7. Juni 2021

Israel und Demographie (4)

Martin Lichtmesz / 48 Kommentare

Am 23. 9. 2015, im Monat der Merkel'schen Grenzöffnung, äußerte der deutsch-israelische Historiker  Michael Wolffsohn:

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

"Migration ist ein Geschenk des Himmels", und böte eine "Lösung oder zumindest Milderung des demographischen Problems" Deutschlands:

Es kommen in Deutschland und Westeuropa weder genügend Kinder zur Welt, noch kommen genügend Einwanderer. Wir haben also ein demographisches Defizit. Darum werden wir unseren Lebensstandard auf Dauer nicht halten können. Jetzt kommen diese viele Menschen. Das mag manchen gefallen und manchen nicht. Aber sie lösen das schwerwiegende demographische Problem der Bundesrepublik. Zumindest mildern sie es.

Das ist natürlich exakt die Ideologie der "Ersetzungsmigration" (replacement migration), die davon ausgeht, daß die Bevölkerung eines Landes durch jede beliebige Fremdbevölkerung ersetzt (oder "ausgetauscht") werden kann, eine Annahme, die der konstitutiven Bevölkerungspolitik Israels diametral entgegengesetzt ist.

Angesprochen auf das Problem, daß hier nun vorrangig Muslime kommen, äußerte Wolffsohn die Hoffnung, daß sich diese mit der Zeit sozusagen akklimatisieren, also liberalisieren, säkularisieren und "eine Entwicklung hin zu einem Reformislam anbahnen" werden.

2018, drei Jahre später, zeigte sich derselbe Wolffsohn in der Neuen Zürcher Zeitung nicht mehr ganz so "optimistisch" und beklagte den wachsenden Antisemitismus in Deutschland und Europa, verursacht durch "muslimische Zuwanderung", freilich ohne ein Wort darüber zu verlieren, daß er diese 2015 selbst enthusiastisch begrüßt hatte.

Wolffsohn (geboren 1947 in Tel Aviv) war übrigens bis 1984 sowohl deutscher als auch israelischer Staatsangehöriger, und sein Interesse daran, daß Israel ein "jüdischer Staat" bleibt, ist bis heute ungebrochen.

Am selben Tag wie das Wolffsohn-Interview erschien in der FAZ eine Ermutigung von Moshe Zimmermann, einem israelischen Historiker, und Shimon Stein, dem ehemaligen israelischen Botschafter in der Bundesrepublik, mit dem Titel "Was kann Europa von Israel lernen?"

Stein und Zimmermann versuchten darin, den Deutschen Ratschläge zu erteilen, wie man eine "Masseneinwanderung verkraften kann",  nicht ohne zu erwähnen, daß Europa im Gegensatz zum dicht besiedelten Israel noch eine Menge Platz übrig habe:

Als die Fachleute seit Ende des 19. Jahrhunderts über die zionistische „Lösung der Judenfrage“, also die jüdische Auswanderung nach Palästina debattierten, galt oft der Platzmangel für die Millionen Juden, die dorthin auswandern sollten, als das Hauptargument gegen die Plausibilität dieser Lösung. Unmöglich, lautete das Urteil. Doch in einem Land, in dem vor 100 Jahren etwa nur eine halbe Million Menschen wohnten, davon weniger als ein Drittel Juden, wuchs die Bevölkerung auf 12,5 Millionen Einwohner. Etwa acht Millionen Israelis, 1,7 Millionen davon arabische oder palästinensische Israelis sowie 4,5 Millionen Palästinenser in den besetzten Gebieten.

Die Bevölkerungsdichte eines Landes ist also eine äußerst flexible Gegebenheit. In diesem Sinne ist der gegenwärtige, relativ bescheidene Bevölkerungszuwachs in Europa, der durch die Flucht aus Süden und Osten verursacht wird, an und für sich noch kein Grund zur Panik.

Ich erspare mir hier die Wiedergabe der Argumentation im Detail, sondern merke lediglich an, daß Zimmermann und Stein in diesem Text gezielt die Tatsache herunterspielen, daß die "Masseneinwanderung" nach Israel nach 1948 trotz aller relativen "Buntheit" der Herkunftsländer gezielt nach ethnokulturellen Kriterien und demographischen Erwägungen erfolgte. Man liest darin Sätze wie diese:

Innerhalb von nur drei Jahren nach der Staatsgründung 1948 wuchs die Bevölkerung Israels von etwa 800.000 auf 1,7 Millionen Menschen. Die Mehrheit der Neueinwanderer kam aus Asien und Afrika.

Stein und Zimmermann verschweigen, daß diesem Bevölkerungszuwachs die Vertreibung von etwa 750,000 Arabern voranging, und sie vernebeln sprachlich, daß die Neueinwanderer keine "Asiaten" oder "Afrikaner" waren, sondern schlicht und einfach Juden aus Nordafrika und Vorderasien.

Wenn aber Deutschland und Europa Millionen von Arabern aufnehmen, betreiben sie das exakte Gegenteil der historischen Einwanderungspolitik Israels - sie stärken damit nicht die eigene ethnokulturelle Gruppe und Nation, sondern schwächen sie durch Fragmentierung.

Genau diese Bevölkerungspolitik Israels, entlang eines Volks-"Konstruktes" (wie sie es nennen), sollen die Deutschen und Europäer nach Stein und Zimmermann nicht nachmachen, sondern sich zu vielmehr zu Verfassungs- und Universalnationen à la USA umgestalten. Wo Israel die Masseneinwanderung benutzt hat, um einen Nationalstaat zu erschaffen, soll Europa durch Masseneinwanderung die Auflösung der Nationalstaaten im herkömmlichen ethnokulturellen Sinne bewirken:

Was Europa und Deutschland [aus der israelischen Einwanderungspolitik] lernen können, ist selbstverständlich nicht, eine neue Art von Volksgemeinschaft ethnischer Prägung einzuführen, sondern einen Rahmen zu konstruieren, der die Aufnahme und Integration dieser bunten Mischung von Einwanderern erlauben und verkraften wird. Hierfür ist eher Amerika ein Vorbild. (....)

Europa hat sich in der Vergangenheit mehrfach radikal verändert – die Reformation, die französische Revolution, der zweite Weltkrieg waren tiefe Einschnitte, haben jeweils eine neue Phase eingeleitet, die mit demographischen Wandlungen auch einhergingen. Wenn man es der Verfassung, nicht der ethnischen Zugehörigkeit, als Aufgabe zuweist, diese Wandlung zu meistern, ist auch der neue Versuch nicht zum Scheitern verurteilt.

Zu diesem Zweck sollen die Europäer einen „harten", aber nicht-ethnischen Kern" ihrer Kultur "definieren und markieren":

Ein Kern, der unabdingbar für die Einwanderer, inklusive aufgenommener Asylbewerber, Geltung haben muss: Toleranz, liberale Demokratie – all das, was unter Menschen- und Bürgerrechten verstanden und unter dem Begriff Verfassung subsumiert wird.

Etwas doppelzüngig erscheint diese Konzession an das liberale Publikum:

Diesbezüglich ist das israelische Modell eher eine Mahnung – wenn die Ethnie statt der Verfassungswerte zum bestimmenden Kriterium für Integration wird, auch wenn es scheinbar erfolgreich wirkt, ist es keine für Europa brauchbare Lösung. Leider auch nicht für die israelischen Araber oder für die in Israel Asylsuchenden.

Das ist ein schönes Lippenbekenntnis, aber wären Stein und Zimmermann wegen dieser Unpäßlichkeiten für Araber und Asylsuchende ernsthaft bereit, den ethnischen Kern der israelischen Nation aufzulösen und abzuschaffen? Vermutlich nicht. Deutschland und Europa wird diese ethnokulturelle "Veränderung" jedoch nahegelegt, und mit etwas Anstrengung werde man auch das Hereinströmen von Muslimen verdauen können:

Trotz der islamistischen Tendenzen in Europa und in den Ursprungsländern der Flüchtlinge wie Syrien oder Irak muss die heutige Masseneinwanderung nicht in einen Religionskrieg auf europäischem Boden ausarten. Der „clash“ ist nicht prädestiniert, wenn gegenseitige Toleranz wieder zur Grundlage der Politik gemacht wird. Wenn man sich mit der Idee eines sich verändernden, eines veränderbaren Europas (und Deutschland) versöhnt. Wenn man im Prozess der Sozialisation den „harten Kern“ der Verfassungswerte von den unwesentlichen Elementen der Traditionen unterscheidet, kann das Experiment gelingen. Erfahrungsgemäß verläuft die erste Phase nicht reibungslos, darauf muss man gefasst sein. Es lauern auch die Ewiggestrigen und die Rechtsradikalen auf ihre Chance.

Ein "Experiment"? Bei dem man sich auf diverse Verwerfungen und Rückschläge gefaßt machen muß? Wo haben wir das schon mal gehört? Richtig, aus dem Munde von Yascha Mounk!

Bekanntgeworden 2018 durch einen Auftritt im ARD, äußerte Mounk, Autor eines Buches mit dem aufschlußreichen Titel Echt, du bist Jude? Fremd im eigenen Land, bereits am 26. 9. 2015, drei Tage nach den Wortmeldungen von Zimmermann, Stein und Wolffsohn in einem Spiegel-Interview:

SPIEGEL: Herr Mounk, Hunderttausende Muslime flüchten nach Deutschland. Was bedeutet das für deutsche Juden?

Mounk: Ich hoffe auf ein Deutschland, in dem ich meine jüdische Herkunft erwähnen kann, ohne nur als Jude wahrgenommen zu werden – so wie es mir als Kind meist ergangen ist. Wenn Deutschland multiethnischer wird, könnte sich das ändern. Ein Deutschland, in dem sich Juden wohlfühlen, ist ein Deutschland, in dem sich auch Muslime wohlfühlen.

Ein Deutschland, in dem sich auch Deutsche "wohlfühlen", ist wohl keiner Erwägung wert. Dabei positioniert sich Mounk, der nicht einmal in Deutschland lebt und seine eigene Befindlichkeit über alles zu stellen scheint, gegenüber der muslimischen Einwanderung ebenso zwiespältig, ja schizophren wie Wolffsohn:

SPIEGEL: Sehen Sie auch Probleme?

Mounk: Unter deutschen Muslimen gibt es verstärkt Antisemitismus. Unter jenen, die nun nach Deutschland flüchten, auch. Das zu verschweigen ist gefährlich. Im Experiment mit dem Pluralismus spielen wir Juden ungefähr die Rolle, die Kanarienvögel in Kohlegruben hatten. Braut sich eine Explosion zusammen, geht es uns zuerst an den Kragen.

Die Explosiongefahr, die Mounk in Kauf nimmt, ließe sich jedoch entschärfen, wenn Deutschland den Einwanderern ausreichende "Perspektiven bietet". Dem folgen die berüchtigten, 2018 nur leicht variierten Sätze:

Mounk: Vor allem geht es um mehr als ein kurzes, fremdenfreundliches Sommermärchen. In Westeuropa läuft ein Experiment, das in der Geschichte der Migration einzigartig ist: Länder, die sich als monoethnische, monokulturelle und monoreligiöse Nationen definiert haben, müssen ihre Identität wandeln. Wir wissen nicht, ob es funktioniert, wir wissen nur, dass es funktionieren muss.

Wir haben hier also, im September 2015, dem Monat, als Angela Merkel die deutschen Grenzen öffnen ließ, vier unterschiedliche jüdische Intellektuelle, drei davon mit israelischer Affiliation, die allesamt ins selbe Horn blasen: Deutschland und Europa sollen das "Experiment" wagen, muslimisch-arabische Einwanderermassen aufzunehmen, um eine segensreiche demographische Wandlung einzuleiten, zu welchem Zweck sie ihren ethnokulturellen Kern aufgeben und ihr Staatsverständnis entsprechend umdefinieren müssen. Sie sollen außerdem dafür sorgen, daß die Muslime durch "Integration" und Säkularisierung gleichsam gezähmt und ihnen insbesondere die antisemitischen Zähne gezogen werden.

Stimmen dieser Art gab es schon lange vor 2015. "Europa muß multikulturell sein", forderte 2005 Israel Singer, der damalige Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, in der Welt. Auch im Zentrum seiner Argumentation stand die Aufforderung zur Aufnahme und Integration von Muslimen:

Macht aus Einwanderern gute Staatsbürger! Integriert die Muslime, so wie die Juden integriert wurden. Dazu gehört die Erziehung gegen den Antisemitismus - europaweit. Amerika hatte die Ideologie des Schmelztiegels. Europa muß aber multikulturell und multireligiös sein. In einer Welt der Völkerwanderungen und einem Europa der vielen Völker ist der Rassismus nicht nur politisch inkorrekt. Er ist ökonomisch, finanziell und sozial erledigt. Gerade die monotheistischen Religionen, die untereinander gar nicht so verschieden sind, müssen in den Dialog treten.

Ziemlich lustig im Hinblick auf die heutigen "islamkritischen" Israelfreunde liest sich diese Passage:

Rassisten wollen der Mehrheitsgesellschaft einreden, ihre Feindschaft gegen Muslime habe mit deren Judenfeindschaft zu tun. Die Gesellschaft sollte nicht so unreif sein, ihnen zu glauben. Vor allem die Juden sollten nicht so töricht sein, Rassisten zu unterstützen, bloß weil sie jetzt Muslime angreifen. Der "neue Antisemitismus" der muslimischen Einwanderer ist eine Randerscheinung. Sicher hat der Konflikt im Nahen Osten Auswirkungen auf Europa. Das hat aber weniger mit dem Problem an sich zu tun als mit der unverantwortlichen Haltung eines Teils der europäischen Presse, der völlig überzogene Kritik an Israel übt.

Zugespitzt sagte Singer also folgendes: Daß Muslime manchmal etwas judenfeindlich sind, darf kein Vorwand sein, sich gegen ihre Einwanderung nach Europa und eine multikulturelle Gesellschaft zu sperren, außerdem ist an dieser unbedeutenden muslimischen Judenfeindlichkeit ohnehin nur die israelfeindliche europäische Presse schuld. Juden sollen auf keinen Fall mit Islamfeinden gemeinsame Sache machen.

Wenn man sucht, wird man noch mehr kurioses Material dieser Art finden. Auch für die Tatsache, daß sich israelische Organisationen aktiv daran beteiligen, Araber nach Deutschland und Europa zu schleusen und dort anzusiedeln, finden sich etliche Belege.

Mehr dazu im letzten Teil dieses Beitrags.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (48)

RMH

7. Juni 2021 13:59

Zusammengefasst:

Ein Anwendungsfall von

Quod licet iovi non licet bovi?

Rheinlaender

7. Juni 2021 14:32

@Martin Lichtmesz

"Wenn man sucht, wird man noch mehr kurioses Material dieser Art finden."

Man wird wohl bei jedem Thema genügend kurioses Material in die eine oder in die andere Richtung finden, solange man nur genug sucht.

Ich nehme mit (und dies entspricht auch meinem eigenen Eindruck), dass es einige jüdische Stimmen gibt, die kulturferne Massenmigration nach Europa unterstützen, während sie die gleiche Migration nach Israel ablehnen. Das Motiv dafür scheint zu sein, dass man ein heterogeneres Europa für strukturell weniger antisemitisch hält. Die Folgen für die Europäer spielen in diesem Denken hingegen keine Rolle, weshalb man diese Position aus europäischer Perspektive selbstverständlich zurückweisen muss. 

Es gibt jedoch durchaus gewichtige jüdische Stimmen, die sehr deutlich auf die problematischen Folgen der beschriebenen Migration für Europa hinweisen, etwa Martin van Creveld oder Arnon Soffer, um nur zwei zu nennen. Über die wird in Deutschland aus naheliegenden Gründen wenig berichtet, aber sie würden zu einer Übersicht über die entsprechenden Position dazugehören.

Laurenz

7. Juni 2021 14:42

Da Wolffsohn nicht an mangelnder Intelligenz leidet, muß man davon ausgehen, daß er 2015 bewußt gelogen hatte. Es existiert kein demographisches Problem in Deutschland. In 25 Jahren sind die geburtenstarken Jahrgänge, wie meiner, tot & die Pyramide stimmt wieder. Dasselbe Problem einer kurzfristigen Überalterung haben auch die Chinesen durch ihre zwischenzeitliche 1-Kind-Politik. Aber was wäre die Konsequenz gewesen, wenn China das nicht durchgezogen hätte. Und laut der Pseudo-Logik Wolffsohns müßte die Chinesen jetzt Einwanderung fördern. Gewiß nicht. Auch der FAZ-Artikel von Stein & Zimmermann, ML hat es schon bemerkt, übersieht geflissentlich die Art der Einwanderung. Nach dessem Logik dürften wir nur weltweit lebende Deutschstämmige aufnehmen, was sogar dem GG & Israel entspricht. Aber das findet nicht statt. Vor allem sind die Zahlen im Vergleich zu Israel immer x 10 zu rechnen. Das sind ganz andere Hausnummer. Außerdem ist der Vergleich der Bevölkerungsdichte unlauter. Dann müßten alle Migranten nach Australien, Somalia & Wyoming auswandern. Und der Vollhonk  Mounk vergißt den wichtigsten Aspekt. Mir ist es ganz egal, ob Juden oder Muslime sich hier wohlfühlen. Die entscheidende Frage ist, fühlen sich die nicht-geschmierten  Deutschen wohl.

Jan

7. Juni 2021 14:58

"(...) nicht ohne zu erwähnen, daß Europa im Gegensatz zum dicht besiedelten Israel noch eine Menge Platz übrig habe".

Teil I

Das Migrationsproblem wird an Platzfragen festgemacht. Ernsthaft? Ich halte Stein und Zimmermann nicht für so naiv. Vielmehr ist es ein Ablenkungsmanöver vom wichtigsten Faktor: der demographischen Zusammensetzung in den jüngsten Altersgruppen. Hier ist Europa und Deutschland äußerst schwach aufgestellt und hier macht sich die geburtenfreundliche afro-orientalisch-muslimische Migration am stärksten bemerkbar. Sobald bei den unter 10-jährigen die Bevölkerungsverhältnisse zugunsten der Migranten gekippt sind (ist es eigentlich schon so weit?), wird die Zukunft der Deutschen langfristig jene einer Minderheit im eigenen Land sein. Zusätzlich kommt es zwangsläufig zu einem Kulturbruch, weil die deutsche Minderheit langfristig nicht mehr in der Lage sein wird, ihre kulturelle und damit auch gesetzlichen Standards zu halten. Das wird auch negative Auswirkungen auf die Verfassung und das politische System haben. Sehr wahrscheinlich wird den Deutschen ihr eigenes Land unter den Füßen weggezogen werden und am Ende droht noch Vertreibung. An was erinnert mich das bloß?

Sekundant

7. Juni 2021 15:01

Und noch entscheidender ist die Frage, wer überhaupt hier nach Migration, gleich welchen Hintergrunds, schreit. Die leerstehenden Wohnungen, die unbesetzten Arbeitsplätze, die überquellenden Kassen des Systems der "sozialen Sicherung"? Hab da wohl was übersehen und überhört. ...

Jan

7. Juni 2021 15:07

Teil II

Niemand kann mir erzählen, dass diese Gefahren und Zwangsläufigkeiten der Prozesse keinem Migrationsbefürworter bewusst sind. Es ist dafür auch keine intellektuell herausfordernde gedankliche Transferleistung nötig. Auch halte ich immer das Vorbild USA für Europa in Sachen Migration für völlig unpassend. Die Amerikaner sind ein künstlich geschaffenes Volk in einem künstlich geschaffenen Staat. Den Amerikaner als Ethnie gibt es nicht. Jeder kann Amerikaner werden, indem er seine Herkunftkultur abstreift und die neue amerikanische Universalkultur überstreift. Sowas gibt es in europäischer Variante nicht.

Jan

7. Juni 2021 15:08

Teil III

In Europa wandern die Migranten in jahrtausendalte ethnische Stammesvölker und deren Kulturen ein, auf deren Basis irgendwann mal ein Nationalstaat entstanden ist. Die Länder sind oft nach den Stammesethnien benannt. Die Migranten kommen selber aus ebenso alten oder noch älteren ethnischen Stammeskulturen. Und dann soll ein Somalier einfach so Deutscher werden können? Wie absurd das ist, fällt erst auf wenn man mal den umgekehrten Fall betrachtet: Ein Deutscher soll Somalier werden und sowohl von diesen als auch von allen anderen Erdbewohnern als solcher akzeptiert werden. Das wird nie funktionieren. Die ganze Welt soll die Möglichkeit haben, Deutscher, Engländer, Franzose oder Däne zu werden, aber niemand aus der Urbevölkerung dieser europäischen Länder hat die Möglichkeit, Türke, Inder, Algerier oder Afghane zu werden. Daran sieht man schon, dass das Quatsch ist und dass hier ein völlig kranker, perverser und destruktiver Film abläuft.

Ein gebuertiger Hesse

7. Juni 2021 15:10

Elend, daß man Gelumpe wie W. überhaupt noch glaubt zitieren zu müssen (die guten Gründe nehmen nichts weg von der Ehrabschneidung). Anregung für das nächste Schuljahr: etwas anderes machen, die Sezession zu einer (opulent orchestrierten) Abwendung des Blicks von dem ganzen Mist werden lassen. 

RMH

7. Juni 2021 15:16

@Rheinlaender,

Das ist ja das schöne am Judentum. Sie werden für fast jede Meinung und Haltung einen Juden finden, der sie vertritt und den man dann als Kronzeugen zitieren kann. 

Zum Thema: An der gesamten Geschichte der sog. Migration nach Deutschland ist folgendes auffällig: Die Halbwertszeit von der Ankündigung, diese Menschen bleiben nur vorübergehend hier bis zum, die bleiben für immer hier, sonst crasht unser Pyramidensystem namens Sozialversicherung, wurde immer kürzer bis hin zu aktuell 0. 

Die ersten Wellen in den 50er bis 70er Jahren wurden noch beschönigt "Gast"-Arbeiter genannt. 2015 wurde dann zunächst eine "humanitäre Notlage" beseitigt, um kurz darauf sofort die Integrationsmaschine anzuwerfen, siehe zitierten Beitrag von Wolffsohn. Bereits damals hätte man auch erstmal die Ankommenden fragen können, wie lange wollt ihr hier überhaupt bleiben? Für immer war die amtliche deutsche Erwartungshaltung, welcher der gute Flüchtling zu entsprechen hatte.

Wenn heute eine Mensch aus dem Mittelmeer gezogen wird, scheint sofort klar zu sein, dass er nach Deutschland kommen muss und gefälligst auch hier zu bleiben hat. Wenn es keine Sozialleistungen gäbe, wäre der Geruch der Sklavenjagd offenkundig.

Aussenseiter

7. Juni 2021 15:43

Ich habe inzwischen den Eindruck, dass die Massenimmigration durch Araber inzwischen propagandistisch schon wieder nicht mehr der letzte Stand ist. 

Die "Anti-Rassismus"-Hysterie der letzten Jahre wurde ja insbesondere als "anti-schwarzer Rassismus" behauptet. Das Ziel ist leicht zu entziffern: statt Arabern sollen nun Afrikaner importiert werden. 

MARCEL

7. Juni 2021 16:07

Der Islam ist eine hermetische Religion mit Sendungsauftrag - er lässt sich nirgendwo in großer Anzahl konstruktiv einbauen, in keinem Land der Welt , zu keinem Zeitpunkt der Geschichte. Schwächephasen waren nur Vorbereitungen neuer Offensiven - früher militärisch, heute kulturell.

Mohammed hat ein perfektes System geschaffen aus Geborgenheit und Drohung, aus Selbstbewusstein und Unterordnung, aus Auserwältheit und Verlöschen im Ganzen, aus Sex und Askese, aus diesseits und jenseits. Ein orientalischer Machiavelli mit Jesus-Allüren. Bei manchen (Linken wie Rechten) verfängt das.

Es migrieren Muslime (auch aus Afrika), die immer auch Soldaten sind. Ihre Gebetsreihen kamen mir immer wie Schlachtreihen vor. Hierum beneide ich sie, für ihren selbstgefälligen Simplizismus verachte ich sie.

Nemo Obligatur

7. Juni 2021 16:08

Ich rätsel noch über das Motiv der hier zitierten jüdischen Intellektuellen, die arabische Migration, vor allem die palästinensische, nach Europa zu forcieren. Ein gutgemeinter Versuch, Europa eine Frischzellenkur zu verpassen, kann es nicht sein, denn dazu wären ein, zwei Millionen Palästinenser zu wenig.

Oberflächlich sollte man meinen, dass eine Auswanderung nach Europa den demographischen Druck in den palästinensischen Gebieten reduziert. Auf der anderen Seite steigt freilich das Risiko, dass der arabische Einfluss in Europa zunimmt. Für Israel wäre es geradezu lebensgefährlich, wenn die nächste Politikergeneration in den führenden Staaten Europas muslimisch geprägt wäre. Man stelle sich die Verhältnisse in und um Israel vor, wenn Finanzmittel und technologisches (militärisches) Gerät nicht nach Israel sondern in die palästinensischen Autonomiegebiete flösse. Vielleicht sind die von ML zusammengestellten Aussagen einfach kurzsichtige Meinungen einer linksliberalen Intellektuellenszene, die in führenden Kreisen Israels abgemeldet ist. Es bleibt dabei: Der Schlüssel zur Lösung des Nahost-Konflikts liegt im Nahen Osten, nicht in Europa.

heinrichbrueck

7. Juni 2021 16:13

Inzwischen sehe ich das Christentum als politisches Problem, sonst hätten Juden niemals solche einschneidenden Positionen erreichen können. Und bevor die weißen Völker (Juden zähle ich nicht zu diesen Völkern) dieses Problem lösen, bringen sie sich eher gegenseitig um. Dieses Informationsweltbild der Europäer, das Eigene fremdbestimmt denken zu müssen, verlangt nach christilch-abendländischen Korrekturen. 
Ein Deutschland, in dem sich Juden wohlfühlen, ist ein Deutschland, in dem es Deutschland nicht gibt. Die BRD befindet sich in einem demokratischen Geschichtsloch, einer Einwanderungsfalle ohne mehrheitlichen Verständnisbereich. 
"Seit mehr als 3500 Jahren steht Israel im Zentrum der Weltgeschichte." Rabbiner Avichai Apel (https://www.juedische-allgemeine.de/religion/die-erzfeinde/?q=amalekitisch) Man muß sich einmal vorstellen, welches Denken in solchen Sätzen lebt. Hier gilt: Ein Geist, ein Volk. Die Korrekturen in den Köpfen der Weißen stattfinden müssen, keine Judenmissionierung. Der weiße Mann ist nicht zuständig, Ausländern Wünsche zu erfüllen, wenn diese nicht nur unverschämt, sondern auch selbstmörderisch. 
Die Muslime können deshalb keine ernstzunehmenden Feinde sein, weil sie den Juden geistig nicht gewachsen sind. 

Valjean72

7. Juni 2021 17:03

@Jan:

Ich halte Stein und Zimmermann nicht für so naiv.

Zustimmung. Die Position Steins, Zimmermanns, Mounks aber auch Broders oder Lerner-Spectres und so vieler mehr bez. Zuwanderung aus Afrika/Arabien hat nichts mit Naivität zu tun - im Sinne von: aber sie meinen es doch gut - sondern hier wird eiskalt eine finstere Agenda durchgedrückt.

Zitat aus dem Artikel

Ein Kern, der unabdingbar für die Einwanderer, inklusive aufgenommener Asylbewerber, Geltung haben muss: Toleranz, liberale Demokratie 

Zitat von Jan:

Das wird auch negative Auswirkungen auf die Verfassung und das politische System haben. Sehr wahrscheinlich wird den Deutschen ihr eigenes Land unter den Füßen weggezogen werden

Darauf soll es hinaus laufen und wird es auch, falls wir nicht noch das Ruder herumreißen.

Danke an Martin Lichtmesz für diese Artikelreihe.

Niekisch

7. Juni 2021 17:31

Eine Vielzahl anderer Personen haben sich vergleichbar geäußert, unter anderen Margaret Mead, Erik Eriksson, Talcott Pearson, Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit und Barbara Lerner- Spectre. 

Dieses Experiment ist der Vollzug der 1946 erfolgten Verurteilung. Jetzt folgt die Hinrichtung, indem das Salz der Erde uns in menschlicher Salzsäure auflöst...

Gustav

7. Juni 2021 18:04

Auf intellektueller Ebene führten jüdische Intellektuelle den Kampf gegen die Idee, daß es Rassen überhaupt gibt, und gegen die Idee, daß es zwischen den Rassen Unterschiede in Intelligenz oder Kulturniveau gibt, die in der Biologie wurzeln. Sie waren auch führend dabei, Amerika als einen Satz abstrakter Prinzipien zu definieren statt als ethnokulturelle Zivilisation. Auf der Ebene der Politik führten jüdische Organisationen den Drang zur Öffnung der Einwanderung für alle Völker der Welt an. Jüdische Organisationen spielten auch eine entscheidende Rolle bei der Förderung der Interessen anderer rassischer und ethnischer Minderheiten, und sie waren führend bei den juridischen und gesetzgeberischen Anstrengungen, das Christentum aus dem öffentlichen Raum zu entfernen.

https://morgenwacht.wordpress.com/2016/12/29/die-kultur-der-kritik-vorwort-von-professor-kevin-macdonald-zur-ersten-paperback-ausgabe/

Nordlicht

7. Juni 2021 19:42

Europa könnte aus Israel lernen, dass nur Mitglieder der eigenen Religion, also hierer Christen zuwandern dürfen.

Und was Wolffsohns Meinungsänderung seit 2015 angeht: Viele Menschen reden nach ihrer beruflich aktiven Zeit anders als während. Ob da der frühere Wunsch nach weiterer Karriere eine Rolle spielt oder die Weisheit des Alters, sei dahin gestellt.

Auchich habe jetzt in einigen Themen eine andere Meinung (- genauer: andere Bewertungen) als in meiner beruflich aktiven Zeit.

 

Eo

7. Juni 2021 21:12

 

So wie es zwei Arten
von Magie gibt, hat es - einmal pauschal gesprochen - ebenso zwei Gruppen von Menschen, nämlich auf der einen Seite diejenigen, denen man trauen mag und letztlich auch kann und auf der anderen Seite jene, denen ma nicht trauen kann und dies besser auch nicht sollte.

Und gerade die Beantwortung
dieser existenziellen Frage, bzw. die Unterscheidung der einen von den anderen (und dies möglichst schnell und sicher aus der laufenden Situation heraus) dürfte wohl die Entwicklung der Intelligenz beim Menschen befeuert haben wie kaum etwas anderes.

 

tearjerker

7. Juni 2021 21:17

Der Grund für die von aussen forcierte Einwanderung ist die vor Allem durch die USA vertretene Geostrategie, der Europas Staaten unterworfen und in die sie eingebunden sind (in der die Kontrolle des Nah-/Mittelostens zu gewährleisten ist und in der Israel eine wichtige Rolle spielt). Konsequenz: Schwächung der Strukturen, die den Verfechtern der Geostrategie und deren Interessen entgegenstehen. Die von innen forcierte Einwanderung wird vor Allem von denen vertreten, für die sie sich lohnt: Verbände, Gewerkschaften, Parteien, NGOs usw. Gleichzeitig überschneiden sich die Interessen der äusseren und inneren Verfechter der Einwanderung. Die Herrschaftsschicht der betroffenen Staaten wird verstärkt gegen die jeweils grösste Bevölkerungsgruppe diskriminieren um den Zustand aufrechtzuerhalten und weiter profitieren zu können.

Gracchus

7. Juni 2021 21:36

Obacht: M. E. geht die Diskussion in eine falsche und gefährliche Richtung, indem suggeriert wird, die Massenimmigration werde von Juden betrieben. Zur jüdischen Weltverschwörung ist es dann nicht mehr weit. Die 4 Zeugen, die dazu herbeizitiert werden, sind zwar Juden, daraus folgt aber doch nicht, dass sie das, was sie sagen, als jüdische  Repräsenten sagen. Diese Annahme nähert sich m. E.ebenfalls bedenklichen Stereotypen. Vielleicht wird der letzte Teil Aufhellung bringen.

Mich hat 2015 nämlich eine jüdische Bekannte unter Verweis auf die Zustände in Paris, wo Verwandte von ihr lebten, vor muslimischer Einwanderung gewarnt. 

Es ist hier nicht der Platz, die Ereignisse 2015 und meine Befindlichkeiten aufzurollen. Nur so viel: Es war mir - eigentlich unbesehen - klar, dass viele Flüchtlinge antisemitische Einstellungen mitbringen und sich hier auf dem Arbeitsmarkt werden kaum behaupten können; auch würde eine Integration angesichts der Zahl, aber auch der Haltung, die man den Einheimischen zumutet, schwierig sein.

Was haben diejenigen, die die Aufnahme von Flüchtlingen forciert haben, sich dabei gedacht? Gibt es da irgendeinen rationalen Kern? 

 

Der_Juergen

7. Juni 2021 21:50

Diese Artikelserie (der fünfte und letzte Beitrag steht noch aus) könnte zu einem kleinen Klassiker werden und eventuell separat gedruckt werden. Sie enthält auf  knappem Raum eine ungeheure Menge von Argumenten. Wer sich schon lange mit diesem Thema befasst, kennt das allermeiste schon, aber die Dinge in gedrängter Form so anschaulich darstellen kann nicht jeder.

Rheinlaender

7. Juni 2021 23:57

Das jüdische Denken hat, was das Impulse für das Überleben von Völkern angeht, weit mehr zu bieten als Aktivisten wie Zimmermann oder Mounk, schon weil man in dieser Frage über mehr als zwei Jahrtausende praktische Erfahrung verfügt. Diese Aktivisten sind bei aller Fragwürdigkeit ihrer Positionen auch nicht für die demographische Lage Deutschlands verantwortlich. Sie spielen außerdem im Denken der politischen Eliten Israels keine Rolle.

ML: Der Punkt ist, was sie den Deutschen und den Europäern empfehlen.

Einen einen guten Überblick über das relevante jüdisch-israelische Denken zu demographischen Fragen und anderen Fragen des nationalen Überlebens gibt z.B. diese Schrift, die auch auf Englisch verfügbar ist im Unterschied zu den Traktaten eines Zimmermann oder eines Mounk auch von denen gelesen wird, die in Israel etwas zu sagen haben. Davon könnte man lernen, wenn man denn wollte und nicht vorrangig externe Schuldige für die selbstverschuldete eigene Lage suchen würde. An den relevanten israelischen Stellen hält man diese Neigung übrigens für eine wesentliche Ursache der Unfähigkeit, welche die arabische Seite laufend in Auseinandersetzungen mit den Israelis demonstriert.

ML: Was hat das Buch außer der These, daß die Palästinenser selbst schuld an ihrer Lage sind, sonst noch anzubieten? Bißchen mehr konkreter Inhalt wäre hier interessant.

Andreas Walter

8. Juni 2021 04:12

@Rheinlaender

Würden Sie das auch Juden sagen in Bezug auf die letzten 140 Jahre ihrer Geschichte?

Oder auch auf die letzten 2.500 Jahre?

Obwohl ich eh nicht glaube, dass sie von den Römern vertrieben wurden. Denn wen hätten die Römer sonst die Oliven pflücken lassen? Etwa die Muslime? Die gab es damals nicht.

Das muss also auch schon damals alles ein bisschen anders gewesen sein, denn auch damals waren fruchtbare, leicht besiedelbare Gebiete nicht einfach unbewohnt, in die man hätte (um-)ziehen können. Auch die Babylonier haben darum nur einen kleinen Teil der Juden mitgenommen, Mitglieder der Oberschicht, Ähnlich wie auch die Römer Arminius als Pfand für den Frieden gefordert und mitgenommen haben. In Babylon soll es sogar wohlhabende jüdische Kaufleute gegeben haben. Davon sollen ein paar sehr alte Tontafeln in Keilschrift berichten, die man schon vor längerer Zeit gefunden hat. Jammern gehört aber zum Geschäft.

Jan

8. Juni 2021 09:13

@Gustav

Teil I

"Auf der Ebene der Politik führten jüdische Organisationen den Drang zur Öffnung der Einwanderung für alle Völker der Welt an."

Beispiel: Reform des US-Einwanderrungsrechts von 1965. Ging von zum Teil jahrzehntelanger Initiative eines jüdischen und eines irisch-katholischen Abgeordneten aus. Da die USA ein Staat waren, der von weißen angelsächsischen Protestanten gegründet worden war, welche auch jahrhundertelang die dominierende politische Klasse stellten, hatten Mitbürger anderer Herkunft ein Interesse daran, diesen ethno-kulturell homogenen Machtblock durch Einwanderung anderer Ethnien und Kulturen zu heterogenisieren. Das neue Einwanderungsrecht ermöglichte fortan erleichterte Einwanderungsbedingungen aus nicht-europäischen Ländern, wovon Asiaten und vor allem Latinos profitierten.

Jan

8. Juni 2021 09:36

Teil II

Das Ziel der jüdischen Einwanderungsinitiativen in den USA ist es, die eigene Gruppe besser zu schützen, indem sie nicht als einzige Minderheit einer europiden Mehrheitsbevölkerung gegenübersteht. Deren Machtblock wird ja durch die Heterogenisierung geschwächt. Die Juden stärken sich dann, indem sie Bündnisoptionen mit anderen Einwanderungsgruppen gegen die weiße Hegemonie eingehen können. Vorwürfe des Antisemitismus sind schon deshalb zurückzuweisen, weil diese Verhaltensweisen nicht aus dem Jüdisch-Sein entspringen, sondern aus dem Status der Minderheit. Wir Deutsche kennen diese Verhaltensweisen von unseren Migranten, vor allem den Türken, deren politische Vertreter in den Parteien sich ebenfalls für weitere Einwanderung stark machen. Von allen Einwanderungsgruppen nehme ich  in dieser beziehung die Türken sogar als Hauptantreiber wahr.

Letztendlich kann man das als Regel herausstellen: Minderheiten haben aus gesellschaftlichen und politischen Machtgründen immer eine Interesse an weiterer ethno-kultureller Heterogenisierung. Das ist das Grundproblem.

Gustav

8. Juni 2021 09:46

@ Rheinlaender

"Das jüdische Denken hat, was das Impulse für das Überleben von Völkern angeht, weit mehr zu bieten als Aktivisten wie Zimmermann oder Mounk, schon weil man in dieser Frage über mehr als zwei Jahrtausende praktische Erfahrung verfügt."

Das Deuteronomium ist vor allem ein vollständiges politisches Programm: Die Geschichte unseres Planeten, der von Jahwe für sein „besonderes Volk“ geschaffen wurde, soll eines Tages durch dessen Triumph und den Untergang aller anderen Völker ihren Abschluss finden. Die Belohnungen, die den Frommen winken, sind ausschließlich materieller Natur: Sklaven, Frauen, Beute, Territorien, Weltreich. Die einzige Bedingung dafür, dass den Frommen all dies zuteil wird, ist die Befolgung der „Gebote und Rechte“, und diese befehlen in erster Linie die Vernichtung anderer. Die einzige Schuld, welche die Frommen auf sich laden können, ist die Nichtbefolgung dieser Gesetze. Intoleranz gegenüber anderen gilt als Gehorsam gegen Jahwe, Toleranz als Ungehorsam und somit als Sünde. Die Strafen für diese Sünde sind rein diesseitig und ereilen den Leib, nicht die Seele. Wenn von den Frommen moralisches Verhalten verlangt wird, dann einzig und allein gegenüber ihren Glaubensgenossen; für „Fremdlinge“ gelten die moralischen Gebote nicht.

Man sollte schon die Bücher einer Religion kennen, bevor man sie beurteilt!

Rheinlaender

8. Juni 2021 09:54

@Martin Lichtmesz

Mir geht es nicht darum in Abrede zu stellen, dass die erwähnten, überwiegend linksliberalen Juden und die entsprechenden Organisationen wenig sinnvolles zu Debatten über die Sicherung der demographischen Zukunft Europas beizutragen haben. Das gilt aber auch für linksliberale Nichtjuden. Auch die liberalen Muslime oder Ex-Muslime, auf die sich Islamkritiker so gerne beziehen, würden sich in einem kulturell entkernten Europa, in dem sie keine Fremden mehr wären, wohler fühlen.

Das Buch, auf das ich hinwies, formuliert als Kontrast dazu die in der jüdisch-israelischen Rechten vorherrschende Positionen zu demographischen Fragen. Kurz gefasst lautet diese, dass die Stagnation oder der Rückgang der Zahl und des Anteils der Angehörigen der eigenen ethnokulturellen Gemeinschaft an einer Bevölkerung grundsätzlich als existentielle Herausforderungen zu betrachten seien, weil sie das physische Überleben dieser Gemeinschaft beträfen.

ML: Genauso habe ich die israelische Staatsräson in Teil 1 und Teil 2 dieses Beitrags dargestellt.

Ein Nationalstaat könne nur dann langfristig Bestand haben, wenn die ihn tragende Gruppe dauerhaft die Bevölkerungsmehrheit in diesem Staat stelle. Dies gelte besonders für demokratisch verfasste Staaten und erfordere neben bevölkerungspolitischen Maßnahmen auch die Steuerung im Sinne der Minimierung der Migration und der Präsenz von Angehörigen kulturfremder Gruppen in diesen Staat.

ML: Nun habe ich nachgewiesen, daß Wolffsohn, Shimon Stein, Zimmermann, Mounk, Singer u.a. das exakte Gegenteil dieser Politik für Deutschland und Europa propagieren.

RMH

8. Juni 2021 11:00

@Gustav,

Dann befassen Sie sich doch auch einmal ergänzend mit dem Thema der noachidischen Gebote (dazu habe ich hier vor längerem einmal etwas geschrieben), dann werden Sie feststellen, dass entgegen Ihrer Darstellung nach jüdischem Verständnis auch andere als nur Juden, zum "Zaddik" werden können. Sie werden dabei auch feststellen, dass in Punkto Einhaltung der noachidischen Gebote Moslems klar im Vorteil gegenüber den Christen sind bzw. das letztere bei ihrer eigenen Glaubenspraxis die noachidischen Gebote nicht einhalten können, was wiederum eine Erklärung dafür sein könnte, dass Juden mit Moslems deutlich weniger Glaubensprobleme haben, als mit Christen. Die Christen, insbesondere evangelikale, begehen immer wieder den Denkfehler, sich mit Juden auf eine Stufe Stellen zu wollen, dabei können gläubige Juden eher Moslems als Einhalter der noachidischen Gebote akzeptieren als Christen.

Jan

8. Juni 2021 11:50

@Rheinlaender

Teil I

"Auch die liberalen Muslime oder Ex-Muslime, auf die sich Islamkritiker so gerne beziehen, würden sich in einem kulturell entkernten Europa, in dem sie keine Fremden mehr wären, wohler fühlen."

Das ist das persönliche Grundproblem vieler Migranten, welche in Europa nicht die Kriterien "weiß" und/oder "christlich" erfüllen. Im Prinzip ist Yasha Mounk ein sehr treffendes Beispiel. Durch eine flächendeckende ethno-kulturelle Heterogenisierung Deutschlands versucht er, nicht mehr der einzige "Bunte" in einer homogenen Gruppe zu sein. Seine andere Abstammung fällt dann nicht mehr auf. Die eigene Andersartigkeit und Entwurzelung wird nivelliert, indem die ganze Gruppe in sich andersartig und entwurzelt ist. Dann herrscht Gleichstand und alle sind auf der gleichen Stufe, auch und vor allem ist man es mit den dann entwurzelten Deutschen. Im Prinzip sind das alles aus tiefer Selbstbezogenheit entwickelte Eigeninteressen von Migranten, die ohne Rücksicht auf die Noch-Mehrheitsgesellschaft politisch brutal durchgedrückt werden sollen.

Jan

8. Juni 2021 11:53

Teil II

Dabei haben die Migranten in erster Linie die Lösung eigener Konflikte wie Identitätsspaltung und Entwurzelung im Blick ("Kein richtiger Türke mehr, aber auch kein richtiger Deutscher"), welche sie durch moralische Anklagen wie Rassismusvorwürfe, Schuldnarrative mit Wiedergutmachungsforderung (Kolonialverbrechen) oder das Propagieren von Scheinvorteilen ("Vielfalt ist Stärke") zu verschleiern versuchen. Gewisse Teile vor allem der muslimischen Migranten sind auch knallharte Kulturimperialisten, die an einer Renaissance des Osmanischen Reiches oder Al-Andalus gefallen finden, nur diesmal mit der vollständigen Islamisierung Europas.   

Grobschlosser

8. Juni 2021 13:30

Moslems produzieren nicht nur viele Kinder die sie nicht selber ernähren können ; sie produzieren weltweit Probleme ( die mich nicht interessieren ) . In der Großstadt wird man ständig von verhaltensauffälligen Moslems belästigt - entsprechend wünsche ich mir eine Abschiebung dieser Problembürger . ( Wolffsohn soll sich mit seinen Einsichten beim cdu Parteitag anmelden und dort seinen Stuss predigen ) 

Andreas Walter

8. Juni 2021 15:30

@Niekisch

Ja, könnte man denken, doch dagegen spricht, das es auch in England und Frankreich passiert. Die Beseitigung der letzten Deutschen (80-90% sind ja bereits entweder Marxisten oder sind Internationalisten/Liberale) ist also womöglich für manche Antideutsche mittlerweile nur noch ein gern gesehener Nebeneffekt.

Ganz Europa, auch der Osten, soll ja Muslime und Afrikaner aufnehmen.

Dazu sollte man auch wissen, wie viele Juden traditionell Links bzw. Demokratisch wählen. Für Israel habe ich noch nicht nachgeschaut, aber für die VSA sieht man hier:

“Jewish vote to the Democratic Party in Presidential elections since 1916"

https://en.wikipedia.org/wiki/American_Jews

In Israel steht es dagegen glaube ich eher bei 50/50, immer wieder mal alternierend. Wobei man bei Juden stark unterscheiden muss, was gut für sie wo ist. Wir und der Rest der Welt ist bei vielen Juden ja trotzdem Programm, egal was sie wählen oder auch dem Rest der Welt empfehlen. In der Beziehung unterscheiden sie sich eben auch deutlich von den Muslimen.

anatol broder

8. Juni 2021 15:56

@ gracchus 21:36

die meinung deiner be­kannten jüdin passt nicht in die er­zählung von licht­mesz. sein motto lautet hier: wer intel­lekt­ueller jude ist, ent­scheide ich.

ML: Nicht ich, sondern die FAZ, der Spiegel, die Welt, die Deutsche Welle, die ARD und die NZZ.

dabei schrieb er ein ganzes buch mit sommerfeld, die kauderwelsch spricht. mein kom­mentar (12:23) zur ge­lebten jüdi­schen demo­graphie wurde erst gar nicht ver­öffent­licht. er wurde wohl als «überproportionale vergeltung» ausgelegt. lieben gruss an die bekannte.

Gustav

8. Juni 2021 16:50

@ RMH

Noachidische Gebote

Da bin ich doch angenehm überrascht, das mir eine andere Menschengruppe erlaubt, zu einem Rechtschaffenden zu werden, wenn ich ihre Gebote - die ihnen Gott selbstverständlich persönlich übergeben hatte- einhalte. Wenn nicht, dann Rübe ab?

Erinnert mich kolossal an Kommunismus und Nationalsozialismus...Die Partei hat immer Recht, ihr haben sich die Gläubigen unterzuordnen. Oder eben einer Religion mit Anspruch auf Alleinvertretung vor Gott.

Bemerken sie nicht, das mit den noachidischen Geboten etwas grundlegendes nicht stimmt?? 

Andreas Walter

8. Juni 2021 17:08

OK, ich habe es mal eben ausgerechnet.

Ab/nach dem Immigration Act of 1924 wählten im Durchschnitt 75% (3/4) der Juden in den VSA die Demokraten, also Links (die open [no] borders Fraktion).

Hier auch noch folgendes, was der ein oder andere vielleicht auch nicht glaubt:

https://www.pewresearch.org/fact-tank/2016/10/11/how-income-varies-among-u-s-religious-groups/

Also auch nix "böses Vorurteil" oder "Antisemitismus", sondern auch nur banale Wahrheit. Selbst unter den Milliardären übrigens haben sie eine deutliche Überrepräsentanz:

“Historian Edward S. Shapiro cites a Forbes magazine survey from the 1980s, which showed that, of the 400 richest Americans, over 100 were Jewish, which was nine times greater than would be expected based on the overall population.[142]

Kann man alles aber auch selbst ausrechnen, nachrechnen, das mache ich schon seit Jahren. Um eben nicht Opfer von Propaganda zu sein, zu werden, egal von welcher Seite. Ist auch schon so schwierig genug, das zeigt auch die Gegenwart.

 

RMH

8. Juni 2021 18:33

"Bemerken sie nicht, das mit den noachidischen Geboten etwas grundlegendes nicht stimmt?? "

Tja, so ist das mit den Religionen - der Weg zum Heil steht in aller Regel nur den Gläubigen offen ... da ist das Judentum auch nicht viel anders, als seine Epigonen.

ML: Das Problem ist hier, daß das Judentum nicht allen offen steht.

Valjean72

8. Juni 2021 19:17

@RMH

... da ist das Judentum auch nicht viel anders, als seine Epigonen.

Das Judentum hat allerdings im krassen Gegensatz zum Christentum eine entscheidende genetische Komponente:

Laut der Halacha, den jüdischen Religionsgesetzen, ist Jude, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde, auf den Vater kommt es nicht an.

(Quelle: SPIEGEL.de, 12.10.1997)

 

»Wer von einer jüdischen Mutter abstammt, ist lebenslang Jude«, sagt dagegen Michael Klaus Kune, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hannover, »der kann gar nicht austreten.«

(Quelle: SPIEGEL.de, 02.05.2004)

Und nach diesen Gesetzen, kann ein Mensch, der nicht von einer jüdischen Mutter geboren wurde, nicht in den vollen Genuss des Heils gelangen, dass den Juden im Judentum vorbehalten ist.

Grobschlosser

8. Juni 2021 19:41

Fazit : wir sollten keine problematischen Leute mit Zwangsneurosen ins Land lassen .

Der irrational-religiöse Mensch wird immer wieder Probleme produzieren - Probleme die ich nicht lösen kann und nicht lösen will - ich fühle mich  durch den (zivil)religiösen Stuss massiv bedroht weil Menschen mit einer orientalischen Grundsozialisation grundsätzlich intolerant und aggressiv sind ( und ja - es gibt Ausnahmen - auch diese wenigen Ausnahmen interessieren mich nicht ) . Ich wünsche keine erzwungenen Diskurse / "Gespräche" - ich gebe keine Auskunft und ich wünsche keinerlei Sozialkontakte zu Orientalen - als freier Mensch entscheide ich mit wem ich zusammenlebe . Bedauerlicherweise holt die brd Politik gewaltaffine Orientalen ins Land - die Staatsmedien berichten nicht , sie fabulieren von einer erträumten Multikultigesellschaft.

Nennt ihre Namen , erläutert wer für welche Verbrechen verantwortlich ist - bereitet Euch auf einen größeren Konflikt vor . 

RMH

8. Juni 2021 19:47

@M.L, Valjean72,

1.

Ja, Jude kann man nicht einfach durch Glauben oder Aufsagen eines Bekenntnisses werden. Je nach Strömung im Judentum kann es aber schon Konversion geben, bei manchen eben nicht. Die noa. Gebote sagen, so zumindest habe ich das mal von einem Juden erklärt bekommen, dass man nicht zwingend Jude sein muss, um am göttl. Heilsplan teilhaben zu können. Für alle, die keine Juden ab Geburt sind, gibt es also als quasi abgespeckte Version des Glaubens, die sog. noachidischen Gebote. Daher auch keine Mission im Judentum.

RMH

8. Juni 2021 19:48

@M.L. & Valjean

2.

Für mich persönlich war an der ganzen Erzählung am interessantesten das, was Christen oft nicht so recht zu verstehen scheinen, nämlich das Juden im Islam deutlich weniger Probleme sehen, als umgekehrt und das liegt daran, dass Moslems eben klar nur 1 Gott haben, ein Bilderverbot, Speiseregeln (Schächten) etc. und damit aus jüdischer Sicht eben "die besseren Gläubigen" sind als die Christen. Die Christen hingegen sehen sich, nur weil sie in ihrer Bibel das sog. alte Testament vorangestellt haben, als quasi Brüder & Schwestern der Juden, was aus Sicht der Juden aufgrund der grunds. Gotteslästerlichkeit der Trinität und der Bilder in den Kirchen etc. undenkbar ist. Christen sind aus jüd. Sicht geradezu gotteslästerlich, Moslems nicht. Für das Verständnis des Zusammenspiels der sog. "abrahamitischen" Religionen war das für mich durchaus wichtig. Evtl. ist diese Lehre aber auch wieder nur einer der vielen Stränge im Judentum - ich bin da wahrlich nur interessierter Laie und kein Experte.

Andreas Walter

8. Juni 2021 21:08

Ich bin mal gespannt, wie die deutsche aber auch internationale Presse mit diesem Vorfall weiter umgehen wird:

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/auto-angriff-in-kanada-mann-toetet-vier-angehoerige-von-muslimischer-familie-17378240.html

Nein, nicht nur, weil es ausgerechnet im sozialistischen Musterland Kanada passiert ist. Man wird den jungen Mann und Täter der Welt wahrscheinlich auch noch aus einem anderen Grund als seltsamen Einzelgänger und psychisch gestört verkaufen. Wegen Gerüchten, aufgrund seines Namens, die jetzt schon im Netz die Runde machen.

Eo

8. Juni 2021 21:12

 

Wie wahr, Grobschlosser.

Oder wie es so schön heißt:
Aus Wüstenregionen stammen wüste Religionen.
Bzw. .... Aber den Spruch spar ich mir lieber noch mal auf.

 

 

Flaneur

8. Juni 2021 21:34

1.

Verkürzt man den jüdischen Diskurs auf die  Position, Israel müsse als spezifisch jüdischer Staat ethnisch (und zumindest aus Sicht der Nationalreligiösen auch religiös) homogen jüdisch sein, während von den gleichen Akteuren für die übrigen westliche Nationalstaaten eine Art Multikulturalismus und Multiethnizität als Zielvorgabe proklamiert werde, setzt man sich schnell dem Vorwurf aus, tendenziös zu argumentieren. Rheinlaender hat weiter oben bereits auf dieses Problem hingewiesen.

Es gibt diese von Lichtmesz hier herausgegriffen Position, aber es ist eben nur eine Position unter anderen in einem sehr vielfältigen und pluralistischen Diskurs. Insofern scheint mir ihre nähere Einordnung und Erläuterung erforderlich, die bisher im lichtmeszschen Aufsatz noch nicht in Angriff genommen worden ist.

Als jemand, der sich für das Thema eigentlich nur am Rande interessiert und kein Hebräisch spricht, so dass ihm die wesentlichen Quellen verschlossen sein dürften, versuche ich mich mal in einer ersten groben Einordnung:

Flaneur

8. Juni 2021 21:46

2.

Die Notwendigkeit eines spezifisch jüdischen Staates wird religiös und funktional begründet. Religiös begründet sei es die göttliche Aufgabe der Juden, einen ethnisch und religiös jüdischen Staat zu errichten. Daran gekoppelt ist die eschatologische Erwartung, mit der Errichtung dieses States werde die Grundlage für das Erscheinen des Messias geschaffen. 

Diese Position wird im nationalreligiösen Lager vertreten. Wie der Rest der Welt aussieht, ist für die Vertreter dieser Position eigentlich unerheblich. Der Rest der Welt wird allenfalls als Ort angesehen, an den man diejenigen Nichtjuden verdrängen kann, die noch auf dem Gebiet des beanspruchten jüdischen Staates leben und seiner Errichtung qua ihrer dortigen Existenz im Wege stehen. Wenn es dazu hilfreich ist, multikulturalistische Tendenzen in der westliche Welt zu nutzen, gut. Aber eigentlich interessiert weder die restliche Welt, noch irgendwelche dort eventuell diskutierten Ideen von Multikulturalismus und Mutiethnizität, von Weltgesellschaft ganz zu schweigen. 

Flaneur

8. Juni 2021 22:08

3.

Die funktionale Begründung eines jüdischen Staates argumentiert dagegen streng säkular. Angesichts der in den Jahrhunderten der Diaspora erlebten Verfolgung und Unterdrückung wird die Notwendigkeit eines jüdischen Nationalstaates als Zufluchtsort für alle Juden betont, der ihnen Sicherheit geben soll.

Die historische Verfolgung und Unterdrückung der Juden in der Diaspora wird mit den verschiedenen europäischen Nationalismen erklärt. Insofern wird von Teilen den Vertreter dieser Position eine Auflösung der europäischen Nationen und ihrer Nationalkulturen als positiv für die Sicherheit der Juden angesehen.

Kennzeichnend ist aber auch, dass viele der liberalen Vertreter dieser Position selbst Anhänger von multikulturalistischer Weltgesellschaftsutopien sind und wünschen, dass auch der jüdische Staat, die jüdische Gesellschaft letztlich in einer idealisierten multikulturellen Weltgesellschaft aufgeht, in der Juden nicht mehr negativ als anders wahrgenommen werden. Da der jüdische Staat als Schutzinstrument vor Verfolgung verstanden wird, wird er jedoch aus dieser Haltung heraus erst dann obsolet, wenn global die Grundlage für eine Verfolgung der Juden zerstört worden ist, wenn also die anderen Nationalstaaten und ihre nationalen Kulturen in einer multikulturellen Weltgesellschaft aufgegangen  sind. So erklärt sich, das einerseits für einen ethnisch jüdischen Staat und andererseits für die multikulturelle Auflösung anderer Nationen argumentiert wird.

Gracchus

8. Juni 2021 23:11

Warum wurde der doch lustige Kommentar von anatol broder entfernt?

Mir ist noch nicht klar, worauf die Diskussion hinauslaufen soll. Was ist denn bitte sehr die These?

Wenn ich darüber nachdenke, komme ich nur zu absurden Ergebnissen. Oder dient das Thema nur dazu, antijüdische Ressentiments abzuladen?

Es gibt eine jüdische Pluralität, es gibt eine deutsche und eine christliche, sogar eine muslimische. 

ML: Die Rede von der "Pluralität" sollte nicht dazu verwendet werden, die Beschreibung von bestimmmten und relevanten Mustern zu beschreiben.

Was Einwanderung angeht, sind - so sieht es für mich aus -  liberale Westler so verblendet zu glauben, dass jeder, der hier einwandert, sich dem westlichen Lebensstil anpasst, weil der westliche Lebensstil das Non-Plus-Ultra darstellt. Ein bisschen Konsum, ein bisschen Aufklärung - schon lockern sich die alten ethnisch-religiösen Bindungen.

Gustav

9. Juni 2021 09:10

@ RMH

"...ich bin da wahrlich nur interessierter Laie und kein Experte. "

Auf http://etappe.org/archiv/ gibt es eine fünfteilige Analyse u.a. des Abrahamismus von  Josef Schüßlburner. Sehr, sehr lesenswert!!

Leseprobe:

Wie wenig selbst der hellenistisch geprägte Flavius Josephus von dem das Konzept der politischen Freiheit auch in der (Quasi-)Weltmonarchie fortschreibenden Hellenismus verstanden hat, ergibt sich aus seiner Kritik, wonach die Griechen unzählige Bücher hätten, die sich widersprächen, während die Juden nur ein heiliges Buch als Bezugspunkt haben. Hier kritisiert die absolute Wahrheitsgewißheit die Vorstellung, daß der Mensch der Wahrheit immer nur annäherungsweise teilhaftig sein kann und deshalb die Tradition zur Konstituierung von Autorität und Erkenntnis in mehreren Büchern immer wieder fortgeschrieben werden muß. Die „jüdische Demokratie“ (!, Hannes Stein) weist also zurück, was man üblicherweise unter politischer Freiheit versteht!Es liegt eine Verwechslung von Demokratie und Theokratie vor, die sich im Zuge der Islamisierung noch verhängnisvoll auswirken dürfte

 

Götz Kubitschek

9. Juni 2021 09:29

Badeschluß.

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