White Raven: russisch-ukrainischer Krieg im Film (1)

Wie alle Kriege der heutigen Zeit, wird auch der laufende russisch-ukrainische Krieg auf einer filmischen Front ausgefochten.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Zeit für einen klei­nen Rund­gang, an des­sen Ende ich zwei Fil­me mit­ein­an­der ver­glei­chen wer­de, die aus ent­ge­gen­ge­setz­ten Per­spek­ti­ven vom Krieg in der Ost­ukrai­ne vor 2022 handeln.

Die ukrai­ni­sche Pro­duk­ti­on “Sni­per – White Raven” wur­de bereits 2019 begon­nen, aber erst in die­sem Som­mer urauf­ge­führt. Sie han­delt von einem jun­gen ukrai­ni­schen Mathe­ma­tik­leh­rer und Natur­schüt­zer, der mit sei­ner Frau in einem Erd­haus in der Step­pe des Don­bass ein alter­na­ti­ves, “grü­nes” Leben führt.

2014 wird er von rus­si­schen Sol­da­ten über­fal­len, die ille­gal die Gren­ze über­schrit­ten haben und sich mit Sankt-Georgs-Bänd­chen als Sepa­ra­tis­ten tar­nen. Die Sol­da­ten ver­ge­wal­ti­gen sei­ne schwan­ge­re Frau, töten sie und zün­den sein Hob­bit-Haus an. Fort­an von dem Gedan­ken beses­sen, “die Inva­so­ren zu ver­ja­gen”, wan­delt sich der trau­ma­ti­sier­te und nun mehr fana­ti­sier­te Hip­pie-Pazi­fist zum gefei­er­ten Pro­fi­sch­arf­schüt­zen, zum “Sni­per”.

Der ande­re Film, den ich bespre­chen möch­te, han­delt eben­falls von einem Sni­per in der Ost­ukrai­ne, der aller­dings auf der ande­ren Sei­te der Front kämpft. “A Sniper’s War” von 2018 ist ein sym­pa­thi­sie­ren­der Doku­men­tar­film über den ser­bi­schen Frei­wil­li­gen Dejan Berić, der in Donetsk für die Sepa­ra­tis­ten kämpft und dafür in rus­si­schen Medi­en als Held gefei­ert wird.

Er hat sich den Sepa­ra­tis­ten zum Teil aus ideo­lo­gi­schen Grün­den ange­schlos­sen: Eben­so wie die NATO Jugo­sla­wi­en und Ser­bi­en zer­stört habe, zer­stö­re sie nun die Ukrai­ne, wes­halb er sich ver­pflich­tet fühl­te, an pro-rus­si­scher Sei­te an dem Kampf teil­zu­neh­men. Berić, Jahr­gang 1974, ist außer­dem über­zeug­ter Kom­mu­nist, der immer noch dem unter­ge­gan­ge­nen Jugo­sla­wi­en nachtrauert.

Die­ser Film ist übri­gens – zumin­dest nach außen hin – kei­ne rus­si­sche Pro­duk­ti­on, son­dern wur­de von einer in New York leben­den unab­hän­gi­gen Fil­me­ma­che­rin namens Olya (Olga) Sch­ech­ter pro­du­ziert, über die im Netz nur wenig Infor­ma­ti­on zu fin­den ist. Aus ihrem Akzent läßt sich schlie­ßen, daß sie zwar etli­che Zeit in den USA ver­bracht hat, offen­bar aber kei­ne Mut­ter­sprach­le­rin ist. Ich ver­mu­te, daß sie rus­sisch-jüdi­scher Her­kunft ist. An der Pro­duk­ti­on betei­ligt war auch eine chi­ne­si­sche Firma.

Zunächst also ein biß­chen Kon­text, um die­se Fil­me bes­ser ein­ord­nen zu kön­nen. (Die Fil­me, die ich im fol­gen­den beschrei­ben wer­de, habe ich nicht alle gese­hen. Sofern mir kei­ne unter­ti­tel­ten Fas­sun­gen zugäng­lich waren, habe ich die Infor­ma­tio­nen aus Film­da­ten­ban­ken im Netz und ande­ren Quel­len bezogen.)

“Sni­per – White Raven” bekommt in Wes­ten gera­de eini­ge Publi­ci­ty. Er wird auf Strea­ming-Platt­for­men wie Apple-TV und Goog­le Play gezeigt, und soll im Janu­ar 2023 auf DVD und Blu­ray in deut­scher Syn­chro­ni­sa­ti­on erschei­nen. Für den Ver­trieb in den USA wur­de eine eige­ne Netz­sei­te ein­ge­rich­tet.

Die New York Times rühm­te den Film ver­hal­ten als “glatt­po­lier­te Cha­rak­ter­stu­die” über einen “ukrai­ni­schen Frei­geist, der sich zum Eli­te­sol­da­ten wan­delt”. Der Inhalt sei “fik­tiv”, “basie­re” jedoch “auf wah­ren Bege­ben­hei­ten” (“based on true events”, eine bekannt­lich ziem­lich schwam­mi­ge, betrü­ge­ri­sche Kate­go­rie, die eben­so­gut auf “Ilsa, She-Wolf of the SS” wie auf “Jud Süß” ange­wandt wer­den kann).

Das ist nun nicht gera­de ein gro­ßer Hype, aber doch etwas mehr, als inter­na­tio­nal für einen ukrai­ni­schen Film üblich ist. “White Raven” ist ein Staats­pro­dukt, pro­du­ziert von der Fir­ma UA Group und mit einem hohen Geld­prei­se prä­miert (also de fac­to sub­ven­tio­niert) von der 2011 gegrün­de­ten Ukrai­ni­an Sta­te Film Agen­cy. Die­se ist für die Her­stel­lung von Fil­men ver­ant­wort­lich, die das ukrai­ni­sche Natio­nal­be­wußt­sein stär­ken sollen.

Beson­ders seit 2014 ist in der Ukrai­ne zu die­sem Zweck eine wah­re Flut an Spiel-und Doku­men­tar­fil­men unter­schied­li­chen Niveaus ent­stan­den, die im Wes­ten ins­ge­samt nur wenig Beach­tung fanden.

Etli­che neh­men direkt auf den Krieg Bezug, der schon lan­ge vor 2022 begon­nen hat: “Cyborgs” (2017) etwa, mit dem Unter­ti­tel “Hel­den ster­ben nie” (Alter­na­tiv­ti­tel “Last Resis­tance – Im rus­si­schen Kreuz­feu­er”), han­delt von der Ver­tei­di­gung des Flug­ha­fen Donetsk 2014–15 durch ukrai­ni­sche Spe­zi­al­trup­pen, “Cher­ka­sy” (2019) vom Wider­stand der Crew eines ukrai­ni­schen Minen­such­boo­tes gegen sei­ne Beschlag­nah­me durch Rus­sen im Zuge der Krim-Annexion.

Was es vor “White Raven” nicht gab, ist ein expli­zi­ter Kriegs­film, der etwa zeigt, wie hel­den­haf­te ukrai­ni­sche Frei­wil­li­gen­ba­tail­lo­ne im Don­bass mit “ter­ro­ris­ti­schen”, vom Kreml gesteu­er­ten Mos­ko­wi­tern aufräumen.

Aber auch die High-Brow- und Cine­as­ten-Ebe­ne wird bespielt, etwa durch “Don­bass” (2018) von Ser­gej Loz­nit­sa, den ich für eigen­tüm­lich frei bespro­chen habe. In die­sem – sehr rea­lis­tisch, “doku­men­ta­risch” insze­nier­ten – Film wer­den die Sepa­ra­tis­ten auf sub­ti­le und unsub­ti­le Wei­se ver­ächt­lich und lächer­lich gemacht (ich fühl­te mich ein wenig an Ulrich Seidl erin­nert), wobei der Regis­seur beton­te, daß alles Gezeig­te wahr sei und “auf rea­len Ama­teur­vi­de­os“ basiere.

Beson­de­res Augen­merk legt Loz­nit­sa auf die Infil­tra­ti­on der Ost­ukrai­ne durch rus­si­sche Sol­da­ten, die sich als Orts­an­säs­si­ge aus­ge­ben. Am lus­tigs­ten fand ich die Sze­ne, in der sich ein paar wild aus­se­hen­de Sepa­ra­tis­ten bei einer Stra­ßen­kon­trol­le einen bra­ven bun­des­deut­schen Jour­na­lis­ten schnap­pen und ihn zu sei­nem größ­ten Ent­set­zen als “Faschis­ten” ver­spot­ten und mobben.

Natür­lich wird auch häu­fig auf die Ver­gan­gen­heit zurück­ge­grif­fen, um den Kriegs- und Ver­tei­di­gungs­wil­len zu stär­ken und anti­rus­si­sche Gefüh­le zu schü­ren. Die­se Fil­me gehen hart gegen den Strich der sowje­ti­schen Nar­ra­ti­ve, mit denen auch Gene­ra­tio­nen ukrai­ni­scher Kino­gän­ger trak­tiert wurden.

Dabei wird ins­be­son­de­re der ukrai­ni­sche Natio­na­lis­mus des letz­ten Jahr­hun­derts auf­ge­wer­tet und glo­ri­fi­ziert, wobei eine direk­te Bezug­nah­me auf des­sen kon­tro­ver­ses­te und bekann­tes­te Gestalt, den berüch­tig­ten Ste­pan Ban­de­ra, weit­ge­hend ver­mie­den wird (einen ein­zi­gen, schon etwas älte­ren Pro-Ban­de­ra-Film konn­te ich fin­den: “Atten­tat – Herbst­mord in Mün­chen” aus dem Jahr 1995, finan­ziert von Exil-Ukrai­nern in den USA, unter denen der Kult um den OUN-Füh­rer beson­ders aus­ge­prägt ist.)

Nur ein paar Bei­spie­le: “Cher­vonyi” (“Rot”, 2017) erzählt die Flucht von Sol­da­ten der “Ukrai­ni­schen Auf­stän­di­schen Armee” (UPA) aus “Sta­lins Todes­la­ger” (eine eng­lisch syn­chro­ni­sier­te Fas­sung gibt es hier, Streams fin­det man auf Ama­zon und Apple TV), “Das gehei­me Tage­buch des Simon Petl­ju­ra” (2018) von Oles Yan­chuk, einem Vete­ra­nen des post-sowje­ti­schen natio­na­len Kinos der Ukrai­ne, setzt dem Prä­si­den­ten der kurz­le­bi­gen “Ukrai­ni­schen Volks­re­pu­blik” von 1919/20 (den man­che aus Bul­ga­kows Die wei­ße Gar­de ken­nen wer­den) ein (offen­bar ziem­lich miß­lun­ge­nes) Denk­mal, “EKS” (2020) schil­dert einen Auf­stand jun­ger Natio­na­lis­ten gegen das Sowjet­re­gime im Jahr 1932.

Eine der auf­wen­digs­ten Pro­duk­tio­nen die­ser Art ist das Action­spek­ta­kel “Chor­nyy Voron” (“Der schwar­ze Rabe”, 2019) nach dem Roman von Was­syl Schkljar. Der Film zeich­net den Par­ti­sa­nen­kampf ukrai­ni­scher Kosa­ken der soge­nann­ten Cholodny-Jar-“Republik” (1919–1922), einem der letz­ten Wider­stands­nes­ter gegen die Bol­sche­wi­ken in der zen­tralukrai­ni­schen Oblast Tscher­kas­sy, expli­zit als eth­nisch-natio­na­len Kon­flikt zwi­schen rus­si­schen “Inva­so­ren” und ukrai­ni­schen Ver­tei­di­gern. Kom­mu­nis­ten wer­den mit Rus­sen gleich­ge­setzt und vice versa.

Die­se his­to­ri­sche Kulis­se dient dem Film recht unver­hoh­len als vor­geb­li­cher Spie­gel der Gegen­wart. Die Ana­lo­gie muß aller­dings über ein paar Ecken zurecht­ge­bo­gen wer­den: Aus ukrai­ni­scher Sicht wird die Ost­ukrai­ne von heim­lich über die Gren­ze geschleus­ten Rus­sen “okku­piert”, aus rus­sisch-sepa­ra­tis­ti­scher Sicht ist die ukrai­ni­sche Armee der Inva­sor und Okku­pa­tor, der die eth­nisch mehr­heit­lich rus­si­schen Gebie­te mit Gewalt an der recht­mä­ßi­gen Sezes­si­on hin­dern will.

Die Cha­rak­ter­zeich­nun­gen die­ser trotz aller dick auf­ge­tra­ge­nen Schau­wer­te eher hoh­len Ver­an­stal­tung sind ein­di­men­sio­nal und fol­gen gän­gi­gen Strick­mus­tern: Die rus­si­schen Bol­sche­wi­ken wer­den als hin­ter­häl­ti­ge, pri­mi­ti­ve, mör­de­ri­sche Schur­ken dar­ge­stellt, die ukrai­ni­schen natio­na­lis­ti­schen Wald­gän­ger hin­ge­gen sind hero­isch, idea­lis­tisch, fromm, ehren­haft, tap­fer und oben­drein ziem­lich gutaussehend.

Der Anti­kom­mu­nis­mus des Films ist recht ober­fläch­lich: Er setzt als gege­ben vor­aus, daß der Kom­mu­nis­mus böse ist, zeigt aber kaum, was das spe­zi­fisch böse am Kom­mu­nis­mus ist. Das Haupt­cha­rak­te­ris­ti­kum der Schur­ken ist weni­ger, daß sie Kom­mu­nis­ten, als daß sie Rus­sen auf frem­dem, ukrai­ni­schem Ter­ri­to­ri­um sind. 

Der Film endet schließ­lich mit einem letz­ten, ver­geb­li­chen Auf­stand der Kosa­ken, die wis­sen, daß sie ver­lo­ren haben, und nur noch die Wahl eines hel­den­haf­ten Unter­gangs im Kugel­ha­gel der Bol­sche­wi­ken haben. Sie enden mit der Gewiß­heit, daß ihr Bei­spiel fort­le­ben und ihre Nach­fol­ger eines Tages die “Inva­so­ren” besie­gen wer­den. So wer­den in der Tat heu­te ihre Geis­ter auf der Lein­wand beschwo­ren, um einen ver­meint­lich alten Krieg wie­der fortzuführen.

Wie sieht es nun mit der rus­si­schen Film­pro­duk­ti­on aus?  In der Tat haben sich rela­tiv weni­ge Spiel­fil­me vor 2022 mit dem Sezes­si­ons­krieg in der Ost­ukrai­ne befaßt, ver­mut­lich, weil Ruß­land “offi­zi­ell” nicht dar­in invol­viert war.

Ich fand drei, an denen sich eine zuneh­men­de Radi­ka­li­sie­rung able­sen läßt: “Don­bass. Rand­ge­biet” (2018) han­delt von einem jun­gen Sol­da­ten der ukrai­ni­schen Armee, der 2014 in Donetsk das Lei­den der Bevöl­ke­rung durch ukrai­ni­schen Artil­lie­rie­be­schuß am eige­nen Lei­be mit­er­lebt. Letz­te­res den Zuschau­ern bewußt zu machen, ist wohl auch das haupt­säch­li­che Anlie­gen des Films. Die Bot­schaft ist eher sen­ti­men­tal: Die­ser Krieg ist schlimm und grau­sam und soll­te so bald wie mög­lich been­det werden.

Der mit Rock­mu­sik und schmal­zi­gen Pop­songs unter­mal­te Film “Opol­chenoch­ka” (etwa: “Das Land­wehr­mä­del”, inter­na­tio­na­le Titel auch: “Rebel Girl” oder “Militia Girl”) von 2019 erzählt die Schick­sa­le drei­er unter­schied­li­cher Frau­en, die 2014 auf­grund trau­ma­ti­scher Erleb­nis­se im Zuge der Mai­dan-Revo­lu­ti­on eine patrio­ti­sche Bekeh­rung erfah­ren und schließ­lich als Frei­wil­li­ge bei der Pan­zer­trup­pe der Volks­re­pu­blik Lugansk landen:

Die jun­ge Thea­ter­re­gis­seu­rin Kat­ja aus dem deka­den­ten St. Peters­burg ent­deckt ihr Pan-Rus­sen­tum und wird zum ortho­do­xen Glau­ben bekehrt, als sie sich in einen rauh­bei­ni­gen Kosa­ken-Ata­man aus der Ost­ukrai­ne ver­liebt, der am Hoch­zeits­tag der bei­den von einer Auto­bom­be getö­tet wird;

die Geschichts­leh­re­rin Anna aus Lugansk wird aus poli­ti­schen Grün­den von ihrem Mann ver­las­sen, der den Euro­mai­dan unter­stützt und die gemein­sa­me Toch­ter nach Char­kow entführt;

der Ver­lob­te der Renn­fah­re­rin Sve­ta aus Lis­sitschansk (Oblast Lugansk) wird von vie­hi­schen ukrai­ni­schen Nazis (die Black Metal hören) ermor­det, weil sie in sei­nem Haus ein Sankt-Georgs-Band auf­ge­fun­den haben, wäh­rend sie selbst nur knapp deren Fol­ter- und Ver­ge­wal­ti­gungs­or­gi­en ent­rinnt. Ihre Haupt­mo­ti­va­ti­on ist Rache.

“Opol­chenoch­ka” ver­schärft den Ton­fall und spitzt sei­ne poli­ti­sche Bot­schaft unmiß­ver­ständ­lich (also so platt wie nur irgend mög­lich) zu: Der ukrai­ni­sche Staat, der sei­ne Trup­pen in die selbst­er­klär­ten Volks­re­pu­bli­ken sen­det, wird expli­zit als “faschis­ti­sches Regime” bezeich­net, sei­ne rechts­ra­di­ka­len Hand­lan­ger vom “Batail­lon Azow” & Co, die Haken­kreu­ze und SS-Runen auf ihren Stahl­hel­men tra­gen, wer­den aus­gie­big in Sze­ne gesetzt.

“Die Geschich­te wie­der­holt sich”, heißt es an einer Stel­le. Der ost­ukrai­ni­sche Sezes­si­ons­krieg wird als Neu­auf­la­ge des “Gro­ßen Vater­län­di­schen Krie­ges” inter­pre­tiert. Unter dem Dach die­ser Geschichts­er­zäh­lung wer­den Sowjet­nost­al­gie, rus­si­scher Natio­na­lis­mus und ortho­do­xer Glau­be mit­ein­an­der versöhnt.

Die sepa­ra­tis­ti­schen Mili­zio­nä­re und Kosa­ken, die sich als Erben der Roten Armee im 2. Welt­krieg sehen, sind heroi­sche, idea­lis­ti­sche, from­me, ehren­haf­te, tap­fe­re und oben­drein ziem­lich gut­aus­se­hen­de Ver­tei­di­ger ihres rus­si­schen Hei­mat­lan­des, die sich gegen hin­ter­häl­ti­ge, pri­mi­ti­ve, mör­de­ri­sche ukrai­ni­sche “Okku­pan­ten”, “Inva­so­ren” und “Nazis” zur Wehr setzen.

Die dra­ma­ti­sche Kon­stel­la­ti­on ist also exakt die­sel­be wie in “Der schwar­ze Rabe”, nur mit sei­ten­ver­kehr­ten Rol­len. Gleich­zei­tig wird immer wie­der betont, daß Ukrai­ner und Rus­sen Teil ein- und der­sel­ben “rus­si­schen Welt”, ja “Brü­der in Glau­ben und Blut” sei­en, wie ein ortho­do­xer Pries­ter in einer Sze­ne for­mu­liert. Im Gegen­satz hier­zu betont “Der schwar­ze Rabe” den eth­ni­schen Unter­schied zwi­schen Rus­sen und Ukrainern.

In einer ande­ren Sze­ne bezeich­net die zur Pan­zer­fah­re­rin gewan­del­te His­to­ri­ke­rin (die es auf­grund ihrer Aus­bil­dung ja wis­sen muß) die natio­na­le Iden­ti­tät der Ukrai­ner als “erfun­den” und ihren Staat als “his­to­ri­schen Zufall”. Der Film ist rand­voll mit pro­gram­ma­ti­schen Dia­log­zei­len die­ser Art:

Was soll gesche­hen mit die­sen nütz­li­chen Idio­ten, die ihr Geburts­recht für ein Lin­sen­ge­richt hin­ge­ge­ben haben? Die ihr Rus­sisch­sein gegen eine Art chi­mä­ri­sche “Ukrai­ni­tät” ein­ge­tauscht haben? Sie wei­ger­ten sich, die Mit­be­herr­scher eines gewal­ti­gen Staa­tes zu sein, und zogen den Sta­tus von Lakai­en im War­te­zim­mer eines ster­ben­den Euro­pa vor.

Der Film endet mit einer Para­de am “Tag des Sie­ges”, wäh­rend eine bedeu­tungs­schwan­ge­re Erzäh­ler­stim­me aus dem Off die Wie­der­ge­burt eines neu­en, herr­li­chen Groß-Ruß­lands pro­phe­zeit. Die Anne­xi­on der Repu­bli­ken Lugansk und Donetzk erscheint also schon in die­sem Film von 2019 als mehr oder weni­ger beschlos­se­ne, unver­meid­li­che und natür­li­che Sache.

Das Vor­bild für die “Land­wehr­mä­dels” des Films, die gefei­er­te Pan­zer­kom­man­da­tin Svitla­na Dri­uk, gebo­ren 1978 in Donetsk, setz­te sich übri­gens ein paar Mona­te vor der Pre­mie­re des Films im Mai 2019 in die Ukrai­ne ab und lief zum Feind über.

Der wich­tigs­te rus­si­sche Pro­pa­gan­da­film über den ost­ukrai­ni­schen Sezes­si­ons­krieg ist zwei­fel­los “Solnt­se­py­ok” (wört­lich “Son­nen­glut”, auch der Name eines Rake­ten­wer­fers) aus dem Jahr 2021. Er ist lus­ti­ger­wei­se auch auf Net­flix zu sehen.

Die Bot­schaft ist die­sel­be wie in “Opol­chenoch­ka”, aller­dings um wei­te­re Gra­de ver­schärft:   Gleich im ers­ten Text­ti­tel ist von einem “Geno­zid” und “Mas­sen­mord an der Zivil­be­völ­ke­rung” der Volks­re­pu­bli­ken durch fana­ti­sche oder kri­mi­nel­le Schläch­ter im Stil der Dir­le­wan­ger-Bri­ga­de die Rede. Die Gewalt­dar­stel­lun­gen sind dras­tisch, und auch hier wird der Angriff auf die Sepa­ra­tis­ten als Werk von “Faschis­ten” dargestellt.

Der Film war in Ruß­land ein “Block­bus­ter” und hat die Bevöl­ke­rung psy­cho­lo­gisch auf die Not­wen­dig­keit eines mili­tä­ri­schen Ein­griffs in der Ost­ukrai­ne ein­ge­stimmt. Auf­grund sei­ner Bedeu­tung wer­de ich ihn dem­nächst in einem eige­nen Arti­kel analysieren.

Nen­nens­wert ist wohl auch noch der Film “Luchs­hi­ye v adu” (“Die Bes­ten in der Höl­le”), der die­ses Jahr her­aus­kam. Es ist ein rei­ner Action­film ohne ideo­lo­gi­sche “Mes­sa­ge” über eine Ope­ra­ti­on der “Grup­pe Wag­ner”, pro­du­ziert von ihrem Grün­der Jev­ge­nij Pri­go­schin und geschrie­ben von einem ihrer Kom­man­da­ten, Ale­xej Nagin, der im Sep­tem­ber in der Schlacht um Bach­mut gefal­len ist. Der Titel stammt aus einer Anspra­che von Pri­go­schin an sei­ne Söld­ner: “Eini­ge wer­den in den Him­mel kom­men, ande­re in die Höl­le, aber in der Höl­le wer­den wir die Bes­ten sein.”

Was nun his­to­ri­sche Epen mit natio­na­ler Bot­schaft angeht, so wer­den selbst­ver­ständ­lich auch sol­che Fil­me in Ruß­land am lau­fen­den Band pro­du­ziert. Ins­be­son­de­re der Zwei­te Welt­krieg wird end­los aus­ge­schlach­tet, eine Tra­di­ti­on, die Jahr­zehn­te alt ist und noch aus der Sowjet­uni­on stammt. Auf rus­si­schen Lein­wän­den ist es stän­dig 1941. Bei­spie­le auf­zu­zäh­len, wäre nun müßig. “Opol­chenoch­ka” und “Solnt­se­py­ok” zei­gen, daß der Mythos die­ses Krie­ges auch im lau­fen­den Kon­flikt mit der Ukrai­ne eine bedeu­ten­de pro­pa­gan­dis­ti­sche Rol­le spielt.

Die gro­ße Erzäh­lung vom Abwehr­kampf gegen die deut­schen Inva­so­ren dien­te zu Sowjet­zei­ten und noch lan­ge dar­über hin­aus als Klam­mer, die Ruß­land und die Ukrai­ne zusam­men­hielt. Schließ­lich waren nicht alle Ukrai­ner des Welt­kriegs Ban­de­ris­ten oder Anti­kom­mu­nis­ten, son­dern kämpf­ten über­wie­gend in der Roten Armee, was zum Teil auch Fol­ge der bru­ta­len Besat­zungs­po­li­tik der Deut­schen war.

Als End­punkt die­ser Klam­mer­er­zäh­lung könn­te der Film “Die Schlacht um Sewas­to­pol” aus dem Jahr 2015 genannt wer­den, der in Deutsch­land unter dem Titel “Red Sni­per – Die Todes­schüt­zin” und in der Ukrai­ne unter dem Titel “Die Unbe­sieg­te” lief. Es han­delt sich um eine rus­sisch-ukrai­ni­sche Co-Pro­duk­ti­on, die 2013/14 gedreht wur­de und zum 70. Jah­res­tag des Sie­ges über Deutsch­land in den Kinos  bei­der Län­der mit gro­ßem Erfolg anlief, zu einem Zeit­punkt, als das Tisch­tuch durch den Euro­mai­dan und sei­ne Fol­gen bereits zer­schnit­ten war.

Im Mit­tel­punkt des Films steht die legen­dä­re sowje­ti­sche Scharf­schüt­zin Ljud­mi­la Paw­lit­schen­ko (1916–1974), eine im ukrai­ni­schen Bila Zerk­wa (Oblast Kiew) gebo­re­ne eth­ni­sche Rus­sin, die nach ihrer Ver­hei­ra­tung einen ukrai­ni­schen Namen trug und maß­geb­lich an der Ver­tei­di­gung von Sewas­to­pol (30. Okto­ber 1941 – 4. Juli 1942) betei­ligt war. Sie wur­de von Ukrai­nern wie auch Rus­sen als Hel­din verehrt.

Von Ljud­mil­la Paw­lit­schen­ko führt ein direk­ter Weg zu den “Sni­pern” Myko­la Voronin und Dejan Berić, deren fil­mi­sche Dar­stel­lung ich im zwei­ten Teil die­ses Bei­trags behan­deln werde.

– – –

Bit­te an die Leser: Falls Ihnen noch Ergän­zun­gen und Kor­rek­tu­ren zu den genann­ten Fil­men ein­fal­len, bit­te ich, die­se in die Kom­men­tar­spal­ten zu schreiben.

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Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (68)

Niekisch

5. Dezember 2022 17:10

"Führer der OUN" 

Da muß ich mich doch noch einmal melden: Es gab zwei OUNs, nachdem sich die ethnoradikale "Organisation Ukrainischer Nationalisten", ausgelöst durch die Annäherung ihres neuen Führers Andrij Mel´nyk an die deutsche Abwehr unter Canaris, zunächst als sog. Hilfswillige an der Seite der nach Osten vorstoßenden Wehrmacht am Polenfeldzug beteiligte. Von den Deutschen enttäuscht spaltete sich die OUN in einen gemäßigten Flügel aus zumeist älteren Anhängern unter Mel´nyk ( OUN-M ), dem die radikaleren, weitaus gewaltaffineren ""Banderisten" unter Stephan Bandera ( OUN-B ) gegenüberstanden. ( Jobst, Kerstin S., Geschichte der Ukraine, S.207, 208 )

Arrow

6. Dezember 2022 00:04

Höre ich das Gras wachsen oder hat sich hier noch jemand über die jüngste Berichterstattung zum Holodomor in unseren MSM gewundert. Dabei wurde zumindest in Andeutungen ein russisch-ukrainischer Anatgonismus für ursächlich erklärt. Meines Wissens galt bislang immer die Zwangskollektivierung und Entkulakisierung als Ursache. Auch in anderen Teilen der SU sind zu dieser Zeit (Anfang der Dreißiger) Menschen deswegen verhungert.

RMH

6. Dezember 2022 08:07

"Auch in anderen Teilen der SU sind zu dieser Zeit (Anfang der Dreißiger) Menschen deswegen verhungert."

Diese Bewertung macht den Fall nicht besser ("Auch ..." ist immer der Beginn eines ganz schwachen Arguments) und blendet die ganz spezifischen Maßnahmen Stalins, welche die Ukraine betrafen und zusätzlich getroffen haben, schlicht aus. Völkermord ist aber in den Fällen bis Ende WK II eine nachträgliche Bewertung, da es diese Straftatbestände - nach meiner Kenntnis - zu den damaligen Zeiten, als es passierte, noch nicht gab. Die Vorgänge in der SU damals, aber auch die während des "großen Sprungs nach vorn" in China oder das, was in Kambodscha geschehen ist, zeigen deutlich, was die Irrlehre von Marx für Folgen hatte. Dieser Aspekt darf wegen der Festlegung auf einen Völkermord nicht unter den Tisch fallen.

Zum Artikel: Da kann man ausnahmsweise mal wirklich froh sein, kein Cineast und kein Filmkritiker zu sein. Alleine sich mehrere Filme dieser Art ansehen zu müssen, sollte das Honorar für derartige Rezensionen verdreifachen.

Adler und Drache

6. Dezember 2022 11:01

Lässt sich der Krieg zwischen Russland und der Ukraine mit dem Krieg zwischen Nord- und Südstaaten vergleichen?

 

@Arrow:

Zum ersten Mal hellhörig und skeptisch bezüglich des Holodomor wurde ich, als ich erfuhr, welche Rolle William Randolph Hearst bei seiner Präsentation spielte. 

Hier einer andere kritische Sicht (ich weiß: ich mag den Boten auch nicht, aber das sollte uns nicht hindern, zumindest mal seien Sicht der Dinge wahrzunehmen): „Holodomor“ – das Märchen vom „Völkermord Stalins“ in der Ukraine — MLPD

 

 

Volksdeutscher

6. Dezember 2022 13:06

@RMH

Die Privatisierungen und Zwangsenteignungen trafen die Menschen in der ganzen Sowjetunion hart, Verelendung und Hungertod waren keine Ausnahmeerscheinungen, die nur diese oder nur jene Volksgruppe betrafen. Was die Ukrainer betreiben, ist die gut bekannte Taktik der Betonung eines besonderen Opferstatus, der nicht zu belegen ist. Sie haben entdeckt, daß sie damit die Aufmerksamkeit auf sich lenken, Mitleid erheischen, finanzielle und materielle Forderungen verknüpfen können. Sie haben entdeckt, daß das sogar wirkt. Selenskijs Bettel- und Anklagetournee durch die Welt - und er ist kein ethnischer Ukrainer - kennen wir seit 1945 sattsam genug. Eine alte Masche. Das macht das Geschehene freilich nicht besser und sollte es auch nicht vergessen machen. Nur braucht man in solche zur emotionalen Erpressung aufgestellten Fallen nicht hineinzutappen. Ganz spezielle Maßnahmen? Nun ja, das behaupten immerhin die Ukrainer und den Opfern zu glauben, die sich niemals irren können, ist die unumgängliche Pflicht eines jeden anständigen Deutschen, der aus der Vergangenheit gelernt habe. Die Dummköpfe im Bundestag freilich entdecken mit über siebzig Jahre Verspätung plötzlich, daß der Holodomor ein Völkermord speziell an den Ukrainern gewesen sein soll. Hungertod in anderen Teilen der Sowjetunion war also schieres Vergnügen. Was hat jedoch der Bundestag damit zu tun? Woher nimmt der Bundestag die mangelnde Legitimation zur Herausgabe solcher überflüssigen Kommuniqués? Was hat Deutschland damit überhaupt zu tun?

MARCEL

6. Dezember 2022 14:15

Interessanter Blickwinkel und guter Überblick!

(hier läuft ja die Neubearbeitung von "Im Westen nichts Neues")

Irgendwie fühlt man sich in die Balkankriege der 90iger zurückversetzt. Blutgetränkter, mythisch bebilderter Haiducken-Gangsta-Krieg mit seinen Warlords à la Arkan, Yuka, Gotovina und wie sie damals alle hießen.

Nur diesmal mit Vollmontur, Sturmhaube, Lenkwaffen und einem atomaren Arsenal im Hintergrund.

Die Ukraine ist der letzte europäische Schauplatz der kommunistischen Erbfolgekriege.

Laurenz

6. Dezember 2022 14:29

@Volksdeutscher @RMH

Was hat Deutschland damit überhaupt zu tun?

Deutsche Kommunisten fuhren zu derselben Zeit auf die Krim Party machen, obwohl man nicht nur in der Sowjetunion hungerte, sondern auch im Reich. Man kann das alles, was die Sowjetunion angeht, bei Stéphane Courtois nachlesen. Es wurden in der Ukraine ganze Großstädte einfach auf den Acker deportiert, wo man die Städter einfach verhungern ließ. Man muß sich einfach etwas in den Zeitgeist hineinversetzen. Der Bürgerkrieg & der polnisch-sowjetische Krieg lagen erst 10 Jahre zurück & die Bolschewisten waren immer noch dabei, ganze Völkerschaften umzusiedeln.

RMH

6. Dezember 2022 14:29

@Volksdeutscher,

dann sollte bspw. Kasachstan, wo der Hunger gleichfalls schlimm wütete, auch einmal entsprechendes fordern. Die Erzählung in der Ukraine bestreitet nicht den damaligen Hunger in der SU, geht aber doch eher dahin, dass man bereits bestehenden Hunger ausnutzte, um insbesondere die damals aufmüpfigen Ukrainern zu kujonieren. Dazu soll bspw. u.a. die Grenze der Ukraine geschlossen worden sein, um Hungerflucht zu unterbinden, gleichzeitig wurde das Getreide aus der Ukraine ausgeführt und in anderen Landesteilen der SU billig verkauft, Bauern wurden mit Strafabgaben belegt etc. (btw.: wenn es Grenzschließungen gab, spricht dann doch viel dafür, dass man bereits damals die Ukraine als etwas Eigenständiges behandelt hat). Ich gebe das jetzt nur wieder, ob und was davon stimmt, darüber sollten Historiker entscheiden, die bekanntermaßen uneinig sind. Mein Punkt war aber erkennbar nicht der, dass ich behauptet hätte, der Holodomor hätte nur die Ukraine betroffen. Stalin hat damit aber unverkennbar einen Teil des nationalen Mythos der Ukraine ungewollt geschaffen, der es heute schwer macht, so zu tun, also ob die Ukraine in weiten Teilen nur eine Art Oberbayern von Russland wäre, welches man jetzt eben wieder nach Belieben sich einverleiben kann - und genau das macht die russische Propaganda ja offenbar.

Hajo Blaschke

6. Dezember 2022 15:08

Mit der Geschichtslüge über den Völkermord an den Ukrainern wird seit Jahren Schindluder betrieben. Der angeführte Linke bringt Klarheit in den tatsächlichen Ablauf dieser Hungerkatastophe:

https://www.anti-spiegel.ru/2022/war-der-holodomor-ein-genozid/

Auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat zu dem Thema schon 2008, also bevor das geschichtliche Thema Spielball der Tagespolitik geworden ist, eine 23-seitige Ausarbeitung geschrieben. Und das interessante ist, dass diese Ausarbeitung im Großen und Ganzen die russische Version der Geschichte stützt, nicht aber die ukrainische.

Hajo Blaschke

6. Dezember 2022 15:27

@ Volksdeutscher, Sie haben vollkommen recht. Deutschland hat mit den ganzen Problemen um die Ukraine nichts zu tun. Leider gibt es in Deutschland Vasallenpolitiker, die sich mit Freude oder aus Blödheit in diesen Konflikt hineinziehen lassen. Man muss davon ausgehen, dass diese Vasallenpolitiker Erfüllungsgehilfen des angeblichen "Freundes" auf der anderen Seite des Atlantiks sind.

Gustav

6. Dezember 2022 16:36

@ Volksdeutscher

Die ukrainische Bauernschaft war ohne Zweifel das Hauptopfer der Hungersnot von 1932/33. Diesem »Angriff« gingen bereits 1929 mehrere Offensiven gegen die ukrainische Intelligenzija voraus, der man »nationalistische Sonderwege« vorwarf. Ab 1932 richteten sich diese Angriffe auch gegen einen Teil der ukrainischen Kommunisten. Mit gutem Recht kann man mit Andrej Sacharow von »Stalins Ukrainophobie« sprechen. Gerechterweise ist jedoch daraufhin zuweisen, daß Kasachstan und die Kosakengebiete am Kuban und Don - wenn man die Größenverhältnisse berücksichtigt - genauso stark von der Hungersnot betroffen waren. In Kasachstan hatten die Zwangskollektivierung und die mit Gewalt durchgesetzte Seßhaftigkeit bereits 1930 bei den Nomaden zu katastrophalen Folgen geführt: innerhalb von zwei Jahren gingen 80% des Viehbestandes verloren. Ihres Besitzes enteignet und der Hungersnot ausgesetzt, wanderten zwei Millionen Kasachen aus, ungefähr eine halbe Million nach Zentralasien und etwa anderthalb Millionen nach China.

1933 verhungerten Millionen von Bauern, doch die Regierung setzte ihre Exportpolitik fort: Im gleichen Jahr wurden 18 Millionen Doppelzentner Weizen »für den Bedarf der Industrie« an das Ausland geliefert.

 Aus "Das Schwarzbuch des Kommunismus"

Niekisch

6. Dezember 2022 16:57

"Auch in anderen Teilen der SU sind zu dieser Zeit (Anfang der Dreißiger) Menschen deswegen verhungert." 

@ Arrow 00:04: Ich habe da einen Beleg: "Ich wunderte mich, wie die Gefängnisleitung ( des Sokolniker Gefängnisses ) es fertig brachte, ihre Gefangenen in einer so außergewöhnlichen Art zu verpflegen zu einer Zeit, da Tausende und Abertausende (!) in der Ukraine, an der Wolga und in den Steppengebieten des Nordkaukasus den Hungertod starben und sogar die Bevölkerung von Moskau Hunger litt" (Albrecht, Karl I., Der verratene Sozialismus, S. 531 )

"die ganz spezifischen Maßnahmen Stalins"

@ RMH 8:07: Urheber der Maßnahmen war der "Vorkämpfer der permanenten Revolution", Leo Trotzki ( Bronstein ) - Gegner jeder Bodenständigkeit -, der die Bolschewisierung der Bauern verlangte, die seit Einführung der NEP ( Neue Ökonomische Politik ) immer mehr erstarkt war und die Trotzki zwangskollektivieren wollte. Stalin schlug sich auf diese Seite gegen den "rechten" Flügel ( u.a. Klara Zetkin ), indem er den Agrar- und Gesundungsplan des deutschen Dr. Püschel auf den Kopf stellte, der eine moderne, wissenschaftlich begründete Bodenbewirtschaftung einführen wollte. Dessen Protektor Syrzow wurde 1937 in der Säuberung hingerichtet ( vgl. Albrecht, ebenda, S. 238 - 244 )

Gustav

6. Dezember 2022 16:58

@ RMH

"...wenn es Grenzschließungen gab..."

So waren Millionen von Bauern aus den reichsten Agrargebieten der Sowjetunion dem Hunger ausgesetzt und hatten keine andere Möglichkeit, als in die Städte zu ziehen. Deshalb führte die Regierung am 27. Dezember 1932 den Inlandspaß und die Zwangsregistrierung für alle Stadtbewohner ein. Die Absicht war, die Land- flucht zu begrenzen, »das soziale Schmarotzertum auszumerzen« und »die kulakische Unterwanderung der Städte zu bekämpfen. Das von Stalin und Molotow unterzeichnete Schreiben befahl den Lokalbehörden und insbesondere der GPU, »die Massenabwanderung der ukrainischen und nordkaukasischen Bauern in die Städte« zu verbieten.

In allen von der Hungersnot betroffenen Gebieten wurde der Verkauf von Bahnfahrkarten sofort eingestellt; von den Sondereinheiten der GPU errichtete Kontrollsperren sollten die Bauern daran hindern, ihre Distrikte zu ver- lassen.

Aus "Das Schwarzbuch des Kommunismus"

Sandstein

6. Dezember 2022 17:01

Danke an ML, dass er sich das antut. So kann dieser Kelch an mir vorübergehen. Hihi.

@RMH 

"btw.: wenn es Grenzschließungen gab, spricht dann doch viel dafür, dass man bereits damals die Ukraine als etwas Eigenständiges behandelt hat)."

Es war Lenin, der die staatliche Frage der Ukraine gelöst hat und einen gewissen Autonomiestatus gewährte. Passt aber nicht ganz in die Erzählung von der Unterdrückung der Ukraine durch die Russen. Darf man Sie fragen (und eine Antwort erhalten), weshalb Sie so Ukraine-freundlich eingestellt sind? Hat das eine bestimmte Ursache?

Niekisch

6. Dezember 2022 17:28

"Was hat Deutschland damit überhaupt zu tun?"

@ Volksdeutscher 13:06: Die Geschichte unseres Volkes ist doch von Anfang an seit der Fahrt von Lenin &Genossen durch das Deutsche Reich nach Rußland vom Bolschewismus berührt, insbesondere auch die deutschen Siedler in Rußland: Schon vor dem sog. Holodomor hat z.B. Be´la Kun ( Kohn ) nach Ausrufung der "Autonomen Sowjetrepublik Krim" dort gewütet und gemordet. Im Rahmen der späteren Zwangskollektivierung wurde das deutsche Siedlungswesen zerstört, Zehntausende von Krimbauern wurden bis nach Sibirien vertrieben mit den allseits bekannten Folgen. Stattdessen wurde dort eine B´la Kun verwandte Völkerschaft angesiedelt ( vgl. auch zu den furchtbaren Bildern der Hungersnöte Marjay, Dr. Friedrich, Europa oder Chaos, Ein Ungar über den Bolschewismus, S. 142 )

"Es wurden in der Ukraine ganze Großstädte einfach auf den Acker deportiert, wo man die Städter einfach verhungern ließ."

@ Laurenz 14:29: Welche Stadtbevölkerungen sind das gewesen, wann war das und wo verblieben diese Menschnmassen, dem Hungertod preisgegeben?

Ich kenn nur den umgekehrten Fall der sog. Besprisorniki, aufgrund der Kollektivierung und "Banditenbekämpfung" heimatloser Landkinder, die in den Städten zu Gruppen organisiert dahinvegetierten, besonders auch in Moskau.

Hajo Blaschke

6. Dezember 2022 18:31

@ Gustav, anstelle dieses Propagandapamphlets "Schwarzbuch des Kommunismus" sollten Sie sich lieber die von mir angeführten Links zu Gemüte ziehen.

Was Kasachstan betrifft: dort war die Hungersnot in diesen Jahren riesengroß. Zu dieser Zeit betrieb in Kasachstan eine Minderheit Ackerbau, Ackerbau in großem Stil gab es dort erst nach 1956. Die Kasachen lebten in einer Nomadenwirtschaft und litten deshalb ebenso an Getreidemangel, weil ihnen kein Getreide zugeführt werden konnte und sie selbst nichts anbauten. Die Verluste an der Bevölkerung waren prozentual viel höher als in der Ukraine. Warum hat der Bundestag das nicht schon längst als Genozid anerkannt?

RMH

6. Dezember 2022 21:21

"Darf man Sie fragen (und eine Antwort erhalten), weshalb Sie so Ukraine-freundlich eingestellt sind? Hat das eine bestimmte Ursache?"

@Sandstein,

ich halte mich für nicht Ukraine-freundlich und habe bis zum Großangriff auf die Ukraine immer auf der Linie gestanden, dass Deutschland mit Russland ein gutes Auskommen und enge Beziehungen haben muss (eine, wie sich heraus gestellt hat, doch klar zu einseitige und unerwiderte Sympathie). Aber wenn ein Pendel aus meiner subjektiven Sicht zu einseitig ausschlägt, argumentiere ich zum Ausgleich gerne für die andere Seite. Meiner Meinung nach schlägt das Pendel in den Diskussionen in der letzten Zeit für eine deutsch-patriotische Ausrichtung auf diesen Seiten zu sehr in Richtung Pro-Russland, zu sehr anti-amerikanisch aus und zu sehr pro-sozialistisch und pro-etatistisch aus. Als bspw. pi noch ernsthaft pro-amerikanisch war (was realiter eher pro necon war, aber eben nicht ernsthaft pro amerikanisch), habe ich dort auch gerne mal die Gegenargumente gebracht (bin dort schon sehr lange nicht mehr in den Debatten aktiv). Das ist jetzt nicht abschließend. Aber wenn man sich immer überall nur einig ist, bringt das nicht voran.

Laurenz

6. Dezember 2022 22:39

@Niekisch

Welche Stadtbevölkerungen sind das gewesen, wann war das und wo verblieben diese Menschenmassen, dem Hungertod preisgegeben?

Ich besitze das Schwarzbuch des Kommunismus in der 1. Deutschen Auflage. Hier verspreche ich Ihnen gar nichts. Das können Sie Selbst nachlesen. Wenn Sie das Buch nicht besitzen, kann ich es Ihnen gerne schicken.

 

Gustav

7. Dezember 2022 09:16

@ Hajo Blaschke

Es macht doch keinen Sinn, die damaligen "Eliten" in Schutz zu nehmen. Die Russen hatten darunter doch genau so zu leiden. Die gleichen Kräfte waren damals wie heute auch in den USA aktiv. Es sind weder die Russen noch die Amerikaner, die das ganze Elend verursachen, sondern immer wieder das gleiche Gesocks. Die Ukrainer haben seit einigen Jahren die selbe Pest an den Hacken, um die sich jetzt die Russen kümmern. Leidtragende sind immer die Völker, die sich deshalb den immergleichen Manipulationen entziehen müßen. Das sollten auch wir beide berücksichtigen. Besinnliche Vorweihnachtszeit!

Sandstein

7. Dezember 2022 09:26

@RMH 

Gut, das kann ich nachvollziehen, ich nehme auch gerne die Antiposition ein, ist wohl auch eine Charakterfrage. Kann der Argumentation aber nicht ganz folgen, schließlich ist die vermeintlich prorussische Fraktion hier im Forum in Bezug auf die öffentliche Meinung in Deutschland nur ein Sturm im Wasserglas.

Danke für die Antwort!  
 

Niekisch

7. Dezember 2022 11:14

"Ich besitze das Schwarzbuch des Kommunismus in der 1. Deutschen Auflage. Hier verspreche ich Ihnen gar nichts. Das können Sie Selbst nachlesen. Wenn Sie das Buch nicht besitzen, kann ich es Ihnen gerne schicken."

Wer behauptet, der belegt. So ist das nun einmal im historiographischen Diskurs. 

In der Piper -Ausgabe steht von der Evakuierung von Großstädten zum Zwecke des Verhungernlassens in den einschlägigen Kapiteln 7 und 8, S. 165-178 rein garnichts. Es war auch nicht zu erwarten. Denn gerade in den Großstädten waren die Bevölkerungen ansässig, die zum Zwecke der von Stalin präferierten Industrialisierung notwendig waren. Dort war die Versorgung besser als auf dem Lande, so daß die die vom Land in die Städte geflüchtete bäuerliche Bevölkerung auf den Bürgersteigen in Charkow ( Charkiv ) z.B dem Hungertod entgegendämmerte. in den Parks wurden Verbotsschilder aufgehängt, dort Tote illegal zu beerdigen. (vgl. Marjay aaO, Bildteil zwischen S. 64 u.65 )

Für alle, die meinen, der "Holodomor" habe mit Deutschland nichts zu tun: die wolgadeutschen Siedler am Unterlauf der Wolga waren am stärksten von der Hungersnot betroffen: Holodomor: Geschichte und Bedeutung der großen Hungersnot (ukraineverstehen.de) -2. Absatz. 

Hajo Blaschke

7. Dezember 2022 12:01

@ Gustav, sorry, da haben Sie mich wohl missverstanden. Ich nehme keine Eliten in Schutz, weder die damaligen noch die heutigen. Das Schwarzbuch wurde von einem "Historiker" Courtois verfasst, wobei er ein Buch der antideutschen Extremrassisten Ilja Ehrenburg und Jasja Grossman als Vorlage bhenutzte. Ich schließe mich auch Ihrer Ansicht an, dass es auch keine ethnischen Russen waren, die diese Grausamkeiten verursacht haben, zumindest nicht als Führungspersonage.

Ich befürchte nur, dass beweisfreie Behauptungen von Opferzahlen auch in diesem Schwarzbuch völlig übertrieben sind. Nimmt man nur Russland/Sowjetrussland. Dort lebten 1916 etwa 180 Millionen Einwohner. Davon starben im 1. Weltkrieg etwa 10 Millionen, im Bürgerkrieg 20 Millionen, im Holodomor angeblich 15 Millionen (einschl. 11 Millionen in der Ukraine), 60 Millionen im Stalinterror 1937/38 und 27 Millionen im 2. Weltkrieg. Das müssen immense Fortpflanzungsprogramme gewesen sein, wenn nach 1947 wieder 180 bis 200 Millionen Einwohner in Sowjetrussland lebten.

Diese Zahlenspielereien sind wie die Meldungen von der Schlacht am Peipussee 1242, bei der die heroischen russischen Heere 2000 deutsche Ordensritter auf dem See vernichteten, wovon bis heute jegliche Spuren fehlen.

RMH

7. Dezember 2022 13:21

"...schließlich ist die .. prorussische Fraktion hier im Forum in Bezug auf die öffentliche Meinung in Deutschland nur ein Sturm im Wasserglas."

Teil 1 @Sandstein,

man darf doch die Einseitigkeit der öffentl. Meinung bei einer politisch alternativ- denkenden Szene nicht einfach in eigener Einseitigkeit spiegeln. Was aus meiner Sicht geschieht, ist ein viel zu weit gehendes Verständnis für das russische Handeln, welches quasi alle Folgen für Deutschland und vor allem auch die deutsche-patriotische, alternative Szene mit entschuldigt. Ich spreche hier nicht von den Energiekosten, ich habe da eher im Sinn, dass alles zarten Bande zu Russland zerstört wurden, Deutschland in der russischen Propaganda unterschiedslos als Feindland gesehen wird, wo man sich auch überlegen kann, ob man nicht ein Bömbchen auf Berlin werfen kann und welches - und das ist das schlimmste - man nach Belieben mit Flüchtlingen, mal aus Syrien, mal aus der Ukraine, mal sonst wo her, zufluten kann. Russland operiert, als ob es kein morgen gäbe aber selbst die in Bündnis- und EU-Verpflichtungen hängende Administration Scholz winkt doch recht offen mit dem Scheunentor, dass es auch wieder einen Weg zurück mit Russland gibt.

RMH

7. Dezember 2022 13:23

@Sandstein, Teil 2

Ich könnte noch mehr zum obigen schreiben, aber grundsätzlich sehe ich einen immensen Schaden für die AfD und für alle anderen Oppositionellen in Deutschland, verursacht durch Russland (und nicht durch die Dauerprovozierende Ukraine mit den USA im Hintergrund). Und das lässt man gerade hier in den Diskussionen mit zu viel Verständnis durchgehen. Der Angriff auf die Ukraine war mitnichten alternativlos, aber zu viele Stimmen in den Chor der russischen Propaganda ein. Das ganze geschieht dabei so offensichtlich, dass in mir der Widerspruch sich deutlich regt. Ich bin seit den REP immer irgendwie an der "Szene" dran, aber solch ein politisches Harakiri, so ein Lemminge-Verhalten, wie die rechte Szene in Bezug auf Russland zeigt, hätte ich nicht für möglich gehalten. Nibelungentreue gibt es nur zu Deutschland - und sonst zu KEINEM anderen Land.

Werner42

7. Dezember 2022 13:37

Egal wie man es dreht und wendet, das zentrale Sowjetimperium hat einen  Krieg gegen die eigene Bevölkerung geführt, aber vor allem gegen die im Verdacht der Abtrünnigkeit stehenden Volksgruppen  mit vielen Millionen Toten. Und das hinter den wohlfeilen kommunistischen Parolen ein nach wie vor imperialer Staatsgedanke stand (und steht) kann man doch gar nicht verdrängen. Und das sich Putins Rußland als legitimer Nachfolger der Sowjetunion sieht ( in Zielen,  Methoden und Werken) und  alles auf den Stand von 1988 wieder zurückdrehen möchte, ist doch ebenfalls vollkommen klar weil von Putin ohne jede Hemmung glasklar so formuliert. Und was mich hier am meisten verwundert,  ist, das es hier Leute gibt, die tatsächlich die Haltung von Putins Rußland für irgendwie unterstützenswert und nachvollziehbar halten und überhaupt nicht nachvollziehen können, dass es nicht unbedingt  ein Vergnügen ist unter russischer Herrschaft zu stehen. Damit werden im Grunde die perversen Taten russischer Soldaten in Deutschland, die Vergewaltigungen unserer Frauen, die vollkommene Willkür gegenüber unseren deutschen Kriegsgefangenen (Millionen sind da in Rußland verreckt!) legitimiert. Wer so denkt,  dem kann ich eine glaubhafte rechte Gesinnung eigentlich nicht zusprechen.

Niekisch

7. Dezember 2022 19:09

Der Kommentar v. 11:14 war an Laurenz gerichtet. Das Unterlassen bitte ich zu entschuldigen.

"das zentrale Sowjetimperium hat einen  Krieg gegen die eigene Bevölkerung geführt, aber vor allem gegen die im Verdacht der Abtrünnigkeit stehenden Volksgruppen  mit vielen Millionen Toten."

@ Werner42 13:37: Mein geistiger Mentor Ernst Niekisch war 1931 in der Sowjetunion und hat klarsichtig ansatzweise in seinen Betrachtungen zu Rußland (1932 ) den "Holodomor" prognostiziert: "Kenner der russischen Verhältnisse fürchten für die Lebensmittelversorgung des Landes im kommenden Winter das Schlimmste" Auch das Kernproblem hat er völlig richtig analysiert: "Der Arbeiterstaat Rußland hat einen klaffenden Riß in seinen Fundamenten: den russischen Bauern. Schlechthin die Existenz des russ. Bauern steht im Widerspruch zum Dasein des Arbeiterstaates. Der russ. Arbeiterstaat sieht die Unverträglichkeit und ist willens, ihr mit Härte und Konsequenz ein Ende zu bereiten....Der Bauer muß Arbeiter werden; das ist die Lösung. Die Technisierung der Landwirtschaft ist das Mittel. Die Landwirtschaft ist als industrieller Betrieb zu organisieren: das wird das Bewußtsein der Bauern verändern. ..Die russische Bildstatistik nahm dem Bauerntyp bereits die hohe Lammfellmütze und ersetzte sie durch die Proletenkappe.

weiter II.

Niekisch

7. Dezember 2022 19:19

II. 

"Jeder Kompromiß wäre für den Arbeiterstaat tödlich...Dem Volksbewewußtsein wurde eingehämmert, daß eben dieser Kulak Landesfeind,Volksverräter, Volksverderber sei. So wird der Bauer bewußtseinsmäßig liquidiert; man kann mit gutem Gewissen garnicht mehr Bauer sein wollen...Der Geist der Technik und des Industrialismus unterwirft sich 140 Millionen Bauern und macht sie zu Genossen der Arbeiter...Die Arbeit am organischen Stoffe wird der Arbeit an der anorganischen, an der toten Materie gleichgestellt. In der Fabrik läßt sich das elektrische Licht, die elektrische Kraft durch den sachgemäßen Griff am Hebel einschalten; die Sonne hingegen scheint, wenn sie will...eben dieser Unterschied soll keine Beachtung mehr finden..."

Geschrieben vor 90 Jahren und dennoch auch für uns von einer gewissen Aktualität.

RMH

7. Dezember 2022 20:38

@niekisch,

danke für die Zitate von Niekisch. Wenn man bedenkt, dass der Marxismus eigentlich davon ausging, dass die Revolution durch das Industrieproletariat vorgetragen werden wird, war es schon eine echte Abweichung von der Norm für die Marxisten, dass ausgerechnet im stark bäuerlich geprägten Russland dann die erste Revolution stattfand (genau genommen waren es ja mindestens 2). Und was nicht in die reine Lehre der Marxisten passt, wird mit allen Mitteln passend gemacht. Aus einem Agrar-Land wird eine Industrienation, aus China mit dem großen Sprung nach vorne werden aus den dortigen Bauern endlich die Heiligen des Marxismus, Werktätige und Proletarier. Tote sind dabei kein Hemnis sondern Ausdruck des Fortschritts. Die übrig bleibenden kleinen Bauern werden kollektiviert, damit sie auch zu Proletariern werden. Wie ich oben in meinem ersten Beitrag schon geschrieben habe, darf man Marx und seine Epigonen nicht aus der Verantwortung dafür lassen.

Volksdeutscher

7. Dezember 2022 23:38

@Laurenz - "Deutsche Kommunisten fuhren zu derselben Zeit auf die Krim Party machen..."

Deutschland hat mit diesen "deutschen" Kommunisten und ihrem Tun und Treiben nichts zu tun. Wir haben auch mit dem Tun und Treiben der Nationalsozialisten nichts zu tun. Wir tragen keine Schuld weder für ihre wahren noch ihre vermeintlichen Taten. Ich meinerseits weise jegliche moralische Verantwortung dafür und alles zurück, was daraus für andere an Bösem erwachsen war. Wie lange noch wollen wir uns mit irgendwelchen Geschichten erpressen lassen? Wie lange noch wollen wir kommende Generationen von Deutschen zu Schuldknechten machen, weil andere entdeckt haben, daß es ausreicht und wie einfach es ist, Deutschen ein schlechtes Gewissen zu machen und schon lassen diese Milliarden fließen, so daß der Lebensunterhalt nicht nur der unmittelbar Betroffenen, sondern auch der zweiten, dritten, vierten, fünften Generation, und womöglich aller nachkommenden Generationen bis in alle Ewigkeit gesichert ist? Es begann 1945 mit der Knechtung unseres Geistes und der Vergiftung unserer Seele. Die typischen Mißgeburten, die daraus hervorgingen, sind der seine Karriere auf Schuldbekenntnissen aufbauender Politiker, Intellektueller, Künstler, der mit Plüschtieren bewaffnete Idiot und der linke Selbsthasser. Diese perversen Auswüchse gäbe es ohne die seit 1945 ununterbrochen fortgeführten Schuld- und Sühneorgien nicht. Deutschland hat nichts mit alledem zu tun, weil WIR heute Deutschland sind!

Volksdeutscher

8. Dezember 2022 00:04

@Niekisch - "Schon vor dem sog. Holodomor hat z.B. Béla Kun ( Kohn ) nach Ausrufung der "Autonomen Sowjetrepublik Krim" dort gewütet und gemordet."

Das ist richtig. Aber wie ich schon @Laurenz geantwortet habe, erwächst daraus für uns weder eine Schuld, noch eine Verantwortung noch sonst irgendeine Verpflichtung. Wenn ich geschrieben habe, daß Deutschland mit alledem nichts zu tun hätte, verstehen Sie bitte so, daß das aufgeplusterte Gehabe des Bundestages nur dem einen Zwecke dient, durch die Herstellung eines falschen Kontextes das deutsche Volk gegen Russland aufzuwiegeln und Waffenlieferungen an die Ukraine zu rechtfertigen. Angesichts der Tatsache, daß der in der Sowjetunion ereignete Holodomor allzu gut bekannt ist, wirft sich die Frage auf, warum der Bundestag die Geschichte gerade jetzt auf Betreiben von ukrainischen Aktivisten für sich entdeckt und zu welchem Zwecke er sie benutzt. Sollen jetzt weitere Generationen von Deutschen, nachdem sie sich "erfolgreich" mit dem Holokaust identifizierten, nun auch noch mit dem Holodomor identifizieren, nur weil da irgendwelche "deutsche" Kommunisten sich herumgetrieben haben? Was meinen Sie, wie lange wird es diesmal brauchen, bis sich irgendwelche unverschämten Ukrainer melden und Zahlungsforderungen an die deutsche Nation zwecks Wiedergutmachung stellen?

Sandstein

8. Dezember 2022 10:10

@RMH 

Sie haben Recht mit Ihrer Beobachtung, dass eine Position, die Verständnis für Russland beinhaltet der Opposition schadet. Der Logik zu Folge müsste man ja aber stets und ständig ins selbe Horn wie die Transatlantiker blasen, und nicht mal dann ist gesichert, dass die Opposition an Rückhalt in Deutschland gewinnt. 
Die Flüchtlingsströme und der Zustand des nahen und mittleren Ostens sind ja wohl nachweislich ein Produkt der amerikanischen Interventionen der letzten Jahrzehnte (sic), dies den Russen anzulasten halte ich für unredlich. 
Und grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass uns die Russen weit weniger schaden wollen, als die Amerikaner. Da muss man nicht erst bei Northstream beginnen. Die uns von der amerikanischen Besatzung eingebrockten Probleme sind weitaus vielfältiger und nachhaltiger. Wer hier von Verbündeten redet lügt sich was in die Tasche - wir sind ein Vasallenstaat und werden auch als solcher behandelt. Ich werd nie verstehen, wieso Westdeutsche die Amis so anhimmeln, das ist übrigens auch eine sehr einseitige Liebe und erinnert eher ans Stockholmsyndrom. 
Aber wir schweifen ab.. :) 

Adler und Drache

8. Dezember 2022 10:54

@ Volksdeutscher:

Wir tragen keine Schuld weder für ihre wahren noch ihre vermeintlichen Taten. Ich meinerseits weise jegliche moralische Verantwortung dafür und alles zurück, was daraus für andere an Bösem erwachsen war.

Bekanntes Argument: keine Kollektivschuld! - Mich irritiert diese liberalistische, individualistische Sicht vor allem bei Leuten, die sonst das Hohelied des Volkes als Organismus, große Einheit, die über dem Einzelnen steht usw. singen.

Immer, wie`s am besten passt halt - nicht anders, als anderswo auch. 

Musste mal gesagt werden. 

RMH

8. Dezember 2022 11:34

"dies den Russen anzulasten halte ich für unredlich." 

@Sandstein, RU davon völlig frei zu sprechen, ist ebenfalls unredlich. Die sog. Großen treiben ihre Spielchen ohne Rücksicht auf andere. RU ist da nicht anders, als USA oder China. Deshalb gibt es dafür auch keinen Bonus. Die einen versuchen einen Regime-Change mit allen möglichen Mitteln, halb verdeckt, halb offen herbeizuführen, die anderen marschieren schlicht in ein Land ein, weil sie entweder nicht die Regime-Change-Power haben oder mehr wollen, als einen neuen Vasallen. Entschuldigung, aber wer unter diesen Großen dann meint, einer sei besser oder für D. geeigneter etc. - oder, der Gipfel des Schönredens - Kulturell verwandt oder mit dem Argument kommt, die USA habe schon immer den Schulterschluss D. RU verhindern wollen (in Wahrheit, dass D. dann eben sich RU  unterordnet, denn RU will keine Partner auf Augenhöhe), der hat den Schuss nicht gehört. Eine unabhängige Position Ds hat aus Prinzip gegen diese Spielchen zu sein, die zu Millionen von Toten geführt haben und führen. Das man realpolitisch derzeit bei den USA festhängt, hat auch damit zu tun, dass die EU nicht so sich entwickelt hat, wie sie am Anfang gedacht wurde. Das man jetzt noch fester als je zu vor daran klebt, hat seine Ursache im Einmarsch RU in die Ukr. Dass die Ukr. bald EU-Mitglied werden wird, auch das geht auf die Kappe RU. Die negativen Folgen für D. lassen sich fortsetzen - und da soll man dann carte blanche für RU geben?

Niekisch

8. Dezember 2022 11:51

Wir sind etwas unfair gegenüber ML, weil wir uns nicht mit den "In die Stirn Schießern" beschäftigen. Es sei uns nachgesehen...

"Wenn man bedenkt, dass der Marxismus eigentlich davon ausging, dass die Revolution durch das Industrieproletariat vorgetragen werden wird, war es schon eine echte Abweichung von der Norm für die Marxisten, dass ausgerechnet im stark bäuerlich geprägten Russland dann die erste Revolution stattfand (genau genommen waren es ja mindestens 2)."

@ RMH 10:10: Die Umwälzung in Rußland ist ja auch keine genuin marxistisch- Russische gewesen, sondern wie die versuchte heutige in erster Linie eine antiautokratisch- witrschaftsimperialistisch - jüdisch-emanzipatorische Revolte, die "dank" Stalin in einen russisch-staatssozialistischen Weg umschlug und somit den Initiatoren bis auf einen kurzen Zeitraum in den 50iger Jahren entglitt. 

Es begann am 15.2.1911, als der US-amerikanische Präsident Taft sich weigerte, auf ....Druck hin den aus dem Jahre 1832 datierenden Handelsvertrag mit dem zaristsichen Rußland zu kündigen und Hakob Schiff es sich im Weißen Haus leisten konnte, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die Hand zum Gruß zu verweigern. 

weiter II.

 

 

heinrichbrueck

8. Dezember 2022 11:55

"Ich werd nie verstehen, wieso Westdeutsche die Amis so anhimmeln ..."
Westdeutsche wurden demokratisch erzogen. Als Demokraten haben sie den Krieg gewonnen. Als Deutsche sind sie die Bezahler. Dieser Sieg läßt sich bezahlen. 
Wer hat den Krieg gewonnen? 
"Es ist schwierig zu lügen, wenn man einen Roman schreibt." (John Williams) In der Politik sieht es anders aus. 
Eine gute Lüge ist leichter zu glauben als die Wahrheit? Groteske Lügen werden leichter geglaubt als gute Lügen, sodaß die Lügner nicht einmal allzu viel Intelligenz brauchen, Dreistigkeit reicht vollkommen aus. Die Begründungen für diesen Krieg sind auf beiden Seiten grotesk.
Dem weißen Mann fehlt eine Gruppenstrategie. Ein gemeinsamer Wissensstand wäre auch vonnöten. Die Europäer können dazu gebracht werden, sich gegenseitig umzubringen. Kein Zusammenhalt der europäischen Völker; stattdessen Einwanderung und Haß den eigenen Leuten gegenüber, letztendlich eine unlogische Zielsetzung. Wann versteht man die Wahrheit des Überlebens in dieser Welt? Es liegt doch nicht im europäischen Interesse, einen Bürgerkrieg zu haben.
Was ist eine Opposition? Wie bei Religionsfreiheit, Minderheitenschutz, Demokratie als Volksherrschaft übersetzt, alles wohlfeil in die jeweiligen Vorstellungswelten eingebaut, scheint die Logik keine Rolle zu spielen. 

Niekisch

8. Dezember 2022 12:03

II.

Seitdem folgt eine lange Geschichte des Vernichtungswillens gegenüber dem "autokratischen" ( ! siehe auch heute, Niekisch ) Rußland, der zum Scheitern Kerenskijs führte, dann zum Scheitern Trotzkis und dessen Ermordung sowie der Machtergreifung Stalins. Dieser Ablauf sollte einmal erörtert werden. Sodann dürfte sich herausstellen, daß die Fronten auch in diesem Forum anders verlaufen als es scheint. Die Antagonismen haben sich dann in einigen Segmenten wieder auf.

Es erweist sich schon jetzt, daß Rußland sein Imperium im Bedarsfall gewaltsam arrondiert, der anti"autokratisch"-plutokratische "Westen" dieses Gelände auflösen, "demokratisieren", in sein Ausplünderungssystem eingliedern und zugleich gegen den Superkonkurrenten China als "Flugzeumutterschiff" installieren möchte. 

"erwächst daraus für uns weder eine Schuld, noch eine Verantwortung noch sonst irgendeine Verpflichtung."

@ Volksdeutscher 00:04: Wieso denn auch? Be´la Kun ( Kohn ) war ungarischer Staatsbürger und war von Ungarn aus als jüdischer Kommunist "tätig". 

 

Hajo Blaschke

8. Dezember 2022 12:22

Mir gefallen vor allem die Statements von @RMH zur Geschichte und zum Verhalten Sowjetrusslands/Russlands. Vor allem, weil diese Statements derart frei von Argumenten und Kenntnissen über die Thematik sind, bei denen RMH ständig im Brustton der Überzeugung auftritt.

Ich gebe @Volksdeutscher in vielem recht, vor allem jedoch in seiner Meinung, dass der Konflikt in der Ukraine weder Deutschland noch die Opposition etwas angeht. Deutschland lässt sich als Vasall des transatlantischen Hegemons dort hineinziehen und richtet sich dadurch mit wehenden Fahnen zugrunde.

Volksdeutscher

8. Dezember 2022 12:45

@Adler und Drache

Na, dann bleibt nichts anderes für Sie übrig, als Schuld und Scham eines jeden Individuums vererbungstechnisch Gen für Gen nachzuzeichnen und mit der Größe des Kollektivs zu multiplizieren. Guten Appetit! Ginge es nach Ihnen, hätten Deutsche nichts anderes zu tun, als sich von Früh bis Spät stündlich in die Brust zu werfen und sich in Akkord zu schämen. Oder hätte ich Sie falsch verstanden?

Gustav

8. Dezember 2022 14:18

@ Adler und Drache

Wenn Sie Erbschuld und Kollektivschuld verwechseln, kann Ihr Adler nicht fliegen und Ihr Drache leidet unter Plattfüßen.

Mußte mal gesagt werden...

Hajo Blaschke

8. Dezember 2022 14:23
  • @ Niekisch Kerenski ist keineswegs gescheitert. Womit auch? Der richtigerweise von Ihnen erwähnte Jacob Schiff als Großbanker hat schon 1905 versucht, den russischen Staat zu zerstören. Er hat Japan instrumentalisiert und finanziert, um den Zwischenfall Port Arthur zu organisieren und mit einer "Revolution" im Februar 1905 einen Putsch zu erzielen.

Kerenski war (wie übrigens auch Lenin) Einflussagent der Briten, um dann mit der zweiten und dritten "Revolution" 1917 das Werk Schiffs und dessen Apologeten zu vollenden. Kerenski war in den entscheidenden Tagen sowohl Ministerpräsident als auch aktiv in den Arbeiter- und Soldatenräten. Er hat nachmittags in den Räten das boykottiert, was er frühmorgens als Ministerpräsident administriert hat. Er hat dafür gesorgt, dass der Zar abdanken musste und dass Trotzki sein Werk der Vernichtung des Zarenreiches vollenden konnte. Lenin war nur der Quatschkopf der Putschisten.

FraAimerich

8. Dezember 2022 14:34

@Adler und Drache

Die "Kollektivschuld" für die deutsche Daseinsverfehlung und die Entscheidungen der politischen Führung tragen wir doch seit Generationen ab. Nur ist das "juristisch" nicht zu fassen. Dafür müßte man sich vielmehr auf die Ebene begeben, die Barkhoff/Sommerfeld in "Volkstod/Volksauferstehung" andeuten.

Auf der politischen Ebene wiederum ist Selbstverteidigung erlaubt und geboten. Man sollte allerdings darauf achten, dabei möglichst nicht neue Schuldkonten zu füllen. Gleichwohl scheint es mir keine Schuld zu geben, die mit dem Tod, der Selbstauflösung oder dem - "kollektiven" - Ausscheiden aus der Geschichte nicht getilgt wäre. Dieser Hoffnung gibt sich - bewußt oder unbewußt - offenbar auch ein Großteil unseres Volkes hin, das spürbar nicht mehr leben will.

@RMH

Die Maßstäbe, die Sie zur Beurteilung der russischen Außenpolitik anlegen, erscheinen mir unrealistisch. Da mir hier immer noch keine unkritischen Putinisten aufgefallen sind, läßt sich das m.E. auch nicht dadurch erklären, daß Sie irgendwem "entgegenwirken", irgendetwas "ausgleichen" zu müssen glauben. Es sei denn es geht Ihnen wirklich nur darum, "argumentativ" zum Schutz dessen beizutragen, was es nun einmal zu brechen gilt - und wozu die hiesige Opposition leider ohnehin  kaum beitragen kann und wird.

@Niekisch

Erfreulich, daß Sie sich hier weiter zu Wort melden!

Niekisch

8. Dezember 2022 15:29

Kerenski ist keineswegs gescheitert. Womit auch?

@ Hajo Blaschke 14:23: 8 Monate Regierungszeit sind kein Erfolg, wenn bedacht wird, daß der Rußland dem großen Kapital öffen sollte, der Freimaurerei in Rußland festen Boden geben sollte ( der Franzose Bouley war vorausgeschickt ) und seine Absichten dann durch die bolschewistische Revolte überrollt wurden.  

"Japan instrumentalisiert"

Das hat auch Theodore Roosevelt getan, als er 1905 in Portsmouth - Friedensverhandlungen Japan - Rußland - mit Schiff im Rücken und dem US-Gesandten Strauss - beide Mitglied der Tammany-Gesellschaft - in Rom den russischen Gesandten Witte mehr oder weniger zwang, Zusicherungen zur Lage der Juden in Rußland abzugeben, wofür Roosevelt den Friedensnobelpreis erhielt, weniger für sein Vermitteln.

"Er hat dafür gesorgt, dass der Zar abdanken musste."

Meines Wissens war es Prinz Lwow  -vgl. Maler, Juan, Die grosse Rebellion, S.465 - Notfalls müssen wir den Dissens  auflösen.

"Lenin war nur der Quatschkopf der Putschisten." 

Auch hier kann Klärungsbedarf bestehen. 

Zu den Hintermännern des Spiels um das zaristische Rußlands, das übrigens schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts einem US - amerikanischen Boykott unterzogen wurde, zählen auch so interessante Personen wie Dr. Parvus Helphand - Parvus - und Bethmann-Hollweg. 

Die "Arbeit" dieser Einflußpersonen reicht bis in den heutigen Rußland - Ukraine-konflikt.

Volksdeutscher

8. Dezember 2022 15:36

@Niekisch

Béla Kun (Kohn) war in der Tat ungarischer Staatsbürger. Die Erwähnung deutscher Kommunisten auf der Krim meinerseits erfolgte als Rekurs auf Laurenz´ Hinweis.

RMH

8. Dezember 2022 15:39

"Da mir hier immer noch keine unkritischen Putinisten aufgefallen sind,"

@FraAimerich,

richtig, Putin-kritisch sind hier wohl alle, manchem ist er offenbar zu lasch ...

Volksdeutscher

8. Dezember 2022 15:56

Resümierend möchte ich behaupten, daß man Unrecht, gleich ob auf russischer Seite gegen Ukrainer, Deutsche, Polen oder Ungarn oder auf ukrainischer Seite gegen Russen, Polen oder Ungarn erfolgten und noch erfolgen werden, gerechterweise nicht unter den Tisch kehren sollte, ganz in dem Sinne wie @RMH oben es für sich bestimmt hat. Es gibt keine gerechtfertigte und zu rechtfertigende Gewalt gegen Unschuldige, unabhängig von ihren ethnischen oder politischen Herkunft. Diese Binsenwahrheit, wenn ich @Hajo Blaschke richtig verstanden habe, entbindet uns jedoch nicht davon, das große Ziel weiter zu verfolgen, d.i. eine Annäherung und einen Ausgleich zwischen Deutschland und Russland herzustellen. Der politische und wirtschaftliche Abbau Deutschlands und der gleichzeitige politische und wirtschaftliche Aufbau Polens als Keil zwischen Deutschland und Russland dient gerade dem Zweck, diese Annäherung zu vereiteln und die amerikanische Herrschaft über Deutschland und Europa zu manifestieren. Solange wir nicht aus eigener Kraft über uns bestimmen, können wir immerhin bestimmen, diejenige Macht moralisch zu unterstützen, die nicht unsere ethnische Identität, unsere Kultur und Wirtschaft zerstören und unsere Kinder nicht zu geschlechtslosen Amöben heranzüchten will.

RMH

8. Dezember 2022 16:27

entbindet uns jedoch nicht davon, das große Ziel weiter zu verfolgen, d.i. eine Annäherung und einen Ausgleich zwischen Deutschland und Russland herzustellen.

@Volksdeutscher,

dazu gehören immer 2. So wie ich die russische Politik - als Nichtwissender gem. H.B. - wahrnehme, hat Russland keinerlei Interesse daran und, wie ich oben schon angedeutet habe, insbesondere auch kein Interesse daran, dass sich an der Westbindung Deutschlands und auch der EU jemals etwas groß ändert, sonst würde es anders handeln. Wichtiger für Russland ist, sich möglichst viel Ukraine einzuverleiben, den Rest kaputt zu bomben, koste es, was es wolle. Und wenn Millionen nach Europa flüchten (einschließlich zehntausender eigener Bürger), dann ist das aus russischer Sicht ja auch nur zu begrüßen.

PS: Annäherung und Ausgleich mit Russland haben sogar die etablierten Parteien bis Merkel aktiv betrieben und sogar die SPD unter Scholz versucht das aktuell, in all ihrer Beschränktheit. Ohne jeglichen Erfolg. Warum sollte es anders sein, wenn sich wider Erwarten irgendwann eine andere Regierung Deutschlands (evtl. unter AfD Beteiligung) erneut darum bemühen würde? Man lernt aus dem Ukraine Krieg sehr viel und welchen Stellenwert Westeuropa für die russischen Interessen hat. Insofern: Das Ziel ist hehr, aber der Weg ist lang, steinig und darf nicht mit unerwiderter Einseitigkeit begangen werden.

Hajo Blaschke

8. Dezember 2022 16:35

@ Niekisch, sorry, ich habe mich vielleicht etwas unklar ausgedrückt. Ich denke, dass Kerenski (übrigens aka Aaron Kirbitz) den Auftrag hatte, in Russland einen Staatsstreich zu initiieren, um das Land der Ausbeutung durch Schiff, Rosenfeld und Co. zu öffnen. Das hat er nicht geschafft. Aber die staatliche Existenz Russlands hat er durch seine bewusste Unterstützung der Bolschewiki ruiniert. Dass die bolschewistische Führung dann andere Wege ging, konnte Kerenski nicht mehr verhindern. Er hat Petersburg mit dem letzten britischen Dämpfer still und heimlich verlassen.

deutscheridentitaerer

8. Dezember 2022 17:41

@Volksdeutscher

Ich halte es für fraglich, ob ein solcher Ausgleich auf Dauer möglich ist. Wenn Russland schwach ist, wie jetzt, reicht es Deutschland die Hand. Geht Deutschland darauf ein, wird Russland wieder stark, und ein starkes Russland hat Deutschland nicht mehr nötig.

Volksdeutscher

8. Dezember 2022 19:32

@RMH - "Annäherung und Ausgleich mit Russland haben sogar die etablierten Parteien bis Merkel aktiv betrieben und sogar die SPD unter Scholz versucht das aktuell, in all ihrer Beschränktheit."

Annäherung und Ausgleich zwischen beiden Staaten sähe anders aus, wenn auch Deutschland souverän wäre. Solange es das nicht ist, können wir nur spekulieren. Wie wichtig für die Amerikaner es ist, diesen Annäherungs- und Ausgleichprozess zwischen Deutschland und Russland zu verhindern, können Sie an der politischen Maxime George Friedmans ersehen, nach dem dieser Prozess mit allen Mitteln zu verhindern sei.

- ...."insbesondere auch kein Interesse daran, dass sich an der Westbindung Deutschlands und auch der EU jemals etwas groß ändert, sonst würde es anders handeln."

Wie denn anders? Es geht bei der Annäherung und Ausgleich nicht um eine Herauslösung Deutschlands aus seiner Westbindung. Wer ist der Westen? England? Frankreich? Ich möchte jedoch behaupten (dies ist ein Gefühlsargument), daß, wenn Deutschland Russland auf seiner Seite hätte, der westliche politische Bündnis obsolet werden und ausgedient haben würde.

Volksdeutscher

8. Dezember 2022 19:48

@deutschidentitärer - "Geht Deutschland darauf ein, wird Russland wieder stark, und ein starkes Russland hat Deutschland nicht mehr nötig."

Russen, wie alle politischen Akteure in der Welt, bedürfen zuverlässigen und fähigen Partnern. Man kann auf solche nicht verzichten, unabhängig davon, wo diese angesiedelt sind. Es gibt überdies gegenseitige Erfahrungswerte, so daß eine Zusammenarbeit nicht erst mühsam, sozusagen aus dem Nichts aufgebaut werden müßte. Ich glaube nicht, daß die Russen ihre westliche kulturelle Identität verkümmern lassen wollen, am allerwenigsten, daß sie es sich leisten können. Es gibt nicht nur Geld und Wirtschaft, der Mensch lebt nicht vom Brot allein. So wie die Lage gegenwärtig ist, ist schlecht für beide Seiten, vor allem für das Ingangsetzen dieses Annäherungs- und Ausgleichsprozesses, aber daraus sollte man nicht gleich folgern, daß sie für die Ewigkeit so bleiben werde oder so bleiben könne.

Laurenz

8. Dezember 2022 19:50

@Deutscheridentitärer @Volksdeutscher

Wenn Russland schwach ist, wie jetzt, reicht es Deutschland die Hand. Geht Deutschland darauf ein, wird Russland wieder stark, und ein starkes Russland hat Deutschland nicht mehr nötig.

Das ist eine völlig haltlose Behauptung. Seit über 100 Jahren verhindern die Amis eine verstärkte Zusammenarbeit. Und das, was ist, ist den Kuhtreibern schon zu viel. Natürlich gab es eine überschaubare Zusammenarbeit mit den Sowjets in der Weimarer Zeit & im III. Reich. Aber das alles schöpfte nie das Potential aus, welches in einer strategischen Partnerschaft möglich wäre. Insofern spekulieren Sie nur.

@Hajo Blaschke & Niekisch

Lenin & Trotzki

Die Einschätzung Hajo Blaschkes bezüglich der beiden Protagonisten ist schon korrekt. Lenin hing im Exil ab & lebte von den parteilichen Zuwendungen, die vor allem aus Stalins fast kriegerischen Banküberfällen generiert wurden. Die Deutschen gaben dann Lenin Gold, mit dem er vor allem, wie geplant, Propaganda finanzierte. Aber die entscheidenden Summen erhielt Trotzki geliehen, welche die Bolschewisten in die Lage versetzte, den Bürgerkrieg, wie den polnisch-sowjetischen Krieg am laufen zu halten. Trotzki war der Oberkommandierende & damit der mächtigste Mann der frühen Sowjetunion. Lenin kollabierte dann auch schnell körperlich, aus welchen Gründen auch immer.

Hajo Blaschke

8. Dezember 2022 20:27

@ Laurenz, bei der Finanzierung von Lenin und seiner Crew in der Schweiz bin ich mir nicht sicher. Starikow glaubt hier als Finanzquelle den britischen Geheimdienst gefunden zu haben. Entgegen der Geschichtslegende ist Lenin nach seiner Ankunft aus der Schweiz auf dem Bahnhof in Petrograd mit Jubel empfangen worden und hat das getan, was er immer mit Eifer getan hat, nämlich eine schmetternde Rede gehalten.

Niekisch

8. Dezember 2022 20:55

@ Hajo Blaschke 16:35:: Zu Kerenskij habe ich noch einige Literatur, auch seine Erinnerungen. Ein weiteres Einsteigen ginge aber zu Lasten des eigentlichen Themas "Scharfschützen". Allerdings meine ich gelesen zu haben, daß Kerenski sich über China aus Rußland entfernt hat. Haben Sie eine Quelle für St. Petersburg? 

Den Graben im Forum zum Krieg Rußland - Ukraine bedauere ich sehr und versuche eine Brücke zu schlagen:

Putins Rußland will sich der "westlichen Lebensart" neuer Prägung verweigern, die USA sie weltweit verbreiten.

Rußland hat einen Rußlanderdekomplex ebenso wie die USA einen Weltdemokratisierungskomplex.

Rußland beansprucht ebenso wie die USA einen Sicherheitscordon um sich.

Die russische "abhelfende Sezession" des Donbass ist völkerrechtlich ungeklärt.

Der über den Donbass hinausgehende Angriff Rußlands auf die Ukraine ist völkerrechtswidrig. 

Angesichts der völkerrechtlichen und faktischen Lage Deutschlands verbietet sich jede Parteinahme zugunsten eines der Kriegsbeteiligten. 

Wir sollten alle Kraft für unser innländisches Überleben reservieren.

Gracchus

9. Dezember 2022 00:22

Das Thema ist interessant. Die Diskussion scheint doch etwas vom eigentlichen Thema abgekommen, das m. E. doch lautet: "Propagandafilm". Es soll ja auch gute (= ästhetisch reizvolle) Propagandafilme geben. Die, die Lichtmesz nennt, gehören offensichtlich nicht dazu. Ich würde sagen: Solche Filme dürfen, damit die Propaganda wirkt, nicht zu plump sein, aber auch nicht zu subtil. Für ÖR-Zuschauer gilt das natürlich nicht, denen kann es nicht plump genug sein, lautet deren Motto doch: Unsere tägliche Propaganda gib uns heute. 

Gracchus

9. Dezember 2022 00:53

"Kollektivschuld"

Eigentlich ist die Kollektivschuldthese doch auch in der Geschichtswissenschaft obsolet. Eine irgendwie erbliche Kollektivschuld passt auch nicht in das derzeit gängige individualistischen, postmetaphysische Moral- und Rechtsschema. Anders gesagt bildet diese Erbschuld den letzten Rest Metaphysik in einer postmetaphysischen Gesellschaft - da man aber Metaphysisches nicht denken kann bzw. verdrängt, bleibt das ganze schwammig und widersprüchlich. Natürlich schwingt darin die christliche Erbsündenlehre mit, nur dass die speziell deutsche Erbsünde kein Sühnopfer Christi kennt. Man könnte es so formulieren: Die einzig mögliche Sühne scheint darin zu bestehen, dass das deutsche Volk, das ohnehin nur als Schuldzusammenhang existiert, sich auflöst. Offen gestanden ist mein Eindruck, dass diese giftige metaphysische "Lehre" unbewusst in der deutschen Kollektivpsyche wirksam ist. In diese Richtung verstehe ich auch Sie, FraAlmerich. 

Es würde sich lohnen vertieft darüber nachzudenken, um eine andere Perspektive zu gewinnen. Von mir ausgehend: Zwar empfinde ich keine persönliche Schuld, ich stehe den Taten aber auch nicht gleichgültig gegenüber. Ich würde eher von Volkskarma als von Schuld sprechen und da ansetzen. 

Hajo Blaschke

9. Dezember 2022 11:22

@ Niekisch, bezgl. Kerenski siehe Стариков Николай: Русская смута ХХ. века.

@ Gracchus, zur Kollektivschuld. Ich habe viele Kontakte mit Dänen. Denen geht die wie stolz vor der Brust getragene Schuld von Deutschen furchtbar auf den Senkel. Die können über diesen Spuk nicht mal mehr lachen und betrachten das als Anmaßung.

Sie, Gracchus, stehen den Taten auch nicht gleichgültig gegenüber. Dazu ist allerdings wichtig, diese Taten auf historisch unverfälschter Basis erstmal zu kennen.

Niekisch

9. Dezember 2022 11:40

"Es würde sich lohnen vertieft darüber nachzudenken, um eine andere Perspektive zu gewinnen."

Dieses Thema hatten wir hier schon mehrfach und sind letztlich nicht in die Tiefe gegangen. Gibt es nicht mindestens theoretisch 2 Möglichkeiten? 

Erstens über die Historiographie, indem über die reine Dokumentenforschung hinaus alle forensischen und kriminaltechnischen Mittel eingesetzt werden. Aufgrund der Rechtslage ist das aber schon das bedenklich,weil Tatsachenfeststellung zugleich auch Relativierung bedeuten kann. Schuldaufarbeitung durch Schuldprüfung ist somit versperrt.

Übertragene "false memories" oder selbstinduzierte Schuldgefühle können durch sog. heilende Narrative zumindest überlagert werden. Horst Obleser und Antonia Grunenberg beispielsweise haben sich damit beschäftigt. In unserer Lage ist die Rede Alexander Gaulands vom "Vogelschiß" vielleicht doch zielführend, indem wir uns verstärkt mit den Glanztaten unserer Vorfahren in aller Richtung beschäftigen, sie immer wieder in Gesängen, Texten, Bildern aus dem Urgedächtnis hervorholen und damit das kollektive Spaltungsirresein zumindest relativieren. 

 

Niekisch

9. Dezember 2022 15:55

"bezgl. Kerenski siehe Стариков Николай: Русская смута ХХ. века."

@ Hajo Blaschke 11:22: Gibt es eine deutsche Ausgabe? Mein Schulrussisch reicht da nicht...

FraAimerich

9. Dezember 2022 18:24

@Gracchus

Da beim Begriff "Karma" schon viele genervt aussteigen, könnte man auch einfach von "Schicksal" sprechen. Daß Völker auch "Schicksalsgemeinschaften" sind, wird weitgehend akzeptiert und klingt nicht so "esoterisch". Auch, daß es dabei nicht unbedingt um "persönliche" oder "historische" Schuld gehen muß, kann einleuchten.

In der klassischen Tragödie wird der Protagonist "schuldlos schuldig". Mit dem Begriff "Daseinsverfehlung" zielte ich aber auf ein tatsächliches "Versäumnis", eine Verfehlung, die früher als die (vermeintliche alleinige) Kriegsschuld, Judenverfolgung und Millionen Tote anzusetzen wäre. Das alles gab es in der Konsequenz für Deutsche noch "oben drauf" und die Art, wie damit bis heute umgegangen und "Politik gemacht" wird, sorgt gewiß für ein besonderes Ausmaß der Neurosen, des Selbsthasses und resultierender "Auflösungserscheinungen".

Aber wir sehen ja an den europäischen Nachbarn und sogar an den USA, daß nicht nur die Deutschen, sondern die "fortschrittlichen" Völker des Westens insgesamt vor ähnlichen "Identitätsproblemen" stehen. Mit historisierender "Schuldprüfung" allein bzw. ihrer Ermöglichung wäre darum wohl noch nicht einmal Wesentliches gewonnen. Die eigentliche Ursache muß tiefer liegen.

Hajo Blaschke

9. Dezember 2022 22:07

@ Niekisch, Ich weiß nicht, ob es Übersetzungen von Starikows Büchern oder speziell von diesem Buch gibt. Wäre vielleicht ein Projekt für Antaios.

Laurenz

9. Dezember 2022 23:59

@Gracchus

"Kollektivschuld"

Eigentlich ist die Kollektivschuldthese doch auch in der Geschichtswissenschaft obsolet.

Richtig, aber nicht in den Religionswissenschaften, inklusive des Marxismus.

Niekisch

10. Dezember 2022 11:06

"Die eigentliche Ursache muß tiefer liegen."

@FraAimerich 9.12. 18:24: Dazu lohnt es wirklich, sich das Buch von Horst Obleser, Odin - Ein Gott auf der Couch", zu Rate zu ziehen. Er beschäftigt sich mit den kollektivpsychologischen Ursachen der deutschen wäldlerischen Unbedarftheit, Langsamkeit in der Verteidigung des Eigenen, aber auch des kämpferisch-militärischen Furors pp.

@ Hajo Blaschke 22:07: Danke!

Niekisch

10. Dezember 2022 15:49

@ Laurenz 8.12. 19:50: Sicher ist, daß seit Juni 1918 die Sowjetdelegation in Bern zur Revolutionierung der Schweiz über 10 Millionen Schweizer -Franken verfügte, über die sicher auch der damals in Zürich ansässige Lenin verfügen konnte, der für den roten "Generalstab" in Berlin und Zürich weisungsbefugt war. Die 10 Millionen hatte der bolschewistische Gesandte Jaffe´von Berlin nach Bern transferiert ( vgl. Müller, Gerhard, Überstaatliche Machtpolitik im 20. Jahrhundert, S. 149 )

Inwieweit darin Walter Rathenau mit seinem widerlichen Gehilfen Helphand verwickelt war, wäre zu klären. Jedenfalls brüstete sich Rathenau damit, die Revolution bereits seit 20 Jahren gefordert und gefördert zu haben. Im übrigen hat nicht Ludendorff dafür gesorgt, daß Lenin durch das Reich fahren konnte, sondern Bethmann-Hollweg auf Veranlassung Helphands, des widerlichen Gehilfen Walter Rathenaus ( ebenda, S. 147 ) 

Laurenz

11. Dezember 2022 16:10

@Niekisch @L.

Viel mehr als 

Walter Rathenau

hatten hier wohl Paul & Max Warburg ihre teils dreckigen Finger im Spiel (hat sich bis heute nur in der Größenordnung was verändert). Da Lenin im verplombten Zug nach Rußland fuhr, hatte er auch das versprochene Geld oder Gold dabei, welches man ihm vorher natürlich zustellen mußte. Das, was die Warburg-Bürscherls sich geleistet hatten, kann man sogar indirekt in deren Wikipedia nachlesen. Also ich für meine Antwort an Sie da nachschaute, um mich der Erinnerung zu vergewissern, verblüffte mich die dort geschilderte, ziemlich klischeebehaftete Darstellungsweise schon.

Niekisch

11. Dezember 2022 21:14

"Viel mehr als Walter Rathenau"

@ Laurenz 11.12. 16:10: Wann endlich geben Sie sich die Mühe, auf   d a s  j e n i g e  zu erwidern, was der Vorkommentator geschrieben hat? Mein Text unter 10.12. 15:49 lautet: "Inwieweit darin Walter Rathenau mit seinem widerlichen Gehilfen Helphand verwickelt war, wäre zu klären." Sie setzen es als geklärt voraus und behaupten ein  M e h r. Das ist keine akzeptable Arbeitsweise. 

Bei der Gelegenheit korrigiere Ich meine Angabe unter  ebenfalls 15:49: "der bolschewistische Gesandte Jaffe´". Er hieß Joffe´.

Vielleicht ergibt sich auf SiN einmal die Gelegenheit der Diskussion um alle wesentlichen Abläufe der weltumstürzenden Ereignisse seit dem Sozialistenkongreß in Kopenhagen 1913 in Europa als zwei Seiten  e i n er einzigen Münze.

Hajo Blaschke

11. Dezember 2022 21:50

@ Niekisch, Lenin und seine Crew standen viele Stunden in Berlin auf einem Abstellgleis. Wer da mit ihm worüber kontaktiert und was vereinbart wurde, ist leider nicht bekannt. Starikow ist übrigens der Meinung, dass auch die Idee, Lenin nach Russland zu versenden, eine Idee des britischen Geheimdienstes war. Die ganze Kaffeehauscrew um Lenin in Zürich soll vom britischen Geheimdienst instruiert und finanziert gewesen sein.

Laurenz

12. Dezember 2022 08:08

@Niekisch @L. (1)

Verzeihen Sie, werter Niekisch, habe mich unklar ausgedrückt. Bitte um Entschuldigung. Man kann zwar Walter Rathenau als Feind des Kaiserreichs klassifizieren, aber mit Verlaub, das bin ich auch. Es handelt sich also um nichts besonderes. Ob Rathenau was mit der Änderung des deutschfreundlichen Sentiments unter Juden in den USA in ein unfreundliches hatte, weiß ich nicht. Das wissen Sie auch nicht. Der Kaiser bot den Zionisten jedenfalls ein halbes Jahr vor Balfour einen eigenen Staat an & die dämlichen Zionisten ließen sich, wie so viele in der Geschichte, von den Briten für dumm verkaufen. Bibi macht hier heute noch gute Miene zum peinlichen Spiel. Zu Helphand habe ich diesen doch offenen Artikel der Welt herausgesucht.  https://www.welt.de/geschichte/plus163523294/Als-Deutschland-die-russische-Revolution-in-Gang-setzte.html?icid=search.product.onsitesearch

Mir ist dieser Helphand doch noch der sympathischste Bolschewist, war er doch der ehrlichste unter ihnen & er liebte die Frauen. Habe nichts gegen Vielweiberei, ist sie doch ein Zeichen des Matriarchats. (Schön wäre es, wenn Feministinnen weniger blöd wären.) 

Laurenz

12. Dezember 2022 08:11

@Niekisch @L. (2)

Ob er für die Revolution wirklich so bedeutend war, wie die Welt schreibt oder nur ein Handlanger, wer will das schon wissen? Ihre 10 Mio. Goldmark sind zweifelhafter Natur. Bei Montefiore glaube ich von 7 Mio. gelesen zu haben. Es gibt aber auch Historiker, die jegliche monetären Zuwendungen an die Bolschewisten in Abrede stellen. Hier müßte man sich mit viel Arbeit an die Quellen der jeweiligen Historiker heranmachen. Haben Sie Lust dazu? Warum ich auf Max & Paul Warburg verwies, hat seine Ursache darin, daß ich beide, soweit ich das beurteilen kann, als viel entscheidender erachte, als Rathenau oder Helphand. Aber das ist nur mein persönlicher Eindruck, mehr nicht. Den habe ich geschildert. Und was haben Sie gegen Joffe? Der war, als Trotzkist, sogar so offen, daß selbst die dämliche Reichsregierung mitbekam, in ihm einen absoluten Feind des Reichs zu sehen & ihn als Botschafter des Landes verwies. Er war Trotzki so treu, daß er sich wegen dessen Parteiausschluß 1927 umbrachte. Guter Mann. Wenn das die Leute des KBW auch mal so konsequent nachvollzogen hätten.

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