Sezession
3. Oktober 2018

Der Historikerverband und die Gefährdungen der Demokratie

Martin Lichtmesz / 117 Kommentare

Der deutsche Historikerverband hat dieser Tage seine freiwilllige Gleichschaltung verkündet, was auf unerwarteten Widerspruch stieß.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Die "Historiker und Historikerinnen Deutschlands" bezogen in einer Resolution Stellung in dem laufenden Grabenkrieg, in dem jede Seite für sich beansprucht, "für die Demokratie" zu kämpfen:

In Deutschland wie in zahlreichen anderen Ländern bedrohen derzeit maßlose Angriffe auf die demokratischen Institutionen die Grundlagen der politischen Ordnung. Als Historikerinnen und Historiker halten wir es für unsere Pflicht, vor diesen Gefährdungen zu warnen. Streit ist essentiell in einer pluralistischen Gesellschaft, aber er muss bestimmten Regeln folgen, wenn er nicht die Demokratie selbst untergraben soll.

Und diese "bestimmten Regeln" sind überraschenderweise so formuliert, daß sie den Feldvorteil der Seite, der sie sich andienen, zementieren und verstärken, und den Spielraum, in dem "Streit" möglich ist, erheblich einschränken. Da wären:

1. "Für eine historisch sensible Sprache, gegen diskriminierende Begriffe". 

Das ist am einfachsten zu durchschauen. Es handelt sich dabei um nichts anderes als die gute, alte "politisch korrekte" Sprachregelung, der gerade die Zähne ausfallen. Nach dem Wunsch des Historikerverbandes soll man Politiker nicht als „Volksverräter“ und die Medien nicht als „Lügenpresse“ bezeichnen dürfen, weil das "die antidemokratische Sprache der Zwischenkriegszeit" wieder aufnehme. Mithin ein (pseudo-)"historisches"Argument, das völlig die Frage ignoriert, ob manche Politiker nicht tatsächlich ihr Volk verraten und manche Medien nicht tatsächlich lügen.

Gegen die Sprache des politisch-medialen Establishments, seine Herauforderer und Kritiker als "Pack", "Verfassungsfeinde", "Antidemokraten", "Rassisten", "Mob", "Fremdenfeinde", "Nazis", und ähnliches abzustempeln, haben die Herren und Damen offenbar nichts einzuwenden.

2. Für parlamentarische Demokratie und pluralistische Streitkultur, gegen Populismus.

  Das ist der zentrale Punkt. Der Historikerverband begründet das so:

Politische Willensbildung in pluralistischen Demokratien vollzieht sich in öffentlichen Debatten, in denen die Vielfalt politischer Meinungen und sozialer Interessen zum Ausdruck kommt.

Ganz so doll vielfältig darf diese "Vielfalt" und so "pluralistisch" die "Streitkultur" allerdings auch nicht sein, wie die Forderungen und dogmatischen Setzungen der Resolution selbst zeigen. Insbesondere eine Gruppe muß von dieser vermeintlichen "Vielfalt" ausgeschlossen werden, nämlich die einzige, die wirklich etwas anderes als alle anderen zu sagen hat: Die bösen "Populisten", also die AfD (und alle, die in ihre Nähe gerückt werden können):

Ein einheitlicher Volkswille, den dazu Berufene erfassen können, ist dagegen eine Fiktion, die vor allem dem Zweck dient, sich im politischen Meinungskampf unangreifbar zu machen.

Und das wird erneut durch die reflexartig-automatisch gezogene historische Parallele begründet:

In der Weimarer Republik ebnete die Idee des „Volkswillens“ einer Bewegung den Weg zur Macht, deren „Führer“ sich als dessen Verkörperung verstand.

Hier wird die in dieser Debatte seitens der Eliten übliche - und wohl absichtliche - semantische Vertauschung zwischen Demokratie und Liberalismus betrieben. Die "Idee des Volkswillens" oder eines volonté générale nach Rousseau,eines absoluten, "heiligen", vernünftigen Gemeinwillens des Volkes, ist vielmehr das ideelle Fundament der Demokratie, denn ohne einen (postulierten) Volkswillen kann es weder Volksherrschaft noch Volkssouveränität noch die Identität von Herrschern und Herrschenden geben.

In der Praxis wird über die Stimmenmehrheit "erfaßt",  was der überwiegende Teil des besagten Volkes will und wer diesen Willen repräsentieren und umsetzen soll. Volkswille ist einfach, was die Mehrheit empirisch will, und das ist nicht das, was Rousseau gemeint hat. Tatsächlich ist in der liberalen Demokratie vom volonté générale nur mehr der volonté de tous übriggeblieben, die Summe der Einzelinteressen, die es auszubalancieren gilt.

Damit verliert die Frage nach der Identität, nach dem "Wir" des Staatsvolkes zunehmend an Bedeutung, auch auf der repräsentativen Ebene. Das bedeutet jedoch nicht, daß reale, gewachsene oder importierte "Wirs", also Gruppenidentitäten und -interessen über Nacht verschwinden.Das "Wir" und die Frage nach der Homogenität und Einheit des größeren Ganzen, das mehr ist, als die Summe seiner Teile, kommen über die Hintertür wieder hinein.

Der "einheitliche Volkswille" (der ein in wesentlich-gemeinschaftlichen Dingen homogenes Volk voraussetzt) mag in der Tat immer schon eine "Fiktion" gewesen sein, aber er ist nicht weniger ein Mythos als die liberale Grundidee eines "Government by discussion" (wohl eine noch größere Fiktion und Illusion als der "Volkswille"). Wenn unsere Eliten heute von "Demokratie" reden, meinen sie in erster Linie letzteres, weshalb sie auch die "direkte Demokratie" geradezu verteufeln.

Daß es innerhalb eines konkreten Volkes immer einen gewissen "Pluralismus" der (Klassen-)Interessen oder Weltanschauungen gibt, sollte nicht über das Problem hinwegtäuschen, daß "das Funktionieren der Demokratie“ stets ein ausreichendes Maß an Homogenität voraussetzt, „möglicherweise viel stärker, als gemeinhin eingestanden wird“ (so niemand anderer als unser Freund Yascha Mounk in seinem neuen, als Gegner-Literatur lesenwerten Buch "Der Zerfall der Demokratie").

Deutschland ist an einem Punkt angelangt, an dem dieser Pluralismus einerseits überspannt wurde - der Staat wird zum "Beutewert" der Parteien und Einzelinteressen, die relative ethnokulturelle Homogenität oder Einheit (und Einigkeit) des Volkes wird durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus aufgelöst, was die Hauptursache der "Spaltung" und "Polarisierung" ist -, während er auf anderen Ebenen stark reduziert wurde, was man etwa daran sehen kann, daß fast nur mehr in "Filterblasen" diskutiert wird und es praktisch nur noch eine einzige Oppositionspartei gibt, die AfD.

Ähnlich spalten sich heute die Medien in establishmenttreue "Mainstream"-Organe (öffentlich-rechtliche Sender, Die Zeit, FAZ, Süddeutsche Zeitung, Spiegel...) und kleinere "alternative" Organe und Blogs (Junge Freiheit, Sezession, Acta Diurna, eigentümlich frei, Cato, Tichys Einblick, Achse des Guten, Pi-News, Epoch Times, Unzensuriert, Vera Lengsfeld, David Berger, Jürgen Fritz, Dushan Wegner...).

Gegen diese grundsätzliche Skizze spricht nicht, daß es immer wieder etliche Überschneidungen und Grenzfälle gibt und die Trennlinien unscharf sind. Innerhalb des Systems der etablierten Parteien gibt es einzelne Teil-Oppositionelle wie Sahra Wagenknecht, Boris Palmer, Heinz Buschkowsky oder Thilo Sarrazin; innerhalb der Mainstreampresse gibt es gelegentliche Abweichungen, "Alibi"-Konservative (Jan Fleischhauer, "Don Alphonso", Birgit Kelle), die allerdings eine Art "Torhüter"-Funktion haben, sowie einige mal nach links, mal nach rechts schwenkende Opportunisten (Ulf Poschardt).


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (117)

Dieter Rose
3. Oktober 2018 11:54

ganz kurz nur:
Die kommen ihren
eigenen Forderungen
nicht nach!

Niedersachse
3. Oktober 2018 13:17

Jeder öffentliche Verband in Deutschland ist nichts anders als eine Ansammlung dressierter Klatschäffchen und Pfötchenhebern. Von sämtlichen Arbeitgeberverbänden bis Arbeitnehmerverbänden, vom "Deutschen Olympischen Sportbund" bis zum "Deutschen Journalisten-Verband", vom "Paritätischen Gesamtverband" bis hin zu jedem Kleingärtnerverein gibt es nichts, was sich nicht im jämmerlichen, vorauseilendem Kadavergehorsam dem herrschenden Zeitgeist unterwirft. Warum sollte der "DHV" da eine Ausnahme machen? Wenn dieses regierungstreue Pamphlet, das sich als seriöse, wissenschaftliche Arbeit tarnt, wirklich alles ist was diese "Historiker" zustande bringen, dann muss man sich wirklich Gedanken um deren Zurechnungsfähigkeit machen. Das dort aufgeführte ist dermaßen grotesk, grob vereinfachend und polemisch, dass man fast glauben möchte, der Bundesvorstand der grünen Jugend hätte hier als Ghostwriter die Feder geführt.

John Haase
3. Oktober 2018 13:21

In der BRD haben Historiker, Politologen und das ganze andere geisteswissenschaftliche Gesindel nur den Zweck, das politische Gebilde, das wir haben, zu rechtfertigen. Allein die Tatsache, daß „Geisteswissenschaftler“ keine Hemmung haben, ihren Namen unter ein in derart schlechtem „Deutsch“ verfasstes Machwerk zu setzen, reicht aus, um das Urteil zu sprechen. Satrapenspeichler, Fellachenköpfe, Tretwürmer, hunderttausend Höllenhunde!

Das Wolffsohn dieses...Ding kritisiert, überrascht mich sehr, kenne ich ihn doch vor allem aus seinen Kolumnen in der Bild, in denen völlig reine BRD-Ideologie vorherrscht. Es ehrt ihn, daß er sich hier auf diese Art zu Wort meldet.

P.S.: bin ich der einzige, der den Eindruck hat, daß in der veröffentlichten Meinung heute viel mehr die Rede von UNSEREM Land, UNSERER Demokratie, UNSEREN Werten etc. ist als früher? Oft auch von Leuten, denen „unser Land“ früher nie über die Lippen gekommen wäre?

quarz
3. Oktober 2018 13:42

"Migration ist eine historische Konstante"

Nein, sie ist eine historische Variable. Und es ist frustrierend, dass auch auf akademisch-institutioneller Bühne dieses dümmsten aller "Argumente" zur Migrationsfrage ernsthaft vorgetragen wird. Was wird uns als nächstes verkündet? "Tsunami? Kein Problem: Wellen an einem Strand sind eine natürliche Konstante"?

Ich frage mich, warum eigentlich die empirischen Sozialforscher, die ja eigentlich ideologisch wie kaum eine andere akademische Truppe dazu neigen würden, keine Pro-Migration-Kongressbeschlüsse fassen. Ich tendiere zu dieser Erklärung: weil sie ganz genau wissen, welche riesige Masse an empirischer Evidenz ihre eigene Zunft zutage gefördert hat, Evidenz die belegt, dass ethnische Fragmentierung einer Gesellschaft mit massiven Schädigungen des gesellschaftlichen Gefüges einhergeht. Und das geradeweg zu leugnen wäre wohl ein zu dreist-riskantes Unterfangen. Da da hilft man denn doch lieber mit, eine öffentliche Kenntnis der brisanten Befunde durch Generalschweigen zu verhindern.

Die dreiste Behauptung, dass die "Bereicherung" durch Migration wissenschaftlich abgesichert sei, überlässt man dann lieber jenen akademischen Zünften, in denen der Ermessensspielraum weit genug und das methodisch-kritische Instrumentarium hinreichend stumpf ist, um jeder noch so abenteuerlichen These Unterschlupf zu gewähren, solange sie dem herrschenden Kult dient.

Immer noch S.J.
3. Oktober 2018 14:09

Zum Tag der Einheit ist dies der passende Artikel. Der Widerstand gegen die Historiker-Resolution ist deswegen so deutlich, weil das politische Interesse die gebotene fachliche Nüchternheit vermissen lässt. Die Verfasser wären besser beraten gewesen, ihre persönlichen Ansichten nicht als Resolution zu publizieren, die quasi in Gestalt einer fachwissenschaftlich fundierten Erkenntnislage hinfort in Forschung und Lehre zu vermitteln ist. So wie eine Lehrkraft keinen politischen Unterricht, sondern Unterricht im Fach Politik erteilen sollte, ist es eben nicht die Aufgabe der Geschichtswissenschaft, eine politische Wissenschaft zu sein, vages Moralisieren in die historische Analyse einfließen zu lassen oder als Sprachrohr einer Elite zu fungieren, die umso verbissener ihr Handeln rechtfertigt, je mehr sich die Widersprüche und negativen Folgen daraus häufen. Allein aus diesem Grund fühlen sich viele Historiker durch diese Resolution keinesfalls repräsentiert.

Da die Staatsgewalt bekanntlich vom Volk als Souverän ausgeht und nicht vom Linksliberalismus oder den Hinterzimmern einer Parteizentrale, muss leider einmal mehr daran erinnert werden, dass der Volksbegriff des Grundgesetzes mit den Worten des Bundesverfassungsrichters Peter M. Huber eine Schicksals- und Handlungsgemeinschaft meint. Die Verfasser des Grundgesetzes hatten im Erarbeitungszeitraum selbstverständlich die weitgehend homogene deutsche Gesellschaft vor Augen. Ebenso selbstverständlich impliziert die Annahme, das Volk sei der Souverän, auch die Berechtigung von unterschiedlichen politischen Ansichten, vor allem wenn diese in deutlich zweistelligen Wahl- und Umfrageergebnissen zum Ausdruck kommen.

Es ist unnötig, die zitierten Passagen der Resolution zu wiederholen, um die These aufzustellen, dass zunehmend vom mündigen Bürger eine Haltung eingefordert wird, die im Grunde ein geistiger Rückschritt in die Zeit vor der Aufklärung darstellt, eine begeisterte Flucht in einen geradezu religiös anmutenden gesellschaftspolitischen Dogmatismus, der zwischen ergebenen Gläubigen und teuflischen Ketzern trennt und der es dem Bürger erspart, sich mit unangenehmen Fragestellungen zu beschäftigen. Im Zuge dieses intellektuellen Rückschritts werden bereits einfaches Zweifeln und Kritik, eigentlich europäisch-aufklärerische Grundhaltungen des modernen Bürgers, zu Zuordnungskategorien für die Einweisung in die großzügig interpretierte Grauzone der angeblichen Verfassungs- und Wertefeindlichkeit.

Wenn man mit John Rawls glaubt, dass Gerechtigkeit ein Zustand ist, der allen Beteiligten nützt, kommt man um die Einschätzung nicht umhin, die gerade beschriebene Entwicklung als zutiefst ungerecht zu erleben. Während die linksliberale Seite machen, schreiben und fordern kann, was ihren Zwecken dient, ist die andere Seite in gleich dreifacher Hinsicht der Dumme: Auf der juristischen Ebene ist selbst die konsequente Anwendung gültiger Gesetze bzw. der Hinweis darauf irgendwie doch falsch; auf politischer Ebene haben wir es mit dem Paradoxon zu tun, dass angeblich zum Schutz der Demokratie der Souverän (also das Volk) um wesentliche Möglichkeiten aus dem legitimen Meinungsspektrum geprellt wird; auf der intellektuellen Ebene haben wir die Tatsache zu verkraften, uns drei Jahrhunderten der aufklärerischen Schulung im kritischen Denken und engagierten Streiten zum Trotz in ein linksliberales Meinungs- und Begriffskorsett zwängen zu müssen oder aber den unpolitischen Biedermeier zu geben.

Imagine
3. Oktober 2018 14:29

@Martin Lichtmesz
"Die Herren Historiker haben also fleißig geforscht, und sind zu dem Schluß gekommen, daß Migration schlechthin "Gesellschaften" (von Nationen, Staaten oder Völkern reden wir lieber nicht) "insgesamt" (ein paar Kollateralschäden gibt es immer) "bereichert" (ein Groschen ins Phrasenschweinchen; worin genau besteht diese "Bereicherung"? "Bereicherung", für wen, wie, warum?). "

Das ist die entscheidende Frage: Cui bono?

Die Systemlinken stellen diese Frage nicht, die Systemrechten sowieso nicht, denn vor allem sie sind die Initiatoren und Förderer des Projekts von "Umvolkung" durch Massenimmigration.

Als ich 2007 das Buch vom von dem rechtskonservativen Manfred Pohl: "Das Ende des Weißen Mannes – Eine Handlungsaufforderung" las, wurde sofort klar, dass "Umvolkung" das Ziel der Eliten ist.

Manfred Pohl ist einer der zentralen Figuren bei diesem "Umvolkungprojekt". Jeder, der zur Elite gehört, kennt ihn.

„Das Ende des Weißen Mannes ist vorprogrammiert“, schreibt Pohl. "Mitte des 21. Jahrhunderts werden in Europa und den USA noch 50 Prozent der Bewohner Weiße sein, Ende dieses Jahrhunderts werden sie lediglich eine Minderheit sein."

Auch im Interview mit der "Jungen Freiheit" spricht Pohl Klartext (13. Juli 2007):

"Klassisch stellen sich noch viele Leute vor, Integration sei ein einseitiges Angebot für Migranten. Diese Sicht ist falsch. Integration ist vielmehr eine Frage für unser beiderseitiges Überleben. Das Problem ist, daß sich heute die Mehrheit der Deutschen überhaupt nicht vorstellen kann, daß es tatsächlich in naher Zukunft zum "Untergang des Weißen Mannes" kommen wird."

"Tatsache jedenfalls ist, daß es schon in wenigen Jahrzehnten zu seinem "Untergang" kommen wird. Damit meine ich, daß der "Weiße Mann", der Jahrhunderte die Welt mit seiner Kultur dominiert hat, bereits ab etwa 2050 in seiner eigenen Heimat, Europa und Nordamerika, demographisch und ökonomisch in die Minderheit geraten wird."

"... wenn wir in etwa fünfzig Jahren einfach nur braun statt weiß wären, wäre das kein Problem, denn wir wären ja weiterhin Deutsche. Der springende Punkt ist aber die Frage: Wird der deutsche Bürger bzw. die deutsche Bürgerin mit multikulturellem Hintergrund, sprich der "Multi-Colour-Man", in verschiedenartigen Kulturen zurechtkommen?"

Das Buch wurde in wichtigen Medien besprochen. Kann man noch heute alles ergooglen.

Die Eliten wussten Bescheid und auch ihr Dienstpersonal - Politiker, Manager, Wissenschaftler, Journalisten - war informiert.

Für mich war (nur) die Frage, wann und wie führen sie die kulturelle und ethnische Umstrukturierung der Bevölkerung durch?

Inzwischen wissen wir, wie sie es gemacht haben und nach wie vor machen.

Thomas Martini
3. Oktober 2018 14:47

Der aus „Wachhunden“ (Lichtmesz) bestehende deutsche Historikerverband, verteidigt tatsächlich die Demokratie. Man kann diese Hofhistoriker auch als „Kettenhunde der Mächtigen“ (Noam Chomsky) bezeichnen. Die Demokratie, „die Hure der freien Welt“ (Arundhati Roy), war nie und nirgendwo etwas anderes als ein Paravent für Geld- und Fremdherrschaft. Fatal ist, daß es so wenige Menschen gibt, die sich aus der demokratischen Denkfalle befreien können.

Die Überzeugung, es sei Sinn und Zweck der Demokratie, den Willen des Volkes – oder meinetwegen der Bevölkerung - umzusetzen, oder dem Volk eine wie auch immer geartete Herrschaft zu ermöglichen, wird Tag für Tag durch die Realität widerlegt. Statt nun folgerichtig die Systemfrage zu stellen, landet jeder der unter dem Einfluss der demokratischen Ideologie steht, zwangsläufig an einem Punkt, an dem er alle Probleme und Fehler im System, auf einen Mangel an Demokratie zurückführt. Das veranlasst die Leute dann dazu, nach mehr oder echter Demokratie zu verlangen. Und das ist der Teufelskreis, aus dem es für die Deutschen kein entrinnen gibt. Mehr Demokratie wagen löst die Probleme nicht, sondern macht alles nur noch schlimmer.

Seit Konrad Adenauer dienen CDU, Merkel sowie alle anderen Systemparteien zuallererst dem Marktradikalismus von City of London und Wall Street. Dort befinden sich auch die Zentralen der westlichen Wertegemeinschaft. Wer sich nun fragt, „ob manche Politiker nicht tatsächlich ihr Volk verraten und manche Medien nicht tatsächlich lügen“ (Lichtmesz), wird in letzter Konsequenz erkennen müssen, daß der Volksverrat für Repräsentanten der Demokratie zur Pflicht gehört. Aus dem Grund ist es nur logisch, daß alle Kräfte bekämpft werden, die sich für ihr eigenes Volk einsetzen, und das wird sich auch nie ändern.

Von demokratischen Hofhistorikern, wird der Nazismus a priori als erzböse betrachtet und die Demokratie stereotyp als Verkörperung des Wahren, Guten, Schönen und Humanitären. Nur ihr haben wir es zu verdanken, nach all den Scheußlichkeiten und der Barbarei der Vergangenheit endlich in der besten aller möglichen Welten zu laben.

Das Problem an diesem manichäischen Konzept ist nicht die negative Bewertung des Nazismus. Fatal ist die permanente Beweihräucherung und das in religiösen Formeln vollzogene Lobpreisen der Demokratie. In den letzten Tagen ging es hier bei Sezession im Netz häufiger um demokratische Werte, und diese sind - vor dem von mir erwähnten Paravent - so schöne Sachen wie Presse-, Religions-, und Meinungsfreiheit, der Pluralismus, Menschenrechte, Humanität etc. pp.

Schaut man hinter den Paravent, wird man möglicherweise zunächst einmal zutiefst erschrocken sein. Die wahren Grundwerte der Demokratie, Völker und Nationen betreffend, bestehen nämlich aus Lüge, Betrug, Raub, Krieg, Staatenzerstörung, Kulturvernichtung und Völkermord. Diese allgemeingültigen Grundwerte der Demokratie, die man auch die satanischen Gebote der westlichen Wertegemeinschaft nennen könnte, formen das, was zum Beispiel Dr. Edmund Stoiber (CSU) als „Verfassungsbogen“ bezeichnet.

Jedes demokratische Parlament ist in Wahrheit nichts weiter als eine Versammlung von Schwerverbrechern. Dagegen ist die Mafia nur ein organisierter Knabenchor, und immerhin haben Mafiosi noch so etwas wie einen Codex.

Geht man den Dingen endlich unerschrocken auf den Grund, sollte klar werden, daß es sich bei der Demokratie um die mit weitem Abstand abscheulichste, hinterlistigste und blutrünstigste Methode handeln dürfte, Staat und Gesellschaft zu organisieren.

W. Wagner
3. Oktober 2018 15:40

Es ist von Bedeutung, dass Martin Lichtmesz sich dieses sich andienenden Textes annimmt, ihn auseinander nimmt. Es gibt dazu viel zu sagen, auch müsste man sich die Werke der einzelnen Unterzeichner ansehen. Sicherlich werde ich nochmals dazu kommentieren, dies zunächst:
Wer weiß, in welcher Situation sich Historiker heute befinden, der versteht diese Kniefälle vor der Macht. Selbst angesehene Historiker müssen bei der DFG oder anderen Stiftungen betteln, und d.h. sie müssen ihre Anträge mit all den Worthülsen ausfüllen, überhäufen, die man politisch von ihnen erwartet. Verlängerungen, die mit einem einfachen Satz zu begründen sind (z.B. „Ich fand im Archiv xyz einen in der Forschung bisher nicht bekannten Bestand zu meinem Thema.“), müssen mit Frasen und Frasen und Frasen beantragt, umgeschrieben, neu beantragt werden - verlorene Arbeitszeiten, nervenaufreibend für jene, die keinerlei Sicherheit haben. Das ließe sich weiter ausführen.
Bei dem Kampf um die Gelder versteht sich, dass wer da dann nicht zustimmt, schnell in das „rechte“ Licht gerückt werden kann und schwups von den Geldtöpfen für sich und seine Studenten etc. entfernt werden kann. Da sollte man sich nicht täuschen: Es geht um Fördergelder, Druckkostenzuschüsse (auch in geringen Summen), Unterbringung von Kollegen, ... .
Die Historiker, die sich nicht zusammenschließen, die da nicht mitwirken, sind eben auch weitgehend draußen - oder haben Fürsprecher, die sich für sie einsetzen. Ich könnte hier eine lange Liste liefern, aber manch einer ist ja eben auch hier längst bekannt, muss unter Pseudonym schreiben, um seine bedeutenden Forschungen nicht zu gefährden.
Später mehr!

Wahrheitssucher
3. Oktober 2018 16:16

Herr Lichtmesz,
mögen Sie auch und gerade als Österreicher einst Eingang finden in die oder eine Art Walhalla deutscher Geistesgrößen...

W. Wagner
3. Oktober 2018 16:16

Fortsetzung
Nimmt man sich die kleine Liste der Unterzeichner oder Ideengeber, die bei achgut veröffentlicht ist, und macht sich die Mühe, die Namen mal bei Wikipedia anzusehen, dann wundert man sich nicht: Dirk Schumann (Weimarer Republik), Petra Terhoven (20. Jh., „Linksterrorismus der Siebziger Jahre“), Frank Bösch („Die Geschichte der CDU“), Christoph Cornelißen (20. Jh.), Simone Lässig (Direktorin des Dt. Historischen Instituts in Washington, „Jüdische Wege ins Bürgertum“), Andreas Wirsching (20. Jh., „Demokratie und Globalisierung“), genug genug - schaut selber nach, vielleicht findet ja jemand einen Geschichtsdenker mit weiterem Bildungshorizont darunter, mit irgendeinem bleibenden Werk.
Es sind alles Historiker, die irgendwo angekommen sind, Lehrstühle, Pöstchen haben, ihre Studenten unterbringen wollen etc.
Bedauerlich und unverständlich ist, dass auch Frau Prof. Barbara Stollberg-Rillinger (Frühe Neuzeit, Heiliges Römisches Reich) ihren Namen hergibt, u.a. ihre Bändchen in der Wissensreihe des C.H.Beck-Verlages lohnen.
Man belehre mich eines besseren, wenn auch einige unserer großen Mittelalterforscher etc. in der Liste vorhanden sind.

W. Wagner
3. Oktober 2018 16:31

Fortsetzung 2
Der Hinweis in Martin Lichtmesz‘ Text auf die Freiheit unseres Kaiserreiches ist unbedingt notwendig. Das Kaiserreich war eine große Ideenwerkstatt der Kunst, Technik, Bildung, ... und so auch der Geschichtsforschung, mit heftigen Kämpfen (der verschiedenen Richtungen und Schulen), zu denen man heute - und das zeigt der Text jenes Verbandes - nicht mehr geistig in der Lage ist. Man müsste nämlich alle frei zu Wort kommen lassen, ohne Ausgrenzung, ohne Vorgaben, ohne Sprach- und Denkverbote, das gelang schon nicht mehr bei Ernst Nolte, und heute sind wir da Meilen entfernt. Zu vielen wichtigen Veröffentlichungen gründlichster Forscher erscheinen nicht mal mehr Rezensionen ... Ganze Bücherregale, die man nicht mehr lesen, zitieren soll, auch das beinhaltet ja der Text!
Man kann deshalb nur hoffen, dass sich die freien Historiker irgendwann auch zu einem freien Bündnis zusammentun. Verleger finden sich, Geld sicherlich auch, Leser sowieso.

Sara Tempel
3. Oktober 2018 17:30

“Der Feind befindet sich in unseren Mauern. Gegen unseren eigenen Luxus, gegen unsere Dummheit … müssen wir kämpfen“. (Marcus Tullius Cicero)
Eine der Ursachen für diese Dummheit mag in der Subversion der Siegermächte liegen, wobei die USA und ihre Alliierten gar als unsere "Befreier" gelten, während sie aus faktischer historischer Sicht wohl selbst des Völkermordes an deutschen Zivilisten und Kriegsgefangenen schuldig sind.

eike
3. Oktober 2018 17:55

Eines muß man ihnen lassen, den Hofhistorikern der BRD: ein Gespür für heraufziehende Probleme haben sie. Denn es war klar, daß nach der "Lügenpresse", die uns die Gegenwart verdreht, diejenigen ins Visier geraten, die uns die Vergangenheit verdrehen.

Daß die, deren Geschichtsbild z.T. gesetzlich geschützt ist, nun in Panik geraten, ist verständlich. Daß sie ihre Kampagne als Besorgnis um Demokratie tarnen, wird als Witz in die Geschichte eingehen.

Sara Tempel
3. Oktober 2018 18:01

Auch wenn ich an die alte Rolle der USA erinnere, soll durch mich hier nichts gegen die Politik des vielversprechenden Trump gesagt sein!

Stefanie
3. Oktober 2018 20:52

Eine vage Erinnerung an den Geschichtsunterricht: Was unterscheidet ein autoritäres von einem totalitärem Regime? - In einem autoritären Regime, kann man, sofern man unpolitisch ist, in Ruhe seine Kaninchen und seine Kartoffeln züchten. In einem totalitärem Regime verschreiben sich auch die Kleingärtner und Kleintierzüchter einem Staatsziel.
Vor einiger Zeit erschien ein Interview in der Sezession, das Ellen Kositza mit dem Vorsitzenden eines Sado-Maso-Vereins geführt hatte. Er bekräftigte, dass es seinem Verein vor allem um Vertrauen, Toleranz und Selbstbestimmung gehe. Etwa um die gleiche Zeit schrieb sie von einem Sauerteigforum, das sich gegen "menschenverachtende Tendenzen" bekannte. Spätestens hier gleitet eine Staatsdoktrin, die man eben zu akzeptieren hat, ab zu einer aktiven Umerziehung breiter Bevölkerungsgruppen, die man durch erzwungene Bekenntnisse auf Linie bringen will. Die Historiker scheinen mit ihrer Resolution insofern recht spät dran zu sein, nur daß sie implizit diese Linie natürlich schon seit über 70 Jahren verfolgen müssen. Wie der Staat die einzelnen Vereine und Verbände zu diesen Bekenntnissen bringt, hat @ W.Wagner ja schon beschrieben: Er verteilt reichlich Fördermittel, die man leicht an die Einhaltung bestimmter Bedingungen knüpfen kann (cross-complience) oder fördert eben indirekt (gesetzliche Regelungen enger oder weiter fassen, Ausfuhrgenehmigungen etc.), weshalb wahrscheinlich gerade die Interessenverbände der Wirtschaft gleich zu Anfang für die Willkommenskultur in die Bresche sprangen. Bei um die 50% Staatsquote sind die Möglichkeiten der Gleichschaltung bis jetzt auch bei weitem noch nicht ausgereizt. Da sind die Bekenntnisse der Blockflötensektion von Jugend musiziert oder den Flußperlmuschelnzüchtern zu Vielfalt und Demokratie noch das kleinste Problem. Auch Baföganträge oder Studienplatzvergabe verlangen sicher bald nach der richtigen Einstellung und bei Bankkonten oder social media accounts ist es ja bereits usus keine Verträge mit "Demokratiefeinden" zu schließen. Allerdings birgt eben gerade diese Eskalation Chancen: schon Vaclav Havel bringt das Beispiel des Gemüsehändlers, der ein Spruchband "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" über seiner Auslage drapiert. - Dem aber (längst?) bewußt ist, daß er hier ein Lippenbekenntnis ablegt. Auch der Kaninchenzüchter, der sich für "Diversität und Vielfalt" einsetzt, muß einräumen, daß sene Hauptaufgabe darin besteht, aus den zu "Diversen" z.B. Schmorbraten oder vielfältige andere Dinge zu machen. Und der Landwirt, der im Ackerrandstreifenprogramm seine Feldränder mit zertifiziertem Wildblumensaatgut aus zertifizierten Vermehrungsbetrieben aus klassifizerten regionale gesammelten Naturbeständen besät, muß irgendwann einsehen, daß er hier für den Erhalt einer Kulturlandschaft eingespannt wird, deren Fortbestehen hauptsächlich deshalb bedoht ist, weil die entsprechende Kultur bereits untergegeangen ist. Wer sich einmal dieser kognitven Dissonanz stellen mußte, wird früher oder später mit und in der neuen Wahrheit leben müssen. - Und bei den Historikern gehe ich davon aus, das es ihnen nicht anders gehen wird.

Rodericus
3. Oktober 2018 21:22

Historiker sind keine willfährigen Parteiendiener!

Also ich kann Ihnen versichern, dass "Geschichte", zumindest an einigen westdeutschen Unis, das unerträglich linkste Fach ist, dort die meisten Sauffahrten und anarchistischen Frühstücke inkl. Antifantenanwerbung stattfinden und ich noch nie einen "Historiker" kennenlernen durfte, der angedeutet hat (zumindest mir gegenüber), auch nur ansatzweise über kritisches Denkvermögen zu verfügen, geschweige denn nicht voll auf Multikulti und Ds "historische" Verantwortung zu stehen (auf das Latinum stehen die aber mal so gar nicht, wenn die das noch nachholen müssen...).

Ich weiß, dass das nur eine pers. Erfahrung ist, aber mir wird immer übel bei dem Gedanken, dass diese Leute Kinder in den Schulen über "Geschichte" unterrichten.

Von daher: Kein Wunder!

quarz
3. Oktober 2018 21:30

"Man belehre mich eines besseren, wenn auch einige unserer großen Mittelalterforscher etc. in der Liste vorhanden sind."

Dass auch weiter zurückliegende Epochen nicht vor der ideologischen Kontrolle durch die akademischen Meßdiener des Politestablishments verschont sind, zeigt der Fall Gouguenheim. Der französische Mittelalterhistoriker hatte es gewagt, die Bedeutung des Islam für den Transfer der griechischen Antike ins lateinische Europa zu schmälern. Prompt ging ein im beschaulichen Mediävistenreservat beispielloser Hagelsturm publizistischer Aggression auf ihn nieder und es wurden Protest- und Boykottlisten gegen ihn in Umlauf gebracht. Der Verlag, der die deutsche Übersetzung seines diesbezüglichen Buches herausbrachte, musste gleich zwei(!) relativerende Nachworte von historischen Gesinnungswächtern mitdrucken, welche dem Leser die gefährlichen Botschaft ins (un)rechte Licht rückten.

Ruewald
3. Oktober 2018 23:00

Wenn die Faktizität und Deutung geschichtlicher Ereignisse durch die Politik vorgeschrieben (und gar noch durch Strafgesetze gestützt) wird, ist Geschichte als Wissenschaft bankrott. Das gleiche gilt, wenn Historiker sich der herrschenden Politik andienen.

@sarah tempel 3.10.18, 18:01
meinen Sie "vielversprechend" (d.h. Hoffnungen weckend, die übrigens meist nicht erfüllt werden) oder meinen Sie "viel versprechend" (hier kommt die Diskrepanz zwischen "versprechen" und "halten" ins Spiel)

@Thomas Martini 3.10.18, 14:47
Zustimmung zu Ihren klaren Worten zur Desillusionierung derjenigen, die noch an "die Demokratie" glauben! Diesbezüglich liest man gerne wieder in den Aphorismen von Nicolás Gómes Dávila, z.B.
"- ... die Wahl einiger Unfähiger durch einen Haufen Inkompetenter ... -
- Irren ist menschlich, lügen demokratisch. -
- Je ernster die Probleme, umso größer die Zahl der Unfähigen, die die Demokratie zu ihrer Lösung aufruft. -
- Die Demokratie ist die Regierungsform, in der der Bürger die öffentlichen Interessen denjenigen anvertraut, denen er niemals seine privaten Interessen anvertrauen würde. -
- Der Demokrat entrüstet sich darüber, daß seine Opfer sich entrüsten.
... "

Maiordomus
4. Oktober 2018 06:05

Die einzigen noch qualifizierten und glaubwürdigen Historiker, die mir bekannt sind, sind Lokalhistoriker, Spezialhistoriker, im Einzelfall auch Biographen und Forscher einzelner Persönlichkeiten, oft solche, die auf ihre Weise in andere Epochen emigriert sind. Historikerverbandshistoriker, die sich im Sinn einer kollektiven Erwartung äussern, sind auf Null abzuschreiben.

Andererseits sehe ich hier Beiträge und höre ich Stimmen, die man politisch ihrerseits nicht gebrauchen kann. Die Demokratie hatte und hat und wird nötig haben eine entsprechende Metakritik, sie muss von Generation zu Generation neu gedacht werden. Aber die Sprüche, wie sie Martini zitiert und zum besten gibt, sondern nur ab, wer sich an der Basis noch nie um Glaubwürdigkeit bemüht hat und die Knochenarbeit demokratischer Überzeugungsarbeit zu scheuen scheint. Gerade der Vorwurf des Populismus, wie er nun auch von den in Meuten gesammelten Historikern erhoben wird, erinnert indirekt daran, dass Demokratie auch im positiven Sinn ihre "Gefahren" hat. Die Hoffnung, dass "falsch" gestimmt wird, nimmt zu. Martini und andere müssen sich fragen, was sie denn auf basisdemokratischem Gebiet selber schon geleistet haben und wie sie politische Aktivitäten konkret anpacken würden.

Maiordomus
4. Oktober 2018 06:53

PS. Der Martini, von dem nicht klar ist, ob er allenfalls mit dem Jungschriftsteller gleichen Namens identisch ist, formuliert teilweise wie ein reiner Provokateur, jedenfalls aber nicht wie einer, den man politisch oder publizistisch in irgendeiner Weise ernst nehmen könnte.

Thomas Martini
4. Oktober 2018 08:59

"Der Hinweis in Martin Lichtmesz‘ Text auf die Freiheit unseres Kaiserreiches ist unbedingt notwendig."

Das ist richtig. Um unsere Zeiten und den herrlichen demokratischen Fortschritt besser zu verstehen, muß man Vergleiche anstellen, nicht nur mit dem Dritten Reich, wie es heute auch beim Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands üblich ist.

Am besten blendet man zurück in in das Jahr 1789.

Am 5. Oktober machten sich mehrere Tausend Frauen aus Paris machten sich am 5. Oktober auf einen Protestmarsch nach Versailles, um den König zu Maßnahmen gegen die grassierende Hungersnot zu bewegen.

Die als "Poissarden" (Fischweiber) bezeichneten Frauen wurden, man mag es kaum glauben, beim König vorgelassen, der sie sehr höflich behandelt haben soll und versprach, Mehl nach Paris bringen zu lassen.

Glaubt man der in Sachen 18. Jahrhundert äußerst kompetenten Marion Sigaut, war der Anstieg des Brotpreises eine direkte Folge der Privatisierung des Getreidehandels, die ein Projekt des unter dem Einfluß englischer Ideen stehenden Ministers Turgot gewesen ist. Das heißt im Klartext: Damals hat man damit begonnen, die europäischen Völker zu enteignen. Die "Privatisierung" zieht sich wie ein roter Faden durch 230 Jahre demokratischer Geschichte.

Was wir heute erleben, ist die Vollendung der raub- und völkermordkapitalistischen Geldherrschaft namens Demokratie, die am 14. Juli 1789 auf den Weg geschickt wurde.

@Maiordomus

Sich nur mit ad hominem und ad personam, sprich Scheinargumenten, in eine Debatte einzubringen, ist ein Markenzeichen von Demokraten.

Valjean72
4. Oktober 2018 09:24

@Maiordomus @Thomas Martini:
"..., jedenfalls aber nicht wie einer, den man politisch oder publizistisch in irgendeiner Weise ernst nehmen könnte."
---

Demnach nehmen Sie jemanden nur dann politisch oder publizistisch ernst, wenn er öffentlich sein Bekenntnis zur "freiheitlich-demokratischen" Grundordnung, zur Verfasstheit der real existierenden BRD ablegt?

Insofern sehe ich da jetzt keinen großen Unterschied zur obig besprochenen Historiker*Innen-Resolution.

Mein Dank an Thomas Martini für seine unerschrocken, konsequent offenen Worte und an den Diskursteilnehmer Ruewald:

Nicolás Gómes Dávila, z.B.
"- ... die Wahl einiger Unfähiger durch einen Haufen Inkompetenter ...

Ich musste herzlich lachen! ;)

Maiordomus
4. Oktober 2018 09:52

@Das sind keine Scheinargumente. Ich habe mich über Jahrzehnte mit der Geschichte der Demokratie befasst, besonders am Beispiel der europäischen Stadt-Staaten und Kleinstaaten, zum Beispiel Genf, ohne dessen Demokratiegeschichte man Rousseau nicht verstehen kann; ausserdem mit der Geschichte der Schweizer Landsgemeinden und dem Jahr 1848, habe ausserdem regelmässig an Volksinitiativen und Referenden in meinem Land mitgearbeitet. Auch mit der Geschichte des Zentrums und zumal Adenauers, den ich als einen skeptischen Demokraten einzuschätzen lernte und dessen Verdienste für Deutschland unvergleichlich bleiben, der auch Hitler stets realistisch eingeschätzt hat, lohnt es sich, dass Sie sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, zumal natürlich mit der Gemeindedemokratie zum Beispiel im Süden Deutschlands, etwa im badischen Raum, wo es bis ins Mittelalter zurückführende demokratische Traditionen gab, die freilich durch Gemeindereformen auch zur Zeit der Bundesrepublik arg beeinträchtig wurden. Von praktischer Demokratie scheinen Sie nachweisbar nicht viel zu verstehen, und mit der aggressiv-ignoranten Kriminalisierung politischer Gegner als plutokratische Verbrecher sind Sie voll auf der Linie der politisch Unzurechnungsfähigen. Ihre Analysen sind schlicht falsch, und es wäre gut, Sie würden sich mal zum Beispiel mit genossenschaftlich orientierter Basis-Demokratie beschäftigen. Was die Kritik an der Französischen Revolution betrifft, so bleibt jedoch klar, dass sich dort eine im Ansatz totalitäre Demokratie oder Demokratur entwickelte, was ein Edmund Burke auch schon 1790 gesehen hat, er bedurfte für diese Kritik nicht mal der Erfahrung des Terrors. Wie ich oben ausgeführt habe, bedarf die Demokratie, das Gegenteil einer utopischen Entscheidungsmethode, in der Tat der permanenten historischen und soziologischen Reflexion, wobei gelungene Demokratien immer Elemente eines Regimen Mixtum enthalten, also nebst rein populistischen Momenten auch elitäre Strukturen und natürlich Traditionen. Dass sich in Russland nie eine demokratische Tradition installierte, ist noch heute als Nachteil festzustellen. Auch in Deutschland gibt es nur in wenigen Bundesländern ausgereifte demokratische Traditionen. Im übrigen würde ich Ihnen empfehlen, sich mal mit der Landsgemeinde des Landes Glarus auseinanderzusetzen. Was Sie über "raub- und völkermordkapitalistische Geldherrschaft" schreiben, ist nun mal in dieser Pauschalität schlicht ignorant, Sie haben sich offensichtlich nie mit den Grundfragen einer demokratischen Verfassung auseinandergesetzt, zum Beispiel der Entstehung des Zweikammersystems in der schweizerischen Eidgenossenschaft, einer demokratischen Revolution, deren Endresultat ein freies Land und ein freies Volk war, dessen Freiheit freilich auch heute wieder neu errungen werden muss und heute in beträchtlichem Masse bedroht ist. Auch in den Staaten der Europäischen Union kann man höchstens noch gerade von demokratischen Elementen sprechen, die von totalitären Elementen bedroht sind. Diese Befunde sind noch vertieft zu analysieren, wobei jedoch Politik eine praktische Wissenschaft ist und wer nicht bereit ist, wenigstens in seiner Wohngemeinde mal hinzustehen und mit Mut einiges zu riskieren, soll mit politischer Mitbestimmung gleich gar nicht anfangen, mag andere über sich bestimmen lassen.

Fritz
4. Oktober 2018 10:10

Ja sicher, an der Demokratie gibt es vieles zu kritisieren, aber die Alternative ist doch wohl die (unkontrollierte) Herrschaft irgendwelcher Eliten oder gar Einzelpersonen.

Genau das erleben wir doch grade, dass die Demokratie ausgehebelt wird und eine Elitenherrschaft an ihre Stelle gesetzt wird. Stichwort: Postdemokratie

https://de.wikipedia.org/wiki/Postdemokratie

Tobinambur
4. Oktober 2018 10:43

Interessant ist auch rein formal die polarisierende Logik dieser Thesen, die keine positive Definition ihrer Grundbegriffe leisten, sondern die Bedeutung ihrer Worte nur durch negative Abgrenzung gegenüber dem bösen Anderen erhalten. Sie sind Resultat einer semantischen Gehirnwäsche, die den Wortgebrauch auf die sprachliche Stigmatisierung und Markierung des Wortverwenders reduziert – ohne dass diese Worte überhaupt noch einen anderen Gebrauch (und nach Wittgenstein damit eine Bedeutung) im inhaltlich orientierten Gespräch zulassen.
1. Verankerung eines dichotomen Wörterbuchs, so dass guter und böser Wortgebrauch sofort linguistisch markiert ist. Es folgen sogleich einige Gebrauchsregeln:
2. Definition des Gebrauchs der Ausdrücke „Demokratie“ und „Pluralismus“ durch negative Abgrenzung von jener politischen Aktivität, die mit „Populismus“ bereits ständig und pausenlos als minderwertig denunziert wird.
3. Fixierung von Überzeugungen, die immer nur größere und anonymere Strukturen befürworten; ebenfalls negativ abgegrenzt gegen Überzeugung die kleinere und überschaubarere gesellschaftliche Strukturen befürworten.
4. Definition von „Menschlichkeit“ und „Recht“ alleine durch negative Abgrenzung von der Skepsis gegenüber der Reduktion des Menschen auf einen strömenden und nur ausnahmsweise etwas länger verweilenden Partikel.
5. Definition von (historischem) „kritischem Denken“ als bloße Anerkennung und Fixierung kollektiver Schuld - in negativer Abgrenzung gegen die Ablehnung eines solchen Denkens.
Diese Schemata sind beliebig erweiterbar. Z.B. das Letztere von den Deutschen auf die Europäer, die Weißen, den Westen, die Männer…)
Man könnte irrtümlicherweise auf die Idee kommen, diese Schemata einfach umzudrehen. Aber von nichts kommt nichts, man erhält so keine Bedeutung der Worte für einen Diskurs, sondern nur wieder eine Bedeutung als Marker für die Seiten im Bürgerkriegs bzw. die der Vernichtung zuzuführenden Wortverwender, sprich Menschen! Diese Thesen zeigen nicht nur das Null-Niveau linker Pseudointellektueller, sondern ihre totalitäre und menschenverachtende Gesinnung. Die Widergeburt eines inhaltlichen, bedeutungsvollen Denkens kann nur noch unsere Sache sein. Wenn wir das nicht hinkriegen ist fintio.

Thomas Martini
4. Oktober 2018 11:09

"Ja sicher, an der Demokratie gibt es vieles zu kritisieren, aber die Alternative ist doch wohl die (unkontrollierte) Herrschaft irgendwelcher Eliten oder gar Einzelpersonen.

Genau das erleben wir doch grade, dass die Demokratie ausgehebelt wird und eine Elitenherrschaft an ihre Stelle gesetzt wird. Stichwort: Postdemokratie"

DAS ist die Denkfalle, die ich meine. Solange man sich nicht von dem Irrglauben verabschiedet, die Demokratie sei gleichbedeutend mit Volksherrschaft, oder auch nur einer Teilhabe des Volkes, wird man die Bösartigkeit dieses Systems nie begreifen.

Nehmen wir nur das Beispiel Franklin D. Roosevelt. Der gehörte damals in den USA zu den oberen 10.000 und er betrieb eine komplett gegen das eigene Volk gerichtete Politik für die Reichen und Superreichen, das heißt für die Wall Street. Nun kann man sich blöd stellen, und behaupten, schon damals hätten die Menschen in "postdemokratischen" Zeiten gelebt. Das Einzige, was man damit erreicht, ist, daß man um eine ehrliche und schonungslose Analyse des globalen Demokratismus herumkommt.

"Wir brauchen einfach mehr Demokratie, nur so kann es besser werden. Demokratie jetzt, muß unsere Devise sein!"

Und wenn er nicht gestorben ist, so hofft der deutsche Michel noch viele weitere Jahrzehnte, daß es besser werden wird, wenn sein ganzes Denken, Reden, Fühlen und Handeln an den Vorgaben der demokratischen Ideologie ausgerichtet ist.

Thomas Martini
4. Oktober 2018 11:23

"Von praktischer Demokratie scheinen Sie nachweisbar nicht viel zu verstehen..."

Ein Beispiel für praktische Demokratie gebe ich immer gerne:

"US General Wesley Clark hat in einem Interview vom 2.3.2007 berichtet, dass er knapp 3 Wochen nach „nine-eleven“ im Pentagon von der Entscheidung erfahren hat, man werde in den nächsten 5 Jahren in 7 Staaten Systemwechselkriege führen, und zwar in IRAK, SYRIEN, LIBYEN, LIBANON, IRAN, SOMALIA und im SUDAN"

https://coriolan.in/rom/schultze-rhonhof-ueber-den-un-migrationspakt/

"Sie haben sich offensichtlich nie mit den Grundfragen einer demokratischen Verfassung auseinandergesetzt..."

Die Grundfrage einer demokratischen Verfassung ist immer: Wie halte ich das gemeine Volk von jeder politischen Teilhabe und Mitbestimmung fern, ohne daß eine kritische Masse des Volkes dies bemerkt.

Sara Tempel
4. Oktober 2018 11:32

@Ruewald
Wenn ich Trumps Äußerungen als vielversprechend bewerte (siehe Rede vor der Vollversammlung der UNO), dann heißt das für mich, daß ich erst einmal skeptisch bin. - Darüber hinaus sehe ich aber so viel Rechtes in seiner Politik, daß ich durch ihn mindestens einen Paradigmenwechsel - auch für Europa - erhoffe. Ich wage mich noch nicht, gar ein neues Katechon in ihm zu sehen!

Imagine
4. Oktober 2018 11:57

Dass die repräsentative Demokratie das beste Mittel ist, mit dem eine Minorität über eine Majorität Herrschaft ausüben kann, darauf wies schon John Stuart Mill (1806 - 1873) hin.

Vor einem halben Jahrhundert gehörte diese Erkenntnis zum politischen Grundwissen der kritischen Intelligenz.

Denn das 1967 erstmalig erschienene Buch von Agnoli und Brückner: „Die Transformation der Demokratie" war gewissermaßen die „Bibel der APO“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Transformation_der_Demokratie

Zentral für diese Herrschaftsform der repräsentativen Demokratie ist die Illusion auf Seiten der Beherrschten, dass sie qua Stimmenabgabe an der politischen Gestaltung des Gemeinwesens mitwirken und es in ihrem Interesse beeinflussen können.

„Demokratie" hat eine ähnliche Funktion wie die Religion, die ein Mittel war, die Beherrschen zum „Hoffen und Harren" zu bringen und sie so zu Narren zu machen.

So wie es schon bei Ovid hieß: "Hoffen und Harren macht manchen zum Narren."

Die Demokratieillusion ist eine modernes „Opium des Volkes", wie Marx die Funktion von Religionen beschrieb. Und weiter: „die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik".

Nur wird die Demokratieillusion von den Massen nicht als „Religion" erkannt.

Die Kritik an der „Demokratie" ist heute so tabuiert wie früher die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria.

Andererseits hat die Demokratie gegenüber anderen Herrschaftsformen einen großen Vorteil, denn sie erhält den sozialen Frieden, zumindest solange, wie es die Herrschenden mit einer Politik gegen das Volk nicht übertreiben.

Zur Demokratieillusion gehört die irrige Annahme auf Seiten des Stimmvolks, dass die Gewählten über die Macht in der Gesellschaft verfügen. Das Gerede von der Merkel als "mächtigster Frau der Welt" ist ein Beispiel für diese Illusion.

Die Wahrheit, die Horst Seehofer ausspricht, ignorieren die Demokratiegläubigen und wollen sie gar nicht wissen:
Seehofer: "Es ist so ... Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden. haben nichts zu entscheiden."
https://www.youtube.com/watch?v=UBZSHSoTndM

Das, was als "Demokratie" der Öffentlichkeit vermittelt wird, ist häufig nur Demokratie-Simulation.

Zu den soziologischen Gesetzmäßigkeiten der repräsentativen Demokratie gehört, dass jede neue Partei nach kurzer Zeit so wird wie die Altparteien.

Die die Aufsteiger, Opportunisten und Karrieristen – die „Realos“ - übernehmen die Macht in den Parteien, besitzen die privilegierten und lukrativen Posten und betreiben eine Politik im Interesse der plutokratischen Oligarchie.

Robert Michels beschrieb dies bereits vor 100 Jahren als "Ehernes Gesetz der Oligarchie".

Macht beruht in unserer Gesellschaft vor allem auf Vermögensmacht. Daraus resultiert sowohl Informations- und Manipulationsmacht durch den Besitz von Massenmedien wie auch Korruptionsmacht.

Natürlich versprechen aufstiegsorientierte neue Parteien „mehr Demokratie“, das haben die Sozen unter Brandt gemacht, das machten die Grünen mit ihrer „Basisdemokratie“ und auch die Piraten versprachen dies.

Aber daraus wird nie etwas. Denn sitzen die Aufsteiger erst einmal in privilegierten und lukrativen Positionen, dann versuchen sie jede Kritik an ihrer Politik zu ersticken, so wie damals Brandt 1972 mit dem Radikalenerlass (Berufsverbote), jener Kanzler, der zuvor als sein Ziel propagierte: „Mehr Demokratie wagen!“

Die Demokratie ist für die Massen so verführerisch, weil ihnen geschmeichelt wird, sie seien der Souverän. Und weil sie dies glauben, sind sie zwar jedes Mal frustriert, wenn die Wahlversprechen nicht eingehalten werden, aber weiterhin bleibt ihnen die Hoffnung, dass es bei der nächsten Wahl anders wird.

Der große Vorteil der Demokratie ist, wie bereits genannt, dass sie den sozialen Frieden erhält und dies weitgehend frei von physischer Gewalt, von Terror und Mord. Das ist der entscheidende Unterschied zu einem totalitären, staatsterroristischen System wie dem Faschismus, der die Alternative zur Aufrechterhaltung kapitalistischer Herrschaft darstellt.

Maiordomus
4. Oktober 2018 12:09

@Fritz. Das mit der Postdemokratie ist genau das, was wir analysieren müssen und wenn möglich uns für Alternativen engagieren, warum nicht eine Alternative für Deutschland, das betrifft nicht nur den Bund, auch die Länder und die Kommunen und wenn möglich sogar noch kleinere Gemeinschaften, die im Sinne des Subsidiaritätsprinzips zu aktivieren wären. Aber es stimmt, die postdemokratische Aushebelung der Demokratie erfolgt ganz oben, im Bund, in der Europäischen Union, im Zusammenhang mit manipulierenden Vorschlägen betr. Migration auch schon bei den Vereinigten Nationen.

Maiordomus
4. Oktober 2018 12:39

@Valjean72. Ein Historiker und ein Wissenschaftler hat nach Max Weber "Politik gehört nicht in den Hörsaal" nicht wie die oben kritisierte Historiker-Meute Bekenntnisse abzugeben, sondern nach bestem Wissen und Gewissen mit täglichem Studium der alten und neuen Fachliteratur die historisch-politischen Gegebenheiten zu analysieren, wobei freilich auf der Basis klarer Grundbegriffe und auch rechtsphilosophischer Kenntnisse die permanente Ideologiekritik mit dazu gehört. Dummheit und Ignoranz bleiben was sie sind, auch wenn es aus praktischen Gründen nicht ratsam ist, sie zu verbieten. Auf keinen Fall darf einfach mit den Wölfen geheult werden und es gibt schlechthin keine Frage- und Forschungsverbote. Dabei müsste auch dem Justizstaat im Prinzip Grenzen gesetzt werden. Sie brauchen mich nicht bei den Korrekten einzuschulmeistern, selbstverständlich kenne ich Berufsverbot, berufsbedingte Entlassung, Haussuchung, Unterschriftensammlung gegen meine Anstellung und einstige polizeiliche Fichierung als Rechtsextremist, was aber nichts daran ändert, dass ich ein nun mal kritischer Demokrat bleibe und mich erst recht gegen politische Idiotien und Wahnvorstellungen auch bei den Rechten gewandt habe, ohne schlicht nur als Rechthaber aufzutreten, das verbietet eine jahrzehntelange praktische politische Erfahrung. Das Anliegen ist, Wahnvorstellungen, blossen Feindbildprojektionen, dümmlichen Verschwörungstheorien und vor allem politischer Verzweiflung wenn möglich die Stirn zu bieten. Das gehört nun mal zur Praxis der freien Auseinandersetzung.

Gotlandfahrer
4. Oktober 2018 13:09

Sich darüber zu wundern oder zu beklagen hiesse nur, den unwiderbringlichen Verlust einer vergangenen Moralepoche noch nicht akzeptiert zu haben. Deswegen käme es mir nicht, wie den Don Quichottes auf der Tagung, in den Sinn, als Verfechter der Demokratie oder dergleichen, aufzutreten und niedlichen Einspruch zu erheben. Begriffe des Rechts sind dehnbare Kategorien. Die Sprachregelung müsste aus meiner Sicht lauten: Meine Kinder haben das Recht, zu überleben, und wer dem entgegenwirkt, kann kein Kooperationspartner sein. No fucking way.

RMH
4. Oktober 2018 13:11

Es gibt so ein paar typische, immer wiederkehrende Argumentationsschleifen, wie "System", "Systempartei", "BRD" oder gar "VSA" etc.

Das ist in vertrauter Runde, im Kaffeehaus (gut, ist jetzt eher ein Anachronismus, gibt ja - zumindest in Deutschland - kaum noch welche) oder in Internetdebatten, bei denen keiner groß etwas zu verlieren hat, ganz nett und verleiht einem einen gesunden Hauch von Exzentrik, aber letztlich ist es ziemlich hilflos und fruchtlos und darüber hinaus teilweise auch respektlos vor all denen, die im konkreten System sich um Mandate des Systems bemühen, solche bereits erworben haben etc. und die sich dafür täglich herausrufen lassen müssen, beschimpfen, anspucken, in ihre Gesundheit und ihrem Eigentum verletzten lassen müssen etc. Und hier kriegen sie dann auch noch regelmäßig zum Dank, intellektuell aufs feinste aufbereitet, um die Ohren gehauen, dass sie doch letztlich nur "systemstabilisierend" seien (womit man letztlich auch zum Ausdruck bringt, dass doch bitte auch sie im Orkus einer großen "Zeitenwende" verschwinden sollen).

Für all die großen Theoretiker und Alleswisser gilt der alte Spruch, hic Rhodus, hic salta. Stellt Euch doch mal an einen Wahlkampfstand, seit einmal Gemeinderat etc.

Und beim Thema Historie und den Historikern scheint seit 1874, als Nietzsche seine zweite unzeitgemäße Betrachtung, "Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben" veröffentlichte, offenbar gar nicht so viel Zeit vergangen zu sein, oder liegt es etwa daran, dass Nietzsche damit Zeitloses niedergeschrieben hat?

Fritz
4. Oktober 2018 13:37

@Thomas Martini

Die Demokratie ist ja nicht von irgendwelchen Eliten erfunden worden, sondern eben als Mittel gegen solche. Bei Aristoteles ist Demokratie charakterisiert durch den Wunsch, "nicht so leben zu müssen wie andere es wollen." (wenn ich mich recht erinnere). Das kann ich mir voll zu eigen machen.

Und es erhebt sich natürlich auch die Frage, was denn an ihre Stelle treten soll? Das germanische Thing ist sicher keine zeitgemäße Möglichkeit mehr.

Nach John Locke kann nichts anderes die Herrschaft eines Menschenüber einen anderen legitimieren, als des letzteren Zustimmung.

Wahrheitssucher
4. Oktober 2018 13:47

"Das Gefühl, daß die Demokratie noch nicht die rechte Form der Freiheit sei, ist ziemlich allgemein und breitet sich immer mehr aus. Die marxistische Demokratiekritik kann man nicht einfach beiseite schieben: Wie frei sind Wahlen? Wie weit ist der Wille durch Werbung, also durch das Kapital, durch einige Herrscher über die öffentliche Meinung manipuliert? Gibt es nicht die neue Oligarchie derer, die bestimmen, was modern und fortschrittlich ist, was ein aufgeklärter Mensch zu denken hat? Die Grausamkeit dieser Oligarchie, ihre Möglichkeit öffentlicher Hinrichtungen, ist hinlänglich bekannt. Wer sich ihr in den Weg stellen möchte, ist ein Feind der Freiheit, weil er ja die freie Meinungsäußerung behindert. Und wie ist es mit der Willensbildung in den Gremien demokratischer Repräsentation? Wer möchte noch glauben, daß das Wohl der Allgemeinheit dabei das eigentlich bestimmende Moment sei? Wer könnte an der Macht von Interessen zweifeln, deren schmutzige Hände immer häufiger sichtbar werden? Und überhaupt: Ist das System von Mehrheit und Minderheit wirklich ein System der Freiheit? Und werden nicht Interessenverbände jeder Art zusehends stärker als die eigentliche politische Vertretung, das Parlament? In diesem Gewirr von Mächten steigt das Problem der Unregierbarkeit immer drohender auf: Der gegenseitige Durchsetzungswille blockiert die Freiheit des Ganzen."

Joseph Cardinal Ratzinger
Rom
Freiheit und Wahrheit
IKaZ Communio (De) 24 (1995) 527-542

Andreas Walter
4. Oktober 2018 14:10

Viele hier schreiben immer von jetzt.

Ist Euch wirklich nicht klar, wann diese, "unsere" Schein- oder Teildemokratie installiert wurde? Ich weiß sogar wie und durch wen.

Darum ist doch auch ganz klar, wovor sich auch diese Scheinhistoriker fürchten. Vor der Wahrheit, die auch noch aus anderen Gründen darum niemals in das Bewusstsein der Mehrheit sickern darf. Auf der ganzen Welt nicht.

Darum braucht man auch nicht das Geschwafel dieser Leuten zu lesen oder zu analysieren, da es ihrer Natur gemäß eh nur Propaganda sein kann. Diese Leute sind Propagandisten, die schon seit 70 Jahren für die Alliierten arbeiten. Sogar ihre Netzseite erinnert mich von der Art her an den PEN-Club, der sogar schon im Krieg für die Alliierten tätig, aktiv war, für Polen und London gibt es dafür sogar Beweise.

Nur gibt es eben keine prodeutschen oder neutralen Historiker, die gelten auf der ganzen Welt sofort als Revisionisten und werden darum fast überall verfolgt und geächtet, erleben Einreiseverbote oder sogar Gefängnis.

Dabei haben die durchaus interessantes zu berichten, stellen durchaus kluge und berechtigte Fragen. Mit denen man aber auch in diesem Fach weltweit nicht weiter kommt als bis zur Ablehnung durch alle Diplomväter. Niemand im wissenschaftlichen Betrieb würde dafür seine Karriere opfern. Mir sind sogar Professoren bekannt, die genau deswegen schon ihren Lehrstuhl verloren haben, selbst in den VSA.

Die Wahrheit oder selbst schon eine Gegendarstellung könnte also die Demokratie gefährden.

Da werden junge Menschen natürlich neugierig, was das denn für eine Wahrheit sein könnte, die eine solche Macht besitzt, dass sie sogar das Fundament "demokratischer" Nationen erschüttern, womöglich sogar zum Einsturz bringen könnte.

Demokratie wie auch Marxismus aber auch Kapitalismus funktionieren daher nur durch Lügen. Alle drei sind nämlich Dogmen, Scheinwelten, die immer nur einen Teil der Realität abbilden. Alle drei verleugnen darum jeweils einen Teil der Wirklichkeit.

Maiordomus
4. Oktober 2018 14:17

@RMH. Ihrer Kritik an ideologischer Wortwahl innerhalb einer Gesinnungsmeute bleibt, zumal aus der Sicht derjenigen, die noch im Ernst etwas zu verbessern trachten, beizupflichten. Es ist bequemer, sich über Roosevelt zu äussern, mit dem man sich, wenn schon, ein paar Jahre beschäftigen sollte, oder über 9/11, als in der Lokalzeitung einen Leserbrief zu schreiben mit Kritik an der lokalen Sozialindustrie oder an dem, was in Schule und Bildung nicht mehr stimmt, falls es überhaupt je stimmte.

Nietzsches Abhandlung "Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben" aus seinen "Unzeitgemässen Betrachtungen" bleibt für die laufende Debatte ein wegleitendes Signal. Nietzsche unterscheidet die Monumentalhistorie, welche nach Denkmälern und Vorbildern aus ist, von der antiquarischen Historie, für die schlechthin jedes vermeintlich noch so banale Detail wichtig bleibt (was ich immer weniger unterschätze) und der kritischen Historie als Ziel, was ohne laufende permanente Detailforschung im Sinne der Brüder Grimm nicht möglich ist, wiewohl diese Methode für sich allein nicht genügt. Zu dieser Thematik besuchte ich im Winter 1968/69 an der Universität Zürich ein gehaltvolles Seminar von Prof. Emil Staiger. Es war ein sehr bedeutender nachhaltiger Beitrag gegen die damalige 68er Meute. Sehr lesenswert als Ergänzung zu Nietzsches Abhandlung bleibt "Glück und Unglück in der Weltgeschichte" aus den Weltgeschichtlichen Betrachtungen von Jacob Burckhardt, welch letzterer wesentlich zur Berufung Nietzsches an Universität und Gymnasium von Basel beigetragen hat. In Basels Staatsarchiv sind handschriftliche Protokolle Nietzsches, die er zu Handen von Fakultätssitzungen verfasst hat, einzusehen. Das Studium solcher Dokumente repräsentiert jenseits von Zugehörigkeit zu einem Historikerverband Geschichte buchstäblich aus erster Hand. Mir ist freilich bei dieser Arbeit aufgefallen, dass es zum Beispiel einem Jacob Burckhardt leichter fiel, im besten Sinn kritische Historie zu verfassen als sich zum Ausschluss eines homosexuellen Studenten aus der Universität zu äussern, welches Geschäft an der Sitzung des universitären Senates aufgrund des Antrages des Rektors diskussionslos durchging, mit einem in lateinischer Sprache abgefassten und gedruckten Ausschluss-Protokoll. Auch solche Details gehören in die Geschichte der Freiheit. Ich erwähne es deshalb, weil die von Lichtmesz kritisierte Historikerresolution wohl ihrerseits zu Berufsverboten, im schlimmsten Fall sogar zu Studierverboten führen könnte. Es bleibt von Bedeutung, jeweils das Hauptthema eines Artikels zu kommentieren.

Valjean72
4. Oktober 2018 14:26

@Maiordomus : "… , was aber nichts daran ändert, dass ich ein nun mal kritischer Demokrat bleibe“
---
Das bleibt Ihnen unbenommen werter Majordomus und ich zolle Ihnen auch Respekt für Ihren Einsatz. Ich selbst war nie politisch aktiv und daher auch nie exponiert politisch tätig.

Im Grunde genommen bin ich hier nur ein Zaungast, der Anregungen dankend aufnimmt und gelegentlich einen kleinen Kommentar abgibt. Bin weder einer Partei noch einer politischen Bewegung zugehörig und daher schweifen meine hier niedergeschriebenen Gedanken mitunter über das vernünftigerweise politisch Sagbare hinaus.

Wenn Sie allerdings „politische Idiotien, Wahnvorstellungen, bloße Feindbildprojektionen und dümmliche Verschwörungstheorien“ (Ihre Worte) bei Menschen ausmachen - die dem patriotischen Lager zuzuordnen sind - und sich explizit dagegen wenden, will ich folgendes erwidern: Nach meinem Dafürhalten ist es wichtig und auch angebracht, hie und da – wenn auch nur im stillen, im privaten - seinen Gedanken freien Lauf zu lassen und über zugestandene realpolitische Meinungskorridore hinauszudenken und evtl. auch grundsätzliches infrage zu stellen und sei es nur theoretisch.

Mir ist selbstverständlich vollkommen bewusst, dass solch ein abschweifendes, freies (ergebnisoffenens) Denken nur kontraproduktiv sein kann, wenn derlei öffentlich geäußert wird, so man sich entschlossen hat mit einer Partei innerhalb des demokratischen Prozesses politische Gestaltungsmacht zu erlangen.

heinrichbrueck
4. Oktober 2018 14:42

Manchmal wird in einer Demokratie auch klar, warum Hochmut eine Todsünde ist. Die Gebote der Historiker, deren fünf, sind ernstgemeint. Meinen die mich? Als Weißer fühlt man sich nicht mehr angesprochen.
Eine historische Selbstauskunft der Superlative.

"Strukturelle Macht ist aus Gründen der Funktionsweise unseres Geistes praktisch unsichtbar." (Rainer Mausfeld)
Zu dieser Diskussion paßt folgendes Gespräch: https://www.heise.de/tp/features/Wir-leben-in-einer-Zeit-der-Gegenaufklaerung-4178715.html?seite=all
Mausfelds Perspektive ist "durch die radikaldemokratische Tradition der Aufklärung geprägt". Was ich ihm in der Praxis noch nicht abkaufe.
In diesem aufklärerischen Zusammenhang, gegenwärtig ist nur der technische Fortschritt übriggeblieben, müßte auch das Wozu der Aufklärung klar werden. Die Aufklärung kann auch als Verschleierung gesehen werden. Als feindliche Machtübernahme durch Fremde. Irgendwer muß schließlich die Hinrichtung des Königs bezahlt haben; und derjenige schreibt auch die Geschichte. Wo steht denn die wirkliche Geschichte der Menschen?

@ Fritz
Die Demokratie war früher besser. Übersetzt: Die Demokratie hat mir früher besser gefallen. An der Demokratie hat sich aber nichts geändert! Die Postdemokratie ist eine intelligente Erfindung.

@ Maiordomus
Sie können doch nicht die Schweiz mit Deutschland vergleichen. Die Schweiz ist machttechnisch ein Fruchtzwerg. Was Sie voraussetzen, funktioniert nur in der Theorie. Und die sichtbare Realität ist der Beweis. Zuwanderung ist Realität. Schon der Unterschied Zuwanderung - Einwanderung ist gegeben. Zuwandern kann man in ein unbestimmtes Gebilde, ein Nichts oder Etwas - ohne Zukunft. Einwandern dagegen, in etwas traditionell Vorhandenes. Durch Zuwanderung schaffen sie ein neues Gebilde, daraufhin kommen sie mit einem Einwanderungsgesetz. Diese Mörderbande agiert im Dunkeln. Basisdemokratisch sind ein paar Deppen unterwegs, und zeigen demokratisches Verschleierungstheater, damit der aufgeklärte Demokrat weiterhin seine ungefährlichen Schreibtischgedanken denken kann. "Ideologiekritik ist Machtkritik" (Mausfeld), aber wer bezahlt die Moral? Sollte auf moralischer Ebene gewonnen werden, muß diese Moral bezahlt werden. Ihre Moral kaufe ich Ihnen ab, ohne Probleme, aber sie in Macht umzumünzen, massenpsychologisch, muß die Wahrheit bewiesen werden. Wie?

Maiordomus
4. Oktober 2018 15:12

@heinrichbrueck. Dabei bleibt richtig, dass die Schweiz in den letzten 15 Jahren immer noch proportional weit mehr Einwanderung hatte als Deutschland, was durchaus mit politischen Verwerfungen verbunden war, wobei immerhin die unterdessen de facto eingeschränkte Volksmitsprache in dieser Sache aber wenigstens noch die Funktion behält, dass man an der Urne dann und wann legitimen Dampf ablassen kann, etwa in Sachen Minarettverbot, Verschleierungsverboten und dergleichen. Sicher ist, auch in Österreich und in der Schweiz ist die Lage unterdessen gespannt, was man in beiden Fällen nicht mit der Nazikeule abtun kann, welche sich in Deutschland immer am bequemsten anbietet, um dann am Ende gravierende Probleme nicht lösen zu müssen, bis sie noch viel schlimmer werden.

Mir ist aber klar, dass sich in Deutschland weit stärker als in einem anderen mitteleuropäischen Land das Schicksal Europas mitentscheidet. Von Bedeutung bleibt, dass über das genannte umstrittene Zuwanderungsgesetz wenigstens via Wahlen an der Urne abgestimmt wird. Unbestritten ist, dass in dieser Sache die Wahlen in Bayern von ganz anderer Bedeutung sein werden als jede Wahl oder Abstimmung in der Schweiz. Aber gerade weil dies so ist, muss konstruktiv über die Zukunft der Demokratie diskutiert werden, sicher nicht so, wie es neulich der sächsische Ministerpräsident artikuliert hat. Zu dieser konstruktiven Debatte sollten meines Erachtens auch die Blogger hier beitragen, die meines Erachtens stärker zur Kenntnis genommen werden als viele es glauben. Die bedrohte Demokratie ist nicht durch Kritik bedroht, sondern zweifelsohne durch Unterdrückung der Kritik. Ernst genommene Kritik muss sich aber nicht in Schlagworte über die angebliche Plutokratie ergehen, den Ersatz für den erledigten Antisemitismus, aber doch in Vorschlägen, wie die Souveränität über Grenzen wieder gewonnen werden kann. Mit antidemokratischen Verzweiflungsparolen wird dies aber ganz sicher nicht gelingen.

Maiordomus
4. Oktober 2018 15:46

@heinrichbrueck. Von einer "radikaldemokratischen Tradition der Aufklärung" ist mir als Historiker in der Epoche der Aufklärung nichts bekannt geworden, mit Ausnahme vielleicht der meistenteils schnell wieder unterdrückten Revolutionen in der Stadt Genf im 18. Jahrhundert. In Deutschland hat man nie im Ernst an "Radikaldemokratie" gedacht, geschweige denn eine "radikaldemokratische Tradition" gegründet. Wenn in Deutschland einer "radikaldemokratisch" sagt, dann meint die Rechthaberei seiner Richtung, aber auf gar keinen Fall wäre gemeint, dass das "Volk" in seinen konkreten Schicksalsfragen über das Wahlrecht im Parteiensystem hinaus etwas zu bestimmen hätte. Oder, um es im Sinne gewisser deutscher "Radikaldemokraten" auf den Punkt zu bringen: "Alles für das Volk, aber nichts durch das Volk!" Im Sinne dieser "Radikaldemokraten" gilt natürlich jede Forderung nach Volksmitsprache als "undemokratisch" bzw. "antidemokratisch", entsprechend wird z.B. auch gegen die AfD der "Konsens aller Demokraten" oder ähnlich gefordert. Mit "demokratischen Parteien" sind heute in Deutschland vielfach nebst den jetzt regierenden in einer beinahe offiziösen Mainstream-Sprachregelung gerade noch die FDP und die Linke mitgemeint, auf gar keinen Fall die sogenannten Populisten, zu denen allerdings dann und wann die Linken gezählt werden. Mit "radikaldemokratisch" hat diese manipulative Bevormundung des Bürgers durch Orwellsche Sprachregelung selbstverständlich nichts zu tun.

Es bleibt dabei, @heinrichbrueck, dass die Schweiz das einzige Land in Europa ist, in dem je mit Erfolg eine radikaldemokratische Revolution stattgefunden hat, nämlich 1848 mit der aber noch bald darauf folgenden Weiterentwicklung zur direkten Demokratie, deren Erhaltung noch am 23. November die Annahme der Selbstbestimmungsinitiative der SVP erfordert. Dabei wird aber vermutlich auch im Fall einer Annahme diese Selbstbestimmungsinitiative nicht umgesetzt. Auf dem Papier bleibt jedoch das Schweizer System als einziges in Europa tatsächlich radikaldemokratisch. Bei deutschen Intellektuellen hat dieser Begriff jedoch reinen Schlagwortcharakter mit dem Hintergedanken, eine Mitsprache des sogenannten Pöbels oder Packs in Sachfragen ein für allemal auszuschliessen.

Thomas Martini
4. Oktober 2018 16:01

"Die Demokratie ist ja nicht von irgendwelchen Eliten erfunden worden, sondern eben als Mittel gegen solche. Bei Aristoteles ist Demokratie charakterisiert durch den Wunsch, "nicht so leben zu müssen wie andere es wollen." (wenn ich mich recht erinnere). Das kann ich mir voll zu eigen machen."

Die Berufung auf die Demokratie der Antike, ist meiner Meinung nach einer der wirkmächtigsten Finten jener Kreise, die sich 1789 anschickten, eine globale Geldherrschaft auf den Weg zu bringen. Diese neuzeitliche Demokratie, wurde sehr wohl von "Eliten" erfunden. Es war der Geldadel, sehr einflussreiche Kreise, denen z. B. auch Voltaire zuarbeitete, der sich den Demokratie-Mythos des antiken Griechenlands zu Nutzen machte, um das französische Volk zu verführen und gegen ihren eigentlichen Adel in Stellung zu bringen.

Schon die Geburtsstunde der Demokratie ging mit einem Völkermord einher, bekannt als die Massaker in der Vendèe. Das deutsche Volk traf es besonders hart, denn die Demokraten benötigten zwei Weltkriege, in denen sie mindestens 20 Millionen Volksgenossen töteten, um uns von der alleinseligmachenden Demokratie überzeugen zu können.

Was hat das noch mit Athen und der ursprünglichen Demokratie zu tun? Das ist nur Ablenkung. Eine ähnliche Finte sind Verweise auf Klein- und Stadtstaaten, wobei so getan wird, als würden dort machtpolitische Entscheidungen getroffen, die das Schicksal ganzer Völker betreffen.

Das Mutterland der Demokratie ist daher nicht Griechenland, sondern England.

Maiordomus
4. Oktober 2018 16:32

@Rodericus. Ich fürchte, Ihre persönlichen bitteren Erfahrungen zum Thema Historiker beruhen nicht auf Zufall. Einen vielfach noch tauglichen Ausweg bietet die Lokalhistorie, zumal alles reale Geschehen am Ende irgendwo vor Ort stattfand. In Sachen Literatur scheint mir die Antiquariatsbörse www.abebooks.de empfehlenswerter als Buchhandlungen oder Amazon, wiewohl Neuerscheinungen ebenfalls beachtet werden müssen, z.B. für die neuliche Debatte "Marx von rechts" das neue Buch von Jürgen Herres, "Marx und Engels, Porträt einer intellektuellen Freundschaft" (Reclam 2018) mit noch informativen biographischen Hintergründen, wiewohl der Verfasser den Marxismus offenbar im Ernst für eine "wissenschaftliche Weltanschauung" hält, eine Aussage, zu der sich ein Historiker und Herausgeber niemals versteigen sollte, zu schweigen vom sonst im Ruf der Seriosität stehenden Reclam-Verlag. Bei den Historikern herrscht aber nun mal "Konsensobjektivität".

Lotta Vorbeck
4. Oktober 2018 17:53

@Fritz - 4. Oktober 2018 - 10:10 AM
@Fritz - 4. Oktober 2018 - 01:37 PM

"Ja sicher, an der Demokratie gibt es vieles zu kritisieren, aber die Alternative ist doch wohl die (unkontrollierte) Herrschaft irgendwelcher Eliten oder gar Einzelpersonen.

...

Und es erhebt sich natürlich auch die Frage, was denn an ihre Stelle treten soll? Das germanische Thing ist sicher keine zeitgemäße Möglichkeit mehr."

___________________________________

Demokratie = Rechtsstaat?

Die zum Popanz aufgeblasene "Demokratie" ist kein Wert an sich.

Entscheidend ist die Existenz, respektive Nichtexistenz eines Rechtsstaates.

Innerhalb eines funktionierenden Rechtsstaates, darf's gern auch die auf Fortbestand und Verteidigung von Volk, Heimat und tradierter Kultur ausgerichtete Herrschaft von, wie Sie werter @Fritz formulierten, "Eliten oder gar Einzelpersonen" sein.

Imagine
4. Oktober 2018 18:17

Es führt in die Irre, wenn der heutige Zustand der Demokratie als "Postdemokratie" bezeichnet wird. Denn es ist formal die gleiche Demokratie wie zuvor, nur die herrschende Klasse ist - anders als zu Zeiten der Systemkonkurrenz - nicht mehr zu Klassenkompromissen bereit.

Überhaupt scheint mir die Diskussion in der herrschenden Ideologie gefangen zu sein, wenn sie die ökonomische und politische Sphäre voneinander trennt.

So werden die grundlegenden Unterschiede zur attischen Demokratie vermutlich deshalb nicht begriffen.

Athen war eine Sklavenhaltergesellschaft. Sklaven, Frauen und Kinder waren von der demokratischen Teilnahme ausgeschlossen.

Die Demokratie war lokal begrenzte und keine repräsentative.

Wir leben jedoch in einem kapitalistischen System, das ganz anders funktioniert.

Die Funktion der Sklaven haben heute die Lohnarbeiter und arbeitenden Dienstleister inne, also 90+ % der Bevölkerung. Vom Zwang zur Arbeit ist nur eine kleine Minorität der Kapitalisten und Rentiers befreit.

Diese moderne Sklavenklasse kann an der repräsentativen Demokratie teilnehmen. Aber nur in einer Weise, dass das System und die Herrschaft nicht gefährdet werden.

Das Vermögen der Oligarchie, deren Anteil an der Bevölkerung so klein ist, dass man diesen nicht durch Prozentangaben bezeichnen kann, vermehrt sich durch die Funktionslogik des Systems ständig, während diejeneigen, die den gesellschaftlichen Reichtum erarbeiten, ständig ärmer werden.

"Den 62 Reichsten der Erde gehören die mächtigsten Konzerne, ihr Vermögen ist zusammen so groß wie das der ärmeren Hälfte der Menschheit."
https://www.spiegel.de/wirtschaft/oxfam-diesen-62-superreichen-gehoert-so-viel-wie-der-halben-welt-a-1072576.html

Das ist empirisch evident und auch die Massenmedien berichten offen über die Vermögensverteilung und deren Zuwächse. Die herrschende Klasse ist so mächtig, dass dieser Umstand ihre Herrschaft nicht gefährdet.

Denn es bildet sich keine Systemopposition, auch nicht auf Seiten der Linken. Im Gegenteil, die linken Parteien wirken an der Verschleierung der gesellschaftlichen Verhältnisse mit und ihre Berufspolitiker bieten sich als konstruktive Systemerhalter an.

Das vorfindliche Bewusstsein bei den politischen Aktivisten kann man nur noch als irre bezeichen.

Obwohl allein schon aus der Einkommens- und Vermögensstatistik evident ist, in welche Dienste Merkel & Co. ihre Politik stellen, wird die Merkel-Politik als "links" bezeichnet.

Diejenigen, die als lohnabhängige Ideologieproduzenten und -vermittler tätig sind, also Politiker, Manager, Wissenschaftler, Journalisten, Schriftsteller etc., sind von Arbeitsplatzverlust oder dem Verlust von Aufträgen bedroht, wenn sie nicht nach den Interessen und Wünschen der Herrschenden funktionieren. Dann warten Abstieg mit Prekarisierung und Verarmung auf sie.

Das betrifft - wenngleich anders - selbst die beamteten Professoren. Sie verlieren ihre Nebeneinkünfte aus privater oder staatlicher Auftrags"forschung". Ihre Arbeiten werden von der Scientific Community ignoriert. Und häufig werden sie von ihren systemkonformen Kollegen gemobbt.

Damit ist ein Einkommens- und Statusverlust verbunden. Und natürlich auch viel psychischer Stress.

Und deshalb verhält sich die Masse der Historiker so, wie sich immer unter derartigen Umständen verhalten haben, ob unter preussischer Dikatur, NS-System oder DDR.

Thomas Martini
4. Oktober 2018 23:13

Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn es den Leuten nach einer Alternative zur Demokratie dürstet, bevor sie sich von diesem System geistig und seelisch verabschiedet haben.

Wer so argumentiert, hat - bitte um Verzeihung, wenn ich es so deutlich sage - noch nicht begriffen, was auf dem Spiel steht. Noch einmal zur Erinnerung: Dem deutschen Volk soll der Garaus gemacht werden! Laut demokratischen Spitzenpolitikern wie Robert Habeck, gibt es schon heute kein Volk mehr, was für einen Demokraten wie ihn den Vorteil hat, daß er es gar nicht erst verraten kann.

"Ohne eine wirksame Unterbindung der irregulären Masseneinwanderung aus afrikanischen und islamischen Staaten ist abzusehen, dass die Wohnbevölkerung in Deutschland in etwa zwei Generationen in eine mehrheitlich islamische und afrikanische Bevölkerung „umkippt“, dass die hiesige Demokratie in eine islamisch-autoritäre Staatsform mutiert und dass der Ausverkauf des deutschen Sozialsystems erfolgt sein wird." - Gerd Schultze-Rhonhof

Man achte bitte auf die Formulierung bei Schultze-Rhohnhof. Er schreibt, die Demokratie mutiere zu einer anderen Staatsform. Das bedeutet nicht, daß sie einfach verschwinden wird.

Nun stellen wir uns mal bitte vor, eine Familie säße mit Kind und Kegel, Oma und Opa in einem Zug, der unaufhaltsam auf einen Abgrund zurast. Was wäre da der naheliegenste Gedanke? Erst einmal aus dem Zug zu entkommen, egal wie? Oder würde man da sich auch erst einmal fragen, welche Alternative es zu dem Zug gibt?

Bewegt man sich wie die BRD innerhalb einer der Besatzerherrschaft, bleiben ohnehin nur zwei Möglichkeiten der Befreiung. Entweder die Besatzungsmacht fällt von selbst, oder das besetzte Land schmiedet neue Allianzen, um sich aus dem Würgegriff zu befreien.

Hier haben wir auch den Grund, warum die USA alles erdenkliche dafür tut, um eine deutsch-russische Kooperation zu sabotieren und unmöglich zu machen.

Thomas Martini
5. Oktober 2018 00:39

Ich möchte vorab die Gelegenheit nutzen, um mich einmal bei der Moderation dafür zu bedanken, daß meine Beiträge in diesem Strang ohne Zensur freigeschaltet wurden.

@Imagine

"Die Funktion der Sklaven haben heute die Lohnarbeiter und arbeitenden Dienstleister inne, also 90+ % der Bevölkerung. Vom Zwang zur Arbeit ist nur eine kleine Minorität der Kapitalisten und Rentiers befreit."

Das ist wahr. Wahr ist aber auch, daß 80+ % in der Illusion lebt, frei zu sein. Wie Vögel, die nie etwas anderes als Käfighaltung erlebt haben.

"Diejenigen, die als lohnabhängige Ideologieproduzenten und -vermittler tätig sind, also Politiker, Manager, Wissenschaftler, Journalisten, Schriftsteller etc., sind von Arbeitsplatzverlust oder dem Verlust von Aufträgen bedroht, wenn sie nicht nach den Interessen und Wünschen der Herrschenden funktionieren. Dann warten Abstieg mit Prekarisierung und Verarmung auf sie.

Das betrifft - wenngleich anders - selbst die beamteten Professoren. Sie verlieren ihre Nebeneinkünfte aus privater oder staatlicher Auftrags"forschung". Ihre Arbeiten werden von der Scientific Community ignoriert. Und häufig werden sie von ihren systemkonformen Kollegen gemobbt.

Damit ist ein Einkommens- und Statusverlust verbunden. Und natürlich auch viel psychischer Stress."

Dazu könnte ich, wenn die Moderation mir das bitte noch gestattet, ein aktuelles Beispiel aus Frankreich bringen. Der französische Physikprofessor François Roby von der Universität in Pau, wurde unter Halbierung seiner Bezüge für zwei Jahre vom Lehrbetrieb ausgeschlossen. Er äußerte wohl physikalische Zweifel an der offiziellen Version von 9/11. Sein Vorgesetzter bekam dann Post von der "Délégation Interministérielle à la Lutte Contre le Racisme, l'Antisémitisme et la Haine anti-LGBT" (DILCRAH) und vom Präsidenten des "Conseil Représentatif des Institutions Juives de France" (Crif). Der Vorwurf: Roby sei "Rassist, Antisemit, Negationist und verrückt".

Hätte man ihm der Einfachheit halber da nicht besser vorgeworfen, ein "Nazi" zu sein? Bei dem Herrn Professor, der es als seine Aufgabe betrachtet, die Menschheit aufzuwecken, handelt es sich wohl um eine der "Stimmen, die man politisch ihrerseits nicht gebrauchen kann"? Einer, den man wissenschaftlich in keiner Weise ernst nehmen kann?

"Die Physik ist eine universelle Wissenschaft. Es gibt viele Dinge, die nicht universell sind. Die Kulturen sind nicht universell, die Religionen sind nicht universell." - François Roby

https://www.youtube.com/watch?v=jLotXmYNvdE

Ernst nehmen muß man stattdessen Herrschaften wie Emmanuel Macron, der sich kürzlich - ganz der strahlende Gutmenschdemokrat - mit dunkelhäutigen Kriminellen im Arm ablichten ließ, die mit Mittelfinger und fragwürdigen Handzeichen posieren.

https://pbs.twimg.com/media/DoWoe54XUAUEy4V.jpg

„Meine Empörung ist so groß, dass mir die Worte fehlen, um sie angemessen auszudrücken. Das hat Frankreich sicherlich nicht verdient. Es ist unverzeihlich! MLP“ - Marine Le Pen

https://philosophia-perennis.com/2018/10/01/macron-posiert-mit-kriminellen-die-den-stinkefinger-und-satanistengruss-zeigen/

Das Ausmaß an Verrat und Lüge, das mit der Demokratie einhergeht, ist gigantisch. Mich wundert es sehr, daß die maßlose Bösartigkeit dieses Systems noch immer von einer breiten Masse in Westeuropa akzeptiert wird.

Juerg_Jenatsch
5. Oktober 2018 00:43

@ Martini Grämen Sie sich nicht, wenn der Hausmeier der Sezession seine abschließenden Bemerkungen serviert und alle anderen Auffassungen in den Orkus des Obskurantismuses kippt, obwohl auch er Äpfel mit Birnen vergleicht. Die Demokratie mag ja in einer Schweizer Landsgemeinde ganz passabel funktionieren, sofern die personelle Kontrolle gewahrt wird und zudem die Stimmbürger auch über Eigentum verfügen. Eine derart homogene (relativ natürlich) Gemeinschaft war damals gegeben. Ebenso waren die Bürger auch diejenigen, die den Apparat finanzierten, was zur Folge hatte, daß sparsam gewirtschaftet wurde. Dies ist einem Großstaat nicht gegeben, so daß diese meist Monarchien waren. Rom wurde zum Prinzipat und später Dominat (Kaiserreich), als es zum Imperium mutierte. Heute sind es halt Post- bzw. Anscheinsdemokratien, die notdürftig versuchen, den Schein zu wahren. Man muß auch feststellen, daß nur mehr eine Minderheit netto Leistungen erbringt, während die Mehrheit in irgendeiner Form am Staatsapparat partizipiert. Dies sind schlechte Voraussetzungen für eine Volksherrschaft.

eike
5. Oktober 2018 05:20

Die ganze Absurdität des politischen Systems "Demokratie" (das hier offenbar noch einige Anhänger hat), zeigt sich, wenn es ermöglicht, die, die angeblich herrschen, auszutauschen, ohne daß sie dabei ein Mitspracherecht hätten.

Franz Bettinger
5. Oktober 2018 08:39

Die Prostitution der Historiker vor dem Zeitgeist las ich nie schöner beschrieben als von Prof. Günter Scholdt in der Jungen Freiheit (8/15). Unter der Überschrift "Zur Lage der Geschichtswissenschaft - Kumpane des bloß Korrekten" zeichnet Scholdt die Gilde der Historiker ebenso treffend wie humorvoll wie resigniert. Sein Artikel hier leicht verkürzt und verfranzelt:

Im Anschluß an einen Vortrag hat mich mal ein Abiturient gefragt, ob ich ihm empfehlen könne, Geschichte zu studieren. Ich antwortete: Zuraten könne ich bedenkenlos allen intellektuell Anspruchslosen, deren Befangenheit im Zeitgeist ihnen Konflikte erspart. Ebenso zynischen Opportunisten, denen sich im heutigen Deutschland zahlreiche lukrative, institutionelle Berufschancen bieten, sowie geborenen Märtyrern der Wahrheitsfindung, die fraglos auf ihre Kosten kämen. Die verbleibende Minderheit aber litte in einer vielfach verkommenen akademischen Disziplin wie der sprichwörtliche Hund.

Was veranlaßte mich zu solchen Sarkasmen? Jahrzehntelange Beobachtungen in einem Umfeld, in dem Verstöße gegen den Mainstream in aller Regel schwer geahndet werden. Zu meinen Erfahrungen gehören publizistische Verdächtigungen, Internet-Attacken und neuerdings zunehmend Praktiken, bei denen Gegner schlicht darauf abzielen, Unbotmäßige gar nicht erst zu Wort kommen zu lassen.

Das erlebte ich zuletzt in Berlin bei einer Tagung des Instituts für Staatspolitik zum Ersten Weltkrieg. Die ursprünglichen Vermieter hatten aus Angst vor der Antifa in Verbindung mit dem wohlmeinend-erpresserischen Rat des Charlottenburger Bezirksamts, kalte Füße bekommen. Zu dieser delikaten halbseidenen Koalition von politisch Etablierten mit dem gewaltbereiten Mob paßt, daß die Berliner Technische Universität ihre Räume der Antifa für einen Kongreß zur Verfügung stellte, um weitere Meinungsverhinderungs-Strategien auszubrüten.

Neigten wir zu Größenwahn, hätten wir uns, wohlig gruselnd, an der Vorstellung berauscht, welche Bedeutung plötzlich sogar Vorträge zur Zeit vor hundert Jahren erlangen, wo doch sonst Geschichte immer weniger interessiert. Humorlos betrachtet, gruselt es einem vor einem Staat, der solches fördert und ein als Heilmittel gegen Rechtsextremismus gefeiertes Modell so uferlos mißbrauchen läßt, um die Deutungsherrschaft zu bewahren.

Nun gehört dergleichen Denunzianten-Stadel gegenüber Andersdenkenden hierzulande schon lange zur täglichen Einschüchterungsfolklore. Schließlich geht es bundesrepublikanischen Tugendwächtern nicht um Meinungsfreiheit, sondern um ihr Gegenteil, öffentlich aufgehübscht durch Phrasen wie „herrschaftsfreier Diskurs“ und „wehrhafte Demokratie“. Neu war allenfalls die mittlerweile eingespielte Routine, mit der Vertreter von Staat und Politik in unheiliger Allianz mit der Straße agierten, wobei sich nicht selten, unbelastet von vertiefter Kenntnis, auch Gewerkschaften und Zeitgeist-Kleriker hinzugesellten.

Rede ich hiermit dem widerspruchslosen Durchwinken alternativer Thesen das Wort? Keineswegs. Auch etablierte Meinungen verdienen engagierte Verteidiger, die sich zuweilen fraglos zu Recht zu geharnischten Repliken provoziert sehen. Doch Streit gilt in Deutschland vielfach nicht einfach als argumentative Parade, sondern als Verstoß gegen Dogmen. Und wer hier neben der Offizialerzählung vom Geschichtsverlauf angeblich „falsch“ liegt, wird schnell zum demagogischen Bösewicht, dem man aus moralischen Gründen keine Bühne geben darf.

Wie ist nun explizit die Historiker-Szene beschaffen, die solches durch geistige Zuträgerschaft ermöglicht? Ganz oben in der Typologie stehen klassische Hof-Historiker, glücklich, wenn ihre Tagungen von höchster Prominenz beehrt werden, die ihnen wiederum in oberlehrerhaften Geleitworten geschichtspolitische Hausaufgaben erteilen. Sie sind Großmeister der Gremien-Herrschaft, die niemals gegen den Stachel löcken, Gutachten-Könige, Talkshow-Koryphäen und von hoher Brauchbarkeit für die aktuelle Politik, was sich zudem einträglich auswirkt.

Ihnen zur Seite steht die historiographischen Theokratie, eifernde Inquisitoren, die nach Ketzern und verfänglichen Textstellen fahnden, „Müllkutscher“ der Geschichte, wie Ernst Jünger einst spottete. Dieser Typus ist immer noch Produkt der NS-Zeit, jenes als Erbsünde statuierten historischen Übels schlechthin, dem sie ständig zu wehren vorgeben, während sie offenbar gleichzeitig davon infiziert sind, indem sie die Methoden kopieren. Befriedigt von der Inzucht einer Kongreßwelt, in der die Rechtgläubigen unter sich bleiben, fehlt ihnen jeder sportliche Ehrgeiz, daß man nur im Duell mit Gegnern einen wahren Sieg erringt.

Todfeind sind sie den wenigen verbliebenen genuinen Historikern, die sich, ungeachtet persönlicher Folgen, mit Leib und Seele ihrer Forschung verschreiben. Ihr Einfluß ist gering. Keine Talkshow lädt sie ein, weil man ihrer Ergebnisse nicht sicher sein kann. Sie werden gemieden, da sie die Kumpanei mit dem bloß Korrekten, statt Richtigen verweigern.

Woraus besteht die Mehrheit der Zunft? Mainstream-Schwimmer aus Überzeugung, aus geistiger Indolenz oder aus Furcht vor den Folgen einer Abweichung. Sie sind mehrheitlich nicht maliziös. Aber alles läuft letztlich auf eine resignative Erklärung ihrer Unzuständigkeit hinaus. Solcher Mangel an Solidarität mit verfemten Kollegen und an Korpsgeist macht jenen Defekt aus, der zunächst ihr persönliches Niveau und Ethos beschädigt, alsdann das ganze Fach. Wer nicht grundsätzlich für möglich hält, daß man auch das Gegenteil der eigenen Thesen vertreten kann, ohne ein Schuft zu sein; wer sich in ungeliebte historische Ideen partout nicht einfühlen kann und bereits das Verstehen-Wollen als moralisches Versagen kritisiert - der meide besser diese Disziplin! Ein Fach, das solche halbtotalitäre Forscherperspektive jahrzehntelang duldet, degeneriert. Sein ganzes Selbstverständnis, das sich paradoxerweise aus dem Kontrast zu 1933/45 ableitet, entpuppt sich als bigott.

Es wird immer einen breiteren, konventionellen Forschungsweg geben neben einem schmalen steinigen Bergpfad für Querdenker. Dabei ist keineswegs ausgemacht, daß sich die sogenannte Wahrheit nur auf letzterem findet. Aber wenn eine Berufsgruppe sich überwiegend gleichgültig zeigt gegen kampagnenartige Ausgrenzung von Außenseitern, wenn fachlich illiterate Gruppen und ihre aufgeputschten, interessegesteuerten Emotionen entscheiden, ob ein Buch erscheinen, ein Raum zum Sprechen erteilt oder ein Text verlesen werden darf, müssen für echte Historiker alle Alarmsirenen schrillen.

Fritz
5. Oktober 2018 08:54

@ Lotta Vorbeck

Wer wählt die herrschenden Eliten aus?

Maiordomus
5. Oktober 2018 08:57

@Imagine. Auf die "Masse der Historiker" kommt es nicht an und ist es noch nie angekommen. Auf bedenkenswerte Weise wurde immerhin darauf hingewiesen, dass immerhin nur wenige Spezialisten für das Mittelalter den Aufruf zu politischer Korrektheit mitunterzeichnet haben.

Der für die europäische Geistesgeschichte bedeutendste Historiker der Schweiz, der oben genannte Jacob Burckhardt, hat sich selbst der demokratischen Euphorie von 1848 verweigert, gerade auch, um den für einen Historiker immer notwendigen Abstand zur Gegenwart einzuhalten. Selbst auch in der Schweiz triumphierte die Demokratie nicht ohne Propagandalügen. Die Abstimmung über die Bundesverfassung von 1848 war in einigen Kantonen kaum korrekter als 2014 Putins Abstimmung über die Heimholung der Krim. An der Qualität jener Verfassung als eines vergleichsweise genialen Wurfs änderte dies jedoch nichts. Auch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland von 1949 ist immer noch wesentlich besser als die im Grunde undemokratischen Bedingungen, unter denen es zustande kam.

Über den ungeheuer bedeutenden Satz von Max Weber "Politik gehört nicht in den Hörsaal" hat in der Zeit kurz nach 1968 der Philosoph Hermann Lübbe ("Geschichtsbegriff und Geschichtsinteresse" lautet der Titel seines Hauptwerkes, 2. Auflage 2012) eine grundlegende Vorlesung gehalten. Dass Politik nicht in den Hörsaal gehört, hat nichts mit Feigheit und Sichdrücken zu tun, sondern hängt mit der grundlegenden Entlastung der Forschung zusammen, welche sogar auch eine Entlastung vor der politischen Verantwortung ist. Auch kann es für einen Forscher keine Gesinnungsvorschriften geben. In diesem Sinn gilt für ihn der Satz von Ignazio Silone, der gleichzeitig den faschistischen und den stalinistischen Gesinnungsterror mit dem entsprechenden Bekenntniszwang kritisierte: "Was aber, wenn die Wahrheit entmutigend ist? Aber selbst die entmutigendste Wahrheit ist immer noch ermutigender als die ermutigendste Lüge." Kein Zweifel besteht für mich, dass es in Sachen Demokratie von entmutigenden Wahrheiten nur so wimmelt, was man durchaus mit der Geschichte der Demokratie illustrieren kann, nicht nur der Demokratie in Frankreich oder der von Tocqueville überragend kritisierten "Von der Demokratie in Amerika", ein Standardwerk, das für die Beurteilung der Gegenwart möglicherweise noch heute immer noch mehr bringt als fast jedes Buch von Marx und Engels. Mehr denn je würde ich sagen. Alexis de Tocqueville bleibt bis zum heutigen Tag der Klassiger einer Metakritik der Demokratie, wie sie noch und noch geleistet werden muss; ist auch als brillanter Schriftsteller etwa einem Karl Marx um ein Beträchtliches überlegen. Im Hinblick auf die notwendige Skepsis der Demokratie gegenüber bleiben auch Standardwerke der Massenpsychologie von Bedeutung, so die "Psychologie der Massen" von Gustave le Bon, "Der Aufstand der Massen" von José Ortega y Gasset, die "Gruppendynamik" von Hofstätter sowie "Masse und Macht" von Elias Canetti. Zu bedenken bleibt ferner die Demokratie-Kritik, die zugleich eine Demokratie-Verteidigung ist bei Karl Popper, insofern er der demokratisch verfassten Körperschaft der Abstimmenden eine hohe Kompetenz im Hinblick auf das, was sie nicht wollen, zuspricht. Noch der Dümmste ist unter Umständen hochwissenschaftlicher Experte in der Frage, ob es ihm in einem System behage oder nicht. Damit sind zum Beispiel die "diffusen Ängste" angesprochen, womit die heutigen Verwalter des Mainstream des Unbehagen von Menschen marginalisieren in der Art eines Zahnarztes, der unter Berufung auf sein Studium behauptet, de Patient leide nur irrtümlich an Zahnweh.

Maiordomus
5. Oktober 2018 10:55

@Fritz/Lotta. "Wer wählt die herrschenden Eliten aus?"

Zum Begriff "Elite" gehört es nun mal, dass wir zwischen Staat und Gesellschaft unterscheiden müssen und dass Eliten eigentlich schon immer eine Angelegenheit der Gesellschaft gewesen sind, nicht mit staatlich beglaubigten Eliten verwechselt werden dürfen, so wichtig etwa der Professorentitel in Deutschland und Österreich zum Beispiel geworden ist, vor allem dank seinem sozialen Absicherungspotential, der aber in der Geschichte der Universität keineswegs schon ursprünglich staatlich beglaubigt war.

Das Thema "Elite" wurde meines Erachtens erstmals in neuerer Zeit 1984 durch Gerd-Klaus Kaltenbrunner in einer seiner wichtigsten späten Publikationen im "Mut"-Verlag aufgegriffen, was 2009 Kubitschek dann zu einer Tagung zu diesem Thema und einer Neuherausgabe des Buches in der Reihe "Kaplaken" veranlasste. Die Frage "Wer wählt die herrschenden Eliten" aus ist eigentlich falsch gestellt. Es gibt in jedem gesellschaftlichen Bereich Eliten, ausser in Schule und Kirche und Medienbetrieb zum Beispiel zumal auch bei der Neuen Rechten. Was ist denn "Sezession" anderes als ein Elitenprojekt und eine Elitenschulung? Dies spürt man zumal auch im gedruckten Heft, dessen Niveau jenseits dessen ist, was allenfalls für die Mehrheit der AfD-Wähler repräsentativ zu sein scheint. Dabei bleibt es charakteristisch, dass nicht jeder vielleicht Ähnlichgesinnte sich dieser Art Elite zugehörig fühlt. So bekannte etwa neulich Thilo Sarrazin, dessen neues Buch ich zwar in Dresden bei Thalia gekauft habe, aber noch nicht aus der Glanzfolie ausgepackt, mit der sogenannten Neuen Rechten nichts anfangen zu können und sich dieser keineswegs zugehörig zu fühlen. Er bildet derzeit, wohl zusammen mit Roger Köppel (der im Schweizer Parlament aber persönlich fast gar kein Gewicht hat) eine Elite eigener Art, die eigentlich niemand auswählt, Köppel und Sarrazin haben sich selber zu dem gemacht, was sie sind. Im Sinne von Erasmus von Rotterdam könnte man von einem "Homo pro se" sprechen, würde es sich, was dahingestellt bleibt, auch um grosse Autoren handeln.

Wie auch immer: die wahren Eliten werden von niemandem ausgewählt und es gibt sie trotz und entgegen der Herrschaftsverhältnisse. Das war schon in der Phase der Französischen Revolution und ihrer Vorgeschichte so. Die Elite in Deutschland zwischen 1935 und 1944 wurde zum Beispiel massgeblich vom Kreis um die Weissen Blätter gebildet, mit Autoren wie Jochen Klepper, Reinhold Schneider, Ida Friederike Görres, Werner Bergengruen, Karl Ludwig von Guttenberg, Dietrich und Klaus Bonhoeffer, den Stauffenbergs, aber auch katholischen Theologen wie Romano Guardini und Erich Przywara. Selbst noch ein Verleger wie zum Beispiel Anton Kippenberg (Insel-Verlag) repräsentierte in jener Zeit bürgerliche deutsche Elite, desgleichen der Kulturförderer und Naturschützer Alfred Toepfer, was man indes nun mal einem Joseph Goebbels, so wenig er zwar ein Dummkopf war, im Sinn eines Intellektuellen von Format nicht nachsagen mag. Auch in der Sowjetunion gab es eine Elite jenseits von Partei und Staat, von Solschenizyn über Andrei Amalrik bis Sacharov und Maximov, auch dem Filmemacher Tarkovski, wohingegen die Parteischriftsteller nun mal keine nennenswerte Elite darstellten. Dies alles gilt es beim Nachdenken über das Thema Elite zu bedenken. In der katholischen Kirche gehörten die Heiligen noch und noch zur Elite, wiewohl sie zu Lebzeiten auch im eigenen Lager oft drangsaliert wurden und unten durch mussten. Die Geschichte der Mystik im Mittelalter ist die Geschichte einer Elite, ohne die es später wohl mutmasslich nie eine Reformation gegeben hätte. Auch Luther ist durch und durch, auch als er noch Aussenseiter war, als Elitenphänomen zu begreifen, wie die gesamte humanistische Bewegung. Einen ausgesprochen elitären Eindruck machte mir sodann die Lektüre des Buches "Tristesse Droite", wobei gerade diese Tristesse für fast alle Eliten in der Inkubationsphase charakteristisch zu sein scheint. Auch die Konservative Revolution der Zwanziger und Dreissigerjahre war ein Elitenphänomen. Am Ende stellt sich jedoch nicht nur bei den linken Eliten, auch bei den Rechten die Frage nach Schein und Sein des Elitarismus. Charakteristischerweise hat sich gerade Eliten-Theoretiker Kaltenbrunner für die letzten 10 Jahre seines Lebens vollständig von jedem Kollektiv zurückgezogen. Eliten in der Art etwa der "Gruppe 47", ob links oder rechts, scheinen mir in der Tat eher entbehrlich zu sein, wiewohl es keine gesellschaftliche Veränderung gibt ohne Eliten. Das Kaplakenbuch "Elite - Erziehung für den Ernstfall" von Kaltenbrunner, sollte es noch erhältlich sein, ist eine Bestellung wert. Unterdessen ist "Marx von rechts" per Post bei mir eingetroffen.

Maiordomus
5. Oktober 2018 11:29

M.L.: Maiordomus, jetzt mal bitte kurz die Bremse ziehen, sonst schalte ich hier überhaupt nur mehr Kommentare von Ihnen frei, die länger als der ganze Artikel sind.

RMH
5. Oktober 2018 12:07

Jetzt einmal der Versuch des pragmatischen Herangehens:

Natürlich liest sich ein Dávila immer grandios und es gab und gibt die berühmten "tausend guten Gründe", die parlamentarische Demokratie oder die Demokratie zu kritisieren. Ich bin mir aber sicher, dass es auch tausend gute Gründe gegen jede andere Staats- und Herrschaftsform sowie gegen die Anarchie gibt, ebenso wie tausend gute Gründe jeweils dafür. Was tun, wie weiland Lenin schrieb?

Wenn man noch einen Hauch Vernunft walten lassen will und dabei die urkonservative Prämisse vom Menschen als Mängelwesen berücksichtigt, dann kann man meiner Meinung nach nur zu einem System kommen, in dem es eine ausgeprägte Gewaltenteilung, checks and balances zwischen den Gewalten und zeitliche Begrenzung von Ämtern und Pfründen gibt. Wahlen und Abstimmungen erscheinen ebenfalls vernünftig. All dies vor dem Hintergrund, dass es eben keine Perfektion auf Erden gibt.

Dennoch wird die konservative Erkenntnis, dass es immer Herren und Diener, Herrscher und Beherrschte und Meister und Sklaven geben wird dazu führen, dass dies selbst in einem solchen, oben geschilderten System ebenso sein wird. Die Frage ist doch eher, in welchem System lebt es sich für die Mehrheit besser?

Und bei diesem Kriterium war die Verhausschweinungs-BRD meiner Meinung nach bislang gar nicht mal so schlecht gelegen. Selbstredend besteht auch hier enormer Verbesserungsbedarf und ich persönlich könnte gleich mit einer ganzen Reihe von Vorschlägen dazu "glänzen", aber das ist jetzt nicht das Thema.

Aus meiner Sicht macht man es sich zu einfach, wenn man keine realistisch durchsetzbaren Alternativen nennen kann und man Deutschland zum alleinigen Opfer eines nahenden Volkstodes auserwählt. Insbesondere letzteres ist mitnichten der Fall. All das, was man hier auf diesen Seiten als "Umvolkung" bezeichnet, findet in allen ehemals europäisch und "weiß" geprägten Ländern statt, insbesondere auch in Russland und wird dort auch nicht unterbunden. Ausnahmen in Europa sind nach meinem Dafürhalten alleine die ehem. Ostblockstaaten (ohne Russland), aber auch dort wächst der Zustrom von außen an. In Asien haben Länder wie China und Japan ein handfestes Demografie-Problem wegen Überalterung und im Falle von China noch das Thema eines Männerüberschusses aufgrund einer falsch gelaufenen Ein-Kind-Politik.

Die Probleme sind also in der Tat global - nur durch Globalisierung lassen sie sich zwar teilen und verbreiten, aber eben gerade nicht lösen. Hier sollte man ansetzen.

Kleine Anekdote: In meiner Region hat einstens ein reicher Industrieller ein mittelalterliches Schloss erworben und als erstes beauftragte er einen Historiker, eine ihm genehme Geschichte das Schlosses zu schreiben. Der Autor war damals übrigens nicht unbedingt staatstragend, schrieb aber dennoch ein schönes Buch für seinen Auftraggeber. Das Ganze war vor etwas über 100 Jahren. Ein Exemplar der 101 starken Auflage habe ich in meinem Besitz. Schon damals waren Historiker also recht flexibel ...

Fritz
5. Oktober 2018 12:24

Das ist alles ganz richtig, mir ging es aber eher um die Elite, die die Macht ausübt (bzw. ausüben sollte).

Ich sehe nicht, wie man ohne irgendein konsultatives Verfahren gegenüber den der Macht Unterworfenen regieren kann, ohne Willkürherrschaft auszuüben.

Thomas Martini
5. Oktober 2018 13:28

Frage mich gerade mal wieder, ob ich der Irre bin, oder alle anderen. Besonders der letze Kommentar von RMH liest sich wie der Beitrag eines Mannes, der nicht mehr bei klarem Verstand zu sein scheint.

"Die Frage ist doch eher, in welchem System lebt es sich für die Mehrheit besser?

Und bei diesem Kriterium war die Verhausschweinungs-BRD meiner Meinung nach bislang gar nicht mal so schlecht gelegen"

Dann hatte Angela Merkel also vollkommen recht, als sie nach der letzten Wahl sagte, sie wisse nicht, was man hätte besser oder anders machen sollen.

"Wahlen und Abstimmungen erscheinen ebenfalls vernünftig."

Wie sie erscheinen, ist mir völlig egal. Tatsache ist, daß die Resultate von Wahlen und Abstimmungen - auch in der direktdemokratischen Schweiz - regelmäßig ignoriert werden, Wahlversprechen ständig gebrochen werden, und der Mehrheitswille nur dann umgesetzt wird, wenn es den Demokraten hilft, ihre völkermordkapitalistische Agenda umzusetzen. Bei der Masseneinwanderung und den Militäreinsätzen der Bundeswehr zum Beispiel, wird die Mehrheitsmeinung frech übergangen.

Das beste Mittel, um dieses System aus den Angeln zu heben, wäre daher auch, sich von allen demokratischen Abstimmungen und Wahlen fernzuhalten.

"Wenn bei irgendeiner Gelegenheit, wo das allgemeine Stimmrecht gebraucht, kaum zwei Drittel, ja vielleicht nicht einmal die Majorität der Stimmberechtigten an die Stimmurne kommt, so ist dies ein Votum gegen das ganze System überhaupt." - Heinrich von Treitschke

"In Asien haben Länder wie China und Japan ein handfestes Demografie-Problem..."

Das geht uns Deutsche nix an, genauso wie es mich nichts angeht, wieviele Kinder sich meine Nachbarn wünschen. Ja, nicht nur Deutschland und das deutsche Volk ist davon bedroht, aus der Sphäre des Politischen zu verschwinden und in diesem Sinne dem Volkstod anheim zu fallen. Das betrifft alle Staaten der EU.

Um zu einem gesunden Nationalismus zurückzukommen, halte ich es jedoch für die bessere Idee, sich mit Dingen auseinanderzusetzen und zu befassen, die innerdeutsche Angelegenheiten sind, und daher Ausländer nichts angehen.

Entscheidende Fragen sind: Wer setzt die Überzeugung eines Volkes fest? Wer klärt ein Volk auf? Wer bildet ein Volk?

Bei uns in der BRD verhält es sich so, daß der Bundespräsident Musikgruppen lobt und sogar als Verteidiger der Demokratie bezeichnet, die mit folgenden Texten glänzen:

"Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich ei’n Affen und ein Pferd
Ich mach Mousse aus deiner Fresse
Boom verrecke
Wenn ich den Polenböller in deine Kapuze stecke
Die halbe Schule war querschnittsgelähmt von mei’n Nackenklatschern
Meine Hausaufgaben mussten irgendwelche deutschen Spasten machen" - ( K.I.Z. - "Ein Affe und ein Pferd")

Ich selbst leide noch heute darunter, daß man mir früher in der Schule nichts vernünftiges beibrachte, daß man mich nicht förderte und forderte, und man mich stattdessen alleine ließ mit dem, was Dr. Dr. Thor von Waldstein so treffend als "Die entfesselte Freiheit" bezeichnete.

Ganz bestimmt bin ich damit kein Sonderling, denn die Verblödung der bundesdeutschen Gesellschaft ist förmlich mit Händen zu greifen. Verantwortlich für diese Massenverblödung, sind demokratische Politiker, Lehrer, Ehrenamtliche, Funktionäre und Eltern. Es ist in Deutschland völlig egal, wohin man geht, man trifft Demokraten an jeder Ecke, beim Bäcker, bei der Post, im Kaufladen, im Betrieb; das ganze Land ist voller Demokraten. Hier bei Sezession im Netz ist es nicht anders, dafür ist dieser Strang ein eindeutiger Beleg.

etiam si omnes - ego non.

Lotta Vorbeck
5. Oktober 2018 14:07

@Fritz - 5. Oktober 2018 - 08:54 AM

Wer wählt die herrschenden Eliten aus?

______________________________

In der zeitgenössischen BRD, Sie können's selber beobachten, beruht die Auswahl - nicht nur jene der herrschenden Pseudoelite - auf dem Prinzip der Negativauslese.

Negativauslese
https://de.wikipedia.org/wiki/Adverse_Selektion

heinrichbrueck
5. Oktober 2018 14:11

@ Maiordomus
Die wahren deutschen Eliten herrschen in Deutschland nicht. Die sichtbaren Figuren sind zumeist ein "basket of deplorables". Unbewußt hatte H. C. hier eine perfekte Selbstzuschreibung gefunden. H. C. gehört der demokratischen Elite an.
Das Buch von Sarrazin kann man verschenken. Die "Feindliche Übernahme" fand schon statt, bevor der erste Türke über die Grenze kam. Deutschland schafft sich auch nicht ab, Deutschland wird abgeschafft. Er geht informationstechnisch bis zu einem gewissen Punkt, dann setzt er einen Punkt. Seine Bücher werden massiv beworben. Vergleichen Sie einmal diese Vorgehensweise mit ihrem Landsmann, dessen Buch "Der geplante Volkstod" nicht in den Schaufenstern der Bundesrepublik ausliegt.
Eine Herrschaftselite hat volkserhaltend zu wirken. Faire Bedingungen wird es nie geben. Eine große Nation, an der man parasitieren kann, wird ihre Errungenschaften militärisch absichern müssen. Die geistige Kraft allein, sie reicht nicht. Die Demoralisierung geht natürlich auch in diese Richtung, das Ergebnis Schutzlosigkeit und Volksvernichtung. Die demokratischen Forderungen müssen langfristig verstanden werden. Was sie bedeuten und wem sie letztendlich nutzen. Die geistigen Unterwerfungsgrenzen sind nicht akzeptabel.

@ RMH
Die Ein-Kind-Politik trifft die Han-Rasse (meinetwegen Han-Ethnie) am schlimmsten. Falsch gelaufen? Für manche, wird die Landeselite dezimiert, eher nicht.

Lotta Vorbeck
5. Oktober 2018 14:16

@Thomas Martini - 5. Oktober 2018 - 01:28 PM

Volle Zustimmung zu Ihren Ausführungen!

Eine Frage zum von Ihnen zitierten Liedtext:

"Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich ei’n Affen und ein Pferd
Ich mach Mousse aus deiner Fresse
Boom verrecke
Wenn ich den Polenböller in deine Kapuze stecke
Die halbe Schule war querschnittsgelähmt von mei’n Nackenklatschern
Meine Hausaufgaben mussten irgendwelche deutschen Spasten machen" - ( K.I.Z. - "Ein Affe und ein Pferd")

"Boom verrecke"?

Sind damit womöglich die sogenannten Baby-Boomer, ergo die Angehörigen der geburtenstärksten Jahrgänge die dieses Land je hervorbrachte, also diejenigen die in sämtlichen Bereichen wo tatsächlich gearbeitet werden muß das BRD-System auf ihren Schultern tragen, die von eben diesem System zu großen Teilen um die eigene Chance zur Reproduktion / zur erfolgreichen Familiengründung geprellt wurden, gemeint?

RMH
5. Oktober 2018 14:30

"Es ist in Deutschland völlig egal, wohin man geht, man trifft Demokraten an jeder Ecke, beim Bäcker, bei der Post, im Kaufladen, im Betrieb; das ganze Land ist voller Demokraten. Hier bei Sezession im Netz ist es nicht anders, dafür ist dieser Strang ein eindeutiger Beleg."

@Thomas Martini,
Tja, manchmal muss man sich eben auch damit abfinden, zu einer Minderheit zu gehören (gab es ein nettes Lied dazu von W. Ambros, "Minderheit" - einfach mal bei YouTube anhören, falls unbekannt. Achtung: Linker!). Und im Übrigen habe ich nie behauptet, in der Besten aller möglichen Welten im Sinne einer A.M. zu leben (habe ausdrücklich auf Verbesserungsbedarf hingewiesen), ich meine nur, dass Sie zwar den Finger in so manche Wunde gekonnt legen, aber keine realistischen Lösungen haben bzw. nennen. Der Geist des Widerspruchs ist grundsätzlich richtig und er ist Teil dessen, was am Ende zu Lösungen führt. Man darf sich aber auch nicht im Widerspruch verlieren. Ich weiß recht genau, was Sie meinen und worauf Sie mit Ihren Beiträgen hinaus wollen - ich brauche auch keine Pille, wie im Film "Matrix", um die Umstände überhaupt erst wahrnehmen zu können, dennoch hat man sich in einer konkreten Lage zu recht zu finden und nur die "Gedanken sind frei" (noch!) und nicht unser Geschreibe. Denn wenn Sie einmal konsequent ihre Gedanken zu Ende denken würden und ihnen Taten folgen lassen würden, dann müssten sie folgerichtigerweise zur Waffe greifen, wenn Sie kein reiner Maulheld sein wollen - und sei es auch nur, um sich damit selber in den Kopf zu schießen (D. Venner hat es vorgemacht). Und dafür ist dieser Blog nicht der richtige Platz, da explizit gewaltfrei. Dafür, dass Sie hier erstaunlich viel A schreiben durften, wo man sich dann selber das logischerweise folgende B dazu denken darf, müssen sie dann eben auch mit pragmatischen Sichtweisen und Demokratieverstehern leben ... ;)

"Vive la République"
:) :)

Valjean72
5. Oktober 2018 15:58

Vielen Dank für diesen interessanten Diskurs!

Friedrich Schiller äußerte sich einst folgendermaßen zu demokratischen Mehrheitsentscheidungen:

Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn.
Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen.
Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?
Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
um Brot und Stiefel seine Stimm' verkaufen.
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen.
Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.

Für bemerkenswert erachte ich nun den Umstand, dass die zeitgenössischen deutschen Denker beinahe komplett den ungetrübt positiven Blick der Angelsachsen auf die parlamentarische Demokratie übernommen haben (Re-education: mission accomplished?)

Heinrich August Winkler, vielfach ausgezeichneter bundesdeutscher Historiker (er erhielt u.a. das Offizierskreuz des polnischen Verdienstordens und das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse) bezog in der ZEIT zum Buch „Die Schlafwandler“ des australischen Historikers Christopher Clark Stellung.

Darin stellt er eine angeblich universelle (und dadurch der deutschen überlegene) Moral der westlichen Demokratien mit „weltumspannenden Anspruch“ (!) einem seiner Auffassung nach dumpferen deutschen Ansatz gegenüber.

Im Ersten Weltkrieg stellten die deutschen Kriegsideologen der universalistischen Moral der westlichen Demokratien ein Denken entgegen, das aus den Tiefen der deutschen Kultur schöpfte und Normen mit weltumspannendem Anspruch wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zurückwies.

(Quelle: ZEIT-Online; H. A. Winkler; 31.07.2014)

H. A. Winkler, dessen Hauptwerk nicht umsonst mit „Der lange Weg nach Westen“ betitelt ist, begrüßt derart posthum die deutsche Niederlage von 1918, weil erst dadurch die Demokratie in Deutschland Einzug erhalten habe.

Die Errichtung der ersten deutschen Demokratie, der Republik von Weimar, war bekanntlich eine Folge der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg.

Diese wie auch andere Äußerungen H. A. Winklers und ähnlicher „systemrelevanter“ Vordenker sind nach meinem Dafürhalten entlarvend und ich würde wohl ohne mit der Wimper zu zucken die BRD von 2018 gegen das Deutsche Reich von 1913 eintauschen, meinethalben auch in den heutigen Grenzen (freilich handelt es sich hier nur um ein scherzhaft gemeintes Gedankenspiel ;)

Andreas Walter
5. Oktober 2018 16:36

"In Asien haben Länder wie China und Japan ein handfestes Demografie-Problem wegen Überalterung und im Falle von China noch das Thema eines Männerüberschusses aufgrund einer falsch gelaufenen [grundsätzlich nicht funktionierenden] Ein-Kind-Politik."

Eben nicht. Überalterung ist OK, reduziert bereits kontrolliert die Bevölkerung, und darauf läuft langfristig alles hinaus. Denn auch in Japan gibt es so weit mir bekannt nichts Essentielles zu holen. Weder an Energie noch an Bodenschätze. Die können froh sein, dass sie langfristig wenigstens etwas Geothermie haben (wie z. B. auch Kenia).

Männerüberschuss in China ist aber auch kein Problem. China wird in Zukunft auch viele Krieger brauchen, wenn es als Volk überleben will.

Das Irre dabei. Am Ende (noch 500 Jahre?) werden auch die Grünen das bekommen, wovon sie jetzt schon Träumen. Nur ob das deutsche Grüne sind, das steht noch in den Sternen.

Darüber, dachte ich, reden wir doch hier. Über unser Volk und unsere Kultur, und auch ihre Zukunft. In einer Welt, die in 500 (von mir aus auch 1.000) Jahren nur noch 10% der Menschen tragen können wird im Vergleich zu jetzt. Wegen dem Gesetz der Entropie. Alles was jetzt existiert und in Betrieb ist, und dazu zählen auch wir, die 7,6 Milliarden Menschen, sind es doch nur dank der Energie zu 85% aus nicht regenerativen, fossilen Brennstoffen und 5% Kernenergie. 10% sind also nur Bio und "Öko", wenn man riesige Windfarmen mitten im Ozean, Solaranlagen und gigantische Staudämme als Öko bezeichnen mag, und die übrigens auch nicht ewig halten.

Denn das nächste existentielle Problem steht doch schon vor der Tür, auch wenn die Debatte darüber gerade erst anfängt: Die Reichweite von Phosphor zu heutigen Marktpreisen. Ob wir da von 30 (die Grünen, China) oder 300 Jahren reden (Marokko) ist dabei doch auch egal. Der Energiepreis bestimmt den Preis der Nahrung und damit die Zahl der Menschen, die sich Nahrung überhaupt leisten können. Von der anderen Seite kommt aber gleichzeitig die zunehmende Automation, Erledigung der Arbeit durch Roboter, Rechner, Maschinen (die allerdings auch Energie brauchen), werden Arbeiter und Bauern erstmal also immer weniger gebraucht. Der Krieg gegen die Maschinen ("Webstühle") hat daher schon längst begonnen, und wird tatsächlich in "autonomen" Waffensystemen kulminieren, die Grenzen schützen. Vor marodierenden Banden und Räubern ("Robin Hood", "Mad Max") auf der Suche nach etwas zum beissen. Eine seltsame Mischung aus Hightech und Mittelalter mit einer extrem reduzierten Weltbevölkerung. Wenn überhaupt, denn wie viel Hightech lässt sich auch mit viel weniger Energie überhaupt betreiben, warten, rezyklieren, denn Verluste gibt es immer (Carnot Gesetz). Ganz schwer sich darum vorzustellen, so eine Postmoderne, unter Bedingungen wie vor 250 Jahren, jedoch mit dem Wissen von heute. Die Lebensthemen bleiben natürlich die Gleichen, Geburt, Kindheit, Schule, Liebe, Arbeit, Krankheit, Tod, Sicherheit, nur alles eben eine Potenz kleiner und ab dann wahrscheinlich auch langsamer. Darum muss man auch langsam anfangen, vieles umzudenken. Wie man also die Stellung hält, trotz des sicheren Sturms, der da auf alle zukommt. Schlicht aufgrund der Dimensionen, um die es da geht. Hahaha, ich komme mir gerade vor wie Sarrazin, nur noch härter.

Westpreusse
5. Oktober 2018 16:46

@ Thomas Martini 5. Oktober 2018 13 : 28

"Frage mich gerade mal wieder, ob ich der Irre bin, oder alle anderen."

Herr Martini, seien Sie gewiß: Sie sind der Irre!

Ich habe hier selten einen so verantwortungslosen Schwachsinn gelesen.
Ich kommentiere hier eigentlich gar nicht mehr. Vor etlichen Jahren war das noch anders.
Da wurde hier noch mit dem Florett gefochten, mit Verve und Witz. Wenn ich Ihre geschwätzigen Holzhammer - Kommentare lese, Ihre Hybris (...ich oder die anderen irre...), Ihr "Wissen ohne Wissen", fällt mir nur noch Arthur Schopenhauer ein: Manche Menschen sind als Tropf geboren und müssen als Tropf sterben...

Geb's Gott, daß Menschen von Ihrem Schlage in Restdeutschland nie wieder verantwortlich politisch tätig werden...

Zugleich entschuldige ich mich für mein krasses Urteil. Ich bin ein höflicher und nachdenklicher Mensch. Ich bin auch nicht wütend auf Sie, sondern einfach nur "zornig".
Ein Qualitätsunterschied! Schieben Sie jetzt bitte keine Ihrer Tiraden nach: Genug ist genug!
Hier lesen ja "viele" mit. Sie schaden der Sache...

P.S. Herr Lichtmesz: Fein durchdacht alles. Es ist ein Genuß, Ihren Gedanken zu folgen. Eine gemeinsame Wanderung durch unsere deutsche Gegenwarts - Befindlichkeit...
: Grüße von der Weichsel

nom de guerre
5. Oktober 2018 23:16

@ Thomas Martini und andere
Vor gut einem Jahr gab es hier schon einmal eine ausführliche Diskussion über Sinn und Unsinn der Demokratie. Mir fällt das jetzt vor allem deshalb wieder ein, weil ich damals noch nicht lange herausgefunden hatte, dass es die Sezession gibt und dann über die hier zum Teil vertretenen Ideen (Elitenherrschaft u.ä.) etwas verwundert war (in Ermangelung eines passenderen Ausdrucks; ich will nicht schreiben "schockiert"). Schon damals fragte ich mich, wer diese Eliten denn sein sollen, wer sie festlegen sollte usw. Eine befriedigende Antwort bekam ich nicht, also stelle ich die Frage nicht noch einmal.
Stattdessen frage ich mich aber, ob nicht diejenigen, die heute meinen, es müsse eine Alternative zur Demokratie gefunden werden, weil die Demokratie mit den gegenwärtigen Problemen nicht fertigwerde bzw. sie überhaupt erst erschaffe, möglicherweise in die Falle genau der gegenwärtig herrschenden, allerdings nicht offen agierenden Eliten hineingehen, denen eine Postdemokratie/ein autoritäres System nützen würde. Was ich meine, ist Folgendes: Unsere Probleme sind m.E. nicht darin begründet, dass es sich bei der Demokratie vom Grundsatz her um das falsche System handeln würde, sondern darin, dass diese Demokratie nicht mehr funktioniert, und zwar deshalb nicht funktioniert, weil die relevanten Akteure ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen. Wenn es im Bundestag zwar vier Oppositionsparteien gibt, von diesen aber nur eineinhalb ihre Rolle ernst nehmen (wobei die FDP, die ich jetzt halb zähle, ihr erklärtes Ziel unter Bezugnahme auf die AfD darin sieht, gemeinsam mit den anderen Parteien "die da kleinzukriegen"), der weit überwiegende Teil der etablierten Medien die Regierung stützt und außerdem mit dem Maas-Gesetz die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird, dann ist das eben kein nach demokratischen Regeln funktionierendes System mehr. Gleichzeitig wird mit der Masseneinwanderung ein Problem geschaffen, das unser Land, wenn die Dinge so weiter laufen wie jetzt, früher oder später ins Chaos stürzen werden. Wenn es soweit ist, wird der Ruf nach einem "starken Mann", einer brachial agierenden Polizei usw. völlig berechtigt sein. Nur, wer garantiert uns denn, dass ein mögliches autoritäres System unsere Interessen besser wahrt als eine Demokratie mit all ihren durchaus vorhandenen Mängeln? (Mit dem Unterschied allerdings, dass man in einer Demokratie immerhin zumindest theoretisch am Prozess der politischen Willensbildung teilnehmen kann, in einem autoritären System dagegen vom Grundsatz her nicht.) Wer sagt uns denn, dass nicht der Tiefe Staat, die globalen Eliten (oder wer auch immer, letztlich ist mir das egal) gerade dabei sind, planvoll Krisen herbeizuführen, um in Europa autoritäre Systeme oder sogar Diktaturen mit der vollen Zustimmung der schon länger dort Lebenden einzuführen? Muss man sich wirklich an diesem Projekt auch noch beteiligen, indem man quasi von sich aus meint, ein System, in dem keiner der hier Schreibenden mehr eine legitime Stimme hätte (es sei denn, jemand hier könnte in einem solchen Fall glaubhaft vermitteln, die "Elite" zu sein), sei einer funktionierenden (!) Demokratie vorzuziehen?

quarz
5. Oktober 2018 23:40

@nom de guerre

"Unsere Probleme sind m.E. nicht darin begründet, dass es sich bei der Demokratie vom Grundsatz her um das falsche System handeln würde, sondern darin, dass diese Demokratie nicht mehr funktioniert, und zwar deshalb nicht funktioniert, weil die relevanten Akteure ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen. "

Ich würde das Problem kompakt so zusammenfassen:
Eigentlich sollten gewählte Politiker Instrumente zur Umsetzung des Volkswillens sein. Nun ist es aber zu einem weitgehenden Rollentausch gekommen: Politiker benutzen das Volk als Instrument zur Umsetzung ihres Willens.

Das geschieht einerseits dadurch, dass die Präferenzen der Volksangehörigen durch Einschüchterung modifiziert und ihr Wissen durch Informationssteuerung manipuliert wird. Und zweitens: wenn das nicht genügt, dann werden die manipulationsresisteten Bürger durch Immigranten ersetzt, von denen man sich diesbezüglich mehr erhofft.

heinrichbrueck
6. Oktober 2018 00:46

@ nom de guerre und andere Fechter
Sie machen Witze. Die Demokratie funktioniert ausgezeichnet. Natürlich im Sinne des Betreiberinstallateurs. Sie müssen sich sehr schnell von der Idee verabschieden, alle anderen Gedichteschreiber auch, "am Prozeß der politischen Willensbildung" demokratisch - Richtung Volkserhalt - mitentscheiden zu dürfen. Wird Macht beschränkt, aus falschen Gründen, kann das Überlebensrecht nicht durchgesetzt werden. Ihre Stimme ist wertlos, wird sie in eine Urne geworfen. Es ist schon merkwürdig, aber eine deutsche Führung, deren Macht das Lebensrecht der Nation durchsetzen könnte, wird mit Mißtrauen gesehen. Dann doch lieber eine gut funktionierende Demokratie.
Wenn man sich eine Diktatur in verschiedenen Ausprägungen vorstellt, dann ist die Demokratie als Herrschaftssystem eine davon. Vielleicht sogar die intelligenteste.
Eine Stimme ist keine Macht; sie ist nur ein Zettel in einer Urne. Ungefährlich. Die Mächtigen fragen überhaupt nicht. Sie haben die demokratischen Wahlspielchen eingeführt, damit Hochmut und Intelligenz nicht auf störende Ideen kommen. Sie haben das nötige Kleingeld, können also fast jedes Theater finanzieren und inszenieren. Nehmen wir doch einmal die Demokratie als beste Variante, blenden wir die Realität aus, was nicht allzu schwerfallen dürfte. Wir unterstellen des weiteren, mit der AfD eine volkserhaltende Partei gefunden zu haben. AfD stellt den Kanzler, Schluß mit der Umvolkung? Was wird dann aus den anderen Parteien? Eine Partei ist ein Teil, wie der Name schon sagt, und nicht das Ganze. Oder wird eine Legislaturperiode später, wer kann es schon wissen, wieder eine Umvolkungspartei gewählt?

Der Feinsinnige
6. Oktober 2018 02:26

Diese Diskussion wühlt auf.

@ Valjean72
Zitate wie die von Dávila, Schiller oder anderen großen Denkern über Demokratie und Mehrheitsentscheidungen lese auch ich immer wieder gerne, teils amüsiert, teils mit durchaus wohligem Schauer – aber ich halte es auch mit Churchills (inzwischen abgedroschenem) Diktum, daß die Demokratie die schlechteste aller Regierungsformen sei, abgesehen von allen anderen.

@ Thomas Martini
Obwohl ich nicht der erste in diesem Strang bin, der dies einwendet: ich vermisse in Ihren Ausführungen eine konkrete Alternative. Vor allem vermisse ich eine Begründung, warum Sie meinen, daß eine andere Herrschaftsform als eine demokratische eher geeignet sei, zu verhindern, daß (ich zitiere Ihre Formulierung vom 4. Oktober 2018, 23.13 h) „dem deutschen Volk der Garaus gemacht werden (soll).“

Bzw. zu verhindern, daß das Schicksal aller europäischen Völker das Aufgehen (ich sage: Untergehen) in einem „Eurafrika“ ist, wie der von Martin Lichtmesz in seinem lesenswerten Artikel zitierte Kolumnist des „Economist“ es affirmativ als Erfolgsmodell formuliert hat.

Ich möchte nicht alle guten Argumente wiederholen, die Foristen wie @Maiordomus, @RMH, @nom de guerre u.a. Ihnen entgegengehalten haben, sondern einen weiteren Aspekt hinzufügen, der vielleicht taktisch klingt, es aber nicht (zumindest nicht nur) ist:

Das Ziel ist doch (sollte es jedenfalls sein), die Masseneinwanderung zu stoppen, eine „Festung Europa“ zu schaffen. In ganz Europa können wir doch beobachten, daß es auf systemkonformem Weg Schritt für Schritt in diese Richtung vorangeht (langsam, vielleicht zu langsam, aber stetig; teils wächst die Opposition, teils ist sie bereits an Regierungen beteiligt). Eine Festung Europa wird es nur geben mit Willen der Völker oder gar nicht. Kein politisches System, weder ein demokratisches, noch ein irgendwie anders organisiertes (autoritäres, diktatorisches?) kann letztlich gegen den Willen des Volkes, des Wahlvolkes, der Bevölkerung oder wen auch immer es repräsentiert, erfolgreich anregieren. Entweder die europäischen Völker wollen sich retten bzw. gerettet werden – oder eben nicht. Gegen ihren eigenen (mehrheitlichen) Willen wird das nicht geschehen können. In unserem Zeitalter, welches (in Europa bzw. der „westlichen Welt“) nun einmal ein demokratisches ist (ich sage – trotz der derzeitigen Probleme: zum Glück), wäre es doch geradezu aberwitzig, die Erledigung der Mammutaufgabe, eine Festung Europa durchzusetzen, damit zu belasten, ja geradezu unmöglich zu machen, daß man dies (wie denn?) auf undemokratischem Weg versucht – und damit diejenigen, die man doch vor einem Untergang in „Eurafrika“ bewahren will, zielsicher gegen sich aufbringt. Und noch dazu krasse Abwehr- und Unterdrückungsmaßnahmen des nun einmal existierenden Staates geradezu provoziert – und legitimiert! Das kann nicht funktionieren.

Nicht unser politisches System ist das Problem, sondern das Problem sind diejenigen „Eliten“ und Ideologen, die es derzeit beherrschen. Ein nachhaltiger Eliten- und Politikwechsel ist nur auf demokratischem Wege möglich – und wünschenswert. Daß Demokratien sich abschotten können, beweist Australien. Warum sollte ähnliches nicht auch bei uns gelingen?

eike
6. Oktober 2018 06:02

Im technisch-wissenschaflichen Bereich wird ein System, daß seinen elementarsten Funktionskriterien nicht gerecht wird, aufgegeben. Das elementarste Funktionskriterium eines politischen Systems ist, daß es die Sicherheit seiner Bürger garantiert. Wenn sich nachts niemand mehr auf die Straße traut, oder tags nicht in gewisse Viertel, versagt die Regierungsform, ganz gleich mit welcher Ideologie sie sich tarnt.

Es ist objektiv festzustellen, daß bislang jeder Übergang eines autoritären Regimes zur sog. "Demokratie" mit einem teilweise dramatischen Anstieg der Kriminalität verbunden war. Um sensiblere Beispiele zu vermeiden:

Francos Spanien war ein sicheres Land, Pinochets Chile auch, ebenso wie das Griechenland der Obristen. In Noriegas Panama gab es weder Drogen (im Volk) noch Überfälle, usw., die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Der Übergang zur "Demokratie" hat alle diese Länder schlagartig gefährlich gemacht, was zeigt, daß es sich hier nicht um Unfälle handelt, sondern daß Kriminalität in Demokratien "systemimmanent" ist.

Nun wird man einwenden, daß der Preis in allen Fällen hoch war, Systemgegener wurden ohne viel Federlesens oder Verteidigungsmöglichkeiten eingesperrt. Nur ist das in den vielgelobten "Demokratien" genauso: Regimegegener werden eliminiert, mit welchen Mitteln immer. Ob in den genannten Ländern jemand allein für Meinungsdelikte für 12 Jahren hinter Gittern verschwand, wage ich zu bezweifeln.

Fazit:
Es ist immer wieder erstaunlich, wie manche die Sicherheit ihrer Frau und ihrer Kinder der Illusion opfern, mit ihrem Stimmzettel die Geschicke ihrer Nation beeinflussen zu können.

Stefanie
6. Oktober 2018 09:19

@Andreas Walter
Sie haben Recht. Sie sprechen hier einige Themenbereiche an, die deutlich wichtiger sind als der Vergleich der Vor- und Nachteile demokratischer und autoritärer Systeme. Nur sind das alles Probleme von "übermorgen". Wenn man diese irgendwie bewältigen will, muß man eben erstmal das "Morgen" ereichen. Und das in Form einer Entität (Volk/Nation), die überhaupt dazu in der Lage ist autonom zu agieren und nicht von anderen Mächten als Spielball benutzt zu werden. Wie heißt es so schön :"On the long run, we`re all dead." Wenn man sich zusehr auf irgendwelche Grundsatzfragen in der Zukunft konzentriert -"wenn das alles mal vorbei ist" (nach einem Systemzusammenbruch, einem Bürgerkrieg etc.)- verspielt man seine Handlungsmöglichkeiten in der Gegenwart. Sehr wahrscheinlich hat man nach einem Kollaps alle Hände voll mit überleben zu tun und noch deutlich weniger Ressourcen als jetzt, um irgendetwas zu verbessern. Wie @nom de guerre glaube ich auch, daß en zukünftiges autoritäres System wahrscheinlich aus "Eliten" bestehen wird, die uns kein bißchen freundlicher gesonnen sein werden, als die heutigen. Es geht daher darum Kontrollgremien, checks and balances, zu erhalten oder zu errichten, die aus dem Ruder laufenden Regierungen, die Stirn bieten können. Die BRD hat zahlreiche solche Gremien, die aber hauptsächlich durch die Überwölbung des Justiz- und Verwaltungssystems durch die Parteien faktisch ausgeschaltet wurden. Nebenbei kann es auch in autoritären Systemen Subsyteme mit demokratischer Struktur geben (Zünfte, Vereine, lokal verwaltete Dörfer) und in unserem demokratischen System ist gerade die Wirtschaft, als ein sehr autoritär geführtes Teilsystem , der treibende Faktor. @Thomas Martini gebraucht den Demokratie-Begriff in seiner ausgehöhlten, sinnentlehrten Variante - bei der "Demokratisierung" eines Landes eigentlich bedeutet seine Märkte zu öffnen, damit die "demokratischen" Länder Zugriff auf die Wirtschaft eines Landes bekommen und sich seine Filetstücke einverleiben können. Gleichzeitig gauckelt man dem Stimmvieh vor, daß es Einfluß auf die Politik, und damit sein Schicksal hat, wo es eigentlich nur um Affirmation geht. -Und man kann ihm die Verantwortung zuschieben (oder sie gar bestrafen), wenn sie "die falsche Wahl" getroffen haben - und das noch Generationen später.

Gustav
6. Oktober 2018 09:40

Sehen Sie sich die Bundestagsdebatten mit Vorträgen zur Familienpolitik, zum Mutterschutz und zur Verantwortung gegenüber unseren Kindern an, wenn die Redner von der AfD sind. Mir kommt es jedes Mal so vor, als öffne sich zur Linken der AfD der Schlund zur Hölle und Sauron persönlich ließe sich durch wütendes Gebrüll aus den schwefligen Mäulern seiner Orks vernehmen, da sein Vernichtungswerk ans Licht gebracht wird. Wir werden wiederholt Zeugen eines öffentlich aufgeführten und dokumentierten Vernichtungswillens gegenüber dem eigenen Volk der Deutschen und im Weiteren gegenüber den Völkern Europas, aufgeführt durch ein deutsches Parlament. Ich bin stets aufs Neue fassungslos darüber, was sich da in aller Öffentlichkeit, von Phoenix übertragen und im Internet gesichert, im Bundestag abspielt. Was spielt sich erst hinter verschlossenen Türen ab? Was sind das für Leute, die uns beherrschen? Der Hass und die Wut, die sich da jedesmal im Bundestag Bahn brechen, verweisen auf wirklich abgrundtief böse und schamlose Politiker, die eine beispiellose Gefahr für die Zivilisation, Deutschland und Europa darstellen. Wir sind wieder einmal Zeitzeugen eines mutwilligen Zerstörungswerkes im Sinne der kommunistischen „Umwertung aller Werte“.
https://www.familienwehr.de/herrschaft-der-unverschaemten.pdf

RMH
6. Oktober 2018 10:15

@Westpreusse,
bitte schreiben Sie hier wieder häufiger, wenn es Ihre Zeit zulässt. Ihre Beiträge waren und sind immer eine Bereicherung.

@nom de guerre,
Sie haben recht - ohne den Verfall der demokratischen Institutionen zum "Beutewert" der Parteien (und den dahinter stehenden Interessen) hätte sich auch eine Partei wie die AfD gar nicht bilden können. Wir haben Zustände, die man als Verfassungskrise bezeichnen kann. Der radikale Ansatz würde nun sagen, gut, dann weg damit und etwas Neues soll her, der konservative Ansatz ist, wir müssen die Institutionen wieder herstellen, die Systeme der Gewaltenteilung, der checks and balances verbessern, die Medienoligo- bis Monopole aufbrechen und echte Vielfallt herstellen, Recht und Ordnung wieder herstellen (im Sinne von nicht unbedingt neues Recht setzen, sondern bestehendes und bekanntes Recht wieder durchsetzen und zur Geltung bringen) etc. Für letzteres steht nach meiner Meinung durchaus die AfD, insbesondere, wenn man sich die Reden eines Gottfried Curio anhört.

@elke,
auch wenn das schon recht abgedroschen ist, es gab schon immer einen gewissen "Preis der Freiheit" sowie den "Preis der Sicherheit". Und in den von Ihnen genannten Systemen konnten die Schafe zwar ruhig grasen, durften sich aber nicht wundern, wenn das eine oder andere via Geheimpolizei etc. einmal von der Weide genommen wurde (ohne großen Prozess etc.) oder eines der Lämmer in irgendeinem unsinnigen Krieg sein Leben lassen durfte. Auch hier gilt wieder der "gesunde Menschenverstand" bzw. eine Vorstellung von Harmonie. Man muss Freiheit und Sicherheit in Abwägung bringen und ein gesundes Maß finden, damit beide gegeben sind. Und genau das ist die Schwierigkeit dann in der Praxis - mit dem derzeitigen politischen Personal kann man die Einhaltung dieser Binsenerkenntnisse nicht erwarten, dass ist auch Teil der zuvor genannten Verfassungskrise und Krise der Institutionen, die ja auch eine Krise des Personals ist.

Abschließend: Dies ist hier ein metapolitischer Blog, eine gewisse Abgehobenheit ist damit impliziert. Dennoch eine Alltagsgeschichte zum Abschluss meiner Beiträge: Gestern war ich bei einem mir gut bekannten kleinen Unternehmer, der bei der letzten BT-Wahl AfD gewählt hat und dazu offen gestanden ist (und dafür viel einstecken durfte). Wir sind in vielen Punkten nach wie vor auf einer Wellenlänge. Nun erzählte er mir, dass er bereits per Briefwahl seine Stimme für die bayer. Landtagswahl abgegeben habe und dieses mal habe er, trotz Bedenken, wieder die CSU gewählt. Begründung: Es könne bei einer zu starken AfD, die ja eh mehr bundespolitische Themen hat, dazu kommen, dass es in Bayern zu einer Links-Grünen-FDP-Freie-Wähler-Mix Regierung kommt und das will er nicht. Tja, da fehlen auch mir die Worte, aber so denkt offenbar der "normale" Mensch. Wenn man dem mit so Manchem des hier Diskutierten kommen würde und er zum Schluss kommt, so würde die AfD denken, dann kann die AfD und damit Deutschland einpacken.

Der Feinsinnige
6. Oktober 2018 10:54

@heinrichbrueck

Sie schreiben oben:
„Wenn man sich eine Diktatur in verschiedenen Ausprägungen vorstellt, dann ist die Demokratie als Herrschaftssystem eine davon.“

Ich habe oben geschrieben:
„Kein politisches System, weder ein demokratisches, noch ein irgendwie anders organisiertes (autoritäres, diktatorisches?) kann letztlich gegen den Willen des Volkes, des Wahlvolkes, der Bevölkerung oder wen auch immer es repräsentiert, erfolgreich anregieren.“

Beide Sätze haben einen gemeinsamen Kern:
Jedes politische System ist darauf angewiesen, die von breiten Schichten (ich sage: der Mehrheit) getragen zu werden. In jedem politischen System kann eine zeitlang gegen die Mehrheit anregiert werden, aber nicht dauerhaft. Das gilt auch für das derzeit im „Westen“ vorherrschende, welches man vielleicht auch als „gelenkte Demokratie“ bezeichnen kann, in dem Sinn, daß bestimmte ideologische Vorgaben (z.B. derzeit z.B.: „EU“, „Asylrecht“, „Offene Grenzen“) gelten, die im veröffentlichten politischen Diskurs absolute Geltung beanspruchen. Es kommt so oder so darauf an, die ideologischen Vorgaben zu ändern. Dann können sich auch neue Mehrheiten bilden. Dies ist innerhalb des geltenden verfassungsrechtlichen bzw. grundgesetzlichen Rahmens möglich. Das haben schließlich „die 68er“ bewiesen.

Sie schreiben weiter:
„Wir unterstellen des weiteren, mit der AfD eine volkserhaltende Partei gefunden zu haben. AfD stellt den Kanzler, Schluß mit der Umvolkung? Was wird dann aus den anderen Parteien? Eine Partei ist ein Teil, wie der Name schon sagt, und nicht das Ganze. Oder wird eine Legislaturperiode später, wer kann es schon wissen, wieder eine Umvolkungspartei gewählt?“

Das ist genau der entscheidende Punkt:
Wer sagt denn, daß eine fundamentale und nachhaltige Änderung der Politik nicht im Rahmen unseres Systems möglich ist? Daß wir derzeit und schon länger Politiker haben, die mehr oder weniger direkt auf eine Auflösung unseres Kontinents in einem „Eurafrika“ oder „Eurasien“ hinarbeiten, bedeutet doch nicht, daß nicht durch Wahlen Politiker mit einem anderen Anspruch an die Macht kommen und fundamentale Änderungen auch durchsetzen können. Warum soll bei uns nicht funktionieren, was in Ungarn, Polen, Australien etc. funktioniert, neuerdings auch (wenn auch noch verbesserungsfähig) in Österreich und Italien oder auch in den USA? Warum sollen solche Regierungen nicht auch über längere Zeit wieder gewählt werden? Entscheiden sich die Völker freiwillig, und das heißt aus meiner Sicht: durch Wahlen bzw. durch aus Wahlen hervorgegangene Regierungen, für eine Festung Europa, wird das funktionieren, gezwungenermaßen dagegen nicht.

Cacatum non est pictum
6. Oktober 2018 10:54

@Der Feinsinnige

"...

Nicht unser politisches System ist das Problem, sondern das Problem sind diejenigen „Eliten“ und Ideologen, die es derzeit beherrschen ..."

Und die Menschen, die jene Eliten widerstandslos gewähren lassen bei ihren sozialen Zerstörungsorgien. Die Völker Mittel-, Nord- und Westeuropas wären in ihrer derzeitigen Geistesverfassung unter jeder erdenklichen Herrschaftsform dem Untergang geweiht.

@eike

"...

... Nun wird man einwenden, daß der Preis in allen Fällen hoch war, Systemgegener wurden ohne viel Federlesens oder Verteidigungsmöglichkeiten eingesperrt."

Wer für eine Autokratie plädiert, sollte sich verdammt sicher sein, daß er die politischen Taktgeber auf seiner Seite hat. Und daß andernfalls zumindest ein Justizsystem installiert ist, das auch Systemgegnern ein gewisses Maß an Rechtssicherheit gewährt. Eine formale Diktatur unter der Ägide (durch)glühender Europäer wie Schäuble, Juncker und Konsorten wäre nach meiner Überzeugung die Hölle auf Erden.

Thomas Martini
6. Oktober 2018 11:12

Es liegt nicht in meiner Absicht, jemals verantwortlich politisch tätig zu werden. Da werden nun hoffentlich "viele" beruhigt sein.

Unter dem Strich lässt sich festhalten, daß meine Provokationen die Debatte hier in eine bestimmte Richtung gelenkt haben und das finde ich gut. Ein Dankeschön an die Foristen, die mir mit ihren Beiträgen beigepflichtet und dies mit starken Quellen untermauert haben.

@Imagine hat es sehr richtig erwähnt: Radikale Demokratiekritik ist ein gesellschaftliches Tabu. Dieses Tabu zu verletzen, ist mir eine Ehre. Die Repräsentanten und Vertreter der Demokratie fürchten nichts mehr, als die Verächtlichmachung ihres Systems. Es war auch hier im Strang gut zu beobachten, wie gewisse Leute sich sofort zur Rechtfertigung genötigt sahen.

Provozieren, und den politischen Gegner dahin zu bringen, sich rechtfertigen zu müssen. Wenn ich Götz Kubitschek nicht ganz falsch verstanden habe, ist das eine der Hauptaufgaben der Neuen Rechten.

Deshalb sollte man, @Lotta Vorbeck, auch die Rap-Kombo "K.I.Z." und ihre Anhänger fragen, wer mit "Boom verrecke" gemeint ist. Diese Leute haben sich zu rechtfertigen. Nicht wir.

Bei jenen kann ich mich nur entschuldigen, die von mir erwarten, daß ich konkrete Alternativen zur Demokratie nenne. Ich habe keine, die wir nicht schon hatten. Und ich glaube auch nicht, daß sich alternative Systeme auf nationaler Ebene umsetzen ließen, ohne daß Deutschland wieder von außen mit Krieg überzogen wird. Dafür ist die Zeit noch lange nicht gekommen.

Juerg_Jenatsch
6. Oktober 2018 11:17

@Westpreuße Ehrlich gesagt habe ich Ihre Kommentare auch nicht vermißt, da hier eher nicht das Florett, sondern die Esoterik und Schwurbelkunst zur Geltung gekommen ist. Mir ist nach dem Durchlesen Ihrer Texte immer ganz blümerant zu Mute gewesen, ein Gefühl welches mich sonst nur bei Hegel Phänomenologie des Geistes beschlichen hat. Allerdings war Hegel wesentlich tiefgründiger. Also bleiben Sie ruhig an Weichsel und Warthe, denn Deutschland wird auch ohne Ihr Mitwirken zu Grunde gehen. Im übrigen ist der Streit, ob Demokratie gut oder schlecht ist, rein akademisch, da es sich bei dem real existierenden System der BRD sicher nicht um eine lautere Demokratie handelt. Botho Strauß hat dies im Anschwellenden Bocksgesang bereits vor 25 Jahren gut zusammengefaßt und beschrieben. Allerdings sollte auch klar und deutlich gesagt werden, daß in jedem einigermaßen funktionierenden System der Austausch der Führungen möglich sein muß. Allerdings ist damit nicht der Wechsel zu einer andersbemalten Fraktion aus dem gleichen Stall gemeint, sondern ein grundsätzliche Wechsel. Die unblutige Abwahlmag der wesentliche Vorteil einer wirklichen Demokratie sein. Allerdings hat dies in den letzten Jahrzehnten nicht funktioniert und welche Hoffnung gibt es, daß dies in Zukunft der Fall sein wird?

Sozialist
6. Oktober 2018 11:37

@Der Feinsinnige: Es braucht keine "Festung Europa", da es keinen äußeren Feind gibt, der dagegen anrennt, wenn man nicht gerade einen bevorstehenden Angriff Rußlands herbeiphantasieren möchte. Daß man ein paar Neger oder Araber, die sich, wohlgemerkt unbewaffnet, auf den Weg ins gelobte Land machen, nicht problemlos wieder nach Hause komplimentieren könnte, kann man doch einem wachen Geist nicht erzählen.

Wenn Sie nach einem Feind Ausschau halten wollen, dann richten Sie besser den Blick nach innen, nämlich auf die Stellen, die nicht nur die Tore weit öffnen, sondern auch noch bedingungslose Wohlstandversprechen in alle Welt hinausposaunen, um möglichst viele Einwanderer im Sinne ihrer Umvolkungspläne anzulocken. Daß die gleichen Kräfte einen erbitterten Kampf gegen alle "völkischen" Kräfte führen, die sich ihnen im Innern zur Wehr setzen, sollte doch hier zum Basiswissen gehören.

Übrigens, eine "Festung Europa" hätte es vor nunmehr 75-80 Jahren gebraucht, aber gewisse Herren in damals schon demokratischen Staaten hatten da ganz andere Interessen.

Damit vielleicht noch kurz ein Wort zur Systemfrage: Daß die sogenannte Demokratie in der OMF-BRD ein Kasperletheater zur Irreführung und Volksverdummung ist, und das schon seit ihrer "Gründung", kann jeder, der über einen Internet-Anschluß verfügt, binnen kurzer Zeit herausfinden. An mangelnden Informationen zu diesem Thema kann es jedenfalls nicht scheitern, sondern wenn dann doch wohl eher am Willen oder an der Fähigkeit, diese Informationen zu suchen, und dann auch angemessen zu verarbeiten.

Juerg_Jenatsch
6. Oktober 2018 12:12

@ Feinsinnige. Ein reichliches Jahrtausend lang wurde in Europa das Gottesgnadentum von einer überwältigenden Mehrheit als legitim empfunden. Vor reichlich 2.000 Jahre wurde in Griechenland, wobei Athen pars pro toto steht, das erste demokratische Schauspiel aufgeführt. Diese Stadt basierte auf einer strikten ethnischen Abgrenzung, da man in Athen nur Bürger werden konnte, wenn beide Eltern Athener waren (Ausnahmen gab es ,wenn der Krieg große Lücken in die Reihen der Bürgerschaft gerissen hatte). Da war selbst das RUSTAG generöser. Darüber hinaus war die Sklavenhaltung systemisch, da es unabdingbar ist, daß bestimmte Arbeiten geleistet werden, wenn sich Tausende mit Politik beschäftigen. Außerdem war nicht ganz Griechenland demokratisch organisiert, sondern viele Polis waren auch weiterhin aristokratisch/oligarchisch verfaßt. Von Sparta der großen Nebenbuhlerin Athens garnicht zu reden. Ist es daher politiktheoretisch völlig ausgeschlossen, daß es wieder zu anderen Formen politischer Gemeinschaften kommen wird, falls sich die moderne Form der Demokratie als ungeeignet erweist, die Probleme zu meistern, die sie selbst erzeugt hat?

Imagine
6. Oktober 2018 12:29

@eike
„Im technisch-wissenschaftlichen Bereich wird ein System, daß seinen elementarsten Funktionskriterien nicht gerecht wird, aufgegeben. Das elementarste Funktionskriterium eines politischen Systems ist, daß es die Sicherheit seiner Bürger garantiert.“

Der erste Satz ist richtig.

Der zweite jedoch zeigt das politisch-ökonomische Unverständnis, was charakteristisch für 90+ % der Bevölkerung ist.

Was ist das Ziel des poltisch-ökonomischen Funktionssystems, also des KAPITALISTISCHEN Systems?

Es soll den Reichtum der Vermögenden erhalten und diese noch reicher machen.

Daher funktioniert die kapitalistische Marktwirtschaft nach dem Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben.

Die Demokratie funktioniert exzellent, aber eben (nur) im Interesse einer Minorität. Und es garantiert die Sicherheit von Bürgern, allerdings vor allem der Oberschicht, aber NICHT ALLER Bürger.

Kleiner, aber entscheidender Unterschied.

Insbesondere die Deutschen sind „Staats- und Demokratieidealisten“. Sie glauben, dass der Staat und Demokratie im Interesse des Gemeinwohls bzw. des Volkes funktionieren. Das ist religiös.

Daher auch die Rede vom „Vater Staat“.

Null Verständnis von den tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnissen.

Für kritische Geister:
„Die Scheindemokratie. Die Bürger werden entmündigt und als politisch apathische Konsumenten dressiert.“
https://www.rubikon.news/artikel/die-scheindemokratie

Franz Bettinger
6. Oktober 2018 13:31

Die entartete Demokratie

Ein System verdient nur dann die Bezeichnung Demokratie, wenn es möglichst permissiv ist, d.h. wenn es durchlässig ist, wenn es locker Personen von unten nach ganz oben durchkommen lässt, wenn die eingebauten Filter fair sind, d.h. wenn diese Filter selbst ebenfalls demokratisch angelegt sind, d.h. wenn der Wähler (oder das einfache Partei-Mitglied) immer wieder das Sagen hat und nicht Abgeordnete. Ziel muss sein, dass Kompetenz nach oben gelangt. Jawohl, Qualität kann "das Volk" durchaus erkennen. Stets aber wird die Demokratie durch ein Beiwort behindert und zur parlamentarischen oder repräsentativen degeneriert. Die Demokratie wird fast nirgendwo direkt vom Volk ausgeübt, sondern fast überall an Mittelsmänner delegiert. Sind diese Mittelsmänner wenigstens frei wählbar? Nein. Dem Wähler wird eine Liste von Parteipolitikern vorgesetzt, deren Rangfolge vorher ausgekungelt wurde. Auf Platz eins standen jüngst so Koryphäen wie 100%-Schulz und Grenzenlos-Merkel. Solche Figuren sind bei Wahlen in einer Repräsentativen Demokratie gar nicht zu verhindern.

1848 wurde die Schweiz zu jenem Staat der weltweit stärksten Demokratie. Ob das auch der Grund ist, weshalb die Schweiz das friedlichste, reichste und stabilste Land der Erde ist, das niemanden bedroht und von niemandem bedroht wird? Das Land, das Waren allerhöchster Qualität herstellt und die härteste Währung hat? Ich glaube, ja, es hat damit zu tun. In der Schweiz stimmt das Volk rund 8 mal im Jahr zu Personen- und Sach-Fragen ab. Klar, auch das Volk kann irren. Aber wenn das Volk irrt, dann sind es wenigstens seine eigenen Irrtümer, unter denen es später zu leiden hat, und nicht die Idiotien einer Kanzlerette oder von Elitioten oder die Selbstversorgungsmaßnahmen eines Partei-Vorsitzenden (wie in der saarländischen AfD).

Das Volk hätte doch nie, wäre es befragt worden, die D-Mark abgeschafft oder die Atomkraft, oder den Diesel und demnächst wahrscheinlich das Auto, und dafür diese hässlichen Windmühlen gebaut, Pleite-Griechenland mit hunderten Milliarden € ausgehalten oder Deutschland zum Sozialamt der ganzen Welt gemacht durch das Ermuntern zur Migration und das Öffnen der Grenzen. Das Volk hätte dies nie getan. Merkels und Schulzes, die tun so etwas. Die Elitioten wollen den Euro für alle, deutsche Steuergelder für alle, Windmühlen für alle, Migranten für alle (anderen EU-Staaten, ja die ganze Welt), Ehen für alle und auch für Kinder; Frauen für alle, Vielweiberei und Polygamie für alle. Ja, sie ist schon eine Nummer, diese Kanzlerin, und eine wahre Bereicherung für alle. Nur nicht für die Deutschen. Das haben wir alles einer entarteten (!) repräsentativen Demokratie zu verdanken. Man muss sie verbessern, die Demokratie, nicht abschaffen! Und die AfD sollte bei sich selbst anfangen, am besten im Saarland!

Wahrheitssucher
6. Oktober 2018 13:55

Hier noch einige Demokratie-kritische Fundstücke zur möglichen Bereicherung der Diskussion (auf das Zitat der Ausführungen des Kardinals Ratzinger ist leider keiner der Foristen eingegangen):

"Das Grundübel unserer Demokratie liegt darin, daß sie keine ist. Das Volk, der nominelle Herr und Souverän, hat in Wahrheit nichts zu sagen."
(Prof. Herbert v. Arnim)

"Demokratie ist nur für Demokraten und wer Demokrat ist, bestimmen die Demokraten."
(Wilhelm Busch)

"Organisierte Verantwortungslosigkeit"
(Rudolf Bahro)

„Heute ist Demokratie Fassade der Plutokratie: weil die Völker nackte Plutokratie nicht dulden würden, wird ihnen die nominelle Macht überlassen, während die faktische Macht in den Händen der Plutokraten ruht. In republikanischen wie in monarchischen Demokratien sind die Staatsmänner Marionetten, die Kapitalisten Drahtzieher: sie diktieren die Richtlinien der Politik, sie beherrschen durch Ankauf der öffentlichen Meinung die Wähler, durch geschäftliche und gesellschaftliche Beziehungen die Minister. … Die Plutokratie von heute ist mächtiger als die Aristokratie von gestern: denn niemand steht über ihr als der Staat, der ihr Werkzeug und Helfershelfer ist.“
(Richard Graf Coudenhove-Kalergi)

"Nichts anderes als eine gigantische Manipulationsmaschine, die weltweit von nur wenigen
virtuos dirigiert wird..."

"Eien illusionäre Freiheit..."

"Eine aufgezwungenen Ordnungsform des Gemeinwesens,
von dem eine Interessenvertretung des Volkes nicht erwartet werden kann."

(Verfasser leider nicht notiert)

Eine Alternative wäre demnach eine Staatsform, in der Gemeinwohl und Eigennutz zusammenstimmen (harmonieren), als Staatsziel einer wahren Volksherrschaft.

Der Feinsinnige
6. Oktober 2018 16:23

@ Sozialist:
Zugegeben, das Wort „Festung“ stammt aus dem militärischen Zusammenhang. Trotzdem halte ich den Begriff „Festung Europa“ für treffend. Das Wort steht dafür, nicht nur militärische, sondern auch andere Formen von Bedrohungen wie eben die Massenmigration abzuwehren.

Auch wenn die meisten Einwanderer persönlich noch nicht einmal feindliche Absichten hegen dürften, so bleibt doch der berüchtigte Satz von Boumedienne aus dem Jahr 1974:

„Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in die nördliche Hemisphäre zu wandern. Und sie werden nicht als Freunde kommen, sondern als Eroberer. Und sie werden sie mit ihren Kindern erobern. Die Bäuche unserer Frauen werden uns den Sieg verschaffen.“

(nachzulesen z.B. bei Renaud Camus, Revolte gegen den großen Austausch, S. 83 und ohne weiteres auch im Netz)

Daß die heute immer noch nur in ihren Anfängen zu beobachtende Masseneinwanderung unbewaffnet vonstatten geht, im Gewand der Hilfsbedürftigkeit und Armut, macht unsere Staaten bis jetzt doch gerade so wehrlos dagegen (das hat doch schon Raspail im „Heerlager der Heiligen“ mit aller Deutlichkeit dargestellt). Und von „ein paar“ Einwanderern zu sprechen, halte ich für ziemlich euphemistisch, sowohl was die heutige Lage angeht, als auch bezüglich dessen, was in näherer Zukunft angesichts des sog. „Youth Bulge“ (der Begriff wird u.a. von Gunnar Heinsohn in „Söhne und Weltmacht“ verwendet) auf uns zukommen wird.

Und müssen wir nicht auch damit rechnen, daß sich zukünftig auch direkt militärische Bedrohungen aus Afrika und dem Nahen Osten aufbauen?

Europa wird sich angesichts der demographischen Weltlage - wenn überhaupt - nur retten können, wenn es ein de facto undurchdringliches Grenzregime aufbaut, wie auch immer das aussieht. Flankiert werden muß das mit innenpolitischen Maßnahmen wie z.B. dem Abschaffen von Einwanderungsanreizen aus dem System der Sozialleistungen. Je früher Europa damit beginnt (es ist schon jetzt reichlich spät), desto besser, denn es geht auch darum, was Renaud Camus in „Revolte gegen den großen Austausch“ schreibt (S. 66), nämlich einigermaßen ehrenvoll (man kann auch sagen: anständig) aus der Misere herauszukommen:

„Wir brauchen eine Allianz aller Männer und Frauen aus allen Parteien und aus allen Staaten des Kontinents, die sich der Auflösung der Völker widersetzen und sie ernsthaft und auf ehrenhaftem Weg aufhalten und beenden wollen. Wir müssen diejenigen Kräfte sammeln, die bereit sind, überall in Europa auf die bedrückende Realität des Großen Austauschs und seine Auswirkungen auf die Menschen und Völker hinzuweisen. Wir müssen entschlossen sein, das Ruder an uns zu reißen und den eingeschlagenen Kurs umzukehren, und uns dabei – natürlich stets auf dem Boden der Legalität – über das unentwirrbare Netz der Denk- und Redeverbote, das ums am Handeln hindert, hinwegzusetzen.“

Je später die Umkehr stattfindet, desto härter (und ggf. unehrenvoller) wird ihre Durchsetzung werden.

@Thomas Martini:
Kann es sein, daß Sie sich bei den von Ihnen soeben als „Provokation“ des „politischen Gegners“ eingeordneten Beiträgen in der Auswahl des politischen Gegners etwas vertan haben?

Ruewald
6. Oktober 2018 16:50

Auch wenn es ursprünglich um die Bankotteure der Geschichte als Wissenschaft ging und der Schwerpunkt der Diskussion sich dann aber auf die Frage um Für und Wider der "Demokratie" (ohne genauere Begriffsexplikation) verlagerte, möchte ich zu letzterem noch einige Bemerkungen machen.

Zur Kritik an Herrn @Martini: Meinem Eindruck nach verdanken wir ihm durch seine teils provokanten Formulierungen die Evokation recht anregender Diskussionen. Den Vorwurf seiner Kritik ohne konstruktive Alternativvorschläge halte ich für ungerechtfertigt. Der Praxis sollte erst die Systemanalyse vorausgehen. Die Arbeitsteilung zwischen Analytiker und Praktiker (und ihre enge Zusammenarbeit) ist durchaus sinnvoll.
Im übrigen sollten Kritiker und Dissidenten, welcher Couleur auch immer, als Indikatoren gesellschaftlicher Mißstände und Fehlentwicklungen sehr ernstgenommen werden – insbesondere auch als Anreger und Auslöser von praktischen Gegenstrategien.

Der Staatsrechtler Prof. Schachtschneider hat in seinen Büchern und Vorträgen den Begriff der Republik, zurückgehend auf die Staatsphilosophien von Rousseau und Kant, expliziert. Grundlegend sei der Freiheitsbegriff. "Freiheit heißt unter dem eigenen Gesetz zu leben, dem Gesetz, das der Bürger mit allen Bürgern gemeinsam erkennt und unmittelbar oder mittelbar durch seine Vertreter in den Gesetzgebungsorganen beschließt. Das ist das Fundamentalprinzip der Republik, das demokratische Prinzip. Ohne substanzielle Demokratie, wirksame Gewaltenteilung und Bestenauslese in den Ämtern gibt es keinen Rechtsstaat. Freiheit verlangt auch nach der Wirklichkeit des Sozialprinzips ..." -
"Die Parteienoligarchie ist keine Demokratie, sondern Verfallserscheinung der Republik".
Schachtschneider mahnt zurecht die Rückkehr zum Recht ("Erinnerung ans Recht") an. Er vertritt die Auffassung, daß das Grundgesetz (auch wenn es nicht eine Verfassung ist, die die Deutschen sich nach dem demokratischen Prinzip gemeinschaftlich gegeben haben) durchaus eine gute Grundlage des Rechts darstellt. Es gelte vor allem, dieses als Recht wieder durchzusetzen. Dazu kommt der AfD die Funktion eines Eisbrechers zu.

Zu den Grenzen der Souveränität: Sollte sich in Deutschland eine allzu "nationale Option" durchsetzen, dann wären Sanktionen und Interventionen "im Namen der Demokratie" so sicher wie das Amen in der Kirche. - Wenn kleinere Nationen "ausscheren" (sich etwa von Dollar und Weltbank etc. unabhängig machen wollten), dann droht ihnen der Vernichtungskrieg (z.B. Irak, Libyen). Unter diesem Gesichtspunkt ist auch der 2,. Weltkrieg zu sehen (worauf auch Herr Martini schon hingewiesen hat). –

Zu Umsturz-Utopien möchte ich an das Buch von Naomi Klein: "Die Schock-Strategie" erinnern (ohne daß ich ihre politische Orientierung teile). Bei einer plötzlich eintretenden Krise (Finanz-, Versorgungskrise, Bürgerkrieg, etc.) sind die Menschen in einer Art Schockstarre gelähmt. Diese Orientierungslosigkeit ist dann der geeignetste Zeitpunkt zur Installation neuer Machthaber im Sinne der globalen Eliten. Die Schockstrategie geht auf die Chicago-Schule des Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman zurück. Klein bringt als Beispiele gesteuerte Umstürze, um nach dem Prinzip "ordo ab chao" ein neoliberales Wirtschaftssystem durchzusetzen. -
Auch wenn eine uns treffende schwere Krise nicht von außen induziert wäre, so sehe ich nicht, wie aus dem Chaos – quasi aus dem Nichts – eine neue nationale und souveräne Ordnung hervorgehen könnte, wenn nicht auf ganz breiter Basis (d.h. auch im Volk) systematische Vorbereitungen für diesen Fall getroffen wären. Zu den Grenzen möglicher Souveränität siehe oben.

Thomas Martini
6. Oktober 2018 19:52

"@Thomas Martini:
Kann es sein, daß Sie sich bei den von Ihnen soeben als „Provokation“ des „politischen Gegners“ eingeordneten Beiträgen in der Auswahl des politischen Gegners etwas vertan haben?"

Nein, denn Demokraten sind für mich persönlich ebenso ohne Ausnahme der politische Gegner, wie es die sogenannten "Nazis" für die Demokraten sind. Da differenziere ich auch nur noch sehr wenig. Wenn zum Beipiel Björn Höcke in seinem Buch "Nie zweimal in den selben Fluß" unser politisches System als "Parteiendemokratie" bezeichnet, dreht sich mir der Magen um. Die Leute landen immer wieder in der Denkfalle, und behaupten, unser System sei keine echte, lautere, oder was auch immer Demokratie, sie sei abgeschafft, werde ausgehebelt und so weiter und so fort. Bei diesem Blödsinn mache ich nicht mit, auch wenn ich mir damit keine Freunde mache.

Ruewald
6. Oktober 2018 20:17

@Wahrheitsucher
So treffend und intelligent sich Coudenhove-Kalergi auch zur Demokratie geäußert hat, mir dreht sich bei dessen Namen der Magen herum. Es liegt der Verdacht nahe, daß es diesem Mann um die Desavouierung von Staatsformen, die nationale Selbstbestimmung und Volkssouveränität anstreben, ging. Sein Zukunftsmodell war eine negroid-eurasische Mischrasse unter einer (jüdischen) Geisteselite. Er war Gründer und Vertreter der Paneuropa-Idee. -
Als erster wurde er mit dem Aachener Karlpreis ausgezeichnet, wie nach ihm u.a. auch Churchill, Kissinger, Tony Blair, Bill Clinton, Angela Merkel, alles Großverbrecher mit ihren Entscheidungen.

Kositza: Einen umfängl. Artikel zu C-Kalergi kann man übrigens in der aktuellen Druckausgabe der Sezession lesen - druckfrisch ab Montag.

Maiordomus
7. Oktober 2018 07:31

@Kositza. Bin über den angekündigten Artikel betr. Coudenhove sehr gespannt, wobei ich allerdings der Meinung war und bleibe, dass dessen Schwester Ida Friederike Görres für die deutsche Geistesgeschichte noch viel bedeutender bleibt. Die eindrücklichste katholische Intellektuelle Deutschlands im 20. Jahrhunderts. Es lohnt sich, die Studien von Gerl-Falkowitz über sie zu lesen, wobei diese Dame ihrerseits zu den besten Intellektuellen des heutigen Deutschland gehört, in diesem Sinn wohl wie im 3. Reich Bestandteil einer unsichtbaren Elite. Dabei fand ich vor 50 Jahren den Herrn Coudenhove in der damaligen Situation des Kalten Krieges absolut anregend, wiewohl aus heutiger Sicht eher überschätzt.

@Martini. Es ist wohl eine Wahnvorstellung, wenn Sie glauben, in der Bäckerei und überall, auch im Geistesleben usw. nur von Demokraten umstellt zu sein. Es gehört nun mal, nicht nur nach Karl Popper, zum Wesen der Demokratie, dass zwar allenfalls Millionen sie durchaus sogar mehr oder weniger angemessen benützen können, die wenigsten aber sie anders als hilflos erklären. Ich gehe davon aus, dass Sie die grundlegenden kritischen Werke betr. Entstehung und Kritik an der Volkssouveränität, was klar nach Tocqueville eine "fausse idée claire" ist, noch nicht studiert haben,;da müssten Sie ja die ganze westschweizerische Schule des Naturrechts aufgearbeitet haben, auch eine Basis der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung; aber auch Poppers Demokratiekritik, nicht zu vergessen diejenige von Kuehnelt-Leddihn in "Freiheit oder Gleichheit", ausserdem die Standardliteratur über den Verfassungsstaat, etwa Quirin Webers Studie über den deutschen Parlamentarismus "Parlament - Ort der Entscheidung - Legitimationsproblem des modernen Parlamentarismus - dargestellt am Beispiel der Bundesrepublik Deutschlands" (2012) , in welchem Buch, einer wegen dem hochbedeutenden Kleingedruckten nicht angenommenen Habilitationsschrift, es aber aus Gründen der Politischen Korrektheit ausschliesslich auf das Kleingedruckte und die Anmerkungen ankommt. Und natürlich müsste man sich grundlegend mit politischer Anthropologie, Rechtswissenschaft, Begründungen der Rechtsphilosophie befassen, Voraussetzungen, die zum Beispiel nicht einmal die schweizerische Vertreterin bei einem internationalen Gerichtshof erfüllt, weswegen sie die Selbstbestimmungsintiative der SVP für unmöglich erklären will. Wie auch immer: Es ist wahnhaft, dass Sie sich von Demokraten umgeben glauben, die können die Demokratie ebenso wenig erklären wie Sie. Ich anerkenne, dass Sie ein Suchender sind, aber Sie müssen wie andere hier zugeben, dass sie nicht über grundlegende Kenntnisse verfügen, sich noch in keiner Weise als empirischer, praktischer und theoretisch sowie historisch und philosophisch geschulter Kenner der Demokratie ausgewiesen haben. Ihre Argumente gegen die Demokratie übersteigen noch kaum das Biertischniveau, wobei jedoch zuzugeben ist, dass "Glaube an Demokratie" ein Wahn wäre und eine völlig falsche Einschätzung dessen, was ich den "Nutzen und Nachteil der Demokratie für die Politik" nennen würde.

@Lichtmesz. Habe gestern in einer der besten Schweizer Kantonsbibliotheken, derjenigen von Frauenfeld, unter den empfohlenen Neuerscheinungen "Mit Linken leben" von Antaios entdeckt, was mich nicht gelinde überrascht hat. Habe das Buch gleich ausgeliehen, seinerzeit bei Ihrer Lesung in Aarau nicht gekauft, weil "Mit Linken leben" sowieso mein jahrzehntelanger Lebensinhalt war. Unterdessen muss ich sagen: das Werk ist wirklich brillant geschrieben, wobei Sie selber freilich im Vergleich zu Ihrer Mitautorin klar fortgeschrittener sind, ich würde Sie nun mal wirklich als einen der guten und bestqualifizierten Rechtsintellektuellen der Gegenwart nicht nur durchgehen lassen, sondern in der Tat anerkennen. Das Buch ist auch jederzeit einen Kauf wert!

An Lichtmesz schätze ich, wie schon gesagt, unter anderem, dass er ein ausgewiesener Filmkenner ist, bei Rechten in dieser Hinsicht eine klare Ausnahme. Gerne zitiere ich noch zum Abschluss ein Zitat von Themistokles bei Lawrence of Arabia, einem Film, der mich vor 53 Jahren absolut begeisterte: "Ich kann keine Lieder singen, aber ich kann aus einem Dorf einen Staat machen."

Cacatum non est pictum
7. Oktober 2018 11:44

@Thomas Martini

"Unter dem Strich lässt sich festhalten, daß meine Provokationen die Debatte hier in eine bestimmte Richtung gelenkt haben und das finde ich gut."

Provokationen hin oder her; ich habe den Eindruck, daß auch Sie in Sackgassen hineindenken. Unsere gewaltigen Probleme sind ganz sicher nicht formeller Natur (Demokratie = Verfahrensweg zur Verteilung und Ausübung politischer Macht = formell). Wenn ich es angesichts Ihrer sonstigen Äußerungen nicht besser wüßte, würde ich Ihnen fast vorwerfen müssen, hier mit Nebelkerzen zu werfen.

Westpreusse
7. Oktober 2018 12:08

@ Maiordomus

"Ich kann keine Lieder singen, aber ich kann aus einem Dorf einen Staat machen."

Geschätzter, wenn auch manchmal etwas weit ausgreifender Kommentator:
Ich hätte gerne in einem Dorf gelebt. Und zwar auf dem Hof der Vorfahren in Masuren. Von 1840 bis 1910 etwa. Unter damaligen Lebensverhältnissen ein gesegnetes Alter...
Den Hof gibt es nicht mehr. Heute wüst und zerstört alles. Aber das Land gibt es ja noch. Felder und Wiesen, ein Stück von einem See, Wald auch. Ich habe mir mehrmals unser Land angesehen. Der Hof lag an einem Weg, auf einer Lichtung. Alles zusammen etwa 15 Hektar. Eher eine Klitsche alles zusammen. Dort hätte ich gerne gelebt...Also so eine Art lesender Bauer mit 30 oder gar 50 Büchern...(Scherz).
Alles natürlich unter den damaligen Lebensbedingungen.
Man kannte ja keine anderen...
Im Frühling, Sommer und Herbst ab und zu in die Kreisstadt Treuburg. Kleine Geschäfte tätigen. Einmal im Jahr nach Königsberg. Einmal im Leben nach Berlin. Den Kaiser dortselbst "Unter den Linden" sehen...
Ich fürchte nur, das ist ein "Gemälde auf Goldgrund" meinerseits. Mir wurde erzählt: Niemand hungerte. Es mußten aber immer durch die Generationen ein Dutzend Menschen (die vielen Kinder...) ernährt werden. Aber es war sehr wenig Bargeld vorhanden, um Notwendiges zu kaufen. Bargeld war immer knapp...

@ Maiordomus: Wieso dann noch ein Dorf umfunktionieren zum Staat? Im Gewachsenen leben. Weg vom Komplizierten...

Ich war vor kurzem mal wieder in Berlin. Nein, so stelle ich mir die Zukunft unseres Landes nicht vor. Die mögliche Zukunft, wie ich sie mir nicht wünsche, ist aber in Teilen schon bittere Realität...

@ RMH
Danke für Ihre freundlichen Worte! Doch, Zeit zum Schreiben ist ausreichend vorhanden. Aber ich bin alt. Nicht ganz alt, aber eben alt...
Ich bestehe auf "alter Mann", die Beschreibung "schneidiger Senior" habe ich vor kurzem energisch zurückgewiesen. Bloß das nicht, so ein umtriebiger Senior sein...
Die Dinge bekommen einfach ein anderes Gewicht. Für mich: Sich zurückziehen. Bilanz ziehen, Frieden mit Gott und den Menschen machen...Leben ohne weiterreichende Absichten. Man hat doch genug gekämpft..

@ Juerg Jenatsch
Zu den mit dem Florett Fechtenden. Na, sind doch die anderen gemeint. Geht doch aus dem Kommentar hervor. Habe ich immer gerne gelesen...
Heute hier: Alles irgendwie intellektueller, aber viel "Glasperlenspiel" (Hesse) Auch nicht immer intellektuell durchdacht. Für mich teilweise zu lebensfremd und lebensabgehoben.
Aber Sezession versteht sich ja als ein Forum intellektueller Durchdringung unserer deutschen Probleme und Befindlichkeiten. Mir gefällt sehr, daß Sezession junge Menschen anspricht. Löblich...

Zur Esoterik: Mir sowas von ferne... Geschwurbel: Herzhaft gelacht; ich lebe aus meinen ostdeutschen bäuerlichen Wurzeln. Akademiker werden war ein Notbehelf. Ich hatte keine anderen Möglichkeiten...
: Grüße von der Weichsel

Franz Bettinger
7. Oktober 2018 12:16

@Maiordomus:
Wenn Sie, verehrter Gelehrter, weniger gescheit und wie eine Universal-Bibliothek, die einen erschlägt, ja erschlagen soll, daher kommen würden, und wenn Sie uns, die wir einen anderen, deshalb nicht weniger wichtigen als Ihren Lese-Beruf gewählt haben, stattdessen hin und wieder an konkreten Fragmenten ihres Wissensschatzes teilhaben ließen, würden einige Foristen hier befreit aufatmen. Klar, das ist schwer, und natürlich würden auch die Fragmente Stückwerk bleiben und deshalb nicht Ihrem Totalanspruch gerecht werden. Macht nix, denn viele Stücke können am Ende ein Werk ergeben. Also strengen Sie sich mal an ;-) No harm intended, und verzeihen Sie mir die Frechheit.

Wahrheitssucher
7. Oktober 2018 13:19

@ Maiordomus

Wie gut, daß wenigstens Herr Lichtmesz vor ihrem strengen Auge bestehen kann.
Aber er hat es auch wirklich verdient...

Wahrheitssucher
7. Oktober 2018 13:41

@ Franz Bettinger

Die Beiträge des verehrten Gelehrten würden ja dann noch umfangreicher ausfallen...
Liegt nicht meistens in der prägnanten Kürze die Würze?

Maiordomus
7. Oktober 2018 19:32

@Westpreusse. Die Staatswesen von Uri, Schwyz und Unterwalden waren durchwegs Dorfstrukturen, was Sie indes über die dörflichen Verhältnisse von weiland den Masuren schreiben, rührt mich ans Herz. Las als Knabe den Roman "Schmuggler in den Masuren", ich glaube etwa 1958.

Benno
7. Oktober 2018 22:32

"Dabei wird aber vermutlich auch im Fall einer Annahme diese Selbstbestimmungsinitiative nicht umgesetzt."

Richtig. Um das zu erkennen muss man sich nicht mit der badischen Gemeindedemokratie auseinandergesetzt haben. Es braucht auch keine Analyse der Glarner Landsgemeinde, um zu erkennen, dass das was heute unter Demokratie auftritt, mit Demokratie oft nicht sehr viel zu tun hat. Deshalb kann ich als überzeugter Demokrat sehr wohl das Unbehagen gewisser Leute gegenüber der „Demokratie“ verstehen. Statt schulmeisterlich mit Autoren und Buchtiteln um sich zu schmeissen, könnte man einfach einmal sachlich argumentieren, was denn genau die Vorzüge der Demokratie sind. Das wäre für alle Leser gewinnbringender, als jemandem das Sprechen verbieten zu wollen, weil er (vermeintlich) Tocqueville nicht gelesen hat.

Meiner Meinung nach, die ich natürlich nicht anhand von zwei Dutzend Büchern zum Thema gebildet habe, hat eine rein parlamentarische Demokratie, ohne plebiszitäre Elemente, das Etikett „Demokratie“ gar nicht verdient. Wenn es nämlich primärer Sinn und Zweck der Demokratie sein soll, den Volkswillen umzusetzen (was anderes soll denn die Herrschaft des Volkes sein) und der Parlamentarismus dazu geeignet wäre, dann würden, gerade in der Schweiz, sämtliche Abstimmungen im Sinne von Bundesrat und Parlament entschieden. Ist das der Fall?

Das Problem der heutigen „Demokratien“ ist, dass die politische Gleichheit der Bürger, welche unabdingbar ist für diese Regierungsform, je länger je mehr mit einer gesellschaftlichen Gleichheit, die es per Gesetz festzuschreiben gilt, Gleichgesetzt wird. Deshalb würden viele Demokraten heute die ursprünglichen Formen der Demokratie durchs Band weg als undemokratisch bezeichnen. Wir haben es letztlich mit einer Ideologisierung der Demokratie zu tun. Heutzutage wird ja selbst der Begriff des Bürgers ad absurdum geführt, wenn etwa das Stimm- und Wahlrecht für Nichtbürger eingeführt wird, etwa mit der Begründung, dass diese doch auch Steuern zahlten, oder (noch besser) auch Menschen seien. Somit wird der Begriff der "Demokratie" zu einer genauso inhaltsleeren Worthülse wie der des "Rassismus". Die Begriffe werden dann nur noch gebraucht, um seine eigene moralische Redlichkeit unter Beweis zu stellen, respektive den Gegner zu verfemen.

Franz Bettinger
8. Oktober 2018 06:30

@Benno:
Volle Zustimmung. Und hier mal ein praktisches Beispiel, (leider) wieder mal aus dem Saarland: Dass Mitglieder anders wählen als Delegierte, wurde uns an der Saar vor der Bundestagswahl klar. Wegen eines Formfehlers durfte (!) 2017 ein Mitglieder-Parteitag über die Liste der BT- Abgeordneten abstimmen. Dabei verlor das Dörr-Lager. Nicht der Sohn des Vorsitzenden, sondern Dr. Christian Wirth setzte sich bei den Mitgliedern durch. Man sieht: Der wahre Souverän wählt zuweilen anders als Delegierte und Abgeordnete. Das ist Basis-Demokratie! Es ist eben für die da oben leichter, die Mehrzahl von 80 Delegierten (von denen fast jeder nachweislich bezahlt bzw. gekauft ist) in den Sack zu stecken als 500 Mitglieder über den Tisch zu ziehen. Es geht uns Basisdemokraten um Vermeidung von Vetternwirtschaft und Korruption. Das ist der Punkt. Eine bessere Demokratie zu haben, ist eigentlich gar nicht so schwer. Man muss es nur wollen. Die AfD könnte damit beginnen, indem sie nicht nur darüber redet, sondern es vorexerziert.

Franz Bettinger
8. Oktober 2018 06:41

Fortsetzung: separat, in weiser Voraussicht, dass mir dies (weil kaum metapolitisch) gelöscht wird:

Der erste Schritt in Richtung Basisdemokratie könnte so aussehen, falls mir der kleine, aber praktische Exkurs zur Realpolitik gestattet wird:

Mehr Basis-Demokratie innerhalb der AfD! Wir Nicht-Dörrianer von der Saar schließen uns der "Mitglieder-Initiative: Forum der AfD-Basis" aus NRW an, und wir unterstützen den Antrag auf Änderung der AfD- Bundes-Satzung, in dem gefordert wird,

1.) dass ein Delegierten-System erst ab 2500 Mitglieder möglich sein soll, oder - falls dies (Nr. 1) abgelehnt wird -

2.) dass regelmäßig (z.B. alle 2 Jahre) alle Mitglieder des Landesverbandes darüber zu entscheiden haben, ob sie (für die kommenden 2 Jahre) ein Mitglieder- oder aber ein Delegierten-System haben wollen. Diese Forderung soll verpflichtend sein für alle Verbände mit weniger als 2500 Mitgliedern.

3.) Votieren 10% der Mitglieder eines Landesverbandes für einen Mitglieder-Parteitag und explizit genannte, dort zu behandelnde und zur Abstimmung zu bringende Themen, so hat dieser stattzufinden. Selbstredend müssen diese Mitglieder dann auch stimmberechtigt sein.

Maiordomus
8. Oktober 2018 10:58

@Bettinger. Bei der Debatte um Demokratie sind Beiträge wie die Ihrigen diejenigen, die ich konstruktiv nennen würde. Kompliment. Es geht tatsächlich um praktische auch organisatorische Fragen: um ein System von Mitbestimmung, wie wir es seinerzeit auch während acht Jahren im Verfassungsrat des Kantons Aargau diskutiert haben. Dafür musste einer in der Tat kein staatsrechtliches Studium gemacht haben und auch nicht viele Bücher gelesen haben, jedoch über praktische Erfahrung verfügen bei praktischer Mitbestimmung, und natürlich ist für die Debatte über die Demokratie die Debatte über den Machtmissbrauch und Machtgebraucht mit oft nur kleinen Beispielen aus dem Alltag von höchstem Nutzen. Hier lohnt es sich, dranzubleiben. Es muss auch nicht jeder, der sich mit Demokratie befasst, über theoretisches akademisches Niveau verfügen. Aber eher schon, wenn er sich als sogenannter Gegner der Demokratie wichtig machen will. Hier neige ich dazu, Schwätzern über das Maul zu fahren.

@Benno. Natürlich braucht es für die Demokratie historische und politische Analysen, zumal auch der badischen Verhältnisse und selbstverständlich die Landsgemeinde und selbstverständlich die Entstehung der demokratischen Traditionen; und wenn zum Beispiel nicht ein Martini, dessen Argumentation in jeder Hinsicht zwar unbeholfen ist, sondern sogar ein Benedikt Kaiser etwa in "Marx von rechts" von "Volkssouveränität" schwafelt, ist dies nur möglich, weil eine historisch-empirische Analyse der Demokratie nicht vorgenommen wurde, denn mit der Idee der Volkssouveränität, eben eine fausse idée claire, lässt sich nichts Vernünftiges machen, sie gehört auch nicht notwendig zur Praxis der Demokratie; diese Debatte ist längst geführt, auch scheint er wie andere kapitalismuskritischen Rechten keine Ahnung etwa von dem zu haben, was in den Büchern von Hayek steht, etwa "Der Weg zur Knechtschaft", was dann zu unnötigen Feindbildern führt, eben zu dem, was man nicht ohne Berechtigung einem oberflächlichen Antimarxismus vorwirft. (Dabei möchte ich indes die zumindest methodisch noch auf hohem Niveau stehenden Analysen von Kaiser trotzdem nicht mit von mir kritisierten ungenügenden Blog-Beiträgen verwechselt haben.)

Natürlich sind die Ausführungen von Martini zur Demokratiekritik, notabene auch das lächerliche Zeug aus einem Film zum 6. Juni 1944, das Gegenteil von einer ernst zu nehmenden historisch-politologischen Analyse. Bei der Demokratiekritik ist es nun mal so, dass man, zum Beispiel analog zur Widerlegung falscher oder einseitiger Behauptungen über Auschwitz, entweder sehr gründlich und genau recherchieren und argumentieren sollte oder dann eben lieber schweigen. Und es geht nicht um zwei Dutzend Bücher - das wäre selbst zur Verdummung zu wenig - sondern um lebenslange gründliche theoretische und praktische Auseinandersetzung. Dazu muss man zum Beispiel die Geschichte des Genossenschaftswesens kennen, im Minimum aber die Mitbestimmung in den Kommunen, was die Basis der Demokratie ist. Und was etwa, bei Martini, das Zitieren von Voltaire betrifft, so begibt er sich damit auf die intellektuelle Ebene, wo nun mal Kenntnisse gefragt sind, bis und mit etwa der für die Geschichte der Freiheit heute noch lehrreichen Calas-Affäre; wobei man nun mal eben im Voltaire-Museum Genf vielleicht recherchiert haben sollte, damit man wirklich weiss, welche Verdienste und Irrtümer bei Voltaire in der Geschichte der Demokratie in Genf und in Frankreich von Relevanz sind; da bewegen wir uns mal auf der akademischen Ebene. In jenem Museum kann man auch 64 Bände Rousseau-Briefe konsultieren, die für die Geschichte der Demokratie wie auch für Fragen, wie sie Marx und Engels stellten, enorm ergiebig sind und nicht zu verwechseln mit dem, was man aus Schulbüchern oder aus dem Netz entnehmen kann. Und für die Geschichte der Metakritik der Demokratie und auch nur für das Verständnis dessen, was zum Beispiel letzte Woche in Amerika auf dem Gebiet der Demokratie gelaufen ist, bleibt Alexis de Tocqueville "De la démocratie en Amérique" grundlegender und weit ergiebiger als die New York Times oder die Washington Post. Das Werk enthält wohl noch weit mehr weiterführende Analysen als selbst etwa der erste Teil von "Das Kapital" von Karl Marx. Sie sollten sich vergegenwärtigen, dass "Sezession" nicht ein Projekt von grundlagenlosen Dummschwätzern und Ressentimentvermittlern sein will, sondern vom Anspruch her eine das Geistesleben in Deutschland herausfordern wollende rechtsintellektuelle Plattform, welche sich zum Beispiel mit Recht schon mit Ignoranz und mangelnder Analyse bei einem Gross-Intellektuellen wie Herfried Münkler auseinandergesetzt hat. Wenn hier aber im eigenen Lager ähnlich dumm geschwatzt wird wie beim linken oder linksliberalen Mainstream, dann ist in der Tat jede Liebesmüh vergeblich.

Franz Bettinger
8. Oktober 2018 12:32

@Maiordomus:
Ich verstehe Sie ja. Hat nicht Nietzsche seinen Zarathustra sagen lassen: "Argumente? Ha! Ich müsste ja ein Sack von Wissen mit mir schleppen, würde ich auch noch die Gründe für meine Weisheit mit mir herumtragen". So ähnlich hat er es gesagt. Man platzt förmlich vor Wissen. Nur wie soll man es in zehn Minuten rüberbringen? Da wird man leicht zur glänzenden, aber wenig aussagenden Bibliothek. Mir ist manchmal ein Hau-Drauf lieber, der meinetwegen auch mit schrägen oder halb-garen Argumenten die Diskussion befeuert. - Wissen Sie, unter den Felskletterern meiner Gruppe gibt es einen, den wir denjenigen nennen, "der alle Knoten kennt". Also ohne Zweifel: ein Mann vom Fach. Nur klettern, klettern kann er nicht.

Wahrheitssucher
8. Oktober 2018 13:49

@ Maiordomus
Gestatten Sie die Anfrage zu dem Sie so absolut begeisternden Filmzitat "Ich kann keine Lieder singen, aber ich kann aus einem Dorf einen Staat machen" sowie den von Ihnen angeführten Beispielen gelungener Demokratie überschaubarer Größe auf Schweizer Boden:
Wie soll und kann im Großen funktionieren, was im Kleinen funktionieren mag?

Maiordomus
8. Oktober 2018 18:31

@Wahrheitssucher. Beispielsweise ist auch im Grossen via die Demokratie, die zwar ab einer gewissen Grösse an Mitbestimmungsgehalt verliert, die unblutige Abwahl einer unfähigen Führung nicht ausgeschlossen. Auch der Druck des nächsten Wahltermins hat seine guten Seiten, man denke nur an den nächsten Sonntag in Bayern. Und selbstverständlich gibt es zustimmungsfähige Entscheidungen, auch wenn Verlieren dazu gehört. Zu den erstaunlichen Überraschungen der letzten Jahre gehörte zum Beispiel das Volks-Ja zum Brexit, im Prinzip auch die Wahl Trumps als Ohrfeige an die Weltmeinung und vergangene Woche die krachende Niederlage des US- und Welttugendbolde bei der US-Richterwahl, als das allerprimitivste Niveau der me-too-Kampagne nicht entgegen ernst zu nehmender Befürchtungen nicht honoriert wurde, wiewohl zumal der Justizstaat in den Vereinigten Staaten auch seine fragwürdigen Seiten für immer behält. Auch habe ich nie behauptet, die Wahl Trumps garantiere ein gerechtes Regieren und eine insgesamt vernünftige Politik der Vereinigten Staaten, aber klar ist, dass man von einem anarchischen und freiheitlichen Standpunkt aus, etwa eines Bewohners des mittleren Westens, dort wo die Bevölkerungsdichte am geringsten ist, mit dieser Wahl noch relativ zufrieden sein konnte. Gerne hoffe ich auch, dass am 25. November in der Schweiz die Selbstbestimmungsinitiative durchkommt, wiewohl es eine ordentliche Überraschung wäre und ein abermaliges Bekenntnis zu einer verwirklichungsfähigen Demokratie, wiewohl nach meiner Vermutung die Schweizer Bundesrichter es wohl kaum wagen werden, dem EU-Recht wirklich die Stirn zu bieten. Es wird ähnlich weiter gehen wie nach der Brexit-Abstimmung, die nichtsdestotrotz ein Zeichen war zumal der Nichteliten in Grossbritannien und des vermeintlich dümmeren Teils der Bevölkerung gegen das Falsche. Überhaupt hat das ungeschriebene britische Verfassungssystem als Repräsentation eines Regimen Mixtum mit demokratischen Elementen seine positiven Seiten, kein Vergleich natürlich mit der durch demokratische Traditionen nicht gefestigten einstigen Weimarer Republik oder der sogenannten Republik in Spanien vor 80 bis 90 Jahren. Auch die Demokratien in Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei, auch in anderen osteuropäischen Ländern gewähren ihren Völkern sicher eine lebenswertere Existenz als das einstige stalinistische Völkergefängnis. Usw. Ich sehe auch für Nationen wie Katalonien, die ich wiederholt besuchte und mit deren Geschichte ich mich auseinandergesetzt habe, keine andere als demokratische Lösungen. Zu den rechten Denkern, die theoretisch sehr vieles richtig gesehen haben, aber in der Praxis fast ebenso viel falsch gemacht, zähle ich zum Beispiel den für mich durchaus bedeutenden Carl Schmitt.

@Bettinger. Es ist mein voller Ernst, dass zwar jeder die Demokratie benützen kann, dass aber die wenigsten demokratisch Gesinnten in der Lage wären, selber eine taugliche Theorie von Demokratie und Rechtsstaat zu formulieren. Themistokles einerseits und Platon/Aristoteles andererseits waren nicht repräsentativ für durchschnittliche griechische Männer, die sich damals der Demokratie bedienten. Ihre Werke über Politik waren wohl für weniger als 5 Prozent der Bürger verständlich. Auch durchschnittliche Briten haben, bei in der Regel vernünftigem Abstimmungsverhalten, das britische System nie so gut verstehen können wie dies beispielsweise ein Edmund Burke im 18. Jahrhundert und ein Karl Popper im 20. Jahrhundert geleistet haben. Popper ist indes das besonders dumme politische Verhalten der Akademiker seiner Generation aufgefallen. Das System staatsphilosophisch verstehen ist indes eine ganz andere Aufgabe als es in der Praxis dann auch anzuwenden. Selber bin ich der Meinung, dass Leute mit niedriger Schulbildung im Allgemeinen in der Praxis langfristig vernünftiger stimmen und wählen als Akademiker. Man kann sich vielleicht nachgerade darauf verlassen, dass ein mittelmässiger Intellektueller stärker für ideologische Irrtümer anfällig ist (was leider auch bei überdurchschnittlichen nie ausgeschlossen ist) als der kleine Durchschnittsbürger mit oft nur Hauptschulbildung. Das ändert nichts daran, dass es durchaus einen Bedarf an Denkern gibt.

ML: Und jetzt bitte wieder die Bremse ziehen, Danke!

Stefanie
8. Oktober 2018 20:07

@Maiordomos
"Das System staatsphilosophisch verstehen ist indes eine ganz andere Aufgabe als es in der Praxis dann auch anzuwenden. Selber bin ich der Meinung, dass Leute mit niedriger Schulbildung im Allgemeinen in der Praxis langfristig vernünftiger stimmen und wählen als Akademiker."

Die "kleinen Leute" orientieren sich bei Entscheidungen stärker an Überlieferungen und Traditionen ("Über-Ich") oder folgen gesundem Eigennutz und dem Wohl ihrer Familie ("Es").
Akademikern hat man diese Ansichten mühevoll abtrainiert. Sie entscheiden allein aus individuelllen Erfahrungen und der Analyse durch ihre geistigen Fähigkeiten heraus oder sie laufen wie die Lemminge den Kollegen hinterher. Selbst den klügsten Köpfen entgeht damit vieles aus ihrem Sichtfeld, was über den zeitlichen Horizont ihrer Generation hinausgeht. Daß das selbst Historikern passiert, ist natürlich irgendwie peinlich.

Benno
8. Oktober 2018 20:33

Danke, Maiordomus, für Ihren Kommentar 8. Oktober 2018 18:31. Das hat doch jetzt nicht wehgetan, oder? Einfach einmal sachliche Argumente zu bringen, ohne die Leute mit Ihrem lexikalischen Wissen totzuschlagen. So kann man auch eine Debatte führen. Literaturempfehlungen dürfen sie natürlich gerne anbringen, aber doch nicht als Schweigeargumente.
Ich habe auch nie behauptet, dass „für die Demokratie historische und politische Analysen“ per se nicht wichtig seien. Ich habe lediglich geschrieben, dass solche Analysen nicht notwendig sind, um zu sehen, dass die Herrschenden sich über den Volkswillen hinwegsetzen. Genau dies ist der Punkt, wo ich durchaus Verständnis für die Kritiker der Demokratie habe. Wenn es nur noch darum geht, ein Zeichen zu setzen, wie sie selber sagen, etwas Dampf abzulassen, es nach dem Urnengang aber weitergeht wie bisher, dann hat die Demokratie eben durchaus den Effekt, das Volk einfach zu sedieren, eine Veränderung ist so aber nicht möglich.
Und nein, um zu wissen was die Basis der Demokratie ist, muss ich eigentlich nur einmal eine gut besuchte Gemeindeversammlung zu einem kontroversen Thema besuchen, was natürlich theoretische Auseinandersetzungen mit der Demokratie nicht ausschliesst. Etwas mehr Praxisbezug wäre sicher nicht schlecht. Themistokles blieb ja auch als Sieger von Salamis in Erinnerung, weniger als demokratischer Theoretiker. Im Übrigen dürfte der Praxisbezug auch der Grund für Ihre richtige Beobachtung sein, dass „der kleine Durchschnittsbürger mit oft nur Hauptschulbildung“ langfristig vernünftiger abstimmt als ein mittelmässiger Intellektueller.

Wahrheitssucher
8. Oktober 2018 20:39

@ Maiordomus
Trotz verordneter, angezogener Bremse:
Inwieweit taugt aus Ihrer Sicht das Schweizer Modell als Vorbild?

Maiordomus
8. Oktober 2018 21:59

@Das Schweizer System ist als historischer "Massanzug" (André Siegfried und Gottfried Keller) nur bedingt und vielleicht gar nicht exportierbar, aber trotzdem im Hinblick auf die Diversifizierung der Entscheidungsorte und föderalistisch betonten Entscheidungsinstanzen, wenn möglich mit vielen Kompetenzen ganz weit unten, grundsätzlich zu bedenken. Es besteht eine Ähnlichkeit des Schweizer Systems mit dem, was der einflussreiche deutsche Staatstheoretiker von Nell-Breuning in der Tradition des ostfriesischen Protestanten Johannes Althusius im Rahmen der keineswegs am reinen Kapitalismus orientierten Soziallehre der katholischen Kirche zum Subsidiaritätsprinzip ausgearbeitet hat, wozu sogar mal ein Jean-Claude Juncker als gelernter Christdemokrat an Festreden schon mal ein Lippenbekenntnis abgegeben hat. Dies würde freilich ehrlich gemeint bedeuten, dass man den kleinen Basisgemeinschaften echte Selbstverantwortung zugesteht, so wie das früher in der Schweiz bei der Einbürgerung absolut der Fall gewesen ist, mit dem Recht ohne weitere Begründungen "Nein" zu sagen, weil der Gastgeber jenseits von Antidiskriminierungsideologie nun mal selber einschätzen kann, wen er als integriert anschaut und wen nicht und ob es ihm bei der Aufnahme ins Bürgerrecht wohl sei oder eben nicht. Auch bei den Steuern müsste es für diejenigen, die noch mit Geld sparsam umgehen können, mehr Selbstbestimmung geben, was jedoch heute alles der soeben genannten Ideologie zum Opfer fällt. Trotzdem dürfte man in Sachen Intention zu mehr Eigenständigkeit (siehe mein Bekenntnis zur Eigenständigkeit auch z.B. von Katalonien) nicht resignieren und müsste diese Eigenständigkeit, verbunden mit Selbstverantwortung, u.a. auch finanzieller Art, noch und noch fordern und anmahnen.

Sodann bin ich der Meinung, dass wir uns in der Debatte stärker einander angenähert haben und dass wir uns über die Möglichkeiten und Grenzen theoretischen Denkens etwas besser geeinigt haben, unter voller Anerkennung, wo die Stärken der reinen Praktiker liegen und dass theoretische Kenntnisse nun mal gründliches Studium voraussetzen. Gebärdet sich nun mal einer, dessen Stärken eher die Praxis ist, nichtsdestotrotz als Theoretiker, kommen bei ihm dann schnell spezifische Schwächen zum Vorschein wie umgekehrt.

Noch was: Habe mich in Parenthese verhältnismässig kritisch über das schon früher diskutierte Buch "Marx von rechts" geäussert, das ich erst unterdessen gelesen habe und das ich von den Fragestellungen her und in Sachen brillanter Schreibweise absolut lesenswert finde, wenngleich weniger von den Antworten her, wo nun halt statt Marx und Engels neu die Hayeks u. Co. als ihrerseits ungenügend reflektiertes Feindbild herhalten müssen. Auch wenn, wie oben gesagt, das Schweizer Vorbild nicht gross übernommen werden kann, müsste sich Deutschland noch stärker föderalisieren. Die Bezeichnung Freistaat müsste endlich wieder mal mehr sein als ein schön tönendes Bekenntnis auf einem Plakat an der sogenannten Staatsgrenze. Die bayrische CSU wird wohl am nächsten Sonntag die Wahlen auch deswegen verlieren, weil sie den sogenannten Freistaat nun mal nicht mutig genug verteidigt hat und die Einheit der Unionsparteien unter Merkel, wenn es darauf ankam, höher gewichtet hat als das, was sie ihren Bürgerinnen und Bürgern schuldig gewesen wären.

Cacatum non est pictum
8. Oktober 2018 22:34

@Maiordomus

Viel hilft nicht zwingend viel, und weniger ist nicht selten mehr. Wichtiger, als Regalmeter von Fachbüchern verschlungen zu haben, bleibt die Fähigkeit, erworbenes Wissen analytisch zu gliedern und auf die Lebenspraxis anzuwenden. Anerkennenswerte Fachleute beherrschen den Transfer von der Theorie zur Praxis und zurück. Ein Theoretiker, der nur Wissen in sich aufsaugt, ohne es anwenden zu können, ist ein Fachidiot. Ein Praktiker, der sein Handeln nie theoretisch reflektiert, ist ein Hasardeur. Für eine Sachdebatte mit Anspruch auf Erkenntnisgewinn braucht man beide nicht.

Thomas Martini
8. Oktober 2018 23:19

Helmut Qualtinger über den Justizpalastbrand 1927: „Eine unruhige Zeit... Man hat nie gewusst, welche Partei die stärkere ist. Man hat sich nie entscheiden können, wo man eintritt...“

Wahrheitssucher
8. Oktober 2018 23:48

@ Maiordomus

Ich entnehme Ihren Ausführungen als gangbarsten Weg zur Lösung des Problems eine stärkere Föderalisierung Deutschlands. Ein Forist äußerte hier an an anderer Stelle sinngemäß den Gedanken, er kenne keine anderen Alternativen zum heutigen Zustand als solche, die die Geschichte schon bereit gehalten hat, die wir nicht schon hatten. Beides zu Ende gedacht kommen wir dann zu dem Kaiserreich, dem zweiten Deutschen Reich, zu seiner Zeit mit 25 sehr souveränen Bundesstaaten (Bundesgliedern plus einem Reichsland)...
Alles was dann folgte, war ungleich zentralistischer...

Urwinkel
9. Oktober 2018 01:02

@ Bettinger:

"Wissen Sie, unter den Felskletterern meiner Gruppe gibt es einen, den wir denjenigen nennen, "der alle Knoten kennt". Also ohne Zweifel: ein
Mann vom Fach. Nur klettern, klettern kann er nicht." (an Maiordomus)

Eine passend-metaphorische Erinnerung an ein Dauerthema: Die harte Unterscheidung zwischen "Können" und "Wollen". Vielleicht WILL Ihr Kletterfreund
gar nicht mehr waghalsig klettern und über-lässt sein Wissen den jungen Bergsteigern. Einem "Nicht-Wollen" steht ein "Können" - eine oft
ungeahnte bis unterschätzte, jeweils subjektiv belastbare Praxiserfahrung voran. Eine Übersättigung & Ekel an der Moderne können beim Freizeitsportsfreund
hinzukommen und zu der nüchternen Erkenntnis führen: 'auch wenn alle mitmachen: Ego non'. -- Bis auf Abruf: Nicht länger mit mir!

Das kann in Richtung Totalentsagung (Askese) gehen. Manche Könner sind schlicht unterfordert und machen ganz bewusst nicht mehr mit: i.e.: Euer Freizeitspaß geht
mir schon lang-und sonstwolang vorbei.

heinrichbrueck
9. Oktober 2018 01:21

Zusammenfassung: Der Theoretiker kann die Praxis nicht, der Praktiker die Theorie nicht, und beherrscht einer Theorie und Praxis, ist er in beiden Fällen untauglich weil er beides nicht richtig kann. Die Nummer gefällt mir.
Bleibt noch eine Frage: Wie sind die Herrschenden abwählbar?

Maiordomus
9. Oktober 2018 07:54

@cacatum. Was Sie über Regalmeter von Fachbüchern sagen, mag in gewissem Sinn richtig sein. Themistokles, Platon, Aristoteles, Cicero, Seneca, die Klassiker des Naturrechts, Tocqueville, Burke, Hegel incl. die Hegelsche Rechte und Marx, Burckhardt, Max Weber, Carl Schmitt sind mal nicht Regalmeter von Fachbüchern, sondern so etwas wie die Grundlagen der westlichen und zumal auch deutschen Bildung, wenn es um Nachdenken über Politik geht. Einer meiner bedeutendsten Lehrer vermerkte einmal ganz nebenbei bei einem Seminar, wo es wirklich um Grundlagen ging: "Wäre die Schlacht bei Salamis anders ausgegangen, sässen wir alle nicht hier und würden uns kaum über diese Fragen unterhalten."

Maiordomus
9. Oktober 2018 11:16

@Zum Thema "Abwählen", Herr Brueck: über die AfD sollte man sich so wenig Illusionen machen wie über Trump, von dem man als politischem Denker so gut wie gar nichts lernen kann, wiewohl er als der am wenigsten schlechte Präsident der USA seit Herbert Hoover in die Geschichte eingehen könnte; aber jede Stimme am nächsten Sonntag ausserhalb der Blockparteien in der wirtschaftlich wohl bedeutendsten Region Europas wäre eine epochale Mitteilung, sofern wenigstens ein Stimmenanteil so zwischen 15 bis 20 Prozent erreicht würde, wobei freilich schon etwa um 11 Prozent leider als sehr mager einzuschätzen wäre, wiewohl immer noch gewaltig besser als seinerzeit die unbeholfenen Republikaner. Auch die Schweizer Selbstbestimmungsinitiative vom 25. November bleibt im Hinblick auf die europäische Bedeutung als Infragestellung der EU-Rechtslegitimation gewichtiger als jede Bundesrats- und Parlamentswahl in nächster Zeit, wiewohl in Bayern/Deutschland und in der Schweiz diese Wahl- und Abstimmungsresultate kurzfristig nicht viel ändern werden. Es würde, ähnlich der Französischen Revolution, mittel- und langfristig nicht um blosse Parteien- und Regierungsablösungen gehen, sondern, wie die bedeutendsten Geister nach 1789 richtig erkannt haben, "um eine Revolution des Denkens und des Dogmas". Leider fand in dieser Hinsicht um 1968 nun mal eine verhältnismässig erfolgreiche Revolution statt, im Vergleich zu derselben die damaligen Wahlausgänge keinerlei Bedeutung hatten, nicht mal der Rücktritt von Charles de Gaulle.

t.gygax
9. Oktober 2018 12:20

Zu @maiordomus und dem Schweizer Modell
Es gibt ein youtube einen 40 minütigen Vortrag von Oskar Freysinger auf der AUNS Versammlung im September 2015 "Was die Schweiz der Welt bieten kann".
Wenn man diesen absolut faszinierenden und herausfordernden Vortrag mit wachem Bewußtsein anhört, spart man sich die "Regalmeter von Büchern", die maiordomus hingebungsvoll zu zitieren versteht.
Es ist für mich ein Rätsel, warum sezession noch nie ein Interview mit diesem Mann geführt hat, der a) belesen b) sprachgewaltig c) volkstümlich und d) souverän argumentiert.
Ich trage sein Lied vom "Feuerstein" ( der kann auch gut Gitarre spielen, was bundesdeutsche Politiker nicht können...) seit Jahren ganz unterschiedlichen Leuten vor, die sind schwer beeindruckt, auch wenn sie bis dahin über Freysinger nur das sattsam bekannte Antifa-Geschwätz gehört haben.

Maiordomus
10. Oktober 2018 12:25

@Gygax. Mein langjähriger Kollege, auch Berufskollege, Freysinger wäre für ein Interview mit Sezession höchlich geeignet, besser als für eine lächerliche "Beichte" im Boulevardblatt Blick, was er unglücklicherweise sich vorige Woche geleistet hat, seine Depressionen und seinen psychischen Zustand nach der Abwahl aus der Walliser Regierung betreffend. Man stelle sich vor, Sellner würde in der Kronenzeitung beichten, er habe Depressionen, weil er nun mal mit seinem Politisieren Ärger bekommen hat! So was kann man sich als Rechter nun mal vor dem politischen Gegner nicht leisten.

Dabei hat Freysinger einen gelungenen und in einem Zug lesbaren faszinierenden Walliser Heimatroman veröffentlicht, "Bergfried", der in der Tat eine Besprechung z.B. durch Kositza wert wäre; geht es doch nicht zuletzt um das Frauenbild und die Kunst der Erinnerung. Indes hat Freysinger leider fast gleichzeitig mit seinem Roman noch seine politischen Memoiren veröffentlicht, ausser in der Schweizerzeit fast nirgends besprochen, womit er sein wertvolles neues literarisches Werk irgendwie unnötig übertüncht.

Im eidgenössischen Parlament war Freysinger ohne Zweifel einer der brillantesten und gebildetsten Redner, wohingegen er sich als Walliser Regierungsrat mehr oder weniger fertigmachen liess, hier fehlte ihm die exekutive Pranke, auch war und ist und bleibt er wohl für die politische Arbeit eine Spur zu sensibel. Er ist aber ohne Zweifel zumal in der Prosa ein begabter Schriftsteller, als man ihn vom Beitritt in den Verband Schweizer Autoren ausgeschlossen hatte, verwendete sich übrigens kein Geringerer als der vor 10 Jahren verstorbene Gross-Schriftsteller Hugo Loetscher gegen diesen lächerlichen Entscheid. Es bleibt aber in der Tat schade, dass Freysinger sich immer wieder selber im Wege stand. Es war auch ein Fehler von ihm, linke Journalisten ins Haus zu lassen und denen die Reichskriegsflägge der deutschen Kriegsmarine zu zeigen, die - das wusste Freysinger nicht - in der Unteren Ranftkapelle von Flüeli-Ranft dargestellt ist als Mahnmal dessen, was Deutschland zur Wilhelminischen Zeit falsch gemacht hat, worauf schon der beste politische Lyriker der Schweiz, Uli Dürrenmatt, kurz nach der Jahrhundertwende aufmerksam gemacht hat. Was Uli Dürrenmatt betrifft, Grossvater von Friedrich Dürrenmatt, so bleibt es wohl dabei, dass die fünf besten politischen Gedichte von Oskar Freysinger durchaus die Qualität dieses genialen Uli Dürrenmatt erreicht haben könnten, nicht jedoch Freyingers schlechtestes lächerlich-obszönes Gedicht gegen die einstige linke jüdische Bundesrätin Ruth Dreyfuss, mit dem er sich noch nachhaltiger blamiert hat wie seinerzeit Lukas Bärfuss mit seinem Affentheater als Festspiel zur Schweizer Landesausstellung 2002 oder der Künstler Hirschhorn mit seinem hochsubventionierten Pissen auf Blocher in Paris, was zwar in der Schweiz immer noch als fördernswerte Kunst gilt und dazu beiträgt, dass Autoren und Kulturschaffende immer weniger ernst genommen werden.. Bärfuss, dem zwar in Sachen religiöser und dramatischer Begabung jegliche Voraussetzungen zum Autor des Einsiedler Welttheaters abgehen, hat unterdessen wie Freysinger immerhin einen brauchbaren Roman geschrieben, nur dass Freysingers Roman "Bergfried" aus Gründen der politischen Deklassierung des Autors bisher von fast niemandem beachtet worden ist, während Barfuss, ein Autor etwa in der Liga von Freysinger, zu den Hätschelkindern der Kulturszene gehört. Freysinger wurde übrigens Mitglied des serbischen Schriftstellerverbandes. Es wäre wohl zu empfehlen, den durchaus originellen Autor und noch brauchbaren politischen Denker Freysinger mal an die informellen Versammlungen der Schweizer-Sezessionsleser und -Leserinnen einzuladen. Er ist zweifelsfrei einer derjenigen Schweizer Autoren und Politiker, in dessen Gegenwart man sich am wenigsten langweilt. Man darf Freysinger durchaus einen internationalen Horizont nachsagen, wenngleich Herr Blocher sich über die Auslandauftritte des buntesten Vogels in der Geschichte der Schweizerischen Volkspartei gelegentlich wenig amüsiert zeigte.

Thomas Martini
10. Oktober 2018 21:06

"Im übrigen sollten Kritiker und Dissidenten, welcher Couleur auch immer, als Indikatoren gesellschaftlicher Mißstände und Fehlentwicklungen sehr ernstgenommen werden – insbesondere auch als Anreger und Auslöser von praktischen Gegenstrategien."

@Ruewald

Das haben die Deutschen damals schon nicht bei Heinrich von Kleist - der übrigens heute Geburtstag gefeiert hätte - oder Franz Schubert erkannt. Bei beiden Männern hat man alles dafür getan, um sie gesellschaftlich auszugrenzen. Kleist wurde so in den Selbstmord getrieben.

Von ihm gibt es ein interessantes Gedicht, das viele schlaue Anspielungen enthält, das "Kriegslied der Deutschen".

@Maiordomus

Die Art und Weise, wie Sie mich in diesem Strang immer wieder auf der persönlichen Schiene attackiert haben, während Sie selbt Ihren Bildungsstatus raushängen lassen, sagt wesentlich mehr über Sie aus, als über mich.

Sie bestätigen damit ganz präzise, was mir mein Mentor schon vor langer Zeit eintrichterte.

"Die deutsch-österreichischen Systemknechte verwenden das in genau demselben Sinn wie die Umgangsformen: sie wollen sich raushängen lassen, daß sie was besseres sind und ihr Gegenüber spüren lassen, daß sie ihn für ein proletenhaftes oder kleinbürgerliches Würstchen halten." - Brutus

Ich danke Ihnen also für die Belehrung. Aber wie ich die Dinge sehe und bewerte, geht Sie einen feuchten Kehricht an. Ihre weibische, ad-hominem-Zensuren erteilende Aufgeblasenheit macht auf mich null Eindruck.

Maiordomus
11. Oktober 2018 20:02

Da es in diesem Artikel über die Stellungnahmen der deutschen Historiker geht, müsste man darauf umso eher wieder zurückkommen, als mit Dominik Geppert und Peter Hoeres sich dieser Tage in der Frankfurter Allgemeinen ein gewichtiger konservativer Widerspruch von Professoren dagegen artikuliert hat. Peter Hoeres ist der Sohn von Walter Hoeres, einem der seinerzeit wichtigsten Mitarbeiter von "Zeitbühne". "Epoche" und "Criticon", wohl einer der bedeutendsten katholischen Intellektuellen Deutschlands in den letzten 50 Jahren und über Jahrzehnte einer der bedeutendsten rechtskonservativen Kirchenkritiker. Geppert wiederum ist ein ausgeprägter Kenner der Geschichte der Demokratie in Deutschland unter Adenauer, hat auch ein Buch über Thatcher geschrieben, mit Detailkenntnissen, die für unsere Debatte wesentlich sind. Dass sich Hoeres und Geppert nun vom Meutenverhalten deutscher Historiker, welches "Gruppendruck" erzeuge und auch Folge von solchem Gruppendruck sei, scheint mir hocherfreulich. Insofern ist, was Lichtmesz hier angesprochen hat, unterdessen in Deutschland doch weiterdiskutiert worden, sogar nun auch im Minderheitslager der Fachwelt. Selber bin ich indes nicht unglücklich darüber, mich meinerseits von einer Kollektivpublikation nicht rechter Historiker, sondern rechter Christen wenngleich hauptsächlich aus Zeitgründen ferngehalten zu haben. Werde die entsprechende Publikation dann aufmerksam zur Kenntnis nehmen. Gerne hoffe ich, dass in jenem Buch, das dieser Tage erscheint, dann vielleicht auch der kluge Walter Hoeres mal zitiert wird. Er verfügte über ein intellektuelles Format, das auch bei Otto von Habsburg und William S. Schlamm in der Zeitbühne hohe Anerkennung fand. Auch im Magazin "Mut" hat Hoeres substanzielle Artikel publiziert, wobei leider das Heft nach seinem Hinschied sich klar nach unten bewegte, zum Teil auch mit opportunistischen Anpassungen an den Kurswechsel der Unionsparteien.

@Es ist ja klar, Herr Martini, dass Sie mit Ihrem "feuchten Kehricht" nicht auf dem Niveau von Walter und Peter Hoeres oder von Fest senior oder junior argumentieren und dass es nie einem brauchbaren Politiker der AfD in den Sinn kommen könnte, auf Ihre nun mal intellektuell nicht qualifizierte Art sich über Demokratie oder über deutsche Geschichte zu äussern, Sie werden hoffentlich auch keinen Politikern je Reden schreiben. Trotzdem haben Sie dazu beigetragen, dass in diesem und anderen Kolonnen von "Sezession" noch gründlicher über Demokratie Erörterungen gemacht wurden als dies ohne Sie geschehen wäre, weswegen es absolut zu rechtfertigen war, Ihre wenig repräsentativen Beiträge zu schalten. Selber habe ich nicht ausgeschlossen, dass Sie als "Debatter unterwegs" vielleicht mit der Zeit noch Fortschritte machen könnten. Dazu könnten Sie sich zum Beispiel mit jenen deutschen Historikern befassen, welche gegen das im obigen Artikel von Martin Lichtmesz kritisierte Professorenkollektiv protestiert haben. Dem Ziel, etwas klüger zu werden, sollten wir nie abschwören.

Juerg_Jenatsch
13. Oktober 2018 11:55

@RMH @Maiordomus et al. Wie wird von Ihnen Demokratie definiert, d.h. was sind ihre Kernelemente? Bitte nicht mit der rule of law (Herrschaft des Gesetzes) verwechseln, da es diese auch ohne Demokratie möglich ist. Das Großbritannnien des 18./19. Jahrhundert war keine Demokratie, zeigte aber gewisse rechtsstaatliche Grundsätze, wenn auch die Gesellschaftsstrukturen zu kritisieren waren. Auch das Königreich Preußen hatte recht ordentliche rechtsstaatliche Ansätze. Meine zweite Frage ist: Wo, außerhalb einiger Schweizer Gebirgsdörfer und kleinerer Kantone (oder eventuell früher der Bauernrepublik Dithmarschen), existiert eine relativ gute und funktionsfähige Demokratie?

Maiordomus
14. Oktober 2018 09:19

Zum Beispiel halte ich die Demokratie in Bayern oder Oesterreich immer noch im Vergleich zu allen früheren Systemen noch für ziemlich vertretbar. Jahrzehntelang gab es nichts Vernünftigeres in Europa als CSU zu wählen. Man sollte jedoch in der Tat von der Demokratie, dem schlechtesten Entscheidungssystem mit Ausnahme noch der übrigen, nicht zu viel erwarten. Noch gut und illusionslos erklärt bei Alexander Rüstow in seinem Hauptwerk "Ortsbestimmung der Gegenwart", auch im Rückblick auf die Diktatursysteme; nebenbei gesagt, die "Rüstow-Medaille" pfeift insofern aus dem letzten Loch, als sie Angela Merkel und sogar Kardinal Marx verliehen wurde, nachdem man bedenkt, dass Rüstow allen politischen und religiösen Erlösungsvorstellungen eine eindrückliche Absage erteilt hat. Er war nun mal ein weltlich-liberaler Denker der Demokratie, ähnlich wie der gegenüber der Demokratie äusserst skeptische Karl Popper, der indes die Diktatur von Intellektuellen und Tugendbolden auf jeden Fall noch stärker ablehnt als selbst die schlechteste Demokratie. Falls übrigens die AfD in Bayern heute wenigstens mehr Listenstimmen macht als gestern in Berlin demonstrierten, wäre dies immerhin schon eine demokratisch legitimierte kritische Mitteilung. Unter 13 Prozent wäre es ehrlich gesagt aber ein miserables Resultat, das man nicht der Demokratie, sondern der Wahlkampfstrategie und dem nach wie vor bescheidenen politischen Personal der Opposition anlasten sollte.

Wahrheitssucher
14. Oktober 2018 15:09

@ Juerg_Jenatsch

Sie haben völlig recht, die gesamte Diskussion hier krankt daran, daß man sich nicht a priori darauf verständigt, was man unter „Demokratie“ versteht: Ihre heutige Erscheinungsform oder irgendein noch zu schaffendes oder vielleicht schon da gewesenes Ideal...

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