Sezession
4. Februar 2018

Sonntagsheld (47) – Die Revolution frißt ihre Kinder

Till-Lucas Wessels / 16 Kommentare

Es brennt an allen Ecken und Enden

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Wer diese Woche auf Heldenfang ging, konnte reiche Beute machen; inhaltlich war für jeden was dabei: Zivilgesellschaftlicher Widerstand, Fraueninitiativen und kreativer Aktivismus.
Nachdem Kandel, bzw. Cottbus und das Projekt #120db bereits hier, hier und hier gewürdigt wurden, wendet sich meine Laudatio diesmal in den hohen Norden.

Es hätte so ein schöner Abend werden können: Einige Dutzend Engagierte und Egagiert*innen hatten sich im Auditorium Maximum der Rostocker Universität versammelt, um zu den sanften und rebellischen Klängen eines vom Zentrum für politische Schönheit (ZPS) veranstalteten Vortrags ein mehr politisch-korrektes, denn politisch-schönes Wohlfühlsüppchen im eigenen Saft zu kochen.

Dazu ein kurzer Exkurs: Die Aktionen des ZPS, das darf an dieser Stelle ruhig mal zugegeben werden, waren für uns Aktivisten lange Zeit Inspiration und Ansporn zugleich. Die relative Narrenfreiheit, die das Kollektiv von Seiten der Politik genießen durfte, dazu die wohlwollende Berichterstattung der Presse und der Sensationseifer der Spektakelgesellschaft, der – selbstverständlich ironisch gebrochen – von den Aktivisten bedient werden wollte, ermöglichten so spektakuläre Aktionen wie den Marsch der Toten auf den Reichstag, oder der Aufruf zum "Tyrannenmord" namentlich an Vladimir Putin und Recep Erdogan.

Bei all' diesen Aktionen bediente sich das ZPS einer außerordentlichen Verbalradikalität, die man von den gemäßigten Bündnissen der 2010er Jahre so garnicht mehr gewohnt war, und kombinierte diese mit ambitionierten Aktionsankündigungen, die in letzter Instanz jedoch meist symbolischen Charakter behielten. Ein absoluter Grundsatz des ZPS-Aktivismus jedoch: In die Wohlfühlzonen des politischen Gegners eindringen, sich dort breitmachen und die eigene Verbalradikalität mit dem harmlosen Gesicht des ewig betroffen dreindröppelnden Philipp Ruch garnieren, damit sich bloß keiner der Unterstützer aus den bürgerlichen Rotweingürteln der Metropolen vor den Kopf gestoßen fühlt.

Die bislang spektakulärste Aktion dann 2017: Die angeblich monatelange Beschattung der Familie Höcke durch einen eigens eingerichteten "Verfassungsschutz" und die Errichtung einer Miniaturkopie des Berliner Holocaustdenkmals in unmittelbarer Sichtweite des Wohnhauses des Politikers. Nun gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Wohlfühlzone und Privatssphäre, und obgleich die eine von der anderen nicht immer zu trennen ist und die Übergänge fließend sind, ist man als politischer Aktivist in der Regel gut beraten, den aktivistischen Ansprung auf erstere auszureizen, im Angesicht der letzteren aber lieber einen Schritt zurück zu gehen. Martin Sellner hat in mehreren Artikeln recht anschaulich die gefährliche Logik eines sich selbst immer und immer wieder übertrumpfen müssenden Aktivismus beschrieben. Diese Logik führt zwangsläufig irgendwann an den Punkt, wo Grundsatz- und Gewissensentscheidungen getroffen werden. Insofern ist es für mich und andere Identitäre traurig, den ehemals geliebten Feind beim ZPS so vor die Hunde gehen zu sehen.

Zurück an die Ostsee: Identitären Aktivisten aus Rostock blieb daher nichts anderes übrig, als den anwesenden Zuhörern und Referenten das oben genannte Süppchen zu versalzen, indem sie der propagierten Privatssphäreninvasion eine ästhetischen Wohlfühlzonenintervention entgegenstellten. 30 Personen unterbrachen daher am vergangenen Freitag die Veranstaltung des ZPS um den verblüfften Anwesenden, angetan in feinstem NVA-Schick und ausgerüstet mit einer übergroßen Urkunde, zu ihrer exzellenten staatssicherheitlichen Arbeit zu gratulieren.

Ihr Stil dabei: Friedlich, aber bestimmt, mit einem Charme, dem sich sogar die Vortragende Cesy Leonard nicht entziehen konnte.

Nicht ganz so souverän:
- Die anwesenden Linken, die sich im Angesicht der eigenen Harmlosigkeit nicht entscheiden konnten, ob sie das identitäre "Heuchler"-Banner und dessen Träger jetzt angreifen wollen oder nicht.
- Eine antifaschistische Eingreiftruppe, die sich vergeblich am Berliner Hauptbahnhof die Lumpenfinger abfror, nachdem sie aufgrund von Fake News die IB-Aktivisten dort erwartete, die sich zu diesem Zeitpunkt längst im warmen Bett befanden.
- Das Zentrum für politische Schönheit, dessen propagierter "aggressiver Humanismus" vor Allem darin bestand in den sozialen Medien passiv-aggressiv herumzuopfern und die nimmermüde Mär vom identitären Saalsturm wiederzukäuen.

Was sich wirklich zugetragen hat, wurde zum Glück von einem Kameramann festgehalten und kann hier eingesehen werden. Und überhaupt steht fest: Wer sich politische Schönheit auf die Fahnen schreibt, der muss etwas früher aufstehen. Denn das haben schon ganz andere versucht...


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (16)

deutscheridentitaerer
4. Februar 2018 19:26

Hervorragend! Klasse Videomaterial.

Genau die richtige Aktionsform, gut durchgezogen. Auch Frau Leonard hat mir ihrer Gelassenheit beeindruckt.

Alleine, dass der Kameramann um Hilfe gerufen hat, als er von einem Einzelnen sanft abgedrängt wurde, trübt das Gesamtbild etwas.

Aber was solls, super Sache jedenfalls.

Blue Angel
5. Februar 2018 00:09

Eine (weitere) sehr schöne IB-Aktion - und eine sehr unsouveräne Reaktion der "Geehrten".

Hartkeks
5. Februar 2018 04:44

Der Malenki ist einfach ne sau coole Socke.

Ein gebuertiger Hesse
5. Februar 2018 08:28

Sehr gut, daß die IB keine Ruhe gibt und mit ihren hübschen Provokationen - die wievielte war das inzwischen? - weitermacht. Ein langer Atem ist auch hier wichtig.

KlausD.
5. Februar 2018 08:31

Die Aktion ist selbstverständlich zu begrüßen und den Aktivisten ist zu danken für ihre Idee, die Organisation und den Einsatz in der „Wohlfühlzone“ des politischen Gegners. Den Linken den Stasi-Spiegel vorzuhalten ist zweckmäßig und wird hoffentlich ihre Wirkung nicht verfehlen.
In dem Zusammenhang noch einige Gedanken von mir. Rein formell musste (mal wieder) der DDR-Popanz herhalten. Wie gesagt, in diesem Fall wohl angemessen. Doch ist es nach einem Abstand von fast 30 Jahren nicht mal an der Zeit, auch andere Aspekte der DDR zu beleuchten? Was meint man denn, woher die Erfolge der AfD, Pegida und der zunehmende Widerstand gegen die Massenmigration im (jetzigen) Osten Deutschlands kommen? Patriotismus und Heimatliebe liegen ja nicht nur einfach so in der Luft, sondern sind den Menschen hier quasi zusätzlich übermittelt worden. Und dies nicht in den letzten 30 BRD-Jahren, sondern in den 30 DDR-Jahren davor! Und, ganz nebenbei, was die Uniformen betrifft, sollte man dabei nicht außer acht lassen, daß gerade in den NVA-Uniformen gewisse preußische Traditionen auch äußerlich zum Ausdruck kommen (ganz im Gegensatz zu den nichtssagenden „Phantasie“-Uniformen der BW).

H. M. Richter
5. Februar 2018 12:43

"Und, ganz nebenbei, was die Uniformen betrifft, sollte man dabei nicht außer acht lassen, daß gerade in den NVA-Uniformen gewisse preußische Traditionen auch äußerlich zum Ausdruck kommen." [KlausD.]
_________________________________________________

In der Tat. Anfang der achtziger Jahre wurde mir von einem hohen Offizier der ostdeutschen Bereitschaftspolizei erzählt, daß für dienstliche Besuche der UdSSR eine besondere Uniform hergestellt worden war, da die sonst übliche sog. Stiefelhose dort wiederholt für Verwechslungen mit Angehörigen einer früheren deutschen Armee geführt hatte, die in mehreren Todesfällen gipfelten.

Die Aktion der IB in Rostock war großartig. Erfreulich, daß es zu einem Nebeneffekt kam: Anhand der Filmaufnahmen sind die verlogenen Berichte der anderen Seite ("Saalsturm", "von Nazis drangsaliert" usw.) kinderleicht zu entlarven. Dies wiederum dürfte bei dem einen oder anderen zu einer Neubewertung früherer ZPS-Verlautbarungen führen.

Max
6. Februar 2018 10:52

Das ND meldete gestern aus Cottbus eine linke Friede-Freude-Eierkuchen Demo mit 1500 Leuten, und dagegen dann eine verachtenswerte rechte Demo von 3000 Leuten. Hm. Zahlen wie ich nicht erwartet hätte sie im ND zu lesen.

@KlausD. "Was meint man denn, woher die Erfolge der AfD, Pegida und der zunehmende Widerstand gegen die Massenmigration im (jetzigen) Osten Deutschlands kommen? "

Ich denke sie kommen aus dem grundlegenden und tief sitzenden Misstrauen gegen die Massenmedien, das in kommunistischen Zeiten tiefe Wurzeln geschlagen hat. Man erkennt in der heutigen Lügenpresse problemlos die Ähnlichkeiten zu damals.

Anna-Lena
6. Februar 2018 13:19

Apropos Linke.

Linke wollen Cannabis-Verbot kippen.

https://www.google.de/amp/s/www.merkur.de/politik/linke-will-cannabis-verbot-kippen-zr-9590515.amp.html

Die FDP wäre auch dabei. Meine persönliche Meinung als junge AFD . Die AFD sollte sich da unbedingt mit dran hängen. Und am Montag hat die AFD die SPD überholt.

Wäre auch gute PR. So nach dem Motto: Wir sind keine Verbotspartei. Man sollte nicht alles gleich ablehnen weil es von links kommt.

Bitte kleine Klischees von linkorientierten, äußerlich vernachlässigten Kiffergesellen.

Wir kennen alle die Vorteile und die wahren Gründe wieso Hanf verboten wurde.

Ich rauche und trinke übrigens nicht(s). Ich bin trotzdem gegen zwingende Rauchverbote in Kneipe.

Freiheit für Deutschland, Freiheit für Deutsche.

heinrichbrueck
6. Februar 2018 16:18

@ Anna-Lena
Die Linken sitzen im vorgegebenen Systemrahmen in der Oppositionsfalle. Sollte die AfD keinen anderen Rahmen bevorzugen ("nicht unsere Gesellschaft" - Doris von Sayn-Wittgenstein), wird sich das Sittlichkeitsdenken der Nation weiterhin verschlechtern. Für solche Spaßideen sind ja meistens die Grünen zuständig, Jahre bevor CDU und SPD die Ausführung der Drecksarbeit durchführen.

Franz Bettinger
6. Februar 2018 20:29

@Anna-Lena:
Zustimmung! Cannabis-Verbot aufheben! Erinnere mich: Als naiver SA der Bundeswehr musste ich (auf Anordnung meines OSA Fach-Vorgesetzen) die Saufbrüder tauglich mustern, die dem Haschisch Zugeneigten jedoch "laufen" lassen. Alles Präsentieren von Pharmakologie-Büchern, alle Hinweise auf fehlende physische (und wenig psychische) Abhängigkeiten und fehlende Gesundheits-Schäden (beim THC - im Gegensatz zu Alkohol und Zigaretten) nutzten nichts. Vorschrift war Vorschrift. Ist die von der Leyen da nicht "moderner" drauf? - Nota Bene: THC ist (wie eine Handvoll anderer Medizinen, zu denen Valium gehört) das Schlimmste, was der Pharma-Lobby passieren kann: ein wirksames und (fast) nebenwirkungsfreies Medikament (mit einem breitem Wirkungsspektrum). So ein perfektes Medikament muss madig gemacht werden, spätestens wenn das Patent abläuft. Ja, wer will denn helfen oder gar heilen? Geld machen, darum geht es.

Valjean72
7. Februar 2018 08:14

@KlausD."Doch ist es nach einem Abstand von fast 30 Jahren nicht mal an der Zeit, auch andere Aspekte der DDR zu beleuchten? ..."
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Da kann ich Ihnen nur komplett zustimmen, bereits die alte BRD war in vielen Belangen deutschfeindlicher eingestellt als die DDR. Was allerdings heute in der real existierenden, repräsentativen Demokratie der Bundesrepublik abgeht, spottet jeder Beschreibung.

Wenn ich mich nicht irre, hatten Sie ja unlängst den "Volkslehrer" als Sonntagsheld ins Spiel gebracht.

Nachdem ich mittlerweile viele Videos von ihm angesehen habe, will ich hier äußern, dass Nikolai Nerling für mich der Mann des Quartals - ach was - des Jahres ist!

Gerade weil er weiter denkt, mehr reflektiert und mehr hinterfragt als das Meinungsspekturm AFD/IB hergibt (ermöglicht) und dies mit einer ruhig sachlichen und gewinnenden Art. Ein deutscher Held.

Cacatum non est pictum
7. Februar 2018 11:24

@Franz Bettinger

Die psychophysischen Gefahren des Cannabiskonsums sind meines Erachtens größer, als Sie sie hier darstellen. Dazu könnte ich eine ganze Palette von Gründen und Erfahrungen ins Feld führen. Andererseits gibt es in der Tat auch plausible und schlagkräftige Argumente für eine (Teil-)Freigabe. Den Aspekt Pharmaindustrie hatte ich übrigens gar nicht auf dem Schirm. Ich hatte mich schon gefragt, worauf die Andeutung von Anna-Lena abzielte. Jetzt weiß ich es. Und in der Tat: Die Pharmaindustrie ist von derartiger Mafiosität durchdrungen und dermaßen moralisch verrottet, daß mir die These wohl einleuchtet, die Cannabisfreigabe werde von ihr torpediert.

Die IB-Aktion in Rostock war köstlich und hat mich sehr amüsiert. Den Gegner mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, ist seit jeher ein probates Mittel.

Franz Bettinger
7. Februar 2018 11:54

@Valjean und @Klaus
Vielen Dank für den Hinweis auf Nikolai Nerling, den 'Volkslehrer' und seine mutigen Aktionen. Ich kannte den Mann bisher nicht. Werde mich nun mit ihm beschäftigen.

@Cacatum
Nehmen Sie einfach ein Lehrbuch der Pharmakologie zur Hand, am besten ein älteres - den neuen kann man schon nicht mehr trauen - und vergleichen Sie THC mit Äthanol und Zigaretten (Teer / Nikotin / Aromastoffe / CO). Mehr ist dazu nicht zu sagen. Alles ist toxisch, auch Sauerstoff. Nach 2 Stunden O2-Atmen werden Sie blind, nach 2 Tagen sind Sie tot. Die Dosis macht das Gift. THC ist fantastisch und würde viele teure Pharmaprodukte (die nichts bringen als Umsatz) rasch aus dem Feld schlagen - wie das bereits erwähnte Valium.

Leute, entschuldigt die Flapsigkeit, aber wenn ihr ganz allgemein gesagt psychische Probleme habt (Depri, Panikattacken), dann besorgt euch Diazepam 2mg (Valium) und vergleicht die Wirkung mit dem Schrott, den man euch bislang aufgeschwatzt hat. Ihr könnt dabei gar nichts falsch machen. Ich schieße das mal so heraus, werte Frau @Kositza eingedenk der sicher kommenden Vorwürfe hinsichtlich 'Ferndiagnosen' und 'Abhängigkeit' usw. Ich habe darauf gute Antworten, sie passen nur nicht in diesen politischen Blog. Also streichen Sie, was immer Sie wollen. Andererseits könnte der Tipp für manchen Gold wert sein.

Cacatum non est pictum
8. Februar 2018 00:07

@Franz Bettinger

"Die Dosis macht das Gift."

Das ist zweifelsohne richtig. Nur ist ja die Crux bei Suchtstoffen gerade, daß sie sich vom abhängigen Konsumenten kaum dosieren lassen. Und THC hat ein gewaltiges Abhängigkeitspotential. Das ist für mich gesichertes, aus zahlreichen Praxisbeispielen hergeleitetes Wissen. Bis hierhin benötige ich gar kein Pharmakologielehrbuch.

Hinzu kommt die Gefahr, Psychosen auszulösen; auch das meine ich vielfach beobachtet zu haben, obwohl es hier freilich schwieriger ist, eine Kausalbeziehung herzustellen. Meines Wissens existieren dazu entsprechende Forschungsergebnisse, von denen ich aber nicht aus dem Kopf sagen kann, ob sie eher der - von Ihnen mißtrauisch beäugten - neueren Literatur entstammen.

Zur Heilwirkung von Cannabis wissen Sie wahrscheinlich mehr als ich. Wenn man die Frage der Freigabe diskutiert - in der ich nach wie vor unentschlossen bin -, muß aber auf beiden Seiten alles in die Waagschale geworfen werden.

Franz Bettinger
8. Februar 2018 07:43

@cacatus: "Das ist für mich gesichertes, aus zahlreichen Praxisbeispielen hergeleitetes Wissen. Bis hierhin benötige ich gar kein Pharmakologie-Lehrbuch."

Aus "Beispielen" können Sie gar nichts herleiten. Auch aus der so oft zitierten Erfahrung ('Erfahrungs-Medizin') kann man nichts herleiten. Was glauben Sie, wieso der Aderlass 1000 Jahre lang en vogue war? Weil "Ärzte" wie Patienten glaubten, die Erfahrung gemacht zu haben, dass zur Ader (venöser Blutverlust) gelassen zu werden hilft.

Es gibt nur 2 Wege zur Erkenntnis: 1. Das Experiment, und 2. die Statistik. Sonst nichts! Alles andere ist Schabernak oder Philosophie, was nicht viel anderes ist.

"THC hat ein gewaltiges Abhängigkeitspotential," sagen Sie. Glauben Sie mir: Meine Frau und viele andere Dinge auch, wie Schockolade naschen, Tee, Kakao oder Kaffee trinken, Radfahren usw usw. Es kommt auf Folgendes an, lieber Cacatus: Wenn Sie eine Sache ("Droge") absetzen, was passiert dann? Bei THC: nix! Bei Alkohol und Tabak: sehr viel: Bis zum Delir, bis zum Tod kann das gehen. Man spricht von Entzugs-Symptomen. Hierbei unterscheidet
man körperliche (wie Puls, Blutdruck, Schwitzen, Zittern, Halluzinationen, weiße Mäuse sehen ... ) und psychische. Letztere sind im Vergleich völlig vernachlässigbar. Bei THC kommt es übrigens nicht einmal zur (bei echten ! Drogen anzutreffenden) Tendenz zur Dosis-Steigerung. Nicht mal das! Im Gegenteil: Um denselben (schmerzlindernden oder angstlösenden oder stimulierenden oder aphrodisierenden ... ) Effekt zu erreichen, brrauch der THC-Konsument stets weniger "Stoff" als zuvor. Hat was mit Kumulation zu tun. Mehr darüber im Pharmakologie-Lehrbuch!

Cacatum non est pictum
8. Februar 2018 11:31

@Franz Bettinger

Wir sind hier weit vom Thema abgekommen, deshalb nun meinerseits die letzte Wortmeldung dazu. Ich bin kein Feind der Wissenschaft, ganz im Gegenteil, aber ich vertraue ihr nicht blind. Dafür kann ich verschiedene Gründe anführen, hier nur eine Auswahl:

- Wissenschaft kann nicht alles erklären, was sich zwischen Himmel und Erde abspielt. Einerseits, weil sie keine metaphysische Perspektive hat, andererseits weil sie in manche Bereiche rein technisch nicht vordringen kann.

- Ein aussagekräftiges Experiment muß strengen wissenschaftstheoretischen Standards genügen (Stichprobenumfang, stabile Messung u. v. m.). In der Hinsicht sind schon viele Studien erheblich anzuzweifeln. Dann kommt hinzu die menschliche Komponente - Prämissen, Interpretation -, die untrennbar mit jedem Experiment verbunden ist und somit ein Einfallstor für Fehler und Ungenauigkeiten bleibt. Ergo ist auch das sauberste Experiment allenfalls eine Annäherung an die Wahrheit und bringt keine in Stein gemeißelten Erkenntnisse hervor. Für andere Parameter wie Intuition und Erfahrung bleibt immer Raum.

- Die Tatsache, daß es sich widersprechende Studien gibt, läßt das oben Gesagte kristallklar erscheinen. Im wissenschaftlichen Bereich erleben wir zuviel Manipulation (Auftragsstudien!) und Schlampigkeit, als daß wir uns sorglos auf Forschungsergebnisse verlassen könnten.

Was die Begleiterscheinungen des exzessiven Cannabiskonsums angeht, lasse ich mich von dem leiten, was ich mannigfach gesehen habe. Psychische Abhängigkeit ist ohne jeden Zweifel gegeben; die greift - nicht nur, aber gerade - bei jungen Menschen erheblich ins Sozialleben ein, und zwar fast immer negativ. Übrigens ist das mindestens teilweise auch durch pharmakologische Studien bestätigt worden.

Die meisten Befürworter einer Legalisierung schielen sicher nicht in erster Linie auf die Heilwirkung von Cannabis, sondern auf ungestörten Rauschmittelkonsum. Da sollte man sich nichts vormachen.

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