Lichtmesz-Sommerfeld-Gesetz: das Beispiel Laurin

Als Co-Autor von Mit Linken leben möchte ich mir im folgenden ein Musterbeispiel für manche Analysen in Sommerfelds und meinem Buch ansehen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Ich mei­ne die­sen Text eines Genos­sen namens Ste­fan Lau­rin, der dem Ver­neh­men nach genügt hat, die Stu­di­en­stif­tung des deut­schen Vol­kes (ist die­ser Name über­haupt noch grund­ge­setz­kon­form?) der­art ein­zu­schüch­tern, daß sie Götz Kubit­schek von einer Podi­ums­dis­kus­si­on aus­ge­la­den hat. Lau­rin selbst schreibt lus­ti­ger­wei­se regel­mä­ßig für die links­ra­di­ka­le Jung­le World, die auch schon mal vom Ver­fas­sungs­schutz “beob­ach­tet” wurde.

Er wäre an sich nicht der Rede wert, wäre er nicht ein beson­ders ent­lar­ven­des Bei­spiel für das soge­nann­te “Licht­mesz-Som­mer­feld-Gesetz” (LSG), das mei­ne Co-Autorin und ich als Frucht lan­ger Erfah­rung for­mu­liert haben. Es ver­steht sich von selbst, daß die­ses “cum gra­no salis” als iro­ni­sche Faust­re­gel zu ver­ste­hen ist, wie ande­re Internet-“Gesetze” à la Godwin’s law, Poe’s law oder Hanlon’s Razor.

Im unse­rem Buch Mit Lin­ken leben ist es so formuliert:

Alles, was pro­fes­sio­nel­le »Ent­lar­ver« und »Auf­klä­rer« gegen »Rechts« über Rech­te schrei­ben, ist eine Pro­jek­ti­on ihrer eige­nen Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, Denk­struk­tu­ren und Modi ope­ran­di. Immer. Ausnahmslos.

Man könn­te es etwa so vereinfachen:

Alles, was Lin­ke über Rech­te sagen, schrei­ben, den­ken, trifft immer und aus­nahms­los auf sie sel­ber zu.

Das war bewußt poin­tiert for­mu­liert, aber inzwi­schen kommt es selbst mir immer weni­ger wie ein (hal­berns­ter) Scherz vor. Das LSG trifft mit einer beängs­ti­gen­den, mit­un­ter haar­sträu­ben­den Häu­fig­keit zu.

Da ich das pro­jek­ti­ve Ver­hal­ten inzwi­schen auch häu­fig bei Nicht­lin­ken, etwa bestimm­ten Typen von Kon­ser­va­ti­ven (ich den­ke hier natür­lich vor allem an die “Cucks”), beob­ach­ten konn­te, schla­ge ich fol­gen­des Kor­ro­la­ri­um vor:

Je stär­ker und häu­fi­ger jemand in einer Dis­kus­si­on eige­ne Denk- und Ver­hal­tens­wei­sen auf den ande­ren pro­ji­ziert, umso lin­ker ist er.

Nun haben etli­che Leser ein­ge­wandt, daß wir es uns damit all­zu leicht mach­ten, denn auf die­se Wei­se kön­ne man jede Form der Kri­tik auto­ma­tisch abpral­len las­sen, indem man sie ein­fach zurück­spie­gel­te. An sich stimmt das frei­lich. Aller­dings ver­pflich­tet skep­ti­sche Distanz zu sich selbst nicht zum Dumm­stel­len, und irren kann und darf man sich immer. Manch­mal ist tat­säch­lich nur einer von bei­den der Dum­me, der Unauf­rich­ti­ge, der patho­lo­gisch Agie­ren­de. Das Dilem­ma ist Folgendes:

  • Wer dumm ist, weiß nicht, daß er dumm ist, denn dann wäre er ja intelligent.
  • Wer pro­ji­ziert, weiß nicht, daß er pro­ji­ziert, denn dann wäre er ja selbstreflexiv.
  • Wer nicht sinn­ent­neh­mend lesen kann, weiß nicht, daß er nicht sinn­ent­neh­mend lesen kann, denn sonst könn­te er ja sinn­ent­neh­mend lesen.

Mit ande­ren Wor­ten läuft alles auf ein Miß­ver­hält­nis zwi­schen den Dis­kus­si­ons­part­nern hin­aus, das auf einem Man­gel an Selbst­re­fle­xi­on beruht – die­ser kann einen der bei­den oder auch alle bei­de betref­fen. In einer sol­chen Lage (und sie ist die häu­figs­te) kann man den Dis­put letzt­lich nicht objek­tiv auf­lö­sen oder ent­schei­den. Es wird kei­nen Schieds­rich­ter geben, häu­fig nicht ein­mal zwi­schen denen, die auf glei­cher Augen­hö­he dis­ku­tie­ren (den­ken wir an Ador­no und Geh­len). Das kön­nen man­che Men­schen, die mit aller Gewalt Recht haben wol­len (wie etwa der bedeu­ten­de deut­sche Phi­lo­soph Dani­el-Pas­cal Zorn) nicht akzep­tie­ren, wes­halb sie dar­auf bestehen, im beschei­de­nen Gefol­ge Pla­tons “Red­ner und Rich­ter in einer Per­son” sein zu wollen.

Man­gel an Selbst­re­fle­xi­on ist bei der heu­ti­gen Lin­ken chro­nisch, wenn nicht kon­sti­tu­tiv gewor­den. Wie Klei­ne-Hart­la­ge beschrieb, lebt ein Lin­ker in einem per­ma­men­ten Zustand kogni­ti­ver Dis­so­nanz, da sein Welt- und Men­schen­bild auf unhalt­ba­ren Prä­mis­sen auf­baut, die stän­dig unter dem Beschuß der Wirk­lich­keit ste­hen. Aber je grö­ßer die Dis­kre­panz zwi­schen Selbst- und Fremd­wahr­neh­mung, zwi­schen Innen­welt und Außen­welt, umso grö­ßer die Inkon­gru­enz und die kogni­ti­ven Schnit­zer, die sich eine Per­son leis­tet. Und häu­fig wird auch ihre Abwehr­hal­tung und Into­le­ranz gegen­über Kri­tik und Dis­sens umso grö­ßer sein.

Um nach die­sem theo­re­ti­schen Exkurs wie­der auf den Genos­sen Lau­rin zurück­zu­kom­men, so lie­fert er, wie gesagt, ein beson­ders stu­pen­des Bei­spiel des LSG. Und zwar so: Nach­dem Lau­rin ver­kün­det hat, daß er sich wei­gert, sich mit Kubit­schek “auf ein Podi­um” zu set­zen, wirft er Kubit­schek ein “pud­ding­haf­tes Aus­wei­chen vor dem har­ten Kon­flikt” vor. Nach­dem er wort­reich erklärt hat, er wol­le an der Dis­kus­si­ons­run­de nicht teil­neh­men, weil er dort mit Kubit­schek dis­ku­tie­ren müß­te, schreibt er, über das “rech­te Den­ken” müsse

… gere­det und gestrit­ten wer­den. Auf Büh­nen und mit Tex­ten, in kla­ren Wor­ten und mit der nöti­gen Här­te. Das geht aller­dings nicht mit Men­schen wie Kubit­schek, die zwar auf „Rit­ter­gü­tern“ leben, aller­dings den offe­nen Streit scheu­en und sich statt­des­sen hin­ter schein­bar wort­ge­wal­ti­gen Scha­ra­den verstecken.

Ein offe­ner Streit, den er wohl­ge­merkt eben selbst ver­wei­gert (sei­ne eige­ne Teil­nah­me), ja ver­hin­dert hat (Kubit­scheks Teil­nah­me). Genau­so­gut könn­te er sagen: “Ich will mit Kubit­schek kei­nen offe­nen Streit füh­ren, weil Kubit­schek kei­nen offe­nen Streit füh­ren will.” Die “kla­ren Wor­te” und die “nöti­ge Här­te” sol­len nur die mund­tot und jeder Platt­form beraub­ten Rech­ten zu spü­ren bekom­men, man sel­ber ent­zieht sich lie­ber dem Unge­mach der kri­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung. Mit ande­ren Wor­ten, die lin­ke Bla­se soll unge­stört wei­ter­blub­bern, es soll über, aber nicht mit Rech­ten gere­det wer­den, den­noch ist es Kubit­schek, nicht er, Lau­rin, der “den offe­nen Streit scheut”. Das ist ein per­for­ma­ti­ver Wider­spruch, der so irre ist, daß ich mich wun­de­re, wie­so die­se hane­bü­che­ne Argu­men­ta­ti­on nie­man­dem in der Stu­di­en­stif­tung auf­ge­fal­len ist.

Wenn ich nun ver­su­che, mich in Laurins schie­fe Argu­men­ta­ti­on hin­ein­zu­ver­set­zen, so ver­folgt er offen­bar eine dop­pel­te Tak­tik: Mit Kubit­schek kann und soll man nicht reden, denn er ist

a) brand­ge­fähr­lich “für die Ideen der Auf­klä­rung und die Moder­ne mit ihren Ver­spre­chen”. Er steht damit laut Lau­rin qua­si in einer Rei­he mit einem Frank-Wal­ter Stein­mei­er, der “dem ira­ni­schen Regime auch in mei­nem Namen zum 40. Jah­res­tag der isla­mi­schen Revo­lu­ti­on gra­tu­liert” hat und mit einer Kat­rin Göring-Eckardt, weil sie berüch­tig­ter­wei­se get­wee­tet hat, sie wün­sche sich, daß „in den nächs­ten vier Jah­ren jede Bie­ne und jeder Schmet­ter­ling und jeder Vogel in die­sem Land weiß: Wir wer­den uns wei­ter für sie ein­set­zen!“ (kein Scherz, bit­te nachlesen).

b) ohne­hin kein seriö­ser Dis­kus­si­ons­part­ner, weil er, jetzt wird’s ori­gi­nell, “ein Kind der Post­mo­der­ne” sei:

Er mei­det kla­re Aus­sa­gen, bleibt im Unge­fäh­ren, ver­wei­gert sich in Debat­ten jeder Aus­ein­an­der­set­zung mit offe­nem Visier.

Nun ja. Ers­tens wur­de Kubit­schek bis dato kein ein­zi­ges Mal zu einer öffent­li­chen Debat­te zuge­las­sen, und zwei­tens kann man bei­spiels­wei­se die­sem Text Kubit­scheks (der für das The­ma der Podi­ums­dis­kus­si­on hochr­e­le­vant ist) zumin­dest eines mit Sicher­heit nicht vor­wer­fen – daß er kla­re Aus­sa­gen und das offe­ne Visier mei­det. Im Gegen­teil, ich ver­mu­te stark, daß es viel­mehr die Klar­heit der Aus­sa­gen und Gedan­ken ist, vor denen Lau­rin so pani­sche Angst hat. Abge­se­hen davon, wäre das alles noch lan­ge kein Grund, ihn aus einer Debat­te aus­zu­schlie­ßen. Unse­re Podi­en, Foren und Talk­shows sind bekannt­lich voll mit Schwa­fel­ba­ro­nen, die viel Dampf ver­brei­ten und “kla­re Aus­sa­gen meiden”.

Oder es han­delt sich hier um den klas­si­schen Zir­kel­schluß der Lin­ken, die in ihre eige­ne Fal­le tap­pen und davon aus­ge­hen, daß die Rech­ten ohne­hin nur “Mimi­kry” und ähn­li­ches betrei­ben: Kubit­schek sage nicht, was wir glau­ben, was er eigent­lich sagen will oder was wir von ihm hören wol­len oder kapie­ren kön­nen, son­dern etwas ande­res, das wir nicht hören, nicht glau­ben und nicht kapie­ren wol­len oder kön­nen, ergo rede er nicht “mit offe­nem Visier”.

Wie gesagt han­delt es sich hier um ein Mus­ter, das wir in Mit Lin­ken leben anhand des Büch­leins Auf­ste­hen, nicht weg­du­cken von Hei­ko Maas behan­delt haben (schon der Titel ist ein Fall von LSG): “Um der demo­kra­ti­schen Debat­ten­kul­tur zu scha­den”, so Maas,

wür­den »die Rechts­po­pu­lis­ten in Sachen Kom­mu­ni­ka­ti­on zwei­glei­sig vor­ge­hen«: einer­seits durch »Gesprächs­ver­wei­ge­rung« (z.B. in Dres­den und anders­wo grund­los »Volks­ver­rä­ter!« rufen), ande­rer­seits wür­den sie sich teuf­li­scher­wei­se in den »Sys­temm­edi­en« und deren »Dis­kus­si­ons­fo­ren « breit­ma­chen, wie etwa diver­se »AfD-Funk­tio­nä­re«, die in Mas­sen »in die Talk­shows drän­gen«. Mit ande­ren Wor­ten: Schlimm ist nicht nur, daß Rechts­po­pu­lis­ten die Dis­kus­si­on ver­wei­gern, schlimm ist auch ins­be­son­de­re, daß sie an der Dis­kus­si­on teil­neh­men wollen.

Das Mus­ter wird einem beim Leben mit Lin­ken immer wie­der begeg­nen. Ein Bei­spiel aus dem Mate­ri­al­fundus zu unse­rem Buch: Ein Leser der Sezes­si­on bot einer Per­son aus sei­nem Bekann­ten­kreis, die mit ihm ein “Pro­blem” hat­te, weil sie “das Pri­va­te und das Poli­ti­sche nicht tren­nen” (also sei­ne blo­ße Anwe­sen­heit nicht ertra­gen) konn­te, per E‑Mail ein offe­nes, klä­ren­des Gespräch an. Nach­dem ihm die­se lang und breit aus­ge­führt hat­te, war­um sie das ableh­ne, schloß sie ihre Ant­wort mit den Worten:

Wir wer­den uns sowie­so nicht mehr viel über den Weg lau­fen, weil du Gesprä­che und Kon­fron­ta­tio­nen, die dich im “Bekann­ten­kreis” erwar­ten wür­den, ohne­hin als lin­ke Pest anti­zi­pierst und die­se letzt­end­lich scheust, aber wenn dir doch danach ist, meld’ dich…

Was er ja eben gemacht hat­te. Auch hier: Per­for­ma­ti­ver Wider­spruch und Pro­jek­ti­on des eige­nen Ver­hal­tens reins­ten Wassers.

Im Grun­de könn­te Lau­rin ehr­lich sein, und es dabei belas­sen, zu sagen: Ich will nicht mit Kubit­schek dis­ku­tie­ren, und will nicht, daß über­haupt jemand mit ihm dis­ku­tiert, ich will, daß er der Paria bleibt und ich das Kas­ten­mit­glied, aus dem ein­fa­chen Grund, weil er ein Rech­ter ist und ich als Lin­ker die Dis­kur­s­ho­heit behal­ten will. Das wäre aller­dings etwas dürf­tig und durch­sich­tig, und dar­um muß er hin­zu­dich­ten, daß Kubit­schek ohne­hin nicht dis­ku­tie­ren will und kann.

Noch ein Bei­spiel für das LSG lie­fert Lau­rin. “Die Hys­te­rie ersetzt zuneh­mend das nüch­ter­ne Den­ken”, schreibt er, wäh­rend sein eige­ner Text vor Hys­te­rie und Angst­schweiß gera­de­zu stinkt: Angst nicht nur vor der schreck­li­chen, apo­ka­lyp­ti­schen Gefahr für “Auf­klä­rung und Moder­ne”, die durch die Rech­ten und ande­re droht, aus deren “Über­zeu­gung im End­ziel die Ver­nich­tung des ande­ren her­vor­ge­hen muß” (LSG?), son­dern wohl auch vor rhe­to­ri­scher und argu­men­ta­ti­ver Unter­le­gen­heit, vor der dro­hen­den öffent­li­chen Blö­ße durch Kubit­scheks angeb­lich nur “ver­meint­li­che” Wort­ge­walt, die er sich klein­re­den muß, mit ande­ren Wor­ten vor der ech­ten offe­nen Aus­ein­an­der­set­zung und dem wirk­lich har­ten Streit.

Aber weil er das nicht zuge­ben kann, muß er sein eige­nes, per­for­ma­tiv mani­fest gewor­de­nes “Pud­ding­haf­tes” auf Kubit­schek pro­ji­zie­ren und sein “Aus­wei­chen” zum heroi­schen Wider­stands­akt sti­li­sie­ren. Debat­ten­ver­wei­ge­rung wird zum A und O des Bür­ger­kriegs, damit die Rot­front regie­ren kann. Lin­ke Dis­kur­s­ho­heit durch Mund­tot­ma­chen, Stig­ma­ti­sie­ren und Aus­schal­tung der Kon­kur­renz. Nichts ande­res haben wir Rech­ten immer schon gesagt.

An die­ser Stel­le wird sein Text unfrei­wil­lig komisch, sei­ne Ver­bis­sen­heit pathe­tisch. Schon die blo­ße Ein­wil­li­gung zu einer, keuch, Podi­ums­dis­kus­si­on käme für ihn einem Water­loo oder Sta­lin­grad, einer “Kapi­tu­la­ti­on”, dem Ende der Demo­kra­tie, dem Sin­ken “der Fah­ne vor dem Feind in den Staub”, “einem Gewinn” der Rech­ten “im Raum­kampf” gleich, ohne daß Kubit­schek “sich dafür wenigs­tens in eine Aus­ein­an­der­set­zung bege­ben müss­te.” Na, die­se Aus­ein­an­der­set­zung hät­te Lau­rin ihm ja lie­fern kön­nen und ihm zei­gen, wer hier der Pud­ding oder Paria ist. Die Chan­ce hat er ver­tan. Gro­ßes Ver­trau­en scheint der Kämp­fer für Demo­kra­tie und Auf­klä­rung ja nicht in sei­ne Argu­men­te gehabt zu haben. Kapi­tu­la­ti­on ist ihm angeb­lich ein Fremd­wort, aber die Schlacht ver­wei­gert er.

Lau­rin wider­spricht unse­rem alten Freund Per Leo, der uns Rech­te ins­ge­samt als eher harm- und sub­stanz­los darstellt:

Kei­ne Idee, kein Pro­blem­be­wußt­sein, kei­ne Ana­ly­se. Kei­ne Schär­fe, weder im Schrei­ben noch im Auf­tre­ten. Nur das nebu­lö­se Gere­de von der Bedro­hung des eige­nen Volkes …

Was ich übri­gens für rei­ne Tak­tik hal­te: Leo schreibt hier wider sein bes­se­res Wis­sen. Er ist der Show­man einer Num­mer, die ihm dank­bar von jenen abge­kauft wur­de, die sie zu ihrer Beru­hi­gung nötig hat­ten; er hat sich damit aller­dings auch in einer bestimm­ten Rol­le ein­ge­sperrt und eine Men­ge Feind­se­lig­keit von links ein­ge­brockt. Aber er ist wohl ernst­haft der Mei­nung, daß man der Rech­ten am effek­tivs­ten den Wind aus den Segeln neh­men kann, wenn man sie igno­riert und ihre ver­meint­li­chen “Pro­vo­ka­tio­nen” ins Lee­re lau­fen läßt.

Dem wider­spricht Laurin:

Es stimmt nicht, wenn Leo und sei­ne Mit­au­toren schrei­ben „Sie müs­sen, um als Rech­te zu exis­tie­ren, gegen uns reden.“ Eine sol­che mit Ego­zen­trik gepaar­te Hybris ver­kennt, dass es im Kern die Ideen der Rech­ten sind, die zuneh­mend die gesell­schaft­li­che Debat­te bestim­men. Aus dem völ­ki­schen Den­ken ent­wi­ckel­te sich gegen Ende der sech­zi­ger Jah­re die Idee des Eth­nop­lu­ra­lis­mus. Sie ist der ideel­le Kern einer immer popu­lä­rer wer­den­den Iden­ti­täts­po­li­tik, die Men­schen nicht mehr als Indi­vi­du­en mit den­sel­ben Rech­ten sieht, wie es die Erklä­rung der Men­schen­rech­te beschreibt, son­dern als Teil von Grup­pen, Eth­ni­en, Kul­tu­ren oder Reli­gio­nen. Nein, die Rech­ten haben es nicht nötig, gegen das von Leo ima­gi­nier­te „uns“ zu reden, um zu exis­tie­ren. Ihre Vor­stel­lun­gen sind wirk­mäch­tig und gewin­nen an Einfluss.

Dem stim­me ich im wesent­li­chen zu, aller­dings, wohl nicht über­ra­schend, mit einer durch­aus ande­ren Bewer­tung und Per­spek­ti­ve. Wir sind heu­te die Zeu­gen des Zusam­men­bruchs uni­ver­sa­lis­ti­scher Uto­pien und Expe­ri­men­te vol­ler fal­scher Ver­spre­chen, die sich irre­füh­ren­der­wei­se als “Auf­klä­rung” aus­ge­ben und denen, um die Wor­te Laurins zu benut­zen, “jede fak­ti­sche Grund­la­ge fehlt”. Wer die­sen Uto­pien und Ver­spre­chen anhängt, und zuneh­mend die kogni­ti­ve Dis­so­nanz ver­spürt, die sie erzeu­gen, wird natur­ge­mäß Angst haben.

Das rech­te Den­ken ist nicht “apo­ka­lyp­tisch”, son­dern rea­lis­tisch. Die Lin­ke will das nicht wahr­ha­ben, und spielt dar­um mit der Rech­ten “Ich seh etwas, was du nicht siehst”. Nicht die Rech­ten “haben die Kri­se her­auf­be­schwo­ren”, son­dern die Anhän­ger und Betrei­ber der uni­ver­sa­lis­ti­schen Uto­pien und “his­to­risch ein­zig­ar­ti­gen” Expe­ri­men­te, die nun unsanft aus ihren Träu­men erwa­chen. Sie ern­ten die Quit­tung für das, was sie selbst gesät haben. Die Rech­ten sind die Über­brin­ger der schlech­ten Nach­richt und die­nen ihnen als Sün­den­bö­cke für ihr eige­nes Versagen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (29)

Franz Bettinger

25. Februar 2019 09:17

Diesem Laurin ist, wie er schreibt, "Kapitulation gänzlich fremd". Und deshalb zieht er nicht in die Schlacht gegen Götz Kubitschek? Das ist schon ein Brüller. Auf so etwas Verdrehtes muss man erst mal kommen. Wenigstens hat der Salonkolumnist erkannt, dass er es wirklich mit einem Feind zu tun hat. Einen Gegner könnte er kaufen, Feinde nicht. Gegen Feinde muss man siegen oder untergehen. Und deshalb ist es klug für diesen Linken davonzulaufen. Laurins Heil liegt in der Ferne, aus der er stänkernd den Starken markieren kann; nicht im Kampf der Worte und Argumente; so viel kapiert hat dieser Bonhomme. - "Wir Linken sind es erst, die den Rechten unfreiwillig zu Kontur verhelfen. Statt sie in ihrer Unschärfe zu zeigen oder sie zu zwingen, die eigene Position zu schärfen, ersparen wir uns und ihnen zu oft diese Mühe, indem wir scharfe Grenzen gegen sie ziehen." Nein, uns Rechten zur Kontur verhelfen, tut ihr, wenn ihr weglauft! Damit zeigt ihr den Unterschied auf zwischen uns Rechten und Euch Linken! Was für eine Un-Logik und Rechtfertigungs-Suada Laurin da absondert! Zum Totlachen, wer dafür noch Humor aufbringen kann.

quarz

25. Februar 2019 09:53

Die Diskursverweigerung ist das Eine. Wenn es denn aber doch zum Diskurs kommt, dann greift Plan B der Strategie: die Weigerung, den Gegner beim Wort zu nehmen. Spielt der Rechte nicht die ihm zugedachte Rolle als Klischee-Bösewicht mit ganz bestimmten Merkmalen, Ansichten und Motiven, sondern äußert Dinge, die dem Publikum irgendwie plausibel vorkommen könnten, dann verstellt er sich. Und es wird zur dringlichsten Aufgabe des linken Aufklärungshelden, ihm die Larve vom Gesicht zu reißen und Letzteres zur Kenntlichkeit zu entstellen. Wenig anderes trägt so sehr zur Nervosität von Kolumnisten im Wächteramt bei wie der Verdacht, rechte Positionen könnten unter der trügerischen Rede ihrer Proponenten beim schlichten Volk in den Ruf der Plausibilität geraten. Da hat sich der Floskelschrank bereits mit einschlägigem Vokabular zur Beschreibung der Gefahr gefüllt. Der Rechte habe "Kreide gefressen" und er verwende "Codewörter" und es wird ihm als besondere Verschärfung seiner ohnehin schon menschenverachtenden Schurkerei angerechnet, dass er diese durch sein scheinbar vernünftiges Reden der Kenntlichkeit entzieht. Aber da hat er die Rechnung ohne den Restle und seine wackeren Mitstreiter im medialen Gastwirtgewerbe gemacht. Sie werden schon dafür sorgen, dass alles, aber auch restlos alles, was der Gegner in Wort und Schrift äußert, äußern wird und äußern könnte, als Beleg für die Falschheit seiner Thesen, die Niedrigkeit seiner Gesinnung und die Niedertracht seines Strebens gewertet werden kann. Die Generalstrategie des linken Framing-Manuals ist die Nichtfalsifizierbarkeit des eigenen Standpunktes.

Niekisch

25. Februar 2019 10:38

Sich mit diesen Laurins an einen Tisch setzen bringt nichts. Die zerreden und verdrehen eh alles. Angriff ist besser: Viele, viele Veranstaltungen eignen sich zu Wortergreifung und Protest. Und wenns dann mal auf die Mütze gibt: das überlebt man meistens.

Fritz

25. Februar 2019 11:50

Das eigenartige Phänomen, dass man einerseits fordert, die Rechten zu "stellen" und ihnen argumentativ entgegen zu treten und andererseist bestrebt ist, möglichst jedes Aufeinandertreffen mit ihnen zu vermeiden, ist mir auch schon aufgefallen.

Der Gehenkte

25. Februar 2019 11:58

Eine saubere Analyse einer wenig sauberen Denunziation. Verdrießlich daran ist, daß die Laurins dieser Welt noch immer bestimmen können, wer dem allgemeinen Publikum etwas zu sagen hat und wer nicht.

Es bleibt also die Kardinalfrage offen: Wie gelingt es uns, diese Podien zu erklimmen. Ich halte das für essentiell, denn solange die Laurins Torwächter bleiben, ist der rechten Hälfte der Vernunft der Weg in die Öffentlichkeit verwehrt und erst auf dieser Grundlage kann man Strohmänner wie "Rechtsextremismus" oder "nicht auf der Grundlage des GG stehend" u.ä. aufbauen. Laurin hat ja insofern recht, als daß diese Pappkameraden schnell zusammenklappen würden, fände die öffentliche Debatte statt. Er muß es also ablehnen.

Daher bleibt die Aufgabe bestehen: Der Gegner muß uns kennenlernen, dann werden viele in seinen Reihen die Fronten wechseln oder aber die Verlogenheit der eigenen Protagonisten erkennen. Dieser Teufelskreis muß durchbrochen werden, weshalb ich auch nicht viel von "Man kann mit denen nicht reden" halte. Mag sein, daß dem so ist - aber man muß es trotzdem immer wieder probieren! Dort zumindest, wo es sinnvoll erscheint.

All das auf der Grundlage: "Das rechte Denken ist nicht "apokalyptisch", sondern realistisch." Unser größter Trumpf!

Niekisch

25. Februar 2019 12:20

"andererseits bestrebt ist, möglichst jedes Aufeinandertreffen mit ihnen zu vermeiden"

@ Fritz 11:50: das ist praktische Dialektik, zu theoretischer sind die nicht mehr fähig.

Gotlandfahrer

25. Februar 2019 12:25

Hochgeschätzter ML,
das mit der Projektion bei Linken und auch all das andere halte ich für richtig und hervorragend zusammengefasst.

Es erklärt aber alles nicht die Dynamik des Prozesses, in dem wir uns bewegen. Denn die genetische Disposition und Verteilung von Eigenschaften dürfte sich nicht geändert haben, die Entkopplung von Haltung und Lebenswirklichkeit aber schon.

Aus meiner Sicht stellt sich im erreichten Transaktionskostenstadium unserer Gesellschaft die Frage, ob der Mensch tatsächlich über seine geistigen Mittel frei verfügen kann, oder ob wir nicht doch der Energieeffizienz folgende Endstücke eines Systems "Mensch" sind, das sich nicht um barocke Altstädte und kultiviertes Benehmen schert. Unter Umständen sind wir "Neurechten" die Anomalie, da wir uns dem zyklischen Zug zum Chaos widersetzen. Oder auch diese Anomalie gehört dazu, einfach weil sie Ausdruck der evolutorisch herausgespielten Ordnungsfähigkeit eines sich aus dem Strom der Unordnung windenden Schreies nach Existenz ist.

In jedem Falle habe ich soeben Herrn Laurin folgenden Kommentar geschrieben, mal schauen ob es dort veröffentlicht wird:

Werter Herr Laurin,
Ihr Brief ist hoch interessant, da sich an ihm herauskristallisiert, wie Wahrnehmung, Kommunikation und Feedback in menschlichen Gruppen - trotz objektiver Selbstwidersprüchlichkeiten im Aussagensystem - zu trügerischen Wahrheitsübereinkünften führt. Vereinfacht: Groupthink.

Je nach Zustand des Systems kann dies dann zu historisch gut belegten, immer wieder auftauchenden Massenhysterien und „Räuschen“ führen. Meiner Vermutung nach geschieht dies dann nicht trotz, sondern sogar allein aufgrund der menschlichen Fähigkeit zu abstraktem Denken. Mir ist neulich dafür der Begriff „Intelligenzinduzierter Illusionismus“ in den Sinn gekommen, der mir geeignet erscheint, um das Phänomen zusammenzufassen.

Ein Kennzeichen für die dem Rausch vorangehende, komplexe Wechselwirkung ist stets, dass ein hoch erregter Teil der Gruppe sich selbst dazu aufgerufen fühlt, andere Teile der Gruppe dazu aufzurufen, gegen das absolut Böse „tätig“ zu werden. Der Kipp-Punkt hin zum Rausch ist dann erreicht, wenn diejenigen, die den öffentlichen Diskurs beherrschen (und der Diskurs wird kontrolliert, selektiert, organisiert und kanalisiert, vertrauen Sie da ganz auf Foucault), nach schrittweise erreichter Homogenisierung ihres umgebenden Referenzsystems, nur noch in einem monodirektionalen Nachahmungswettbewerb „punkten“ können. Dann schwillt der „Gesang“ in der Mehrheits-Filterblase derart an, dass die Erregung auf alle, die nicht nicht dabei sein wollen oder können, überschwappt.

Daher sind Aussagen wie „Wir sind mehr“ oder „Wir sind 87%“ ein verlässlicher, beunruhigender Indikator dafür, dass ein solcher Punkt erneut nahe bevorsteht.

Was hat das jetzt mit Ihrem Brief zu tun?

Ganz einfach: Ihr Eifer, mit dem Sie hier aufgrund einer drohenden Untat zu einem Handeln auffordern („lassen Sie es“), steht, soweit werden Sie mir zustimmen können, ganz und gar im Einklang mit der aktuell, sagen wir: „mehrheitsfähigen“ „Haltung“.

Gerade Sie, der Sie sich so ausdrucksstark auf die Aufklärung beziehen, werden wissen, dass Aufklärung zunächst und vor allem die Befreiung von Alternativlosigkeit war. Und zwar durch Einführung des Zweifels als Mittel des kontinuierlichen Tests der eigenen Hypothesen. Sie werden ebenfalls wissen, dass Fortschritt nie von „der Mehrheit“ erdacht oder erreicht wurde, sondern von Individuen und Minderheiten. Und dass diese sehr oft dafür zunächst als Spinner, Außenseiter, ggf. sogar als „gefährlich“ bezeichnet wurden, insbesondere immer dann, wenn deren Ideen denen, die den Diskurs beherrschten, nicht dienlich erschienen.

Nun gehört es ebenso zum Phänomen des Rausches, dass sich die in ihm Getriebenen nie als Teil eines solchen empfinden, sondern sich stets in bester Absicht handelnd wähnen. Das macht die besondere Schwierigkeit unserer derzeitigen Situation aus, denn wenn es nun mal keinen objektiven Beobachter zweiten Grades geben kann, der ein akzeptiertes Urteil fällt, wie soll dann noch vermittelt werden können, wenn mindestens eine von zwei Seiten diesem Rausch verfallen ist? Die dem Rausch Verfallenen werden stets darauf hinweisen, dass sie es gerade nicht sind, sondern die anderen, die die Voraussetzungen eines Diskurses nicht mehr erfüllen.

Es ist die Tragik der menschlichen Intelligenz, dass sie noch keinen Weg gefunden hat, sich selbst auf den Zustand eines Rausches zu testen. Dabei gibt es geeignete Indikatoren.
Einer ist zum Beispiel die Prüfung der eigenen (eben „mehrheitsfähigen“) Rede auf Merkmale der Projektion. Lesen Sie bitte einmal Ihren Text aus der Sicht eines völlig Unbeteiligten, sagen wir aus Sicht eines Außerirdischen, der weder der einen noch der anderen Seite zuneigt.

Was wird der Außerirdische über Sie denken, wenn er einige historische Eckpunkte der deutschen Geschichte kennt und dann zum Beispiel Ihre folgenden Passagen liest:

„Demokraten dürfen nie kapitulieren. Ein solches Handeln ist als schändlich zu bezeichnen. Da mir der Gedanke an Kapitulation gänzlich fremd ist, habe ich nicht vor, mich an einer solchen zu beteiligen, auch wenn Sie es sind, die die Fahne vor dem Feind in den Staub sinken lassen.“

Nun bin ich kein Außeririscher, aber ich unterstelle, ein solcher würde sich an die Rhetorik einer einschlägig bekannten Geisteshaltung erinnert fühlen, die Sie ja gerade als das, was es zu bekämpfen gilt, herausstellen.

In der Psychologie nennt man dies - von Schulen unabhängig - Projektion: Projektion ist ein Abwehrmechanismus. Der Begriff Projektion umfasst das Übertragen und Verlagern eines innerpsychischen Konfliktes durch die Abbildung eigener Emotionen, Affekte, Wünsche und Impulse, die im Widerspruch zu eigenen und/oder gesellschaftlichen Normen stehen können, auf andere Personen, Menschengruppen, Lebewesen oder Objekte der Außenwelt.

Ich möchte Sie damit nicht pathologisieren, nur einen Hinweis darauf geben, dass Sie sich fragen sollten, von welcher Art innerem Gefühl Sie tatsächlich beseelt sind.

Denn auch folgendes könnten Sie wissen – und wenn nicht, machen Sie sich bitte zügig damit vertraut: Nicht unsere Intelligenz und Rationalität bestimmt unser Denken und Handeln, sondern unsere Intuitionen. Je intelligenter wir sind, desto überzeugender können wir diese nur anderen und uns selbst gegenüber verargumentieren. Und ich halte Sie für sehr intelligent.

Ein weiterer Indikator, den man zur Selbstprüfung betrachten kann, um festzustellen, wie weit man Teil eines Rausches geworden ist, ist die Isolierung eines einzelnen Zielkriteriums als alle anderen „übertrumpfendes“.
Denn wenn Sie schreiben:

„Sie (die Idee des Ethnopluralismus) ist der ideelle Kern einer immer populärer werdenden Identitätspolitik, die Menschen nicht mehr als Individuen mit denselben Rechten sieht, wie es die Erklärung der Menschenrechte beschreibt, sondern als Teil von Gruppen, Ethnien, Kulturen oder Religionen.“

Dann möchte ich zunächst Sie selbst bemühen:
„Man mag das als Kinderei abtun, im Kern ist es jedoch nichts anderes als eine Abkehr von der Aufklärung.“

Denn Sie zeigen zwar ein beachtliches Vermögen in abstraktem Denken, täuschen sich mit Ihrem gefühlt naheliegenden Schluss aber darüber hinweg, dass es selbstverständlich immer mehrdimensionale Abhängigkeiten sind, die einen lebensweltlichen Zusammenhang kennzeichnen. Ihr Wunsch, die Erklärung der Menschenrechte (die im Übrigen selbst sehr differenziert ausfallen, und nicht für ein „passt immer“ geeignet sind) als Erst- und Letztbegründung für vollständige Unerheblichkeit der menschlichen Eingebundenheit in Gruppen, Ethnien, Kulturen oder Religionen heranzuziehen, ist Ausdruck des Strukturwunsches in einer Zeit, in der der „Poststrukturalismus“ Strukturen als solche nicht mehr gültig sein lassen will. Während die Strukturen, die uns sein ließen, aber komplexe, mehrdimensionale sind, ersetzen Sie diese nach dem Schleifen durch eine schöngeistige Leitlinie. Diese ist so schön, dass ihr niemand widersprechen mag, aber eben auch zu schön, um mit ihr etwas konkret anfangen zu können, außer eben zum Abtrag all dessen, was zum Beispiel auch Sie in die Lage versetzt hat, einen Brief an die „Studienstiftung des deutschen Volkes“ zu richten.

Ihr Ideal ist es, die Welt zu einer Fläche zu machen, die wie der Straßenverkehr nach einem Satz von Ordnungsregeln „gemanagt“ wird. Kriegste halt ein Ticket, wennde zu schnell fährst. Aber so funktioniert Welt nicht.

Nichts Anderes trägt, so wie ich es sehe, ein Herr Kubitschek vor. Alles andere ist dumme und/oder böswillige Unterstellung.

Andere dazu aufzufordern, der einzigen Opposition im Lande keine Bühne zu bieten ist dumm. Sie sind nicht dumm. Lassen Sie es.

Laurenz

25. Februar 2019 14:42

Ist es wirklich sinnvoll, dem linken Zwerg diese Aufmerksamkeit zu schenken, auch wenn diese Aufmerksamkeit brillant verbrieft ist? Im Angesicht des Kubitschek-Artikels "Die Selbsterdrosselung der „Zivilgesellschaft“", erscheint mir die logische Essenz wie "die Sonne geht im Osten auf". Nichts gegen das LSG, wobei dieses Gesetz wohl schon zur Zeit des Königs Gilgamesch gültig war. Mordete, wenn ich mich recht erinnere, nicht auch Gilgamesch, wie Alexander der Große, seinen besten Freund? Bereits früher mutmaßte ich, daß zu öffentlichen Auftritten ein gewisser Narzißmus, ein zumindest beschränkter Hang zum Exhibitionismus nötig sei, das betrifft wohl alle Menschen, egal welcher politischen oder kulturellen Couleur und kommt auch bei den Charakteren von Tieren vor.

Was die Intelligenz der Selbsterkenntnis angeht, so wählte Karl Lagerfeld seine private Einsamkeit selbst, weil Ihm fast niemand gut genug war, trotz oder gar wegen Seiner medialen Größe? Ich selbst bin ein Klugscheißer und Rechthaber und entstamme einer Familie von Klugscheißern und Rechthabern in unterschiedlichen Graden der Intensität. Der Unterschied zu meiner Familie ist, daß ich ob dieses Umstands weiß. Macht mich dieser Erkenntnisgewinn jetzt intelligenter oder besser? Zugegeben, in Konflikten mit meinem sozialen Umfeld, gelingt es mir ab und an, gemäß Castaneda, welcher mich erst auf die Tatsache meiner Klugscheißerei/Rechthaberei hingewiesen hatte, meinen eigenen Charakter zu umgehen und zu erkennen, daß hin und wieder auch andere, z.B. andere Foristen auf SiN, Recht haben und klugscheißen dürfen.

Ich bin Carlos Castaneda daher tiefen Dank schuldig, weil ich Ihm das nie sagen konnte, aber immerhin hatte ich seine Bücher bezahlt. Und wenn wir das, was Herr Lichtmesz hier trefflich beschrieben hat, auf alle verallgemeinern würden, bleibt nur die Logik und das bessere Argument, wenn wir uns im Disput befinden, insoweit es dazu überhaupt kommt. Da es sich bei Linken um den Erfolg beim Verkauf einer Zivilreligion handelt, stehen dem linken Hirten, die oppositionellen Rechten als Vertreter der rationalen Machbarkeit gegenüber. Es kann daher nur eine historisch traditionelle Verteufelung der rechten Ketzer geben, alternativlos.

Ist die Wahrscheinlichkeit nicht doch recht hoch, als im letzten Artikel von Frau Kositza, "Das war's. Diesmal mit: rechten Frauen und linken Männern", als Frau Kositza im Urlaub eine Kirche zum Gebet suchte und keine fand, mindestens ein Kind ein "Dankgebet" gegenüber dem gnädigen Schicksal gen Himmel stieß und lieber dem "Heidenspaß" gefrönt hätte?

Der_Juergen

25. Februar 2019 16:20

Ich protestiere! Ich protestiere ganz entschieden! Zwar mag ich den Stefan Laurin gar nicht, aber ich finde es geradezu niederträchtig, ihn dermassen zu verhöhnen. Schliesslich ist nicht jeder Leser intelligent genug, um auf Anhieb zu erkennen, dass das eine heimtückische und boshafte Satire ist, mit einem fiktiven Laurin-Text aus irgendeiner Zeitung als traurigem Höhepunkt.

Nein, lieber Lichtmesz, so geht das nicht! Sie haben das Recht, Laurin zu kritisieren, scharf sogar, aber Sie haben nicht das Recht, ihn in einer Satire, die die wenigsten Leser als solche durchschauen können, als Volltrottel darzustellen! Auch dogmatische Linke besitzen ein Recht auf Schutz vor solch perfider Verspottung.

RMH

25. Februar 2019 16:25

Lichtmesz trifft den Nagel wieder auf den Kopf - sein Bemühen, dass es auch noch der letzte kapiert, lässt den Artikel zwar etwas ausufern, aber solchen Jammer-, Rechtfertigungs- und Zirkelschlusslinken wie dem Herrn Laurin sei doch empfohlen, sich einmal ernsthaft mit dem letzten real existierenden Sozialismus zu beschäftigten, denn dort war man deutlich weiter und konsequenter, was das Thema Diskursverweigerung anging. So lies man den Oktoberklub artig einflößend singen:

"Und ich lernte: Die uns hassen, sind nicht plötzlich unser Freund. Auch wenn wir sie loben lassen, was uns trennt, sie sind uns feind. Und ich lernte aufzupassen." (Aus dem Lied "Ich bin wie alle blindgeboren").

LotNemez

25. Februar 2019 17:14

Spielt hier jemand Schach?
Die schwache, zirkelschlüssige Argumentation der Laurin-Linken erinnert mitunter an ein immer hilfloseres Hin-und-Hergeschiebe ihres Königs, welcher seinerseits von einem nervösen Springer und ein paar schwachen Bauern dürftig gedeckt wird.

Erst fällt die Dominanz über den Gegner, dann die eigene, verschränkte Deckung, dann folgt die Verdrängung aus der Mitte, dann beginnt das große Schlagen und Jagen.
Sprich: Erst bröckelt die Überlegenheit des Arguments, dann schwindet die Rückendeckung für das Scheinargument, dann fällt die Diskurshoheit, dann muss nach und nach aufgesteckt werden.

Dem schwächeren (teilweise auch unglücklicheren) Spieler schwant früh, dass die Situation zu den eigenen Ungunsten kippt; und zwar bereits einige Züge bevor sich der Gegner seiner Überlegenheit bewußt wird.

Er könnte jetzt aufgeben, aber Ergeiz und Scham, vielleicht Alternativlosigkeit, vielleicht die Sitten des Spiels, nötigen ihn zum Weitermachen.

Insofern regt sich der Verdacht, dass hier jemand tatsächlich bereits seiner Niederlage entgegenbangt, mit der leisen Hoffnung, die Umstehenden würden seinen Angstschweiß nicht riechen. Dabei noch schlüssig zu denken (vom Schlagabtausch mit offenem Visier ganz zu schweigen) - durchaus eine hohe, für Laurin zu hohe Kunst.

Atz

25. Februar 2019 18:22

Ungarn macht Sozialpolitik, nimmt Kohle in die Hand um die systematische Benachteiligung von Ehepaaren mit Kindern im Land abzumildern.

Linky: Orban will die Wurfprämie!! Frauenrechte sind ihm s*egal.

Brain: Das klingt aber echt menschenverachtend. Das finde ich voll Moppelkotze.

Linky: Mich schckiert das total aber das ist eben die Politik von Orban, der die Menschenwürde und die Rechte der Frauen mit Füßen tritt. Gegen die Politik dieses autokratischen Antisemiten müssen wir aufstehen. Kein Fuß breit für Orban!!

usw.

Ich sehe da bei Laurin noch was anderes am Werk: Nach meiner Erziehung spricht man miteinander und gegeneinander, nicht schlecht über jemanden der nicht da ist. Wenn jemand schon so diese Bereitschaft hat, dem Diskurs auszuweichen, aber dann doch über denjenigen exzessiv zu reden, dann ist da was faul. Wo ist denn da das "offene Visier"?

Franz Bettinger

25. Februar 2019 18:45

@Laurenz: Sie schreiben: "Ich bin ein Klugscheißer und Rechthaber und ich entstamme einer Familie ebensolcher. Ich weiß um diese Tatsache. Macht mich diese Erkenntnis nun intelligenter oder besser?"

Eindeutig Ja, es macht Sie intelligenter. Ob es Sie besser macht? - Jedenfalls gehören Sie zu den wenigen, die ihr Erkenntnisorgan (das Gehirn) nicht verkümmern lassen, sondern es fordern und es dadurch zu einem der Evolution vielleicht einmal dienlichen Instrument schleifen. Ich selbst empfinde geradezu eine Lust, mit wirklich geistig offenen Menschen reden zu können, erst recht wenn diese gebildet und intelligent sind, was, der Seltenheit dieser Spezies geschuldet, äußerst selten vorkommt. Manchmal treffe ich solche Menschen auf SiN, manchmal lernt man sich sogar persönlich kennen, manchmal wird man durch ein Treffen gar glücklicher - und manchmal sogar besser. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, nicht wahr.

Franz Bettinger

25. Februar 2019 18:51

Ich glaube, der phänomenale Schönhuber-Auftritt in Gottschalks Late Night Show 1992 war der Linken bzw. Deep State eine Lehre, die sie nie vergessen und aus der sie (leider) gelernt haben, sich nicht öffentlich und fair mit denen anzulegen, die das System durchschaut und recht haben und deshalb Rechts sind.

LotNemez

25. Februar 2019 19:15

@Laurenz
"Zugegeben, in Konflikten mit meinem sozialen Umfeld, gelingt es mir ab und an, gemäß Castaneda, welcher mich erst auf die Tatsache meiner Klugscheißerei/Rechthaberei hingewiesen hatte, meinen eigenen Charakter zu umgehen und zu erkennen, daß hin und wieder auch andere, z.B. andere Foristen auf SiN, Recht haben und klugscheißen dürfen."

Ich bin (fast) sprachlos. Sie machen ihrem Ruf als "echter Ketzer" (O-Ton eines Foristen) alle Ehre, indem Sie hier am eigenen Beispiel!! einen blinden Fleck ansprechen, den wir gern und zu Recht dem Gegner attestieren, der aber tendenziell jeden Diskursteilnehmer und unser Lager im Ganzen spätestens dann betrifft, wenn sich uns die Opportunisten anschließen und es um Teilhabe am "sozialen Kapital" (Bourdieu) geht - eine Revolution ist nicht das Umwerfen des gesamten Spieltisches, mit ihr vollzieht sich lediglich eine Neubewertung der Spielchips. Auch die Konservative Revolution wird diesem Gesetz unterworfen sein.

Zurück zu ihren Schlussfolgerungen aus der Lektüre Castanedas: Meinen Respekt für diese entwaffnende Ehrlichkeit. Und ich hatte schon halbwegs beschlossen, ihre Einträge (teilweise werden Sie doch sehr persönlich, nicht immer notwendigerweise) nicht mehr zu lesen. Wie gut, dass ich so inkonsequent bin.

Den besagten blinden Fleck beschreibt auch
@Gotlandfahrer, wie ich finde, äußerst treffend:
"Ein Kennzeichen für die dem Rausch vorangehende, komplexe Wechselwirkung ist stets, dass ein hoch erregter Teil der Gruppe sich selbst dazu aufgerufen fühlt, andere Teile der Gruppe dazu aufzurufen, gegen das absolut Böse „tätig“ zu werden. Der Kipp-Punkt hin zum Rausch ist dann erreicht, wenn diejenigen, die den öffentlichen Diskurs beherrschen (...), nach schrittweise erreichter Homogenisierung ihres umgebenden Referenzsystems, nur noch in einem monodirektionalen Nachahmungswettbewerb „punkten“ können. Dann schwillt der „Gesang“ in der Mehrheits-Filterblase derart an, dass die Erregung auf alle, die nicht nicht dabei sein wollen oder können, überschwappt."

Im Rausch zählt das Argument nicht mehr als solches, es gerät zur rituellen Litanei, zur Gesinnungsformel. Sollten wir diesen Kipppunkt noch nicht vollumfänglich erreicht haben, in dem eine kritische Masse in einen kollektiven Rauschzustand fällt - und ich glaube, das ist so - dann gilt es, weiterhin um das bessere Argument zu ringen, gilt also dies:

@Der Gehenkte:
"Daher bleibt die Aufgabe bestehen: Der Gegner muß uns kennenlernen, dann werden viele in seinen Reihen die Fronten wechseln oder aber die Verlogenheit der eigenen Protagonisten erkennen."

Frieda Helbig

25. Februar 2019 19:16

@Gotlandfahrer:
Wurde ja veröffentlicht inkl. "witziger" Antwort.

Der Kommentarbereich unter dem Originalartikel ist erheiternd: Auf die Frage, warum K. ein Rechtsradikaler sein, antwortet Laurin: "Völkisches Denken, damit hat sich die Sache erledigt." Mh, und was ist völkisches Denken, achja stimmt, rechtsradikal...noch Fragen? ;-)

RMH

25. Februar 2019 20:22

"Ich glaube, der phänomenale Schönhuber-Auftritt in Gottschalks Late Night Show 1992 war der Linken bzw. Deep State eine Lehre,"

@Bettinger,
Jörg Haider hatte aber auch seine starken Momente im deutschen TV, u.a. bei Böhme und einmal bei dem Küppersbusch, der jetzt nur noch hinter den Kulissen wirksam ist (lesson learned).

Laurenz

25. Februar 2019 21:04

@Franz .... Castaneda, oder besser, sein vielleicht virtueller Meister Don Juan, behauptet, unser Charakter sei weitestgehend festgelegt. Ist es nicht so, daß auch die Schulmedizin besagt, daß in den ersten 6 Lebensjahren unsere Persönlichkeit weitestgehend geprägt wird? Auch deswegen proklamierten wohl die Jesuiten: "Gib mir ein Kind die ersten sechs Lebensjahre und es gehört ein Leben lang der Kirche. (Und dann macht mit Ihnen, was ihr wollt.)"

@LotNemez ... ja, da haben Sie wohl Recht, ich werde auch im Falle des Falles persönlich. Ich habe nichts gegen das sehr deutsche Sprichwort über das Echo des Waldes :-)

ede

25. Februar 2019 23:58

Das LSG ist bewiesen, sehr hübsch.
Ich habe auch eins gefunden. Wenn man unsicher ist, was richtig oder falsch ist, muss man nur nachschauen, was die Grünen dazu sagen, das ist immer falsch.

Boreas

26. Februar 2019 10:40

Früher erkannte man die Irren daran, das sie irgendwann die Templer aus dem Hut zogen. Heute verweigern sie den Diskurs und regen sich auch noch darüber auf. Und vor allem: Keine guten Gesichter! Das hat schon Hans Blüher erkannt.

Waldgaenger aus Schwaben

26. Februar 2019 10:51

In der oberen Mitte der 80iger Jahre des letzten Jahrhunderts reiste ich öfters mit dem Auto über die DDR nach Polen.
Die Grenzer an der DDR-Westgrenze waren noch sehr dienstbeflissen. An der DDR-Ostgrenze schon deutlich entspannter und Polen tiefenentspannt. Die machten halt ihren Job und nicht mehr sein musste.

Linke C- und D-Promis wie dieser Laurin gleichen vielleicht diesen Grenzern. Man macht halt seinen Job. Auf Podiumsdiskussionen mit Gleichgesinnten ein paar auswendig gelernte Sätze runterspulen, aus Textbausteinen einen Artikel gegen Rechts zusammenschrauben, das ist relativ chillig. Aber eine Podiumsdiskussion mit echten Rechten?

Da müsste man ja ein paar Aufsätze lesen, vielleicht sogar Bücher. Und nicht nur lesen, sondern sogar auch verstehen.
Und nicht nur verstehen, sondern sogar auch darüber nachdenken. Und nicht nur darüber nachdenken, sondern sogar sich überlegen, was man auf das eine oder andere Argument erwidern sollte, wenn es käme.

Viel zu stressig. Lieber eine Begründung zusammen googlen, warum man Rechten kein Forum für ihre menschenverachtenden , völkischen, intoleranten Parolen bieten darf.

Vielleicht ist das eine Erklärung.

heinrichbrueck

26. Februar 2019 11:11

Unser Zwergenkönig ist im Krieg?
„Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.“ (Sunzi)
Seine Erziehung befindet sich im letzten Zustand, wie die ganze Nachkriegsrepublik in diese Richtung gefördert und gelenkt wurde. Hätte Rumpelstilzchen einen Butler gehabt, die solcherart erzogenen Handlanger eigneten sich hervorragend, den Namen zu verschleiern und der Königin das erste Kind zu rauben.

Monika

26. Februar 2019 11:50

Jungs, man muss diesen Text von Herrn Laurin nicht rannehmen, um an diesem das LSG zu verifizieren !!!
Das ist doch Pillepalle. Die entscheidene Stelle in Laurins Text ist doch folgende:

" Eine solche mit Egozentrik gepaarte Hybris verkennt, dass es im Kern die Ideen der Rechten sind, die zunehmend die gesellschaftliche Debatte bestimmen. Aus dem völkischen Denken entwickelte sich gegen Ende der sechziger Jahre die Idee des Ethnopluralismus. Sie ist der ideelle Kern einer immer populärer werdenden Identitätspolitik, die Menschen nicht mehr als Individuen mit denselben Rechten sieht, wie es die Erklärung der Menschenrechte beschreibt, sondern als Teil von Gruppen, Ethnien, Kulturen oder Religionen. Nein, die Rechten haben es nicht nötig, gegen das von Leo imaginierte „uns“ zu reden, um zu existieren. Ihre Vorstellungen sind wirkmächtig und gewinnen an Einfluss. Sie sind dabei, die Ideen der Aufklärung und die Moderne mit ihren Versprechen in die Defensive zu drängen."
Wenn dem so ist, dass ( gefährliche ?) rechte Ideen zunehmend die Debatte bestimmen, dann ist es ein sträflicher Leichtsinn der Linken, einer Diskussion auszuweichen ! Vertraut man plötzlich nicht mehr der eigenen moralischen Überlegenheit ?
Eine Absage aus Unsicherheit ? Das lässt tief blicken.
Indem die Linke sich intellektuell schont, schont sie allerdings auch die intellektuelle Rechte . Fazit:
mindestens gähnende Langeweile.....

Ostelbischer Junker

26. Februar 2019 21:27

,, Demokraten kapitulieren nie''

Stellt schon mal den Sekt im Führer^#*Innenbunker kalt, die Geächteten klopfen bald ans Tor.

Michael B.

27. Februar 2019 09:42

> Dass die Rechte dafür besonders anfällig sein KÖNNTE (These!), ist mutmaßlich in ihrem starken Bedürfnis nach Einigkeit begründet.

Das halte ich fuer ein Geruecht. Schildwaelle inklusive Selbstreinigungen mit extremem pH-Wert haben auch linke Parteien doch nun schon ueber lange Zeit wiederholt exerziert.

Rechte sind nicht bessere Menschen, das sollten sie sich nicht einbilden. Unter entsprechenden Umstaenden transformieren sie als Gruppe wie jede andere Gruppe auch. Die Gruppe als solche und das normierende Gruppendenken sind hier m.E. das Problem.

Ich persoenlich bin weder rechts noch links, die meisten solcher Kategorien charkterisieren meine Stellung in und meinen Blick auf die Welt einfach nicht passend. Und als Individuum gesehen, ist mir natuerlich die Fragilitaet dieses - individuellen - Zustands im Vergleich zu Gruppen sehr bewusst. Seien es tribale Strukturen wie die der hereinflutenden Goldstueckchen oder ideologische Gleichrichter auf unterirdischem Niveau wie die deutsche Zeitgeistgesellschaft, gegen die man immer umfangreicher gezwungen wird, anzutreten. Denn ich habe eigentlich Besseres zu tun.

Das ist uebrigens ein Punkt, den man viel oefter und staerker explizit machen sollte: Die meisten Leute gehen anderen Dingen nach als Politik, auch mit Herz und Verstand. Bei mir ist das eine berufliche Verbindung aus Wissenschaft und IT. Das fuellt eigentlich grosse Teile meines oeffentliches Leben der Interaktion mit der Gesellschaft, stattdessen muss ich mich mit politischem Unrat befassen, ueber den man schon einmal hinweg zu sein schien. Das haelt die mir wesentlichen Dinge auf bzw. wirft sie mittlerweile sogar in breiter Front zurueck. Das ist das Schmerzhafte und das wird letztlich extrem viel kosten.

Michael B.

27. Februar 2019 10:25

Ooops, wie bin ich denn in diesen thread gerutscht? Koennte man das in den Passenden verschieben (https://sezession.de/60261/die-afd-braucht-ein-starkes-umfeld)

heinrichbrueck

27. Februar 2019 10:31

@ Gotlandfahrer
Die Nummer mit dem Außerirdischen funktioniert nicht. Sie können als Mensch einen Außerirdischen nicht denken, es sei denn, der Außerirdische wäre auch ein Mensch. Sie könnten auch sagen, was würde ein hungriger Wolf denken, wenn er Laurin und Gotlandfahrer sieht. Frißt der Wolf Laurin, weil Gotlandfahrer der bessere Demokrat scheint? Sie müssen schon, ohne Hilfe des Außerirdischen, beweisen, ob Demokratie möglich ist.

Zooey

27. Februar 2019 22:06

Schwach ist doch, dass die Studienstiftung eingeknickt ist (wie ich anderswo lese, nicht allein wegen dem Laurin). Das ist doch keine Art - und dann mit dieser hanebüchenen Begründung, Kubitschek stehe nicht auf dem Boden des Grundgesetzes (blitzt da nicht die ungute Blut und Boden-Metaphorik auf?).

MartinHimstedt

27. Februar 2019 23:38

Am 5. Mai trifft nun Karlheinz Weißmann auf Jakob Augstein – und zwar auf Schloss Ettersburg. Einer von Augsteins Redakteuren hat seinen Unmut via facebook bereits kundgetan: Jakob Augstein (Zitat: "Refugees welcome") ist jetzt "Wasserträger der radikalen Rechten", der Konservative Weißman macht ein "rechtsradikales" Magazin. Man darf gespannt sein, wie das Ganze weitergeht. Von Augstein erwarte ich indes gar nichts. Vielleicht ist ja jemand in der Nähe. Ich bin sicher, man bekommt seine 10€ wieder, wenn es abgesagt wird:

https://schlossettersburg.de/kultur/kalender/e/jakob_augstein_und_karlheinz_weiszmann-78.html