Sezession 79 – das neue offene Heft!

Ausgabe 79 der Sezession widmet sich als offenes Heft auf 74 Seiten wiederum einer Vielzahl verschiedener Themen. Aktuelles, Immergültiges und Jahrestage werden gleichermaßen berücksichtigt – hier ein Überblick!

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

+ Trotz aller rech­ter Abge­klärt­heit gibt es doch hin und wie­der noch Vor­fäl­le, die betrof­fen machen und sprach­los zurück­las­sen. In ihrem “Bild und Text” the­ma­ti­siert Ellen Kositza die sehr per­sön­li­che Geschich­te eines Verlusts.

+ Kon­rad Weiß, Über­set­zer und Mit­ar­bei­ter des Karo­lin­ger-Ver­lags, zeich­net für ein Por­trät des alba­ni­schen Welt­schrift­stel­lers Ismail Kada­re ver­ant­wort­lich. Der 1936 gebo­re­ne Kada­re zählt seit sei­nem Durch­bruch mit dem Roman Der Gene­ral der toten Armee (1963) zu den bedeu­tends­ten euro­päi­schen Bel­le­tris­ten und ist ein mus­ter­gül­ti­ger Ver­tre­ter des schrift­stel­le­ri­schen Ein­tre­tens für Volk, Hei­mat und das Eigene.

+ Der Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­ter und His­to­ri­ker Gün­ter Scholdt hat den “Fall Sie­fer­le” ent­lang der Pres­se­land­schaft noch ein­mal detail­liert von Anfang Juni bis Mit­te Juli nach­ge­zeich­net und stellt die unter­schied­li­chen Posi­tio­nen von aus­ge­präg­ten Syko­phan­ten (Her­fried Münk­ler, Vol­ker Weiß, Eck­hard Fuhr) bis hin zu vehe­men­ten Unter­stüt­zern (Micha­el Klo­n­ovs­ky, Frank Böckel­mann) ein­an­der gegenüber.

+ Unter der Paro­le »Zer­setzt, was euch zer­setzt!« hat Johan­nes Poens­gen umris­sen, wie die welt­an­schau­li­che Lin­ke aus Ein­sicht in das zwangs­läu­fi­ge Schei­tern ihrer uto­pis­ti­schen Wir­run­gen dazu über­ging, nur noch die eige­ne Unan­greif­bar­keit und die eige­nen Pfrün­den abzu­si­chern – durch immer neu­es Dis­kri­mi­nie­rungs­ge­schrei zuguns­ten immer neu­er her­bei­phan­ta­sier­ter Rand­grup­pen und Min­der­hei­ten, durch rück­sichts- und rück­halt­lo­ses Durch­set­zen der eige­nen Ansprü­che gegen­über einem immer wehr­lo­se­ren staat­li­chen Apparat.

+ Frank Lis­son mahnt ein neu­es Welt- und Geschichts­ver­ständ­nis von recht an: Um die Ver­wer­fun­gen der Gegen­wart ange­mes­sen durch­den­ken zu kön­nen und schließ­lich zu alter­na­ti­ven Model­len zu gelan­gen, sei es not­wen­dig, auch stief­müt­ter­lich behan­del­te The­men­fel­der wie Bewußt­s­eins­psy­cho­lo­gie und Anthro­po­tech­nik ein­zu­be­zie­hen. Nur so kön­ne ein wei­ter­füh­ren­des Bild der gesell­schaft­li­chen Per­sön­lich­keit ent­wi­ckelt und in ent­spre­chen­de Kon­se­quen­zen über­führt wer­den: »Nach­den­ken, ver­ste­hen, gehen«.

+ Mar­tin Sell­ner beleuch­tet in sei­nen »Poli­ti­schen Para­do­xien« die Facet­ten poli­ti­scher Bewe­gungs­ar­beit vom Stel­len­wert der offe­nen oder geschlos­se­nen Grup­pen­iden­ti­tät bis hin zur auf fun­da­men­ta­le Ver­än­de­run­gen zie­len­den Zan­gen­be­we­gung durch Par­tei und Bewegung.

+ Im Auf­trag der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung war­nen “enga­gier­te” Poli­tik­wis­sen­schaft­ler und Phi­lo­so­phen schon seit län­ge­rer Zeit davor, daß man sich kei­nes­falls durch eine sach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit “faschis­ti­schen” Schrif­ten und Köp­fen geis­tig beschmut­zen dür­fe. Ent­spre­chend groß ist der inqui­si­to­ri­sche Eifer, mit dem gegen Abweich­ler von die­ser Linie vor­ge­gan­gen wird – etwa gegen die Bel­gie­rin Chan­tal Mouf­fe und ihren 2014 ver­stor­be­nen Ehe­mann Ernes­to Laclau. Ergän­zend zu sei­nem kapla­ken-Band Quer­front unter­sucht Bene­dikt Kai­ser das Poten­ti­al ins­be­son­de­re der Leh­re Mouf­fes, die den ago­nis­ti­schen Begriff des Poli­ti­schen nach Carl Schmitt für eine »radi­ka­le und plu­ra­le Demo­kra­tie« in Stel­lung zu brin­gen sucht.

+ Ellen Kositza wid­met sich aus­führ­lich dem apar­ten und ver­hält­nis­mä­ßig neu­en Dis­kri­mi­nie­rungs­kon­zept des “Loo­kis­mus”: Wer sei­nen Augen traut und Zeit­ge­nos­sen ad hoc nach ihrem Anschein beur­teilt, han­delt dem­nach auto­ma­tisch als Unter­drü­cker. Ers­te Anzei­chen davon zei­gen sich längst auch hier­zu­lan­de, von Kam­pa­gnen gegen “sexis­ti­sche” Wer­bung bis hin zur Anpran­ge­rung “exklu­die­ren­der Attrak­ti­vi­täts­nor­men”, wonach etwa bei Schön­heits­wett­be­wer­ben unver­schäm­ter­wei­se nur schö­ne Men­schen prä­miert werden.

+ Die Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rin Sophie Lieb­nitz setzt ihren in Sezes­si­on 77 begon­ne­nen Gedan­ken­gang über »Geschlecht, Kul­tur, Natur« fort: Wenn es – mit Nietz­sche – einen »Tod­haß der Geschlech­ter« gibt, wie ist er dann zu über­win­den? Die Balan­ce des natür­li­chen Geschlech­ter­ver­hält­nis­ses müß­te wie­der­her­ge­stellt wer­den. Dabei führt ein Weg von Geor­ges Bizet über Charles Bau­de­lai­re bis hin zu Camil­le Paglia und F. Roger Dev­lin.

+ Der Autor die­ser Zei­len stellt die aka­de­mi­schen Iko­no­klas­ten vor, die Akti­vis­ten gegen Multikulturalismus‑, Viel­falt- und Schmelz­tie­gel­lü­gen auf der gan­zen Welt mit (wie man heu­te so “schön” sagt) Hate facts ver­sor­gen. Ihre wis­sen­schaft­li­che Dis­zi­plin ist die Human bio­di­ver­si­ty, kurz HBD, und ihr Anlie­gen ist rela­tiv sim­pel: Das fort­lau­fen­de Igno­rie­ren und Weg­dis­ku­tie­ren der natür­li­chen Unter­schie­de zwi­schen eth­ni­schen und demo­gra­phi­schen Grup­pen beför­dert eine grund­le­gen­de Insta­bi­li­tät “bun­ter” Gesell­schafts­kon­struk­te, die sich nicht dadurch aus der Welt schaf­fen läßt, daß man sie durch Sozi­al­leis­tun­gen und För­der­pro­gram­me mit Geld bewirft. Ein “Haß­fakt” auch das, doch nichts­des­to­we­ni­ger ein Fakt.

+ Phil­ip Stein nimmt den Anlaß des 200. Jah­res­tags des Wart­burg­fests zum Anlaß, über Weg und Wag­nis der Deut­schen Bur­schen­schaft im ange­bro­che­nen 21. Jahr­hun­dert nach­zu­den­ken. Wie soll es wei­ter­ge­hen, und wohin? Stein sieht den natio­nal­po­li­ti­schen Anspruch der im Ver­band ver­blie­be­nen Bur­schen­schaf­ten wohl­be­grün­det und am Puls der Zeit: »Rech­te Publi­zis­tik, Mit­ar­bei­ter und Par­la­men­ta­ri­er der FPÖ oder AfD, Lei­ter von Bür­ger­initia­ti­ven oder patrio­ti­schen Rechts­an­walts­kanz­lei­en – Anzahl und Rele­vanz jener poli­tisch Akti­ven, die aus den Rei­hen der poli­tisch gefes­tig­ten Deut­schen Bur­schen­schaft stam­men, sind über­durch­schnitt­lich hoch.«

+ Am 12. Juli jähr­te sich auch der Geburts­tag des US-Schrift­stel­lers und Phi­lo­so­phen Hen­ry David Tho­reau zum 200. Mal. Zeit für eine klei­ne Werk­schau: Nicht nur taucht Tho­re­aus Wal­den oder Leben in den Wäl­dern als bedeu­ten­des Werk in Mario Mül­lers iden­ti­tä­rem Hand­buch Kon­tra­kul­tur auf, nicht nur ist gera­de der zwei­te Teil sei­ner Tage­bü­cher erschie­nen, auch Sezes­si­on-Urge­stein Wig­go Mann hat sich dem streit­ba­ren Den­ker aus Con­cord gewid­met und sei­ne Bedeu­tung für unse­re Zeit und unser Den­ken unterstrichen.

+ Stich­wort “Kon­tra­kul­tur”: Bei der lin­ken Demo vor dem Hal­len­ser Haus­pro­jekt war natür­lich auch Kon­tra­kul­tur-Akti­vist Till-Lucas Wes­sels dabei. Er ist Grün­dungs­mit­glied der loka­len IB-Zel­le und hat eini­ge stim­mungs­vol­le Pho­tos bei­gesteu­ert, um sei­ne Schlag­lich­ter auf die Ent­ste­hung und den Ver­lauf der Iden­ti­tä­ren an der Saa­le zu unter­ma­len. Kon­tra­kul­tur ist gekom­men, um zu bleiben!

+ Seit sage und schrei­be zehn Jah­ren(!) läuft in der Bun­des­re­pu­blik, zen­tral gesteu­ert von der EKD, das soge­nann­te Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um. Wenn sich die­ses Jahr am 31. Okto­ber der Wit­ten­ber­ger The­sen­an­schlag – des­sen His­to­ri­zi­tät nach wie vor umstrit­ten ist – gejährt haben wird, fin­det auch das vio­let­te Fei­er­jahr­zehnt ein Ende. Anlaß genug für Kon­rad Gill, sich in einer aus­führ­li­chen Bücher­schau mit der rezen­ten Lite­ra­tur zu Luther und des­sen Wir­kung zu beschäftigen!

+ Im aus­führ­li­chen Rezen­si­ons­teil fin­den sich dies­mal u.a. der Roman Die Poe­sie der Hörig­keit über Gott­fried Benn, Pan­kaj Mishras Impe­ria­lis­mus­de­kon­struk­ti­on Das Zeit­al­ter des Zorns, Prof. Lothar Frit­zes Kri­tik des mora­li­schen Uni­ver­sa­lis­mus. Über das Recht auf Selbst­be­haup­tung in der Flücht­lings­kri­se sowie die bei­den Theo­rie­schrif­ten aus dem Hau­se Jun­g­eu­ro­pa – Domi­ni­que Ven­ners Früh­werk Für eine posi­ti­ve Kri­tik und Alain de Benoists weg­wei­sen­der Klas­si­ker Kul­tur­re­vo­lu­ti­on von rechts. Ein­mal mehr viel Lese­stoff, doch es lohnt sich!

Abon­nen­ten soll­ten die Aus­ga­be mitt­ler­wei­le erhal­ten haben; Ein­zel­be­stel­lun­gen und die Ein­sicht in das Inhalts­ver­zeich­nis sind hier mög­lich. Ange­bot: Wer jetzt abon­niert, steigt mit Heft 79 (August 2017) ein und erhält zwei Stu­di­en des Insti­tuts für Staats­po­li­tik (IfS) gra­tis oben­drauf! Der zu zah­len­de Bei­trag für das rest­li­che Jahr 2017 redu­ziert sich ent­spre­chend auf 25 € (statt 50) im Nor­mal­be­zug, auf 17 € (35 €) für Stu­den­ten, 40 € (75) für För­de­rer und 30 € (60) für Leser, die außer­halb Deutsch­lands und Öster­reichs leben. Bei Fra­gen und Son­der­fäl­len bit­te anru­fen oder Nach­richt an [email protected]! Hier bestel­len.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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Kommentare (2)

Leo Lobauer

16. August 2017 11:05

Den Rezensionsteil in der Sezession lese sich immer wieder mit großem Gewinn. Als kleine Adnote und mögliche Anregung dazu, warum die Ideen Alain de Benoist tatsächlich als "Pflichtlektüre" zu begreifen sind, erlaube ich mir einen Hinweis auf ein von Benoist im Jahr 1979 gegenüber dem 'Spiegel' gegebenes Interview: "Den alten Volksgeist erwecken"

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39908730.html

Das Interview stammt noch aus der untergegangenen, altbundesrepublikanischen Zeit, als Journalisten noch "kritische" Fragen zu stellen imstande waren, die diese Bezeichnung verdienten. Benoist konterte diese stets galant, also mit einem Lächeln auf den Lippen und führte dabei gegenüber dem Leser einige wichtige Stichworte aus seiner Ideenwelt aus. Spätestens nach Lektüre dieses Interviews sollte man die Gründe dafür kennen, warum die Bücher Benoist zu recht als "Pflichtlektüre" bezeichnet werden.

Stil-Blüte

18. August 2017 21:43

Wieder ein gutes, wenngleich, insbesondere stilistisch, relativ monokromes Heft; Mir scheint, daß das, was man als Essay bezeichne, diesmal etwas zu kurz geraten ist. 

Sehr stark: Ein erschütternder Beitrag von Ellen Kositza über einen erschütterten Menschen: 'Peggy, Ophelia'.

Vielleicht wären auch einseitige - ich meine nur eine Seite lange - Beiträge hin und wieder angebracht. Die Lektüre-Empfehlungen - immer wieder ein Fundus. 

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