbrueck
16. April 2019 09:54

@ Der_Jürgen
Wenn Merkel nicht die Herrschaftsmacht innehat, wie kann dann ein Bundeskanzler der AfD herrschen?

RMH
16. April 2019 10:17

"Es waren die Rechtsextremen, die Terror und Morde gegen unschuldige Mitbürger ausübten."

Ach, und die Opfer der RAF und anderer Linksextremisten waren also "schuldige" Opfer?

Mal eben so en passent die Haupt-Terroristen der Ära 68 bis frühe 90er verschweigen, macht leicht unglaubwürdig. Will dazu jetzt keine große Diskussionen anstoßen, aber heutzutage weiß jeder, dass sämtlicher Terror, egal ob von links oder rechts (letzterer war damals in Deutschland marginal bis vernachlässigbar - in anderen Ländern sah das anders aus, siehe Italien), damals immer irgendwie von anderen Staaten oder dem, was man als "deep state" bezeichnet, mitgetragen wurde. Im Falle der RAF war es eben die neuerdings wieder so beliebte DDR. Die Erben des linksextremistischen Terrors erleben wir heutzutage - wieder staatlich mehr oder weniger toleriert - in Form der sog. Antifa.

Ohne staatliche, geheim- und nachrichtendienstliche Unterstützung (von wem und welchem Land auch immer) scheint es offenbar überhaupt keinen strukturierten "Terror" zu geben, allenfalls sog. "lonely wolves".

Im Übrigen ist die materialistische, linke Anschauung immer gut in der Lage, Aspekte irgendwie scheinbar schlüssig zu erklären, aber auf Ganze betrachtet, wird es dennoch nie rund. Die Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit werden von dieser Weltanschauung regelmäßig sehr leicht erreicht und das sollte man als ernsthafter Linker auch einmal akzeptieren und nicht diese Sicht als quasi universale Welterklärungsformel dauerhaft verkaufen. Das haben andere schon versucht - erfolglos. Es ist einfach abgedroschen.

Niekisch
16. April 2019 10:17

@ heinrichbrueck 9:54: wenn Sie unter Herrschaft Verwaltung unter Selbstbeherrschung, nur nichts volksfreundliches zu tun, verstehen, dann geht das durchaus.

Amos
16. April 2019 10:49

@Imagine: Dass die Rechten als Zerstörer des gesellschaftlichen Konsenses wahrgenommen werden, von seiten des Mainstreams aus, ist vermutlich richtig. Dieser Mainstram ist aber nicht mehr so sicher und konform wie ehedem. Er nimmt inzwischen nicht nur Gefahren von rechts wahr. Eine Rechte, die sich sich unter dem Banner der Bürgerrechte versammelte, würde sich außerdem aktiv gegen diese Wahrnehmung wehren. Sie würde zudem den ganzen belasteten und von der Linken in Haft genommenen Komplex um Volk und Abstammung elegant mit dem Verweis auf die notwendige Exklusivität dieser Bürgerrechte, der Gemeingüter UND der Leistungsfähigkeit des Sozialstaates umgehen und trotzdem im Effekt der Kontinuität und Homogenitär der Gesellschaft einen besseren Dienst erweisen, als es eine deutsch-völkische Bewegung könnte.

Imagine
16. April 2019 12:06

@Niekisch 16. April 2019 09:52
„Ich bin ebenfalls Abi-Jahrgang 1967, habe an der Uni Gießen aber eine ganz andere Welt kennengelernt. Da ging der Terror-wie an den meisten Unis- nur von Linksradikalen aus und es gab zu den Burschenschaften, die ich als reaktionär ablehnte, nur aggressive Feindschaft von Seiten der marxistischen Gruppen. Interessant, wie Sie immer wieder mit Teilwahrheiten kommen, um je nach Bedarf links und rechts gleichzeitig in die Pfanne zu hauen. Cui bono?“

Terror habe ich von den Linksradikalen nicht erlebt. Denn Terror bedeutet Terrorisierung durch gewaltförmige Attacken auf Eigentum, Leib und Leben von friedlichen Andersdenkenden. Davon ist mir im Rahmen universitärer Auseinandersetzungen nichts bekannt. Unfaire Machtausübung bis hin zur Diktatur, das gab es auf Seiten der K-Gruppen. Mit Rollkommandos störte der KBW Lehrveranstaltungen an der Uni. Es gab politische Gewalttaten bei Straßenkämpfen. Auch rücksichtlose Angriffe gegenüber Leib und Leben von Polizeibeamten. So mit Molotow-Cocktails wie beim politischen Gewalttäter Fischer. Der nie dafür bestraft wurde und später offen die Seiten wechselte und zum Kapitalismus-Apologeten wurde, als Transatlantiker große Karriere machte und in höchste Ämter aufstieg.

Linken Terrorismus gegen unschuldige Menschen gab es später bei Flugzeugentführungen und Geiselnahmen. Selbstverständlich waren auch die Mordanschläge und Entführungen gegen Repräsentanten und Funktionseliten des Systems verbrecherisch, wie überhaupt der bewaffnete Kampf dieser Desperados und „useful idiots“ in keiner Weise legitim war und letztlich nur der Aufrechterhaltung der Systemherrschaft nützte.

Ich war immer ein Kritiker des Marxismus-Leninismus und ein Gegner jener reaktionären K-Gruppen, deren Ziel es war, eine „Diktatur des Proletariats“ zu errichten. Natürlich auch ein Gegner der reaktionären Rechten. Und schon immer der Faschisten.

So wie ich heute ein Gegner der Linksfaschisten aka „Antifa“ bin, die mit Nazi-Methoden und Terror operieren.

Meine Position ist zum einen der Erhalt der zivilisatorischen Matrix mit Verfassung, Rechts- und Sozialstaat, um Brasilianisierung, Barbarei, Bürgerkrieg und Krieg zu vermeiden. Ich möchte, dass die politischen Auseinandersetzungen in einem zivilisierten Rahmen erfolgen.

Das ist eine konservative Position und in Bezug auf Verfassung, Rechts- und Sozialstaat systemerhaltend. Insofern bin ich Verfassungspatriot.

Zugleich bin ich für Systemtransformation. Den Klassenkampf – nicht die Klassenanalyse, die zum Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge unverzichtbar ist - lehne ich ab, weil der Klassenkampf kapitalismusimmanent bleibt und letztlich Klassenherrschaft stabilisiert. Wie z.B. Robert Kurz sehe ich nur eine Chance für gesellschaftlichen Fortschritt in einer klassenübergreifenden, emanzipatorischen Bewegung. Das ist der Grund, weshalb ich ein Kritiker der Systemlinken mit ihrer Umverteilungspolitik und ihrem pseudo-humanistischen Kulturkampf bin.

Systemtransformation bedeutet Überwindung des Systems von Marktwirtschaft und Kapitalismus hin zu einer gemeinwohlorientierten und solidarischen Ökonomie mit neuer Eigentumsordnung.

Eine emanzipatorische Bewegung müsste zuallererst „Mut zur Wahrheit“ besitzen, um aus der kranken und schizophrenen westlichen Kultur mit ihrem realen Sozialdarwinismus sowie menschenfeindlicher Politik und Ökonomie herauszukommen, dem in verlogener und heuchlerischer Weise ein Menschenrechtsidealismus übergestülpt wird. Vgl. das Gespräch über die „Große Heuchelei“ des Westens.
https://www.nachdenkseiten.de/?p=50984

Imagine
16. April 2019 12:35

@Amos 16. April 2019 10:49
„Eine Rechte, die sich sich unter dem Banner der Bürgerrechte versammelte, würde sich außerdem aktiv gegen diese Wahrnehmung wehren. Sie würde zudem den ganzen belasteten und von der Linken in Haft genommenen Komplex um Volk und Abstammung elegant mit dem Verweis auf die notwendige Exklusivität dieser Bürgerrechte, der Gemeingüter UND der Leistungsfähigkeit des Sozialstaates umgehen und trotzdem im Effekt der Kontinuität und Homogenität der Gesellschaft einen besseren Dienst erweisen, als es eine deutsch-völkische Bewegung könnte.“

Eine Bewegung, die für das Recht auf kulturelle Selbstbestimmung, für Bürgerrechte und exklusive Staatsbürgerrechte, für den Erhalt der Verfassung und der Gemeingüter sowie der Leistungsfähigkeit des Sozialstaates eintritt und kämpft, wäre sicherlich patriotisch, aber was wäre daran noch „rechts“?

Eine solche gemeinwohlorientierte Bewegung wäre eine Mehrheitsbewegung und der wahre „patriotic turn“.

Laurenz
16. April 2019 14:53

@Imagine .... wenn Sahra Wagenknecht, wohl im Einvernehmen mit Oskar Lafontaine, den Sozialstaat tatsächlich retten möchte, und den inneren Widerspruch von Sozialstaat und Multi-Kulti-Staaten, vornehmlich auf dem amerikanischen Kontinent, benennt, verweigert Sie der Linken den globalen Machtanspruch, damit ist Sie bei den extremen Kadern, vornehmlich im Westen unseres Landes beheimatet, unten durch. Denn Sie votiert in diesem Augenblick für einen "nationalen Sozialstaat". Die aktuelle Frage, die sich nun stellt, ist, wirkt sich Ihr Verzicht auf den Fraktionsvorsitz auf die kommenden Wahlen aus oder eben nicht. Denn, was linke Abgeordnete am wenigsten mögen, ist der Verlust ihres Mandats. Das Mandat ist dann doch die elementare Voraussetzung, um die Welt zu retten. Revolution von oben ist komfortabler.
Wenn ich mich recht erinnere, habe ich 18 Jahre nach Ihnen ein noch humanistisches Abi gemacht. Damals stand ich als Konservativer (ich hatte wohl kein Herz) schon alleine gegen 20 in meinen Kursen. Wenn der HR in unsere Schule kam, politische Fragen stellte, war damals schon, wie auch heute noch klar, wie die Antworten lauten sollten. Mein Mathe-Lehrer leitete die Antifa-Gruppe (AG), wohnte 300 Meter von der Schule entfernt, fuhr aber mit dem Auto, auf dem ein AKW-Nee-Aufkleber einem als Sonne zulächelte, zur Schule. Damals gab es auch noch konservative Lehrer, aber keinen, den ich als Nationalsozialisten hätte identifizieren können. Damals kloppte man sich eben auf der Startbahn West oder bei Friedensdemos. Ich war eher einer derjenigen, die lieber Lichterketten lächelnd auspusteten. Meine im wesentlichen linke Lehrerschaft bestand eben meist, wie Sie, aus 68ern. Und für meine politische Argumentation gab es dann schon ab und an Punktabzug. Wobei man sagen muß, daß meine damaligen Lehrer noch relativ streng waren.

Der_Juergen
16. April 2019 15:35

@Imagine

Ich empfinde Ihren Beitrag von 9.00 als echtes Ärgernis. Als Beleg für eine Behauptung einen Wikipedia-Artikel anzuführen, in dem neben der Lüge vom "rechten Terror" in Solingen im Mai 1993 selbstverständlich auch das NSU-Märchen als feststehende Tatsache bezeichnet wird, zeugt nicht von kritischem Geist, um es schonend auszudrücken. Lesen Sie z. B. "Das NSU-Phantom" von Kai Voss und sehen Sie sich das Gespräch zwischen Michael Vogt und dem früheren Thüringer "Verfassungsschutz"-Chef Helmut Roewer an, der u. a. die absolute Unmöglichkeit der offiziellen Version vom Tod der beiden Uwes nachweist. ("Die Mörder sind unter uns.")

@RMH
Hundertprozentige Zustimmung.

@Heinrich Brück
"... wie soll dann ein Kanzler der AFD herrschen?"

Ein AFD-Mitglied wird nur Bundeskanzler, wenn er all dem, was er vorher gepredigt hat, abschwört und zum Teil des Systems wird. Dasselbe gilt für Österreich.

@Amos

Auch diesmal haben Sie recht. Die Debatten auf diesem Blog sind trotz sehr vieler gehaltvoller Wortmeldungen längst nicht mehr so spannungsgeladen wie vor zwei, drei oder vier Jahren (ich lese seit 2015 mit). Dies liegt in der Natur der Sache, denn abgesehen davon, dass einige der besten Kommentatoren von uns gegangen sind oder freiwillig schweigen, wiederholt man auch auf unserer Seite zwangsläufig regelmässig dieselben Argumente. Wenn z. B. Lichtmesz eineN linkeN DeppIn zerpflückt, lese ich seinen Beitrag aufgrund seiner logischen Stringenz und stilistischen Eleganz stets mit Genuss, aber rein inhaltlich erfahre ich da kaum noch Neues. Auch Lichtmesz, Kubitschek und Sellner können das Rad ja nicht ständig neu erfinden.

Niekisch
16. April 2019 17:05

@ Imagine 16.4. 12:06: Ich bleibe dabei: zumindest in Gießen, Marburg und Frankfurt wendeten universitäre Gruppen beim "Herstellen von Öffentlichkeit" z.B. anläßlich Senatssitzungen alle Sorten von Gewalt an. Ich habe selber miterlebt, wie Uni-Personal und politische Gegner angepöbelt, Türen gewaltsam geöffnet, das Amtsgericht gestürmt, eine Veranstaltung im Stadtheater der Stadt Gießen massiv gestört, eine Balustrade aus der Verankerung gerissen wurde. Da ich noch Zeitungsartikel aus der damaligen Zeit im Archiv habe, kann ich es jederzeit belegen. Eine Rechte gab es damals an der Uni Gießen überhaupt nicht, nur außeruniversitär Burschenschaftler und Junge Nationaldemokraten, die einmal die Stadtverordnetensitzung mit Schwarz-Rot- Goldenen Fahnen besuchten, ein paar Parolen riefen und wieder verschwanden.

@ Der-Juergen 16.4. 15:35: Spannungsgeladen könnte es hier sein, wenn anhand ganz konkreter ö r t l i c h e r Geschehnisse diskutiert würde. Da könne dann zugleich auch erörtert werden, was vor Ort metapolitisch umsetzbar ist. Wir hatten hier diesen Fall https://www.deutschlandfunkkultur.de/kuenstlerin-rosemarie-koczy-ein-holocaust-opfer-das-keines.1013.de.html?dram:article_id=400095
In diesem Zusammenhang hat sich auch der unberechtigte Bezug von Wiedergutmachung herausgestellt. In wieviel Tausenden Fällen mag das noch so sein? Wieviele Menschen stehen zu Unrecht in "Opferbüchern" deutscher Städte? Arbeitsfelder genug, Diskussionsstoff genug. Aber wer traut sich da heran?

Wenn man den Diskurs hier betrachtet, dann sieht man eine Ente mit nur einem Flügel dahintrudeln...

Der_Juergen
17. April 2019 08:22

@Imagine (9.30)

"Strauß gehörte zu denen, der keine Hemmungen hatte (sic! Richtig wäre: "die keine Hemmungen hatten"), in der Öffentlichkeit faschistisches Vokabular gegen Andersdenkend anzuwenden und diese als 'Ratten und Schmeißfliegen' zu bezeichnen."

Der Erzfaschist Strauss hat da bei einem anderen Erzfaschisten abgekupfert, dem berüchtigten Hetzer Karl Krauss, der die Journalisten des "Prager Tagblatts" gerne als "Schmeissfliegen" betitelte. Die Quelle kann ich ihnen im Moment leider nicht nennen. Sie war ein Artikel von "Pankranz" in der "Welt", irgendwann gegen Ende der siebziger Jahre erschienen. Damals gab es in jenem Blatt noch Lesenswertes; Gerd-Klaus Kaltenbrunner, ein Denker von gewaltigem Format (dessen Grösse ich erst ganz kürzlich dank den beiden Bänden "Vom Geist Europas" erkannt habe), hat dort ab und zu geschrieben, ebenso der hochkarätige Pankranz (wenn ich mich nicht irre, hiess er mit bürgerlichem Namen Günther Zehm) und einige achtbaren Journalisten wie Carl Gustav Ströhm oder der Afrika-Reporter Hans Germani. Heute schreiben dort vorwiegend Leute, die Krauss als Schmeissfliegen bezeichnen würde.

@Niekisch

Über Einzelfälle könnte man eventuell hier diskutieren; Ellen Kositza hat ja in der gedruckten Sezession einen spanischen Betrüger namens Marcos besprochen, der sich jahrzehntelang als ehemaligen Mauthausen-Häftling ausgab. Einen hundertmal übleren, vor nicht allzu langer Zeit verstorbenen Betrüger, mit dem Friedensnobelpreis und 75 Ehrendoktortiteln geehrt,
könnte man eventuell auch noch angreifen. Aber das bringt uns nicht viel weiter (...).

Imagine
17. April 2019 08:30

@Niekisch 16. April 2019 17:05
„Ich bleibe dabei: zumindest in Gießen, Marburg und Frankfurt wendeten universitäre Gruppen beim "Herstellen von Öffentlichkeit" z.B. anläßlich Senatssitzungen alle Sorten von Gewalt an. Ich habe selber miterlebt, wie Uni-Personal und politische Gegner angepöbelt, Türen gewaltsam geöffnet, das Amtsgericht gestürmt, eine Veranstaltung im Stadtheater der Stadt Gießen massiv gestört, eine Balustrade aus der Verankerung gerissen wurde.“

Dass es dies gab, wird von mir gar nicht bestritten. In jeder massenhaften Bewegung gibt es Psychopathen, die ihre Machtbedürfnisse und Aggressionen ausleben. Wie jene, welche das Motto ausgaben: „High sein, frei sein, Terror muss dabei sein.“ Das waren anti-soziale Anarchisten. So wie heute die „Libertären“ auf wirtschaftlichen Gebiet.

Aber ist dies Terrorismus?

Wenn dies als Terrorismus bezeichnet wird, dann ist dies eine Verniedlichung des Terrorismus. Was die Nazis betrieben, war Terrorismus. Da wurde gefoltert, gemordet, entführt, Menschen der Freiheit beraubt etc.

Was die NATO mit ihren völkerrechtswidrigen Angriffskriegen macht, ist Terrorismus. Und die Gegenreaktion der Islamisten mit Terrorakten gegen unschuldige Menschen auch.

Ist Mobbing Terrorismus? Mobbing ist Psychoterror, aber Terrorismus hat eine andere Qualität.

Der oben beschriebene anti-soziale Anarchismus, den es unbestreitbar auch gab, war nicht das Charakteristische an der 68-er-Bewegung. Die wurde politisch durch vier „A“ kennzeichnet: Anti-Faschismus, Anti-Imperialismus, Anti-Kapitalismus, Anti-Rassismus. Der „Anti-Autoritarismus“ ist in diesem Sinne zu verstehen.

Imagine
17. April 2019 09:48

Die „68-er“ sind nicht vom Himmel gefallen, schon gar nicht in den USA. Sie hatten als Vorläufer die Bürgerrechtsbewegung. Deren Ziel war das volle Bürgerecht für alle US-Staatsbürger und die Überwindung der Rassentrennung, also der Apartheit, in den USA. Deren Gegner waren die weißen Rassisten und deren organisatorisches Zentrum war der Ku-Klux-Klan.

Kennzeichnend für die US-amerikanische Geschichte sind die imperialistische Invasion, verbunden mit Landraub und Völkermord an der indigenen Bevölkerung sowie die millionenfache Deportation von schwarzen Sklaven aus Afrika. Die USA sind der westliche Staat, in der die Sklaverei am längsten existierte.

Die USA sind das größte Umvolkungsprojekt der Weltgeschichte. Nun erwischt es die Europäer, insbesondere die Deutschen. Da stellt sich schon die Frage, ob die treibenden Kräfte die gleichen sind?

Betrachten wir nun das „linke“ Deutungsmuster, mit dem der „Kampf gegen Rechts“ geframt wird: Bürgerrechtsbewegung gegen „Ku-Klux-Klan“, also gegen den Rechtsextremismus.

Da wird behauptet, die Identitären seien weiße Rassisten, „Ethnopluralismus“ sei nur ein Tarnwort und in Wirklichkeit seien sie verkappte Rechtsextremisten.

Die „Identitären“ könnten dies widerlegen, allerdings nicht nur mit Worten, aber mit Taten, die sich gegen den real existierenden Rassismus und Rechtsextremismus wenden.

Nun unterscheiden sich viele der Kritiker der Massenimmigration – allerdings nicht alle – entscheidend von den weißen Rassisten und Imperialisten in den USA und in Südafrika.

Denn ihr Ziel ist nicht Imperialismus und Kolonialismus, sondern sie fordern lediglich ein elementares Menschrecht ein, nämlich das Recht auf kulturelle Selbstbestimmung in ihrem Staat und ihrer Heimat.

Jedoch ist die Betrachtung der gegenwärtigen kulturellen Kämpfe unter dem Aspekt von Bürgerrechtsbewegung gegen Ku-Klux-Klan nicht völlig falsch.

Denn es gibt rassistische Rechte, die dem Ku-Klux-Klan ideologisch sehr nahe stehen, und die zu Recht als Rechtsextremisten bezeichnet werden können.

Jedoch: Wenn sich die heutigen „Linken“ als Teil der Bürgerrechtsbewegung sehen, dann hat dies nichts mit der Realität gemein, sondern ist Ausdruck kognitiver Dissonanz. Denn gegen den NATO-Imperialismus und seinen Kriegen haben diese Pseudo-Linken nichts. Zudem leisten sie Widerstand gegen die Erkenntnis, dass das Eintreten für die muslimische Massenimmigration wenig mit Menschenrechtsidealismus, aber viel mit Neo-Kolonialismus zu tun hat.

Die heutigen „Linken“ sind weder anti-imperialistisch noch anti-kapitalistisch. Sie wollen nicht begreifen, was in der Vergangenheit kennzeichnend für echte Linke war, nämlich das soziologische Verständnis, dass das kapitalistische Lohnarbeitssystem eine Fortsetzung der Sklaverei mit anderen Mitteln ist, nämlich „Lohnsklaverei“.

heinrichbrueck
17. April 2019 10:38

@ Imagine
„Das waren anti-soziale Anarchisten. So wie heute die „Libertären“ auf wirtschaftlichen Gebiet.“
Schön und gut, aber wer hatte damals die Macht, diese Achtundsechziger aufzuhetzen? Diese ganze Achtundsechzigerbewegung war eine feindliche Unterwanderung; mit denen gibt es keinen Austausch. Die waren zerstörerisch unterwegs, aus meiner Perspektive ein mißbrauchter Keil, dessen Betätigung geistigen Müll produzierte und eine Realität erlaubte, die als vollkommen mißraten in die Geschichte eingehen wird. Diesen ganzen überkommenen Scheißdreck dürfen wir jetzt als deutsche Realität bestaunen.

nom de guerre
17. April 2019 12:37

@ Imagine
"Da wird behauptet, die Identitären seien weiße Rassisten, „Ethnopluralismus“ sei nur ein Tarnwort und in Wirklichkeit seien sie verkappte Rechtsextremisten.
Die „Identitären“ könnten dies widerlegen, allerdings nicht nur mit Worten, aber mit Taten, die sich gegen den real existierenden Rassismus und Rechtsextremismus wenden."

Das würde voraussetzen, dass den linken Gegnern der Identitären an einem ernsthaften Diskurs/an der Wahrheit gelegen wäre. Aber selbst wenn man davon ausgehen wollte, dass dies der Fall ist, und es für klug hielte, wenn die Identitären eine weitere Front aufmachen würden: Wie sollten denn diese gegen real existierenden Rassismus u. Rechtsextremismus gewandten Taten aussehen?

Imagine
17. April 2019 13:18

@heinrichbrueck 17. April 2019 10:38
„Diese ganze Achtundsechzigerbewegung … die als vollkommen mißraten in die Geschichte eingehen wird.“

Als eine gescheiterte Bewegung, die heterogen war und zwei Pole besaß: einen humanistisch-sozialistischen und einen extrem individualistisch-egoistischen.

Die Bewegung wurde vom Kapitalismus vereinnahmt und war ein Katalysator für die weitere neoliberale Entwicklung, wie Zerstörung des Bildungswesens und der Wissenschaft, der Verfall von humanistischer Moral und Kultur, die Zerstörung wissenschaftlicher Rationalität, die Förderung von Esoterik, Irrationalität und Konsumsucht, die Einführung des Privatfernsehens etc.

Die 68-er-Bewegung konnte die im Kapitalismus systemimmanente A- und Anti-Sozialität („homo homine lupus“) nicht überwinden.

Bislang konnte im entwickelten Kapitalismus keine einzige sozialistische Bewegung das kapitalistische System „von innen“ überwinden. Der Kapitalismus produziert gierige, geizige, verlogene und korrupte Existenzen. Egal, ob links oder rechts. Die Idealisten sind immer gescheitert. Auch Hitler und seine Kumpane haben die grundlegenden nationalsozialistischen Ideen verraten und ließen diejenigen, die daran festhielten, wie z.B. Gregor Strasser, Ernst Röhm sowie tausende andere Nationalsozialisten, ermorden.

Nachzulesen z.B. bei Otto Strasser.

heinrichbrueck
17. April 2019 14:10

@ nom de guerre
Thema Rassismusvorwurf: https://nuada1111.wordpress.com/2019/03/24/rassismus-die-kuriosen-urspruenge-eines-unnoetigen-wortes/

Der_Juergen
17. April 2019 14:55

Nachtrag zu meiner Wortmeldung von 8.2 Uhr:

Der von mir für tot gehaltene Günter Zehm (Pankraz, nicht "Pankranz", wie ich fälschlich schrieb) ist trotz seines gestandenen Alters (er ist Jahrgang 1933) Gott sei Dank noch quicklebendig. Dies erfuhr ich aus Wikipedia, die zwar gegen Zehm geifert, jedoch am Schluss immerhin ein tiefgründiges Zitat von diesem anführt.

@Imagine

"Die Identitären könnten dies (den Vorwurf, sie seien rechtsextrem) widerlegen, allerdings nicht nur mit Worten, aber mit Taten, die sich gegen den real existierenden Rassismus und Rechtsextremismus wenden."

So so, Sellner soll also den Strache machen und auf andere Patrioten, die vielleicht ein wenig radikaler sind als er, einhacken, um sich beim System einzuschleimen. Das System würde diesen Bückling allerdings mit wohlverdienter Verachtung quittieren. Dass Sie unter "Rassisten" und "Rechtsextremisten" Mörder und Terroristen a la Breivik und Tarrant verstehen, schliesse ich aus, denn von denen haben sich die Identitären schon oft genug glaubwürdig distanziert. Von wem sollen sie sich darüber hinaus noch abgrenzen? Werden Sie bitte konkreter.

Stil-Bluete
17. April 2019 15:39

@ Imagine
Das, was und wie Sie es sagen, klingt in meinen Ohren wie aus der Schule der 68er ff. In dieser altbekannten Schule wurden und werden Festschreibungen produziert, die immer in der formelhaften Abstraktion eines 'entwickelten Kapitalismus' gipfeln.

Laurenz
17. April 2019 17:07

@Imagine ..... die USA sind ganz groß darin, tarifäre Regelungen abzuschaffen, um sie nicht-tarifär beizubehalten, von der Sklaverei bis zur Apartheid. Beides ist noch vorhanden. Der extremste Rassismus in den USA ist der Geld-Rassismus. Von daher wird die USA in der Sezession landen. Nicht die Weißen, sondern die Konflikte der Latinos mit den Schwarzen werden dazu führen. Und mit Verlaub, welcher "linke" Staat hatte jemals soziologisches Verständnis? Der Konflikt zwischen Röhm und Hitler, Hitlers einzigem politischen Duz-Freund, basierte erstens in der militärischen Frage, 2tens in der Machtfrage und erst danach in der Eigentumsfrage. Die Besteuerung der Reichen, also die Körperschaftssteuer war höher als heute, also linker. Von daher liegen Sie falsch. Sie sehen das alles zu ideologisch.

Imagine
17. April 2019 18:17

@nom de guerre ..17. April 2019 12:37
@Der_Juergen..17. April 2019 14:55

Martin Sellner weiß selbst, was er tun müsste, um nicht als „rechtsextremistisch“ klassifiziert zu werden. Er benötigt keine Ratschläge.

Wenn er es nicht tut, dann hat er seine Gründe dafür.

Dann müssen er und seine Anhängerschaft eben damit leben, in die rechtsextremistische Ecke exkludiert zu werden.

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