Volksherrschaft?

Demokratie gilt als sakrosankt.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Sie sei das wert­volls­te Ergeb­nis der Geschich­te, ermög­li­che näm­lich weit­ge­hen­de Mit­be­stim­mung und damit Gerech­tig­keit, sie regu­lie­re sich über Gewal­ten­tei­lung, Bür­ger­rech­te und die alles beschir­men­de Rechts­staat­lich­keit selbst und wach­se, so die gel­ten­de Les­art, evo­lu­tio­när zu immer rei­fe­ren, immer gerech­te­ren und noch sub­ti­le­re Aus­ge­wo­gen­heit ermög­li­chen­den For­men her­an. Jedem wer­de so und nur so, heißt es, Teil­ha­be ermöglicht.

Abge­se­hen davon, daß gar der Libe­ra­lis­mus wich­ti­ger zu ver­tei­di­gen wäre als die Demo­kra­tie in ihrer gegen­wär­ti­gen Exis­ten­zwei­se, sichert sie den Bür­gern Deutsch­lands wie des Wes­tens über­haupt die welt­weit bes­ten Kon­sum­ti­ons­be­din­gun­gen. Daß dies zu Las­ten der Schöp­fung und des „glo­ba­len Südens“ geht, wird erst seit ein paar Jah­ren, dafür aber mit apo­ka­lyp­ti­schem Akzent pro­ble­ma­ti­siert; dies soll aber, so die Erwar­tung, gleich­falls glo­bal-demo­kra­tisch aus­zu­glei­chen sein.

Was die der­zei­ti­ge Situa­ti­on der Demo­kra­tie hier­zu­lan­de betrifft, so ist sie von Mar­tin Sell­ner in einem ergie­bi­gen Bei­trag mit dem prä­gen­den Begriff “Demo­kra­tie­si­mu­la­ti­on” sehr tref­fend beschrieben.

Wir erle­ben, in welch bedroh­li­chem Maße sich gegen­wär­tig eine poli­ti­sche Neu­ro­ti­sie­rung eigen­dy­na­misch bis zur Zwang­haf­tig­keit ver­stärkt. Weder die Gewal­ten­tei­lung noch die weit­ge­hend angepaß­ten oder gleich­ge­schal­te­ten Medi­en rich­ten gegen „Grund­ver­ein­ba­run­gen“ etwas aus, die nie eigent­lich ver­ein­bart, son­dern durch eine hege­mo­ni­al auf­trump­fen­de links­grü­ne „Eli­te“ der Ber­li­ner Repu­blik oktroy­iert wurden.

Inner­halb der Demo­kra­tie bzw. ihrer Simu­la­ti­on will die Legis­la­ti­ve als Herz­kam­mer des poli­ti­schen Betrie­bes gel­ten. Sie spie­gelt mit Regie­rungs­ko­ali­ti­on und Oppo­si­ti­on den Wäh­ler­wil­len, also das, was jeweils nach den Wah­len so als Vol­kes Wil­le aus­ge­rech­net wird.

Die Regie­rungs­ko­ali­ti­on in ihrem Mehr­heits-Ent­schei­dungs­recht hat sich der per­ma­nen­ten Kri­tik der Min­der­hei­ten-Oppo­si­ti­on zu stel­len; das, so die Theo­rie, gewähr­leis­te einen durch­ge­hen­den Dis­kurs, in des­sen Ergeb­nis das Par­la­ment, die Legis­la­ti­ve, eben zum Gesetz­ge­ber wird. Nicht bes­ser zu den­ken, so wol­len und sol­len wir anneh­men, nicht ein­fach nur alter­na­tiv­los, son­dern bestän­dig zu wür­di­gen, zu loben und zu schützen.

Das Land braucht eine gesetz­ge­ben­de Kör­per­schaft; und es scheint nur gerecht, wenn die­ser Kör­per von den Wäh­lern selbst gebil­det wird, also gewis­ser­ma­ßen Fleisch vom Flei­sche der Bür­ger ist, auf daß er sich sol­cher­art ermäch­tigt fin­det, Geset­ze zu erlas­sen und über die Ver­wen­dung der Steu­er­gel­der zu ent­schei­den: Finanz­ent­schei­dun­gen eben, das „Königs­recht des Par­la­ments“ zur Ver­tei­lung gesell­schaft­li­chen Vermögens.

Aber wenn man sich das in sei­ner all­täg­li­chen Erschei­nungs­form ansieht und sich dabei zu einer gewis­sen Nai­vi­tät in der Betrach­tung zwingt, nimmt man den Par­la­men­ta­ris­mus in sei­nem Geba­ren und sei­nen Gepflo­gen­hei­ten und vor allem in der Men­ta­li­tät der Abge­ord­ne­ten­schaft als nichts ande­res als einen wohl moder­nen, aber immens ver­schwen­de­ri­schen Hof­staat wahr:

Die Rech­te der Abge­ord­ne­ten sind umfas­send, ihre Ein­künf­te in Rela­tio­nen zu denen des Wahl­vol­kes üppig bis enorm. Sit­zun­gen in Aus­schüs­sen und Par­la­ment gel­ten nicht nur wider­sin­nig als „Arbeit“, son­dern sogar als „Kampf“, auch in dem hier von mir betrach­te­ten meck­len­bur­gisch-vor­pom­mer­schen Land­tag, der sei­ne Exis­tenz dem angeb­lich unver­zicht­ba­ren Föde­ra­lis­mus ver­dankt und des­sen Ent­schei­dun­gen akut nur die Pro­vinz­pres­se und das Par­la­ment selbst interessieren.

Es gibt eine Flut von Pres­se­mit­tei­lun­gen, Anfra­gen und Anträ­gen, von denen ein Groß­teil für die Papier­ton­ne pro­du­ziert wird. Dies wäre anders, begän­ne Demo­kra­tie tat­säch­lich unten. Dort aber ist sie, bedingt durch die Über­grö­ße der Land­krei­se, nur noch abs­trakt. Das Sys­tem trägt sich nicht von unten auf, son­dern von oben her­ab beschäf­ti­gungs­the­ra­peu­tisch selbst und ver­braucht dafür hem­mungs­los Volksvermögen.

Wo es für einen hyper­tro­phen Appa­rat kei­ne ech­te Bedeu­tung oder Not­wen­dig­keit gibt, wo viel Papier sinn­los beschrie­ben wird, da wer­den um so mehr ideo­lo­gi­sche Ritua­li­sie­run­gen zele­briert. Man will genau dort noch demo­kra­ti­scher, noch gerech­ter, diver­ser, tole­ran­ter, welt­of­fe­ner, geschlech­ter­ge­rech­ter, noch mus­ter­gül­ti­ger regen­bo­gen­be­flaggt, durch­ge­gen­dert und kun­ter­bunt wel­ten­ret­tend cool sein, was jedoch vor allem zur Fol­ge hat, daß noch thea­tra­li­scher und betrof­fe­ner, gleich­sam aber rigo­ro­ser gegen jede kri­ti­sche Oppo­si­ti­on aus­ge­holt und jeder aus­ge­grenzt wird, der nicht ganz auf Linie ist.

Ohne eine akti­ve Oppo­si­ti­on, die umfas­sen­de Frei­hei­ten genießt, funk­tio­nie­ren Demo­kra­tie und Par­la­men­ta­ris­mus nicht. Daher erscheint es fatal, in wel­cher Wei­se hier­zu­lan­de die AfD poli­tisch stran­gu­liert wer­den soll.

Der Par­la­men­ta­ris­mus in der Pro­vinz nimmt sich sehr wich­tig, gera­de in mei­nem Bun­des­land, des­sen Anteil am Brut­to­in­lands­pro­dukt bei wei­ter schwin­den­der Ten­denz gera­de mal 1,4 % beträgt. Allein für sein Per­so­nal, ins­be­son­de­re für die auf­ge­stock­te Beam­ten­schaft, gibt die­ses ver­gleichs­wei­se arme Land bald ein Drit­tel sei­nes Haus­halts aus: Garan­tier­te Wohl­fahrt für die Angepaß­ten, zuletzt mit einem sat­ten Bonus für den Kampf im Home-Office: 1.300 Euro drauf.

Die Phy­sio­gno­mie der sit­zen­den Ent­schei­dungs­trä­ger erin­nert gleich­falls an eins­ti­ge Hof­schran­zen. Oft ent­glei­tet die Kon­tur des Lei­bes kraft Wohl­le­bens ins Amor­phe. Sie sind nicht nur Höf­lin­ge von demo­kra­ti­scher Art, sie sehen auch so aus.

Bei Hofe war ja immer inne­rer Sozia­lis­mus: Sat­ter Ein­satz der von ande­ren erar­bei­te­ten Mit­tel zur Absi­che­rung des eige­nen Kom­forts, den man per se ver­dient zu haben meint, denn mehr als Leis­tung macht es Bür­ger und Bür­ger­ver­tre­ter aus, daß sie zu XXL-Ver­brau­chern und Pro­fi-Shop­pern avan­cie­ren konn­te. Sta­tus ist wich­ti­ger als Kompetenz.

Wenn über die Mit­tel der soge­nann­ten öffent­li­chen Hand ent­schie­den wird, heißt es in Regie­rung oder Par­la­ment gern: „Wir neh­men hier mal rich­tig Geld in die Hand! Wir regeln das zu euren Guns­ten.“ Und zwar so, als bräch­ten die Ent­schei­dungs­trä­ger damit ein per­sön­li­ches Opfer. Daß es nicht ihr Geld ist, dürf­te so gut wie nie­man­dem von ihnen noch bewußt sein, da sie dar­über die vol­le Ver­fü­gungs­ge­walt haben, wenn es erst in die Töp­fe der Res­sorts ver­teilt ist.

Rich­tig aus­ge­drückt müß­te es vor der Aus­ga­be öffent­li­cher Mit­tel lau­ten: „Wir hof­fen instän­dig, daß es von uns Treu­hän­dern ver­ant­wor­tungs­voll ist, wenn wir das Geld der Bür­ger für die­sen von uns für rich­tig und gut befun­de­nen Zweck ausgeben.“

Ein sol­cher Satz aber käme min­des­tens in dem von mir beob­ach­te­ten Pro­vinz­par­la­ment nie­man­dem über die Lip­pen, weder den Lin­ken noch der soge­nann­ten Mit­te, zu der ja über­haupt alle gehö­ren, mit Aus­nah­me der geschmäh­ten und inkri­mi­nier­ten AfD, die gera­de zum Staats­feind erklärt wird.

Man ste­he zu ihr, wie man will, aber: Sie ist die ein­zi­ge Oppo­si­ti­on im Lan­de, und des­we­gen trifft sie die ver­sam­mel­te Miß­gunst der Eta­blier­ten, die gegen sie den Ver­fas­sungs­schutz in Stel­lung brin­gen, allein mit dem Ziel, eben die­se Oppo­si­ti­on zu dis­kre­di­tie­ren und mit den Mit­teln der Exe­ku­ti­ve zu erle­di­gen. Die AfD stört. Weil sie oppo­niert, ist sie aber gera­de unver­zicht­bar für die Demo­kra­tie. Es gibt kei­ne ande­re par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on, die im Sin­ne des Begrif­fe oppo­si­tio­nell agier­te. Tole­ranz gewäh­ren die selbst­er­klärt „demo­kra­ti­schen“ Par­tei­en ledig­lich unter­ein­an­der, nicht aber dem Opponenten.

Gänz­lich unkri­tisch ist man in der Aus­ga­be von Steu­er­gel­dern für das eige­ne Zeug – von Par­tei­en-Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al bis zu den Kos­ten aller zur Ver­fü­gung gestell­ten Res­sour­cen. Dafür bezah­len die unbe­kann­ten Wesen, die Steu­er­zah­ler irgend­wo da draußen.

Sobald man im Man­tel des Man­dats­trä­gers unter­wegs ist, sobald man wei­ßes Hemd und Sak­ko und die obli­ga­to­ri­schen Edel-Spitz­schu­he trägt, sobald man als Ent­schei­der gar in den Edel­ka­ros­sen der Minis­te­ri­en über Land fah­ren kann, scheint man über­zeugt davon, per se das Erfor­der­te und Gute zu tun. Dabei hül­len sich Figu­ren in ein Ornat, das ihnen viel zu groß ist, fällt es ihnen doch schon schwer, auch nur die Ver­ant­wor­tung für sich selbst wahrzunehmen.

Aber es ist schon abso­lut rich­tig, meint man, daß man dort, wo man nun sitzt, sicher ange­kom­men ist. Wes­halb eigent­lich? Die Ant­wort, die die meis­ten geben wür­den, mutet tau­to­lo­gisch an, nämlich:

Sonst wäre man ja nicht im „Hohen Haus“! Die Wäh­ler, also die mün­di­gen, die ver­nünf­ti­gen, die ihre Inter­es­sen wahr­neh­men­den und kraft umfas­sen­der Bil­dung urteils­kräf­ti­gen Bür­ger hät­ten sich ja mehr­heit­lich für die Per­son des Kan­di­da­ten ent­schie­den, der nun Man­dats­trä­ger, also Par­la­men­ta­ri­er, Ent­schei­der, gar Regie­ren­der ist. Gut ent­schie­den, Wäh­ler! Genau den Rich­ti­gen ins Par­la­ment gebracht und ihm den Wäh­ler­auf­trag erteilt.

Eines noch gül­ti­ge­ren Bewei­ses als die­ses Wäh­ler­wil­lens bedür­fe es nicht; im Gegen­teil, nichts wäre gerech­ter zu den­ken als die Tat­sa­che, daß man selbst in den wei­chen Dreh­ses­seln der Legis­la­ti­ve oder in den hohen Ämtern der Exe­ku­ti­ve Platz nahm.

Das Bes­te dar­an aber: Der Wäh­ler hat dann erst mal vier, fünf Jah­re nichts zu mel­den, eine Zeit, mit der es sich gehalts­tech­nisch gut rech­nen läßt.

Der jüngst zum Par­tei­vor­sit­zen­den der MV-Lin­ken gekür­te Peter Rit­ter, einst NVA-Offi­zier, dann durch­weg Funk­tio­när und Abge­ord­ne­ter, also nie in ech­ter Ver­ant­wor­tung, „arbei­te­te“ und „kämpf­te“ 27 Jah­re im meck­len­bur­gisch-vor­pom­mer­schen Lan­des­par­la­ment, lan­ge Zeit davon als Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der. Er betrieb hier maß­geb­lich die Kon­ver­si­on der Lin­ken von der Sys­tem­kri­ti­ke­rin zur Systemträgerin.

Sehr erkleck­lich: 6.277,97 € Bezü­ge, als Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der hun­dert Pro­zent Auf­schlag, also gleich mal das Dop­pel­te, dazu 1.587,25 € Kos­ten­pau­scha­le, fer­ner die Mög­lich­keit, den gleich­falls sat­ten Lohn für Wahl­kreis­mit­ar­bei­ter vom Land über­wie­sen zu bekom­men, aller­lei Extras, luxu­riö­se Ren­te, oben­drauf drei Jah­re Über­gangs­geld. – So lebt’s sich bei Hofe!

Die eige­nen Diä­ten sind über Jah­re sicher, die enor­men Ren­ten­an­tei­le eben­so; und wenn man sich par­tei­in­tern nur an die Spiel­re­geln hält, ist eine Art Abon­ne­ment auf den Par­la­ments­ses­sel durch­aus drin.

Kein ande­rer Beruf als aus­schließ­lich der poli­ti­sche kann sich auf die­se Wei­se legi­ti­mie­ren. Für alle ande­ren Ver­wen­dun­gen wird man, woll­te man eine so wich­ti­ge wie ein­träg­li­che Auf­ga­be über­neh­men, nach Kom­pe­tenz und Befä­hi­gung gefragt und dar­auf­hin geprüft; allein im „Hohen Haus“ und in der Regie­rung ist jeder zu Ent­schei­dun­gen befugt, brach­te ihn der Lis­ten­platz einer Par­tei nur irgend­wie dort­hin. Das ist die ein­zi­ge Bedin­gung: Gewählt wer­den, gewählt blei­ben. Mög­lichst kei­ne nega­ti­ve Pres­se, Ver­laut­ba­rungs­rhe­to­rik betrei­ben, die rich­ti­gen Kom­pli­zen gefü­gig halten.

Ein­ge­stan­den, man kann, wenn man unfä­hig ist, abge­wählt wer­den. Alle vier oder fünf Jah­re also kurz­fris­tig unan­ge­neh­mer Streß: Noch ein Hemd auf dem Lis­ten­par­tei­tag durch­schwit­zen, noch ein­mal sich durch­kun­geln, hier den Kopf zum Nacken­biß beu­gen, ihn dort aber zu gro­ßer Ges­te heben, die rich­ti­gen Hän­de schüt­teln, das zah­ni­ge Lächeln ein­frie­ren, noch ein­mal so viel wie mög­lich ver­spre­chen und sich von alten und neu­en Gefähr­ten auf den Schild heben las­sen, aber­mals das Kon­ter­fei mit einem so flot­ten wie lee­ren Slo­gan von treu­en Hel­fern an so vie­len Later­nen­mas­ten wie mög­lich mit Kabel­bin­dern fest­zur­ren las­sen, noch ein­mal hof­fen, daß es, das Volk, einen durch­bringt, auch wenn man ansons­ten bes­ser nicht mehr von Volk spre­chen sollte.

Und das Volk? Das beob­ach­te ich hier eben­so. Sehr inter­es­sant, weil es am Par­la­ment direkt jene erlebt, die es zu ver­tre­ten mei­nen. Es gibt Putz­frau­en, Küchen­kräf­te, alle Arten Tech­ni­ker, Hand­wer­ker, Wach­per­so­nal und über­haupt jenen „Ser­vice“, der frü­her mal Die­ner­schaft genannt wur­de. Das Gesin­de ist ja stets zahl­rei­cher als die Reprä­sen­tan­ten der Herr­schaft. Und das Gesin­de sieht immer sehr genau hin.

Was die­se Leu­te, die für klei­nes Geld red­lich arbei­ten, kei­ne „Gleit­zeit“ ken­nen und sich nicht ins Home-Office ver­drü­cken kön­nen, zum par­la­men­ta­ri­schen Betrieb sagen und mei­nen, hier, wo sie es genau sehen und mit­er­le­ben, ist zwar kein Beweis, gleich­wohl symptomatisch.

Man hört die gan­ze bit­te­re Miß­gunst und vor allem den bis­si­gen Spott, die die Herr­schaf­ten immer traf, denen man – lohn­ab­hän­gig beschäf­tigt – offi­zi­ell so ehr­erbie­tig begeg­nen muß­te, wie man sie ins­ge­heim verachtete.

Denn dort, wo das Volk die Herr­schaft leib­haf­tig sieht und deren höfi­sches Geba­ren unmit­tel­bar emp­fin­den kann, dort, wo es den deka­den­ten, teils ver­kom­me­nen Lebens­stil, die dicken Kar­ren, die Wohl­stands­sym­bo­le, den damit wie­der­um zur Schau getra­ge­nen Dün­kel und die mit dem „hohen Amt“ im „hohen Haus“ ver­bun­de­ne Ver­schwen­dung als das Gegen­teil einer not­wen­di­gen Demut erkennt, dort spricht die­ses Volk frei von der Leber weg – in einer Aus­drucks­wei­se, die nie zitier­bar war, die es heu­te aber schon gar nicht ist, da wir doch in der Demo­kra­tie in der bes­ten aller mög­li­chen Wel­ten leben möch­ten, was wir gefäl­ligst stets zu beken­nen und zu wie­der­ho­len haben und wes­we­gen wir den Reprä­sen­tan­ten die­ser Demo­kra­tie unse­re Wert­schät­zung zol­len müs­sen, ihnen mit Respekt und, ja, auch etwas ser­vil zu begeg­nen haben. Offi­zi­ell jedenfalls.

Wäh­rend aber die „Volks­herr­schaft“ angeb­lich die Gerech­tig­keit garan­tiert, sieht das nach wie vor die­nen­de Volk allein eine gegen­wär­ti­ge Vari­an­te prot­zig her­aus­ge­put­zer Nobi­li­tät. Es erlebt, daß es in der Mehr­heit von zwei­fel­haf­ten Cha­rak­te­ren beherrscht wird, ja daß es offen­bar ein poli­ti­sches Gesetz gibt, das eher jene nach oben spült, die weni­ger sitt­sam, arbeit­sam, beschei­den und zudem eben nicht unbe­dingt reich an Fähig­kei­ten und Kennt­nis­sen sind, son­dern die, denen es aus­reicht, laut­stark zu beken­nen, dies alles zu sein.

Der gemei­ne Mann hat genug kon­kre­te Mühe damit, für sich und die Sei­nen zu sor­gen, wäh­rend der Volks­ver­tre­ter vor­ge­ben darf, er kön­ne – abs­trakt – gleich die Ver­ant­wor­tung für das gro­ße Gan­ze über­neh­men und wis­se schon, was das Volk, was der Wäh­ler so nötig hät­te. Auch demo­kra­ti­sche Herr­schaft ist vor allem eben dies: Herrschaft.

So sim­pel es ist: Die Leu­te, denen doch immer klar war, daß Poli­tik ein dre­cki­ges Geschäft ist, haben sub­stan­ti­ell recht. Wer dar­über hin­aus ahnt, daß Macht kaum mit Moral, Glück, ja nicht mal mit see­li­scher Gesund­heit har­mo­nie­ren kann, liegt rich­tig. Ja, eine kom­ple­xe Gesell­schaft benö­tigt die Struk­tu­ren der Macht; man darf sich jedoch glück­li­cher­wei­se her­aus­hal­ten, wenn man selbst ver­ant­wor­tungs­voll leben will.

Auf der Kup­pel des Par­la­ments­ge­bäu­des eine Plas­tik: Erz­engel Micha­el tötet mit sei­ner Lan­ze das Böse. Wie stim­mig. Im Par­la­ment wer­den die Abge­ord­ne­ten kaum wis­sen, was sich da über ihren Köp­fen dar­ge­stellt fin­det. Man resi­diert sta­tus­ge­mäß in einem groß­her­zog­li­chen Schloß. Der eins­ti­ge Mon­arch wäre kon­ster­niert, wel­che Ver­schwen­dung mit der ver­meint­li­chen Volks­herr­schaft Ein­zug in sein Haus gehal­ten hat.

Als ich im Innen­hof mein Fahr­rad los­schloß, sah ich neben mir einen der sym­pa­thi­schen Tech­ni­ker, der eine edle Elek­tro-Limou­si­ne vom Lade­ste­cker trenn­te, ein Modell, für des­sen Kauf­preis man sich ein klei­nes Häus­chen leis­ten könnte.

Ich also: „Den hast du dir doch bestimmt bei Ebay besorgt, oder?“ Er lächel­te und sag­te nur: „Na ja, wir müs­sen die Din­ger ja bewe­gen. Für die Bos­se. Du ver­stehst. Freu du dich mal über dein Fahrrad.“

Mache ich. Paßt zu mir, nach Art und For­mat. – Noch ein­mal dre­he ich mich um und rufe zurück: „Ver­giß nicht, die leben hier alle von dir!“ Und er – lacht. Und gibt schnell noch zurück: „Das haben die aber längst ver­ges­sen.“ – Ich rufe ihm zu: „Das ist nicht das Schlimms­te. Die ent­schei­den sogar über dich.“

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (55)

Uwe Lay

4. April 2022 12:24

Völlig Unpassendes

Wenn über etwas abgestimmt wird und 51 Prozent für A und 49 Prozent für -A sind,wie legitimiert sich dann das Urteil, daß A wahr, gut oder auch nur besser als -A ist? Oder ist A dann einfach nur legitimiert, ohne daß A deshalb als wahr oder gut zu qualifizieren ist?

Wenn nun 51 Parlamentarier für A, 49 für -A gestimmt haben, wie begründet das das Urteil, daß nun der Mehrheitswille des Volkes, das diese Parlamentarier gewählt hatte, so zum Ausdruck kommt? Stimmten die 51 bzw 49 nicht gemäß ihrer Partei- und Fraktionsdiszipin ab?

Wenn jemand operiert werden muß, wer möchte sich in einem Spital operieren lassen, in dem die medizinischen Entscheidungen, ob und wie operiert wird, von 1 Chefarzt, 1 Assistenten, 1 Azubi und 1 Pfeger und 1 Raumkosmetiker entschieden werden? Sind politische Entscheidungen wirklich, wie Lenin meinte (Staat und Revolution) so einfach, daß jeder dazu kompetent ist?

Niekisch

4. April 2022 13:39

Auf der Kuppel des Parlamentsgebäudes eine Plastik: Erzengel Michael tötet mit seiner Lanze das Böse.

Hurra, ein Signum für die Machtübernahme der Legion Erzengel Michael. Endlich!

URN

4. April 2022 13:55

Ja, "so lebt's sich bei Hofe!".

6.277,97 € Bezüge und als Fraktionsvorsitzender nochmal das Gleiche dazu nebst der weiteren Zahlungen, die Herr Bosselmann zutreffenderweise auflistet, erhält auch der Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Nikolaus Kramer....

Heino Bosselmann

4. April 2022 14:06

@URN: So sind nun mal die Regeln. Die AfD hat sie nicht gemacht, da sie nicht zu den Mehrheitsbeschließern gehört. Sie spricht sich gegen Selbstbedienungsmentalität aus und stimmte auch gegen die von mir im Beitrag erwähnten Bonus-Zahlungen. Mal abgesehen von konkreten Personen, die gute Arbeit leisten: Es gehört zu den Prinzipien des Systems, nun mal jeden gehörig zu atzen, der darauf einsteigt. Max Weber beschreibt die Zusammenhänge in "Politik als Beruf" bereits 1919. Herzlicher Gruß.

Utz

4. April 2022 14:10

Es liegt einiges im Argen in unserer (Schein-)Demokratie. Der Autor hat es ausführlich dargelegt. Aber was hilft's? Sicher ist das gut, die Fehler der Hofschranzen immer wieder deutlich zu machen, aber damit läuft man auch Gefahr, daß einige sagen: Wir haben nur eine Demokratiesimulation, es wäre kein Verlust, wenn wir die Demokratie abschaffen würden. Da wir aber am kürzeren Hebel sitzen, würde das sicher nicht zu unseren Gunsten ausgehen. Ich denke, die u.a. von David Engels beschriebene Allianz vom Großkapital mit den woken Linksgrünen ist ja nur deshalb zustande gekommen, weil das Großkapital auf der Suche war nach einer Partei, die ihnen bei der Abschaffung der Demokratie hilft. Bei den Grünen sind sie fündig geworden ("globale Probleme brauchen eine internationale Governance", "wir haben gesehen, daß die Menschen alleine nicht einsehen, was für die Rettung des Planeten nötig ist"). Wir sollten also auf jeden Fall danach trachten, die verkommene Demokratie wieder zu restaurieren und die Heucheleien (Bosselmann: Daß dies zu Lasten der Schöpfung und des „globalen Südens“ geht, wird erst seit ein paar Jahren, dafür aber mit apokalyptischem Akzent problematisiert; dies soll aber, so die Erwartung, gleichfalls global-demokratisch auszugleichen sein.) aufzudecken.

Valjean72

4. April 2022 14:10

Der einstige Monarch wäre konsterniert, welche Verschwendung mit der vermeintlichen Volksherrschaft Einzug in sein Haus gehalten hat.

Das ist es, was sich viele mE gar nicht vorstellen können. Korruption, Misswirtschaft und Verschwendung konnten in einem gesamtdeutschen Staat erst unter demokratischen Verhältnissen so richtig "aufblühen".

Im deutschen Kaiserreich war dies verpönt und zog die gesellschaftliche Ächtung nach sich, sollte solch ein Vorfall publik geworden sein.

Der gegenwärtige deutsche Staat zerrt noch noch von der Restsubstanz eines Wohlstandes, dessen Grundsteine beinahe allesamt im kaiserlichen Deutschland gesetzt wurden.

Wobei - und daraus mache ich keinen Hehl - ich diesen gegenwärtigen Staat als einen anti-deutschen begreife.

RMH

4. April 2022 14:42

Alles hat seine Vor- und Nachteile. Gewaltenteilung mit parlamentarischer Demokratie hat nach dem pragmatisch rationalem Grundverständnis aus Furcht vor dem kompletten Versagen manches Einzelherrschers eben systemimmanent für kontinuierliches Mittelmaß ohne große Ausschläge nach oben oder unten zu sorgen. Derjenige, für den das Glas stets halb voll ist, für den ist es die goldene Mitte. Für denjenigen, für den nur das Herausragende zählt, wird es immer "nur" Mittelmaß sein.

@Valjean72, Früher war nicht immer alles zwingend besser oder anders als heute. Wenn man es schaffte, irgendwie Hoflieferant für ihrer Majestät Streitkräfte zu werden, so brachte das selbst im teilweise (je nach Herrscher) auf Sparsamkeit bedachten Preußen ziemlichen Reichtum, wie man an all den prächtigen Villen oder Schlössern, die heute noch erhalten sind und die oft einen solchen Industriellen in der Besitzerliste haben, deutlich erkennen kann. Gerade viele der Schlösser haben solch einen hohen Erhaltungsaufwand, dass sie sich in unserer Zeit sogar im Stadium des Verfalls befinden, weil es sich keiner leisten kann oder will, die schönen Bauten zu erhalten.

@Uwe Lay, Mehrheit ist Mehrheit, wie schon der Gasgerd zu sagen pflegte ...

Zusammengefasst: Wir leben in einer Phase der Dekadenz eines einstmals auch als parlamentarische Demokratie funktionierenden Staatswesens.

Maiordomus

4. April 2022 14:49

Zu den bedenkenswerten Demokratiekritikern gehören aus dem Felde der inellektuellen Reaktion Erik Kuehnelt-Leddihn mit dem Standardwerk "Freiheit oder Gleicheit" oder aus dem Bereich des Ordo-Liberalismus Karl Popper, der das Churchill-Wort von der schlechtesten Regierungsform (mit Ausnahme der anderen) nicht als Witz, sondern ernst nimmt. Demokratie hat für ihn ganz und gar nichts mit Rechthaben und Kompetenz zu tun (an @Uwe Lay); der einzige Vorteil ist die unter Umständen gegebene Chance, eine Regierung unblutig loszuwerden; überhaupt ist der Bürger durchaus kompetenz zu beurteilen, ob er ein System erträglich finde oder nicht, dazu muss keiner studiert haben oder polit. Theorie kennen. Doch ist die Demokratie leider auf die Polis angewiesen, siehe Athen, wo man einander kennt, wo wie auf ein qualiffiziertes Bürgerrecht. Dass jeder Hergelaufene stimmen kann, war nie die Idee der Demokratie-Erfinder. Ein Problem: Käuflichkeit des Wahlkörpers, "Knechte mich, aber mach' mich satt!" (Dostojewskij). Klar ist die Volkssouveränität nach Tocqueville eine "fausse idée claire"!

Ein Fremder aus Elea

4. April 2022 15:49

Ich werde mal bei der Theorie bleiben.

Die Sache ist nicht sonderlich kompliziert: Der Bürger entscheidet. Wonach? Wo's am meisten zwickt. Und wo zwickt's am meisten? An den Rahmenbedingungen der eigenen Karriere (Offensive) und der eigenen Sicherheit (Defensive). Also besteht das ganze demokratische Denken darin, Gelder zu verteilen und Sicherheitsvorschriften zu erlassen.

Die Frage ist, ob ein solches Denken die Grundlagen der Zivilisation erhält. Platon meinte vor 2429 Jahren: Nein, denn die Forderungen werden zunehmend egoistisch und ungerecht.

Und? Bekleckern wir uns mit Ruhm? Aber natürlich haben wir überhaupt keine Demokratie. Ja, was wir haben, beschimpft die Demokratie als egoistisch und ungerecht. Was also haben wir? Vor allem viele, viele Institutionen, nicht wahr? Wird sich im Detail schwer klassifizieren lassen. Aber dieser ganze Wald an Verflechtungen wird jedenfalls bestimmte Einflußnahmen begünstigen und andere erschweren. Müßte man mal daraufhin betrachten.

Valjean72

4. April 2022 17:54

@RMH:

Ich werde aus Ihrem Kommentar nicht recht schlau.

1) Vergleichen Sie einmal die infrastrukturellen Aufbauleistungen im Deutschen Reich von 1871 - 1918 mit denen der letzten 40 Jahre. Aufbau des leistungsfähigsten Eisenbahnnetzes der Welt zwischen Straßburg und Königsberg, mit einer Vielzahl repräsentativer und leistungsfähiger Bahnhöfe. Der Leipziger Hauptbahnhof, seinerzeit der größte Bahnhof Europas, wurde noch während des 1. WK fertiggestellt (Bauzeit: 1909 - 1915).

Der Spitzensteuersatz für die Einkommensteuer betrug 4%. Eine Mehrwertsteuer wurde erst inmitten des 1.WK eingeführt.

2) Das enorme Wachstum der deutschen Städte wurde gestaltet, auch und nicht zuletzt nach ästhetischen Gesichtspunkten. Als ich als junger Mann 1995 zum ersten Mal durch die Südvorstadt Leipzigs spazierte, war ich beeindruckt von der vergangenen, städtebaulichen Pracht des Kaiserreiches, trotz des erkennbaren Verfalls nach Jahrzehnten der Vernachlässigung.

Bundesdeutsche Städte, die heute allgemein als schön empfunden werden, sind dies beinahe ausschließlich aufgrund ihrer Bausubstanz, die vor 1918 realisiert wurde. Dazu zähle ich auch Rekonstruktionen unserer Tage.

Laurenz

4. April 2022 17:56

@Valjean72

Auch wenn

@RMH

Ihnen schon wesentliches mitteilte, so liegen Sie komplett falsch. Der letzte Kaiser wechselte in seinem Prunk & Protz (anglophiler Neid) täglich mehrmals die Klamotten, jeden Tag. Von preußischer Sparsamkeit eines Alten Fritzens, der sich mit dem kleinen Sanssouci beschied, keine Spur. Vom Mittelalter bis in die Neuzeit war die Divergenz zwischen arm und reich größer als jetzt, wenn wir mal vom Luftgeld absehen, aber auch nur, wie HB schreibt, im Westen oder Teilen Ostasiens. Das RMH-Argument der Schlösser bedeutet zwar echte Kunst am Bau, die wir heute nicht mehr haben, aber diese wurde mit Wohn-Löchern für die Bevölkerung bezahlt. Um Ihnen das plastisch deutlich zu machen, hier die Doku: Habsburgs Allüren https://youtu.be/pCMGbC2oBF8

Die politischen Entscheidungen der Herrscherhäuser auf deutschsprachigem Boden waren am Ende aufgrund der debilen Degeneration so schlecht, daß sie den Untergang bedeuteten. Und das ist auch gut so. Was verfault ist, muß weg, auf den Kompost der Geschichte.

Laurenz

4. April 2022 18:07

@HB

Sie haben den Status Quo wieder bestens beschrieben, mit Verlaub, das ist in meinen Augen Ihr größtes literarisches Talent.

Das, was man Ihnen vielleicht inhaltlich vorwerfen könnte, ist, den Status Quo nicht drastisch genug in der Definition geschildert zu haben. 

Das Nachkriegsdeutschland wurde bewußt von den Alliierten in eine Parteien-Oligarchie überführt, welche nur bedingt etwas mit Demokratie zu tun hat. Daß in über 70 Jahren der Artikel 20 (2) des GGs bezüglich der Bürgerbeteiligung nie berücksichtigt wurde, mag hier als Beleg gelten für meine Aussage gelten.

Jetzt allerdings mutieren wir von dieser Parteien-Oligarchie mit Demokratie-Simulation hinüber in den Neo-Feudalismus, den Retro-Minderheiten-Staat. Minderheiten werden abseits irgendeiner Kompetenz, wieder privilegiert, wie einst der Adel. Und so gestaltet sich dann auch der Umgang mit dem Widerstand gegen diese gesellschaftliche Entwicklung. Natürlich bringt das eine Destabilisierung des Staates an sich mit sich. Im Zuge dieser, wird es nicht mehr lange dauern, bis die deutsche Pozilei auf Demonstranten schießen wird.

Maiordomus

4. April 2022 18:40

@Maiordomus. Verschreiber. Gemeint ist oben: die Demokratie ist auf ein qualifiziertes Bürgerrecht angewiesen; ursprünglich waren das Waffentragen und die alteingesessene Herkunft Kriterien, was heute so nicht mehr zu vertreten ist im Gegensatz zur grundsätzlich berechtigten Frage nach Kriterien.

 

Gilt nicht zuletzt auch für Wählbarkeit usw. Kriterien sind insoweit nicht diskriminierend, als diese, von  genau umrissenen entschuldbaren Ausnahmen abgesehen, jeweils ein jeder erfüllen können sollte, bei freilich gegebenen Ansprüchen. Z.B. ausgewiesene berufliche Qualifikation für Wählbarkeit? Zu denken gibt, dass 1933 "Reichskanzler" die erste allgemein anerkannte feste Berufstätigkeit eines früheren Männerheiminsassen gewesen zu sein scheint, wenn man allenfalls von (immerhin auflagestark gedrucktem) Autor absieht; bekanntlich fehlte ihm als Kunstmaler die abgeschlossene akademische Ausbildung, was indes noch bei anderen, bedeutenderen Künstlern, ebenfalls vorgekommen ist.

RMH

4. April 2022 20:03

@Valjean72 u. Laurenz,

ich wollte recht spezifisch darauf hinaus, dass man mit gewissen Produkten, insbesondere fürs Militär, sich ziemlich gut gesund stoßen konnte und das war damals wie heute so. Das im Kaiserreich schon eine aus heutiger Sicht marginale Schaumweinsteuer langte, um Teile einer großen Flotte finanzieren zu können, ist allgemein und damit auch mir bekannt. Selbstredend ist das Kaiserreich in vielen Punkten nach wie vor Vorbildfähig (und es lebt mehr davon auch in unserem Staat weiter, als viele vermuten werden), nur krankte es an seinem dekadenten Adel und damit verbundenen Standesdünkeln sowie einem Bürgertum, welches selber am liebsten adelig sein wollte und jede Nobilitierung als quasi das Höchste empfand.

@Laurenz,

mal eine kleine Stilkritik: Tragen Sie doch einfach einmal etwas weniger dick auf - bspw. langt es, wenn Sie schreiben, ich läge falsch. Aber Sie müssen daraus wieder "komplett falsch" machen. Wir sind hier nicht beim Boulevard-Journalismus und haben auch ohne Debatten alle gewisse Schnittmengen, je nach Thema mal mehr mal weniger.

Imagine

4. April 2022 20:10

Es gibt eine Vielzahl von Demokratie-Modellen.

Eine repräsentative Parteiendemokratie ist das schlechteste Modell, weil die Bevölkerung keinerlei direkten Einfluss auf das konkrete Politikgeschehen hat. Die Abgeordneten können Klientelverrat begehen und korrumpiert werden, von ihren Parteiführern unter Druck gesetzt werden, die Parteien können untereinander ihre Politik auskungeln etc. Diese Demokratieform ist mit Faschismus (s. Hitler) und Autokratie (s. Merkel) kompatibel.

Ein Einparteiensystem hat große Vorteile. Politisch engagierte Bürger können da demokratisch mitwirken. Der Vorteil ist: Keine populistischer Wahlzirkus, kein Parteiklüngel.

Allerdings sollte es als Gegenstruktur direktdemokratische Strukturen, wie z.B. in der Schweiz, geben, wo Bürger Gesetzesinitiativen einbringen können oder Referenden gegen Entscheidungen oder verabschiedete Gesetze unternommen werden können.

Mitleser2

4. April 2022 20:29

@Laurenz/Valjean72:

Zu Details des Kaiserreich will ich mich nicht weiter äußern, nur so viel zu Verteidigung von Valjean72: Allein die Zahl der Nobelpreise in Physik und Chemie bis einschließlich der Weimarer Republik spricht eindeutig für das Kaiserreich. Vergleichbares schaffte nur die USA nach 1945 als Sieger von WKII.

Maiordomus

4. April 2022 21:19

 

@Imagine. Direkte Demokratie ist in der Tat weniger auf Parteien angewiesen, aber Einparteiensystem ist auf jeden Fall schlechter als mindestens zwei Parteien, was in der Schweiz jetzt schon Fakt ist, nämlich die SVP und die übrigen. Dies funktioniert jedoch mit der AfD schon mangels Tradition und solider regionaler Verankerung in Deutschland nicht. 

Imagine

5. April 2022 00:18

@Maiordomus

Ein Einparteisystem, wie ich es mir vorstelle, ist ein Keinparteiensystem.

Das ist eine Organisation, in der politisch interessierte und engagierte sowie fachkundige Bürger tätig sind. Selbstverständlich gibt es auch dort Gruppenbildungen und Fraktionen. Es handelt sich um eine Institution des Staates mit bürokratischem und technokratischem Charakter, aber ohne diese populistische Demokratiesimulation, ohne Wahlkämpfe voller Lügen und Illusionen mit den unpolitischen und ungebildeten Massen als Adressaten.

Das kann man noch mit Rätestrukturen verbinden.

Die Gegenstruktur bilden Formen der direkten Demokratie.
 

Laurenz

5. April 2022 00:44

@Mitleser2

4. April 2022 20:29

@L. & Valjean72

Das mit den 

"Nobelpreisträgern"

stimmt. Im internationalen Vergleich war auch die Ausbildung der Arbeiterklasse die beste weltweit, beschrieben bei Paul Kennedy  https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstieg_und_Fall_der_gro%C3%9Fen_M%C3%A4chte

welcher hier anführt, daß Deutschland nur deswegen 2 Weltkriege solange durchhielt, weil seine Soldaten die beste Ausbildung genossen hatten. (Auf heute bezogen;: Mit einem Bachelor in Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften kann man keinen Panzer reparieren.) Wenn Sie das aber weiter durchdenken, & man für die Oberstufe an einem Gymnasium hätte nichts bezahlen müssen, was man beim Protz hätte einsparen können, wäre der geistige Ertrag des II. Reichs noch höher gewesen. Den Nationalsozialisten gelang es, den Standesdünkel etwas abzubauen, aber gerade in der Marine hätte es bei einem Verständnis von Gemeinsamkeit keine Matrosenaufstände Ende '18 gegeben.

Laurenz

5. April 2022 00:47

@RMH @L.

Wenn Sie richtig gelesen hätten, wüßten Sie, daß mit

"komplett falsch"

nicht Sie gemeint waren, sondern unser Forums-Teilnehmer

@Valjean72.

Fonce

5. April 2022 01:20

Das Thema Schein-Demokratie ist natürlich auch interessant im Vergleich zu Putins Autokratie. In dem Sinne, dass es bei uns nicht wirklich besser (demokratischer) sei. In diesem Zusammenhang habe ich ein Dilemma:

Oft wurde gesagt, die USA strebe (zusammen mit Israel) die Errichtung einer Weltregierung an, welche die Demokratie ausschalten und die Menschen zu Vieh degradieren will.
Putin wird dann als Garant für deren Verhinderung gesehen. Ich glaube mich zu erinnern, dass es hier manchmal Kommentatoren gegeben hat (z.B. @Der_Jürgen), die Putin in dieser Weise verehren. Torsten Mann stellt es aber gerade umgekehrt dar, er behauptet, der Kommunismus und die Sowjetunion sei gar nie wirklich untergegangen, sondern die von Russland und China ins Leben gerufene BRIC-Vereinigung sei es, welche die eine (kommunistische) Weltregierung anstrebe. Paradoxerweise wäre das Resultat etwa gleich wie im Fall USA/Israel.

Das heisst, mit anderen Worten, wir befinden uns (ohne es zu merken, weil durch andere Widerlichkeiten wie Rassenvermischung und LSTxyz abgelenkt)  zwischen Skylla und Charybdis und müssen uns vor Circe (unserer Ignoranz) in Acht nehmen.

Rolf-Peter Sieferle hat einmal gesagt, dass Deutschland vor dem 2. Weltkrieg einen alternativen Geschichtsentwurf hatte.
Haben ihn Skylla und Charybdis drum angefaucht? Mehr weiss ich leider auch nicht ...

 

RMH

5. April 2022 07:17

@Laurenz,

richtig, da bin ich zur Abwechslung einmal zu schnell über ihren Beitrag drüber gebügelt.

@Imagine,

ihr verkopftes System würde nicht funktionieren. Intrigen, Ränkespiele, Korruption, Lobbygruppen würden dann eben bei einer formal einheitlichen Partei stattfinden und nicht bei mehreren. Im Sinne einer konsequenten Gewaltenteilung hat es eben auch unterschiedliche "Clubs" zu geben, damit sich diejenigen, welche sich am allzumenschlichen Geschacher zu offensichtlich beteiligten, in der Rolle der Opposition oder gar auch außerhalb des Parlamentes wieder finden können, sprich abgewählt werden können. Das es mehr direkte Demokratie geben sollte, damit haben Sie recht. Ich wäre bspw. auch dafür, dass Abgeordnete vom Wähler auch während ihrer Amtsperiode wieder abgewählt werden können, wobei das natürlich sich theoretisch wieder besser liest als es praktisch umsetzbar wäre.

Nordlicht

5. April 2022 07:59

Dass unserer Wohlstand zu Lasten "des globalen Südens" geht, ist einer der nicht auszurottenden sozialistischen Phrasen. 

Angeblich hätten ja die von Europäern unberührten Naturvölker ein viel schöneres Leben gehabt. 

kikl

5. April 2022 08:22

Aus meiner Sicht ist diese Analyse weitgehend zutreffend.  Wir haben in Deutschland keine "Volksherrschaft", das Volk ist nicht im Besitze der politischen Macht. Das Volk hat eine andere Rolle. Es dient der Legitimation der Macht. So wie der Papst einst den Kaiser gekrönt hat, so legitimiert das Volk die Macht. De Facto herrscht eine Oligarchie von ein paar Tausend Mächtigen über Deutschland. Sie lassen sich alle paar Jahre ihre Herrschaft legitimieren, indem sie das Volk gezielt mittels der Massenmedien manipulieren. Seit das Internet den Leitmedien ihre Deutungshoheit streitig macht, wird im Netz streng zensiert. Noam Chomsky hat das "Manufacturing Consent" genannt.

Jetzt kann man natürlich grundsätzlich fragen, womit Macht legitimiert wird. In unserem Alltag wird sie durch Kompetenz legitimiert. Davon kann bei unseren Herrschern keine Rede sein. Sie zeichnen sich durch Inkompetenz und Korruption aus.

Für mich stellt sich die Frage, was eigentlich wichtiger ist: Volksherrschaft oder Menschen- und Bürgerrechte? Für mein Leben ist wichtiger, dass meine Grundrechte effektiv geschützt werden. Ich lebe lieber unter einem aufgeklärten Diktator, der meine Rechte schützt, als unter einer tyrannischen Mehrheit.

Die Corona-Krise hat uns vor Augen geführt, dass es keinen effektiven Grundrechtschutz in Deutschland gibt. Wer sehen will, der erkennt, dass wir in einer schlechten Demokratiesimulation leben.

RMH

5. April 2022 09:16

"wir befinden uns ...  zwischen Skylla und Charybdis und müssen uns vor Circe (unserer Ignoranz) in Acht nehmen."

@Fonce, Richtig, leider sind hier im Kommentariat zu viele in ihrem Wahn gegen die USA als Hort allen Böses derart verblendet, dass sie das vermeintlich "kleinere Übel", nämlich die Putinsche Oligarchie, mit zu großem Ausdruck der Begeisterung vorziehen würden, was einem vom Regen in die Traufe kommen aus deutscher Sicht gleich kommt (manch einer würde sich wohl auch von China gerne zum Vasallen machen lassen).

"Angeblich hätten ja die von Europäern unberührten Naturvölker ein viel schöneres Leben gehabt." 

@Nordlicht, nachdem die Völker Afrikas & Co sich in kultureller Aneignung die Maßstäbe des weißen Mannes im Hinblick, was ein schönes Leben sein soll einschließlich dessen Romantik vom edlen Wilden, zu eigen gemacht haben, können sie gar nicht wissen, ob sie ein schöneres oder gar erfüllteres Leben ohne die Europäer führen würden. Es gilt auch hier: Der eigene Maßstab sollte zunächst entwickelt oder wieder gefunden werden, was aber bei den globalen Vorgängen - egal, welcher von den Polen der multipolaren Welt in welcher Region der Welt das Sagen habt - gar nicht so einfach möglich ist.

Ein Fremder aus Elea

5. April 2022 09:23

Fonce,

dazu kann ich nur "Ach was." sagen. Ich habe mich oben natürlich zurückhaltend ausgedrückt. Die Dinge sind im Detail halt unübersichtlich, und ich dachte mir, den Ausblick einmal offen zu halten.

Aber wenn Sie fragen, was Sie von den USA zu erwarten haben: Mehr Werbung, mehr Rechtsanwälte, längere und weiter über den Erdball verstreute Fertigungsketten und seit neuestem: höhere Anforderungen an ihre Unbedenklichkeit als Krankheitsüberträger.

Ist nicht gerade eine politische Theorie, aber gibt einem doch eine Idee.

Und von Rußland und China? Wenn es nach ihrer Pfeife ginge? So wie Rußland und China zur Zeit sind? Unterwürfige Bekundungen, daß die Erklärungen ihrer Regierungen der Wahrheit entsprechen und entsprechendes Handeln.

Ist vielleicht ein ganz klein bißchen fies, aber besser weniger erwarten als zu viel. Mit anderen Worten: Einstweilen sehe ich keinen wirklichen Unterschied dazu, daß das ganze Gebiet von Rußland und China von Dschingis Khan regiert wird. Das wird im Falle von China zumindest aber nicht auf längere Sicht so bleiben. In Rußland ist der Staat einfach zu fern, als daß sich die Russen bemühen würden, irgendetwas an ihm zu ändern, wohingegen die Chinesen, in dem Moment, in welchem sie sicher sind, stärker als Europa und Amerika zu sein, der KP umgehend einen Tritt in den Hintern verpassen werden.

Ja, und zu dem Rest muß ich wohl nichts sagen.

Valjean72

5. April 2022 09:34

@Laurenz

so liegen Sie komplett falsch. Der letzte Kaiser wechselte in seinem Prunk & Protz (anglophiler Neid) täglich mehrmals die Klamotten, jeden Tag. Von preußischer Sparsamkeit eines Alten Fritzens, der sich mit dem kleinen Sanssouci beschied, keine Spur.

der Alte Fritz liess nicht nur Sanssouci errichten, sondern auch das Neue Palais in Potsdam. In Berlin wurde das Schloss Monbijou erheblich erweitert, dazu: Opernhaus unter den Linden, Prinz-Heinrich-Palais, Alte (Königliche) Bibliothek etc.

 

Dass Wilhelm II. oft die "Klamotten" wechselte, lag vor allen Dingen daran, den unterschiedlichen Regimentern, die er besuchte oder empfing, Respekt zu erweisen, in dem er die Uniform dieses Regiments trug. Bei deutsch-österreichischen Staatsempfängen kam es vor, dass er eine österreichische Uniform und die österreichische Seite preussische Uniformen trug.

 

Fortschreitende Degeneration und absoluten Niedergang konstatiere ich heute in der real existierenden, späten Bundesrepublik. Aber einen Jakobiner ficht das wohl nicht an.

Laurenz

5. April 2022 10:14

@Fonce

Bei der Betrachtung von 

"Putin & Rußland"

wird immer außer acht gelassen, wie letzteres funktioniert oder wie es regierbar ist. Entfernte man den "starken Mann" Putin, haben sofort die korrupten Provinz-Gouverneure & die meist jüdischen Oligarchen das Sagen, wie man in den 10 Jahren Jelzin gut beobachten konnte. In diesen 10 Jahren saßen die Amis schon in jedem Ministerium. Dasselbe gilt für die Ukraine bist heute, das Land ist durch & durch korrupt, es hatte nie einen starken Mann an oberster Stelle. Die Macht Putins basiert auf dem Geheimdienst. In den USA ist das übrigens nicht viel anders, auch ein riesengroßes Land. Nicht umsonst haben die USA ca. 17 Geheimdienste, da hatte jeder dritte Präsident seinen eigenen aufgemacht. (Laut Ganser befahl der damals ehemalige CIA-Chef die Liquidierung Kennedys.) Und bei 30k Schußwaffen-Opfern jährlich (darunter 10k Suizide) fallen 1 oder 2k, welche womöglich ein Geheimdienst aus dem Verkehr zieht, auch nicht weiter auf. Soweit in Rußland Demokratie möglich ist, ist Rußland demokratisch, so in etwa, wie auch die USA demokratisch ist. Demokraten & Republikaner sitzen in denselben Freimaurer-Logen.

Laurenz

5. April 2022 10:22

@Nordlicht

"Angeblich hätten ja die von Europäern unberührten Naturvölker ein viel schöneres Leben gehabt."

Die islamische & christliche Mission vernichtete hunderte von Kulturen. Es gab auch nur da Kolonialpolitik, wo etwas zu holen war.

Was man hierbei, wie Sie, Nordlicht, auch, leicht vergißt, auch Europa war für die Herrschenden nichts anderes als eine Kolonie, was auch durch den (römischen) Reichsgedanken (, den viele hier so geil finden,) verursacht wurde. Köln heißt nicht umsonst Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium). Das Schicksal der meisten Europäer war das von Kolonialisierten.

Laurenz

5. April 2022 12:02

@Valjean72 @L.

"lag vor allen Dingen daran, den unterschiedlichen Regimentern, die er besuchte oder empfing, Respekt zu erweisen"

Ja, völlig irre. Natürlich brauchen Soldaten Zuwendung, damit sie auch motiviert sind. Aber von Offizieren kann man das auch ohne Zuwendung verlangen. Wenn, geht es eher um den Gefreiten oder den Vollmatrosen, der im I. Weltkrieg als Individuum gar keine Rolle spielte, siehe Marine.

Wilhelm II hätte man lieber Schulen, Universitäten, Bauern & Arbeiter besucht. Und da wäre schlichte Kleidung angemessen gewesen. Ein Herrscher muß auch äußerlich über den Dingen stehen.

Nordlicht

5. April 2022 12:16

@Laurenz 

"Es gab auch nur da Kolonialpolitik, wo etwas zu holen war."

Nennen Sie bitte eine deutsche Kolonie, welche mehr Ertrag gebracht hat als sie das Deutsche Reich kostete. Und von den Infrastrukturen und Einrichtungen haben diese Länder noch lange profitiert. 

Fonce

5. April 2022 13:20

 „… auch Europa war für die Herrschenden nichts anderes als eine Kolonie“.

Ha!  —  Damit berührt @Laurenz endlich das Mark der heute herrschenden falschen Propaganda. Franz Fanon schrieb (1967):

„Verlassen wir dieses Europa, das nicht aufhört, vom Menschen zu reden, und ihn dabei niedermetzelt, wo es ihn trifft, an allen Ecken seiner eigenen Strassen, an allen Ecken der Welt“ (Hervorhebung von mir).

Als Ideologe der kommunistischen Befreiung der Neger wusste Franz Fanon aber nicht, wer wirklich hinter dieser Verfolgung aller Völker steckt. Als externer Kritiker einer anderen Kultur konnte er dies deshalb nicht wissen, weil dies schon für einen autochthonen Europäer (der im Epizentrum dieser Unterdrückung steht, wo es schlimmer ist als in Afrika) eher schwierig ist zu erkennen und zu formulieren.

anatol broder

5. April 2022 13:27

«in dem hier von mir betrachteten mecklenburgisch-vorpommerschen landtag, der seine existenz dem angeblich unverzichtbaren föderalismus verdankt.»

das ist wohl die grundaussage des artikels. wäre ein föderalismus, der nicht von parteien gekappert werden kann, weniger verschwenderisch?

Laurenz

5. April 2022 13:28

@Nordlicht @L.

Bismarck war nicht immer, aber meistens gegen die Kolonien, weil diese mehr kosteten, als sie einbrachten. Bei der Herero-Nummer wird nie die einzigartige Investition deutscher Kolonialpolitik berücksichtigt. Aber mal Hand auf's Herz. Die Kolonialpolitik ist nur formal beendet worden. Die Briten verzeichnen gerade einen Einbruch ihrer Einflußmöglichkeiten in den ehemaligen Kolonien. Prinz Wilhelm wird nicht wirklich mehr gerne dort gesehen, was auch die anstehende Zeitenwende nach Osten ausdrückt. Ich wiederhole gerne meinen Satz von neulich: Es hat nie ein Britisches Volk gegeben, nur das Weltreich.

Auch der europäische Mob & Pöbel war selbst für den kleinsten Feudalherren nichts anderes, als eine Kolonie. Hier gut in der Doku des Rudolf von Habsburg zu sehen.  https://youtu.be/sGaCPr75w3s?list=PLBAu3lnHIyEFD74dAMU-FmXFq4VH3zn3k

Nur mag sich in den Debatten keiner gerne mit den Kolonisierten identifizieren. Die Wiener mochten den Böhmen lieber als den alemannischen Schweizer.

Laurenz

5. April 2022 14:22

@Anatol Broder

"Wäre ein Föderalismus, der nicht von Parteien gekapert werden kann, weniger verschwenderisch?"

Ein Gauleiter & Admin. war sicher billiger. Der heißt heute Ministerpräsident. Aber man könnte den auch ohne Parlament direkt wählen.

Gustav

5. April 2022 14:41

RMH

"...in ihrem Wahn gegen die USA als Hort allen Böses derart verblendet..."

Was können Sie denn Positives für die USA ins Feld führen?

Wer die Fratze der USA sehen und so unsere Welt besser verstehen will:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Milit%C3%A4roperationen_der_Vereinigten_Staaten

Amerika, die Entwicklung von der Barbarei zur Dekadenz ohne Umweg über die Kultur. ( Georges Clemenceau )

 

 

brueckenbauer

5. April 2022 14:56

Bei Heino Bosselmann stört mich, dass er oft nur alte rechte Meinungen reformuliert, ohne zu einer Präzisierung und Klärung der Streitfragen beizutragen.

Z.B. bei der "Demokratiesimulation" wäre zu unterscheiden zwischen dem subjektiven Standpunkt der Akteure (Haldewang oder Faeser haben nicht das geringste Verständnis für die Idee einer freiheitlichen Demokratie) und den objektiven Strukturen (da haben wir noch erhebliche Reste an freiheitlicher Demokratie, die wir vielleicht - im eigenen Interesse - nicht so leicht opfern sollten).

Und ganz generell weiß man eben nicht, worauf Bosselmann hinaus will. Soll die Demokratie nun wiederhergestellt, vervollkommnet oder abgeschafft werden? Und was soll an ihre Stelle treten? Eine Monarchie? Und "natürlich" mit unserem Lieblingspolitiker als dem neuen Monarchen? Denn träumen wird man doch noch dürfen?

Aufwachen wäre aber besser. Wir sind eine ethnische Minderheit in der BRD, und der neue Monarch wird ganz sicher keiner von uns sein.

Niekisch

5. April 2022 14:58

"...Gefreiten oder den Vollmatrosen, der im I. Weltkrieg als Individuum gar keine Rolle spielte"

@ Lauren 12:02: Da übersehen Sie den Gefreiten Adolf Hitler, der als Regimentsmeldegänger die durchaus wichtige Aufgabe der Befehlsübermittlung auch unter Beschuß hatte und dafür mehrfach ausgezeichnet und gehätschelt wurde:-)

Imagine

5. April 2022 16:38

1/3

Die Demokratie ist ein bürgerliches Ideal, zugleich eine Illusion.

Das Ideal will den Bürgern die Möglichkeit der Mitwirkung an der Gestaltung des Gemeinwesens ermöglichen. Ausgehend von der Idee der Gleichheit, soll bei den Wahlberechtigten jede Stimme das gleiche Gewicht besitzen.

Die Illusion besteht im Glauben, dass ein derartiges System in der Praxis je funktionieren könnte.

Tatsächlich sind die Menschen jedoch nicht gleich, sondern verfügen über höchst unterschiedliche Sachkompetenzen und Intelligenz.

Entwickelte  Gesellschaften sind hocharbeitsteilige und hochkomplexe Systeme, die zu ihrer Gesamtsteuerung sachkompetente Führungs-, Entscheidungs- und Planungshierarchien benötigen. Das ist unmittelbar einleuchtend.

In der gesellschaftlichen Realität gibt es Machthierarchien. Deren Stellung im hierarchischen System ist abhängig von der persönlichen Verfügung über Machtmittel.

In der vorbürgerlichen Welt war für die Stellung in der Machthierarchie entscheidend die persönliche Verfügung über militärische Gewalt, denn physische Gewalt war das zentrale Machtmittel.

Imagine

5. April 2022 16:42

2/3

Im bürgerlichen Staat mit formaldemokratischer Struktur besitzt grundsätzlich der Staat das Monopol militärischer Gewaltanwendung, allerdings gibt es Ausnahmen (z.B. Privatarmeen von Oligarchen, Killersoldaten der Mafia).

Moderne Machtmittel sind Geld und Medien. Geld wird als Korruptionsmacht eingesetzt, so erhält die Plutokratie die Funktionseliten, Gesetze und Rechtsurteile, die sie will. Über Medien wird Informations- und psychologische Macht ausgeübt.

Die Hierarchie der Berufspolitiker steht im Spannungsfeld mit den realen Macht- und Kompetenzhierarchien. In den heutigen formal-demokratischen, repräsentativen Demokratien platzieren die Mächtigen ihre Marionetten und Schauspieler in entprechende Positionen, wobei diese nur ausnahmsweise über Fachkompetenz verfügen und zudem nicht dem Gemeinwohl dienen.

Nur ein geringer Teil der Menschen in den westlichen Gesellschaften unterliegt nicht der Demokratieillusion, auch bei den Nichtwählern.

Viele Menschen aus meiner Generation haben in ihrer Jugend die Demokratie idealisiert. Das liegt daran, dass wir an der Gestaltung unserer Gesellschaft aktiv mitwirken wollten. Wir mussten jedoch feststellen, dass die Demokratie ein Fassade ist. In der Lebensbilianz haben die fortschrittlichen und gemeinwohlorientierten Kräfte nichts erreicht. Aufgestiegen sind die Opportunisten und Konvertiten, die zu Berufspolitikern wurden und für die Interessen der Plutokratie funktionierten.

 

Imagine

5. April 2022 16:44

3/3

In China halten die meisten Menschen die Demokratie für Betrug und Illusion, weil sie meinen, dass in allen Gesellschaften Führungs- und Entscheidungshierarchien  Realität sind. Sie wollen daher vor allem gute Führer und akzeptieren, dass diese privilegiert leben. Nur müssen diese im Sinne des  Gemeinwohls handeln und Verstöße dagegen werden hart bestraft, bis hin zur Todesstrafe.

Oben in der KPCH gibt es einen Kaiser und Könige, in der Partei gibt es eine Art Adel aus Familien der kommunistischen Revolutionäre.

Was bislang unterentwickelt ist, sind Strukturen der direkten Demokratie, aber es gibt Ansätze.

 

Gotlandfahrer

5. April 2022 16:50

1/2

Der Artikel ist schön und richtig, und bleibt doch hinter dem Wesentlichen zurück.  Na klar gibt es in Regierung und Verwaltung Dekadenz, überbordende Selbstgefälligkeit und arrogante Vernutzung der Volkssubstanz.  Und dass das Establishment seine Gefährder mit allen Mitteln bekämpft ist mit zunehmend knappen Besänftigungsspielräumen in verwüsteten Gemeinwesen auch nicht außergewöhnlich.  Bis zu einem gewissen Grad geht das jedoch mit jeder Ordnung einher, „Demokratie“ heißt nur, dass über irgendwas irgendwie abgestimmt wird.  „Normalerweise“ löst sich das Verwahrlosungsproblem von allein, denn sobald aus einer hierarchischen Symbiose von Über- und Unterbau parasitärer Missbrauch wird, ist irgendwann das Erträglichkeitsmaximum überschritten.  Ambitionierte Sanierer aus nachgeordneten Rängen erhalten durch den abnehmenden Loyalitätsnutzen dann die Chance zur Übernahme.  Alternativ geschieht dies durch externe Vereinnahmung des maroden Organismus.  Spieltheoretisch am ehesten in Erbmonarchien zu erwarten, reichen allein solche Risiken zur Selbstregulation des Establishments.

Hier und heute ist es anders, und dies lässt der Artikel unbeachtet, insofern ist sein Befund weitgehend lediglich gerechtfertigte Wehmut.

Gotlandfahrer

5. April 2022 16:51

2/2

Hier und heute ist alles ein Ergebnis von fremdgesteuerter Schadherrschaft, die über Jahrzehnte mittels perverser psychologischer Kriegsführung tief in den oben beschriebenen Selbstheilungszyklus von Organismen eingegriffen hat.  Wir können eben nicht einfach nur verarmen, aufbegehren, aufräumen und dann wieder nach vorn gehen.  Bei aller Duldsamkeit und bürgerlichen Kadavertreue des deutschen, dem Höheren dienen wollenden Verzichtsbürgers:  Hätten wir diese Freiheit, wäre schon längst Rambazamba. Vor wem würde zurückgeschreckt? Vor der Wach- und Schließgesellschaft?  Man soll nicht nach Ausreden suchen, aber ist der Frust nicht seit Jahren ausanalysiert? Sehen denn mittlerweile nicht die Letzten, dass es sich nicht allein um Dekadenz und Dummheit handeln kann?  Zum Lagebild gehört eben auch festzustellen, welche Stellungen höchstens zum Halten, nicht aber zum Geländegewinn geeignet sind und welche Allianzen in welcher Phase hilfreich sind. Aber auch, was es noch zu ertragen gilt, ohne sich an aussichtslosen Fronten zu vergeuden.

RMH

5. April 2022 18:38

"Was können Sie denn Positives für die USA ins Feld führen?"

@Gustav, drehen wir doch den Spieß einmal um, was können Sie denn Positives für Russland, der letzten echten Kolonialmacht der Welt, ins Feld führen?

Sollte jetzt das Kulturthema Dostojewski etc. kommen, dann kann man das recht exakt spiegeln bei den USA - und genau das (Kultur) kann man beiden Ländern gerade nicht absprechen. Nur bornierte Menschen - wie es bspw. Franzosen genuin sind - denken, in den USA keine Kultur finden zu können. Das Sie in diesem Zusammenhang dann noch ausgerechnet den notorischen Deutschen-Hasser Clemenceau zitieren, spricht Bände. 

Beim Rest geben sich beide genannten Länder aus deutscher Sicht nichts bis wenig. Beide wollen Deutschland nur als Vasallen. @Fonce liegt hier richtig. Aber immer wieder schön, pawlowsche Reflexe (Pawlow war ein Russe) auslösen zu können, wenn man nur den Begriff USA verwendet.

Imagine

5. April 2022 19:30

@Nordlicht   5. April 2022 12:16
„Nennen Sie bitte eine deutsche Kolonie, welche mehr Ertrag gebracht hat als sie das Deutsche Reich kostete.“

Ein typisches Missverständnis.

Eroberungskriege und Kolonialismus wurden doch nicht zum Wohle des deutschen Volkes betrieben, sondern zur Bereicherung bestimmter Herrscher- und Machtgruppen.

Das waren doch nicht „unsere“ Kolonien, wie nationalistisch Verblendete meinen.

Die Kriege, welche in den letzten 50 Jahren von der US-Regierung geführt wurden, angefangen von Vietnam- über Irak-, Lybien-, Syrien- bis hin zum Afghanistan-Krieg haben einige wenige aus dem Establishment sehr reich gemacht, aber gingen zu Lasten des Wohlstands der US-Bevölkerung.

 

Laurenz

5. April 2022 19:35

@RMH @Gustav

"Was können Sie denn Positives für die USA oder Rußland ins Feld führen?"

Sie, RMH, übersehen das offensichtliche. Der Unterschied zwischen Rußland und den USA ist mehr als frappant, so also auch das Verhältnis zu uns.

Rußland hatte nie ein wirkliches Problem, das Deutsche Reich als Regionalmacht zu akzeptieren. Die USA wollten uns als solche vernichten, was sie mehr oder weniger auch taten. Und letztere hätten keine Hemmung das auch wieder zu tun.

Wie auch Sie wissen, kann man keinen Bismarck herbeizaubern, der uns zu einem Alleinstellungs-Status verhülfe.

Wenn wir also nicht ohne einen großmächtigen Partner auskommen können, ist Rußland deswegen die bessere Wahl, weil wir im Vergleich zwar vielleicht nicht auf Augenhöhe kämen, aber wir immerhin den russischen Bauchnabel oder deren Ordens-Revers in der Kommunikation zu sehen kriegen. In der Kommunikation mit den USA dürfen wir nur staubige Kuhhirten-Stiefel lecken wie das die Transatlantiker, zB Röttgen, tun.

An dieser Stelle frage ich mich, wo Der_Jürgen oder Hajo Blaschke bleiben. Wahrscheinlich haben Beide gerade zu viel Russisches zu übersetzen.

Carsten Lucke

5. April 2022 20:22

@ Imagine

"Viele Menschen aus meiner Generation haben in ihrer Jugend die Demokratie idealisiert. Das liegt daran, dass wir an der Gestaltung unserer Gesellschaft aktiv mitwirken wollten. Wir mussten jedoch feststellen, dass die Demokratie ein Fassade ist. In der Lebensbilianz haben die fortschrittlichen und gemeinwohlorientierten Kräfte nichts erreicht. Aufgestiegen sind die Opportunisten und Konvertiten, die zu Berufspolitikern wurden und für die Interessen der Plutokratie funktionierten."

Oh Mann, "Heide-Kreide - brems ab !" (Pastior) - bis vor ein paar Stunden habe ich Sie noch ernstgenommen.

Sie sind ein Soft-Kommunist und tun mir leid.

Ihr Roter Adel ist doch ein alberner Jungpioniertraum.

Schon die FDJ wußte es besser !

Augen auf bei der Ideologiewahl !

 

 

Kurativ

5. April 2022 21:46

Man könnte den Bundestag verkleinern, indem man die Wahlkreise einfach halbiert. Welche Wahlkreise zusammengelegt werden, könnte man per Würfel entscheiden.

Wahrheitssucher

5. April 2022 22:14

„Was können Sie denn Positives für die USA oder Rußland ins Feld führen?"

Zumindest lässt sich gegen die eine Seite nicht anführen, dass sie durch ihr unprovoziertes, einseitiges Eingreifen zwei Weltkriege gegen das Deutsche Reich entschieden hat…

Laurenz

5. April 2022 22:29

@Niekisch

Im militärischen Sinne, ist der berühmteste deutsche (einfache) Soldat des I. Weltkriegs nicht Adolf Hitler, sondern der gelernte Maschinenschlosser Wilhelm Heidkamp, welcher als 2. Pumpenmeister im Range eines Maats seit 1912 auf dem Schlachtkreuzer Seydlitz diente. In der Schlacht auf der Doggerbank (24.01.15) rettete Er das Schiff, indem Er mit bloßen Händen die rotglühenden Flutventile der Abteilung III (hintere beiden Geschütztürme) öffnete. Er überlebte mit schweren Verbrennungen & einer Rauchvergiftung. Dafür bekam Er das EK II, das Fritz-August-Kreuz II. Klasse & wurde zum Decksoffizier befördert. Im II. Weltkrieg hätte Er dafür sicherlich höhere Auszeichnungen erhalten. Die Reichskriegsmarine benannte in den späten 30ern einen Zerstörer nach Ihm, was ich, persönlich, als tatsächlich angemessen erachte. Nach Seiner Genesung diente Wilhelm Heidkamp auf der Seydlitz bis zur Selbstversenkung in Scapa Flow 1919. Er starb früh an den Spätfolgen Seiner Verwundung 1931.

Ordoliberal

5. April 2022 23:32

1/1

@Imagine

"An der Gestaltung der Gesellschaft teilnehmen..." - an ihren Phrasen sollt ihr sie erkennen, die Sozialisten. Wenn diese SED/SPD/Grüne/NPD-Phrase überhaupt etwas bedeuten soll, dann doch wohl: An der Formulierung von Gesetzen beteiligt sein. (Ansonsten gestaltet ja sowieso jeder, der arbeitet oder Kinder erzieht, die Gesellschaft mit.) Wer könnte das denn neben seiner eigentlichen Arbeit leisten? Deshalb sind es ja gerade die für den Arbeitsmarkt Untauglichen, die in die Parteien und Parlamente drängen, um Gesetze zu formulieren. Sind sie die Richtigen?

Die Frage ist sinnlos.

Es gibt keine "Richtigen". Gäbe es ein allgemein akzeptiertes Kriterium für den richtigen Gesetzgeber, hätte man damit schon eins für die richtigen Gesetze und bräuchte keinen Gesetzgeber mehr. Es gibt auch keine "fortschrittlichen und gemeinwohlorientierten Kräfte", die Sie wohl für die "Richtigen" halten. Schon weil es kein Gemeinwohl gibt. Das Gemeinwohl ist eine Fiktion, die im linken Weltbild dieselbe Funktion hat wie Gott im Weltbild des fundamentalistischen Christen. Nämlich autoritäre Gesetzgebung zu legitimieren.

Ordoliberal

5. April 2022 23:38

2/2

Alles, was es gibt, sind organisierte Interessen. Entscheidend ist, dass es eine Vielzahl von Interessen gibt und dass keine dieser Interessen ein Monopol auf die Gesetzgebung hat. Genau das passiert aber gerade im gesamten Westen. Wir erleben eine Gleichschaltung im Interesse der technokratischen Elite, deren Vertreter entweder als Beamte verpfründet sind oder als Konzernmanager. Das Ergebnis ist eine Feudalherrschaft, in der der Kapitalbesitz den Landbesitz ersetzt hat.

Diese Entwicklung ist durch die Abschaffung des Leistungs- und Haftungsprinzip durch die Linke gestartet worden. Wie sie wieder zu stoppen ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass "das Volk", zumindest innenpolitisch, keine organisierbare Interessensgemeinschaft ist. Organisierte Interessen entstehen ja gerade erst durch Konflikte innerhalb des Volks. Wer Demokratie als Gesetzgebung durch das Volk begreift, meint eigentlich Sozialismus.

RMH

6. April 2022 06:56

"Rußland hatte nie ein wirkliches Problem, das Deutsche Reich als Regionalmacht zu akzeptieren. Die USA wollten uns als solche vernichten,"

@Imagine, das ist schon rein historisch gesehen nicht richtig und diese Pauschalität ist unter ihrem Niveau, deshalb werde ich darauf nicht groß einsteigen. Einfach einmal ein bisschen Nachdenken. Alleine die Feststellung, dass Russland Deutschland - das Kernland von Europa! - ja so richtig großzügig als "Regionalmacht" akzeptieren würde, zeigt recht deutlich, das Sie kein Verständnis für die europäische Lage haben und ihnen Deutschland eigentlich egal ist. Ich vermute aber, dass sie die Kenntnisse haben, aber hier die Leute für dumm verkaufen wollen.

RMH

6. April 2022 08:44

Entschuldigung, ich habe ein falsches @ bei meinem Beitrag gesetzt, sollte @Laurenz heißen.

Niekisch

6. April 2022 09:41

"der berühmteste deutsche (einfache) Soldat des I. Weltkriegs nicht Adolf Hitler"

@ Laurenz 5.4. 22:29: Habe ich das denn behauptet? Hier ging es doch um die Bedeutung des Gefreiten an sich.

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