Putins Rede zur Annexion der Ostukraine (2/2)

Als nächstes holt Putin zu einer umfassenderen, antikolonialistischen "schwarzen Legende" des Westens aus.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Unse­re haus­ei­ge­nen Anti­ras­sis­ten, Links­ra­di­ka­len und “Abendland”-Hasser wür­den sie kaum anders for­mu­lie­ren, mit­samt dem “neo-bol­sche­wis­ti­schem” Drall am Ende der Polemik:

Es lohnt sich, den Wes­ten dar­an zu erin­nern, dass er sei­ne Kolo­ni­al­po­li­tik bereits im Mit­tel­al­ter begann, gefolgt von dem welt­wei­ten Skla­ven­han­del, dem Völ­ker­mord an India­ner­stäm­men in Ame­ri­ka, der Aus­plün­de­rung Indi­ens und Afri­kas, den Krie­gen Eng­lands und Frank­reichs gegen Chi­na, in deren Fol­ge das Land gezwun­gen war, sei­ne Häfen für den Opi­um­han­del zu öff­nen. Sie mach­ten gan­ze Völ­ker dro­gen­süch­tig und rot­te­ten gezielt gan­ze Volks­grup­pen aus, um sich Land und Res­sour­cen anzu­eig­nen, und jag­ten Men­schen wie Tie­re. Das wider­spricht der mensch­li­chen Natur, der Wahr­heit, der Frei­heit und der Gerechtigkeit.

Wir sind stolz dar­auf, dass unser Land im 20. Jahr­hun­dert die anti­ko­lo­nia­le Bewe­gung ange­führt hat, die vie­len Völ­kern in der Welt die Mög­lich­keit eröff­ne­te, Fort­schrit­te zu machen, Armut und Ungleich­heit zu ver­rin­gern und Hun­ger und Krank­hei­ten zu besiegen.

Die­se “anti­ko­lo­nia­le Bewe­gung” ist natür­lich der Sowjet­kom­mu­nis­mus, der sei­ner­seits eine gewal­ti­ge Unzahl an Gräu­el­ta­ten wider die “mensch­li­che Natur, die Wahr­heit, die Frei­heit und die Gerech­tig­keit” auf sich gela­den hat und fak­tisch eher wenig dazu bei­getra­gen hat, “Armut und Ungleich­heit zu ver­rin­gern und Hun­ger und Krank­hei­ten zu besie­gen”, oft eher im Gegen­teil, wenn wir uns an den Holo­do­mor und ande­re kom­mu­nis­ti­sche Ruh­mes­ta­ten erinnern.

Die­se Leis­tung könn­te man fai­rer­wei­se mit grö­ße­rem Recht dem Wes­ten zuspre­chen, des­sen kolo­nia­ler Drang ja nicht aus­schließ­lich in Aus­beu­tung bestand, son­dern auch in dem ehr­li­chen Bestre­ben, der “Drit­ten Welt” ech­te oder ver­meint­li­che Wohl­ta­ten zu erwei­sen, medi­zi­nisch und infra­struk­tu­rell, gesell­schafts­po­li­tisch und wirt­schaft­lich, was frei­lich nicht immer die gewünsch­ten Ergeb­nis­se zei­tig­te und oft destruk­ti­ve Neben­ef­fek­te hatte.

An die­ser Stel­le bewegt sich Putin in den Nie­de­run­gen pro­pa­gan­dis­ti­scher Über­trei­bun­gen und Heu­che­lei­en, die von einer Kriegs­re­de frei­lich zu erwar­ten sind.  Es ist dabei nicht nur der “Kom­mu­nis­mus”, der ähn­li­che Din­ge auf dem Kerb­holz hat, wie jene, die er dem Wes­ten vor­wirft; es ist auch so, daß vie­le Völ­ker den rus­si­schen Bären an sich, unge­ach­tet der ideo­lo­gi­schen Vor­zei­chen, aus guten Grün­den in nicht all­zu guter Erin­ne­rung behal­ten haben, man den­ke an die Bal­ten, Polen, Fin­nen und teil­wei­se auch Ukrai­ner, die sich nun auf­grund tief­sit­zen­der his­to­ri­scher Ängs­te und Res­sen­ti­ments zu blin­den Gehil­fen des ame­ri­ka­ni­schen Hege­mons machen lassen.

Putin fährt wei­ter fort mit der Atta­cke auf die Heu­che­lei des Westens:

Die west­li­chen Län­der behaup­ten seit Jahr­hun­der­ten, dass sie ande­ren Natio­nen Frei­heit und Demo­kra­tie brin­gen. Nichts könn­te wei­ter von der Wahr­heit ent­fernt sein.(…) Die uni­po­la­re Welt ist von Natur aus anti­de­mo­kra­tisch und unfrei; sie ist durch und durch falsch und heuchlerisch.

Nun gut: Hier stellt sich die Fra­ge nach der Bedeu­tung der Begrif­fe “Frei­heit” und “Demo­kra­tie”. Der Inter­pre­ta­ti­ons­rah­men ist hier äußerst groß. Wei­te Tei­le der Welt außer­halb des Wes­tens kön­nen nicht ernst­haft “demo­kra­tisch” genannt wer­den, auch Ruß­land nicht, zumin­dest in dem Sin­ne, wie wir den Begriff ver­ste­hen. Auf einem ande­ren Blatt steht, inwie­fern “Demo­kra­tie” im Wes­ten zur Fas­sa­de und zum Betrug ent­ar­tet ist, was wohl immer schon in ihrer Natur ange­legt war.

Wie beim “Ras­sis­mus” hin­ter­fragt Putin nicht die Vali­di­tät die­ser aus der west­li­chen libe­ra­len Tra­di­tio­nen stam­men­den Begrif­fe, son­dern affir­miert sie, um den Spieß umzu­dre­hen. Er geht also nicht so weit, die “Demo­kra­tie” an sich als Wert in Fra­ge zu stellen.

Nun kommt jener Teil, über den sich BILD-Ron­zhei­mer so laut­stark empört hat:

Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind das ein­zi­ge Land der Welt, das zwei­mal Atom­waf­fen ein­ge­setzt und damit die Städ­te Hiro­shi­ma und Naga­sa­ki in Japan zer­stört hat. Und sie haben einen Prä­ze­denz­fall geschaffen.

Erin­nern Sie sich dar­an, dass die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und Gross­bri­tan­ni­en wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs Dres­den, Ham­burg, Köln und vie­le ande­re deut­sche Städ­te in Schutt und Asche gelegt haben, ohne die gerings­te mili­tä­ri­sche Not­wen­dig­keit. Das war demons­tra­tiv und ent­behr­te, um es zu wie­der­ho­len, jeder mili­tä­ri­schen Not­wen­dig­keit. Wie bei den Atom­bom­ben­ab­wür­fen auf japa­ni­sche Städ­te hat­ten sie nur ein Ziel: unser Land und den Rest der Welt einzuschüchtern.

Daß Putin die Ein­äsche­rung der deut­schen Städ­te mit den Atom­bom­ben auf Japan in einem Atem­zug nennt, ver­schweigt Ron­zhei­mer bezeich­nen­der­wei­se. Ansons­ten müß­te er logi­scher­wei­se auch die Mas­sen­tö­tung von japa­ni­schen Zivi­lis­ten mit dem Ver­weis auf japa­ni­sche Gräu­el­ta­ten im Pazi­fik oder der Man­dschu­rei rechtfertigen.

Ich kann mich jeden­falls nicht erin­nern, daß jemals ein welt­po­li­tisch bedeu­ten­der Poli­ti­ker nach 1945 in die­ser Wei­se von Dres­den und Ham­burg gespro­chen hät­te, und für das allein gebührt Putin aus deut­scher Sicht Dank und Aner­ken­nung. Er erin­nert dar­an, daß die “Befrei­ung” Deutsch­lands im zwei­ten Welt­krieg auch auf anglo­ame­ri­ka­ni­scher Sei­te nicht aus selbst­lo­sen Moti­ven erfolg­te und einen hohen Blut­zoll gefor­dert hat.

Man kann mit Fug und Recht sagen, daß Deutsch­land seit Ende des Welt­kriegs “kolo­nia­li­siert” und ein “Vasal­len­staat” der USA ist. Man muß aber auch ein­ge­ste­hen, daß der Groß­teil der Deut­schen der Nach­kriegs­zeit die ame­ri­ka­ni­sche Herr­schaft gegen­über der rus­si­schen als das klei­ne­re Übel emp­fun­den und seit der Wirt­schafts­wun­der­zeit der fünf­zi­ger Jah­re kaum mehr als Bür­de wahr­ge­nom­men hat. Viel­mehr hat­te der ame­ri­ka­ni­sche Libe­ra­lis­mus, ver­bun­den mit Wohl­stand und hedo­nis­ti­scher Pop­kul­tur, eine absor­bie­ren­de Attrak­ti­vi­tät, die auch ohne direk­ten Zwang wirkte.

In die lan­ge Lita­nei der west­li­chen Ver­bre­chen reiht Putin andeu­tungs­wei­se auch den Anschlag auf die Nord Stream-Pipe­lines (sie­he hier und hier):

Aber die Angel­sach­sen glau­ben, dass Sank­tio­nen nicht mehr aus­rei­chen und haben sich nun der Sub­ver­si­on zuge­wandt. Es scheint unglaub­lich, aber es ist eine Tat­sa­che: Mit den Explo­sio­nen an den inter­na­tio­na­len Gas­pipe­lines von Nord Stream, die auf dem Grund der Ost­see ver­lau­fen, haben sie die Zer­stö­rung der gesam­ten euro­päi­schen Ener­gie-Infra­struk­tur in Angriff genom­men. Es ist für jeden klar, wer davon pro­fi­tiert. Die­je­ni­gen, die davon pro­fi­tie­ren, sind natür­lich verantwortlich.

Kür­zen wir die Ankla­ge ab und kom­men wir zu den Punk­ten, die ohne Zwei­fel zutref­fen oder zumin­dest einen wah­ren Kern haben. Hier also Putins “truth bombs”:

Putin zeich­net den Krieg in der Ukrai­ne als Stell­ver­tre­ter­krieg mit den USA, die in ruch­lo­ser Wei­se mit den euro­päi­schen Natio­nen umge­hen, die sie gegen Russ­land mobi­li­sie­ren wol­len, zum Teil in der Absicht, sie zu schwä­chen und als Kon­kur­ren­ten auszuschalten.

Das ame­ri­ka­ni­sche Impe­ri­um erscheint als prin­zi­pi­ell anti-natio­na­le Macht, die dar­auf abzielt, “Natio­nal­staa­ten zu zer­stö­ren”. Dies gel­te etwa “für Euro­pa und für die Iden­ti­tät Frank­reichs, Ita­li­ens, Spa­ni­ens und ande­rer Län­der mit jahr­hun­der­te­lan­ger Geschich­te”. Die euro­päi­schen Eli­ten, die den USA hörig sind, bege­hen “direk­ten Ver­rat an ihren eige­nen Völkern”.

Die ame­ri­ka­nisch-glo­ba­lis­ti­sche Poli­tik ist auch der Aus­lö­ser der Migra­ti­ons­wel­len, die auf Euro­pa zurollen:

Es sind ihre zer­stö­re­ri­sche Poli­tik, ihre Krie­ge und ihre Aus­plün­de­rung, die die heu­ti­ge mas­si­ve Migran­ten­wel­le aus­ge­löst haben. Mil­lio­nen von Men­schen erlei­den Ent­beh­run­gen und Demü­ti­gun­gen oder ster­ben zu Tau­sen­den bei dem Ver­such, Euro­pa zu erreichen.

Putin beschul­digt das ame­ri­ka­ni­sche Impe­ri­um, ein wah­res Reich der Lüge errich­tet zu haben:

Die Wahr­heit wur­de in einem Meer von Mythen, Illu­sio­nen und Fäl­schun­gen ertränkt, wobei eine äus­serst aggres­si­ve Pro­pa­gan­da ein­ge­setzt wur­de, die wie Goe­b­bels lügt. Je unglaub­wür­di­ger die Lüge, des­to schnel­ler wer­den die Men­schen sie glau­ben – nach die­sem Prin­zip arbei­ten sie.

Wir alle wis­sen, daß dies zutrifft, in einem Maße, wie man es sich vor weni­gen Jah­ren noch kaum vor­stel­len konn­te. Völ­lig zutref­fend ist auch die­ser Abschnitt:

Aber man kann die Men­schen nicht mit gedruck­ten Dol­lars und Euros füt­tern. (…) Mit Papier kann man nie­man­den ernäh­ren – man braucht Lebens­mit­tel; und mit die­sen auf­ge­bläh­ten Kapi­ta­li­sie­run­gen kann man nie­man­des Haus hei­zen – man braucht Energie.

Des­halb müs­sen die Poli­ti­ker in Euro­pa ihre Mit­bür­ger davon über­zeu­gen, weni­ger zu essen, sel­te­ner zu duschen und sich zu Hau­se wär­mer anzu­zie­hen. Und wer anfängt, berech­tig­te Fra­gen zu stel­len wie «War­um ist das eigent­lich so?», wird sofort zum Feind, zum Extre­mis­ten und Radi­ka­len erklärt. Sie zei­gen mit dem Fin­ger auf Russ­land und sagen: Das ist die Quel­le all eurer Pro­ble­me. Noch mehr Lügen.

Das paßt zu dem, was ich in mei­nen Betrach­tun­gen zur Nord Stream-Sabo­ta­ge geschrie­ben habe:

 “Putin” wird regel­mä­ßig in die Schu­he gescho­ben, was haupt­säch­lich das Werk unse­rer eige­nen Regie­run­gen und Eli­ten ist.

Putin spricht nun fol­gen­de War­nung aus, die täg­lich an Plau­si­bi­li­tät gewinnt:

Jetzt müs­sen sie, um sich aus dem jüngs­ten Geflecht von Her­aus­for­de­run­gen zu befrei­en, Russ­land sowie ande­re Staa­ten, die einen sou­ve­rä­nen Ent­wick­lungs­weg wäh­len, um jeden Preis demon­tie­ren, damit sie den Reich­tum ande­rer Natio­nen wei­ter plün­dern und zum Fli­cken eige­ner Löcher ver­wen­den kön­nen. Wenn dies nicht geschieht, kann ich nicht aus­schlies­sen, dass sie ver­su­chen wer­den, einen Zusam­men­bruch des gesam­ten Sys­tems her­bei­zu­füh­ren und alles dar­auf zu schie­ben, oder, Gott bewah­re, sich für die alte For­mel des Wirt­schafts­wachs­tums durch Krieg entscheiden.

Und schließ­lich kommt er auf ein Ideo­lo­gem des Wes­tens zu spre­chen, das in Russ­land sehr unbe­liebt ist und in der Tat in den letz­ten Jah­ren eine erschre­cken­de, ubi­qui­tä­re Domi­nanz bekom­men hat:

Wol­len wir hier, in unse­rem Land, in Russ­land, «Eltern­teil Num­mer eins, Eltern­teil Num­mer zwei und Eltern­teil Num­mer drei» (sie haben völ­lig den Ver­stand ver­lo­ren!) anstel­le von Mut­ter und Vater haben? Wol­len wir, dass unse­re Schu­len unse­ren Kin­dern von ihrer ers­ten Schul­zeit an Per­ver­sio­nen auf­zwin­gen, die zu Degra­die­rung und Aus­lö­schung füh­ren? Wol­len wir ihnen ein­trich­tern, dass es neben Frau­en und Män­nern noch ande­re Geschlech­ter gibt, und ihnen Ope­ra­tio­nen zur Geschlechts­um­wand­lung anbie­ten? Ist es das, was wir für unser Land und unse­re Kin­der wol­len? Das alles ist für uns inakzeptabel.

So wie die jet­zi­gen Trends aus­se­hen, ist dies in der Tat genau die gesell­schafts­po­li­ti­sche Zukunft, die die glo­ba­lis­ti­schen Eli­ten auch für unser Land und unse­re Kin­der wol­len, und es ist kein Zufall, daß die USA auch auf die­sem Gebiet (LGBT‑, Gender‑, Trans­se­xu­el­len­kult) der vehe­men­tes­te Vor­rei­ter sind.

Putin geht im fol­gen­den einen Schritt wei­ter, und sieht einen gera­de­zu meta­phy­si­schen Fre­vel am Werk:

Ich möch­te wie­der­ho­len, dass sich die Dik­ta­tur der west­li­chen Eli­ten gegen alle Gesell­schaf­ten rich­tet, auch gegen die Bür­ger der west­li­chen Län­der selbst. Dies ist eine Her­aus­for­de­rung für alle. Der völ­li­ge Ver­zicht auf das Mensch­sein, der Umsturz des Glau­bens und der tra­di­tio­nel­len Wer­te sowie die Unter­drü­ckung der Frei­heit ähneln einer «umge­kehr­ten Reli­gi­on» – dem rei­nen Sata­nis­mus. Jesus Chris­tus hat in der Berg­pre­digt fal­sche Mes­si­as­se ent­larvt: «An ihren Früch­ten wer­det ihr sie erken­nen.» Die­se gif­ti­gen Früch­te sind für die Men­schen bereits erkenn­bar – nicht nur in unse­rem Land, son­dern in allen Län­dern, ein­schliess­lich vie­ler Men­schen im Wes­ten selbst.

Das ist unzwei­fel­haft der Fall, und jedem Dis­si­den­ten im Wes­ten, der sich unse­rem herr­schen­den Sys­tem ent­frem­det hat, sind die­se Wor­te wohl aus tiefs­ten Her­zen gespro­chen. Es bedarf kei­ner rus­si­schen Pro­pa­gan­da und kei­nes Putins, um auf sol­che Gedan­ken zu kom­men. Die Früch­te lie­gen auf dem Tisch, und sie stin­ken vor Gift und Fäul­nis. Es sind die Machen­schaf­ten unse­rer west­li­chen Eli­ten selbst, die zu Erkennt­nis­sen und Sen­ti­ments die­ser Art führen.

West­li­che Eli­ten sind von ihren Völ­kern (ins­be­son­de­re den Mit­tel- und Unter­schich­ten) und deren natio­na­len Inter­es­sen der­art ent­frem­det, daß sie zu feind­se­li­gen Mäch­ten gewor­den sind. Wenn sie auf Putin zei­gen, dann tun sie nichts ande­res, als “Hal­tet den Dieb” zu schrei­en. Durch das rus­si­sche Feind­bild ver­su­chen sie erneut zu eini­gen, was sie selbst im Lau­fe von Jahr­zehn­ten gespal­ten haben.

Ich zitie­re ein­mal mehr den hell­sich­ti­gen bri­ti­schen Blog­ger Morgoth:

Grund­sätz­lich bie­tet die libe­ra­le Mit­te des west­li­chen poli­ti­schen Lebens kei­ne Sta­bi­li­tät mehr. Ame­ri­ka kehr­te nicht in die neun­zi­ger Jah­re zurück, als Biden gewählt wur­de, statt­des­sen wur­de das FBI auf MAGA-Anhän­ger aus dem ame­ri­ka­ni­schen Herz­land ange­setzt. Die Euro­päi­sche Uni­on wur­de gegrün­det, um den Euro­pä­ern Sta­bi­li­tät zu bie­ten, und alles, was wir beka­men, war ein Ver­lust an Sou­ve­rä­ni­tät und Arme­en von Afri­ka­nern, die über den Kon­ti­nent marschierten.

In der Tat ist alles, was uns die Eli­ten jetzt anzu­bie­ten haben, mehr Krieg, mehr Infla­ti­on, mehr Migran­ten, mehr “Wokis­mus”, mehr Gen­der-Ideo­lo­gie, mehr Zen­sur, mehr Haß auf Wei­ße, mehr Tech­no­kra­ten-Pla­nung von oben, mehr Kli­ma­wan­del-Wahn­sinn, mehr kas­trier­te Jun­gen und ver­stüm­mel­te Mäd­chen, mehr Impf­stof­fe, mehr kal­te Win­ter, mehr digi­ta­le Über­wa­chung, mehr Kor­rup­ti­on, mehr Bank­kon­ten­kün­di­gun­gen, mehr Ver­ach­tung des Volks­wil­lens, mehr Büro­kra­ten­ty­ran­nei, mehr twer­ken­de schwar­ze Frau­en, mehr eth­ni­sche Kon­flik­te, mehr Sank­tio­nen, mehr Infla­ti­on, mehr Lügen und mehr all­ge­mei­ne Not.

Was sie nicht wahr­ha­ben wol­len, ist die schmerz­haf­te Rea­li­tät, daß nicht wir das Pro­blem sind, son­dern sie. Statt­des­sen wer­den sie den Druck noch verstärken.

Der Schluß der Rede Putins ist eine pathe­ti­sche Beschwö­rung der welt­ge­schicht­li­chen Auf­ga­be Russ­lands, durch die Kraft sei­ner Kul­tur und sei­nes Volks­tums dem Glo­ba­lis­mus zu wider­ste­hen, und eine welt­wei­te, “im Kern eman­zi­pa­to­ri­sche, anti­ko­lo­nia­le Bewe­gung gegen die uni­po­la­re Hege­mo­nie” anzu­füh­ren, der auch “vie­le Gleich­ge­sinn­te in Euro­pa und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten” fol­gen werden.

Man soll­te sich hüten, das eins zu eins für bare Mün­ze zu neh­men und in Russ­land den gro­ßen Ret­ter im Arma­ged­don zu sehen, aber ohne Zwei­fel gibt es eine sub­stan­ti­el­le Kon­gru­enz der Inter­es­sen zwi­schen den rus­si­schen und den euro­päi­schen Geg­nern des ame­ri­ka­nisch-glo­ba­lis­ti­schen Imperiums.

Die Rede endet mit einem Zitat von Iwan Iljin und einem “vater­län­di­schen”, “iden­ti­tä­ren” Appell:

Und ich möch­te mit den Wor­ten des wah­ren Patrio­ten Iwan Iljin schlies­sen: «Wenn ich Russ­land als mein Mut­ter­land betrach­te, bedeu­tet das, dass ich wie ein Rus­se lie­be, wie ein Rus­se sin­ne und den­ke, wie ein Rus­se sin­ge und spre­che; dass ich an die geis­ti­ge Kraft des rus­si­schen Vol­kes glau­be. Sein Geist ist mein Geist, sein Schick­sal ist mein Schick­sal, sein Leid ist mein Leid, und sein Wohl­stand ist mei­ne Freude.»

Hin­ter die­sen Wor­ten ver­birgt sich eine glor­rei­che spi­ri­tu­el­le Wahl, die in den mehr als tau­send Jah­ren rus­si­scher Staat­lich­keit von vie­len Genera­tio­nen unse­rer Vor­fah­ren getrof­fen wur­de. Heu­te tref­fen wir die­se Ent­schei­dung; die Bür­ger der Volks­re­pu­bli­ken Donezk und Lug­ansk und die Bewoh­ner der Regio­nen Sapo­rischsch­ja und Cher­son haben die­se Ent­schei­dung getrof­fen. Sie haben sich dafür ent­schie­den, bei ihrem Volk zu sein, bei ihrem Vater­land zu sein, sein Schick­sal zu tei­len und gemein­sam mit ihm den Sieg zu erringen.

Die Wahr­heit ist mit uns, und hin­ter uns steht Russland!

Die ent­schei­den­de Fra­ge für Euro­pa wird sein, ob der antiglo­ba­lis­ti­sche Wider­stand an ver­gleich­ba­re Quel­len des Volks­tums und der natio­na­len Mythen anknüp­fen kann.

Ich wür­de eine eher pes­si­mis­ti­sche Pro­gno­se stel­len: Die meis­ten euro­päi­schen Län­der sind in die­ser Hin­sicht erschöpft und aus­ge­laugt, zum Teil aus ver­schie­de­nen Grün­den (der Weg Deutsch­lands in die post-natio­na­le Auf­lö­sung war ein ande­rer als der Weg Frank­reichs, das End­ergeb­nis ist aber sehr ähn­lich), und wo die natio­na­len Sen­ti­ments noch wirk­sam sind, las­sen sie sich treff­lich mani­pu­lie­ren und in die ame­ri­ka­ni­sche Agen­da ein­span­nen, etwa im Fal­le Polens und, wie ich fürch­te, auch Ita­li­ens, wo Melo­ni ihr nun ein “rech­tes” Gesicht gege­ben hat.

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Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (151)

Rheinlaender

7. Oktober 2022 08:58

Die russische Alternative zum globalistischen Imperium ist ein russisches Imperium, wie etwa Dugin immer wieder betont. Daran sollte man denken, wenn entsprechende Globalismus-Kritik aus Russland vorgebracht wird.

Es ist im Übrigen meistens nicht so, dass sich das globalistische Imperium den Völkern gewaltsam aufzwingt. Brzezinski verwies darauf, dass der hedonistische "American Way of Life" so verführerisch wirke, dass die meisten ihn freiwillig annähmen. Es handelt sich hier nicht um ein Problem der Außen- und Sicherheitspolitik, sondern der Kultur. Brzezinski hielt das amerikanische Imperium interessanterweise für nicht dauerhaft überlebensfähig, weil der "Way of Life", auf dessen Attraktivität wesentlich beruhe, so korrumpierend wirke, dass es diesem Imperium mittelfristig an hinreichend leistungsfähigem Personal mangeln werde. Der "Russian Way of Life" stellt diesbezüglich allerdings keine brauchbare Alternative dar.

Volksdeutscher

7. Oktober 2022 09:34

- "Wir sind stolz darauf, dass unser Land im 20. Jahrhundert die antikoloniale Bewegung angeführt hat, die vielen Völkern in der Welt die Möglichkeit eröffnete, Fortschritte zu machen, Armut und Ungleichheit zu verringern und Hunger und Krankheiten zu besiegen."

Martin Lichtmeß´ Hinweis auf die Heuchelei dieser keine Geschichtslügen auslassenden Putinschen Polemik ist durchaus berechtigt. Um eine Lüge dieser Größe und Dimension zu platzieren mußte Putin Fakten und Wahrheiten umschiffen. Das hat er erreicht, indem er das Personalpronomen plural wir, d.h. "wir Russen", benutzt hat. Das gibt sowohl dem kommunistischen als auch dem antikommunistischen russischen Zuhörern die Möglichkeit, sich damit zu identifizieren. Diese rethorische Wndung sollte man sich merken, auch wir könnten sie gebrauchen, falls wir irgendwelche geschichtlichen Sandbänke umschiffen wollen, um nicht aufzulaufen.

Carsten Lucke

7. Oktober 2022 09:46

Grandioser und sehr mutiger Text ! Der stärkste "Lichtmesz", den ich bisher las - Dank !

ML: Naja, 80% des Textes sind ja nicht von mir, sondern von Putin. ;)

Simplicius Teutsch

7. Oktober 2022 09:52

@ Lichtmesz, viele gute, einleuchtende Überlegungen.

@ Putin: „Die Wahrheit ist mit uns, und hinter uns steht Russland!“

Das aber kann er sich abschminken, der Herr Putin, wenn er nicht überzeugend militärische Fakten in der Ukraine schaffen kann. Dann ist seine ganze Rede in den Wind gesprochen.

RMH

7. Oktober 2022 10:04

Bitte einmal genau lesen:

"Erinnern Sie sich daran, dass die Vereinigten Staaten und Grossbritannien während des Zweiten Weltkriegs Dresden, Hamburg, Köln und viele andere deutsche Städte in Schutt und Asche gelegt haben, ohne die geringste militärische Notwendigkeit. Das war demonstrativ und entbehrte, um es zu wiederholen, jeder militärischen Notwendigkeit. Wie bei den Atombombenabwürfen auf japanische Städte hatten sie nur ein Ziel: unser Land und den Rest der Welt einzuschüchtern."

Ok, es ging also vor allem darum (NUR EIN ZIEL!), das große Russland einzuschüchtern (das das ein bejahter Nebeneffekt war, gerne, es aber es als zentrales Motiv darzustellen - ziemlich abgeschmackt). Der Rest der Welt, wer soll das sein? Eine rhetorische Figur ...

Ich kann hier also keine besondere Empathie für die deutschen oder japanischen Opfer erkennen und wüsste daher nicht, warum wir Deutsche hier irgendeinen Dank oder Anerkennung Putin für diese Aufzählung schulden würden, die nur aus der Binnensicht Russlands stammt und entsprechend nur um sich selber kreist. Die deutschen und japanischen Opfer sind ihm doch egal (das Totschlagargument der "Instrumentalisierung" von Opfern, würde ich aber noch nicht gebrauchen). Im Gegenteil, es offenbart eine Denkweise, die das Töten Anderer zur Einschüchterung Dritter als ganz selbstverständlich im strategisch- taktischen Instrumentenkoffer hat. 

RMH

7. Oktober 2022 10:49

Was an der Rede auch auffällt, ist der Umstand, dass Putin Russland /UdSSR nicht als Kolonialmacht sieht sondern eine antikoloniale Tradition beschwört (die es im Rahmen der Geschichte der UdSSR wohl nur dann gab, wenn es um die Kolonien anderer ging, aber nicht um die sich selbst ins Imperium einverleibten Gebiete). Ich verlinke ungern auf wikipedia, aber es gibt, bei allen Vorbehalten, zumindest einen Überblick:

https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Kolonisation

Kurzum: Irgendwie fällt es doch sehr schwer, aus Putins Rede an seine Landsleute - und dieser zentrale Aspekt, dass es eine Rede an die Russen war, kann nicht übersehen werden - irgendwelche großartigen Wirkungen für politische Bewegungen außerhalb von Russland festzustellen.

Karl

7. Oktober 2022 10:54

„Man sollte sich hüten, das eins zu eins für bare Münze zu nehmen und in Russland den großen Retter im Armageddon zu sehen, aber ohne Zweifel gibt es eine substantielle Kongruenz der Interessen zwischen den russischen und den europäischen Gegnern des amerikanisch-globalistischen Imperiums.“

Gibt es denn neben der unipolaren und multipolaren Geopolitik eine dritte Möglichkeit? Wenn nicht der „große Retter“, so vielleicht der kleine: welchen Weg gäbe es denn für die europäischen Völker, außer dem, sich der multipolaren Bewegung mit Russland und den BRICS-Staaten und evtl. Afrika anzuschließen? Ob Russland seinerseits Hegemoniebestrebungen hegt, wie dies von verschiedener Seite vorgebracht wird, ist zunächst zweitrangig, sollte natürlich immer mitbedacht werden. Die offen aggressive zerstörerische Politik der VSA gegen Europa und insbes. D  könnte das Volk wachrütteln. Die Sprechpuppen der Globalisten würden zunehmend enttarnt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Niemand

7. Oktober 2022 11:15

Vielen Dank, Herr Lichtmesz, für diesen wirklich hervorragenden Kommentar. Doch sollte uns vielleicht Morgoths von Ihnen zitierte und zutreffende Einschätzung, dass das System auch Normies in Zukunft nichts mehr zu bieten haben wird, etwas hoffnungsvoller stimmen.

Niekisch

7. Oktober 2022 11:55

"eine äusserst aggressive Propaganda eingesetzt wurde, die wie Goebbels lügt. Je unglaubwürdiger die Lüge, desto schneller werden die Menschen sie glauben – nach diesem Prinzip arbeiten sie.

           Wir alle wissen, daß dies zutrifft"

Goebbels stand einem Propagandaministerium vor und jeder Deutsche wußte oder konnte zumindest wissen, daß dort Propaganda betrieben wurde, während im Westen, ganz speziell in der BRD, jede noch so dreckige Lüge gesetzlich geschützt zur Wahrheit erhoben wird.

Franz Bettinger

7. Oktober 2022 12:37

In diesem Teil seiner Rede - großartig analysiert von ML - spricht Putin von der Diktatur der westlichen Globalisten und damit indirekt von der angestrebten unipolaren NWO der Davoser Ganoven-Clique.  Putin erwähnt sogar den fast v-theoretischen Begriff Satanismus. Damit hat der den signalfarbenen Elefanten im Raum benannt. Ich bin etwas erleichtert. 

Putins Rede ist auch eine in Richtung totaler Krieg. Die Russen sollen sich darauf vorbereiten. Vielleicht werden schon Jod-Tabletten gegen radioaktiven Fallout ausgegeben. Man beginne am Tag einer Atomexplosion mit 130 Tbl. à 1 mg / Tag oder 650 Tbl. der handelsüblichen 200 yg-Tbl (yg = pg = Pikogramm). Aber wer macht das schon?  

Franz Bettinger

7. Oktober 2022 12:38

Putins Rede ist auch eine in Richtung totaler Krieg. Die Russen sollen sich darauf vorbereiten. Vielleicht werden schon Jod-Tabletten gegen den Fallout ausgegeben. Man beginne am Tag einer Atomexplosion mit 130 Tbl. à 1 mg / Tag oder 650 Tbl. der handelsüblichen 200 yg-Tbl (yg = pg = Pikogramm). Aber wer macht das schon? 

Ein gebuertiger Hesse

7. Oktober 2022 12:41

Ein hervorragender Text mit starkem Antritt. Gleichwohl legt RMH einen Finger auf eine prekäre Stelle der Putin-Rede:

"Wie bei den Atombombenabwürfen auf japanische Städte hatten sie nur ein Ziel: unser Land und den Rest der Welt einzuschüchtern."

Darf man sicher sein, daß er das so gesagt hat (und nicht vielleicht nur die Übersetzung ungenau ist)? Wenn ja, steckte darin eine geradezu megalomanische Anmaßung sowie eine unverschämte Instrumentalisierung der deutschen und japanischen Opfer, die er in seiner Rede dann wohl nur als Steckenpferd benutzt hätte. Ich hoffe hier auf einen Übersetzungs-Lapsus.

ML: Hm, die Theorie höre ich nicht zum ersten Mal, dass die Atombomben zumindest AUCH der Sowjetunion zeigen wollten, wo der Hammer hängt.

Und überhaupt & sowieso: Schaut man Putin auf Bildern ins Gesicht, kann ihm NIE UND NIMMER trauen. Daß seine aktuellen Kontrahenten auf ihre Weise genauso oder noch verschlagener dreinschauen, ändert daran nichts. Es gibt physiognomische Gewißheiten: wir sollten immer wieder neues Vertrauen in unser Bauchgefühl fassen, unseren eingeborenen Menschenverstand, um die Spreu vom Weizen zu scheiden - ungeachtet dessen, worum es inhaltlich-politisch zu gehen scheint.

anatol broder

7. Oktober 2022 12:44

der vollständigkeit halber erwähne ich die amtlichen quellen für putins rede auf russisch und ihre englische übersetzung.

Nemo Obligatur

7. Oktober 2022 12:46

Wenn Putin nicht so viele Kriege angezettelt hätte und seine politischen Gegner nicht in Sibirien verschwinden ließe oder vergiften täte, wären seine salbungsvollen Worte doch gleich viel glaubwürdiger.

Aber vielen Dank für den Hinweis auf den Blogger Morgoth. Da schaue ich mal rein.

Ich würde sagen: ML liest man stets mit Gewinn.

Gustav

7. Oktober 2022 12:49

Während es den Angelsachsen bereits gelungen ist, Russland aus dem Europarat auszuschließen und sie sich darauf vorbereiten, es an der Teilnahme an OSZE-Treffen zu hindern, arbeiten sie daran, die Europäische Union zu versenken, indem sie eine Konkurrenz-Struktur in Mitteleuropa schaffen: die Drei-Meere-Initiative. Damit greifen sie ein altes polnisches Projekt auf, um diese Region zu entwickeln und sie gleichzeitig vor jedem deutschen oder russischen Einfluss zu bewahren.

Die Sabotage des Friedens in Europa

https://www.voltairenet.org/article217464.html

Adler und Drache

7. Oktober 2022 12:51

Das Aussprechen einiger unangenehmer Wahrheiten ist mehr, als man von einer Kriegs- und Propagandarede erwarten kann. Und wenn dann noch die Richtigen aufjaulen, kann man zufrieden sein. Der Rest: geschenkt. 

Die Deutschen gleichen der Schiffsbesatzung, die deutsche Rechte gleicht Odysseus, Putin der Skylla und die USA der Charybdis.  

Ein gebuertiger Hesse

7. Oktober 2022 13:00

@ ML

"Hm, die Theorie höre ich nicht zum ersten Mal, dass die Atombomben zumindest AUCH der Sowjetunion zeigen wollten, wo der Hammer hängt."

Okay, das ist verdammt interessant. Ich habe es noch nie gehört und bin, Asche auf mein Haupt, auch selbst nicht auf den (nicht eben fernliegenden) Gedanken gekommen. In dieser Perspektive ergibt das, was Putin an da sagte, neuen und besseren Sinn.

Hajo Blaschke

7. Oktober 2022 13:02

Nemo Obligator, ich vermute mal, dass Ihr Beitrag Satire sein soll. Falls nicht, zählen Sie mal die vielen Kriege auf, die Russland unter Putin angefangen hat. Und wen er vergiftet hat.

Volksdeutscher

7. Oktober 2022 13:10

"Wie bei den Atombombenabwürfen auf japanische Städte hatten sie nur ein Ziel: unser Land und den Rest der Welt einzuschüchtern."

Diese Stelle in Putins Rede, auf die @RMH hellsichtig hinweist, war schon zu Sowjetzeiten ein beliebter Mythos für den russischen Proll, um die gleichen Absichten der Sowjetunion unter den Tisch zu kehren: Die Unterwerfung Europas unter die kommunistische Herrschaft. "Befreien" bedeutet im kommunistischen Jargon Erobern. Diese Befreiungsrethorik kostete Putins Außenminister in Budapest vor paar Jahren die Vorladung ins Außenministerium. Putin folgt der alten bolschewistischen rethorischen Tradition. Als wüßte er nicht um die geschichtliche Wahrheit, als wüßte er nicht, welche wirtschaftlichen Ziele England seit dem Ende des 19. und erst recht verstärkt seit Anfang des 20. Jahrhunderts verfolgte, was es zum Anzetteln zweier Weltkriege gegen das Deutsche Reich veranlaßte. Auf das verdummte Putin bejubelnde deutsche Fußvolk wirken solche Reden natürlich enorm, man lese nur die Kommentare auf den alternativen Seiten. Da muß man höllisch aufpassen, daß man die Vorteile für Deutschland, die die zweipolige Weltordnung mit sich brächte, nicht mit den hinterlistigen Zielen des russisch-hegemonistischen Reichsbaus verwechselt.

 

Hajo Blaschke

7. Oktober 2022 13:11

Früher gab es im Westen Sowjetologen. Das waren Kaffeessatzschnüffler, die selbst aus aufgefangenem Urin Breshnews Prophezeiungen über die Politik der Sowjetunion herauslesen wollten.

Heute mühen sich Putinologen, sich einzubilden, aus den Gesichtszügen Putins etwas herauszulesen. Schön, wenn es dazu dient, mit derartigen Orakeln Geld zu verdienen.

RMH

7. Oktober 2022 13:13

Dank an anatol broder für die links zu den offiziellen Quellen. @Gebürtiger Hesse, zumindest die offizielle englische Übersetzung lässt da keinen großen Interpretationsspielraum "They had only one goal". Wie ich oben schon geschrieben habe, ist es absolut plausibel und es wurde auch vielfach schon geschrieben und M.L. hat hier recht, dass man als Nebeneffekt der Bombardierungen es sicher begrüßt hat, dass den Russen gezeigt wurde, was man hat und kann. Aber das alleine wirds sicher nicht gewesen sein und es ist - dabei bleibe ich - empathielos gegenüber den Opfern und deren Nachfahren, dass als Hauptziel für sich zu vereinnahmen.

Wie auch immer, die Rede ist ja eigentlich voll mit Bonmots für die typisch rechte Seele, bspw. auch die Stelle, in  der darauf hingewiesen wird, dass Deutschland, Japan, Südkorea ja noch besetzte Länder und Vasallen sind. Dass die UdSSR im 2+ 4 Vertrag da was anderes bestätigt hat (und bis heute finden sich auf dem Gebiet der ehem. DDR keine anderen Truppen, als die der BW) fällt großzügig unter den Tisch.

heinrichbrueck

7. Oktober 2022 13:20

Im Vergleich zur demokratischen NWO, war Goebbels (unterhalb eines weißen Schuldkults geht nichts mehr) ein Anfänger. Putin spricht wichtige Dinge an, "Satanismus", "Reich der Lüge", alles richtig; aber in der Bezeichnung der Vorgänge, hinterläßt das Weggelassene eine verschleierte Zielsetzung. "Je unglaubwürdiger die Lüge", oder je größer die Lüge? Wer ist denn in der Lage, eine große Lüge sehen zu können? Eine unglaubwürdige Lüge wäre durchschaubarer. Es ist auch kaum möglich, ohne die Wahrheit zu lügen. "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht"? Und wer einmal die Wahrheit sagt? Eine Wahrheit schafft Vertrauen, aber das Gesamtbild lügt. Die große Lüge ist eine gemeinsame. Putin unterschlägt die geistige Herkunft der "westlichen" Eliten, die geistige Prägung und die angewandten Nachkriegswahrheiten. 
Der weiße Europäer hat ein Problem, ich sehe keine russische Lösung. Man kann sich Jesus oder Stalin ins Wohnzimmer hängen, ein politisches Identifikationsmodell ist damit noch nicht gegeben. Die multiethnischen Problematiken, die den Sieg im "Menschsein" erringen? Diese Wahrheit müßte eine umwerfende Demographie haben. Eine ersichtliche Erklärung, die als langfristige Begründung taugt, ohne reale Legitimierbarkeit durchsetzen zu wollen, im Kontext des europäischen Bürgerkriegs und des Nachkriegsverlaufs, überzeugt im Lügen strafen, jedoch nicht in der Zielsetzung. 

Karl Otto

7. Oktober 2022 13:24

Es glaubt doch wohl niemand ernsthaft, dass nach einem möglichen Ende der US-Vorherrschaft (und der EU) der  multipolare Frieden beginnen würde, in dem sich Russland. China und Indien gegenseitig unterstützen? Russland und China waren sich immer spinnefeind, in den 70er Jahren haben sie an der Grenze aufeinander geschossen. 

Am Ende würde wahrscheinlich eine Vorherrschaft Chinas über die Welt stehen. Da sind mir die USA dann doch lieber.

 

Hajo Blaschke

7. Oktober 2022 13:42

RMH: Putin ist Präsident Russlands. Und er vertritt Russlands Interessen. Mit dem Rest der Welt will Russland auf Augenh als souveräner Staat zusammenarbeiten. Und wie man an dem Fakt sieht, dass außer den Staaten, in denen Atlantiker am Ruder sind, der ganze große Rest der Welt mit Russland zusammenarbeitet,acht Putin alles richtig.. 

dojon86

7. Oktober 2022 13:53

@ein gebürtiger Hesse. Das Bauchgefühl der Bevölkerung hat den Deutschen serienweise Verrückte und Schwachköpfe als Staatenlenker beschert. Schul- und Studienabbrecher. ( und zwar nicht erst seit gestern) Das Bauchgefühl ist außerdem etwas sehr unterschiedliches. Ich z. B. mag klar und direkt formulierende Menschen, wogegen ich Politikern, die sich gerne mit Kindern und Kleintieren zeigen, mißtraue. Ein Politiker, der seine Familie außen vor läßt, wie z. B. Putin, zeigt zumindest, dass er seine Kinder liebt. Ich weiß aber von anderen, dass sie genau das als unsympathisch empfinden 

Nemo Obligatur

7. Oktober 2022 14:46

@ dojon86

Das Bauchgefühl der Bevölkerung hat den Deutschen serienweise Verrückte und Schwachköpfe als Staatenlenker beschert. Schul- und Studienabbrecher. ( und zwar nicht erst seit gestern)...

Wenn man das vorher nur immer so genau wüsste! Gewiss, Postkartenmaler, Taxifahrer und Möchtegernjuristinnen lässt man besser nicht ans Ruder. Aber wer hätte gedacht, dass uns ausgerechnet eine promovierte Physikerin die dümmste Energiepolitik überhaupt beschert? Letzten Ende bekommen Sie das System nicht wasserdicht. Irgendwie kommt immer jemand ins Cockpit, der den falschen Knopf drückt. Wahlen alle vier Jahre sind nicht die schlechteste Sicherung. Wie das Beispiel AM leider zeigt, bewahrt selbst das ein Land nicht vor Schaden.

Nordlicht

7. Oktober 2022 14:57

Was es hir nicht geben sollte, weil unwürdig:

Eine Rede mit fortwährend dazwischen geschobener Leseanweisung bzw "richtiger" Interpretation zu veröffentlichen. Das ist nicht nur üblich in den MSM - dort meist noch verkürzt-, aber Redetext mit Verständnis-Anweisung gibt es auch bei den angeblich alternativen Medien wie tichy.

SiN sollte den Text zur Verfügung in einem Durchlauf stellen und dann - meinetwegen mit Hilfe von Absatz-Numerierungen - diskutieren. Was jedoch hier gemacht wird, nämlich abschnitsweise zu erläutern, was wohl gemeint und warum das falsch sei - ist bevormundend.

ML: Ich habe den Text der vollen Rede verlinkt. Das hier ist mein Kommentar und meine Meinung dazu, die ich ja wohl haben kann, nicht eine "Leseanweisung". Bissl entkrampfen und am Boden bleiben bitte.

RMH

7. Oktober 2022 14:58

@Hajo Blaschke,

bis zum Februar 2022 war ich durchaus Befürworter von Nordstream 2 - ein starker Handel und entsprechende Zusammenarbeit mit Russland war aus meiner Sicht ein Gebot der Vernunft und wenn der Krieg einmal vorbei ist, wird man dazu auch wieder zurückkehren müssen. Putin als Person genoss bei mir Respekt, auch wenn mir Leute mit einer langen Geheimdienstkarriere grundsätzlich nicht ganz geheuer sind. Der Krieg mit der Ukraine war aus meiner Sicht ein gewaltiger Fehler, der auch vermeidbar war (hier gehen die Meinungen bekannterweise klar auseinander) und für den es keine Rechtfertigung gibt. Ich kann hinter der letzten Entscheidung für den Angriff auch nur Russland sehen und keinen anderen. Für diese Positionen fange ich mir hier regelmäßig Widerspruch bis hin zu persönlichen Anfeindungen ein. Ich bleibe aber dabei.

 

Nordlicht

7. Oktober 2022 14:59

Zu den Sanktionspolitik der USA:

Johannes Hübner im österreichischen Parlament 

https://www.youtube.com/watch?v=Uh6uuW83HN4

 

RMH

7. Oktober 2022 15:06

@all,

nachdem ich die komplette Rede in englischer Sprache gelesen habe, stellt sich bei mir ein gewisses Unwohlsein ein. Ich bin seit über 20 Jahren in rechten- und neurechten Internetseiten und Foren (bspw. damals bei Gesamtrechts) unterwegs, davor las ich eben Printmedien. Die Rede liest sich an nicht gerade wenigen Stellen wie eine Art Zusammenfassung, best of von dem, was mir in diesen rechten Publikationen und Foren regelmäßig vorgebetet wurde. Da frage ich mich jetzt und heute: Wer ist Henne, wer ist Ei? Sammelte Russland diese Inhalte, um mit Reden wie diesen Sympathiepunkte bei Nationalisten in Europa zu sammeln? Kann ich kaum glauben, denn die Rede ist primär als Rede an das russische Volk zu verstehen und liest sich auch so. Oder kamen diese Argumente schon seit langem aus Russland? Oder hat sich Russland entsprechend von Rechten in Europa beeinflussen lassen (kaum denkbar ...).?

ML: Hurra, also sind unsere Ideen aus dem Blog doch auf fruchtbarem Boden gelandet!

ede

7. Oktober 2022 15:17

Ich schließe mich an. Großartiger Text von Martin Lichtmesz.

Gustav

7. Oktober 2022 15:25

Horizontale Konfliktnarrative waren jahrhundertelang ein wichtiger Bestandteil der Art und Weise, wie Eliten ihre Bevölkerungen kontrollieren. Katholisch gegen protestantisch, muslimisch gegen christlich, schwarz gegen weiß, männlich gegen weiblich, schwul gegen heterosexuell usw. usw. Es ist eine bewährte Methode, um Frustrationen zu kanalisieren, Köpfe zu formen und die Menschen von den wahren Verursachern ihres Unglücks abzulenken.

Hinter der Fassade des Konflikts haben die Eliten immer ein gemeinsames Band der gegenseitigen Interessen geteilt. Sie wussten, dass ihre eigenen Bevölkerungen die wahren gemeinsamen Feinde waren, gegen die sie gemeinsame Sache machten.

Warum sollte das heute anders sein? Während wir uns hier fröhlich "spalten", ziehen sie unbeirrt ihr "Ding" durch. So wird das nie etwas..

ML: Ich bin kein Anhänger dieser Art, die Welt zu sehen und die Geschichte zu verstehen.

Gustav

7. Oktober 2022 16:24

@ Karl Otto

Jeder will einen „bestimmten“ Feind als Ursache aller politischen Handlungen isolieren und beschuldigen, aber wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, sind sie dann nicht alle Feinde des Volkes?

Die USA haben den Aufbau Chinas zu einer weltweit führenden Wirtschafts- und Militärmacht seit mehr als fünf Jahrzehnten finanziert, voll unterstützt und begleitet. Das ist kein Geheimnis, wird aber meist ignoriert. Das Gleiche gilt für Russland seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, einschließlich und während des Kalten Krieges, als Russlands Technologie- und Atomprogramme durch die Finanzierung und Unterstützung der USA auf allen Ebenen erleichtert wurden.

Es scheint, dass alles, was geschieht, im Voraus inszeniert wird, von allen beteiligten Hauptakteuren akzeptiert wird und alles Teil der Agenda des „Great Reset“ ist.

Herr K aus O

7. Oktober 2022 17:15

So, wie es aussieht, hat Putin sich übernommen. Ein schneller Gewinn gegen die Ukraine kam nicht zustande. Der enorme Mobilisierung der Presse und der Grünen, die ja nicht nur die Anti-Akw-Partei war sondern vor allem aus der Friedensbewegung der 80er entstand, läßt einen Mittfünfziger wie mich ratlos zurück. Ist das die Umwertung aller Werte?

Vielleicht hat Putin Biden und den Rückzug aus Afghanistan als Schwäche interpretiert - aus der Kiste kommen wir alle nicht mehr raus. Ich vermute, Rußland zerfällt in einem entsetzlichen Bürgerkrieg.

WKIII ist aber auch drin, Springer feuert aus allen Rohren, wenn es darum geht, dass ukrainische Politiker einen nuklearen Erstschlag fordern.

 

wolfdieter

7. Oktober 2022 17:47

@RMH 7. Oktober 2022 10:04

Ok, es ging also vor allem darum (NUR EIN ZIEL!), das große Russland einzuschüchtern

Das nicht so abwegig wie es klingt. Starikov vertritt die Theorie, dass die Angelsachsen die Nazis installiert haben, um das Russische Reich zu übernehmen. Ich habe eine Rezension gebloggt.

KlausD.

7. Oktober 2022 17:57

@Ein gebuertiger Hesse  7. Oktober 2022 12:41

"Wie bei den Atombombenabwürfen auf japanische Städte hatten sie nur ein Ziel: unser Land und den Rest der Welt einzuschüchtern."

"Darf man sicher sein, daß er das so gesagt hat"

Jawohl, darf man, denn er hat lediglich wiederholt, was der us-amerikanische Historiker Gar Alperowitz bereits unmittelbar nach dem Krieg festgestellt hat.

"Wenn ja, steckte darin eine geradezu ... unverschämte Instrumentalisierung der deutschen und japanischen Opfer"

Wer hier deutsche und japanische Opfer instrumentalisiert hat, war gewiss nicht Putin. Aussagen zu beiden Punkten sowie vielen weiteren in diesem Zusammenhang trifft der Autor und Filmemacher Dirk Pohlmann in seinem Vortrag "Der Hiroshima-Mytos"

https://nuoflix.de/dirk-pohlmann-der-hiroshima-mythos

Sehen Sie insbesondere zu beiden Punkten ab Minute 33:00 sowie 57:00.

Niekisch

7. Oktober 2022 18:03

"@ ML

"Hm, die Theorie höre ich nicht zum ersten Mal, dass die Atombomben zumindest AUCH der Sowjetunion zeigen wollten, wo der Hammer hängt."

Okay, das ist verdammt interessant. Ich habe es noch nie gehört und bin, Asche auf mein Haupt, auch selbst nicht auf den (nicht eben fernliegenden) Gedanken gekommen. In dieser Perspektive ergibt das, was Putin an da sagte, neuen und besseren Sinn."

@ Ein gebuertiger Hesse 7.10. 13:00: Ohne jetzt auf die Schnelle, lieber Landsmann, Quellen angeben zu können: Als Deutschland nach vergeblichen Verhandlungen der späteren Alliierten mit Moskau zwecks Bündnis selber mit der UdSSR Nichtangriffs- und Freundschaftsverträge schloß, reiften im Westen Pläne heran, Rußland anzugreifen. Selbst noch mitten im Zweiten Weltkrieg sollte Baku angegriffen werden, weil die Sowjetunion allmählich gegenüber dem Reich die Oberhand gewann und die Gefahr des Durchmarschs bis zum Atlantik bestand. 

weiter II.

Niekisch

7. Oktober 2022 18:04

II.

Das Mordbombardement gegen Dresden dürfte auch ein Warnzeichen an die Rote Armee gewesen sein. Es ist bekannt, daß Churchill mit dem Gedanken spielte, ein deutsches Restkontingent der geschlagenen Wehrmacht für den Fall des Falles in Reserve zu halten.

Daß die Atombombenabwürfe der UdSSR aufzeigen sollten, wer als Dirigent dem Orchester vorsteht, ist nicht von vorneherein zu verwerfen.

Man beschäftige sich mit Richard Sorge, der den Sowjets verriet, mit einem japanischen Angriff auf Sibirien sei nicht zu rechnen. Offenbar erwarteten die Sowjets ab 1941 einen solchen. Der Verrat Sorges ermöglichte Ende 1941 der Roten Armee das Verlegen starker sibirischer Einheiten Richtung Moskau, um die Wehrmacht vor der Hauptstadt zu stoppen, sodann zurückzudrängen.

deutscheridentitaerer

7. Oktober 2022 18:05

@RMH

Ich verstehe Sie so, dass Sie sich nun fragen, ob Sie nicht seit Jahren russischer Manipulation und Propaganda auf den Leim gegangen sind - insofern Sie neurechte Inhalte teilen, was Sie ja ausweislich Ihrer Postings hier zum großen Teil tun.

Es stimmt ja, viele neurechte talking points finden sich in Putins Rede wieder.

Aber haben Sie denn so wenig Vertrauen in Ihre eigene Urteilskraft, dass Sie die objektive  Richtigkeit dieser neurechten Inhalte verkennen?

Putins Rede ist erstens sehr wohl auch an das westliche Publikum gerichtet. Sie wurde hier ja breit rezipiert. Insofern greift sie real existierende Verwerfungen auf. Gäbe es die Probleme nicht, hätte Putin kein Angriffsmaterial.

Zum anderen greift er aber auch insoweit er sich an sein eigenes Volk wendet, rechte Argumente auf - einfach weil deren Wahrheit für jeden ohne weiteres erkennbar ist, für den nichts davon abhängt, sie absichtlich zu verkennen.

Was Henne ist und was Ei, ist doch also klar.
 

Nemo Obligatur

7. Oktober 2022 18:17

@ RMH, 7. Oktober 2022 14:58

Ihre Worte könnten ganz genau meine Worte sein.

Ich würde noch ergänzen, dass man mit Russland auch nach dem Ukraine-Krieg in irgendeiner Form wird zurechtkommen müssen. Aussagen unserer Politiker, dass man "nie wieder Gas oder Öl aus Russland" beziehen will, sind ein Rezept für wirtschaftlichen Selbstmord und daher nicht zum Nennwert zu nehmen.

Aus Erfahrung: Wer von allen Seiten kritisiert wird, bekommt langfristig oft recht. Die Dinge sind nun einmal in ständiger Bewegung.

Ein Fremder aus Elea

7. Oktober 2022 18:37

Abgesehen vom Atombombeneinsatz, der in sozialistischen Staaten seit mindestens 50 Jahren als Beweis der Unmenschlichkeit des kapitalistischen Systems gilt, und der Pepe Escobar'schen Global South-Soße, ist das eben alles Alex Jones pur, wovon der Mann täglich vier Stunden spricht, wenn er nicht gerade um Geld bettelt.

(Ich schalte jetzt mal ein, die Sendung läuft gerade, bettelt er gerade um Geld? Nein! "Pentagon officials: Nuclear war may be needed.")

Hmm, Rußland betrachtet sich vielleicht als zu den Königen des Ostens gehörend. Liegt aber auch Richtung Mitternacht von Jerusalem aus. Was nicht weiter wichtig ist, wenn jetzt erstmal die 1000-jährige Herrschaft der Heiligen kommt. Erst danach kommen ja Gog und Magog aus Richtung Mitternacht.

(Jetzt bettelt Alex wieder.)

Also Pepe Escobar und Alex Jones. Das weiß Putin ganz genau. Er könnte genauso gut ein Schild mit "ZeroHedge" und "InfoWars" hochhalten. Und was sagt uns das? Mir sagt es ehrlich gesagt so gut wie nichts. Mir scheint es so, als wollte Putin nicht kommunizieren, jedenfalls nicht seine Sicht kommunizieren.

Ein Fremder aus Elea

7. Oktober 2022 18:42

RMH,

nein, ich denke, Putin richtet sich nicht in erster Linie ans russische Volk, jedenfalls nicht in dem Sinne, wie Sie es meinen, sondern wenn, dann nur so, daß er dem russischen Volk sagt: "Keine Angst! Es gibt im Westen ja auch Alex Jones, und dessen Buch "The great reset and the war for the world" ist gerade der Bestseller überhaupt! Die werden sich also nicht alle gegen uns verbünden." Die Rede war ja nicht gerade pathetisch gehalten. Eher wie eine Vorlesung.

Niekisch

7. Oktober 2022 19:12

"Ist das die Umwertung aller Werte?"

@ Herr K aus O 17:15: Ja, und zwar seit dem 17. Jahrhundert, als die Aufklärung entartete und diese Entartung als politisch-gesellschaftliche Waffe zum Einsatz kam. Umwertung aller Werte, auf den Kopf stellen aller Begriffe, Auflösung aller Dinge aus Haß gegen alles Traditionale. Erst geschah es aus dem Geheimen, jetzt ganz offen, weil mit Widerstand nicht mehr gerechnet wird. 

"Starikov vertritt die Theorie, dass die Angelsachsen die Nazis installiert haben, um das Russische Reich zu übernehmen. Ich habe eine Rezension gebloggt."

@ wolfdieter 17:47: Da ist er nicht der Erste. Hitler soll schon mit 12 Jahren in GB ausgebildet worden sein. Ein Jahr in seiner Biographie soll ein weißes Blatt sein. Das aber ist sicher Blödsinn.

Wenn die Angelsachsen das Russische Reich übernehmen wollten, dann hätten sie nicht die Bolschewisten finanziert, sondern Zar Nikolaus selber gestürzt und den Zarenthron mit einer eigenen Marionette besetzt statt ein Regime zu installieren, das eine Weltrevolution starten wollte, die auch die Angelsachasen gefährdete.

Hajo Blaschke

7. Oktober 2022 19:15

RMH, wenn die Beendigung des Dauerbeschusses durch die Kiewer Junta und die Ermordung von 14 000 Donbass-Bewohnern kein Kriegsgrund ist, was dann?

Valjean72

7. Oktober 2022 19:27

@ein gebürtiger Hesse:

Wenn ja, steckte darin eine geradezu megalomanische Anmaßung sowie eine unverschämte Instrumentalisierung der deutschen und japanischen Opfer

Ich habe das schon während meiner Gymnasialzeit im Geschichtsunterricht vernommen, dass die Einäscherung Dresdens - zu einem Zeitpunkt als der Ausgang des Krieges längst entschieden war - unter anderem dazu diente, den Sowjets die absolute Vernichtungskraft der angelsächsischen Bomberflotten vor Augen zu führen.

Daß Sie nun explizit diese Stelle in Putins Rede hernehmen und daraus eine "megalomanische Anmaßung" hinein interpretieren, lässt mich einigermaßen sprachlos zurück.

ede

7. Oktober 2022 19:39

@Herr K..

"So, wie es aussieht, hat Putin sich übernommen. Ein schneller Gewinn gegen die Ukraine kam nicht zustande."

Das ist doch ein völlig wertloses Zeitungsnarrativ. Wenn der russische Plan tatsächlich darin bestand, eine Schützen- oder Panzerdivision marschiert in Linie und gemächlich nach Kiew, um dort mit Brot und Salz empfangen zu werden, dann ist er offenbar gescheitert.

Die Wahrheit ist doch: wir kennen die operativen Überlegungen der Russen nicht, und ich kenne auch keine diesbezüglichen ernst zu nehmenden Erörterungen.

Mein Gesamteindruck: möglichst geringe eigene aber auch keine übermäßige ukrainische Verluste, insb. bei der Zivilbevölkerung. Dafür spricht schon das (bisher) offenbar weitgehende schonen der zivilen Infrastruktur. Ist auch logisch, wenn ein mögliches Ziel eine irgendwie neutrale UKR sein sollte. Das kostet alles Zeit, die möglicherweise einkalkuliert ist.

"Vielleicht hat Putin Biden und den Rückzug aus Afghanistan als Schwäche interpretiert - aus der Kiste kommen wir alle nicht mehr raus. Ich vermute, Rußland zerfällt in einem entsetzlichen Bürgerkrieg."

Ein Zeichen von Stärke war der Rückzug schon mal nicht. Aber ein Zeichen von Vernunft zweifellos.

Für einen russischen Bürgerkrieg gibt es doch nicht die geringsten Anzeichen.

Laurenz

7. Oktober 2022 20:11

@Gustav @Karl Otto

Die USA haben den Aufbau Chinas zu einer weltweit führenden Wirtschafts- und Militärmacht seit mehr als fünf Jahrzehnten finanziert

Belegen Sie das. Das, was die USA & der gesamte Westen gemacht haben, ist, die billigeren Löhne in China zu nutzen & sich dort den bisher größten Markt der Welt zu eröffnen. Bis heute kann man in China & ganz Ostasien als Devisen-Ausländer keinen Grund & Boden erwerben. Ob man nun auf billiges Gas oder billige Löhne in anderen Staaten zurückgreift, kommt auf dasselbe heraus. Daß die Chinesen diese Position nutzten, um technisch aufzuholen, ist rein dem chinesischen Geschick zu verdanken, wie den mörderischen Erfahrung mit dem Westen im 19. Jahrhundert.

@alle Atombomben-Abwurf-Debattierende

Die Amis hatten am 08.Mai.1945 der Roten Armee in Deutschland nichts entgegenzusetzen, um Stalin daran zu hindern, bis Brest zu marschieren. Also mußte eine Bedrohungslage her.

Laurenz

7. Oktober 2022 20:12

@RMH @Hajo Blaschke

Der Krieg mit der Ukraine war aus meiner Sicht ein gewaltiger Fehler, der auch vermeidbar war (hier gehen die Meinungen bekannterweise klar auseinander) und für den es keine Rechtfertigung gibt. Ich kann hinter der letzten Entscheidung für den Angriff auch nur Russland sehen und keinen anderen. Für diese Positionen fange ich mir hier regelmäßig Widerspruch bis hin zu persönlichen Anfeindungen ein.

Das einzige, was man Putin aus russischer Sicht vorwerfen kann, ist, nicht bereits 2014 in die Ukraine einmarschiert zu sein. Die us amerikanischen Pläne zur Teilung Rußlands liegen seit Jahrzehnten  auf dem Tisch. Rußland hat nur dann eine Chance, wenn es offensiv schafft, den Westen entscheidend zu destabilisieren. Der Kuhtreiber versteht nur eins. Wenn der Gegner schneller zieht, als er selbst.

Mitleser2

7. Oktober 2022 20:17

ML: "Das hier ist mein Kommentar und meine Meinung dazu, die ich ja wohl haben kann, ..."

Richtig, "Meinung", deswegen liegen die Kritiker falsch, die hier was "ausgewogenes" erwarten.

PS: Ich teile die Meinung von ML nur begrenzt. Aber warum sollte er sie hier nicht äußeren? Bei SZ, FAZ, ZEIT finden sich genug andere "Meinungen"

ML: Seit wann ist denn SiN KEIN Meinungsblog? Ich finde das bizarr.

Valjean72

7. Oktober 2022 21:08

Vielen Dank für diesen Artikel und die Übersetzungen von Putins Rede.

Gerade die Kernaussage des abschließenden Absatzes teile auch ich:

... wo die nationalen Sentiments noch wirksam sind, lassen sie sich trefflich manipulieren und in die amerikanische Agenda einspannen, etwa im Falle Polens und, wie ich fürchte, auch Italiens

Bezüglich des allumfassenden Einflusses transatlantischer  Zirkel auf die bundesdeutsche Medien- und Politlandschaft ist es mitunter auch interessant die täglichen  Stellungnahmen des Schweizer Publizisten, Journalisten und Mitglied des Schweizer Nationalrates, Roger Köppel anzuhören (s. hier vom 07.10.2022)

Hajo Blaschke

7. Oktober 2022 22:47

@ Laurenz, ja, ich stimme Ihnen zu, dass Russland bereits 2014 hätte eingreifen können.

Aber Putin ist promovierter und habilitierter Jurist und Stratege. Sein Ziel müsste (und ist immer noch) sein, ein ganzes Netzwerk an Verbündeten weltweit aufzubauen. Und die Welt kann man mit Maßnahmen, die alle potentiellen Verbündeten mit voreiligen Schritten abschrecken, verprellen. Und solche Schritte der russischen Diplomatie zeigen deren haushohe Überlegenheit im Vergleich zu dem, was Europa zu bieten hat.

Sugus

7. Oktober 2022 23:26

Intellektuelle neigen dazu, Texte überzubewerten, das trifft wohl auch auf Lichtmeß zu. Putin ist bisher nicht als großer Theoretiker aufgetreten, oder? Er ist ein Machtmensch und wie es aussieht, hat er sich nach vielen Erfolgen jetzt ziemlich vertan. Dass Deutschland in seiner Rede eine Rolle spielt, ist eventuell nur Zufall und hat damit zu tun, dass er Deutsch kann und in Deutschland stationiert war. Wäre er in einem anderen Land stationiert gewesen, hätte er vielleicht dieses erwähnt.

Putin kann morgen schon Geschichte sein. Zielführender wären Analysen russischer Geopolitik und ihrer Traditionslinien und Prognosen für die Zukunft. Die Rede Putins interessiert keinen.

Gracchus

8. Oktober 2022 02:43

Ich sehe Putin ähnlich wie RMH. Der Krieg war, ist und erweist sich als Fehler. Ob Putin die Wende schafft, wird man sehen. Er steht ziemlich unter Zugzwang. 

Dass er mit seiner Rede rechte Topoi bedient, ist nicht so überraschend. Es handelt sich ja um kein klandestines Gedankengut, und es gibt ja Schnittmengen zwischen zum Beispiel Dugin und Rechten, was die Rezeption bestimmter Denker angeht. Auch wenn Putin sich in erster Linie an das russische Volk gewandt haben mag, ist ihm doch klar, dass seine Rede in der ganzen Welt verfolgt wird, und daher schielt er auch auf ausländisches Publikum, warum nicht auf jenen Teil, dem die US-Hegemonie auch nicht schmeckt. Ich schätze ausserdem Putin als prinzipiell deutschenfreundlich ein. Er scheint zu ahnen, dass Russland und Deutschland mehr verbindet als wirtschaftliche Interessen. Womöglich hat er sich auch in Bezug auf Deutschland verkalkuliert und geglaubt, die deutsch-russischen Netzwerke wären potenter und Deutschland würde nicht so ohne Weiteres nach der US-amerikanischen Pfeife tanzen, allein aus ökonomischer Notwendigkeit. 

Gracchus

8. Oktober 2022 02:53

Zu Lichtmesz' Schlussabschnitt: Entscheidend ist, ob sich Deutschland ein paar unbequeme Wahrheiten oder zumindest Fragen nach der Wahrheit zumutet. Solange Leute wie BILD-Ronzheimer dergleichen nach Absurdistan verbannen, ist damit nicht zu rechnen. M. E. fliegen aber die gesamten BRD-Lügen gerade auf - für den, der Augen hat. 

Laurenz

8. Oktober 2022 03:57

@Sugus (2)

Dass Deutschland in seiner Rede eine Rolle spielt, ist eventuell nur Zufall und hat damit zu tun, dass er Deutsch kann und in Deutschland stationiert war. Wäre er in einem anderen Land stationiert gewesen, hätte er vielleicht dieses erwähnt.

Die Stationierung Putins in Deutschland war aber kein Zufall, Deutschland war der Brennpunkt zwischen 2 Machtblöcken & geteilt. Nordkorea war kein Bestandteil des Warschauer Pakts.  

Putin kann morgen schon Geschichte sein.

Kann sein, kann nicht sein. Aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß wir früher Geschichte sind.

Zielführender wären Analysen russischer Geopolitik und ihrer Traditionslinien und Prognosen für die Zukunft. Die Rede Putins interessiert keinen.

Putin wirbt doch für die Traditionslinien historischer Russischer Geopolitik. Und Sie meinen, es gäbe mehr weltweites Interesse an den Reden Bärbocks, Scholzens oder Steingeiers? Ich halte 1 Faß Bier in Schnellroda dagegen.

wolfdieter

8. Oktober 2022 07:19

@Niekisch 7. Oktober 2022 19:12

Da ist er nicht der Erste. Hitler soll schon mit 12 Jahren in GB ausgebildet worden sein.

Starikov Schlussfolgerung mag falsch sein, die Koinzindenzen sowie die Widersprüche sind historischer Fakt.

Größter Widerspruch ist die Merkwürdigkeit, dass nach der Kriegserklärung 1939 UK gegen D keine Kampfhandlungen stattfanden. Vor 1941 fielen keine Bomben.

tearjerker

8. Oktober 2022 07:39

@Herr K: „Vielleicht hat Putin Biden und den Rückzug aus Afghanistan als Schwäche interpretiert“.

Der russische Aufmarsch begann im März 21, einige Wochen nach Amtseinführung Bidens. 

Franz Bettinger

8. Oktober 2022 09:13

Ich sehe die Treibriemen der Menschheit-Geschichte (seit September 2015, spätestens) wie @Gustav. Wie man zu Gustavs These steht, ist ziemlich entscheidend. Es prägt Ihr ganz persönliches Bild von der Welt. Wann hätte je ein Volk gegen ein anderes gestanden? Wer hetzte die Römer auf Karthago? Es war nicht der Volkstribun, es war Cato. Wer hetzte im WK1 + 2 die Engländer auf Deutschland? Nicht die einfachen Leute von Northampton, aber Typen wie Churchill, der im Sold & Rausch der Großen stand. Wer beschloss, Libyen und Syrien auszulöschen? Nicht der Tankstellen-Besitzer in Texas. Es waren die Elitioten des Tiefen Staates. Immer lenkten die Superreichen von hinten das Geschehen im Vordergrund. Wann & wo war es je anders, Herr @Lichtmesz?

Gustav

8. Oktober 2022 09:16

@ Laurenz

"Belegen sie das."

https://theconversation.com/nixon-mao-meeting-four-lessons-from-50-years-of-us-china-relations-176485

Laurenz

8. Oktober 2022 09:52

@Gustav @L.

Die USA haben den Aufbau Chinas zu einer weltweit führenden Wirtschafts- und Militärmacht seit mehr als fünf Jahrzehnten finanziert.

Der von Ihnen verlinkte Artikel faßt zusammen, was den meisten hier bekannt sein wird. Aber von Ihrer obigen Behauptung steht nichts im Artikel. Vielleicht denken Sie mal darüber nach.

Wir, Gustav, zahlen heute noch Entwicklungshilfe an China, aber die Beträge sind überschaubar.

Phil

8. Oktober 2022 10:19

Mit dem Anschlag auf die Krim-Brücke haben wir nun den zweiten Angriff auf wichtige russische Infrastruktur innerhalb kurzer Zeit, und die Eskalationsspirale dreht sich weiter.

Ein Fremder aus Elea

8. Oktober 2022 10:24

Herr Bettinger,

was Sie da bezüglich Gustavs These anführen, folgt doch schon aus der Arbeitsteilung.

Im Falle Roms gilt schlicht: Expandiere oder stirb. Das war damals unumstritten, jeder Römer akzeptierte, daß es Frieden nur in Folge von Eroberung gibt, und ich glaube, die katholische Kirche sieht es heute noch so.

Allerdings, was die Situation in der Ukraine angeht, da denke auch ich, daß der Konflikt vorgeschoben ist und nicht sachlogisch notwendig; vielmehr opportun, ob er nun dazu dient, die Bürger unter Druck zu setzen oder den Druck auf die Bürger ausnutzend militärische Tatsachen zu schaffen, in jedem Fall aber auf "the new normal" aufbauend, also auf der Aufgabe der politischen Vernunft.

Übrigens, Herr Lichtmesz, das mit dem Einspannen funktionierender Völker ist ja auch das einfachste der Welt und hat seine exakte Analogie im Römischen Reich, wo funktionierende Germanenvölker als Söldner angeworben wurden. Nur daß die USA es nicht in dem Ausmaß tun, daß ihnen ein neuer Arminius oder gar Odoaker erwachsen könnte. Aber lustig ist's: Die Chinesen für die Arbeit, die Osteuropäer für den Krieg... aber natürlich beides ohne Zukunftsperspektive, lediglich Süßigkeiten, welche man auf dem Weg zur Arbeit Kindern klaut - jedenfalls war's so gedacht, im Falle Chinas mag man sich dabei auch verrechnet haben.

RMH

8. Oktober 2022 10:38

"dass nach der Kriegserklärung 1939 UK gegen D keine Kampfhandlungen stattfanden. Vor 1941 fielen keine Bomben."

Das stimmt in dieser Pauschalität nicht. Einer der Umstände, die immer wieder im Zusammenhang mit dem WK II diskutiert wurde und wird ist der, dass alle Länder ihre Rüstungsprogramme 1939 eigentlich noch lange nicht abgeschlossen hatten und die Rüstungsindustrie insgesamt noch nicht auf Krieg gerichtet war. Für Deutschland lagen die Planungen angeblich bei um 1942, um die Kriegsfähigkeit herzustellen. Auch in UK hatte man noch lange keine großen strategischen Bomberflotten 1939. So vielen die ersten Angriffe 1939 entsprechend klein aus und waren Verlustreich. Schon am 04.09.39 fand der erste Luftangriff auf Wilhelmshaven statt, am 18.12. dann ein weiterer mit 22 Bombern, von denen 12 abgeschossen werden konnten. Dieses 2 motorige Bombermodell wurde danach nicht mehr groß eingesetzt. Ab Frühjahr 1940 gab es die ersten Angriffe im Bereich Nordrhein-Westfalen Düren, Duisburg etc. Die bekannten 4-motorigen Bomber der Typen Halifax, Stirling und Lancaster wurden erst ab 1941 eingesetzt, dann aber gleich in großer Zahle ("tausend Bomber" Angriffe etc).

Hajo Blaschke

8. Oktober 2022 11:12

Wolf-Dieter, das stimmt nicht. Am 3. September 1939 haben die Tommys Wilhelmshaven bombardiert.

Hajo Blaschke

8. Oktober 2022 11:21

RMH, ich hatte schon des öfteren den Eindruck, dass ein Großteil Ihrer Beiträge Versatzstücke aus Wikipedia als Quelle hat. Fragen Sie doch mal Udmurten oder Burjaten, ob sie sich als von Russland kolonisiert fühlen. Danach könnte es sein, dass Sie Wikipedia kaum noch als Quelle benutzen.

Laurenz

8. Oktober 2022 11:59

@RMH

"dass nach der Kriegserklärung 1939 UK gegen D keine Kampfhandlungen stattfanden. Vor 1941 fielen keine Bomben."

Es wurde sofort die Nordsee blockiert, allerdings in einem weiteren Rahmen als 1914. Günther Prien drang am 13/14.10.39 in Scapa Flow ein. Die schlecht improvisierte Operation Weserübung begann am 09.04.40. Deutsche & Briten erreichten an demselben Tag Narvik. Das III. Reich stellte erst Anfang 1943 von Friedens- auf Kriegsproduktion um, siehe Goebbels' Reichssportpalast-Rede, welche die Umstellung markiert. Kann man auch recht gut am Produktionsausstoß sehen.

RMH

8. Oktober 2022 12:04

@Hajo Blaschke,

dass ich selber wikipedia nicht für den exakten Maßstab halte, habe ich oben, als ich mal einen link dazu gebracht habe, klar zum Ausdruck gebracht, also kommen Sie nicht damit. Im Übrigen sind Ihre 14tsd - wenn man die UN als Quelle nehmen darf - klar nicht nur Zivilisten, sondern im großen Maße Angehörige von kämpfenden Truppen gewesen, beinhalten also auch die von Putin bemühten "Faschisten" auf ukrainischer Seite. Habe ich mehrfach darauf hingewiesen, Sie wissen es besser. Zudem: 2022 war es schon recht lange ruhig im Donbass.

@Laurenz hat also recht, vom rein militärischen Standpunkt war Putin ein Zauderer und Zögerer, der zum gänzlich falschen Zeitpunkt angegriffen hat. Zudem - und diese persönliche Meinung nimmt mir hier keiner - war der gesamte Krieg überflüssig und für Russland vermeidbar. Russland wäre deutlich besser gefahren ohne diesen Krieg, bei dem es mitnichten um Russen ging. Es geht um Rohstoffe, Gas etc. - für die Oligarchen und nicht für das russische Volk.

"Fragen Sie doch mal Udmurten oder Burjaten, ob sie sich als von Russland kolonisiert fühlen"

Ich weiß selbstredend nicht, wie die Stimmung dort aktuell ist, nachdem gerade diese Volksgruppen im hohen Maße die Söhne stellen, die in der Ukraine ihren Kopf hinhalten dürfen. Für Interessen, die nicht unbedingt die ihren sein dürften.

Niekisch

8. Oktober 2022 12:24

"Starikovs Schlussfolgerung mag falsch sein, die Koinzindenzen sowie die Widersprüche sind historischer Fakt.

Größter Widerspruch ist die Merkwürdigkeit, dass nach der Kriegserklärung 1939 UK gegen D keine Kampfhandlungen stattfanden. Vor 1941 fielen keine Bomben."

@ wolfdieter 8.10. 7:19: Woher haben Sie bloß Ihre Geschichtskenntnisse? Noch ein Mosaiksteinchen in der Erwiderungskaskade: Bombenabwürfe für das Jahr 1940 - Bunkermuseum

"Historischer Fakt" ? Da sollten Sie vorsichtig sein. Schon anhand der Rezension läßt sich Starikov schnell widerlegen. Aber das wäre doch zu sehr off topic.

 

Monika

8. Oktober 2022 12:27

Ich finde es mehr als befremdlich, wir unreflektiert manche Neurechte auf die PutinRede abfahren, ohne sie vor dem ideologischen Hintergrund Putins zu sehen, bzw. als reine Propaganda. Sind das nostalgische Altkommunisten oder junge Leute, die die Sprache des Kalten Krieges nicht mehr kennen ? Als Gegenrede verweise ich auf ein Gespräch mit Professor David Engels in der Tagesstimme „Europäische Konservative sind für Putin nur ein Instrument“. ( unter diesem Titel zu finden) Zitat Engels: „Viele Konservative pflegen ein romantisches Rußlandbild, das aber nur wenig mit dem heutigen Russlandbild zu tun hat....Für viele gilt Russland als ultimativer Verteidiger des Abendlandes...die Wirklichkeit sieht anders aus: R. ist geprägt von wirtschaftl. Stagnation, pol. Korruption,implodierender Orthodoxie, aufstrebendem Islam, außenpolitischen Zynismus, einer der weltgrößten Abtreibungsrate.“... D. H. Im Osten nichts Neues...

ML: Und Engels macht sich um bereitwilligen "Instrument" der NATO und Polens.

Valjean72

8. Oktober 2022 12:36

@wolfdieter:

Es erfolgte auch keine Kriegserklärung seitens UK & F an die SU, nach deren Einmarsch in PL. 

UK&F erklärten zwar D den Krieg aber sie unternahmen nichts, um PL militärisch zur Seite zu stehen. Die Garantieerklärungen der West-Alliierten gegenüber Polen waren im Kern und in erster Linie nicht pro-polnisch, sondern anti-deutsch. PL wurde in seinen deutsch-feindlichen Bestrebungen motiviert und alsdann wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen.

Meiner Einschätzung nach bestand der lang angelegte Plan gerade darin, über die Opferung PL’s, D eine Falle zu stellen, um verschiedene Ziele zu erreichen. 

Im Wesentlichen: PL als staatlichen Puffer zwischen der SU und dem deutschen Kernland aufzulösen und nicht zuletzt der Roten Armee für den geplanten Angriff auf D (und darüber hinaus) eine signifikante Frontlinie mit D einzuräumen.

 

 

Phil

8. Oktober 2022 12:39

Manche Linke wie manche Rechte scheinen Sehnsüchte auf Putin zu projezieren, der weder rechts noch links einzuordnen ist.

Wir(?) wollen weder amerikanisch noch russisch noch chinesisch sein. Wir wollen deutsch sein. Weder Putin noch sonst jemand wird uns dabei helfen.

Mit der Erwähnung alliierter Kriegsverbrechen will Putin dem guten Wertewesten, der sich im Kampf mit dem bösen Putinrussland wähnt, den Spiegel vorhalten. Das müssen wir nicht auf uns beziehen.

Die Verharmlosung der Sowjetunion, die Putin betreibt, ist zu kritisieren und abzulehnen.

Valjean72

8. Oktober 2022 12:44

@Franz Bettinger:

Wer hetzte im WK1 + 2 die Engländer auf Deutschland? Nicht die einfachen Leute von Northampton, aber Typen wie Churchill, der im Sold & Rausch der Großen stand.

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die Verbindungen der US-Ostküste zu den Machern der "russischen Revolution":

 

S.33: Aber Trotzkij war nicht mit dem windigen russischen Reisepass unterwegs, sondern mit einem soliden amerikanischen, der ihm aus unerklärlichen Gründen während seines kurzen Aufenthalts in den Staaten ausgestellt worden war. Er befand sich zudem im Besitz einer beträchtlichen Geldsumme, deren Herkunft im Gang der Ermittlungen nicht geklärt werden konnte.

 

S. 250: Diese förderliche Geneigtheit des internationalen Umfelds machte es den sowjetischen Führern leichter, westliche – vor allem amerikanische – Hilfen zu empfangen. Ohne diese hätten sie die Wirtschaft nach ihrem ruhmreichen Kriegskommunismus gar nicht aus dem Sumpf herausgebracht.

 

(Quelle: Alexander Solschenizyn – „Zweihundert Jahre zusammen“ ; F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung München 2003)

dojon86

8. Oktober 2022 12:53

@Monika "Russland ist geprägt von wirtschaftlicher Stagnation, politischer Korruption, implodierender Orthodoxie, aufstrebenden Islam, außenpolitischem Zynismus, einer der weltgrößten Abtreibungsrate" ? Geschätzte Mitposterin, ersetzen sie Russland in ihrem Text durch Deutschland, und Orthodoxie durch Katholiken/Protestanten und er ist noch immer wahr. Russland ist eben kulturell doch ein Teil Europas. Aber immerhin ist es zumindest souverän.

 

Valjean72

8. Oktober 2022 13:03

@Monika:

Ich finde es mehr als befremdlich, wie unreflektiert manche Neurechte auf die PutinRede abfahren, ohne sie vor dem ideologischen Hintergrund Putins zu sehen ...

Es ist vollkommen richtig Putins Aussagen kritisch zu hinterfragen aber das hiesige polit-mediale Establishment ist nun mal nicht Russland-affin, sondern im Grunde genommen vollkommen einseitig transatlantisch ausgerichtet und auch schon in einer Art und Weise verblendet, dass geradezu eilfertig und allzu bereitwillig eine Politik verfolgt wird, die wohl US-Interessen dient aber doch krass den vitalen Interessen Deutschlands zuwider läuft.

 

Roger Köppel, Journalist, Publizist (Chefredakteur & Verleger der WELTWOCHE) und Politiker (SVP, Mitglied des Nationalrates) veröffentlicht auf  YouTube seine täglichen Stellungnahmen zum politischen Geschehen. Vielleicht hören Sie sich mal die gestrige Ausgabe an (hier)

 

 

 

 

RMH

8. Oktober 2022 13:06

@David Engels,

D. Engels hat bekanntermaßen eine Forschungsprofessur in Posen und bekommt daher die Sicht der Länder, die zwischen Deutschland und Russland liegen, deutlicher mit, als wir. Es wäre aus meiner Sicht ein echter Coup, wenn es dem IfS, der Sezession, gelänge, Herrn Engels einmal zu einem Vortrag oder eine Podiumsdiskussion nach Schnellroda zu bekommen. Ein Interview mit ihm und einen Gastbeitrag (Tolkien) hatte er ja schon in der Sezession. Evtl. sagt dann der von uns allen geschätzte (das ist keine Ironie!) Martin Lichtmesz Herrn Engels einmal ins Gesicht, dass er sich zum "bereitwilligen "Instrument" der NATO und Polens" macht. Das könnte eine echt spannende Diskussion werden. Und damit sind wir bei einem Kern des Problems für Rechte und Nationalisten in Europa: Mit dem Angriff auf die Ukraine findet ein Krieg eben unter Europäern mit Beteiligung von Nationalisten auf allen Seiten statt (Asow? Wir bei den deutschen Rechten, mit Ausnahme III. Weg, erstaunlich schnell abgehakt) . Darüber freuen sich die Globalisten sehr, insbesondere, wenn man sich gegenseitig ständig vorwirft, man sei Parteigänger von x oder gar y.

Phil

8. Oktober 2022 13:07

@RMH Mir gefällt auch nicht das TINA-"Argument", dass Russland/Putin nicht anders hätte handeln können als einzumarschieren. Trotzdem ist der Westen nicht ohne Schuld.

Rohstoffraub als Hauptkriegsgrund war mir schon beim letzten Irakkrieg zu billig, da gehe ich nicht mit. Es geht um Macht und Einfluss; Rohstoffe nimmt man gerne mit.

wolfdieter

8. Oktober 2022 13:22

@Hajo Blaschke @RMH – Danke für Richtigstellung. War mir unbekannt und ist mir durchaus peinlich.

Ungeachtet des Standes der Aufrüstung – für das Reich hat er 1939 gelangt zu einem militärisch erfolgreichen Polenfeldzug. Das führt zum Verdacht, dass die genannten Angriffe auf das Reich absichtlich schaumgebremst ausgeführt wurden.

RMH

8. Oktober 2022 13:41

"Trotzdem ist der Westen nicht ohne Schuld."

@Phil,

das habe ich nie so behauptet. Man muss aber nicht jeder Provokation nachgeben und auch andere Optionen haben, als Krieg. Ihr Argument, dass Rohstoffe nicht alles sein können, ist richtig, wobei es eben schon auffällt, dass man sich genau um die Gebiete balgt, wo etwas zu holen ist oder sein könnte. Rohstoffe und vor allem die Kontrolle über die Märkte spielen eine große Rolle. Russland selber braucht sicher auf sehr lange Zeit hin nicht die Rohstoffe, die sich auf dem Gebiet der Ukraine einschl. Krim befinden (die USA selber brauchte auch kein irakisches Öl), aber es verhindert mit einem Zugriff auf diese Gebiete, dass eben ein Konkurrent bspw. als Gaslieferant heranwachsen kann. Insofern vergrößert Russland damit seine Einflusssphäre und bleibt als Kernlieferant im Spiel.

Ich sehe - nachdem die Krim Brücke getroffen wurde - jetzt eine weitere, deutliche Eskalation kommen. Das ständige Gerede vom Atomwaffen-Einsatz in den vergangenen Tagen sowie die Lieferung von Jod-Tabletten in die Ukraine erscheinen wie Prophezeiungen, die sich offenbar selbst erfüllen sollen.

PS: Das von Monika genannte Interview mit D. Engels ist lesenswert. 

 

heinrichbrueck

8. Oktober 2022 13:44

Putin will keinen 3. Weltkrieg. 
@ RMH
Wir Deutschen nehmen die Schuldfrage nur so enorm wichtig, weil sie schon unser gesamtes Leben als Psychoterror-Waffe gegen uns eingesetzt wird.
Wenn man schon unbedingt Parallelen zum 2. Weltkrieg ziehen möchte, dann befindet sich Rußland in der Rolle, in der sich damals das Deutsche Reich befand. Ein Nachbarland terrorisiert die ethnische Minderheit im Land und der große Bruder eilt zur Hilfe. Die westlichen Demokratien unterstützen Polen/Ukraine, aber treten nicht sofort in den Krieg ein. Damals gab es zwar Kriegserklärungen an Deutschland, sie führten aber nicht sofort zu richtigen Kriegshandlungen. Parallel dazu bricht eine ungeheure Dämonisierungspropaganda los. Ab da weiß man nur bei einem Konflikt, wie er weitergegangen ist, beim anderen noch nicht.
Welches Narrativ letztendlich in die Geschichtsschreibung eingeht, hängt ausschließlich davon ab, wer den Krieg gewinnt.
Die Schuldfrage wird niemals objektiv geklärt – der Sieger schreibt die Geschichte – und mit der derzeitigen Weltsicht, bei der ein wichtiger Faktor außen vor gelassen wird, ist es nicht einmal dann möglich, wenn es jemand ehrlich versucht.
Der Feind kann denken. Will er einen 3. Weltkrieg? Eher unwahrscheinlich. Aber dort, wo ihm die Möglichkeit eingeräumt wurde, das Denken steuern zu dürfen, wurde die Saat der Selbstzerstörung gelegt.

Gustav

8. Oktober 2022 13:46

@ Laurenz

...weil sie China als Versuchslabor sehen, in dem sie eine neue Form der Regierungsführung für den Planeten perfektionieren können.

Genau das meinte David Rockefeller, als er im August 1973 in der „New York Times“ seine berüchtigte Ode an den Vorsitzenden Mao unter dem Titel „From a China Traveler“ schrieb:

Das soziale Experiment in China unter der Führung des Vorsitzenden Mao ist eines der wichtigsten und erfolgreichsten in der Geschichte der Menschheit.

https://axelkra.us/es-ist-bestaetigt-tyrannen-lieben-china-aber-warum-the-corbett-report/

 

kikl

8. Oktober 2022 13:49

Putins Kritik am "Westen" ist weitgehend gerechtfertigt. Ich würde allerdings vieles anders ausdrücken.

Es ist heuchlerisch, wenn der Westen den "völkerrechtswidrigen Angriffskrieg" Putins beklagt, denn völkerrechtswidrige Angriffskriege führen die USA mit ihren Verbündeten seit Jahrzehnten. Aber Putin und Russland sind im Grunde auch nicht besser.

Was allerdings anders und neu ist, dass es - wem auch immer - gelungen ist, antinationale Eliten in den europäischen Nationalstaaten zu installieren, die darauf erpicht sind, ihre Heimatländer als Nationalstaaten zu vernichten. In Polen und Ungarn und selbst in der Ukraine ist das noch nicht gelungen; sie stellen insofern eine Ausnahme von der Regel dar.

Aber inwiefern hilft Russland diesen antinationalen Trend umzukehren? Mir scheint auch Russland kein Verbündeter in dieser Hinsicht zu sein. Die Deutschen müssen sich selbst befreien und die Deutschlandhasser aus den Regierungsämtern vertreiben.

Monika

8. Oktober 2022 14:12

@ Lichtmesz Ich verstehe nicht, warum man sich zum „Instrument der NATO“ macht, wenn man gegenüber Putin kritisch ist.

ML: Das habe ich nirgends behauptet. Engels geht aber weit darüber hinaus "gegenüber Putin kritisch zu sein".

Ich bin NATO-kritischer denn je, ich wohne in der Nähe  von Ramstein, das verschärft meine kritische Position täglich. Fakt ist, dass mit dem Ukraine-Krieg die Frage nach der Souveränität Deutschlands virulent geworden ist und neu gestellt werden muss. Wir leben , wie es Torsten Hinz in der JF vom 3.10. schreibt,in einem „Haus ohne Hüter.“ Fakt ist auch, dass sich die Rechten zur Zeit des Kalten Krieges nicht für die Völker hinter dem sog. Eisernen Vorhang interessiert haben. ( Ausnahme Wolfgang Strauss). Jetzt meinen sie, dort das Heil zu finden, wie die geschichtsvergessenen  Grünen auch. Baerbock in Prag:“Wir  kämpfen für das, wofür die Ukraine kämpft: Das Recht jedes Landes, seine Zukunft selbst zu bestimmen.“ Tja, für Deutschland gilt das wohl nicht 😢Diese Irrungen, Wirkungen bedürfen doch einer tiefergehenden Betrachtung und keiner Flapsigkeiten. Oder ? 

Adler und Drache

8. Oktober 2022 14:36

Ich stoße in den Kommentaren immer wieder auf Aussagen, die für mich einen logischen Widerspruch darstellen. Ich will sie vereinfacht wiedergeben:

1. Deutschland ist nicht souverän, sondern im Grunde us-amerikanisches Protektorat.

2. Deutschland sollte sich von den USA abwenden und Russland zuwenden.

ML: 2) bedeutet doch einfach, Deutschland solle souverän WERDEN und dies tun.

Monika

8. Oktober 2022 14:37

@ Dojon 86 

Natürlich habe ich bemerkt, dass man Russland 1:1 durch Deutschland ersetzen kann. Das  bedeutet, dass  wir kulturell zusammengehören. Das bedeutet aber auch, dass  der Osten keine kulturelle Alternative bietet, sondern die gleichen Zerfallserscheinungen zeigt wie der Westen, wenn auch mit Verzögerung. Kulturell gehören wir allerdings auch mit Amerikanern zusammen. Amerika ist ein „Produkt“ Europas. So einfach ist das also nicht mit neuen politischen Alternativen jenseits von Gut und Böse.

anatol broder

8. Oktober 2022 15:03

@ rmh 

seit vielen jahren werden alle auftritte des russischen präsidenten als video und text samt englischer übersetzung unter der adresse kremlin.ru veröffentlicht. man kann also stets zeitnah erfahren, was der jeweilige machtinhaber des grössten landes auf diesem planeten von sich gibt. die tatsache, dass sowohl die deutschen massenmedien als auch nischen wie die sezession diese quelle in den entsprechenden beiträgen verschweigen, deute ich als respektlosigkeit. meistens läuft es so: (1) der russische präsident kündigt etwas mit langer vorlaufzeit an; (2) die ankündigung wird am gleichen tag amtlich veröffentlicht; (3) die massnahme tritt wie angekündigt in kraft; (4) die deutschen medien berichten, der bär kratze sich plötzlich am falschen baum.

 

Niekisch

8. Oktober 2022 15:21

"..sind wir bei einem Kern des Problems für Rechte und Nationalisten in Europa: Mit dem Angriff auf die Ukraine findet ein Krieg eben unter Europäern mit Beteiligung von Nationalisten auf allen Seiten statt."

@ RMH 13:06: Das ist ein Aspekt, aber nicht das Kernproblem. Ernst Niekisch benennt das Problem für "den Deutschen" insgesamt: Ihn trifft das Schicksal der Mitte. Er wird von West und Ost abgelehnt, kann sich aber auch nicht einfach als Gegenpol der einen oder der anderen Seite verstehen ( E.N. Gedanken über deutsche Politik,Dresden 1929, S.28 ) ...sodaß er sich aus Feigheit und anschließender Gewohnheit der ihm genehmeren Seite unterwirft, möchte ich hinzufügen.

Über die noch weit härteren Diagnosen Niekischs zu debattieren dürfte sich zum Thema lohnen.

Nemo Obligatur

8. Oktober 2022 16:18

@ Hajo Blaschke 7. Oktober 2022 13:02

Nemo Obligator, ich vermute mal, dass Ihr Beitrag Satire sein soll. Falls nicht, zählen Sie mal die vielen Kriege auf, die Russland unter Putin angefangen hat. Und wen er vergiftet hat.

Da helfe ich gern. 2008 der Angriff auf Georgien. Die Annektion der Krim und der Ostukraine, jetzt der Ukraine-Krieg, dazu der 2. Tschetschenien-Krieg, den ich zum Teil auch auf Putins Konto buche. Die Intervention in Syrien würde ich noch nicht einmal dazurechnen, dafür ließen sich Gründe anführen.

Giftmorde, vollendet bzw. versucht: Litwinenko, Nawalny, Politkowskaya, letztere dann erschossen. Die Spuren des "Tiergartenmordes" führen ebenfalls in den Kreml. Hier finden Sie weitere Fälle dieser Art: Putins Giftanschläge

Gewiss, Russland war noch nie eine Westminster-Demokratie, wo man den kleinen Finger beim Teetrinken vornehm abspreizt. Es wurde dort schon immer etwas handfester regiert. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Wäre Putin ein Clanmitglied aus Neukölln, man würde ihn einen Intensivstraftäter nennen.

 

Niekisch

8. Oktober 2022 16:18

"Ungeachtet des Standes der Aufrüstung – für das Reich hat er 1939 gelangt zu einem militärisch erfolgreichen Polenfeldzug. Das führt zum Verdacht, dass die genannten Angriffe auf das Reich absichtlich schaumgebremst ausgeführt wurden."

@ wolfdieter 13:22: Entgegen landläufiger Auffassung war die polnische Armee nicht zu unterschätzen. Uns wird nur immer wieder dieses Narrativ von den polnischen Lanzenreitern vorgebetet. Die Wehrmacht hatte nur sehr wenig Munition für einen kurzen Zeitraum, konnte nach Schwierigkeiten am Jablonka-Paß nur durch strategisch-taktische Überlegenheit und die starke Luftwaffe schnell zum Erfolg kommen. 

Die westlichen Alliierten haben nur deswegen vor dem Westwall verharrt, weil nach dem Sieg der Wehrmacht über Polen die Westfront nicht mehr entblößt war. Es mag auch der Nimbus des deutschen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg eine Rolle gespielt haben, der den Westen zögern ließ. Das deutsche Heer war 1918 nicht wirklich besiegt, sondern durch freimaurerische Machenschaften im Hauptquartier zu Spa zu Waffenstillstand und freiwilligem Rückzug bewegt worden.

Niekisch

8. Oktober 2022 16:20

"Kulturell gehören wir allerdings auch mit Amerikanern zusammen."

@ Monika 14:37: Ich glaub, micht tritt ein Pferd...

RMH

8. Oktober 2022 16:27

"Er wird von West und Ost abgelehnt, kann sich aber auch nicht einfach als Gegenpol der einen oder der anderen Seite verstehen" - oder, dass sehen Sie richtig, @niekisch, sich bei irgendwem ranschmeißen. Unsere Zuneigung ist nur gewünscht, wenn es ich um Zahlungen ohne Forderungen handelt.

Im Übrigen hat @Adler und Drache mit seiner Feststellung im Beitrag 8. Oktober 2022 14:36 etwas richtiges erkannt.

Gracchus

8. Oktober 2022 16:39

Niekisch 15:21 gibt einen wichtigen Hinweis. Darüber lohnt sich zu meditieren. 

Amor fati: Das undankbare Schicksal dankbar annehmen. Insoweit kommt Deutschland eine Vermittlerrolle zwischen Ost und West, Nord und Süd zu. Diese Vermittlerrolle ist zwar anstrengend und birgt die Gefahr zwischen alle Fronten zu geraten, aber die Deutschen haben die geistigen transkulturellen Fähigkeiten dazu. Feigheit läuft als Versuchung mit. Als US-Vasall kann man diese Rolle nicht einnehmen. In der Rolle des Vasalls hat man sich bequem eingerichtet, jetzt wird's aber unbequem. Also Mut! 

Gracchus

8. Oktober 2022 16:49

David Engels setzt sein Renommee aufs Spiel, wenn er die für Polen verständliche Perspektive übernimmt, nur weil er in Polen lehrt. Das kann aber nicht allgemeingültig sein. Behauptungen, uns verbinde nichts mit Russland, sind offenkundig unsinnig. Und es entbehrt auch nicht der Ironie, wenn Polen derart mit der USA fraternisiert, andererseits aber gegen den Werte-Westen in Gestalt der EU opponiert.

Amerika ist auch einfach nicht das Produkt des bereits in sich heterogenen Europas. Ich bin kulturell auch nicht antiamerikanisch, es gibt Aspekte, die mir Bewunderung abringen. 

Russophob auch nicht. Russland ist keine Alternative. Offenkundig schickt man sich aber an, eine werden zu wollen. 

 

Phil

8. Oktober 2022 16:53

@RMH

Dass der Westen nicht ohne weiße Weste ist, bezog sich nicht auf Sie; wollte es nur noch mal betonen. Ob es eine "geniale" amerikanische Falle war, kann man nicht wissen.

Engels-Interview hatte ich gelesen, kein Augenöffner, eher befremdlich – polemisch ausgedrückt, er klingt wie ein Pole.

 

Ein gebuertiger Hesse

8. Oktober 2022 16:54

@ Valjean

"Daß Sie nun explizit diese Stelle in Putins Rede hernehmen und daraus eine "megalomanische Anmaßung" hinein interpretieren, lässt mich einigermaßen sprachlos zurück."

Es ging mir um das billige Steigbügelelement in der Aussage: Daß die anderen, die deutschen wie die japanischen massenhaft Geschändeten und Getöteten vor allem den Russen als Zeichen gegolten haben sollen. Selbst wenn es so gewesen sein sollte, behaupte ich weiter, daß die Aussage zutiefst indezent ist, gerade weil sie in ihrem "szenischen" Ablauf das inkriminierte böse Spiel nachspielt und auf etwas hinaus will, nämlich Rußland als "Ziel 1. Ordnung" eine Gloriole umzubinden. Das instrumentalisiert die anderen Opfer, wogegen ich meine Vorväter, allemal diese, erwahren möchte.

Hajo Blaschke

8. Oktober 2022 16:55

Monika, dojon86  Die Aufzählung der angeblichen Probleme Russlands, die dojon hier verbreitet, ist falsch. So sehen das vielleicht Pseudo-Oppositionelle wie Nawalny, Sobtschak & Co. Aber deren Wirkung in Russland ist weniger als Null.

Für Deutschland allerdings trifft die Aufzählung 100% zu. Deshalb sind Putin und Lawrow in der Lage, das anzuprangern. Und sich darüber lustig zu machen. Denn diese Probleme sind alle selbstgemacht.

 

Hajo Blaschke

8. Oktober 2022 16:57

Gracchus, Deutschland hat nur eine einzige Chance, den sich abzeichnenden Systemwechsel einigermaßen unbeschadet zu überstehen, nämlich als neutraler und zur Verteidigung fähiger Staat.

Ein gebuertiger Hesse

8. Oktober 2022 17:16

@ Monika

"Kulturell gehören wir allerdings auch mit Amerikanern zusammen. Amerika ist ein 'Produkt' Europas. So einfach ist das also nicht mit neuen politischen Alternativen jenseits von Gut und Böse."

Wir Hiesigen sollten einmal überlegen - und das wäre mal tatsächlich ein wissenschaftliches Projekt -, welche Anteile in unserer persönlichen education sentimentale (in der gerade auch das eine Rolle spielt, was uns weinen und mitfühlen gelernt hat) die jeweilige Besatzer-"Kultur" in uns eingepflanzte. Und diese Anteile zu vergleichen mit dem, was wir als angestammt deutsch an uns wahrnehmen. 

 

Hajo Blaschke

8. Oktober 2022 17:30

Nemo Obligator Ihre Erfindungen sind entweder keine Kriege und bei dem Georgien-Konflikt 2008 ist eindeutig Russland als Nichtangreifer festgestellt worden. Übrigens von einer EU-Kommission. Ihre Behauptung ist also falsch. Versuchen Sie Mal was Konkretes zu finden, bei dem Ihre Behauptung zutrifft.

Laurenz

8. Oktober 2022 17:58

@Gustav

Schon 5 Jahre später, also 1978, war Mao längst tot & selbst das Politbüro hatte endgültig die Nase vom Maoismus gestrichen voll. 1978 begann sich das China zu entwickeln, mit dem wir heute konfrontiert sind, eine in der Menschheitsgeschichte vorher nie dagewesene Leistung.

Mitleser2

8. Oktober 2022 18:03

@Hajo Blaschke: Sie machen den Eindruck, aktuelle Informationen zu Russland und den Krieg zu haben, die andere nicht haben. Schreiben Sie doch mal was zum Frontverlauf, zum Zustand der russischen Streitkräfte, und zur Krim-Brücke (wenn ausgerechnet dort ein Anschlag nicht verhindert werden konnte, was für ein Licht wirft das auf die russischen Abwehrstrukturen?) Verbreiten die westlichen Medien ausschließlich Fake-News?

Nemo Obligatur

8. Oktober 2022 18:09

Hajo Blaschke

8. Oktober 2022 17:30

Nemo Obligator Ihre Erfindungen sind entweder keine Kriege und bei dem Georgien-Konflikt 2008 ist eindeutig Russland als Nichtangreifer festgestellt worden.

Habe es eben selbst gegoogelt. Ihr Einwand ist akzeptiert. Für den Rest der Konflikte gilt dies aber nicht. Putin ist eindeutig ein aggressiver Diktator, der vor Krieg nicht zurückschreckt.

Ein Fremder aus Elea

8. Oktober 2022 18:29

RMH,

"Ich sehe - nachdem die Krim Brücke getroffen wurde - jetzt eine weitere, deutliche Eskalation kommen."

Deswegen nicht. Rußland hat die Brücke innerhalb von ein paar Monaten, wenn ich mich recht entsinne, gebaut und wird sie innerhalb von Tagen repariert haben.

Was mir Sorgen macht, geopolitisch, ist, daß, wenn sich unsere Supermänner, welche bisher durch nichts bewiesen haben, daß sie welche sind, tatsächlich als keine herausstellen, wir mehr oder weniger nackt dastehen, desorientiert, als hätte man uns eine Torte ins Gesicht gedrückt.

Ich glaube, es hat auch noch nie in der Geschichte der Menschheit eine solche Zeit der Geringschätzung des Arguments gegeben. Selbst wenn nur Argumente erlaubt waren, welche in eine bestimmte Richtung gingen, gab es doch wenigstens Interesse an solchen, wohingegen wir heute eine Kritiklosigkeit erleben, welche man nur von braven Kindern kennt und so bisher zu keiner Zeit unter Erwachsenen verbreitet gewesen sein dürfte.

Monika

8. Oktober 2022 19:05

@ Niekisch

Nein, Sie tritt kein Pferd Der Gedanke, dass Amerika europäisiert wurde und nicht Europa amerikanisiert, findet sich in Ortega Y Gassets AUFSTAND DER MASSEN. Y Gasset führt diesen Gedanken am Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz aus. Zitat: „Das Bewusstsein, Herr seiner selbst und jedem anderen gleich zu sein, ist eine Lebensstimmung, zu der in Europa nur hervorragende Gruppen gelangten; in Amerika herrscht sie seit dem 18.Jahrhundert, also praktisch von Anfang an. Dass diese seelische Verfassung nun auch im europäischen Durchschnittsmenschen auftritt,  veranlasste zu der Äußerung, Europa amerikanisiere sich. Dass bestritt  Y Gasset  in seinem Buch, das 1929 erschien. Damals hatte Europa noch keinen nennenswerten Einfluss von Amerika empfangen. Das sieht heute natürlich anders aus. Der Keim für dieses Denken wurde  aber in Europa gelegt. 

MARCEL

8. Oktober 2022 19:14

Dass, was Putin, neben dem ukrainischen Patriotismus (die haben die Demütigung 2014 nicht vergessen und daraus gelernt!), schmerzhaft unterschätzt hat, ist die Tatsache, dass die russische Jugend bereits verwestlicht ist, also in der Hand von TikTok, Instagram, Mc Donalds etc. Der normale russische Wehrpflichtige versteht den Krieg um die Ukraine nicht und lässt es daher an Kampfmoral fehlen.

Ähnliches vermute ich sogar in China!

Die großen Eroberer des 21. Jahrhunderts heißen: Zuckerberg, Musk, Jobs, Gates

Rein militärisch erobert man im 21. Jahrhunderts nichts mehr! Digital fast alles!

 

Valjean72

8. Oktober 2022 20:22

@ein gebuertiger Hesse:

... auf etwas hinaus will, nämlich Rußland als "Ziel 1. Ordnung" eine Gloriole umzubinden.

Nein, das ist auch keineswegs mein Verständnis in Bezug auf diesen historischen Sachverhalt. Die Anglo-Amerikaner zerstörten zahlreiche deutsche Innenstädte vor allen Dingen, um möglichst viele Deutsche umzubringen und -  mehr noch - um das Stein gewordene kulturelle Erbe deutscher Städte auszulöschen.

Es galt die Deutschen dauerhaft zu brechen und gemäß des Leitsatzes "das Sein bestimmt das Bewusstsein" macht es eben einen gehörigen Unterschied, ob man in einem unzerstörten Dresden, Kassel, Pforzheim, Stuttgart etc. aufwächst oder in ästhetisch krass reduziert wiederaufgebauten Städten.

Dass Putin dieses Menschheitsverbrechen nun öffentlich ansprach und somit auch uns ins Gedächtnis rief, spricht mE allerdings durchaus für ihn.

 

 

Leander

8. Oktober 2022 20:55

@ MARCEL

Da sagen Sie was, Sie haben Recht! Da ist Krieg, aber keiner der jungen Russen will so recht hin. Nur die, die keine Wahl haben. Man fühlt sich an finsterste Zeiten des letzten Jahrhunderts erinnert.

Man wundert sich auch über die Wandlung der Argumente beim Protagonisten des Geschehens. Anfangs sprach Putin von Korruption und von Nazis bezüglich der Machthaber der Ukraine und er sprach der Ukraine, da ewigrussisch, in toto das Existenzrecht als Nation und Land ab. Nun, in seiner Rede, ging es nur noch um den "satanischen" Westen. Völlig irrational.

Schwer zu verstehen auch, dass eine handvoll Separatisten, denen es vermutlich gar nicht um Menschen ging, sondern die einfach auch gerne mal Oligarch sein wollten, Putin zu so einem Krieg verlocken konnten. Der allerdings nicht begonnen hätte, wenn er und seine Clique ihn nicht zu gerne selbst hätten haben wollen. Man möchte sagen: it's not Russia but Putin, Stupid.

An andere Foristen hier: ich weiß schon, die NATO, die NATO... und der "Werte-Westen", jaja. 

Niekisch

8. Oktober 2022 21:13

"Der Gedanke, dass Amerika europäisiert wurde und nicht Europa amerikanisiert, findet sich in Ortega Y Gassets AUFSTAND DER MASSEN. Y Gasset führt diesen Gedanken am Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz aus. Zitat: „Das Bewusstsein, Herr seiner selbst und jedem anderen gleich zu sein, ist eine Lebensstimmung, zu der in Europa nur hervorragende Gruppen gelangten; in Amerika herrscht sie seit dem 18.Jahrhundert, also praktisch von Anfang an."

@ Monika 19:05: Mit diesem Zitat implizieren Sie, die Prämisse dieser "hervorragenden Gruppen" sei schon im 18. Jahrhundert "europäisch" gewesen. War denn der Marquis de la Fayette im damaligen Sinne "europäisch" oder als Angehöriger einer solchen, ganz besonders speziellen "hervorragenden Gruppe" von Schurzträgern nicht gerade antieuropäisch und brachte dieses Antieuropäertum nach Nordamerika? Ist alles europäisch, was rein geographisch gesehen aus Europa kommt? Prüfen Sie doch bitte einmal, ob nicht auch die Gründungsväter der USA "hervorragenden Gruppen"angehörten oder z.B. die Gründer der Federal Reserve. 

weiter II.

 

Niekisch

8. Oktober 2022 21:29

II. "Dass diese seelische Verfassung nun auch im europäischen Durchschnittsmenschen auftritt,  veranlasste zu der Äußerung, Europa amerikanisiere sich. Dass bestritt  Y Gasset in seinem Buch, das 1929 erschien. Damals hatte Europa noch keinen nennenswerten Einfluss von Amerika empfangen. Das sieht heute natürlich anders aus. Der Keim für dieses Denken wurde  aber in Europa gelegt."

@ Monika: Das Bestreiten Gassets dürfte daher rühren, daß er ebenfalls den Schurz getragen hat. Er wußte sehr genau, welches Geistesgut US- Präsident Woodrow Wilson längst vor 1929 nach Europa im Rahmen der hinter der Maske christlichen Kreuzrittertums schippernden US-Soldatenheere gebracht hat. Sein Berater Colonel House hat es ihm eingeflüstert. Schon damals mußte der Weg zur Einwelt gegen die "Autokraten" freigeräumt werden. Kaiser Wilhelm, Adolf Hitler, Graf Bernadotte, Sikorski, Sadam Hussein, Ghaddafi........Wladimir Putin. Köpfe müssen rollen für den Sieg von Weltregierung, Weltdemokratie, Weltmoral, Weltjustiz, Weltvölkerbrei...

Der Keim wurde in Europa gelegt, aber nur im Körper, nicht in der Seele.

Karl Otto

8. Oktober 2022 21:41

Valjean, war es nicht so, dass die Amerikaner tagsüber militärische und industrielle Ziele angriffen und die Engländer nachts die Großstädte? Das macht doch wohl einen Unterschied, und so sieht aus auch A.C. Grayling in seinem Buch über den Bombenkrieg: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_toten_St%C3%A4dte

(Übrigens heißt es bei Marx dass es das GESELLSCHAFTLICHE Sein ist, welches das Bewusstsein bestimmt.)

Laurenz

8. Oktober 2022 22:04

@Marcel

Rein militärisch erobert man im 21. Jahrhunderts nichts mehr! Digital fast alles!

Dem widersprach Peter Scholl-Latour explizit noch kurz vor seinem Tod. Er sagte, man kann Revolutionen, Regime-Wechsel nur mit kriminellen Schurken unternehmen & nicht mit Facebook-Freunden. Nach Ihrer These, Marcel, dürfte es überhaupt keine militärischen Konflikte mehr geben. Gender, Gleichheits-Gefasel, Frauen in der Armee, etc.pp. sind natürlich explosive Instrumente die Wehrkraft zu zersetzen. Für Buntland kämpft niemand & die Pozilei arbeitet maximal für die eigene Pension. In Rußland finden wir ganz sicherlich mehr Wehrkraft stärkende Vaterlansliebe als im Westen, mal von Finnland abgesehen. Die Polen schließe ich hiervon aus. Die polnischen Männer arbeiten in großer Menge, ähnlich den Ungarn, im westlichen Ausland.

Hajo Blaschke

8. Oktober 2022 22:19

@ MARCEL Ich weiß nicht, worauf Ihre Einschätzung bezüglich der Verwestlichung der russischen Jugend basiert. Das, was ich von dem überwiegenden Teil russländischer Jugend weiß, ist gerade deren komplette Ablehnung der westlichen Idiotismen alá Gender, Feminismus, Geschlechterselbstbestimmung usw. U.a. hat Russland einen Geburtenüberschuss genau aus diesen Gründen.

Es gibt übrigens einen Unterschied zwischen russisch und russländisch.

Phil

8. Oktober 2022 22:54

@Ein Fremder aus Elea

Rußland hat die Brücke innerhalb von ein paar Monaten,

Jahren. 2015–2018 (Straße) bzw. 2019 (Eisenbahn).

RMH

8. Oktober 2022 22:56

@Ein Fremder aus Elea,

die Brücke wird man halbwegs schnell wieder reparieren können - ob wirklich schwere Züge so schnell fahren können, da habe ich meine Zweifel, ist aber auch reparierbar. Nein, die Eskalation liegt in den Drohszenarien - greift ihr die Brücke an, dann ... so hieß es mal. Die russische Führung hat sich mit ihren Hinweisen auf Folgen selber unter ziemlichen Zugzwang gesetzt. Das kann man mit Sorge betrachten.

Ein gebuertiger Hesse

8. Oktober 2022 22:57

@ Valjean 72

"Dass Putin dieses Menschheitsverbrechen [die amerikanische Tötung unserer Vorväter und Städte] nun öffentlich ansprach und somit auch uns ins Gedächtnis rief, spricht mE allerdings durchaus für ihn."

Ganz richtig. Umso mehr würde ich es mir wünschen, daß dieses Ansprechen keine taktische Räuberleiter darstellen, um letztlich Rußland hochzuhieven (selbst wenn, allemal aktuell Putin nichts näher liegen dürfte).

RMH

8. Oktober 2022 22:58

@Karl Otto,

die ersten großen Bombenschweinereien waren klar die Engländer mit ihren Großangriffen bei Nacht bei denen kaum militärisches getroffen wurde, dafür die Städte in Schutt und Asche gelegt wurden. Die Amerikaner habe Tagangriffe auch auf durchaus militärisch wichtige Ziel geflogen (und dabei sich ab und auch blutige Nasen geholt, siehe Schweinfurt, black thursday). Dennoch haben die Amis bis zum Ende des Krieges auch manches Inferno ohne echten militärischen Sinn angerichtet. Es sei bspw. an Swinemünde am 12. März 45 erinnert. Um diesen Angriff hatten bspw. die Russen ausdrücklich gebeten (die nach Putin ja eingeschüchtert werden sollten - wie viel Widersinniges und Halbwahrheiten findet man eigentlich noch in dieser Rede, wenn man sie einmal ernsthaft "abklopft"?), ob es den Russen militärisch geholfen hat?

Rheinlaender

8. Oktober 2022 23:17

@Hajo Blaschke

Selbst russische Medien berichten nichts von einem "Geburtenüberschuss" (zumindest nicht des slawischen Bevölkerungsanteils), sondern sprechen die demographische Krise des Landes deutlich an, z. B. hier: https://versia.ru/demograficheskij-krizis-vynuzhdaet-zvat-na-sluzhbu-inostrancev

Ein Fremder aus Elea

9. Oktober 2022 07:28

RMH,

hmm, naja, vielleicht, auf sowas hör' ich halt nicht hin. Es war aber ein LKW-Anschlag, kein Raketenanschlag, möglicherweise macht ja auch das noch wieder einen Unterschied.

Leander,

ich seh' nur die Russen hier in Estland. Die laufen natürlich nicht Gefahr, eingezogen zu werden. Seit längerem schon reden sie jetzt häufiger russisch mit einander als vorher. Bis zur Nordstreamsache würde ich ihre Haltung als ruhig, diplomatisch, stolz, zuversichtlich beschreiben. Seit Nordstream etwas traurig, etwas nervös, etwas entschiedener und stolzer. Und ich glaube, ganz allgemein gilt, daß Menschen ungern sterben, so lange sie noch jung sind.

Allerdings, 1914 gab es wirklich Kriegsfreiwillige. Andererseits waren die Menschen bereits 1939 nicht mehr darauf versessen, in den Krieg zu ziehen, weshalb eben Sachen wie der Angriff auf den Sender Gleiwitz oder Pearl Harbor herhalten mußten, um sie doch dazu zu bewegen.

Was m.E. gerade unterschätzt wird, ist, daß es durchaus möglich ist, die Motivation auch erst im Laufe des Krieges zu steigern.

Franz Bettinger

9. Oktober 2022 07:55

Beim Zwischenfall auf der Krim-Brücke fällt schon jetzt auf: Es gibt mindestens 3 Brandherde; mindestens 2 oben bei der Eisenbahn (aber nicht nur die Waggons stehen in Flammen, auch die stählerne ! Brücke), und mindestens ein Zerstörungsakt unten an der Autobahn, von der eine der 2 Trassen ins Meer stürzte. Das sieht mir nach dem Einschlag 3-er Marschflugkörper aus oder nach einem sehr präzise koordinierten Sabotage-Akt. Der Brand von Benzin-Waggons kann diesen Schaden nicht verursachen. Das unwahrscheinliche Muster der Zerstörung erinnert an 9/11. Mir stellt sich die Frage einer Selbst-Inszenierung. Jedenfalls liegt hier nicht, wie von Putins Seite behauptet, der Verkehrsunfall eines explodierenden Lastwagens vor. Putins Ermittlungs-Komitee teilte mit, ein Lastwagen sei auf der Brücke explodiert. Dadurch seien 7 mit Treibstoff gefüllte Kesselwägen eines Güterzugs in Brand geraten, wodurch Teile der Fahrbahn eingestürzt seien. Technisch ist das unmöglich! Das fiel auch Epochtimes auf: "Man  erklärte nicht, warum ein einzelner Lastwagen Schäden eines solchen Ausmaßes angerichtet haben könnte." Sic! Ich halte die Erklärung (der russischen Seite !!) für sehr fadenscheinig, verräterisch und damit fast für ein Schuld-Eingeständnis. Sehen wir also doch nur ein Bühnenstück global abgekarteter NWO-Politik? Ich fürchte Ja. 

Quelle: https://www.epochtimes.de/politik/ausland/massive-schaeden-nach-explosion-auf-krim-bruecke-a3992226.html

Maiordomus

9. Oktober 2022 08:26

Meldete mich aus gesundheitlichen Gründen kaum zu Wort. Zu den noch bedeutenden Reden Putins zählte ich diejenige auf der Westerplatte 2009. Für Kurse historische politischer Rhetorik ist dieser Text des Präsidenten zu okkasionell bei einem weitaus zu hohen Demagogie-Anteil, auch nicht gerade Ausdruck von Konsequenz zu Aussagen bei Kriegsbeginn, welche als reine Vorwände zurückbleiben. Also keine grosse Rede, zumal man als Lehrer philosophischer Rhetorik weder vor der Macht noch vor angeblicher Tugend noch geheuchelter Menschenfreundlichkeit knien sollte. Von erheblichem Machtkalkül der jeweilige Hinweis, "wo der Hammer hängt" (Lichtmesz). Trotzdem bleibt der Pflock mit Dresden, bei Gedanken, die Putin schon zu seiner DDR-Zeit nicht fremd gewesen sein dürften, bedenkenswert. Es könnte nicht zuletzt eine Geste an die deutsche Rechte sein; ernst zu nehmen und nicht bloss Rhetorik scheinen kulturkämpferische Gesichtspunkte; hier wird die traditionelle russische Kritik an der Dekadenz-Anfälligkeit des Westens aufgenommen. Moralismus bekommt der Rede aber keinesfalls wohl.

Gustav

9. Oktober 2022 10:14

@ Laurenz

Wenn die derzeitigen Inhaber der globalen Macht die Kontrolle behalten wollen, dann ist der Übergang zu einer multipolaren Weltordnung erforderlich. Sie verstehen, dass das multipolare System der notwendige nächste Schritt in der Entwicklung der unipolaren Ordnung ist.

Wie aus ihren Äußerungen und Handlungen hervorgeht, haben sie seit Jahrzehnten Vorbereitungen für den Übergang zu einem neuen multipolaren System getroffen.

„BlackRock“ und die westlichen Oligarchen, die über „BlackRock“ investieren, haben beschlossen, eine enorme Investition in Chinas „staatlichen“ Kohlenwasserstoffriesen „PetroChina“ zu tätigen.

Im Jahr 2021 erhielt „BlackRock“ als erstes ausländisches Unternehmen von der chinesischen Regierung die Erlaubnis, einen Investmentfonds in China aufzulegen, der ein „langfristiges Kapitalwachstum“ für chinesische Anleger anstrebt. Das Kapitalwachstum soll durch BlackRocks Engagement für eine „nachhaltige Entwicklung“ erzielt werden. ff.

 

Gustav

9. Oktober 2022 10:20

ff.

Der Anstieg der Ölpreise führte bei „PetroChina“ zu einem enormen Gewinnsprung, wie auch bei fast allen anderen Öl- und Gasunternehmen. Doch die chinesische Anlagestrategie von „BlackRock“ ist auch aus anderen Gründen klug.

Da sich die Energieströme plötzlich vom Westen in den Osten verlagern, werden Maßnahmen wie der Multimilliarden-Dollar-Deal zwischen dem russischen Staatsunternehmen „Gazprom“ und dem chinesischen Staatsunternehmen „CNPC“ den Gewinn von „BlackRock“ weiter steigern.

Es scheint, als besäße „BlackRock“ fast magische Fähigkeiten der Voraussicht.

Die globalen Mechanismen und Partnerschaftsnetzwerke, die für die globalistischen Oligarchen als „Kraftmultiplikator“ fungieren, sind nicht in Gefahr. Aus der Sicht der Oligarchen ist der Wechsel zum multipolaren Modell lediglich ein Wechsel des mittleren Managements in der Weltordnungspolitik.

Und China ist mittendrin.

Monika

9. Oktober 2022 11:14

Aus dem amerik. Traum ist der europäische Alptraum geworden. Aus dem „pursuit of Happiness“ das Recht auf Teilhabe. Vom Tellerwäscher zum Millionär heißt heute: Vom Bootsflüchtling zum Bürgergeldempfänger, vom Ukraineflüchtling zum „Sozialtouristen“ ( Merz), vom russischen Deserteur zum Verfolgten, den Deutschland aufnehmen soll, etc.Deutschland ist zum Beuteland geworden. Auch seine Frauen wurden durch die muslim. Masseneinwanderung zur Beute ( AYaan Hirsi Ali) . Das technische Wissen wird durch China ausgebeutet. Das ausgebeutete Land wird zum militärischen Stützpunkt der Amis. Das schöne, reiche Haus steht „ohne Hüter“ ( Torsten Hinz) da. Der Russe will und kann da auch nichts tun. Vielleicht verbleibt die Idee von Peter Scholl-Latour, die weltpolitische und strategische Entscheidungsfähigkeit Deutschlands und Europas wiederzugewinnen:“ Die Notwenigkeit einer Konzentration auf den alten karolingischen Kern.“

In: PSL Russland im Zangengriff, Putins Imperium zwischen NATO, China u. Islam. 

Valjean72

9. Oktober 2022 11:39

@Karl Otto:

war es nicht so, dass die Amerikaner tagsüber militärische und industrielle Ziele angriffen und die Engländer nachts die Großstädte?

Es sollte doch zumindest bekannt sein, dass die Bombenangriffe auf das Dresdner Stadtzentrum ein gemeinsames Werk von UK & USA waren.

Sagt Ihnen das sog. German Village etwas, welches während des 2.WK in den USA aufgebaut wurde, um die Wirkung von verschiedenen Bombenarten auf typisch deutsche Wohnhäuser zu untersuchen?

Das US-Korps erstellte 1943 mit Technikern der Standard Oil Development Company auf dem Testgelände Dugway Proving Ground in Utah das sogenannte German Village (Deutsches Dorf), einen realistischen Nachbau deutscher Wohnbauten, um die Wirkung von Brandbomben auf diese Bauform zu testen. 

Ein Teil der Anlage orientierte sich an der für das Rheinland typischen Bauweise, der andere Teil an eher norddeutschen Bauweisen.

de.wikipedia.org

 

Andrenio

9. Oktober 2022 11:49

RUBIKON „Die neue Eskalation“

Mehr Senf braucht man zu diesem Thema eigentlich nicht dazugeben.

 

Phil

9. Oktober 2022 11:52

@RMH Also das ist auch meine Theorie: Hiroshima und Nagasaki als "echter Test" und Machtdemonstration gegenüber der Sowjetunion – was denn sonst?

Über den Bombenkrieg gegen Deutschland (und Vertreibung) hat Christian Hardinghaus ein gutes Buch geschrieben ("Die verratene Generation"). Die USA sollen die englische Idee, deutsche Zivilisten zu bombardieren, nicht so toll gefunden haben.

Adler und Drache

9. Oktober 2022 12:30

@Martin Lichtmesz:

 

ML: 2) bedeutet doch einfach, Deutschland solle souverän WERDEN und dies tun.

 

Natürlich. Aber dies Tun erforderte Ressourcen - verfügt Deutschland darüber? Hat überhaupt jemand mal analytisch und systematisch darüber nachgedacht, was die Folgen wären, wenn Deutschland seinem Protektor die Vasallentreue aufkündigte? (Keine rhetorische Frage!) Durch Wünschen und Posaunen wird's nicht geschehen - hat Deutschland die Leute dazu, die Kraft dazu? Wäre es wirklich gut, aus dem Bett des einen Protektors ins Bett eines anderen zu springen? 

Bei allem Negativen, was über die amerikanische Vorherrschaft zu sagen ist, hat sie doch die Europäer untereinander befriedet. Stünde das mit dem Ausscheren Deutschlands nicht auf dem Spiel? 

Alles ernst gemeinte Fragen - wie sehen Sie das? 

 

tearjerker

9. Oktober 2022 12:49

„Westliche Eliten sind von ihren Völkern (…) und deren nationalen Interessen derart entfremdet, daß sie zu feindseligen Mächten geworden sind.“ Die Führung eines Staates hält immer auf Distanz zum Personal. Wann wäre das schon mal anders gewesen? Und bisher scheint das „nationale“ Interesse durch die Versorgungsangebote, mit denen Berlin sich das mehrheitliche Schweigen der Staatssubjekte erkauft, doch ganz gut abgedeckt. Mag sein, dass die staatlich erzeugte Krise Unruhe auslöst, aber das wird sich erstmal nur in sowas wie ‚Grüne scheitern an der 20%-Hürde‘ (heute Abend) äussern. Wirklich nationale Töne in Europa hört man eigentlich nur aus der Ukraine, die das ganze Konzept im Alleingang auf die Agenda zurückbringen und mit Russland einen Super-Multikulti-Staat bekämpfen. Auf dem Ticket könnte die öffentliche Debatte komplett transformiert werden.

Laurenz

9. Oktober 2022 12:49

@Gustav

Sie sind bezüglich

Chinas

rein von religiösen Wünschen beseelt. Ihr tiefer Staat basiert exklusiv auf der unipolaren Weltordnung unter einziger Herrschaft der USA. Mit einer multipolaren Weltordnung haben die vornehmlich us amerikanischen Milliardäre & internationalen Banken verschissen, die wenn überhaupt, nur mit den 50 russischen Oligarchen verbunden sind. (Die amerikanische Ökonomie basiert auf 11 Flugzeugträgern um ihre Interessen durchsetzen zu können, wie zB die Covid-Kampagne.) Was sollte daran 539 chinesische Milliardäre interessieren, deren Basis absehbar, sich zur Weltmacht Nummer 1 entwickelt. Chinesen erheben keinen Anspruch auf Menschenfreundlichkeit, sie erklären sich nicht zu Philanthropen. Die USA reagieren darauf jeweils mit 2 unterschiedlichen Strategien. Die Demokraten mit militärischer Bedrohung, die Republikaner wollen China die wirtschaftliche Basis wieder abnehmen. Sie können Ihre Glaubensprinzip einer vom Tiefen Staat organisierten multipolaren Weltordnung in keiner Weise belegen. Das ist linke oder eben religiöse Rhetorik.

anatol broder

9. Oktober 2022 13:25

zu beginn des schuljahres 2020 hielt (en) putin eine landesweit übertragene rede für die schüler. der anlass waren 75 jahre seit dem sieg im grossen vaterländischen krieg. auch in dieser rede betonte putin die sinnlosigkeit der zerstörung von dresden.

Volksdeutscher

9. Oktober 2022 13:38

Man braucht sich die Rede Putins nicht allzu wichtig oder gar zu ernst zu nehmen, darin sind viele Dinge, Wahrheiten wie Lügen vermengt, genauso, wie das politische Kalkül es von jemandem wie ihm verlangt. Er weiß, wie weit er mit dem Aussprechen von  Wahrheiten in Russland gehen kann. In historischen Fragen werden wir uns mit ihnen nicht verstehen, dafür gibt es gegenwärtig auch keinen Anlaß und Grund, solange sie ihre Archive nicht gänzlich der historischen Forschung geöffnet haben. Aber nichts desto trotz können wir Deutsche von dem Sieg Russlands in der Ukraine profitieren, unsere politische Position sowohl ihnen als auch den USA genüber stärken. Die multipolare Weltornung wird auch für uns von Vorteile sein, wenn wir richtig agieren und schon deshalb wünsche ich mir einen russischen Sieg.

Gustav

9. Oktober 2022 15:02

@ Leander

"An andere Foristen hier: ich weiß schon, die NATO, die NATO... und der "Werte-Westen", jaja."

Nein, sie wissen gar nichts. Wie der durchschnittliche Welt-Leser, der anschließend meint, anderen die Welt erklären zu können.

https://globkult.de/politik/welt/2240-krieg-und-unfrieden-%E2%80%93-einige-bemerkungen-zum-ukraine-konflikt

https://globkult.de/politik/welt/2243-das-wesen-des-krieges-in-der-ukraine

Gracchus

9. Oktober 2022 16:27

Fazit: Es wird noch einige Zeit ins Land ziehen, bis Putin hiesiges annektiert und Referenden abhalten lässt, und wir über unser Abstimmungsverhalten diskutieren müssen. Bis dahin sollte man sich - Putin hin, Biden her - über unser politisches Personal Gedanken machen, das der gegenwärtigen Situation nicht gewachsen ist, und Besorgnis erregt, dass es kein alternatives Personal gibt.

 

Gustav

9. Oktober 2022 16:57

@ Laurenz

"Mit einer multipolaren Weltordnung haben die vornehmlich us amerikanischen Milliardäre & internationalen Banken verschissen.."

DAS ist religiöse Rhetorik. Wenn sie Argumente mit Religion verwechseln, ist das aber auch große Kunst. Als wenn die Oligarchen nur in Amerika geherrscht hätten und ansonsten ihre Hände in den Schoß gelegt hätten. Träumen sie weiter. Wenn Amerika am Arsch ist, sind es doch nicht auch die Finanzhaie. Wie kommen sie darauf? Schauen sie doch einmal wer BlackRock ist. Dann allein müßten sie doch erkennen können, was gerade passiert.

Ihre Hoffnung besteht in dem unbegründeten Glauben, die Chinesen würden ihre alten Feinde mit Anlauf in den Arsch treten. Schön wäre das ja, es ist aber ein religiöser Glaube, für den es genau so wenig Beweise gibt, wie für den ganzen Wüstenzauber aus dem Orient.

Hajo Blaschke

9. Oktober 2022 17:20

Adler und Drache, Deutschland hat sich den Status als Vasall doch nicht selbst gewählt. Die Einfriedung und damit letztlich Liquidierung Deutschlands ist integrativer Bestandteil des Morgenthau-Plans, der ganz offensichtlich durch die momentane Regierung endlich erfüllt werden soll. Die Frage ist also nicht, dass Deutschland sich aus der Fessel der Yankees befreit, sondern ob und wie es dazu in der Lage wäre.

Ich kann übrigens nicht sehen, dass die Kolonisierung Westeuropas (Staaten der EU) durch die USA die Europäer untereinander befriedet hat. Im Übrigen sollte man aufhören, das fremdgesteuerte Konstrukt EU (Europäische Union) als Europa zu bezeichnen. Von Bewohnern der USA kann man nicht verlangen, dass die das verstehen, aber ein Europäer sollte den Unterschied kennen.

Niekisch

9. Oktober 2022 17:33

"bleibt der Pflock mit Dresden, bei Gedanken, die Putin schon zu seiner DDR-Zeit nicht fremd gewesen sein dürften, bedenkenswert. Es könnte nicht zuletzt eine Geste an die deutsche Rechte sein"

@ Maiordomus 9:26: Zunächst, werter Meister, wünsche ich Ihnen eine schnelle Gesundung und weiterhin Kraft für wertvolle Beiträge auf SiN. 

Sie sprechen da einen wichtigen Punkt an: Kommen die Hinweise auf deutsches Schicksal bei Wladimir Putin aus dem Herzen oder sind es belanglose Floskeln als bloße Piekser gegen "den Westen". Wir wissen es nicht, dürfen aber vermuten. Putin war jahrelang in der DDR tätig, speziell in Dresden und dürfte trotz der Isolation von der deutschen Bevölkerung das Besondere dieser Stadt verspürt haben. Sicher hat er sich eingehend informiert und dabei festgestellt, daß das Leiden dieser Stadt den Blick auf das Schicksal russischer Städte im Kriege realistischer macht.

weiter II.

 

Niekisch

9. Oktober 2022 17:34

II. 

Putin weiß spätestens seit dieser Zeit ganz genau, das Täterschaft und Opferrolle dicht beieinander liegen können, im Kriege durch beide Seiten repräsentiert sein können. Am wichtigsten aber dürfte sein, daß in ihm ein Verwandschaftsgefühl mit "dem Deutschen" gewachsen ist, das in ihm bis heute nicht verloren ist. Er weiß zwischen deutschen Heloten und deutschen Deutschen zu unterscheiden. Ich vermute ohne Beweismittel, daß er gewissermaßen unter der Zurückweisung der Deutschen durch ihre Verwalter leidet. Ich nehme ihm ab, daß sein eurasisches Vorhaben ernst gemeint war und auch jetzt noch ernst gemeint ist. 

RMH

9. Oktober 2022 17:36

"– was denn sonst?"

@Phil, man sollte die interne "Feindstellung" unter den Alliierten damals, Sommer 45, auch nicht zu sehr betonen. Es war ja die Hoffnung von Teilen in der deutschen Führung (bis hin zu Himmler), dass man die Fronten wechseln könnte. So zerstritten war man dann nun auch wieder nicht, wenn es um "Germany must perish" ging.

Die mir bekannten Standard-Thesen für die Atombomben Abwürfe sind:

- Nun sind sie halt da, da kann man sie auch einsetzen

- Bei Okinawa hat man gesehen, wie langwierig und auch verlustreich die Eroberung von Inseln war, da Japan als Kernland betrachtete. Mit den Bomben war eine zeitdauernde, verlustreiche Invasion auf den Hauptinseln vermieden worden und Japan hat die Kapitulation eingereicht. Dieser Zweck wurde klar erfüllt

- Dem Rest der Welt, zu der natürlich die UdSSR zählte, zeigen, was man hat. 

Putin betont jetzt nur das letzte Argument. Genauso, wie Putin unterschlägt, dass mit den Bombardierungen Deutschlands auch das Geschäft der UdSSR betrieben wurde. Oder was wird hier geglaubt, was passiert wäre, wenn bspw. die Kohleverflüssigungsanlagen nicht von Anfang an konsequent bombardiert worden wären, man die neuen Waffen nicht von Anfang an nur unterirdisch hätte bauen müssen oder auch nur exemplarisch heraus gegriffen in Kassel die Panzer störungsfrei produziert werden hätten können.

RMH

9. Oktober 2022 17:51

@Adler & Drache, 

Sie haben mit Ihrem Beitrag vom 9. Oktober 2022 12:30 recht.

Das liest bei vielen komplett unausgegoren und kann maximal auf das von Ihnen beschriebene von einem Bett in das andere Bett springen hinaus laufen, in der reinen Hoffnung (von Hoffnungen kann man sich nichts kaufen), dass damit irgendetwas besser wird. Das ist Ausdruck einer allenfalls umgepolten Sklaven- und Vasallenmentalität, von reinem Untertanentum und nicht das ernsthafte Streben nach Freiheit.

Ein Fremder aus Elea

9. Oktober 2022 18:45

Adler und Drache,

Sie könnten auch sagen, Churchill habe Europa befriedet, indem er dem Preußentum den Garaus gemacht hat, und seitdem herrscht eben kontinentale katholische Eintracht zwischen Frankreich und Deutschland.

Um Schutz geht es jedenfalls nicht. Um Handelsmöglichkeiten auch nicht. Das mag gerade so sein, aber 's ist ja weiß Gott nicht der Normalzustand, und etwas normalere Politiker hätten auch nicht zugelassen. daß wir uns derart vom Normalzustand entfernt hätten, wirklich ein Beispiel dafür, daß die materiellen Umstände dem Geist folgen.

Und jetzt, da wir auf einmal um Dinge betteln müssen, welche uns nie abhanden gekommen wären, wenn unsere Politiker normal gewesen wären, jetzt scheint es so, daß die USA mehr an der Entfriedung Europas interessiert sind als an sonst was. Jedenfalls sehe ich  die friedliche Verbundenheit Europas gerade nicht anwachsen.

Volksdeutscher

9. Oktober 2022 19:39

@anatol broder - "auch in dieser rede betonte putin die sinnlosigkeit der zerstörung von dresden."

Das ist richtig, und Sie sind nicht der einzige, der das sympatisch findet. Nur, die Russen stellen sich so dar, als wären beide Kriege deshalb ausgebrochen, um sie einzuschüchtern. Dies ist eine unhaltbare Lüge und billige Rechtfertigung für all das, was in und nach diesen Kriegen ihrerseits getan wurde: Grausamkeiten an Zivilisten, Gebietsraube, Deindustrialisierung, Massenemorde, Vertreibung und Verschleppung von Zivilisten und Soldaten in sowjetische Konzentrations-, bzw. Arbeitslager in den von ihnen besetzten Gebieten. Die Bombardierung Dresdens und der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki stellt er auch so dar, als wäre das nur geschehen, um die Sowjetunion einzuschüchtern. Dem Durchschnittsrussen gefällt dieser Tour der Selbstbemitleidung umso mehr, da damit die ungesühnten Verbrechen der Sowjetmacht erklärt und gerechtfertigt werden können und er seinen 9. Mai in gutem Gewissen feiern kann. Der Durchschnittsrusse ist geschichtlich unbelehrbar. So kann er sich sagen, daß "all der Gräuel und das Unrecht nicht geschehen wäre, hätte man uns nicht schon immer die existenzielle Auslöschung angedroht".

MARCEL

9. Oktober 2022 19:48

@Laurenz

Schwer zu sagen, bei aller Achtung vor PSL.

Fest steht, dass derjenige, der digitale Technologien zur Verfügung stellt, bereits herrscht.

Sicher verschwinden nicht einfach so die konventionellen Kriege. Nur wird derjenige, der sie nach alter Manier vom Zaun bricht, sei seine Motivation noch so begründet bzw. nachvollziehbar, damit in die Falle laufen. 

Wie dem auch sei: Russischerseits kommt die "Spezialoperation" 8 Jahre zu spät und die überdehnte wie dünn besetzte Front erinnert an General Denikins Scheitern im Kampf gegen die Bolschewiki (ähnliche Situation).

Interessant dazu auch die Kommentare des ehem. Separatistenführers Oberst Strelkov "Girkin" (russischer Nationalist und Gegner Putins) 

 

 

Mitleser2

9. Oktober 2022 20:05

@Hajo Blaschke: Ich warte immer noch auf Ihre Kommentare zum Frontverlauf, den russischen Streikräften und der Krim-Brücke. Und um Ihnen vielleicht zu helfen: Ich bin das Gegenteil eines Transatlantikers.

Leander

9. Oktober 2022 20:41

@ Gustav,

ich will nicht ohne Rückmeldung bleiben.

Zuvorderst, Sie sollten nicht auf Leserprofile anderer Leute schließen, ohne mit dem-/ derjenigen eine Nacht an einer Kneipentheke diskutiert zu haben.

Ich habe die beiden verlinkten Artikel überflogen. Der ältere (Roewer/Anfang September) ist von den letzten Ereignissen weit überholt. Der neuere (Ludwig/Anfang Oktober) gibt einige interessante Hinweise. Die verklärende Beschreibung der Möglichkeiten des russischen Militärs wirkt jedoch herbeiphantasiert, das Scheitern bei Kiew beinahe als Scheinangriff dargestellt. In der Realität, wenn ich lese, dass Russland über zurückgelassene Munitionsdepots und Panzer (angebl. 400 Kampfpanzer bisher) zum besten Waffenlieferanten für die Ukraine wurde, läuft es anscheinend andersherum. Es scheint durchaus möglich, dass der Westen, mit der Waffenhilfe für die Ukraine, das russische Militär verschleißen kann. Die stümperhafte Mobilmachung Putins bestätigt das. Nun kommt die Sabotage der Brücke dazu, die Interpretationsmöglichkeiten in Richtung Täter aus der Russischen Föderation nahelegt. Moskau ist seltsam schweigsam. Warum wohl?

Das Thema „Great Reset“ lasse ich hier aussen vor, weil ich Motivation und Handlungen Putins nicht damit in Zusammenhang sehe. Ich halte es aber für möglich, dass er bezüglich der Gestaltung des globalen Machtgefüges gerade jemandem (China/USA) ins offene Messer läuft, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Gracchus

9. Oktober 2022 22:14

@Maiordomus: Auch von mir weiterhin gute Genesung. 

@Niekisch: So ähnlich wie Sie schätze ich Putins Verhältnis zu D ebenfalls ein. 

Gracchus

9. Oktober 2022 22:21

MARCEL hat einen nicht unwesentlichen Punkt genannt, der auch hierzulande gilt. Die Party ist zwar eigentlich vorbei, aber die westliche Konsum"kultur" wirkt auf viele oder die meisten einfach attraktiver als traditionale oder konservative Lebensweisen, die derzeit doch noch  Minderheitenprogramm bleiben. Dafür - für die Konsummöglichkeiten - sind viele auch bereit, woke Freiheitseinschränkungen und Sprachregulierungen hinzunehmen. Was wird, wenn die Konsummöglichkeiten schwinden, steht derzeit noch in den Sternen. 

Gracchus

9. Oktober 2022 22:32

@Adler und Drache, RMH

Wo ein Wille, da ein Weg. Wie ich aber schon öfter schrieb, sehe ich hierzu keinen Willen, weder bei Parteien noch beim Volk.

Wenn der Wille da wäre, ginge es natürlich auch nicht von heute auf morgen, und es ginge auch nicht darum, die Vasallentreue aufzukündigen und sich zu Russland zu flüchten, es ginge darum, der USA punktuell zu widerstehen und den eigenen Willen zu artikulieren - und zu behaupten, natürlich in dem Bewusstsein, dass dies unangenehme Konsequenzen haben kann. Aber nicht muss. Man  könnte dies mit dem partiell aufmüpfigen Verhalt Polens oder Ungarns gegenüber der EU vergleichen. Partiell hat man dies ja schon getan. Aber nicht konsequent. 

Laurenz

10. Oktober 2022 00:17

@Marcel @L.

Der Ukraine-Krieg ist kein asymmetrischer Krieg, wie heute sonst üblich. Das macht den Unterschied zu allen sonstige Kriegen. Momentan finanzieren die Russen den quasi aus der Portokasse. Und ich empfehle Ihnen noch mal meine Schlußfolgerungen zur Art dieses Krieges in Betracht zu ziehen. Der Krieg, den man eigentlich führt, ist der Wirtschaftskrieg. Deswegen darf der konventionelle Krieg morgen nicht vorbei sein. Das wird sich ein paar Jahre ziehen. Wenn die EU ausgeblutet ist, d.h. vordergründig Deutschland, ist auch der konventionelle Krieg vorbei.

@Mitleser2 @Hajo Blaschke

Die Krimbrücke ist nach meiner Information schon wieder für den Autoverkehr freigegeben. https://southfront.org/military-situation-in-ukraine-on-october-9-2022-map-update/

@Gustav @L.

Die heutigen Terms of Trade sind von den Amis veranlaßt, IAS-Bilanzierung wuchs auf amerikanischem Mist. Nicht amerikanischen Mitbewerbern wird das Rating entzogen, falls diese zum Zuge kommen & es nicht in den politischen Spielraum paßt. Ob man in Den Haag eine Klage durchkriegt, interessiert keine Sau, international entscheidend sind Gerichtsurteile in den USA. Von den USA erhobene Sanktionen werden auch bei anderen Staaten durchgedrückt. Das funktioniert nur aus der totalen militärischen Option des USA heraus. In China hat die Politik den Daumen auf der Wirtschaft, in den USA ist es umgekehrt.

anatol broder

10. Oktober 2022 01:39

@ volksdeutscher 19:39

ich erkenne in meinem beitrag um 13:25 keine sympatie für putins aussage. ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass er die zerstörung dresdens bereits früher öffentlich ansprach.

RMH

10. Oktober 2022 07:41

"sehe ich hierzu keinen Willen,"

@Gracchus,

Was sich bei den Wahlen regelmäßig aufs Neue zeigt. Dieses Land leidet unter seinen Alten, die keine Experimente mehr machen, um jede Minute länger leben kämpfen und dabei sich nach Belieben alles und den letzten medizinischen Dreck aufschwatzen lassen in der Hoffnung, für uns wirds noch langen und nach uns die Sintflut. Die Jugend hingegen wird durch Migration von vorneherein marginalisiert und in einen Endzeit-Klimawahn getrieben, statt zur echten, substantiellen Gegenwehr. Man hat es schwer, kein Defätist zu werden.

Ein Fremder aus Elea

10. Oktober 2022 08:24

RMH, Bettinger, Leander,

wie ich schon sagte, niemand eskaliert einen Krieg wegen einer Brücke. Das Ziel von Provokationen ist doch, die andere Seite zu Aktionen zur Unzeit zu bewegen. Und wenn Drohungen in den Raum gestellt wurden, dann wird ein Anschlag eben als Unfall umdeklariert. Das sollte niemanden wundern.

Ansonsten: Ja, die Front ist viel zu spärlich besetzt gewesen, und jetzt, nach 7(!) Monaten findet die entsprechende Korrektur statt, aber auch nur in einer Art und Weise, welche als peripher und, wie mir scheint, strategische Sackgasse bezeichnet werden muß.

Diesen Stillstand kann man dann nach Belieben als Schwäche Rußlands oder der Ukraine sehen, aber wenn man sich fragt, was die jeweilige Seite machen würde, wenn sie tatsächlich schwach wäre, kommt man zu nicht mehr so beliebigen Antworten.

Hajo Blaschke

10. Oktober 2022 08:59

Mitleser2, wenn Sie immer aktuell informiert sein wollen, was im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland abläuft, empfehle ich Ihnen die täglichen Briefings von General Konaschenkow (Конашенков) z.B. auf der Webseite ria.ru.

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