(Anti-)Fragiler Widerstand II

In der Eurokrise und der Flüchtlingskrise konnte die Rechte Fragilitäten des etablierten Systems ausnutzen.

 Gastbeitrag

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Die­se Fra­gi­li­tä­ten sind, wie wir im ers­ten Teil gese­hen haben, struk­tu­rel­ler Bestand­teil der Euro­po­li­tik und der Migra­ti­ons­po­li­tik. Eine men­gen­mä­ßi­ge Schwan­kung der Ein­wan­de­rungs­zah­len wie der Ret­tungs­sum­men für den Euro­raum füh­ren unterm Strich zu deut­lich höhe­rem Wider­stand in der Bevöl­ke­rung, als gleich­blei­bend hohe Zah­len, auch wenn die­se in ihren Aus­wir­kun­gen nicht weni­ger schäd­lich wären.

Bei hoher Vola­ti­li­tät die­ser Zah­len wer­den zu eini­gen Zei­ten beson­ders hohe Zah­len erreicht, die die Men­schen auf­rüt­teln, wäh­rend beson­ders nied­ri­ge Zah­len zu ande­ren Zei­ten auch nicht viel weni­ger Auf­merk­sam­keit erre­gen als durch­schnitt­li­che Zahlen.

Für die rech­te Oppo­si­ti­on und ihre Gegen­spie­ler im Estab­lish­ment bedeu­tet dies fol­gen­des: Das Estab­lish­ment ver­sucht die Zah­len sta­bil zu hal­ten und wider­stand­aus­lö­sen­de Spit­zen­wer­te zu ver­mei­den. Nichts ande­res ist gemeint, wenn es heißt, daß sich der Herbst 2015 nicht wie­der­ho­len dür­fe, obwohl Ein­wan­de­rung natür­lich wei­ter gut für Deutsch­land ist und nie­mand im Traum dar­an denkt, die Gren­zen zu schließen.

Die rech­te Oppo­si­ti­on hin­ge­gen ver­fügt über gar kei­ne Mit­tel, die Ver­tei­lung der Ein­wan­de­rungs­zah­len oder der Euro­ret­tungs­sum­men zu beein­flus­sen. Ihre Stra­te­gie besteht in bei­den Fäl­len dar­in, die meis­te Zeit die eige­nen Struk­tu­ren zu stär­ken und dar­auf zu hof­fen, daß den Eta­blier­ten das Manage­ment der Vola­ti­li­tät miß­lingt. Dann, wäh­rend der nächs­ten „Kri­se“, also dem nächs­ten Fall, in dem die ent­spre­chen­den Zah­len zufäl­li­ger­wei­se Spit­zen­wer­te errei­chen, hofft man mit den so gestärk­ten Struk­tu­ren mög­lichst viel zu erreichen.

Das war eine klu­ge Stra­te­gie. Anstatt 2015 zu ver­su­chen mit irgend­wel­chen wag­hal­si­gen Manö­vern eine „Wen­de“ zu erzwin­gen, von der man selbst nicht wuß­te, was man sich dar­un­ter vor­stel­len soll­te und bei denen alles mög­li­che hät­te schief gehen kön­nen, bau­te das rech­te Lager vor­sich­tig sei­ne Posi­ti­on aus. Dabei blieb es gleich­zei­tig dafür offen, von güns­ti­gen Ent­wick­lun­gen zu pro­fi­tie­ren. Das ist Antifragilität.

Der Schwach­punkt die­ser Stra­te­gie lag dar­in, daß man still­schwei­gend davon aus­ging, von jeder Kri­se müs­se das Sys­tem den Scha­den davon tra­gen und man selbst, das rech­te Lager wür­de davon profitieren.

Die Coro­na­pan­de­mie hat uns eines bes­se­ren belehrt. Die Coro­na­kri­se ver­läuft des­halb so anders als vor­her­ge­hen­de Kri­sen, weil sie unter dem Gesichts­punkt von Fra­gi­li­tät und Anti­fra­gi­li­tät eine ande­re Struk­tur aufweist.

Anders als das plötz­li­che Anwach­sen von Flücht­lings­men­gen oder die Staats­schul­den­kri­se der Süd­eu­ro­pä­er, ver­ur­sacht eine gefähr­li­che Grip­pe kei­nen auto­ma­ti­schen Ver­trau­ens­ver­lust in das poli­ti­sche Sys­tem. Aus gutem Grund nicht. Der Virus ist (anders als der Euro oder die Mas­sen­ein­wan­de­rung) kein Pro­gramm, das von allen Par­tei­en des Sys­tems unter­stützt wird und an dem folg­lich sein Pres­ti­ge hängt. Soll­te das Kri­sen­ma­nage­ment als man­gel­haft wahr­ge­nom­men wer­den, kann das frei­lich der amtie­ren­den Regie­rung scha­den. Doch die nahe­lie­gen­den Pro­fi­teu­re sind dann ande­re Par­tei­en des eta­blier­ten Systems.

Die Hilf­lo­sig­keit des rech­ten Lagers in die­ser Pan­de­mie, nicht nur die Unfä­hig­keit, die Lage zu nut­zen, son­dern auch nur die eige­ne Posi­ti­on zu hal­ten (am sicht­bars­ten im Umfra­ge­ver­lust der AfD), hat auf­ge­zeigt, was jeder wis­sen konn­te: Daß die Anti­fra­gi­li­tät des rech­ten Lagers weni­ger erar­bei­tet, als der Struk­tur der Pro­ble­me zu ver­dan­ken gewe­sen war, die das ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt geprägt hatten.

In Sachen Euro- wie Ein­wan­de­rung war das rech­te Lager von vor­ne­her­ein in der anti­fra­gi­len, das Estab­lish­ment in der fra­gi­len Posi­ti­on. Es konn­te jeder­zeit zu einer Kri­se kom­men, die den eta­blier­ten Ver­ant­wort­li­chen ange­las­tet wer­den würde.

Ein umge­kehr­tes Ereig­nis, wel­ches dras­tisch die Legi­ti­mi­tät des Sys­tems gestärkt hät­te, ist kaum vor­stell­bar. Was hät­te das sein kön­nen? Ein plötz­li­cher Wirt­schafts­auf­schwung durch den Euro? Ein Hau­fen Krebs­for­scher und Infor­ma­ti­ker, die über Nacht beschlie­ßen, nach Deutsch­land einzuwandern?

Da so etwas getrost aus­ge­schlos­sen wer­den kann, kann die Rech­te in Fra­gen des Euro und der Ein­wan­de­rung von Zufäl­len und Vola­ti­li­tät groß pro­fi­tie­ren, aber kei­nen schwe­ren Scha­den davon­tra­gen. Anders aus­ge­drückt genügt es in die­sen Fra­gen voll­ends, Recht zu haben, um am Ende auch Recht zu behalten.

In den bei­den Kri­sen­the­men, die das ver­gan­ge­ne Jahr­zehnt geprägt haben, war die Rech­te in der bes­se­ren Posi­ti­on. Wenn ich sage, daß das mehr Glück als Ver­dienst war, wer­den mir sicher­lich alle wider­spre­chen, die sich die­ses Jahr­zehnt hin­weg mit all ihrer Kraft abge­müht haben.

Gemeint ist, daß kei­ne akti­ven Anstren­gun­gen unter­nom­men wur­den, um durch den Erwerb von Optio­na­li­tät anti­fra­gil zu werden.

Damit ist ein wei­ters von Nicho­las Nas­sim Tal­ebs Stich­wor­ten gefal­len: Optionalität.

Wir leben in einer Welt, in der vie­len wich­ti­gen Berei­che struk­tu­rell fra­gil oder anti­fra­gil sind. In vie­len Ursa­che-Wir­kungs-Bezie­hun­gen steigt die Wir­kung über­pro­por­tio­nal zum Aus­maß der Ursa­che. Die extre­men Ereig­nis­se, hier am rech­ten Rand der Gra­phik, spie­len daher für das durch­schnitt­li­che Ergeb­nis eine Rol­le, die meist deut­lich über der liegt, die man auf­grund ihrer gerin­gen Häu­fig­keit ver­mu­tet hätte.

Gra­phik 1: Fra­gi­li­tät. Die Kur­ve ist kon­kav. Je höher das Aus­maß, des­to grö­ßer sind die nega­ti­ven Auswirkungen.

Gra­phik 2: Anti­fra­gi­li­tät. Die Kur­ve ist kon­vex. Je höher das Aus­maß, des­to grö­ßer sind die posi­ti­ven Auswirkungen.

Dem kön­nen wir auf zwei Arten begeg­nen. Die ers­te besteht dar­in, Situa­tio­nen auf ihre Fra­gi­li­tät oder Anti­fra­gi­li­tät zu unter­su­chen und uns nach Mög­lich­keit nur in sol­che zu bege­ben, auf die letz­te­res Attri­but zutrifft.

Die zwei­te, akti­ve­re, besteht im Erwerb von Optio­na­li­tät. Wir ver­schaf­fen uns die Mög­lich­keit etwas zu tun, das uns even­tu­ell gro­ßen Nut­zen brin­gen kann (Anti­fra­gi­li­tät) oder gro­ßen Scha­den von uns abwen­den kann (Ver­mei­dung von Fragilität).

Den­ken wir an die Geschich­te des Tha­les von Milet. Tha­les kauf­te die Mög­lich­keit, nach der nächs­ten Ern­te die Ölpres­sen mie­ten zu dür­fen. Damit war er mög­li­cher­wei­se der Erfin­der des Opti­ons­scheins, der an heu­ti­gen Bör­sen frei­lich meist zu weit weni­ger güns­ti­gen Kon­di­tio­nen zu haben ist als vor zwei­ein­halb Jahrtausenden.

Aber vie­le Optio­na­li­tä­ten im Leben sind güns­tig, weil gar kein Ver­trags­part­ner gebraucht wird, der das aus unse­rer Opti­on ihm gegen­über für ihn ent­ste­hen­de Risi­ko ein­prei­sen wür­de. Ein beson­ders schö­nes Bei­spiel Tal­ebs betrifft die Urlaubsplanung.

Der kon­ven­tio­nel­le Tou­rist bezahlt eine Agen­tur für eine durch­ge­plan­te Erlebnisreise.

Was er auf die­ser Erleb­nis­rei­se erle­ben wird, steht bis auf die Stun­de fest. Es sei denn, es kommt etwas dazwi­schen. Die Rei­se­an­bin­dung zur nächs­ten Attrak­ti­on wird ver­paßt oder fällt aus. Die Attrak­ti­on ist geschlos­sen. Und selbst wenn die Orga­ni­sa­ti­on tech­nisch betrach­tet funk­tio­niert, kann das immer noch bedeu­ten, tage­lang in einem schreck­li­chen Hotel fest­zu­ste­cken, bevor es end­lich wei­ter­geht, um dann aus dem nächs­ten guten Hotel plan­mä­ßig nach einer Nacht wie­der abrei­sen zu müs­sen, um dem Fahr­plan sei­ner Tour hinterherzuhecheln.

Der Tou­rist ist fest ver­plant und hat kei­ne Optio­na­li­tät, die es ihm erlau­ben wür­de, posi­ti­ve Gele­gen­hei­ten aus­zu­nut­zen und nega­ti­ve Erfah­run­gen mög­lichst kurz zu gestal­ten. Damit trägt er eine Rei­he von Risi­ken, wäh­rend ange­neh­me Über­ra­schun­gen durch die Rei­se­pla­nung weit­ge­hend aus­ge­schlos­sen sind. Kein Wun­der, daß im Früh­herbst Hoch­sai­son vor den Gerich­ten ist, wenn unzu­frie­de­ne Tou­ris­ten ihre Rei­se­agen­tu­ren verklagen.

Ganz anders der Fla­neur, der sich nur mit einem Bud­get für die Rei­se und einer unge­fäh­ren Rich­tung auf den Weg macht. Sicher er muß auf den Früh­bu­cherra­batt ver­zich­ten, ris­kiert aber auch kei­ne Stor­no­kos­ten. Viel wich­ti­ger ist jedoch, daß er kei­nen vor­ge­ge­be­nen Zeit­plan hat, blei­ben kann, wo es ihm gefällt und wei­ter­zie­hen kann, wie er will.

Der Fla­neur geht nicht das Risi­ko ein, tage­lang in einer ent­täu­schen­den Tou­ris­ten­me­tro­po­le fest­zu­ste­cken, wäh­rend in sei­nem Hotel­zim­mer die Kli­ma­an­la­ge aus­ge­fal­len ist. Statt­des­sen ist er offen für posi­ti­ve Zufäl­le die ihm auf sei­ner Rei­se über den Weg stol­pern: Von einem Land­gast­hof, der selbst­ge­brann­ten Obst­schnaps ver­kauft, bis zur Lie­be sei­nes Lebens.

Durch Opti­ons­er­werb aktiv anti­fra­gil wer­den. Was bedeu­tet das für das rech­te Lager?

Es kann sehr vie­les bedeu­ten. Fra­gi­li­tät und Anti­fra­gi­li­tät beschrei­ben struk­tu­rel­le Eigen­schaf­ten und kei­ne Rezep­te. Ein Aspekt ver­dient aller­dings beson­ders her­aus­ge­ho­ben zu wer­den: Anders als für einen Ein­zel­nen ist für meh­re­re das Wahr­neh­men von Optio­na­li­tät weit­ge­hend von ihrer Hand­lungs­fä­hig­keit als Grup­pe, das heißt von ihrer Geschlos­sen­heit abhängig.

Ich behaup­te daher, daß der Gesichts­punkt der Fra­gi­li­tät und Anti­fra­gi­li­tät ein Leit­fa­den dafür sein soll­te, auf wel­chen The­men­ge­bie­ten das rech­te Lager eine über­ein­stim­men­den Posi­ti­on erstre­ben sollte.

Die Begrün­dung dahin­ter ist ein­fach. Das rech­te Lager, so wie es besteht, ist ein bun­ter Hau­fen, mit vie­len Leu­ten, die aus ganz unter­schied­li­chen Rich­tun­gen kom­men und kei­ne zen­tra­le Auto­ri­tät aner­ken­nen. An die­sem Umstand ist auf abseh­ba­re Zeit nichts zu ändern.

Das bedeu­tet auch, daß es schwie­rig und anstren­gend ist, zu irgend­ei­nem Punkt, der nicht direkt mit den Kern­the­men Ein­wan­de­rung und natio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät zu tun hat, Einig­keit her­zu­stel­len. Die­ses Her­stel­len von Einig­keit geht auch im bes­ten Fal­le mit schwe­ren Debat­ten und inter­nen Kon­fron­ta­tio­nen einher.

Einig­keit hat ihren Preis. Und die­ser Preis kann zu hoch sein. Das hängt vom jewei­li­gen The­ma ab. Bei wel­chen The­men soll­te das rech­te Lager daher Einig­keit anstre­ben und bei wel­chen ist Bin­nen­plu­ra­lis­mus die bes­se­re Wahl?

Einig­keit soll­te auf den The­men­fel­dern ange­strebt wer­den, die beson­ders von Fra­gi­li­tät und/oder Anti­fra­gi­li­tät bestimmt sind. Sol­che, bei denen extre­me­re Ereig­nis­se expo­nen­ti­ell höhe­re Chan­cen und Risi­ken bergen.

The­men­fel­der, bei denen eine ech­te Kri­se mög­lich ist. Es sind die­se The­men­fel­der, in denen Hand­lungs­un­fä­hig­keit durch Unei­nig­keit zu immens hohen Schä­den, oder zum Ver­pas­sen ein­ma­li­ger Gele­gen­hei­ten füh­ren kann.

Bei einem The­ma hin­ge­gen, bei dem Chan­cen und Risi­ken eng begrenzt sind, kann hin­ge­gen leicht der Scha­den, der dabei ent­steht, den „gäri­gen Hau­fen“ auf Linie zu brin­gen, viel grö­ßer sein, als die durch Einig­keit ermög­lich­ten Erfol­ge oder abge­wehr­ten Schäden.

Ein The­ma der letz­te­ren Art ist zum Bei­spiel die Öko­lo­gie. Öko­lo­gie kann immer ein­mal wie­der eini­ge Medi­en­zy­klen beherr­schen. Das The­ma selbst wird von vie­len Men­schen als wich­tig emp­fun­den. Solan­ge aber nicht tat­säch­lich in 11 ½ Jah­ren die Welt unter­geht, kön­nen wir getrost aus­schlie­ßen, daß es auf die Wei­se bren­nend und die gesam­te Öffent­lich­keit bestim­mend wird, wie ihrer Zeit die Euro- und die Asyl- und jetzt die Coronakrise.

Öko­lo­gie ist kein The­ma, bei dem die Rech­te durch die Umstän­de auf ein­mal gezwun­gen wer­den kann, eine geschlos­se­ne und in sich kohä­ren­te Posi­ti­on vor­zu­le­gen. Coro­na ist das deut­lichs­te Gegen­bei­spiel, aber des­halb kein beson­ders gutes, weil die­se Mög­lich­keit nie­mand auf dem Schirm hat­te, der sich nicht mit der Fra­gi­li­tät unse­rer Gesell­schaft gegen­über Virus­mu­ta­tio­nen befaßte.

Anders sieht es hin­ge­gen mit der Wirt­schafts­po­li­tik aus. Daß die Rech­te ein ein­heit­li­ches wirt­schaft­li­ches Kon­zept braucht, ist nicht mehr abzu­wei­sen. Die durch Coro­na sehr rea­le Gefahr einer Wirt­schafts­kri­se, die nicht auf den Euro redu­ziert wer­den kann, erfor­dert drin­gend einen dau­er­haf­ten und sta­bi­len Kom­pro­miß zwi­schen den wirt­schafts­li­be­ra­len und sozi­al­pa­trio­ti­schen Flü­geln der AfD und des gan­zen rech­ten Lagers.

Ein sol­cher wird nicht ohne erheb­li­che Rei­be­rei­en zu errei­chen sein. Einen Teil davon erle­ben wir gera­de in der am wenigs­ten koope­ra­ti­ven Form. Man ver­ges­se nicht, daß die der­zei­ti­ge Selbst­zer­flei­schung der AfD mit Meu­thens Vor­schlag begann, die Par­tei ent­lang der wirt­schaft­li­chen Aus­rich­tung zu tei­len um einer sol­chen Aus­ein­an­der­set­zung, die er, das klang deut­lich an, andern­falls für unver­meid­bar hielt, aus dem Weg zu gehen.

Die alles über­ra­gen­de Bri­sanz, die wirt­schaft­li­che Fra­gen von Zeit zu Zeit, näm­lich wäh­rend Wirt­schafts­kri­sen errei­chen, erklärt zu einem Gut­teil die Hef­tig­keit der jet­zi­gen inter­nen Kämp­fe: Jeder ver­mu­tet, daß es 2021 einen Wahl­kampf in einer gro­ßen Rezes­si­on geben wird.

Das gibt dem Ver­hal­ten von Meu­then und Co. eine unab­weis­ba­re Ratio­na­li­tät: Die jet­zi­gen Macht­ver­hält­nis­se nut­zen und die Par­tei auf die eige­ne, wirt­schafts­li­be­ra­le Linie brin­gen um damit in den Bun­des­tags­wahl­kampf zu zie­hen, anstatt 2021 mit einem Flü­gel, der jede eige­ne Aus­sa­ge kon­ter­ka­riert, im schlimms­ten Fal­le gegen den in Wirt­schafts­fra­gen als hoch­kom­pe­tent ange­se­he­nen Fried­rich Merz antre­ten zu müssen.

Hier müs­sen die Par­tei und das rech­te Lager als gan­zes zu einem für alle trag­ba­ren Weg fin­den. Gelingt dies, wären nicht nur inter­ne Kämp­fe wie­der auf ein erträg­li­ches Maß redu­ziert. Wäh­rend einer mög­li­chen Wirt­schafts­kri­se, die immer kom­men kann, nicht nur als Fol­ge von Coro­na, ein fes­tes Pro­gramm auf­stel­len zu kön­nen, anstatt ziel­los durch die Öffent­lich­keit zu stol­pern, mach­te das rech­te Lager zum Pro­fi­teur einer sol­chen Kri­se, anstatt zum Ver­lie­rer, der vom Volk als zer­strit­ten und inkom­pe­tent wahr­ge­nom­men wird.

Sol­che The­men, die bei Extrem­ereig­nis­sen expo­nen­ti­ell an Bedeu­tung gewin­nen kön­nen, umfas­sen neben der Wirt­schaft selbst­ver­ständ­lich die Ein­wan­de­rung und die euro­päi­sche Fra­ge aber auch Kriegs­be­tei­li­gun­gen im Mitt­le­ren Osten (muß nicht kom­men, kann aber viru­lent wer­den), sowie wohl oder übel die Fra­ge, wie man zu Frei­heits­ein­schrän­kun­gen in Kata­stro­phen­fäl­len steht.

Bei die­se The­men bestehen gro­ße Chan­cen, wenn die Rech­te einen ein­heit­li­chen und schlüs­si­gen Stand­punkt ver­tre­ten kann, soll­ten sie durch ein Extrem­ereig­nis für län­ge­re Zeit die Debat­te beherr­schen. Bei The­men, deren Bedeu­tung nicht expo­nen­ti­ell durch die Decke gehen kann, hin­ge­gen lohnt sich der Streit um eine ein­heit­li­che Aus­rich­tung nicht. Hier soll­te Bin­nen­plu­ra­lis­mus gewahrt bleiben.

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Kommentare (7)

t.gygax

21. August 2020 13:56

" gegen den in Wirtschaftsfragen als hochkompetent angesehenen Friedrich Merz antreten zu müssen "

Haben Sie noch mehr Scherze dieser Art auf Lager? Oder handelt es sich hier um subtile Ironie, die mein bescheidener Geist nicht zu fassen vermag?

 Merz und hochkompetent?  Jede anständige Hausfrau und Mutter, die eine Familie zu versorgen hat und mit ihrem Geld auskommt, hat mehr Kompetenz als dieses ganze Sammelsurium von Personen, die man uns da präsentiert.

Die Beiträge in diesem Forum schwächeln gewaltig, obwohl sie vor "strahlender Intellektualität " nur so strotzen. Aber Mathe- Gleichungen vermögen halt nur die Mathe-Freaks zu erfreuen.  Typ an Poensgen: hören Sie mal Musik von Bach; die ist  mathematischen Strukturen vergleichbar komponiert, aber schöner. Und weitet Herz und Gedanken hin zu ungeahnten Horizonten...dies nebenbei.

Laurenz

21. August 2020 16:06

Wie oft schon erwähnt, haben Menschen mit abstrakten Zahlen Schwierigkeiten, selbst die Profis im Kapitalmarkt bleiben davon nicht verschont. Hier nochmals Hermann Ploppa von KenFM, mit Umfrage-Ergebnissen über wahrgenommene Zahlen der virtuellen Pandemie. https://tube.kenfm.de/videos/watch/2410bb4f-663f-4d00-98cc-582c082d5e05

Nicht einmal 1/5 der im Reichstag einsitzenden Abgeordneten kann sich die Summe unseres Schuldenberges auch nur ansatzweise vorstellen. Die monatlichen Bezüge andererseits, sind für alle ganz real einschätzbar, weil sie eben nicht abstrakt sind.

Und Thales von Milet, der erste bekannte Philosoph, wurde nicht bekannt, weil er das Optionsgeschäft erfand, sondern, weil er als ADHSler oder Hans-guck-in-die-Luft in einen Brunnen fiel und von einer Magd ausgelacht wurde, die erste frühe Krise der Philosophie.

Und natürlich ist die ökonomische Frage die alles entscheidende. Der ewig gestrige Meuthen hat eben bis heute nicht begriffen, daß sein Liberalismus die Schuld am ökonomischen & finanz-politischen Desaster unserer Tage trägt. Damit gewinnen wir nicht mal einen einzigen Blumentopf. Meuthen hat davon eben nur eine akademische Ahnung, aber keine eigene. Die persönliche Situation Meuthens ist sozialistisch geprägt. Wasser predigen und Wein saufen. 

Um tatsächlich eine Veränderung der politischen Umstände herbeizuführen, müssen wir Grüne und Linke in ihren Projekten unterstützen, ihnen aber für ihr übliches Versagen die Schuld zuweisen.

bb

21. August 2020 19:40

„Der ewig gestrige Meuthen hat eben bis heute nicht begriffen, daß sein Liberalismus die Schuld am ökonomischen & finanz-politischen Desaster unserer Tage trägt.“

Billigster linker Populismus; ganz im Gegensatz zu den zwei brillanten Beiträgen Poensgens. Allerdings weise ich die Notwendigkeit einer einheitlichen rechten Wirtschaftspolitik ab. Das Minenfeld Wirtschaftspolitik muss im Gegenteil im großen Bogen umfahren werden. Stattdessen sollte man sich auf die miserable Wirtschaftspolitik des politischen Gegners konzentrieren, die sowohl aus sozialpatriotischer, als auch wirtschaftsliberaler Sicht nur als haarsträubend bezeichnet werden kann. Es ist utopisch, innerhalb eines Jahres (oder überhaupt) mit einem Kompromiss zwischen sozialistischen und liberalen Ideen aufzuwarten. Zu unterschiedlich sind die Positionen und Visionen.

Realistisch ist es hingegen, die gegnerische Wirtschaftspolitik der letzten vier Jahre unter die Lupe zu nehmen und die eklatanten Fehlentscheidungen, sowie die ideologisch getriebene Aushöhlung und Dehnung sämtlicher Gesetze und Verträge medial für den Wahlkampf aufzubereiten. 

[Endlich ein Pragmatiker nach meinem Geschmack.

Daß die Gegensätze zwischen den wirtschaftlichen Vorstellungen innerhalb der AfD bis zum Bundestagswahlkampf kaum zu überbrücken sein werden, damit haben Sie leider recht. Erst mal auf die anderen einschießen ist da in der Tat das einzig sinnvolle.

Mittelfristig muß aber ein Kompromiß her.

Die Liberalen müssen akzeptieren, daß die Wählerschaft der AfD nicht in Grünewald wohnt.

Die Sozialpatrioten müssen akzeptieren, daß Versprechungen machen und nachher erklären die SPD sei schuld, wenn man sie nicht einhalten kann, selbst kurzfristig keine gute Strategie ist.

JKP]

Lotta Vorbeck

21. August 2020 22:05

@t.gygax - 21. August 2020 - 01:56 PM

" gegen den in Wirtschaftsfragen als hochkompetent angesehenen Friedrich Merz antreten zu müssen "

Haben Sie noch mehr Scherze dieser Art auf Lager? Oder handelt es sich hier um subtile Ironie, die mein bescheidener Geist nicht zu fassen vermag?

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Zitat: "Die größte Sensation zuerst: Dieses Desaster beschert uns den ersten Faktenfinderartikel in der journalistischen Karriere Patrick Gensings, der nicht nur nicht gelogen ist, sondern mit jedem Wort ins Schwarze trifft."

Johannes Poensgen am 3. August auf SiN

 

 

Laurenz

22. August 2020 02:14

@bb

Können Sie Ihre Kritik auch begründen? Liberalisierung des Arbeitsmarktes, Freizügigkeit im Personenverkehr (nichts anderes als moderner Sklavenhandel), Privatisierungen staatlicher Unternehmen (alle fehlgeschlagen), Diebstahl am Sozialversicherungssystem, die Liste ist endlos. Vor 20 Jahren hat man (wegen liberalistischer Marktgerechtigkeit) der Telekom das Kabelnetz weggenommen, damit es jetzt Vodafone gehört. Von all dem hat Herr Poensgen nichts geschrieben und Sie auch nicht. Von daher ist Ihr Beitrag zu unserem weiteren Erkenntnis-Gewinn vollkommen wertlos.

Und natürlich hat Herr Poensgen absolut Recht, wenn Er ein rechtes Wirtschafts-Programm fordert. Das ist elementar wichtiger als ein Renten-Programm.

Wenn die Ökonomie den Bach runter geht, müssen wir etwas auf den Tisch legen können. Sie stellen einfach nur steile Thesen in den Raum ohne jeglichen Hauch einer Argumentations-Grundlage. Wir treten doch nicht an, um linke Luschen zu kopieren, sondern um uns etwas einfallen zu lassen. Sie, bb, fallen beim kreativen Prozeß schon mal raus.

tearjerker

22. August 2020 11:06

Die Frage nach der Fragilität des Systems und wo die besten Ansatzpunkte für Aktion sind, ist absolut richtig. Um zu wirken wäre es ausreichend, ein einziges gutes Ziel zu identifizieren, dass man dauerhaft inhaltlich und personell angeht.

Der_Juergen

22. August 2020 11:53

Ich will Poensgen, den ich sehr achte (obwohl mir diese beiden Artikel zu abstrakt sind, was aber an meiner Begriffsstutzigkeit liegen mag), nicht an den Karren fahren, aber mich irritiert das Herumreiten auf der AFD und ihren Flügelkämpfen. Ein gescheiter Mann wie Poensgen müsste doch einsehen, dass die parlamentarische Demokratie ausgespielt hat. Selbst wenn eine sozialpatriotische Höcke-AFD durch ein Wunder 25% der Stimmen erhielte, bekäme sie deswegen keinen Einfluss, weil sich der Rest der Parteien gegen sie zusammenschlösse. 

Die Ereignisse entwickeln sich rasend schnell; sie überstürzen sich förmlich. Mit dem Corona-Schwindel hat das System hoch gepokert. Es hat weiterhin sehr gute Siegeschancen, aber es kann auch gründlich schiefgehen. Nach der Demo vom 1. August in Berlin wollte sich die vom System ersehnte Massenerkrankung einfach nicht einstellen, und immer mehr Menschen begreifen, dass sie auf ungeheuerliche Weise betrogen wurden und werden. Der wirtschaftliche Kollaps kommt so sicher wie das berühmte Amen in der Kirche. Und nun zeichnet sich die von Kaiser und anderen "linken Rechten" (zu denen ich auch mich zähle) erhoffte Querfront langsam ab. Wer gegen die Corona-Sklaverei auftritt, ist objektiv unser Verbündeter, punkt. Wenn man erst frei debattieren kann, werden wir Rechten diese Chance nutzen und die hundert anderen Schurkentaten des Systems öffentlich anprangern können. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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