10. August 2019

Netzfundstücke (22) – Formierung, Flaute, Europa

Jonas Schick / 18 Kommentare

Wenn sich die modernen Gesellschaften im 21. Jahrhundert durch eine Tendenz charakterisieren lassen, dann ist es ihr Drang zur Formierung.

Ein feinfühliger Seismograph für diese Formierungstendenzen ist das wissenschaftliche Klima an den Universitäten. In der Theorie Stätten der geistigen Auseinandersetzung entwickeln sich die Bildungsinstitutionen seit geraumer Zeit vielmehr zu Burgen der moralinen Festigkeit. Prominenteste Beispiel für den linksextremen Zugriff auf den wissenschaftlichen Betrieb ist zweifelsohne der Fall des Berliner Historikers und Gewaltforschers Jörg Baberowski:

Seine Kritik an Merkels Asylpolitik aber auch seine Einladung des Historikers Robert Service – der mit der speziell in linken Kreisen kultivierten Vorstellung, Trotzki wäre der bessere Stalin gewesen – konfrontativ bricht, haben ihn zur Haßfigur linker Splittergruppen an der Humboldt-Universität zu Berlin werden lassen. Den »International Youth and Students for Social Equality«, kurz IYSSE, ist jedes Mittel recht, um den von ihnen als »Rechtsradikalen« und »Rassisten« markierten Baberwoski zum Schweigen zu bringen.

Die Journalistin Ingeborg Breuer hat sich unlängst in einem höhrenswerten Audiobeitrag für den Deutschlandfunk mit diesem Phänomen auseinandergesetzt, der hier abrufbar ist. Außerdem läßt sich der zugehörige Artikel »Die Toleranz gegenüber anderen Meinungen sinkt« hier nachlesen.


Außerhalb der Universitäten ist der Konformitätsdruck, das Abschleifen von Ecken und Kanten zudem schon länger im Volkssport Nummer eins der Deutschen, dem Fußball, zu beobachten. #SayNoToRacism plus #DieMannschaft – fast nirgendwo zeigt sich die Allianz zwischen Kapital und »Antifaschismus« augenscheinlicher als jedes Wochenende in den Stadien der Bundesliga.

Nachdem das finanziell strauchelnde »Bollwerk gegen den Rechtsextremismus« Chemnitzer FC seinen Kapitän und Torjäger Daniel Frahn entließ, weil dieser es gewagte hatte, sich verletzungsbedingt beim Auswärtsspiel gegen den Halleschen FC als Privatperson neben die »falschen« Leute im Gästeblock zu stellen, traf es in Schalke mit der »Affäre Tönnies« nun jemanden, der selbst als Teil der »Anti-Rassismus«-Maschinerie gehandelt werden kann – seine jüngsten Äußerungen sollten ihn jedoch aus der Gemeinschaft der Guten, der Hellen für längere Zeit bis endgültig ausgeschlossen haben.

Das Verbrechen des Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Schalke 04 Clemens Tönnies; er hatte auf dem Tag des Handwerks in seiner Rede »Unternehmertum mit Verantwortung – Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung« die Errichtung mehrerer Kohlekraftwerke in Afrika empfohlen und dies folgenderweise begründet:

Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.

Das holpert, knarzt im Gebälk und ist inhaltlich sicherlich zu kurz gegriffen, aber den »Rassismusskandal«, der nun aus allen Lautsprechern des Establishments verkündet wird, den vermag man darin nicht zu erkennen. Anders ausgedrückt: Tönnies Äußerungen haben Ecken und Kanten. Nun ist insbesondere in der Journaille eine Lawine losgebrochen, die in ihrem Empörungsgrad kaum zu überbieten ist. Das Totalitäre durchzieht die Hyperventilation, denn bei all den Angriffen auf Tönnies schwingt die Forderung der Brandmarkung, des Ausstoßens, des Unmöglichmachens mit.

Wenn man sich die breite Mobilmachung von den geheuchelt rebellisch, aber schlußendlich nur »konformen«, nützlichen Idioten der Ultras Gelsenkirchen bis zur taz anschaut, dann verwundert es einen nicht mehr, daß ohne vorherige PR-Beratung keiner der Spieler oder Offiziellen im Fußballbetrieb mehr den Mund aufmacht. Während das Fußballmagazin 11 Freunde ständig den »Typen« im Fußball nachweint, begünstigt der linksliberale Moralismus, für den es simultan steht, ihren Verlust.

Derweil im Vordergrund das Theater der antifaschistischen Allzweckwaffe »Rassismus« läuft, vollzieht sich im Hintergrund die endgültige Kapitalisierung eines Sports, der ursprünglich symbolisch für traditionelle, regionale Verwurzelung stand:

 


Zwischendurch noch ein Nachtrag zu meinem letzten Blogbeitrag „Die Grenzen der Machbarkeit (2): nachhaltig und erneuerbar“: Der Windkraftausbau gerät ins Stocken. Woran das liegt zeigt Kay Bandermann hier in einer informationsreichen Reportage für den Deutschlandfunk, in der ersichtlich wird, daß die Windkraftbranche im Grunde genommen auch nur eine Industrie unter vielen ist mit eigener Lobby und einem Willen zum Wachstum um jeden Preis.


Ein überraschendes Fundstück bescherte mir die Kulturzeitschrift Merkur – Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, die in ihrem Augustheft einen Essay des Leipziger Politikwissenschaftlers Moritz Rudolph mit dem Titel „Eurofaschismus – Wer gegen ihn ist, könnte für ihn sein“ abdruckte (der Aufsatz ist hier frei verfügbar).

Darin stellt Rudolph folgende Frage in den Raum:

Warum kann Europa denn nichts Rechtes sein, erst recht ein »starkes«, wie es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem Sonderheft der Bahn beschworen hat, das allen ICE-Gästen in der Wahlwoche aufgedrängt wurde (#bahnfuereuropa)?

Schon fast konservativ mutet sein ins Feld geführtes Geschichtsverständnis an, aus dem er die Möglichkeit eines rechten Europas ableitet:

Bornierte Kleinstaaterei des 17. und 18. Jahrhunderts, Nationalismus des 19. und Faschismus des 20. Jahrhunderts wären dann nicht mehr unerklärliche Störfälle auf dem Weg zur Universalbruderschaft, die nur noch soziologisch und nicht mehr geschichtsphilosophisch eingefangen werden können, sondern Ereignisse, die sich im Zentrum des geschichtlichen Unsinns eingenistet haben. [...] Der Rückzugsraum wuchs von Mal zu Mal, die Kontraktion machte nicht den gesamten geschichtlichen Prozess rückgängig, um in die winzige Stammesgemeinschaft zurückzufallen, sondern sie rastete irgendwo ein.

Die nächste erfolgende Kontraktionsphase sieht er als einen weiteren Sprung nach oben »mitten hinein ins europäische Reich, das dann zur Festung Europa ausgebaut wird«. In seiner Explikation, warum die Rechte sich »ganz auf der Höhe der kontrahierenden Zeit« befinde, rekuriert er auf zwei Antaios-Autoren, die sich vom französischen »Eurofaschisten« Pierre Drieu la Rochelle hätten inspirieren lassen: Benedikt Kaiser und Till-Lucas Wessels.

Dabei verweist Rudolph auf Kaisers Studie im traurig verschiedenen Regin-Verlag von 2011 Eurofaschismus und bürgerliche Dekadenz und zitiert aus Wessels kaplaken europaradikal (sowohl Kaisers Eurofaschismus als auch Wessels europaradikal sind natürlich einmal hier und einmal hier beim größten konservativen Versandbuchandel, Antaios, bestellbar):

Er bezeichnet den »klassische[n] bürgerliche[n] Nationalstaat, der als selbständige Handlungsinstanz überall auf dem Rückzug ist«, als den großen »Verlierer« der Globalisierung. Wessels, ganz und gar nicht konservativ, will von diesem Zombie auch nichts mehr retten, sondern, ähnlich wie Habermas, den Sprung nach oben wagen und ein neues Europa schaffen.

Wenn er dann noch Kaisers Beitrag auf Sezession im Netz "Der europäische Hindernisparcours" rezipiert hätte, wären ihm einige Schwächen bezüglich rechter Europakonzeptionen und -politik erspart geblieben.

Aber geschenkt. Als interessierter Blick von Außen ist Rudolphs Aufsatz allemal lesenswert, auch wenn das "Faschistische" nebulös bleibt – eine rechte Europakonzeption, zumal eine föderativ-soziale wie Kaisers oder eine karolingische Spielart von Wessels – ist ja nicht per "faschistisch". Gleichwohl:

So viel Europa-Lust von rechts mag manche erstaunen, aber dass der Faschismus etwas Ewiggestriges sei, gehört zu den verhängnisvollsten Klischees über ihn.



Kommentare (18)

zeitschnur
10. August 2019 12:09

Rudolphs Text, der verlinkt wurde, ist allerdings nicht optimistisch, man lese das Zitat nur ganz:

"Der Rückzugsraum wuchs von Mal zu Mal, die Kontraktion machte nicht den gesamten geschichtlichen Prozess rückgängig, um in die winzige Stammesgemeinschaft zurückzufallen, sondern sie rastete irgendwo ein. (Das ist die Wahrheit an der falschen Vorstellung der Zivilisationsoptimisten: Nicht moralisch rasten wir ein, sondern in der Organisationsgröße – bei gleichzeitig wachsenden Verheerungen, weil mit den Produktions- auch die Destruktionskräfte anschwellen, weshalb wir mit dem Organisationsfortschritt realmoralisch sogar immer wieder zurückfallen.)

Es ist deshalb auch nicht sehr plausibel, dass die nächste Kontraktionsphase ebenfalls auf den Nationalstaat zulaufen wird. Verlaufslogischer wäre es, dass sie auch dieses Mal einen Sprung nach oben macht – mitten hinein ins europäische Reich, das dann zur Festung Europa ausgebaut wird. (...)"

Wenn ich Rudolph recht verstehe, will er sagen, die geschürte Panik vor "rechts" unter Assoziation von "nationalistisch", "Nazi" greift viel zu kurz und verkennt den historischen Verlauf: die Kontraktionen und Expansionen schwingen nicht mit gleichem Ausschlag vor uns zurück, sondern exponentiell wachsend. Die nächste Stufe der Kontraktion ist der Eurofaschismus, der wiederum eine Expansion ins "Globale" weichen wird, die dann zurückschlägt ins Globalfaschistisch-Weltstaatliche.
Die Rechte sieht er dabei doch logischerweise als Erfüllungsgehilfen für die letzte Eskalation, die darin besteht, dass Expansion und Kontraktion zusammenfallen:

"Widersprüche halten die Rechte nicht auf, sie machen sie erst so richtig heiß, denn als Revolte gegen die Ordnung im Namen der Ordnung ist sie von Anfang an widersprüchlich konzipiert (...)"

Ich fürchte an dieser Bemerkung ist etwas Wahres dran. Die Linke ist umgekehrt der Erfüllungsgehilfe der Rechten:

"Das Dilemma besteht darin, dass man, um dieses heraufziehende Unheil vielleicht noch zu verhindern, genau das tun muss, was es wahrscheinlich befördert: zur Europa- und Bundestagswahl gehen und dort einer der linken oder liberalen Parteien die Stimme geben, die fast alle den Ausbau der europäischen Souveränitätsarchitektur fordern. (...) (Die Rechten) können ihr Glück dann wohl kaum fassen, denn sie selbst hätten so etwas nie auf die Beine stellen können. Und ist dann alles fertig für sie hergerichtet."

An Rudolphs Argumentation mutet gar nichts "fast konservativ" an, sondern sie offenbart eine tiefe Skepsis gegenüber diesem Expansions-Kontraktiossystem, das kein genuiner Antagonismus von Links und Rechts, sondern eine Art Presswehen sind, deren Ausgeburt man fürchten sollte. Die Verengung der Denkmuster auf Links und Rechts ist dabei Methode und Rettung vor dem unweigerlich eintretenden Ergebnis kann demnach logisch nur sein, aus diesem künstlichen Antagonismus auszusteigen - So verstehe ich diesen Artikel Rudolphs.

So ist auch das Schlusszitat schaurige Wahrheit, denn der Faschismus ist nicht rechts, sondern Mosaik aus links UND rechts.

Laurenz
10. August 2019 13:12

Die sozialistische Wissensschaft, ohne interne Mitbewerber, schafft sich immer selbst ab, weil sie zwingend scheitert. Externe Mitbewerber mit natürlicher Konkurrenz werden überlegen.

Trotzki war der bessere und brutalere Soldat, ein antisemitischer und sonstiger Rassist, hingegen war Stalin das wesentlich größere Polizei-Genie, welcher anstatt alle Ethnien als solche zu hassen, sie zur Kontrolle nutzte. In der Frage des welt-revolutionären Gedankens läßt sich die Linke, wie üblich, von Formalismen ablenken. Faktisch waren, im Expansionswillen, Stalin und Trotzki nicht zu unterscheiden. Die Entscheidung, wer der bessere war, zeigt sich mit einem Eispickel in Trotzkis Kopf.

Zitat - Die Toleranz gegenüber anderen Meinungen sinkt. -Zitatende

Welche Toleranz oder bloß Akzeptanz ist hier gemeint? Wir befinden uns bereits im virtuellen Bürgerkrieg, im virtuellen Weimar, wenn man das weiter denkt, liegen wir sogar in der Parallele zu 1848/49. Bürgerliche lehnen sich gegen die feudale Herrschaft auf.

Der Fußball ist ein imperiales Produkt, Gladiatoren in der Arena. Der Unterschied zur antiken Werbeplattform liegt in den modernen Medien. Nur noch ein fünftel der Einnahmen resultiert aus den Eintrittskarten. Die höhere Intelligenz der antiken Stadionbesucher sorgte sogar dafür, daß die Karten von den damaligen Parteigängern oder römischen Soros' & Co. inklusive Verpflegung gesponsort wurden. Das politische Label "Die International-Mannschaft", die politische Einflußnahme, entsteht aus dem Klüngel zwischen Politik und Wirtschaft. Schuld ist der Konsument, im Video vertreten durch Peter Lohmeyer, dessen beschränkte Intelligenz nicht erkennt, daß im Fußball die Revolution am leichtesten zu stemmen wäre. Das Spieglein würde fast halbiert, wenn es über das Kicken nichts mehr zu schreiben gäbe. Auch die nicht am Sport interessierten Bürger lassen es zu, daß Kommunen die Infrastruktur des Profi-Sports bezahlen, weil sonst niemand in der Welt wüßte, daß Mönchen-Gladbach überhaupt existiert. Daß hier Mafia-Betriebe am laufen gehalten werden, und lächerliche Vereinsmeierei Identität erzeugen läßt, zeigt die brüchige zivilisatorische Firnis der bereits nicht mehr bürgerlichen Proleten-Gesellschaft.

Die Affäre Tönnies zeigt doch nur, daß auch bei den Herrschenden und ihren AgitProp-Kanälen die Wahrnehmung in der eigenen Zentrale krankt. Tönnies sprach nichts als die Wahrheit, jeder vernunftbegabte Mensch würde in Afrika das Licht anschalten. Tönnies' Existenz als Tier-KZ-Be- und Werksvertrags-Sklaventreiber juckt weder Fans noch Gesellschaft. Hoch lebe der Neo-Liberalismus im seinem animalischen Ausdruck. Das Stadion sorgt, wie das Auto, für ein "Beamen" in die Welt der Primaten.

Der Artikel im Merkur ist zweifelsohne gut geschrieben, hinkt aber fundamental in der historischen Betrachtung bis zum Umfallen. Die Beschreibung einer nicht-linearen Entwicklung von Nationalstaaten und größeren Einheiten ist kein grundsätzlicher zivilisatorischer Prozeß. Globalisierungs- und Nationalisierungsphasen dauern jeweils im Schnitt 60 Jahre und lösen sich gegenseitig ab, im Prinzip seit es uns gibt. Daher unterliegen auch die im Artikel benannten Betrachtungen von Herrn Kaiser und Herrn Wessels diesem fundamentalen Fehler. Die wesentliche Begrenzung der Menschheit auf überschaubare Nationalstaaten liegt in der begrenzten Wahrnehmung des Menschen selbst begründet. Um eine allgemeine politische Wahrnehmung zu erhöhen, müßte man die wöchentliche Arbeitszeit auf 16-20 Stunden reduzieren.

Nicht umsonst müssen Großreiche wie Rußland, die USA, Brasilien, Indien, China und selbst Kanada auf mehr rigorose Herrschaftssysteme zurückgreifen, weil diese Staaten sonst nicht zu verwalten sind. Umso weiter der Zar weg ist, umso härter muß seine Knute zuschlagen. Auch die Anfälligkeit besagter Imperien gegen den inneren Kollaps erhöht permanent die Kontroll-Kosten, die wiederum einen Zusammenbruch ökonomisch beschleunigen.

Die "bornierte" Kleinstaaterei resultiert auf dem militärischen germanischen Sieg des Föderalismus gegen den römischen Zentralismus. Auch eine Rechte sieht einen Binnen-Markt als hilfreich an und selbst zu Hochzeiten der Nationalisierungsphasen war Handel immer möglich. Selbst Bonaparte konnte es, trotz Kontinentalsperre, nicht verhindern, daß seine Soldaten in britischen Stoff gekleidet, herumliefen.

Ich behaupte, daß die Rechten Europas verstanden haben, daß das vor-napoleonische schweizerische Föderations-Model am effizientesten ist, auch wenn die Erkenntnis der Sinnlosigkeit inner-europäischer Konflikte arg brüchig bleibt.

heinrichbrueck
10. August 2019 14:28

@ zeitschnur
Wir leben doch nicht in einem moralischen System, wie manche denken. Das System ist marxistisch; nach 1945 zuerst in zwei Varianten: DDR - stalinistische Prägung (nationaler Kommunismus) und BRD - trotzkistische Prägung (internationaler Kommunismus).
Und Faschismus wird ein leerer Kühlschrank und ein verhungertes Kind in Kombination mit einer Führung Richtung Mord und Totschlag. Wer die Leute in Stimmung bringt, soll ihnen danach nicht die Schuld geben. Wenn doch, dann gibt es auch einen Grund, nur halt keinen positiven. Das Große Rad drehen einerseits, ihm in die Speichen greifen andererseits; aus welcher Perspektive wird Unterschied und Steuerungsabsicht maßgeblich schuldiggesprochen?

zeitschnur
10. August 2019 17:31

@ heinrichbrück

Ich bin wirklich die letzte, die denkt, dass wir in einem "moralischen System" leben. das darf mich allerdings nicht dazu verleiten, zum reinen Machiavellisten zu werden... Der Zweck heiligt für mich immer noch nicht die Mittel, v.a. dann nicht, wenn ich nur die Mittel, aber nicht den Zweck kenne: Sicher weiß man auch hier, wer es war, der den Bolschewismus a. finanziert (Revolution ohne Geldgeber gab es noch nie!) und b. überhaupt erst ermöglicht hat (Lenin drang nicht ein nach Russland, sondern wurde förmlich dorthin gesöldnert. Und nein: das ist keine VS-Theorie, sondern selbst dem geschichtswissenschaftlichen Mainstream mehr als bekannt. Damals waren Trotzki und Lenin noch zusammen, die Differenz kam erst mit Stalin später. Aber interessant, dass man dem Querkommunisten dann als "Konkurrenz" ein weiteres national und sozialistisch gezeichnetes Quer-Experiment als Spielfigur entgegenfinanzierte. Man lese dazu Anthony Sutton.
Ein großes Rad wird gedreht, ja, in die Speichen wird nicht gegriffen. Das ist für mich die Botschaft von Rudolphs Artikel: es werden nur ein paar nützliche Idioten dazu ermutigt, sich einzubilden, sie täten es und hätten dazu auch Rückenwind.

Nath
10. August 2019 18:42

@zeitschnur "So ist auch das Schlusszitat schaurige Wahrheit, denn der Faschismus ist nicht rechts, sondern Mosaik aus links UND rechts."
Hier wäre zu ergänzen:
"So ist auch der Kommunismus nicht links, sondern Mosaik aus links UND rechts."
Selbst in Bezug auf den Anarchismus wäre dieses Diktum nicht unangemessen, weil auch er sich als Weltanschuungsgebilde notwendig aufspaltet in eine antiautoritär-egalitaristische (links) bzw. anarcho-kapitalistische Fraktion (rechts), wie sie etwa bei den modernen Libertären zum Ausdruck kommt, deren "soziale Kälte" noch die extremsten Protagonisten des Neoliberalismus übertrifft.
Wenn es so steht, was bedeutet das dann für jedes Denken, das an sich den Anspruch stellt, zu den Wurzeln zu gelangen? Kann es noch sein Genüge finden in irgendeinem lauen Zentrismus, der die Extreme in einem vermeintlich gemäßigten Sowohl- als - Auch auszutarieren trachtet?
Der pragmatische Vorteil des letzteren ist nicht zu bestreiten. Die Gefahr ideologischer Abirrungen und historischer Katastrophen ist hier am geringsten zu veranschlagen.
Und doch bleibt so alles beim Alten. Es ist dies die Haltung, welche Sören Kierkegaard regelmäßig mit beißendem Sarkasmus herbeizitierte: "Alles bis zu einem gewissen Grade."
Wenn Deutschsein heißt (hieß?), Antinomien in die Tiefe und in ihrer Einheit zu denken, wäre dann beispielsweise, was die politische Ebene anbetrifft, die Gründung der CDU und alle mit ihr in Verbindung stehende Nachkriegs-Zipfelmützigkeit und Harmoniebedürftigkeit nicht als eine Antithese zum Deutschsein zu begreifen, als eine geistige Abdankung, die wir alle, ob links oder rechts stehend, immer noch auszustehen haben?
E i n Ausdruck davon ist auch die Wortschöpfung "meta-politisch", die ihre Herkunft aus der Metaphysik weder verleugnen kann, noch sich zu ihr zu bekennen wagt. Würde letzteres erfolgen, dann würde auch klar werden, dass jeder der n u r politisch, d.h. immer nur auf das Politische
h i n d e n k t, zu kurz greift.
Wo, so muss die Frage lauten, ist denn der Quellpunkt jener schalen politischen Dichotomie links/rechts aufzusuchen? Sicherlich gibt es mehrere geschichtliche Ansatzpunkte, aber ein Weg ist zweifellos der Rückgriff auf die kantische Modalitätskategorie in ihrer triadischen Form: Möglichkeit - Wirklichkeit - Notwendigkeit. "Links" ist die Absolutsetzung der Möglichkeit, "rechts" die der Notwendigkeit - und zwar beide Male unter Verkennung ihrer korrelativen Zusammengehörigkeit. Die absolute Reflexivität des Selbstbewusstseins, wie sie in der reinen Möglichkeit (Ich=Ich) zum Ausdruck kommt, muss zunächst keinerlei politische Implikationen besitzen. So rief Swami Vivekananda etwa einst seinen westlichen Zuhörern bei einem Vortrag zu. "Man sagt euch, ihr wäret auf tausenderlei Weise gebunden, ich aber sage euch, dass ihr absolut frei seid." Der indische Mönch dachte hier sicherlich nicht an Kant, aber er redete gleichwohl im Geiste jener unendlichen Möglichkeit, die bei Kant zumindest f o r m a l als Konstitution der Subjektivität in den Blick kommt. Was die m a t e r i a l e Seite dieser Ich-Ermöglichung angeht, so kann sie sich in vielfältiger Weise offenbaren, bei Vivekananda z.B. als mystische Erfahrung der unendlichen Möglichkeit, die gleichzeitig höchste Notwendigkeit ist (Atman=Brahman). Sie kann sich aber auch in einer ganz anderen Sphäre manifestieren - etwa der politischen - und dann einen völlig "diesseitigen" Charakter annehmen, zum Beispiel bei Bakunin, wenn er, in scharfer Antithese zu Marx und Hegel, die anti-autoritäre freie Selbstbehauptung akzentuiert. Sie beugt sich keiner "bestimmten Negation" der freien Möglichkeit in Form einer "notwendigen diktatorischen Vermittliungsphase".
Dies sind zwei Beispiele für die Priotisierung der Möglichkeit, die, sobald sie den Bereich des Politischen betritt, einen "linken" Charakter annimmt. Beispiele für die
Priotisierung der Notwendigkeit, in welcher wie gesagt das Rechte fundiert ist, wären zu ergänzen, worauf hier verzichtet sei.
Mir geht es zunächst nur darum, in einem ersten Schritt auf den unzureichenden Charakter einer bloß meta-p o l i t i s c h e n Kategorisierung hinzuweisen. (Der Ausgang von der transzendentalen Analytik bei Kant ist wie gesagt nur e i n e Option.) Man könnte es auch so ausdrücken: ich sehe die Notwendigkeit der phönomenologischen Destruktion (nicht "Dekonstruktion") auch und gerade in der politischen Sphäre gegeben, und die Aufgabe des links/rechts-Schematismus ist ein wesentlicher Aspekt derselben. Es ist höchste Zeit dafür. Um es in der Terminologie von "Sein und Zeit" zu sagen: Die Geworfenheit des Daseins markiert einen "rechteren Standpunkt" als den des größten Rechtsradikalen, und der freie Entwurf des Seinsverständnsisses, der kein "Seiendes an sich" mehr übriglässt, ist "linker", als es sich der glühendste Verfechter der grenzenlosen Emanziaption nur im entferntesten vorstellen könnte - weil aber der Entwurf ein geworfener ist und beide nicht voneinander isoliert werden können, muss besagte Dichotomie fallen. Da die Linken dazu nicht in der Lage sind, bleiben logischerweise nur die Nichtlinken übrig, so sie denn wollen.

Thomas Martini
10. August 2019 19:37

Das Fußballgeschäft ist ein Bereich, bei dem sich die Auswirkungen der Globalisierung vor aller Augen abspielen. Früher war es ein Volkssport, der „ursprünglich symbolisch für traditionelle, regionale Verwurzelung stand“ (Jonas Schick), man denke nur an Fritz Walter und seinen FCK. Davon hat der seit vier Jahrzehnten wütende Neoliberalismus wenig übrig gelassen: Explodierte Spielergehälter, aberwitzige Ablösesummen, Menschenhandel mit Kindern aus der dritten Welt – und als Krönung und Eingeständnis, daß es nur noch um's Geld geht: eine Fußball-Weltmeisterschaft in der Wüste.

Man hat Grenzen überschritten, und im Sinne der Umsatzsteigerung ist alles erlaubt. Ein Trikotsponsor, Panini-Bilder zum Sammeln: das war alles noch kein Problem. Dann gab es irgendwann Bravo-Sport, und die Fußballer wurden immer mehr als Popstars vermarktet.

Großes Dankeschön an Jonas Schick, für das Aufgreifen dieses Themas. Es käme nun darauf an, den roten Faden nicht aus dem Blick zu verlieren. Haben wir es hier mit einem Phänomen zu tun, das nur den Fußball betrifft, oder kann man den Einfluss, der für „traditionelle regionale Verwurzelung“ giftig bis tödlich ist, auch in anderen Bereichen des „Systems“ wahrnehmen? Wenn ja, woran könnte es liegen? Der Gedanke, das Geld sei schuld, ist zu kurz gegriffen, klar. Doch darauf zu beharren, es habe mit dem Geld nichts zu tun, hieße indes, die Augen vor der angloamerikanischen Geldherrschaft zu verschließen, in der wir im Westen alle leben, und unter dessen Druck ein Land wie China mit seinem heutigen Wirtschaften überhaupt erst denkbar ist.

So lange die Gewinnsucht Priorität sein wird, heißt's: No way out!

"Die wesentliche Begrenzung der Menschheit auf überschaubare Nationalstaaten liegt in der begrenzten Wahrnehmung des Menschen selbst begründet." - Laurenz

Mehrebenen-Realität, schon heute der Spagat zwischen den supranationalen Interessen der Europäischen Union und den nationalstaatlichen der jeweiligen Mitgliedsländer.

Einfacher ist es da, die verschiedenen Ebenen zu übergehen, und sofort die ganze Welt und Menschheit in den Blick zu nehmen. Genau das ist die Grundeinstellung der globalistischen Weltanschauung. Wenn ein Clemens Tönnies sich anmaßt, den Afrikanern Empfehlungen auszusprechen, zeigt das doch vor allem, daß er von einem ähnlichen Zuständigkeitsgefühl beherrscht ist, das bei den Linksliberalen so häufig anzutreffen ist.

Es braucht einen nicht Wunder machen, wenn Tönnies, im Gegensatz zu einem Björn Höcke, sogleich viele prominente Fürsprecher hat, die ihn vom Rassimsusverdacht reinwaschen wollen. Sogar Sigmar Gabriel warf sich für den Schalke-Präsidenten in die Bresche. Wären die Äußerungen am Rande einer PEGIDA-Demo gefallen, hätter wohl eher gesagt:

„Das ist wirklich Pack und Mob, und was man da machen muss, man muss sie einsperren.”

Thomas Martini
10. August 2019 20:24

"So ist auch das Schlusszitat schaurige Wahrheit, denn der Faschismus ist nicht rechts, sondern Mosaik aus links UND rechts." - zeitschnur, 10. August 2019

Hallo zeitschnur,

diese Einsicht, so banal sie klingen mag, ist den meisten Menschen nicht bewusst. Für die einen war der NS rechts, womöglich für die Mainstreamgläubigen. Andere, bis hin zu Abgeordneten des Europaparlaments, stellen den Sozialismus, und somit die linke Seite heraus. @Franz Bettinger hatte sich zu meinem großen Leidwesen vor kurzem hier noch mit der Behauptung hervorgetan, der NS sei nur links gewesen, so wie das heutige Regime.

Beim letzten Mal hatte Jonas Schick in den Netzfundstücken dankenswerterweise ein Gespräch mit Dr. Thor von Waldstein eingebracht, das allseits großen Zuspruch fand. Darin erinnert von Waldstein daran, daß der Nationalsozialismus für den Staatsrechtslehrer Herrmann Heller schon 1929 »ein zusammenhangloses Gemisch von Houston Stewart Chamberlain, Silvio Gsell, Moeller van den Bruck, Damaschke, Rathenau und Mussolini« gewesen sei.

Kurz gesagt: Der Nationalsozialismus war ein zusammengeschüttetes Gebräu unterschiedlicher Zutaten.

Das Dilemma vor dem wir heute stehen, ist simpel: Wir können uns keine dieser Zutaten einzeln rausnehmen, weil sie eben im Rezeptbuch des Nationalsozialismus mit drinstehen.

Beispiel:

Die Identitäre sagt: "Wir wollen ein homogenes Staatsvolk erhalten."

Der Mainstream sagt: "Tja, das wollten die Nazis auch. Sie sind wohl ein Nazi?"

So läuft das Spiel, und solange man sich diesen Spielregeln beugt, haben wir wohl als Volk keine rosigen Zukunftsaussichten.

Thomas Martini
10. August 2019 22:12

Heutzutage ist die bundesdeutsche Gesellschaft eine Formierung wider den Faschismus.

Thomas Martini
11. August 2019 09:15

Noch ein paar Gourmethäppchen zur »Affäre Tönnies«:

Am 2. August bereits entschuldigte sich der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Schalke in der Öffentlichkeit, seine Äußerungen seien "falsch und unangebracht" gewesen. Die unangenehme Einsicht, daß man gegen die Denkgesetze der Multikulturalisten verstoßen hat, und dabei ist, aus der feinen Gesellschaft ausgeschlossen zu werden.

Dementsprechend empört sich Ligapräsident Rauball, ein Opportunist wie aus dem Lehrbuch, auch weniger über den Inhalt der zur Rede stehenden Aussagen, sondern darüber, daß sie Tönnies rausgerutscht sind. Das hätte ihm natürlich nicht passieren dürfen. Das zeigt, wie stark der Konformitätsdruck mittlerweile ist, es ist Dampf unter dem Kessel. Wievielen Prominenten es genau so bei den vielen Fragen zur Umvolkung ergeht, können wir nur vermuten?

In dem Skandal um Clemens Tönnies offenbart sich die "Selbsterdrosselung der Zivilgesellschaft" (Götz Kubitschek), der "Preis der Enge" (Bernhard Schlink) bekommt ein Gesicht.

Auch für den von Jonas Schick erwähnten Daniel Frahn, zuletzt Kapitän beim Chemnitzer FC, war kein Platz mehr in einem politisch-korrekten Öffentlichkeitskorsett, das zusehends weniger Raum für abweichende Weltanschauungen bietet.

Um die Bestandsaufnahme abzuschließen: Keine Spur von einem "Mainstream", der "offen, weit, und vielfältig" (Bernhard Schlink) wäre.

Atz
11. August 2019 09:40

Das Problem bei dem Begriff Antifaschismus ist, dass den meisten Linken seine Geschichte vollkommen unbekannt ist. Antifaschimus ist eine Parole der KPD mit der diese gegen die Sozialdemokratie agitierte, auch mit Unterstützung der NSDAP. Faschismus ist ungefähr das gleiche wie "Imperialismus nach Lenin", es meint eine Entartungsstufe des Kapitalismus, wenn die Arbeiter statt die KPD zu unterstützen dem Kapital zuarbeiten und eine Formierung der Gesellschaft anstreben, zum Beispiel eine kapitalistische Staatsverwaltungswirtschaft vgl. Rathenau. Das was man heute verbindet, biologistische Rassentheorien und Führerprinzip z.B. spielte im "Antifaschismus" überhaupt niemals eine Rolle.

Laurenz
11. August 2019 09:49

@heinrichbrueck & zeitschnur & Nath .... die Debatte, die Sie hier führen, ist so historisch nicht belegbar und entspricht rein Ihren Wunschvorstellungen einer selbst erschaffenen Moral aus einem Wolkenkuckucksheim.
Der Faschismus hat nur insofern etwas mit dem Marxismus/Kommunismus/Materialismus zu tun, indem er konter-revolutionär und reaktionär auf den Marxismus wirkt. Ohne Marxismus kein Faschismus. Desweiteren basiert der Faschismus auf dem historischen Versagen des bürgerlichen Zentrums, etwas, das gerade wieder im Gange ist.
Ihre Debatte ist deshalb auch nicht von dieser Welt, weil zu einer theoretischen Debatte es an faschistischer Ideologie fehlt. Die wenigen "faschistischen" Autoren, ob nun Rauschning, Serrano etc. werden doch gar nicht wirklich als intellektuelle Vertreter dieses politischen Genres anerkannt. Und Hitler selbst war kein Intellektueller.
Also können wir nur auf das politische Handeln von Faschisten und Nationalsozialisten in Friedenszeiten zurückgreifen. Hier ist die Ökonomie die geo-strategisch eminenteste Frage. Faschisten/Nationalsozialisten investierten, im Vergleich zu Kommunisten, nur sehr wenig, also im Anteil am BIP, in das Militär.
Auch im Vergleich zum Zentrum entwickelten die Extrem-Rechtsaußen die erfolgreichste Wirtschaftspolitik in der Menschheitsgeschichte, auch gut am Beispiel Chinas zu ermitteln. Die totalitäre Nutzung der "fasces" als Gewaltmittel hat indes nichts spezifisch faschistoides an sich. Es unterscheidet sich weder vom Imperialismus/Feudalismus noch vom Marxismus. Nur die ausgedehnte Nutzung der Begrifflichkeiten macht die Niederschlagung der deutschen Revolution 1848/49 oder den Bauernkrieg 1525 zu einer faschistoiden Veranstaltung. Auch wird die katholisch-evangelische Meinungsdiktatur über 1.300 Jahre in Deutschland eher als Bolschewismus zu verorten sein, den als Faschismus. Den Faschisten waren religiöse Fragen eher unwichtig. Man kaufte die mächtige Religion der Einfachheit halber.

zeitschnur
11. August 2019 15:01

@ Nath

Ich habe mir über Ihre Ausführungen, die mich angeregt haben und für die ich Ihnen sehr danke, eingehendere Gedanken gemacht und sie auf meinem eigenen Blog einmal veröffentlicht, weil es hier zu lang würde. Meine Antwort an Sie finden Sie hier: https://zeitschnur.blogspot.com/2019/08/auctoritasund-potestas-zur-frage-des.html

Laurenz
13. August 2019 10:40

@zeitschnur @ Nath 11. August 2019 15:01

ich habe Ihre Antwort auf Ihrem Blog gelesen. Sie scheinen ein Vertreter der Legende von ur-christlichen Kibbuzim zu sein. Ich will nicht in Abrede stellen, daß die mannigfaltigsten christlichen Sekten bis ins Hochmittelalter existierten, das erfährt man schon, wenn man den gut recherchierenden Umberto Eco liest. Wir werden darin übereinstimmen müssen, daß die Schriften, ob nun alt- oder neu-testamentarisch, sich häufig in inneren Widersprüchen verlieren, was in Anbetracht der vielen unterschiedlichen Autoren aus der orientalischen Welt aus 1001er Nacht nicht verwunderlich erscheint. Für mich festzustellen bleibt, daß das Hobby vieler tausender selbst-ernannter Schriftgelehrter die Interpretation der Schriften bleibt. Das unterscheidet Sie, zeitschnur, nicht um Haaresbreite von irgendeinem Kaiser. Sie interpretieren. Ihre moralisierende Interpretation bedeutet aber eine Abkehr von Politik-wissenschaftlicher Feststellung von Ursache und Wirkung. Das haben Sie mit den heutigen und historischen Marxisten gemein. Auch und besonders im Altertum gilt das Clausewitz'sche Gesetz "Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln."

Im Sinne des römischen Rechts war Jesus von Nazareth durchaus der Anführer einer bewaffneten, terroristischen hebräischen Rebellengruppe von Berufsrevolutionären, was die Tempel-Nummer gegen die Geldwechsler, propagandistische Manipulation der Armen, totalitäre Familien-feindliche Indoktrination und die Kuß-Nummer im Garten Gethsemane beweisen. Jesus' Leibstandarte war, gewaltbereit, mit teuren Schwertern bewaffnet. Die kriegstreibende Absicht der Jesus-Parteigänger ist offensichtlich.

Auch in der weiteren Betrachtung brauchen wir Ihr Ausweichen auf Kaiser Karl nicht berücksichtigen, den bis dahin war der Fisch bereits geputzt. Die Christen benutzten ihre errungene politische Macht noch im antiken römischen Reich um heidnische Weltanschauungen totalitär zu verfolgen, Wissen zu monopolisieren und das Mittelalter in einem Pol-Pot'schen Steinzeit-Marxismus einzuläuten. Das politische Resultat beweist die politische Absicht in den biblischen Schriften.

zeitschnur
13. August 2019 15:56

@ Laurenz

Wovon reden Sie? Kibuzzim, Urchristen, Aufrührer, Marxismus, 100 Nacht, Mittelalter, Pol Pot, persönliche Anwürfe wieder mal... mir schwirrt der Kopf - haben Sie beim Lesen irgendwie Stimmen gehört? Oder war das überhaupt mein Text?

Laurenz
14. August 2019 11:44

@zeitschnur ... Sie selbst wichen doch auf Ihren eigenen Blog aus, um Ihre Bibel-Zitate und deren Interpretation hier niemanden zumuten zu müssen. Ich habe mir, der Debatte wegen, Ihre Antwort an @Nath durchgelesen. Daß Sie so und mit Ihrer letzten Antwort Ihr eigenes Werk diskreditieren, hat doch nichts mit mir und meinem Beitrag zu tun. Außer Ihnen versteht den jeder, auch wenn Herr oder Frau "Jeder" meine Haltung darin nicht teilt.

zeitschnur
14. August 2019 14:51

Meine Güte, @ Laurenz, jetzt bleiben Sie mal auf dem Teppich - ich "wich" nicht "aus", sondern mich interessierte der Gedanke von @ Nath, daher hab ich ihn länger bedacht, was hier zu ausführlich geworden wäre. Es wird immer wieder kritisiert, dass Kommentare hier zu ausführlich seien. Wer einen Kommentar nicht lesen will, tut es einfach nicht - soviel Selbständigkeit muss schon sein. Egal wo der Kommentar steht.

Sie verstehen vielleicht Ihre eigenen Kommentare und nehmen dafür gleich das Verständnis aller anderen ungefragten Zeugen ("Herr und Frau Jeder") in Haft. Das ist kein guter Debattenstil. Sprechen Sie doch einfach für sich selbst und lassen Sie die andern selbst etwas sagen oder auch nicht.
Beim Verstehen der Gedanken anderer haperts jedenfalls noch gewaltig, zum Beispiel meiner.
Und überhaupt: warum so zornig? Und was haben Sie gegen Bibelzitate?
Warum triggert Sie das so? Und warum haben Sie dazu sachlich nie etwas Triftiges zu sagen? Ist doch schade eigentlich.

heinrichbrueck
14. August 2019 17:48

@ Laurenz
Ihre antichristliche Haltung assoziiert diesen Artikel: https://morgenwacht.wordpress.com/2019/03/03/eine-wirkliche-anklage-gegen-die-juden/
Die Grenze zwischen AT und NT ist gegeben, jedenfalls aus jüdischer Sicht. Die Juden erkennen das NT nicht an, wollen mehrheitlich ein eigenes Volk bleiben. Und Christen lesen das AT aus christlicher Sicht, niemals aus militärischer. Was in diesem Zusammenhang auffällt, Jesus wird als Sohn von JHWH ausgegeben, diesen gibt es im NT aber nicht. Mit der Religionsfreiheit im Grundgesetz, ist damit nicht die Freiheit von der Religion gemeint, und dürfen also andere Völker ihre Gotteshäuser bauen, verliert das Christentum seinen Wahrheitsanspruch von vornherein. Da können die Christen in Deutschland noch so sehr darauf pochen, Deutschland gehöre zum christlichen Abendland, es ist nicht der Fall. Im deutschen Mittelalter, als eine Art Heidenkatholizismus das Christentum ernster nahm, gab es keine Verwirrungen moderner Art. In der gegenwärtigen Lage, die kein Unfall der Geschichte ist, sondern absichtlich herbeigeführt wurde, kann das NT militärisch das AT nicht schlagen. Ist es deshalb ein Argument gegen den Sohn Gottes? Würde Gott das Wissen verbieten, dann ganz gewiß!

Laurenz
16. August 2019 11:20

@zeitschnur .... ich kann Ihnen nicht wirklich sagen, warum Sie unsere persönliche, wie historische Situation als solche nicht wahrnehmen. Das müssen Sie schon selbst eruieren.
Unsere Debatte findet mich aktuell auf einem brennenden Scheiterhaufen vor, und Sie mit der zündenden Fackel davor stehend. Dabei teilen Sie mir und meinesgleichen mit, ich/wir solle/n uns/mich nicht so anstellen, die Flammen ertragen oder uns/mich von Ihrem Teufel erlösen lassen und in Ihrer Hölle schmoren. Sie machen mich damit automatisch zu einem politischen Gefolgsmann des Ulrich von Hutten.

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