Sonntagsheld (79) – Schlag ins Gesicht für den Rechtsstaat

„Der Bayer schlägt genauso zu wie der Eritreer“

 Gastbeitrag

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Ich wer­de auf die­sem Por­tal nicht müde, jene Hel­den des All­tags zu wür­di­gen, die sich im Ange­sicht des täg­li­chen west­li­chen Wahn­sinns behaup­ten müssen.

Das kann ein Tra­ve­mün­der Frei­luft­schach­spie­ler sein, der einen Mes­ser­ste­cher mit einem Knüp­pel aus­knockt, das kann der furio­se “Lion of the Lon­dong Bridge” sein, oder eine Poli­zis­tin, die ihre Pflicht tut.

Nicht alle die­se Per­so­nen mögen sich aus einer juris­ti­schen Per­spek­ti­ve voll­um­fäng­lich lupen­rein ver­hal­ten haben, aber zum Glück ist es auch gar nicht mei­ne Auf­ga­be das (Nicht-)vorliegen von Not­wehr­grün­den, oder die Ver­hält­nis­mä­ßig­kei­ten der getrof­fe­nen Maß­nah­men zu bewerten.

Ich bin eigent­lich bloß hier, um in die­sen Fäl­len die gesell­schaft­li­che Nor­ma­li­tät wie­der her­zu­stel­len, qua­si als publi­zis­ti­sches Gegen­ge­wicht zu den­je­ni­gen, die in jeder Ohr­fei­ge den Keim der eth­ni­schen Säu­be­rung, in jedem Kri­mi­nel­len den poten­zi­el­len Staats­bür­ger und in jedem selbst­be­wuss­ten Deut­schen ihren auto­ri­tä­ren Opa sehen.

Auch die­se Woche ist beim Schlag­zei­len­ab­fi­schen wie­der einer ins Netz gegan­gen: Ein nicht näher genann­ter 42-jäh­ri­ger Unter­schleiß­hei­mer ver­galt die uner­laub­ten Anzüg­lich­kei­ten eines betrun­ke­nen Eri­tre­ers, der sei­ner Toch­ter unter den Rock gefasst hat­te, mit einem Faustschlag.

Dass er sich für die­se Affekt­hand­lung nun im Rah­men eines Straf­ver­fah­rens ver­ant­wor­ten muss, ver­dankt er einem Mit­ar­bei­ter der Deut­schen Bahn, der die Poli­zei rief. Ob sich die als Reprä­sen­tan­ten ihres Arbeit­ge­bers auf­tre­ten­den Bun­des­po­li­zis­ten qua­si stell­ver­tre­tend vor besag­tem Unter­schleiß­hei­mer für den schei­tern­den Rechts­staat, dem man die Anwe­sen­heit des über­grif­fi­gen Asyl­be­wer­bers höchst­wahr­schein­lich zu ver­dan­ken hat, ver­ant­wor­ten muss­ten, ist hin­ge­gen nicht bekannt.

Pflicht­be­wusst stell­ten die­se jeden­falls in ihrem Poli­zei­be­richt fest: “Auch wäh­rend der Wiesn folgt auf kör­per­li­che “Selbst­jus­tiz” eine Straf­an­zei­ge”; ein Wiesn-Kol­le­ge ergänzt unab­hän­gig davon: „Der Bay­er schlägt genau­so zu wie der Eritreer“

Wie auch immer; „Wo aber Gefahr ist, wächst das Ret­ten­de auch” schrieb Meis­ter Höl­der­lin und so wie wir uns inzwi­schen dar­an gewöhnt haben, dass uns fast täg­lich irgend­ein Ali, Abdul, oder Ahmad im Poli­zei­be­richt, oder auf einem Steck­brief in der Regio­nal­zei­tung über den Weg läuft, so wird man sich auf kurz oder lang auch dar­an gewöh­nen müs­sen, immer mal wie­der von irgend­wel­chen 42-jäh­ri­gen Unter­schleiß­hei­mern zu lesen, die die Ehre ihrer Fami­lie verteidigen.

Wich­tig für uns ist nur: Das eine ist Aus­nah­me­zu­stand, das ande­re ist nor­mal. Soll­te der wehr­haf­te Fami­li­en­va­ter hier mit­le­sen, geht jeden­falls die nächs­te Maß auf mich.

 Gastbeitrag

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Kommentare (7)

John Haase

7. Oktober 2018 16:56

Er hätte keinesfalls Selbstjustiz üben dürfen, sondern er hätte das Gewaltmonopol des Staates respektieren und die Beamten einfach ihre Arbeit machen lassen sollen, der Rechtsstaat zeigt bei sowas klare Kante.

Har.

Hartwig aus LG8

7. Oktober 2018 17:41

Und deshalb mag ich Ihre Kolumne hier auf SiN! Nicht immer ein Volltreffer, aber sei's drum. Die Berichterstattung über die Gegenwehr deutscher Männer wird aus naheliegenden Gründen unterdrückt. Es ist die Furcht vor der kritischen Masse, vor dem Geist aus der Flasche ... vor dem Schule machenden Beispiel.

numerusclausus

7. Oktober 2018 20:03

Man stelle sich bei einer hypothetischen Verlagerung der geschilderten Szene nach Eritrea einmal die möglichen Folgen folgender Ereignisse vor:

1. Was möge passieren, nachdem ein angetrunkener Tourist (Alternative: vom Kat kauen berauschter Tourist) aus Bayern einem eritreischen Mädchen unter das Traditionsgewand langt?

2. Würde der ungesittete Eritreer in seiner Heimat sich gegenüber einem eritreischen Mädchen ebenso unsittsam verhalten haben?

3. Wie würde mit dem sich umgehend der "Selbstjustiz" ermächtigenden Vater des eritreischen Mädchens umgegangen werden?

...

Stresemann

7. Oktober 2018 23:13

Der Geist muss aus der Flasche... Wir brauchen keine Märchen aus dem Morgenland, sondern wieder erzählenswerte Berichte aus dem Abendland - die sich gerne herumsprechen dürfen, sollen, nein: müssen! Seid Täter des Wortes, die Wahrheit wird euch frei machen, Selbstverleugnung kann eine Tugend sein, aber nicht, wenn diese - wie in diesen Tagen - aufoktroyiert wird. Da ist dann in der Tat Selbstverteidigung gefordert.

hagustaldaz

8. Oktober 2018 16:34

Übrigens hätte man von der propagandistisch lautstark wiedergegründeten Bayerischen Grenzpolizei wohl auch keine angemessenere Bearbeitung solcher Fälle erwarten dürfen. Wie ich zufällig gerade las, ist der Leiter dieser Behörde kein Geringerer als Alois "Küchenmesser" Mannichl.

RMH

8. Oktober 2018 20:45

" … als Alois "Küchenmesser" Mannichl."

Durch den Fall Mannichl wurde nicht das Küchenmesser berühmt, sondern das "Lebkuchenmesser" … wusste bis zu diesem Fall nicht, dass es so etwas überhaupt gibt.

PS: Ich hoffe, dass war jetzt nicht zu viel "Beckmesser" … ;) :)

Lotta Vorbeck

10. Oktober 2018 00:26

@hagustaldaz - 8. Oktober 2018 - 04:34 PM
@RMH - 8. Oktober 2018 - 08:45 PM

Der Vollständigkeit halber sei noch nachgetragen:

# Neue Wörter 1: mannichln

SiN - 6. März 2009

https://sezession.de/1928/neue-woerter-1-mannichln

# Das Messer auf der Fensterbank | Publico

Wie der „Tagesspiegel“ den Fall Mannichl fast aufklärt

von Alexander Wendt
posted on 3. Juli, 2018

An diesem Montag nimmt die frisch gegründete „Bayerische Grenzpolizei“ mit Hauptquartier in Passau ihre Arbeit auf. Die Grenzpolizei gehört zu den Innovationen von Ministerpräsident Markus Söder. Das heißt, ganz neu ist die Truppe nicht.
Dass die Landespolizei in Bayern bei der Grenzsicherung helfen darf, stand schon im alten Polizeiaufgabengesetz, und eigentlich sichern die Grenzpolizisten auch nur den Raum hinter der Grenze, aber das tat die Landespolizei bisher auch schon. Neu ist genaugenommen nur der Name „Grenzpolizei“, die als eigenen Einheit einem neuen Chef unterstellt ist: Alois Mannichl, 62. Dem einen oder anderen dürfte der Name bekannt vorkommen. War da nicht etwas?
„Am Abend des 13. Dezember 2008 stach ihn ein Unbekannter vor seinem Wohnhaus in Fürstenzell mit einem Küchenmesser nieder und verletzte ihn schwer“, schreibt der Tagesspiegel über den neuen bayerischen Grenzschützer: „Dabei soll er zu Mannichl gesagt haben: ‚Schöne Grüße vom nationalen Widerstand. Du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden herum.’“ Der „Tagesspiegel“ rekapituliert außerdem die Lage von damals, angereichert mit Zeitgeschichte: „In ganz Deutschland waren die Menschen entsetzt: verübten Neonazis nun Mordanschläge auf Polizisten…? Heute mag das nicht mehr so ganz erstaunlich-entsetzlich wirken, doch damals waren die NSU-Morde noch nicht den Terroristen zugeordnet.“

Auch die „Augsburger Allgemeine“ überschrieb ihren Text über die Ernennung Mannichls zum obersten Grenzschützer Bayerns mit einer großen Nacherzählung: „Wie der Chef der Grenzpolizei Opfer eines Verbrechens wurde“.

Der Fall Mannichl gehört allerdings zur Kategorie der Fälle, die sich doch etwas anders zugetragen hatten als ursprünglich berichtet. Wer ihn sehr nüchtern beschreiben will, kann ihn seltsam nennen. Dubios trifft es allerdings auch.

...

Weiterlesen: https://www.publicomag.com/2018/07/das-messer-auf-der-fensterbank/

# Photo 1:
Mannichl neben Söder
https://p5.focus.de/img/fotos/origs9275251/7688514167-w630-h472-o-q75-p5/urn-newsml-dpa-com-20090101-180718-99-201481-large-4-3.jpg

# Photo 2:
https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/tp/imgs/89/2/4/5/9/9/0/2/4729a1dacfa58c2a.jpeg

Originale Bildunterschrift: Markus Söder und Joachim Herrmann bei der Neugründung der bayerischen Grenzpolizei. Ganz rechts: Der durch die Lebkuchenmesser-Affäre bekannt gewordene Polizist Alois Mannichl (vgl. Polizisten wundern sich im Fall Mannichl). Foto: Bayerisches Staatsministerium des Innern