21. August 2020

(Anti-)Fragiler Widerstand II

Johannes Poensgen / 7 Kommentare

In der Eurokrise und der Flüchtlingskrise konnte die Rechte Fragilitäten des etablierten Systems ausnutzen.

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

Diese Fragilitäten sind, wie wir im ersten Teil gesehen haben, struktureller Bestandteil der Europolitik und der Migrationspolitik. Eine mengenmäßige Schwankung der Einwanderungszahlen wie der Rettungssummen für den Euroraum führen unterm Strich zu deutlich höherem Widerstand in der Bevölkerung, als gleichbleibend hohe Zahlen, auch wenn diese in ihren Auswirkungen nicht weniger schädlich wären.

Bei hoher Volatilität dieser Zahlen werden zu einigen Zeiten besonders hohe Zahlen erreicht, die die Menschen aufrütteln, während besonders niedrige Zahlen zu anderen Zeiten auch nicht viel weniger Aufmerksamkeit erregen als durchschnittliche Zahlen.

Für die rechte Opposition und ihre Gegenspieler im Establishment bedeutet dies folgendes: Das Establishment versucht die Zahlen stabil zu halten und widerstandauslösende Spitzenwerte zu vermeiden. Nichts anderes ist gemeint, wenn es heißt, daß sich der Herbst 2015 nicht wiederholen dürfe, obwohl Einwanderung natürlich weiter gut für Deutschland ist und niemand im Traum daran denkt, die Grenzen zu schließen.

Die rechte Opposition hingegen verfügt über gar keine Mittel, die Verteilung der Einwanderungszahlen oder der Eurorettungssummen zu beeinflussen. Ihre Strategie besteht in beiden Fällen darin, die meiste Zeit die eigenen Strukturen zu stärken und darauf zu hoffen, daß den Etablierten das Management der Volatilität mißlingt. Dann, während der nächsten „Krise“, also dem nächsten Fall, in dem die entsprechenden Zahlen zufälligerweise Spitzenwerte erreichen, hofft man mit den so gestärkten Strukturen möglichst viel zu erreichen.

Das war eine kluge Strategie. Anstatt 2015 zu versuchen mit irgendwelchen waghalsigen Manövern eine „Wende“ zu erzwingen, von der man selbst nicht wußte, was man sich darunter vorstellen sollte und bei denen alles mögliche hätte schief gehen können, baute das rechte Lager vorsichtig seine Position aus. Dabei blieb es gleichzeitig dafür offen, von günstigen Entwicklungen zu profitieren. Das ist Antifragilität.

Der Schwachpunkt dieser Strategie lag darin, daß man stillschweigend davon ausging, von jeder Krise müsse das System den Schaden davon tragen und man selbst, das rechte Lager würde davon profitieren.

Die Coronapandemie hat uns eines besseren belehrt. Die Coronakrise verläuft deshalb so anders als vorhergehende Krisen, weil sie unter dem Gesichtspunkt von Fragilität und Antifragilität eine andere Struktur aufweist.

Anders als das plötzliche Anwachsen von Flüchtlingsmengen oder die Staatsschuldenkrise der Südeuropäer, verursacht eine gefährliche Grippe keinen automatischen Vertrauensverlust in das politische System. Aus gutem Grund nicht. Der Virus ist (anders als der Euro oder die Masseneinwanderung) kein Programm, das von allen Parteien des Systems unterstützt wird und an dem folglich sein Prestige hängt. Sollte das Krisenmanagement als mangelhaft wahrgenommen werden, kann das freilich der amtierenden Regierung schaden. Doch die naheliegenden Profiteure sind dann andere Parteien des etablierten Systems.

Die Hilflosigkeit des rechten Lagers in dieser Pandemie, nicht nur die Unfähigkeit, die Lage zu nutzen, sondern auch nur die eigene Position zu halten (am sichtbarsten im Umfrageverlust der AfD), hat aufgezeigt, was jeder wissen konnte: Daß die Antifragilität des rechten Lagers weniger erarbeitet, als der Struktur der Probleme zu verdanken gewesen war, die das vergangenen Jahrzehnt geprägt hatten.

In Sachen Euro- wie Einwanderung war das rechte Lager von vorneherein in der antifragilen, das Establishment in der fragilen Position. Es konnte jederzeit zu einer Krise kommen, die den etablierten Verantwortlichen angelastet werden würde.

Ein umgekehrtes Ereignis, welches drastisch die Legitimität des Systems gestärkt hätte, ist kaum vorstellbar. Was hätte das sein können? Ein plötzlicher Wirtschaftsaufschwung durch den Euro? Ein Haufen Krebsforscher und Informatiker, die über Nacht beschließen, nach Deutschland einzuwandern?

Da so etwas getrost ausgeschlossen werden kann, kann die Rechte in Fragen des Euro und der Einwanderung von Zufällen und Volatilität groß profitieren, aber keinen schweren Schaden davontragen. Anders ausgedrückt genügt es in diesen Fragen vollends, Recht zu haben, um am Ende auch Recht zu behalten.

In den beiden Krisenthemen, die das vergangene Jahrzehnt geprägt haben, war die Rechte in der besseren Position. Wenn ich sage, daß das mehr Glück als Verdienst war, werden mir sicherlich alle widersprechen, die sich dieses Jahrzehnt hinweg mit all ihrer Kraft abgemüht haben.

Gemeint ist, daß keine aktiven Anstrengungen unternommen wurden, um durch den Erwerb von Optionalität antifragil zu werden.

Damit ist ein weiters von Nicholas Nassim Talebs Stichworten gefallen: Optionalität.

Wir leben in einer Welt, in der vielen wichtigen Bereiche strukturell fragil oder antifragil sind. In vielen Ursache-Wirkungs-Beziehungen steigt die Wirkung überproportional zum Ausmaß der Ursache. Die extremen Ereignisse, hier am rechten Rand der Graphik, spielen daher für das durchschnittliche Ergebnis eine Rolle, die meist deutlich über der liegt, die man aufgrund ihrer geringen Häufigkeit vermutet hätte.

Graphik 1: Fragilität. Die Kurve ist konkav. Je höher das Ausmaß, desto größer sind die negativen Auswirkungen.

Graphik 2: Antifragilität. Die Kurve ist konvex. Je höher das Ausmaß, desto größer sind die positiven Auswirkungen.

Dem können wir auf zwei Arten begegnen. Die erste besteht darin, Situationen auf ihre Fragilität oder Antifragilität zu untersuchen und uns nach Möglichkeit nur in solche zu begeben, auf die letzteres Attribut zutrifft.

Die zweite, aktivere, besteht im Erwerb von Optionalität. Wir verschaffen uns die Möglichkeit etwas zu tun, das uns eventuell großen Nutzen bringen kann (Antifragilität) oder großen Schaden von uns abwenden kann (Vermeidung von Fragilität).

Denken wir an die Geschichte des Thales von Milet. Thales kaufte die Möglichkeit, nach der nächsten Ernte die Ölpressen mieten zu dürfen. Damit war er möglicherweise der Erfinder des Optionsscheins, der an heutigen Börsen freilich meist zu weit weniger günstigen Konditionen zu haben ist als vor zweieinhalb Jahrtausenden.

Aber viele Optionalitäten im Leben sind günstig, weil gar kein Vertragspartner gebraucht wird, der das aus unserer Option ihm gegenüber für ihn entstehende Risiko einpreisen würde. Ein besonders schönes Beispiel Talebs betrifft die Urlaubsplanung.

Der konventionelle Tourist bezahlt eine Agentur für eine durchgeplante Erlebnisreise.

Was er auf dieser Erlebnisreise erleben wird, steht bis auf die Stunde fest. Es sei denn, es kommt etwas dazwischen. Die Reiseanbindung zur nächsten Attraktion wird verpaßt oder fällt aus. Die Attraktion ist geschlossen. Und selbst wenn die Organisation technisch betrachtet funktioniert, kann das immer noch bedeuten, tagelang in einem schrecklichen Hotel festzustecken, bevor es endlich weitergeht, um dann aus dem nächsten guten Hotel planmäßig nach einer Nacht wieder abreisen zu müssen, um dem Fahrplan seiner Tour hinterherzuhecheln.

Der Tourist ist fest verplant und hat keine Optionalität, die es ihm erlauben würde, positive Gelegenheiten auszunutzen und negative Erfahrungen möglichst kurz zu gestalten. Damit trägt er eine Reihe von Risiken, während angenehme Überraschungen durch die Reiseplanung weitgehend ausgeschlossen sind. Kein Wunder, daß im Frühherbst Hochsaison vor den Gerichten ist, wenn unzufriedene Touristen ihre Reiseagenturen verklagen.

Ganz anders der Flaneur, der sich nur mit einem Budget für die Reise und einer ungefähren Richtung auf den Weg macht. Sicher er muß auf den Frühbucherrabatt verzichten, riskiert aber auch keine Stornokosten. Viel wichtiger ist jedoch, daß er keinen vorgegebenen Zeitplan hat, bleiben kann, wo es ihm gefällt und weiterziehen kann, wie er will.

Der Flaneur geht nicht das Risiko ein, tagelang in einer enttäuschenden Touristenmetropole festzustecken, während in seinem Hotelzimmer die Klimaanlage ausgefallen ist. Stattdessen ist er offen für positive Zufälle die ihm auf seiner Reise über den Weg stolpern: Von einem Landgasthof, der selbstgebrannten Obstschnaps verkauft, bis zur Liebe seines Lebens.

Durch Optionserwerb aktiv antifragil werden. Was bedeutet das für das rechte Lager?

Es kann sehr vieles bedeuten. Fragilität und Antifragilität beschreiben strukturelle Eigenschaften und keine Rezepte. Ein Aspekt verdient allerdings besonders herausgehoben zu werden: Anders als für einen Einzelnen ist für mehrere das Wahrnehmen von Optionalität weitgehend von ihrer Handlungsfähigkeit als Gruppe, das heißt von ihrer Geschlossenheit abhängig.

Ich behaupte daher, daß der Gesichtspunkt der Fragilität und Antifragilität ein Leitfaden dafür sein sollte, auf welchen Themengebieten das rechte Lager eine übereinstimmenden Position erstreben sollte.

Die Begründung dahinter ist einfach. Das rechte Lager, so wie es besteht, ist ein bunter Haufen, mit vielen Leuten, die aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen und keine zentrale Autorität anerkennen. An diesem Umstand ist auf absehbare Zeit nichts zu ändern.

Das bedeutet auch, daß es schwierig und anstrengend ist, zu irgendeinem Punkt, der nicht direkt mit den Kernthemen Einwanderung und nationale Souveränität zu tun hat, Einigkeit herzustellen. Dieses Herstellen von Einigkeit geht auch im besten Falle mit schweren Debatten und internen Konfrontationen einher.

Einigkeit hat ihren Preis. Und dieser Preis kann zu hoch sein. Das hängt vom jeweiligen Thema ab. Bei welchen Themen sollte das rechte Lager daher Einigkeit anstreben und bei welchen ist Binnenpluralismus die bessere Wahl?

Einigkeit sollte auf den Themenfeldern angestrebt werden, die besonders von Fragilität und/oder Antifragilität bestimmt sind. Solche, bei denen extremere Ereignisse exponentiell höhere Chancen und Risiken bergen.

Themenfelder, bei denen eine echte Krise möglich ist. Es sind diese Themenfelder, in denen Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit zu immens hohen Schäden, oder zum Verpassen einmaliger Gelegenheiten führen kann.

Bei einem Thema hingegen, bei dem Chancen und Risiken eng begrenzt sind, kann hingegen leicht der Schaden, der dabei entsteht, den „gärigen Haufen“ auf Linie zu bringen, viel größer sein, als die durch Einigkeit ermöglichten Erfolge oder abgewehrten Schäden.

Ein Thema der letzteren Art ist zum Beispiel die Ökologie. Ökologie kann immer einmal wieder einige Medienzyklen beherrschen. Das Thema selbst wird von vielen Menschen als wichtig empfunden. Solange aber nicht tatsächlich in 11 ½ Jahren die Welt untergeht, können wir getrost ausschließen, daß es auf die Weise brennend und die gesamte Öffentlichkeit bestimmend wird, wie ihrer Zeit die Euro- und die Asyl- und jetzt die Coronakrise.

Ökologie ist kein Thema, bei dem die Rechte durch die Umstände auf einmal gezwungen werden kann, eine geschlossene und in sich kohärente Position vorzulegen. Corona ist das deutlichste Gegenbeispiel, aber deshalb kein besonders gutes, weil diese Möglichkeit niemand auf dem Schirm hatte, der sich nicht mit der Fragilität unserer Gesellschaft gegenüber Virusmutationen befaßte.

Anders sieht es hingegen mit der Wirtschaftspolitik aus. Daß die Rechte ein einheitliches wirtschaftliches Konzept braucht, ist nicht mehr abzuweisen. Die durch Corona sehr reale Gefahr einer Wirtschaftskrise, die nicht auf den Euro reduziert werden kann, erfordert dringend einen dauerhaften und stabilen Kompromiß zwischen den wirtschaftsliberalen und sozialpatriotischen Flügeln der AfD und des ganzen rechten Lagers.

Ein solcher wird nicht ohne erhebliche Reibereien zu erreichen sein. Einen Teil davon erleben wir gerade in der am wenigsten kooperativen Form. Man vergesse nicht, daß die derzeitige Selbstzerfleischung der AfD mit Meuthens Vorschlag begann, die Partei entlang der wirtschaftlichen Ausrichtung zu teilen um einer solchen Auseinandersetzung, die er, das klang deutlich an, andernfalls für unvermeidbar hielt, aus dem Weg zu gehen.

Die alles überragende Brisanz, die wirtschaftliche Fragen von Zeit zu Zeit, nämlich während Wirtschaftskrisen erreichen, erklärt zu einem Gutteil die Heftigkeit der jetzigen internen Kämpfe: Jeder vermutet, daß es 2021 einen Wahlkampf in einer großen Rezession geben wird.

Das gibt dem Verhalten von Meuthen und Co. eine unabweisbare Rationalität: Die jetzigen Machtverhältnisse nutzen und die Partei auf die eigene, wirtschaftsliberale Linie bringen um damit in den Bundestagswahlkampf zu ziehen, anstatt 2021 mit einem Flügel, der jede eigene Aussage konterkariert, im schlimmsten Falle gegen den in Wirtschaftsfragen als hochkompetent angesehenen Friedrich Merz antreten zu müssen.

Hier müssen die Partei und das rechte Lager als ganzes zu einem für alle tragbaren Weg finden. Gelingt dies, wären nicht nur interne Kämpfe wieder auf ein erträgliches Maß reduziert. Während einer möglichen Wirtschaftskrise, die immer kommen kann, nicht nur als Folge von Corona, ein festes Programm aufstellen zu können, anstatt ziellos durch die Öffentlichkeit zu stolpern, machte das rechte Lager zum Profiteur einer solchen Krise, anstatt zum Verlierer, der vom Volk als zerstritten und inkompetent wahrgenommen wird.

Solche Themen, die bei Extremereignissen exponentiell an Bedeutung gewinnen können, umfassen neben der Wirtschaft selbstverständlich die Einwanderung und die europäische Frage aber auch Kriegsbeteiligungen im Mittleren Osten (muß nicht kommen, kann aber virulent werden), sowie wohl oder übel die Frage, wie man zu Freiheitseinschränkungen in Katastrophenfällen steht.

Bei diese Themen bestehen große Chancen, wenn die Rechte einen einheitlichen und schlüssigen Standpunkt vertreten kann, sollten sie durch ein Extremereignis für längere Zeit die Debatte beherrschen. Bei Themen, deren Bedeutung nicht exponentiell durch die Decke gehen kann, hingegen lohnt sich der Streit um eine einheitliche Ausrichtung nicht. Hier sollte Binnenpluralismus gewahrt bleiben.


Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.


Kommentare (7)

t.gygax

21. August 2020 13:56

" gegen den in Wirtschaftsfragen als hochkompetent angesehenen Friedrich Merz antreten zu müssen "

Haben Sie noch mehr Scherze dieser Art auf Lager? Oder handelt es sich hier um subtile Ironie, die mein bescheidener Geist nicht zu fassen vermag?

 Merz und hochkompetent?  Jede anständige Hausfrau und Mutter, die eine Familie zu versorgen hat und mit ihrem Geld auskommt, hat mehr Kompetenz als dieses ganze Sammelsurium von Personen, die man uns da präsentiert.

Die Beiträge in diesem Forum schwächeln gewaltig, obwohl sie vor "strahlender Intellektualität " nur so strotzen. Aber Mathe- Gleichungen vermögen halt nur die Mathe-Freaks zu erfreuen.  Typ an Poensgen: hören Sie mal Musik von Bach; die ist  mathematischen Strukturen vergleichbar komponiert, aber schöner. Und weitet Herz und Gedanken hin zu ungeahnten Horizonten...dies nebenbei.

Laurenz

21. August 2020 16:06

Wie oft schon erwähnt, haben Menschen mit abstrakten Zahlen Schwierigkeiten, selbst die Profis im Kapitalmarkt bleiben davon nicht verschont. Hier nochmals Hermann Ploppa von KenFM, mit Umfrage-Ergebnissen über wahrgenommene Zahlen der virtuellen Pandemie. https://tube.kenfm.de/videos/watch/2410bb4f-663f-4d00-98cc-582c082d5e05

Nicht einmal 1/5 der im Reichstag einsitzenden Abgeordneten kann sich die Summe unseres Schuldenberges auch nur ansatzweise vorstellen. Die monatlichen Bezüge andererseits, sind für alle ganz real einschätzbar, weil sie eben nicht abstrakt sind.

Und Thales von Milet, der erste bekannte Philosoph, wurde nicht bekannt, weil er das Optionsgeschäft erfand, sondern, weil er als ADHSler oder Hans-guck-in-die-Luft in einen Brunnen fiel und von einer Magd ausgelacht wurde, die erste frühe Krise der Philosophie.

Und natürlich ist die ökonomische Frage die alles entscheidende. Der ewig gestrige Meuthen hat eben bis heute nicht begriffen, daß sein Liberalismus die Schuld am ökonomischen & finanz-politischen Desaster unserer Tage trägt. Damit gewinnen wir nicht mal einen einzigen Blumentopf. Meuthen hat davon eben nur eine akademische Ahnung, aber keine eigene. Die persönliche Situation Meuthens ist sozialistisch geprägt. Wasser predigen und Wein saufen. 

Um tatsächlich eine Veränderung der politischen Umstände herbeizuführen, müssen wir Grüne und Linke in ihren Projekten unterstützen, ihnen aber für ihr übliches Versagen die Schuld zuweisen.

bb

21. August 2020 19:40

„Der ewig gestrige Meuthen hat eben bis heute nicht begriffen, daß sein Liberalismus die Schuld am ökonomischen & finanz-politischen Desaster unserer Tage trägt.“

Billigster linker Populismus; ganz im Gegensatz zu den zwei brillanten Beiträgen Poensgens. Allerdings weise ich die Notwendigkeit einer einheitlichen rechten Wirtschaftspolitik ab. Das Minenfeld Wirtschaftspolitik muss im Gegenteil im großen Bogen umfahren werden. Stattdessen sollte man sich auf die miserable Wirtschaftspolitik des politischen Gegners konzentrieren, die sowohl aus sozialpatriotischer, als auch wirtschaftsliberaler Sicht nur als haarsträubend bezeichnet werden kann. Es ist utopisch, innerhalb eines Jahres (oder überhaupt) mit einem Kompromiss zwischen sozialistischen und liberalen Ideen aufzuwarten. Zu unterschiedlich sind die Positionen und Visionen.

Realistisch ist es hingegen, die gegnerische Wirtschaftspolitik der letzten vier Jahre unter die Lupe zu nehmen und die eklatanten Fehlentscheidungen, sowie die ideologisch getriebene Aushöhlung und Dehnung sämtlicher Gesetze und Verträge medial für den Wahlkampf aufzubereiten. 

[Endlich ein Pragmatiker nach meinem Geschmack.

Daß die Gegensätze zwischen den wirtschaftlichen Vorstellungen innerhalb der AfD bis zum Bundestagswahlkampf kaum zu überbrücken sein werden, damit haben Sie leider recht. Erst mal auf die anderen einschießen ist da in der Tat das einzig sinnvolle.

Mittelfristig muß aber ein Kompromiß her.

Die Liberalen müssen akzeptieren, daß die Wählerschaft der AfD nicht in Grünewald wohnt.

Die Sozialpatrioten müssen akzeptieren, daß Versprechungen machen und nachher erklären die SPD sei schuld, wenn man sie nicht einhalten kann, selbst kurzfristig keine gute Strategie ist.

JKP]

Lotta Vorbeck

21. August 2020 22:05

@t.gygax - 21. August 2020 - 01:56 PM

" gegen den in Wirtschaftsfragen als hochkompetent angesehenen Friedrich Merz antreten zu müssen "

Haben Sie noch mehr Scherze dieser Art auf Lager? Oder handelt es sich hier um subtile Ironie, die mein bescheidener Geist nicht zu fassen vermag?

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Zitat: "Die größte Sensation zuerst: Dieses Desaster beschert uns den ersten Faktenfinderartikel in der journalistischen Karriere Patrick Gensings, der nicht nur nicht gelogen ist, sondern mit jedem Wort ins Schwarze trifft."

Johannes Poensgen am 3. August auf SiN

 

 

Laurenz

22. August 2020 02:14

@bb

Können Sie Ihre Kritik auch begründen? Liberalisierung des Arbeitsmarktes, Freizügigkeit im Personenverkehr (nichts anderes als moderner Sklavenhandel), Privatisierungen staatlicher Unternehmen (alle fehlgeschlagen), Diebstahl am Sozialversicherungssystem, die Liste ist endlos. Vor 20 Jahren hat man (wegen liberalistischer Marktgerechtigkeit) der Telekom das Kabelnetz weggenommen, damit es jetzt Vodafone gehört. Von all dem hat Herr Poensgen nichts geschrieben und Sie auch nicht. Von daher ist Ihr Beitrag zu unserem weiteren Erkenntnis-Gewinn vollkommen wertlos.

Und natürlich hat Herr Poensgen absolut Recht, wenn Er ein rechtes Wirtschafts-Programm fordert. Das ist elementar wichtiger als ein Renten-Programm.

Wenn die Ökonomie den Bach runter geht, müssen wir etwas auf den Tisch legen können. Sie stellen einfach nur steile Thesen in den Raum ohne jeglichen Hauch einer Argumentations-Grundlage. Wir treten doch nicht an, um linke Luschen zu kopieren, sondern um uns etwas einfallen zu lassen. Sie, bb, fallen beim kreativen Prozeß schon mal raus.

tearjerker

22. August 2020 11:06

Die Frage nach der Fragilität des Systems und wo die besten Ansatzpunkte für Aktion sind, ist absolut richtig. Um zu wirken wäre es ausreichend, ein einziges gutes Ziel zu identifizieren, dass man dauerhaft inhaltlich und personell angeht.

Der_Juergen

22. August 2020 11:53

Ich will Poensgen, den ich sehr achte (obwohl mir diese beiden Artikel zu abstrakt sind, was aber an meiner Begriffsstutzigkeit liegen mag), nicht an den Karren fahren, aber mich irritiert das Herumreiten auf der AFD und ihren Flügelkämpfen. Ein gescheiter Mann wie Poensgen müsste doch einsehen, dass die parlamentarische Demokratie ausgespielt hat. Selbst wenn eine sozialpatriotische Höcke-AFD durch ein Wunder 25% der Stimmen erhielte, bekäme sie deswegen keinen Einfluss, weil sich der Rest der Parteien gegen sie zusammenschlösse. 

Die Ereignisse entwickeln sich rasend schnell; sie überstürzen sich förmlich. Mit dem Corona-Schwindel hat das System hoch gepokert. Es hat weiterhin sehr gute Siegeschancen, aber es kann auch gründlich schiefgehen. Nach der Demo vom 1. August in Berlin wollte sich die vom System ersehnte Massenerkrankung einfach nicht einstellen, und immer mehr Menschen begreifen, dass sie auf ungeheuerliche Weise betrogen wurden und werden. Der wirtschaftliche Kollaps kommt so sicher wie das berühmte Amen in der Kirche. Und nun zeichnet sich die von Kaiser und anderen "linken Rechten" (zu denen ich auch mich zähle) erhoffte Querfront langsam ab. Wer gegen die Corona-Sklaverei auftritt, ist objektiv unser Verbündeter, punkt. Wenn man erst frei debattieren kann, werden wir Rechten diese Chance nutzen und die hundert anderen Schurkentaten des Systems öffentlich anprangern können. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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