7. November 2019

Extinction Rebellion (Teil I): XR und IB

Caroline Sommerfeld / 25 Kommentare

Das Phänomen "Extinction Rebellion" (XR) geistert durch Europa. In einem dreiteiligen Beitrag widmet sich Caroline Sommerfeld dieser Bewegung.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Es geht ihr darum, die verschiedenen sozialen Systeme auszuleuchten, auf deren Grenzen diese "Bewegung" operiert: Politik, Kunst und Religion. Der erste Teil stellt die Frage, ob "Extinction Rebellion" (XR) und die Identitäre Bewegung einander strukturell ähneln. Im zweiten Teil geht es um die okkulte Symbolik von XR und im letzten Teil um die Versuchung rechter und linker Apokalyptik. Kommentare sind stets nur möglich bis zum Erscheinen des nächsten Teils. Wir moderieren außerdem hart und gestatten kein Ausfransen! (Kubitschek)

-- -- --

Der Wikipedia-Artikel zum Begriff „Astroturfing“ gibt erstaunlich viel zu. Astroturfing sei ein englisches

Wortspiel mit dem Ausdruck Graswurzelbewegung (grassroots movement), der eine wirklich spontane, in erster Linie von Privatpersonen getragene Initiative bezeichnet. AstroTurf ist hingegen ein Markenname für Kunstrasen, wie er in manchen Sportstadien Verwendung findet. (…) Astroturfing kann als Übernahme der Methoden des grassroots campaigning beschrieben werden. Seine Akteure verfolgen keinen demokratischen bottom-up-Ansatz, sondern haben durch zentrale Koordination und Finanzierung eine top-down-Prägung, die sie jedoch zu verheimlichen versuchen.

Der Artikel ist deshalb so frank und frei, da unter den Beispielen ausschließlich solche aufgeführt sind, die diese Methoden bei Arbeitgeber-, Pharma- und Atomlobby, in Kampagnen gegen Obama oder gar der „organisierten Klimaleugnerbewegung“ aufdecken. Subtext durch Umkehrprobe: grüne, linke, klimarettende, demokratische Bewegungen sind immer echte Graswurzelbewegungen.

Relativ bald nach der konzertierten Aktionswoche der allem Anschein nach aus dem Nichts aufgetauchten Bewegung „Extinction Rebellion“ (auf Deutsch:„Rebellion gegen das Aussterben“) vom 7.-12. Oktober 2019 sickerte durch, daß diese people-power-Bewegung ihre Aktivisten im Vergleich zu deren sonst durchaus prekären Einkünften ganz gut bezahlt.

Das ist möglich und programmatisch auch so vorgesehen, insofern „Extinction Rebellion“ Teil eines umfassenden Netzwerks ist, das auf der Seite sciencefiles.org fein säuberlich auseinandergezupft und in seine Spendenanteile zerlegt wird. Rising Up, der Mutterkonzern von XR, werde via Guerilla Foundation mitfinanziert von Greenpeace und Attac, sowie über Zwischenorganisationen von der Open Society Foundation des George Soros.

Sciencefiles.org kommt zu dem Schluß:

Das Netzwerk, das wir oben zusammengestellt haben, ist also ein Revoluzzer-Netzwerk, eine Art Neuauflage der Kommunistischen Internationalen, deren erklärtes Ziel darin besteht, die vorhandene Gesellschaft nach ihren Vorstellungen zu verändern und die den Klimaschutz als Vorwand nutzen, um dieses Ziel zu erreichen.

William Engdahl zieht in einem aufschlußreichen und noch tiefer gehenden Artikel die historischen Linien der

Finanzialisierung der gesamten Weltwirtschaft unter Einsatz der Furcht vor einem Weltuntergangs-Szenario, um willkürliche Ziele wie 'klimaneutrale Treibhausgas-Emissionen' zu erreichen.

Im als Gratisdownload erhältlichen XR-Manual steht, der „Klimanotstand ist also ein Notstand von unten: von oben ausgerufen, aber von unten eingefordert“. Es dürfte sich genau andersherum verhalten. „Astroturfing“ gibt vor, von unten einzufordern, was längst beschlossene Sache auf sehr viel höherer und ökonomisch durchsetzungsstärkerer Ebene ist, als es die Ortsgruppe Hannover erkennen läßt.

Um die Forderungen „von unten“ breitenwirksam von oben unters Volk zu bringen, bedarf es allerdings wirkungsvoller Kampagnen. XR ist der „non violent action“ verpflichtet. Der amerikanische Collegeprofessor Gene Sharp (zweimal für den Friedensnobelpreis nominiert) hat diese in seiner „Bibel“ des regime change entworfen. Seitdem wurden die Handlungsanweisungen für den gewaltlosen Widerstand von zahllosen „Befreiungsbewegungen“ angewandt: vom Kiewer Maidan, auf dem Tahrir-Platz in Kairo oder in Jugoslawien gegen Miloševićs unter dem Schlagwort „Otpor!“ (Widerstand). Die politische Macht zu unterminieren, bis sie in sich zusammenbricht ist das erklärte Ziel.

Martin Sellner schrieb auf Twitter:

"Thread unter uns: Ich sehe den ganzen Klimaaktivismus eher gelassen, finde @ExtinctionR_DE sogar interessant. Haben dieselben Bücher gelesen wie wir. Popovic, Sharp, Boyd, Smucker uva. Sogar die berühmten "3,5% people power" kommen bei ihnen vor."

Im Kontrakultur-Handbuch der Identitären Bewegung gibt es ein Lemma „Regime Change“, das sich genau diesen Bezügen widmet: auch die IB will einen regime change.

Auf den ersten Blick liegt es ausgesprochen nahe, XR und die IB in Hinblick auf die Aktionsmittel zu vergleichen. Lichtmesz überlegte auf Twitter anläßlich einer Kunstblutaktion von XR in London, wie es wohl wäre, hätte

eine identitäre Gruppe mit dem Namen 'Replacement Rebellion' das gemacht, um an die 'Rivers of Blood'-Rede von Enoch Powell zu erinnern.

Ein anderer Kommentator zog denselben Vergleich in etwas hölzern satirischer Weise: die einen werden für ihre provokanten Happenings von allen außer den lahmgelegten Pendlern gefeiert, die anderen werden für dasselbe Vorgehen systematisch kriminalisiert.

Was den einen also ihre Klimakatastrophe, ist den anderen ihr großer Austausch? Sind beide Bewegungen nicht strukturgleich und mithin von Hufeisentheoretikern elegant gegeneinander auszuspielen? Der entscheidende Unterschied ist, daß der große Austausch real stattfindet, während XR eine Fiktion („das große Aussterben“) für die Realität hält.

Der große Austausch findet statt, es wird aber behauptet, daß er nicht stattfindet. Das große Aussterben findet nicht statt, es wird aber behauptet, daß es stattfindet. Zwischen XR und der IB ist Strukturgleichheit nur auf der Ebene der politischen Instrumentalisierung zu erkennen, die damit betrieben wird oder werden kann.

Denn nicht nur der Oberflächenvergleich der Aktionsmittel ist naheliegend, sondern auch der der ideologischen Herkunft, bis hin zu der Befürchtung, die IB könne ebenfalls durch Astroturfing instrumentalisiert werden oder worden sein. Der von Martin Sellner so geschätzte Gene Sharp und dessen Einstein Institution hängen, wie die französische Wikipedia ausführt, mit George Soros, der CIA und dem US-amerikanischen neoliberalen National Endowment for Democracy zusammen, welches alles andere als national agiert.

Die Einstein Institution habe, so liest man dort, die Massenerhebungen für „Demokratie“ in Birma, Thailand, Ägypten, Hong Kong, Tibet, Serbien, Äquatorialguinea, Palästina und Venezuela dirigiert. Mit Hilfe von Soros habe sie sie ferner die Orange Revolution in der Ukraine getragen, die Aufständischen gegen Hugo Chavez in Venezuela organisiert, und Srda Popovics „Otpor!“ in Serbien erhielt Anweisungen vom Ex-CIA-Agenten James Woolsey.

Die IB will einfach nur die Schriften studieren, ähnlich wie sie in ihren Anfängen 2012 Lenins Was tun? las, ohne gleich eine kommunistische revolutionäre Zelle zu sein, oder Saul Alinskys Rules for Radicals, ohne linkem Anarchismus zu verfallen. Problematisch ist nicht, von Linken zu lernen, und schon gar nicht, den politischen Gegner gut zu kennen. Problematisch ist der unterstellte „Demokratie“-Begriff der Regime-Change-Ideologie, der sich auch auf die IB auswirkt.

Martin Sellner kommt nach erster Faszination rasch darauf, daß XR doch alles andere als sauber ist:

Sie gehen hier vor nach dem klassischen Schema der CIA-gesteuerten Farbrevolutionen (…) wenn sie es nicht schaffen, dann wollen sie die Regierungen stürzen und Demokratien einrichten, die 'zweckdienlicher' sind ('more fit to the purpose').

Sellner zitiert in seinem Video auch den XR-Gründer Roger Hallam mit den inzwischen schon in den Sozialen Medien „viral“ gewordenen Worten: „And yes, some may die in the process.“ Ob sich dies auf Umweltaktivisten oder ihre Gegner bezieht, blieb bei Hallam allerdings undeutlich.

Wenn Sellner die Kunstrasenbewegung XR als "antidemokratisch" kritisiert, hat er sowohl recht als auch unrecht. Selbstverständlich ist sie das, gemessen am formalen Begriff der Demokratie. Denn wenn er die Forderungen der IB im wesentlichen mit gleicher Teilhabe, Meinungs-, Versammlungs-, Redefreiheit und Mehrheitsprinzip umreißt, legt er eine Formaldemokratie zugrunde. Diese soll nun bei XR in geradezu grotesk selbstoffenbarender Art und Weise in eine ganz bestimmte Programmdemokratie umgewandelt werden. XR spricht in ihren ebenfalls seltsamerweise geleakten internen Dokumenten von der "preparation for the coming structural collapse of the regimes of western 'democracies'".

Martin Sellners formaler Demokratiebegriff, den er normativ im Sinne des aktivistischen Eintretens für rechtsstaatliche Prinzipien füllt, rechnet nicht mit der „Zuschauerdemokratie“ (Walter Lippmann) oder „Postdemokratie“ (Colin Crouch, Karlheinz Weißmann). Die schweigende Mehrheit, die hinter der IB stünde, und ihr zu demokratischer Mehrheit verhülfe, „wenn wir nicht solchen brutalen Repressionen ausgesetzt wären", ist aber ihrerseits gelenkt und als Masse dazu prinzipiell außerstande. Die Lämmer schweigen, weil sie eine Herde sind, wie Rainer Mausfeld konstatierte, doch auch Mausfeld hält trotzig einen „aufklärerisch“-liberalen Demokratiebegriff gegen die den Lämmern weisgemachte Demokratieillusion hoch.

Demokratischer Widerstand befindet sich letztlich in einer unentrinnbaren Zwickmühle: nur im normativen Beharren auf der Demokratie ist Totalitarismuskritik möglich. Demokratischer Widerstand muß dabei allerdings bestimmte Annahmen teilen, die nur liberal gedacht werden können. Beginnt man, diese in Zweifel zu ziehen, beraubt man sich als „Antidemokrat“ der eigenen Argumentationsgrundlage.

An exakt dieser Stelle ist demokratischer Widerstand instrumentalisierbar, weil er im Grunde schutzlos gegen Regime-Change-Ideologeme der Machart „Make the world safe for democracy“(Woodrow Wilson) ist.

Es gibt noch eine dritte Ebene, auf der XR und IB prima facie Ähnlichkeiten aufweisen, nämlich die Letzte-Generation-Rhetorik.

Apokalyptik ist die Versuchung, die eigene historische Rolle libidinös zu besetzen: Wir sind die Letzten, die noch handeln können. Diese Versuchung zu hinterfragen heißt nun keineswegs, den Sachverhalt abzustreiten, daß es demographisch tatsächlich nur noch in dieser jungen Generation eine autochthone Mehrheitsbevölkerung Europas gibt. Wir müssen nur um unsere Verführbarkeit und unsere mögliche Autosuggestibilität wissen.

Auf der politischen Rechten ist der apokalyptische Ton eine genauso gewohnte Stimmlage wie auf der Linken. Die Generation X kennt ihn schon seit früher Kindheit allzu gut (Atomtod! Super-GAU! Waldsterben! AIDS! Ozonloch!), um noch empfänglich zu sein. Und doch reproduzieren wir ihn selber, besonders dann, wenn die liberale Dekadenz wieder einmal besonders grausige Sumpfblüten treibt, die Islamisierung ihren Lauf nimmt und der Große Austausch unaufhaltsam fortschreitet.

Auch das macht uns instrumentalisierbar für fremde Programme zur Rettung des Abendlandes, Steve Bannons „Movement“ oder die Aktivitäten des Middle East Forum in Europa sind nur bereits offenkundige Beispiele. In der Apokalyptik verschmilzt die Untergangsdrohung mit der versprochenen letzten kollektiven Handlungsoption.

„Wir sind die letzte Generation, die noch etwas ändern kann“ (IB Deutschland). Das Wir, das Menschenkollektiv, ist Ansprechperson im Plural. Zugleich besteht es aus Zuschauern, deren individueller revolutionärer Trieb sogleich konsumiert wird, da mögen wir uns noch so im dazu passenden Generations-Kapuzenpulli davon freistrampeln.

„Wir sind die letzte Generation, die die Krise nach abwenden kann“. Möglich sei das aber nicht durch individuelle Veränderungen. „Die Menschen müssen sich kollektiv organisieren, um das System zu verändern.“ (Carola Rackete, XR Deutschland)

Wenn Sellner in seinem Identitär!-Buch (2017) die letzte Chance für eine echte rechte Jugendbewegung als Massenbewegung für vermutlich in den 1990er Jahren verpaßt hält, so ruft er doch die letzten Versprengten seiner Generation auf, eine „metapolitische Spezialeinheit“ zu bilden. „Aber wir dürfen uns keine Fehler erlauben. Wenn wir es vergeigen, gibt es keine zweite Chance“.

Es kommt auf Versuchungswiderstand an. Dieser besteht hier erstens darin, besser zu erkennen, was tatsächlich abläuft und wer und vor allem: welche Kräfte und Prinzipien hinter der Oberfläche die Fäden ziehen, und zweitens darin, der Versuchung zu widerstehen, in einem von übergeordneter Stelle inszenierten Verblendungszusammenhang mitzuspielen.

Dazu gehört, jeglicher Verführung der Masse zu widerstehen, also sowohl der Apokalyptik samt letzter kollektiver Erhebung, als auch der Verführung, eine Masse dazu aufzurufen, auf der Straße „Gesicht zu zeigen“.

„Zu wollen, daß eine Meinung sich durchsetzt (recht haben wollen), heißt immer, ihr andere Stärken zu wünschen als die, welche sie hat, und an diesen zu zweifeln. Den nahen Sieg einer Doktrin voraussagen heißt zugeben, daß ihr Wert in dieser künftigen Macht liegt, und daß diese künftige Macht in dieselbe Kategorie gehört wie die jetzigen Widerstände, gegen die sie sich durchsetzen wird. Ihr werdet anbeten, was ihr jetzt verbrennt; was heißt, daß eure Verehrung nicht mehr bedeutet als eure Gluthaufen.“ (Paul Valéry)


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.


Kommentare (25)

MARCEL
7. November 2019 13:29

Eine treffende, gut lesbare "Feindaufklärung", wie sie notwendig ist. Danke für diese Analyse.
Würde man sich auf das Niveau des Gegners hinabbegeben, so fehlten jetzt nur noch Fotos und Adressen der Köpfe. Wir lernen zwar vom Gegner, kopieren ihn aber nicht!
Im übrigen stuft der russische Generalstab nicht ohne Grund diverse NGOs als Kombattanten eines neuartigen irregulären Kriegs ein. A propos Russland: Man braucht eben auch mächtige Freunde (auch wenn es bei Großmächten nicht um Freundschaft geht, dennoch)

zeitschnur
7. November 2019 13:30

Ein sehr guter Text! Danke!

Das Dilemma:

"Demokratischer Widerstand befindet sich letztlich in einer unentrinnbaren Zwickmühle: nur im normativen Beharren auf der Demokratie ist Totalitarismuskritik möglich. Demokratischer Widerstand muß dabei allerdings bestimmte Annahmen teilen, die nur liberal gedacht werden können. Beginnt man, diese in Zweifel zu ziehen, beraubt man sich als „Antidemokrat“ der eigenen Argumentationsgrundlage.

An exakt dieser Stelle ist demokratischer Widerstand instrumentalisierbar, weil er im Grunde schutzlos gegen Regime-Change-Ideologeme der Machart „Make the world safe for democracy“(Woodrow Wilson) ist."

Soweit, sich innerlich abständig zu halten von den beiden Verführungsrichtungen bin ich auch gekommen - nur: wie dann? Ist der Versuchungswiderstand zwar sehr aktiv in der analytischen und forschenden Tätigkeit, aber passiv in der Außenwirkung?

Geben Sie eine Antwort auf diese Frage in den nächsten Artikeln?

Zum Thema "Astroturfing" fällt mir auf, wie sehr in letzter Zeit in Künstlerkreisen das Bild vom "Rhizom" für die Gesellschaft der Zukunft als Alternative zu hierarchischen Strukturen propagiert wird. Und alle schwätzen es nach, weil es so "egalitär" klingt, in Wahrheit aber eine erstickende Gleichschaltung beschreibt, fast etwas wie ein Krebsgeschwür, das schmerzlos alles überzieht und einwickelt, "gewaltfrei" wie Sie zitieren oben.

RMH
7. November 2019 13:52

Danke, dass sich diesem Thema angenommen wird. Hochinteressant. Darf ich der erste sein, der einen "Aluhut" für seinen Beitrag bekommt?

Da sich in diesem Jahr bekanntermaßen die Charles Manson Morde (er selber hat ja nie eigenhändig jemanden getötet - er soll aber der Mastermind und Anstifter gewesen sein) jährten und nun wirklich viel darüber berichtet wurde, ist mir (vermutlich bin ich da nicht alleine, aber so ausdrücklich habe ich das jetzt bislang noch nicht gelesen) doch aufgefallen, dass das apokalyptische Öko-Ding bereits einen (seiner vielen!!!) Vorläufer bei Charles Manson hatte. Ich verlinke dazu auf die englischsprachige Wiki:

https://en.wikipedia.org/wiki/ATWA

Jener berüchtigte "Sekten-Killer" Manson begann also schon mit einer Öko-Bewegung und formulierte das Schlagwort "ATWA" für Air, Tress, Water, Animals (wo sind die "Humans"?). Soweit, so zunächst unauffällig. Jedoch sollen die beiden Hauptakteurinnen in Mansons Öko-Bewegung, Lynette Fromme and Sandra Good (hierzu am besten auch einmal den englischen wiki-links folgen), u.a. in roten Gewändern (!) für die Umwelt protestiert haben, Drohbriefe versendet haben etc. - und wer hat aktuell in auffallend roten Gewändern protestiert?

Manson hat sich und seiner Gruppe als eines der ersten Symbole das "X" gegeben und sich das X selber auch in die Stirn tätowiert (das X ergänzte er später zur Swastika). "X-Tinction" Rebellion ... rote Gewänder ... Drohungen .... klar, das "X" bei XR soll ja angeblich eine Sanduhr sein ...

Aber: Es gab mithin schon einen kleinen Baukasten an Prototypen, Ausdrucksformen und Symbolen, die man mit XR zur Deckung bringen kann.

Zudem: Eine der unzähligen Theorien zu Manson besagt, er sei staatlich kontrolliert gewesen, um die gesamte Hippie- Bewegung durch seinen Terror abzuwürgen und zu desavouieren ... (das ist die eher linke Sicht der Love & Peace Fraktion - andere sehen das anders).

Linke Verschwörer können jetzt sagen: XR ist eine Truppe, die nach bekanntem Muster bei Bedarf den Terror-Vorwand liefert, um das gesamte FfF und ÖKO-Ding abzuwürgen, analog Manson, der den Hippie-Traum aufgrund bestimmter Interessen abgeschaltet haben soll.

Zum Thema Manson gibt es selbstredend noch hunderte andere Meinungen und ich will hier nichts behaupten, sondern nur zum selber nachdenken und recherchieren anregen.

Wie auch immer, ich persönlich halte es auf jeden Fall für wenig kreativ, wenn eine Bewegung wir XR im fünfzigsten Jahr nach den Manson-Morden rein zufällig hier in die Symbolkiste von damals greift ...

PS: Evtl. kommt sowas in der Art ja in einem der angekündigten weiteren Teile zum Thema XR.

deutscheridentitaerer
7. November 2019 15:14

Das ist mir zu hoch, Frau Sommerfeld. Inwiefern ergibt sich aus ihrem Text, dass es eine Versuchung sei, Leute zum Gesichtzeigen aufzufordern?

Kommentar Sommerfeld: Massenpsychologie ist geradezu ein Sündenpfuhl, und zwar für Führer und Verführte. Weiteres im II. Teil.

Waldgaenger aus Schwaben
7. November 2019 16:01

Das große Aussterben findet statt, es ist keine Fiktion. Belege finden sich hier:
www.google.de
Diskutieren will ich es hier nicht, wegen der Gefahr des Ausfransens.

Nur die Frage:
Ist das Bestreiten des große Aussterbens eine Voraussetzung für die Thesen der Autorin, die sie darlegen will?
Wenn nicht, warum bindet sie sich das an das Bein?

Auch wenn das große Aussterben statt findet, heißt das noch lange nicht, dass XR recht hat bezüglich der zu treffenden Massnahmen.
So wenig wie Lenin und Stalin recht hatten, bezüglich ihrer Lösungsvorschlöge zur sozialen Frage.

Kommentar Sommerfeld:
Des Menschen durch die "Klimakatastrophe"?

Waldgaenger aus Schwaben
7. November 2019 16:32

XR bezieht sich auch auf das Massenaussterben der Tierarten, IMHO
--------------
https://de.wikipedia.org/wiki/Extinction_Rebellion

Die Extinction Rebellion.. ist eine Umweltschutzbewegung mit dem erklärten Ziel, .. gegen das Massenaussterben von Tieren und Pflanzen und das mögliche Aussterben der Menschheit als Folge der Klimakrise und der Vernichtung von Lebensraum zu erzwingen.

-----------

Das Massenaussterben von Tieren und Pflanzen findet statt. Über Ursachen und Massnahmen dagegen kann man diskutieren. Das ist ein weites Feld und vor allem ein anderes als was hier besprochen wird.

Grobschlosser
7. November 2019 18:55

wenn in Afrika die Nashörner ausgemordet werden kann man mit einer larmoyanten Bettelkampagne kurz vor Weihnachten Gelder in Mitteleuropa einsammeln ODER kurz und schmerzlos das Problem der Wilderei polizeitaktisch lösen .

und ja : die Natur wird von der Masse Mensch beschädigt - vermutlich werden die hier schreibenden Leser keinen Plastikmüll in der Ostsee verklappen und auch kein Motoröl in den Gulli kippen .

die VR China hat es mit der Einkindpolitik versucht - heute leben 1,4 Mrd Chinesen ; produzieren , konsumieren - Teile der Natur sind unbrauchbar für die Landwirtschaft ; entsprechend wird Nahrung in Brasilien gekauft .

Verteilungsprobleme sind mathematisch beschreibbar und frei von Ideologie ; wer Sojaschrot für seine Landwirtschaft benötigt induziert Nachfrage ; der Markt reagiert entsprechend .

Der absehnbare Konflikt sieht folgendermaßen aus : China muss seine wachsende Bevölkerung ernähren und arrangiert sich mit Südamerika und kolonisiert Teile der afrikanischen ( failed states ) Gebiete etabliert dort einen Quasistaat der prinzipiell von der VR China ( bzw von den Triaden , der chin. Mafia ) verwaltet wird .Marktwirtschaft funktioniert also für China - entsprechend geht man militärischen Konflikten aus dem Weg . Kollateralschaden : Teile der Natur werden vernichtet .

nochmal das Nashorn : der Westen kann oder will das Nashorn nicht schützen denn sonst würde er kurzerhand anonyme Söldnerheere nach Afrika entsenden und die Naturmörder beseitigen lassen - technisch ist das machbar .

und b) "Umweltpolitik" / "Entwicklungspolitik" ( "ich muss meine 4 Frauen und 19 Kinder ernähren , habe aber nur drei Ziegen " ) geschenkt . Die Diskurgrenze ist erreicht, jedes weitere Wort ruft den Staat auf den Plan - das was die Gretakinder veranstalten ist ..... so eine Mischung aus Sesamstraße , Abenteuerspielplatz und Ferienspaß.

die westlich / europäische Ökobefindlichkeit interessiert in Asien niemanden - und wir können nur bedingt auf die Entscheidungen der Asiaten einwirken .

wenn wir nicht einmal der Nashornmafia das Handwerk legen können ; wenn es nicht gelingt die systematisch Ermordung der Tiger zu unterbinden sehe ich keine Möglichkeit die Natur zu retten -außer wir entscheiden uns für einen nicht näher zu nennenden , rasch umzusetzenden Plan der in keiner Zivilgesellschaft jemals erörtert werden wird .

Old Linkerhand
7. November 2019 20:39

@Waldgänger und @Grobschlosser:
Vor etwa 30 Jahren begann das Sterben der Stein- und Eintagsfliegen in den voralpinen Flüßen. Interessiert hat das, bis auf ein paar Naturschützer und Experten, niemanden. Heute gehen die Bestände der Landinsekten rapide zurück, was das sichtbare Schrumpfen der Vogelwelt zur Folge hat.
Das Interesse oder besser die Angst nahm zu. Vor 5 Jahren wurden in Frankreich die ersten Babies mit unterentwickelten Gliedmaßen ( so ähnlich wie Contergan ) geboren. Seit 2 Jahren haben wir das auch in Deutschland.
Jetzt herrscht bei den Betroffenen und dem Klinikpersonal blankes Entsetzen. In den MSM hört man davon aber nichts und wenn dann höchstens Beschwichtigungen. Genschäden beim Mensch durch Umweltvergiftung ist ein heikles Thema und wird noch mit dem Aluhut dekoriert.
Tiger, Nashorn und Co sind bedroht durch die ständige Verkleinerung ihres Lebensraum durch „Menschenfraß“, das läßt sich aber schlecht verkaufen, deshalb müssen die Wilderer erhalten. Wobei die Wilderei ursächlich auf Menschenfraß beruht. Die Oberlehrer-Deutschen wollen den Tiger in Asien geschützt haben, den Wolf vor ihrer Haustür aber „irgendwie los werden“.
In Indien erklären europäische Naturschützer den Eltern, die ihr kleines Kind an eine verzweifelte Leopardenmutter verloren haben, die Schutz-bedürftigkeit der Großkatzen, während in Europa jeder Braunbär, der mal an einen Bienenstock genascht hat, abgeknallt äh… entnommen wird. Unsere Glaubwürdigkeit in der Welt wird da arg strapaziert. Auch ein Grund warum Europa kaum noch ernstgenommen wird.
Für all diese Probleme gibt es aber nur einen Grund und das ist die maßlose Expansion des Menschen auf allen Gebieten. XR oder die Greta Bewegung machen da etwas sichtbar und rücken es in die „Mitte der Gesellschaft“.
Sie werden aber niemals zum Kern gelangen, das dürfen sie auch nicht und falls ihnen das doch gelingt, werden sie von unsichbarer Hand unsichtbar gemacht.

limes
7. November 2019 21:36

Dem Kommentar von @deutscheridenitärer kann ich nur zustimmen, und finde das Stilmittel Cliffhänger (»Weiteres im II. Teil«) in einer politischen Debatte befremdlich. Bedeutet die Warnung vor der »Verführung, eine Masse dazu aufzurufen, auf der Straße „Gesicht zu zeigen“« die rote Karte für PEGIDA?

Was wäre falsch daran, mit Bannon ein Bündnis einzugehen? Soll man es vorziehen, in teutonischer theoretischer Hygiene den aufgeklärten Westen untergehen zu lassen, anstatt gemeinsam politisch zu handeln? Im Interesse der Völker, deren Vorfahren sich Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat erkämpft haben? Weiteres in Teil II …

»Ein schönes, reines, edles, höchst moralisches Wesen ohne die sinnliche Stärke, die den Helden macht, geht unter einer Last zugrunde, die es weder tragen noch abwerfen kann; jede Pflicht ist ihm heilig, diese zu schwer.« Darf man das noch zitieren im Land der Dichter und Denker?

Grobschlosser
7. November 2019 22:13

re Old Linkerhand : kenne die "Debatten" .

den Wolf brauchen wir wenn der Waldumbau funktionieren soll ( weg von der Nadelwaldmonokultur hin zum Buchenmischwald ) der Wolf verursacht durch seine Präsenz Stress beim Rotwild ; die Setzlinge werden nicht ( oder nur noch selten ) vom Rotwild verbissen ; der Wolf hat also nicht nur ein abstraktes Lebensrecht in Mitteleuropa - er wird vom Menschen dringend benötigt .

politisch wird es wenn der Schäfer seine Verluste beklagt - wer will schon einen pot. Wähler verlieren ?

Europa ist bereits heute überbevölkert , nur intelligente Umverteilungsstrategien , eine moderne Landwirtschaft und social engineering verhindern den offenen Großkonflikt zwischen verschiedenen Gruppen .

4 Wochen Stromausfall , 3 Tage ohne Trinkwasser oder 4 Tage ohne Wurstbrot und wir haben hier Zustände wie im Kongo .

Peter Sloterdijk ( "Regeln für den Menschenpark" ) hat mal durchblicken lassen was kommen könnte .

man mag Länder wie die VR China kritisieren - aber eine straff durchorganisierte Industriegesellschaft kann Krisen leichter überwinden als ein laissez - faire Westeuropa .

Die "Prepper" Gemeinschaft wird vom publizistischen mainstream gerne in irgendeiner "rechten Ecke" verortet - der Gedanke ,daß eine bestimmte pol. Konstellation von "Vater Staat" eventuell nicht mehr beherrschbar ist gefällt vielen Leuten nicht .

Wir sind nur eine Missernte vom Hunger entfernt - hier in Europa - verkauft uns im Falle einer Krise niemand mehr Weizen und ein paar Container Bohnensuppe wird es eng .

Weltversteher
7. November 2019 22:27

Was bin ich dankbar, daß hier endlich solche Themen kommen, dieser Zugang zum Zeitgeschehen, und ohne die üblichen herkömmlichen Gehhilfen.
Schön gerade von Ihnen, Frau Sommerfeld, und ein Nachschub zu dem guten Beitrag im vorliegenden Heft.

Franz Bettinger
7. November 2019 23:23

@generell / off topic: Gott sei Dank erkennen K+K meist, wenn das Wasser im Badekessel überzukochen droht und verkünden weise „Badeschluss“. Trotzdem gut, wenn den Kommentatoren hin und wieder erlaubt wird, im heißen Pool zu planschen, sonst würden heikle Themen (NS, F, Rasse, Abtreibung) nie radikal genug und nur an der lauen Oberfläche mit wenig Gewinn diskutiert werden. Gerade die Offenheit unterscheidet SiN ja von fast allen anderen Blogs. Offenheit, nicht Tabulosigkeit, denn nolens volens müssen gesellschaftliche Tabus beachtet werden, will man nicht Kopf und Kragen riskieren. Also Danke K+K für die Guidance und auch für manche Löschung.

Laurenz
8. November 2019 01:19

Vielleicht ließe sich das aktuelle politische und gesellschaftliche Handeln durch Konrad Lorenz und Seiner Verhaltensforschung aus dem Blickwinkel der Biologie oder Karl Grammers Evolutions-Biologie leichter erklären und definieren als durch Psychologie und Philosophie, welche viel zu komplex erscheinen für einen doch recht einfachen Sachverhalt?
Die Frage nach Geburten-Rückgang kann nur über Durchschnitts-Quoten geregelt werden. Die, und anschließende Geburtenkontrolle werden nie oder nur selten demokratisch sein. Die können nur mit einer überlegenen militärischen Option durchgesetzt werden. Da aber der Mensch den planetaren Lebensraum selbst überfordert, ist dies nachhaltig die einzige Maßnahme, die vordergründig zu ergreifen ist, mit allen Konsequenzen, die für einen Erfolg zu ziehen sind.

Keine Sonstwie-Rebellion wird die US Army & Co.dazu bringen, auf Öl-Konsum zu verzichten, außer es ergäbe sich ein mehr praktikabler Energieträger. Der ist aber aktuell nicht abzusehen. Würde der aktuelle Produktions-Ausstoß der VW-Konzerns komplett in Akku-Fahrzeugen ausgeliefert werden, würde die gegenwärtige Kobalt-Produktion des Planeten nicht ausreichen. Deswegen werden Abrams-Kampfpanzer weiterhin mit Gas betrieben werden und nicht mit Strom.

Leider wird eine globale Planung der Bevölkerungszahl von den einschlägigen Kollegen von Frau Sommerfeld weitestgehend ignoriert. Auf der Lohnliste der "Mächtigen" ist diese einzig funktionierende Idee unbeliebt, weil Macht über weniger Menschen weniger Macht bedeutet.
Wenn sich keine Vereinbarung der Großmächte über Geburten-Kontrolle ergibt, werden sich die globalen Machtverhältnisse massiv zugunsten Rußlands verschieben. Die für uns profitable Erderwärmung soll vielleicht auch deswegen uns madig gemacht werden, denn ein höherer Ernte-Ertrag durch wärmeres Wetters erschafft mehr Souveränität.
Die Bevölkerung Indiens von aktuell 1,25 Milliarden Menschen wird kurzfristig die stabile Bevölkerung Chinas von 1,4 Milliarden Menschen überholen. Die gesamte Bevölkerung Asiens von aktuell 4,5 Milliarden Menschen erstrebt einen westlichen Lebensstil. Da interessieren auch keine nicht mehr existenten Insekten. Das Menschen-Reservoir ist so groß, daß man einfach mit der Zahnbürste bestäuben wird.
Die zukünftigen Kriege um die Ressourcen (Wasser, Energie, Nahrung) des Planeten sind daher absehbar. Von daher sind unsere Pseudo-Klima-Aktivisten -, Financiers und - Organisatoren längst auf verlorenem Posten, einerseits weil geforderte Maßnahmen global keine Rolle spielen und Asien militärisch, konventionell nicht zu bekämpfen ist. Eine weitere ökonomische Schwächung des Westens wird auch die afrikanische - und arabische Welt Asien untertan machen, und die Asiaten haben keine Hemmungen andere Ethnien mit sich selbst zu ersetzen.

Maiordomus
8. November 2019 08:29

@Zeitschnur u. Co. Das Problem in Deutschland ist allgemein, dass man zumal in diesem Land von Demokratie, ihrer Verwurzelung, Möglichkeiten und Grenzen, auf historischer Grundlage nichts oder wenig weiss, gilt vor allem für diejenigen, die sich als linksliberal einschätzen, aber auch traditionell weiteste Kreise bei der deutschen Rechten, zumal auch der sog. Neuen Rechten. Dabei gibt es auch in Deutschland, z.B. im Hotzenwald oder bei den Friesen, wertvolle historische Grundlagen für vernünftige Basisdemokratie. Von der Basisdemokratie etwa von der Hauensteiner Einung, den Liberalen von Gurtweil und überhaupt von tieferen Zusammenhängen, fehlt in der Regel aber auch bei den vermeintlich Gebildeten das Grundwissen.

Klar, dass wenn "Deutsche Demokratische Republik" ein Definitionsmoment der Demokratie ist, muss man davon kaum mehr halten als von der Tyrannei, nach Platon übrigens die Staatsform, in welche die Demokratie über kurz oder lang hineinführt. Vor allem sollte man die Demokratie nicht überbewerten und überschätzen, sie ist wirklich eine der schlechtesten aller Regierungsformen, und wenn sie funktioniert, ist man als geborener Rechthaber zur Verzweiflung verurteilt. Auch das Grundwissen über Menschenrechte, zumal im Zusammenhang mit historischen und philosophischen, auch theologischen Grundlagen, scheint mir flächendeckend erbärmlich. Menschenrechte beruhen ja durchwegs auf einer politischen Theologie, worauf nicht erst Böckenförde aufmerksam gemacht hat. Aber wer kennt schon die entsprechenden Grundlagenwerke von Samuel Pufendorf mit Carl Schmitt. Ohne dieses Studium kann man ja bekanntlich nur auf Biertischniveau sich über solche Sachen unterhalten, darüber sollte man sich keine Illusionen machen, sein man kleiner Blogteilnehmer oder Bundespräsident oder Kirchentagspräsident, das spielt flächendeckend keine Rolle. Siehe noch, was Bosselmann unlängst in diesen Spalten über Bildung ausgeführt hat, wobei der Mangel an Bildung immer auch bei sich selber kritisiert werden muss. Davon will ich mich selber nicht ausnehmen. Wenn ich denke, dass ich das Standardwerk von Bader über Gemeindedemokratie, ihre Voraussetzungen, ihre Soziologie und Geschichte, erst diesen Herbst gelesen habe, obwohl ich es schon vor 50 Jahren hätte kennen müssen! Die Differenz zwischen Scita und Scienda, dem, was man weiss, und dem was man wissen sollte, stellt nach Kuehnelt-Leiddihn, der als Alt-Habsburger durchaus ein Demokratie-Kritiker war, ein grosses Problem dar. Andererseits mache ich nach 50jährigem Studium von Grundlagen der konservativen und liberalen Philosophie die Erfahrung, dass etwa bei Volksabstimmungen in der Schweiz, regelmässig die Bewohner ländlicher Gegenden, daruner diejenigen mit dem niederigstgen Bildungsniveau und der relativ kleinsten Beeinflussung durch Medien, am ehesten gleich stimmen wie ich es tue. Wobei ich freilich schon oft gemerkt habe, auch das gehört zur Demokratie, nach Jahren, dass ich dann und wann "falsch" gestimmt habe. "Falsch" stimmt man zumal dann, wenn man dem Meutenverhalten folgt; als Rechter zum Beispiel dann, wenn die Linken eine Parole ausgeben, die sie zwar vielleicht falsch begründen, die aber sachlich trotzdem eine vernünftige Entscheidung sein kann. Wobei es aber klar ist, dass dieses läppische Stimmverhalten bei Linken und Linksliberalen sogar die Regel, ja zum Teil sogar ideologischer Grundsatz ist. Würde die AfD vorschlagen, die Hypothese 1+1=2 als Basis für vernünftige Debatten in ein Reglement zu schreiben, wäre dies eine unzulässige Aufwertung eines politischen Gegners, der auf keinen Fall recht haben geschweige denn recht behalten dürfte.

PS. Betrifft DDR. In der neuesen Ausgabe der Weltwoche hat Hans Modrow, nicht zuletzt dank einem noch klugen Befrager, ein nicht gerade dummes Interview zu 30 Jahre Mauerfall gegeben, abgesehen von seinem rein kommunistischen Faschismus-Begriff, der ja heute in Deutschland die Basis der politischen Irrtümer darstellt. Ich nehme ihm seine gute Meinung zur Schweizer Demokratie ehrlich ab, man findet dieselber auch beim Schweizer sozialisitschen Revolutionär Robert Grimm im Buch über Schweizer Geschichte in Klassenkämpfen, trotz ideologischen Einseitigkeiten kein dummes Buch, welches eigentlich jeder in Sachen Demokratie noch ernst zu nehmende Linke gelesen haben müsste. Es ist klar, dass man von Habermas und Co. gerade auch, weil sie wirklich zu wenig gut sind, sehr wenig lernen kann; dann eher schon von Habermas-Gegner Hermann Lübbe, dem Kenner der Hegelschen Rechten, was bekanntlich zusätzliche Kenntnisse über Demokratie und Genossenschaftswesen mit sich bringt. Wer sich mit der Hegelschen Rechten nicht befasst hat, kann meines Erachtens in Deutschland nicht als Kenner der Grundlagen der Demokratie gelten. Bei den Katholen schliesslich, etwa CDU, müsste jeder, der etwa die AfD als antidemokratisch einschätzt, zuerst mal eine Prüfung über Oswald von Nell-Breuning und die Grundlagen der Demokratie aus katholischer Sicht machen. Es ist zum Beispiel klar, dass die marxistisch sozialisierte Angela Merkel hier nicht eingearbeitet ist und insofern in solchen Fragen aus parteihistorischer Sicht nur bedingt urteilsfähig zu sein scheint. Darüber müsste man sich nüchtern und unpolemisch Rechenschaft ablegen.

Franz Bettinger
8. November 2019 09:28

Nach @RMH bin ich der zweite, der sich einen Alu-Hut überzieht: "Extinction Rebellion“ könnte man auch als genau das Gegenteil dessen verstehen, was kolportiert wird: nicht als Rebellion gegen das Sterben der Menschen in einer Klima-Katastrophe, sondern als Rebellion zur Ausrottung der Menschheit (weitere Übersetzungs-Möglichkeiten: Auslöschung, Artensterben). Die Auslöschung der Menschheit, oder doch wenigstens die drastische Reduzierung ihrer Gesamt-Population, könnte das wahre Ziel dieser Rebellion sein. Dazu passen auch die Slogans „Vermehrt euch nicht!“ und „Eat the babies!“ Im Symbol X erkenne ich zwei aufeinander stehende Pyramiden, also im US-Dollar abgebildete Freimaurer-Zeichen. Der blutige Jubilar Mansion, die rot gekleideten, Symbol-verliebten Satanisten, das alles passt ins Bild. Ob ich wirklich daran glaube? Nein. Aber die Welt steht Kopf, und bald frisst der Teufel Fliegen! Mittlerweile erscheint mir Vieles möglich, was ich vor vier Jahren noch ins Reich des Irrsinns verwiesen hätte.

Andreas Walter
8. November 2019 10:16

Natürlich gibt es einen, sogar mehrere fundamentale Unterschiede.

Zwischen den Konservativen, am Boden (örtlich) Verhafteten, und den "Progressiven", die in den "Himmel auf Erden", in den Geist, Kopf, ins Überall und Nirgendwo Strebenden.

Somewheres, anywheres (and nowheres).

Nowhere man - The Beatles, auf YouTube

Die Einen sind darum enorm flexibel (bis hin sogar zu frei drehend), die Anderen örtlich gebunden, festgelegt. Bambus versus Eiche, Angriff versus Abwehr, Rumtreiber, Heimatlose und Nomaden versus Sesshafte, Flieger versus Bodenständige (Bodentruppen, Flugabwehr).

Die VSA zum Beispiel sind ein Land der Vertriebenen. Darum und wehe jemand greift sie an. Was eh kaum möglich ist.

Dann aber gibt es auch noch die Länder der Gebliebenen. Manche haben aber auch nur ein Reservat zugesprochen bekommen.

Konservative müssen daher lernen, dezentrale Netzwerke zu bilden (wenn sie sich schon nicht örtlich, real zusammenraufen können).

Die Netze kontrolliert allerdings wer? Ebenso wie die etablierten Medien. Im Grunde also fast die gesamte Kommunikation.

Angriff ist daher die beste Verteidigung. Für Nichtchristen. Christen aber bleibt nur die Flucht. Auch die in den Tod. Lachend.

Smile - Jimmy Durante, auf Youtube

Wobei auch Bäume Überlebensstrategien besitzen:

“Wood Wide Web – wie Bäume und Pilze kommunizieren", auf YouTube

Werdet darum Freunde und bildet einen Wald.

ratatoskr
8. November 2019 10:32

Nach @RMH und @Franz Bettinger bin ich dann wohl der Dritte im Bunde mit modischem Aluhut.

Es gibt im Netz interessante Betrachtungen zum Thema Hippies/68er/Rock (Suche: "Love, Peace und CIA" oder "Laurel Canyon"). Es ist erstaunlich, wie viele der US-Ikonen jener Zeit einen (hoch-)militärischen Familienhintergrund haben (Jim Morrison, Frank Zappa, John Philips, Stephen Stills, David Crosby, die komplette Band America, ...).
Es ist ebenso erstaunlich, dass sich all diese Menschen ganz plötzlich und wie durch Zufall in einem kleinen Tal in LA getroffen haben. Auch Charles Manson war da wohl gerngesehener Gast.

Zwei Zitate:
„Einige Linke hatten sogar die Theorie, dass die Hippies das Ergebnis einer CIA-Verschwörung waren, mit der die Antikriegs-Bewegung durch LSD kaltgestellt werden sollte – statt zu protestieren, betrieb man unter dem Einfluss der Droge lieber egozentrische Nabelschau.“ (Peter Coyote)

„Es gab alle möglichen Aktivisten, von Radikalen aus Berkeley bis zu den White Panthers, die den Krieg beenden und die Welt verbessern wollten. Und plötzlich wurden wir von den ,Blumenkindern‘ überschwemmt, denen es nur um Sex und Drogen ging. Wo sind auf einmal all diese Hippies hergekommen, verdammt?!“ (Abbie Hoffman)

Waren schon die Hippies "Astroturfing"?

Das Thema Okkultismus geistert ja auch allernortens durch die Datensphäre. Mit naturgemäss abstrusen Auswüchsen.
Das Logo von XR könnte eine Pyramide von oben sein, es könnten zwei Pyramiden übereinander sein, es könnte aber auch wirklich eine Sanduhr (Zeit = Saturn) sein. Ich kenne mich da nicht wirklich aus, aber man stolpert halt immer wieder über solche Ausführungen im Netz.

Wenn man ganz böse ist, kann man in diesem Logo auch einen ganz bestimmten Stern erkennen, der einfach auseinandergezogen wurde. Aber so böse ist man natürlich nicht.

Ich bin sehr gespannt auf den zweiten Teil dieser Serie hier.
Danke Frau Sommerfeld!

Weltversteher
8. November 2019 10:46

Werter Herr Domus,
man sollte nicht glauben, daß man erst durch Lesen gescheit werden könne. Oder durch Theoriesport, wie hier regelmäßig angemahnt. Es ist ebenso - und dafür ohne die Schwächen bei der Übernahme fremder, älterer Gedanken - durch das eigene Denken möglich.
Damit ist allerdings kein Verstandesdenken gemeint, das sich in einer Variation und Umgestaltung dessen erschöpft, was man gelehrt bekommen hat.

zeitschnur
8. November 2019 11:53

@ Franz Bettinger, @ RMH

Das "Extinction Rebellion" andersherum gemeint ist: also Rebellion FÜR Bevölkerungsreduktion und Selbstauslöschung, liegt mE wesentlich näher, als die umgekehrt Auffassung.

Dazu muss man sich ja nur ansehen, was sie spielen: Sie spielen ein gigantisches Opferungsritual, bei dem aktiv geopfert wird, literweise vergießen sie in schreiend roten Roben (traditionell satanische Priesterfarben, auch Anklang an die scharlachrot gekleidete "Hure Babylon" in der Johannesapokalypse, die das Blut der Heilgen regelrecht trinkt, ebenfalls das "Kardinlarot" als Farbe einer Macht über Leben und Tod) Theaterblut über Treppenstufen.
Also: sie beklagen keine Opfer, sondern sie opfern symbolisch.
@ Laurenz kann sich also freuen: passt doch alles.

Maiordomus
8. November 2019 12:08

@Weltversteher. Natürlich gibt es die Überschätzung des Lesens. Authentische Erfahrungen in ungebrochenen Traditionen könnte noch wertvoller sein, aber wo schon gibt es das noch? Die Differenz zwischen dem, was man weiss, und dem, was man wissen müsste, ist in der Regel, so paradox es scheint, bei den vermeintlich Gebildeten besonders hoch.

heinrichbrueck
8. November 2019 15:00

@ Maiordomus
In welcher Form sich der Faschismus austoben darf, Nationalismus oder Demokratie, kann ideologisch gesteuert werden. Demokratische Wahlen werden überschätzt, bleibt doch der Einfluß auf die Politik unverändert. Die Medien erzeugen das Zustimmungsverhalten, und die Mehrheit läßt sich darauf ein. Warum sollte es auch anders sein? Die Multikulturalismusanhänger sind eigentlich umerzogene Faschisten. Die DDR ist ein schlechter Vergleich, denn im Gegensatz zu BRD und Westliche Wertegemeinschaft, eliminierte sie den Deutschen Volksgeist nicht. Wir haben hier keine entstellte Demokratie, die irgendwie noch nicht richtig verstanden wurde. Was wir hier haben, ist das Wesen der Demokratie, wie es in der Praxis gelebt werden kann. Die Nullzinspolitik zeigt doch schon den Systemzusammenbruch. Auch die Schweizer Demokratie hat ihre Geldgeber.
Für Hegel-Kenner dürfte das Buch von Horst Mahler interessant werden ("Das Ende der Wanderschaft").

@ Laurenz
Familienplanung hat den Staat nichts anzugehen. Er hat für sichere Grenzen zu sorgen. Das Ganze mag das Wahre sein, aber eine Weltherrschaft kennt keine Völker.

Gotlandfahrer
8. November 2019 15:56

Herzlichen Dank für die Analyse. Meine Gedanken dazu:

A: „Der große Austausch findet statt, es wird aber behauptet, daß er nicht stattfindet.“
B: „Das große Aussterben findet nicht statt, es wird aber behauptet, daß es stattfindet.“

Es umgekehrt zu sagen, also
A: „der große Austausch findet statt“ und
B: „das große Aussterben findet nicht statt“
hieße übersetzt:

A: Es findet Gewalt gegen uns statt, Männer verteidigt uns gegen die anderen! Entweder durch große Klugheit oder durch überlegene Gewalt, in jedem Falle: Stellt Euch dem Wettbewerb!
B: Alles gut, keine Anstrengung erforderlich.

Ich möchte im Weiteren keinesfalls den Eindruck erwecken, ich sei kein genereller Verehrer der Weiblichkeit, oder – noch abwegiger - den textuell hier anzutreffenden Damen nicht in höchstem Maße wohlgesonnen. Dies sei vorausgeschickt, denn mein Kommentar könnte falsch verstanden werden, jedenfalls dann, wenn keine Vorstellung darüber besteht, dass, erstens, Verallgemeinerungen keine Urteile, sondern nur Modellparameter sind, und/oder, zweitens, Bewusstsein / freier Wille und evolutorisch bedingtes Verhalten zwei Paar Schuhe sind. Womit ich hoffe ein Bild verwendet zu haben, was mich mit den weiblichen Lesern vielleicht vorsorglich versöhnt…

Nun zu meiner Behauptung, die zunächst weder neu noch überraschend ist: Wir leben in den westlichen Gesellschaften in zunehmend weiblich geprägten Kommunikationsstrukturen, was einschließt, dass auch viele Männer sich diesen verstärkt angepasst haben, so wie jede einzelne Frau davon auch weniger geprägt sein kann.

Wie ebenfalls bekannt sein wird, zählt bei weiblicher Kommunikation (Achtung: Modell = Vereinfachung, notfalls an Schuhe denken :-) nicht Information, sondern Reaktion!

Nun zu XR und IB:

XR ist weibliche Kommunikation, IB ist männliche (Wesen aller Geschlechter sind dabei hier wie dort anzutreffen). Zur IB braucht hier kein Wort verloren werden (außer: Danke!).

XR und all das andere Gedöns: Die sehen den Zusammenbruch der westlichen Gesellschaften ja richtig vorher. Die streben organische Robustheit an, wogegen an sich auch nichts einzuwenden ist. Womöglich ist ihre Stoßrichtung, also gegen den ordnungsliebenden Bürger, auch wenn sie mich trifft, die strategisch klügere. Denn der bürgerliche Ordnungssinn hat es nicht nur nicht vermocht, seine Grundlagen zu verteidigen, er ist womöglich sogar die Ursache für den Freiraum seiner ihn „schöpferisch“ zerstörenden Kräfte. Denn ist erstmal das Staatsvölkische überwunden und Gleichheit in Chaos realisiert, ermöglichen sich erneut Selektionsprinzipien, in die sich Populationen - evolutorisch bedingt, also nicht notwendigerweise bewusst angestrebt – von selbst zurücksteuern. Das ist also kein „Bug“ sondern ein „Feature“, denn es dient dem Schutz des Lebens, der DNA.

Verantwortlich für den Schutz und die Weitergabe der DNA ist aber eben der weibliche Part, denn dies ist die knappe Reproduktionsressource. Deswegen schickt man Söhne in den Krieg und nicht Töchter. Außer man ist so ein perverser Verein wie die Sowjetunion. Wären wir Designer oder Programmierer des Lebens: Auf einen pfiffigeren Kniff hätte kein Mensch kommen können!

Sobald sich die um Erleichterung bemühten männlichen – und ohnehin eher entbehrlichen - DNA-Träger eine Welt eingerichtet haben, in der sie sich um ihren Daseinszweck ihrer DNA-Selektion drücken können (Ballkampf statt Balzkampf, Porsche statt Panzer), begehrt die weibliche DNA gegen ihre Entwertung durch Paarung mit womöglich geschwächtem Erbgut auf. Nicht auf der bewussten Ebene des Individuums, sondern veranlagt in der weiblichen Provokationsneigung.

Wobei, und das erklärt obige A/B-Aussagenumkehr, die weibliche DNA sich soweit optimiert hat, dass sie instinktiv darauf achtet, die Aufforderung, der Mann möge sich zum Beweis seiner Stärke in den Todeskampf stürzen, nicht direkt auszusprechen. Denn damit ginge das Risiko einer Schuldwerdung einher, womöglich das Ende ihres eigenen Erbgutes ("Nun geh endlich kämpfen" kann nach hinten losgehen).

Vielmehr wird sie durch das bewährte Prinzip der kehrwertlichen Kommunikation wörtlich das Gegenteil aussprechen von dem was sie meint („Schatzi, es ist Deine Entscheidung“). Jedoch in einem Kontext, der diese Inversion zu einem Widerspruchskonstrukt macht, das den Mann die Beherrschung der Situation mit der ihm eigenen Stärke der Rationalität und Struktur verlieren lässt. Er wird dadurch sprichwörtlich mobilisiert.

„Klima“ und „Kampf gegen Nazis“ um „Toleranz“ und „Menschenrechte“ durchzusetzen sind weibliche Chiffren, die sich angesichts offensichtlich überzogener männlicher DNA-Schonung anbieten, Stichwort „Homo Berlinensis“. Und je mehr der schon länger hier nicht mehr selektierten krümmlichen, schrumpfmaskulinen Hominiden in diesen Gesang einstimmen (z.B. „Männer“ wie Augstein mit: „Sozialstaat ist Nazi“), umso stärker schwillt er seitens der weiblichen DNA an: Ist hier denn keiner mehr, der sich um meiner Willen herausselektieren will?

Und manchmal wissen die geschätzten Damen (wie Männer sowieso sehr oft) gar nicht, was sie wollen, erst recht in existenziellen Stress-Situationen, denn es ist (wie bei allen Menschen) fast immer der Bauch, der Elefant, der seinen Reiter als PR-Beauftragten sprechen lässt. Kein Wunder, dass man also nicht einfach IB machen kann, wenn XR gesagt wird. Es ist ein Prozess, bis man und frau erkannt haben, dass sie das rote Kleid, und nicht das blaue (Achtung: keine Parteifarben, da gilt die Umkehrung!) wollen, obwohl es genau andersherum ausgesprochen wird.

Maiordomus
8. November 2019 16:31

@Heinrich Brück. "Die Medien steuern das Zustimmungsverhalten" als Ihre nicht unwesentliche und nicht unbegründete Kritik an demokratischen Wahlen. Es ist nun aber so, dass in der reinen Gemeindedemokratie, wo potentiell noch fast jeder jeden kennt, und überhaupt im Kleinräumigen, die von Ihnen genannten Medien vergleichsweise machtlos sind. Wo man sich kennt, ist man nicht mal aufs Fernsehen angewiesen, zu schweigen auf staatliche Kommentatoren. Es ist aber klar, dass es im Kleinräumigen natürlich auch Hindernisse für demokratische Freiheit gibt; so ist zum Beispiel "das offene Handmehr" an einer Gemeindeversammlung als Verhalten innerhalb einer Dorfhackordnung für den Einzelnen nicht risikolos. Es sind aber ganz andere Risiken. Wahr ist, dass es nirgends eine funktionierende Demokratie gibt, wo Leute nicht mutig zu ihrer Haltung stehen können, und dass dieses Dazustehen stets mit persönlichen Risiken verbunden bleibt, da ging es Sokrates im alten Athen schon nicht anders!

Noch interessant betreffend USA: Es gibt im mittleren Westen Gegenden mit einer Bevölkerungsdichte von kaum einer Person pro Quadratkilometer. Dort war, bei den Wahlen 2016, der Einfluss der Medien der Ostküste und von Kalifornien am vergleichsweise geringsten und entsprechend resultierte vielfach eine fast erdrückende Mehrheit für Donald Trump! Auch die Lebensverhältnisse sind dort ganz anders, und selbstverständlich ist das Verhältnis zu Wetter und Klima nicht von der Weltmeinung bestimmt, auf Ratschläge von Greta wartet buchstäblich niemand!

Nordlicht
8. November 2019 16:52

FfF und XR stehen aus meiner Sicht zueinander wie jugendliche Naivität zu ausgewachsenem Gewalt.

RMHs Hinweis auf den schnellen Umschlag von dem singenden/tanzenden Öko-Hippietum der Manson-Kommune zum Morden um des Mordens willen betrifft die Gefahren von Verbohrtheit und Erlösungssehnsucht, sicherlich kombiniert mit Grössenwahnsinn: Man wird irgendwie berühmt oder gehört doch zu etwas Grossem. Die RAF entstand auch aus spielerischem und provozierendem Protest. IB hat sich, im Unterschied zu RAF, eindeutigt zu dem gewaltlosen und demokratischen Weg bekannt, ohne das zwinkernde "Aber Gewalt gegen Sachen geht" der RAF. (Die Antifa übergeht diese Phase und bekennt sich zu Gewalt gegen menschen.)

Der Unterschied von Manson, RAF etc zu XR: Hinter XR und FfF steht Big Money. In einem Beitrag vom 22.9.2019 las ich:

"The first iron rule of American politics is: Follow the money. This explains, oh, about 80 percent of what goes on in Washington." (https://principia-scientific.org/follow-the-climate-change-money/)

Man muss nicht lange suchen, um die Spuren im Internet zu finden: Eine Zeitlang war James Skea CBE FRSA FEI HonFSE, der Co-Chairman der IPCC WG III und Prof. am "Imperial Collage London", ebenfalls "non-executive director" (- d. h. bezahlter Berater) des Blackrock New Energy Investment Trust Plc.

Die Rolle von FfF und XR sehe ich darin, die Regierungen zu drängen, für die neuen Anlagewelten die geeigneten Rahmen zu schaffen und gleichzeitig mit den apokalyptischen Drohungen einen evtl. Widerstand der Bürger gegen Steuererhöhungen zu brechen: FfF in den Elternhäusern, XR auf der Strasse.

Götz Kubitschek
8. November 2019 17:21

badeschluß. die diskussion wird unter teil II weitergeführt.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.