Philipp Ruch kämpft um sein Wahrheitssystem

Der Spiegel gewährt Einblicke in den Kopf von Philipp Ruch, den Leiter des "Zentrums für politische Schönheit", das wir hier  bereits einmal würdigten.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Ein­stieg in das Inter­view ist die Neu­ig­keit, daß sich Ruch erst­mals ohne sei­ne Kriegs­be­ma­lung aus Ruß foto­gra­fie­ren ließ, nach des Spie­gels voll­mun­di­ger Ansa­ge die “Mas­ke des Akti­ons­künst­lers, der die Gren­ze zwi­schen Rea­li­tät und Fik­ti­on ins Wan­ken bringt.”

Der Unter­schied zwi­schen dem beruß­ten und unbe­ruß­ten Ruch-Ant­litz ist mini­mal. Das Mas­ken­haf­te ergibt sich weni­ger aus der Schwärzung des Gesichts als aus sei­ner selt­sam “ein­ge­ras­te­ten” Phy­sio­gno­mie. Man sieht Ruch stets mit dem­sel­ben, bei­nah ver­stei­ner­ten Gesichts­aus­druck, her­ab­hän­gen­den Mund­win­keln, zusam­men­ge­preß­ten, nach oben gewin­kel­ten Augen­brau­en, die ein Kum­mer­dach bil­den und sei­ne Stir­ne trau­rig-nach­denk­lich fur­chen. Das wirkt manch­mal auch wei­ner­lich oder gar ein wenig dümm­lich, als wäre er ein geprü­gel­ter Dackel. (Ob es sich bei sei­nen optisch gezielt ein­ge­setz­ten Augen­brau­en schon um ein “nar­ziß­ti­sches” Merk­mal han­delt, las­se ich mal dahingestellt).

Nie sieht man Ruch lachen oder auch nur lächeln. Er scheint frei von jeg­li­chem Humor, von jeg­li­cher Selbst­iro­nie zu sein. Wenn man dem bun­des­deut­schen Schuld­kult eine Büßer- oder Pas­si­ons­fi­gur schnit­zen woll­te, könn­te man sich ihn als Vor­bild neh­men. Blei­er­ne, tod­erns­te Melan­cho­lie glänzt matt aus sei­nen Augen, als wären sie erschüt­ter­te Zeu­gen sämt­li­cher Holo­caus­te und Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit, die wir Nor­mal­sterb­li­chen und sat­ten Bür­ger eben­so ver­drän­gen, wie wir sie zu ver­ant­wor­ten haben.

Ruch sieht an unse­rer Stel­le, lei­det an unse­rer Stel­le, mahnt an unse­rer Stel­le, streut sich Asche auf sein betrüb­tes Pro­phe­ten­haupt vol­ler Welt­schmerz, weil wir es nicht tun. Er will uns eben­so tief betrof­fen machen, wie er selbst tief betrof­fen ist, was ein Aus­weis sei­ner hohen Sen­si­bi­li­tät und tie­fen Huma­ni­tät ist. (Manch­mal fra­ge ich mich, ob er Bil­der von Elie Wie­sel und ähn­li­chen Prot­ago­nis­ten stu­diert hat, um die­sen Gesichts­aus­druck hinzubekommen.)

Ich kann nun in Herrn Ruch nicht hin­ein­bli­cken und nicht beur­tei­len, ob es ihm tat­säch­lich rund um die Uhr so schlecht geht oder er tat­säch­lich so trau­rig und betrof­fen über die huma­ni­tä­ren Desas­ter der Welt­ge­schich­te ist, wie sei­ne Stimm­la­ge, Augen­brau­en und Stirn­fal­ten ver­mut­lich zum Aus­druck brin­gen sol­len. Viel­leicht ver­stellt er sich auch nicht und hockt ernst­haft neu­ro­tisch ver­spon­nen in die­sem zum Dau­er­zu­stand gewor­de­nen Habitus.

Aber da er als “Akti­ons­künst­ler” von der Öffent­lich­keit lebt, liegt es auf der Hand, daß er danach trach­tet, daß man sei­ne her­ab­sin­ken­den  Mund­win­kel und Welt­schmerz­au­gen auch gut und deut­lich sehen, fil­men und foto­gra­fie­ren kann; daß er mit sei­ner Tra­gö­den­mas­ke eine Wir­kung nach außen erzie­len will, eine Pose ein­nimmt, eine Show insze­niert – natür­lich für eine ehr­li­che, gute, angeb­lich tief emp­fun­de­ne Sache.

Gleich­zei­tig wir­ken er und sei­ne Mit­strei­ter in ihren Auf­trit­ten nicht sel­ten ver­schro­ben, autis­tisch in sich gekehrt, dabei fana­tisch oder gar ast­rein psy­cho­pa­thisch. Man betrach­te nur die­ses extra-gru­se­li­ge Foto der ZPS-Mit­ar­bei­te­rin Nina van Ber­gen, auf dem sie Ruch qua­si gechan­nelt hat.

Da das ZPS mit einem groß­zü­gig erwei­ter­ten, maxi­mal­dif­fu­sen Kunst­be­griff ope­riert, kann es so gut wie jede Nie­der­tracht als “Kunst­frei­heit” recht­fer­ti­gen, jeden krea­ti­ven Umgang mit der Rea­li­tät und jeden links­to­ta­li­tä­ren Trieb­im­puls mit einem künst­le­ri­schen, phi­lo­so­phi­schen oder “huma­nis­ti­schen” Män­tel­chen kaschieren.

Der selbst­ge­rech­te Eifer, den Ruch in dem aktu­el­len Spie­gel-Inter­view zuta­ge legt, wirkt jeden­falls inzwi­schen so über­dreht und extrem, daß sich neben ihm selbst das lin­ke Hetz­blatt Nr. 1 der Repu­blik als Grals­hü­ter des offe­nen Dis­kur­ses, der fai­ren Debat­te und der demo­kra­ti­schen Beson­nen­heit insze­nie­ren kann, was natür­lich eine Heu­che­lei der Son­der­klas­se ist.

Ruch for­dert gegen­über Rech­ten expli­zit eine Null-Tole­ranz-Poli­tik. Die ein­zi­ge Ant­wort sei “Äch­tung und Tot­schwei­gen”. Soll­te mal ein Rech­ter Gele­gen­heit bekom­men, im Fern­se­hen den Mund auf­zu­ma­chen, “dann soll­te davor gut sicht­bar ein Hin­weis ein­ge­blen­det wer­den: Vor­sicht, jetzt kommt jemand, der bekannt ist für die Nor­ma­li­sie­rung rechts­ex­tre­mer Positionen.”

Hier darf dem Publi­kum also nicht der kleins­te Fun­ke von “Legi­ti­mi­tät” sug­ge­riert wer­den, son­dern es muß ihm ein­deu­tig klar­ge­macht wer­den, daß es frei nach Orwell “Cri­me­s­top” zu prak­ti­zie­ren und das womög­lich auf­kei­men­de Gedan­ken­ver­bre­chen gleich im Ansatz zu ersti­cken habe.

Nun war die Bericht­erstat­tung des Spie­gels über z.B. Björn Höcke bis­lang alles ande­re als freund­lich, aber immer­hin hat das Blatt ver­sucht, sei­ne Leser etwa per Direkt­in­ter­view halb­wegs dar­über zu infor­mie­ren, wofür die­ser Mann eigent­lich ein­tritt, wenn man ihn schon zum Buh­mann macht.

Schon das ist Ruch zuviel der Büh­ne für den bösen Rech­ten, was dem Inter­view­er immer­hin Gele­gen­heit zu ein paar schein­hei­li­gen State­ments gibt (immer­hin wird deut­lich gesagt, wen man in Ham­burg als “poli­ti­schen Geg­ner” betrachtet):

Ruch: Der SPIEGEL ver­sorgt ihn mit einem wich­ti­gen Roh­stoff: poli­ti­scher Legi­ti­mi­tät. Auch die AfD liest ja den SPIEGEL.

SPIEGEL: Aber wir wol­len doch wis­sen, was Höcke sagt und denkt.

Ruch: Warum?

SPIEGEL: Weil wir auch den poli­ti­schen Geg­ner ken­nen­ler­nen wol­len. Es gehört zum Wesen einer Demo­kra­tie, mit allen zu reden, um dem Publi­kum die Mög­lich­keit der Mei­nungs­bil­dung zu geben.

Ruch reprä­sen­tiert wie kein zwei­ter die poli­ti­sche Wahr­neh­mungs­spal­tung des “Ich seh etwas, was du nicht siehst.”

Apro­pos Chem­nitz rief er dazu auf, Teil­neh­mer der gegen Mer­kels Asyl­po­li­tik gerich­te­ten Demons­tra­tio­nen zu iden­ti­fi­zie­ren und an einen öffent­li­chen Pran­ger zu stel­len, unter ande­rem, sie bei ihren Arbeit­ge­bern zu denun­zie­ren. Das unter­schei­det sich in nichts von gän­gi­gen Antifa­prak­ti­ken – abge­se­hen von der Ali­bi-Behaup­tung, dies hät­te in irgend­ei­ner Wei­se etwas mit “Kunst” zu tun.

Die ent­schei­den­de Fra­ge ist, was in Chem­nitz tat­säch­lich pas­siert ist. Für Ruch scheint ein­deu­tig fest­zu­ste­hen, daß es dort “Hetz­jag­den” auf Aus­län­der gab, die Teil­neh­mer der Demos alle­samt “Neo­na­zis” oder “Rechts­ex­tre­mis­ten” waren, deren Sache kei­ner­lei nach­voll­zieh­ba­re Ursa­che oder Legi­ti­ma­ti­on habe, und ent­spre­chend müs­se man handeln.

Auf der im wei­tes­ten Sin­ne “rech­ten” Sei­te hin­ge­gen dreht sich die Cau­sa Chem­nitz um ein ver­zerr­tes Medi­en­nar­ra­tiv (der Spie­gel misch­te hem­mungs­los wie immer mit), um die Miß­ach­tung der Opfer der Asyl­po­li­tik,  (sie­he Kubit­schek hier, Licht­mesz hier) und die Ver­ach­tung der poli­ti­schen Eli­ten für die Anlie­gen gro­ßer Tei­le des Vol­kes (ins­be­son­de­re im Osten, den der Spie­gel eben­falls in der aktu­el­len Aus­ga­be erklä­ren will).

Ruch kämpft der­art ver­bis­sen für die Total­gül­tig­keit sei­nes offen­bar reich­lich “zwi­schen Rea­li­tät und Fik­ti­on” wan­ken­den “Wahr­heits­sys­tems” (wie es der sächi­sche Minis­ter­prä­si­dent Micha­el Kret­schmer for­mu­lier­te), daß er allen Erns­tes bereits eine San­dra Maisch­ber­ger bezich­tigt, “den Absturz des Huma­nis­mus” zu “orga­ni­sie­ren”.

In sei­nem neu­en Buch Schluss mit der Geduld, einer “Anlei­tung für kom­pro­miß­lo­se Demo­kra­ten” schreibt er:

Der Zusam­men­halt unse­rer Gesell­schaft wird durch Reichs­bür­ger, Pegi­dis­ten und Rechts­fa­schis­ten lan­ge nicht so bedroht wie durch eine Maisch­ber­ger-Sen­dung. Der “Völ­ki­sche Beob­ach­ter” ist zurück.

Das begrün­det er auf Nach­fra­ge des Spie­gels so:

Gucken Sie sich mal an, wie die­se Talk­shows ihre The­men ankün­di­gen: »Sozi­al­staat unter Druck: Kos­ten uns die Flücht­lin­ge zu viel?« Oder: »Angst vor Flücht­lin­gen: Ableh­nen, aus­gren­zen, abschieben?«

Es scheint für ihn irrele­vant zu sein, daß besag­te Shows die­se Fra­gen durch­weg im Sin­ne des poli­tisch-kor­rek­ten Kon­sens ein­bet­ten und beant­wor­ten, wäh­rend sie die Dis­si­den­ten und Quo­ten­rech­ten, die ab und zu auf­tre­ten dür­fen, in der Regel einer Über­zahl von Geg­nern zum Fraß vor­ge­wor­fen wer­den. Der Skan­dal besteht für Ruch schon allein dar­in, die­se Din­ge über­haupt zu the­ma­ti­sie­ren oder zu problematisieren.

Das geht über das Prin­zip “Ich seh etwas, was du nicht siehst” weit hin­aus. Es ist viel­mehr ein “Du darfst nicht sehen, was du siehst, du darfst nicht benen­nen, was du siehst, du darfst nicht kri­ti­sie­ren, was du siehst. Du darfst nur sehen, benen­nen und kri­ti­sie­ren, was ich sehe. Ansons­ten wirst du geäch­tet, ter­ro­ri­siert, denun­ziert, totgeschwiegen.”

Aber wenn Ruch das Fol­gen­de ernst meint und nicht bloß als auf­merk­sam­keits­ge­ne­rie­ren­de Pro­vo­ka­ti­on lan­ciert hat, dann fällt mir kei­ne ande­re Erklä­rung mehr als eine psych­ia­tri­sche Dia­gno­se ein:

Ist Ihnen ein­mal auf­ge­fal­len, dass Maisch­ber­ger immer für die Sei­te Par­tei ergreift, die wir dem geis­ti­gen Faschis­mus zuord­nen könn­ten? Haben Sie sie jemals für Huma­nis­mus ein­tre­ten hören? Wir sind viel zu tole­rant. So was dürf­te gar nicht gesen­det wer­den. Maisch­ber­ger spielt mit extre­men Posi­tio­nen. Sie fin­det, dass das den Dis­kurs belebt.

Ähn­li­ches könn­te man über den Hirn­film sagen, den Ruch für den Groß­teil des Inter­views an die Lein­wand wirft: Dem­nach befän­de sich die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land 2019 in exakt, wirk­lich exakt der­sel­ben Lage wie die Wei­ma­rer Repu­blik im Jahr 1932, was ihm nach inten­si­ver Lek­tü­re der “Welt­büh­ne” end­gül­tig klar­ge­wor­den sei. Sein Buch und sei­ne Akti­ons­kunst wol­len nicht weni­ger, als die unmit­tel­bar dräu­en­de Wie­der­kehr von 1933, des Drit­ten Reichs, in letz­ter Kon­se­quenz von Ausch­witz zu verhindern.

Wir müs­sen auf­hö­ren mit der innen­po­li­ti­schen Appease­ment­po­li­tik. Die Geduld gegen rechts ver­ur­sach­te einen ein­zi­gen Flä­chen­brand… Es wäre des­halb wich­tig, dass die Bun­des­re­gie­rung end­lich aner­kennt, dass wir einen staat­li­chen Auf­trag erfül­len. Der Staat soll­te unse­re Rech­nun­gen beglei­chen. … Es darf nie­mals zu einer Regie­rungs­be­tei­li­gung der AfD an einer Bun­des­re­gie­rung kom­men. Niemals.

Dabei fühlt sich Ruch selbst unmit­tel­bar an Leib und Leben bedroht. Ohne jeg­li­chen Beleg behaup­tet er:

Im Bun­des­tag arbei­ten Leu­te, die mich auf Todes­lis­ten gesetzt haben.

Da angeb­lich die äußers­te Gefahr droht, sind auch äußers­te Mit­tel gerecht­fer­tigt. Ruch schreckt in sei­nem Buch auch nicht vor Sät­zen wie die­sen zurück:

Der Kampf gegen den rech­ten Deutsch­land­hass ist ein Kampf um Sym­bo­le. Es reicht mit­un­ter, sich sei­nen Anfüh­rer zu schnap­pen und wie das Gnu vor den Augen sei­ner ent­setz­ten Kum­pa­ne zu zerfleischen.

Auf Nach­fra­ge des Inter­view­ers, was die­ser Satz bedeu­te, ant­wor­tet Ruch:

Ruch: Ich hal­te das für eine akku­ra­te Beschrei­bung des­sen, was wir mit dem Pos­ter­boy der Rech­ten, mit Björn Höcke, gemacht haben. Der hat sich davon bis heu­te nicht rich­tig erholt. Er ist ein­fach nicht mehr der Alte und ver­tut sich dauernd.

Das war also das Ziel die­ser “Kunst­ak­ti­on”: Einen Men­schen öffent­lich zu trau­ma­ti­sie­ren, zu ernied­ri­gen, zu bre­chen, und das alles mit gutem Gewis­sen, denn die­ser Mensch ist ja bloß ein “Nazi”, also kein voll­wer­ti­ger Mensch. Und der Initia­tor die­ser Akti­on träumt expres­sis ver­bis davon, die­se Art von Ter­ror offi­zi­ell im Diens­te des Staa­tes aus­üben zu dürfen.

Ich habe das im Novem­ber 2017 so kommentiert:

Ich bin alles ande­re als ein Freund his­to­ri­scher Auf­rech­nun­gen und über­trie­be­ner Unter­stel­lun­gen, aber in die­sem Fall haben sich Ruch & Co, die­ser nichts­wür­di­ge “Okto­ber­klub” unter den zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler­dar­stel­lern, die Gegen­keu­le red­lich ver­dient. Sie mögen ihre Nie­der­tracht, Aggres­si­on und häß­li­chen Ver­fol­gungs- und Erpres­sungs­ge­lüs­te hin­ter “Kunst”, “Wider­stand”, den “Leh­ren des Holo­caust”, “Mensch­lich­keit”, “mensch­li­cher Groß­ge­sinnt­heit”,  “Huma­nis­mus” usw. ver­ste­cken, soviel sie wol­len. All dies waren schon immer belieb­te Zuflüch­te von beson­ders aus­ge­such­ten Kanaillen.

Wer die Men­ta­li­tät ver­ste­hen will, die zur Ver­nich­tung von über hun­dert Mil­lio­nen Men­schen­le­ben geführt hat,  braucht sich nicht wei­ter umzu­se­hen als im orwel­lesk beti­tel­ten “Zen­trum für poli­ti­sche Schön­heit”. Das neh­me ich erst zurück, wenn Ruch und sei­ne “Kom­pli­zen” Björn Höcke und sei­ne Fami­lie auf Knien rut­schend um Ver­zei­hung für die­sen Ter­ror bit­ten. Anschlie­ßend dür­fen sie mei­net­we­gen ger­ne Urlaub als Ern­te­hel­fer in Nord­ko­rea machen, um aus der Geschich­te etwas zu lernen.

Die Selbst­in­sze­nie­rung des Inter­view­ers als ver­nünf­ti­ger Ruhe­pool gegen­über dem etwas über­spann­ten Ruch, ist wie gesagt trü­ge­risch und schein­hei­lig. Der Spie­gel arbei­tet Woche für Woche dar­an, die hys­te­ri­sche Angst vor der AfD als Wie­der­gän­ge­rin des Natio­nal­so­zia­lis­mus zu schü­ren. Die Ent­fer­nung zu Ruch beträgt im Grun­de nur Nuancen.

Ruch selbst ist wohl­ge­merkt alles ande­re als ein Außen­sei­ter oder Spin­ner, der nicht ernst­ge­nom­men wird. Er ist bes­tens mit der deut­schen Kunst‑, Kul­tur- und Medi­en­sze­ne ver­netzt und unter­schei­det sich in sei­nen Ansich­ten und sei­nem Selbst­bild kaum von ande­ren ein­fluß­rei­chen Main­stream-Figu­ren wie Georg Rest­le oder Jan Böh­mer­mann, die ein etwas weni­ger schrä­ges Image haben; er ist nur unver­hoh­le­ner, fana­ti­scher und direk­ter, was sei­ne tota­li­tä­ren Gelüs­te angeht.

Die Rest­les, Böh­mer­manns und Ruchs schei­nen nicht zu bemer­ken, daß sie mit ihrem ideo­lo­gie­be­to­nier­ten und selbst­ge­rech­ten Blind­flug viel nach­hal­ti­ger zur Eska­la­ti­on der poli­ti­schen Span­nun­gen bei­tra­gen, als irgend­ei­ne Rede von Höcke es jemals könn­te. Wenn jemand den poli­ti­schen “Flä­chen­brand” schürt, sind sie es selbst.

Wer im Bereich des Poli­ti­schen, in dem Ver­nunft, Vor­aus­sicht und Rea­lis­mus zäh­len soll­ten, nicht unter­schei­den kann, wo “die Gren­ze zwi­schen Rea­li­tät und Fik­ti­on” ver­läuft oder sie gar bewußt ver­schiebt (weil er ein “Künst­ler” ist, oder auf der “rich­ti­gen” Sei­te steht), spielt auf fahr­läs­sigs­te Wei­se mit dem Feu­er, egal wie mora­lisch oder hyper­mo­ra­lisch er den Kampf um die Unver­sehrt­heit sei­ner per­sön­li­chen “Wahr­heits­sys­te­me” hin­stel­len mag.

Was uns zu dem wohl ent­lar­vends­ten Teil die­ses Inter­views führt:

SPIEGEL: Es ist irri­tie­rend, dass Sie stets etwas freu­dig Erreg­tes im Gesicht haben, wenn Sie Ihre Sze­na­ri­en ent­wi­ckeln. Eine gewis­se Freu­de am Untergang.

Ruch: Mich inter­es­siert nur der Worst Case. Die Fra­ge ist: Ist er mög­lich? Ihren Bli­cken ent­neh­me ich: So ganz unplau­si­bel ist er nicht.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (39)

Der_Juergen

27. August 2019 10:28

Blendende Charakterisierung eines ganz besonders bigotten und widerlichen Fanatikers. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass Kreaturen wie Ruch ein (unvermeidliches) Produkt des in der BRD herrschenden Systems und seiner Ideologie sind. In einem Staat, wo Vaterlandsliebe als Verbrechen und Selbstbeschmutzung als Tugend gilt, werden derlei Gestalten automatisch aus den tiefsten und übelriechendsten Kloaken ganz nach oben gespült. Sie gerieren sich als waghalsige Drachentöter, die todesmutig gegen den allgegenwärtigen Faschismus und Rassismus auftreten, sind aber nichts weiter als Denunzianten der erbärmlichsten Sorte. Wer mit den Schakalen heult, der wird im heutigen Deutschland als "kritischer Denker" gefeiert.

Wir erleben die Umwertung der Werte, von der Nietzsche einst schrieb, in drastischer Form tagtäglich mit. Dazu gehört die Umdeutung der Begriffe. Als "kompromissloser Demokrat" gilt heute jemand, der zur Vernichtung gewaltloser Andersdenkender aufruft. Eine Partei wie die AFD, die direkte Demokratie in Form von Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild fordert, ist hingegen "antidemokratisch".

In Orwells Ozeanien wäre Ruch bestimmt ein heisser Anwärter auf den begehrten Posten des Chefs des Wahrheitsministeriums gewesen. In einem deutschen Deutschland würde er hingegen flugs in jenen Orkus zurückverfrachtet, dem er entstiegen ist.

zeitschnur

27. August 2019 11:31

"Politische Schönheit". Klingt so spießig wie irgendwie expressionistisch und surrealistisch zugleich, das Draculagewäsch des Ruch dazu als Oxymoron... "schwarze Milch der Frühe...", Schönheit des Untergangs, die Lust am Handwerk des Lügens und Zerstörens, solange man dafür bezahlt wird... vielleicht passt am ehesten "Der Nazi und der Friseur" von Hilsenrath zu diesem Zentrum. Oder der volkstümliche "Bock" und "Gärtner". Oder auch - in einem weiten Sinn - die ebenso fett gepfründete wie wirkungslose Künstlerszene am Hof des Papstes vor Hadrian VI. Oder sogar: die berühmte Blaskapelle auf der untergehenden Titanic.

Fehlt eigentlich nur noch eine postmoderne Leni Riefenstahl, die den Reality-Collagen-Film "Triumph des Wahnsinns" daraus dreht.

Thomas Martini

27. August 2019 12:51

"Ruch sieht an unserer Stelle, leidet an unserer Stelle, mahnt an unserer Stelle, streut sich Asche auf sein betrübtes Prophetenhaupt voller Weltschmerz, weil wir es nicht tun. Er will uns ebenso tief betroffen machen, wie er selbst tief betroffen ist, was ein Ausweis seiner hohen Sensibilität und tiefen Humanität ist. (Manchmal frage ich mich, ob er Bilder von Elie Wiesel und ähnlichen Protagonisten studiert hat, um diesen Gesichtsausdruck hinzubekommen.)" - Martin Lichtmesz

Vielleicht hat er auch Sternhell gelesen? Wen auch immer, gleich was er hörte und sah, ich rufe ins Gedächtnis:

"Da Information immer zu Wahr­nehmung führt und Wahrnehmung die Grundlage jedes Handelns ist, begründet Information letztendlich auch die soziale Realität. Ebenso den Wandel dieser." - Sylvain Timsit

Gleich ob Ruch ein Geschäftsfeld bedient, oder wahrhaftig zum Überbüßer geboren wurde, er ist wie alle Menschen ein Produkt seiner Umwelt. Man sollte Mitleid haben, was ebenso für weite Teile der "linken" Gegnerschaft gilt.

"Ruch fordert gegenüber Rechten explizit eine Null-Toleranz-Politik. Die einzige Antwort sei "Ächtung und Totschweigen". Sollte mal ein Rechter Gelegenheit bekommen, im Fernsehen den Mund aufzumachen, "dann sollte davor gut sichtbar ein Hinweis eingeblendet werden: Vorsicht, jetzt kommt jemand, der bekannt ist für die Normalisierung rechtsextremer Positionen."

Hier darf dem Publikum also nicht der kleinste Funke von "Legitimität" suggeriert werden, sondern es muß ihm eindeutig klargemacht werden, daß es frei nach Orwell "Crimestop" zu praktizieren und das womöglich aufkeimende Gedankenverbrechen gleich im Ansatz zu ersticken habe."

Gut. Wir haben diese Unterdrückung von Andersdenkenden indes in Deutschland seit 70 Jahren. Die Neue Rechte hat alles dafür getan, sich verbogen und geheuchelt, die Minenfelder umgangen, und die Kopfschußzone umlaufen, und erkennt dennoch alarmiert, wie sich die Schlinge um ihren Hals immer enger zuzieht.

Ist das unverdient, ungerecht? Das habe ich bei den Rechten gelernt: "Es gibt keine 'Gerechtigkeit'." Es erscheint mir, das muß ich leider sagen, auch nicht ungerecht. Eher wie "Justice poétique". Das war eine gute Idee, und sicher einen Versuch wert, die Vorposten des Systems auf Umwegen zu unterlaufen, immer in Deckung zu bleiben, um am Ende gleichberechtigter Teilhaber beim Konzert der Globalisten zu sein. Diesem zagahften, risikokalkulierten Ansatz folge ich von jeher nur widerwillig. Man will folgen, nicht lieber als das, aber wenn man selbst den Eindruck gewinnt, daß es in die falsche Richtung läuft? Wenn man zudem den Blick in des Nachbars Garten hat, wo die Familie Leclair schon tausendmal weiter in ihren Erkenntnissen und Widerstandsbemühungen ist?

Wohin hat die Anbiederung an die gültige Siegergeschichtsschreibung geführt? Es gibt heute, das weiß jeder, mehr "Nazis" als zur Zeit des Nationalsozialismus. Jeder, der dem System nicht in den Kram passt, ist potenziell verdächtig und die Journaille forscht einseitig in Richtung braunen Anknüpfpunkten. So geschehen bei einem Leitartikel über die "rechten Köpfe" in der Lokalzeitung meiner Region. Das von meinem Blog stammende Interview mit J. K. Poensgen, durchsuchte der Ressortchef der Zeitung wie ein "Anbräuner". "Oh, der ist aber faschistisch." Nein, bedaure, er ist ein Demokrat, lupenrein, und sieht seine Gegner eben in Menschen wie Kubitschek, Kositza, Lichtmesz und Sellner. In rechten Menschen, die letztlich alles nur "Nazis" sind, da sie ihre Gesinnung ja nicht mehr offen zur Schau tragen.

No way out! Ich hasse es, solche Nachrichten zu überbringen, aber es ist wohl - oder wer will widersprechen? - sagenswert.

Thomas Martini

27. August 2019 13:22

"Wir sind null Prozent Hipster." Das war die intelligente, viel Interpretationsspielraum lassende Antwort von Johannes Konstantin Poensgen, auf die Frage, ob es sich bei der IB um "Nazi-Hipster" handelt.

ML: Die Antwort hat was laibacheskes.

Stundenlang über diese Antwort philosophiert, die Aussage gewogen, eingeordnet, abgespeichert. "Hipster sind wir nicht, alles andere bleibt offen".

Nun, der eine philosophiert, wieder andere suchen nach braunen Flecken. So war diese Antwort für den Trierischen Volksfreund ein gefundenes Fressen - wer wissen will, wo mein Blog geblieben ist, da habt Ihr die Antwort! - um Johannes K. Poensgen in der Öffentlichkeit anzubräunen. So einen herausragenden, mit massig Intelligenz gesegneten jungen Mann, dessen einziges Verbrechen es ist, daß für und nicht gegen sein eigenes Volk wirken will.

So ist das halt. Let's rock, Baby. Heute Abend kommt noch "Promi-Big-Brother", oder nicht? Daß Nazis und Rechts gleich sind, war indes eine der ersten Lektionen, die ich gelernt habe. Kein vertun. Da schrieb ich noch Fantasy-Wrestling-Rollenspiele und flog als Forenmanager achtkant aus dem Forum, nur weil ich es wagte, Zitate aus "unseriösen" Quellen zu bringen. Irgendwas von Christoph Hörstel. "No Nazis!", bekam ich dafür sogleich eine in die Bewertungskommentare reingedrückt. Ich, der Wrestling-Fan, der mit HipHop und Michael Jackson aufwuchs, und sich bei Schindlers Liste im Kino als Teenager mit Pipi in den Augen in die Hose machte. Da komme ich her, und demgemäß war mir die vollzogene und ausgeführte Strategie und Taktik bei sezession.de von jeher suspekt.

Das heißt nicht, daß ich es besser weiß. Ich verstehe sie nur anders. Hoffentlich aber haben Sie recht, Frau Kositza und Herr Kubitschek. Hoffentlich haben Sie alles richtig gemacht, und müssen sich später keine Vorwürfe machen.

Gotlandfahrer

27. August 2019 13:29

Das Böse ist der Trainer des Guten. Evolutorischer Fortschritt durch Stresstest. Provokation dient der Hervorrufung. Der Mann erfüllt eine sinnvolle Rolle. Er ist widerlich, niederträchtig. Er ist ein Geschenk für uns.

Atz

27. August 2019 13:32

Philipp Ruch ist ein ziemlich harter Anhänger von Carl Schmitt und nervte schon auf der Universität alle damit. Er hat ein Buch veröffentlicht voller faschistischer Ideologeme und die linke Supporteria ist größtenteils darauf reingefallen. Schon beim Begriff der "politischen Schönheit" sollte es klingeln. Jetzt das zweite.

Im Gegensatz zu Restle, Böhmi usw. und versteckt er sich hinter der Kunst. Ruch hat es geschafft faschistisches Gedankengut zu rehabilitieren in der Maske der Antifa-Kunst. Da kannst Du von rechts aus nur den Kopf schütteln. Ruch ist retrorechtsintellektuell und arbeitet sich scheinheilig an Rechten ab.

Ob Ruch oder Bednarz, es gibt so manche Groupies, bei denen man weiss, dass Ihnen die Große Feigheit selbst im Weg steht. Je lauter jemand gegen "Schwuchteln" und "Homogestörte" brüllt, desto pathologischer seine unterdrückte Homosexualität. So ist es auch mit dem Rechtssein von Herrn Phlipp Ruch und seinem Versuch Ausschwitz im Vorgarten zu verhindern und so ironisch wie die alt-right das hihi einzubetten.

Waldgaenger aus Schwaben

27. August 2019 13:50

Auf Herrn Ruch treffen viele Aspekte einer klinisch-psychologischen Definition des Fanatismus' zu.

Ein wichtiges Grundlagenwerk zum Fanatismus verfasste von Prof. Dr. med Günter Hole

Günter Hole: Fanatismus – Der Drang zum Extrem und seine psychischen Wurzeln. Psychosozial-Verlag, 2004, ISBN 3-89806-293-7 (auch über Antaios bestellbar)

Ausführlich besprochen wird das Buch hier von Prof. Dr. med. Volker Faust:

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/faust1_fanatismus.pdf

'Nicht das Ausleben primär destruktiver (zerstörerischer) Impulse ist gemeint,
nicht Machtstreben, Gewaltlust, Sadismus, Rache und „Böses“ zählt, sondern
der Impuls zur extremen, also vollkommenen Verwirklichung ursprünglich positiv erlebter, hochgesteckter Ziele“, so Hole. '

Dieses Buch , oder wenigstens das obige pdf zu lesen, empfehle ich jedem, der politisch aktiv ist oder werden will. Und zwar nicht nur zu lesen als Steinbruch für Geschosse auf den Gegner, sondern auch stets selbstkritisch.

Die Besprechung enthält auch einen Hinweis auf eine Quelle des Fanatismus, die Entwurzelung, der Verlust der Identität:

"Ein weiterer Aspekt ist das, was man als „Entwurzelung“ bezeichnet, ein weltweites und offenbar zunehmendes Problem. Dabei sind noch nicht einmal die
großen Flüchtlingsströme gemeint, es reicht der entwurzelte persönliche Lebensgang, herausgerissen aus dem vertrauten sozialen und vor allem atmosphärischen Umfeld. Ob dann die wieder gefundene Geborgenheit und Anerkennung
in einer neuen Gruppe zur fanatischen Entgleisung führen kann, hängt von ganz
persönlichen Aspekten ab, ein begünstigender Faktor aber ist das allemal. "

Simplicius Teutsch

27. August 2019 15:42

Zum Beitrag von Martin Lichtmesz: Wie immer aufschlussreich, wichtig, treffend und eingängig geschrieben.

Ich weiß nicht, wie es anderen Foristen hier ergeht. Normalerweise scrolle ich die Kommentare durch, lese die meisten an, und wenn ich Zeit habe, lese ich, je nach dem, mehrere, alle oder wenige in Gänze.

Doch in letzter Zeit steige ich da aus. Ich will nicht unhöflich sein - sollte ich jetzt lieber gar nichts schreiben? - aber wenn ein einzelner Forist sich dermaßen ausbreitet und in ausufernde Selbstbetrachtung und Rechtfertigungen zerfließt … das interessiert mich nicht nur nicht.

Monika

27. August 2019 16:16

Sehr schöne Charakterisierung von Herrn Ruch.
Der Mann hat einen Duppen.
Ansonsten bin ich der Meinung, den Kommentarbereich zu schließen. Wo ist eigentlich der Bademeister ? Die Bademeisterin ist zu brav und lässt zuviele Krakeeler in die einst wunderschöne Badeanstalt, einschließlich Strandbar.
Meinen Martini kann ich auch zuhause reinzwitschern.
Ich bin eher nicht aufbrausend und schieße auch selten über das Ziel hinaus. Ich möchte treffen ! Ins Ziel !
Auch ich hatte einst Probleme, horizontal und vertikal richtig anzuwenden . Für solche Fälle konstruiere ich mir Eselsbrücken. Ich denke also an das sog. „Horizontale Gewerbe“, wo die Dame in der Waagerechten liegt. Kam ohne Martini auf diese Eselsbrücke. Völlig ernüchtert.
Ich hätte nie gedacht, dass ich maiordomus, cactatum non est pictum, den Gehenkten, den Westpreußen, Peter Niemann , u.a. und natürlich Raskolnikow im Strandbad vermissen würde. Man sieht sich.😜😜😜

Thomas Martini

27. August 2019 17:17

Die Moderation soll mich bitte bremsen, wenn es zuviel wird.

ML: Hiermit geschehen, und nun bitte Pause einlegen.

Nemo Obligatur

27. August 2019 17:24

Herr Ruch ist offensichtlich ein Provokateur, den der öffentliche Krakeel über seine Schamlosigkeit erregt. Darin gleicht er einem Exhibitionisten, im Polizeijargon "GVZ" (Gliedvorzeiger). Man sollte ihm daher nicht zuviel Aufmerksamkeit schenken. Dank des Interviews wird sein Buch vielleicht sogar in die Spiegel-Bestsellerliste kommen. Aber was von dieser Liste zu halten ist, wissen wir seit Finis Germania.

Laut Druckausgabe wird das ZPS von 2500 Unterstützern mit monatlich(!) 100 Euro gefördert. Außerdem unterstützen ihn oder das ZPS angeblich diverse Theater, die dort namentlich genannt werden. Zugleich wirft Herr Ruch dem zeitgenössischen Kulturbetrieb "Angst vor den Rechten" vor. Das ist absurd, denn es gibt wohl keine Institution des staatlich geförderten Kulturbetriebes, die nicht freudig jede Gelegenheit ergreift, sich mit Gratismut im "Kampf gegen Rechts" zu profilieren. An diesem Ort muss man das sicher nicht weiter ausführen. Man sollte aber die Finanzströme von den öffentlichen Theatern hin zum ZPS durchleuchten und Rechenschaft verlangen. Das ist eine Aufgabe für die entsprechenden Fraktionen der AfD, die nach meinem Verständnis u.a. zu diesem Zweck vom Stimmbürger in den Bundestag und die Parlamente des Bundesländer gewählt wurde.

Kunst und Kultur müssen frei blieben. Das gilt im Rahmen der üblichen Gesetze zum Schutz der Ehre und der Privatsphäre selbst für den ruchlosen Herrn Ruch. Private Förderer haben Anspruch auf Anonymität. Aber wer wen mit welchen staatlichen Mitteln, d.h. mit unseren Steuergeldern finanziert und fördert, das muss ans Licht.

zeitschnur

27. August 2019 18:09

@ Nemo Obligatur

Da sprechen Sie ein großes Wort gelassen aus:

"Kunst und Kultur müssen frei blieben. Das gilt im Rahmen der üblichen Gesetze zum Schutz der Ehre und der Privatsphäre selbst für den ruchlosen Herrn Ruch. Private Förderer haben Anspruch auf Anonymität. Aber wer wen mit welchen staatlichen Mitteln, d.h. mit unseren Steuergeldern finanziert und fördert, das muss ans Licht."

Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass das unmöglich geworden ist, denn Behörden greifen immer mehr ein, geben die Themen für stets an der Armutsgrenze herumschlitternde und damit erpressbare Künstler vor, wirken in jeden Künstler-Verein hinein, in dem sie ihm Fördergelder zukommen lassen (oder auch nicht!). Die verworrenen Personaluniones von privaten und öffentlichen Interessen sind ein einziger Filz. Wenn etwa in einer größeren Stadt das Kulturamt eines der Themen vorgibt für das nächste Festival, für das man auch aus der Landeshauptstadt und aus Berlin, wenn nicht sogar von der EU Fördergelder anwirbt, nachdem die üblichen Verdächtigen genau diese Thematik beschlossen haben... Und Sponsoren sind auch bei anscheinend "Unabhängigen" meist Banken, mittlere bis große Unternehmen, Kirchen oder parteinahe Institutionen oder Seilschaften. Nicht zu vergessen die ausgeschriebenen Wettbewerbe und Preise… Ist in der Kunst nicht anders als in der akademischen Forschung… Seit der Neubesetzung des Landesmuseums hier wird jede Ausstellung nach dem Motto „Reim dich oder ich fress dich“ politisch aufpoliert — ob Mykene oder die Etrusker: alles schon mal ein tolles Beispiel für Multikulti, und am Ende darf man seine Meinung zu einer einschlägigen Frage schreiben und an eine Magnetwand pinnen. Wenn die Antwort politisch unerwünscht ist, wird sie nach Schließung am Abend abgehängt, und es hängen nur die Akklamationen dort, als gäbe es eine einträchtig-intellektuelle Volksfront.

Da ist nichts frei!
Dieser absurde VPS ist derzeit (noch) perfekt. Fragt sich aber wie lange nach einem solchen Interview…

In den vergangenen Jahren wurde uns Freischaffenden verdächtig oft das Thema „Aufbrüche“, „Umbrüche“, „Heimat“ und „Future“ vorgegeben… Fragt sich bloß, welcher Aufbruch und wohin gemeint ist. Vielleicht auch der in die ganz andere Richtung, wie hier, ich glaube, @ Franz Bettinger (?) in einem anderen Thread schon gemutmaßt hat?

Nordlicht

27. August 2019 18:51

Herr Ruch hat das Ziel aller Künstler (= Menschen, die sich Künstler nennen) erreicht und ist berühmt. In Wikipedia widmet man ihm bewegende Ehrungen und vergisst auch nicht, auf die Todesgefahren hinzuweisen, derer er sich wg. seiner politisch-künstlerischen Engagements ausgesetzt ist.

So hat man seinen Namen in einer Datei des berüchtigten Terroristen und BW-Offizier Franco A. gefunden, die nichts anderes als eine "Todesliste" darstellen kann. Damit steht Herr Ruch in einer Reihe mit den Opfern und von Rechten Bedrohten der Welt, von Franco mit der Fatwa bedroht wie zB Rushdie.

Der Künstler hatte eine schwere Kindheit durchzustehen, beide Elternteile waren Psychologen. Sowas bleibt nicht ohne Folgen. Mich erinnert er - auch, was die Mundwinkel angeht-an den österr. Aktionskünstler Otto Mühl. Was dessen Verwendung von Blut und Innereien angeht, könnte sich Ruch noch erheblich steigern.

Dank an Martin Lichtmesz, der diese Perle der aktuellen Politkunstwelt gewürdigt hat. Nun kann Herr Ruch zurück in seine Meinungsblase.

Simplicius Teutsch

27. August 2019 19:47

Vielleicht ist es für den gewieften Philipp Ruch - „beide Eltern sind Psychologen“ (wiki) - ganz zeitgeistig banal nur ein niederträchtiges, aber funktionierendes Geschäftsmodell, wie ich es im Internet beschrieben gefunden habe:

„Letztendlich geht´s dem Ruch nicht um Höcke, auch nicht um den Holocaust ... Es geht um das Abzocken von Spenden und Fördergelder. Um schnöden Mammon. Sich ohne Arbeit die Taschen zu füllen. Ganz einfache Geschichte. Kunst jedenfalls geht anders.“

brueckenbauer

27. August 2019 20:14

Ist Ruch wirklich wichtig? Kann er irgendwas, was die Antifaschisten der Weimarer Republik nicht auch schon konnten?
Nach seiner eigenen Bewertung kann er rechte Anführer verunsichern - ist ihm das bei Höcke aber tatsächlich gelungen? Wäre ja eine interessanter und weiterführender Ansatz!
Gäbe es irgend etwas bei Ruch, was rechte Provokateure erfolgversprechend übernehmen könnten?
Meiner Einschätzung nach hat er selbst kein großes Vertrauen in seine Wirksamkeit - darum die manischen Forderungen nach "öffentlicher Ächtung" durch andere, sprich nach der Methode Ulbricht und Co.

qvc1753

27. August 2019 21:24

Mich lassen diese Sandkastenstreitereien stets ratlos zurück. Herrn Höcke sein eigenes Holocaust - Denkmal vors Haus zu bauen, das hatte zumindest insoweit Humor, als das sich alle herrlich aufregten.
Leider entlarvt man mit heiligem Ernst sehr wenig.
Eher legt man noch den Elfer auf den Punkt.
Das Herr Höcke fast wortgleich einen Satz aus dem Buch von Neil McGregor „Germany - Memories of a Nation“ verwendet hat fand ich in diesem Zusammenhang weitaus bedeutsamer. Denn letzterer hatte es vollkommen anders gemeint. Das „monument of it‘s shame“ ist in den Augen McGregors positiv zu werten. B. Höcke meinte es dezidiert nicht so.
An dieser Stelle einmal an zu setzen, das wäre sicherlich für die sog. Linke weitaus erfolgversprechender als mit dem Begriff Nazi hausieren zu gehen.

Kunst darf gerne und ausgiebig politisch kontrovers sein. Etwas das allgemeine Billigung findet, das ist mindestens langweilig, wenn nicht unbedeutend.
Ein bisschen mehr Witz und weniger heiliger Ernst wäre besser.

Nemo Obligatur

27. August 2019 22:15

Eine Korrektur: Laut Interview unterstützen 2500 Leute ("Komplizen") das ZPS mit 100 Euro jährlich (nicht monatlich). Ist natürlich ein gewaltiger Unterschied, lässt aber den Beitrag der öffentlichen Stellen umso bedeutsamer erscheinen lässt.

@zeitschnur
Vielen Dank für den interessanten Einblick. Man hört so etwas wirklich selten, außer es gibt gleich einen handfesten Skandal. In welchem Metier sind Sie denn freischaffend tätig?

zeitschnur

27. August 2019 23:07

@ Nemo Obligatur

Das ist alles gar kein "Skandal", sondern Alltag. Künstler sind angewiesen auf öffentliche Förderung - wenn ich Ihnen sage, dass das monatliche Durchschnittsbruttoeinkommen der Künstler, die über die KSK versichert sind, bei durchschnittlich 1000 € liegt, da aber auch die Extrem-Hochverdiener mit eingerechnet sind wie Doldinger und Co, dann wissen Sie alles. Und natürlich sind das nicht alles "Loser" und "Nieten", im Gegenteil - es war immer schon "brotlos", v.a. zu Lebzeiten.
Nichts ist für uns begehrter als die Aufmerksamkeit und Alimentierung durch die Behörden... wenigstens fließt da einigermaßen Geld.
Ich selbst bin als Musikerin und freie Autorin und Publizistin tätig.
Und es hat ja auch wieder Gutes - da veranstaltet Ihr Stadtteil einen "Kulturmarkt", eine Kleinstadt macht eine "Buchmesse" für Kleinstverleger und freie Autoren, die Stadt vergibt Räume für Pop-up-Buchläden oder Kulturzentren. Wie sollte man das alles ohne öffentliche Hilfe schaffen in dem System, das wir nun mal haben? Das Volk will leider nicht in Massen das Besondere, wirklich Künstlerische, sondern kauft und rezipiert wie in Trance Kitsch, niedriges Unterhaltungszeug und Trivialangebote. Von Ausnahmen abgesehen. Hinzukommt, dass kaum ein Künstler die Zeit hat, in dem Getriebe auch noch aufwendiges Marketing zu betreiben. Spielt man auf Tanzveranstaltungen simple Tanzmusik, verdient man ganz gut, ist aber total fertig von den Abenden, kommt nicht mehr zu wirklich vernünftigen musikalischen Arbeiten. Hält man sich für die anspruchsvolle Arbeit frei, kommt das Geld nicht rein, weil der Mitmensch nicht in ausreichender Anzahl denken noch "anstrengende" Dinge rezipieren will. Und das Theaterabo hat der Bürger auch nur deswegen, weil es gesponsert bezahlbar ist und außerdem gewissermaßen zum Outfit der Bildungsschicht gehört. Was da auf der Bühne abgeht, würde er sich sonst nicht freiwillig anhören wahrscheinlich.
Man hat natürlich seinen Fanclub, aber der reicht nie aus, um das Leben zu verdienen.
An den Hochschulen wird einem ein permaneter "Innovationsdruck" wie eine eisernen Faust in den Nacken gesetzt und wehe dem, der abweicht und gar "konservative" Kunst macht, die nicht "linksengagiert", auch nicht "dekonstruktivistisch" oder gar zu gegenständlich oder tonal ist... Hinzu kommt eine ausgeprägte gegenseitige Kontrolle der Künstler, Neid und Missgunst, gepaart mit Narzissmus und einem "unkonventionellen" (also: ehe- und oft kinderlosen) Lebensstil bei sehr vielen, der ebenfalls angreifbar macht.
Wenn man den Ruch vor diesem Hintergrund sieht, fällt mir jedenfalls einiges dazu ein. Der hat keinen Dachschaden, sondern er ist einfach geschäftstüchtig und würde jede verdammte Rolle spielen.

Leseempfehlung dazu: Ian McEvan "Honig".

Laurenz

28. August 2019 01:30

Ich denke, @Atz hat das Psychogramm von Ruch am deutlichsten ruchbar gemacht. Mir kommen Nationalsozialisten nur bei einer historischen Thematik in den Sinn, ansonsten fallen die mir nicht ein, und ich denke, das geht hier allen so. Von daher konnten die Spieglein-Interviewer doch noch froh sein, daß Ruch sie nicht mit "Ihr könnt mich Karl, Jesus oder Josef nennen", begrüßte.
Wer permanent Nazis im Kopfe hat, ist ihnen wohl am nächsten.

pasquill

28. August 2019 08:53

Nach so viel ruchvollem Hypermoralismus und Hyperhumanismus brauche ich gegen die Übelkeit erst mal eine kräftige Dosis misanthrop-antinatalistisches Gegengift von Schopenhauer, Benatar und Akerma. Es wird Zeit für eine pessimistische Philosophie des Lebensernstes, sagte schon Gehlen so weise zu dem alten Grantler Arthur aus Frankfurt.

Andreas Walter

28. August 2019 10:43

Bei Künstlern sollte man auch immer vorsichtig sein, ihnen nicht zu viel Freiraum zur Verfügung zu stellen, Narrenfreiheit einzuräumen.

https://www.markdotzler.com/Mark_Dotzler/WTC_Artists.html

zeitschnur

28. August 2019 11:45

@ Andreas Walter

Das ist ziemlich bösartig und verleumderisch... erst war es "der Islam", und nachdem das nun abgelutscht und widerlegt ist, sind es die "Künstler" gewesen... mein Güte, was denn noch!
Die notorische Verkennung von Ross und Reiter als Grundproblem der Postmoderne.
WEM sollte man endlich mal die "Narrenfreiheit" begrenzen und kann es nicht, weil hier ein Daueraufprall an der Finanzmacht jede Hilfe zur Selbsthilfe verhindert?!
Aber anyway: in gewissem Sinne sind die Bushs, Clintons oder Herr Epstein auch "Künstler"... jeder ist schließlich ein Künstler...
Die Frage der Vernunft lautet "Cui bono?"
Und: Kein Künstler hat als solcher etwas von 9-11 oder einem bunten Deutschland und all dem Schwachsinn, der medial durch die Gehirne gescheucht wird. Er hat nur was von Aufträgen und Geld, das er verdient, eventuell auch vom schnelllebigen Renommé.
Ansonsten: 1+1 = ?

Laurenz

28. August 2019 12:46

@Andreas Walter .... Künstler sind in der Regel am korruptesten, weil sie meist bereit sind, alles für die Selbstdarstellung zu tun. Alle diejenigen, die dazu nicht bereit sind, verhungern meist, zumindest virtuell. Entscheidend sind aber nicht die Künstler, sondern jene, die über die Kultur-Etats verfügen.

@pasquill .... wenn Sie Sich beim Lesen mal so richtig übergeben wollen, lesen Sie "American Psycho" von Bret Easton Ellis. Ich hatte mir immer einen Eimer direkt neben den Sessel gestellt. Der fiktive Protagonist Patrick Bateman ist quasi das apolitische Gegenstück zu Ruch, in den Krankheitssymptomen gleichen sie sich mutmaßlich.

Rob Salzig

28. August 2019 17:01

Der gesunde Menschenverstand, der sich in diesem Kreis überproportional zu tummeln scheint, sollte seinem Schöpfer auf Knien für die Existenz jenes Herrn Ruch samt seiner ruchlosen Ausfälle danken. Dieses exaltierte Menschenkind personifiziert nämlich mit jeder Facette seiner bizarren Artikulation die Unvernunft in Reinkultur und ist somit bestens geeignet der schweigenden Mehrheit, die (noch) die politischen Richtungsentscheidungen fällt, klar vor Augen zu führen, wie intolerant und radikal der linksgrüne Zeitgeist tatsächlich ist. Ein zahmer und seriöser Ruch würde uns indes nichts nutzen, weil er manch Unentschlossenen überzeugen könnte. Als abschreckendes Beispiel ist er jedoch Gold wert. Der Kunstbegriff ist übrigens seit Marcel Duchamp 1917 ein handelsübliches Urinal unter dem tosende Beifall der Fachwelt zum Kunstwerk erklärt hat vollkommen entwertet und taugt nur noch zum Eintreiben von Fördergeldern, was der umtriebige Herr Ruch zu beweisen vermag.

Fredy

28. August 2019 18:47

Kleinkunst als Nebenerwerb, warum nicht. Da sind die Mädels beschäftigt. Und die großen Künste dienen immer der Macht. Denn die Macht entscheidet, was angesagt und groß ist. Ehrliche, gute Künstler sind meist brotlose Künstler.

Aber Kunst ist auch die Ausflucht von Nichtskönnerm und Spinnern. Bei großer Kunst staunt immer auch der Laie, gleichwohl er es nicht versteht.

silberzunge

28. August 2019 20:08

Sehe das Problem nicht ganz. Natürlich charakterisiert und analysiert ML Ruch et al. richtig. Aber wen ängstigen die Figuren tatsächlich? Dass seine Aktion Auswirkungen auf Höcke gehabt habe? Gnadenlose Selbstüberschätzung.

Ruch schreit nach Konflikt. Ob ihm der bekommen würde?

links ist wo der daumen rechts ist

28. August 2019 21:11

„Falle, Falle!
Na, dös is ka Falle.“

Also nach der Lichtmeszschen Beschreibung des Ruchschen Konterfeis hätte ich eine Art Super-Charles-Aznavour (aber bitte ohne Gesangseinlagen) erwartet, aber nein, weit gefehlt. Denn soo bekümmert sieht er denn auch wieder nicht aus.
Mich hat er ein bißchen an die abgemagerte Version dieses bekannten Schauspielers erinnert:

https://www.crew-united.com/de/Heino-Ferch_6536.html

Und die nach unten gezogenen Mundwinkel, ach, was sollen wir Österreicher dazu sagen, haben wir doch eine ganze Ahnengalerie:

http://www.denkschatz.de/zitate/Johann-Nepomuk-Nestroy

https://www.chbeck.de/empfehlungen/specials/weitere-specials/heimito-von-doderer/

https://www.hanser-literaturverlage.de/autor/wendelin-schmidt-dengler/

https://www.nachrichten.at/kultur/Franz-Schuh-schreibt-ein-Buch-das-ein-Glueck-ist;art16,2508744

Bei mieselsüchtigen Physiognomien sind wir Ösis fast Weltmeister.
Und von denen, die ihre mühsam gebändigte cholerische Grundstimmung hinter seegrasartigen Bärten verbergen, spreche ich erst gar nicht:

https://www.indiewire.com/2017/12/michael-haneke-interview-happy-end-oscars-1201906826/

Aber auch bei der Beschreibung eines Fotos der Ruchschen Mitarbeiterin Nina van Bergen als „gruselig“ (Herr Lichtmesz, wo bleibt ihre Elmayersche Wohlerzogenheit!), muß ich Einspruch erheben. Die sieht doch fast wie Nora Tschirner mit etwas Ruß im Gesicht aus, und tatsächlich:

https://www.youtube.com/watch?v=Pb9trFiSpqM

Und abschließend zur etwas kindischen „Kriegsbemalung“?
Woran erinnert uns das?
Richtig:

https://www.buecher.de/shop/science-fiction/herr-der-fliegen/golding-william/products_products/detail/prod_id/10627547/

Also eine wildgewordene Kinderbande.
Und damit kommen wir der Sache schon näher.

Da mir die Ruchsche Biographie inkl. Antlitz bisher ein fast unbekannter Kontinent war, habe ich mich im Netz ein bißchen kundig gemacht und bin auf dieses Interview gestossen:

https://www.zeit.de/2019/16/philipp-ruch-zentrum-fuer-politische-schoenheit-kuenstlergruppe

Vorweg, ich halte die Fragen Ijoma Mangolds nicht für scheinheilig; natürlich ist er kein Sympathisant des neurechten Lagers, aber über weite Strecken agiert er schlicht und einfach fair.

Ruch erinnert – unabhängig davon, ob er bescheuert oder geschäftstüchtig ist - am ehesten an einen typischen Bürgerschreck, der Reaktionen provozieren will, um seine Gegner „zur Kenntlichkeit zu entstellen“. Die mühsam angelesene Theorie ist dabei Nebensache.
Und ein bißchen sind auch Sie in diese Falle getappt, Herr Lichtmesz.
Der Umweg über die Physiognomie mit dem Seitenhieb auf Elie Wiesel (über den es viel zu sagen gäbe...), aber v.a. dieser Aufrechnungsvorwurf (ja genau) der „100 Millionen Toten“: sorry, das zeigt das Abziehbild des verbitterten, humorlosen Rechten (der Sie natürlich nicht sind).
Aber verrannt ist verrannt.
Spätestens da wird sich auf dem Ruchschen Antlitz die Spur eines Lächelns angedeutet haben.

Eine zentrale Aussage im Interview scheint mir nun folgende zu sein:

ZEIT: Ist eigentlich immer klar, was das Gute ist?
Ruch: Das ist Björn Höckes Position. Gegenüber dem Wall Street Journal äußerte er, es gebe mit Blick auf Hitler nicht nur Gut und Böse. Höcke steht philosophisch geprägt tief in der Postmoderne.
ZEIT: Sie argumentieren schon wieder mit dem maximal Bösen, da muss man dann in der Tat verstummen, denn angesichts von Hitler gibt es keine Graustufen. Aber es muss doch einen Blick auf die Welt geben, in dem der moralische Graubereich gilt, in dem die meisten unserer moralischen Empfindungen schillernd und uneindeutig sind.
Ruch: Gewiss, bei der Rentenversicherung. Aber nicht beim Kampf um Menschenrechte. 

Und da Herr Ruch auch von der Mimikry an den Gegner spricht, schlußfolgere ich:
Dieser Ruchsche polit-ästhetische Mischmasch ist ein typisches Beispiel für postmoderne Beliebigkeit. Irgendwie Kunst, irgendwie Moral, irgendwie Politik. Auf Nachfragen am besten durch Ausweichtaktik innerhalb dieser drei Bereiche zu beantworten.
Einerseits. Andererseits zeigt ihn diese bewußte Ästhetisierung des Politischen auch in einem totalitär-faschistischen Fahrwasser.
Ambivalenzen darf es keine geben, klare Kante wird gezeigt. Moralischer Absolutismus.
Und daß sich die Egozentrik des guten Mannes sichtbar bis zu einem gewissen Grad von Autismus steigern bzw. er seine latente Hysterie kaum bändigen kann (Thymos-Spannung!), macht ihn durchaus zu einem Parteigänger seines stärksten Feindes.

My own private Führerbunker.

Also, Herr Lichtmesz, ein bißchen mehr (Selbst-)Ironie im Umgang mit dem Gegner, damit es nicht auch bei Ihnen irgendwann heißt:
Feindlage?
Grrrmmmpf.

Brettenbacher

28. August 2019 21:35

@Silberzunge
Lage: Ruch ist ein im Tiefsten bösartiger und dazu zureichend intelligenter Vernichter.
Es gilt auf der Hut zu sein.
Der rufende Lichtmeß ist es.

Laurenz

28. August 2019 22:28

@Rob Salzig .... das Verhalten Ruchs ist streng religiös, selbst ernannte Inquisition, nichts anderes. Ob Herr Rushdie jeden Tag gen Mekka uriniert oder wir Konservative als rechts, also konter-revolutionär definiert sind, ob EIKE wider den von Menschen gemachten Klimawandel propagiert, all dies ist Teil einer jeglichen Religion und gleicht im Ursprung dem definierten "Satan" (dem Widersacher gegen die Sache Jehovas), also ein etwa 2.400 Jahre altes Prinzip. Man kann das Bekenntnis des Remigio gar nicht oft genug sehen. https://youtu.be/1iFSTUnf8xQ (total 00:47) Ohne Satan ist Gott ein nichts. Denn nur Satan rechtfertigt die Existenz der Religion und damit die Gottes.

zeitschnur

28. August 2019 23:34

@ links ist wo der daumen rechts ist

O, da fällt mir noch ein mieselsüchtiger Ösi mit runterzognen Mundwinkeln ein, den Seegrasbart hat er ... a bisserl gmaht:

https://www.historyonthenet.com/adolph-hitler

Besonders interessant ist aber dieser ... Deitsche:

https://www.focus.de/gesundheit/experten/buergel/was-der-gesichtsausdruck-verraet-sagen-sie-mir-was-sie-denken-und-ich-sage-ihnen-wie-sie-sich-fuehlen_id_5189025.html

Wia manche sogn, is dös a Weiberl. Eh egal.

Der Ruch als Narrenspiegel. Passt.

Hartwig aus LG8

29. August 2019 07:41

@Rob Salzig

Ich sehe eigentlich um mich herum die Tendenz zur Radikalisierung. Der Bedarf an bis ins Mark unversöhnlichen Vorturnern steigt. Man schaue nur auf das, was Greta genannt wird.
Mir fällt es ohnehin immer schwerer, an eine Mehrheit mit gesundem Menschenverstand zu glauben. Eine Figur wie Ruch wird vielleicht keine große Anhängerschaft generieren, aber bürgerlichen Widerstand wird sie kaum zu befürchten haben. "Intoleranz und Radikalität des linksgrünen Zeitgeistes"??? Das überrascht niemanden mehr, stört die Mehrheit kaum noch; geschweige denn, das es schockiert.
Betrachten wir Ruch, Böhmermann, Restle als installierte Waffen in der Hand des Feindes, so sind sie durchaus gefährlich.

Seneca

29. August 2019 09:16

Typen wie Ruch muss man dankbar sein. Ohne ihn und zahllose andere wäre die Persönlichkeit von Höcke nicht so gereift. Jeder sollte sich einmal den ersten Fernsehauftritt von Höcke mit Deutschlandfähnchen ansehen und danach das MDR Sommerinterview. Höcke, aber auch viele andere, wird gestählt im täglichen politischen Gewitter. Es ist letztlich ein brutaler Prozess der Auslese und diesen durchschreiten nur AfD-Politiker. Dies macht etwas mit Menschen und kann nicht folgenlos bleiben. Es würde sich lohnen diesen Gedanken in der Sezession weiter herauszuarbeiten.

Lotta Vorbeck

29. August 2019 10:55

@Gustav Grambauer - 28. August 2019 - 09:57 PM

"... zu dem auch das Verbot des Feuers, sogar des physischen Feuers gehört, deshalb z. B. die Rauchverbote, die Betreibung der Abschaffung des Verbrennungsmotors usw. von dieser Seite her. ..."

***************************

Während der 1960er/1970er-Jahre-Kindheit einer der ultimativen Höhepunkte: das herbstliche "Kartoffelfeuer" im Garten.

Einst galt es als völlig normal, trockene Gartenabfälle an Ort & Stelle thermisch zu verwerten.

Feuer auf der örtlichen Müllkippe oder (durch das fahrlässige Einfüllen heißer Asche) brennende Mülltonnen kümmerten niemanden.

Nunmehr ist auch das Feuer im eigenen Garten genauestens bürokratisch reglementiert: https://mlul.brandenburg.de/info/holzfeuer

Im Zeitalter von Feinstaub, Kohlendioxid und Stickoxiden ist Feuer selbstredend "Bääääh" ... und "wachsamen Nachbarn" sei Dank, darf sich der passionierte Pyromane einstweilen noch am - garantiert feinstaubfreien - virtuellen Kaminfeuer ergötzen.

GuntherManz

29. August 2019 20:48

Was ist schon ein Ruch....

auch wenn es wie Verschwöhrungstheorie ausschaut, viele Fakten hat der Beitrag allemal. Und eine Ahnung von der Größe der Gegner :

https://swprs.org/die-propaganda-matrix/

ABC

29. August 2019 21:29

Mit Dr. Ruch hab ich ca. 2006 am Hausvogteiplatz in Berlin Mitte in einer Lehrveranstaltung des Instituts für Geschichtswissenschaften der Humboldt Universität gesessen. Es muss eine Veranstaltung zur pol. Ideengeschichte des 19./20. Jahrhunderts gewesen sein, wahrscheinlich vom Lehrstuhl Baberowski.
Dr. Ruch ist mir durch die Vorstellung des Werks von Allan Bloom "The Closing of the American Mind" erinnerlich. Er war von dem Buch tief beeindruckt. Leo Strauss und Schule waren zu der Zeit durchaus ein Thema in der Umgebung von Ruchs Doktorvater Herfried Münkler.
Dr. Ruch ist auf den Spuren Platons unterwegs nach Syrakus, natürlich entsprechend des Ratschlags seiner Reiseführer Leo Strauss und Allan Bloom inkognito. Die Verbindung einer Politischen Philosophie, die auf einer für den Philosophen erkennbaren Wahrheit als Grundlage der politische Gestaltung des Gemeinwesens besteht mit den kulturrelativistischen Antrieben und Zielsetzungen von Dr, Ruch & Co, ist meines Erachtens der Grund für die starken Irritationen, die der schöne Philipp allerorten auslöst.

Marc_Aurel

30. August 2019 10:35

Der_Juergen:
"...
Sie gerieren sich als waghalsige Drachentöter, die todesmutig gegen den allgegenwärtigen Faschismus und Rassismus auftreten, sind aber nichts weiter als Denunzianten der erbärmlichsten Sorte.
..."

Man sollte noch ergänzen: und haben dabei überhaupt nichts zu befürchten, da die geballte Macht von Politik und Medien hinter ihnen steht, während der von Ruch & Co. herbeihalluzinierte "Rechtsterrorismus" mit Todeslisten, abseits von Inszenierungen bzw. Falschzuschreibungen a la NSU, praktisch keine Bedeutung hat. Es wäre für einen sogenannten "Rechtsterroristen" auch ein ziemlich dämliches Ziel (weil seiner Sache zuwiderlaufend) jemanden wie Ruch zum Märtyrer zu machen, indem man ihn von seinen psychischen und physischen Leiden erlöst.

starhemberg

30. August 2019 14:29

Diese "ruchlose" Figur ist ein Geschenk für unsere Sache. Und der Spiegel-Lügel-Speichel gibt das Geschenkpapier.

links ist wo der daumen rechts ist

30. August 2019 20:31

@ Atz

Zitat:
Philipp Ruch ist ein ziemlich harter Anhänger von Carl Schmitt und nervte schon auf der Universität alle damit. Er hat ein Buch veröffentlicht voller faschistischer Ideologeme und die linke Supporteria ist größtenteils darauf reingefallen. Schon beim Begriff der "politischen Schönheit" sollte es klingeln.

@ ABC

Zitat:
Dr. Ruch ist mir durch die Vorstellung des Werks von Allan Bloom "The Closing of the American Mind" erinnerlich. Er war von dem Buch tief beeindruckt. Leo Strauss und Schule waren zu der Zeit durchaus ein Thema in der Umgebung von Ruchs Doktorvater Herfried Münkler.

Also wie jetzt?

Carl Schmitt UND Leo Strauss?
Wie ich gesagt habe, postmoderne Beliebigkeit (die er unironischerweise seinen Gegnern vorwirft).

Ruch bewegt sich wie eine Flipperkugel zwischen Ästhetik, Moral und Politik. Die Gereiztheit steigert sich, herauskommt linksfaschistischer Kitsch.
Wäre er bloß zynisch und nicht fanatisch, würde er – Begabung vorausgesetzt – halt wie ein Groys- oder Zizek-Epigone schreiben.
Und daß er den Schlingensief "vor 2003" zu seinen Vorbildern zählt, spricht doch eh Bände.

Weltversteher

30. August 2019 21:40

Mir fällt jetzt erstmals auf, daß hier anscheinend Kommentare verschwinden, die schon freigestellt waren und sogar von anderen aufgegriffen wurden - zum Glück mit Datensatz zitiert, so daß man die Lücke nachsehen kann.

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