4. Mai 2020

Sonntagsheld (146) – Jede Verfassung bekommt…

Till-Lucas Wessels / 14 Kommentare

...die Verfassungsschützer, die sie verdient.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Mindestens so berechtigt wie die Frage danach, wer die Verfassung vor Karlsruhe beschützt ist folgende: Wer schützt eigentlich den Verfassungsschutz vor den Verfassungsschützern?

Nachdem zur Beobachtung des IfS durch den VS die Kollegen Lehnert und Kaiser bereits alles gesagt haben, was zu sagen war, nahm ich die Meldung daher zum Anlaß, einfach mal ein bißchen wohlwollend zurückzuillern (wie man hier in Sachsen-Anhalt sagt).

Seit vergangener Woche steht also der Präsident des Niedersächsischen Verfassungsschutzes, Bernhard Witthaut, unter meiner gesonderten Beobachtung. Bisher erfolgte diese Überwachung ausschließlich mit kurznachrichtendienstlichen Mitteln*, allerdings bin ich geneigt, den Besagten aufgrund meiner erschütternden Erkenntnisse vom Verdachtsfall auf Digitalblamage zur gesichert netzdilettantischen Bestrebung gegen die Integrität der ihm angetrauten Behörde hochzustufen.

Machen wir uns indes nichts vor: Die würdigen Herren in Grau sind in der Regel jenseits der 50 und haben auf dem mühsamen Weg durch die behördliche Karrierenbürokratie den digitalen Durchlauferhitzer der freien Wirtschaft allenfalls gestreift. Während also die Öffentlichkeitsarbeit vieler Behörden noch in den Kinderschuhen steckt, strampeln ihre alternden Leiter und Präsidenten aus diesem Grund oft noch in den Babysöckchen.

Aufmerksam wurde ich auf Herrn Witthaut dementsprechend durch folgende Twitter-Äußerung über den „Junge Bewegung“-Tatort.

Was zuerst wie ein verzeihbares Versagen bei der Plazierung der eigenen Inhalte im Rahmen einer viral diskutierten Thematik (in diesem Fall der Tatort) wirkte, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als etwas größeres: Bei meiner Recherche mußte ich feststellen, daß der VS-Präsident aus Niedersachsen keinesfalls, wie vordergründig zu vermuten wäre, als „lone wolf“ handelt, sondern seine Präsenz in den Sozialen Medien offenbar als Beitrag zu einer breit angelegten PR-Strategie unseres Lieblingsgeheimdienstes zu verstehen ist.

So findet sich unter dem Namen „Der Verfassungsschützer“ ein Account des Witthaut unterstellten niedersächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz. In einem Video, das auf dem Profil einsehbar ist, verkündet dieser dann auch ganz offen einen Strategieschwenk in der Behörde:

Sie sehen: Entgegen der Klischees sind die Verfassungsschützer eben nicht an ihrem äußeren Erscheinungsbild festzumachen. Schlapphut und Trenchcoat sind out, sie wählen subtilere Formen der Infiltration. An dieser vermeintlich öffentlichkeitsaffinen Strömung innerhalb der deutschen Geheimdienste ist dabei besonders gefährlich, daß sie transparent, offen und „auf Augenhöhe“ auftritt, während sie hinter den Kulissen mit den gleichen Methoden wie ihre altbackeneren und scheueren Kollegen arbeitet.

Doch kommen wir zurück zu Bernhard Witthaut, der tut sich nämlich – wie im oben erwähntem Video leicht zu erkennen – noch ein wenig schwer mit den Mechaniken der schnellebigen Onlinewelt. So ist für ihn die Grenze zwischen privater Nutzung und öffentlichem Auftritt als Staatsbeamter offenbar eine fließende.

Neben diesen offensichtlich privaten Kurznachrichten, die einstweilen im virtuellen Äther verweilen, hat Herr Witthaut auch seine politischen Positionierungen aus seiner Zeit als Polizeipräsident mit in sein neues Betätigungsfeld in der Horch-Behörde genommen. Die legen zumindest mehrere Veröffentlichungen nahe, die er öffentlich einsehbar mit „Gefällt mir“ markiert hat.

Egal ob Pegida, Identitäre oder AfD – es ist offenbar, daß Witthaut sich, schon aus beruflichen Gründen, aus nächster Nähe mit der politischen Rechten auseinandersetzt. Kurz erschrocken habe ich mich daher beim Stolpern über untenstehendes Fundstück…

...kann jedoch nach kurzer Nachforschung entwarnen: Es handelt sich bei dem ehrfurchtgebietenden Nutzer "@bremer_hj" wohl um den ehemaligen Auricher Polizeidirektor Hans-Jürgen Bremer, der offenbar ein ähnlich gutes Händchen für die Sozialen Medien hat, wie unser Beobachtungsobjekt.

Schließen, oder besser gesagt, mich anschließen, möchte ich zuguterletzt einem Appell, den Bernhard Witthaut erst vor wenigen Tagen an seine wachsende Anhängerschaft richtete.

Auch ich sage Ihnen, liebe Leser: Die Neue Rechte ist vital, hungrig und hochproduktiv. Bleiben Sie wachsam – sonst verpassen Sie noch was!

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*Damit meine ich Twitter, Herr Witthaut.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (14)

Laurenz

4. Mai 2020 07:45

@Witthaut  ..... Zitat-Glauben Sie (Wir Bürger) nicht alles, was verbreitet wird.-Zitatende

Genau mein Humor, wir Bürger sollen einem Amt und seinen Chef-Hanswursten trauen, welches 120 Jahre Akten schwärzt. Aus welchem kranken Hirn entspringen solch gequirlte Exkremente? 

In einer früheren Zeit, als der Begriff "Ehre" noch etwas Substanz hatte, trugen Männer in solchen Ämtern mit solch eklatanten Fehlleistungen noch Konsequenzen (zB Kapitän zur See Langsdorff, Kommandant des Panzerschiffes Graf Spee, nach seiner verpfuschten Schlacht vor der La-Plata-Mündung) und bliesen sich das Hirn, welches tatsächlich noch übrig war, mit einer Hand-Schußwaffe aus dem Schädel.

Aber heutzutage sind solch kranke Hirne, warum auch immer in hohen Ämtern, wohl nicht mal das Pulver - und schon gar nicht das Blei wert.

@TLW  .... das mit den Männern über 50 ist nicht ganz fair. Es gibt auch genügend U30-Männer, auf die dasselbe Prädikat zutrifft.

quarz

4. Mai 2020 10:28

"Der heutige Tatort zeigt, dass Extremismus & Rassismus leider in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind."

Ich versuche gerade, mir vorzustellen, welchen empirischen Beleg Herr Witthaut, hätte er vor 80 Jahren in vergleichbarer Funktion gewirkt, wohl in Veit Harlans Filmen erblickt hätte.

qvc1753

4. Mai 2020 10:33

Hm...
Ausgerchnet Kapitän zur See Langsdorff als Helden darzustellen...
Selbstmord nach Niederlage gehörte meines Wissens nicht zur deutschen Militärrtradition, 

Nach diesem Kriterium lägen die Büros der deutschen Wirtschaft und Politik auch dauernd voller Toter. Ob das so sinnvoll wäre, das mag jeder selber entscheiden. 
 

Der_Juergen

4. Mai 2020 11:03

@Laurenz

Aber SIE hätten die Schlacht vor der La-Plata-Mündung doch ganz bestimmt gewonnen, nicht wahr?

Auf dem vorherigen Strang erwähnen Sie die Neigung vieler Deutscher, sich selbst für Genies und alle andere für strohdumm zu halten. Ein klassisches Beispiel für diese Unart sind Sie. Was war denn schon der erbärmliche Kapitän Langsdorff, der schon vor seinem Selbstmord nur über ein Spatzenhirn verfügte, im Vergleich zu LAURENZ!

 

Simplicius Teutsch

4. Mai 2020 13:31

Ha! Lustig, wenn es nicht so ernst wäre. Was sind da manche im Grunde für unfreiwillig komische, aber auch skrupellose Deppen. Oder für wie blöd halten die das Volk?

Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing. Die sind doch nur stark und gefürchtet aufgrund der vorgegebenen hierarchischen Machtstrukturen, in die man sie gutdotiert gesetzt hat. Eingebettet in ein politisch-mediales Schutznetz, dem sie wiederum zu Diensten sind.

An jedem richtigen Stammtisch, ob links oder rechts, würden sie ausgelacht und nicht ernst genommen werden; ich verweise hier insbesondere auf das am Ende des obigen Beitrags verlinkte Video (an seine wachsende Anhängerschaft): „Wir sind wachsam, seien Sie es auch. Glauben Sie nicht alles, was verbreitet wird...“ - Super! Und eine aufs Maul.

Aber der aktuelle, politische Spielstand gibt ihnen recht.

Simplicius Teutsch

4. Mai 2020 14:42

Die AfD sollte von ihren Fraktionsgeldern im Bundestag einen gescheiten, alternativen, über den Parteien und Medien stehenden Verfassungsschutz installieren, der die einseitig-parteiischen Verfassungsfeinde im Verfassungsschutz – und vor allem auch das verfassungsfeindliche Treiben von deren Hintermännern und -männinnen und Auftragebern und -geberinnen – beobachtet und anklagt. Verdächtigungen kann man sich da sparen, einfach die offen zu Tage liegenden, beabsichtigten und oft noch verhinderten und die vollendeten Verletzungen und Veränderungen des deutschen freiheitlich-demokratischen Grundgesetzes umfassend ermitteln und den Tätern zuordnen.

Als alternativen Verfassungsschutzpräsidenten und täglichen -berichterstatter schlage ich Michael Klonovsky („Schild der Demokratie“) vor; als obersten „Schwertführer“ (für die operative Beobachtungsarbeit) Till-Lucas Wessels; als obersten Ankläger zum Zeichen und Zwecke der Internationalität und Überparteilichkeit einen Ausländer; - ich denke da an die beiden Martin aus Österreich, evtl. auch im Duo. Als prominente "Feindzeugen" und intime Kenner der aktiv tätigen antidemokratischen (= gegen das Volk gerichteten) Gruppierungen sollte man für den Anfang vielleicht Hans-Georg Maaßen und Horst Drehhofer gewinnen; ist aber nicht notwendig.

t.gygax

4. Mai 2020 15:35

@quarz

Mit Verlaub, aber Veit Harlans Filme mit dem Tatort-Müll zu vergleichen, ist doch etwas heftig. Ich kann Ihnen diese Filme nur empfehlen- mich hat nicht das interessiert, was andere über Harlan schreiben, ich schaue mir die Sachen selbst an.

a) Immensee 1943- Literaturverfilmung vom Feinsten, traumhaft symbolische Bilder ( das Seerosen -Motiv)

b) Opfergang 1943- alleine die Szene mit der Nietzsche Rezitation und Chopins Nocturne in dem alten Patrizierhaus ist Filmkunst .

c) Jugend  1938-  großartig: der katholische alte Priester ist eine positive Figur, dagegen ist der junge Kaplan ein hervorragend gezeichneter katholischer Fanatiker.

 

d) Hanna Amon - von 1953, ein Heimatfilm wie ein surrealer Fiebertraum. Und wie unbefangen verarbeitet Harlan alle möglichen tiefenpyschologischen Konzepte und Mythen wie Isis und Osiris.

 

e) Anders als du und ich  1957- für die damalige Zeit  eine vorurteilsfreie Herangehensweise an eine Lebensform, die damals noch strafrechtlich verfolgt war. Und hervorragende, jugendliche Darsteller.

f) der Film, der nicht genannt werden darf, zeichnet sich immerhin durch ausgezeichnete Darsteller aus und ist übrigens eine Literaturverfilmung nach Lion Feuchtwanger.

Republikfluechtling

4. Mai 2020 16:53

@bremer_hj? Wie unsensibel - hat bei mir zunächst andere erfurchtgebietende Assoziationen geweckt als den Hans-Jürgen. Ich bin schockiert!

Der Schmutz war schon immer eine peinliche Nummer, mangels Verfassung auch schon mit einem irreführenden Namen bedacht, insofern ist das nur ein würdiger Vertreter. Wat juckt et die deutsche Eiche, wenn sie von denen beobachtet wird?

 

quarz

4. Mai 2020 20:17

@t.gygax

Es ging in meinem Kommentar nicht um das künstlerische Niveau der Filme, sondern um die Rolle von Fiktion und Erkenntnis im Denken ihrer Betrachter. Ich hätte auch Shakespeares "Kaufmann von Venedig" als Beispiel nehmen können, dem ich gewiss nicht den literarischen Rang abspreche.

RMH

5. Mai 2020 07:14

@quarz & t. gygax,

Zu Genies wie Harlan oder den aktuellen Epigonen:

"Tief im Herzen haß ich den Troß der Despoten und Pfaffen/ Aber noch mehr das Genie, macht es gemein sich damit."

(Hölderlin - Advocatus Diaboli.)

Maiordomus

5. Mai 2020 10:52

@Gygax. Betrifft Harlan, er war der Schwiegervater oder Schwiegeronkel des wohl bedeutendsten angelsächsischen Filmgenies des 20. Jahrhunderts,  Kubrick, teilweise dessen Lehrmeister, wobei Harlans Sohn wiederum zu den Mitarbeitern Stanley Kubrick zählte. Mit Sicherheit gehörte H. zu den bedeutendsten deutschen Filmemachern, wobei ich aber Fritz Lang die Nr. 1 zusprechen würde. Danach Harlan und Wim Wenders, wenn wir nicht noch den Stummfilmer Murnau dazurechnen wollen, nicht zu vergessen Hollywood-Lubitsch oder wie er heisst, von dem ich lange keinen Film mehr gesehen habe. In meiner Jugend wurde indes gegen Aufführung eines neueren Harlanfilmes in Zürich demonstriert, was mich auf den Namen aufmerksam machte. "Heim ins Reich mit Nazi-Seich" stand auf Transparent. Erstaunlich, dass man dann aber Sepp Herberger, im Bereich des Fussballs kaum je braunen Dreck nachgeworfen hat. Dokumentarfilme über den altautoritären Fussball-Lehrer zeigen indes, dass in Deutschland nicht nach 1945, sondern viel später, unter dem Einfluss der 68er, ein Kulturbruch stattgefunden hat.  

Laurenz

5. Mai 2020 14:18

@Der_Juergen

Sie werden wieder nur persönlich, wie abgeflacht. Bleiben Sie doch bei den Fakten. Die Fakten sind aber dem SiN-Forum weitestgehend unbekannt, wie auch Ihnen. Hier unterhält man sich lieber (sicherlich kompetent) über Carlo Schmid. Das ist eine andere Dimension. In der sogenannten Bonner Nachkriegs-Republik spielte Schmid eine begrenzte Rolle, eben weil das III. Reich auf allen Ebenen versagte und die Souveränität Deutschlands bis heute eingeschränkt ist. Kapitän zur See Langsdorff befand sich in einem göobalen Befreiungskrieg gegen DAS weltweit reichende totalitäre Imperium Großbritanniens und Frankreichs, also eine ganz andere Dimension als das Wirken Schmids. Gegen solche Übermacht kann man sich nicht den kleinsten Fehler erlauben. Langsdorff war menschlich betrachtet sicherlich ein Top-Offizier, aber militärisch versagte er im entscheidenden Augenblick. Und da ist er nicht der einzige auf hoher See. Daß wir damals und heute Schiffe nach Versagern benannten, wie Spee und Lütjens, ist in der Fach-Literatur unbestritten.

 
Kositza: Kann es sein, daß sie die gesamte Kraft Ihres Egos daraus ziehen, erstmal andere "niederzumachen"? Vlt. ist es das Internet. Vlt. ist es auch Ihr pers. Problem? Lassen Sie doch einfach: mein Tip.

Andreas Walter

6. Mai 2020 09:32

Hä? Wieso nur Deutschland? Ganz Europa war damals "Räächtz". Bis die "Rechten" den Krieg verloren haben. Dann waren alle plötzlich ganz links oder zumindest liberal, ganz so, wie es die jeweiligen Besatzer wollten.

Folgenden Text musste ich daher nicht einmal weiterlesen um sofort zu wissen, was für ein Ökonom ihn geschrieben hat. Weil es immer die Gleichen sind die versuchen, die Deutschen mit Dreck zu bewerfen. Was sich dann ein paar Zeilen später auch sofort bestätigt:

https://www.heise.de/tp/features/Hat-die-Spanische-Grippe-Deutschland-in-den-Faschismus-gefuehrt-4715102.html?wt_mc=rss.red.tp.tp.atom.beitrag.beitrag

Mediale Poo Wars, seit 1913.

Ratwolf

7. Mai 2020 00:35

Was die SPD (und inzwischen die CDU im Verbund mit SPD oder Grünen) sich leisten ist unseriös. Man scheint zu leben, wie vor dem Untergang der Titanik.