Sezession
20. Januar 2017

Notizen zur Rede von Björn Höcke

Martin Lichtmesz / 60 Kommentare

"Lea Rosh ist die häßlichste Deutsche dieser Tage. Ihr Wort ist uns Ekel und eine Qual und eine Schande ist sie jedem, der fühlt." Urteilte Björn Höcke so über die treibende Kraft hinter dem Berliner Holocaust-Mahnmal?

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Halt, nein, eigentlich war es Christian Bommarius in der Berliner Zeitung, der im Mai 2005 dieses harte Urteil fällte, das damals durchaus keine Minderheitenmeinung war.  Was hatte den Autor derart erbost? Die notorisch exzentrische Rosh, die mit Vornamen eigentlich Edith heißt (sie fand diesen Namen laut offizieller Darstellung „schrecklich deutsch“ ) und von der Berliner Stadtzeitung tip zur "peinlichsten Berlinerin des Jahres" gekürt wurde, hatte im Laufe der Einweihungsveranstaltung am 10. Mai 2005 einen originalen "Judenstern" sowie einen Backenzahn präsentiert, den sie angeblich auf dem Gelände von Belzec gefunden hatte, und verkündet, diese Reliquie feierlich in eine Stele des Mahnmals einbetonieren zu wollen – ein Ansinnen, das glücklicherweise verhindert wurde, nicht zuletzt durch den Einspruch von  jüdischen religiösen Autoritäten.

Diese farcenhafte Anekdote illustriert trefflich einen Witz, der dem Vernehmen nach seinerzeit "in der Berliner jüdischen Gesellschaft kursierte" und den ich bei Gevatter Klonovsky gefunden habe:

Wer hat einen Dachschaden, wäre aber lieber meschugge?

Antwort: die

"knuffige deutsche Wunschjüdin, die sich selber in Lea Rosh umbenannte, um nachträglich symbolisch auf die Seite der Opfer zu wechseln" (Klonovsky).

Zwar hat die 1936 geborene und protestantisch erzogene Rosh lediglich einen jüdischen Großvater aufzuweisen, hat jedoch eine ganze Karriere daraus gemacht, sich als allzu deutsche Über-Jüdin und Holocaust-Hohepriesterin in Szene zu setzen, quasi als wandelndes Amalgam aus Täterschuldstolz und Opferprivileg. Auch so kann deutsch-jüdische Symbiose funktionieren, mit dem Worst of beider Seiten in Personalunion. Daß eine Figur wie Rosh, ein Produkt der Nachkriegs-Bundesrepublik ebenso wie Claudia Roth oder der gleichaltrige Horst Mahler, Hauptinitiatorin des Mahnmal-Projektes war, ist kein Zufall und sollte zu einem Tiefenblick einladen.

Um das Geld für das Mahnmal zusammenzutrommeln, ließ Rosh seinerzeit in der Nähe des Brandenburger Tores ein Riesenplakat mit dem Slogan "Den Holocaust hat es nie gegeben" aufhängen, das eine böse schuldverdrängende und daher gründlich zu vermiesende Berg-, Wald- und Seeidylle zeigte.  Baal Müller schrieb 2001 in der Jungen Freiheit einen treffenden Kommentar über die implizite Botschaft dieses Plakates:

Besonders hinterhältig ist die durch die alpine Idylle auf dem Plakat angeregte Assoziationskette, die eine Verbindung zwischen bayerischem (Rest-)Konservatismus, deutschem Konservatismus überhaupt und der Leugnung des Holocaust konstruiert. Die unterschwellige Botschaft dieser agitativen Suggestion ist eindeutig: Nicht die tatsächlichen Neonazis sind die eigentlich gefährlichen Holocaust-Leugner, sondern diejenigen, die sich mit dieser besonders symbolträchtigen, "typisch deutschen" Seelenlandschaft identifizieren, die so boshaft heimattreuen, beharrlich volkstümlichen und volkstümelnden Durchschnittsdeutschen, jene fast ausgestorbene Spezies also, die man in unserem Land freilich mit der Lupe suchen muß.

Auch die wochenendliche Fahrt ins gebirgige Naherholungsgebiet ist also irgendwie anrüchig, weil "typisch deutsch"; Natur und Landschaft sind gefährlich, weil ihr unbeschwerter Genuß dazu beiträgt, den Holocaust "zu verdrängen". Der "volkstümliche" Deutsche, der angesichts des Holocaust noch heiter und unbeschwert zu sein wagt, ist ein Dorn im Auge der Tugendwächter, ist anrüchig, gefährlich und daher unter pädagogische Aufsicht zu stellen.

Eva Menasse kritisierte in der FAZ die "autoritäre Pädagogik" und den "Gesinnungsterror" dieser Art von Kampagne, die den Holocaust zu einem PR-"Spielball" mache. Das Magazin der Süddeutschen Zeitung faßte damals die gängige, lagerübergreifende Kritik an Rosh zusammen:

Dampfwalze Lea, Holocaust-Kassandra, Wunschjüdin, Oberlehrerin mit moralisch erhobenem Zeigefinger, Mutter aller Mahnmale. Fanatisch, herrschsüchtig, einschüchternd, ignorant, unnahbar. [...] Lea Rosh hat den Holocaust inkarniert, obwohl sie keine Jüdin ist. (Wenn sie eine wäre, würde sich kein Mensch über sie aufregen.) In all den Jahrzehnten der Beschäftigung mit Nazis und Holocaust ist ihr dabei die Distanz abhanden gekommen. Der Holocaust, sagt sie, habe sie vergiftet.

Es war also keineswegs bloß die nationalkonservative Presse, der auffiel, daß Rosh offenbar reichlich meschugge ist und ihre Motivationen und Intentionen nicht ganz koscher waren. In erster Linie wollte sie wohl sich selbst und ihrer Mission ein Denkmal setzen. Thorsten Hinz (alias "Doris Neujahr") diagnostizierte eine "Melange aus Betroffenheit, Sendungsbewußtsein, Groll, Größenwahn, aus Kompensations- und Rachebedürfnis", und sah im symbolpolitischen Projekt des Mahnmals eine Art verspäteten "Sieg" Hitlers, der zum negativen Zentrum der nationalen Sinnstiftung wird:

Deutschland hat sich mit dem gigantischen Stelenfeld im Herzen der Hauptstadt bereits festgelegt. Es besagt: Der Judenmord kam aus der Mitte des deutschen Volkes! Er ist das zentrale, sinnstiftende Ereignis seiner Geschichte, das alle Bereiche transzendiert. Bundestagspräsident Thierse behauptet, es werde von der "ganzen deutschen Gesellschaft" errichtet. [...]

Über die Mahnmal-Initiatorin Lea Rosh höhnt der Historiker Götz Aly, sie verkörpere nicht das "bessere", sondern das "dumme" Deutschland. Wolfgang Thierse galt in der Akademie der Wissenschaften, seiner Arbeitsstelle in der DDR, als "Mauerblümchen". Nun will er auf dem Mauerstreifen ein Zeichen späten Bekennermuts pflanzen. Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat sich bis heute nicht ehrlich dazu erklärt, wieso sein Vater Deportationspapiere für Auschwitz abzeichnete. Und Jan Philipp Reemtsma entstammt einer Familie, die die Nationalsozialisten mit Spenden bedacht und im Gegenzug gut verdient hat.

Nur Salomon Korn kommt ehrlich zur Sache: Das Mahnmal solle "ein öffentliches Ärgernis bleiben – ein Pfahl im Fleisch der Erinnerung". Es stehe für die Absage an jeden "Rest an ungebrochenem Nationalbewußtsein". Mit Deutschland sei nur noch eine "'negative' Identifizierung" erlaubt, denn seine neuere Geschichte sei ein "blutiger Ozean". Auch die Protokollstrecke für internationale Staatsgäste solle am Denkmal vorbeiführen. Aus Korns Formulierungen spricht das – aus seiner Biographie begreifliche – Ressentiment gegen das "Tätervolk". Juden sind in der Vergangenheit oft durch Symbole gedemütigt worden. Korns Wunsch ist es, die Demütigung umzukehren. Doch wem kann es nützen, diesen Wunsch zu erfüllen?

Das Mahnmal sollte also exakt den Zweck erfüllen, den Höcke in seiner Rede ansprach. Man kann ihm deswegen also kaum einen Vorwurf machen. Andere Nationen errichten ihrem Ruhm Denkmäler, die Deutschen ihrer Schande, noch dazu mitten in ihrer Hauptstadt. Das ist in der Tat "singulär". Diese Meinung hielt bislang offenbar auch die Bundesregierung für diskussionswürdig. So findet sich auf bundesregierung.de ein am 5. September 2016 erschienener Text zur "Denkmalkultur in Deutschland", in dem der britische Kunsthistoriker Neil MacGregor ohne Beanstandung zitiert wird:

Dass nach 1990, als das wiedervereinte Deutschland seine Rolle in Europa und der Welt vorsichtig neu definierte, das lang umstrittene Holocaust-Mahnmal - nach mehr als zehn  Jahren des Debattierens und Streitens, nach Wettbewerben mit mehreren hundert eingereichten Entwürfen und nach mehrfacher Überarbeitung des letztlich ausgewählten Projekts - zum bedeutendsten Denkmal in Berlin wurde, das hat für sich genommen schon hohe Symbolkraft. Neil MacGregor hat anhand dieses Beispiels auf eine Besonderheit deutscher Denkmalkultur aufmerksam gemacht. Er kenne, schrieb er im Buch zu seiner Ausstellung „Deutschland. Erinnerungen einer Nation“, er kenne „kein anderes Land, das in der Mitte seiner Hauptstadt ein Mahnmal der eigenen Schande errichtet hätte.“

Die Deutschen bestehen gewissermaßen darauf, Champions und Weltmeister des Tätertums zu sein, was ein komplementäres jüdisches Gegenstück hat, das etwa die "Insiderin" Tova Reich in ihrem satirischen Roman Mein Holocaust boshaft karikierte.

Die Frage nach der ästhetischen Form des Denkmals geriet im Vorfeld stellenweise zur veritablen Farce. Der Kassler Künstler Horst Hoheisel reichte einen Vorschlag ein, der manche der expliziten wie impliziten Intentionen des Projekts auf eine logische symbolische Spitze trieb:

Hoheisels Entwurf Denkmal für die ermordeten Juden Europas (1995) sah vor, dass sich in unmittelbarer Nähe zum Wettbewerbsgelände befindende Brandenburger Tor abzureißen, es zu Staub zu zermahlen und das Granulat auf dem Gelände für das Mahnmal zu zerstreuen. Anschließend sollte das Gelände mit Granitplatten zugedeckt werden.

Andere abgelehnte Entwürfe bewegten sich im Bereich des Kitsches, der Groteske oder gar der unfreiwilligen makabren Komik. Man wollte allzu grandios, allzu bedeutungsvoll, allzu krypto-sakral sein. Daß man sich für ein ganzes Fußballfeld aus Betonblöcken entschied, hatte einen theatralischen Beigeschmack: das größte Verbrechen aller Zeiten – so das offenbar zugrundeliegende Kalkül –  bedarf auch eines entsprechend großen Denkmals, und zwar im buchstäblichen, quantitativen Sinne. Das war ein wenig naiv und gewaltsam gedacht, zielte auf maximale ästhetisch-rhetorische Überwältigung.

Dieser eindrucksvolle Entwurf für ein geplantes Denkmal für die Opfer des Stalinismus in Moskau fällt angesichts der geschätzten immerhin 20 Millionen vergleichsweise bescheiden aus, würde man diese quantitative Denke übernehmen; er ähnelt dem Berliner Denkmal insofern, als er stimmigerweise Elemente totalitärer Architektur verwendet. Hier ist ein anderer Gedenkort am Lubjanka-Platz zu sehen, der sich mit einem einzigen Steinblock begnügt. Der große Unterschied ist, daß die Russen niemals auf die Idee kämen, ein solches Denkmal auf den Roten Platz zu stellen, ebensowenig, wie sie sich die alljährlichen Feiern zum Sieg der Roten Armee am 9. Mai vermiesen lassen würden. Und das ist ihr gutes Recht. Keine Nation der Welt sollte ihre Schandtaten zum Zentrum ihrer Identität machen, wie es die Deutschen tun.

Rosh ist übrigens auch eine Kronzeugin für den direkten, kausalen Zusammenhang zwischen dem "Schuldkult" und der laufenden Flüchtlingspolitik, die offensichtlich eine stark religiöse Dimension hat und ironischerweise den arabischen Antisemitismus zum Massenimportartikel gemacht hat. Im Februar 2016 ließ Rosh in der Welt eine Anzeige mit folgendem Wortlaut schalten:

Wir schaffen das! Frau Bundeskanzlerin! Sie haben unser Land verwandelt. Man hat keine Angst mehr vor Deutschland, im Gegenteil: man will nach Deutschland. Nach den Schrecken, den Untaten, die von Deutschland ausgingen, ist das auch für uns eine neue wunderbare Erfahrung.

Alexander Menschig schrieb auf "Achse des Guten":

Ich frage mich aber, ob nicht vielmehr eine Art religiöser Masochismus, eine moralisch erhöhte Form des protestantischen Schuldabbaus, im Zentrum einer (psychologischen) Analyse stehen müsste. Denn das lautstarke, wenngleich aktuell leiser werdende „Refugees Welcome“, ist in seiner abstrakten Hypermoral der Ausdruck für eine letzte, metaphysische Größe die nicht mehr hinterfragbar ist: die eigene und kollektive Schuld, die nun, angesichts des Zustroms der Elenden und Benachteiligten der Erde, abgegolten werden kann.

Egal, ob fundamentalistischer Moslem, islamistischer Terrorist, reaktionärer Patriarch oder gewalttätiger Krimineller, alle Menschen sind in Deutschland ohne Ansehen der Person willkommen. In einer quasi religiösen Kollektivneurose nimmt der „Flüchtling“ (aktuell: der Schutzsuchende) den Status des Unantastbaren ein dessen empirische Gestalt nicht thematisiert werden darf.

Aus diesem Grund wird auch Kritik an den dominierenden Formen der Gedenkpolitik als eine Art Sakrileg oder Blasphemie wahrgenommen, und entsprechend kopflos fallen häufig die Reaktionen aus. Björn Höcke hat "Jehova gesagt", wie in der klassischen Szene aus Monty Python's "Leben des Brian".  Ebenso reflexartig hat man ihn beschuldigt, daß seine Kritik am Berliner Mahnmal impliziere, daß er jegliches Gedenken an den nationalsozialistischen Genozid ablehne.

Wie zu erwarten, hat die Lügen-, Lücken- und wohl auch Lumpenpresse ihrem Namen mal wieder alle Ehre gemacht, indem sie Höckes Aussagen völlig verdrehte. Die FAZ etwa titelte: "AfD-Politiker Höcke nennt Holocaust-Gedenken eine 'Schande'", was später zu "AfD-Politiker Höcke nennt Holocaust-Mahnmal eine 'Schande'" abgeändert wurde und noch immer eine klare Falschbehauptung war.

Persönlich denke ich, daß es selbstverständlich ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus in angemessener Form geben soll und muß. Auf einer rein ästhetischen Ebene finde ich auch das Berliner Mahnmal nicht gänzlich mißlungen. Es ist zumindest "interessant", was freilich in der Kunst schon eine Schwundstufe ist. Es ist ein durchaus eindrucksvolles Erlebnis, durch die endlosen Labyrinthe der steinernen Stelen zu wandern. Dies sah auch Thorsten Hinz so:

Keinerlei Vorwurf trifft den Architekten Peter Eisenman. Sein wallendes Stelenfeld nimmt Formen und Elemente aus Salvador Dalís Gemälde "Die Auflösung des Beharrens der Erinnerung" auf. Dalís akkurate Quader, "die mit unerbittlicher Gleichform gegen Geschichtlichkeit oder Nostalgie der Erinnerung" angehen (Linde Salber) und einen schroffen Kontrast zu den weichen Formen der Meereswellen und der wie Camenberts auseinanderfließen Uhren bilden, sind von Eisenman zu einer dialektischen Einheit verschmolzen worden. Das ist höchst eindruckvoll, doch es bleibt die Anmutung eines Friedhofs.

Ich sehe es als eine legitime Deutung des Holocaust – wenn nicht gar der totalitären Unterdrückung überhaupt – im Geiste einer negativen Theologie, mit womöglich bewußten Anklängen an Kafka.

Wie tief sich die intendierte Erschütterung tatsächlich ausgewirkt hat, läßt sich schwer sagen. Vermutlich war sie letzten Endes nur gering. Schon bald wurde das Mahnmal zur Touristenattraktion, zum Tummelplatz und Erlebnispark für Kinder und Jugendliche, zum öffentlichen Urinal oder zum Schwulentreffpunkt. Inzwischen ist es zum Berliner Alltag geworden; man hat sich schlicht und einfach daran gewöhnt.

Wir sollten uns bewußt sein, daß all die tiefsinnigen politischen, geschichtlichen, geschichtspolitischen, theologischen, zivilreligiösen, ideologiekritischen, nationalpsychologischen und sonstigen "Diskurse", die wir von links bis rechts über das Problem der "Monumentalisierung der Schande" (Martin Walser), der Hierarchisierung der Opfer oder der negativ definierten nationalen Identität führen, den meisten Menschen unzugänglich und unverständlich sind.

Man kann die Problematik völlig nüchtern darstellen, wie es Götz Kubitschek getan hat, aber diese Tiefenschichten werden immer nur eine kleine Minderheit ernsthaft interessieren, und viele müssen erst ihre "Jehova"-Reflexe überwinden, ehe sie überhaupt erst mit dem Nachdenken beginnen. Schon gar nicht interessieren sie jene, die nun Höcke aus seinen Worten einen Strick drehen wollen und über die günstige Gelegenheit jubeln, ihn als Billardkugel zu benutzen, um die AfD einzulochen. Höcke hat wie gesagt an ein Tabu im buchstäblichen – religiösen und sakralen – Sinne, gerührt, und ein paar Reizwörter haben genügt, eine Flut aus Affekten auszulösen, die jede rationale Debatte ersäuft.

Das Thema der Vergangenheitsbewältigung und Geschichtspolitik war noch vor zehn Jahren ein weitaus größeres Anliegen im nationalkonservativen Lager als heute:


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (60)

Lyrurus
20. Januar 2017 09:02

Vielen Dank für diese gute Aufbereitung des Themenkomplexes.

In der nächsten Zeit werden wir uns also in Diskussionen nicht nur mit Schießbefehl auf Frauen und Kinder, der Ablehnung von Boateng in der Nachbarschaft, sondern auch mit dem Denkmal der Schande konfrontiert sehen.

Das macht es nicht einfacher und kostet wieder viel Zeit und Arbeit, um dies für die Verunsicherten zu erläutern und einzuordnen (wobei vorliegender Text sicher hilfreich sein wird; daher möchte ich anregen, für Texte wie diesen die Art der Verfügbarkeit zu überdenken) . Dazu kommt die mit den Begleitumständen verbundene Frustration der Aktiven. Das ist vermutlich das Schlimmste. 

Mein Fazit: Überlegtes strategisches Handeln sieht anders aus. Dabei hatte ich kurz den Eindruck, daß Höcke - und der Rest der AfD-Führung - sich ihrer Verantwortung inzwischen bewußt seien und entsprechend handeln. Auch das ist rechte Inkompetenz. 

Augustin
20. Januar 2017 09:47

Vielen Dank für diese kluge und besonnene Einordnung in die strategische Lage der AfD.

Ein gebürtiger Hesse
20. Januar 2017 10:43

Schade, daß man im Heute nicht aus der Zukunft lernen kann. Hätte Höcke diese intensive Analyse und "Weiterdenkung" seiner Rede schon Anfang der Woche lesen können, hätte er sie kaum auf die gleiche Weise gehalten (oder zumindest das Jehova-Wort durch ein anderes ersetzt). Aber wer weiß, ob die Sache nicht auch noch ihr Gutes hat. Eine ewig verhinderte notwendige Auseinandersetzung mit Negativ-Zentren der eigenen (kollektiven UND persönlichen) Identität bedarf stets aufs Neue der Anstoßung. Dies durch einen schmerzhaften Stich zu tun, und sei es ins Wespennest, hat sicher all die hier erkannten Nachteile. Und dennoch: von nix kommt nix. Vielleicht gibt es landauf landab in diesen Tagen ja doch Leute, in denen die Höcke-Worte einen Schalter des Gesundwerdenwollens anknipst. Diese Hoffnung mag zu romantisch sein, aber es schadet nichts, sie zu haben.

Hartwig aus LG8
20. Januar 2017 11:05

""Wenn die AfD nicht bald stärkste Kraft im Land wird, können wir Deutschland als Heimatland der Deutschen ein für alle mal abschreiben.""

Herr Lichtmesz, dieser Ansicht bin ich nicht. Eine Neujustierung der Welt unter Trump und Putin, ein Siechtum der EU, ein Bedeutungsverlust Deutschlands als Vorposten einer entwerteten NATO, vielleicht eine Globalisierungspause (die dem Exportweltmeister wehtun könnte) - all das wird Anpassungen erzwingen.

Man hat gesehen, zu welchem Richtungswechsel England in der Lage ist unter einer etablierten Partei. Man kann sehen, zu welchem Richtungswechsel die USA fähig sind unter dem Logo einer etablierten Partei. Eventuell wird man ähnliches in Frankreich sehen können unter Villon.

Ich denke, "Schnellroda" muss eine Denkfabrik bleiben. Die AfD wird eine Rolle spielen. Aber der Richtungswechsel wird nicht an Höcke scheitern, und schon gar nicht von Petry, Meuthen oder Gauland abhängen.

Abt Knittel
20. Januar 2017 11:16

Der Wirt, in dessen Gaststätte Höckes Auftritt stattfand, hat laut SPON von gestern Abend die Saalmiete von 2000€ an einen "Aktivisten"gespendet.Dieser beabsichtigt, ein Schiff zu kaufen um noch mehr Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten.

Woher der plötzliche Sinneswandel ? Spiegel erklärt es nicht.Die Welt erwähnt,dass die Fassade der Räumlichkeit nächtens mit 40 Farbbeuteln verunziert wurde.Ob es noch weitere massive Einschüchterungen seitens der bekannten Eingreiftruppe gab, darüber wurde nichts verlautbar.

SPON frohlockt unter "Wie Höcke indirekt Flüchtlingen hilft".

Ebi
20. Januar 2017 11:34

Tja ja, die Anschlußfähigkeit... Und schon gefriert das Wasser...

RMH
20. Januar 2017 11:52

Ich finde den Schluss, den Lichtmesz unter Zitierung von Paulwitz gezogen hat, gut.

Ich habe im anderen Strang schon geschrieben, dass ich Sympathien für Höcke habe, wie wohl die meisten hier. Aber er ist "all in" mit seiner Politikerkarriere gegangen und sollte nun vom Geschichtslehrer-Dasein Abstand gewinnen. Er ist nicht irgendein Hinterbänkler oder ein Mitglied eines rechten Think-Tanks (gibt es so etwas eigentlich?), welches auch einmal quer oder à rebours in öffentlichen Reden bewusst dicker auftragen kann. Er steht mit an der Spitze eines AfD-Landesverbandes und ist der Vorsitzende einer Landtagsfraktion - da muss er selbst bei einem Heimspiel immer an die nächsten Auswärtsspiele denken, an die Beobachtung, die ihm widerfährt und dass die Bretter eben dick sind und gebohrt werden wollen und man sie nicht mit einem Handkantenschlag zerschlagen kann.

Das Entschärfen der "Minen" sollte er daher dringend anderen überlassen, da gibt es sicher genug dafür. Er muss nicht mehr das ganze Feld beackern. Er muss die Wahl 2017 zusammen mit allen anderen von der AfD gewinnen! Und da gilt es in der Tat die aktuellen Themen zu bearbeiten und den Menschen Hoffnungen zu machen.

 

Graddör
20. Januar 2017 12:01

Ich denke, man sollte die normalen Deutschen nicht unterschätzen. Hysterische  Twitterer,  Lügenpresse  und  Ralf  Stegner sind nicht das deutsche Volk. Ich kenne jedenfalls niemanden, dem dieses ständige Einhämmern  mit der Schuldkeule  nicht zuwider ist. Wer braucht diese Lauen, welche wegen dieser Rede die ARD nicht wählen? Und was wählen die denn dann? Anstatt am mutigen Höcke rumzumäkeln, sollte doch jetzt erst recht rhetorisch draufgehauen werden auf die  Hohepriester des Schuldkultes. Höcke sprach mal davon, dass wir Deutschen unsere Männlichkeit wiederfinden sollten. Für mich heißt männlich sein keinen Millimeter zurückzuweichen. In diesem Sinne: Keinen Fußbreit den Schuldkultisten !        

Rheinländer
20. Januar 2017 12:02

Lieber Herr Lichtmesz,

vielen Dank für diese hervorragende Analyse!

Ich muß sagen, daß ich politisch selten so viel gelernt habe wie die vergangenen Tage. Und im patriotischen Lager hat Höckes Rede, egal wie man zu ihr steht, wichtige und notwendige Diskussionen angestoßen.

Was Höcke und auch andere nicht berücksichtigt haben, ist die seelisch-emotionale Seite der Menschen, der Wunsch nach innerem Frieden, gefühlter Gerechtigkeit und Wiedergutmachung von Unrecht. Und dieser Wunsch wird von der offiziellen Vergangenheitsbewältigung durchaus bedient, nur leider auf eine destruktive Art und Weise.

Wie Kubitschek gegenüber einem  Kommentator erwähnte, hat der Schuldkult nämlich auch ordnende, alltagsentlastende, identitäts- und verbindungsstiftende Wirkung.

Und die kann man den Menschen nicht einfach so wegnehmen, ohne ihnen zeitgleich etwas Gleichwertiges als Ersatz anzubieten.

Denn dann reagieren sie hilflos, können das Gesagte nicht einordnen, entwickeln eine kognitive Dissonanz und fallen dann auf die medialen Narrative herein.

Die entscheidende Frage könnte also sein:

Kann die Neue Rechte ein Vergangenheitsbewältigungsnarrativ entwickeln, das den derzeitigen Schuldkult ersetzt und auch noch "attraktiver" als dieser ist ? Das also auf BEIDE Seiten eingeht, Opfer und Täter, aus unterschiedlichen  Perspektiven ?

Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist das, was der Kommentator marodeur unter Kubitscheks Artikel schrieb:

"Über kurz oder lang wird nur mitspielen, wer eine Kerze im "Nie-wieder-Tempel" anzündet. Erst wenn wir uns des Kults bemächtigen, kontrollieren wir seine Kraft."

Nun, bemächtigen im Sinne von eine Übernahme 1:1 sollten wir ihn uns nicht, wohl aber berücksichtigen und mitdenken, welche Bedürfnisse er befriedigt.

Was also setzen wir dem Schuldkult entgegen, was ordnend, alltagsentlastend und verbindungsstiftend wirken könnte ? Bzw. durch was ersetzen wir ihn ?

Georg Kurz
20. Januar 2017 12:16

Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

vielen Dank für den Artikel. Insbesondere, was auf der zweiten Seite steht, halte ich für elementar. Politische Publizistik hat oftmals zwei Aufgaben: Einmal die, die bereits überzeugt sind, zu radikalisieren, und einmal neue Leute zu überzeugen. Derzeit halte ich die zweite Aufgabe für die klar wichtigere, und insbesondere ein Parteipolitiker kann sich meines Erhabens nur zweiteres erlauben.

Vor allem ist es wichtig, immer zu versuchen, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen. Wie kommt das, was ich sage, bei einem anderen an? Wie kommt es bei einem Betonschädellinken an (nicht ganz so wichtig) und wie bei einem politisch nicht allzu Interessierten, der dem Hauptstrom hinterherläuft (sehr wichtig!)? Das möchte ich anhand eines Beispiels der Linken erläutern: Wenn eine Lann Hornscheidt fordert, selbst die Bezeichnung »Professor*in« sei immer noch zu sexistisch, stattdessen sei der (das?) »Professx« angebracht, wird das auch beim Durchschnittsdeutschen Belustigung bis Verachtung hervorrufen. Für unsereins ist das natürlich auch eine schöne Steilvorlage, den Feminismus/Genderismus in toto zu diskreditieren. Derartige Steilvorlagen sollten wir aber unserem Feind nicht ohne Not anbieten.

So lange es noch viele Leute gibt, die gegenüber der Merkel-Regierung Verachtung empfinden, die die schlimmen Folgen der Masseneinwanderung durchaus sehen und diese beenden wollen, aber trotzdem die AfD »ganz schön rechts« und damit »unwählbar« finden (diese Ansicht habe ich schon sehr häufig gehört), ist eben das behutsame Vordringen in die feindlichen Linien geboten.

nordlicht
20. Januar 2017 12:24

Zitat Lea Rosh: "Wir schaffen das!  Frau Bundeskanzlerin! Sie haben unser Land verwandelt!"  Ja...sie hat unser Land verwandelt.  Ich bin jeden Tag mehr erschüttert; daß  ich miterleben muß, wie eine  Ideologie  zusehends ein  ehemals demokratisches Land verwandelt und  politische Kräfte mit ihrem mediengestützten Meinungsmonopolismus dazu täglich ihren Beitrag leisten. Frau Rosh sieht wohl ein anderes Land...oder sie möchte ein anderes Land.

Sozialpatriot
20. Januar 2017 13:05

Über weite Strecken sehr gute Analyse, vor allem, was die unterbewussten zivilreligiösen Motive der Höcke-Kritiker angeht.

Was den Schluss angeht, bin ich aber nicht Ihrer und Paulwitz' Meinung. Die Geschichtspolitik ist so zentral zur Erklärung dafür, warum Deutschland in der Europa- und Migrationspolitik so einen Kurs fährt und warum diese Politik die Schlechteste aller EU-Regierungen ist.

Nur wenn diese Geschichtspolitik verändert wird und die breite Masse des Volkes wieder zu gesunden Menschenverstand zurückkehrt, kann sich etwas dauerhaft grundlegend ändern.

Schlechte Presse ist besser als gar keine Presse. Viele werden sich aus Neugier wohl zum ersten Mal mit dem anderen Blick auf die gesamte deutsche Geschichte beschäftigen und ein Nachdenkprozess wird beginnen.

Höcke führt nur das konsequent weiter, was nicht nur Rudolf Augstein und Martin schon gesagt haben. Auch Alfred Dregger sagte:

"Deutsche Geschichte besteht nicht aus 12, sondern 1200 Jahren." und

"Mit dem Nationalmasochismus muss endlich Schluss sein.

 

 

Ein gebürtiger Hesse
20. Januar 2017 13:07

Die von Rheinländer gestellte Frage ist so zentral, daß sie nochmal wiederholt werden soll:

Kann die Neue Rechte ein Vergangenheitsbewältigungsnarrativ entwickeln, das den derzeitigen Schuldkult ersetzt und auch noch "attraktiver" als dieser ist ?

Hierzu eine Vorbemerkung: die Vergangenheitsbewältigung als solche (und mit diesem Begriff bezeichnete) kann überhaupt kein Narrativ sein, schon weil wir, wenn wir uns auf sie einließen, unter falscher, weil von fremder Seite aufgepropfter Flagge segeln würden. Positive, also auf Lebenswerte ausgerichtete Identität wie sie etwa Höcke vorschwebt, ist so kaum oder gar nicht zu haben.

Und jetzt eine Antwort auf die Frage, aus fünf aus der Hüfte geschossenen Begriffen bestehend: Schläue (siehe die Antaios-Schlange), Bauchgefühl, Glauben, Tat und innere Lebenshöhe (über die Henry de Montherlant letzte Dinge schreibt in dem "Brief eines Vaters an seinen Sohn", der diesen Band abschließt: https://antaios.de/gesamtverzeichnis-antaios/reihe-kaplaken/1090/nutzloses-dienen?c=73 ) sind Grundlagen für alles, was von unserer Seite aus Vorbild und überhaupt BILD werden kann. Das Narrativ, also eine sinngebende Erzählung, kann womöglich, ja ich denke wahrscheinlich, erst hieraus entstehen. Darum haben wir uns aktiv zu kümmern.

Neidhardt
20. Januar 2017 13:15

Einer der scharfsinnigsten Texte der letzten Jahre, heute für einige Wenige ein Schlüssel zum Verständnis einer pathologisch gewordenen Publizistik, morgen für Historiker ein Kompendium zur ideologiegeschichtlichen Durchdringung eines Zeitalters. 

interzonesk
20. Januar 2017 13:26

Höcke redet und - alle Fragen bleiben offen

Martin L. beschreibt einen erinnerungspolitischen Zeitbogen und landet bei Fragen von "Strategie und Taktik". 

Die "Linke", die nicht auf Karl Marx gehört hatte, der nichts von Sozialismus in einem Land hielt  - für den sollte der Kapitalismus weltweit erst die "Drecksarbeit" machen und die Welt vereinheitlichen - hatte das Taktik- und Strategieproblem als Frage des "Zeitpunktes" (der Kräfteverhältnisse) immer schon an der "Backe": als bündnispolitische Frage, ... als "Geschichtspolitik" ....10 Schrittchen vor, 11 Hamburger Aufstände zurück, Strom in die Jurte und Lenin einbalsamiert als pragmatischer Körperhüllenfetisch für die "dumme" Umgebung....Gramsci wollte gar mit dem Bewußtsein das Sein verändern...

Für "Bürgerliche", die auf die Autonomie des Individuums, Vernunft und auf Geschichte als offener Prozeß  - bei aller gesellschaftlichen Bedingtheit des Menschen - setzen, sind "linke Strategien" (Meuten- und Generalsekretärsdruck, Partei neuen Typus, vereinheitliche Geschichtsbilder, seid bereit - immer bereit ....) nicht möglich. 

Linke sind auch einfach zu relevanzblind: 

Die "Berliner",  die sich ewig und drei Tage billige Wohnungen aussuchen konnten, fühlen  inzwischen die Zuwanderungen, die Mieten steigen. Statt über "no nation, no border" nachzudenken, rennen sie Andrej Holm hinterher, weil es "Gentrifizierung" sei... Björn Höcke verdammt man - a la "Gentrifizierung" - wegen irgendwelchen bevölkerungspolitischen Theorien statt auf den "schlagenden" demographisch-afrikanischen Gesamtzusammenhang zu achten.

Kurz: 

Die Autonomie der "Subsysteme", die AfD ist voll davon, ist auch eine Folge fragmentierten bürgerlich-deutschen Bewußtseins, wird sich nicht steuern lassen, so gut Martin Lichtmesz zu lesen ist. 

Es bleibt noch bei Martin Luther. Jeder pflanze - freundlich - sein Apfelbäumchen im Bewußtsein seiner Zeit und Verantwortung auch mit dem Wissen, das Geschichte ein 

"dialektischer" Prozeß sein kann incl des "Wunders" der Wiedervereinigung.

Siddharta
20. Januar 2017 13:28

Ein Kult ist nur dann ordnend, sinnstiftend oder alltagsentlastend, solange er sich gegen Dissonanzen immunisieren lässt. Man kann Wilkomirskis "Bruchstücke" hartnäckig als Autobiographie lesen. Eines Tages wird man sich jedoch mit einer Lebenslüge auseinander setzen müssen. Dieses Thema lässt sich nicht oberflächlich oder beiläufig streifen. Deshalb würde ich diese Kiste vorerst nicht aufmachen.

Der Gehenkte
20. Januar 2017 13:30

Ganz wichtig, den historischen Kontext noch einmal aufzuzeigen!

Ich habe mittlerweile die Hoffnung Höcke aufgegeben - er wird nie ein Politiker werden, zumindest nicht an vorderster Front. Und das mag ihn sogar ehren, denn seine Einsicht in den kommenden Opportunismus und sein "Schwur", daran nicht teilzuhaben, sind wohl ernst zu nehmen. Aber Aufrichtigkeit rächt sich in der Politik in der Regel. Bedauerlich, aber Realität. Ohne Zynismus geht es nicht - das ist ja der Grund, weshalb man ab einer gewissen Intelligenz die Politik meidet: „Nicht die Politiker sind beschränkt, sondern die Beschränkten werden Politiker“, meinte Günther Anders und in diesem Sinne ist Höcke wahrscheinlich keiner.

Oder doch?: Vor allem sollte man lernfähig sein und nicht drei Mal den gleichen Fehler begehen.

"Wenn die AfD nicht bald stärkste Kraft im Land wird, können wir Deutschland als Heimatland der Deutschen ein für alle mal abschreiben."

Wenn das tatsächlich die Kondition ist, dann wäre es aussichtslos. Die AfD wird nicht über das Viertel hinauskommen. Viel wahrscheinlicher ist doch, daß die anderen Parteien nach und nach die Ideen und Forderungen der AfD übernehmen werden und auch das müßte als Erfolg gefeiert werden, denn es geht nicht um die AfD - wie es auch nicht um Höcke geht -, sondern um unser Land! Wäre die AfD nur das Boot, um das andere Ufer zu erreichen, dann könnte man sie dort am Ufer liegen lassen. Man nimmt das Boot - das ist eine alte Buddha-Legende - am anderen Ufer nicht mit. 

In diesem Sinne hat Höcke recht, wenn er die AfD als letzte evolutionäre Chance begreift - solange sie Bewegungspartei bleibt, ist sie das, sobald sie im Establishment angekommen ist, gilt Buddhas Regel.

 

 

Gustav Grambauer
20. Januar 2017 13:48

"Persönlich denke ich, daß es selbstverständlich ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus in angemessener Form geben soll und muß."

Gibt es doch, ein zentrales, allerdings nach den persönlichen Vorstellungen von Helmut Kohl kurz vor dem in Rede stehenden fertiggestellt, somit ein stoßender Kontrapunkt für Frau Rosh & Co.

https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Wache

und darüber hinaus tausende (!) dezentrale, man google nur mal "berlin denkmal vvn" oder zähle allein mal die entsprechenden Tafeln hier durch:

http://www.gedenktafeln-in-berlin.de/nc/gedenktafeln/person/

Berlin ist Weltrekordhalter in der Anzahl progressiver, oft antifaschistischer Denkmale, und dabei überproportional oft für Juden, selbst wenn man die Demmingschen Stolpersteine herausgerechnet läßt!

"Dennoch möchte ich festhalten, daß ich sowohl sein Auftreten als auch seine oft mißglückende Wortwahl und sein Pathos nicht für besonders zielführend halte."

Ich höre bei Höcke folgende Mischung heraus:

- aus der althergebrachten Selbstverständlichkeit so zu aufzutreten, wie seinerzeit einmal ein Strauß oder Wehner unangefochten für ihren Habitus aufgetreten sind. Höcke mag Jahrgang `72 sein, aber er gehört, vielleicht auch durch seinen Vater vermittelt, innerlich nicht der Generation Golf / Wetten-Daß an, so wie eine Petry oder ein Pretzell. Allein dafür ist er für das "Sozialistische Kollektiv" das "Schwarze Schaf".

- aus dem Kitzel am Schmerz über den Untergang seiner alten Welt

- aus dem - wohl bei ihm aus dem tiefsten Inneren kommenden - Ekel gegenüber den heute gängigen süß-klebrigen Farcen der Nieder-Moderation sowie

- aus der entsprechenden Lust an Selbstbehauptung und Provokation.

Ich habe die Rede in vollen Zügen genossen, sie markiert für mich einen Durchbruch. Politisch mag sie unklug gewesen sein, für die geistige Atmosphäre war sie ein reinigendes Gewitter nach einem kaum noch zu ertragenden Schwüle-Stau. Mittendrin habe ich für mich mit unsagbarer Erleichterung gedacht: jetzt müssen auch wir hier keine Befürchtungen mehr haben, daß uns die "Weltgesellschaft" in die FEMA-Särge steckt.

"Manchmal zweifle ich daran, ob es noch irgendeine Rettung für die Deutschen aus ihrer Verblendung und ihren Lebenslügen geben wird."

Lieber Martin, damit sowie überhaupt mit Deinem letzten Absatz gehe ich eher mit Hartwig aus LG8 mit als mit Dir. Auch Höcke war auf einer tieferen Ebene nur getragen von der jetzt überall wiederkehrenden (christlich gesprochen: michaelischen) Welle der (Re-)Konquistadoren-Mentalität (Trump zu Diekmann: "I love to get things done"), die schon für paralysiert gehalten worden war, und die der wahre Grund des Entsetzens der ewigen Bedenkenträger, Zeigefingerheber und Ausdiskutierer ergo Fassadenschieber aus dem therapeutisch-geschützten Raum ist. Ich weiß nicht, warum genau sich Michael "mit dem feurigen Schwert aus dem Munde" so lange zurückgezogen hatte (obwohl es das Zeitalter seiner Regentschaft ist), aber jetzt ist er wieder da und sorgt bei seinen Opponenten bereits für blanke Nerven wie der Fuchs im Hühnerstall.

- G. G.

Westpreuße
20. Januar 2017 13:55

Herr Lichtmesz,

eine wirklich gelungene Darstellung Ihrerseits. Abwägend, klug, dieses und jenes bedenkend, gefällt mir sehr. Und etliche weiterführende Gedanken! Aber wer wird das lesen von den "humanitären Menschheitsgenossen" auf der anderen Seite der Barrikade? Ich meine jetzt nicht die Bezahlschranke, sondern die Denkschranke. Man muß immer wieder bereit sein, seine eigenen Gedanken zur Disposition zu stellen. Sie notfalls dann auch zu ändern, anzupassen...(Gottfried Benn: Erkenne die Lage...).

Zum Denkmal, Mahnmal in Berlin: Es ist richtig, daß der ermordeten Juden (und anderer) in Berlin gedacht wird.  Das sind wir ihnen schuldig. Ich habe dieses Stelenfeld nie als bedrückend empfunden; nur einfach zu monströs wie die Taten, auf die sich das Denkmal bezieht...Ich glaube auch nicht, daß das Denkmal von jungen Leuten als bedrückend empfunden wird: Eher:...boh...ey...cool...echt krass...kuckma...(so oder ähnlich mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört). 

Das ist die eine Seite. Aber was ist mit der anderen Seite? Die Unfähigkeit zu trauern, so Alexander Mitscherlich. Das aber mal auf das Leiden und die Verluste (Menschen, Land, Werte...) der Eigenen / des Eigenen bezogen. Aber Mitscherlich meinte es ja ganz anders...

Zu Herrn Höcke: Ich halte ihn für einen Nationalromantiker, der durchaus diskussionswürdige Themen zur Sprache bringt. Aber sie verunglücken ihm sprachlich. Dauernd rutscht er aus und muß sich hinterher korrigieren, richtigstellen, erklären: So habe ich es doch nicht gemeint...!

Es gibt Themen in Restdeutschland, die sind ein Minenfeld (Kommentar oben). Es ist heikel, dieses Minenfeld so "treudeutsch-naiv" wie Herr Höcke zu betreten. Ich kenne ihn nicht. Ist er denn so gebildet-naiv? Weiß er nicht, wie seine Worte ihm ausgelegt werden..? Das ist ihm nun schon etliche Male passiert. Ich halte ihn auch nicht für einen überzeugenden Rhetoriker. Kommt mir immer etwas komisch vor, wenn ich ihn höre. Auch die Reaktion seiner Zuhörer fand ich nicht angemessen. Viel Begeisterung, nun ja; etwas viel Rummelplatz-Stimmung. Ich weiß aber auch nicht, wie man diesen ganzen Themenkomplex angemessen in der Öffentlichkeit aufnehmen sollte, wenn einem das Herz aufgeht...

Die Bundestagswahl im September wird in den westlichen Bundesländern entschieden. Ich befürchte, wenn Herr Höcke (und andere) sich noch weitere Klöpse  wie gehabt erlauben, läuft der Wähler dort der AfD davon bzw. wählt das für ihn kleinere Übel, was eben das größere ist: Lieber doch nicht AfD..! Es hat auch keinen Sinn, die Menschen als umerzogen, gehirngewaschen, denkfaul, wohlstandsverwahrlost, sich selbst identitätsferne usw. zu beschimpfen. Die AfD hat nur dieses Wählerpotential. Dieser im Wesenskern konservative Wähler sollte angesprochen werden. Weitergehende, tiefergehende Gedanken mögen in Schnellroda und anderswo gedacht und in die politische Diskussion eingebracht werden: Schau mal, so kann man auch denken. Versuch's doch auch mal, raus aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit (Immanuel Kant)...Diese Gedanken gehen doch jetzt (!) schon ihren Weg. Wie Hefe im Brotteig.  Weiter so bitte...

Herr Lichtmesz, insgesamt eine sehr hilfreiche Analyse zur Lage. Nicht nur dankend, sondern auch anerkennend meinerseits gelesen! Ich lese hier, habe ich mir antiquarisch besorgt: Eberhard Ortbandt: Deutsche Geschichte/ Lebenslauf des deutschen Volkes/ Werdegang des Deutschen Reiches; über 800 Seiten. Über Herrn Orthbandt habe ich wenig gefunden im Internet. Er war wohl ein Gymnasiallehrer(?) in den 1950-er, 1960-er Jahren. Vor Jahren las ich mal einen Artikel über ihn, sezession, blaue narzisse, Junge Freiheit; ich weiß es nicht mehr. Wunderbares Werk; die Höhen und Tiefen unseres Volkes beschreibend. Erster Satz seines Vorwortes (Tübingen 1960): "Das Schicksal, das unserem Volk widerfährt, betrifft uns alle."---Grüße von der Weichsel

 

marodeur
20. Januar 2017 14:10

@Graddör

"Ich kenne jedenfalls niemanden, dem dieses ständige Einhämmern mit der Schuldkeule  nicht zuwider ist."

Wo leben Sie eigentlich? Auf anderen Blogs und Kommentarspalten liest auch man ständig solche Aussagen. Es scheint überall in Deutschland Zonen zu geben, in denen ausschließlich Patrioten leben. Bin ich denn der einzige, der tagtäglich umgeben ist von sogenannten "Linksliberalen"? Gehen Sie bitte mal raus aus Ihrer Filterblase.

Lichtmeszs zerknirschtes Fazit am Ende trifft 100% zu. Höckes Rede bringt in Summe den Verlust von Sympathie, Wählern und Nerven. Wir haben in der AfD-Ortsgruppe ehemalige Linke und Gewerkschafter, die schon letztes Jahr angekündigt haben, die Partei zu verlassen, wenn Höcke an Einfluß gewinnt. Der Verfassungsschutz ist unterwegs und wird bald genug Anscheinsbeweise zusammen tragen, um den Sack zuzumachen. Eine Gegenargumentation ist aussichtslos, da "Denkmal der Schande" einfach zu dankbar ist, um sich daran abzuarbeiten. Ich bewundere die Foristen hier, die auch noch glauben, die Aktion hätte vielleicht Wählerstimmen gebracht. Ich glaube, das besagte Minenfeld hat eine Kettenreaktion ausgelöst, die sich gerade durch unsere Stellungen bombt.

Sven Jacobsen
20. Januar 2017 14:25

Martin Lichtmesz hat es geschafft, auf nur zwei Seiten verdichtet die komplexe Thematik und die gesellschaftlichen Gegensätze darzustellen; insofern ist es zurecht ein Premium-Artikel. Nach der Lektüre findet man sich in einer etwas bedrückten Stimmung wieder. Wählen wir als Bezug den Inhalt der bekannten Rede Martin Walsers und die ihr folgenden Diskussionen oder das in der breiten Öffentlichkeit Gesagte zum Mahnmal in Berlin. Es scheint, als würde man hinter der Wortwahl der damaligen Diskussionen zurückbleiben müssen, als würde die Reizschwelle immer sensibler eingestellt werden – zweifellos ein intellektueller Rückschritt, denn kein ernstzunehmender Mensch zweifelt an der Notwendigkeit, sich der deutschen Geschichte wachsam zu erinnern. Kein ernstzunehmender Mensch wünscht sich die NS-Diktatur zurück. Die politische Korrektheit ist jedoch so über alle Maßen bedrückend geworden, dass praktisch die wichtigste Tätigkeit darin zu bestehen scheint, das gesamte Internet sowie alle Interviews und öffentlichen Auftritte auf den politisch korrekten Wortgebrauch zu belauern. Und diejenigen, die das tun, nehmen sich das Recht, ausgewählte Aussagen auf jeden Fall öffentlich zu interpretieren (!) und ihre Interpretationen anschließend zur Grundlage von verbindlichen Sanktionen zu machen. In der Folge wird die besagte Reizschwelle noch feinfühliger gesetzt, sodass für die Deutschen die intellektuelle Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und der eigenen Sprache zum absurden kulturellen Risiko wird.

Heinrich Brück
20. Januar 2017 14:49

Muß vorausschicken, bin weder Minenentschärfer noch Mikadospieler. Und in diesem Zusammenhang dürfen die Minen leider nicht gesprengt werden.

Diese Geschichtspolitik ist den Deutschen eingepflanzt; nachvollziehbar auch die Beschreibung der Vorgehensweise in der Behandlung des Schuldkults. Gleichzeitig gibt es ein Zeitproblem wegen der "demographischen Entwicklung". Der Schuldkult ist in meinen Augen eine Krankheit, in diesem Fall politische Schwäche und Unzulänglichkeit - die AfD überhaupt wählen zu können.

Höcke sprach die Krankheit an, versuchte sprachlich antibiotisch dagegen vorzugehen, und die multiresistenten Keime in Bewegung geraten sind und ihren Standpunkt vertraten. Das Gegengift als Mikadospiel?

Das Minenfeld zu entschärfen, ohne die Minenleger darauf aufmerksam zu machen, und gleichzeitig das Wählerpotenzial der AfD zu erhöhen, bleibt ein zeitlicher Widerspruch; diese Falle wurde sehr gezielt verankert.

Der NS generierte eine Stärke, die, wie in diesem Fall, auch in die falsche Richtung lief. Das Problem nur, wenn politische Stärke an sich schon falsch assoziiert wird.

Im eigenen Land in einem dermaßen beschriebenen Minenfeld leben zu müssen, der Nationalstolz jeden Tag ein bißchen mehr zerfetzt werden darf, ist unmöglich.

Die BRD wird negativ in die Geschichte eingehen, dieses Urteil ist sicher. Und damit können sich viele nicht anfreunden, weil sie schon wieder besiegt wurden. Höckes Ausführungen wurden nicht widerlegt.

stimmviech
20. Januar 2017 15:37

Ohne Aufarbeitung der Reeducation,Abkehr vom Schuldkult und Hinwendung zu Deutscher Geschichte und Kultur wird selbige nicht zu retten sein. Eine weitere weichgespülte CDU brauchen wir nicht,wir brauchen eine Höcke AFD. Der Autor und die Kommentatoren verkennen,daß Ficki-Ficki und der leider zu erwartende weitere Terror die Gutmensch-Wohlfühlblase bricht. Dann suchen die aus der Gehirnwäsche erwachenden nach Antworten für ihr Elend.Diese Antworten liefert Höcke in seiner großen und für die nächsten Jahre wegweisenden Rede.

Andrenio
20. Januar 2017 16:48

Hier die Taktierer in der AfD, alle das Messer im Gewande für den potentiell gefährlichsten innerparteilichen Konkurrenten, dort eine Lichtgestalt mit klarem Blick auf die Ursachen der tiefen seelischen Erkrankung unseres Volkes.

Was soll man mehr dazu sagen?

Jeanne d'Arc ist sogar den Märtyrertod gestorben, hat aber zur Rettung ihres Heimatlandes entscheidend beigetragen. Nicht auszuschließen, dass Björn Höcke dasselbe Schicksal ereilt. Wenn staatlich gekaufte Horden schon jetzt vor fast nichts zurückschrecken, warum vor dem politischen Mord anhalten.

Wir haben bereits die Mördergrube, vor der der deutsche Papst im Bundestag warnte. Das Attentat in Berlin war eine falsche Flaggenaktion. Man schaue sich nur das erste Foto bei BBC an. Was kommt als nächstes? 

Wilhelm
20. Januar 2017 18:28

Wir müssen die "Schlachten der Vergangenheit" (Zitat Paulwitz am Ende des Artikels) schlagen und mit dem Narrativ der Umerziehung aufräumen, weil wir nur dadurch die Kräfte frei setzen können, die wir brauchen, um den Kampf gegen die Mißstände in der Gegenwart gewinnen zu können. Außerdem müssen wir die "Mediokratie" (Vaclav Klaus) als Hauptgegner der Selbstbefreiung erkennen und ihr die Aura von Wahrheitsanspruch, Moralität und Gutmenschentum nehmen durch Aufdecken der inszinierten Fakes und Lügengeschichten. Daran wird gearbeitet und es gibt Fortschritte. Das läßt hoffen.

Solution
20. Januar 2017 19:22

Ich finde persönlich nicht, daß wir ein Denkmal für "die Opfer des Nationalsozialismus" brauchen. Warum auch?

Statt dessen sollte man Denkmäler bauen, die positiv besetzt sind und an die herausragenden Persönlichkeiten und Ereignisse unserer Geschichte erinnern. Das Herrmanns-Denkmal oder die Bismarck-Türme sind so ein Beispiel aus vergangenen Zeiten, wo man noch normal im Kopf war.

H. M. Richter
20. Januar 2017 19:49

Es kommt, wie zu erwarten war: Es wird der härteste und schmutzigste Wahlkampf werden, den dieses Land bisher gesehen hat. Die AfD-Führung wäre gut beraten, Höcke jetzt nicht im Regen stehen zu lassen. Gauland hat dies begriffen, andere offensichtlich nicht.

Auch wäre ratsam, jetzt zum Gegenangriff überzugehen und den Berliner Kurier ("Er ist wieder da" v. 19.01.2017) sowie die Hamburger Morgenpost ("Er ist wieder da" v. 19.01.2017) u. a. mit Schadenersatzklagen zu konfrontieren, deren Höhe nicht hoch genug sein kann.

Siehe: http://meedia.de/2017/01/19/er-ist-wieder-da-und-schande-so-heftig-kritisieren-b-z-mopo-und-berliner-kurier-die-mahnmal-rede-von-afd-mann-bjoern-hoecke/

Bekanntlich begeht eine üble Nachrede (§ 186 StGB), wer eine Tatsache behauptet oder verbreitet, die zur Herabwürdigung geeignet ist und die nicht erweislich wahr ist. Wenn o. g. Medienberichte rechtlich unwidersprochen bleiben, dann Gnade Gott, was die nächsten Wochen und Monate noch an ähnlichen Auswüchsen bringen werden.

Denn: Wer sich zum Kohl machen läßt, darf sich nicht wundern, wenn er gefressen wird. Dies würde aber nicht nur Höcke selbst betreffen, sondern selbstredend die gesamte AfD ... Dann könnte es tatsächlich so kommen, daß wir Deutschland als Heimatland der Deutschen ein für allemal abschreiben (s. o.) können.

Die zugesprochenen Entschädigunssummen sollte Höcke als Spende geeigneten Empfängern zukommen lassen.

Ralf H.
20. Januar 2017 20:08

Adrenio: Volle Zustimmung. Ich habe diese Leisetreterie, diese Rücksicht auf die Unsicheren, die vielleicht, eventuell, möglicherweise ja doch, oder auch nicht, die AfD wählen wollen, könnten und die der ach so politisch dumme, naive Herr Höcke jetzt wieder verschreckt in ihre Wohlfühlhalblinksblase getrieben hat, so was von satt. Dann halt nicht, dann sollen sie ihr Kreuzchen woanders machen und mit den Folgen klarkommen! 

Stein
20. Januar 2017 20:13

Höcke hat alles richtig gemacht. Wenn die AFD tatsächlich Alternative sein will, heißt es, permanent Tabus zu brechen, immer und immer wieder. Kartenhaus oder Djenga, Metaphern für das herrschende System gibt es derer viele. Wenn Unbequemlichkeit dazu führt, daß die AFD bei der BTW nur 10 und nicht 15 % holt, isses auch Wurscht, hat auf die Regierungsbildung eh keinen Einfluß. Wichtiger ist, daß die AFD nicht zu einer CDU von vor zehn Jahren wird, sondern sich zu einem ernstzunehmenden Stachel entwickelt.

E.
20. Januar 2017 20:50

Zitat: "In einer Sache bin ich mir jedoch inzwischen sicher: Jeder Frontalangriff à la Höcke ist auf realpolitischem oder parteipolitischem Gebiet zum Scheitern verurteilt. Er wird gewiß sein Publikum finden, aber kaum mehrheitsfähig sein. Auf letzteres nun kommt es an. Die Zeit rennt uns davon. Wenn die AfD nicht bald stärkste Kraft im Land wird, können wir Deutschland als Heimatland der Deutschen ein für alle mal abschreiben. Man wird aber kaum auf dem geschichtspolitischen Pferd ans Ziel kommen."

Dies ist genau meine Meinung. Wer in diesem entscheidenden Wahljahr einen entscheidenden Wandel zur Rettung Deutschlands als Land der Deutschen erreichen will, möge sich nicht in selbstbefriedigender Theorieakrobatik ergehen, die den potentiellen AfD-Wähler (und das sind viele) nicht erreicht oder gar abschreckt und dem Gegner nur Futter gibt.  - Er möge sich vielmehr die heutige Inaugurationsrede von Herrn Trump als neuen US-Prösidenten durchlesen und anhören und statt "Amerika" und "Amerikaner" die Wörter "Deutschland" und "Deutsche" gebrauchen. Dann gäbe es Hoffnung für einen Wandel in Deutschland.

Der_Jürgen
20. Januar 2017 21:14

Zunächst einmal: Ich bin froh, dass sich Martin Lichtmesz nach langer Pause wieder zu Wort meldet. Vermutlich bin ich nicht der einzige Leser, der anfing, sich Sorgen um ihn zu machen. Nun aber zur Sache:

Ich halte ungemein viel von Björn Höcke, bin aber der Ansicht, dass die verhaltene Kritik, die Felix Menzel auf der Blauen Narzisse geäussert hat

http://www.blauenarzisse.de/hoecke-in-dresden-es-musste-zum-skandal-kommen/

sowie die am Schluss des Lichtmesz-Artikels zitierten kritischen Bemerkungen von Michael Paulwitz zumindest verständlich sind. Vom Standpunkt seiner Partei aus war Höckes Rede kontraproduktiv, weil sie dem Feind willkommene Munition lieferte und die AFD vermutlich mehr Stimmen kosten als ihr neue Wähler zutreiben wird. Parteipolitisch wäre es acht Monate vor der Bundestagswahl am klügsten, sich auf das Thema Nummer eins, die Einwanderungskatastrophe, zu konzentrieren.

Andererseits versteht man auch 

@Andrenio und @Stein

wenn sie angesichts der Tatsache, dass die AFD ohnehin nicht die absolute Mehrheit holt und selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass sie die stärkste Partei wird, von einer gegnerischen Koalition in die Opposition verwiesen werden wird, der Ansicht sind, man müsse jetzt aufs Ganze gehen. In der Tat: Ob die AFD im Herbst nun 15 oder 25% Wählerstimmen einheimst, sie kommt nicht an die Regierung, und bis 2021 sind durch fortgesetzte Masseneinwanderung demographische Realitäten geschaffen, die nicht - oder nur mit extremer Gewalt - rückgängig zu machen sind. 

Wenn sich Höcke als neuer Winkelried kühn opfern will, darf er allerdings nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Diejenigen AFD-Leute, die es für nötig hielten, mit den Schakalen zu heulen und sich von Höcke zu distanzieren, haben bewiesen, dass von ihnen ausser Opportunismus, Anbiederung an das System und Karrieredenken nichts zu erwarten ist. Auch Sahra Wagenknecht hat sich mit ihrer Strafanzeige gegen Höcke als Parteigängerin des antideutschen Systems erwiesen.

Wilhelm
20. Januar 2017 22:10

Wir müssen die "Schlachten der Vergangenheit" (Zitat Paulwitz am Ende des Artikels) schlagen und mit dem Narrativ der Umerziehung aufräumen, weil wir nur dadurch die Kräfte frei setzen können, die wir brauchen, um den Kampf gegen die Mißstände in der Gegenwart gewinnen zu können. Außerdem müssen wir die "Mediokratie" (Vaclav Klaus) als Hauptgegner der Selbstbefreiung erkennen und ihr die Aura von Wahrheitsanspruch, Moralität und Gutmenschentum nehmen durch Aufdecken der inszinierten Fakes und Lügengeschichten. Daran wird gearbeitet und es gibt Fortschritte. Das läßt hoffen.

Monika L.
20. Januar 2017 22:53

Danke für diese hervorragende Analyse. Ich fühle mich verstanden. Mein eher linker Sohn schickte mir nach dem erneuten Höcke-Ausfall eine mail mit folgendem link

http://www.der-postillon.com/2017/01/7-zitate-hoecke.html

und schrieb, "dass er nicht wisse, ob er lachen oder weinen solle". "Das wisse ich auch nicht", antwortete ich ihm. Ich  bin es langsam leid, solche politischen Unbeholfenheiten argumentativ klarzustellen. Das funktioniert kaum auf der Ebene der Vernunft. Und schwer auf der Gefühlsebene.

Ja, ich gestehe. Mich hat es geärgert, dass Herr Höcke kaputtmacht, was so mühsam aufgebaut wird. Nochmal richtig Zwist in die Familien bringt. So etwas kurz vor der Wahl. Und der Drops ist gelutscht. Ja, ich hatte Magenkrämpfe. Stolpere. Bin wütend. Will loyal bleiben.

Umso  angenehmer bin ich überrascht, dass Herr Lichtmesz in einer so vertracktem Lage den Überblick behält. Und zu Hochform aufläuft. Das ist ermutigend. Danke. Für diesen Premium-Beitrag hat sich das Abo schon gelohnt.

Der_Neugierige
20. Januar 2017 22:56

Die Frage ist, hat die AFD den Mut eine 180 Grad Wende zu vollziehen? Gibt es die AFD überhaupt? der liberale Flügel distanziert sich ja von Höcke. Was für mich auch in dieser Rede wichtig war ist, das Höcke sehr deutlich vor Postenjäger gewarnt hat. Diese scheinen sich einen Platz an der Sonne sichern zu wollen. Ich glaube nicht, das die AFD bald 51% der Stimmen bekommt. Nicht bei diesen Medien in der BRD. Es geht nur noch um Schadensbegrenzung, mehr ist nach meiner Ansicht nicht mehr drin.

Rabenfeder
21. Januar 2017 04:35

 

Ich sehe ein, dass das deprogramming von Kultopfern keine leichte Aufgabe ist; schon gar nicht, wenn dem Kult keine Mehrheitsgesellschaft entgegensteht, sondern der Kult nach Jahrzehnten beinahe uneingeschränkter Dominanz noch immer die Medien- und Deutungshoheit über diese Mehrheitsgesellschaft ausübt, wenn auch mit deutlichen Rissen im Gebälk.

 

 

Ich habe mal gelesen, dass gutes deprogramming nicht nur die Konfrontationsmethode (d.h. man konfrontiert den zu de-programmierenden möglichst hart und direkt mit seiner Kult-Vergangenheit) einschließt, sondern dass es wichtig ist, gerade eingedenk der sinnstiftenden Aspekte eines Kultes/einer Sekte, die den Suchenden ja nicht nur illusionär sondern durchaus handfest Gemeinschaft, „einen moralischen Halt und Kompaß“ und dergleichen bieten können, auch diesen wichtigen Teil beinahe jeder Kultkarriere einfühlsam und verständnisvoll zu würdigen.

 

 

Aber diese einleuchtende Heil-Methode (oder Taktik) bedeutet ja nicht, dass der Heiler gleich eigene Kerzen im Kulttempel anzündet und vor dem Kult mitfühlend auf die Knie fällt.

 

Gelegentlich muss ein Heiler den Heilbedürftigen schon noch mit auch unangenehmen Wahrheiten konfrontieren, oder nicht?

 

 

 

Vielleicht ist ja auch so mancher vermeintlicher Heiler viel tiefer vom Kulte berührt, als er glaubt.

 

 

 

Wie dem auch sei: Es dürfte den meisten durchaus einleuchten, dass es zur erfolgreichen De-Programmierung beider Kräfte bedarf, der versöhnlichen und der unversöhnlichen, der weichen und der harten Methode.

 

Es ist ja verständlich, dass in einem alternden Volke die furchtsamen Kräfte stärker wiegen als jugendlicher Wagemut, aber die versöhnlichen Heiler sollten den unversöhnlichen Heilern nicht immer in die Parade fahren, sondern den jeweils anderen Part als ebenso bedeutsam anerkennen. Dies gilt selbstverständlich auch im umgekehrten Fall.

 

 

Auch Rechte dürfen sich der good cop – bad cop Methode bedienen...

 

 

 

Dass im übrigen die härtere Speerspitze, die Avantgarde meist zum geeigneten Zeitpunkt dem hohen Ziele geopfert wird, ist ein alter Hut. Aber man sollte erst opfern, wenn dieses Opfer Sinn macht und dabei Acht geben, an welchem Altar geopfert wird!

 

 

Unser sinnloses und furchtsames, verkrümmtes Selbst-Opfer (gestern Dingens, wie hieß der AFD-„Antisemit“ noch gleich? , heute Höcke, morgen …) ist Kult-Werk, grotesk und sicher nicht heilsam.

 

 

 

 

 

Wenn eines Tages die eigene Ansicht, ja die eigene heiligste Überzeugung zur einzig gültigen Wahrheit erklärt wird, hat ein Mann von Geschmack und Charakter ihr umgehend den Rücken zu kehren.“

 

 

 

Michael Klonovsky

 

sophia_
21. Januar 2017 08:42

Fantastischer Artikel, erstklassig aufbereitet, differenzierte Analyse. Es war dies mein erster Artikel, den ich von Ihnen gelesen habe, aber sicher nicht der letzte.

Freiheit der Gedanken und Differenzierung lassen einen aufatmen in Zeiten wie diesen. Solch interessante Betrachtungen fern von Einheitsideologie und moralischem Zwang sind ein Angebot zum Denken. Angebot angenommen, Abo abgeschlossen.

Monika L.
21. Januar 2017 09:44

Auch in der taz wird auf der Metaebene diskutiert. Immerhin. Man beachte die Leserbriefe:

http://www.taz.de/Bjoern-Hoecke-und-das-Holocaust-Mahnmal/!5376704/

 

Lars Waldgaenger
21. Januar 2017 10:12

Höcke trifft der mediale Dampfhammer für eine provokante und zugleich rhetorisch zielsicher platzierte Unnötigkeit. Dass er diesen hat kommen sehen, ihn bewusst herausgekitzelt hat, ist offensichtlich.

Wer nun allerdings meint, dass ein solcher Tabubruch kurz vor der Wahl wertvolle Wählerstimmen koste verkennt, dass den Medien völlig gleichgültig ist, wer aus dem zutiefst verhassten Lager was, wann und wie tatsächlich gesagt hat. Was sich nicht zur Unkenntlichkeit verdrehen oder verbiegen lässt, wird notfalls erraten oder frei erfunden. Die Nazikeule kracht mit gnadenloser Präzision auch ohne jede Steilvorlage auf alles nieder, was auch nur im Ansatz irgendwie"rechts" riecht und droht, im September die 5%-Hürde zu überschreiten.

ALD
21. Januar 2017 11:45

Ein grandioser Artikel! Danke, Herr Lichtmesz. Das war eine Lesefreude erster Güte. Hier steckt der Geist der Kompromißbereitschaft, der "Einheit in der Vielheit" drin.

Wissen Sie, meine innere Stimme der Vernunft wünscht sich einen Lichtmesz als kulturpolitischen Sprecher in der Partei DM (Deutsche Mitte). Die Linie dieser Partei war von Anfang klar und unmißverständlich. Sie ist konservativ und zukunftsweisend zugleich. Sie entspricht geradezu in idealer Weise dem Geist, der diesem Artikel zugrunde liegt. Bei der AFD hat sich in so kurzer Zeit so vieles überschlagen. Kurzfristig wird sie sicher eine Wirkung entfalten, aber langfristig wird sie nur kleinere Justierungen innerhalb des maroden System ermöglichen.

DM ist die Partei der Zukunft und der Tradition. Möge sie die zum Aufstieg notwendige Aufmerksamkeit erhalten...

Johann Sebastian
21. Januar 2017 11:53

Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

hervorragend! Einerseits sollte Verständnis für Herrn Höckes Anliegen und Inhalte, andererseits Empathie gegenüber der Befindlichkeit der traumatisierten und/oder gehirngewaschenen Deutschen vorhanden sein. „Wer Politik treibt, erstrebt Macht“. Max Webers Binsenweisheit sollte Ausgangspunkt für die Beurteilung von Höckes Rede sein. Eine Partei wie die AfD sollte sich auf ein so umfangreich wie nötiges und so klein wie mögliches Narrativ EINIGEN. Allein die mangelnde Einigkeit stellt eine Demonstration mangelhafter Zielgerichtetheit dar. Dass ein solches Narrativ mittlerweile nicht mehr vollends verteufelt wird, sondern vorsichtig von allmählich mehr Gegnern toleriert wird, liegt v.a. in der Entwicklung der letzten beiden Jahre begründet und mag mit dem langen Artikel von Tobias Rapp über Götz Kubitschek im SPIEGEL exemplarisch belegt werden.

Das Ziel der AfD und eigentlich aller Deutschen muss aber sein, den Rechtsstaat dort wiederherzustellen, wo er nicht mehr existiert, und diejenigen explizit zu schützen, denen es rechtlich garantiert ist, der Souverän zu sein (die Problematik der Souveränität nach 1945 wird hier ausgeblendet). Das Erstreben von Macht wird der wahrhaft Gebildete ablehnen, aber er muss sich auch eingestehen, dass seine Bildung ein Luxusprodukt des machtvollen Wirkens vieler mächtiger sowie tapferer Vorfahren und noch lebender Mitmenschen ist. Nicht alle Macht, aber die Macht in unserer konkreten Lage wäre gut, so partiell sie bereits auf europäischer Ebene wäre. Der Zweck heiligt nicht jedes Mittel, aber man muss demjenigen, der den Stall ausmistet, zugestehen, dass er etwas den Stallgeruch annimmt und sich beschmutzt. Der Besen sorgt nicht nur für kluges Entlarven, sondern arbeitet auch mit dem Instrumentalisieren, wie es der Gegner virtuos beherrscht.

Die eigentliche Drecksarbeit machen aber andere: 1864 waren es die Eiderdänen, die Bismarck instrumentalisierte, 1870 instrumentalisierte derselbe, nur kurz am Boden liegend, einen in dem Moment idiotischen französischen Nationalstolz, 2015 retteten Frau Merkel und die Silvesternafris die AfD. Die Fehler oder falschen Dispositionen der Anderen sind Humus und Dünger bzw. Stallmist für den eigenen Erfolg. Die AfD muss möglichst skandalfrei (Scheidungen mit vielen geschädigten Kindern tolerieren die Gegenwartsdeutschen) und seriös ihre Arbeit verrichten und v.a. das thematisieren, was uns vom oben genannten Ziel entfernt. Dass sie zunehmend integrativ auch für merkwürdige Bündnispartner (gemeinsamer Nenner: der Gegner) sein muss, versteht sich von selbst, da nur der Verrückte meint, er könne mal schnell sein Hirnwäscheprogramm verwirklichen und z.B. geistige Klone Bismarcks schaffen.

Ein Volk wie die Deutschen 2017, ohnehin mit einem problematischen Nationalcharakter ausgestattet, das auf der Couch liegt, wird man, realistisch betrachtet, derzeit kaum therapieren können, indem man mit ihm die Vergangenheit aufarbeitet (was überhaupt nicht gegen die Notwendigkeit umfangreicher historischer Forschungen und Klarstellungen spricht – in parteifernen und nicht taktisch, sondern wissenschaftlich geprägten Nischen), sondern kann allenfalls noch vom Suizid abgebracht werden. Der Schuldkult mag noch so ekelhaft in vielen Ausprägungen sein, doch müssen die Gläubigen mit ihren Ängsten und Konditionierungen ernst genommen werden. Die Schnittmenge mit den Gläubigen ist hinsichtlich der zwölf Jahre ausreichend groß, um das gemeinsame Ziel zu erreichen, so unwahrscheinlich es weiterhin erscheinen mag.

Über Plan B (Diaspora) kann zu gegebener Zeit beratschlagt werden.

Der_Jürgen
21. Januar 2017 15:19

Man gestatte mir, mich hier nochmals zu Wort zu melden. 

Der von Martin Lichtmesz zitierte Michael Paulwitz warnt die Rechte davor, "die Schlachten der Vergangenheit zu schlagen". Genau dies tut das herrschende System aber unentwegt.

Benno
21. Januar 2017 15:37

Höcke lag in der Sache also richtig. Nur hätte er aus taktischem Kalkül auf eine solche Rede verzichten sollen, bis man sich im Bundestag etabliert hat. Ich weiss nicht, welches der richtige Weg ist. Wenn sich Leute wie Höcke zurückhalten, wird dann je jemand in der AFD die Mienenräumpanzer auffahren, die nötig sind, um dieses Mienenfeld zu räumen, oder wird man, da man ja nun mal im Bundestag ist, erst recht nicht an dieser ungesunden Gedenkkultur in der BRD rütteln, um das bislang erreichte nicht zu gefährden?

ML hat mit seiner Rückblende klar aufgezeigt, dass sich das Feld der akzeptablen Meinungen zu diesem Themenkomplex immer mehr zu verengen scheint. Oder kommt es nur darauf an, wer etwas sagt? Dann muss man darauf warten, dass die Systemparteien umschwenken. Das werden sie aber nicht machen.

Auf alle Fälle zeigen allein schon die Reaktionen auf Höckes Rede, dass er mit seiner Auffassung voll ins Schwarze getroffen hat. Es ist schier unglaublich, welch unfreie Debattenkultur in der BRD herrscht. Ohne Isegorie ist die Demokratie aber tot.

Stil-Blüte
21. Januar 2017 16:26

Als Kontrast empfehle ich jedem Berlinbesucher, jedem Berliner ohnehin, den Ort des 'ewigen Friedens', der ein jüdischer Friedhof nun einmal ist, da er keine 'Fristenlösung' wie die christlichen Friedhöfe kennt, den größten jüdischen Friedhofs Europas (Gründung Mitte des 19. Jhd.), in Berlin-Weißlensee mit über 115.000 Grabstellen, also doppelt so vielen Gebeinen, da in einer Grabstelle meistens Familien gebettet wurden, zu besuchen.

Das ist ein lebendiger Ort der stillen unspektakulären Trauer, gleichzeitig ein lebendiger Ort der jüdischen Geschichte in Berlin bis in das 12jährige Reich hinein (heimliche Begräbnisse bis 1945), aber vor allem über das 12jährige Reich bis in unsere Tage hinausreichend. Die oft sehr prächtigen Gruften erzählen uns viel über das Verhältnis von Juden und Deutschen    d a v o r   und weisen in unsere und über unsere Zeit der guten Verbindung zwischen Deutschen und Juden hinaus. Eine Gedenkstelle für die ermordeten Juden gibt es dort ebenfalls. Man kann stundenlang in dem weiten Areal umhergehen und mit sich und der Welt Frieden schließen. Wie jeder Friedhof, auch dies ein Ort der Geschichte, der Kultur-, Architekturgeschichte, der über die einzelnen Verstorbenen hinausweist. In der DDR sollte mitten durch den Friedhof eine neue Straße gebaut werden. Ein Glück, daß das unterbunden wurde. Wie, wäre eine Recherche wert. Wer sehen kann, der sehe. Wer lesen kann, der lese. 

 

Wer es nicht so weit entfernt haben möchte, ein weiterer ewiger Ort des Friedens, der nicht geschändet wurde, ist der kleinere und ältere jüdische Friedhof in Berlin in der Schönhauser Allee. Auf beiden Friedhöfen liegen Persönlichkeiten begraben, die es in Deutschland vor und nach dem 12jährigen Reich zu großem Ansehen gebracht haben. Im letzteren z. B. Max Liebermann.

Zu dem hier besprochenen Denkmal möchte ich daran erinnern, daß der Architekt eine viel freiere In-Besitznahme durch die Besucher erwartet bzw. gewünscht hatte. Was er konkret gemeint hat, weiß ich nicht. Ob er sich Über- die-Steine -hüpfen, sich darauf sonnen, Versteckspielen in den Gängen, kleine Steine auf den jüdischen Grabsteinen, wie üblich bei jüdischen Gräbern, hinterlassen, vorgestellt hat?  Was ich weiß, daß er sich den Sieg des Lebens über den verordneten Tod gedacht hat, und zwar jeglichen Lebens, auch des deutschen.    

 

CCCED
21. Januar 2017 17:43

Zwei Standpunkte kommen in diesem Kommentarstrang und auch in den Kommentaren zu Kubitschecks Artikel: Björn Höcke und das »Denkmal der Schande« zum Vorschein:

1. Es ist zumindest strategisch unklug dieses Thema in Wahlkampfzeiten auf den Tisch zu bringen, da man nur verlieren könne. Auch wenn eine Revision wünschenswert wäre (aus welchen Gründen auch immer), wäre es doch ein Fehler sie anzustreben, da man in der derzeit herrschenden Machtkonstellation zertrümmert werde.

2. Es ist unerläßlich, zuerst an dieser Wunde zu genesen: nur dann könne der Körper der deutschen Nation wieder geheilt werden. Solange diese schwärende Wunde wie eine Monstranz an zentraler Stelle vorangetragen werde, werde dadurch ja auch eine Wiederbesinnung auf die deutsche Identität unmöglich gemacht. Wie soll so einem jungen Menschen die Annahme seines deutschen Erbes und die Fortführung in die Zukunft hin als etwas Gutes und Sinn gebendes erscheinen?

Diese Situation ist ein Dilemma par excellence: Beide Standpunkte sind richtig und scheinen sich auszuschließen. Was können wir tun?

Herr Lichtmesz, Sie lassen zum Ende Ihres Artikels das Pendel zum ersten Standpunkt hin ausschlagen. In der Konsequenz zweifeln Sie dann daran ob es noch eine Rettung für uns (die?) Deutsche(n) geben wird.

Ich sehe keine Lösung für dieses Dilemma. Es wird in absehbarer Zeit keine Lösung geben. Wir müssen also weiter das tun, was wir in den letzten Jahrzehnten tun: uns durchwursteln. Auch eine Deutsche Tugend übrigens.

Das meint: beide Wege akzeptieren. Auch hier getrennt marschieren und gemeinsam schlagen. Den Reibungsverlust, der aus diesem Thema erwächst, als Kollateralschaden einplanen. Die meisten werden dieses Thema meiden, ihre Welle wird etwas weiter am Strand aufwärts fluten. Andere werden den Felsblock angreifen, die Gischt spritzt dann hoch hinauf, die Welle wird gebrochen. Sehen wir nicht dieses Schauspiel seit etlichen Jahrzehnten oder nehmen selbst teil?

Raskolnikow
21. Januar 2017 17:58

Ahoi, geliebte Gemeinde!

Es hülfe sicher, wenn man zunächst einmal feststellt, daß die Reaktionen auf Björn Höcke, auch Eure hier, in dieser Form nur in Deutschland möglich sind. Ja, ich bin frech genug, zu behaupten, in 195 der etwa 200 Nationen dieser Erde hätte diese Rede im Parlament gehalten werden können. Man lese sie einmal vor dieser Leinwand! Und schon tut sich die Zwickmühle auf: Ist Höcke vorzuwerfen, in einem Irrenhaus nicht bekloppt daherzureden? Sollte sich die fuchsschlaue AfD die Clownsnase aufsetzen und listig neue Wähler unter den Narren rekrutieren?

Mir persönlich reicht es ja zu, meinen Frieden zu haben und mich mit meiner Lektüre nebst einer Ration Naschwaren in die Büsche zu schlagen, um dort von den wichtigen Dingen auf Gottes Erde zu erfahren. Aber es geht ja wohl um die gehetzte Mehrheit und die mag es nun mal umschmeichelt zu werden. Also redet irre, führt die Veitstänze auf, wälzt Euch wie Fallsüchtige und besorgt Euch Pappnasen! Und gewinnt die Wahlen!

Aber bitte vergesst nicht, daß Ihr nur so tut, als wärt Ihr narrs!  Und wer von Euch genug vom Mummenschanz hat, ist eingeladen in meinem glänzenden Turm, der uneinnehmbaren Bastion gegen den siechen Brodem, auszuruhen und meinem Gesang zu lauschen, hier oben hört uns die Meute nicht. Ich bin gern Euer Pestpatron...

Wenn einer wie Höcke einmal die Clownsnase vergißt anzulegen oder versehentlich ein klares Wort spricht, müssen wir, bei allem Wählerfang, nicht über ihn herfallen. Überlassen wir das den echten Irren...

Kaukasische Grüße,

R.

Ludovicus
21. Januar 2017 18:17

Ich fand den Artikel von M. paulwitz überhaupt nicht gut, und frage mich dazu nur: Wes Brot ich ess, in fast jeder Jungen Freiheit sind die Klöpse von D. Stein  gegen die kritische AfD Fraktion zu lesen. Schlimm. Es wurde übrigens in der Jungen Freiheit heftig zensiert zu diesem Thema.

Gestern las ich 2 Artikel auf achgut:

http://www.achgut.com/artikel/die_leiden_des_bjoern_hoecke/P20#section_leserpost

http://www.achgut.com/artikel/kurzer_nachtrag_zu_hoecke

Bei beiden Artikeln waren die Leserbriefe überwiegend NICHT kritisch zu Hoecke, sondern kritisch zum Schuldkult, der m.E. die entscheidende Barriere ist, wer anders als ein irres schuldkultvolk ließ sich so etwas wie die Invasion freudig vorsetzen, frage ich.

Die utopische Vorstellung von M. Lichtmesz, die AfD würde die stärkste Kraft werden können, kontrastiert merkwürdig mit seiner ängstlichen Kritik an Höcke.

 

Der Feinsinnige
21. Januar 2017 18:18

Vielen Dank für den so nachdenklichen Artikel. Ich bin erleichtert, daß auch und gerade hier die Rede von Björn Höcke differenziert und auch kontrovers diskutiert wird.

Zunächst vorausgeschickt: Als Abonnent der Sezession vom ersten Heft an und Leser von SiN seit einigen Jahren melde ich mich hier und heute erstmals zu Wort. Ich bin seit Höckes erster Erfurter Demonstration eigentlich überzeugter Anhänger dieses Politikers und bin bereits vielfach persönlich auf seinen Veranstaltungen und Demonstrationen anwesend gewesen, so auch Dienstag in Dresden. Es ist für mich immer wieder ein (positives und hoffnungsvolles) Erlebnis, die „Höcke, Höcke“-Sprechchöre zu hören und die Begeisterung der Anwesenden in mich aufzunehmen. Ähnliches habe ich in meinem Leben einzig und letztmals in Passau bei Franz-Josef Strauß erlebt (1985 und 1986).

Gerade weil ich die Atmosphäre bei einer Rede Höckes persönlich einschätzen kann, möchte ich an den bereits oben vom Leser „Der Jürgen“ in Bezug genommenen Artikel von Felix Menzel aus der „Blauen Narzisse“ anknüpfen. Menzel merkt an, daß sich das Thema der Geschichtspolitik nicht zum Wahlkampfthema eigne und daß es „an der völlig falschen Stelle zum völlig falschen Zeitpunkt“ aufgegriffen worden sei. Dies ist aus meiner Sicht genau das Kernproblem:

Als langjähriger Leser von JF, Sezession etc. weiß ich selbstverständlich um die theoretische Wichtigkeit des Themas, wie wir Deutsche mit unserer Geschichte und insbesondere mit den dunklen 12 Jahren und den in dieser Zeit geschehenen Verbrechen umgehen bzw. wie wir dies in bezug auf die vielen helleren Zeiten und Ereignisse unserer Geschichte gewichten sollten.

Angesichts der derzeit herrschenden politischen und medialen Verhältnisse in unserem Land und angesichts der dramatischen Herausforderungen, vor denen wir stehen, halte ich es jedoch für völlig verfehlt, ausgerechnet das Thema der Geschichtspolitik als Mittel zur Provokation und Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen. Daran kann man sich derzeit eigentlich nur verheben und – das ist entscheidend - „Normalbürger“, die weder Sezession, noch JF lesen, sondern sich (wenn überhaupt) aus den etablierten Medien informieren, abschrecken. Herr Lichtmesz hat dies sehr gut dargestellt. Ich habe selbst solcherart Reaktionen im Bekanntenkreis bereits gehört.

Dem Normalbürger brennen die Masseneinwanderung und ihre Folgen und immensen Kosten auf den Nägeln, die Kriminalität, der Zerfall und die Verwahrlosung des öffentlichen Raumes, die Folgen der Euro-Rettung. Mit diesen Themen lassen sich Wahlen bestreiten und auch gewinnen. Gerade auch von einem eigentlich so hervorragenden Redner wie Björn Höcke. Wenn die AFD die von Höcke ins Visier gefaßten 51 % erst einmal hat, kann man sich immer noch öffentlich Gedanken um eine Neujustierung des Geschichtsverständnisses der Deutschen machen. Bis dahin sollte man sich wohl darauf beschränken, immer wieder darauf zu bestehen, daß auch eine so schwere historische Schuld wie der Holocaust keine moralische Pflicht Deutschlands zur Selbstzerstörung zur Folge hat.

Und: Der geeignete Ort für solche Diskussionen ist nicht ein Bierzelt oder Brauhaus, nicht ein Marktplatz, wo die Menschen sich von einem Politiker mitreißen und begeistern lassen wollen. Dies gilt nicht nur – wie ich durchaus meine – aus Gründen der hier unbedingt erforderlichen intellektuellen Gründlichkeit, die an solchen Orten nur schwer herzustellen ist (schlagwortartige und polemische Äußerungen sind gerade bei diesem Thema Gift, wie gerade die Aufregung um einzelne Formulierungen Höckes zeigt), sondern auch aus Gründen einer taktischen oder auch strategischen Klugheit, die den politischen Gegnern in Medien und Politik nicht auch noch die von allzu vielen als problematisch empfundenen Bilder von begeisterten patriotisch empfindenden Menschen liefern sollte, die nur zusätzlich zur Diffamierung eingesetzt werden können und auch eingesetzt werden.

Ich hoffe, daß Björn Höcke den derzeitigen politischen und medialen Wirbel (den er eventuell sogar bewußt provoziert hat?) übersteht, fürchte aber, daß er sich diesmal ernstlich verhoben haben könnte, was ich um der Sache willen, nämlich der Rettung Deutschlands aus der derzeitigen Krise, außerordentlich bedauern würde.

Abronsius
21. Januar 2017 19:54

Alles perfekt und vortrefflich, höchst wichtig und richtig. Aber der Kern dieser Angelegenheit ist die Frage, was die AfD sein und werden soll und was nicht. Durch diese Rede hat Höcke der Lügenpresse wieder Gelegenheit gegeben, die Worte "AfD", "Höcke", "Nazi" und "Holocaust" in eine Schlagzeile zusammenzubringen. Heute plärren die üblichen Verdächtigen nach dem Verfassungsschutz (JF). Der thüringische VS-Präsident hat sich bereits geäußert.

Also fährt wieder einigen tausend AfD-Mitgliedern und Interessenten der Schreck in die Glieder, weil sie vor einen Abgrund gestellt werden: Es reicht ein Federstrich eines Beamten, und deine Existenz ist vernichtet. Und anhand der ID wissen wir, daß der VS offenbar keine rechtlichen Gründe braucht, um diesen Federstrich zu tun (jedenfalls wurden insoweit keine tagenden Gründe genannt). Ich weiß; wenn man Berufsschreiber und bürgerlicher Sorgen enthoben ist, pellt man sich ein Ei darauf. Hab ich als Student auch getan. Man muß aber schon sehr hart gesotten sein, um, vielleicht noch mit Familie, dieses ständige Leben in Existenzangst zu ertragen. Du hast doch nichts verbrochen! Die meisten werden verrückt oder scheren vorher aus. Ich habe erwachsene Männer gesehen, Lehrer, Polizisten, Referendare, aufgelöst und zitternd: "Oh Gott, wenn das rauskommt, daß ich hier bin." Man kann sich das nicht vorstellen. Wir haben keine freiheitlich-demokratische Grundordnung; sie ist demokratisch, aber nicht freiheitlich. Die Mechanismen der Herrschaftssicherung, die von den Etablierten installiert wurden, sind barbarisch. Und das ist natürlich Kalkül; gerade im psychologischen Bereich sind die Linken ja sehr interessiert.

Der AfD droht in der Folge insoweit eine "NPD-isierung", als daß sozial integrierte Leute fernbleiben, und sich nur noch Querulanten, Eigenbrödler und - ja, Rechtsradikale sammeln. Dann ist die Partei geliefert, und genau das ist das Kalkül der Etablierten. Dies zu bewirken ist die wirkliche Aufgabe des Verfassungsschutzes. Und zu diesem Zweck werden Informationen gesammelt. Die vorliegende Holocaust-Rede war ein Mosaiksteinchen dazu, so harmlos und gut gemeint sie auch gewesen sein mag.

Schon jetzt fallen AfD-Funktionäre immer wieder durch inkompetente Äußerungen auf. Wenn ich z. B. lese, daß man der Personalnot beim BAMFl doch begegnen könne, indem man 4500 arbeitslose Juristen als Beamte im gehobenen Dienst einstellt, dann hat der Urheber dieser Äußerung offenbar keine Ahnung, weder vom Jurastudium, noch von der öffentlichen Verwaltung. Eine Partei, die staatlich relevant werden will, muß aber Ahnung von diesen Dingen haben. Der Gegner hat Ahnung.

Der Feinsinnige
21. Januar 2017 21:37

Ich denke, ich habe mich oben an einer Stelle meines obigen Kommentars undeutlich ausgedrückt, daher diese kleine Korrektur bzw. Klarstellung:

Man sollte, so habe ich meine obigen Ausführungen gemeint, nicht die Bilder von begeisterten Patrioten, die einen Politiker beklatschen und feiern, an sich vermeiden (dann dürfte ich selbst solche Veranstaltungen ja nicht besuchen), sondern lediglich, daß solche Bilder mit dem Thema der Geschichtspolitik und insbesondere dem Thema der Gewichtung der Erinnerung an die Zeit zwischen 1933 und 1945 in Zusammenhang stehen. Ein solcher Zusammenhang nützt dem Anliegen, Deutschland zu retten und zu erhalten, nichts, sondern schadet viel.

Nemo Obligatur
21. Januar 2017 22:13

Brillianter Artikel von Herrn Lichtmesz. Ich würde sagen, wer zu dem Thema "Höcke und das Denkmal der Schande" diesen Artikel nicht gelesen hat, der gar nichts gelesen. Aber unter uns: Wie viele werden das überhaupt sein? Das bedauerliche ist, dass nur sehr wenige bereit sind, den Autoren der Sezession oder der NR überhaupt zuzuhören. Und dank Herrn Höcke sind es jetzt noch ein paar weniger. Ein Bierzelt ist eben kein Seminarraum.

Cacatum non est pictum
21. Januar 2017 22:58

@Monika L.

"Danke für diese hervorragende Analyse. Ich fühle mich verstanden. Mein eher linker Sohn schickte mir nach dem erneuten Höcke-Ausfall eine mail mit folgendem link

http://www.der-postillon.com/2017/01/7-zitate-hoecke.html

und schrieb, 'dass er nicht wisse, ob er lachen oder weinen solle.' 'Das wisse ich auch nicht', antwortete ich ihm. Ich  bin es langsam leid, solche politischen Unbeholfenheiten argumentativ klarzustellen. Das funktioniert kaum auf der Ebene der Vernunft. Und schwer auf der Gefühlsebene.

Ja, ich gestehe. Mich hat es geärgert, dass Herr Höcke kaputtmacht, was so mühsam aufgebaut wird. Nochmal richtig Zwist in die Familien bringt. So etwas kurz vor der Wahl. Und der Drops ist gelutscht. Ja, ich hatte Magenkrämpfe. Stolpere. Bin wütend. Will loyal bleiben."

Werte Monika, ich würde getrost hohe Geldsummen darauf setzen, dass weder Ihr Sohn noch Sie selbst Höckes Rede in Gänze gesehen haben, obwohl sie ja im Internet abrufbar ist. Gleiches dürfte für den Großteil der "Rechten" gelten, die dem Thüringer AfD-Sprecher nun einer nach dem anderen von hinten ins Kreuz springen. Wenn Sie sich ein fundiertes Urteil bilden wollen, dürfen Sie der Mühe nicht entgehen, den etwa 47-minütigen Ausführungen Höckes zu lauschen. Hauen Sie aber auf ihn ein, ohne zu wissen, worüber Sie da sprechen, dann ist der Begriff "schäbig" für Ihr Vorgehen allzu milde gewählt. Ein paar aus dem Kontext gerissene Zitate, veröffentlicht von einem Satiremagazin, erhellen den Sachverhalt jedenfalls nicht.

Wenn Sie ergründen möchten, woher Ihr Beißreflex möglicherweise kommt, habe ich eine Lektüreempfehlung: Lesen Sie Manfred Kleine-Hartlages Kolumne "Die Kultur des Verrats". Sie ist ebenfalls im Internet zu finden und legt auf äußerst hellsichtige Art und Weise die Denkstrukturen des klassischen Konservativen offen. Kleine-Hartlage erläutert, warum die Rechten über ihre eigenen Füße stolpern, sobald sie in die Opposition geraten; er spricht dabei von einer "Hierarchie des Spuckens und Bespucktwerdens", mit der sich die Tumulte in unserem Lager seit Höckes Rede astrein erklären lassen.

"Zwist in die Familie", wie Sie schreiben, bringen die Rechten also auch ganz ohne Björn Höcke. Man muss nur einen konditionierten politischen Reiz setzen: Der Pawlowsche Reflex im rechten Lager folgt zuverlässig auf dem Fuße. Es ist keine Kunst vorauszusehen, dass der Gegner diese bewährte Taktik auch fürderhin zur Anwendung bringen wird; völlig egal, über wie viele Stöckchen Sie die AfD-Granden noch springen sehen wollen. Der Forist "Lars Waldgaenger" hat das weiter oben sehr treffend formuliert.

@Der_Jürgen

"Der von Martin Lichtmesz zitierte Michael Paulwitz warnt die Rechte davor, 'die Schlachten der Vergangenheit zu schlagen'. Genau dies tut das herrschende System aber unentwegt. Es stellt weit über neunzigjährige Männer dafür vor Gericht, dass sie während des Krieges in Auschwitz stationiert waren (dass sie dort irgendwelche Missetaten begangen hätten, wird schon gar nicht erst behauptet; ihr einziges 'Verbrechen' war, dort gewesen zu sein), zerrt eine 88-jährige vor den Kadi, weil sie die offizielle Version der Geschehnisse an jenem Ort hinterfragt, schickt Schulkinder zwecks Traumatisierung nach Auschwitz und entsendet Lehrer zur Ausbildung als Missionare der neuen Zwangsreligion nach Yad Vashem. 

Das System schlägt, um Paulwitz zu paraphrasieren, also Tag für Tag 'die Schlachten der Vergangenheit', aber gegen einen wehrlosen Gegner, dem nicht nur das Schwert aus der Hand geschlagen, sondern dazu noch die Hände und Füsse gebunden und der Mund zugeklebt wurde."

Das haben Sie schön zusammengefasst. Vielleicht geht ja dem einen oder anderen Leser Ihrer Zeilen ein Licht auf, wenn er sich diesen unglaublichen Irrsinn vor Augen hält. Ein Irrsinn, der beendet gehört.

"Diese Leuten täten gut daran, sich in Erinnerung zu rufen, was General Lebed bei einem Besuch in der Gedenkstätte Dachau ins Besucherbuch schrieb: 'Man soll nicht mit Pistolenkugeln auf die Vergangenheit schiessen, weil sie sonst mit Kanonenkugeln zurückschiesst.'"

Das Zitat war mir unbekannt, aber ich ich halte es für sehr tiefsinnig. Vielen Dank.

Übrigens lese ich Ihre Beiträge wirklich gern. Das habe ich schon in meiner Zeit als "stiller Mitleser" bei SiN getan. Wenn über einem Wortbeitrag Ihr Synonym steht, kann man davon ausgehen, dass sich darunter ein präzise formulierter, solider und ausgewogener Text befindet, aus dem sich meist Erkenntnisse gewinnen lassen.

Gustav Grambauer
21. Januar 2017 23:24

Meine Mutter, 84 Jahre, unnachahmlich, läßt für die Diskussion mitteilen: "Das  68er-Jungvolk soll doch bei dem Höcke nicht so ein Theater aufführen, gerade die haben`s nötig! Die tun so etepetete, aber die wissen doch ganz genau, daß sich ihre Überväter früher gegenseitig darin übertreffen wollten, wer der größte Bürgerschreck ist!".

Stil-Blüte

"In der DDR sollte mitten durch den Friedhof eine neue Straße gebaut werden. Ein Glück, daß das unterbunden wurde. Wie, wäre eine Recherche wert."

Honecker hatte sich von irgendwem einflüstern lassen, US-Präsident Bush senior würde ihn gern im Weißen Haus empfangen, damit wollte er sein Land noch vor dem möglichst lange auszusitzenden Untergang krönen. Sich für besonders pfiffig haltend dachte der Idiot, er könne den Weg dorthin sogar noch dadurch abkürzen, daß er sich bei den Juden einschleimt.

Also ließ er in Ostberlin in aller Pracht und mit allem Prunk die Neue Synagoge wieder aufbauen, obwohl das Volk schon kalauerte:

"Für den Wartburg keine Schraube /

Keine Bretter für die Laube /

...".

Sein entsprechender Versuch, die Gemeinde wieder künstlich und sogar mit einem aus den USA eingeflogenen Rabbiner zu reaktivieren war einerseits ein Rohrkrepierer, weil sich kaum jemand dorthin hingezogen fühlte, andererseits ein Stich ins Wespennenst, weil die Konkurrenz (Adass Jissroel) in ihrem Neid äußerst pikiert reagierte und dies auch auf allen Kanälen im Westen kundtat. Ich komme zum Punkt: dann ließ er noch ausgerechnet die FDJ (!) Subbotniks

https://de.wikipedia.org/wiki/Subbotnik

auf dem besagten jüdischen Friedhof durchführen. Auch das war ein Rohrkrepierer, denn es waren nicht mehr die 20er Jahre des Genickschusses für Befehlsverweigerung, auch war Sommer (wenn ich mich noch recht erinnere 1986) und die Freibäder hatten geöffnet ... Drei Jahre später mußte er Gregor Gysi zum WJC nach New York schicken, damit dieser dort dafür wirbt, daß das Weltjudentum seinen Einfluß für den Erhalt der DDR geltend macht. (Die haben wohl nur gelacht.)

(Die Lenin-Subbotniks waren bei Todesstrafe verpflichtend. Sie waren von den Bolschewiken u. a. dazu eingeführt worden, die Thora-treuen Juden zu demütigen und in ihrer Religiosität zu brechen, welche bekanntlich am Sabbat (-> rus. Sonnabend = "Subotta" -> "Subottnik") die Arbeit ruhen lassen müssen. Ein Großteil der Alten Garde bestand aus Juden, die damit auch auf ihre eigenen mehr oder weniger orthodoxen Elternhäuser abzielten.)

- G. G.

Simplicius Teutsch
21. Januar 2017 23:32

Lieber Raskolnikow,

 meine Verehrung! Wollte eben einen eigenen Kommentar zu den vielen interessanten und klugen Kommentaren beisteuern, da habe ich erst den Ihren gelesen.

 Nun, ich denke, Sie haben treffsicher und mit der richtigen Munition alles gesagt, was zu sagen ist.

 Nicht dass Sie denken, ich bin ein Säufer, aber jetzt spare ich mir einen eigenen Kommentar und - es ist ja Wochenende - mache mir eine Flasche dunkles Köstritzer auf (auch wenn ich ein Wessi bin); ein König Ludwig Dunkel ist übrigens auch ein Genuss.

Prost! - O ist das gut.

 

Corvusacervus
21. Januar 2017 23:44

Martin Lichtmesz hat alles Notwendige hinreichend gesagt. Herr Höcke muß sich entscheiden, ob er Politik machen oder zweideutig reden will. Ich kann sehr gut verstehen, daß wir uns in Deutschland extrem darüber ärgern, nicht wie Trump in den USA durch eigentliches und provokatives Reden Politik machen, im konkreten Fall eine Präsidentschaftswahl gewinnen zu können. Das ist ärgerlich, aber es ist nun mal so. Wenn Herr Höcke es aber versuchen möchte, durch provozierendes Reden Politik zu machen und Wahlen zu gewinnen, muß er zügig besser reden lernen und vor allem muß er Zweifel an seiner Gesinnung nicht durch Zweideutigkeit nähren, sondern durch Nachdenklichkeit und Vielschichtigkeit erschüttern. Dazu kommt eine gewisse unelegante und selbstreferentielle Art des Auftretens. Man hat immer die Sorge, er packt gleich wie bei Anne Will wieder sein deutsches Fähnlein wie ein Schnupftuch aus. Herr Höcke behindert, daß aus grassierender Verdrossenheit mit der Merkelei, die bis weit in die Kohorten der Nichtwähler und Wähler der Bundestagskartellparteien reicht, alternatives Wahlverhalten wird.

Brettenbacher
21. Januar 2017 23:48

Höckes Rede war ein Ruck!

Daß nun ein Zucken von jenen(r) kommt , von denen(der) wir dachten, daß sie keine Mucker seien(sei), enttäuscht sehr.

Aber Koblenz entzückt. Das dann doch wieder.

Totum simul.

Martin S.
22. Januar 2017 00:19

Um das System zu entlarven ist es gar nicht nötig, dass sich AfD-Politiker über die richtige Art des Gedenkens theoretisch produzieren.  Es genügt doch schon, wenn sie an den üblichen öffentlichen Holocaust-Gedenkritualen teilnehmen. Allein die laute Empörung der Berufsbetroffenen darüber, dass sie IHRE Betroffenheitsveranstaltungen mit  angeblichen "Rassisten, Ausländerfeinden, Antisemiten" von der AfD teilen müssen, wird  das System wirkungsvoller entlarven als jede noch so provokante Rede. 

Abgesehen davon gibt es derzeit tatsächlich wichtigere Themen als Fragen der Gedenkkultur. Das ist eher ein Thema für die Zeit, wenn ein künftiger deutscher Donald Trump die Kanzlerschaft angetreten hat ...

Beste Grüße

Martin S.

Monika L.
22. Januar 2017 08:20

"Es hülfe sicher, wenn man zunächst einmal feststellt, daß die Reaktionen auf Björn Höcke, auch Eure hier, in dieser Form nur in Deutschland möglich sind. Ja, ich bin frech genug, zu behaupten, in 195 der etwa 200 Nationen dieser Erde hätte diese Rede im Parlament gehalten werden können. Man lese sie einmal vor dieser Leinwand! "

Rakolnikow

Hallo, huhu,

Der Pemium-Artikel lockt den Premium-Kommentator aus den Büschen hervor.

Man muß nicht frech sein, um zu behaupten, dass in 195 der etwa 200 Nationen dieser Erde diese Rede im Parlament gehalten werden könnte. Das hatte ich auch meinem Sohn so ähnlich gesagt. Er meinte darauf: " Dann soll der arme Höcke doch nach Frankreich oder UK auswandern. "

Das Volk kann leider nicht auswandern, jedenfalls nicht das deutsche. So schlagen sich einige halt in die Büsche. Habe das auch schon überlegt.

Gruß R.

 

Paracelsus
22. Januar 2017 09:27

Vielen Dank für den wieder einmal hervorragenden Artikel. Ich möchte über den hinteren Teil der folgenden Sätze von Martin Lichtmesz weiterdenken:

„Jeder Frontalangriff à la Höcke ist auf realpolitischem oder parteipolitischem Gebiet zum Scheitern verurteilt. Er wird gewiß sein Publikum finden, aber kaum mehrheitsfähig sein. Auf letzteres nun kommt es an. Die Zeit rennt uns davon. Wenn die AfD nicht bald stärkste Kraft im Land wird, können wir Deutschland als Heimatland der Deutschen ein für alle mal abschreiben.“

In meinen Worten: Es kommt darauf an, die Mehrheit, das ist die politische Macht im Staate, zu gewinnen. Aber es besteht großer Zeitdruck: Wenn die AfD nicht bald die politische Macht gewinnt, wird Deutschland unwiderruflich nicht mehr das Heimatland der Deutschen sein.

Wo aber werden sie leben, die Deutschen? Wandern sie aus? Werden sie alle heimatlos? Finden sie eine neue Heimat?

Oder muss dieses Land geteilt werden, mit anderen Völkern? Wird es ein Vielvölkerstaat? Wie würden Deutsche in einem Vielvölkerstaat auf dem jetzigen deutschen Boden leben? Welche Völkerschaften würden sich herausbilden?  

Das Untergangsgefühl, das Gefühl der Machtlosigkeit ist dann gerechtfertigt, wenn man sich vorstellt, dass immer die Mehrheit entscheidet: dann kann jetzt noch letztlich von Deutschen entschieden werden; bei Zunahme des Anteils von Menschen „mit Migrationshintergrund“ werden immer mehr deren politisch-kulturell-wirtschaftlichen Gestaltungsideen verwirklicht. – Die Situation ruft also nach dem Überdenken dieser Gesellschaftsgestaltung, und der Begriff „Vielvölkerstaat“ ist ein Versuch, eine andere als die Einheitsperspektive zu denken.

Ich bin zwiegespalten, ob ich dem Zeitdruck-Untergangsgefühl zustimmen soll, oder doch Hoffnung haben darf. Aber auf was? – Letztlich hängt alles davon ab, ob Deutsche noch Deutsche sein wollen, das heißt (in meinem Sinn), ob sie die auf sie gekommene Kultur weiter pflegen wollen, und sich in ihrer Kultur (und diese mit sich) weiter entwickeln wollen. Das ist möglich, auch in einem weniger kulturell einheitlichen Land, sofern die einzelnen Völkerschaften sich gegenseitig respektieren würden. Wobei man nicht wissen kann, ob das gelingt. In den vergangenen Jahren gab es bekanntlich viele Beispiele, wie gerade anhand der ethnisch-kulturellen Grenzen leicht Konflikte erzeugt werden können. („Erzeugt“ meint zunächst nicht einen Hinweis auf einen „verschwörenden“ Akteur im Hintergrund, sondern: durch Anwendung von menschlichem Wollen.) Und die Umsiedlung von Menschen aus aller Herren Länder nach Deutschland ist die tatkräftige Organisation von ethnischen, kulturellen und sozialen Verwerfungen, die leicht in handfeste Konflikte eskalieren können (und jetzt schon, wie bekannt, in Gewaltverbrechen insbesondere an Frauen gemündet sind.)

Also, der Gedanke vom Ende des Heimatlandes der Deutschen erzeugt Druck. Ist die Alternative Machtübernahme versus Untergang aber wirklich stimmig? Kann nicht schon morgen das Zauberwort erklingen, das die Welt zu singen beginnen lässt? Was könnte progressiv angegangen werden?

Beispiel Gedenkkultur. Wer hat Erfahrungen damit, dass die derzeit gepflegte Gedenkkultur an die Zeit den Nationalsozialismus in Deutschland ihn/sie wirklich menschlich angeregt, zu einem tief ergreifenden Erlebnis geführt hat? Ein Erlebnis, was in einem selbst die moralischen Kräfte gestärkt hat, dass man sich entschloss, mehr Menschenfreundlichkeit in seinem Leben zu leben?  – Ich neige dazu anzunehmen, dass solche Erlebnisse eher selten sind. Dass Überforderung, Mitschuldgefühl, Selbstentwürdigung als Verantwortlicher usw. eintritt, oder auch Desinteresse… Oder dass man sich bemüßigt fühlt, „gegen Rechts“ zu sein, und so sich eine weiße Weste zulegt.

Besteht also eine noch unerledigte Aufgabe, eine Kultur der Erinnerung selbst und aktiv zu pflegen, an diese Zeit großer Menschenfeindlichkeit, an das, was damals geopfert wurde? Sozusagen eine Erinnerungskultur „von rechts“, die erkennt: da ist eine die Menschen stärkende Form des Gedenkens erst noch zu entwickeln. Wo man alle Opfer ehrt, gleich welcher Religion oder Volkszugehörigkeit sie sind. Erinnerung ohne Schuldkult. Dass man die Singularität eines jeden durch Gewalt vorzeitig beendeten Lebens ehrt. Dass man aufhört, aufzurechnen, wer mehr Leute umgebracht hat...  Man möchte die jüdischen Brüder und Schwestern vom Zentralrat ermuntern zu erkennen, dass ein zerknirschter Deutscher von heute, (der im Sinne Hannah Arendts moralisch verwirrt ist), für sie kein aufrechter Partner sein kann. Sie selbst leben ja in der Not, von Geburt an zu den moralisch Guten zu gehören, was sie polar zu dem Deutschen heraushebt aus der wirklichen Moralität, die nicht angeboren ist, sondern nur durch eigenes Handeln, Fühlen und Denken zu erringen ist.

Ich verstehe diesen Beitrag als ein stammelndes, suchendes Fragen. Man möge die Unfertigkeit verzeihen.

Adam
22. Januar 2017 10:18
@ Der_Jürgen
Der von Martin Lichtmesz zitierte Michael Paulwitz warnt die Rechte davor, "die Schlachten der Vergangenheit zu schlagen". Genau dies tut das herrschende System aber unentwegt.
 
 
Sehr richtig. Und zum Beweis legt die Universität Greifswald einen Tag nach der hervorragenden Rede von Höcke (ich war dabei) den Namen Ernst Moritz Arndt ab.
Martin Lichtmesz
22. Januar 2017 11:09

Ich danke den Kommentatoren für die guten Beiträge. Zwei Dinge möchte ich rasch anmerken:

1. Inhaltlich habe ich wenig (einiges aber doch) an Höckes Rede auszusetzen. Diejenigen, die ihm einen Strick daraus drehen wollen, sind meistens so oder so der AfD feindlich gesinnt, und ihnen ist jeder beliebige Vorwand recht. 

2. Der Einwand gegen Paulwitz trifft absolut zu, daß es vorrangig das herrschende System ist, das nicht müde wird, ununterbrochen die "Schlachten der Vergangenheit" zu schlagen. Das ist gewissermaßen zum konstitutiven Ritual geworden, das zwanghaft wiederholt werden muß. Wobei ja nicht einmal mehr um irgendetwas gekämpft werden soll, man fordert einfach die permanente rituelle Affirmation des Schlachtenergebnisses. Mit diesen Dingen wird ständig Politik gemacht, insofern ist es etwas heuchlerisch, sich darüber zu empören, wenn jemand wie Höcke zum Gegenangriff ansetzt oder sich auch nur Widerspruch oder Kritik erlaubt. Früher habe ich oft Kritik an der JF gehört, warum sie sich denn soviel mit dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen beschäftige, ob das nicht "rückwärtsgewandt" usw. sei. Das hat mich immer etwas gewundert, wird doch z.B. gegen den Spiegel mit seinen regelmäßigen einschlägigen Stories dieser Einwand nie erhoben.

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