23. September 2019

Wir sind Insekten – das Ende der Duldung

Martin Sellner / 39 Kommentare

Wer hätte das gedacht! Österreich, Vorbild und Sehnsuchtsland vieler bundesdeutscher Rechter, überholt die BRD nun links.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Während in Deutschland ein Verbot der Identitären Bewegung Deutschland (IBD) sowie die Verfassungsschutzbeobachtung der AfD noch ausstehen, ist die Alpenrepublik schon viel weiter.

Nach dem Ibizavideo, der dubiosen Razzia (samt Handydatenerbeutung) bei HC Strache, den willkürlichen Terrorermittlungen gegen mich und die IB (gegen die 2019 allein 5 Razzien stattfanden) und den insgesamt 9 Verfahren, die gerade gegen identitäre Vereine laufen, gibt es wenige Rechte, die das Diktum vom "tiefen linken Staat" noch infrage stellen. Nunmehr befindet sich Österreich in der Wahlkampfphase, die wie ein Katalysator für totalitäre Entwicklungen wirkt.

Martin Lichtmesz hat darüber einen Artikel verfaßt, den ich aus Sicht der Betroffenen ergänzen möchte. Wie ich in älteren Beiträgen auf der Sezession vermutet hatte, findet ein Wandel des "sanften Totalitarismus" statt. Wo die Zersetzung nicht mehr ausreicht, wird das Strafrecht verschärft.

Noch vor der Neuwahl, die am 29. September stattfindet, wollte Sebastian Kurz ein IB Verbot durchboxen. Die Metapher aus dem Kampfsport paßt hier wie die Faust aufs Auge. Während alle Rechtsexperten mit Warnungen und Kopfschütteln reagieren, agiert der christlich-soziale Ex-Kanzler mit der Herrschaft des Verdachts. Wer nicht gegen ein IB-Verbot ist, ist für die IB. Wer seinem antidemokratischem Projekt nicht zustimmt, ist ein „Rechtsextremer“.

Daß sich dafür eine parlamentarische Mehrheit finden wird, ist wahrscheinlich, stellt sich doch nur die FPÖ klar gegen diesen totalitären Vorstoß. Sie kann gar nicht anders handeln. Würde sie sich der antiidentitären Massenpsychose anschließen, käme es zu einer inneren Zerreißprobe, die vor der Wahl einem Selbstmord gleich käme. So kann sie Kurz perfekt ins Lagers des Bösen und Verboten bugsieren.

Er setzt auf die Feigheit und Bequemlichkeit der Wähler, die sein patriotisches Placebo nur allzugern schlucken. Kurz bietet einen identitär-freiheitlichen Kurs ohne jene schmerzhaften Nebenwirkungen, die heute diejenigen erfahren, die Identitäre oder FPÖ-Mitglied sind. Während Kurz ein rechtskonservatives, in Teilen "identitäres" Programm präsentiert, will er sich die Gunst der Linksliberalen sichern, indem er Identitäre "Staatsfeinde" und "Extremisten" nennt, die in Österreich keinen Platz hätten.

Perfekt zusammengefaßt ist das in Kurzens Ansage: „Man kann doch wohl konsequent gegen illegale Migration vorgehen, ohne bei Identitären, Skinheads oder NS-Gedankengut anstreifen zu müssen.“

Karl Mahrer, der ÖVP Sicherheitssprecher legt nach, indem er apodiktisch verkündet:

"Die Identitären sind eine extremistische Strömung fernab der Grundwerte unserer Demokratie. Deshalb setzt sich die ÖVP für ihr Verbot ein. (…) Es darf null Toleranz gegenüber der Identitären Bewegung geben. Die Identitären sind eine extremistische Strömung fernab der Grundwerte unserer Demokratie. Sie hetzen und spalten, sie verbreiten extreme Inhalte, und ihre führenden Köpfe fallen durch Kontakte zu Massenmördern wie jenem von Christchurch auf. Deshalb legen wir in der Sitzung des Nationalrats Ende September ein umfassendes Paket zum Verbot der Identitären vor. Dieser Schritt ist unabdingbar, und zwar noch vor der Nationalratswahl und einer Koalitionsbeteiligung der ÖVP.“

Andreas Khol, die österreichische Inkarnation des "Cuckservativen", fordert in einem Kommentar im linksliberalen Standard unter der Überschrift "Grundrechtsschutz für Grundrechtszerstörer" ähnliches, was Peter Tauber unlängst in den Raum gestellt hatte. Die Gesinnung der IBÖ soll verboten, die ihr zugeordneten Vereine kriminalisiert und ihre Logos verboten werden. Dass Patrioten "öffentlich auftreten, Versammlungen und Demonstrationen abhalten, werben, Texte veröffentlichen, sich tarnen, umfassend politisch agieren, Mitarbeiter anstellen, Spenden einsammeln" können, ist für Kohl ein Ärgernis, das beseitigt werden muß. Kritische Einlassungen wie die von Maximilian Kralik (Vier Gründe, warum ein Identitären-Verbot Unsinn ist“)  kanzelt er ab.

An ihn und ähnliche Stimmen richtet Khol genervt folgende haarsträubende Worte:

"Manche Juristen lehnen solche Grundrechtseingriffe, auch wenn sie zulässig sind, aus grundsätzlichen Überlegungen ab: Das ist aber eine politische, keine rechtswissenschaftliche Entscheidung! Das letzte Wort hat hier, und das müssen auch Kronjuristen hinnehmen, die Politik."

Dieselbe Clique, die sich über Kickls Aussage, das "Recht müsse der Politik folgen" empörte, mit der er übrigens nur die konsquente Umsetzung des Fremdenrechts verteidigte, windet sich nun aus dem lästigen Rechtsstaat wie eine Schlange aus der alten Haut. Die Kritiker aus anderen Parteien haben ein Hauptargument: Eine solche Gesetzesänderung könnte auch linke Aktivisten, also "Tier- und Klimaschützer" treffen. Sie fordern also - wie die Chefin der SPÖ - eine chirurgische "Lex identitär", die patriotischen korriskritikern den Grundrechtsschutz nimmt, gleichzeitig aber ihr eigenes linksradikales Vorfeld unangetastet läßt. Die antidemokratische Ungerechtigkeit und die Heuchlei, nachdem man in den letzten Jahren Rußland, China und die Türkei im Brustton der moralischen Überzeugung für das Verbot friedlicher Opposition verurteilt hatte, fällt kaum jemanden keinem auf.

Das politische Kapital, das sich mit der Nazikeule erobern läßt, verwandelt sich in Wahlkampfzeiten in echtes Geld. Es geht um Posten, Macht und Millionen. Kurz braucht für seinen „bürgerlichen Rechtskurs“ einen greifbaren "Nazikrampus" als Abgrenzungsobjekt und Druckmittel gegen die FPÖ.

Da es derzeit keine relevante rechtsextreme Gruppierung mit Umsturzabsichten und Gewaltaffinität gibt, wird die IB medial in diese Rolle gedrängt und kurz vor der Wahl durch gezielte Leaks von Ermittlungsakten zum Thema gemacht. Das parteitaktische Kalkül ist offensichtlich. Interessanter, weil weniger sichtbar, ist der Grund, warum bei dieser Diffamierungskampagne fast alle mitmachen.

Die gesamte österreichische Gesellschaft verfällt beim IB-Thema begeistert der kollektiven Psychose "gegen Rechts". Denn das, was das lose Gefüge aus Liberalen, Kommunisten, Christen und Atheisten verbindet, ist der nur ein gemeinsamer Feind: der unsichtbare, aber omnipräsente "Nazi". Alain de Benoist beschrieb dessen ortlose Allgegenwart in seinem Buch "Totalitarismus" wie folgt:

„Da sich niemand mehr zum Faschismus bekennt, er jedoch bei jedem vermutet wird (und um so leichter vermutet, als sich niemand zu  ihm bekennt), gündet sich der Antifaschismus nicht mehr auf eine objektive Feststellung, sondern auf eine bloße Unterstellung. (…) Man versucht aus seiner abstoßenden Wirkung Kapital zu schlagen und kämpft gegen ein Gespenst, das man für allgegenwärtig erklärt.“

Das Schreckgespenst „Faschismus“ ist als absolutes Negativum der Stabilisator der Gesellschaft. Ohne ihn funktioniert ihr politisches und moralisches Koordinatensystem nicht. Nicht unterschätzen sollte man auch die Bedeutung für die soziale Psychohygiene. Eine moralisch legitimiertes Haßobjekt zu haben, das man ungestraft angreifen, quälen und erniedrigen darf, kann eine Gesellschaft befrieden, wie Nietzsche in der „Genealogie der Moral“ süffisant ausführt:

„Jedenfalls ist es noch nicht zu lange her, dass man sich fürstliche Hochzeiten und Volksfeste grössten Stils ohne Hinrichtungen, Folterungen oder etwa ein Autodafé nicht zu denken wusste, insgleichen keinen vornehmen Haushalt ohne Wesen, an denen man unbedenklich seine Bosheit und grausame Neckerei auslassen konnte.“

Der „Haßausbrüche gegen Rechts“, wie man sie unlängst am Grönemeyerkonzert beobachten konnte, sind die letzten emotionalen Hochzeiten, in welchen die gelangweilten Sozialatome ein Gefühl organischer Gemeinschaft, irrationalen Rausches und archaischer Jagdstimmung erleben. Der Kick der Treibjagd, den auch ein feiger Antifa-Terrorist in einem unlängst erschienen VICE-Video als Movens für seine tätlichen "Kampf gegen Rechts" angab, ist das letzte gesellschaftlicher Bindemittel der Postmoderne.

Es ist also nicht nur die Angst vor, sondern die archaische Lust an der Diffamierung, die dafür sorgt, daß keiner Kurz fundamental kritisiert und die IB verteidigt. Eine eigenartige, fast religiöse Note schwingt in den gesellschaftlichen Kampfansagen gegen die IB mit. Es herrscht eine gewisse feierliche Opferstimmung. Die IB muss dem Götzen der "Moral" dargeboten werden und am Altar der "offenen Gesellschaft" sterben, damit Kurz seinen Rechtskurs vom "Naziverdacht" reinigen kann.

Darin offenbar sich das ideologische und moralische Narrrativ des Gesinnungsstaates, welches den  Rechtsstaat jederzeit aussticht. Das war bei der Grenzöffnung der Fall, die verfassungswidrig war, jedoch perfekt in die Idee der universalistischen Selbstaufopferung und das Schuldnarrativ passte. Ebenso ist es jetzt der Fall, wenn die moralische Empörten die Opferung der IB verlangen und erst hinterher über die rechtlichen Möglichkeiten nachdenken.

Kurz weiß das und polarisiert das ganze Land. Wer nicht gegen ein Verbot der IB ist, sei für die IB. Wer seinen antidemokratischem Schlag gegen uns nicht zustimmt, der gerät selbst ins Visier. Es ist also fast müßig, die juristischen Absurditäten dieser Verbotskampange aufzuzeigen, handelt es sich doch um ein Phänomen, das Psychiater und Philosophen analysieren müssten anstatt ein Jurist. Dennoch will ich auf einige, hastig nachgereichten Argumente zum Verbot eingehen und sie widerlegen.

1. Die Terrorermittlungen

In vielen Begründungen für ein IB-Verbot lügt man von angeblichen „Kontakten zu Terroristen“. Der Christchurch-Anschlag dient antidemokratischen Kräften dabei als Vorwand für Repression und Verbot. Dass Brenton Tarrant zum Zeit seiner Überweisung und des Briefwechsels noch keine Straftat begangen hatte, ist gleichgültig. Daß (meines Wissens) gegen keine einzige der anderen Personen und Organisationen, mit denen die Onlineexistenz Tarrant Kontakt hatte, Razzien oder Ermittlungen stattfanden, ist der Österreichischen Presse ebenfalls egal. Vor allem aber spricht gegen ein Verbot, daß die „Terrorermittlungen“ gegen mich wegen Empfang einer Spende noch nicht einmal abgeschlossen sind. Daß diese bewußt hinausgezögert werden und das Oberlandesgericht bis heute nicht über unserer Beschwerde gegen die Razzien entschieden hat, kann man wohl als Teil der ÖVP-Wahlkampfstrategie interpretieren. Immer, wenn es paßt, kann man aus den Akten Leaks hervorzaubern, um die FPÖ zu attackieren und das IB-Thema aktuell zu halten.

2. Der Verfassungsschutz

Oft beruft man sich bei den Verbotsforderungen auf den Österreichischen VS, der im Unterschied zu seinem BRD-Pendant zwar keine offizielle Liste des Bösen, aber einen ominösen „Bericht“ hat, indem er die IB seit 2016 Erwähnung findet. Damals wurden ihr „gesellschaftszersetzende Kommunikationsstrategien“ unterstellt. Die und nicht die grassierende Ersetzungsmigration führten zu "Polarisierung und Spaltung in der Öffentlichkeit und gefährden das friedliche Zusammenleben liberaler Demokratien.“

Diese lächerliche  Behauptung entstammt direkt aus den Giftschränken linksradikaler Politwissenschaftler und wird nicht näher begründet. In der Folge wird der IB „Asylfeindlichkeit“ vorgeworfen und sie als Trägerin des „modernisierten Rechtsextremismus“ diffamiert. Dieser „Extremismus“-Vorwurf bezieht sich explizit nicht auf Gewalttaten, sondern auf angeblich extreme Ideen. Doch aus dieser Beurteilung erfolgt kein notwendiges Verbot. Der VS hält auch noch im Jahr 2018 klar fest, was die IB will. Man attestiert uns „eine strenge Abgrenzung zu strafrechtsrelevanten Tatbeständen“ und schreibt, daß wir eine „Gegenöffentlichkeit zur angeblichen 'Gesinnungsdiktatur' “ aufbauen“ würden.  Der VS-Bericht beschreibt die IB klar als eine friedliche, politische Bewegung, die ihre Ideen durch Protest und Aktionen verbreiten will. „Rechtsextremismus“ ist keine straf- oder verfassungsrechtliche Kategorie, sondern eine diffuse Totschlagvokabel, die juristisch völlig irrelevant ist. Es kann theoretisch auch eine in den Augen der Dauempörten "rechtsextreme Partei“ oder gar eine „rechtsextremen Regierung“ gäben, ohne daß der Rechtsstaat irgendwie verletzt würde. Der Verfassunsgschutzbericht eignet sich also nicht zur Begründung eines IB-Verbots, sondern entlastet uns eher. Das schlägt sich auch in folgendem Punkt nieder.

3. Das Symbolgesetz

Am 29. 11. 2018, also vor weniger als einem Jahr, beschloß der Innenausschuß des Nationalrates eine Ausweitung des Verbotes extremistischer Symbole. Betroffen waren unter anderm Zeichen des Islamischen Staates und der Al-Qaida sowie der türkischen "Grauen Wölfe". Die Identitäre Bewegung und ihr Lambda wurden zu der Zeit - unter der Kanzlerschaft von Kurz - explizit vom Verbot ausgenommen, da sie 2018 in einem spektakulären Verfahren freigesprochen worden waren. 

4. Der Freispruch

Der Prozeß gegen die IB, der eine Ära der Repression einläutete, die bis heute anhält, war von großer Kritik begleitet worden. „Da muß man sehr aufpassen, daß nicht die Gesinnung bestraft wird“, warnte die damalige Neos-Justizsprecherin Irmgard Griss, immerhin ehemalige OGH-Präsidentin. „Wenn es in erster Linie darum geht, Ideen zu verbreiten, ist das ein zu scharfes Schwert. Man sollte nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen“. Der SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim fand damals sogar noch drastischere Worte. Er unterstellte Sebastian Kurz, daß es ihm „offensichtlich ein Anliegen sei, Gruppen, die ihn stören oder lautstark kritisieren, aus der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen“. „Die Luft wird dünn im demokratischen Rechtsstaat Österreich“, äußerte er sich damals prophetisch.

Der Prozeß endete zum Ärger des Verfassungsschutzes mit einem Freispruch. "Die Hauptakteure der Identitären Bewegung stolzieren jetzt herum und versuchen, das Urteil als Beweis zu nutzen, daß sie nicht rechtsextrem sind", murrte Peter Gridling, Chef des Amtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, der auf die FPÖ nicht gut zu sprechen sein dürfte. Startete doch Herbert Kickl eine überfällige Untersuchung wegen Korruption in Österreichs Geheimdienst. Gerhard Jarosch, Präsident der Internationalen Staatsanwältevereinigung äußerte sich nach dem Freispruch noch drastischer: “Wenn das Benehmen der Identitären unter keine geltende Bestimmung fällt, muß sich die Politik überlegen, ob sie eine neue schaffen möchte", führt der Staatsanwalt aus. "Man müßte dafür, wie beim Verbotsgesetz, bestimmte politische Gruppen unter Strafe stellen“

Genau das passiert heute. Man konnte trotz intensiver Bemühungen keine rechtsstaatliche Grundlage finden, um die IB zu verbieten. Also ändert man kurzerhand die Rechtsgrundlage.

Das führt uns auf eine drastische Art und Weise vor Augen, in welchem Zustand wir uns bis jetzt befanden. Erstens entspricht gut ein Viertel der Bevölkerung der ausufernden „Rechtsextremisms“-Definition der Experten, die jedes Unbehagen über die eigene Ersetzung durch Migration dazu zählen. Zweitens ist die gesamte bürgerliche und politische Existenz dieser „potentiellen Extremisten“, nur geduldet und provisorisch. Jeder Patriot, der den Bevölkerungsaustausch und die Islamsierung substantiell kritisiert, also eine andere Bevölkerungs- und Identitätspolitik will, ist genau das: geduldet.

Daß er noch ein Konto hat, daß er einen Verein gründen darf, daß er Texte veröffentlicht, ja sich auf freiem Fuß befindet, wird ihm nur vorerst gestattet. Die Basis dafür ist nicht der juristische Schutz von Grundrechten, sondern eine feindselige Gleichgültigkeit, eine Duldung, durch die wahren Machteliten der Gesellschaft, die das Ärgernis seiner Existenz vorläufig hinnehmen.

Der Österreicher und der Deutsche befindet sich in einer Freiheitssimulation, die man mit dem Film der „Truman-Show“ vergleichen kann. Solange er so redet, handelt und abstimmt, wie es die metapolitischen Machthaber wollen und vom vorbestimmten Weg nicht abweicht, ist alles in Ordnung. Der Zustand der Gefangenschaft bleibt unsichtbar. Doch wenn er ausschert, spürt er rasch, daß er in sich in einem ideologischer Gesinnungslager befindet, indem jede Kritik der Migrationsagenda untersagt ist.

Eine etwas morbidere Metapher für die Lage wurde von einer Karikatur der Oberösterreichischen Nachrichten inspiriert und zeichnet sich so: Migrationskritiker sind wie Insekten in einem Wohnzimmer. Sie existieren, und man ignoriert sie, wenn sie nicht allzu störend sind. Wenn man anderes im Kopf hat, scheucht man sie ein paar mal weg und vergißt sie dann wieder. Aber wenn die Ameise oder der Nachtfalter wirklich störend werden, gibt es kein Pardon. Man zertritt sie, und es ist wieder Ruhe.

Im Garten und auf der Veranda ist man toleranter. Da dürfen die Insekten kreuchen und fleuchen. Aber wenn sie das Haus der Macht betreten ist ihre Existenz höchstens geduldet und kann jederzeit beendet werden. Die Machthaber, deren Stiefeltritte (= Bankensperrungen, Razzien, Entlassungen, Antifa-Terror, Vereinsverbote) willkürlich im rechten Lager wüten, sind nicht die ausführenden Behörden, sondern die moralischen Instanzen und metapolitischen Wortführer.

Dieser Zustand ist problematisch, doch er ist nicht das wahre Problem. Das wahre Problem ist, dass die meisten Rechten sich dessen nicht bewußt sind. Sie - die AfD- und FPÖ-Politiker, die rechten Feigenblatt-Journalisten und Beschwörer der Normalität - sind sie nicht bewußt, dass ihre Existenz nur vom Duldungswillen der Machthaber anhängt. Man macht ihnen die Hoffnung, daß nur die "anderen", die "radikalen Rechten", das Ungeziefer seien, und sie als "bürgerliche Rechte" nicht nur geduldet, sondern geachtet würden. Grönemeyer grölte aber nicht vom Kampf gegen Nazis - er peitschte seine Fans "gegen rechts" ein.

Mit dem geplanten Vernichtungstritt gegen die IB gerät der Stiefel in gefährliche Nähe zu FPÖ und AfD. Nicht aufgrund "personeller Überschneidungen", sondern weil die Ideen und Aussagen der IB im Grunde deckungsgleich mit der rechtspopulistischen Migrations- und Identitätspolitik sind. Die Duldung und das "Insektendasein" auch dieser großen Parteien wird damit sichtbar. Manche darin sehnen sich sogar insgeheim nach der Vernichtung der IB. Nicht wenige FPÖ Politiker hoffen tatsächlich auf ein Verbot und waren, wie mir Insider berichteten, froh, als mein YouTube-Kanal kurzzeitig gelöscht wurde.

Sie waren erleichtert, als der Stiefel in Form des parteiinternen vorauseilenden Gehormsams den Braunauer Vizebürgermeister und Hobbydichter und nicht sie traf. Sie atmeten auf, als der nächste Tritt Strache aus dem Amt kickte und nicht sie.

Man geht zum emsigen Tagesgeschäft über wie eben Ameisen, die es auch wenig kümmert, wenn man eine von ihnen zerdrückt. Diese Geister sehnen sich zurück nach der Selbsttäuschung und der Truman-Show. Sie haben Angst vor zwei bitteren Einsichten:

1. Im Meinungskorridor unserer Gesellschaft haben fundamentale Migrationskritik und Bevölkerungspolitik Platz.
2. In den Augen der globalen moralischen Machtelite sind sie alle lästige Insekten.

Mit dem Vernichtungsschlag gegen die IB findet allerdings eine strukturelle Veränderung statt. Das gesamte politische Koordinatensystem wird verändert und soll künstlich nach links gerückt werden. Die IB, ihre Begriffe, Ideen und Symbole sollen "nazifiert" werden, also den neuen extremistischen Bereich der Unbelehrbarkeit markieren. Dieses kontrafaktische Diktat baut ausschließlich auf Autosuggestion und Angst auf .
Der IB wurde oft vorgeworfen, die Lage falsch interpretiert zu haben und naiv in ein offenes Messer gelaufen zu sein. Tatsächlich war das Messer versteckt, und es gab und gibt es keinen anderen Weg es sichtbar zu machen, als damit in Berührung zu kommen. Die IB war und ist ein ergebnisoffenes Experiment, ein "Versuch mit der Wahrheit", der wie Nietzsche mit dem Hammer gegen Götzen schlug. Nicht um sie zu zerschmettern, sondern um zu lauschen, ob es hohl klingt. Der Götze der Meinungsfreiheit klang nie hohler als heute. Dazu brauchte es keine Abrißbirne, sondern nur einen kleinen Stein, wie man ihn gegen die Gefängnispaneele der Trumanshow, die einen freien Horizont simulieren, werfen kann.

Insofern sind die Verbotspläne zu begrüßen. Sie sind ein Katalysator die Bewußtwerdung des rechten Status quo, der ein Zustand der feindseligen Duldung ist. Sie zwingt auch die pragmatischsten rechten Funktionäre, sich der unangenehmen Erkenntnis zu stellen, daß sie in den Augen unserer Gegner störendes Ungeziefer sind, solange sie den Bevölkerungsaustausch und seine Folgen nicht verleugnen. Auch wenn die letzten Monate in Österreich einen Rückschlag für die partei- und megapolitische Rechte bedeuteten, stellten sie einen maximalen Anstieg des Lagebewußtseins dar.

Das geht solange weiter, bis entweder alle Masken der Unfreiheit gefallen sind oder eine Form des rechten Aktivismus und der aktivistischen Migrationskritik gefunden ist, die nicht "verfassungswidrig" sein soll. Derzeit ist ersteres der Fall. Damit können wir gut leben, denn nicht alle Insekten sind Fliegen und Würmer. Und manche bilden Schwärme.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.


Kommentare (39)

Der_Juergen
23. September 2019 17:24

Sehr traurig, aber voraussehbar.

Seit ich bei Sezession kommentiere (2015), habe ich dieses Abgleiten in den offenen Totalitarismus vorausgesagt. Dazu bedurfte es keiner hellseherischen Fähigkeiten, sondern lediglich einer genauen Beobachtung der Entwicklung in Mitteleuropa. Das System kann nicht mehr zurück. Es ist im Netz seiner eigenen Lügen gefangen; wie Sellner richtig festhält, hat es längst keine Argumente mehr, mit denen es sich in einer sachlichen Debatte behaupten könnte, und muss deshalb immer und immer wieder die Faschismuskeule schwingen. Ja, sie ist erbärmlich und abgenutzt, aber ein erheblicher Teil der Bevölkerung fällt weiterhin auf diesen primitiven Unsinn herein.

In gewisser Hinsicht war die BRÖ schon seit jeher totalitärer als die BRD, weil es in letzterer keine Entsprechung zum Verbotsgesetz gibt. Ein System, das Menschen wegen gewaltloser Meinungsäusserungen (beliebiger Art) jahrelang einsperrt, hat das Recht verwirkt, sich als Demokratie zu bezeichnen.

Was ich den Identitären raten würde? Ihr habt das Recht, zu schweigen, um euch keiner Gefahr auszusetzen, aber bitte widerruft nicht. Macht dem System, das euch ausmerzen will, weil ihr für das Überleben eures Volkes und eurer Kultur kämpft, keinerlei Konzessionen. - Bei Sellner bin ich mir sicher, dass er das so sieht wie ich.

Der_Juergen
23. September 2019 18:02

Nachtrag zu meiner Wortmeldung: Wegen einer (verständlichen) Kürzung seitens des Hausmeisters könnte der Eindruck entstehen, es gebe meiner Meinung nach in der BRD keine Gesinnungsjustiz. Diese gibt es sehr wohl (Par. 130), aber die Meinungsdelikte, wegen derer man in Deutschland belangt werden kann, sind dort nicht dermassen verschwommen definiert wie in Österreich. Man kann in der BRD also manche Dinge ungestraft sagen, für die man in der BRÖ hinter Gitter wandern würde.

Andreas Walter
23. September 2019 19:31

Die Masken werden nicht fallen, sondern lediglich die Verfolgung, Benachteiligung und Ausgrenzung noch subtiler und unsichtbarer werden (mittels Überwachung über das Netz später dann auch das Telefonnetz). Stasi "light", zuzusagen, dank KI und Medienkontrolle.

Wobei Kontrolle auch heute schon läuft, über sogenannte Bekenntnisrituale und zum anderen über klassische Vorprüfung und Selektion.

Einzige Korrektur Ihrer Worte darum meinerseits: Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf Deutschland und Österreich, es herrscht auf der gesamten Welt und betrifft darum die ganze Menschheit. Auch den Iran, zum Beispiel, nur dort eben in Folge externer Massnahmen, die dann gegen das ganze Land gerichtet sind. Geheimdienstliche Operationen finden aber selbst auf iranischem Boden statt.

You can't run, you can't hide, no surprise, close your eyes.

http://falschzitate.blogspot.com/2017/10/wenn-du-wissen-willst-wer-dich.html

Ach so, hätte ich mir eigentlich denken können (lach). Erstaunlich, wie diese neue Seite es so schnell auf Platz 1 bei Google gebracht hat, von 610.000 zu der Suche: "um herauszufinden wer über dich herrscht". Natürlich manipuliert darum auch Google. Fast alles, jede Information ist darum gefärbt, verzerrt, vieles nur halbwahr und manches sogar nur zu 10%. Der Rest (wie übrigens fast das Meiste) Propaganda. In der Werbung, die Selbstdarstellung von Regierungen, Unternehmen und Privatpersonen, in der Politik, vor Gericht, Unterhaltungsbranche sowieso.

Wo nicht, muss man sich daher eher fragen. Wo wird nicht gelogen, geschwindelt, geschönt, übertrieben, unterschlagen, verschwiegen. Das ist tatsächlich der Normalzustand, egal ob im Kapitalismus oder Kommunismus. Weil die Wahrheit zu banal, zu brutal, zu ernüchternd ist.

silberzunge
23. September 2019 19:55

Sollen die federführenden Schwarzen doch die IB verbieten, was ändert das? Der Widerstand bleibt sowieso, er findet seinen Weg.

Simplicius Teutsch
23. September 2019 20:20

Man kann Martin Sellner und die IB nicht mit konkreten Beweisen für anti-demokratische und anti-freiheitliche Bestrebungen kriminalisieren, sondern versucht es daher schlicht mit dem Verbotsstempel.

Aber so hart es ist, ich stimme zu: „Insofern sind die Verbotspläne zu begrüßen.“ - Ja!

Gestern Nacht in der großen, sonntäglichen Talkshow des ORF sind Sie, Herr Sellner, für eine Viertelstunde wiedermal „Im Zentrum“ gestanden, – fiktiv, bedrohlich, als das aus der Politik Auszumerzende; Wer aus dem Establishment mit Ihnen Umgang hat und hatte, macht sich des Kontaktes schuldig.

Herbert Kickl aber war großartig. Ein Unbeugsamer.

Bleiben Sie, Herr Sellner, in dem bösen Spiel, von mir leicht daher gesagt, weiterhin so friedfertig, gelassen, souverän, klug, freundlich, geduldig und vor allem nachsichtig wie bisher, nach dem Motto: „Herr vergib denen, die nicht wissen (wollen), was in Österreich abläuft, und vergib auch den Opportunisten, wenn sie bei Zeiten umkehren.“

Gracchus
23. September 2019 20:28

Ich schätze, jeder hier im Forum, jeder (unvoreingenommene) Verfassungsrechtler wird dieses Treiben als rechtsstaats- und verfassungswidrig einstufen.

Was ich mich allerdings frage: Was verspricht sich Kurz, den ich als reinen Opportunisten und Karrieristen einstufe, davon? Offenbar doch Wählerstimmen. Hätte die IB also mehr Rückhalt im Volk - was möglicherweise durch eine tendenziöse, diffamierende Berichterstattung vereitelt wird -, würde er sich doch nicht so weit aus dem Fenster lehnen, oder? Und noch etwas: Es gibt Migration und Migration. Wahrscheinlich will Kurz tatsächlich die Grenzen für Flüchtlinge dichtmachen, aber Österreich als Arbeitsplatz für erfolgreiche Anywheres attraktiv machen. Da stören einerseits arme sozial abgehängte Migranten, aber auch zu lautstarke Patrioten.

Maiordomus
23. September 2019 20:49

Lieber Martin Sellner,

das mit dem "Ende der Duldung" hat sich schon seit dem jahrzehntelangen Durchmarsch der 68er zumal an den Hochschulen und in weiten Teilen des Geisteslebens längst mehr als nur angekündigt. Für jemanden, der zum Beispiel 1972 - dem Geburtsjahr von Kubitschek? - polizeilich aufgrund völlig absurder Terrorismusverdächtigung als "Rechtsextremist" fichiert war und gegen den im Falle einer Anstellung als Lehrer noch um 1980 Unterschriften gesammelt wurden, wäre z.B. eine akademische Karriere unmöglich gewesen. In der Schweiz wurde auch noch vor wenigen Jahren einer der prominentesten rechtsstehenden Politiker aus rein politischen Gründen aus der Universität Zürich hinausgeworfen, das schleckt keine Geiss weg. Oskar Freysinger wiederum wurde nicht in den Schweizer Schriftstellerverband aufgenommen usw. Das mit der Duldung auf Zusehen hin, insgesamt eine Art DDR-Mentalität, ist im gesamten Geistesleben des deutschsprachigen Raums weit verbreitet. Wie ein Mann wie zum Beispiel Rolf Peter Sieferle, Professor an der Handelshochschule St. Gallen, wirklich denkt, war zu seinen Aktivzeiten völlig unbekannt. Die Entwicklung ist insofern nicht neu, hat sich aber in den letzten Jahren noch verschärft. Ihre politischen Analysen sind weitgehend zutreffend, so wie ich überhaupt das Politische im engeren Sinn als Ihre Stärke einschätze, weniger das Philosophische, weil sie zum Studium nicht die genügende Zeit fanden, auch nicht die hervorragenden Lehrer finden konnten, die es zu meiner Zeit noch gab. Ich finde es immerhin gut für Sie, dass das "Lambda" noch nicht verboten ist. Dazu schreibt mir ein junger Autor, Leser von Sezession, seine Romane haben aufgrund seiner politischen Einstellung null Chancen, in den Feuilletons besprochen zu werden, auch hat er sich in direkter Kritik an der offiziellen Migrationspolitik zumindest einmal öffentlich so weit vorgewagt, wie Sie es immer tun, über Ihre Identitären:

Auch was das Lambda angeht, sehe ich es ganz wie du. Zuvorderst stossen mich Uniformen und Signete und Zeichen sowieso ab, wenn schon, dann soll man sich unter einem gemeinsamen Geist zusammenfinden, nicht unter einer Form. Ausserdem wirkt es, wenn auch nicht allzu penetrant, martialisch; das finde ich unsympathisch bis infantil. Dass es ausserdem strategisch unklug und zudem das Zeichen eines Bataillons von (wenngleich heroischen) Verlierern ist, macht die Sache nicht besser.
Auch was das Lambda angeht, sehe ich es ganz wie du. Zuvorderst stossen mich Uniformen und Signete und Zeichen sowieso ab, wenn schon, dann soll man sich unter einem gemeinsamen Geist zusammenfinden, nicht unter einer Form. Ausserdem wirkt es, wenn auch nicht allzu penetrant, martialisch; das finde ich unsympathisch bis infantil. Dass es ausserdem strategisch unklug und zudem das Zeichen eines Bataillons von (wenngleich heroischen) Verlierern ist, macht die Sache nicht besser.

Achterndiek
23. September 2019 21:07

@ Gracchus

"Wahrscheinlich will Kurz tatsächlich die Grenzen für Flüchtlinge dichtmachen, aber Österreich als Arbeitsplatz für erfolgreiche Anywheres attraktiv machen. Da stören einerseits arme sozial abgehängte Migranten, aber auch zu lautstarke Patrioten."

Immer wieder träume ich mal von der Staatsneugründung Elitistan. Dort können nur die Besten der Besten Bürger werden, egal, ob sie nun aus Nigeria, China, Deutschland, Kanada oder dem Libanon kommen.

Ab einem gewissen Bildungsniveau bereitet Multikulti ja angeblich keine Probleme. Die Frage allerdings, wer dann die Dächer repariert, die Wohnungen putzt und die Straßen asphaltiert, bleibt allerdings offen.

quarz
23. September 2019 21:13

Nachdem Kurz ja durchaus auch identitäre Positionen vertritt, dies aber um keinen Preis unter dem "Lambda"-Etikett rezipiert haben will, empfehle ich, dass Martin Sellner entsprechende politische Maßnahmen des Wiederkanzlers stets über den grünen Klee lobt und damit das "widerlich" auf ebenso amüsante wie demütigende Weise zum Bumerang macht.

Maiordomus
23. September 2019 21:24

Noch gut, dass das "Lambda"-Logo noch nicht offizell verboten wurde. So kann man jenseits von falschem Zusammenrücken gegen den Feind auch intern über das diskutieren, was ich als erfahrener Anti-68er der ersten Stunde schon wiederholt als "Kinderkrankheiten der Identitären" bezeichnete. Dazu schrieb mir ein Schweizer Autor, dessen Romane es aus politischen Gründen nie in die Feuilletons des Landes geschafft haben, der sich sogar mindestens einmal, in einem Aufsehen erregenden "offenen Brief" zur Migrationsfrage so mutig aus der Deckung gewagt hat, wie Sie es immer tun, Herr Sellner. Also, trotz mancher Übereinstimmung mit Ihnen schrieb er mir das Folgende, heute per Mail, aufgrund wohl von Lektüre diesbezüglicher Debatten bei SiN:

"Auch was das Lambda angeht, sehe ich es ganz wie du. Zuvorderst stossen mich Uniformes und Signete und Zeichen sowieso ab, wenn schon, dann soll man sich unter einem gemeinsamen Geist zusammenfinden, nicht unter einer Form. Ausserdem wirkt es, wenn auch nicht allzu penetrant, martialisch; das finde ich unsympathisch bis infantil. Dass es ausserdem strategisch unklug und zudem das Zeichen eines Bataillons von (wenngleich heroischen) Verlierern ist, macht die Sache nicht besser."

Vergleiche noch das Buch des meiner Generation angehörigen Altphilologen Carl Wilhelm Weber "Die Spartaner" über den entsprechenden Kult in totalitären und militaristischen Systemen, natürlich auch bei Hitler und Rosenberg. Dieses Buch erschien allerdings schon 1977, da waren Sie, @Selllner, nun mal noch längst nicht auf der Welt. So wie ich schon im Geburtsjahr Kubitscheks in einem Polizeiprotokoll, übrigens ohne den geringsten dieses Totschlagattribut rechtfertigenden Anhaltspunkt, als "rechtsextrem" gebrandmarkt war. Es war damals schon klar, was Sie in Ihrem heutigen durchaus zutreffenden Artikel einschliesslich Video ausführen: "Geduldet" bedeutet zwar, ich komme für meine Haltung nicht gerade ins Gefängnis, nur akademische Karriere und dergleichen kann einer sich mit diesem Ruf abschminken. Von Rolf Peter Sieferle, Professor an der Handelshochschule St. Gallen, wusste zu dessen Aktivzeit als ruhiger Schaffer niemand, wie er wirklich dachte. Sodann hatte Oskar Freysinger nie die geringste Chance, in den Verband der Schweizer Autoren aufgenommen zu werden. Und einer der bekanntesten Schweizer Politiker wurde ausschliesslich aus politischen Gründen, wie man heute weiss, vor gut 5 Jahren aus der Universität Zürich geschasst. "Immunität" hätte es für gegeben, wenn er wirklich gegen ein Gesetz verstossen hätte. Gegen "Gesinnung" gibt es aber seit Robespierre und Roland Freisler selbstverständlich keine Immunität.

Diejenigen, die glauben, die Gegner des Lamba würden sich äussern, um den Identitären behilflich zu sein, sich im Sinne von Bravheit besser dem Mainstream anzupassen, täuschen sich. Es geht um die Eindämmung der eigenen geistigen Schwächen einschliesslich der Überwindung von noch vorhandenen Resten politischer Unbedarftheit. Auch wäre es wohl ein Schritt, wenngleich nicht gerade der einzige, um zum Beispiel vom "politischen Arm" der österreichischen Rechten allenfalls als Gesprächspartner auf Augenhöhe endlich etwas mehr ernst genommen zu werden als dies bisher der Fall war.

ALD
23. September 2019 21:51

Werter Martin Sellner,

darf ich Sie auf 2 mir äußerst widersprüchlich erscheinende Punkte in ihrem Text hinweisen

1. Sie sprechen vom "tiefen linken Staat", obwohl es doch Sebastian Kurz ist, der das Verbotsverfahren gegen die IBÖ vorantreibt und die Repressalien gegen die IBÖ unter einer ÖVP-FPÖ-Regierung erst richtig Fahrt aufnahmen.
Und ganz nebenbei müssten Sie doch wissen, was mit "tiefer Staat" seit Jahrzehnten eigentlich ausgedrückt wird. Und daß der "Tiefe Staat" in seiner eigentlichen Bedeutung als transatlantische Geheimstruktur in NATO-Mitgliedsstaaten aktiv daran arbeiten könnte, die IBÖ zu verbieten, halte ich doch für zumindest fragwürdig.
Außerdem zitieren Sie den SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim, der die Verbotsphantasien offen und deutlich kritisierte. Anscheinend gibt es also auch unter Linken in Österreich durchaus Bedenken, während sich bei Rechten zugleich nicht NUR Entsetzen breit macht, sondern auch hämische Schadenfreude, wie Sie am Beispiel illoyaler FPÖ'ler anführen.

2. Sie attestieren Kurz einen "identitär-freiheitlichen Kurs" und ein "rechtskonservatives, in Teilen 'identitäres' Programm", um am Ende zu beklagen: "Im Meinungskorridor unserer Gesellschaft hat Migrationskritik und Patriotismus keinen Platz."

Wie geht das zusammen, frage ich mich?

Ich hoffe, daß es zu keinem Verbot der IBÖ kommen wird. Grundsätzlich wäre es aber besser gewesen mehr auf Qualität statt auf Quantität zu setzen in der metapolitischen und aktivistischen Arbeit. Beides war bei der IBÖ zweifelsfrei vorhanden. Jedoch das Quantitave leider oft das Qualitative übertüncht. Womöglich hätte man sich allein durch eine bessere Prioritätensetzung zugunsten der Qualität einiges an Repressalien ersparen können und wäre heute nicht dem Vorwurf ausgesetzt, sich als "Opfer zu stilisieren".

Ratwolf
23. September 2019 21:54

Kurz und die ÖVP versuchen die Rechte zu spalten.

Teile und Herrsche

Kurz und die ÖVP arbeitet dabei mit der linken Presse zusammen.

Daran kann man erkennen, welche Weg Kurz in Wirklichkeit gehen würde, wenn er könnte.

zeitschnur
23. September 2019 21:58

Wenn man sich vor Augen führt, wie "Faschismus" klassisch definiert wird, nämlich als eine Bündelung der elitären Kräfte zu einer Supermacht (die fasces="Liktorenbündel") über das "Volk", dann ist eigentlich klar, wer hier die "Faschisten" sind. Nur nennen sie das "Volk" halt neuerdings "Bevölkerung". So wie "Bewuchs" oder "Begrünung". Oder "Beschnitt" (ja, das kommt dann auch noch, wartet's nur ab).

Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass mithilfe dieser Kasperlstücke "gegen rechts" eine Möglichkeit geschaffen ist, perfekte Verwirrung zu schaffen. Man sollte diese Wahnsinnigen eigentlich nur noch karikieren und verspotten. Psychologisch gesprochen: paradox intervenieren und ein postmodernes "Narrenschiff" verfassen. Oder ein "Neues aus Schilda".
Nach den kritischen Interviews auf den letzten Klimademo-Brettln letzten Freitag ist mir das immer bewusster, dass in unseren Ländern die geistige Verwirrung zunimmt. Diese Gretln, die nicht wissen, wofür oder wogegen sie eigentlich demonstrieren, aber einen Notschrei nach noch mehr Steuern ins Kanzleramt grölen, heilige Angela, bitt' für uns, mit anschließendem Votivtäfelchen "Angela hat geholfen" (nach der Steuererhöhung und weiterhin explodierender Naturzerstörung), diese armen Hascherln, die nach Übernahme politischer Rußfilter überall da, wo man ihnen einen Pfeil drauf montiert, "Faschisten" vermuten, beim Bimmeln des Politwurschtsignals vor Angst sabbern, und dann brav nicken, wie der "Spendenneger" auf den Weihnachtskrippen meiner Kindheit, sobald der Pfennig reinplumpste und eben das Glöckerl fein zirpte, und Dankschön sagen dafür, dass man sie in letzter Minute noch mal gewarnt hat vorm bösen Nazi ("Gott sei Dank sammer davon kommen")
Tut mit leid, @ Gracchus, Sie sprechen mir ja meist aus der Seele, aber das alles ist so durchgedreht, dass man es nur aushält, wenn man nicht mehr nach einer Erklärung dafür sucht.
Daraus kann man nur noch eine Groteske machen und ein gutes Glas Wein dazu trinken.
Das wäre vielleicht auch für Herrn Sellner das Beste: Auszeit nehmen, den Kurz von eigenen Gnaden ins Pomadenglas fallen lassen. Aber bitte - er wurde seitdem er 17 ist, systematisch aufgebaut in der ÖVP-Jugend und dann bei den Großen sofort auf den Sockel gehoben - es kann etwas dauern, bis der Bursche fallengelassen wird. Geduld, Geduld.

Atz
23. September 2019 22:32

Bekannt, dass in Österreich alle Heuchler vor dem Herrn sind. Then they fight you. Then you win, kleiner Käfer.

Das Label Identitäre ist nicht wichtig. In Österreich passiert am Ende nichts.

Was also als nächstes:
Eine Geheimgesellschaft?
Eine Weltanschauungsgemeinschaft?
Ein Marx-Lesezirkel?

Bestimmt braucht es jetzt das Horror-Kind, was den Grenzschluss fordert, damit mehr Platz für Tiere ist. Demos vor dem Nationalrat macht.

Politisch, was wird jetzt mit Thüringen (danach ist ja erst mal nichts los bis Hamburg)?
https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/thueringen.htm

Strategisch, wie mehr Frauen für die Sache gewinnen?

Laurenz
23. September 2019 22:32

Man könnte neidisch werden, wie manche Menschen (noch zu Zeiten des Kalten Krieges) hellseherische Fähigkeiten entwickelten. Silone ist da ein würdiger Nachfolger von Orwell.

Alles in allem bin ich mit der Berichterstattung und Lage-Einschätzung Herrn Sellners sehr zufrieden. Ich halte das Bauernopfer (die Identitären), welches Herr Kurz in die Schlacht werfen will, nicht nur für taktisch falsch, sondern auch strategisch. Grölemeyer und Kurz machen aus einer Mücke einen Elefanten. Das ist etwas, was die Rechte aus eigener Kraft nie hätte erschaffen können. Und klar ist hier auch, wer Prinz Johann ist, und wer Robin Hood. Von daher ist die von Kurz und seinen bundesdeutschen Freunden erschaffene Spaltung der Gesellschaft ein Muß für das weitere Erstarken der Rechten. Auch wenn uns dieses Weimarer Symptom im Herzen schmerzt, ist die linke Dummheit ein Segen für uns.

heinrichbrueck
24. September 2019 00:32

Divide et impera. Funktioniert seit wann? Das Grundprinzip der Demokratie: das wählende Volk wird in Parteien aufgeteilt. Die Medien helfen wählen. Die ausgewählten Politiker werden bezahlt. Wer kann sich innerlich von diesem System trennen? Geht es in erster Linie um Parteienwahlstimmen? Was sagen die Politiker denn so? Was wir denken müssen. Was wir fühlen sollen. Was? Geistige Kontrolle? Und wer bestimmt dann die Politik? Solange die Kontrolle funktioniert, selbstverständlich das Volk. Volksherrschaft. Das Volk muß daran glauben, sonst fällt es auf. Der Hintergrund, von der vordergründigen Show verdeckt, bleibt unsichtbar. Eine Künast, Blitzableiterfunktion des Hintergrunds, darf beschimpft werden. Die Österreicher bekämpfen sich, Wahlkampf und anderes, während das Zerstörungswerk ohne Unterbrechung weitergeht. Wahlkämpfe dauern Wochen; für das demokratische Wahlkurzzeitgedächtnis wahrscheinlich ein paar Tage, dann wird die Entscheidung gefällt. Die Gutgläubigkeit der Wähler, ob feige oder nicht, sieht keine Umwälzungspläne, die das Land der Österreicher vernichten könnten. Und die austauschbaren Figuren im Parlament, eingeweiht oder nicht, können Remigrationswünsche nicht erfüllen. Wer sich vom System trennt, muß keine Partei ergreifen. Die emotionale Beteiligung, ohne eigentlich je gefragt worden zu sein, siehe Demographie, stützt das System. Die Motivation bleibt sekundär; ist der Wähler doch Teil davon, und will seine Stimme in eine Urne werfen. Er träumt noch, und nicht nur, vom Mitgefühl seiner Feinde. Der Wähler hat die Ideologie übernommen, also führt er sie auch aus. Verliert er diese Steuerung von außen, ergibt sich vielleicht eine Chance.

Maiordomus
24. September 2019 06:11

PS. Die Begründung, warum ich das "Lambda", auch aufgrund des auch geistes- und wirkungsgeschichtlich bedeutenden Standardwerks "Die Spartaner " von Carl Wilhlem Weber (1977), als eine politische Verirrung einschätze, wurde mir zweimal gestrichen. Wohl auch, weil die Einschätzung der tatsächlichen Schwachstellen der "Identitären" - ein Begriff, den ein Otto von Habsburg und ein Erik von Kuehnelt-Leddihn mit Sicherheit als Imitation der totalitären Linken verabscheut hätten - offenbar nicht innerhalb der deutschen und österreichischen Rechten vorbehaltlos diskutiert werden kann. Im übrigen neige ich dazu, dass die Selbstauflösung (keineswegs das Verbot!) der jetzigen Ausdrucksform der "Identitären" etwas vom Sinnvollsten wäre, was man für die Selbstreinigung der deutschsprachigen freiheitlichen politischen Rechten tun könnte. Ich schliesse nicht aus, dafür mal in einem Organ in meinem eigenen Land eine Plattform zu erhalten, obwohl es auch hier um die Freiheit des geistigen Ausdrucks schlechter bestellt ist als vor 100 Jahren, als ein Hermann Hesse und ein Stefan George hier eine neue Heimat fanden.

Amos
24. September 2019 06:19

Grönemeyer, aber auch der Erfolg eines Werkes wie „Inglorious Bastards“ zeigen, sie ist bereits da, die Lust am Bösen im Namen des Guten...

MARCEL
24. September 2019 07:52

Man verzeihe mir die historischen Reminiszenzen: Franco verbot die Falange und de Gaulle ging gegen die Algerienfranzosen vor, nachdem sie ihn 1958 an die Macht gebracht hatten. Zudem sagte einst Robespierre in einer Rede zur Hinrichtung des Königs, dass Revolution stets vor dem Recht gehe. usw.

Ich persönlich bin übrigens gespannt, ob die Klimabewegung eines Tages terroristische Zweige bildet. Als sicherer Hafen bliebe eigentlich nurmehr Russland übrig.

Der_Juergen
24. September 2019 08:58

@Marcel

Franco hat die Falange nach seiner Machtergreifung nicht "verboten", aber politisch kaltgestellt. Hierzu eine wichtige Beobachtung des vor einigen Jahren verstorbenen Miguel Serrano (ich zitierte dem Sinn nach):

"Statt der Falange kam Franco an die Macht. Statt Codreanus Eiserner Garde Marschall Antonescu. Statt Patria y Libertad (in Chile) General Pinochet. Der Vorgang ist archetypisch."

Die jeweils Erstgenannten verhalten sich - mutatis mutandis - zu den jeweils Letztgenannten wie Höcke zu Gauland oder Jean-Marie le Pen zu seiner Tochter Marine.

Vox
24. September 2019 09:53

"Wer seinem antidemokratischem Projekt nicht zustimmt, ist ein „Rechtsextremer“." Auch im weiteren Verlauf werden die Begriffe "Rechtsextremismus" u.ä. immer wieder benutzt.

Da stellt sich die dringende Frage nach der stringenten Definition. Selbst die linken Propagandamedien haben bislang keine stringente Definition geliefert, sondern die Begriffe nur in ausländerfeindlichen oder nationalsozialistischen Zusammenhängen benutzt, um so einen pawlowschen Reflex beim schlichten Propagandakonsumenten zu bewirken.

Aber wer könnte "rechtsextrem" besser definieren als Rechte selbst? Dazu muss erst mal klar definiert sein, was "rechts" bedeutet.

"Rechts" bedeutet: Für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Im Gegensatz zu links.

Der Duden beschreibt "extrem" mit "äußerst", "sehr". Folglich bedeutet "rechtsextrem": Äußerst, sehr für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Im extremen Gegensatz zu links.

Nationalsozialisten waren im Übrigen entgegen aller medialer Propaganda und Dressur links. U.a. nach eigenem Bekunden. Schon allein deshalb kann man sich als Rechter die - bei Linken längst abgegriffene - Forderung "Nazis raus" zu eigen machen und frisch geschärft selbst einsetzen. Sowohl vorbeugend, als auch akut. Nicht nur aus eigener Erfahrung kann ich sagen: "Nazis raus" in Richtung Linke wirkt Wunder. Totale Sprachlosigkeit mit entgleisenden Gesichtszügen. Keine Schmach für den Feind ist größer, als mit den eigenen Waffen geschlagen zu werden.

RMH
24. September 2019 10:31

"Insofern sind die Verbotspläne zu begrüßen."

Wenn sie zu begrüßen sind, dann kann man auch an eine dynamische Selbstauflösung der rechtlichen und formellen Vereinsstrukturen denken - M.D. liegt da gar nicht so abwegig, wie viele vermutlich denken.

"Ihr habt das Recht, zu schweigen," (@Der_Juergen)

Ich finde, dass ist ein Hinweis, der intern einmal sehr genau diskutiert werden sollte. Der Worte sind schließlich genug gewechselt und die Positionen sind ausdiskutiert. Man braucht keine Flyer, Plakate, Symbole, Reden mehr. Spontane Schweige-Aktionen etc. von formal unorganisierten Bürgern, wären auch eine Idee, um den richtigen, gewaltlosen Weg weiter zu gehen, denn irgendwie wird es weitergehen müssen, denn die Chance, dass wir einen heulenden Sellner vor der UNO sehen werden, der die Politiker der Welt theatralisch anklagt, gehen nämlich gegen 0.

Wir alle kennen die Phasen der Verbote und wie sie letztlich nie zielführend im Sinne des Verbieters waren. Wir alle kennen die Symptome, wenn ein System gewisse Punkte der Opposition bei gleichzeitiger Verschärfung der Repression gegen diese übernimmt, um sie aufzusaugen und um damit vermeintlich Energie zu absorbieren und wie das dann oft der Anfang vom eigenen Ende war (die Geschichte ist voll mit Beispielen davon - auch aus jüngster Zeit).

Um jetzt weiteren Optimismus zu verbreiten:

Es zeigt sich, dass die Identitären, wenn sie es geschickt anstellen, sich wie Fische in der Gesellschaft bewegen könnten, frei nach:

"Der Revolutionär muss sich in den Volksmassen bewegen, wie ein Fisch im Wasser" (Mao).

links ist wo der daumen rechts ist
24. September 2019 11:04

Glasklar: Ajax und Vandal

Der Insekten-Vergleich läßt sich um eine Variante ergänzen.

Günter Maschke schreibt in seinem Büchlein „Verräter schlafen nicht“ (Regin 2011) über Hans Sarkowicz'' und Thomas Assheuers Buch „Rechtsradikale in Deutschland: Die alte und die neue Rechte“ (Beck 1990) ad Willms, Mohler, Sander, Arndt, Hepp und ihn selbst:

„Diese Autoren verfuhren nach einer Methode, wie sie typisch ist für den Totalitarismus des freiesten Staates, den es je auf deutschem Boden gab: Der Feind ist klein, schmutzig, häßlich, historisch widerlegt, intellektuell bankrott – aber er ist ungeheuer gefährlich und teuflisch raffiniert!“

Was den Fall Sellner aber noch komplizierter macht, ist der Kampf Intellekt gegen denkfaules Establishment, veranschaulicht – auch äußerlich – an den Auftritten Sellner vs. Fellner: bei Letzterem muß ich immer an ein Zitat von Georges Bataille denken, der gemeint hat, daß der Mund bzw. Rachen fast genauso viele Muskeln besitzt wie der Anus; und bei einem mehr als feisten Gesicht scheinen sich die beiden Körperöffnungen sogar zu ähneln...

Läßt sich dieser Kampf nun – zumal im intellektuellenfeindlichen, neofeudalen Österreich – gewinnen?
Vermutlich nicht, auch eine überfällige Parteigründung, allein schon um diese ständigen Limbotänze (FPÖ und ÖVP halten die Stange) endlich zu beenden, würde keine Abhilfe schaffen.

Man kann das Establishment aber nachhaltig verstören, indem man alle Kampfansagen des Gegners wörtlich nimmt und ironisch bricht.
Im konkreten Fall also ein bißchen weniger bierernsten „völkischen Fasching“, dafür aber – mit deutlichem Verweis auf die Insekten-Karikatur – vielleicht einmal eine Selbstinszenierung in Insekten-Kostümen und der Bitte an einen feisten Kerl wie Fellner, doch die Insektenvertilgungsapparatur handzuhaben.
Oder dem politischen Gegner bei Diskussionen eine Dose „Vandal“ in die Hand zu drücken, falls ihnen die Lust aufs Debattieren vergangen ist.
Auch Rattenkostüme würden sich gut eignen...
Die Insekten-Karikatur sollte im Hintergrund immer präsent sein.

Diese Form der Angriffsumkehr gilt im übrigen auch für den ewigen Vorwurf an rechts, die Gefühlsebene (Angst, Ressentiment, Hetze) einseitig zu betonen, während der Gegner sich genau das im Übermaß gestattet („Panik-Greta“); Lichtmesz hat darüber ja gerade geschrieben.

Wer durch Gelächter oder Schmunzeln einen Spannungsabbau auf beiden Seiten bewirkt, gewinnt die Schlacht. Das „tapfere Schneiderlein“ Bachmann („Ham Se mal 'ne Schere?“) und „Jagdhund“ Gauland ("Joa!") haben das in Ansätzen erkannt, Höcke hatte im letzten Interview leider nicht die Geistesgegenwart. Aber Sellner mit seinem entwaffnenden Bubencharme weiß das alles eh längst.
Glasklar.

Achterndiek
24. September 2019 12:26

@ Vox

"Nationalsozialisten waren im Übrigen entgegen aller medialer Propaganda und Dressur links. U.a. nach eigenem Bekunden. Schon allein deshalb kann man sich als Rechter die - bei Linken längst abgegriffene - Forderung "Nazis raus" zu eigen machen und frisch geschärft selbst einsetzen. Sowohl vorbeugend, als auch akut. Nicht nur aus eigener Erfahrung kann ich sagen: "Nazis raus" in Richtung Linke wirkt Wunder. Totale Sprachlosigkeit mit entgleisenden Gesichtszügen."

Nichtnazis gibt es in Mitteleuropa doch schon lange nicht mehr. Dort wimmelt es nur so von Klimanazis, SA-Antifa, Glatzkopfnazis, Femonazis, Rechtschreibnazis, Erdolfs, NPD-Nazis, rotlackierte Faschisten, NATO-Nazis, AfD-Nazis, Gartennazis usw. usw.
Ein jeder ist eines anderen Nazi. Nazi ist Synonym für Meinungsgegner, aber auch für einen Menschen, den man nicht mag.

Was soll denn beim beliebten Hortspiel "Gaanich Naaazieh (Rassist, Antisemit u.ä.)! - Säälber Naazieh!" anderes herauskommen als Sprachlosigkeit? Mir fällt zu dem atemberaubenden Diskurslimbo jedenfalls nicht viel ein.

Laurenz
24. September 2019 12:56

@Maiordomus ....... Die Bäckereifachverkäufern Erna Schmidt, bei mir um die Ecke, findet den Scherad Badler in 300 auch immer so klasse.

Pommer
24. September 2019 13:15

@RMH Die formellen Strukturen sind für ein Verbot allerdings völlig irrelevant. Entscheidend sind die tatsächlichen Strukturen. Das heißt bei formeller Selbstauflösung kann ein Verbot dennoch erfolgen.

Geht man davon aus, dass die interessierten Kreise maximalen Schaden im patriotischen Milieu anrichten wollen, wird ein Verbot dadurch nur wahrscheinlicher. Denn ein Verein, der sich kurz nach verkündeter VS-Beobachtung formell auflöst, dessen Strukturen aber in anderer Form weiterbestehen, macht genau das was tatsächlich verfassungsfeindliche Gruppierungen in solchen Situationen zu tun pflegen. Außerdem verspielt man vor der Öffentlichkeit und vor Gericht den letzten Rest Glaubwürdigkeit, den man sich noch bewahren konnte.

Die IB kann sich also gerade wegen dem drohenden Verbot und der VS-Beobachtung nicht selbst auflösen. Sie muss, ob sie will oder nicht, den gewählten Weg zu Ende gehen. Am Ende steht entweder ein juristischer Sieg und ein Ende der Beobachtung bzw. eine Aufhebung eines evtl. Verbots oder es wird für jeden offen erkennbar, dass dieser Staat totalitäre Züge annimmt. Das eine wie das andere wäre ein Gewinn. Erst dann können IBler über andere, neue Formen des Protestes nachdenken.

Pit
24. September 2019 15:38

Was also ist staatlich, vom Verfassungsschutz, verboten zu sagen: es ist verboten zu sagen, daß andersrassige Menschen keine Deutschen sind, daß sie nicht zu uns gehören, daß sie das Land zu verlassen haben.
Mal ganz klar herausgeschält: das ist das Problem, um das es geht.

Es ist uns VERBOTEN, über Rasse zu sprechen.
Ist dieses Verbot berechtigt?
Wer verbietet, über Rasse zu sprechen?
Warum läßt du es dir verbieten, über Rasse zu sprechen?

Denkt denn irgendjemand, daß andersrassige Menschen keine Deutschen sind?
Ja.
Viele denken das.
Aber viele haben ein Problem in sich selber damit, daß sie das denken. Sie denken selber, daß es unmoralisch ist, so etwas zu denken. Ergo: können sie ihre Position nicht wirksam vertreten; sondern nur verdruckst und so halb
-> und werden darum VERLIEREN. Wir werden Deutschland als Land für uns Deutsche verlieren, weil wir nicht imstande sind, unsere Position überzeugt zu vertreten.

"Natürlich kann ein Schwarzer ein Deutscher sein". Wie kannst du einen Menschen nach seinem Aussehen, nach seiner Rasse, beurteilen. Gott hat uns alle gleich erschaffen.
Ok: wenn alle Menschen in Deutschland Schwarze gewesen wären, wäre Deutschland nie Deutschland geworden. Sondern ein afrikanisches Land.
Das ist der Beweis, daß Rasse eben sehr wohl einen Unterschied macht.

Der nächste Punkt ist Souveränität und Selbstbestimmung: wir sind NICHT gefragt worden, ob wir Andersrassige als Teil unseres Volkes haben wollen, ganz offensichtlich dürfen wir ja über das Thema nicht einmal sprechen. Es mögen sich die Guten gerne für Vermischung aussprechen, aber es muß Platz für die sein, die nicht Vermischung wollen. Man wird dann sehen, wie es jedem mit seinem Modell ergeht. Wettbewerb der Systeme (immer wieder lustiges Nebenargument: hätten die britischen Soldaten in der Normandie an D-Day gekämpft, wenn sie gewußt hätten, daß sie für das heutige Großbritannien, so wie es heute ist, kämpfen, sterben sollen? Niemand kämpft und stirbt für dieses Modell, so kann man sich klar machen, daß dieses Modell FALSCH ist).

Also:
solange wir nicht ohne schlechtes Gewissen für das, was wir wirklich wollen, nämlich eine rassisch basierte Gemeinschaft, eintreten können, WERDEN WIR VERLIEREN. Die nicht-entschlossene Kraft, die unorganisierte Kraft, verliert. Wir werden aus Feigheit und Dummheit unser Land verlieren, weil wir nicht imstande waren, einer Situation klar ins Auge zu blicken. Das heißt: unsere Nachfahren werden in einer Dystopie als Minderheit im eigenen Land leben. Weil wir zu höflich waren, um rassistisch zu sein.

Das muß sich jeder klar machen, der zögert, der inneren Widerstand spürt, wenn er über Rasse sprechen soll

(und das ist auch George Soros´ Kalkulation. Er arbeitet nach eigenen Aussagen nach einem höchst einfachen, plausiblen Prinzip: wette gegen die UNPLAUSIBLERE Position. Warum ist die rassenbewußte Position die unplausiblere Position? Weil sie nicht mit Überzeugung vertreten wird. NUR darum ist es die unplausiblere Position. Ich halte es für möglich, daß Soros das alles nur macht, weil es MÖGLICH ist. Die Sache selber ist ihm völlig egal. Er sieht eine Bande von Loosern, d.h. uns, die wir nicht imstande sind, unsere Position mit Überzeugung zu vertreten: und wettet gegen uns. Und gewinnt, weil wir sucker sind. Wir verlieren zurecht gegen Soros. Seine Wette geht auf).

Gelddrucker
24. September 2019 19:07

@RMH
"Der Worte sind schließlich genug gewechselt und die Positionen sind ausdiskutiert."

Nicht im gerinsten. Ausschließlich bei Leuten beider Seiten, die sich tagtäglich damit beschäftigen und das macht noch nichtmal 10% (Schätzung) der Gesellschaft aus. Der große Teil der trägen Masse hat keinerlei Ahnung von demographischen Prognose, von der weltweiten IQ-Verteilung, denkt immernoch, Selbsterhalt wäre Nazi, all diese Dinge, die für Rechte und Linke "ausgelutscht" sein mögen, davon hat der gemeine Spiegel- oder WELT-Leser noch nicht gehört. Eigentlich sollte ausnahmslos jeder Patriot irgendwie aktiv werden. Zuhause sitzen ist nicht mehr.
Was natürlich nicht heißt, Internetstimmungsmache wäre nutzlos.

Maiordomus
24. September 2019 19:26

PS. Heute morgen analysierte Sellner die für die FPÖ entstehende neue Lage im Zusammenhang mit den Hintergründen um Strache und die Ibiza-Affäre wieder mit einem T-Shirt ohne Lambda-Logo. Offenbar weil er gegenüber der FPÖ in dieser Sache gerne für voll genommen wird.

Wenn die metapolitische Begleitung mit anderem Erscheinungsbild und zumal auch reflexiver Überholung, den Namen der "Bewegung" nicht ausgeschlossen, so besser geschafft würde, warum eigentlich nicht. Ohnehin besteht das geistige und zumal auch das politische Gewicht der Identitären heute weitgehend aus Sellner, Lichtmesz und noch ein paar engen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Von einer Massenbewegung kann nicht die Rede sein. Der von mir als Gedankenexperiment vorgeschlagene Neubeginn im Sinne von "Zurück auf Feld 1" wäre noch, bei Beibehaltung des Ziels von mehr metapolitischer Freiheit im Kultur-, Polit- und Geistesleben, wohl noch machbar. Insofern man unterwegs ist zu einer gewissen geistigen Grösse, hoffentlich mit langfristigem Einfluss und entsprechender politischer Wirkung, könnte untauglicher Ballast abgeworfen werden.

Gracchus
24. September 2019 20:41

Das muss Ihnen @zeitschnur nicht leid tun. M. E. verhält sich Kurz machtstrategisch sehr geschickt, nach allem, was ich beobachte. Und m. E. ist das tatsächlich eine Entwicklung, die sich abzeichnet: Die sog. entwickelten Ländern werden, sofern sie es nicht schon tun, als Wirtschaftsstandorte begreifen und miteinander konkurrieren. Die eigene Kultur wird als Folklore gepflegt. Kann man m. E. schon an Bayern sehen.

Ansonsten bin ich Ihrer Meinung: Man müsste dem Irrsinn viel mehr mit den Mitteln der Satire und Groteske begegnen. Das habe ich in letzter Zeit öfter gedacht. Allerdings erscheint einem die Realität so schon derart überzeichnet ...

Lehne ich mich zurück, gewinne ich den Eindruck: Der "Westen" ist in der Pubertät. Dazu passen die Egozentrik bis zum Narzissmus, der moralische Rigorismus und Manichäismus, die Hysterie, die Identitätssuche ... Immerhin gibt diese Perspektive die Hoffnung, dass der Irrsinn sich irgendwann mal legt.

Houellebecq hat in seiner Schirrmacher-Preisrede was Kluges gesagt. Sinngemäß: Man kann nur abwarten, bis sich die Leute ausgetobt und erschöpft haben.

Maiordomus
24. September 2019 20:47

@Sellner. Wie Sie heute abend in Ihrem Video sagten "Anständig" und "Selbständig", darauf kommt es an. Gewiss. Darüber hinaus noch "sicher und reflektiert in der eigenen Orientierung" mit Sinn für Verhältnisse und Proportionen. Dies in der Zeit des gläsernen Bürgers, wobei für den Oppositonellen die doppelten und dreifachen Durchleuchtungskriterien gelten: die "Herrschaft des Verdachts", mit welcher schon der erste aller Jakobiner, Robespierre, sein System des geistigen und zuletzt auch physischen Terrors aufrechterhielt.

Gelddrucker
24. September 2019 21:16

@Pit

Formulieren Sie es harmloser.
Andersrassige Menschen können auch Deutsche sein und zur Volksgemeinschaft gehören - in begrenzter Zahl und solange die echten Deutschen die klare Mehrheit sind. Ich denke diese Position stößt bei 99% der Rechten auf Zustimmung und ist gesellschaftsfähig - Ihre nicht, sofern sie so einschneidend gemeint war wie sie formuliert war.

Der_Juergen
25. September 2019 06:42

@Fredy

Ich würde "Imagine" an Ihrer Stelle keines Wortes würdigen.

Maiordomus
25. September 2019 08:20

PS. Noch Dank an die Redaktion, mutmasslich Lichtmesz: dass Sie nach ursprünglicher Verstümmelung meine Kritik an Sellner u. Co. vom 23. September ca. 21.24 Uhr doch noch integral gebracht haben. Sie wissen, dass ich mir einen konstruktiven Einfluss Sellners auf die österreichische Politik und besonders die FPÖ wünschen würde. Nach den neuesten, unbestreitbaren Ungeschicklichkeiten von Strache, welcher die Gefährlichkeit seines Spions offenbar trotz Indizien zu lange nicht erkannt hat, scheint mir definitiv klar, dass Sellner langfristig für die österreichische Politik geeigneter wäre als Strache. wohl auch die Charakterfehler von Haider nicht als Hypothek mit sich schleppt. Jetzt ginge es nur noch um die Weiterentwicklung der politischen Klugheit, deren Vorrat vorläufig noch nicht ausreicht.

Projekte, mit denen man teilweise ungeschickt, zumindest objketiv unglücklich agierte und die in der öffentlichen Wahrnehmung kontraproduktiv wirken, sollte man preisgeben können. Nicht nur das Lambda, auch die Identitäre Bewegung wären zur Neukonzeption und zur Neugründung fällig. Wenn die italienischen Christdemokraten, die italienischen Kommunisten, die PDS und andere aus politischen und noch sonstigen Gründen nicht mehr verkäuflich waren, hat man die Marken preisgegeben und einen Neuanfang gestartet. So und nicht anders meine ich es mit sogenannter konstruktiver Kritik. Auch Joschka Fischer hat seinerseit seine politischen Kinderkrankheiten, die im Gegensatz zu Sellner gewalttätige Handlungen einschlossen, immerhin überwunden, wiewohl er auch später keineswegs einen Massstab für wirklich vernünftige Politik darstellte. Er zeigte aber immerhin, wie man sich als totaler Aussenseiter (zwar stets mit medialer Unterstützung) politisch durchsetzen kann, freilich noch mit den abschreckenden Seiten eines Karrierepolitikers. Es wäre wohl besser, Sellner würde nie Vizekanzler.

zeitschnur
25. September 2019 11:54

@ Gracchus

"Orte" als "Wirtschaftsstandorte" zu verstehen funktioniert nicht ohne fundierende Kultur am Ort. Noch zehren diese Zyniker vom Speck der vielen Jahrhunderte - daher immer noch ökonomischer Erfolg in Europa und Asien, weniger in den anderen Kontinenten... auf dem eurasischen Kontinent sind die alten, immer noch teilweise intakten Kulturen. Diese Zyniker zehren zB von meiner Bildung und Formung, wähnen sich aber erhaben über mich...
Sobald der Speck verzehrt ist, ist es auch vorbei mit der Ökonomie, und es wird uns nicht anders ergehen als anderen Drittweltstaaten.
Noch gibt es den Abendländer, der sehr stark geformt ist von diesem Geist unserer Kultur. Auch unter jungen Leuten, trotz allem. Und wie seit Jahrhunderten sind sie auch im wesentlichen die, die die Kultur tragen - nicht die Geschäftsleute, auch wenn sie sich das täglich einreden. Es ist interessant, dass am Ende der Johannesoffenbarung die Könige der Erde um den Untergang der "Hure Babylon" klagen, mit der sie alle Geschäfte gemacht haben.
Ich glaube nicht, dass die Ökonomie der Kultur vorausgeht.

Wer intelligent ist, sollte einfach in Ruhe seinen Weg gehen, unbeirrt, und die Dummköpfe schreien lassen, bis das ständige Echo in ihren Hohlköpfen ihnen zum Spuk wird.
Meine Bereitschaft, mich mit diesem Niveau auseinanderzusetzen, sinkt täglich. Ich verachte diesen Ungeist und weiß, dass er kraftlos ist. Er macht nur viel Lärm.

heinrichbrueck
25. September 2019 13:59

@Pit
Die Rechte muß sich die Fragen stellen, wie sie die Macht erringen will, was Macht ist, und wozu sie Macht einsetzen muß. Dann kann sie die Antworten geben.
Die ungeschminkte Wahrheit war noch nie mehrheitsfähig. Die Rechte ist durchdrungen von konservativen Elementen, wären diese negativ, hätte das Wort durchseucht, auf die andere Feldpostnummer anwendbar, besser gepasst. Diese Elemente haben nicht die Durchschlagskraft, sich nicht in die Tasche lügen zu können. Die gegnerische Seite wird weitermachen, sie hat die Demokratie auf ihrer Seite. Die BRD gehört dem Feind. Wer kleine Kinder dazu animieren kann, für die eigene Enteignung auf die Straße zu gehen, zeigt der ganzen Welt seine Macht. Und er zeigt die Ohnmacht der Eltern dieser Kinder. Wie sollen solche Individuen, die alle im Sack sind, über Rasse sprechen? Diese Menschen leben auf einem ganz anderen Planeten. Mit einem Rassenbewußtsein, dem Überlebensprinzip schlechthin, können sie nichts anfangen. Die Enteignung ist ihnen einprogrammiert, damit haben sie leben gelernt, schließlich blieb noch immer genug übrig, in guten Zeiten sowieso. Die EU wird positiv gesehen, jedenfalls meistens, und die Zukunft nicht hauptsächlich negativ. Das Geld muß reichen, und für die Mehrheit reicht es immer. Und wer diese Mehrheit beherrschen will, wird keine Geldknappheit entstehen lassen. Ein Minimum muß gewahrt bleiben, dann kann auch das Ziel erreicht werden. Global in Geld (besser: Waren) denken zu können ("Die Weltgeschichte ist nicht ohne eine Weltregierung verständlich." Wilhelm von Humboldt).

Maiordomus
25. September 2019 15:14

ALD. Was Sie sagen an die Adresse von Sellner, sagte ich deutlicher, auch wenn es nicht immer geschaltet wurde. Ich bin froh, dass also noch andere hier das Problem des zu wenig Reflektierten und zum Teil Widersprüchlichen sehen und zumal die manchmal fehlende geistige Substanz. Sie nennen es einen Überhang des Quantitativen gegenüber dem (mangelnden) Qualitativen. Diese Kritik schliesst nicht aus, dass Sellner eigentlich vieles klarer und besser sieht als die FPÖ-Granden und er es verdienen würde, dort noch ernster genommen zu werden, jenseits der Hypotheken, mit denen die sog. Identitären nun mal noch belastet sind, als leider unausgereiftes, am besten zur Neugründung und Neubenennung anstehendes Projekt.

Search4M
26. September 2019 10:59

@zeitschnur
Zitat: "Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass mithilfe dieser Kasperlstücke "gegen rechts" eine Möglichkeit geschaffen ist, perfekte Verwirrung zu schaffen. Man sollte diese Wahnsinnigen eigentlich nur noch karikieren und verspotten. Psychologisch gesprochen: paradox intervenieren und ein postmodernes "Narrenschiff" verfassen."

Ich bin voll bei Ihnen. Der Truppe muss permanent ihre Lächerlichkeit vor Augen geführt werden. Und es gibt bereits erste Anfänge, siehe die geschlossene Face Book Gruppe "Fridays for Hubraum" mit bereits mehr als 300.000 Mitgliedern. Sowas ist zwar nicht nach dem Geschmack der edlen Philosophen und Geschichtsprofessoren hier, aber es wird Wirkung entfalten. Und darauf kommt es an. Neue Zeiten erfordern neue Mittel.

belisarius
26. September 2019 13:09

Die Identitäre Bewegung hatte ihre Zeit, hatte die Aufmerksamkeit, hat schön viel Reibungsfläche produziert und indirekt etliche "Autoren", "Journalisten" und "Rechtsextremismusforscher" in Lohn und Brot gehalten. Für den großen Mainstream-Appeal hat's nie gereicht, der Bewegungscharakter hat sich leider nie ganz eingelöst... sei's drum. die Individueen bleiben. Politisch ist ein Martin Sellner (und sein zu Unrecht unterschätzter Youtube-Channel) derzeit ein weit größeres Gewicht als die gesamte IB zusammen. Keep it up, lieber Martin. Noli desperare !

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