Vor dem Handeln kommt das Denken, sagt Frank Lisson

SEZESSION: Lieber Frank, die Winterausgabe 2023/24 der Zeitschrift Tumult preist Deinen jüngsten Text schon auf der Titelseite an: „MULATTISIERUNG. Grenzöffnung als Unterwerfungsgeste“ steht da. „Mulattisierung“ ist ein krasses Wort, oder? Du nennst es in einem Atemzug mit „Degeneration“. Zugleich bist Du promovierter Philosoph. Im ersten und dritten Drittel argumentierst Du radikal und in der Mitte fast arkan philosophisch. Was ist das für ein Spagat?

LISSON: Zunächst muß ich klar­stel­len, daß die etwas rei­ße­ri­schen Zei­len auf der Titel­sei­te nicht von mir stam­men. Ich hat­te sogar aus­drück­lich dar­um gebe­ten, den Fokus nicht auf die „Mulat­ti­sie­rung“ zu rich­ten, weil ich natür­lich wuß­te, daß das zu Miß­ver­ständ­nis­sen füh­ren wür­de oder fal­sche Erwar­tun­gen wecken könn­te. Die Redak­ti­on hat sich jedoch ohne Rück­spra­che mit mir anders ent­schie­den, was aus ihrer Sicht ver­ständ­lich ist.

Mir ging es in ers­ter Linie um das Phä­no­men des „Dege­ne­ra­ti­ven der Zivi­li­sa­ti­on“, bei dem die „Mulat­ti­sie­rung“ nur eine Erschei­nungs­form dar­stellt und nicht ein­mal die wich­tigs­te. Die The­ma­ti­sie­rung des „eth­ni­schen Syn­kre­tis­mus“, wie ich jenes Ereig­nis ja auch nen­ne, macht weni­ger als ein Drit­tel des Tex­tes aus und wäre ohne Her­vor­he­bung auf der Titel­sei­te viel­leicht als gar nicht so anstö­ßig emp­fun­den worden.

Übri­gens sehe ich da kei­nen Spa­gat. Es wird in jedem Drit­tel glei­cher­ma­ßen radi­kal und phi­lo­so­phisch argu­men­tiert. Gro­be Din­ge erfor­dern kla­re Wor­te. Nur darf man sich nicht an gewis­sen Reiz­wör­tern fest­bei­ßen und dabei den Kon­text aus den Augen ver­lie­ren. Das selek­ti­ve Erfas­sen von Inhal­ten scheint mir über­haupt ein gro­ßes Pro­blem zu sein. Sol­che Tex­te müs­sen lang­sam und gründ­lich und mit der nöti­gen Abs­trak­ti­ons­be­reit­schaft gele­sen wer­den. Dann wird vie­les schon gleich viel weni­ger „kraß“ erscheinen.

SEZESSION: Eine der Grund­fra­gen, die Du auf­wirfst, lau­tet: ob man einem Staat noch loy­al gegen­über­ste­hen kön­ne, der eine dezi­diert „hei­mat­ver­der­ben­de und auch der eige­nen Per­son scha­den­de Poli­tik betreibt“ (Dei­ne Wor­te). Es ist wohl eher eine rhe­to­ri­sche Fra­ge, oder? Müs­sen wir den Poli­tik­wech­sel wol­len? Wohin? Mit wel­chen Erfolgsaussichten?

LISSON: Inso­fern der Mensch ein zoon poli­ti­kon ist, gibt es für ihn kei­ne gewich­ti­ge­re Fra­ge als die nach sei­nem Ver­hält­nis zu dem ihn umge­ben­den Staat. Erwei­sen sich des­sen Ver­tre­ter als unfä­hig oder destruk­tiv und gefähr­den dadurch das Gesam­te, wird das für den­je­ni­gen, der sich als ein in die Inter­es­sen sei­nes Staa­tes ein­ge­bun­de­nes Wesen begreift, zur Belas­tung. Er kann sich mit der Wirk­lich­keit sei­nes Lebens­rau­mes nicht mehr iden­ti­fi­zie­ren und gerät des­halb mit die­sen in einen nicht nur theo­re­ti­schen Dauerkonflikt.

Folg­lich muß er den Poli­tik­wech­sel wol­len. Ob er ihn jedoch auch mit her­bei­füh­ren kann, hängt mehr von der jewei­li­gen his­to­ri­schen Situa­ti­on und den sys­tem­im­ma­nen­ten Ursa­chen des Staats­ver­falls ab als von sei­nem Willen.

SEZESSION: Du nennst Zei­ten, Jah­re, in denen begrün­det der „Volks­zorn“ erwach­te – 1525, 1789, 1848, 1917 bei­spiels­wei­se. Heu­te sam­meln sich die Unzu­frie­de­nen in den sozia­len Medi­en. Die Wahl­pro­gno­sen tun ein Übri­ges. Woher rührt also Dein Pessimismus?

LISSON: Wer Tat­sa­chen benennt, ist kein Pes­si­mist. Ich wun­de­re mich immer wie­der, dass Zustands­be­schrei­bun­gen, die kei­ne wohl­mei­nen­den Rat­schlä­ge ent­hal­ten, so oft als Pes­si­mis­mus gedeu­tet wer­den. Es ist nicht Auf­ga­be der Phi­lo­so­phie, Hoff­nun­gen zu schü­ren, son­dern hin­ter die Din­ge zu bli­cken, um das sich dort Ver­ber­gen­de zu beleuchten.

Die Unzu­frie­de­nen in den sozia­len Medi­en stel­len der­zeit kaum ein „revo­lu­tio­nä­res Poten­ti­al“ dar, das sich mit dem der genann­ten Jah­re ver­glei­chen läßt, da ihre Foren doch haupt­säch­lich dazu die­nen, sich gegen­sei­tig zu bestä­ti­gen, die Gebor­gen­heit inner­halb der „Bla­se“ zu genie­ßen und dabei das Gespür für die tat­säch­li­chen Macht­ver­hält­nis­se zu verlieren.

Denn was die Wahl­pro­gno­sen betrifft: man muß kein Pro­phet sein, um zu wis­sen, daß selbst 35% für die AfD bei den kom­men­den Land­tags­wah­len das Regime nicht dar­an hin­dern wer­den, die stärks­te Par­tei von der Teil­nah­me am poli­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zeß auszuschließen.

Das darf aber natür­lich nie­man­den davon abhal­ten, dage­gen zu pro­tes­tie­ren und sei­ne Wut zu arti­ku­lie­ren. Nur fürch­te ich, daß die Unzu­frie­den­heit zu dif­fus ist, um einen ech­ten Regie­rungs­wech­sel her­bei­füh­ren zu kön­nen. Mir scheint, es fehlt an kla­rer Aus­rich­tung selbst inner­halb der rech­ten Opposition.

SEZESSION: Meinst Du, ein Regie­rungs­wech­sel könn­te tat­säch­lich fun­da­men­tal etwas ver­bes­sern? Ich ken­ne Dich eher als Skeptiker …

LISSON: Mei­ne Skep­sis rührt aus Erfah­rung. Hoff­nun­gen auf eine „rech­te Wen­de“ keim­ten seit den frü­hen 1990er Jah­ren immer wie­der auf. Doch selbst nach­dem sich Erfol­ge ein­ge­stellt hat­ten, wur­de alles nur noch schlim­mer. Die Pro­tes­te kom­men 30 Jah­re zu spät. Erst wenn das Kind in den Brun­nen gefal­len ist, gera­ten die Mas­sen in Bewegung.

Alles, was heu­te als Kri­se wahr­ge­nom­men wird, hat sei­ne Wur­zel in der ver­häng­nis­vol­len Poli­tik seit den 1990er Jah­ren. Und alles war abseh­bar, kün­dig­te sich für jeder­mann sicht­bar an. Inzwi­schen ist zu viel Sub­stanz zer­stört wor­den, wes­halb es bloß noch um Scha­dens­be­gren­zung gehen kann. Die­se aber wäre nur mög­lich, wenn die AfD regier­te, und zwar allein, also ohne Koali­ti­on mit einer der Staats­par­tei­en, die in die Mise­re geführt haben. Doch kaum vor­stell­bar, dass die herr­schen­den Krei­se in Poli­tik und Medi­en das zulas­sen würden.

SEZESSION: Ich mei­ne ja, Dei­ne Skep­sis sitzt noch tie­fer. Du schreibst, typisch pes­si­mis­tisch: „Es war immer unmög­lich und wird immer unmög­lich sein, sich gegen die gro­ßen his­to­ri­schen Ten­den­zen zur Wehr zu set­zen“. Bit­te? Die Geschich­te macht bekannt­lich Sprün­ge, und natür­lich haben Wider­stands­be­we­gun­gen dar­an ihren Anteil! War­um so fatalistisch?

LISSON: Nein, Geschich­te macht kei­ne Sprün­ge. Sie ist sogar aus­ge­spro­chen trä­ge. Jeder gra­vie­ren­den Wand­lung, jedem gro­ßen Ereig­nis, das Fol­gen hat, gehen Jahr­zehn­te, oft Jahr­hun­der­te der inne­ren Vor­be­rei­tung und Ent­wick­lung voraus.

Der Über­gang vom paga­nen zum christ­li­chen Euro­pa dau­er­te 300 bis 1000 Jah­re, der von der feu­da­len zur demo­kra­tisch-sozia­lis­ti­schen Staats­ord­nung 500 Jah­re. Und wäh­rend die­ser Zeit war klar, dass es kei­ne Resti­tu­ti­on des Nie­der­ge­hen­den mehr geben wer­de, son­dern allen­falls Verzögerungen.

Bei dem Riß, der heu­te Natio­nen wie die USA, Isra­el, Ungarn, Polen und auch die­ses Land durch­zieht, han­delt es sich nur ober­fläch­lich oder vor­der­grün­dig um die Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen „rechts“ und „links“. Viel­mehr haben wir es mit dem Resul­tat sozio­ge­nera­ti­ver Pro­zes­se zu tun, die seit über 200 Jah­ren in vol­lem Gan­ge sind. Hier ste­hen sich nicht zwei Par­tei­en, son­dern zwei Ent­wick­lungs­stu­fen ein­an­der ablö­sen­der Welt­al­ter gegenüber.

Den­noch sind Wider­stands­be­we­gun­gen wich­tig, denn sie stel­len sich dem Unum­kehr­ba­ren tap­fer ent­ge­gen und sor­gen damit oft für einen mode­ra­te­ren Ver­lauf. Außer­dem kün­den sie vom kul­tu­rel­len Selbst­be­haup­tungs­wil­len des Tra­dier­ten gegen den Wild­wuchs mensch­li­cher Veränderungssucht.

SEZESSION: Du sprichst vom herr­schen­den „Feu­da­lis­mus der Och­lok­ra­ten“, wobei die­se Och­lok­ra­ten typo­lo­gisch mit der Mehr­heit des Vol­kes ver­wandt sei­en. Bit­te füh­re das ein­mal näher aus.

LISSON: In der Demo­kra­tie ist das „Volk“ oder für den heu­ti­gen Zustand prä­zi­ser: die „Bevöl­ke­rung“ der Theo­rie nach sel­ber ver­ant­wort­lich für das Regime, das über sie herrscht. Die Para­do­xie „Feu­da­lis­mus der Och­lok­ra­ten“ bedeu­tet, dass sich aus dem Mehr­heits­ty­pus der Bevöl­ke­rung eine Reprä­sen­tan­ten­klas­se her­aus­ge­bil­det hat, die nur noch die Inter­es­sen die­ses Typus ver­tritt, den sie sel­ber erzeugt hat und durch den sie sich immer wie­der bestä­ti­gen läßt.

Der AfD-Wäh­ler reprä­sen­tiert in die­sem Sin­ne eben nicht das „Volk“ und schon gar nicht die „Bevöl­ke­rung“, son­dern nur einen rela­tiv gerin­gen Teil des­sen, was einst­mals das „Volk“ im her­kömm­li­chen Sin­ne war, als die­ses noch über den Kanon natio­na­ler Eigen­in­ter­es­sen defi­niert wer­den konnte.

Unter Ein­schluß der Nicht­wäh­ler zei­gen bei einer Wahl­be­tei­li­gung von 65% und bei einem Stim­men­an­teil von 20% für die AfD nur 13% aller Wahl­be­rech­tig­ten, daß sie einen sol­chen Kanon („Wir sind das Volk“) ver­mis­sen. Das heißt, 87% sehen sich noch immer nicht ver­an­laßt, gegen die Regie­rungs­kar­tel­le zu votie­ren, obwohl weit mehr als nur 13% mit den Zie­len der AfD über­ein­stim­men dürften.

SEZESSION: Beson­ders kraß an Dei­nem Text sind die Pas­sa­gen, die unse­re Geg­ner als „miso­gyn“ deu­ten wür­den. Min­des­tens das! Du hältst fest, daß sich heu­te „rela­tiv vie­le Frau­en“ von afri­ka­ni­schen oder ori­en­ta­li­schen Män­nern schwän­gern lie­ßen. Zitat: „Es ist die­se fata­le, weib­lich zu nen­nen­de Mischung aus Instinkt­si­cher­heit, Nai­vi­tät, Mit­leid und Unter­wer­fungs­lust.“ Könn­test Du aus­füh­ren, wes­halb Du zu die­ser The­se kommst? Wes­halb es aus Dei­ner Sicht immer die Frau­en waren, die den Inva­so­ren die Tore öffneten?

LISSON: Evo­lu­ti­on ist nicht „miso­gyn“ und ich bin es am wenigs­ten. Bedau­er­lich, daß es immer wie­der zu sol­chen Miß­ver­ständ­nis­sen kommt. Die mensch­li­che Evo­lu­ti­on fragt nicht nach dem „kul­tu­rel­len Wert“ von Eth­ni­en und küm­mert sich auch nicht um deren Erhalt. Frau­en waren die längs­te Zeit der Mensch­heits­ge­schich­te Beu­te und Tausch­gut. Dar­um haben sie bes­ser gelernt sich anzu­pas­sen als Männer.

Daß sie immer wie­der in frem­den Clans zurecht­kom­men muß­ten, erklärt viel­leicht ihre höhe­re Bereit­schaft, in aus­län­di­sche Fami­li­en ein­zu­hei­ra­ten und sich vom „Exo­ti­schen“ ange­zo­gen zu füh­len. Mög­li­cher­wei­se wir­ken hier uralte, stam­mes­ge­schicht­li­che Remi­nis­zen­zen. Wenn es wahr ist, daß Homo sapi­ens vor 40.000 Jah­ren von Afri­ka aus Euro­pa besie­del­te und dunk­ler war als die dort bereits leben­den Men­schen, die­se aber von Homo sapi­ens buch­stäb­lich „auf­ge­mischt“ wur­den, dürf­te ein selt­sam ambi­va­len­tes Trau­ma zurück­ge­blie­ben sein, das man als „King-Kong-Syn­drom“ bezeich­nen könn­te: gro­ßer schwar­zer (aber im Grun­de sanf­ter) Affe raubt klei­ne wei­ße, nack­te Frau.

Das Weib­li­che will „hart genom­men“, aber gleich­zei­tig ein­fühl­sam behan­delt wer­den. Bis heu­te löst die Vor­stel­lung, in die Gewalt eines „gro­ßen schwar­zen Affen“ zu gera­ten, also von einem (ganz und gar) Frem­den ver­ge­wal­tigt zu wer­den, bei vie­len wei­ßen Frau­en nicht nur Empö­rung, son­dern auch bizar­re sexu­el­le Wunsch­phan­ta­sien aus. Jeden­falls gehört der Frau­en­raub zu den ältes­ten und am wei­tes­ten ver­brei­te­ten Erin­ne­run­gen vor allem der euro­päi­schen Mensch­heit, die sich sogar bis heu­te im Brauch­tum erhal­ten haben.

SEZESSION: Du plä­dierst letzt­lich für den Rück­zug ins Pri­va­te. Kein neu­er Zug. Wirk­lich: ein Rück­zug. Das ist das „Tal der scheu­en Wöl­fe“, das Du in Dei­nem Essay für die Rei­he Kapla­ken beschrie­ben hast. Das ist eine Nie­der­la­ge, oder?

LISSON: Hät­te ich mich ins rein Pri­va­te zurück­ge­zo­gen, wür­de ich kei­ne Arti­kel ver­öf­fent­li­chen und auch kei­ne Inter­views geben. „Rück­zug ins Pri­va­te“ darf dar­um nicht „lokal“ ver­stan­den wer­den. Pri­vat han­delt der­je­ni­ge, der sich den Inter­es­sen des Staa­tes ent­zieht, sobald die­ser sei­ne Ver­falls­form erreicht hat, also das Gegen­teil des­sen dar­stellt, was er zu sein vor­gibt. Man signa­li­siert durch Ver­wei­ge­rung, daß man nicht Teil des Irr­sinns sein will, ist aber zur Pas­si­vi­tät ver­ur­teilt, solan­ge die his­to­ri­sche Situa­ti­on einen ech­ten Wan­del noch nicht in Aus­sicht stellt.

„Nie­der­la­ge“ wür­de bedeu­ten, man wäre bereits “tätig” gewor­den und dar­an geschei­tert. Der Pri­va­te ist sich sei­ner Ohn­macht bewußt, wes­halb er die Ana­ly­se dem Akti­vis­mus vor­zie­hen muss. Bei­des hat sei­ne Berech­ti­gung, weil das Den­ken dem Han­deln stets vor­aus­ge­hen sollte.

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Kommentare (25)

MARCEL

10. Januar 2024 12:15

Die BRD war der westliche Besiegten-Staat (ein US-Protektorat), es wundert mich nicht, dass das keiner wirklich verteidigt. Unvergessen Hans-Dietrich Sanders hartes Urteil: die Besten seien im Krieg gefallen, andere haben sich 1945 das Leben genommen, der Rest hat diesen Staat aufgebaut. Welcher Menschentyp sollte aus ihm hervorgehen?
Sicher: Man kann Geschichte nicht zurückdrehen, man muss aber nicht ihr Sklave sein. Jede Gegenrevolution verkündet seit der Vendée die (freilich erfolglose)  Befreiung aus der Geschichte. Wer nicht angreifen kann, kann sich verweigern (Lesetipp V. Gheorghiu "Die Unsterblichen von Agapia")

RMH

10. Januar 2024 12:27

Den Tumult-Text habe ich nicht gelesen. Die Äußerungen im Interview sind aber radikal, ganz im Sinne eines nach den Wurzeln (radix) suchenden, von den Wurzeln ausgehenden Denkens. Die "misogynen" Äußerungen sind m.M.n. eine rein einseitige Betrachtung. Es scheint ein Prinzip der Evolution zu sein, eine Neigung hin zur Mischung der Gene zu erzeugen, da bei einer großen Vielfalt dann auch die Auslese mehr Varianten zur Auswahl hat. Dabei sind es nicht die Frauen alleine, denen man einen Trieb zur Vermischung unterstellen kann, es sind doch gerade auch die Männer, die eine Geilheit auf die fremde Frau entwickeln und das veranlasst sie dann zu Reisen in andere Länder und früher eben fremde Frauen zu rauben, mit ihnen zu "handeln" etc. Auch heute besteht ein hohes Interesse an "interracial" Dating & Sex, gerade in von Männern besuchten Internetplattformen. Hier ist Lisson also klar misogyn durch seine einseitige Betrachtung. Wenn er die sexuelle Geilheit aufs Fremde als schlicht menschlichen Zug beschrieben hätte, würde er richtiger liegen. Das Gegenargument wäre dann, wenn die Menschen geil aufs Fremde sind, warum sollten dann Rechte (die in der Praxis bekanntermaßen oft selber Partner aus der Fremde haben) dagegen sein? Weil es Teil jeden Kulturschaffungsprozesses ist, "natürliche Neigungen" zu hegen und eben zu "kultivieren", könnte eine Antwort darauf sein.

Monika

10. Januar 2024 13:24

Ich wollte mich im Neuen Jahr nicht mehr aufregen. OK. Dem ersten Teil kann ich sehr wohlwollend folgen. Das sehe ich ähnlich. Die Ausführungen über "die Unterwerfungslust der Frauen" finde ich, gelinde gesagt, mehr als daneben. In Zeiten, wo in Deutschland täglich zwei Massenvergewaltigungen stattfinden und es Kriegsvergewaltigungen (Israel, Ukraine, usw.)gibt: geschmacklos !!!  Die EMMA hat übrigens in der Januarausgabe 24 das gleiche Thema, natürlich mit Fragezeichen. Titel: Hormone Echte Männer? Echte Frauen? Das Titelbild: Der wilde Tarzan trägt Jane geschultert. Selbst, wenn die Biologie da einiges hergibt, so können wir uns als Einzelne und Gruppen und vor allem Frauen dazu verhalten . Wenn sich in dieser biologistischen Sicht das rechte Männerbild erschöpfen sollte ( Zwischen Verschwulung und Animalisierung schwankend), dann Gute Nacht. Ich hoffe, es beteiligen sich jetzt mal Frauen hier im Strang und wahre Männer. Ich habe keine Lust, die Krawallschachtel zu spielen. Jetzt hänge ich die Wäsche auf und drehe eine Runde im sonnigen, kalten Wetter. Ich wollte mich ja nicht mehr aufregen. :)))

Hax Morkheimer

10. Januar 2024 15:25

@Monika
Ohne selbst ein "wahrer Mann" zu sein: Lisson ist, mit Verlaub, ein dünner Aufguß von Nietzsche. Die Evolutionstheorie ist im übrigen ein bißchen 'komplexer' als hier beansprucht.

ofeliaa

10. Januar 2024 15:29

Ich sehe es auch eher so, dass Geschichte träge voranschreitet. Zumindest auf der Ebene dass sich Grundeinstellungen auf persönlicher und auch kollektiver Ebene in einer sonst eher homogenen Gesellschaft tiefgreifend ändern. In Deutschland findet aber eine schnelle Wende statt, jetzt gerade, denn es müssen sich nicht erst tiefgreifende Glaubensmuster in den Leuten entwickeln und festigen, sondern die anderen Glaubensmuster sind von einem auf den anderen Tag einfach da. Denn die Religion wird ja mitgebracht ... und ab jetzt ist es eine einfache Rechnung, die nicht zu unseren Gunsten ausfällt. Es geht ratzfatz, weil nicht wir als Gesellschaft uns ändern müssen, sondern einfach viele kommen, die anders sind. Und wie gesagt, ab da ist es einfache Mathematik, die ganz klare Prognosen zulässt. 

ofeliaa

10. Januar 2024 15:35

@Monika Wenn du nicht weißt, was mit Unterwerfungslust der Frau in diesem Kontext gemeint sein könnte, dann bitte ich dich inständig: Geh raus, geh in die Stadt oder irgendwo hin, wo Menschen sind, und schau dir die Paare an. Und dann frag mich, warum ich immer noch keinen Mann habe. Die meisten Frauen verkaufen sich so extrem unter Wert, es ist der absolute,  wirklich absolute, Wahnsinn. Aber wenigstens haben die dann Kinder.

ofeliaa

10. Januar 2024 15:41

Deutsche Männer, oder europäische besser gesagt, möchten dass ihre Frau ebenso Karriere macht, wie sie selbst. Ich spreche da wirklich auf mehreren Ebenen aus Erfahrung. Dementsprechend geben sich in Deutschland die Frauen und Männer gegenseitig in Hinsicht Ideologie und Indoktrination nichts mehr. Frauen verkaufen sich systematisch unter Wert, und Männer wollen entweder gar keinen Nachwuchs mehr, oder wollen dass die Frau Kinder grosszieht und gleichzeitig Karriere macht. Ich hatte deswegen so viele Auseinandersetzungen mit meinem Ex-Partner. Ich möchte keine Karriere machen. Es bedeutet mir nicht viel. Ich kann gut mit Geld umgehen, das ist übrigens eine Tugend, auf die man eigtl. stolz sein dürfte. Aber heute nichts mehr wert. 

pasquill

10. Januar 2024 16:03

Sehr geehrter Herr Lisson, wie wärs mal mit einem Beleg für die Behauptung, "Frauen wollen hart genommen werden" und hätten "Vergewaltigungsphantasien". Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich dies aus dem Munde von Männern gehört habe, egal ob sie Linke, Rechte oder sonstwas waren. Ich behaupte, das ist eine reine Männerphantasie und verkennt, dass die meisten Frauen die Möglichkeit, vergewaltigt zu werden, als Damoklesschwert empfinden und als etwas, was sie auf jeden Fall nie erleben wollen. Etwas mehr Vorsicht und wissenschafttheoretische Skepsis bei der "Evolutionären Psychologie" wäre ohnehin angebracht; sie ist im Kern hochspekulativ und wird es aus naheliegenden Gründen bleiben. 
Recht gebe ich Ihnen allerdings, dass Frauen aufgrund ihres ausgeprägteren Mitgefühls und ihrer Fürsorglichkeit mit größerer Naivität die Migration befürworten. Wir sehen, dass vor allem viele Politikerinnen sie massiv vorantreiben und in ihren Argumentationen die Pflicht zur Hilfe, sich-zuständig- fühlen-für-die-Not-anderer betonen. Das hat übrigens schon Gehlen in seinem Buch Moral und Hypermoral treffend analysiert: Je mehr Frauen in der Öffentlichkeit und Politik mitbestimmen, umso hypermoralistischer wird diese, weil Prinzipien des Familienethos überdehnt und in die Sphäre des Politischen hineingetragen werden, obwohl das im Staat vorherrschende Institutionenethos viel "härter" ist.    
 
 
 

rotenburg

10. Januar 2024 16:17

Also der Grund dafür, dass heute mehr Frauen die Grünen wählen als Männer liegt in der traumatischen Erfahrung durch die Besiedlung Europas durch den Homo Sapiens vor 40.000 Jahren begründet?
Das nennen ich einmal eine "originelle" These. 
 
 
 
 

Florian Sander

10. Januar 2024 16:27

Zunächst: Wer Begriffe wie "Mulattisierung" gebraucht, kann danach schwerlich rumjammern, dass diese dann die Wahrnehmung eines Textes dominieren. Wenn ich das nicht will, muss ich anders formulieren, fertig. Aber das erst zu verwenden und sich dann zu beschweren, dass es aufgegriffen wird, ist einfach nur larmoyant.
Danach küchenpsychologische Spekulationen anzustellen über die vermeintliche Natur "der Frau als solcher", die sich "schwarzen Affen" hingeben wolle, wirkt auf mich eher wie eine Projektion stereotypisierender männlicher Fantasien (um hier jetzt mal genauso ins Blaue hinein zu psychologisieren).
Und auch die Behauptung, dass Geschichte keine Sprünge macht, ist schlicht falsch. Natürlich gibt es Schlüsselmomente der Geschichte, die sehr überraschend alles umwerfen können: Arabischer Frühling, 9/11, Versailles, technische Innovationen - ich würde sogar sagen: Die wichtigsten Wandlungen der Menschheitsgeschichte ergaben sich plötzlich und meist unerwartet.
Was für eine schwache Mischung aus Fatalismus, Defätismus, Larmoyanz und Küchenpsychologie, die einem hier präsentiert wird!

Ein gebuertiger Hesse

10. Januar 2024 16:57

@ Monika
Danke, Sie haben das Richtige gesagt und in die Runde geworfen. 
Ein Autor wie Lisson ist unrettbar selbstverloren. Ganz gleich, wie viel Stimmiges er auch ansprichen mag, er wird es immer mit einer Portion unverdautem Unglück verzieren nebst einer Last-Man-Standing-Gloriole. Und DAS vergiftet das Ganze.
Hierzu wurde vor ein paar Jahren schon Wesentliches angesprochen.

Daniel

10. Januar 2024 18:39

@ RMH: Frauen wird in der Tat gerne mal unterstellt, sich gemäß ihres Evolutionsprogramms an den nächstbesten Eroberer heranzuschmeißen. Gleichwohl sind Männer aber auch nicht gerade dafür bekannt, beim Ausleben ihres Geschlechtstriebs besondere Sorgfalt walten zu lassen. Was die Partnerwahl angeht, existieren da schon geschlechtsspezifische Muster, die wiederum mit ethnisch-rassischen Merkmalen korrelieren können. Sextouristinnen bevorzugen Staaten mit einer afrikanischstämmigen Bevölkerung, Männer hingegen zieht es eher in ostasiatische Länder... Das sind jeweils auch die Kombinationen, die einem bei gemischten Paaren am häufigsten begegnen. Der Reiz des Exotischen ist somit keineswegs universell, australische Aborigines dürften wohl die wenigsten (sexuell) attraktiv finden. Mit der Hautfarbe hat das aber in jedem Fall am wenigsten zu tun. Eine dunklere Haut (zumal als Kennzeichen eines exotischen Einschlags) kann auch als sehr attraktiv wahrgenommen werden, vor allem in Verbindung mit eher kaukasischen Gesichtszügen, hellen Augen, glatten (oder geglätteten) Haaren. Viele bekannte Sängerinnen der letzten Jahrzehnte entsprechen diesem Typus. Beyonce, Rihanna, Ariana Grande usw.

Der Balte

10. Januar 2024 19:13

Als ich Lissons Artikel in Tumult las war mein erster Gedanke: "Der hat Verve genug die Wahrheit zu schreiben!" Der zweite Gedanke war:"Das überlebt Tumult nicht".
Inhaltlich gäbe es unendlich viel zu kommentieren. Die Rote Armee verließ sich nicht auf ihr sexy Auftreten, die meisten waren einfach ausgehungert in jeder Richtung und Verstöße gegen das Soldatengesetz, das Plünderungen und Vergewaltigungen unter strenge Strafen stellte, wurde quasi nie oder nur in Ausnahmefällen angewandt.
Anders war das bei der Wehrmacht, bei der fast alle Frauen in besetzten Gebieten schwache Beine bekamen.
Ähnlich war das bei den kaugummikauenden GIs. Nur Schokolade, die Packung Lucky Strike oder die Seidenstümpfe haben die Entscheidungen sicher erleichtert, waren aber nicht ausschlaggebend.
Es ist nun mal so und wird auch so bleiben. Ist es nicht reine Gewalt, dann bestimmen die Frauen den Sexpartner. 

Gracchus

10. Januar 2024 21:46

Ich denke auch, die evolutionsbiologische Perspektive ist nicht ausreichend, denn eigentlich müsste man angesichts dessen, dass ein weiblicher Aufschrei ausbleibt und vielmehr die Willkommenskultur mitgetragen wird, davon sprechen, dass die weiblichen Instinkte versagen, was also darauf hindeutet, dass soziale und psychologische eine größere Rolle spielen und die "Biologie" - die es so "rein" beim Menschen sowieso nicht gibt - überlagert. Evolutionsbiologisch plausibel ist zum Beispiel auch nicht die Existenz von Philosophen wie Frank Lisson. 

LotNemez2

10. Januar 2024 21:53

Lisson möchte man mit Sellners Replik auf Simon Kiesslings 'Das Neue Volk' begegnen. Die stärkste Stelle darin war diese: "Ja, Völker können sterben. Doch die Tatsache, dass unser Volk keines „natürlichen Todes“ stirbt, kann kaum geleugnet werden. Tatsächlich finde ich in der Geschichte nichts Vergleichbares."
Vielleicht kennt und erwartet Lisson diesen Einwand aber. Jedenfalls sichert er sich quasi ab, indem er am Beispiel der Christianisierung und Sozialdemokratisierung Europas aufzeigt, dass große kulturelle Umbrüche selten "natürlich" anmuten, im Sinne eines Wachens aus sich selbst heraus, sondern es geht ihnen ein ausdauerndes und gezieltes Erzwingen voraus.
Hier kann man nun weiter fragen, ob dann unsere Situation überhaupt so verschieden von den vergangenen ist? Sicher, hinter den geplanten Transitionen des 21. Jh. stecken mächtige und finanzstarke Kräfte. Aber wurde nicht auch die Christianisierung anfangs von zentraler Stelle aus organisiert? Hatte nicht auch die Oktoberrevolution konkrete Geldgeber und Waffenlieferanten? Natürlich greift irgendwann eine Eigendynamik und die Investition beginnt sich zu rentieren. Aber als echte "Graswurzelbewegung" begann wohl selten ein Umbruch in der Neueren Geschichte. 
Also Frage: Läuft nicht "unsere" Zäsur, die geplante Transition der westlichen Kulturen in eine entgrenzte Suppe aus Allem und Nichts, im Grunde wie jede andere Zäsur in der Geschichte auch, und zwar gerade weil sie geplant und gesteuert wird?

ede

11. Januar 2024 01:34

"Alles, was heute als Krise wahrgenommen wird, hat seine Wurzel in der verhängnisvollen Politik seit den 1990er Jahren." 
Ja, das sehe ich auch so.
Nun, das Buch habe ich noch nicht gelesen, deswegen ins Blaue hinein: die Migration selbst ist zweifellos Symptom und nicht Ursache. Ich drücke das immer so aus, "wir sind das Problem, nicht der Islam". 
Andererseits sind wir halt auch nur Menschen mit den üblichen Mängeln. Der wundersame Moment der Wiedervereinigung war eben (Leipzig hin oder her) überwiegend kein Ergebnis eigener Anstrengung. 
Die liegt noch vor uns. 

FrankaFrey

11. Januar 2024 02:04

Ich denke, dass das, was hier als misogyn verstanden wird (Ich beziehe mich auf die Formulierungen in Lissons TUMULT-Artikel der Winterausgabe), natürlich keine Aussagen über die Frauen oder das Weib an sich sind, sondern einfach das, was Lisson zu erkennen vermag. Jeder denkende Mensch weiß ja doch, wie eingeschränkt die Erkenntnisfähigkeit des Menschen ist. Gerade der Philosoph weiß das. Wenn er nun dergleichen schreibt, dann stülpt er damit entweder sein Inneres nach außen oder er will provozieren.
Es ist doch so, dass der Mann in der Regel genau das im Weibe findet, was er sucht und was seine vorgefasste Meinung bestätigt. Wenn Lisson schreibt, dass der Mann im Weib die „Hure“ suche, dann meint er einen bestimmten Typus Mann, den er kennt. Ich gehe davon aus, dass ein Mann, der im Weib die Mutter seiner Kinder und die Lebenskameradin sucht, diese auch findet. Der Mann, der die Hohe und Reine als Inbegriff weiblicher Anmut und innerer Schönheit sucht, wird ebenso finden, was er sucht, auch wenn er sie nur aus der Ferne anbeten kann. Sie ist ihm dann vielleicht Inspiration für das, was immer wieder Schöpfungen hervorbringt, die Jahrhunderte oder gar Jahrtausende überdauern.

FrankaFrey

11. Januar 2024 02:05

Am einfachsten aber macht es sich der Mann, der die Hure sucht. Er muss nur zahlungsfähig sein. Dieser Mann ist der degenerierte Mann, der Dekadent, derjenige, der an nichts mehr glaubt. Das hält er dann für eine Wahrheit und prahlt damit, sie gefunden zu haben.
Wenn dieser Mann in der Folge darüber jammert, dass die Zeit des „weißen Mannes“ der „Krönung der Menschheit“ mit all ihren Schöpfungen vorbei ist, dann hat er vielleicht etwas nicht miteinander verknüpfen können: die großen kulturellen Leistungen gründen auf Triebsublimierung und wurden von Männern geschaffen, die in Frauen anderes gesucht haben als die „Hure“. Wer sich so sicher ist, dass das „Weib an sich“ „Hure“ ist, muss zwangsläufig ein Hurensohn sein. Damit begibt er sich auf die Stufe des zugewanderten Männertypus, der auch im seinem Geschlechtsgenossen immerzu den Hurensohn vermutet.
Wenn der „Philosoph“ versucht, über das „Weib an sich“ zu schreiben, dann ist es wie mit dem „Ding an sich“. Er kann darüber doch nichts wissen…

Olmo

11. Januar 2024 08:57

Schwarze glätteten sich in den USA unter schmerzen ihre Haare, um Weißen zu ähneln. Ich verbrannte hingegen meine Haut unter der Sonnenbank. Ein Bekannter ließ sich gar Locken machen, und ich beneidete meinen Bruder um seinen natürlichen Lockenkopf. Locken, die unter einer Basecap hervorquollen— wow, das war das coolste auf der Welt, so afro. Das hatte natürlich mit dem Hip Hop Hype zu tun, der aus Amerika kam. Medien haben auch ihren Einfluß darauf, was wir als schön empfinden.

Adler und Drache

11. Januar 2024 09:29

@pasquill:
Frauen aufgrund ihres ausgeprägteren Mitgefühls und ihrer Fürsorglichkeit
Das halte ich für nicht mehr als eine idealisierende, aber unbegründete Behauptung ... oder ein "Narrativ" ... oder einfach nur Quatsch! Passend zu dem Satz: "Keine Frau treibt leichtfertig ab." 

Adler und Drache

11. Januar 2024 09:42

Ist der Staat der "Lebensraum" des Einzelnen? Man lebt ja in vielerlei Bezügen, der Staat ist dabei eher ein Abstraktum. Gewiss ist er beinah allgegenwärtig, und alle seine Entscheidungen wirken sich irgendwie auf mein Leben aus, aber das macht ihn ja dennoch nicht zu meinem "Lebensraum".
"Zwei Entwicklungsstufen einander ablösender Weltalter" - was soll das bedeuten? Wird der Philosoph hier zum Propheten? Die Beispiele Christianisierung und Sozialdemokratisierung lassen sich ja erst im Nachhinein, nach der Vollendung, als "neue Weltalter" erkennen. Solange man im Prozess drinsteckt, ist auch der Ausgang offen - wer weiß, wie viele "neue Weltalter" nicht gekommen sind?
"Das Denken kommt vor dem Handeln." - In der Regel nicht, darum heißt es vielleicht auch "nachdenken". 

Monika

11. Januar 2024 10:14

In Zeiten von a)Regretting Motherhood,b) Kinderfreiheit aus Umweltschutzgründen (Brunschweiger) und c)Ich will alles (Kinder und Karriere), ist es natürlich schwer, für junge Männer und Frauen, einfach eine ganz normale, glückliche Familie zu gründen und zu erhalten. Liebe Ofeliaa, ich weiß nicht, warum Du noch keinen Mann und Kinder hast, aber ich würde da nichts verallgemeinern. Es gibt ganz normale Männer, die eine Familie wollen. Ich schaue bis heute Männer auch daraufhin an, wie sie mit Kindern umgehen können (genervt, geduldig, erfreut, gelangweilt). Das ist ein gutes Auswahlkriterium. Es gibt auch kinderfreundliche konservative, christliche Milieus. Selbst in linksalternativen Kreisen tummeln sich mehr kleine Mias, Rosas, Emils und Oskars als der neurechte "Spießer" sich denken mag .:) Jetzt, im Omaalter kann ich nur sagen: Kinder sind das Wertvollste, was wir haben. Sie zu hegen wie in einem Garten (Kindergarten statt Kita) ist eine ehrenvolle Aufgabe. Kinder  wegzuorganisieren, abzutreiben, auszulagern, das ist sehr traurig. Und ja, wir brauchen stolze, selbstbewußte  Frauen und Mütter. Und keine Unterwürfigkeit, nie und nimmer !

Monika

11. Januar 2024 10:29

@Franka Frey Danke für diesen Beitrag, der mir aus dem Herzen spricht. 
Jetzt, wo die Volkskirchen in Deutschland ihrem Ende entgegengehen, sucht man in der katholischen Kirche den Zerfall durch Abschaffung des Zölibats aufzuhalten. Sie schreiben es richtig: Die großen kulturellen Leistungen gründen auf Triebsublimierung. Wer versteht das heute noch? Wer im Zölibat nur Triebunterdrückung sieht, der kann Ehe nur als Institut für Triebabfuhr verstehen. Dieser Konflikt ist literarisch eindrücklich dargestellt wie sonst nirgends in den Romanen und Erzählungen Leo Tolstois ( etwa: "Die Kreutzersonate") .

FraAimerich

11. Januar 2024 10:38

Erhebe ebenfalls nicht den Anspruch, ein "wahrer Mann" zu sein, schon gar keiner, den Frauen sich wünschen. Möchte jedoch einwerfen, daß ich überrascht bin, welchen Widerspruch das bißchen konstatierte "Unterwerfungslust", wohlgemerkt nur eines der von Lisson genannten Motive, auszulösen vermag. Das ist ja gerade, als würde man am Stammtisch Männer "potentielle Vergewaltiger" oder Soldaten "potentielle Mörder" nennen.
 
Mir ist das mitunter verdächtig, weil oft genug die am empörtesten reagieren, die wissen, daß bei aller "Unerhörtheit" durchaus schon mal "etwas dran sein kann" an solchen Anwürfen. Jedenfalls wenn man den Dingen auf den Grund blickt, auch da, wo sie einem selbst etwas peinlich zu werden drohen, und sich nicht etwa mit freundlicheren Auskunftstiteln zufrieden gibt, etwa lieber von Hingabe oder Integrationshilfe statt Unterwerfung spricht.
 
Rätselhaft freilich, warum Lisson stellenweise gar so dick/provokant aufträgt. Ist er säkularer Krypto-LanzLiebenfelsianer?

Franz Bettinger

11. Januar 2024 10:40

Von der Diktion her zu urteilen wette ich, Kositza hat dieses Gespräch geführt. // Geschichte macht keine Sprünge? Nun, zwischen 1789 und 1815 ist sie ganz nett gesprungen; vom Straßen-Mob zur unverhofft siegreichen Grand Nation; vom Königtum zur Anarchie; und wieder zurück: zum Empire; von Danton zu Kaiser Napoléon, der ganz Europa niederrang, inklusive Preußen. Es hätte auch anders enden können. Und 130 Jahre später; ebenfalls. Voraussagbar war das alles nicht. Und wer hätte gedacht, dass wandernde Steinzeit-Völker das 1000-Jährige Reich Roms zerstören würden; doch haben sie’s getan. /  Wer hätte Luther revolutionäre Kraft zugetraut? Er war das Fallbeil des Papismus. Glaubt man J. Fernau, hätte schon Spartakus Rom ein Ende bereiten können (hätten sich die  Sklaven-Heere nicht getrennt). Zu schweigen vom Kampf um die Amerikas. Nichts war da vorauszusehen, vieles schnell, sprunghaft, zufällig. An den von Lisson ins Spiel gebrachten sozio-(de-)generativen Prozess glaube ich schon gar nicht, wenn damit ein fataler natürlicher Prozess gemeint ist. Der Niedergang, den wir - seit 1945 / 68 / 89 oder 2006 ? - erleben, ist politisch gewollt, ist ausgeklügelt und gesteuert. Er ist das Ergebnis - nein, nicht einer Dekadenz eines Volkes, sondern - der Dekadenz von Schwab- Merkel -Macron -Trudeaus. Lisson hat den Glauben an den Menschen verloren, ich (noch) nicht.

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