In Serbien (2)

Abendvortrag in Belgrads "Klub 451" - junge Leute, nur Männer, habituell identitär, Zentropa-Style, auf der Suche nach einem europäischen Lebensgefühl.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Es gibt Bier, ein Bücher­re­gal, gerahm­te Pla­ka­te, futu­ris­tisch, man bekennt Dienst-Stim­mung in der Etap­pe und ist antiliberal.

Der Vor­trag besteht aus neun Gedan­ken (nicht 7, nicht 10, nicht 12, kei­ne die­ser bedeu­tungs­vol­len Zah­len, son­dern eine der hin­wei­sen­den, denn was gesagt wer­den kann und sich zu sagen über­haupt lohnt, ist unfer­tig). Es sind Gedan­ken zur Ver­ach­tung des Eige­nen – Frank Lis­sons Buch ist ins Ser­bi­sche über­setzt wor­den. Lis­son begrün­det dar­in sei­ne The­se, daß die Ver­ach­tung und Dekon­struk­ti­on, die Total­in­fra­ge­stel­lung und das Abstrei­fen der euro­päi­schen Kul­tur aus der­sel­ben Wur­zel wach­se, die die­se Kul­tur erst zur Welt­kul­tur, zum welt­prä­gen­den Welt­zu­griff gemacht habe.

Ein paar deut­sche Sät­ze, dann wird über­setzt, und­so­wei­ter – nach etwa 45 Minu­ten sind wir fer­tig. Es fol­gen Fra­gen, unter ande­rem erkun­digt sich einer, was der “Klub 451”, was also die jun­ge Zen­tro­pa-Bewe­gung, Stütz­punkt Bel­grad, für Euro­pa tun kön­ne. Natür­lich, drun­ter geht’s nicht: Euro­pa. Was auch sonst?

Die Män­ner im Raum hat­ten eines nicht mit­be­kom­men, näm­lich das, was Hein­rich von Kleist die “all­mäh­li­che Ver­fer­ti­gung der Gedan­ken beim Reden” genannt und wor­über er einen Auf­satz ver­faßt hat. Die­se all­mäh­li­che Ver­fer­ti­gung hat­te wäh­rend des Vor­trags statt­ge­fun­den, sie hat­te den Gedan­ken über Fried­rich von Har­den­bergs “Die Chris­ten­heit oder Euro­pa” zu Ben­ns “Euro­pa, die­ser Nasen­po­pel” gespon­nen und war zuletzt bei einem eben­so ver­spiel­ten wie ein wenig bös­ar­ti­gen “Wer Euro­pa sagt, will betrü­gen” gelandet.

Der Rekurs auf Nova­lis wäre roman­tisch aus­ge­fal­len, der auf Benn hät­te die Fra­ge ätzend abge­tan. Aber es ging um eine erns­te Sache: um Ernüchterung.

Wenn jemand davon erzählt, was er mit Euro­pa vor­ha­be, dann kommt es mir vor, als spre­che er über die Mensch­heit oder über das Leben, das Uni­ver­sum und den gan­zen Rest (um Dou­glas Adams zu zitie­ren) – über eine Bezugs­grö­ße jeden­falls, die nicht in unse­rer Reich­wei­te liegt. Euro­päi­sche Poli­tik ist näm­lich ange­sichts des Zustands unse­rer je eige­nen Län­der (und vor allem Deutsch­lands) auf einer Lei­ter die obers­te Spros­se, nach der man nicht grei­fen kann und an der man sich folg­lich nicht bewei­sen muß.

Die­ser Umstand spielt seit jeher allen Bau­meis­tern von Nicht-Orten in die Kar­ten: Man muß bloß behaup­ten, muß nicht ein­mal wirk­lich wol­len und vor allem muß man nie kon­kret werden.

Euro­pa ist des­halb ent­we­der das dezen­tra­le Euro­pa der Vater­län­der, in dem jeder schaut, wo er bleibt und wie er sei­ne Lage aus­ge­gli­chen kriegt.

In einem sol­chen Euro­pa wür­den alle Gren­zen und Abgren­zun­gen als Eigen­art und Schutz wahr­ge­nom­men und wert­ge­schätzt. Sie hin­der­ten näm­lich zu kei­ner Zeit einen inne­ren Euro­pä­er dar­an, sein unpo­li­ti­sches Aneig­nungs­ma­te­ri­al für eine eli­tä­re Iden­ti­tät auf unse­rem Kon­ti­nent zu fin­den. Mehr­spra­chig­keit, gemein­sa­me Wur­zeln, kul­tu­rel­le Net­ze, frucht­ba­rer Aus­tausch, his­to­ri­sches Gepäck auf dem Rücken, das jeden Schritt ver­lang­samt, Zer­glie­de­rung und Viel­ge­stal­tig­keit – das alles ver­langt nach lebens­lan­ger Aneig­nung und einer Balan­ce aus Hei­mat­lie­be und Empa­thie, die nicht jeder hal­ten kann.

Oder: Euro­pa ist die poli­ti­sche EU, also Anma­ßung, Was­ser­kopf, Nomen­kla­tu­ra, Kor­rup­ti­on, Moloch, ein ahis­to­ri­sches Raum­ord­nungs­kon­zept, ein Zahl­meis­ter­ge­bil­de, in dem der Zahl­meis­ter erpreß­bar sein und blei­ben muß. Alles ande­re ist Gefa­sel oder Literatur.

Lite­ra­risch hat aus rech­ter Sicht (aus rech­ter Sicht?) Guil­laume Faye so etwas skiz­ziert: Ein Tag im Leben des Dimi­tri Leo­ni­do­witsch Oblo­mow beschreibt ein Euro­pa, in dem den Regio­nen bestimm­te Lebens­for­men, Zulie­fe­rungs­auf­trä­ge, Ver­ede­lungs­or­te plan­wirt­schaft­lich zuge­wie­sen sind – einen Ver­nut­zungs­raum also, in dem die Eli­ten in schnel­len Zügen den Kon­ti­nent durch­que­ren, wäh­rend ande­re Rüben hacken und Kar­tof­feln roden und damit zufrie­den zu sein scheinen.

Lite­ra­tur eben, dort muß das unbe­dingt blei­ben. Denn wenn man mit Ver­fech­tern einer euro­päi­schen Soli­da­ri­tät nebst zen­tra­ler Len­kung spricht, lan­det man bei dem­sel­ben unlös­ba­ren Quark, der in Groß­ge­bil­den noch weit schlim­mer als in klei­ne­ren zu Kor­rup­ti­on, Man­gel, Ver­ken­nung des Gewach­se­nen und Ver­ge­wal­ti­gung der Völ­ker führ­te. Bis­her habe ich noch nie­man­den getrof­fen, der sol­che Plä­ne spinnt und sich selbst dabei nach der Rüben­ha­cke grei­fen sieht.

Daß auch der­zeit Völ­ker ver­ge­wal­tigt wer­den – ja, natür­lich. Ver­mut­lich ist die­ses Wort aber zu hart, es rührt aus einer Zeit, in der die Metho­den noch bru­tal und in ihrer Offen­kun­dig­keit fast schon ehr­lich waren. Wir sind ja schon viel wei­ter: Heu­te wird auf­ge­löst, nicht ratz­fatz, son­dern fast sanft. Es wird auf eine unfaß­bar smar­te Welt hin ent­kernt und ver­dünnt. (Das ist das, was ich im ers­ten Teil mit Blick auf Bel­grad und der Über­macht der glo­ba­len Zivi­li­sa­ti­on meinte.)

Was also tun, für Euro­pa, das war die Fra­ge. Mei­ne Ant­wort: Das bes­te, was man als jun­ger Ser­be für Euro­pa tun kön­ne, sei, unauf­lös­lich zu sein. Sich nicht ver­dün­nen zu las­sen, das bedeu­te, so ser­bisch wie mög­lich zu leben, zu den­ken, zu glau­ben und zu lesen, sich zu ver­bar­ri­ka­die­ren, dafür zu arbei­ten, daß das Land nicht in Blö­cke gezwun­gen wür­de, und den Wind­schat­ten dafür zu nut­zen, es unter ande­rem und vor allem uns Deut­schen nicht nachzutun.

Wer ger­ne rei­se und sich Grup­pen über­all in Euro­pa anschaue, der sol­le dies tun, aber er sol­le es nicht ver­brä­men (unüber­setz­bar!). Mar­tin Sell­ner sei einer der weni­gen poli­ti­schen Akti­vis­ten, dem es gelun­gen ist, aus einer spe­zi­fi­schen Bedro­hungs­la­ge her­aus euro­päi­sche Zusam­men­ar­beit zu orga­ni­sie­ren und den natio­na­len Hand­lungs­rah­men zu ver­las­sen – sie­he Defend Euro­pe auf dem Mit­tel­meer und in den fran­zö­si­schen Alpen. Aber das waren kon­kre­te Momen­te in kon­kre­ten Lagen, nichts dar­über hin­aus, eben­so in sich abge­schlos­sen wie ein über­setz­tes Buch oder eine punk­tu­el­le poli­ti­sche Kooperation.

Es war also die alte Lei­er: Leben im Vor­be­halt, ein in gewis­sem Sin­ne stör­ri­scher Lebens­voll­zug, den his­to­ri­schen Ruck­sack schul­tern, ahis­to­ri­sche Leich­tig­keit ableh­nen und mög­li­cher­wei­se vor­han­de­ne Vor­lie­ben für Style, Unkon­kre­tes, Ver­all­ge­mei­ne­rung nicht durch gro­ße Begrif­fe bemänteln.

Im euro­pä­isch auf­ge­la­de­nen Jugend­klub zu Bel­grad kam die­se Ant­wort nicht nur gut an, aber auch. So ist es immer mit dem kal­ten Guß: Man muß sich mer­ken, wer ihn wir­ken läßt, und ihn zu ver­ab­rei­chen ist unse­re Aufgabe.

Zumal: Es war danach nicht schwie­rig, die Kur­ve zu krie­gen. Ers­tens kipp­te ich unter den wach­sa­men Augen der Bar­kee­per das ritu­el­le Gebräu her­un­ter, das mir eine ewig­wäh­ren­de Zutritts­kar­te in den “Klub 451” ein­trug, und zwei­tens ver­wies ich auf die melan­cho­lisch-defen­si­ve Aura des Namens: Wer die Brad­bu­ry-Chif­fre 451 wäh­le, habe den Kampf auf­ge­ge­ben, sei unter­wegs in den Wald und tra­ge ein Buch mit sich, um es aus­wen­dig zu ler­nen. Dage­gen sei mein nicht-euro­päi­scher, das Kon­kre­te ins Auge fas­sen­de Ver­hal­tens­vor­schlag gera­de­zu ein The­ma in C‑Dur.

So schie­den wir. Tags dar­auf hielt ich noch einen Vor­trag, in ganz ande­rem Rah­men, The­ma waren die Gestal­ten Ernst Jün­gers, die er in sei­nen Wer­ken durch­ge­spielt hat: unbe­kann­ter Sol­dat, Arbei­ter, aben­teu­er­li­ches Herz, Wald­gän­ger, Anarch. Zwi­schen­durch gute Gesprä­che mit dem Über­set­zer, dem Ver­le­ger und vor allem dem Gast­ge­ber, der den Figu­ren des Vor­trags den Hei­duck hin­zu­füg­te. Er wird dar­über für uns schrei­ben und im Sep­tem­ber zur Geo­po­li­tik-Aka­de­mie nach Schnell­ro­da kom­men – zual­ler­erst als Serbe.

Klä­ren­de Tage also.

– – –

Kubit­schek ver­öf­fent­lich­te zuletzt den Sam­mel­band Hin und wie­der zurückhier ein­se­hen und bestel­len.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (13)

Umlautkombinat

8. Juni 2022 09:43

> Frank Lissons Buch

Ist das hier schon einmal besprochen worden? Wenn nicht, waere es allein wegen der erwaehnten These sinnvoll. Als ich die las, fiel mir sofort Friedmans Vortrag und die dort vertretene US-Sicht auf Europa und Deutschland ein.

Eine der sofort auftretenden Fragen ist die der Selbstbehauptung eines heterogenen Gebildes wie im weiteren Verlauf des Artikels skizziert gegenueber Grossmaechten. Wie macht man das zur Staerke ohne zu expandieren (auch ineinander wie in der unguten EU-Form) und zu nivellieren?

 

Maiordomus

8. Juni 2022 10:24

Der  gesinnungsbrüderliche Appell, sich der Auflösung zu widersetzen, bestätigte wohl diejenigen, welche diese Überzeugung bereits teilen. Wünschbar wäre es gewesen, von der allerbesten geistig orientierten Intelligenz des Landes lehrreiche Rückmeldungen zu bekommen. So wenigstens widerfuhr es mir,  als ich vor wenigen Jahren bei einem analog vergleichbaren Vortrags-Ausflug nach St. Petersburg (zwar jenseits von offizieller Prominenz) mit einer höchstqualifizierten kulturkonservativen, auch wissenschaftsgeschichtlich interessierten Intelligenz in Kontakt kommen durfte,  Wiewohl ich meinen Gastvortrag monatelang vorbereitet hatte, nahm ich unendlich mehr nach Hause als ich mitbringen konnte. Diese Leute üben sich in ihrer Heimat unterdessen in der Kunst des Schweigens,. Dabei gilt gerade für sie das bei GK wichtige Motto: "Meyn gedult hat ursach." An letzeres bleibt auch bei uns zu appellieren.

Gotlandfahrer

8. Juni 2022 10:41

Sowas zu lesen ist wie als Ertrinkender tiefe Züge aus der Sauerstoffflasche nehmen. Sogleich schafft mir dies eine erste Frage in den Sinn: Was für ein rituelles Gebräu war es dort?  Ich kenne nur den Heizertrunk zur Einführung in die marinetechnischen Verwendungsreihen.

auskunft kubitschek:
es war undefinierbar, also vermutlich ein pan-galaktischer donnergurgler.

Laurenz

8. Juni 2022 11:42

@Maiordomus (1)

Von solch illustren Kreisen in Petersburg sind viele, wie auch meine Wenigkeit, natürlich ausgeschlossen. Aber es ist schön, wenn Sie davon berichten, ähnlich GKs aktuellem Belgrad-Besuch. Warum ich Ihnen jeweils antworte, liegt in der Ursache begründet, daß Sie über detailliertes Wissen verfügen & gut schreiben, wenn Sie Sich kurz fassen.

Deswegen habe ich mich gewundert, weil Ihnen die weitere, indirekte historische Verdichtung, des Pudels Kern im 2. Teil quasi, (in meinen Augen) nur am Rande  aufgefallen ist.

so serbisch wie möglich zu leben / europäisch aufgeladenen Jugendklub zu Belgrad kam diese Antwort nicht nur gut an

Hoffe, das Auditorium hat GK richtig verstanden. Serben in Deutschland dürften wissen, was es heißt, unter der Knute Brüssels, der eigenen Kultur entblößt, zu vegetieren. Wissen diese jungen Leute, was Serbien die letzten 120 Jahre falsch gemacht hat? Man träumte von Großserbien & zog das in Jugoslawien unter rotem Mäntelchen durch.

Laurenz

8. Juni 2022 11:43

@Maiordomus (2)

Die freiwillige Assimilierung Sloweniens & Kroatiens an Habsburg führte in der Folge zu doppelter Wirtschaftskraft pro Kopf im Vergleich zu Serbien. Belgrad spielte Brüssel, ethnisch ausgelesen, im kleinen. Durch diese Unterdrückung europäischer Balkanvölker verspielte Serbien, wie auch schon vor dem I. Weltkrieg, die Chance einen dauerhaften Zugang zur Adria zu erhalten im Krieg von 1999, als die USA dafür sorgten, daß das auch so blieb.

Wie kann man sich selbst freiwillig das Leid antun wollen, was man über 5 Jahrzehnte anderen verpaßt hatte? Welcher serbische Politiker käme auf die Idee, sich bei Kroaten & Slowenen offiziell zu entschuldigen?

Gundioch

8. Juni 2022 14:12

G. Kubitscheks Serbien-Bilder geben eine sehr schöne Ergänzung zur Lektüre von Peter Handkes so wichtigen Jugoslawien-Opuscula ab, besonders Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien. An dieser Stelle: Danke dafür!

Hinweis Redaktion:
Lesen Sie auch Kubitschks "Gerechtigkeit für Peter Handke".

Andreas Walter

8. Juni 2022 16:16

Seine Position und damit Rolle in Europa kann man sich eben nicht aussuchen.

Darum ist auch der Wunsch vieler deutscher Rechter im Grunde eine Utopie.

Wobei es die Juden sogar vormachen, wie man es eben doch möglich machen kann.

Die Idee dazu (der Plan) wurde ja bereits 1896 niedergeschrieben und sogar veröffentlicht.

Viele Deutsche fühlen sich derzeit allerdings (noch) Pudelwohl, hier in Zentraleuropa, der ewigen Keimzelle für immer neue Utopien, die allerdings immer die Gleiche ist, nur jedesmal unter anderem Namen. Union klingt derzeit eben sympatischer als Reich.

Das Buch (zum Film) könnte daher auch heissen: Von Germania magna bis zur EU. Woran schon immer die Träume aller Zentraleuropäer gescheitert sind.

(Ein großer Vorteil übrigens aller Nationen, die aus geografischen und geologischen Gründen nicht expandieren oder geschrumpft werden können)

Maiordomus

8. Juni 2022 16:32

Ich finde diese Serbien-Reise sinnvoll, wiewohl es sich andeutete, dass man sich gegenseitig nicht gerade voll verstanden hat. Was St. Petersburg betrifft, handelte es sich nicht um "illustre Kreise", aber geistig eine absolute Elite, nicht zuletzt, was die Kenntnis der deutsch-russischen Beziehungen in den letzten 500 Jahren betrifft. Ich war indes bei der Visa-Angelegenheit gehalten, nicht als geladener Referent, sondern ausschliesslich als Tourist einzureisen. Das Honorar bestand  aus Gastfreundschaft sowie geistigen und noch allenfalls trinkbaren Naturalien, bei sehr gutem Besuch in einem prächtigen, aber vergleichsweise kleinen historischen Saal. Bei Distanz und geistiger Eigenständigkeit dieser  höchst geschichtsbewussten Leute schliesse ich eher aus, dass sie auf eine Niederlage Russlands in der UA erpicht sein könnten.  

Lausitzer

8. Juni 2022 17:47

@Gotlandfahrer

"Sowas zu lesen ist wie als Ertrinkender tiefe Züge aus der Sauerstoffflasche nehmen."

Das drückt es sehr gut aus!

@Kubitschek

Heißt das, dass Sie den Ideen David Engels widersprechen, dass es die EU braucht, um bestehen zu können und seiner Reichsidee (unter polnischer Führung?) 

Karl

8. Juni 2022 19:01

Da beide Vorträge (Lisson, Jünger) wohl ohne vorgefertigtes Manuskript gehalten wurden, besteht wohl keine Chance, in den Genuß zu kommen, diese auf SiN lesen zu können? Ja, natürlich: selbst lesen. So viel zu tun und so wenig Zeit. Doch GKs Prosa ergäbe mehr als die entsprechenden Inhalte. Zudem richtungsweisend, erklärend. 

RMH

8. Juni 2022 20:58

Heute war die neue Ausgabe der Sezession nebst Phonophor im Briefkasten - herzlichen Dank dafür! 

Europa, Europa ...

Wir können nur wandern und bluten dabei.
Im Schlachthof Europa:
Nur sterben macht frei

Ein Heil dir Europa, ein Heil in den Tod.
Wirst niemals erwachen,
Wirst bringen nur Not.

Forseti ~ Europa - YouTube

Das war 2002  ... nicht arg viel später gab es auch die Sezession.

Der Sinnierer

9. Juni 2022 01:24

Europa ist am Ende. Die wenigen zentralen Länder hinter dieser Idee - Frankreich, Großbritannien und gerade auch Deutschland - sind ebenfalls am Ende, besiegeln das Stützenlose Europas, wer will diesen Kontinent noch verteidigen? Die Russen sind hinausgeworfen und die USA äsen ab was ihnen wert dünkt. Wir müssen die Augen zumachen und überwintern, von mir aus auch aus dem Untergrund heraus gegen einen übermächtigen Feind kämpften, bis unsere Auferstehungszeit gekommen ist. Die (kommende) Impf- und Wehrpflicht wird viele von uns in den nächsten Jahren aufzehren, zumindest die Schwachen unter uns, aber mit dem übriggebliebenen Rest wird, wie immer, neu angefangen. Ihre Vorträge, Herr Kubitschek, inspirieren uns hoffentlich Übriggebliebene.

Franz Ferdinand

9. Juni 2022 15:47

Danke für Ihre Eindrücke aus Belgrad. Griechisch Weißenburg und Serbien sind eine Reise wert. Wir sind immer wieder gerne dort. Sie hatten einen guten Führer. In kaum einer anderen europäischen Stadt, einem anderen Land, ist das Sicherheitsgefühl so gut. Doch wie Sie zurecht bemerken: "Leider holt Belgrad auf." In vielerlei Hinsicht. Daher ist nur jedem zu empfehlen: Fahren Sie los! Am besten vorher Handke zur Hand nehmen (ergänzend dazu die Rezeption von Kurt Gritsch). Wenn man etwas die Landschaft und die Menschen kennenlernt, erschließt sich einem auch die Literatur aus der Region leichter.

Unter welchem Titel, in welchem Verlag ist Frank Lisson in Serbien erschienen?

Gruß aus der Etappe!

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