Netzfundstücke (73) – Big Tech, Otte, Revolution

»Sie haben eine Welt geschaffen, in der wir dauerhaft überwacht werden und ständig abgelenkt sind.«

So beschrieb der libe­ra­le Autor Fran­k­lin Foer in sei­nem 2017 ver­öf­fent­lich­ten Buch World Without Mind: The Exis­ten­ti­al Thre­at of Big Tech das Wir­ken der gro­ßen Tech-Gigan­ten von Goog­le bis Apple in unse­rer Welt. Ins­be­son­de­re die sozia­len Medi­en in Kom­bi­na­ti­on mit der Erfin­dung des Smart­pho­nes haben den Tech-Fir­men ein Instru­ment in die Hand gege­ben, das Unmen­gen an Daten über jedes ein­zel­ne Indi­vi­du­um anhäuft, die wir Ihnen sogar noch frei­wil­lig zur Ver­fü­gung stellen. 

Sezes­si­on-Autor Nils Weg­ner traf in sei­nem Arti­kel in der Sezes­si­on 78, die sich dem Kom­plex Trans­hu­ma­nis­mus, Digi­ta­li­sie­rung und 4. Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on wid­me­te, dazu den Nagel auf den Kopf:

All die­se For­men und Wege der vir­tu­el­len (Selbst-)Darstellung las­sen das Indi­vi­du­um nicht nur schein­bar über sich hin­aus­wach­sen, son­dern machen es auch immer voll­stän­di­ger quan­ti­fi­zier­bar und spie­len glei­cher­ma­ßen den Inter­es­sen der Wirt­schaft wie staat­li­cher Über­wa­chungs­or­ga­ne in die Hände.

Die von vie­len gefürch­te­ten und kri­ti­sier­ten »Daten­kra­ken« à la Goog­le oder Face­book leben letzt­lich davon, daß wir sie (noch) frei­wil­lig füt­tern – und es steht zu ver­mu­ten, daß nicht weni­gen Zeit­ge­nos­sen maß­ge­schnei­der­te Wer­be­an­zei­gen, stark ver­ein­fach­te Anmel­de­pro­ze­du­ren (dadurch, daß sich immer mehr eigen­stän­di­ge Benut­zer­kon­ten mit­ein­an­der ver­knüp­fen las­sen) und die im Zuge der all­mäh­li­chen Aus­schlei­chung des Bar­geld­ver­kehrs zuneh­men­de Popu­la­ri­tät der elek­tro­ni­schen Geld­bör­se eher nütz­lich als bedroh­lich vorkommen.

Wie groß die Macht der Tech-Kon­zer­ne mitt­ler­wei­le gewor­den ist, hat die Sper­rung des Twit­ter-Accounts des ehe­ma­li­gen US-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Donald Trump plas­tisch vor Augen geführt.

Doch bei der Ansamm­lung von Daten und der Aus­nut­zung der eige­nen Mono­pol­stel­lung als digi­ta­le Infor­ma­ti­ons­quel­le zu Zen­sur­zwe­cken ist noch lan­ge nicht Schluß. Weg­ner expli­ziert in sei­nem Arti­kel das eigent­li­che trans­for­ma­to­ri­sche End­ziel der Tech-Träu­mer aus dem Sili­con Valley:

Dahin­ter steht kei­nes­wegs ein blin­der, wert­frei­er Fort­schritt als eine Art »Pri­mum movens«, son­dern eine voll­ent­wi­ckel­te Ideo­lo­gie. Der klas­si­sche, faus­tisch-pro­me­t­hei­sche Trieb des Men­schen, sich selbst zu tran­szen­die­ren und schein­ba­re Gren­zen bloß des­halb zu über­schrei­ten, weil er es kann, ver­bin­det sich dar­in mit Szi­en­tis­mus und ver­gan­ge­nen wie erwart­ba­ren tech­ni­schen Quan­ten­sprün­gen zu einer neu­en säku­la­ren Heils­re­li­gi­on: dem soge­nann­ten »Trans­hu­ma­nis­mus« (modisch-kyber­ne­tisch auch abge­kürzt als »H+«).

Des­sen gedank­li­che Grund­la­gen sind ein Pro­dukt der indus­tri­el­len Ent­fes­se­lung im Ers­ten Welt­krieg: Nicht mehr Stahl­bä­der und Kno­chen­müh­len, son­dern die Fort­ent­wick­lung der Mensch­heit als Gan­zes sol­le Ziel der tota­len Mobil­ma­chung von Indus­trie und moder­ner Tech­no­lo­gie sein, die direkt in die mensch­li­che Bio­lo­gie hin­ein­wir­ken müßten.

Den »Stil­len Feld­zug der Kyber­ne­ti­ker« hat außer­dem Ras­kol­ni­kow in der drit­ten Aus­ga­be der Keh­re (hier bestel­len) kennt­nis­reich ausgeleuchtet.

Die Aus­wüch­se der her­an­rol­len­den, ver­gleichs­wei­se stil­len Revo­lu­ti­on wer­den zusätz­lich zu den pri­va­ti­sier­ten Zen­sur­maß­nah­men durch die Coro­na­kri­se und die damit vor­an­ge­trie­be­ne Digi­ta­li­sie­rung des All­tags­le­bens zuneh­mend spürbar.

Dadurch bleibt auch der Rand der Gesell­schaft von den jüngs­ten Tech-Erup­tio­nen nicht unbe­rührt. Fol­ge­rich­tig dreht sich ein Groß­teil der Dis­kus­si­on im ers­ten Pod­cast aus Schnell­ro­da im neu­en Jahr um die neue Stra­te­gie des Estab­lish­ments zum Unschäd­lich­ma­chen des poli­ti­schen Geg­ners: das Deplat­forming.


Wel­che Aus­wir­kun­gen die Coro­na-Kri­se und damit auch die Zunah­me der Digi­ta­li­sie­rung der Finanz- und Wirt­schafts­welt in einem sich gegen­sei­tig beschleu­ni­gen­den Pro­zeß auf die Öko­no­mie und damit auf die deut­sche Gesell­schaft haben, dar­über haben sich der Öko­nom Max Otte – bis Anfang die­ses Mona­tes noch im Stif­tungs­vor­sitz der AfD-nahen Desi­de­ri­us-Eras­mus-Stif­tung tätig – und der libe­ral­kon­ser­va­ti­ve Publi­zist Roland Tichy in einem inter­es­san­ten Gespräch ausgetauscht.

Inter­es­sant des­halb, weil Otte die Wirk­me­cha­nis­men digi­ta­ler Ver­flüs­si­gung kun­dig aus­leuch­tet und damit den Pro­zeß nach­zeich­net, den der Uni­ver­sal­his­to­ri­ker Rolf Peter Sie­fer­le in Rück­blick auf die Natur wie folgt beschrieb:

In dem alten sub­stan­zi­el­len Sin­ne exis­tiert (…) kein Geld mehr (…). Was für das Geld gilt, gilt für fast alle Ele­men­te der Wirk­lich­keit inner­halb der Trans­for­ma­ti­ons­zeit. Es gibt in ihr nichts Fes­tes mehr, son­dern alles ist flüch­tig, vor­läu­fig, abs­trakt und bewegt sich unbe­kann­ten Hori­zon­ten ent­ge­gen. Nichts kann in die­sem dyna­mi­schen Gefü­ge mehr Sicher­heit ver­lei­hen. Es gibt kei­ne Rück­zugs­po­si­tio­nen, kei­ne sta­bi­len Orte, in denen man sich Zugrif­fen durch die Sys­te­me ent­zie­hen könn­te. Jeder ist ange­schlos­sen, gleich­ge­schal­tet, homo­ge­ni­siert, und eben der Sys­tem­cha­rak­ter die­ser Nivel­lie­rung begrün­det die eigen­tüm­li­che indi­vi­du­el­le Frei­heit, wel­che die­se Epo­che kennzeichnet.

Sezes­si­on-Kol­le­ge Bene­dikt Kai­ser berich­te­te bereits in sei­ner neu­en Kolum­ne »Sam­mel­stel­le in der Sturz­flut des Gedruck­ten« hier über die gedruck­te Ver­si­on die­ser Unter­hal­tung. Jedoch wur­de der Aus­tausch zwi­schen Otte und Tichy auch auf Film fest­ge­hal­ten. Hier einschalten:


Die »Flüch­ti­ge Moder­ne« (Zyg­munt Bau­mann) im Kon­text »Big Tech« wei­ter fokus­sie­rend ist der Blick auf das zu kon­zen­trie­ren, in dem alle hier in Form von Fund­stü­cken dar­ge­leg­ten Strän­ge zusam­men­lau­fen: die Vier­te Indus­tri­el­le Revolution.

Die­ser Ter­mi­nus wur­de spe­zi­ell vom Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler und Grün­der des Welt­wirt­schafts­fo­rums in Davos, Klaus Schwab, durch sei­ne gleich­na­mi­ge Publi­ka­ti­on Die Vier­te Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on aus dem Jahr 2016 popu­la­ri­siert. Schwab klas­si­fi­ziert dar­in die­se neue Wel­le indus­tri­el­ler Revo­lu­ti­on als eine Trans­for­ma­ti­on gan­zer Sys­te­me, die »über Län­der, Unter­neh­men und Bran­chen hin­weg sowie durch die Gesell­schaft ins­ge­samt«, erfolgt.

Sie »basiert auf der digi­ta­len Revo­lu­ti­on und ver­knüpft viel­fäl­ti­ge Tech­no­lo­gien, die zu bei­spiel­lo­sen Para­dig­men­wech­seln in der Wirt­schaft, in der Gesell­schaft, aber auch in der indi­vi­du­el­len Lebens­ge­stal­tung füh­ren. Sie ändert nicht nur, was wir tun und wie wir es tun, son­dern auch, wer wir sind.« Schwabs Inten­tio­nen bei der Beein­flus­sung die­ses Pro­zes­ses und die Hoff­nun­gen, die er an ihn knüpft, sind ein ins Posi­ti­ve gewan­del­tes Abbild des­sen, was Sie­fer­le an ihnen problematisierte:

Je ein­ge­hen­der wir uns mit der Fra­ge befas­sen, wie wir die­se tech­no­lo­gi­sche Revo­lu­ti­on nut­zen kön­nen, umso gründ­li­cher wer­den wir uns selbst und die Gesell­schafts­mo­del­le, die die­se Tech­no­lo­gien ver­kör­pern und ermög­li­chen, hin­ter­fra­gen, und des­to eher wer­den wir in der Lage sein, die Revo­lu­ti­on in einer Wei­se zu gestal­ten, die dem glo­ba­len Gemein­wohl dient.

Es ist nicht die Auf­ga­be eines ein­zel­nen Sta­ke­hol­ders oder Sek­tors, einer ein­zel­nen Regi­on, Indus­trie oder Kul­tur, die Vier­te Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on so zu gestal­ten, dass sie den Ein­zel­nen ermäch­tigt und den Men­schen in den Mit­tel­punkt stellt, statt spal­tend und ent­mensch­li­chend zu wir­ken. Die fun­da­men­ta­le und glo­ba­le Natur die­ser Revo­lu­ti­on bedeu­tet, dass sie sich auf alle Län­der, Volks­wirt­schaf­ten, Sek­to­ren und Men­schen aus­wir­ken und ihrer­seits von die­sen beein­flusst wer­den wird.

Daher kommt es ent­schei­dend dar­auf an, dass wir Auf­merk­sam­keit und Ener­gie in die Zusam­men­ar­beit ver­schie­de­ner Sta­ke­hol­der inves­tie­ren, über wis­sen­schaft­li­che, sozia­le, poli­ti­sche, natio­na­le und Sek­to­ren­gren­zen hin­weg. Die­ses Zusam­men­wir­ken und ‑arbei­ten ist not­wen­dig, um gemein­sa­me, posi­ti­ve und hoff­nungs­vol­le Nar­ra­ti­ve zu kre­ieren, die Indi­vi­du­en und Grup­pen aus allen Tei­len der Welt dazu befä­hi­gen und anspor­nen, an den Trans­for­ma­tio­nen mit­zu­wir­ken und von ihnen zu profitieren.

Indi­vi­du­el­le Eman­zi­pa­ti­on, Diver­si­tät, »Fort­schritt«; Schwab zele­briert die Auf­lö­sung aller Din­ge und die Ein­bet­tung des Ver­ein­zel­ten in ein homo­ge­ni­sier­tes Sys­tem glo­ba­len Aus­ma­ßes. Sein beson­ders aus der »Querdenken«-Bewegung her­aus kri­ti­sier­ter, von der Coro­na-Kri­se inspi­rier­ter Nach­schlag The Gre­at Reset, bil­det dabei nur die strin­gen­te Fort­füh­rung die­ser Ideen.

Bene­dikt Kai­ser cha­rak­te­ri­siert indes den Schwab­schen Impuls – der nicht nur ihn, son­dern etli­che sei­ner Zunft aus­zeich­net – in sei­nem Arti­kel »Der Geist der Tech­nik und die Macht der Daten« (hier lesen) in der Sezes­si­on 78 folgendermaßen:

Dabei ver­lo­ren die erfolg­rei­chen Unter­neh­mer, die von Start-up-Moto­ren zu Kon­zern­lei­tern wur­den – ob nun bei­spiels­wei­se Mark Zucker­berg (Face­book), Ste­ve Jobs (Apple) oder Peter Thiel (PayPal) – nie ver­meint­lich oder tat­säch­lich phil­an­thro­pi­sche Ziel­set­zun­gen aus dem Auge. Wohl­tä­tig­keits­si­mu­la­tio­nen spie­len bis heu­te eine gro­ße Rol­le für die Kon­zern­rie­sen, und es sind nur vor­der­grün­dig die Mil­lio­nen- oder gar Mil­li­ar­den­spen­den, die das bele­gen. Viel stär­ker als Spen­den­be­reit­schaft für sozia­le Zwe­cke ist es der grund­sätz­li­che Welt­ver­bes­se­rer­im­puls, der den digi­ta­len Kapi­ta­lis­mus stützt.

Um die­se sozio-tech­ni­sche Gro­ß­ent­wick­lung unse­rer Gesell­schaf­ten west­li­cher Pro­ve­ni­enz zu ver­an­schau­li­chen, hilft ein Blick auf die schon jetzt direkt erfahr­ba­ren Aspek­te die­ser sich ankün­di­gen­den bzw. bereits ange­lau­fe­nen Revo­lu­ti­on in unse­rem Leben. Ran­ga Yogeshwar hat das für die ARD unternommen:

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Kommentare (18)

anatol broder

23. Januar 2021 11:32

Unmengen an Daten, […] die wir ihnen sogar noch freiwillig zur Verfügung stellen.

wenigstens verspricht die datenschutzrechtliche erklärung auf sezession im netz, dass meine daten nie an dritte gehen. wäre ich vom fach, dann könnte ich es nachprüfen. so bleibt mir nur blindes vertrauen.

Laurenz

23. Januar 2021 13:52

@Anatol Broder

Auf der SiN wird noch nicht mal Werbung geschaltet, ein extremer Luxus, der mutmaßlich aus der erfolgreichen "Nischen-Tätigkeit" des Antaios-Verlages gespeist wird. Insofern ist die SiN, wenn, nur Werbe-Träger dafür. Und wer wollte sich schon die eigene potentielle Kundschaft abspenstig machen? Und wie Sie am Ibiza-Video feststellen können, hat die Rechte keine Groß-Sponsoren.

@JS

Wenn Sie im Zusammenhang Ihres Artikels Veröffentlichungen von Tichys posten, wäre der revolutionäre Ansatz von Tichys-Artikeln vielleicht sinniger. Aber bitte nicht falsch verstehen, es ist nur ein Vorschlag meinerseits. https://www.tichyseinblick.de/video/5-vor-12/wann-kommt-der-blackout/

Das ist für mich der Beweis, daß es keine echten Terroristen gibt. Echte Terroristen oder Revolutionäre würden die anfällige westliche, Energie-poltische Infrastruktur lahmlegen, was den Supergau für Tech-Konzerne und asoziale Medien darstellen würde.

Volksdeutscher

23. Januar 2021 14:51

Es ist beinahe (oder wirklich?) dämonisch, was bereits technisch möglich ist. Das Dämonische der Hochtechnologie wird durch die Phantasie noch weiter gesteigert, wenn man sich überlegt, wohin ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten führen könnten. Ich denke jedoch, daß der Vorsprung linker Plattformen wie Twitter, Google, Facebook nicht von Dauer sein werden. Schon jetzt zeichnen sich Abwehrreaktionen ab. Nachdem Parler von Twitter abgeschaltet wurde, wurde gleichzeitig die Notwendigkeit der Ausweitung rechter Plattformen angedacht, um sich aus der tödlichen Umarmung des Kraken zu befreien. Der unmittelbare Austausch zwischen Links und Rechts ist damit zunächst einmal lahmgelegt, die Brunnen sind vergiftet. Dies könnte vorübergehend sogar notwendig sein, sich jedoch langfristig von selbst erledigen, nachdem sich die Beziehungen konsolidiert haben. Wir wissen nicht, wie sich die Geschichte der Tech-Giganten weiter gestaltet. Der Fall ihrer Aktien um 15-25 Prozent nach der Zensurorgie kann je nach Böreninterpret als viel, wenig oder hinnehmbar gedeutet werden. Ist es der Anfang ihres existenziellen Falles oder bleibt es (vorerst) dabei?

Der Joseph

23. Januar 2021 16:56

Ich empfehle den Raskolnikow-Artikel in der Kehre und danach das Video von Rangar Yogeshwar. Wenn Raskolnikow recht hat, vollzieht sich gerade die Umsetzung der Vision(Systems) der Kybernetiker. Eine Gesellschaft, die gesteuert und geregelt werden soll.
Das Kapital haben die Firmen selbst bzw. die Investoren verdienen immernoch prächtig. Warum sollten die Demokraten in Amerika den Big Tech Stress machen, wo man doch gemeinsam gegen den Orange Man gekämpft hat?
Die EU ist für Lobbyisten perfekt. Da kann man voll draufhalten. Muß man sich nicht mit vielen widerstreitenden Interressen der Parlamentarier in den einzelnen Nationalstaaten auseinandersetzen. Google führt die Liste hier an.
Und gegen Steuern und Regeln der Gesellschaft haben die Bürokraten in Brüssel bestimmt auch wenig einzuwenden.
Insgesamt sehe ich mehr gemeinsame Interressen der aktuellen Regierungen mit Big Tech als 
Gegensätze.

anatol broder

23. Januar 2021 19:36

@ volksdeutscher 14:51

parler wurde nicht von twitter, sondern von amazon abgeschaltet. twitter meldete dafür vor einem monat, dass sie nun amazons infrastruktur nutzen werden. somit könnte amazon auch twitter abschalten, sollte der blaue vogel plötzlich des teufels werden.

Gelegenheitsleser

23. Januar 2021 19:39

China lässt grüßen, ...

 

@Volksdeutscher

Nur um es kurz richtig zustellen. Parler hatte die Server von ABS ( Amazon Web Services) benutzt und wurde also von Amazon abgeschaltet, nachdem Google (Alphabet) und Apple die Parler-App jeweils aus ihren App-Stores entfernt haben. Auf das juristische Nachspiel bin ich gespannt, auch oder besser grade als Amazon-Aktionär. Bei der Parler-Abschaltung wurden ja offensichtlich Verträge verletzt. Einen Anfang des Endes der Tech-Giganten sehe ich nicht. Was droht schon im schlimmsten Falle? Die Zerschlagung der Unternehmen? Ob eine Zerschlagung der Unternehmen wie Amazon am Ende nicht sogar noch wertsteigernd sich auswirken?

@ KlausD.

Ich bedanke mich für die Links. Aber ich muss sagen, das Digitale ist doch nicht das Wahre. Wenn ich mich an die Caravaggio Ausstellung in Düsseldorf zurückerinnere. Der Bildschirm ist eben doch nur ein Bildschirm. Aber in der gegenwärtigen Lage, nimmt man doch gern auch damit vorlieb.

Volksdeutscher

23. Januar 2021 22:24

@Gelegenheitsleser - "Einen Anfang des Endes der Tech-Giganten sehe ich nicht."

Das sehe ich auch nicht. Ich schließe es aber nicht aus, daß in unserer sich schnell ändernden Welt ein Unternehmen, das sich verkalkuliert oder sich übernimmt, von heute auf morgen untergehen oder zumindest große Verluste erleiden kann. Wer hätte die Wertminderung der Aktien von den Tech-Giganten vorausgesehen, ehe sie nicht die Konten von Donald Trump gelöscht haben? Auch sie selbst nicht. Aber heute wissen wir´s. Wir wissen, daß dies möglich ist und auch sie wissen, daß man imstande und bereit ist, ihrem Größenwahn und ihrer Arroganz Grenzen zu setzen.

Volksdeutscher

23. Januar 2021 22:26

@anatol broder - Falls das stimmt, dann sind entweder meine Informationen falsch oder ich habe mich verlesen. In diesem Krieg schießt jeder auf jeden, so kommt es mir vor. Sehr verwirrend alles.

RMH

24. Januar 2021 12:35

Die Türken setzen jetzt auf eigene Messengerdienste:

Türkei: Recep Tayyip Erdogan nimmt WhatsApp ins Visier - DER SPIEGEL

 

 

 

RMH

24. Januar 2021 13:44

Dieses Urteil des AG Weimar wird in den Hauptmedien totgeschwiegen.

AG Weimar, Urteil vom 11.01.2021 - 6 OWi - 523 Js 202518/20 - openJur

Man darf gespannt sein, wie die höheren Instanzen (die Staatsanwaltschaft hat Rechtsmittel eingelegt) dagegen argumentieren werden.

Respekt an diesen Amtsrichter, der sich wirklich Mühe gemacht hat, einmal eines dieser widerlichen, maßlosen und überzogenen Bußgelder im Sinne des Bürgers wegzubekommen. Mehr als Amtsrichter wird er wohl nicht mehr werden, aber gerade solche Einzelrichter, die auch einmal gegen die herrschende Meinung angehen, braucht ein Rechtsstaat, damit er am Leben bleibt.

Gelegenheitsleser

24. Januar 2021 17:15

@ Volksdeutscher

Ich denke es ist wohl das Wesen eines jeden Unternehmens, dass es Verluste einfährt oder bankrott macht wenn es sich verkalkuliert. So sollte es zumindest sein, auch wenn die herrschenden Eliten alles daran setzen solche fundamentalsten Marktmechanismen außer Kraft setzen zu wollen. Wohin dies führen wird werden wir wohl noch zu unseren Lebtagen sehen. Aber ich befürchte ich kann Ihnen nicht ganz folgen. Von welcher Wertminderung reden wir hier und von welchen Grenzen? Nährt die Hausse nicht grade noch die Hausse und die Aktien notieren nahe ihrer Allzeithochs? Was lässt Sie zu dem Schluss kommen, dass den Tech-Giganten Grenzen gesetzt werden? Ich sehe nichts dergleichen.

Volksdeutscher

24. Januar 2021 18:04

@ Gelegenheitsleser - Ich werte den Fall der Aktien mancher Tech-Giganten als restriktive Reaktionen auf deren Arroganz.

https://www.deraktionaer.de/artikel/medien-ittk-technologie/chart-check-twitter-mit-25-prozent-absturz-wie-weit-faellt-jetzt-die-aktie-20219997.html

https://www.businessinsider.de/tech/grafik-zeigt-der-boersen-absturz-der-tech-giganten-koennte-erst-der-anfang-sein-2018-11/

Darüber kann man sich schon Gedanken machen.

Laurenz

24. Januar 2021 23:25

@Gelegenheitsleser @ Volksdeutscher

Werter Gelegenheitsleser, Ihre Sicht auf die Aktien- oder Immobilienmarkt ist, mit Verlaub, vollkommen falsch. Die aktuellen Dax-Werte sind im Wert gesunken, Automobil-Branche mindestens 25% und insgesamt das BSP/GDB mindestens minus 8%. Was Sie an den Aktienbörsen an hohen Kursen oder bei Immobilien an hohen Preisen sehen, ist die reine Abbildung der aktuellen Inflation.

 

 

RMH

25. Januar 2021 09:44

@Laurenz,

Danke für den richtigen und wichtigen Hinweis. Wir haben seit langem eine Vermögensinflation, die aber konsequent unter dem Deckel gehalten wird, sprich möglichst nicht thematisiert werden darf.

Gelegenheitsleser

25. Januar 2021 10:40

@ Volksdeutscher

Ich danke Ihnen für die Links, ich denke mir ist klar geworden, worauf Sie hinauswollen. Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass man sich darüber Gedanken machen kann. Ich befürchte am Ende gilt an den internationalen Finanzmärkten zum Schluss doch nur die  Devise: pecunia non olet. Und solange die Arroganz dieser Unternehmen nicht der Erwartungshaltung der Hochfinanz entgegenläuft sind solche Kursbewegungen wie im Fall von Twitter wohl eher der Marktvolatilität zuzuschreiben, als irgendwelchen humanistischen Anwandlungen.

 

@Laurenz

Vielleicht hätte ich noch einmal explizit ein "Tech" vor "die Aktien" setzen sollen. Schauen Sie sich die Entwicklung des Nasdaq-100 oder selbst des S&P500 und nicht die des Dax an. Unbenommen, diese Entwicklungen wären wohl kaum ohne die geldpolitischen Maßnahmen unserer Zentralbanken denkbar. Von der Realwirtschaft, ich denke da werden Sie mir zustimmen, haben sich die Finanzmärkte doch schon längst verabschiedet. Der Realitätsverlust ist in der heutigen Zeit wohl leider ein nur allzu verbreitetes Phänomen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Der Kater wird kommen.

Lotta Vorbeck

25. Januar 2021 10:45

@RMH - 25. Januar 2021 - 09:44 AM

"Danke für den richtigen und wichtigen Hinweis [an Laurenz]. Wir haben seit langem eine Vermögensinflation, die aber konsequent unter dem Deckel gehalten wird, sprich möglichst nicht thematisiert werden darf."

---

Vermögensinflation = verdeckte Enteignung

Diese Vermögensinflation wurde von denen, die das System steuern, ebenso unausgesprochen wie gezielt, herbeigeführt.

Hinzu kommt, daß ebenfalls unausgesprochen, die hiesige Autoindustrie in Begriff ist, über den Jordan zu gehen. Etwa 25% von der aktuellen Basis der BRD-Ökonomie sind allein damit (politisch gewollt) zum Abschuß freigegeben.

Laurenz

25. Januar 2021 10:55

@RMH (1)

Hatte diese Thematik schon desöfteren angesprochen.

Die politisch gewünschte Inflation ist eine indirekte Steuer um die Staatsschulden Eurolands abzutragen. Ist nur weniger negativ publikumswirksam als direkte Steuern.

Bislang rechneten die Vermögensverwaltungen mit einer wohlmeinenden Inflation von 4%, gehen aber davon aus, daß sie dieses Jahr steigen wird. (Bleibt der Ladenschluß oder Lockdown, gehen die Analysten davon aus, daß der Bund im September zahlungsunfähig wird.) Hierbei ist zu berücksichtigen, daß das Statistische Bundesamt Wohnungs-Mieten nur mit 7,5% im Warenkorb anrechnet, was natürlich absurd ist. Für die Sparer ist das natürlich bitter. Wir haben, aufgrund des Ladenschluß', aktuell die höchste Sparquote aller Zeiten. Bleibt die Inflation so, ist das Geldvermögen in 10 Jahren nicht mal mehr die Hälfte der jetzigen Kaufkraft wert. Vermögensverwaltungen gehen aber davon aus, daß der permanente Ladenschluß dieses Jahr aufgehoben wird. Das hat natürlich eine höhere Inflation zur Folge. Ein drittel der Gewerbetreibenden sind pleite, Flugzeug-Flotten reduziert, das heißt, die noch vorhandenen Kapazitäten werden bei steigender Nachfrage höhere Preise durchsetzen können, natürlich damit verbunden höhere Mieten, höhere Aktienkurse, höhere Ticket-Preise. Ausnahmen werden, am Umsatz gemessen, zB der irrelevante Buchmarkt sein.

Laurenz

25. Januar 2021 12:14

@Gelegenheitsleser @Laurenz

Wollen Sie es nicht verstehen? (Ich habe über 15 Jahre als Händler im Kapitalmarkt "gearbeitet".)

Ihre sogenannten Tech-Unternehmen des Nasdaq produzieren doch fast nichts selbst, sondern lassen produzieren. Selbst die großen Läden leben doch fast ohne Substanz. Die Erwartungshaltungen, die in den Kursen bereits implementiert sind, basieren darauf, daß die Politik weiterhin gezwungen sein wird, "unendliche" Liquidität in die Märkte zu pumpen, was nichts anderes als Inflation bedeutet. Sie, Gelegenheitsleser, tun so, als würde die Produktivität steigen (, irgendwelche Märkte "größer werden", Wirtschaftswachstum entstehen), was sie doch gar nicht tut, außer in China von 1-2%. An Ihrer Stelle würde ich einfach die Finger von solchen Dingen lassen und Aktien-Fonds kaufen, ein Angebot, was die Inflationsverluste auf ein überschaubares Maß (relativ sicher) reduziert. Sie erinnern mich an die Taxi-Fahrer, die einem erzählen wollen, welche Werte man gerade im Depot haben muß.

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