1. Februar 2020

“Das jüdisch-christliche Abendland retten”

Caroline Sommerfeld / 46 Kommentare

Auf dem Twitter-Konto des amerikanischen Historikers und Publizisten Daniel Pipes konnte man vor einigen Tagen folgendes lesen:

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

@PetrBystronAfD gave a rousing (if slightly vulgar) speech in Germany's parliament on the need to support the US & #Iran's protesters vs the "mullah regime." Bravo, @AfD; no one else speaks like this in the #Bundestag.

Pipes, der sich mit Margaret Thatcher (beide in jungen Jahren) auf seinem Account präsentiert, hat 1990 das Middle East Forum gegründet, welches seine Ziele wie folgt benennt: „die Definition und Beförderung US-amerikanischer Interessen im Nahen Osten, die Bekämpfung des Radikalislamismus und der iranischen Bedrohung, die Förderung der Akzeptanz Israels unter Palästinensern, eine robustere Vertretung der US-Interessen gegenüber Saudi-Arabien und die Energieunabhängigkeit Israels.“ Eine weitere Eigenbeschreibung lautet: „Das Middle East Forum aus Philadelphia fördert amerikanische Interessen und arbeitet dafür, die westliche Zivilisation von der Bedrohung des Islamismus zu beschützen.“

Es ist jedoch kein Netzfund von Pipes, daß er ausgerechnet Bystrons Rede so hervorhebt. Sein Middle East Forum hat es sich in den letzten Jahren zur Kernaufgabe gemacht, die europäische Rechte finanziell wie ideologisch zu unterstützen. Sagen wir besser: einen bestimmten Teil der europäischen Rechten. Daniel Pipes traf sich im März vergangenen Jahres mit rechten alternativen Medien in Berlin. Interviews erschienen bei Philosophia Perennis, Journalistenwatch und PI News. Gesprochen wurde unter anderem darüber, wie „Europa vor dem Islamismus gerettet werden kann“.

Pipes traf auch Politiker der AfD, zum Beispiel Markus Frohnmaier und Jürgen Braun, wie PI News damals mit Fotos berichtete. In einem Gastbeitrag für die israelische Nachrichtenseite Israel Hayom hat Pipes außerdem Beispiele dafür aufgezählt, daß Matteo Salvini, die Gruppe „Juden in der AfD“ und Donald Trump dem israelischen Staat mehr zugeneigt seien als jüdische Organisationen im Westen, die Kritik an diesen Politikern und der israelischen Regierung übten.

Dies nun ist exakt Petr Bystrons und der „Juden in der AfD“ (JafD) Hauptargument seit Monaten: die Systemparteien ignorierten den neuen islamischen Antisemitismus, nur die AfD (und andere liberalkonservative Rechtsparteien in der EU) wendeten sich entschieden gegen die antisemitische Gefahr, nur sie träten wirklich für die „jüdisch-christliche Kulturordnung“ ein.

Mir begegnete der Ausdruck „jüdisch-christlich“ im politischen Kontext zum ersten Mal, als ich im Sommer 2018 den amerikanischen Kongreßabgeordneten Steve King, der ganz ähnlich wie Pipes auf Rechtenfang in Europa war,  interviewt habe. Er war sehr begierig zu erfahren, was wir europäischen Rechten von Steve Bannon hielten, plante er doch Vergleichbares, und noch begieriger, mich für die "Rettung des jüdisch-christlichen Abendlandes“ zu gewinnen. Auf „christlich“ hätten wir beiden Katholiken uns fürs erste notfalls einigen können, aber warum „jüdisch“?

Das zweite Mal wurde ich hellhörig, als ich in Kontakt mit Leuten kam, die sich Rod Drehers „Benedikt Option“ auf die Fahnen geschrieben hatten, im deutschsprachigen Raum entsprechende Strukturen aufbauen wollten und sich des Kontaktes zu keinem anderen als – Daniel Pipes rühmten, der wie Bannon ein großes Netz(werk) gegen die Islamisierung nach Europa zu auszulegen gedachte. Schienen mir Drehers Gedanken auf den ersten Blick ganz überzeugend, mußte ich nun feststellen, daß dieser für Pipes' Middle East Forum zumindest noch 2002 tätig war. Er zeigte sich vollauf einverstanden mit der israelischen Historikerin Bat Ye'or, die – damals zeittypisch – zum counter-jihad aufrief:

"America is a fortress of Judeo-Christian values, which Europe is no more." The jihadis intend to Islamize the West, but they are not only doing it by violent means. She said that they are doing so by splitting America from Europe, and by using multiculturalism and Western notions of tolerance to immobilize resistance to its demands.

Und Bannon?

Im Lauf des Jahres 2018 war Trumps Ex-Beraterchef Steve Bannon durch Europa getourt, um in Ungarn, Polen, Frankreich, Tschechien, Italien und Deutschland unter Rechtsparteipolitikern Proselyten zu machen. Er plante eine Kaderschmiede in der Nähe von Rom die er "Academy for the Judeo-Christian West“ nennen wollte, bis heute befindet er sich wohl noch immer in einem Rechtsstreit um die Nutzung des Gebäudes.

Was hat es mit diesem Slogan vom „jüdisch-christlichen“ Abendland auf sich? Dieser Zusammenhang könnte ergänzend zu Kaisers re-education-These hilfreich dabei sein, die gar nicht so unerwartbaren Vorstöße der „Musterschüler“ einzuordnen.

Die judeo-christian tradition gehört fest zur amerikanischen Zivilreligion. In den 30er Jahren tauchte der Begriff "judeo-christian" im amerikanischen politischen Diskurs auf, weiland gegen den NS-Antisemitismus gerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er aus der protestantischen Theologie der damaligen Zeit (Paul Tillich: Is there a Judeo-Christian Tradition?, 1952; Reinhold Niebuhr: The Irony of American History, ebenfalls 1952) gewissermaßen als Chiffre für den Kampf der USA gegen den Sowjetkommunismus übernommen. Präsident Dwight D. Eisenhower hatte dann in einer berühmten Rede 1952 von einer Nation geträumt, die fest gegründet im Glauben stehe, und diesen Glauben als „judeo-christian“ definiert: „With us, of course, it is the Judeo-Christian concept but it must be a religion that all men are created equal.” Auch Ronald Reagan berief sich in den 80er Jahren des öfteren auf diese Tradition, wobei er entweder die westliche Ethik im allgemeinen als „jüdisch-christliche“ apostrophierte, oder mit diesen Worten die konservative Position in der Abtreibungsdebatte bezog.

Entscheidend ist jedoch, was nach 9/11 begriffsgeschichtlich passierte: 2002, entnehme ich einem Artikel zur Entstehung unseres Problembegriffs, las man plötzlich: "The God of Islam is not the same God of the Christian or the Judeo-Christian faith. It is a different God, and I believe a very evil and a very wicked religion." Der Autor jenes Artikels, Mark Silk, kommt zu dem Schluß, seit dem Neocon-Afghanistankrieg der USA, spätestens aber seit dem Irakkrieg habe die republikanische Rhetorik den „clash of civilizations“ zwischen der „jüdisch-christlichen“ und der islamischen Welt ausgerufen, wobei Al-Qaida als selbstproduziertes Zerrbild diente. Die ganze counter-jihad-Bewegung, aus der sich die islamisierungskritische Rechte wenigstens zu einem Teil rekrutiert bzw. weltanschaulich versorgt hat, interpretiert man meines Erachtens nicht falsch, wenn man sie als Nebenprodukt der offiziellen war-against-terror-Politik der USA sieht.

Seit den frühen 2000er Jahren hörte man dann auch in Europa Rechtspolitiker wie Wilders, Strache, Farage oder Orbán von „jüdisch-christlichen Werten“ oder „jüdisch-christlichem Erbe“ sprechen. Bannon betonte in einer Rede 2014 im Vatikan die lange Geschichte “of the Judeo-Christian West’s struggle against Islam” und meinte damit natürlich explizit Europa. Auch als damaliger Präsidentschaftskandidat schwor Donald Trump noch, sein Ziel sei “stopping cold the attacks on Judeo-Christian values.”

Während der Präsidentschaft von George Bush junior (Januar 2001-Januar 2009) spielten die sogenannten „Neokonservativen“ eindeutig die erste Geige. Die Neokonservativen wollen vom Christentum selber nichts wissen, haben jedoch Anhänger in den Reihen der „Christian Zionists“, also evangelikalen Christen, die um jeden Preis Israel verteidigen wollen. Bush selber war ein glühender evangelikaler Zionist; den Irakkrieg rechtfertigte er damals legendärerweise damit, daß Israel, wie die biblische Prophezeigung sage, gerade von „Gog und Magog“ bedroht sei. Mit Trumps Wahl sahen sie sich aufs Abstellgleis geschoben, beschuldigten sogar Bannon zuerst wütend des Antisemitismus, besannen sich, und sollten ihre Anliegen fortan unter dem Slogan vom „jüdisch-christlichen Abendland“ per Lobbyarbeit, zum Beispiel mithilfe des Gatestone-Instituts, verbreiten. Und da sind wir wieder bei Petr Bystron angekommen.

Interessant zu beobachten ist, daß es vielen Juden wenig gefällt, unter „jüdisch-christlich“ subsumiert zu werden. Nicht alle reagieren derart unwirsch wie dieser Proponent, aber die Ablehnung ist eindeutig:

It’s not surprising that many Jews are not falling for this dog-whistle phrase, especially since the myth of a Judeo-Christian society rests on the false – and dangerous – idea that Judaism and Christianity hold the same ideas and values. There are many fundamental differences between these two religions – and that’s OK. (…) In reality, “Judeo-Christian values” actually point to a particular type of right-wing Christian values.

Nach dem Brand der Kathedrale Notre Dame 2019 beeilten sich Liberalkonservative, mit dem Topos des „jüdisch-christlichen Abendlands“ daherzukommen, so etwa die britische Journalistin Katie Hopkins, die den Brand als “a terrifying manifestation of the truth of Judeo-Christian cultures [in] Western Europe“ bezeichnete. Der polnische Präsident Andrzej Duda verlangte einen Wiederaufbau gemäß der “real, historical, Judeo-Christian foundation”. Seltsam mutet dies an, da doch an Notre Dame so gar nichts spezifisch Jüdisches ist. Doch inzwischen kann der Leser ahnen, daß es nicht um einen religiösen oder theologischen, sondern um einen politischen Kampfbegriff geht.

Auch in diesem Fall hat Karlheinz Weißmann Vorarbeit geleistet und die religionshistorische Unsinnigkeit dieser Phrase bereits 2006 herauspräpariert:

Hervorzuheben ist, daß die Behauptung einer "jüdisch-christlichen Tradition" vor allem von kirchlicher Seite ins Spiel gebracht wird und die Absichten von Anfang an weit über das Ziel hinausgingen, den inneren Zusammenhang beider Religionen stärker ins Bewußtsein zu rücken. Eigentlich strebt man eine Generalrevision der historischen Entwicklung an, die zur Scheidung von Judentum und Christentum führte. Schon der in den siebziger Jahren einflußreiche amerikanische Theologe Krister Stendahl stellte die Frage nur noch rhetorisch, ob Christentum und Judentum "nicht nach dem Willen Gottes, sondern gegen ihn auseinandergegangen sind?"

Tatsächlich ist die christliche Botschaft außerhalb der Grenzen Israels mit viel größerer Bereitwilligkeit aufgenommen worden als jemals im Einflußbereich des Judentums, und das hat seine historische Entfaltung bestimmt. Diesen Prozeß rückgängig machen zu wollen, ist ein ebenso lächerliches wie sinnloses Unterfangen, und wenn es wider Erwarten Erfolg hätte, würde es nur zerstören, was die christliche Identität verbürgt. Das Christentum als Christentum ist keine Variante des Judentums. Die Trennung beider lag im Plan Gottes oder wenigstens in der Logik der geschichtlichen Entwicklung.

Ist die Rettung des „jüdisch-christlichen Abendlandes“ von Amerikas Gnaden durch die AfD-“Musterschüler“ also sowohl aus jüdischer als auch aus christlicher Perspektive problematisch, dürften diese auch machtpolitisch gerade etwas Entscheidendes verschlafen haben.

Es kündigt sich, sichtbar am medialen Spektakel um Auschwitz vs. Yad Vashem an, daß nicht länger die USA Schutzmacht Israels sind, sondern Rußland ihnen diesen Rang abgelaufen haben könnte, ganz egal, ob man dies nun begrüßt oder befürchtet oder keines von beidem. Im Vordergrund stand in Yad Vashem ganz offensichtlich das Gedenken an den „Großen Vaterländischen Krieg“ der UdSSR.

Die Musik spielt jetzt nicht mehr am 27. Januar in Auschwitz unter der Ägide der transatlantischen Weltregierungsfronde, sondern am 23. Januar in Yad Vashem, und Putin ist Theaterdirektor, Dramaturg und Regisseur zugleich. Als solcher ließ er auch gleich den israelischen Premier Netanjahu eine halbe Stunde warten. In Yad Vashem war Bundespräsident Steinmeier nur noch als Statist geduldet, seine demonstrativ auf Englisch gehaltene Rede wurde dort (wie man im Video sehen kann) lediglich aus der kleinen Schmollecke seiner eigenen die Welt nicht mehr verstehenden Hofschranzen beklatscht.

Die transatlantische Achse der Guten ist merklich paralysiert. Man zerfleischte sich im bundesdeutschen Establishment sogleich darüber, daß Yad Vashem "unserem" Auschwitz den Rang abgelaufen habe. Die Jerusalem Post konterte die Chuzpe des BRD-Staatsfernsehens, Israel würde mit der "Privatparty" die Zivilreligion beschmutzen und damit "den weltweiten Antisemitismus fördern" kühl mit der Anmerkung, daß Steinmeier "im Februar 2019 dem iranischen Mullah-Regime im Namen der Deutschen zu Ehren der islamischen Revolution und zum 40-jährigen Bestehen gratulierte, und das, obwohl dieses Regime gemäß der ADL der führende Staats-Sponsor von Antisemitismus und Holocaust-Leugnung ist".

Die alten Muster funktionieren nicht mehr zuverlässig: Es hat immer weniger Sinn, sich „gegen den neuen Antisemitismus“ Amerika anzudienen. Man gehe davon aus, daß diejenigen in der AfD, die sich auf diese Weise einen strategischen Vorsprung verschaffen wollen,  diese neue Lage nicht ansatzweise erfaßt haben. Und das christliche Abendland sich wenn überhaupt, dann alleine retten muß.


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.


Kommentare (46)

RMH

1. Februar 2020 23:01

In seinem eigenen Beitrag fragte mich in der darauf folgenden Diskussion M.L., ob ich hinter dem Mond lebe, was ich im dortigen Zusammenhang bejaht habe (wurde nicht freigeschaltet), aber nach diesem Beitrag frage ich mich - mit Verlaub und ohne jemandem damit zu Nahe treten zu wollen - wer hier noch so alles hinter dem Mond lebt …

Überraschung, pi ist proamerikanisch und proisraelisch und das schon seit 2004 - das wird man wohl kaum nur als einzelne, isolierte Fanboy-Pflanze ohne entsprechenden Background sein. Die Zeitschrift Sezession erschien zum ersten mal im Jahr 2003 (Legendär: Heft 1!) - und pi macht heutzutage fleißig Werbung für Sezession, siehe zuletzt hier:

http://www.pi-news.net/2020/01/sezession-94-grundlagen-fuer-das-alternative-lager/

Jeder, der die englisch-sprachigen Youtube Kanäle aus USA nur ein bisschen verfolgt hat, der damals früher auch ab und an mal "gates of vienna" (hat auch 2003 gestartet) gelesen hat, der weiß doch, dass das zum großen Teil us-based bzw. beeinflusst ist, selbst wenn da immer auch genügend Leute aus Europa dabei waren. Man schwimmt hier - bei aller unbestreitbaren Eigenständigkeit - doch seit 2003 auf dieser Welle ein gutes Stück weit mit und jetzt auf einmal, OMG - es sind die Amis!

Selbst Martin Sellner hat eine US-Amerikanerin geheiratet … aber offenbar bemerkt man erst jetzt die Beziehungen und Einflüsse zwischen den USA/Kanada und Europa. Und wie alles wird das Ganze von irgendjemanden auch gefördert und bezahlt - für diese Erkenntnis muss man nicht in linke Enthüllungsplattformen schauen.

Und jetzt zum eigentlichen Thema des Artikels:
Das jüdisch-christlich ist doch im Wesentlichen eine politisch-korrekte Sprachform wie bspw. ArbeitnehmerInnen. Man will die Juden, nach dem man sie recht erfolgreich zu einem nicht unerheblichen Teil aus Europa rausgebracht hat (siehe dazu auch meinen Beitrag zum vorherigen Artikel von M.L.), einfach schön sprachlich inkludiert haben, damit sie sich berücksichtigt fühlen können. Das gilt in einem anderen Zusammenhang auch für die USA - hier will man sie mit einschließen. Dabei ist auch ohne tiefere Studien recht klar, dass das Verbindende ist, dass die Christen das sog. alte Testament in ihrer Bibel haben und das diese Verbindung gerade nicht wechselseitig ist. Das Christentum hat alleine schon über die 10 Gebote einen jüdischen Kern, aber das Judentum hat nichts aus dem Christentum, da es Jesus als Messias ablehnt, ja als gänzlich unbeachtlich behandelt.

In einem Punkt sehe ich bei dem Artikel zudem eine echte Fehleinschätzung:

"Es kündigt sich, sichtbar am medialen Spektakel um Auschwitz vs. Yad Vashem an, daß nicht länger die USA Schutzmacht Israels sind, sondern Rußland ihnen diesen Rang abgelaufen haben könnte, ganz egal, ob man dies nun begrüßt oder befürchtet oder keines von beidem."

Schutzmacht?
Russland hat spätestens alleine über die große Migrationsbewegung, die nach dem Ende des kalten Krieges aus der SU nach Israel stattgefunden hat, vitale Beziehungen zu Israel und Israel ist kein blödes Land sondern hatte und hat - im Gegensatz zu uns - immer außenpolitisch smarte Administrationen und würde nie ohne echte Not den Fehler machen, Russland vor den Kopf zu stoßen. Faktisch existiert jedoch nach wie vor auch eine Frontstellung zwischen den Ländern in Syrien, wobei Israel ein russisch kontrolliertes Syrien immer noch besser einstufen wird, als wenn Syrien vom Iran kontrolliert werden würde (das letztere wäre vermutlich ein casus belli für Israel). Geringere Interessenkonflikte bestehen zwischen den Ländern in Bezug auf Libyen und wieder stärker in Bezug auf den Iran und vermutlich in unterschiedlichen Graden auch noch an anderen Stellen. Von daher ist das Wort "Schutzmacht" in diesem Verhältnis meiner Meinung nach klar falsch - hier handeln vielmehr erwachsene Mächte mit den gebotenen Mitteln der Vernunft rational in ihren wechselseitigen Beziehungen. Wenn alle inter- und binationalen Beziehungen so aufgestellt wären, wie diese beiden Länder in ihren Beziehungen, dann wäre die Welt sicher friedlicher bzw. eine Kriegsgefahr weit entfernt. Dazu muss aber niemand den anderen "beschützen" und Russland ist schon mal gar nicht die Schutzmacht. Das sind nach wie vor die USA, wie der nicht ohne Grund pünktlich nach der Gedenkveranstaltung (warum "Spektakel"? Nur weil der BuPrä von Deutschland sich dort entblödete? Wo war eigentlich der aus Österreich? Ich vergas, dass erste Opfer der Nazis … ) in Yad Vashem von Trump vorgestellte "Friedensplan" deutlich zeigt.

PS:
Nachdem jetzt die vierte von 14 gelisteten SiN Autoren auch in das Thema einsteigt, werden ja noch 10 weitere Beitrag dazu folgen … :)

Solution

2. Februar 2020 00:47

Absolut richtig. Der letzte Satz bringt es auf den Punkt.

Übrigens schrieb Felicia Langer in ihrem Vorwort zu Norman G. Finkelsteins "Antisemitismus als politische Waffe": "Mit ihrem Antisemitismusvorwurf bezwecken die amerikanisch-jüdischen Eliten vor allen Dingen eines: Wer Israel kritisiert, soll als verkappter Antisemit erscheinen, und Berichte über die Lage der Palästinenser unter der Besatzung, ihre Unterdrückung und ihr Leid sollen tabu sein; denn nur Israel steht die Rolle des Opfers zu. Das bedeutet, die wahre Situation soll auf den Kopf gestellt werden, und Israel soll Immunität genießen." (S. 9).

Vergessen wir auch nicht Noam Chomsky, der allerdings im Gegensatz zu dem Altkommunisten James Petras recht bieder wirkt und zum wahren Kern des Problems nicht vorstößt. Petras schrieb 2006 in seinem Buch "The Power of Israel in the United States" (S. 14): "The tyranny of Israel over the US has grave consequences for world peace and war, the stability of the world economy, and for the future of democracy in the US."

Wer einen solchen israelischen "Verbündeten" hat, muß an kognitiver Dissonanz leiden.

Grobmotoriker

2. Februar 2020 06:01

Drei Anmerkungen:

1. 2015 waren es die Juden – vom ZdJ –, die in der allerersten Reihe die Invasion der Mohammedaner nach Deutschland begrüßten und jeden, der Merkels Maßnahmen auch nur leisest in Frage gestellt oder – Gott behüte! - kritisiert hatte, sofort kreischend als Nazi beschimpften. Jetzt aber schreien sie am lautesten: „Hilfe! Antisemitismus im Anmarsch!“ Dieser Topos zieht sich durch die gesamte Geschichte der Juden und fand seinen literarischen Ausdruck in der jüdischen Erzählung von Golem; diese Parabel ist jedem jüdischen Kind geläufig. Sie handelt von einem Rabbi, der für sein von Feinden bedrohtes Dorf ein übermächtiges Wesen – Golem – um Hilfe anfleht. Golem kommt tatsächlich zur Hilfe, vernichtet die Feinde und – frisst an- und abschließend die Dorfbewohner. Dieses Golem-Drama und -Dilemma begleitet die Juden seit ihren Anfängen und lebt fort, wie man sehen kann.

2. Douglas Reed beschreibt diese Problematik – den Gegensatz zwischen der jüdischen und der christlichen Botschaft - ausführlich in seinem „Streit um Zion“. Er schildert darin die Anfänge des Judentums vor allem anhand des Alten Testaments. Bei der Lektüre seines Werkes wird die Unvereinbarkeit des Judentums mit dem Christentum deutlich. Mir wurde endlich klar, was Jesus mit seiner wütenden Kritik der Pharisäer eigentlich meinte: Er kritisierte heftig und immer wieder das, was aus dem ursprünglichen Juden-Glauben zu seiner Zeit geworden ist: das Gegenteil nämlich. Jesu Botschaft lässt sich in keiner Weise mit dem Judentum in Einklang bringen – lautet die zentrale Aussage in dem Buch.

3. Was Putin angeht, da wird seine inzwischen führende Rolle in Nahost sichtbar – ohne Russland läuft dort nichts mehr. Russlands Präsident ist der eindeutige Sieger der letzten dortigen Schlachten und das genießt er für alle Welt sichtbar.

Ein weiterer Aspekt ist Polen. Er zahlt um die israelische Ecke herum den Polen ihre feindlichen Handlungen gegenüber Moskau heim. Die erlaubte Stationierung von US-Cruise missiles entlang Russlands Grenze, die gewünschte Stationierung amerikanischer Truppen in Polen, die versuchte Sabotage der North-Stream-2 Pipeline, die demonstrative Nicht-Einladung von Russen zu den Gedenkfeiern zum „Ausbruch des Zweiten Weltkrieges“ in Warschau und die zahllosen antirussischen Bekundungen in polnischen Medien und von polnischen Politikern waren aus seiner Sicht wohl genug. Jetzt ist Zahltag, und zwar im wörtlichen Sinne. Der US-Senat hat vor kurzem das „447“-Gesetz verabschiedet, wonach – verkürzt erklärt - die US-Behörden die von us-jüdischen Organisationen geforderten Reparationszahlungen für jüdische Vermögen im Vorkriegs-Polen im Auftrag dieser Organisationen exekutieren sollen. Es handelt sich um mehr als 300 Milliarden US-Dollar, die der us-amerikanische Senat eintreiben soll. Putin hat angekündigt, den jüdischen Organisationen mit entsprechenden Dokumenten aus russischen Archiven bei der Untermauerung ihrer Ansprüche zu helfen. Putins demonstratives Kuscheln mit Netanjahu in Yad Vashem sollte auch das signalisieren: Wir nehmen euch Polen jetzt in die Zange.

Dieses US-Gesetz hat übrigens in Polen Stimmen laut werden lassen mit der Frage nach der so oft und mit so blumigen Worten bekundeten Freundschaft Amerikas zu Polen. Da wird demnächst auch einiges bewegen.

Maiordomus

2. Februar 2020 07:08

Der Begriff "jüdisch-christlich" hat über die von Caroline Sommerfeld beschriebenen politischen Konstellationen hinaus noch eine hier nicht explizit aufgezählte Nebenbedeutung: Weil im Rahmen der Säkularisierung der Vorrang der Theologischen Fakultät, zum Beispiel in Vorlesungsverzeichnissen seit dem Mittelalter traditionell an erster Stelle, mehr und mehr in Frage gestellt wird, reagieren die einschlägigen Interessenvertreter auf zwei Arten: die einen wollen Theologie und sogar den Religionsunterricht in sogenannte "Religionswissenschaft" aufgelöst sehen, also Religion in Richtung "Wischi-Waschi", wobei Karl Barth seinerzeit in der "Kirchlichen Dogmatik" bestritten hat, dass das Christentum eine "Religion" sei; es sei vielmehr ein Glaube. Aber auf diese komplexe und perplexe Begriffsklauberei muss an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Zweitens befindet sich heute, zum Beispiel bei den katholisch-theologischen Fakultäten, der Begriff "jüdisch-christlich" im Vormarsch; was sich, oft indirekt, im Angebot der Vorlesungen, Seminarübungen und zumal bei den Abschlussarbeiten zunehmend bemerkbar macht. Bei Forschungen, Dissertationen, beim Elementartheologischen bzw. Fundamentaltheologischen sowie generell in der theologischen Ausbildung spielen nicht nur alttestamentliche, sondern jüdische Bezüge eine wachsende Rolle. Insgesamt sind die heute Theologie Studierenden, was nicht negativ einzuschätzen ist, über jüdische Zusammenhänge besser im Bild als früher, wohingegen man von Thomas von Aquin dann und wann bloss noch realisiert, dass in seinen Summen "frauenfeindliche" Sätze vorkommen sollen.

Der Hinweis auf das Jüdische und die jüdisch-christliche Gemeinsamkeit gewinnt als ein auch zivilreligiöses Bollwerk für die Beibehaltung der Relevanz von theologischen Fakultäten an Bedeutung; die Öffnung in Richtung "jüdisch-christlich" präsentiert sich als ein wohl nicht unbedeutendes Brems-Moment gegen deren Abschaffung oder vollständige Säkularisierung im Rahmen zum Beispiel einer radikalen Trennung von Kirche und Staat. Aus einem mutmasslich ähnlichen Grund wird an den Universitäten zusätzlich der Islam aufgewertet, verwendet man sich, wenngleich zurückhaltend sibyllinisch, vgl. ein entsprechendes Gutachten der theol. Fakultät der Universität Luzern, für dessen öffentlich-rechtliche Anerkennung als eine Art Landeskirche. Es sind dies Tendenzen, die zum Beispiel an den schweizerischen Universitäten mit historisch katholischem Hintergrund, Luzern und Freiburg im Üechtland (Islam-Institut), sich feststellen lassen. Dabei hat sich der Wertbegriff "jüdisch-christlich-islamisch" wohl zumal, weil die Juden sich vermutlich dagegen verwahren würden, noch nicht durchgesetzt; es wäre aber, wenn es nach den "ökumenisch" orientierten Vorreitern ginge, durchaus der nächste Schritt. Von Bedeutung bleibt, wie es Sommerfeld durchaus bewusst zu sein scheint, dass ein wesentlicher Teil zumal gläubiger Juden vom Propagandabegriff "jüdisch-christlich" nichts hält, so wie an besagten und anderen Universitäten "jüdisch-christlich" vor allem dazu dient, die Legitimation zumal von nominell noch konfessionellen theologischer Fakultäten aufrechtzuerhalten, weil hier auch das Judentum positiv vermittelt werde. Es verstärkt sich der Eindruck, dass dem Begriff "jüdisch-christlich" heute primär eine Propagandafunktion zukommt. Die Initiative der "Umtaufe" von "christlich" in "jüdisch-christlich" geht eindeutig von der sogenannt christlichen Seite aus. Nicht nur wer "Menschheit" sagt, auch wer heute "jüdisch-christlich" sagt, morgen vielleicht "jüdisch-islamisch-christlich" (wegen der betonten Demut christlicher Nächstenliebe gehört das Christentum natürlich an die letzte Stelle), bleibt im Hinblick auf seine spezifischen Betrugsabsichten ein Gegenstand ideologie-kritischer Analyse. Es sollte stets klar sein, dass der Begriff "jüdisch-christlich" zur Polit-Psychologie der Hintergedanken gehört, mit je nachdem vereinnahmender Absicht. Wem intellektuelle Redlichkeit ein Anliegen wäre, der würde diesen Begriff wohl lieber nicht oder dann nur in Anführungszeichen benützen. Eine korrekte Ausnahme wären Begriffe wie "jüdisch-christlicher Arbeitskreis" und dergleichen. Nämlich wenn damit eine gemischte, aber weltanschaulich doch klar getrennte Gruppe gemeint ist.

marcus

2. Februar 2020 07:17

Sehr geehrte Frau Sommerfeld,
letztlich geht es doch um die alte Frage "Wie jüdisch ist das Christentum?". Und zwar jenseits aller Sorgen um eine Einflussnahme der amerikanischen auf die europäische Rechte.
Diese Frage bewegt das Christentum seit seiner Gründungsphase vor 2000 Jahren. Eine zuverlässige Quelle sollten da doch die "Gründungsurkunden" des Christentums sein, die zuverlässig in Form der Apostelgeschichte und der Lehrbriefe des NT niedergelegt wurden.
Dort erfährt man aus heutiger Sicht Erstaunliches, auch wenn es eigentlich sehr banal war.
-Die ersten "Christen" sahen sich nicht als neue Religion. Sie entstammten dem Judentum und sahen in ihrem Glauben an Jesus die Erfüllung ihrer Herkunftsreligion, nicht den Ausbruch daraus.
-Bemerkenswert ist, dass sich die ersten Gläubigen im jüdischen Tempel in Jerusalem versammelten.
-Sogar Pharisäer hatten den Glauben an Jesus als den jüdischen Messias angenommen, verständlicherweise ohne auf die Idee zu kommen ihr Judentum damit zu verlassen.
-Die Pfingstpredigt des Petrus berief sich ausschließlich auf die Prophetischen Bücher des alten Testamentes.
-Der Apostel Paulus vergleicht Judentum und Christentum mit der Wurzel und den Zweigen eines Ölbaumes. Auf seinen Missionsreisen hatte die Predigt vor jüdischen Exilgemeinschaften absoluten Vorrang.
-Das neue Testament ist angefüllt mit Zitaten und Geschichten aus der jüdischen Thora.

Erst als wohl v.a. die theologisch-politische Machtelite des Judentums begann die Jesusgläubigen Juden zunehmend zu verfolgen (auch aufgrund der Tatsache, dass sich ehemalige Heiden dem Glauben an Jesus anschlossen) kam es zu einer Entfremdung der Judenchristen von ihrer bisherigen Religion.

Etliche christliche Traditionen haben eine enge Verwandtschaft zum Judentum, man denke nur an die symbolischen Parallelen zwischen dem Oster- und dem Pessachfest. Beide Feste werden zudem noch fast zeitgleich gefeiert.

Ob uns das gefällt oder nicht: Durch die Verbreitung des christlichen Glaubens im heidnischen Europa der ersten nachchristlichen Jahrhunderte, hat das Judentum einen maßgeblichen Einfluss auf unsere Kulturgeschichte gehabt.

Der Begriff "jüdisch-christliches Abendland" ist also durchaus mehr als nur ein Slogan und hat eine gewissen Berechtigung. Ob er zur politischen Einflussnahme hergenommen werden sollte steht auf einem andern Blatt.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Sonntag.
Mit besten Grüßen !

Marcus

Max

2. Februar 2020 08:11

Sehr guter Artikel. Die Rechte wird ja nicht umhinkönnen, sich in der globalen Auseinandersetzung zu positionieren. Und während dies, was Russland betrifft, noch mehr oder oder weniger einfach geht - schließlich hat Russland ähnliche Ziele, nämlich vor allem die eigene Souveränität - könnte dies beim Iran schon deutlich schwerer fallen.

Nötig ist es meiner Überzeugung nach trotzdem. Der Rubikon hat unter "Die Angst vor dem Osten" gerade einen guten Artikel von Pepe Escobar dazu übersetzt, den ich zu lesen empfehle.

Solution

2. Februar 2020 09:05

Ich schlage vor: Sprechen wir historisch lieber von einem christlich-heidnischen, als von einem christlich-jüdischen Europa. Heute würde ich von einem christlich-atheistischen Europa sprechen.

Maiordomus

2. Februar 2020 09:55

Noch zur Ergänzung: "Jüdisch-christlich" bleibt, wie ganz oben und weiter unten mehrfach gezeigt wurde, ein für vielfältige Zusammenhänge tauglicher hochideologischer Kampfbegriff. Wenn die bisherigen katholischen oder evangelischen theologischen Fakultäten sich mit Bedacht jetzt zusätzlich als "jüdisch-christlich" formieren, müssen sich Christentumskritiker zusätzlich gegen den Vorwurf des Antisemitismus wehren; schon für den ehemaligen Jesuitenschüler und insofern zornigen Renegaten Karl-Heinz Deschner lag es am Tage, dass man ab der Nachkriegszeit beim Kritisieren des Christentums zwar als Aufklärer galt, beim Judentum jedoch bei der Polemik aufpassen musste, weil sonst die Antisemitismuskeule in zum Einsatz gelangte. Diese Konstellation hat sich unterdessen verfestigt. Insofern wäre sogar der Name "Jüdisch-christliche Theologische Fakultät" heute eine sichere Option, wenn die religiösen Juden nur mitmachen würden, was ich ausschliesse. So bleibt "jüdisch-christlich" ein ideologisches Rückzugsgebiet heutiger aufgeklärt sein wollender Christentums-Apologeten.

Dass "jüdisch-christlich-islamisch" nun aber als Bezeichnung kaum geniessbar einherkommt, scheint der diesbezügliche (katholische) Oekumeniker Prof. Karl-Josef Kuschel (Tübingen) in seinen zu diesem Thema durchwegs lesenswerten Büchern realisiert zu haben: darum ist bei ihm stets von "abrahamitischen Religionen" die Rede. Dabei wurde mir selber aber nie ganz klar, wie weit diese Terminologie als Überbegriff bei den Muslimen angekommen ist. Vermutlich zur Hauptsache nur beim sog. aufgeklärten Islam, der im Sinne des traditionellen Koranverständnisses (es gilt dort nur die wörtliche Auslegung zumal ohne historische Relativierung) eine vorläufig noch kaum ins Gewicht fallende Aussenseiterrolle spielt.

Gustav Grambauer

2. Februar 2020 09:56

Wie muß sich ein Steinmeier in seinem Schuldstolz verletzt fühlen, wenn der israelische Regierungsschef aller Welt demonstriert, daß auf seiner Prioritätenliste die Kiffer-Mom weiter oben steht als der ganze Holocaust.

https://www.tagesspiegel.de/politik/ard-kommentar-zum-holocaust-gedenken-wie-die-tagesschau-in-einem-proteststurm-landete/25469888.html

- G. G.

Andreas Walter

2. Februar 2020 10:04

Dass Allianzen immer wieder mal wechseln, damit sollte man immer rechnen und darauf vorbereitet sein. Es gab sogar schließlich auch schon mal ein muslimisch-jüdisches Abendland, in Spanien. Oder Juden, die an der Seite von deutschen Patrioten gekämpft haben. Gut möglich, dass darum auch die VSA irgendwann nicht mehr interessant oder gut genug sind, um die Pläne und Vorstellungen der jüdischen Kultur zu erfüllen. Man hat ja in der Geschichte auch schon mehrmals zu Millionen die Sowjetunion verlassen, warum also nicht auch die VSA. Die Karawane zieht weiter beziehungsweise weiß wonach sie strebt.

Auch Deutschland hat den Juden darum nichts mehr zu bieten ausser dem, was sie eh schon haben oder bei Bedarf jederzeit bekommen können. Wer mit den Juden Geschäfte machen möchte muss sich daher schon gut überlegen, was er ihnen anbieten könnte. Was schenkt oder verkauft man also einem Mann beziehungsweise einer Frau, die schon fast alles hat? Was fehlt daher Israel oder wovon träumt es? Doch gilt das auch für alle Juden? Dort gibt es ja auch sehr unterschiedliche Strömungen mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen, wie es denn auch mit ihnen in Zukunft weitergehen soll.

Christlich-Jüdisches Abendmahl bedeutet daher nur, dass Christen und Juden gleich stark dabei beteiligt sind, gewichtet werden, selbst wenn die Juden nichtmal 1% der Gesellschaft ausmachen.

Gustav Grambauer

2. Februar 2020 10:24

"jüdisch-christlich ..."

Kliiiiiiitzekleines Mißverständnis bei manchen: Jesus ist nicht zu den Juden gekommen, weil er sie für besonders affin zu sich gehalten hat, sondern weil er das schärfstmögliche Kontrastprogramm exerzieren wollte, so wie man i. d. R. selbst in den härtesten Trakt des Gefängnisses reingehen muß, wenn man die wirksamste Meuterei organisieren will.

- G. G.

trakels

2. Februar 2020 10:55

Nein, Putin versucht lediglich einen "Deal" mit den israelischen HC-Vermarktungsprofis: "Wir, die Russen, halten unverbrüchlich am Auschwitz-Gedenken fest, wenn ihr uns helft, die westliche Kampagne der russischen Mitschuld am 2. Weltkrieg zu unterdrücken."

Der Versuch einer Opfergemeinschaft Rußlands mit Israel also, als Reaktion auf eine neue Form revisionistischer Feindbildkonstruktion des Westens und der NATO - Rußland soll aus Befreiern vom Faschismus zu Komplizen Hitlers gemacht werden, dagegen wehren sich die Russen.

Die westlichen Israellobbys und Israel selbst haben davon keinen Nachteil: "playing both sides".

zeitschnur

2. Februar 2020 11:14

"Jüdisch-christlich" ist nur nachvollziehbar, wenn Religion, wie einer es in einem anderen Thread von meinen Positionen absetzen wollte, "kulturell" und "sozial bindend" verstanden wird, also veräußerlicht. Natürlich stammt das Abendland aus der jüdischen Wurzel, sofern es christlich ist, daneben hat es heidnisch-philosophische Wurzeln. Man hört auch oft die Kombination "christlich-humanistisch" und meint auch damit ein sehr veräußerlichtes Bild dieser christlich-philosophischen Melange.

Gemessen an der historischen Realität ist eine solche Vokabel mehr als dürftig und auch euphemistisch. Jemand führte im Strang unter Lichtmesz' letztem Text hier die Meinung ein, das Judentum sei von einem enormen Hass gegen das Christentum "durchdrungen", weil irgendein jüdischer Professor das gesagt habe. Man kann das auch umgekehrt sagen, und da mit zumindest im Äußerlichen und historisch gesehen erheblich mehr Berechtigung: Der Hass der Kirche gegen das Judentum ist nicht minder, zumindest bis zum Vaticanum II, gerade noch unter Pius IX. und X. und auch unter Leo XIII. tummelte sich, besonders ausgesprochen in der Jesuitenzeitschrift "Civiltà cattolica" unter direkter päpstlicher Huld, ein radikaler und beleidigender Antijudaismus. Von Ghettobildung, Schikanen des Kirchenstaates gegen die jüdische Bevölkerung bis hin zum Kindesraub, gelben Flecken schon vor Jahrhnderten, damit man sie gleich als "Aussätzige" erkennt (was die NS wieder aufgegriffen haben) und einer Art "Dhimmi-Zustand" der Juden im christlichen Gemeinwesen waren die "jüdisch-christliche" Wirklichkeit. Und natürlich gab es immer Leute, die diesen Zinnober verabscheuten, aber Macht hatten sie keine und in der Minderzahl waren sie auf beiden Seiten. Ebenso gab es einen solchen Abscheu gegen das Jüdische in der Evangelischen Kirche, man denke an den Berliner "Antisemitismusstreit".
In der Realität also war da nicht viel los mit "jüdisch-christlich", sondern Entzweiung, Hass und das immer wieder aufbrandende und ziemlich ekelhafte Auftreten seitens der Kirchlichen. Ob die mittelalterliche Furcht der Christen, die Juden könnten ihrerseits durch Intrigen zurückschlagen, realistisch war, will ich hier nicht diskutieren, aber menschlich zu erwarten ist es in jedem Fall. Immerhin lehrt man in manchen Kreisen, der Goi hätte keine volle Seele, stünde also dem Tier nah. Andererseits haben sie sich auch in der Zeit vor der konstantinischen Wende beim römischen Staat angebiedert und teilweise gegen die Christen agiert.
Es ist diese "jüdisch-christliche" Geschichte des Abendlandes also mehr oder weniger ein Trauerspiel gegenseitiger Arroganz und Brutalität, der Versuch, sich gegenseitig zu verleumden und zu unterwandern und von innen auszuhöhlen, und ich werde den Verdacht nicht los, dass dieses salbadernde Gesülze vom "j-c" Abendland anzeigt, dass man diese jahrhundertealten Hassrealitäten, die sich dann auch noch innerhalb des Christentums und innerhalb des Judentums fortsetzten, nun fast zur Vollendung geführt und wir demnächst in irgendeine absurde oberflächlich-veräußerlichte "Kultur"-Einheitsreligion anstürzen zwengs "sozialem" Zusammenhalt: von den Religionsführern selbst, die aus der Sicht vieler Insider und braver Gläubiger Verräter sind. Wenn man Franziskus ansieht und seine Botschaften, schaut es ja nun nach einem langen Vorlauf durch Johannes Paul II ganz danach aus.
Das alles ändert aber nichts daran, dass das eigentlich Christliche, das man im NT nachlesen und spüren kann, selbstverständlich und ohne jeden Zweifel aus dem Judentum kommt, oder besser: aus EINEM (damaligen) Judentum, das sich aber inzwischen auch selbst überholt hat und ebenso, wie das heutige Christentum mit Jesus kaum noch zu tun hat, nur noch eine ferne Variation dessen ist, was es einmal war. Das Heidenchristentum hat sich ebenfalls schnell abgesondert von den Judenchristen, man kann nachvollziehen in den Schriften der (heidenchristlichen) "Väter", dass sie kaum noch eine Ahnung davon hatten, was Judentum glaubte und daher schnell abdrifteten in eine Transformation des Jüdischen ins heidnische Denken und Vorstellen. Schon Paulus musste in seinem Briefs an die Römer dieselben warnen vor ihrer Arroganz gegenüber den Juden und sie darauf hinweisen, dass sie ohne diese Wurzel nicht werden bestehen können. Und genauso ist es gekommen: das arrogante, machtgeile Christentum, das wir seit 1500 Jahren kennen, hat mit "Judentum" fast nichts mehr zu tun.

Wer allerdings seinen Glauben als ein Inneres und Verborgenes sieht, weiß um die geistigen Verbindungslinien zwischen den Glaubensformen und Religionen. Aber er wird das Innere nicht nach außen zerren und dem Moloch des Missbrauchs und der Lästerung, als die solche Kampfparolen letztendlich zulasten aller Beteiligten auch anzusehen sind, zum Fraß vorwerfen. Politik ist immer Veräußerlichung, ja: auch Veräußerung des besten und Innersten, was "religiöse Kultur" zu bitten hätte. Die Politisierung der Dinge leitet daher immer ihre Vernichtung ein, auch wenn das zunächst nicht so erscheint. Das Gerede, dem Frau Sommerfeld hier einmal nachgespürt hat, ist also der Beginn der Vernichtung.

Andreas Vonderach

2. Februar 2020 12:15

Natürlich ist die Rede vom "christlich-jüdischen" Abendland Quatsch.
Aber wenn wir einen so mächtigen Verbündeten im Kampf gegen die Islamisierung Europas haben können, sollten wir dessen Unterstützung nicht wegen solcher ideologischer Differenzen ausschlagen.

Silent Reader

2. Februar 2020 12:20

@zeitschnur
Was wissen Sie vom orthodoxen Christentum? Es ist das wahre Christentum, die wahre Kirche Christi und ich würde Ihnen wärmstens empfehlen, die östlichen Kirchenväter zu lesen. Man kann die Bibel nicht alleine korrekterweise interpretieren, ohne auf die heilige Tradition zu achten. Andernfalls steigt man dorthin ab, wo die Protestanten gelandet sind.

A. Kovacs

2. Februar 2020 13:35

Sehr geehrte Frau Sommerfeld, zu Ihrer Behauptung: »Seit den frühen 2000er Jahren hörte man dann auch in Europa Rechtspolitiker wie Wilders, Strache, Farage oder Orbán von „jüdisch-christlichen Werten“ oder „jüdisch-christlichem Erbe“ sprechen« möchte ich anmerken, dass ich in Orbáns offiziellen Verlautbarungen keinen solchen Ausdruck wie „jüdisch-christliche Werte“ o. Ä. finden kann; bei seinem Außenminister allerdings schon.
Theologisch ist offenkundig, dass das Christentum das gesamte Alte Testament unverändert übernommen hat, weil Gottes Geschichte mit seinem Volk zwar mit Israel beginnt, aber sich in allen Völkern mit denen, die Christen geworden sind, fortsetzt. Die Tora rechtfertigt den Ausdruck „jüdisch-christlich“ wie ihn der Tanach zweifelhaft macht. Weißmann hat natürlich recht, aber die Trennung von Judentum und Christentum ist kein gutes Argument: Auch die griechische Philosophie oder das römische Recht als Basis des Abendlands sind ja nicht christlich, sondern wurden vom Christentum aufgenommen; trotzdem spricht man vom Dreieck Athen-Jerusalem-Rom und nicht zu Unrecht. Das Gerede der sog. Aufklärer von den „abrahamitischen“ Religionen hingegen stimmt natürlich nicht, denn der Islam als synkretistische Religion hat sich bei allem bedient, was sich im 7./8. Jahrhundert im Nahen Osten vorfand, und ist sicher nicht in einem „House of One“ zu integrieren.

brueckenbauer

2. Februar 2020 13:36

Mit Frau Sommerfeld und Weissmann sollten wir festhalten, dass "Jewish-Christian" von der jüdischen Publizistik vor 1940 lanciert wurde, und zwar um die Christen für den Krieg gegen Deutschland zu gewinnen. Es war das jüdische Pendant zu der von den Kommunisten lancierten "Einheitsfront gegen den Faschismus". Die heutige jüdische Kampagne gegen diese Wortwahl ist also zutiefst unredlich.

Andererseits muss man sehen, dass viele Juden nach 1945, und als die Hoffnungen auf Stalin weg waren, bescheidener und selbstkritischer wurden, als man sich das heute überhaupt noch vorstellen kann; damals war eine "jüdisch-christliche Zusammenarbeit" nicht völlig abwegig.

Von der Sache her bleibt festzuhalten, dass das Christentum sich aus seiner inneren Logik heraus zwangsläufig vom pharisäischen Judentum (der einzigen relevanten Spielart) weg entwickelt hat. Dass viele christliche Theologen das nicht mehr nachvollziehen können - schließlich ist das säkularisierte Judentum für den heutigen Menschenschlag viel attraktiver -, ist bedauerlich, aber wohl nicht zu ändern.

marcus

2. Februar 2020 14:04

Seit ein paar Tagen schießt SiN aus allen Rohren. Kubitschek, Lichtmesz und Sommerfeld nehmen die Äußerungen von Meuthen und Bystron ins Fadenkreuz. Es scheint als hätten Meuthen und Bystron eine rote Linie übertreten.

Leider werde ich den Eindruck nicht los, dass auch SiN nicht frei ist von einer politischen Korrektheit. Die Sprachregelungen lauten halt anders und die Wirklichkeitsdeuter haben andere Namen als die üblichen Verdächtigen aus der Hauptstrompresse.
Bei mir es so an als ob man sich hier als Hüter der reinen rechten Lehre sieht, die natürlich USA/Israel-frei sein muss.

Kommentar Sommerfeld: Wer hat die Deutungsmacht? "Sprachregelungen" und "politische Korrektheit" sind Strategieinstrumente, da haben Sie recht, man kann sie aber nur lancieren, wenn man kann. Und wenn man glaubt, strategisches Denken reiche weit und tief ...

Die AfD ringt um das künftige Rentenkonzept, darf sich mit dem Verfassungsschutz rumschlagen und hat in den letzten Wochen nicht wenige prominente Parteiaustritte hinnehmen müssen.
Nun eröffnen diejenigen, die sich als Vordenker dieser Partei sehen, einen neuen Grabenkampf.

Ist das sinnvoll?

Beste Grüße

nom de guerre

2. Februar 2020 15:06

Das ist nun der vierte Beitrag zu diesem Thema. Warum diese Menge? Was ist im Übrigen am Kampf gegen die Islamisierung Europas verkehrt? Diese reale Gefahr verschwindet doch nicht einfach so, nur weil sie ein Symptom, darin gehe ich durchaus mit SiN konform, eines tieferliegenden Problems europäischer - bekanntermaßen aber nicht nur der umerzogenen deutschen - Gesellschaften ist.

Und warum dieser fast durchgehend, bei Frau Sommerfeld weniger, dafür bei den drei anderen umso mehr, sehr scharfe Ton? Ist eine derart öffentlich geführte Auseinandersetzung innerhalb des eigenen Lagers sinnvoll?

zeitschnur

2. Februar 2020 15:26

@ Silent Reader

Darf ich Sie fragen, in welcher konkreten Beziehung zu meinem Kommentar oder auch dem obigen Artikel Ihre herablassenden Sätze an mich stehen und worauf Sie Ihre immanenten Unterstellungen ("zum Protestantismus 'absteigen'", bzw das orthodoxe Christentum sei die einzig wahre Kirche etc.) gründen? Sie können bei diesen Worten nur der liebe Gott sein, aber ob der hier Kommentare postet, noch dazu auf diesem Niveau?

Maiordomus

2. Februar 2020 15:28

@Andreas Walter. Sie meinen wohl "christlich-jüdisches Abendland", nicht "christlich-jüdisches Abendmahl"? (Mit dem berühmten Kirchenrechtler aus der Zeit des 1. Vatikanischen Konzils, Ferdinand Walter, sind Sie wohl kaum verwandt, wohl auch nicht mit der mystisch orientierten Nonne Silja Walter, als Schwester Maria Hedwig vor etwa zehn Jahren im Kloster Fahr bei Zürich verstorben.)

Es grenzt schon an Realsatire, wenn Katholiken, Lutheraner, Reformierte, auch Ungläubige und Gleichgültige heute frei von annähernd einheitlichem Verständnis dessen, was sie feiern, die sog. "Abendmahlsgemeinschaft" pflegen. Kein gläubiger Jude mit minimaler Ahnung von der eigenen Religion würde da mitmachen. Über die unterschiedlichen Verständnisse bei den christlichen Konfessionen äusserte sich Voltaire geistvoll spöttisch, im Grundverständnis nicht mal voll daneben: "Die Katholiken essen Gott, die Reformierten essen Brot, und die Lutheraner essen Gott mit Brot." Um 99% der katholischen Kirchensteuerzahler, darauf kann man sich ordentlich verlassen, wären wohl nicht imstande, das Dogma von der Transsubstantiation zu erklären, schon weil man dafür den aristotelischen Substanzbegriff aus dessen "Metaphysik" in der Interpretation des Laterankonzils von 1215 mit den entsprechenden Deutungen von Thomas von Aquin verstehen müsste. Dazu leitete vor etwa 140 Jahren Papst Leo XIII. mit der Encyclica "Aeterni patris" an, was immerhin für einige Generationen theologischer Ausbildung an den entsprechenden theologischen Fakultäten hingehalten hat. Hans Küng erklärte jedoch in seinem Buch "Christ sein" diese Lehre für irrelevant, was sich zwar nicht dogmatisch, aber doch zum Beispiel im deutschsprachigen katechetischen Raum praktisch durchgesetzt hat.

Die Frage nach der Mahlgemeinschaft ist für die oben geführte Debatte auch deswegen nicht gerade irrelevant, weil Vokabeln wie "christlich-jüdisch" oder auch "abrahamitisch" im Sinne des sog. Irenismus (Ausklammerung von Differenzen um des lieben Friedens willen) darauf hinauslaufen, zur Erleichterung des praktischen Zusammenlebens der Konfessionen und Religionen Unterschiede auszublenden. Regelmässig erweist es sich aber, dass diese Methode vielleicht kurzfristig da und dort Differenzen vermeidet, langfristig aber potentielle Konflikte eher anheizt. Irgend wann kommt nämlich der Punkt, gilt nicht nur für Religionen, auch allgemein für weltanschauliche Positionen, wo man den realen Differenzen nicht ausweichen kann. Wahrer Friede setzt am Ende sogar voraus, dass die Differenzen zum anderen jeweils akzeptiert werden. Gilt nicht zuletzt und wohl zumal auch für das Verhältnis christlicher Denominationen zum Judentum.

Beim Akzeptieren der erkannten Differenzen macht man sich vielleicht auch bewusst, dass man dem jeweils anderen weder auf die Füsse noch in den Bauch noch ins Herz treten sollte. Letzteres macht zum Beispiel kritische (nicht einfach verschwörungstheoretische Debatten) um das leidige Holocaust-Thema schwierig, weil es hier nur zum Teil um den Grundwert der Wahrheit geht; zur Hauptsache aber um den Grundwert des Heiligen, das Gedächtnis der Opfer. In diesem Zusammenhang wird Kritik oder auch nur die Aufrechnung gegen andere Opfer als Relativierung empfunden. Mit Personen, die Dutzende von Verwandten, zum Teil direkte Vorfahren, nun mal nachweisbar verloren haben, ohne dass die Todesursache im Einzelfall noch nachweisbar wäre, müssen Sie weder über die Zahlen noch über Tötungstechniken usw. diskutieren. Dies gilt selbstverständlich auch in gleicher Weise zum Beispiel auch für die russischen Opfer des 2. Weltkrieges, weswegen die entsprechenden Feiern auch nach dem Untergang der Sowjetunion praktisch unangetastet blieben und von einer kritischen Debatte der Verhältnisse auch heute dort nicht die Rede sein kann, wiewohl eigentlich der "Archipel Gulag" von Solschenizyn im Grunde genommen schon eine erste Basis für eine vernünftige Diskussion hätte abgeben können.

Es bleibt im Gegensatz dazu aber wohl dabei, dass die von Hannah Arendt, Alexander Mitscherlich und anderen beklagte "Unfähigkeit zu trauern" heute im Gegensatz zu früher weniger die einstige Unfähigkeit deutscher Trauer über jüdische Opfer betrifft (weil man damals primär über eigene Familienangehörige trauerte), sondern das heutige neurotische Verhältnis einer tonangebenden und das kulturelle Leben beherrschenden Kaste zur eigenen Nation und zur deutschen Geschichte. Dabei ist freilich "Bomber Harris do it again" sicher nicht die Standardmeinung des Establishments, vielmehr eine letzte pathologische und extremistische Konsequenz politneurotischer Verhältnisse im Zusammenhang mit dem, was heute von einer wieder offensiv gewordenen deutschen Rechten "Schuldkult" genannt wird. Die Appelle, reale Schuld von Deutschen, auch "Schuld der Geistigen" in Deutschland (Reinhold Schneider 1936) betreffend, wie sie zumal zwischen 1945 und 1949 als ehrliche Aufrufe erhoben wurden, zum Beispiel vom genannten Reinhold Schneider, sind einer Generation, welche die Zeit vor 1945 in Schulbüchern frei von zutreffender historischer Analyse als "Faschismus" eingetrichtert bekommen hat, kaum mehr verständlich. Und also als bedeutende und glaubwürdige innerdeutsche Selbstkritik zur damaligen Zeit auch nicht mit dem heutigen "Schuldkult" zu verwechseln. Nebst den Reflexionen über deutsche Schuld gehörte freilich ein Satz aus einer Erzählung von Reinhold Schneider nach 1945 zu den meistzitierten, was nunmehr zu tun sei: "Die Toten begraben; den Lebenden Häuser bauen." In eine solche Situation können sich Vertreter einer Generation, die sich um 1,5 Grad Klimaerwärmung in Richtung Notstand und Weltuntergang Sorgen machen, schlicht nicht mehr hineindenken. Umso weniger, je mehr Zeitzeugen mit unvergleichlich schwierigerem Leben unterdessen den Weg alles Irdischen gegangen sind.

Ein gebuertiger Hesse

2. Februar 2020 15:42

@ Solution
"Sprechen wir historisch lieber von einem christlich-heidnischen, als von einem christlich-jüdischen Europa."
Schöner Begriff, christlich-heidnisch. Für jeden, der vom Klang der Kirchenglocken wie von dem Wind, der durchs Blattwerk rauscht, gleichermaßen zuinnerst angerührt wird, von beidem eine Orientierung für seine nächsten Schritte erfährt, ist der Begriff zutreffend und ausreichend. Ungleich mehr als der andere, den falsche oder dumme Agenten uns einmal mehr überbügeln wollen.

heinrichbrueck

2. Februar 2020 16:03

@ Grambauer
Wir werden doch von überall mit Ablenkungen gefüttert, die überhaupt nicht satt machen. Was verspricht sich Putin, der als langfristiger Stratege gehandelt wird, aus solcher Zusammenarbeit, die er nicht langfristig wird steuern können?
Man kann Deutschland nicht negativ aufladen, größter Sieger des Vaterländischen Krieges sein, und gleichzeitig als Weiße Rasse positiv davonkommen. Ein langfristiger Widerspruch. Abendland und Orthodoxie haben ihr Scheitern schon einmal bewiesen. Ihre Steuerbarkeit war also offensichtlich. Eigene Macht auf der einen Seite, Rettung eines untergegangenen Abendlandes auf der anderen Seite, was soll es sein? Mit den Juden zusammen, wie die Einschleimversion „jüdisch-christlich“ suggerieren möchte, wird es nicht gehen, solange der Auserwähltheitsanspruch - global alttestamentlich festgelegt - das jüdische Volk als Israelis negiert (und alle anderen Völker Heiden sind).
In der Bibel steht das NT an zweiter Stelle, für das Christentum als Hauptreligion, ein Unding; es kommt also schon darauf an, was die Leute in ihrem Kopf haben, denn mit dieser Kopflast werden sie gesteuert (sind sie steuerbar). AT steuert NT. Deshalb fehlt eine adäquate psychologische Rechtfertigung des Christentums, die in der Wahrnehmung keine falschen Erkenntnisse der Realität, keinen Tod Gottes (totaler Quatsch), politisch als Eigengewächs hervorgebracht hätte. Die gegenwärtigen politischen Grundlagen sind nicht lebenserhaltend. Das Abendland braucht eine neue Konzeption. Die vergangenen zweitausend Jahre sind einfach nicht mehr so lebenswichtig. Das Christentum läßt sich nicht mehr als Mittel zum Zweck mißbrauchen, ohne das Leben grundlegender zu beenden.

Wahrheitssucher

2. Februar 2020 16:27

Von Benjamin Disraeli überliefert (?) ist der Satz zu lesen, Christentum sei Judentum für Nichtjuden.
Authentisch? Irreführend? Bitte um Aufklärung seitens des Forums zur richtigen Einordnung!

Kommentar Sommerfeld: Soweit ich etwas dergleichen finden kann, handelt es sich um folgenden Zusammenhang, nicht um ein wörtliches Zitat: "Disraeli argued not for equality, but that Christians owed Jews a debt as the inventors of Christianity". (https://forward.com/culture/14215/disraeli-please-come-home-02534/)

limes

2. Februar 2020 16:46

Die Formulierung »christlich-jüdisches Abendland« muss nicht theologisch interpretiert werden. Sie bringt den Beitrag beider Religionen zu dem Abendland in eine einfache Form, dem wir uns als Bürger der verschiedenen europäischen Nationen verbunden fühlen; den Beitrag beider Religionen zu unserer Heimat mithin. Obgleich ich mich weder zum Christentum noch zum Judentum bekenne, kann ich mich damit identifizieren.

Nicht identifizieren hingegen kann ich mich mit der Expansion des Islam nach Europa, und es geht mir ganz und gar gegen den Strich, wenn ich Götz Kubitschek und seine Getreuen neuerdings Amok laufen sehe gegen tüchtige und exponierte Akteure der einzigen Partei, die Deutschland vor den verschiedenen existenziellen Bedrohungen der Gegenwart retten kann.

Meine Abwendung von den Mainstreammedien begann vor ein paar Jahren mit der Beobachtung, dass bei der Berichterstattung über PEGIDA der Grundsatz »audiatur et altera pars« nicht beachtet wurde. Nun stelle ich fest, dass dieser auch bei SiN obsolet erscheint, und dass in redaktionellen Beiträgen Abweichler vom radikal rechten Pfade sich mit verächtlichen Ausdrücken bedacht sehen wie »Musterschüler« oder »politisch korrekt Geprügelte«. Unter diesen Umständen wankt nicht zuletzt mein Glaube daran, dass eine Buchmesse untadelig fair ablaufen würde, wenn GK und seine Getreuen die Macht darüber in ihren Händen hätten.

Kommentar Sommerfeld: Oh doch! Oder sollte ich Gebrauch vom Lichtmesz-Sommerfeld-Gesetz machen?

»Es hat immer weniger Sinn, sich „gegen den neuen Antisemitismus“ Amerika anzudienen. Man gehe davon aus, daß diejenigen in der AfD, die sich auf diese Weise einen strategischen Vorsprung verschaffen wollen, diese neue Lage nicht ansatzweise erfaßt haben. Und das christliche Abendland sich wenn überhaupt, dann alleine retten muß«,

so schreibt – wieder sehr apodiktisch - Frau Sommerfeld abschließend. Der neue Antisemitismus geht jedoch von Kräften aus, die jüdische wie nichtjüdische Deutsche, unsere Freiheit, unsere Heimat und Kultur gleichermaßen bedrohen. Bündnisse mit allen anderen Völkern, die in derselben oder einer vergleichbaren Lage sind – einschließlich der US-Amerikaner – sind deshalb das Gebot der Stunde.

Mir ist klar, dass dieser Kommentar harte Formulierungen enthält. Aber wer austeilt, sollte auch einstecken können.

zeitschnur

2. Februar 2020 17:03

@ Wahrheitssucher

Disraeli war konvertiert und anglikanisch geworden.

Wahrheitssucher

2. Februar 2020 17:12

@ Zeitschnur

Und zur Aussage?

Brettenbacher

2. Februar 2020 17:13

@ Gustav Grambauer
>>Jesus ist nicht zu den Juden gekommen, weil er sie für besonders affin zu sich gehalten hat, sondern weil er das schärfstmögliche Kontrastprogramm exerzieren wollte<<

Das trifft's !
Und Judentum und Christentum stehen in denkbar innigster Unvereinbarkeit zueinander.

Maiordomus

2. Februar 2020 17:48

Ich glaube, @heinrichbrueck, dass Ihre Bemerkung, der Begriff "christlich-jüdisch" sei eine "Einschleimversion", insofern nicht falsch ist, als Sie den propagandistischen Charakter des Terminus durchschauen. Dass Sie sich aber dieser polemischen Wortwahl bedienen, scheint mir als philosophisch begründete Ideologiekritik wenig hilfreich.

@Heinrich brueck. Was Sie im Zusammenhang mit dem "Tod Gottes" als "totalen Quatsch" bezeichnen, macht deutlich, dass Sie a) Hegels Verständnis dieses in der westlichen Philosophie hundertfach erläuterten Begriffs aus der entsprechenden Geschichtsanalyse des "objektiven Geistes" im Sinne einer Fortschrittsgeschichte wohl kaum zur Kenntnis nehmen wollen b)Nietzsches Beschreibung des Nihilismus mit der Unterscheidung des vollständigen und unvollständigen Nihilismus in seinem Hauptwerk "Der Wille zur Macht" als notwendige Grundlage zum Verständnis eines metaphorischen Schlagwortes ebenfalls nicht berücksichtigen.

Der Satz "Gott ist tot" beruht philosophiegeschichtlich aber zumal auf der Grundlage von Nietzsches Parabel "Der tolle Mensch", die im Zusammenhang mit der metaphorischen Analogie voraussetzt, dass man im Gegensatz zu monistischem Vulgärmaterialismus Metaphern gemäss Sinn und Bedeutung nach Frege korrekt einschätzen kann. c) Es geht nie bloss um das "Blumige" der Metaphern, sondern um die ideologische Analyse der geistigen Situation des sog. Abendlandes ab der Aufklärung über Kant via Hegel-Marx, Nietzsche und den Positivismus bis zur Gegenwart, wie es Martin Heidegger in seinem bedeutendsten Aufsatz zum Thema "Gott ist tot" analysiert hat: nachlesbar in seinem Band "Holzwege", zentral für das Verständnis von Heideggers philosophischer Zeitanalyse, die als Analyse des Humanismus von Sartre und Sloterdijk ernst genommen werden konnte und ernst genommen wurde. Zugegebenermassen aber wurde in der späteren Deutung von Nietzsches Zeitgeist-Analyse auf die Vulgärmaterialisten keine Rücksicht mehr genommen, weil es sich ja schon seit der Zeit des jungen Albert Schweitzer um eine Jahrhundertdebatte handelte, die wie kaum eine andere die damaligen Intellektuellen bewegte. Um es mit Popper zu sagen: Beim "Tode Gottes" handelt es sich, wie schon Hegel mit aller wünschenswerten Deutlichkeit es gezeigt hat, nicht um einen Vorgang in der Welt I, wie Sie glauben, sondern um eine vorentscheidende Orientierung in Welt III, auf der Basis von Kants Welt II, womit das cartesische denkende Ich gemeint ist. Was Sie "Quatsch" nennen,

Heidegger hat aber die genannten Vulgärmaterialisten, mit denen schon ein Friedrich Engels seine liebe Mühe bekundete, in seiner Interpretation des Hegel-Nietzsche-Verständnisses von "Gott ist tot" ausdrücklich ins Bild gebracht. Es handelt sich um die in der Tat komische Situation, da einer am Tag mit einer Lampe auf den Marktplatz kommt und ausruft "Ich suche Gott!", welcher dann von den vulgärmaterialistischen "Herumstehern" ausgelacht wird.
Es sind nach Heidegger die "Herumsteher, die nicht an Gott glauben" und sich deswegen über den Verkünder des Todes Gottes, den "tollen Menschen" lustig machen. Hat Gott sich denn verlaufen? Wogegen aber der "Gottsucher" ausruft: "Ihr habt ihn getötet!", ein Motiv notabene, das via die Mythologie vom Tod des grossen Pan zur alten Gnosis gelangt ist, von Nietzsche und anderen wieder aufgegriffen; gemäss Eric Vögelin und Ernst Bloch eine Grundlage der modernen Weltanschauungen, um deren Psychologie und Metaphysik es Nietzsche bei den einschlägigen Texten natürlich gegangen ist.

Die "Herumsteher, welche nicht an Gott glauben", halten sich - gemäss Heidegger - für aufgeklärt, da sie glauben, das Ideologieproblem sei auf vulgärmaterialistischer "seinsvergessener" Basis nicht nur lösbar, sondern längst gelöst. Sie sind auch unfähig, die Bedeutung der "Leerstelle" Gott zu analysieren, weswegen sie auf die nächstbeste Ideologie hereinfallen, wozu Nietzsche unter anderen den Antisemitismus zählte.

Es geht Nietzsche/Heidegger bei den "Herumstehern, welche nicht an Gott glauben" um diejenigen, die nun halt mal nicht verstanden haben, was in Europa in den letzten paar Jahrhunderten mit dem sukzessiven Vormarsch des Nihilismus passiert ist. Man sollte sich indes keine allzu grossen Sorgen machen. Hegel scheint es durchaus richtig gesehen zu haben: "Die Geschichte schreitet über das Individuum hinweg." Die Thematik hängt also, @heinrichbrueck, eng mit dem zusammen, was Carl Jaspers "Die Psychologie der Weltanschauungen" genannt hat. Dass man indes von einem vulgärmaterialistischen Standpunkt aus geistige Entwicklungen kaum angemessen beurteilen kann, gehört als Erkenntnis meines Erachtens zu den philosophischen Verdiensten, die man auch einem Marx und einem Engels nicht absprechen kann. Beide verfügten über Grundlagen, die Herr Bosselmann im Nachbarblog "Bildung" nennt. Dies schloss bei Ihnen im Einzelfall "Quatsch" nicht aus. Zum Beispiel, wie Walther Theimer in seinem Uni-Taschenbuch "Der Marxismus" hervorhob, die Fragestellung, ob das Ei die Negation des Huhnes sei oder umgekehrt das Huhn die Negation des Eis. Im Gegensatz zur Hegel-Nietzsche Metapher vom Tode Gottes lässt sich aus dieser Vulgarisierung der Hegelschen Dialektik kein vernünftiger Schluss ziehen. Welches aber wäre nun bei Nietzsche der "vernünftige" Schluss aus dem "Befund" des "Todes Gottes" als eines Vorganges in Welt III? Zum Beispiel derjenige, dass der Mensch nun vor der Wahl stehe, seine Existenz als Irrläufer im "unendlichen Nichts" (dem Nihilismus) entweder auszuhalten oder sich einem Ersatzgott anzuvertrauen, zum Beispiel dem Sozialismus, dem Nationalismus oder irgendeinem liberalistischen Humanismus, heute Gutmenschentum genannt. Solche weltanschaulichen Entscheidungen sind in der Tat keine Kleinigkeit.

zeitschnur

2. Februar 2020 17:50

@ Wahrheitssucher

Dazu äußert sich dieses Blog hier: http://ein-kritischer-blick.blogspot.com/2012/12/christentum-ist-judentum-fur-nichtjuden.html

Der Blogbetreiber will nachweisen, dass Disraeli diesen Satz aufgrund einer rassistischen Haltung sagte, belegt aber nicht, woher er ihn hat. 'Ist ihm doch egal, in welchem Ritualzirkus er mitmacht, so klingt es, Jude ist man der "race" nach', weil Disraeli "race is all" geschrieben habe. Na schön, das müsste man alles genau lesen und untersuchen.

Ich wäre aber mit solchen Blogs vorsichtig, dieser hier ist extrem polemisch und auch ziemlich dumm, nur noch ein Beispiel und schmeißt alles durcheinander, natürlich ohne triftige Argumente:

"Es war der Moses-Jude Saul(us) von Tarsus, der – wie viele Moses-Juden nach ihm – zur Täuschung der tumben Nichtjuden den Namen „Paulus“ annahm, auf den unter anderen der Begriff des „Sündenfalls“ und als dessen spätere Konsequenz der durch Augustinus Aurelius (354-430) eingeführte Begriff der „Erbsünde“, die wiederum nur durch den Unterwerfungs- und Versklavungsakt der „Taufe“ unterbrochen konnte, zurückzuführen ist. Durch den Taufkult wurde sichergestellt, dass die Leicht-Gläubigen in Abhängigkeit zu einer immer mächtiger werdenden parasitären „Kirche“ gerieten, die seit Saulus für sich das Monopol in Anspruch nahm, allein den direkten Kontakt zum „Allerhöchsten“ haben."

Das ist extrem diffamierend und kommt auch ganz ohne jeden Beweis aus. Die Eltern Disraelis haben die Kinder offenbar taufen lassen, weil man als Christ sozial besser dasteht.
Es muss aber eines klar gesagt werden: ein Land, das so idiotische und ausgrenzende Gesetze macht, darf sich nicht wundern, wenn Leute der Form halber konvertieren und innerlich doch Juden bleiben. Das ist doch mehr als nachvollziehbar. In einem ausgeglichenen, einigermaßen toleranten Gemeinwesen wäre es zu dieser Angst vor Unterwanderung und "Kryptos" nie gekommen.

Andreas Walter

2. Februar 2020 18:29

@Maiordomus

Bitte haben Sie Verständnis dafür dass ich nicht auf Ihre umfangreichen Ausführungen eingehen möchte da es mir dazu am nötigen Spezialwissen fehlt, welches ich mir nur mit erheblichem Zeitaufwand aneignen könnte.

@marcus

Genau das macht ja gerade den Reiz der SiN aus. Das nur hier um die rechte Lehre für das deutsche Volk gerungen wird. Ist es gut für die Deutschen - und was ist gut für die Deutschen. Diese Fragen sind im Lauf der Geschichte nämlich immer mehr von fremden Mächten in den Hintergrund gedrängt worden, spätestens seit dem Ersten Weltkrieg und mit dem anschliessenden Knebelvertrag von Versailles.

Wobei ich die Gründe dafür systemischer Natur halte, denn auch die Reichsgründung wäre wohl ohne das durch einen Juden verwaltete Kapital oder vielleicht sogar sein Eigenes wahrscheinlich nie möglich gewesen. Darum ist ja auch die Frage, wer Hitlers Geldgeber und Unterstützer waren nicht uninteressant. Oder auch, wie weit es die Nationalsozialisten selbst in den VSA schon gebracht hatten, bevor sie auch dort dann von bestimmten Gruppen angegriffen und sogar zerschlagen wurden. Das waren ja nicht nur Deutsche oder Deutschstämmige, die sich auch weltweit auch dieser Bewegung angeschlossen haben. Die Andere war der Kommunismus.

Der aber ist sowohl in den VSA wie auch in Deutschland (Bayern) gescheitert, konnte nur in Russland einen Durchmarsch erzielen. Das Geld dafür dort aber kam auch aus Deutschland und den VSA. Oder man nehme als Beispiel auch die Einahmen aus dem Export von Baumwolle der Südstaaten. Die haben tatsächlich vom Wert über die Hälfte (57,5%) der Exporte der VSA 1860 ausgemacht. Auch da ging es also um richtig viel Geld, welches die Nordstaaten den Südstaaten nicht überlassen wollten. Deshalb redet man ja lieber von der Sklavenbefreiung und von Auschwitz. Um von den wahren Gründen für Krieg abzulenken. Mit Moral haben die allerdings nichts zu tun, dazu müssen deswegen die vorgegebenen und erfundenen herhalten. Für das “Moral Bombing" der etwas anderen Art.

Karl

2. Februar 2020 19:03

„Die“ VSA werden pauschal undifferenziert als ein gefährlicher machthungriger Monolith beschworen, während „der“ Islam ja differenzierter zu betrachten sei. Welche Kräfte in „den“ VSA jeweils welche Sprachregelung mit welcher Interessenlage verfolgen, welche Kräfte diese nur taktisch aufgreifen, mit völlig anderen Zielen und welche diese ablehnen sollte vielleicht bedacht werden. Also die Struktur „die VSA“ etwas aufzulösen möchte ich anregen. Und weiterhin würde ich mir eine zeitliche Differenzierung wünschen, die VSA vor und nach Trump.

Andreas Walter

2. Februar 2020 19:13

@zeitschnur

Darum ja auch die Rassengesetze. Diesen Weg der aus ihrer Sicht Unterwanderung durch Konversion wollten die Nationalsozialisten dadurch sicher versperren. Für die Nazis waren viele Juden einfach nur Kommunisten die um jeden Preis daran gehindert werden mussten, die Macht in Deutschland heimlich und unerkannt zu übernehmen. Die gleiche Paranoia haben ja auch die Amerikaner gehabt, nur eben erst ein paar Jahre später:

https://de.wikipedia.org/wiki/Komitee_für_unamerikanische_Umtriebe

Wobei, stimmt gar nicht, sehe ich gerade. Es fing dort sogar zur gleichen Zeit an. Ich habe das mit den Hollywoodprozessen verwechselt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Angst#Zweite_Rote_Angst_(1947–1957)

Hahaha, unamerikanische Umtriebe. Voll Nazi, die Amis.

Maiordomus

2. Februar 2020 20:10

@Brettenbacher/Grambauer. Sie können dem Eindruck schwerlich widersprechen, dass Sie selber ziemlich willkürlich bestimmen, wie Sie die Juden sehen wollen - vgl. Max Frischs "Andorra". Vgl. noch William S. Schlamm: "Wer ist Jude?" Noch informativ sind die einschlägigen Studien von Pinchas Lapide, einem jüdischen Gelehrten mit hoher Aufgeschlossenheit für Christliches. Auf den christlichen palästinensischen Rechtshistoriker Sami Aldeeb habe ich schon hingewiesen. Er weiss zum Beispiel alles heute Wissbare über Emaus zur Zeit Jesu.

Für das Denken von Jesus bleiben, bei allen Abgrenzungen, die intellektuell und ethisch hochstehenden Pharisäer von Belang. Jesus scheint ihnen deutlich näher gestanden zu haben als es von den Theologen meist vermittelt wird. Natürlich bleiben noch die Essener von Bedeutung; nicht zu vergessen diverse weitere Messias-Anwärter aus der damaligen Zeit. Bei Johannes, genannt dem Täufer, und Jesus, ist vom Ursprung her ein Konkurrenzverhältnis nicht auszuschliessen, sogar naheliegend. Seine sadistische ungesetzliche Hinrichtung kam, wenn wir das cui bono? Kriterium heutiger Debatten um umstrittene Ereignisse der Gegenwart auf die damalige Zeit anwenden wollten, den Jesus-Anhängern entgegen. Es scheint aber fraglich, dass Johannes es zu mehr als einem rein innerjüdischen Sektenführer gebracht hätte, was zwar Jesus im ersten Ansatz auch gewesen sein mag. Letztlich wurde er aber, auf dem Berg Tabor, zum weltweit bedeutendsten und glaubwürdigsten Prototyp des Mystikers als eines Sohnes Gottes im àussersten Sinn des Wortes, der eingeborene, wie es vielleicht Meister Eckhart bis heute auf einmalige Art in unerreichtem philosophischem Tiefsinn in Worte zu fassen vermochte. Ohne dessen existentielle Auslegungen blieben viel christlichen Dogmen der Frühkirche Wortgeklapper. Insofern muss die "Göttlichkeit" Jesu aus bibelkritischer Sicht nicht relativiert werden. Hingegen mutet es lächerlich und krass ideologisch an, Jesus wegen der unbefleckten Empfängnis zum Nichtjuden, Halbjuden oder gar "Arier" zu machen.

Zu den seriösesten noch leicht zugänglichen Untersuchungen gehören die Studien von Carsten Peter Thiede "Jesus - der Glaube, die Fakten", "Jesus und Tiberius" , "Der Jesus-Papyrus" sowie weitere Standardwerke des 2004 verstorbenen Papyrologen und Philologen, welche in nicht wenigen Fällen vorgefasste Meinungen der sog. historisch-kritischen Bibeldeutung mit enormer, auch archäologischer Detailkenntnis hinter sich lassen, bis hin zur Untersuchung der materiellen Verhältnisse in Jerusalem zur Zeit Jesu, der Interessenlage und Herkunft der Jünger Jesu, unter denen Judas aus der 1. Generation der mutmasslich interessanteste war. Auch sollte man sich klar machen, dass die Jünger Jesu bewaffnet waren, was sich z.B. durch das abgeschlagene Ohr des sogenannten Knechtes "Malchus" manifestiert. Mit der Bezeichnung "Knecht" in herkömmlichen Übersetzungen wird verdeckt, dass es sich um einen Abkömmling des Hohepriestergeschlechtes der Melchisedech handelte, der durch diese nicht zufällige Verstümmelung für genau diese Berufsausübung gemäss einschlägigen Gesetzen unfähig gemacht wurde. (So wie nach klassischem katholischen Kirchenrecht zum Beispiel ein Kastrat nicht zum Priester geweiht werden darf.) Je näher man sich indes wissenschaftlich mit Jesus befasst, jenseits von Titeln, die ihm später zugeschrieben wurden, desto jüdischer erscheint er. Geben Sie doch zu, dass Sie in Ihre Aussagen auf diesem Blog wohl weniger als drei Jahre in Detailuntersuchungen investiert haben.

Unter den Darstellungen von Jesus, die von Theologen verfasst wurden, gehören ausser derjenigen von Paulus (der seinen Rabbi zu Lebzeiten nicht gekannt zu haben scheint), diejenige von Ratzinger meines Erachtens noch zu verhältnismässig besseren. Der Bedeutung der Maria aus Magdala, die nie was mit einer Hure zu tun hatte und die in nicht unbedeutenden allerdings nachbiblischen Quellen als Apostolin und Bischöfin bezeichnet wird, ist die katholische Kirche meines Erachtens bis heute nicht gerecht geworden.

marcus

2. Februar 2020 20:24

@ nom de guerre

Bin ähnlich verwundert. Werde den Eindruck nicht los, dass in der "Neuen Rechten" unangemessen nervös reagiert wird, sobald eine Äußerung eines AfD-Politikers auch nur im Promillebereich nach Schuldkult und Atlantikbrücke zu riechen scheint. Das ist leider ein Phänomen, das man eher aus anderen Szenen kennt, wo sofort Emotionen hochschlagen, wenn einer auch nur andeutet, WK 1 und 2 könnten ja nicht (nur) von Deutschland verursacht worden ein.
Schade.

Beste Grüße und guten Wochenstart.
marcus

Gustav Grambauer

2. Februar 2020 20:31

heinrichbrueck

Sehe Putin im Bewußtsein und in der Wahrnehmung einer zivilisatorischen Verantwortung weit über die russischen Interessen hinaus. Zu dieser gehört, das Gedenken an die jüdischen Opfer in einen angemessen Rahmen zurückzuführen und ihm damit die Würde zurückzugeben. Dieser Würde stand es z. B. sehr entgegen, die letzten Überlebenden regelmäßig nach Auschwitz zu karren, dort Disney-mäßig in nachgeschneiderte KZ-Kleidung zu stecken (und sie allein damit vor allen Kameras erneut zu demütigen!) und als Deko-Staffage der verheuchelten Einschwörungsrituale des transatlantischen Imperialismus zu mißbrauchen. Dabei hatten die Hasardeure den Bogen des hypermoralischen Exzesses so weit überspannt, daß es für diejenigen, die sie da hineinziehen konnten, manipulieren konnten, insbesondere all die Kinder und jungen Leute, unmöglich war, noch auf eine einigermaßen unverdrehte Art aus der Geschichte zu lernen.

Ein wahrheitsgemäßes Verhältnis zum Christentum kann nicht verordnet werden, es muß die Substanz erarbeitet werden, was im kollektiven Rahmen im Prinzip möglich aber leider wegen aller möglicher auch hier gegebener Manipiulationen, @Maiordomus, nicht nur in der "Religionswissenschaft" sondern auch in der Theologie selbst, schwierig ist. (Für meinen Teil: ich bin da Autodidakt.) Obwohl diese Erarbeitung eine Bringschuld ist, ist sie eine unbeschreibliche Freude!

---

Grobmotoriker

"Wir nehmen euch Polen jetzt in die Zange."

Bedenken Sie auch einmal die Konsequenzen für die Neuauflage von Pilsudskis Miedzymorze / die Drei-Meeres-Initiative z. B. mit der Via Carpatia hieraus! Hinzu zu dem, wa Sie ausführen, kommt noch, daß Trump zum 1. September seine Teilnahme in Warschau abgesagt hatte, was in Rußland mit "in Polen treffen sich jetzt nur noch die Verursacher des WK-II zur Feier des Kriegsbeginns" oder mit "in Polen treffen sich jetzt nur noch die Loser" kommentiert wurde, und stattdessen mit größerer Wahrscheinlichkeit, abhängig davon, wie gut der Wahlkampf läuft, am 9. Mai zur Siegesparade nach Moskau kommt.

- G. G.

Rautenklause

2. Februar 2020 20:33

@Wahrheitssucher (2. Februar 2020 16:27 )

Der Satz kommt - wenn ich mich richtig erinnere - in Diseraelis Roman "Tancred oder der neue Kreuzzug" [Berlin, 1936, Vlg Jüdische Buchvereinigung] vor und wird dort einem Protagonisten in den Mund gelegt. Größere Resonanz erfuhr er dann durch den mitteilungsfreudigen (de mortuis nil nisi bene) Nico Sombart in seinen frühen Memoiren "Jugend in Berlin. 1933–1943" im Kapitel "Spaziergänge mit Carl Schmitt" (habe den Band gerade nicht zur Hand, das Kapitel heißt aber so oder ähnlich).
Der "Tancred" wurde später nochmal im Manesse Verlag veröffentlicht. In einer Besprechung in der SZ ging Gustav Seibt auch auf CS und dessen Interpretation Disraelis ein.

Rautenklause

2. Februar 2020 20:41

Die Tücke des zu früh abgeschickten Kommentars ...

Es gab noch eine frühere Übersetzung des Tancred aus dem Jahr 1914 von Oscar Levy, einem Nietzscheforscher, der die große 18-bändigen englischen Nietzsche-Ausgabe herausgab

zeitschnur

2. Februar 2020 21:28

@ Andreas Walther

In den USA fing man mit diesen rassistischen Umtrieben noch viel viel früher an... das ganze Land ist eine einzige Kette von Rassismen. Im 20. Jh waren sie konkret die Ersten mit antideutscher Hetze, Lynchmorden in großer Zahl an schwarzen, von den Behörden geduldet, unterwandert waren die Weißen durch bestimmte rassistische Clans und Freimaurerlogen, natürlich auch jüdische, katholische Geheimorden, Mormonen etc.etc. Europa kennt Antijudaismus und Konfessionskriege, aber keinen Rassismus. Der kam aus Amerika.

Wenn es Sie interessiert, auch mit einer langen Quellensicht über die eugenische Politik gegen "Underman" und so weiter empfehle ich von Hermann Ploppa: Hitlers amerikanische Lehrer. https://www.amazon.de/Hitlers-amerikanische-Lehrer-Geburtshelfer-Nazi-Bewegung/dp/3981270304
Es haut einen erst mal um, wenn man liest, dass nicht die Deutschen, die bösen, all dieses Elend, das dann kam "erfunden" haben, sondern es kam ganz groß aus Amerika und wurde wohl auch von dort aus deshalb bei uns so stark gefördert. Es weiß heute ja jeder, woher das Geld kam, woher die Waffen kamen und viele Baustoffe und Knowhow: eben von dort, das meiste davon bis kurz vor dem Kriegsende. Man hat uns und die Österreicher verarscht ohne Ende, und manche realisieren es immer noch nicht bis heute.

Thymotiker

2. Februar 2020 21:38

Im Folgenden zitiere ich einige Stellen aus der christlichen Bibel, die jemand als verletzend empfinden könnte. Das ist nicht meine Absicht. Ich diskutiere diese Dinge historisch und religionswissenschaftlich, ohne sie mir an dieser Stelle zu eigen zu machen.

@ marcus

Die Apostelgeschichte macht aber auch explizit, dass die ersten Christen, inklusive Petrus, den Willen des christlichen Gottes (im Folgenden: Gott) erst sukzessive zu verstehen gelernt haben, siehe Apostelgeschichte 10:9:
Nicht nur Paulus, auch Petrus wird in einer Vision von Gott aufgefordert, Nichtjuden zu missionieren, wogegen er sich zuerst wehrt. Er wird vom Heiligen Geist ermahnt: »Was Gott für rein erklärt hat, das halte du nicht für gemein!«
Er wird auch von Paulus, dem Apostel der Heiden, korrigiert:
"Da aber Petrus gen Antiochien kam, widerstand ich ihm unter (vier) Augen; denn es war Klage über ihn gekommen. 12Denn zuvor, ehe etliche von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, entzog er sich und sonderte sich ab, weil er die Juden fürchtete. 13Und mit ihm heuchelten die andern Juden, also daß auch Barnabas verführt ward, mit ihnen zu heucheln. 14Aber da ich sah, daß sie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Petrus vor allen öffentlich: So du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du denn die Heiden, jüdisch zu leben? ... so glauben wir auch an Christum Jesum, auf daß wir gerecht werden durch den Glauben an Christum und nicht durch des Gesetzes Werke; denn durch des Gesetzeswerke wird KEIN Fleisch gerecht."

Apostelgeschichte 10: 28
»Ihr wisst sicher«, sagte er zu ihnen, »dass es einem Juden nicht erlaubt ist, engeren Kontakt mit jemand zu haben, der zu einem anderen Volk gehört, oder ihn gar in seinem Haus zu besuchen. Aber Gott hat mir unmissverständlich klar gemacht, dass man keinen Menschen als unheilig oder unrein bezeichnen darf, nur, weil er kein Jude ist`.

Es ist also nicht ausschlaggebend, mit welchem Bewusstsein die ersten Christen in der Apostelgeschichte starten, sondern welches sie darin entwickeln. In der Apostelgeschichte wird die mit dem Pharisäertum noch kompatible Interpretation von Jesus, Christen müssten beschnitten sein usw., bereits überwunden. Und das nicht als Ergebnis von Diskussionen, sondern - nach christlichem Glauben - von Prophetie und die Lenkung des Heiligen Geistes, also Gottes selbst. Wer daran glaubt, ist Christ. Wer daran nicht glaubt, hängt laut Paulus einem Irrglauben an, wer es offensiv leugnet wiederum ist kein Christ ("wer das Wirken des Heiligen Geistes leugnet, der kann nicht gerettet werden").

Allgemein möchte ich festhalten, dass das rabbinische Judentum gravierend anders ist, als das Hebräertum zu Zeiten des Tempels, mit seinen gesetzesmäßigen Priestern, mit seinen gesetzesmäßigen Tieropfern usw. Diese Religion von damals existiert so nicht mehr. Siehe https://www.youtube.com/watch?v=HMyBeEJ0ox8

Die heutige Tora ist in seiner Zusammenstellung an Büchern auch jüngeren Datums als die Septuaginta, sowie die katholische und orthodoxe Bibel. Der Sinn wird nunmal verändert, wenn ganze Bücher entfernt werden wie es bei der heutigen Tora des rabbinischen Judentums geschehen ist.

Zum weiteren Verständnis des Christentums ist nötig zu wissen, dass das Paulus ausdrücklich schreibt, dass seine Briefe weitgehend nicht seine Privatmeinungen wiedergeben, sondern prophetisch Offenbarungen des Heiligen Geistes sind, also direkt von Gott stammen. In der Apostelgeschichte bestätigt das erste Konzil, mit Petrus und der Jerusalemer Gemeinde, diesen Anspruch des Paulus. Jesus wiederum sagte, dass einzelne Christen sich irren könnten, ein Konzil von Aposteln aber durch die Gnade des Heiligen Geistes unfehlbar sei.

Zurück zur Frage, ob das jüdische Volk aus christlicher Sicht weiter Gottest auserwähltes Volk ist. Insbesondere die späteren neutestamentlichen Schriften, die paulinischen Briefe, entziehen solchen Theologie bzw. diesem - aus christlicher-neutestamentlicher Sicht - Irrglauben, dass das jüdische Volk weiterhin das auserwählte Volk Gottes sei, scheinbar jede Grundlage.

Judesein hat kein bersonderes Ansehen vor Gott:
"9Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses tun, vornehmlich der Juden und auch der Griechen; 10Preis aber und Ehre und Friede allen denen, die da Gutes tun, vornehmlich den Juden und auch den Griechen. 11Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott."
Rö 2:9

"Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. ... Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch."
Joh 14:6ff
Das heißt, niemand kommt in das Himmelsreich, außer durch Christus.

In den Paulusbriefen finden sich 50-100 Zitate, wonach (mosaische) Gesetzeswerke nicht zur Erlösung führen.

"Die Heiden, die nicht der Gerechtigkeit nachjagten, haben Gerechtigkeit erlangt, nämlich die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt. 31 Israel aber, das dem Gesetz der Gerechtigkeit nachjagte, hat das Gesetz nicht erreicht. 32 Warum das? Weil es die Gerechtigkeit nicht aus Glauben suchte, sondern als komme sie aus Werken. Sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes, 33 wie geschrieben steht (Jesaja 8,14; 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.«
Rö 9:30

Über Verfolgung von Christen und die Verfolgung Jesu

„Ihr habt von euren Mitbürgern das Gleiche erlitten wie jene von den Juden. Diese haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie missfallen Gott und sind Feinde aller Menschen;
sie hindern uns daran, den Heiden das Evangelium zu verkünden und ihnen so das Heil zu bringen. Dadurch machen sie unablässig das Maß ihrer Sünden voll."
1 Thess 2,15

„Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und Ohren! Ihr widerstrebt allzeit dem Heiligen Geist, wie Eure Väter so auch ihr. Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben getötet, die da zuvor verkündeten das Kommen des Gerechten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid.“
Apostelgeschichte 7,52

„Und das ganze Volk antwortete und sprach: ‚Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!‘“
Mt 27,25

In Apostelgeschichte 2:23, 2:36, 3:15, 4:10, 5:30, 7:52, 13:27 wird von der Gottesmörder-Lehre bzw. Gottesmord gesprochen.

„Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: ‚Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein!‘ Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg. – Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben.“
Mk 12:8, Lk 20:15

Der Weinberg ist eine immer wiederkehrende Metapher der Bibel für "Gottes Reich". Der Weinberg ist laut diesem Gleichnis Jesu im Evangelium nach Markus "andern (ge)geben" worden. Die, denen er zuvor versprochen war, werden an dieser Stelle enterbt und eine Bestrafung wird angekündigt.

Verworfensein jener, die Christus nicht als König akzeptieren:
"27 Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde - bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder!" bzw in der Lutherübersetzung
"27Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir."
Lk 19:27

Verneinung des Fortbestehens des "Alten Bundes" durch Jesus Christus selbst:

Die, für die Gottes Reich zuerst bestimmt war, werden enterbt und in die "Hölle" (Finsternis) kommen.
„Der (römische) Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. 9 Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's. 10 Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich IN ISRAEL BEI KEINEM gefunden! 11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; 12 aber die KINDER des Reichs werden hinausgestoßen in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. “
Mt 8,8

„Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.“
LK 13:28

Die "Erwählung" kehrt sich um, wie schon zuvor bei den Geschwistern Jakob, genannt Israel, und Esau zuvor, vgl. 1 Mose 25:27 und 1. Mose 27

Jesus bezeichnet die Hebräer, zu denen er redet, als (physische) Nachkommen Abrahams, aber sie seien nicht seine (legitimen) Kinder. Der Teufel sei, so Jesus, ihr Vater:

„37 Ich weiß wohl, dass ihr Abrahams Nachkommen seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort findet bei euch keinen Raum. 38 Ich rede, was ich von MEINEM Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von EUREM Vater gehört habt. 39 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder WÄRT, so tätet ihr Abrahams Werke. 40 Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan. 41 Ihr tut eures Vaters Werke. Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht aus Hurerei geboren; wir haben einen Vater: Gott. 42 Jesus sprach zu ihnen: WÄRE Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin von Gott ausgegangen und komme von ihm; denn ich bin nicht von mir selber gekommen, sondern er hat mich gesandt. 43 Warum versteht ihr meine Rede nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt! 44 Ihr habt den TEUFEL zum Vater, und nach eures Vaters Begierden wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. 45 Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht."
– Joh 8:37–45

"Siehe, ich gebe aus der Synagoge des Satans von denen, die sagen, sie seien Juden, und sind es nicht, sondern lügen; siehe, ich werde sie zwingen, dass sie kommen und sich niederwerfen werden vor deinen Füßen und erkennen, dass ich dich geliebt habe."
Offenbarung des Johannes 3:9, vgl. Offb 2:8

"28Denn das ist nicht ein Jude, der auswendig ein Jude ist, auch ist das nicht eine Beschneidung, die auswendig im Fleisch geschieht, 29sondern das ist ein Jude, der inwendig verborgen ist, und die Beschneidung des Herzens ist eine Beschneidung, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht, welches Lob ist nicht aus Menschen, sondern aus Gott"
Römer 2:28

"Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Völker hinzugekommen (d.h. christlich geworden; Thymotiker) ist. 26 Und dann wird Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser (Christus); der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob (den Juden). 27 Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.« 28 Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um ihrer Väter willen."
Rö 11:25

Der Alte Bund (Hervorbringen des Lichts der Völker = Jesus, zuvor: Jakob bekommt den Segen "Israel" verliehen = Ringer/Besieger mit Gott bzw. Prinz der Engel, ein Segen, ein Titel bzw. eine Verheißung, die nur durch einen, den Messias aus dem Stamm Davids erfüllt wird, der Rest ist nicht Israel im engeren Sinne, sondern "Ben/Banim Israel" = Söhne Israels bzw. "Beth Israel" = Haus/Zelt/Abstammungslinie Israels, "Eretz Israel" = Land Israel, manchmal "Klal Israel" = ganz Israel, d.h. Jakob + alle seine Nachkommen aller Generationen) erfüllt sich durch Inkarnation Gottes in Jesus und ihre Konversion zu Christus-Gott, an dem Tag an dem alle Völker, also auch das jüdische Volk, christlich geworden sein werden. So zumindest die Lehre des Paulus.

"Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; die Erwählten aber haben es erlangt. Die Übrigen wurden verstockt, 8 wie geschrieben steht (Jesaja 29,10): »Gott hat ihnen gegeben einen Geist der Betäubung, Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag.« 9 Und David spricht (Psalm 69,23-24): »Ihr Tisch soll ihnen zur Falle werden und zu einer Schlinge und zum Ärgernis und zur Vergeltung. 10 Ihre Augen sollen finster werden, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge allezeit.«
Römer 11:7

So haben Christen allezeit die Juden eben nicht aktiv verdammt, sondern in Liebe für die Errettung der "verfluchten Juden" (siehe alte Osterliturgie) gebetet, was eben keine Verdammung war, sondern die flehende Bitte um Erlösung von ihrem "Gebeugtsein", durch Wiederannahme Gottes im Sinne der neueren Offenbarung.

"Denn nicht alle sind Israeliten, die von Israel stammen; 7 auch nicht alle, die Abrahams Nachkommen sind, sind darum seine Kinder. Sondern »nach Isaak soll dein Geschlecht genannt werden« (1. Mose 21,12). 8 Das heißt: Nicht das sind Gottes Kinder, die nach dem Fleisch Kinder sind; sondern nur die Kinder der Verheißung werden zur Nachkommenschaft gerechnet.
...
24 So hat er auch uns berufen, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden. 25 Wie er denn auch durch Hosea spricht (Hosea 2,25; 2,1): »ICH WILL DAS MEIN VOLK NENNEN, DAS NICHT MEIN VOLK WAR, und meine Geliebte, die nicht meine Geliebte war.« 26 »Und es soll geschehen: An dem Ort, da zu ihnen gesagt wurde: Ihr seid nicht mein Volk, sollen sie Kinder des lebendigen Gottes genannt werden.« 27 Jesaja aber ruft aus über Israel (Jesaja 10,22): »Wenn auch die Zahl der Israeliten wäre wie der Sand am Meer, so wird doch nur der Rest gerettet werden; 28 denn der Herr, der das Wort vollendet, wird bald handeln auf Erden.«
Römer 9:6-8 und 9:24-28

Die rabbinischen Speisegesetze (und der mosaische Gesetzesglaube allgemein) sind für Christus bedeutungslos, in dieser Form von Menschen "gepflanzt", führen für ihn nicht ins Himmelsreich:

"Heuchler! Trefflich hat Jesaias über euch geweissagt, indem er spricht: 8 "Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. 9 Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren." 10 Und er rief die Volksmenge herzu und sprach zu ihnen: Höret und verstehet! 11 Nicht was in den Mund eingeht, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Munde ausgeht, das verunreinigt den Menschen. 12 Dann traten seine Jünger herzu und sprachen zu ihm: Weißt du, daß die Pharisäer sich ärgerten, als sie das Wort hörten? 13 Er aber antwortete und sprach: Jede Pflanze, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgerottet werden. 14 Laßt sie; sie sind blinde Leiter der Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden leitet, so werden beide in eine Grube fallen."
Mt 15:7

Das mosaische Gesetz macht niemanden gerecht, lässt niemanden ins Himmelsreich kommen:
"lasset euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen. 2Siehe, ich Paulus sage euch: wenn ihr euch beschneiden lasset, so wird euch Christus nichts helfen. 3Wiederum bezeuge ich jedem Menschen, der sich beschneiden läßt: daß er schuldig ist, das ganze Gesetz zu thun. 4Wenn ihr euch durch das Gesetz rechtfertigen lassen wollet, seid ihr ausgethan von Christus, seid ihr aus der Gnade gefallen."
Gal 5:1-4

"Und etliche kamen herab von Judäa und lehrten die Brüder: Wo ihr euch nicht beschneiden lasset nach der Weise Mose's, so könnt ihr nicht selig werden."
Apostelgeschichte 15:1

Man mag es als Antijudaismus bezeichnen, und dies persönlich ablehnen, zusammenfassend lehrt das Neue Testament jedoch nunmal, Jesus lehrt, dass niemand zu Gottvater kommt als vermittels Christus. Der "Mechanismus" des ewigen Lebens, wie es das Neue Testament beschreibt, d.h. eins sein mit Christus (durch Glaube, Heiliger Geist und Kommunion), der von den Toten auferstand, und qua selbigen Christen am ewigen Leben teilhaben, ist für rabbinische Juden nicht gegeben, wohl aber für Judenchristen. Ein anderes Volk wird Gottes eigenes Volk sein, nicht mehr die Juden, lehren AT und NT. Denen das Reich Gottes versprochen war, werden sich, so Jesus, in der Finsternis = Hölle wiederfinden. Jude bzw. Israelit bzw. "erwählt" ist man nicht durch Blutsabstammung oder Gene in den Augen Gottes. Gott erwählt zum Glauben und damit Himmelsreich wen er will, bei Wahrung der Willensfreiheit. Die, die sich Juden nennen, sind nach der Prophetie des Johannes keine echten Juden, im obigen Sinne, sondern die "Synagoge des Satan". Jesus sagt, jedenfalls ein Teil derer, zu denen er predigte, habe den Teufel zum Vater. Laut Evangelium ist das Blut Christi (Blutsschuld im Sinne des AT) über jedenfalls die Christus verurteilende Menge und ihre Nachfahren gekommen. Paulus spricht von Gottesmördern, wünscht sich und prophezeit aber die Erlösung und Vergebung für das Volk, von dem er abstammt, durch Annahme Christi.
Natürlich hat das Christentum hebräische bzw. jüdische Wurzeln, es ist die Erfüllung des AT, wobei die christliche Lehre eben verbindlich besagt, dass viele Juden das ihnen verhießene Licht verkannt haben (wieviele? Wer weiß schon wirklich, wieviele Juden in den letzten 2000 Jahren das Christentum angenommen haben). Es trennen sich hier, aus biblischer Sicht, auch nicht die Wege von Juden und Christen, sondern das eine endet und das neue beginnt. Die Rolle der Juden, die nicht Christen geworden sind, ist bei Jesus und Paulus klar genug definiert. Der Alte Bund ist in jeglicher Hinsicht durch das Erscheinen Christi, das Licht der Völker, erfüllt wurde, bis auf einen Punkt: die Annahme des christlichen Glaubens durch den dazu verhießenen bzw. erwählten "Rests" der jüdischen Nachkommen (s.o. bzw. Römer 9:6-28). Das ist, wie gesagt, nicht meine Meinung, sondern die biblische, d.h. paulinische. Der Begriff "jüdisch-christlich" bzw. "judäo-christlich" negiert diese Bestimmtheit des Christentums, wie er die Bestimmtheit des rabbinischen Judentums, einzig auserwähltes Volk zu sein, negiert. Der Begriff ist damit unsinnig, ggf. aber mag er politisch instrumentalisierbar und daher nützlich sein, für wen auch immer. In jedem Fall wünsche ich mir - jetzt schreibe ich das erste mal meine persönliche Meinung - keinen religiösen Zwist, sondern nur menschenfreundliche Religiosität.

Ich schließe mit diesem vertonten Gebet der Äbtissin Kassia (9. Jhd.), welches in das komplexe kulturhistorische Verhältnis Christen-Juden Einblick gewähren mag, aufgeführt in der Theatinerkirche in München 2009: Petron ke Pavlon - https://www.youtube.com/watch?v=zQI73fkYaHI

Die großen Lichter der Kirche, Petrus und Paulus, lasset
uns preisen! Denn heller als die Sonne erstrahlten sie in
der Stärke des Glaubens und führten die Heiden durch
die Strahlen der Verkündigung aus der Unwissenheit
zum Licht. Der eine nahm, genagelt ans Kreuz, den
Weg gen Himmel, wo ihm von Christus die Schlüssel
des Königreichs anvertraut wurden; der andere trat,
enthauptet durchs Schwert, die Reise zum Erlöser an
und wird gebührend seliggepriesen. Beide klagen an
das Volk Israel, da es gegen den Herrn selbst die Hände
ungerecht ausstreckte. So Wirf, Christus, unser Gott,
mit ihren Gebeten unsere Gegner nieder und stärke den
rechten Glauben als Menschenfreund.

Thymotiker

2. Februar 2020 22:14

Nachklapp:

An die, welche die obigen Zitate überraschten, vielleicht schockierten: Es finden sich, denke ich, noch "deutlichere Worte" als in der Bibel im Koran, wie jeder weiß, aber auch solche im Talmud, Schulchan Aruch, Siddur, Sefer haTanja und anderer rabbinischer Literatur. Es handelt sich um hunderte, z.T. tausende Jahre alte Bücher. Das hat meist historische, z.T. aber auch intrinsisch-theologische Gründe. Soll man doch ansprechen können, soll doch alles mal auf den Tisch. Zu einem gesunden Ich gehört, solche (historischen) Wirklichkeiten auch mal akzeptieren zu können ohne Leugnung, zivilreligiösem Exorzismus/Distanzeritis oder Flucht in den Utopismus. Sowas heißt auch Realitätsprinzip.
Das sind gewachsene Kulturen, deren Eigenheit und Bestimmtheit als Christentum, Judentum, Islam man nicht gerecht wird, indem man nivellierend - wie im Doppelbegriff "jüdisch-christlich", oder im Interreligiösen - diese leugnet.

Leben in der Wirklichkeit:
Ob Staat Israel oder Iran oder andere, heilige Schriften hin oder her, wo gemeinsame Interessen und Wille vorhanden sind, kann es (Zweck)Bündnisse geben. Wenns allen nützt, warum nicht!? Wo der Wille abernicht vorhanden ist, z.B. weil das (auch informelle) Machtverhältnis sehr ungleich ist, sollte man sich jedoch nicht zum Trottel machen. Die so genannte Stärke Israels, (heute) ein religiös bestimmter Ethnostaat zu sein, könnte in diesem Spezifischen auch eine Schwäche sein oder dazu werden, wenn ihn das aus kulturhistorischen Gründen (zu lange) hindern sollte, mit der authentischeren europäischen Rechten Bündnisse einzugehen. Derzeit scheint es ja (noch?) so zu sein.

Laurenz

2. Februar 2020 22:31

Nahtlos schließt sich dieser Artikel im Thema an den von Herrn Lichtmesz an. Es fehlte nur noch, daß ein Papst Franz oder ein Papst Benedikt hier Artikel schreibt. Die christliche Propaganda treibt hier Umtriebe, die mich, als Heiden, natürlich polarisieren lassen, was dazu führt, daß mein letzter Großangriff auf meine christlichen Mit-Kommentatoren, der Alle zur Kapitulation in einer verbalen Kesselschlacht gezwungen hätte, nicht durchgeht.

Kommentar Sommerfeld: Das geschieht Ihnen jetzt auch partiell, Sie werden merken, warum.

Seit wann debattieren wir hier nicht mehr über die Fakten-Lage? Mutieren wir hier etwa zu Linken? Oder feiert die Inquisition ihre Auferstehung?

Von daher stehe ich gerade etwas ratlos vor dem Problem, wie ich Ihnen, Frau Sommerfeld, höflich schreiben kann, daß Ihre Sicht der Dinge nicht des Pudels Kern trifft, was mehr oder weniger daran liegt, daß die diesbezüglichen Termini weitesgehend unbewußt und willkürlich "benutzt" werden.

Als erstes stelle ich Ihnen nochmals die relativ neue ZDF-Produktion mit Christopher Clark über das Judentum vor, es lohnt sich tatsächlich, diese anzuschauen. https://youtu.be/fVJKmtj95QU
Diese Doku vertritt genau das jüdisch-christliche Bild, welches Sie kritisieren. Überspitzt gesagt, vertritt CC die Haltung, daß wir ohne jüdische Zuwanderung uns heute noch mit Tarzan von Baum zu Baum schwingen würden. Der wahre Unterschied, den CC nicht versteht, ist, wir haben Bäume.

Was wir hier eigentlich debattieren müßten, ist Martin Sellners grundsätzliche Frage nach Identität. Dieser Frage weichen Sie massiv aus, oder stricken sich Unmöglichkeiten zurecht. Paßd scho ...

Einer meiner Lieblings-Juden ist der versierte Musiker und politische Publizist Gilad Atzmon. GA hat sich offiziell vom Judentum losgesagt, wohl wissend, daß das weder Juden noch Nicht-Juden interessiert, für die Welt war und bleibt Herr Atzmon Jude. Die Linke behauptet zwar, dies sei ein soziales Konstrukt und jeder könne sein, was er sein wolle, aber so stimmt das natürlich nicht, wie wir alle wissen. Nachwievor ist es äußerst schwierig, ein anerkannter Jude zu werden, oder gar dazu ein Bürger Israels. Geschlechtsumwandlungen gehen da leichter vonstatten.

Auch wenn wir weiter zurückgehen, nahmen weder Richard Wagner noch Isabella von Kastilien konvertierte Juden ernst, die Juden selbst übrigens auch nicht.  Hier ist also die völkische Identität eindeutig mit der Religion verbunden, und Propaganda-Spots/Dokus, in denen sich zum Judentum bekennende deutsche Juden als Deutsche bezeichnet werden, sind natürlich schwachsinnig, weil jüdische Identität einen Juden automatisch zum Volk Israel gehören läßt und nicht zum Deutschen Volke, es gibt nun mal keine weißen Rappen.

Es sind also die Juden selbst, die christliche Beliebigkeit ihrer Volkszugehörigkeit verhindern. Schon bei Paulus besteht der Disput in der früh-christlichen Gemeinde, ob jüdische Riten beibehalten werden müssen oder gelockert werden können. Paulus setzte sich sinngemäß nach Hermann Göring durch mit "ich bestimme, wer hier Christ ist und wer nicht". Und wir sind uns doch heute alle einig, jeder Erdenbürger kann, unbesehen der Herkunft und der Hautfarbe, Christ (Katholik oder sonstwas), Papst, Kalif, Marxist, Generalsekretär oder Moslem werden.
Es handelt sich hier also ausnahmslos um globalistische Wertvorstellungen, bar jeglicher kultureller oder Herkunfts-bedingter Identität. Jesus besteht selbst im NT auf exklusiver Gefolgschaft, gleichsam Mohammed im Quran. Familie, lokale Tradition spielen, zumindest ideologisch, keine Rolle mehr. Daß Massen von Christen ihren Glauben nicht ernst nehmen, oder nicht wissen, ignorieren, was in der Bibel steht, geschenkt, Frau Sommerfeld. Als Katholikin ist nun mal Ihr Glaube wichtiger als Ihre Familie und Ihre Herkunft, Sie sind, aus Ihrem Glaubens-Bekenntnis heraus betrachtet, ein variabler Weltbürger.

Das ist blanker Unsinn, ab hier wird einiges gestrichen, mit Verlaub.

Auch wenn wir nun festgestellt haben, daß ich Deutsch bin und Sie Christin, und diese Pharce-behafteten Schrift-Gelehrten-Debatten mich langweilen, werden Sie Sich wohl die Frage stellen, warum ich Ihnen schreibe. Ganz einfach, Sie sind eine wichtige Person in unserer "Bürger-Bewegung" und von daher habe ich sehr wohl die Pflicht, mich mit Ihnen, Jemand, der uns quasi außer-parlamentarisch vertritt, gedanklich auseinanderzusetzen, insoweit Sie Zeit dazu finden.

Und jetzt zu Ihren jüdisch-christlichen transatlantischen Pseudo-Rechten. Vordergründig bekommen diese Recht, weil Sie denen weder theologisch noch philosophisch nachweisen können, daß es einen Unterschied machte, wenn wir das "jüdisch" streichen. Deutsche Fürsten bezahlten in ihrer Einfalt gerne den Preis, ein paar "Hof-Juden" anheuern zu müssen, um den Status von "Gottes Gnaden" aufrecht zu erhalten.
Daß US Amerikaner, wie Steve Bannon oder Dr. Bill Warner die Welt aus der jüdisch-christlichen Scheuklappe betrachten, braucht uns nicht verwundern. Sie stammen allesamt vom proletarischen Abschaum Europas ab und kennen nichts anderes, vergleichbar den Buren Südafrikas. Die Afrikaander kannten keine andere Lektüre als das Alte Testament und dementsprechend handelten sie, eben das, was wir heute als Apartheid kennen.
Anders natürlich unsere europäischen Freunde mit jüdisch-christlicher Tradition.

Die Etablierung eines jüdischen Staates, einer Ethnokratie, quasi ein III. Reich mit Wahlrecht für Juden, durch die Zionisten, war natürlich, politisch betrachtet, ein strategischer Fehler. Die Teilauflösung der Diaspora führte zu einem inneren Widerspruch im Welt-Judentum. Während politisch agierende Diaspora-Juden anderswo die Auflösung der National-Staaten und die Vermischung von Ethnien fordern, wie hier im berühmten Video von Barbara Lerner Spectre https://youtu.be/G45WthPTo24, und die im Falle einer Nichtbefolgung sogar mit einem Europa-weitem Genozid von über 500 Mio.Menschen droht, steht dem die Ethnokratie Israels als idealer Nationalstaat ideologisch diametral gegenüber. Das ist auch nicht weiter begründbar, außer mit Gewalt.

Von daher ist es doch nicht verwunderlich, daß sich sogenannte Rechts-Populisten diesseits und jenseits des Großen Teiches auf ein gutes Verhältnis zu Israel, wie auf eventuelle kulturelle Gemeinsamkeiten pochen, um finanzielle Unterstützung gegen zugestandene National-Staatlichkeit einzutauschen. Auch fällt es mit dem Attribut "jüdisch-christlich" leichter, unseren israelischen Freunden klarzumachen, daß nur abendländische National-Staaten Sozial-Staaten auch zugunsten Israels sein können. In dem asozialen Staat USA fällt die Begründung der Zuwendungen an Israel von über 30 Milliarden US$ pro Jahr immer schwerer. Die staatliche Unterstützung jüdischer Projekte im Westen basiert auf einem ehemaligen substantiellen Wohlstand, der von international agierenden NGOs sukzessive untergraben wird, hier einfach sich auf Goodhart zurücklehnen. Dies bedeutet aber grundsätzlich eine Schwächung westlicher Volkswirtschaften, die in Anbetracht globaler Machtverschiebung für die USA, Europa und damit dem Judentum Schaden zufügt. Anstatt 200 Mio. Europäer reisen nun 400 Mio. Chinesen um die Welt, und keine FFF-Religion wird sie davon abhalten oder dafür sorgen, daß Ost-Asiaten ihre durch Kohle-Strom betriebenen Klima-Anlagen von 16 Grad Celsius auf 22 Grad anheben.

Eine militärische Option für den Westen existiert nicht mehr. Viel mehr hat man dafür gesorgt, daß sich Rußland einem seiner Erzfeinde, China, zuwendet. Die Wirtschafts-Kriege Trumps sind reine Rückzugs-Gefechte. Nur hier kann die Argumentation liegen, starke National-Staaten in Europa aufrecht zu erhalten. Der fast bolschewistische EU-Despotismus hat sich auch ganz ohne Aufstand der Somewheres in Britannien als ökonomisch unfähig erwiesen. Nur eine Europäische Föderation kann die ökonomische Schlagkraft entwickeln, China annähernd Paroli bieten zu können, um damit auch die Existenz Israels über die nächsten 50 Jahre hinaus gewährleisten zu können. Ein in ethnischen Interferenzen vegetierendes Europa wird diese Gewähr-Leistung gegenüber Israel nicht mehr leisten können, wieso denn auch, wenn jede Verbindung zu einer ehemals weißen Welt gekappt wurde. Die Vorstellung von Frau Lerner Spectre, daß ein Identitäts-loses Europa unter jüdischer Führung von Dauer sein könnte, ist längst von den geo-politischen Gegebenheiten ad absurdum geführt. Weder die USA noch die Israelis sind in der Lage uns ein G5-Netz hinzustellen. Im Polit-Büro zu Beijing wälzt man sich vor Lachen wohl auf dem Boden. Kein Sassoon wird jemals wieder seine Hand auf China legen.

Hat jemand der jüdisch-christlichen Kultur-Befürworter, wie Christopher Clark, jemals einen Juden gefragt, ob er denn Teil des jüdisch-christlichen Abendlandes sein will? Wohl doch nur dann, wenn man das Abendland zum Morgenland macht, was ja identitär betrachtet, auch passiert.

Neben den Juden in der AfD, gibt es auch die Christen in der AfD, warum auch nicht. Ideologisch gibt sich das nichts, Frau Sommerfeld. Und wie können uns die Debatte sparen.

Warum also in Deutschland jemand im rechten Spektrum sich diesem Unsinn hingibt, bleibt also unbegreiflich.

Ich glaube nicht, daß Sie uns überzeugen können, indem Sie uns des "Unsinns" zeihen. Es kann durchaus sein, daß zwischen Ihnen und mir unüberbrückbare Gräben liegen. Nehmen Sie es hin, daß einige Rechte Christen sind und Sie selber nicht. Mission funktioniert nie über Beschimpfungen. Vielleicht können Sie sich mit dem Konzept "Mosaikrechte" anfreunden.

Wir sollten den Anträgen zur Unterstützung Israels zustimmen und sonst still sein.

Non sequitur!

Wir verstricken uns sonst nicht nur im inneren jüdischen Widerspruch, sondern auch im Deutschen Widerspruch der Nationalen Einheitsfront 2.0. Ein immer noch mit Schuld beladenes Deutschland kann keine macht-orientierte Außenpolitik betreiben. Wie schnell gehört man wieder zu den Verlierern und läd neue Schuld auf sich.

Lotta Vorbeck

3. Februar 2020 02:42

@nom de guerre - 2. Februar 2020 - 03:06 PM

"... Und warum dieser fast durchgehend, bei Frau Sommerfeld weniger, dafür bei den drei anderen umso mehr, sehr scharfe Ton? Ist eine derart öffentlich geführte Auseinandersetzung innerhalb des eigenen Lagers sinnvoll?"

@marcus - 2. Februar 2020 - 08:24 PM

"Bin ähnlich verwundert. Werde den Eindruck nicht los, dass in der "Neuen Rechten" unangemessen nervös reagiert wird, sobald eine Äußerung eines AfD-Politikers auch nur im Promillebereich nach Schuldkult und Atlantikbrücke zu riechen scheint. ..."

~~~ ~~~ ~~~ ~~~

Wenn das, was imaginierte Teil des eigenen Lagers zu sein, nun meint, ebenso ungeniert wie beflissen das Geschäft der Anderen besorgen zu müssen, ist es durchaus sinnvoll, diese Auseinandersetzung zu führen.

Jonas Schick notierte am 7. Juni 2019 in diesem Netztagebuch - https://sezession.de/61270/netzfundstuecke-14-grundkonsens-querschlaeger:

"Es herrscht Aufruhr. Die 2015er stehen in der Burg und lärmen vor dem Bergfried – es wird an den Steinen gehämmert.

Mit Mist werfen, Abtragen, Niederreißen lautet die Devise.

2015 standen Scharen vor den Toren und baten um Einlaß. Außerhalb der Burg waren die Lebensumstände ins Rutschen geraten, die Lage war in die Schiefe gekippt.

Das den Zeiten trotzende Gemäuer, das den Vielen bis dato als ein überkommenes Relikt aus vergangenen Tagen galt, strahlte nun wohlige Wärme aus – zwischen denjenigen, die in Folge der Zuspitzungen zur Einsicht gelangten, waren auch diejenigen, denen es letztlich nur um einen Erhalt ihrer geliebten, vermeintlich verlorengegangen Ordnung außerhalb der Burg ging.

Doch nach einer Weile setzte sich bei ihnen die Erkenntnis durch, daß die Burg in ihrem Wesenskern seit jeher die Antithese zu ihrem Leben in den Niederrungen darstellte – dissonante Töne erklingen, es knirscht im Gebälk. Das eine paßt nicht zum anderen.

Aber anstatt den Hof zu verlassen, strebt man nach seiner Transformation: Es muß drinnen so werden, wie es früher einmal draußen gewesen sein soll, als noch Milch und Honig flossen. Aufweichung der Substanz, Begriffsverfälschungen und -umdeutungen – das Konservative wird mit neoliberalen Inhalten gefüllt, Gegner-Elemente werden beigemengt und das konstituierende Rechte zum distanzierungswürdigen Tabu erklärt.

Das Mosaik bröckelt, seine Aufweichung resultiert in schleichender Auflösung. Dieser einsetzende Zerfallsprozeß birgt jedoch den notwendigen Anstoß zur Klärung: Jedes Spektrum hat seine Grenzen, hat ein Innen und Außen. Es kann nicht zur Ausdehnung des Resonanzraums um aller Arten von Bausteinen beliebig erweitert werden."

Nunmehr sollte geklärt werden, was dringender Klärung bedarf.

Lotta Vorbeck

3. Februar 2020 02:48

@limes - 2. Februar 2020 - 04:46 PM

"... und es geht mir ganz und gar gegen den Strich, wenn ich Götz Kubitschek und seine Getreuen neuerdings Amok laufen sehe gegen tüchtige und exponierte Akteure der einzigen Partei, die Deutschland vor den verschiedenen existenziellen Bedrohungen der Gegenwart retten kann. ..."

~~~ ~~~ ~~~ ~~~

Das Ihrer Ansicht nach einzige verfügbare, die Aufschrift "AfD" tragende Rettungsboot, hat den Nachweis seiner Hochseetüchtigkeit bisher nicht erbracht.

Max

3. Februar 2020 04:37

@nom de guerre. Sie fragen: "Warum diese Menge? Was ist im Übrigen am Kampf gegen die Islamisierung Europas verkehrt?"

Gar nichts. Man muss allerdings nicht seinerseits dafür kämpfen, dass die islamischen Länder durch westliche Kultur, Demokratie usw. in unserem Sinne verändert werden.

Zu der Frage, ob eine antiamerikanische Linie für die AfD den Wählern vermittelbar wäre: Die Linie braucht ja nicht antiamerikanisch zu sein - international reicht es, auf die Einhaltung des klassichen Völkerrechts zu bestehen. Das ist die natürliche Haltung für eine Partei, der die Souveränität Deutschlands auch nur irgendwie wichtig ist, und die die Goldene Regel nicht einfach so wegschmeißt - konsequent die Souveränität anderer Staaten und das Völkerrecht, welche diese als zentralen Bestandteil hat, zu verteidigen.

Dass daraus dann in der Praxis Antiamerikanismus wird, nun, das müssen sich die Amis selbst zuschreiben, wenn sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Völkerrecht geradezu demonstrativ verletzen.

Die Wiederherstellung des Völkerrechts als der Basis der Beziehungen zwischen den Staaten sollte doch wohl den Wählern zu vermitteln sein.

Götz Kubitschek

3. Februar 2020 08:25

badeschluß. wir werden die erträge zusammenführen.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.