27. August 2019

Philipp Ruch kämpft um sein Wahrheitssystem

Martin Lichtmesz / 39 Kommentare

Der Spiegel gewährt Einblicke in den Kopf von Philipp Ruch, den Leiter des "Zentrums für politische Schönheit", das wir hier  bereits einmal würdigten.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Einstieg in das Interview ist die Neuigkeit, daß sich Ruch erstmals ohne seine Kriegsbemalung aus Ruß fotografieren ließ, nach des Spiegels vollmundiger Ansage die "Maske des Aktionskünstlers, der die Grenze zwischen Realität und Fiktion ins Wanken bringt."

Der Unterschied zwischen dem berußten und unberußten Ruch-Antlitz ist minimal. Das Maskenhafte ergibt sich weniger aus der Schwärzung des Gesichts als aus seiner seltsam "eingerasteten" Physiognomie. Man sieht Ruch stets mit demselben, beinah versteinerten Gesichtsausdruck, herabhängenden Mundwinkeln, zusammengepreßten, nach oben gewinkelten Augenbrauen, die ein Kummerdach bilden und seine Stirne traurig-nachdenklich furchen. Das wirkt manchmal auch weinerlich oder gar ein wenig dümmlich, als wäre er ein geprügelter Dackel. (Ob es sich bei seinen optisch gezielt eingesetzten Augenbrauen schon um ein "narzißtisches" Merkmal handelt, lasse ich mal dahingestellt).

Nie sieht man Ruch lachen oder auch nur lächeln. Er scheint frei von jeglichem Humor, von jeglicher Selbstironie zu sein. Wenn man dem bundesdeutschen Schuldkult eine Büßer- oder Passionsfigur schnitzen wollte, könnte man sich ihn als Vorbild nehmen. Bleierne, todernste Melancholie glänzt matt aus seinen Augen, als wären sie erschütterte Zeugen sämtlicher Holocauste und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die wir Normalsterblichen und satten Bürger ebenso verdrängen, wie wir sie zu verantworten haben.

Ruch sieht an unserer Stelle, leidet an unserer Stelle, mahnt an unserer Stelle, streut sich Asche auf sein betrübtes Prophetenhaupt voller Weltschmerz, weil wir es nicht tun. Er will uns ebenso tief betroffen machen, wie er selbst tief betroffen ist, was ein Ausweis seiner hohen Sensibilität und tiefen Humanität ist. (Manchmal frage ich mich, ob er Bilder von Elie Wiesel und ähnlichen Protagonisten studiert hat, um diesen Gesichtsausdruck hinzubekommen.)

Ich kann nun in Herrn Ruch nicht hineinblicken und nicht beurteilen, ob es ihm tatsächlich rund um die Uhr so schlecht geht oder er tatsächlich so traurig und betroffen über die humanitären Desaster der Weltgeschichte ist, wie seine Stimmlage, Augenbrauen und Stirnfalten vermutlich zum Ausdruck bringen sollen. Vielleicht verstellt er sich auch nicht und hockt ernsthaft neurotisch versponnen in diesem zum Dauerzustand gewordenen Habitus.

Aber da er als "Aktionskünstler" von der Öffentlichkeit lebt, liegt es auf der Hand, daß er danach trachtet, daß man seine herabsinkenden  Mundwinkel und Weltschmerzaugen auch gut und deutlich sehen, filmen und fotografieren kann; daß er mit seiner Tragödenmaske eine Wirkung nach außen erzielen will, eine Pose einnimmt, eine Show inszeniert - natürlich für eine ehrliche, gute, angeblich tief empfundene Sache.

Gleichzeitig wirken er und seine Mitstreiter in ihren Auftritten nicht selten verschroben, autistisch in sich gekehrt, dabei fanatisch oder gar astrein psychopathisch. Man betrachte nur dieses extra-gruselige Foto der ZPS-Mitarbeiterin Nina van Bergen, auf dem sie Ruch quasi gechannelt hat.

Da das ZPS mit einem großzügig erweiterten, maximaldiffusen Kunstbegriff operiert, kann es so gut wie jede Niedertracht als "Kunstfreiheit" rechtfertigen, jeden kreativen Umgang mit der Realität und jeden linkstotalitären Triebimpuls mit einem künstlerischen, philosophischen oder "humanistischen" Mäntelchen kaschieren.

Der selbstgerechte Eifer, den Ruch in dem aktuellen Spiegel-Interview zutage legt, wirkt jedenfalls inzwischen so überdreht und extrem, daß sich neben ihm selbst das linke Hetzblatt Nr. 1 der Republik als Gralshüter des offenen Diskurses, der fairen Debatte und der demokratischen Besonnenheit inszenieren kann, was natürlich eine Heuchelei der Sonderklasse ist.

Ruch fordert gegenüber Rechten explizit eine Null-Toleranz-Politik. Die einzige Antwort sei "Ächtung und Totschweigen". Sollte mal ein Rechter Gelegenheit bekommen, im Fernsehen den Mund aufzumachen, "dann sollte davor gut sichtbar ein Hinweis eingeblendet werden: Vorsicht, jetzt kommt jemand, der bekannt ist für die Normalisierung rechtsextremer Positionen."

Hier darf dem Publikum also nicht der kleinste Funke von "Legitimität" suggeriert werden, sondern es muß ihm eindeutig klargemacht werden, daß es frei nach Orwell "Crimestop" zu praktizieren und das womöglich aufkeimende Gedankenverbrechen gleich im Ansatz zu ersticken habe.

Nun war die Berichterstattung des Spiegels über z.B. Björn Höcke bislang alles andere als freundlich, aber immerhin hat das Blatt versucht, seine Leser etwa per Direktinterview halbwegs darüber zu informieren, wofür dieser Mann eigentlich eintritt, wenn man ihn schon zum Buhmann macht.

Schon das ist Ruch zuviel der Bühne für den bösen Rechten, was dem Interviewer immerhin Gelegenheit zu ein paar scheinheiligen Statements gibt (immerhin wird deutlich gesagt, wen man in Hamburg als "politischen Gegner" betrachtet):

Ruch: Der SPIEGEL versorgt ihn mit einem wichtigen Rohstoff: politischer Legitimität. Auch die AfD liest ja den SPIEGEL.

SPIEGEL: Aber wir wollen doch wissen, was Höcke sagt und denkt.

Ruch: Warum?

SPIEGEL: Weil wir auch den politischen Gegner kennenlernen wollen. Es gehört zum Wesen einer Demokratie, mit allen zu reden, um dem Publikum die Möglichkeit der Meinungsbildung zu geben.

Ruch repräsentiert wie kein zweiter die politische Wahrnehmungsspaltung des "Ich seh etwas, was du nicht siehst."

Apropos Chemnitz rief er dazu auf, Teilnehmer der gegen Merkels Asylpolitik gerichteten Demonstrationen zu identifizieren und an einen öffentlichen Pranger zu stellen, unter anderem, sie bei ihren Arbeitgebern zu denunzieren. Das unterscheidet sich in nichts von gängigen Antifapraktiken - abgesehen von der Alibi-Behauptung, dies hätte in irgendeiner Weise etwas mit "Kunst" zu tun.

Die entscheidende Frage ist, was in Chemnitz tatsächlich passiert ist. Für Ruch scheint eindeutig festzustehen, daß es dort "Hetzjagden" auf Ausländer gab, die Teilnehmer der Demos allesamt "Neonazis" oder "Rechtsextremisten" waren, deren Sache keinerlei nachvollziehbare Ursache oder Legitimation habe, und entsprechend müsse man handeln.

Auf der im weitesten Sinne "rechten" Seite hingegen dreht sich die Causa Chemnitz um ein verzerrtes Mediennarrativ (der Spiegel mischte hemmungslos wie immer mit), um die Mißachtung der Opfer der Asylpolitik,  (siehe Kubitschek hier, Lichtmesz hier) und die Verachtung der politischen Eliten für die Anliegen großer Teile des Volkes (insbesondere im Osten, den der Spiegel ebenfalls in der aktuellen Ausgabe erklären will).

Ruch kämpft derart verbissen für die Totalgültigkeit seines offenbar reichlich "zwischen Realität und Fiktion" wankenden "Wahrheitssystems" (wie es der sächische Ministerpräsident Michael Kretschmer formulierte), daß er allen Ernstes bereits eine Sandra Maischberger bezichtigt, "den Absturz des Humanismus" zu "organisieren".

In seinem neuen Buch Schluss mit der Geduld, einer "Anleitung für kompromißlose Demokraten" schreibt er:

Der Zusammenhalt unserer Gesellschaft wird durch Reichsbürger, Pegidisten und Rechtsfaschisten lange nicht so bedroht wie durch eine Maischberger-Sendung. Der "Völkische Beobachter" ist zurück.

Das begründet er auf Nachfrage des Spiegels so:

Gucken Sie sich mal an, wie diese Talkshows ihre Themen ankündigen: »Sozialstaat unter Druck: Kosten uns die Flüchtlinge zu viel?« Oder: »Angst vor Flüchtlingen: Ablehnen, ausgrenzen, abschieben?«

Es scheint für ihn irrelevant zu sein, daß besagte Shows diese Fragen durchweg im Sinne des politisch-korrekten Konsens einbetten und beantworten, während sie die Dissidenten und Quotenrechten, die ab und zu auftreten dürfen, in der Regel einer Überzahl von Gegnern zum Fraß vorgeworfen werden. Der Skandal besteht für Ruch schon allein darin, diese Dinge überhaupt zu thematisieren oder zu problematisieren.

Das geht über das Prinzip "Ich seh etwas, was du nicht siehst" weit hinaus. Es ist vielmehr ein "Du darfst nicht sehen, was du siehst, du darfst nicht benennen, was du siehst, du darfst nicht kritisieren, was du siehst. Du darfst nur sehen, benennen und kritisieren, was ich sehe. Ansonsten wirst du geächtet, terrorisiert, denunziert, totgeschwiegen."

Aber wenn Ruch das Folgende ernst meint und nicht bloß als aufmerksamkeitsgenerierende Provokation lanciert hat, dann fällt mir keine andere Erklärung mehr als eine psychiatrische Diagnose ein:

Ist Ihnen einmal aufgefallen, dass Maischberger immer für die Seite Partei ergreift, die wir dem geistigen Faschismus zuordnen könnten? Haben Sie sie jemals für Humanismus eintreten hören? Wir sind viel zu tolerant. So was dürfte gar nicht gesendet werden. Maischberger spielt mit extremen Positionen. Sie findet, dass das den Diskurs belebt.

Ähnliches könnte man über den Hirnfilm sagen, den Ruch für den Großteil des Interviews an die Leinwand wirft: Demnach befände sich die Bundesrepublik Deutschland 2019 in exakt, wirklich exakt derselben Lage wie die Weimarer Republik im Jahr 1932, was ihm nach intensiver Lektüre der "Weltbühne" endgültig klargeworden sei. Sein Buch und seine Aktionskunst wollen nicht weniger, als die unmittelbar dräuende Wiederkehr von 1933, des Dritten Reichs, in letzter Konsequenz von Auschwitz zu verhindern.

Wir müssen aufhören mit der innenpolitischen Appeasementpolitik. Die Geduld gegen rechts verursachte einen einzigen Flächenbrand... Es wäre deshalb wichtig, dass die Bundesregierung endlich anerkennt, dass wir einen staatlichen Auftrag erfüllen. Der Staat sollte unsere Rechnungen begleichen. ... Es darf niemals zu einer Regierungsbeteiligung der AfD an einer Bundesregierung kommen. Niemals.

Dabei fühlt sich Ruch selbst unmittelbar an Leib und Leben bedroht. Ohne jeglichen Beleg behauptet er:

Im Bundestag arbeiten Leute, die mich auf Todeslisten gesetzt haben.

Da angeblich die äußerste Gefahr droht, sind auch äußerste Mittel gerechtfertigt. Ruch schreckt in seinem Buch auch nicht vor Sätzen wie diesen zurück:

Der Kampf gegen den rechten Deutschlandhass ist ein Kampf um Symbole. Es reicht mitunter, sich seinen Anführer zu schnappen und wie das Gnu vor den Augen seiner entsetzten Kumpane zu zerfleischen.

Auf Nachfrage des Interviewers, was dieser Satz bedeute, antwortet Ruch:

Ruch: Ich halte das für eine akkurate Beschreibung dessen, was wir mit dem Posterboy der Rechten, mit Björn Höcke, gemacht haben. Der hat sich davon bis heute nicht richtig erholt. Er ist einfach nicht mehr der Alte und vertut sich dauernd.

Das war also das Ziel dieser "Kunstaktion": Einen Menschen öffentlich zu traumatisieren, zu erniedrigen, zu brechen, und das alles mit gutem Gewissen, denn dieser Mensch ist ja bloß ein "Nazi", also kein vollwertiger Mensch. Und der Initiator dieser Aktion träumt expressis verbis davon, diese Art von Terror offiziell im Dienste des Staates ausüben zu dürfen.

Ich habe das im November 2017 so kommentiert:

Ich bin alles andere als ein Freund historischer Aufrechnungen und übertriebener Unterstellungen, aber in diesem Fall haben sich Ruch & Co, dieser nichtswürdige "Oktoberklub" unter den zeitgenössischen Künstlerdarstellern, die Gegenkeule redlich verdient. Sie mögen ihre Niedertracht, Aggression und häßlichen Verfolgungs- und Erpressungsgelüste hinter "Kunst", "Widerstand", den "Lehren des Holocaust", "Menschlichkeit", "menschlicher Großgesinntheit",  "Humanismus" usw. verstecken, soviel sie wollen. All dies waren schon immer beliebte Zuflüchte von besonders ausgesuchten Kanaillen.

Wer die Mentalität verstehen will, die zur Vernichtung von über hundert Millionen Menschenleben geführt hat,  braucht sich nicht weiter umzusehen als im orwellesk betitelten "Zentrum für politische Schönheit". Das nehme ich erst zurück, wenn Ruch und seine "Komplizen" Björn Höcke und seine Familie auf Knien rutschend um Verzeihung für diesen Terror bitten. Anschließend dürfen sie meinetwegen gerne Urlaub als Erntehelfer in Nordkorea machen, um aus der Geschichte etwas zu lernen.

Die Selbstinszenierung des Interviewers als vernünftiger Ruhepool gegenüber dem etwas überspannten Ruch, ist wie gesagt trügerisch und scheinheilig. Der Spiegel arbeitet Woche für Woche daran, die hysterische Angst vor der AfD als Wiedergängerin des Nationalsozialismus zu schüren. Die Entfernung zu Ruch beträgt im Grunde nur Nuancen.

Ruch selbst ist wohlgemerkt alles andere als ein Außenseiter oder Spinner, der nicht ernstgenommen wird. Er ist bestens mit der deutschen Kunst-, Kultur- und Medienszene vernetzt und unterscheidet sich in seinen Ansichten und seinem Selbstbild kaum von anderen einflußreichen Mainstream-Figuren wie Georg Restle oder Jan Böhmermann, die ein etwas weniger schräges Image haben; er ist nur unverhohlener, fanatischer und direkter, was seine totalitären Gelüste angeht.

Die Restles, Böhmermanns und Ruchs scheinen nicht zu bemerken, daß sie mit ihrem ideologiebetonierten und selbstgerechten Blindflug viel nachhaltiger zur Eskalation der politischen Spannungen beitragen, als irgendeine Rede von Höcke es jemals könnte. Wenn jemand den politischen "Flächenbrand" schürt, sind sie es selbst.

Wer im Bereich des Politischen, in dem Vernunft, Voraussicht und Realismus zählen sollten, nicht unterscheiden kann, wo "die Grenze zwischen Realität und Fiktion" verläuft oder sie gar bewußt verschiebt (weil er ein "Künstler" ist, oder auf der "richtigen" Seite steht), spielt auf fahrlässigste Weise mit dem Feuer, egal wie moralisch oder hypermoralisch er den Kampf um die Unversehrtheit seiner persönlichen "Wahrheitssysteme" hinstellen mag.

Was uns zu dem wohl entlarvendsten Teil dieses Interviews führt:

SPIEGEL: Es ist irritierend, dass Sie stets etwas freudig Erregtes im Gesicht haben, wenn Sie Ihre Szenarien entwickeln. Eine gewisse Freude am Untergang.

Ruch: Mich interessiert nur der Worst Case. Die Frage ist: Ist er möglich? Ihren Blicken entnehme ich: So ganz unplausibel ist er nicht.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (39)

Der_Juergen
27. August 2019 10:28

Blendende Charakterisierung eines ganz besonders bigotten und widerlichen Fanatikers. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass Kreaturen wie Ruch ein (unvermeidliches) Produkt des in der BRD herrschenden Systems und seiner Ideologie sind. In einem Staat, wo Vaterlandsliebe als Verbrechen und Selbstbeschmutzung als Tugend gilt, werden derlei Gestalten automatisch aus den tiefsten und übelriechendsten Kloaken ganz nach oben gespült. Sie gerieren sich als waghalsige Drachentöter, die todesmutig gegen den allgegenwärtigen Faschismus und Rassismus auftreten, sind aber nichts weiter als Denunzianten der erbärmlichsten Sorte. Wer mit den Schakalen heult, der wird im heutigen Deutschland als "kritischer Denker" gefeiert.

Wir erleben die Umwertung der Werte, von der Nietzsche einst schrieb, in drastischer Form tagtäglich mit. Dazu gehört die Umdeutung der Begriffe. Als "kompromissloser Demokrat" gilt heute jemand, der zur Vernichtung gewaltloser Andersdenkender aufruft. Eine Partei wie die AFD, die direkte Demokratie in Form von Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild fordert, ist hingegen "antidemokratisch".

In Orwells Ozeanien wäre Ruch bestimmt ein heisser Anwärter auf den begehrten Posten des Chefs des Wahrheitsministeriums gewesen. In einem deutschen Deutschland würde er hingegen flugs in jenen Orkus zurückverfrachtet, dem er entstiegen ist.

zeitschnur
27. August 2019 11:31

"Politische Schönheit". Klingt so spießig wie irgendwie expressionistisch und surrealistisch zugleich, das Draculagewäsch des Ruch dazu als Oxymoron... "schwarze Milch der Frühe...", Schönheit des Untergangs, die Lust am Handwerk des Lügens und Zerstörens, solange man dafür bezahlt wird... vielleicht passt am ehesten "Der Nazi und der Friseur" von Hilsenrath zu diesem Zentrum. Oder der volkstümliche "Bock" und "Gärtner". Oder auch - in einem weiten Sinn - die ebenso fett gepfründete wie wirkungslose Künstlerszene am Hof des Papstes vor Hadrian VI. Oder sogar: die berühmte Blaskapelle auf der untergehenden Titanic.

Fehlt eigentlich nur noch eine postmoderne Leni Riefenstahl, die den Reality-Collagen-Film "Triumph des Wahnsinns" daraus dreht.

Thomas Martini
27. August 2019 12:51

"Ruch sieht an unserer Stelle, leidet an unserer Stelle, mahnt an unserer Stelle, streut sich Asche auf sein betrübtes Prophetenhaupt voller Weltschmerz, weil wir es nicht tun. Er will uns ebenso tief betroffen machen, wie er selbst tief betroffen ist, was ein Ausweis seiner hohen Sensibilität und tiefen Humanität ist. (Manchmal frage ich mich, ob er Bilder von Elie Wiesel und ähnlichen Protagonisten studiert hat, um diesen Gesichtsausdruck hinzubekommen.)" - Martin Lichtmesz

Vielleicht hat er auch Sternhell gelesen? Wen auch immer, gleich was er hörte und sah, ich rufe ins Gedächtnis:

"Da Information immer zu Wahr­nehmung führt und Wahrnehmung die Grundlage jedes Handelns ist, begründet Information letztendlich auch die soziale Realität. Ebenso den Wandel dieser." - Sylvain Timsit

Gleich ob Ruch ein Geschäftsfeld bedient, oder wahrhaftig zum Überbüßer geboren wurde, er ist wie alle Menschen ein Produkt seiner Umwelt. Man sollte Mitleid haben, was ebenso für weite Teile der "linken" Gegnerschaft gilt.

"Ruch fordert gegenüber Rechten explizit eine Null-Toleranz-Politik. Die einzige Antwort sei "Ächtung und Totschweigen". Sollte mal ein Rechter Gelegenheit bekommen, im Fernsehen den Mund aufzumachen, "dann sollte davor gut sichtbar ein Hinweis eingeblendet werden: Vorsicht, jetzt kommt jemand, der bekannt ist für die Normalisierung rechtsextremer Positionen."

Hier darf dem Publikum also nicht der kleinste Funke von "Legitimität" suggeriert werden, sondern es muß ihm eindeutig klargemacht werden, daß es frei nach Orwell "Crimestop" zu praktizieren und das womöglich aufkeimende Gedankenverbrechen gleich im Ansatz zu ersticken habe."

Gut. Wir haben diese Unterdrückung von Andersdenkenden indes in Deutschland seit 70 Jahren. Die Neue Rechte hat alles dafür getan, sich verbogen und geheuchelt, die Minenfelder umgangen, und die Kopfschußzone umlaufen, und erkennt dennoch alarmiert, wie sich die Schlinge um ihren Hals immer enger zuzieht.

Ist das unverdient, ungerecht? Das habe ich bei den Rechten gelernt: "Es gibt keine 'Gerechtigkeit'." Es erscheint mir, das muß ich leider sagen, auch nicht ungerecht. Eher wie "Justice poétique". Das war eine gute Idee, und sicher einen Versuch wert, die Vorposten des Systems auf Umwegen zu unterlaufen, immer in Deckung zu bleiben, um am Ende gleichberechtigter Teilhaber beim Konzert der Globalisten zu sein. Diesem zagahften, risikokalkulierten Ansatz folge ich von jeher nur widerwillig. Man will folgen, nicht lieber als das, aber wenn man selbst den Eindruck gewinnt, daß es in die falsche Richtung läuft? Wenn man zudem den Blick in des Nachbars Garten hat, wo die Familie Leclair schon tausendmal weiter in ihren Erkenntnissen und Widerstandsbemühungen ist?

Wohin hat die Anbiederung an die gültige Siegergeschichtsschreibung geführt? Es gibt heute, das weiß jeder, mehr "Nazis" als zur Zeit des Nationalsozialismus. Jeder, der dem System nicht in den Kram passt, ist potenziell verdächtig und die Journaille forscht einseitig in Richtung braunen Anknüpfpunkten. So geschehen bei einem Leitartikel über die "rechten Köpfe" in der Lokalzeitung meiner Region. Das von meinem Blog stammende Interview mit J. K. Poensgen, durchsuchte der Ressortchef der Zeitung wie ein "Anbräuner". "Oh, der ist aber faschistisch." Nein, bedaure, er ist ein Demokrat, lupenrein, und sieht seine Gegner eben in Menschen wie Kubitschek, Kositza, Lichtmesz und Sellner. In rechten Menschen, die letztlich alles nur "Nazis" sind, da sie ihre Gesinnung ja nicht mehr offen zur Schau tragen.

No way out! Ich hasse es, solche Nachrichten zu überbringen, aber es ist wohl - oder wer will widersprechen? - sagenswert.

Thomas Martini
27. August 2019 13:22

"Wir sind null Prozent Hipster." Das war die intelligente, viel Interpretationsspielraum lassende Antwort von Johannes Konstantin Poensgen, auf die Frage, ob es sich bei der IB um "Nazi-Hipster" handelt.

ML: Die Antwort hat was laibacheskes.

Stundenlang über diese Antwort philosophiert, die Aussage gewogen, eingeordnet, abgespeichert. "Hipster sind wir nicht, alles andere bleibt offen".

Nun, der eine philosophiert, wieder andere suchen nach braunen Flecken. So war diese Antwort für den Trierischen Volksfreund ein gefundenes Fressen - wer wissen will, wo mein Blog geblieben ist, da habt Ihr die Antwort! - um Johannes K. Poensgen in der Öffentlichkeit anzubräunen. So einen herausragenden, mit massig Intelligenz gesegneten jungen Mann, dessen einziges Verbrechen es ist, daß für und nicht gegen sein eigenes Volk wirken will.

So ist das halt. Let's rock, Baby. Heute Abend kommt noch "Promi-Big-Brother", oder nicht? Daß Nazis und Rechts gleich sind, war indes eine der ersten Lektionen, die ich gelernt habe. Kein vertun. Da schrieb ich noch Fantasy-Wrestling-Rollenspiele und flog als Forenmanager achtkant aus dem Forum, nur weil ich es wagte, Zitate aus "unseriösen" Quellen zu bringen. Irgendwas von Christoph Hörstel. "No Nazis!", bekam ich dafür sogleich eine in die Bewertungskommentare reingedrückt. Ich, der Wrestling-Fan, der mit HipHop und Michael Jackson aufwuchs, und sich bei Schindlers Liste im Kino als Teenager mit Pipi in den Augen in die Hose machte. Da komme ich her, und demgemäß war mir die vollzogene und ausgeführte Strategie und Taktik bei sezession.de von jeher suspekt.

Das heißt nicht, daß ich es besser weiß. Ich verstehe sie nur anders. Hoffentlich aber haben Sie recht, Frau Kositza und Herr Kubitschek. Hoffentlich haben Sie alles richtig gemacht, und müssen sich später keine Vorwürfe machen.

Gotlandfahrer
27. August 2019 13:29

Das Böse ist der Trainer des Guten. Evolutorischer Fortschritt durch Stresstest. Provokation dient der Hervorrufung. Der Mann erfüllt eine sinnvolle Rolle. Er ist widerlich, niederträchtig. Er ist ein Geschenk für uns.

Atz
27. August 2019 13:32

Philipp Ruch ist ein ziemlich harter Anhänger von Carl Schmitt und nervte schon auf der Universität alle damit. Er hat ein Buch veröffentlicht voller faschistischer Ideologeme und die linke Supporteria ist größtenteils darauf reingefallen. Schon beim Begriff der "politischen Schönheit" sollte es klingeln. Jetzt das zweite.

Im Gegensatz zu Restle, Böhmi usw. und versteckt er sich hinter der Kunst. Ruch hat es geschafft faschistisches Gedankengut zu rehabilitieren in der Maske der Antifa-Kunst. Da kannst Du von rechts aus nur den Kopf schütteln. Ruch ist retrorechtsintellektuell und arbeitet sich scheinheilig an Rechten ab.

Ob Ruch oder Bednarz, es gibt so manche Groupies, bei denen man weiss, dass Ihnen die Große Feigheit selbst im Weg steht. Je lauter jemand gegen "Schwuchteln" und "Homogestörte" brüllt, desto pathologischer seine unterdrückte Homosexualität. So ist es auch mit dem Rechtssein von Herrn Phlipp Ruch und seinem Versuch Ausschwitz im Vorgarten zu verhindern und so ironisch wie die alt-right das hihi einzubetten.

Waldgaenger aus Schwaben
27. August 2019 13:50

Auf Herrn Ruch treffen viele Aspekte einer klinisch-psychologischen Definition des Fanatismus' zu.

Ein wichtiges Grundlagenwerk zum Fanatismus verfasste von Prof. Dr. med Günter Hole

Günter Hole: Fanatismus – Der Drang zum Extrem und seine psychischen Wurzeln. Psychosozial-Verlag, 2004, ISBN 3-89806-293-7 (auch über Antaios bestellbar)

Ausführlich besprochen wird das Buch hier von Prof. Dr. med. Volker Faust:

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/faust1_fanatismus.pdf

'Nicht das Ausleben primär destruktiver (zerstörerischer) Impulse ist gemeint,
nicht Machtstreben, Gewaltlust, Sadismus, Rache und „Böses“ zählt, sondern
der Impuls zur extremen, also vollkommenen Verwirklichung ursprünglich positiv erlebter, hochgesteckter Ziele“, so Hole. '

Dieses Buch , oder wenigstens das obige pdf zu lesen, empfehle ich jedem, der politisch aktiv ist oder werden will. Und zwar nicht nur zu lesen als Steinbruch für Geschosse auf den Gegner, sondern auch stets selbstkritisch.

Die Besprechung enthält auch einen Hinweis auf eine Quelle des Fanatismus, die Entwurzelung, der Verlust der Identität:

"Ein weiterer Aspekt ist das, was man als „Entwurzelung“ bezeichnet, ein weltweites und offenbar zunehmendes Problem. Dabei sind noch nicht einmal die
großen Flüchtlingsströme gemeint, es reicht der entwurzelte persönliche Lebensgang, herausgerissen aus dem vertrauten sozialen und vor allem atmosphärischen Umfeld. Ob dann die wieder gefundene Geborgenheit und Anerkennung
in einer neuen Gruppe zur fanatischen Entgleisung führen kann, hängt von ganz
persönlichen Aspekten ab, ein begünstigender Faktor aber ist das allemal. "

Simplicius Teutsch
27. August 2019 15:42

Zum Beitrag von Martin Lichtmesz: Wie immer aufschlussreich, wichtig, treffend und eingängig geschrieben.

Ich weiß nicht, wie es anderen Foristen hier ergeht. Normalerweise scrolle ich die Kommentare durch, lese die meisten an, und wenn ich Zeit habe, lese ich, je nach dem, mehrere, alle oder wenige in Gänze.

Doch in letzter Zeit steige ich da aus. Ich will nicht unhöflich sein - sollte ich jetzt lieber gar nichts schreiben? - aber wenn ein einzelner Forist sich dermaßen ausbreitet und in ausufernde Selbstbetrachtung und Rechtfertigungen zerfließt … das interessiert mich nicht nur nicht.

Monika
27. August 2019 16:16

Sehr schöne Charakterisierung von Herrn Ruch.
Der Mann hat einen Duppen.
Ansonsten bin ich der Meinung, den Kommentarbereich zu schließen. Wo ist eigentlich der Bademeister ? Die Bademeisterin ist zu brav und lässt zuviele Krakeeler in die einst wunderschöne Badeanstalt, einschließlich Strandbar.
Meinen Martini kann ich auch zuhause reinzwitschern.
Ich bin eher nicht aufbrausend und schieße auch selten über das Ziel hinaus. Ich möchte treffen ! Ins Ziel !
Auch ich hatte einst Probleme, horizontal und vertikal richtig anzuwenden . Für solche Fälle konstruiere ich mir Eselsbrücken. Ich denke also an das sog. „Horizontale Gewerbe“, wo die Dame in der Waagerechten liegt. Kam ohne Martini auf diese Eselsbrücke. Völlig ernüchtert.
Ich hätte nie gedacht, dass ich maiordomus, cactatum non est pictum, den Gehenkten, den Westpreußen, Peter Niemann , u.a. und natürlich Raskolnikow im Strandbad vermissen würde. Man sieht sich.😜😜😜

Thomas Martini
27. August 2019 17:17

Die Moderation soll mich bitte bremsen, wenn es zuviel wird.

ML: Hiermit geschehen, und nun bitte Pause einlegen.

Nemo Obligatur
27. August 2019 17:24

Herr Ruch ist offensichtlich ein Provokateur, den der öffentliche Krakeel über seine Schamlosigkeit erregt. Darin gleicht er einem Exhibitionisten, im Polizeijargon "GVZ" (Gliedvorzeiger). Man sollte ihm daher nicht zuviel Aufmerksamkeit schenken. Dank des Interviews wird sein Buch vielleicht sogar in die Spiegel-Bestsellerliste kommen. Aber was von dieser Liste zu halten ist, wissen wir seit Finis Germania.

Laut Druckausgabe wird das ZPS von 2500 Unterstützern mit monatlich(!) 100 Euro gefördert. Außerdem unterstützen ihn oder das ZPS angeblich diverse Theater, die dort namentlich genannt werden. Zugleich wirft Herr Ruch dem zeitgenössischen Kulturbetrieb "Angst vor den Rechten" vor. Das ist absurd, denn es gibt wohl keine Institution des staatlich geförderten Kulturbetriebes, die nicht freudig jede Gelegenheit ergreift, sich mit Gratismut im "Kampf gegen Rechts" zu profilieren. An diesem Ort muss man das sicher nicht weiter ausführen. Man sollte aber die Finanzströme von den öffentlichen Theatern hin zum ZPS durchleuchten und Rechenschaft verlangen. Das ist eine Aufgabe für die entsprechenden Fraktionen der AfD, die nach meinem Verständnis u.a. zu diesem Zweck vom Stimmbürger in den Bundestag und die Parlamente des Bundesländer gewählt wurde.

Kunst und Kultur müssen frei blieben. Das gilt im Rahmen der üblichen Gesetze zum Schutz der Ehre und der Privatsphäre selbst für den ruchlosen Herrn Ruch. Private Förderer haben Anspruch auf Anonymität. Aber wer wen mit welchen staatlichen Mitteln, d.h. mit unseren Steuergeldern finanziert und fördert, das muss ans Licht.

zeitschnur
27. August 2019 18:09

@ Nemo Obligatur

Da sprechen Sie ein großes Wort gelassen aus:

"Kunst und Kultur müssen frei blieben. Das gilt im Rahmen der üblichen Gesetze zum Schutz der Ehre und der Privatsphäre selbst für den ruchlosen Herrn Ruch. Private Förderer haben Anspruch auf Anonymität. Aber wer wen mit welchen staatlichen Mitteln, d.h. mit unseren Steuergeldern finanziert und fördert, das muss ans Licht."

Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass das unmöglich geworden ist, denn Behörden greifen immer mehr ein, geben die Themen für stets an der Armutsgrenze herumschlitternde und damit erpressbare Künstler vor, wirken in jeden Künstler-Verein hinein, in dem sie ihm Fördergelder zukommen lassen (oder auch nicht!). Die verworrenen Personaluniones von privaten und öffentlichen Interessen sind ein einziger Filz. Wenn etwa in einer größeren Stadt das Kulturamt eines der Themen vorgibt für das nächste Festival, für das man auch aus der Landeshauptstadt und aus Berlin, wenn nicht sogar von der EU Fördergelder anwirbt, nachdem die üblichen Verdächtigen genau diese Thematik beschlossen haben... Und Sponsoren sind auch bei anscheinend "Unabhängigen" meist Banken, mittlere bis große Unternehmen, Kirchen oder parteinahe Institutionen oder Seilschaften. Nicht zu vergessen die ausgeschriebenen Wettbewerbe und Preise… Ist in der Kunst nicht anders als in der akademischen Forschung… Seit der Neubesetzung des Landesmuseums hier wird jede Ausstellung nach dem Motto „Reim dich oder ich fress dich“ politisch aufpoliert — ob Mykene oder die Etrusker: alles schon mal ein tolles Beispiel für Multikulti, und am Ende darf man seine Meinung zu einer einschlägigen Frage schreiben und an eine Magnetwand pinnen. Wenn die Antwort politisch unerwünscht ist, wird sie nach Schließung am Abend abgehängt, und es hängen nur die Akklamationen dort, als gäbe es eine einträchtig-intellektuelle Volksfront.

Da ist nichts frei!
Dieser absurde VPS ist derzeit (noch) perfekt. Fragt sich aber wie lange nach einem solchen Interview…

In den vergangenen Jahren wurde uns Freischaffenden verdächtig oft das Thema „Aufbrüche“, „Umbrüche“, „Heimat“ und „Future“ vorgegeben… Fragt sich bloß, welcher Aufbruch und wohin gemeint ist. Vielleicht auch der in die ganz andere Richtung, wie hier, ich glaube, @ Franz Bettinger (?) in einem anderen Thread schon gemutmaßt hat?

Nordlicht
27. August 2019 18:51

Herr Ruch hat das Ziel aller Künstler (= Menschen, die sich Künstler nennen) erreicht und ist berühmt. In Wikipedia widmet man ihm bewegende Ehrungen und vergisst auch nicht, auf die Todesgefahren hinzuweisen, derer er sich wg. seiner politisch-künstlerischen Engagements ausgesetzt ist.

So hat man seinen Namen in einer Datei des berüchtigten Terroristen und BW-Offizier Franco A. gefunden, die nichts anderes als eine "Todesliste" darstellen kann. Damit steht Herr Ruch in einer Reihe mit den Opfern und von Rechten Bedrohten der Welt, von Franco mit der Fatwa bedroht wie zB Rushdie.

Der Künstler hatte eine schwere Kindheit durchzustehen, beide Elternteile waren Psychologen. Sowas bleibt nicht ohne Folgen. Mich erinnert er - auch, was die Mundwinkel angeht-an den österr. Aktionskünstler Otto Mühl. Was dessen Verwendung von Blut und Innereien angeht, könnte sich Ruch noch erheblich steigern.

Dank an Martin Lichtmesz, der diese Perle der aktuellen Politkunstwelt gewürdigt hat. Nun kann Herr Ruch zurück in seine Meinungsblase.

Simplicius Teutsch
27. August 2019 19:47

Vielleicht ist es für den gewieften Philipp Ruch - „beide Eltern sind Psychologen“ (wiki) - ganz zeitgeistig banal nur ein niederträchtiges, aber funktionierendes Geschäftsmodell, wie ich es im Internet beschrieben gefunden habe:

„Letztendlich geht´s dem Ruch nicht um Höcke, auch nicht um den Holocaust ... Es geht um das Abzocken von Spenden und Fördergelder. Um schnöden Mammon. Sich ohne Arbeit die Taschen zu füllen. Ganz einfache Geschichte. Kunst jedenfalls geht anders.“

brueckenbauer
27. August 2019 20:14

Ist Ruch wirklich wichtig? Kann er irgendwas, was die Antifaschisten der Weimarer Republik nicht auch schon konnten?
Nach seiner eigenen Bewertung kann er rechte Anführer verunsichern - ist ihm das bei Höcke aber tatsächlich gelungen? Wäre ja eine interessanter und weiterführender Ansatz!
Gäbe es irgend etwas bei Ruch, was rechte Provokateure erfolgversprechend übernehmen könnten?
Meiner Einschätzung nach hat er selbst kein großes Vertrauen in seine Wirksamkeit - darum die manischen Forderungen nach "öffentlicher Ächtung" durch andere, sprich nach der Methode Ulbricht und Co.

qvc1753
27. August 2019 21:24

Mich lassen diese Sandkastenstreitereien stets ratlos zurück. Herrn Höcke sein eigenes Holocaust - Denkmal vors Haus zu bauen, das hatte zumindest insoweit Humor, als das sich alle herrlich aufregten.
Leider entlarvt man mit heiligem Ernst sehr wenig.
Eher legt man noch den Elfer auf den Punkt.
Das Herr Höcke fast wortgleich einen Satz aus dem Buch von Neil McGregor „Germany - Memories of a Nation“ verwendet hat fand ich in diesem Zusammenhang weitaus bedeutsamer. Denn letzterer hatte es vollkommen anders gemeint. Das „monument of it‘s shame“ ist in den Augen McGregors positiv zu werten. B. Höcke meinte es dezidiert nicht so.
An dieser Stelle einmal an zu setzen, das wäre sicherlich für die sog. Linke weitaus erfolgversprechender als mit dem Begriff Nazi hausieren zu gehen.

Kunst darf gerne und ausgiebig politisch kontrovers sein. Etwas das allgemeine Billigung findet, das ist mindestens langweilig, wenn nicht unbedeutend.
Ein bisschen mehr Witz und weniger heiliger Ernst wäre besser.

Nemo Obligatur
27. August 2019 22:15

Eine Korrektur: Laut Interview unterstützen 2500 Leute ("Komplizen") das ZPS mit 100 Euro jährlich (nicht monatlich). Ist natürlich ein gewaltiger Unterschied, lässt aber den Beitrag der öffentlichen Stellen umso bedeutsamer erscheinen lässt.

@zeitschnur
Vielen Dank für den interessanten Einblick. Man hört so etwas wirklich selten, außer es gibt gleich einen handfesten Skandal. In welchem Metier sind Sie denn freischaffend tätig?

zeitschnur
27. August 2019 23:07

@ Nemo Obligatur

Das ist alles gar kein "Skandal", sondern Alltag. Künstler sind angewiesen auf öffentliche Förderung - wenn ich Ihnen sage, dass das monatliche Durchschnittsbruttoeinkommen der Künstler, die über die KSK versichert sind, bei durchschnittlich 1000 € liegt, da aber auch die Extrem-Hochverdiener mit eingerechnet sind wie Doldinger und Co, dann wissen Sie alles. Und natürlich sind das nicht alles "Loser" und "Nieten", im Gegenteil - es war immer schon "brotlos", v.a. zu Lebzeiten.
Nichts ist für uns begehrter als die Aufmerksamkeit und Alimentierung durch die Behörden... wenigstens fließt da einigermaßen Geld.
Ich selbst bin als Musikerin und freie Autorin und Publizistin tätig.
Und es hat ja auch wieder Gutes - da veranstaltet Ihr Stadtteil einen "Kulturmarkt", eine Kleinstadt macht eine "Buchmesse" für Kleinstverleger und freie Autoren, die Stadt vergibt Räume für Pop-up-Buchläden oder Kulturzentren. Wie sollte man das alles ohne öffentliche Hilfe schaffen in dem System, das wir nun mal haben? Das Volk will leider nicht in Massen das Besondere, wirklich Künstlerische, sondern kauft und rezipiert wie in Trance Kitsch, niedriges Unterhaltungszeug und Trivialangebote. Von Ausnahmen abgesehen. Hinzukommt, dass kaum ein Künstler die Zeit hat, in dem Getriebe auch noch aufwendiges Marketing zu betreiben. Spielt man auf Tanzveranstaltungen simple Tanzmusik, verdient man ganz gut, ist aber total fertig von den Abenden, kommt nicht mehr zu wirklich vernünftigen musikalischen Arbeiten. Hält man sich für die anspruchsvolle Arbeit frei, kommt das Geld nicht rein, weil der Mitmensch nicht in ausreichender Anzahl denken noch "anstrengende" Dinge rezipieren will. Und das Theaterabo hat der Bürger auch nur deswegen, weil es gesponsert bezahlbar ist und außerdem gewissermaßen zum Outfit der Bildungsschicht gehört. Was da auf der Bühne abgeht, würde er sich sonst nicht freiwillig anhören wahrscheinlich.
Man hat natürlich seinen Fanclub, aber der reicht nie aus, um das Leben zu verdienen.
An den Hochschulen wird einem ein permaneter "Innovationsdruck" wie eine eisernen Faust in den Nacken gesetzt und wehe dem, der abweicht und gar "konservative" Kunst macht, die nicht "linksengagiert", auch nicht "dekonstruktivistisch" oder gar zu gegenständlich oder tonal ist... Hinzu kommt eine ausgeprägte gegenseitige Kontrolle der Künstler, Neid und Missgunst, gepaart mit Narzissmus und einem "unkonventionellen" (also: ehe- und oft kinderlosen) Lebensstil bei sehr vielen, der ebenfalls angreifbar macht.
Wenn man den Ruch vor diesem Hintergrund sieht, fällt mir jedenfalls einiges dazu ein. Der hat keinen Dachschaden, sondern er ist einfach geschäftstüchtig und würde jede verdammte Rolle spielen.

Leseempfehlung dazu: Ian McEvan "Honig".

Laurenz
28. August 2019 01:30

Ich denke, @Atz hat das Psychogramm von Ruch am deutlichsten ruchbar gemacht. Mir kommen Nationalsozialisten nur bei einer historischen Thematik in den Sinn, ansonsten fallen die mir nicht ein, und ich denke, das geht hier allen so. Von daher konnten die Spieglein-Interviewer doch noch froh sein, daß Ruch sie nicht mit "Ihr könnt mich Karl, Jesus oder Josef nennen", begrüßte.
Wer permanent Nazis im Kopfe hat, ist ihnen wohl am nächsten.

pasquill
28. August 2019 08:53

Nach so viel ruchvollem Hypermoralismus und Hyperhumanismus brauche ich gegen die Übelkeit erst mal eine kräftige Dosis misanthrop-antinatalistisches Gegengift von Schopenhauer, Benatar und Akerma. Es wird Zeit für eine pessimistische Philosophie des Lebensernstes, sagte schon Gehlen so weise zu dem alten Grantler Arthur aus Frankfurt.

Andreas Walter
28. August 2019 10:43

Bei Künstlern sollte man auch immer vorsichtig sein, ihnen nicht zu viel Freiraum zur Verfügung zu stellen, Narrenfreiheit einzuräumen.

https://www.markdotzler.com/Mark_Dotzler/WTC_Artists.html

zeitschnur
28. August 2019 11:45

@ Andreas Walter

Das ist ziemlich bösartig und verleumderisch... erst war es "der Islam", und nachdem das nun abgelutscht und widerlegt ist, sind es die "Künstler" gewesen... mein Güte, was denn noch!
Die notorische Verkennung von Ross und Reiter als Grundproblem der Postmoderne.
WEM sollte man endlich mal die "Narrenfreiheit" begrenzen und kann es nicht, weil hier ein Daueraufprall an der Finanzmacht jede Hilfe zur Selbsthilfe verhindert?!
Aber anyway: in gewissem Sinne sind die Bushs, Clintons oder Herr Epstein auch "Künstler"... jeder ist schließlich ein Künstler...
Die Frage der Vernunft lautet "Cui bono?"
Und: Kein Künstler hat als solcher etwas von 9-11 oder einem bunten Deutschland und all dem Schwachsinn, der medial durch die Gehirne gescheucht wird. Er hat nur was von Aufträgen und Geld, das er verdient, eventuell auch vom schnelllebigen Renommé.
Ansonsten: 1+1 = ?

Laurenz
28. August 2019 12:46

@Andreas Walter .... Künstler sind in der Regel am korruptesten, weil sie meist bereit sind, alles für die Selbstdarstellung zu tun. Alle diejenigen, die dazu nicht bereit sind, verhungern meist, zumindest virtuell. Entscheidend sind aber nicht die Künstler, sondern jene, die über die Kultur-Etats verfügen.

@pasquill .... wenn Sie Sich beim Lesen mal so richtig übergeben wollen, lesen Sie "American Psycho" von Bret Easton Ellis. Ich hatte mir immer einen Eimer direkt neben den Sessel gestellt. Der fiktive Protagonist Patrick Bateman ist quasi das apolitische Gegenstück zu Ruch, in den Krankheitssymptomen gleichen sie sich mutmaßlich.

Rob Salzig
28. August 2019 17:01

Der gesunde Menschenverstand, der sich in diesem Kreis überproportional zu tummeln scheint, sollte seinem Schöpfer auf Knien für die Existenz jenes Herrn Ruch samt seiner ruchlosen Ausfälle danken. Dieses exaltierte Menschenkind personifiziert nämlich mit jeder Facette seiner bizarren Artikulation die Unvernunft in Reinkultur und ist somit bestens geeignet der schweigenden Mehrheit, die (noch) die politischen Richtungsentscheidungen fällt, klar vor Augen zu führen, wie intolerant und radikal der linksgrüne Zeitgeist tatsächlich ist. Ein zahmer und seriöser Ruch würde uns indes nichts nutzen, weil er manch Unentschlossenen überzeugen könnte. Als abschreckendes Beispiel ist er jedoch Gold wert. Der Kunstbegriff ist übrigens seit Marcel Duchamp 1917 ein handelsübliches Urinal unter dem tosende Beifall der Fachwelt zum Kunstwerk erklärt hat vollkommen entwertet und taugt nur noch zum Eintreiben von Fördergeldern, was der umtriebige Herr Ruch zu beweisen vermag.

Fredy
28. August 2019 18:47

Kleinkunst als Nebenerwerb, warum nicht. Da sind die Mädels beschäftigt. Und die großen Künste dienen immer der Macht. Denn die Macht entscheidet, was angesagt und groß ist. Ehrliche, gute Künstler sind meist brotlose Künstler.

Aber Kunst ist auch die Ausflucht von Nichtskönnerm und Spinnern. Bei großer Kunst staunt immer auch der Laie, gleichwohl er es nicht versteht.

silberzunge
28. August 2019 20:08

Sehe das Problem nicht ganz. Natürlich charakterisiert und analysiert ML Ruch et al. richtig. Aber wen ängstigen die Figuren tatsächlich? Dass seine Aktion Auswirkungen auf Höcke gehabt habe? Gnadenlose Selbstüberschätzung.

Ruch schreit nach Konflikt. Ob ihm der bekommen würde?

links ist wo der daumen rechts ist
28. August 2019 21:11

„Falle, Falle!
Na, dös is ka Falle.“

Also nach der Lichtmeszschen Beschreibung des Ruchschen Konterfeis hätte ich eine Art Super-Charles-Aznavour (aber bitte ohne Gesangseinlagen) erwartet, aber nein, weit gefehlt. Denn soo bekümmert sieht er denn auch wieder nicht aus.
Mich hat er ein bißchen an die abgemagerte Version dieses bekannten Schauspielers erinnert:

https://www.crew-united.com/de/Heino-Ferch_6536.html

Und die nach unten gezogenen Mundwinkel, ach, was sollen wir Österreicher dazu sagen, haben wir doch eine ganze Ahnengalerie:

http://www.denkschatz.de/zitate/Johann-Nepomuk-Nestroy

https://www.chbeck.de/empfehlungen/specials/weitere-specials/heimito-von-doderer/

https://www.hanser-literaturverlage.de/autor/wendelin-schmidt-dengler/

https://www.nachrichten.at/kultur/Franz-Schuh-schreibt-ein-Buch-das-ein-Glueck-ist;art16,2508744

Bei mieselsüchtigen Physiognomien sind wir Ösis fast Weltmeister.
Und von denen, die ihre mühsam gebändigte cholerische Grundstimmung hinter seegrasartigen Bärten verbergen, spreche ich erst gar nicht:

https://www.indiewire.com/2017/12/michael-haneke-interview-happy-end-oscars-1201906826/

Aber auch bei der Beschreibung eines Fotos der Ruchschen Mitarbeiterin Nina van Bergen als „gruselig“ (Herr Lichtmesz, wo bleibt ihre Elmayersche Wohlerzogenheit!), muß ich Einspruch erheben. Die sieht doch fast wie Nora Tschirner mit etwas Ruß im Gesicht aus, und tatsächlich:

https://www.youtube.com/watch?v=Pb9trFiSpqM

Und abschließend zur etwas kindischen „Kriegsbemalung“?
Woran erinnert uns das?
Richtig:

https://www.buecher.de/shop/science-fiction/herr-der-fliegen/golding-william/products_products/detail/prod_id/10627547/

Also eine wildgewordene Kinderbande.
Und damit kommen wir der Sache schon näher.

Da mir die Ruchsche Biographie inkl. Antlitz bisher ein fast unbekannter Kontinent war, habe ich mich im Netz ein bißchen kundig gemacht und bin auf dieses Interview gestossen:

https://www.zeit.de/2019/16/philipp-ruch-zentrum-fuer-politische-schoenheit-kuenstlergruppe

Vorweg, ich halte die Fragen Ijoma Mangolds nicht für scheinheilig; natürlich ist er kein Sympathisant des neurechten Lagers, aber über weite Strecken agiert er schlicht und einfach fair.

Ruch erinnert – unabhängig davon, ob er bescheuert oder geschäftstüchtig ist - am ehesten an einen typischen Bürgerschreck, der Reaktionen provozieren will, um seine Gegner „zur Kenntlichkeit zu entstellen“. Die mühsam angelesene Theorie ist dabei Nebensache.
Und ein bißchen sind auch Sie in diese Falle getappt, Herr Lichtmesz.
Der Umweg über die Physiognomie mit dem Seitenhieb auf Elie Wiesel (über den es viel zu sagen gäbe...), aber v.a. dieser Aufrechnungsvorwurf (ja genau) der „100 Millionen Toten“: sorry, das zeigt das Abziehbild des verbitterten, humorlosen Rechten (der Sie natürlich nicht sind).
Aber verrannt ist verrannt.
Spätestens da wird sich auf dem Ruchschen Antlitz die Spur eines Lächelns angedeutet haben.

Eine zentrale Aussage im Interview scheint mir nun folgende zu sein:

ZEIT: Ist eigentlich immer klar, was das Gute ist?
Ruch: Das ist Björn Höckes Position. Gegenüber dem Wall Street Journal äußerte er, es gebe mit Blick auf Hitler nicht nur Gut und Böse. Höcke steht philosophisch geprägt tief in der Postmoderne.
ZEIT: Sie argumentieren schon wieder mit dem maximal Bösen, da muss man dann in der Tat verstummen, denn angesichts von Hitler gibt es keine Graustufen. Aber es muss doch einen Blick auf die Welt geben, in dem der moralische Graubereich gilt, in dem die meisten unserer moralischen Empfindungen schillernd und uneindeutig sind.
Ruch: Gewiss, bei der Rentenversicherung. Aber nicht beim Kampf um Menschenrechte. 

Und da Herr Ruch auch von der Mimikry an den Gegner spricht, schlußfolgere ich:
Dieser Ruchsche polit-ästhetische Mischmasch ist ein typisches Beispiel für postmoderne Beliebigkeit. Irgendwie Kunst, irgendwie Moral, irgendwie Politik. Auf Nachfragen am besten durch Ausweichtaktik innerhalb dieser drei Bereiche zu beantworten.
Einerseits. Andererseits zeigt ihn diese bewußte Ästhetisierung des Politischen auch in einem totalitär-faschistischen Fahrwasser.
Ambivalenzen darf es keine geben, klare Kante wird gezeigt. Moralischer Absolutismus.
Und daß sich die Egozentrik des guten Mannes sichtbar bis zu einem gewissen Grad von Autismus steigern bzw. er seine latente Hysterie kaum bändigen kann (Thymos-Spannung!), macht ihn durchaus zu einem Parteigänger seines stärksten Feindes.

My own private Führerbunker.

Also, Herr Lichtmesz, ein bißchen mehr (Selbst-)Ironie im Umgang mit dem Gegner, damit es nicht auch bei Ihnen irgendwann heißt:
Feindlage?
Grrrmmmpf.

Brettenbacher
28. August 2019 21:35

@Silberzunge
Lage: Ruch ist ein im Tiefsten bösartiger und dazu zureichend intelligenter Vernichter.
Es gilt auf der Hut zu sein.
Der rufende Lichtmeß ist es.

Laurenz
28. August 2019 22:28

@Rob Salzig .... das Verhalten Ruchs ist streng religiös, selbst ernannte Inquisition, nichts anderes. Ob Herr Rushdie jeden Tag gen Mekka uriniert oder wir Konservative als rechts, also konter-revolutionär definiert sind, ob EIKE wider den von Menschen gemachten Klimawandel propagiert, all dies ist Teil einer jeglichen Religion und gleicht im Ursprung dem definierten "Satan" (dem Widersacher gegen die Sache Jehovas), also ein etwa 2.400 Jahre altes Prinzip. Man kann das Bekenntnis des Remigio gar nicht oft genug sehen. https://youtu.be/1iFSTUnf8xQ (total 00:47) Ohne Satan ist Gott ein nichts. Denn nur Satan rechtfertigt die Existenz der Religion und damit die Gottes.

zeitschnur
28. August 2019 23:34

@ links ist wo der daumen rechts ist

O, da fällt mir noch ein mieselsüchtiger Ösi mit runterzognen Mundwinkeln ein, den Seegrasbart hat er ... a bisserl gmaht:

https://www.historyonthenet.com/adolph-hitler

Besonders interessant ist aber dieser ... Deitsche:

https://www.focus.de/gesundheit/experten/buergel/was-der-gesichtsausdruck-verraet-sagen-sie-mir-was-sie-denken-und-ich-sage-ihnen-wie-sie-sich-fuehlen_id_5189025.html

Wia manche sogn, is dös a Weiberl. Eh egal.

Der Ruch als Narrenspiegel. Passt.

Hartwig aus LG8
29. August 2019 07:41

@Rob Salzig

Ich sehe eigentlich um mich herum die Tendenz zur Radikalisierung. Der Bedarf an bis ins Mark unversöhnlichen Vorturnern steigt. Man schaue nur auf das, was Greta genannt wird.
Mir fällt es ohnehin immer schwerer, an eine Mehrheit mit gesundem Menschenverstand zu glauben. Eine Figur wie Ruch wird vielleicht keine große Anhängerschaft generieren, aber bürgerlichen Widerstand wird sie kaum zu befürchten haben. "Intoleranz und Radikalität des linksgrünen Zeitgeistes"??? Das überrascht niemanden mehr, stört die Mehrheit kaum noch; geschweige denn, das es schockiert.
Betrachten wir Ruch, Böhmermann, Restle als installierte Waffen in der Hand des Feindes, so sind sie durchaus gefährlich.

Seneca
29. August 2019 09:16

Typen wie Ruch muss man dankbar sein. Ohne ihn und zahllose andere wäre die Persönlichkeit von Höcke nicht so gereift. Jeder sollte sich einmal den ersten Fernsehauftritt von Höcke mit Deutschlandfähnchen ansehen und danach das MDR Sommerinterview. Höcke, aber auch viele andere, wird gestählt im täglichen politischen Gewitter. Es ist letztlich ein brutaler Prozess der Auslese und diesen durchschreiten nur AfD-Politiker. Dies macht etwas mit Menschen und kann nicht folgenlos bleiben. Es würde sich lohnen diesen Gedanken in der Sezession weiter herauszuarbeiten.

Lotta Vorbeck
29. August 2019 10:55

@Gustav Grambauer - 28. August 2019 - 09:57 PM

"... zu dem auch das Verbot des Feuers, sogar des physischen Feuers gehört, deshalb z. B. die Rauchverbote, die Betreibung der Abschaffung des Verbrennungsmotors usw. von dieser Seite her. ..."

***************************

Während der 1960er/1970er-Jahre-Kindheit einer der ultimativen Höhepunkte: das herbstliche "Kartoffelfeuer" im Garten.

Einst galt es als völlig normal, trockene Gartenabfälle an Ort & Stelle thermisch zu verwerten.

Feuer auf der örtlichen Müllkippe oder (durch das fahrlässige Einfüllen heißer Asche) brennende Mülltonnen kümmerten niemanden.

Nunmehr ist auch das Feuer im eigenen Garten genauestens bürokratisch reglementiert: https://mlul.brandenburg.de/info/holzfeuer

Im Zeitalter von Feinstaub, Kohlendioxid und Stickoxiden ist Feuer selbstredend "Bääääh" ... und "wachsamen Nachbarn" sei Dank, darf sich der passionierte Pyromane einstweilen noch am - garantiert feinstaubfreien - virtuellen Kaminfeuer ergötzen.

GuntherManz
29. August 2019 20:48

Was ist schon ein Ruch....

auch wenn es wie Verschwöhrungstheorie ausschaut, viele Fakten hat der Beitrag allemal. Und eine Ahnung von der Größe der Gegner :

https://swprs.org/die-propaganda-matrix/

ABC
29. August 2019 21:29

Mit Dr. Ruch hab ich ca. 2006 am Hausvogteiplatz in Berlin Mitte in einer Lehrveranstaltung des Instituts für Geschichtswissenschaften der Humboldt Universität gesessen. Es muss eine Veranstaltung zur pol. Ideengeschichte des 19./20. Jahrhunderts gewesen sein, wahrscheinlich vom Lehrstuhl Baberowski.
Dr. Ruch ist mir durch die Vorstellung des Werks von Allan Bloom "The Closing of the American Mind" erinnerlich. Er war von dem Buch tief beeindruckt. Leo Strauss und Schule waren zu der Zeit durchaus ein Thema in der Umgebung von Ruchs Doktorvater Herfried Münkler.
Dr. Ruch ist auf den Spuren Platons unterwegs nach Syrakus, natürlich entsprechend des Ratschlags seiner Reiseführer Leo Strauss und Allan Bloom inkognito. Die Verbindung einer Politischen Philosophie, die auf einer für den Philosophen erkennbaren Wahrheit als Grundlage der politische Gestaltung des Gemeinwesens besteht mit den kulturrelativistischen Antrieben und Zielsetzungen von Dr, Ruch & Co, ist meines Erachtens der Grund für die starken Irritationen, die der schöne Philipp allerorten auslöst.

Marc_Aurel
30. August 2019 10:35

Der_Juergen:
"...
Sie gerieren sich als waghalsige Drachentöter, die todesmutig gegen den allgegenwärtigen Faschismus und Rassismus auftreten, sind aber nichts weiter als Denunzianten der erbärmlichsten Sorte.
..."

Man sollte noch ergänzen: und haben dabei überhaupt nichts zu befürchten, da die geballte Macht von Politik und Medien hinter ihnen steht, während der von Ruch & Co. herbeihalluzinierte "Rechtsterrorismus" mit Todeslisten, abseits von Inszenierungen bzw. Falschzuschreibungen a la NSU, praktisch keine Bedeutung hat. Es wäre für einen sogenannten "Rechtsterroristen" auch ein ziemlich dämliches Ziel (weil seiner Sache zuwiderlaufend) jemanden wie Ruch zum Märtyrer zu machen, indem man ihn von seinen psychischen und physischen Leiden erlöst.

starhemberg
30. August 2019 14:29

Diese "ruchlose" Figur ist ein Geschenk für unsere Sache. Und der Spiegel-Lügel-Speichel gibt das Geschenkpapier.

links ist wo der daumen rechts ist
30. August 2019 20:31

@ Atz

Zitat:
Philipp Ruch ist ein ziemlich harter Anhänger von Carl Schmitt und nervte schon auf der Universität alle damit. Er hat ein Buch veröffentlicht voller faschistischer Ideologeme und die linke Supporteria ist größtenteils darauf reingefallen. Schon beim Begriff der "politischen Schönheit" sollte es klingeln.

@ ABC

Zitat:
Dr. Ruch ist mir durch die Vorstellung des Werks von Allan Bloom "The Closing of the American Mind" erinnerlich. Er war von dem Buch tief beeindruckt. Leo Strauss und Schule waren zu der Zeit durchaus ein Thema in der Umgebung von Ruchs Doktorvater Herfried Münkler.

Also wie jetzt?

Carl Schmitt UND Leo Strauss?
Wie ich gesagt habe, postmoderne Beliebigkeit (die er unironischerweise seinen Gegnern vorwirft).

Ruch bewegt sich wie eine Flipperkugel zwischen Ästhetik, Moral und Politik. Die Gereiztheit steigert sich, herauskommt linksfaschistischer Kitsch.
Wäre er bloß zynisch und nicht fanatisch, würde er – Begabung vorausgesetzt – halt wie ein Groys- oder Zizek-Epigone schreiben.
Und daß er den Schlingensief "vor 2003" zu seinen Vorbildern zählt, spricht doch eh Bände.

Weltversteher
30. August 2019 21:40

Mir fällt jetzt erstmals auf, daß hier anscheinend Kommentare verschwinden, die schon freigestellt waren und sogar von anderen aufgegriffen wurden - zum Glück mit Datensatz zitiert, so daß man die Lücke nachsehen kann.

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