23. Januar 2021

Netzfundstücke (73) – Big Tech, Otte, Revolution

Jonas Schick / 19 Kommentare

»Sie haben eine Welt geschaffen, in der wir dauerhaft überwacht werden und ständig abgelenkt sind.«

So beschrieb der liberale Autor Franklin Foer in seinem 2017 veröffentlichten Buch World Without Mind: The Existential Threat of Big Tech das Wirken der großen Tech-Giganten von Google bis Apple in unserer Welt. Insbesondere die sozialen Medien in Kombination mit der Erfindung des Smartphones haben den Tech-Firmen ein Instrument in die Hand gegeben, das Unmengen an Daten über jedes einzelne Individuum anhäuft, die wir Ihnen sogar noch freiwillig zur Verfügung stellen.

Sezession-Autor Nils Wegner traf in seinem Artikel in der Sezession 78, die sich dem Komplex Transhumanismus, Digitalisierung und 4. Industrielle Revolution widmete, dazu den Nagel auf den Kopf:

All diese Formen und Wege der virtuellen (Selbst-)Darstellung lassen das Individuum nicht nur scheinbar über sich hinauswachsen, sondern machen es auch immer vollständiger quantifizierbar und spielen gleichermaßen den Interessen der Wirtschaft wie staatlicher Überwachungsorgane in die Hände.

Die von vielen gefürchteten und kritisierten »Datenkraken« à la Google oder Facebook leben letztlich davon, daß wir sie (noch) freiwillig füttern – und es steht zu vermuten, daß nicht wenigen Zeitgenossen maßgeschneiderte Werbeanzeigen, stark vereinfachte Anmeldeprozeduren (dadurch, daß sich immer mehr eigenständige Benutzerkonten miteinander verknüpfen lassen) und die im Zuge der allmählichen Ausschleichung des Bargeldverkehrs zunehmende Popularität der elektronischen Geldbörse eher nützlich als bedrohlich vorkommen.

Wie groß die Macht der Tech-Konzerne mittlerweile geworden ist, hat die Sperrung des Twitter-Accounts des ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump plastisch vor Augen geführt.

Doch bei der Ansammlung von Daten und der Ausnutzung der eigenen Monopolstellung als digitale Informationsquelle zu Zensurzwecken ist noch lange nicht Schluß. Wegner expliziert in seinem Artikel das eigentliche transformatorische Endziel der Tech-Träumer aus dem Silicon Valley:

Dahinter steht keineswegs ein blinder, wertfreier Fortschritt als eine Art »Primum movens«, sondern eine vollentwickelte Ideologie. Der klassische, faustisch-prometheische Trieb des Menschen, sich selbst zu transzendieren und scheinbare Grenzen bloß deshalb zu überschreiten, weil er es kann, verbindet sich darin mit Szientismus und vergangenen wie erwartbaren technischen Quantensprüngen zu einer neuen säkularen Heilsreligion: dem sogenannten »Transhumanismus« (modisch-kybernetisch auch abgekürzt als »H+«).

Dessen gedankliche Grundlagen sind ein Produkt der industriellen Entfesselung im Ersten Weltkrieg: Nicht mehr Stahlbäder und Knochenmühlen, sondern die Fortentwicklung der Menschheit als Ganzes solle Ziel der totalen Mobilmachung von Industrie und moderner Technologie sein, die direkt in die menschliche Biologie hineinwirken müßten.

Den »Stillen Feldzug der Kybernetiker« hat außerdem Raskolnikow in der dritten Ausgabe der Kehre (hier bestellen) kenntnisreich ausgeleuchtet.

Die Auswüchse der heranrollenden, vergleichsweise stillen Revolution werden zusätzlich zu den privatisierten Zensurmaßnahmen durch die Coronakrise und die damit vorangetriebene Digitalisierung des Alltagslebens zunehmend spürbar.

Dadurch bleibt auch der Rand der Gesellschaft von den jüngsten Tech-Eruptionen nicht unberührt. Folgerichtig dreht sich ein Großteil der Diskussion im ersten Podcast aus Schnellroda im neuen Jahr um die neue Strategie des Establishments zum Unschädlichmachen des politischen Gegners: das Deplatforming.


Welche Auswirkungen die Corona-Krise und damit auch die Zunahme der Digitalisierung der Finanz- und Wirtschaftswelt in einem sich gegenseitig beschleunigenden Prozeß auf die Ökonomie und damit auf die deutsche Gesellschaft haben, darüber haben sich der Ökonom Max Otte – bis Anfang dieses Monates noch im Stiftungsvorsitz der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung tätig – und der liberalkonservative Publizist Roland Tichy in einem interessanten Gespräch ausgetauscht.

Interessant deshalb, weil Otte die Wirkmechanismen digitaler Verflüssigung kundig ausleuchtet und damit den Prozeß nachzeichnet, den der Universalhistoriker Rolf Peter Sieferle in Rückblick auf die Natur wie folgt beschrieb:

In dem alten substanziellen Sinne existiert (…) kein Geld mehr (…). Was für das Geld gilt, gilt für fast alle Elemente der Wirklichkeit innerhalb der Transformationszeit. Es gibt in ihr nichts Festes mehr, sondern alles ist flüchtig, vorläufig, abstrakt und bewegt sich unbekannten Horizonten entgegen. Nichts kann in diesem dynamischen Gefüge mehr Sicherheit verleihen. Es gibt keine Rückzugspositionen, keine stabilen Orte, in denen man sich Zugriffen durch die Systeme entziehen könnte. Jeder ist angeschlossen, gleichgeschaltet, homogenisiert, und eben der Systemcharakter dieser Nivellierung begründet die eigentümliche individuelle Freiheit, welche diese Epoche kennzeichnet.

Sezession-Kollege Benedikt Kaiser berichtete bereits in seiner neuen Kolumne »Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten« hier über die gedruckte Version dieser Unterhaltung. Jedoch wurde der Austausch zwischen Otte und Tichy auch auf Film festgehalten. Hier einschalten:


Die »Flüchtige Moderne« (Zygmunt Baumann) im Kontext »Big Tech« weiter fokussierend ist der Blick auf das zu konzentrieren, in dem alle hier in Form von Fundstücken dargelegten Stränge zusammenlaufen: die Vierte Industrielle Revolution.

Dieser Terminus wurde speziell vom Wirtschaftswissenschaftler und Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos, Klaus Schwab, durch seine gleichnamige Publikation Die Vierte Industrielle Revolution aus dem Jahr 2016 popularisiert. Schwab klassifiziert darin diese neue Welle industrieller Revolution als eine Transformation ganzer Systeme, die »über Länder, Unternehmen und Branchen hinweg sowie durch die Gesellschaft insgesamt«, erfolgt.

Sie »basiert auf der digitalen Revolution und verknüpft vielfältige Technologien, die zu beispiellosen Paradigmenwechseln in der Wirtschaft, in der Gesellschaft, aber auch in der individuellen Lebensgestaltung führen. Sie ändert nicht nur, was wir tun und wie wir es tun, sondern auch, wer wir sind.« Schwabs Intentionen bei der Beeinflussung dieses Prozesses und die Hoffnungen, die er an ihn knüpft, sind ein ins Positive gewandeltes Abbild dessen, was Sieferle an ihnen problematisierte:

Je eingehender wir uns mit der Frage befassen, wie wir diese technologische Revolution nutzen können, umso gründlicher werden wir uns selbst und die Gesellschaftsmodelle, die diese Technologien verkörpern und ermöglichen, hinterfragen, und desto eher werden wir in der Lage sein, die Revolution in einer Weise zu gestalten, die dem globalen Gemeinwohl dient.

Es ist nicht die Aufgabe eines einzelnen Stakeholders oder Sektors, einer einzelnen Region, Industrie oder Kultur, die Vierte Industrielle Revolution so zu gestalten, dass sie den Einzelnen ermächtigt und den Menschen in den Mittelpunkt stellt, statt spaltend und entmenschlichend zu wirken. Die fundamentale und globale Natur dieser Revolution bedeutet, dass sie sich auf alle Länder, Volkswirtschaften, Sektoren und Menschen auswirken und ihrerseits von diesen beeinflusst werden wird.

Daher kommt es entscheidend darauf an, dass wir Aufmerksamkeit und Energie in die Zusammenarbeit verschiedener Stakeholder investieren, über wissenschaftliche, soziale, politische, nationale und Sektorengrenzen hinweg. Dieses Zusammenwirken und -arbeiten ist notwendig, um gemeinsame, positive und hoffnungsvolle Narrative zu kreieren, die Individuen und Gruppen aus allen Teilen der Welt dazu befähigen und anspornen, an den Transformationen mitzuwirken und von ihnen zu profitieren.

Individuelle Emanzipation, Diversität, »Fortschritt«; Schwab zelebriert die Auflösung aller Dinge und die Einbettung des Vereinzelten in ein homogenisiertes System globalen Ausmaßes. Sein besonders aus der »Querdenken«-Bewegung heraus kritisierter, von der Corona-Krise inspirierter Nachschlag The Great Reset, bildet dabei nur die stringente Fortführung dieser Ideen.

Benedikt Kaiser charakterisiert indes den Schwabschen Impuls – der nicht nur ihn, sondern etliche seiner Zunft auszeichnet – in seinem Artikel »Der Geist der Technik und die Macht der Daten« (hier lesen) in der Sezession 78 folgendermaßen:

Dabei verloren die erfolgreichen Unternehmer, die von Start-up-Motoren zu Konzernleitern wurden – ob nun beispielsweise Mark Zuckerberg (Facebook), Steve Jobs (Apple) oder Peter Thiel (PayPal) – nie vermeintlich oder tatsächlich philanthropische Zielsetzungen aus dem Auge. Wohltätigkeitssimulationen spielen bis heute eine große Rolle für die Konzernriesen, und es sind nur vordergründig die Millionen- oder gar Milliardenspenden, die das belegen. Viel stärker als Spendenbereitschaft für soziale Zwecke ist es der grundsätzliche Weltverbessererimpuls, der den digitalen Kapitalismus stützt.

Um diese sozio-technische Großentwicklung unserer Gesellschaften westlicher Provenienz zu veranschaulichen, hilft ein Blick auf die schon jetzt direkt erfahrbaren Aspekte dieser sich ankündigenden bzw. bereits angelaufenen Revolution in unserem Leben. Ranga Yogeshwar hat das für die ARD unternommen:



Kommentare (19)

anatol broder

23. Januar 2021 11:32

Unmengen an Daten, […] die wir ihnen sogar noch freiwillig zur Verfügung stellen.

wenigstens verspricht die datenschutzrechtliche erklärung auf sezession im netz, dass meine daten nie an dritte gehen. wäre ich vom fach, dann könnte ich es nachprüfen. so bleibt mir nur blindes vertrauen.

Laurenz

23. Januar 2021 13:52

@Anatol Broder

Auf der SiN wird noch nicht mal Werbung geschaltet, ein extremer Luxus, der mutmaßlich aus der erfolgreichen "Nischen-Tätigkeit" des Antaios-Verlages gespeist wird. Insofern ist die SiN, wenn, nur Werbe-Träger dafür. Und wer wollte sich schon die eigene potentielle Kundschaft abspenstig machen? Und wie Sie am Ibiza-Video feststellen können, hat die Rechte keine Groß-Sponsoren.

@JS

Wenn Sie im Zusammenhang Ihres Artikels Veröffentlichungen von Tichys posten, wäre der revolutionäre Ansatz von Tichys-Artikeln vielleicht sinniger. Aber bitte nicht falsch verstehen, es ist nur ein Vorschlag meinerseits. https://www.tichyseinblick.de/video/5-vor-12/wann-kommt-der-blackout/

Das ist für mich der Beweis, daß es keine echten Terroristen gibt. Echte Terroristen oder Revolutionäre würden die anfällige westliche, Energie-poltische Infrastruktur lahmlegen, was den Supergau für Tech-Konzerne und asoziale Medien darstellen würde.

Volksdeutscher

23. Januar 2021 14:51

Es ist beinahe (oder wirklich?) dämonisch, was bereits technisch möglich ist. Das Dämonische der Hochtechnologie wird durch die Phantasie noch weiter gesteigert, wenn man sich überlegt, wohin ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten führen könnten. Ich denke jedoch, daß der Vorsprung linker Plattformen wie Twitter, Google, Facebook nicht von Dauer sein werden. Schon jetzt zeichnen sich Abwehrreaktionen ab. Nachdem Parler von Twitter abgeschaltet wurde, wurde gleichzeitig die Notwendigkeit der Ausweitung rechter Plattformen angedacht, um sich aus der tödlichen Umarmung des Kraken zu befreien. Der unmittelbare Austausch zwischen Links und Rechts ist damit zunächst einmal lahmgelegt, die Brunnen sind vergiftet. Dies könnte vorübergehend sogar notwendig sein, sich jedoch langfristig von selbst erledigen, nachdem sich die Beziehungen konsolidiert haben. Wir wissen nicht, wie sich die Geschichte der Tech-Giganten weiter gestaltet. Der Fall ihrer Aktien um 15-25 Prozent nach der Zensurorgie kann je nach Böreninterpret als viel, wenig oder hinnehmbar gedeutet werden. Ist es der Anfang ihres existenziellen Falles oder bleibt es (vorerst) dabei?

Der Joseph

23. Januar 2021 16:56

Ich empfehle den Raskolnikow-Artikel in der Kehre und danach das Video von Rangar Yogeshwar. Wenn Raskolnikow recht hat, vollzieht sich gerade die Umsetzung der Vision(Systems) der Kybernetiker. Eine Gesellschaft, die gesteuert und geregelt werden soll.
Das Kapital haben die Firmen selbst bzw. die Investoren verdienen immernoch prächtig. Warum sollten die Demokraten in Amerika den Big Tech Stress machen, wo man doch gemeinsam gegen den Orange Man gekämpft hat?
Die EU ist für Lobbyisten perfekt. Da kann man voll draufhalten. Muß man sich nicht mit vielen widerstreitenden Interressen der Parlamentarier in den einzelnen Nationalstaaten auseinandersetzen. Google führt die Liste hier an.
Und gegen Steuern und Regeln der Gesellschaft haben die Bürokraten in Brüssel bestimmt auch wenig einzuwenden.
Insgesamt sehe ich mehr gemeinsame Interressen der aktuellen Regierungen mit Big Tech als 
Gegensätze.

KlausD.

23. Januar 2021 17:13

„Welche Auswirkungen die Corona-Krise und damit auch die Zunahme der Digitalisierung der Finanz- und Wirtschaftswelt ...“

Nicht nur der Finanz- und Wirtschaftswelt, auch der von Kunst und Kultur. Und zumindest in der gegenwärtigen Lage sind solcherart Angeboten sogar positive Seiten abzugewinnen, wie nachfolgende 2 Beispiele zeigen.

Digital unterwegs in 13 Gemäldegalerien (sogar mit Bilderläuterungen, die nach Anklicken diverser Punkte auf den Bildern eingeblendet werden):

http://geheimnis-der-bilder.zdf.de/

Digitale Live-Touren durch Museen, hier in Aachen anlässlich der Krönung Karls V. (1500–1558) zum römisch-deutschen König (nach Anmeldung per Mail zum Termin):

http://paz.de/artikel/auf-verlorenem-posten-a2115.html oder

http://duerer2020.de/aktuelles/digitale-live-touren-von-der-gekaufte-kaiser/

 

anatol broder

23. Januar 2021 19:36

@ volksdeutscher 14:51

parler wurde nicht von twitter, sondern von amazon abgeschaltet. twitter meldete dafür vor einem monat, dass sie nun amazons infrastruktur nutzen werden. somit könnte amazon auch twitter abschalten, sollte der blaue vogel plötzlich des teufels werden.

Gelegenheitsleser

23. Januar 2021 19:39

China lässt grüßen, ...

 

@Volksdeutscher

Nur um es kurz richtig zustellen. Parler hatte die Server von ABS ( Amazon Web Services) benutzt und wurde also von Amazon abgeschaltet, nachdem Google (Alphabet) und Apple die Parler-App jeweils aus ihren App-Stores entfernt haben. Auf das juristische Nachspiel bin ich gespannt, auch oder besser grade als Amazon-Aktionär. Bei der Parler-Abschaltung wurden ja offensichtlich Verträge verletzt. Einen Anfang des Endes der Tech-Giganten sehe ich nicht. Was droht schon im schlimmsten Falle? Die Zerschlagung der Unternehmen? Ob eine Zerschlagung der Unternehmen wie Amazon am Ende nicht sogar noch wertsteigernd sich auswirken?

@ KlausD.

Ich bedanke mich für die Links. Aber ich muss sagen, das Digitale ist doch nicht das Wahre. Wenn ich mich an die Caravaggio Ausstellung in Düsseldorf zurückerinnere. Der Bildschirm ist eben doch nur ein Bildschirm. Aber in der gegenwärtigen Lage, nimmt man doch gern auch damit vorlieb.

Volksdeutscher

23. Januar 2021 22:24

@Gelegenheitsleser - "Einen Anfang des Endes der Tech-Giganten sehe ich nicht."

Das sehe ich auch nicht. Ich schließe es aber nicht aus, daß in unserer sich schnell ändernden Welt ein Unternehmen, das sich verkalkuliert oder sich übernimmt, von heute auf morgen untergehen oder zumindest große Verluste erleiden kann. Wer hätte die Wertminderung der Aktien von den Tech-Giganten vorausgesehen, ehe sie nicht die Konten von Donald Trump gelöscht haben? Auch sie selbst nicht. Aber heute wissen wir´s. Wir wissen, daß dies möglich ist und auch sie wissen, daß man imstande und bereit ist, ihrem Größenwahn und ihrer Arroganz Grenzen zu setzen.

Volksdeutscher

23. Januar 2021 22:26

@anatol broder - Falls das stimmt, dann sind entweder meine Informationen falsch oder ich habe mich verlesen. In diesem Krieg schießt jeder auf jeden, so kommt es mir vor. Sehr verwirrend alles.

RMH

24. Januar 2021 12:35

Die Türken setzen jetzt auf eigene Messengerdienste:

Türkei: Recep Tayyip Erdogan nimmt WhatsApp ins Visier - DER SPIEGEL

 

 

 

RMH

24. Januar 2021 13:44

Dieses Urteil des AG Weimar wird in den Hauptmedien totgeschwiegen.

AG Weimar, Urteil vom 11.01.2021 - 6 OWi - 523 Js 202518/20 - openJur

Man darf gespannt sein, wie die höheren Instanzen (die Staatsanwaltschaft hat Rechtsmittel eingelegt) dagegen argumentieren werden.

Respekt an diesen Amtsrichter, der sich wirklich Mühe gemacht hat, einmal eines dieser widerlichen, maßlosen und überzogenen Bußgelder im Sinne des Bürgers wegzubekommen. Mehr als Amtsrichter wird er wohl nicht mehr werden, aber gerade solche Einzelrichter, die auch einmal gegen die herrschende Meinung angehen, braucht ein Rechtsstaat, damit er am Leben bleibt.

Gelegenheitsleser

24. Januar 2021 17:15

@ Volksdeutscher

Ich denke es ist wohl das Wesen eines jeden Unternehmens, dass es Verluste einfährt oder bankrott macht wenn es sich verkalkuliert. So sollte es zumindest sein, auch wenn die herrschenden Eliten alles daran setzen solche fundamentalsten Marktmechanismen außer Kraft setzen zu wollen. Wohin dies führen wird werden wir wohl noch zu unseren Lebtagen sehen. Aber ich befürchte ich kann Ihnen nicht ganz folgen. Von welcher Wertminderung reden wir hier und von welchen Grenzen? Nährt die Hausse nicht grade noch die Hausse und die Aktien notieren nahe ihrer Allzeithochs? Was lässt Sie zu dem Schluss kommen, dass den Tech-Giganten Grenzen gesetzt werden? Ich sehe nichts dergleichen.

Volksdeutscher

24. Januar 2021 18:04

@ Gelegenheitsleser - Ich werte den Fall der Aktien mancher Tech-Giganten als restriktive Reaktionen auf deren Arroganz.

https://www.deraktionaer.de/artikel/medien-ittk-technologie/chart-check-twitter-mit-25-prozent-absturz-wie-weit-faellt-jetzt-die-aktie-20219997.html

https://www.businessinsider.de/tech/grafik-zeigt-der-boersen-absturz-der-tech-giganten-koennte-erst-der-anfang-sein-2018-11/

Darüber kann man sich schon Gedanken machen.

Laurenz

24. Januar 2021 23:25

@Gelegenheitsleser @ Volksdeutscher

Werter Gelegenheitsleser, Ihre Sicht auf die Aktien- oder Immobilienmarkt ist, mit Verlaub, vollkommen falsch. Die aktuellen Dax-Werte sind im Wert gesunken, Automobil-Branche mindestens 25% und insgesamt das BSP/GDB mindestens minus 8%. Was Sie an den Aktienbörsen an hohen Kursen oder bei Immobilien an hohen Preisen sehen, ist die reine Abbildung der aktuellen Inflation.

 

 

RMH

25. Januar 2021 09:44

@Laurenz,

Danke für den richtigen und wichtigen Hinweis. Wir haben seit langem eine Vermögensinflation, die aber konsequent unter dem Deckel gehalten wird, sprich möglichst nicht thematisiert werden darf.

Gelegenheitsleser

25. Januar 2021 10:40

@ Volksdeutscher

Ich danke Ihnen für die Links, ich denke mir ist klar geworden, worauf Sie hinauswollen. Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass man sich darüber Gedanken machen kann. Ich befürchte am Ende gilt an den internationalen Finanzmärkten zum Schluss doch nur die  Devise: pecunia non olet. Und solange die Arroganz dieser Unternehmen nicht der Erwartungshaltung der Hochfinanz entgegenläuft sind solche Kursbewegungen wie im Fall von Twitter wohl eher der Marktvolatilität zuzuschreiben, als irgendwelchen humanistischen Anwandlungen.

 

@Laurenz

Vielleicht hätte ich noch einmal explizit ein "Tech" vor "die Aktien" setzen sollen. Schauen Sie sich die Entwicklung des Nasdaq-100 oder selbst des S&P500 und nicht die des Dax an. Unbenommen, diese Entwicklungen wären wohl kaum ohne die geldpolitischen Maßnahmen unserer Zentralbanken denkbar. Von der Realwirtschaft, ich denke da werden Sie mir zustimmen, haben sich die Finanzmärkte doch schon längst verabschiedet. Der Realitätsverlust ist in der heutigen Zeit wohl leider ein nur allzu verbreitetes Phänomen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Der Kater wird kommen.

Lotta Vorbeck

25. Januar 2021 10:45

@RMH - 25. Januar 2021 - 09:44 AM

"Danke für den richtigen und wichtigen Hinweis [an Laurenz]. Wir haben seit langem eine Vermögensinflation, die aber konsequent unter dem Deckel gehalten wird, sprich möglichst nicht thematisiert werden darf."

---

Vermögensinflation = verdeckte Enteignung

Diese Vermögensinflation wurde von denen, die das System steuern, ebenso unausgesprochen wie gezielt, herbeigeführt.

Hinzu kommt, daß ebenfalls unausgesprochen, die hiesige Autoindustrie in Begriff ist, über den Jordan zu gehen. Etwa 25% von der aktuellen Basis der BRD-Ökonomie sind allein damit (politisch gewollt) zum Abschuß freigegeben.

Laurenz

25. Januar 2021 10:55

@RMH (1)

Hatte diese Thematik schon desöfteren angesprochen.

Die politisch gewünschte Inflation ist eine indirekte Steuer um die Staatsschulden Eurolands abzutragen. Ist nur weniger negativ publikumswirksam als direkte Steuern.

Bislang rechneten die Vermögensverwaltungen mit einer wohlmeinenden Inflation von 4%, gehen aber davon aus, daß sie dieses Jahr steigen wird. (Bleibt der Ladenschluß oder Lockdown, gehen die Analysten davon aus, daß der Bund im September zahlungsunfähig wird.) Hierbei ist zu berücksichtigen, daß das Statistische Bundesamt Wohnungs-Mieten nur mit 7,5% im Warenkorb anrechnet, was natürlich absurd ist. Für die Sparer ist das natürlich bitter. Wir haben, aufgrund des Ladenschluß', aktuell die höchste Sparquote aller Zeiten. Bleibt die Inflation so, ist das Geldvermögen in 10 Jahren nicht mal mehr die Hälfte der jetzigen Kaufkraft wert. Vermögensverwaltungen gehen aber davon aus, daß der permanente Ladenschluß dieses Jahr aufgehoben wird. Das hat natürlich eine höhere Inflation zur Folge. Ein drittel der Gewerbetreibenden sind pleite, Flugzeug-Flotten reduziert, das heißt, die noch vorhandenen Kapazitäten werden bei steigender Nachfrage höhere Preise durchsetzen können, natürlich damit verbunden höhere Mieten, höhere Aktienkurse, höhere Ticket-Preise. Ausnahmen werden, am Umsatz gemessen, zB der irrelevante Buchmarkt sein.

Laurenz

25. Januar 2021 12:14

@Gelegenheitsleser @Laurenz

Wollen Sie es nicht verstehen? (Ich habe über 15 Jahre als Händler im Kapitalmarkt "gearbeitet".)

Ihre sogenannten Tech-Unternehmen des Nasdaq produzieren doch fast nichts selbst, sondern lassen produzieren. Selbst die großen Läden leben doch fast ohne Substanz. Die Erwartungshaltungen, die in den Kursen bereits implementiert sind, basieren darauf, daß die Politik weiterhin gezwungen sein wird, "unendliche" Liquidität in die Märkte zu pumpen, was nichts anderes als Inflation bedeutet. Sie, Gelegenheitsleser, tun so, als würde die Produktivität steigen (, irgendwelche Märkte "größer werden", Wirtschaftswachstum entstehen), was sie doch gar nicht tut, außer in China von 1-2%. An Ihrer Stelle würde ich einfach die Finger von solchen Dingen lassen und Aktien-Fonds kaufen, ein Angebot, was die Inflationsverluste auf ein überschaubares Maß (relativ sicher) reduziert. Sie erinnern mich an die Taxi-Fahrer, die einem erzählen wollen, welche Werte man gerade im Depot haben muß.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.