27. Februar 2021

Netzfundstücke (78) – Miteinander, Kositza, Mishima

Jonas Schick / 7 Kommentare

Postengeschacher, linker Klüngel, Antifa – Miteinander e.V.!

Linke Umtriebe standen im Fokus der letzten Fundstücke (siehe »Netzfundstücke (75) – Wahn, Telegram, Linksextremismus« und »Netzfundstücke (77) – Feuerteufel, Wissenschaft, Verriß«) und auch für die vorliegenden drängen sie sich erneut in den Mittelpunkt.

Denn dem Bürgernetzwerk Ein Prozent e.V. liegen interne Dokumente des Miteinander – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V. vor, die offenlegen, wie stark der sich krampfhaft als »neutral« darstellende Verein, in linke Parteistrukturen eingebunden ist bzw. führende Persönlichkeiten von SPD, Grüne und LINKE wesentliche Ämter im Verein begleiten und seine Arbeit bestimmen.

Überblickt man die Causa, so entfaltet sich vor einem ein weitgespanntes Netz mit etlichen Verzweigungen in Parteien, Gewerkschaften bis hinein in die Evangelische Kirche: DGB-Protagonisten, die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. oder der Pfarrer Curt Stauss – beim Miteinander e.V. treffen sich die typischen Akteure der »Zivilgesellschaft«.

Gefördert wird der Verein vom Land Sachsen-Anhalt und ist in seiner derzeitigen Form (Personalbesetzung/Unterhaltung mehrerer Büros etc.) auch nur durch die Finanzierung mit Steuergeldern existent und überlebensfähig. Derweil zieht er konsequent gegen alles zu Felde, was auch nur den leisesten Hauch einer politischen Positionierung rechts der Mitte erkennen läßt.

Insbesondere die AfD und »Schnellroda« hat sich der Verein dabei als Lieblingsziele auserkoren, die das Miteinander-Projekt der »offenen Gesellschaft« in Sachsen-Anhalt zu bedrohen scheinen. In Anbetracht der Verstrickungen mit linken Parteien gewinnt dieser Feldzug insofern an besonderer Brisanz, als sich der Verdacht aufdrängt, daß hier ein Verein als Mittel verwendet wird, um gerade im Fall der AfD die unliebsame parlamentarische Konkurrenz zu beschädigen und nachhaltig zu diskreditieren.

Darüber hinaus fungiert der Verein als über Steuergelder aufgeblasenes Sprachrohr, das den engen Meinungskorridor linken Demokratieverständnisses unter dem Deckmantel der Neutralität als Norm zu etablieren sucht. Anders formuliert: Der Miteinander e.V. spielt eine wesentliche Rolle in der Herstellung und Aufrechterhaltung kultureller Hegemonie der Linken im Land Sachsen-Anhalt.

Zusätzlich pikant sind die Verbindungen des Vereins zu linksextremen Akteuren wie beispielsweise der Antifa-Photographin Stephanie Heide, die zeitweise für Miteinander arbeitete (Ein Prozent berichtete hier über die zweifelhafte Photographin). Alles in allem kann das Geflecht »Miteinander« als ein Paradebeispiel für den staatlichen Förderkomplex im »Kampf gegen Rechts« gelten.

Zum exklusiven Miteinander-Leak mit allen Hintergründen geht es hier auf dem Ein-Prozent-Blog.


Sezession-Literaturredakteurin Ellen Kositza hat wieder geschmökert und präsentiert daher gleich zwei Titel in ihrer Buchvorstellungsreihe auf dem kanal schnellroda. Den ersten könnte man der Kategorie »Ratgeberliteratur« zuordnen, wohingegen der zweite Titel eine liebevoll gestaltete Schatzkammer an Lyrik und Briefen aus der Renaissance zwischen seinem Einband vereint.

Beim »Ratgeber« handelt es sich um Daniel Plassnigs und Philipp Karaschs Träumer, Kämpfer, Gentleman – Eine Männerfibel, in dem die beiden Autoren anhand historischer Persönlichkeiten einen Wegweiser zum Mannwerden geben.

Es dreht sich um: Vaterschaft, Identität, Tapferkeit, Stolz, Ordnung, Freiheit, Friedensliebe, Freundschaft, Vaterlandsliebe, Ritterlichkeit, Sexualität, Schönheit, Körper und Sport, Gemütshaltung, Konsequenz, Verantwortung, Vergebung, Sehnsucht, empfohlene Lektüre und Gebete.

Hier geht es zur Vorstellung:

Die Schatztruhe ist derweil mit Welt der Renaissance überschrieben und entstammt der Feder Tobias Roths bzw. ist das Ergebnis seiner Selektion und Übersetzungen. Man findet im Band Liebesgedichte Petrarcas, erotischer Lyrik von Kardinälen und Staatsoberhäuptern, Spekulationen über den Seeweg nach Osten, Thesen über weiße Magie und noch vieles mehr.

Dabei steht Schönes neben Obszönem, vergleichsweise Einfacheres neben Besonderem, wodurch die Epoche als Ganzes greifbar wird:

Natürlich können Sie beide Bände beim größten konservativen Versandbuchhandel, Antaios, bestellen.

Hier erhalten Sie Daniel Plassnigs und Philipp Karaschs Träumer, Kämpfer, Gentleman – Eine Männerfibel.

Und hier finden Sie Tobias Roths Welt der Renaissance.


Im November letzten Jahres jährte sich der Todestag des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima zum 50. Mal. Auch auf dem kanal schnellroda beschäftigte man sich am Rande der Gesellschaft anläßlich seines sich jährenden rituellen Freitods hier mit dem Autor, der aus einer politischen Perspektive für die Rechte speziell wegen seiner späten Hinwendung zu traditionalistischen Ideen von Bedeutung ist.

Japans Niedergang und der damit verbundene US-amerikanische, westliche Einfluß auf das Land der untergehenden Sonne, machte dem Schriftsteller zu schaffen. Er attestierte Japan einen Verlust der Schönheit, für ihn einer der wesentlichen Aspekte des Lebens, den er der Verwestlichung zuschrieb.

Mishimas enger Freund und einer seiner Biographen, der britische Journalist Henry Scott-Stokes, zitierte den »letzten Samuarai« wie folgt:

Japan hat seine spirituellen Traditionen verloren und wurde vom blanken Materialismus eingesogen. Japan ist verflucht von einer grünen Schlange. Die grüne Schlange beißt tief in seine Brust. Es gibt keine Möglichkeit diesem Fluch zu entkommen.

Da entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, daß ihm mit dem Regisseur Paul Schrader gerade ein US-Amerikaner ein filmisches Denkmal setzte. Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln rekonstruiert aus Inszenierungen Mishimas literarischer Arbeiten und Rückblenden ein außergewöhnliches Portrait des Künstlers. Dabei gliedern sich die filmischen Kapitel in »Schöhnheit«, »Kunst«, »Kampf« und »Harmonie von Feder und Schwert« auf.

Mit einer für Hollywood atypischen Erzählstruktur und Darstellungsweise schafft Schrader ein Kunstwerk, an dem vielleicht auch Mishima Gefallen gefunden hätte. Der Film steht noch bis zum 16. März in der ARTE-Mediathek:



Kommentare (7)

Laurenz

27. Februar 2021 12:28

@JS

Besser, der Feind redet schlecht über uns, als daß gar niemand über uns spricht.

Heinrich Loewe

27. Februar 2021 12:53

Der Mann heißt offenbar Tobias Roth,  nicht Thomas. -

Trägt dieser Mishima noch irgend etwas aus heute? Sollte man sich bei sezession nicht lieber mal fragen, warum ausgerechnet in dem ach so verächtlich betrachteten Amerika ein populistischer Präsident ins Amt kommen konnte? Der auch noch außerordentlichen Erfolg für die kleinen Leute mit seiner Politik vorweisen konnte. Der nach vier Jahren eine quicklebendige, junge, über alle Ethnien hinweg gegen das globalistische Establishment vereinte Graswurzel-Volksbewegung hinterlassen hat.

Ich kann nur hoffen daß hier ein -wie immer treffender- Bericht von Lichtmesz zu CPAC kommt.

Tut mir leid, ich finde mich hier zunehmend nicht mehr wieder. Kann man machen: Sich ewig und ins Kleinste detailliert mit der Vergangenheit beschäftigen. Aber dann bitte nicht wundern, wenn man dauerhaft in der Parallelgesellschaft verbleibt.

HerrLandei

27. Februar 2021 14:20

Der Film steht noch bis zum 16. März in der ARTE-Mediathek

Unter Zuhilfenahme des formidablen Programmes "Mediathekview 13.7.1 (kostenlos im Netz) kann man sich nicht nur diesen Film, sondern das gesamte Angebot der ÖR-Mediatheken in HD auf den Rechner laden. Legal, da Grauzone. Und mit der obigen Version klappt es auch wieder bei ARTE (die hatten kurzzeitig eine Sperre programmiert, aber im Moment im Wettkampf  mal wieder verloren). Das Programm lohnt sich wirklich!

https://mediathekview.de/

Pferdefuss

27. Februar 2021 19:57

@ Heinrich Loewe

Seien Sie weniger streng mit Sezession im Netz, ich bitte Sie!

Wenn wir Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft nicht nur als Tradition, sondern als Zeit-Raum-Metaphysik Metapher denken, dann gehört Mishima, wie auch immer  kulturell sperrig und entfernt, dazu.

Persönlich erreicht mich der Mishima-Kult nicht. Ich sehe jedoch, dass das Gewicht auch auf aus eigenem Kulturkreis stammende Gestalten, die diese Spannung zwischen Sprache und Handeln, Kunst und Kampf, Feder und Schwert, Ritual und Chaos verkörpern, gelegt wird. Schrader, Coppola gehören dazu, auch die japanische Samurei-Tenno-Treue im Vergleich mit der deutschen Nibelungen-Kaiser-Treue.  

Wenn man erleben muss, dass sich jegliche Politiker der ersten Reihe nur von Verlautbarungen, Wiedergekäutem, Pressespiegeln, Vorlagen, Gesetzesvorlagen, Talkshows, in denen sie selber auftreten, Reden, die sie selber halten, ernähren, steht es uns gut zu Gesicht, Mishima/Schrader/Coppola 'Ein Leben in vier Kapiteln', im gleichem Atemzuge Daniel Plasnik, Philipp Karasch 'Träumer, Kämpfer, Gentleman'  und/oder 'Thomas Roth 'Welt der Poesie' als Angebot zu verstehen. 

Ausschließlich Tagespolitik zu 'verfolgen' - dieses Wort ganz schön doppeldeutig  - ist nicht nur langweilig, man hechelt doch immer nur hinterher.   

RMH

27. Februar 2021 21:31

"Ausschließlich Tagespolitik zu 'verfolgen' - dieses Wort ganz schön doppeldeutig  - ist nicht nur langweilig, man hechelt doch immer nur hinterher."

Eben, deswegen ist der metapolitische und kulturelle Ansatz richtig und hier liegen klar die Stärken von Sezession.

Der Schrader Film über Mishima ist sehenswert. Das war noch die Zeit, wo man mit Kino tatsächlich auch Kunst machen wollte. Lange her.  

Herold

28. Februar 2021 14:12

Bezugnehmend auf Herrn Landei:

Ich empfehle das sehr nützliche Programm jDownloader 2.0, das neben den Mediatheken insbesondere auch Youtube unterstützt. Das Programm kann die Zwischenablage überwachen und untersucht kopierte Links im Hintergrund auf Downloads. So kann man praktisch und ohne größeren Aufwand jederzeit eine Sicherheitskopie einer Ressource anlegen - in der Zeit umfangreicher Löschorgien ein unbedingtes Werkzeug im Arsenal des Sezessionisten.

Maiordomus

1. März 2021 10:37

@Jonas. In Sachen "Mann" u. "Männerforschung" möchte ich Website "Manndat" empfehlen. Ein wegweisendes Buch, zivilisationskritisch, war in meinen jungen Jahren Joachim Bodamers "Der Mann von heute", der als Alternative zu Freud Jean Paul empfahl. Und nichts gegen den Immerwieder-Bezug auf Mishima, dessen japanisch "rechtsexistentialistisches" Profil mich seit dem Film vor ca. 40 Jahren begleitet. Den vielleicht grössten Reichtum aus dem japanischen Geistesleben könnten wir einerseits dem Werk des Philosophen Shizuteru Ueda (gest. 2019) entnehmen, über dessen erkenntnisfrohes Buch "Die Gottesgeburt in der Seele" betr. Meister Eckhart ich erstmals im Leben die Substanz des dynamisch-personalen dreifaltigen westlichen Gottesbegriffs verstehen lernte (ein Gebiet, wo "wir" eigentlich Analphabeten sind) und endlich den Filmemacher Akira Kurosawa, der in Sachen Männergestalten Hollywood wohl um Welten überragt, vgl. "Derzu Uzala" und  seine Samurai-Filme. Die Eingangsszene von "Night on earth" mit dem Regenbogen regte mich mal zu einem hoffentlich gelungenen "filmisch" wirkenden Buchanfang an. 

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