1. September 2019

Sonntagsheld (119) – Zweierlei Panzer

Till-Lucas Wessels / 6 Kommentare

Nach Dresden fahr’ ich nur auf Ketten!”

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Daß Philipp Ruch Bock auf Bürgerkrieg hat, hat Martin Lichtmesz in seinem umfassenden Portrait anschaulich nachgewiesen. Im Zeichen der Gewalt stand auch die Öffentlichkeitsarbeit des von ihm geführten “Zentrum für politische Schönheit” anläßlich der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg.

Bereits am Sonntagvormittag war auf dem Twitter-Account der Gruppe ein Foto der zerbombten Dresdner Innenstadt, versehen mit dem Kommentar “Hier, ein Blick auf die Zukunft von Dresden.” hochgeladen worden; zudem hatte man eigentlich geplant, mit einem ausrangierten sowjetischen Schützenpanzer vor dem sächsischen Landtag aufzufahren, um “die Demokratie zu verteidigen”.

Die Aktion scheiterte – vorerst, wie zu vermuten ist – an der zuständigen Versammlungsbehörde, die die Verwendung des Panzers untersagte; und an einem Achsbruch des Sattelschleppers, der das ungewöhnliche Gefährt nach Dresden transportieren sollte. Trotzdem: Das Symbol ist in der Welt. Ruch wünscht sich die Weimarisierung, er ist sogar richtig scharf drauf und dazu gehören – das lehrt das historische Bildmaterial - eben auch Panzerwagen.

Wie auch immer: Star des Abends ist eigentlich ein ganz anderer Panzer, der mit dem von Ruch erwählten Militärfahrzeug nur wenig zu tun hat. Der Panzer, den ich meine, ist keiner in den man einsteigt, um damit vor irgendwelchen Parlamenten zu posieren, sondern vielmehr ein bewegliches Kettenhemd, in den eine gewisse Partei jeden Tag aufs neue schlüpfen muss, ein Panzer also, der nicht als bloße Requisite einer Aktion dient, sondern tatsächlich immer wieder aufs neue geprüft und gehärtet wird und der meiner Meinung nach maßgeblich für die Erfolge des heutigen Wahlsonntags sind.

Dieser Panzer, das ist die – zu einem guten Teil ostdeutsche – Gelassenheit gegenüber den hektischen Schnellschüssen der Skandalokratie, die sich die relevanten Teile der AfD in den vergangenen Jahren mühsam angeeignet haben. Mit jeder ausgesessenen Nazi-Schlagzeile, mit jeder nüchtern gekonterten Schreckensoffenbarung über Mitarbeiter oder Parteimitglieder wächst dem Panzer eine weitere zähe Schicht an Widerstandsfähigkeit und positiver Tiefenentspannung zu.

Mehr noch: Das so gewonnene Selbstbewusstsein ermöglicht es auch, das Profil der eigenen Partei zu schärfen und wesentlicher zu werden, wie es erst kürzlich Alexander Gauland tat:

Die östlichen Bundesländer sind mit ihrer ethnisch noch relativ homogenen Bevölkerung und der Diktaturerfahrung ihrer Bewohner ein Pfahl im Fleische der multikulturellen, multiethnischen, gesinnungskontrollierten Bundesrepublik.

Jede Bemühung, diesen Satz zu skandalisieren, muß inzwischen scheitern – der reflexartig geworfene Begriffsballon des „Völkischen“ prallt vollkommen wirkungslos ab – ja, ich wage sogar zu behaupten, daß sich die Konnotation des Begriffs durch die ständige Einordnung der AfD als „völkische Partei“ auf eine Art und Weise positiv verändert hat, die seine Befürworter verwundert die Stirn runzeln läßt, die Linken indessen zu tiefergehenden Überlegungen über ihre Strategie anregen sollte.

Die grundschürfenden Analysen zur Sachsenwahl überlasse ich an dieser Stelle natürliche dem dem geschätzten Kollegen Kaiser, der hier bereits vorgelegt und im Bezug auf das Ergebnis den richtigen Riecher bewiesen hat.

Im Hinblick auf den Gelassenheitspanzer der AfD ist das Ergebnis der Brandenburgwahl vermutlich sogar etwas interessanter – hatte man dort doch noch kurz vor der Wahl versucht, den Spitzenkandidaten Andreas Kalbitz mit einer hervorgekramten Story aus seiner Vergangenheit aus dem Rennen zu werfen. Dort ist die AfD nun bei 23,5% gelandet - im Vergleich zu den Umfragen ist das ein Plus von bis zu 2,5%, also ein beachtlicher Mißerfolg der kurzfristigen Schmierenkampagne.

Zumindest für die Ostbundesländer scheint sich die lange wirksame Strategie des systematischen Anbräunens also allmählich erledigt zu haben; der kontinuierlich wachsende Erfolg der AfD und ihrer Positionen dauert einstweilen an. Die nächsten Monate und Jahre werden zeigen, auf welche Taktik sich die Phililp Ruchs der Republik verlegen werden, zu welchem Ausmaß an Niedertracht, symbolischer und tatsächlicher Gewalt sie bereit sind und sie werden zeigen, welcher der zwei Panzer sich am Ende als widerstandsfähiger erweisen wird.

Ich habe meinen Tipp schon abgegeben. Sie auch?


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (6)

Franz Bettinger
1. September 2019 22:17

Wie das Possum auf den menschlichen Jäger starren die Merkelianer auf den Osten Deutschlands. Es ist die Angst der Pseudo-Demokraten vor der Demokratie.

Simplicius Teutsch
1. September 2019 22:58

@Till-Lucas Wessels: „Ich habe meinen Tipp schon abgegeben. Sie auch?“

Sie sind optimistischer als ich. Allerdings lag ich auch heute am Wahlsonntag in meiner eher pessimistischen Erwartung falsch. Großartig, wie heute gewählt wurde in Sachsen und Brandenburg, trotz der aggressiven politisch-medialen Einheitsfront gegen alles, was irgendwie rechts ist. Als Wessi kann man da nur staunen. Stark. Und Glückwunsch an die AfD.

Der_Juergen
2. September 2019 08:38

Ich war sehr überrascht über die guten Ergebnisse der AFD - nicht, weil ich den Mitteldeutschen nicht den Verstand zugetraut hätte, in hellen Scharen für diese Partei zu stimmen, sondern weil ich mit massiven Wahlfälschungen gerechnet hatte. Ob sich diese zugetragen haben und die AFD in Wirklichkeit noch weit mehr Stimmen erhalten hat, sei dahingestellt.

Das stumpfsinnige "Nazi, Nazi"-Geheul der Antideutschen wirkt immer weniger. Das ist zutiefst erfreulich. Dass gerade ein betont nationaler Mann wie Kalbitz die AFD in Brandenburg zum Erfolg geführt hat, sollte für die Anbiederer, die im Westen innerhalb der Partei noch den Ton angeben, ein Schuss vor den Bug sein.

Mit dem von Wessels erwähnten Bild des zerbombten Dresden, das "die Zukunft dieser Stadt" scheint, haben sich Philipp Ruch und seine Kumpanen endgültig als Propagandisten des Völkermordes entlarvt. Sie wollen die Konfrontation mit den Rechten. Ich würde recht hoch wetten, dass sie diese Konfrontation bekommen werden.

Niekisch
2. September 2019 09:40

Danke, Herr Wessels, für diesen bestärkenden Artikel. Wenn das "Zentrum für politische Schönheit" mit seinem Panzerraid gescheitert ist, so wird es künftig erst recht auch mit seiner Infanterie ihr Cannae erleben.

Danke ebenso, Ihr mitteldeutschen tapferen Wähler!

GuntherManz
2. September 2019 13:09

Glückwunsch nach Mitteldeutschland !
Wie können wir für unsere Sache im Westen werben ? Wo ich mich umhöre, sind die Stimmen in der Sache bei der AfD.
Wie kann man den gegner Aufschrecken ? Ich habe es mit einer Art Kasperletheater versucht:
Etwa 60 Abo-Karten der "Jungen Freiheit" an Gewerkschaft, Partei und Kirchenständen bei einer "Bunt" Aktion in einer Stadt in Süddeutschland untergeschoben. Der Nervenkitzel war ja noch das Beste, allerdings ist so etwas ein blöder Schülerstreich.
Würden es große Magnetaufkleber mit unüblicher Aussage auf den Kfz. bringen ? Hauswände (natürlich nur die eigenen) mit "Widerstand" oder "Alternative" verzieren ?
Wenn man keine Phantasie hat, dann kann man wenig tun, denn wenn sich der Gegner die Geschäftsordnung auslegen kann, so bist Du in seine Hand gegeben.
Ich habe einmal von einer Aktion gelesen: Da hatten Schützen Probleme mit ihren Waffenbesitzkarten und sollten Widersprüche einsenden. Das haben die gemacht und zwar auf aufgepinselt auf Sperrholztafeln vom Sperrmüll zugestellt vom Paketdienst. Die Form war damals noch nicht vorgeschrieben.
Versuchen Sie das einmal abzuheften.

Laurenz
2. September 2019 13:24

Herrn Wessels einfühlsames politisches Essay, über die aktuelle Situation, ist tatsächliches großes Lichtspielhaus. Natürlich ist die Situation auch davon abhängig, inwieweit die Deutsche Polizei noch funktioniert, im Weimarer Exzeß funktionierten die staatlichen Schutzmannschaften nicht mehr. Aber gerade dieser Beitrag hier ist ein guter Leitfaden, wie man die Fehler der Weimarer Zeit vermeidet.

Etwas mehr Internationalität würde uns gut tun. Vielleicht sind ja bald die Mittel da, dies einzuleiten. Die internationale Presse hat ein viel zu "rechtes" Bild von uns. Das gilt es, in mittig konservativ, zu korrigieren.

@Simplicius Teutsch .... nichts gegen Sie, allerdings sollten die Unken- und Kassandrarufer auf SiN mal was für sich selbst tun und ihren Kater ausschlafen oder zum Therapeuten gehen. Diese Miesepeter-Stimmung will niemand, schon gar kein Wähler. Die Wähler wollen "bau blau auf, bau blau auf" hören.

@Der_Juergen .... natürlich wird es Wahlfälschungen geben, es gibt ja sogar eine offizielle in Sachsen. Man muß das gute Ergebnis trotz der Wahlfälschungen betrachten. Und gegen Wahlfälschungen kann nur der Bürger selbst vorgehen, indem er sich, gemäß 1%, an seiner eigenen Willensbildung als Wahlhelfer beteiligt.

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