“Hunters”: Tötet die Nazis!

75 Jahre nach 1945 nimmt der „Nazi“ im Bewußtsein der westlichen Welt einen Stellenwert ein, der nur mit theologischen Kategorien erfaßt werden kann.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Er ist nichts weni­ger als der „Satan“ und „ewi­ge Wider­sa­cher“ der ame­ri­ka­nisch gepräg­ten libe­ra­len Mas­sen­de­mo­kra­tie, ihr abso­lu­tes Gegen­bild und ihr Grund, war­um sie sich als alter­na­tiv­lo­ses poli­ti­sches Sys­tem prä­sen­tiert. Der „Nazi“ wird als Schreck­bild invo­ziert, um den poli­ti­schen Geg­ner unter Ver­dacht zu stel­len oder über­haupt grund­sätz­lich zu brand­mar­ken, eine Metho­de, die von allen poli­ti­schen Lagern glei­cher­ma­ßen bedient wird.

In den USA warn­te neu­lich der kon­ser­va­ti­ve Fern­seh­mo­de­ra­tor Glenn Beck allen Erns­tes vor einem „zwei­ten Holo­caust“ falls – der jüdi­sche Kan­di­dat der Demo­kra­ten, Ber­nie San­ders zum Prä­si­den­ten gewählt wer­de, sei er doch ein „Sozia­list“ wie die „Natio­nal-Sozia­lis­ten“. Umge­kehrt wer­den die Demo­kra­ten seit 2016 nicht müde, Donald Trump als einen „neu­en Hit­ler“ zu brand­mar­ken. Dem Unfug, der mit dem Begriff „Nazi“ getrie­ben wer­den kann, sind also schier kei­ne Gren­zen gesetzt.

Daß er den­noch recht effek­tiv ist, ver­dankt sich dem Umstand, daß der „Nazi“ im kol­lek­ti­ven Bewußt­sein der brei­ten Mas­se zur Figur manichäi­scher Mythen gewor­den ist, die sich von der kon­kre­ten Geschich­te längst los­ge­kop­pelt haben, und deren Iko­no­gra­phie zu einem erheb­li­chen Teil auf „Hol­ly­wood“, also das ame­ri­ka­ni­sche Kino zurück­zu­füh­ren ist.

Ein beson­ders bizar­res Pro­dukt die­ses Gen­res ist die am 21. Febru­ar auf Ama­zon ver­öf­fent­lich­te zehn­tei­li­ge Serie Hun­ters. Ange­sie­delt im Jah­re 1977, dreht sie sich um ein Grup­pe von selbst­er­nann­ten „Nazi­jä­gern“, die von dem exzen­tri­schen New Yor­ker Mil­lio­när Mey­er Offer­man ange­führt wer­den, gespielt von Al Paci­no mit dick auf­ge­tra­ge­nen Manie­ris­men. Die haupt­säch­lich jüdi­schen “Hun­ters” bestehen neben Offer­man aus dem Rent­ner­pär­chen Mar­ko­witz, das den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern ent­ron­nen ist (es wird als „cha­bad-ass“ cha­rak­te­ri­siert), dem erfolg­lo­sen Schau­spie­ler Lon­ny Flash und einer ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Geheim­agen­tin im Non­nen­out­fit; unter­stützt wer­den sie von zwei “peop­le of color”: Einer jun­gen schwar­zen Frau mit Ange­la-Davis-Afro, die aus einem „Blaxploitation“-Film gepur­zelt zu sein scheint, sowie einem japa­nisch­stäm­mi­ger Vietnamveteran.

Ihnen schließt sich der jun­ge Jonah an, der den Mord an sei­ner Groß­mutter, einer „Holo­caust-Über­le­ben­den“, rächen will. Auch die­se war Mit­glied der „Jäger“, deren Ziel es ist, in den USA leben­de deut­sche „Nazis“ aus­fin­dig zu machen und zu töten. Nack­te Rache ist so ziem­lich die Haupt­sa­che, die die „Jäger“ moti­viert (ehe sie eine Nazi­ver­schwö­rung, in den USA ein “vier­tes Reich” zu errich­ten ver­hin­dern müs­sen), und sie gera­ten damit mit kei­nem gerin­ge­rem als Simon Wie­sen­thal in Kon­flikt, mit dem sie auch noch per­sön­lich bekannt sind. Des­sen heh­rer Appell an die mora­li­sche Ver­pflich­tung des Juden­tums, das Recht zu ach­ten, prallt jedoch an Offer­man und sei­ner Gang ab.

Was die­se „Rache“ angeht, so schwelgt Hun­ters gera­de­zu in exzes­si­ven Gewalt­dar­stel­lun­gen. Oli­ver Jun­gen, der von der Serie ziem­lich abge­sto­ßen war und sie als “Zumu­tung” emp­fand, schrieb in der FAZ:

Genüss­lich und aus­gie­big fol­tern die Nazi­jä­ger, schla­gen, schlit­zen und spie­ßen auf, las­sen Trom­mel­fel­le plat­zen und füt­tern Kol­la­bo­ra­teu­ren tel­ler­wei­se Exkre­men­te, bevor sie ihre Opfer kalt­blü­tig töten. Nicht ein­mal vor dem Ver­ga­sen in der ver­rie­gel­ten Dusche machen sie Halt. Meist geht ein Tri­bu­nal vor­aus, in dem die Ange­klag­ten kein Recht auf Ver­tei­di­gung haben; die Jus­tiz „in die­sem Land“ sei näm­lich taub für jüdi­sches Leid.

Nicht nur das Motiv der sadis­ti­schen jüdi­schen Rächer erin­nert an Ing­lo­rious Bas­ter­ds, ein Film, der gegen­über Hun­ters gera­de­zu sub­til und hand­zahm erscheint: auch das Ver­gnü­gen an Gewalt, den grel­len Humor, die comic-arti­gen Cha­rak­te­re, die end­lo­sen B‑Mo­vie-Refe­ren­zen und etli­ches mehr haben sich die Macher von Quen­tin Taran­ti­no abgeguckt.

Die Gewalt der „Jäger“ erscheint inso­fern rela­ti­viert, wenn nicht gerecht­fer­tigt, als ihre Opfer durch und durch teuf­li­sche Figu­ren sind, die durch ihre Taten jeg­li­ches Anrecht auf mensch­li­che Behand­lung oder auch nur einen fai­ren Pro­zeß ver­wirkt haben. Die „Nazis“ der Serie hau­sen in den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern wie selbst­herr­li­che, sadis­ti­sche Auto­kra­ten und gebie­ten über ihr Schre­ckens­reich und sei­ne Insas­sen wie Colo­nel Kurtz aus Apo­cal­py­se Now über sei­ne mas­sen­wei­se hin­ge­schlach­te­ten Unter­ta­nen. Sie wer­den als psy­cho­pa­thi­sche Seri­en­kil­ler und Lust­mör­der ohne einen Fun­ken mensch­li­cher Qua­li­tät dar­ge­stellt, die nichts ande­res im Sinn haben, als mit einem eksta­ti­schen “Sieg Heil” auf den Lip­pen grund­los zu mor­den und zu fol­tern – wes­halb es auch gerecht­fer­tigt erscheint, sie selbst zu mor­den und zu foltern.

Das ist frei­lich nichts Neu­es: der “Nazi” die­ser Art ist ein Stan­dard­schur­ke und ‑dämon unzäh­li­ger Thril­ler, Horror‑, Aben­teu­er- und Super­hel­den­fil­me, die mit einem weni­ger hohen Anspruch als etwa The Pawn­bro­ker, Schind­lers Lis­te oder Der Vor­le­ser auf­tre­ten: Von den Böse­wich­ten der Pro­pa­gan­da­fil­me des Zwei­ten Welt­kriegs über Das dre­cki­ge Dut­zend, Der Mara­thon­mann, Ilsa – She-Wolf of the SS, Boys from Bra­zil und India­na Jones bis hin zu Dead Snow, Iron Sky, Hell­boy und Man in the High Castle. 

Auch in Hun­ters wird der „Holo­caust“ (eine Bezeich­nung, die sich ver­gleichs­wei­se spät, näm­lich im Zuge der gleich­na­mi­gen Fern­seh­se­rie aus dem Jahr 1978 durch­ge­setzt hat) ein­mal mehr auf einen gru­se­li­gen, popu­lär­kul­tu­rel­len Mythos redu­ziert, in des­sen Rah­men so gut wie jede Art der Fik­tio­na­li­sie­rung, Ver­zer­rung und Über­trei­bung erlaubt ist. Das Staat­li­che Muse­um Ausch­witz-Bir­ken­au sah sich bereits bemü­ßigt, beson­ders über­dreh­te Sze­nen wie ein töd­li­ches Schach­spiel mit „mensch­li­chen Figu­ren“ scharf zu kri­ti­sie­ren: der­lei „gefähr­li­che Dumm­hei­ten“ und „Kari­ka­tu­ren“ wür­den nur den „Leug­nern“ in die Hän­de spielen.

Auch der Lei­ter des USC Sho­ah Foun­da­ti­on Insti­tu­te, gegrün­det von Ste­ven Spiel­berg, pro­tes­tier­te: Die Serie zer­stö­re alle “sinn­vol­len Unter­schie­de zwi­schen Opfer und Täter… Die Über­le­ben­den der Sho­ah woll­ten Recht, nicht Rache…  Juden haben nie­mals Nazis ver­gast, Punkt.” Die “Gren­ze zwi­schen Fakt und Fik­ti­on” ver­wi­schend, “ver­ne­belt Hun­ters die his­to­ri­schen Tat­sa­chen, miß­ach­tet die Umge­kom­me­nen, und gibt jenen Muni­ti­on, die danach trach­ten, die Wahr­heit des Holo­caust zu leugnen.”

Gleich in der aller­ers­ten Sze­ne der Serie wird der Gast­ge­ber einer Grill­par­ty im son­ni­gen Mary­land von einem sei­ner über­le­ben­den Opfer als ent­flo­he­ner Naz­i­kriegs­ver­bre­cher erkannt und ent­tarnt, wor­auf hin er kur­zer­hand eine griff­be­reit lie­gen­de Waf­fe zückt und sämt­li­che Gäs­te umnie­tet, inklu­si­ve sei­ner eige­nen Fami­lie. Drei­ßig Jah­re lang, so klagt er, habe er uner­kannt in die­sem Land gelebt, sich sogar dazu her­ab­ge­las­sen, mit einer „dre­cki­gen Amisch­lam­pe“ „drei unrei­ne, wider­li­che Schwei­ne” zu zeu­gen, denen er schon unzäh­li­ge Male „das Genick bre­chen“ woll­te. Rigo­ro­se­ren Ras­sen­haß und tie­fe­re Men­schen­ver­ach­tung kann man sich wohl kaum vorstellen.

Im eng­li­schen Ori­gi­nal spricht er mit einem per­fek­ten Süd­staa­ten­ak­zent (was natür­lich auf den “kon­fö­de­rier­ten” Teil der USA ver­wei­sen soll), und ehe er genuß­voll die jüdi­sche Frau erschießt, die ihn erkannt hat, schal­tet er in ein ver­korks­tes Deutsch mit schie­fer Gram­ma­tik um, womit die Macher wohl zei­gen wol­len, daß sei­ne “all-ame­ri­ka­ni­sche” Mas­ke nun end­gül­tig gefal­len ist. Die­ser Nazi namens „Biff“ hat wie etli­che sei­ner Kame­ra­den einen hohen Regie­rungs­pos­ten inne, und die Serie the­ma­ti­siert immer wie­der die Tat­sa­che, daß sich die USA nach 1945 zahl­rei­che deut­sche Inge­nieu­re und Wis­sen­schaft­ler ein­ver­leibt haben, um die Sowjets im Wett­lauf um die Raum­fahrt zu schlagen.

So erscheint selbst die Mond­lan­dung, auf die man in den USA so stolz ist, als qua­si ras­sis­tisch “kon­ta­mi­nier­te” Tat.  Die­se Nazis, von denen sich hun­der­te allein in New York breit­ge­macht haben, ste­cken in der Alter­na­tiv­his­to­rie der Serie unter ande­rem hin­ter dem gro­ßen Strom­aus­fall von 1977, der Teil ihres Pla­nes der Macht­er­grei­fung ist.

Mit die­ser fik­ti­ven “Ver­schwö­rungs­theo­rie” wird offen­bar bewußt die Vor­stel­lung auf den Kopf gestellt, daß Juden „Mimi­kry“ betrei­ben, also Assi­mi­la­ti­on vor­täu­schen, um Gesell­schaf­ten zu unter­wan­dern, eine Stra­te­gie, die die „Nazis“ in „Hun­ters“ meis­ter­haft beherr­schen (was die­ses Motiv betrifft, so gibt es am Ende der Serie einen knal­li­gen „Plot-Twist“). Die Infil­tra­ti­on der USA durch „Nazis“ betrifft in Hun­ters nicht nur die Regie­rung, son­dern vor allem auch die „nor­ma­len“ wei­ßen Ame­ri­ka­ner, deren ver­meint­lich hei­le Welt nicht nur als bloß unter­wan­dert, son­dern als gera­de­zu inhä­rent „kryp­tona­zis­tisch“ und vol­ler mora­li­scher “Lei­chen im Kel­ler” dar­ge­stellt wird.

So sind die anti­se­mi­ti­schen und ras­sis­ti­schen Ideen der „Nazis“ in der mit­un­ter sur­rea­len Par­al­lel­welt der Serie selbst­ver­ständ­li­cher Bestand­teil des wei­ßen Main­streams, was sich etwa in hei­te­ren Quiz­shows äußert, in denen die Kan­di­da­ten zum Bes­ten geben dür­fen „War­um jeder die Juden haßt“.  In einer ande­ren “Fern­seh­ein­schal­tung” wird ein klei­nes schwar­zes Mäd­chen namens Yolan­da von dem „Jäger“ Lon­ny Flash gefragt, „wie man einen Nazi erkennt.“ Merk­mal Num­mer eins, so Lon­ny, sei ein aus­ge­streck­ter Arm; als Kenn­zei­chen Num­mer zwei nennt Yolan­da mit strah­len­dem Lächeln „white peop­le“, und Lon­ny kor­ri­giert sie erst, als sie die­ses Nazi-“Merkmal“ wie­der­holt: Nicht alle wei­ßen Men­schen sei­en Nazis, aber alle Nazis sei­en wei­ße Menschen.

Schein­ba­re Par­al­le­len zur Gegen­wart wer­den häu­fig gezo­gen. So wird einem sozio­pa­thi­schen ame­ri­ka­ni­schen Neo­na­zi, der sich pri­vat mit einem Hauch von Wei­ma­rer Deka­denz umgibt und in sei­ner Mar­mor­ba­de­wan­ne, umge­ben von roten Sei­den­ta­pe­ten, die Musik zu Caba­ret hört, ein Slo­gan der „Alt­right“ in den Mund gelegt, wie er auf der berüch­tig­ten Demons­tra­ti­on in Char­lot­tes­vil­le im August 2017 zu hören war: „Jews will not replace us!“ – „Juden wer­den uns nicht aus­tau­schen!“, womit der „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“ gemeint ist, der im Jahr 1977, als die USA noch mehr­heit­lich weiß waren, kein ernst­haf­tes poli­ti­sches The­ma war (um das Jahr 2040 wer­den die wei­ßen Ame­ri­ka­ner zur „Min­der­hei­ten-Mehr­heit“ mit einem Bevöl­ke­rungs­an­teil von unter 50% geschrumpft sein).

Das häu­fig anzu­tref­fen­de jüdi­sche Selbst­ver­ständ­nis, ein welt­ge­schicht­lich ein­zig­ar­ti­ges, jahr­tau­sen­de­al­tes Opfer von irra­tio­na­lem, bei­na­he meta­phy­si­schem „Haß“ zu sein, führt in der Serie zu einer äußers­ten Selbst­ge­rech­tig­keit und Gewal­tent­hem­mung. Das jüdi­sche Volk zu rächen, zu ret­ten und zu schüt­zen, egal zu wel­chem Preis, erscheint als obers­te rai­son d’êt­re, die es erlaubt, sich über jeg­li­che Moral hin­weg­zu­set­zen, eben­so wie als Anreiz, es den “Nazis” mit glei­cher Mün­ze heim­zu­zah­len. Die sich dar­aus erge­ben­de mora­li­sche Ambi­va­lenz, die immer­hin noch den Ing­lo­rious Bas­ter­ds einen gewis­sen dop­pel­bö­di­gen Reiz gab, taucht in Hun­ters nur noch in Spu­ren­ele­men­ten auf, da die gezeig­ten „Nazis“ etwa so böse sind wie die Schur­ken, die von dem „guten“ Seri­en­kil­ler „Dex­ter“ besei­tigt werden.

Die Serie wur­de jeden­falls ins­ge­samt eher kon­tro­vers auf­ge­nom­men, und so rich­ti­ge Begeis­te­rung woll­te sich bei kaum einem Kri­ti­ker ein­stel­len. Man­che Rezen­sen­ten frei­lich genos­sen die “Kathar­sis”, die ihnen das Spek­ta­kel berei­te­te, und die­se jüdi­sche Rezen­sen­tin geht sogar so weit, zu behaup­ten, Hun­ters sei nicht nur die “jüdischs­te Sen­dung, die es je gege­ben hat”, son­dern ver­ste­he “voll und ganz den moder­nen Juda­is­mus” (“… a show that is not only Jewish but under­stands modern-day Juda­ism who­le-hear­ted­ly”).  Liest man die Serie aber als “Psy­cho­gramm”, so muß man sagen, daß hier eini­ge eher ver­stö­ren­de und befremd­li­che Dis­po­si­tio­nen erkenn­bar sind.

Denn Hun­ters, geschrie­ben von David Weil, einem Nach­kom­men von Holo­caust­über­le­ben­den, und teil­wei­se pro­du­ziert von Jor­dan Pee­le (Regis­seur des anti­wei­ßen Hor­ror­films Get Out)  ist nicht nur ein Stück „Jews­plo­ita­ti­on“ (Hol­ly­wood Repor­ter) und eine „schun­di­ge jüdi­sche Rachefan­ta­sie“ (The Tele­graph), son­dern offen­bar auch ein para­no­ider Alp­traum, in dem impli­zit jeder wei­ße Ame­ri­ka­ner eine Art poten­zi­el­ler ras­sis­ti­scher und anti­se­mi­ti­scher Wer­wolf ist, der jeden Moment hin­ter der freund­li­chen Apfel­ku­chen-„Ame­ri­ca­na“-Fas­sa­de zum Vor­schein kom­men kann.

Der ame­ri­ka­nisch-jüdi­sche Publi­zist Law­rence Aus­ter beschrieb die­se Furcht 2004 in einem Arti­kel mit dem Titel “War­um Juden Mus­li­me will­kom­men hei­ßen” (zu die­sem The­ma sie­he auch hier). Eini­ge Juden wür­den “maß­los über­trie­be­ne Ver­däch­ti­gun­gen gegen­über der christ­li­chen Mehr­heit Ame­ri­kas hegen, die in Wahr­heit ihr bes­ter Freund auf der Welt ist”, und den Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus (inklu­si­ve mus­li­mi­sche Ein­wan­de­rung) in der Hoff­nung unter­stüt­zen, “daß die Mehr­heits­kul­tur in einem ras­sisch auf­ge­fä­cher­ten, ent-chris­tia­ni­sier­tem Ame­ri­ka kei­ne Macht haben wird, die Juden zu ver­fol­gen, selbst wenn sie wollte.”

Als Bei­spiel für die­se Men­ta­li­tät zitiert Aus­ter eine Stel­le aus der Auto­bio­gra­phie von Nor­man Podho­retz, My Love Affair with America:

Was den Juden Euro­pas wider­fah­ren war, schärf­te mei­ner Ansicht nach eine sub­li­mi­na­le Lek­ti­on ein… Die Lek­ti­on, daß der Anti­se­mi­tis­mus, sogar der harm­lo­se­ren, vor­neh­me­ren Sor­te, der Quo­ten­re­ge­lun­gen gegen jüdi­sche Stu­den­ten durch­setz­te oder ihre Eltern dar­an hin­der­te, modi­schen Clubs bei­zu­tre­ten oder in pres­ti­ge­träch­ti­gen Anwalts­kanz­lei­en in der Wall Street zu arbei­ten, im Mas­sen­mord enden könnte.

Die­se über­trie­be­ne Furcht, die sich bis zur Neu­ro­se aus­wach­sen kann, wur­de auch immer wie­der von jüdi­schen Schrift­stel­lern oder Fil­me­ma­chern par­odiert, so von Woo­dy Allen oder Joel und Ethan Coen.

Was aber wäre „Ras­sis­mus“, den man mit Recht so nen­nen kann, ande­res als die Dämo­ni­sie­rung gan­zer Bevöl­ke­rungs­grup­pen, natür­lich auch dann, wenn es sich dabei um Wei­ße han­delt? Die­ses The­ma wird von einem Film mit einem sehr ähn­li­chen Titel wie die Ama­zon-Serie auf­ge­grif­fen, der am 13. März, nach mona­te­lan­ger Ver­zö­ge­rung, in den ame­ri­ka­ni­schen Kinos anlief. The Hunt han­delt davon, wie links­li­be­ra­le Eli­ten buch­stäb­li­che Men­schen­jagd auf „deplor­ables“, „abge­häng­te“ kon­ser­va­ti­ve Wei­ße und Trump-Anhän­ger machen.

Ein jüdi­scher Rezen­sent des ein­schlä­gi­gen Por­tals Salon schäum­te und sprach von “Pro-Trump-Pro­pa­gan­da”, das “aus Tätern Opfer” mache. Trump-Anhän­ger “seh­nen sich ver­zwei­felt danach, tat­säch­lich ver­folgt zu wer­den”: “Wenn Sie der Bot­schaft die­ses Fil­mes zustim­men, dann ist Ihre See­le ernst­haft krank.” (“If you agree with this movie’s mes­sa­ge, the­re is some­thing serious­ly wrong with your soul.”) Im Gegen­satz zu der “Bot­schaft” von Hun­ters?

Gab es noch vor Mona­ten gereiz­te Pro­tes­te von kon­ser­va­ti­ver Sei­te gegen die Ver­öf­fent­li­chung die­ses Films, so scheint es sich hier in der Tat um eine „rech­te“ Sati­re zu han­deln, die zur Abwechs­lung die Arro­ganz und Men­schen­ver­ach­tung der Lin­ken behan­delt. Gese­hen habe ich ihn noch nicht, und kann dar­um noch kein Urteil fällen. 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (54)

Gustav Grambauer

15. März 2020 16:48

Diejenigen Nazi-Definitionen insbesondere der Alliierten, die das BRD- und insbesondere EU-System als Ausdrucksformen des oligarchischen (Pjakin: massen-elitären) Prinzips unter NS-Fortsetzungen subsumieren, werden sich haushoch durchsetzen, gerade jetzt, wo es mit Jalta 2.0 / Potsdam 2.0 schnurstracks ins Jahr 1945 zurückgeht, von den USA her aus genuin-republikanischer Position, von Rußland her aus der Position des Großen Vaterländischen Krieges, auch wenn Sputnik noch so sehr Linkspartei-affin ist, das ist Taktik. Diesen Definitionen wird nach wie vor Stalins Diktum "Die Hitler kommen und gehen, das deutsche Volk bleibt" zugrundeliegen, angepaßt: "Die Kippings, Stegners, Roths kommen und gehen, das deutsche Volk bleibt".

Gut so!

Die aus den Hahnen(binnen)kämpfen mit der Antifa resultierenden Klein-Klein-Sonderdefinitionen à la

"Die Antifas sind keine Nazis, sie sind das, was sie sind - Antifas",

die ja indirekt die Beanstandungslosigkeit der Nazis implizieren sollen, sind verglichen mit dieser Definitionsmacht pillepalle und haben keine Chance, sich durchzusetzen. Ebenfalls gut so, denn sie lenken nur von der Transformation des NS zu dessen heutigen pseudostaatlichen und wirtschaftlichen Metamorphosen ab - während sich z. B. der Sylter Pöbel, - großteils in der Wolle gefärbte (und nur FDGO-maskierte) Nazis -, grinsend die Hände reibt. Da rede ich noch nicht vom europäischen Hochadel, der, von Trump mehrmals bis in den Staub gedemütigt, gerade vor unseren Augen von republikanisch gesinnten US-Militärs kaltgestellt wird. Wenn es bis zuletzt noch Hardcore-Nazi-Treffen gab, dann waren es deren Bilderberger-Treffen. Und nie vergessen: dieser Abschaum war es, der die "Antifa"-Schläger auf die Straßen geschickt hat. Um das auch noch zu sagen: beider einende Ideologie ist die britische Eugenik.

Zudem sind diese Sonderspin-Definitionen alsbald obsolet, weil es, allein mangels Finanzierung, bald keine nennenswerte Antifa mehr geben wird.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig Klarheit in die allgemeine auch und gerade hier grassierende Verwirrung bringen.

- Kommentariat

Gelddrucker

15. März 2020 17:54

Ich frage mich: Wären Afrikaner, Araber, oder andere farbige Ethnien auch "Nazis" oder "Rechtsextreme", wenn sie sich gegen die Kolonisierung ihrer Gebiete wehren würden?

Die Antwort ist wohl NEIN und die, die am lautesten für die Abschaffung Europas schreien, wären wohl die, die am lautesten schreien würden, dass die betreffenden Völker und deren Kulturen geschützt werden müssen. Mit diesem Argument habe ich schon so manchen Linken in die Ecke gedrängt und empfehle dessen Einsatz wann immer es geht.

Zum Adjektiv "völkisch": es gibt in keiner mir bekannten Sprache eine Übersetzung dafür. Das wäre "ethnozentrisch" und diese Denkweise ist in fast allen nichtweißen Völkern etwas völlig normales.

Bran

15. März 2020 18:04

Dass "die Überlebenden der Shoah" Recht und nicht Rache wollen, hat man sehr eindrücklich bei der Entführung und dem Prozess von Eichmann gesehen.

Dancehall Rumsfeld

15. März 2020 18:56

Nur der Vollständigkeit halber der Hinweis auf einen freilich lässlichen Flüchtigkeitsfehler, der jedem gründlichen, d.h. auch alle Verweise auf externe Seiten anclickenden Leser ohnehin schon aufgefallen sein dürfte:

Nicht Paul, sondern Lawrence Auster, also dessen politisch diametral positionierter Cousin* (Paul grämt sich seit der Wahl Trumps jeden Tag, wie er überhaupt noch weiterleben soll**, Lawrence war Jared-Taylor-Buddy).

* zumindest offenbar (Wikipedia versieht diese Angabe mit der Bemerkung "citation needed", ansonsten habe ich noch diese Quelle gefunden: http://www.stuartpilkington.co.uk/paulauster/faq.htm).

** Quelle: https://www.theguardian.com/books/2017/jan/20/paul-auster-4321-interview

Wer sich für die "Hunters" Rezeption seitens des medialen Establishments interessiert, der höre bzw. schaue hier:

https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2020/02/26/serie_hunters_holocaust_in_comic_aesthetik_marcus_dlf_20200226_1746_7c88bb0e.mp3

https://www.3sat.de/kultur/kulturzeit/hunters-100.html

"Spoiler": Beklagt wird zwar die Verharmlosung von Grausamkeit, aber nicht im von ML herausgearbeiteten, also auf deren kontemporär primär virulente Spielart bezogenen Sinne, für deren popkulturelle Verwurstung diese Serie so exemplarisch steht, sondern auf streng innerhalb der geistigen und sprachlichen Grenzen eines "18- bis 21-Jährige unterrichtenden" "Faschistische-Ästhetik-in-der-Popkultur-Forschers" formulierte Weise.

https://www.soyoupost.com/tags/stiglegger

Nordlicht

15. März 2020 19:11

In dem Artikel gibt es eine Verwechslung: Autor von "Why Jews Welcome Moslems" ist nicht der Schrifsteller Paul Auster, sondern ein Verwandter, Lawrence A.

(Wikipedia: "Lawrence Auster (January 26, 1949 - March 29, 2013) was an American racialist conservative essayist who wrote on immigration and multiculturalism. Personal life. Auster grew up in New Jersey, and was a cousin of the novelist Paul Auster.")

ML: Korrigiert, da hatte ich einen Hirnaussetzer wegen der beiden Austern...

Homeland

15. März 2020 19:31

Nicht böse sein, lieber Martin Lichtmesz, aber ich hatte etwas anderes erwartet. Nicht inhaltlich, sondern thematisch.

Der Westen nimmt alles an die CO2-Kette, also sich selbst, ohne die Amerikaner halt, schafft ein Herrschafts- und Steuereldorado globalen Ausmaßes, also im Westen, hofft, dass sich die Chinesen mitverhaften lassen, und wartet. Der Chinese lächelt in die Kameras. Weil die Europäer (wir voraus) ernst machen, ist der Zeitpunkt gekommen für die wirklich wichtigen Dinge, über Afrika und die Seidenstraße hinaus: Corona wird kredenzt. China zeigt, wie man Markt- und Machtchancen nutzt, was geht, weil Blödheit nie ausstirbt.

Sagen sie mir bitte, dass das alles grober Unfug ist. Und dann kümmern wir uns um die Jagd auf Nazis. Die läuft uns schon nicht weg, ist sie doch Lebenselixier für die Wegbereiter des Niedergangs im eigenen Land. Da muss sich China gar nicht drum kümmern.

P.S. "Ich glaube euch nicht." ist eine Losung von Dushan Wegner. Gefällt mir, ehrlich gesagt, sehr gut. Das gilt übrigens für nicht nur in Bezug auf die Chinesen.

Phil

15. März 2020 20:22

Dass Al Pacino sich für solch überdrehten Trash hergibt. Der jüdischen Rezensentin scheint zu missfallen, dass ein Nichtjude den Oberjuden spielt. Und die "PoCs" durften natürlich nicht fehlen.
Das morbide Schachspiel haben sie wahrscheinlich von Dan Simmons' Roman "Carrion Comfort" ("Kraft des Bösen") geklaut.

Na ja, für Sachen wie "Hunters" gibt es die überfüllte Schublade "Amerikanischer Schrott".

Simplicius Teutsch

15. März 2020 20:47

@ Lichtmesz, Sie berühren eine chronische, und wie es ausschaut, unheilbare Wunde.

Diagnose: Ein Deutscher ist und bleibt aufgrund seiner rassischen Herkunft ein böser, dummer oder/und teuflischer Nazi. Aber wer will schon qua Geburt zu den Bösen gehören?

Können wir es daher unseren linken oder unpolitischen, bequemen, denkfaulen, bildungsschwachen oder nervenschwachen Volksgenossen verdenken, dass sie aus ihrer angestammten deutschen Haut flüchten wollen? Nichts mit dem bösen Deutschsein zu tun haben wollen?

Vielleicht hat das Merkelregime mit der Grenzöffnung doch recht! Dadurch haben wir Ansehen in Teilen der Welt gewonnen, und unsere einheimischen Willkommensjubler haben enormes moralisches Selbstbewusstsein aufgebaut als gute Menschen.

Wir sollten uns vielleicht mit den Muslimen verbrüdern. Vor allem sollten viel mehr authentische Muslime in führende Positionen in Politik und Medien kommen. Da gibt es, meine persönliche Erfahrung als Wessi, ganz vernünftige, fleißige, ehrenhafte und uns durchaus zugeneigte Zuwanderer, die uns zwar zurecht mit einem gewissen Misstrauen, aber auch mit teilweiser Bewunderung betrachten. Natürlich weiß ich, dass sie am Ende Deutschland am liebsten zu einem Kalifat machen möchten, aber das sollen sie ruhig versuchen.

Warum eigentlich nicht? Viel können wir Rechten eh nicht mehr retten, wenn überhaupt. Unseren Regierenden, sonstigen sogenannten Eliten oder dem eigenen Fridays for Future-Nachwuchs sind wir nichts wert, wir sind sogar erklärte Demokratie-Feinde oder Klimaleugner, auf die der „Verfassungsschutz“ losgehetzt wird. Die evangelische und die katholische Kirche haben uns Deutsche, die noch Deutsche sein wollen, auch längst vollständig verraten und aufgegeben. Für die haben wir auch keinen Wert mehr, höchstens den des Kirchensteuerzahlers von ca. 13 Milliarden Euro jährlich. Und damit werden u.a. unsere ideologischen Feinde finanziert.

Andreas Walter

15. März 2020 21:40

Europa ist tot, wahllose Migration erstmal vorbei, lang' lebe der Patriotismus!:

https://youtu.be/Pxuu_vxmBEg

Legendär! Ein Moment so historisch wie die Pressekonferenz der ehemaligen DDR:

https://youtu.be/kZiAxgYY75Y

Patrioten sind daher keine Nazis. Patriotismus hat seine Berechtigung. Jetzt müssen wir aber erstmal die Krise der Globalisierung überleben. Das steht jetzt erstmal an oberster Priorität.

RMH

15. März 2020 21:46

Es gibt sicher eine ganze Reihe von Filmen, die den NS-Holocaust-Komplex würdig und subtil darstellten, spontan denke ich da an "Das Leben ist schön" von Benigni oder - ganz was anderes - "Der Nachtportier" von Cavani.

ML: "Nachtportier" ist ein schräges Beispiel, weil es in erster Linie eine dekadente S/M-Phantasie ist... von allen Filmen, die den Holocaust als Phantasie oder Satire benutzen, finde ich "Pasqualino Settebellezze" am besten.

Was jetzt dieser Tarantino-Abklatsch für einen tieferen Sinn außer durch epigonales und übertriebenes Wiederkäuen bekannter "Basterds" - Themen irgendwie Trittbrettfahrer-mäßig Kohle einzufahren, haben soll, erschließt sich einem naturgemäß nicht. Hier darf aber gerne spekuliert werden. Ich persönliche hege eine ganz leichte Vermutung, dass solche verzerrten Gewaltdarstellungen auch eine Breitband-Strahlung darstellen, um so bei dem einen oder anderen lonesome wolf evtl. eine dringend benötige Amok-Tat mit zu triggern (ein Baustein ist aber gewiss nie der ganze Anlass!). Ist ja alles nur eine Frage der statistischen Wahrscheinlichkeit - unter mehreren Millionen, die sich weltweit so einen Dreck reinziehen, könnten dann auch wieder einer sein, der, wie in Halle, vor eine Synagoge fährt und schon hat man wieder die Anlässe, die man so gerne braucht, um die Repression weiter auszubauen.

Simplicius Teutsch

15. März 2020 23:06

Korrektur-Nachtrag zu 15. März 2020 20:47:

„verbrüdern“ ist der falsche Begriff. Ich meinte: „Vielleicht sollten wir uns mit den Muslimen verständigen.“ - In dem Sinne: Gegenseitiges Verständnis haben. Viele der hier in Deutschland Aufgewachsenen haben Eltern, die als „Gastarbeiter“ zum Ausbeuten ihrer Arbeitskraft ins Land geholt worden waren; die haben Probleme mit ihrer Identitätsfindung.

Lumi

15. März 2020 23:45

Im Westen nichts Neues: Krankes von Kranken für Kranke. Diesmal wohl nur etwas krasser und konzentrierter.

Übrigens gibt es meines Erachtens heute ein sehr erfolgreiches nationalsozialistisches Land, nämlich China.

Gustav Grambauer

16. März 2020 00:26

"Er (der Nazi, - G. G.) ist nichts weniger als der 'Satan' und 'ewige Widersacher' der amerikanisch geprägten liberalen Massendemokratie, ihr absolutes Gegenbild und ihr Grund, warum sie sich als alternativloses politisches System präsentiert."

Die liberale Massendemokratie ist alles andere als amerikanisch geprägt, vielmehr ist sie mit Habsburger-Spin versehen originär-venezianisch-holländisch-britisch und wurde den USA nur wie die Laus in den Pelz geschoben. Dies aufzuzeigen war LaRouches Lieblingsübung.

ML: Vor allem den "Habsburger-Spin" finde ich nun derart parallelweltenlevel-bizarr...Fukuyama hätte sich von LaRouche belehren lassen sollen.

Er hat hierbei auch immer zugleich die Mission der USA geltend gemacht, die europäische Seuche des liberalen (neofeudalen) Monetarismus auszurotten (und zwar auf europäischem Boden), welche in ihrem Kern eine faschistische ist. Immer hat er dabei auch einen größeren, bis auf Platon und die Renaissance zurückgreifenden Bogen gespannt. In dieser Rede von 2009

https://www.solidaritaet.com/neuesol/2009/14/webcast.htm

hält er sich anders als an vielen anderen Stellen mit der historischen Herleitung der faschistischen Natur des Liberalismus zurück, ich zitiere sie mit ihrer zentralen Aussage, weil diese in unseren Tagen so aktuell geworden ist:

"Wir kamen hierher (nach Nordamerika, - G. G.) nicht als Flüchtlinge, sondern inspiriert von Plänen, die sich im 15. Jahrhundert in Europa unter dem geistigen Einfluß des Kardinals Nikolaus von Kues verbreiteten. Das Ziel war es, in einer sicheren Entfernung von den Übeln, die in Europa überhand genommen hatten, eine neue Kultur aufzubauen und das Beste der europäischen Kultur über den Ozean mitzubringen, um so auch Verbündete für eine Befreiung Europas vom Übel der Oligarchie aufzubauen."

Genau diese Befreiung des durchseuchten Europa wird gerade vor unseren Augen vom SHAEF vollzogen, wie gesagt einen Kreis von 500 bis 600 Jahren schließend, nachdem der erste Anlauf `44 in der Gemengelage eines ganzen Knäuels an großteils korrumpierten und völlig gegensätzlichen Interessen stattgefunden hatte.

- G. G.

Lotta Vorbeck

16. März 2020 01:39

@Andreas Walter - 15. März 2020 - 09:40 PM

"Europa ist tot, wahllose Migration erstmal vorbei, lang' lebe der Patriotismus! ..."

~~~~~~~~~~~~

1.) Die EUdSSR ist nicht Europa.

2.) Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

+ "An den Übergängen sollen strenge Kontrollen eingeführt werden" - teilt der Tagesschausprecher mit. Was er nicht erwähnt, ist die sogenannte 'grüne Grenze'.

+ Und die Schätzchen treffen nicht nur auf dem Landwege in GerMoney ein. Füttern Sie doch Ihre Suchmaschine mal mit den Suchbegriffen "Familiennachzug" und "Charterflug".

Franz Bettinger

16. März 2020 09:17

@GG glaubt allen Ernstes - und vielleicht hat er recht, so selbstsicher wie er auftritt - dass Trump gerade zuschlägt. Dass das US-Militär (vor allem das in Europa stationierte) auf Trumps Seite steht. Dass Trump mit dem Clinton-Clan (deep state, Bilderberger, Davoser, Merkelianer) gerade JETZT aufräumt. Dass der ganze europäische Adel (man stelle sich das vor) bereits inhaftiert (in „Quarantäne“) sei. Dass ein für die Öffentlichkeit unsichtbarer Krieg zwischen den Super-Mächtigen abläuft, und Trump (der Gute !?) ihn gewinnt. GG hat sich offenbar (vor meiner Zeit auf SiN) in der Vergangenheit Lorbeeren verdient. Und so steht man mit offenem Maul erneut vor seiner tollkühnen Prophetie. Und ich frage mich, für wen ich die Daumen drücken soll. Im Zweifelsfall für Donald Trump. Grambauer's Story vom siegreichen Siegfried ist zu schön, um wahr zu sein.

Franz Bettinger

16. März 2020 09:39

@Grambauer heute auf SiN (sorry, Meister, dass ich ihren Post verfranzele, um ihn zu begreifen. Korrigieren Sie mich bitteh, wenn ich etwas falsch verstanden haben sollte):

Die Nazi-Definition, die das BRD- (und insbesondere das EU-) System benutzt, nämlich: Nazis = Oligarchen, wird sich mit Sicherheit durchsetzen, gerade jetzt, wo es mit Trumps Jalta 2.0 schnurstracks ins Jahr 1945 zurückgeht. Aus dem NS ist der Sylter Pöbel geworden und natürlich der europäische Hochadel, der gerade jetzt (!) vor unseren Augen von republikanisch gesinntem USMilitär kaltgestellt wird. Wenn es Hardcore-Nazi-Treffen gab, dann waren es deren Bilderberger-Treffen. Und nie vergessen: dieser Nazi-Abschaum war es, der die Antifa-Schläger auf die Straßen geschickt hat. Die Nazis wie Antifa einende Ideologie ist die britische Eugenik. Alle Sonder-Definitionen (der Begriffs Nazi) werden alsbald obsolet sein, weil es allein mangels Finanzierung bald keine Antifa mehr geben wird. GG

Maiordomus

16. März 2020 10:04

Zu den widerwärtigsten literarischen Produkten zum Thema zähle ich nach wie vor den "Vorleser", der es aber flächendeckend zur Schullektüre gebracht hat.

ML: Interessant, warum?

Uodal

16. März 2020 10:52

Dieser Film ist vieles, aber ganz sicher kein harmloser "Amischrott für die Schublade". Eher schon visionäres Politisch Inkorrektes Gedankenexperiment, Ventil einer Neurose, ausgemalte Gewaltfantasie oder eine Mischung aus allem.

Was die Kirchentagspilger, die aufrecht-bürgerlichen, die Antifaschisten und die Willkommenskultur-Klimarettungs-Alles-ist-wieder-gut-Menschen bei all den Reinwaschungs-Übungen immer wieder vergessen: da ist keine Rettung, erst recht keine Erlösung Lauert doch hinter jedem Nazi der Deutsche, ja - hinter jedem Nazi lauert sogar der Weiße an sich. Der Weiße, der Deutsche, sind DER Nazi, so wie es das PoC-Mädchen Yolanda gelernt hat: "alle Nazis sind weiße Menschen"

Was wir erleben: Der „Nazi“ als Figur eines manichä-ischen Mythos beendet den Jahrhunderte älteren manichäischen Mythos der Christusmörder. Die historische Erlösung des Judas: eine Kollektivschuld löst die andere Kollektivschuld ab.

Spricht aus dem Film aber nicht auch der uralte Hass auf Amalek: „Denn ich will Amalek unter dem Himmel austil-gen, dass man seiner nicht mehr gedenke.“ (2.Mose 17.14) Diese Erbfeinde Israels, die durch Gilgul (Wiedergeburt) in den Deutschen auferstanden waren - und das sogar lange vor der Naziherrschaft: "Rabbi Yosef Haim Sonnenfeld refused to go out to greet Kaiser Wilhelm II. when he visited Palestine, citing the Gaon of Vilna's view that the Germans are descendants of Amalek" (Jerusalem Post, 9.3.2006)

Warum dieser Hass auf die Deutschen, lange vor der Naziherrschaft? Kaiser Wilhelm war 1898 in Palästina.
Gaon of Vilna, auf den sich Chaim Sonnenfeld beruft, wurde 1720 geboren. Warum also die Verunglimpfung der Deutschen als Amalekiter, als Erbfeinde? Kann es sein, weil sich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation immer als Schutzmacht des Christentums verstand? "Die Prosperität und Stärke des Hauses Österreich - Roms wichtigster Kraft und Stütze - (waren) den südamerikanischen Silberbergwerken zu verdanken. Würden sie Österreich genommen, würde Roms Tiara bald hinweg gefegt und verrotten." (B.Simms, S. 72)

Maiordomus

16. März 2020 10:58

@ML. Es ist die perfekte Umsetzung des Auschwitz Motivs in Kitsch und Tod, Kolportage in Reinkultur, dazu noch etwas Faschismustheorie, vor allem nun eben politisch korrekter Schund, wiewohl, das spüre ich aus Ihrer Rückfrage heraus, gibt es natürlich schlimmere Bücher, welche die "Auschwitz-Zivilreligion" vermitteln und erhält zumal die weibliche Hauptperson noch vergleichsweise viel Empathie. Mein in dieser Gattung Vergangenheitsgeschichte involvierter Enkel, übrigens mit gefährlich verfänglicher Neigung, das im Unterricht gehörte Negative lieber ins Gegenteil zu verkehren als zu glauben, zieht Ilse Koch dieser Auschwitz-erfahrenen Sexualpraktikerin vor und zeigt sich auf eine solche Art Aufklärung, früher war es Oswalt Kolle, nicht angewiesen. Für den Roman von Bernhard Schlink wäre freilich noch eine vertieftere Analyse nötig. Als noch den besten unter den durchwegs nicht unbedingt guten Auschwitz-Romanen schätze ich "Jakob der Lügner" ein, zumal hier ein von Nietzsche nicht weit entfernter sozusagen aussermoralischer "Wahrheitsbegriff" zur Anwendung kommt und hier in der Tat über Wahrheit und Lüge auf unherkömmliche Art reflektiert werden kann. Schlinks Roman kann im Ernst nicht zu den 500 besten Werken der deutschen Literatur gerechnet werden und eignet sich schon deshalb nicht als Schullektüre.

Franz Bettinger

16. März 2020 11:07

@MD: Dem Warum von Martin Lichtmesz schließe ich mich an. - Der Film ist irrehrender Kitsch, weil er vom Inhalt des Romans in wesentlicher Hinsicht abweicht. Aber das Buch fand ich gut. Es charkterisiert die Protagonistin eben nicht als Nazi-Weib. Und es lässt sogar die Opfer (KZ-Insassen) in der zerbombten Kirche nicht als Nazi-Opfer, sondern als Opfer alliierter ! Bomber erscheinen (die eine Kirche ! mit Spreng- und Brandbomben in Schutt und Asche legen). Das nenne ich mehr-perspektivisch! Der Leser bekommt eben nicht vermittelt, die Schuld läge bei der KZ-Wärterin.

Marc_Aurel

16. März 2020 11:54

Das der „Nazi“ bzw. das Deutsche schlechthin zu einem quasireligiösen Symbol für das Böse geworden ist, hat meiner Ansicht nach seine Ursache in einer Reihe historischer Umstände, deren Wirkungen sich gegenseitig verstärken:

a) Verlorener Krieg
Alle am Krieg beteiligten großen Parteien/Fraktionen haben erheblichen Dreck am Stecken und sich, genau wie die Nationalsozialisten, schwere moralische Verfehlungen geleistet. Auch die Gründe und Motivationen sich überhaupt am Krieg zu beteiligen sind durchweg schmutzig. Deutschland bot sich als Sündenbock an, um von der eigenen, blutigen Weste abzulenken. Man richtet den Scheinwerfer auf die deutschen Verbrechen, schmückt das Ganze hier und da ein wenig aus und schon verschwinden die eigenen Untaten im Halbdunkeln oder werden ganz unsichtbar, kommt dennoch mal etwas hoch, wird es relativiert.

b) Kalter Krieg/neuer kalter Krieg
“Keep the Soviet Union out, the Americans in, and the Germans down.” Die Grundlagen für ein Widererstarken Deutschlands sollten schon metapolitisch im Keim erstickt werden (zumindest in der Westalliierten Zone), indem man die gesamte deutsche Geschichte rückwirkend entwertet, um diese so ihrer starken Wirkung als kraft- und motivationsspendende, inspirierende Erzählung zu berauben. Deshalb setzt man das fort, was die Nationalsozialisten ihrerseits begonnen haben: man malt die deutsche Geschichte nachträglich braun an. Alles was vor 1933 war, wird sozusagen als Wegbereiter für 1933 betrachtet und damit im Grunde „nazifiziert“. Auch heute noch relevant, weil ein starkes Deutschland sich mit Falschen verbünden könnte, zum Beispiel den Russen, offensichtlich der Alptraum schlechthin für anglo-amerikanische Strategen, außerdem eignet sich das Thema sehr gut um einen Keil zwischen Deutsche und Russen zu treiben, indem man die sich gegenseitig zugefügten Greul immer wieder hochkocht, damit sich die Wunde ja nie schließt.

c) Zionismus
Hitler hat sich mit den Juden (neben anderen) eine Zielgruppe gesucht, die nachher zufällig einen kometenhaften Aufstieg, vor allem im Zuge des zionistischen Projektes, hingelegt hat. Das „Projekt Israel“, selbst moralisch fragwürdig, benötige natürlich starke Bilder, um die eigenen Rechtfertigung herzuleiten. Nichts bot sich dafür natürlich besser an, als der „Holocaust“.

d) Strategische Ziele der Globalisten
Die Globalisten (und nein, das sind nicht nur Juden, bevor der Strohmann wieder aus der Scheune geholt wird) möchten, kurz und knackig formuliert, alles schleifen was ihrem Streben nach „der einen Welt“ im Weg steht. Neben vielen anderen Dingen, ist deshalb ein zentrales Angriffsziel ihrer Kampagnen der Nationalstaat. Im Nicht-Deutschen Raum gern mit dem Popanz der kolonialen Vergangenheit attackiert, bietet sich im deutschen Kulturraum natürlich nichts besser an, als die „braune Vergangenheit“. Das links-grüne /antipatriotische Milieu, dem man mittlerweile alle Altparteien zurechnen kann, von den Globalisten als nützlicher Idiot geduldet, finanziert und hofiert, ist „im Westen“ Träger des Angriffs, nicht zuletzt deshalb, weil das utopischen, surreale Weltbild dieser Gruppen Dissonanzen und Logikbrüche, besser verkraftet als andere und diese, subtil moralisch verbrämt, aggressiv nach vorn gehen und damit einen nicht unerheblichen Teil der Menschen erreichen, zumal sie dabei von den Medien der Globalisten massive Feuerunterstützung bekommen.

e) Gefährliche Lerneffekte verhindern
Würde man die Geschichte so betrachten wie sie nun mal war, nüchtern und objektiv, die Verbrechen aller Seiten, so wie sie geschahen betrachten, auch den Nationalsozialismus, bestände die Gefahr, dass man draus wirklich etwas lernen könnte und es würden sich eben auch viele Dinge entzaubern. Ich glaube nicht, dass der Nationalsozialismus zum Beispiel bei einer objektiven Betrachtung allzu gut wegkommen würde, aber es könnte evtl. ganz andere Lehren daraus gezogen werden. Wenn dabei zum Beispiel herauskommt, das viele führende Protagonisten dieses Regimes gar keine fanatischen Antisemiten oder Rassisten, sondern einfach skrupellose Machtmanager im Dienste ihres Herren waren, bekommt die Sache einen ganz anderen Drall und einige Figuren der heutigen Zeit, über die man dasselbe sagen könnte, ständen plötzlich in ganz anderem Licht da.

Natürlich würden bei ehrlicher, schonungsloser Betrachtung ganze Weltbilder kollabieren und einige Lieblingsbegriffe der heutigen Zeit entwertet werden, aber ich möchte nicht abschweifen...

Lange Rede, kurzer Sinn: diese Melange, über Jahrzehnte hinweg ausgereift, hat mittlerweile die Blüten hervorgebracht, die Lichtmesz so treffend beschreibt. Es dürfte ein langer, steiniger Weg sein, will man im Bewusstsein der Menschen die Dinge wieder gerade rücken und die richtigen Relationen wieder herstellen. Sehr mächtig ist die Geröllschicht die drauf liegt und der liebgewonnene Popanz im Schrank zu wertvoll, um ihn aufzugeben.

Wenn man ganz ehrlich ist, so muss man sagen, dass es perfide ist, ganze Generationen in Sippenhaft nehmen zu wollen für die Verbrechen von einst oder ganze Nationen für die Verbrechen von Wenigen. Geschieht so etwas dennoch, dann ist das grundsätzlich verdächtig, denn dahinter stecken fast immer nur handfeste machtpolitische Interessen in der Gegenwart und niemals höhere moralische Motive!

links ist wo der daumen rechts ist

16. März 2020 13:47

Was den filmischen Kosmos Amerikas betrifft, muß man vielleicht drei Motive genauer durchleuchten:

Nazis – das Böse:
Amerika hat keine althergebrachte Mythologie, sondern verwandelt alle Mythologeme in die Comic-hafte Welt eines Kampfes Gut gegen Böse; selbst Gründungsmythen wie der Pocahontas-Komplex lassen sich nur allzu leicht in eine Zeichentrick-Welt verwandeln (man vergleiche als Kontrast etwa Langs „Nibelungen“; Lotte Eisner zitiert in diesem Zusammenhang in ihrem Klassiker seine Worte von der „Granitschwere des deutschen Films“).
Genau aus diesem Grund konnten die USA auch Mickey Mouse und Superman in den „Kampf gegen die Nazis“ einspannen.

Kommunisten – die Unterwanderung:
Seit der Hochzeit des Kalten Krieges existiert die Angst vor Unterwanderung mit dem Endziel eines „Großen Austausches“ („Body-Snatcher-Syndrom“); ging man anfänglich von der realen Angst einer kommunistischen Infiltrierung aus, mutierte der konkrete ideologische Gegner sehr bald zur universellen Figur des Außerirdischen.

Vietnam – der verlorene Krieg:
Dem großen nationalen Trauma des verlorenen Vietnamkrieges antworteten in unmittelbarer Folge die Gewaltexzesse der Splatterfilme.

Und zu alldem kommen die diversen Spielarten der „Exploitation“-Filme.
Dazu: vom berüchtigten Russ Meyer gibt es einen Sexploitation-Film aus dem Jahr 1975, in dem nicht nur splattermäßige Gewaltexzesse als Reminiszenz an Vietnam gefeiert werden, sondern in einer Art „Vertigo“-Adaptation auch das „Sharon-Tate-Trauma“ abgehandelt wird (meine Interpretation); der arme Tarantino hat dazu ja gleich wieder ein Epos vom Stapel gelassen.

Meine These also:
Amerika verhandelt gerade im freien Spiel mit den Formen des Trash die alten europäischen Themen immer schon in einem entwirklichten Kosmos einer für einfachste Gemüter zurechtgemachten „Mythologie“.

Vietnam bleibt also in den Splatterfilmen immer im Hintergrund, während etwa in den italienischen Söldnerfilmen ("Inglorious Bastards") das reale Italien Andreottis immer vorhanden ist.

Das alles muß man einerseits in Kontrast setzten zu den europäischen Filmen mit NS-Thematik, die etwa Saul Friedländer in „Kitsch und Tod“ beschrieben hat (für mich damals erst der Anlaß, mich mit Fassbinder, Syberberg u.a.m. zu beschäftigen).
Andererseits wären davon bestimmte europäisch-amerikanische Zwitterformen wie eben "Der Vorleser" oder amerikanische Produkte in einer möglichen Friedländer-Lesart wie „Sophies Entscheidung“ zu unterscheiden.

Wobei wir dann im Umkehr-Effekt die ganze Thematik wieder von den ur-amerikanischen Formen „Melodram“ und Srewball-Comedy“ aufrollen könnten. Also wie europäisch sind Filme wie „Der Pianist“ oder „Das Leben ist schön“?
Und gerade diese Überschneidungen (und nicht Verkürzungen) sind für mich das Wesentliche.

Valjean72

16. März 2020 13:56

Einige Jahre ist es schon her als ich mir zuhause den Film «Inglorious Basterds» von Herrn Tarantino, dem gefeierten Liebling von Feuilleton und Publikum, ansehen wollte. Nach einer Viertelstunde war Schluss, ich liess die DVD aus dem Abspielgerät ausspeien und habe mir seither nie mehr etwas von diesem Regisseur angesehen.

(Schon ein paar Jahre vorher als ich mir im Kino «Kill Bill» ansah, hatte ich sehr schnell den Aufwand an Geld und Lebenszeit für diesen Film bereut)

Die von Martin Lichtmesz besprochene US-Serie setzt nun noch einmal etwas an Geschmacklosigkeit oben auf und bestärkt mich nur in meiner Entscheidung zeitgenössische Kino-und Fernsehproduktionen komplett zu meiden.

Ich frage mich aber tatsächlich, wie man sich selbst ernsthaft als deutschen Patrioten begreifen und gleichermassen US-Amerikanischen TV- und Kinokitsch bereitwillig konsumieren kann, der einem Gehirn und Seele (mithin das deutsche Sein) zerrieselt.

Wikipedia ist zu entnehmen, dass «Deutsch-Amerikaner» die grösste ethnische Bevölkerungsgruppe der USA darstellen.

With an estimated size of approximately 44 million in 2016, German Americans are the largest of the self-reported ancestry groups by the US Census Bureau in its American Community Survey.

Seit vielleicht zwei Jahren verfolge ich den YouTube-Kanal von “Dr. Ludwig“. Dort werden alte deutsche Lieder verschiedenster Gattungen (Volkslieder, Kunstlieder, Landsknechtlieder, Soldatenlieder … ) vorgestellt und dabei der Text auf Deutsch und Englisch abgebildet.

Im Leserkommentarbereich schreiben auch sehr viele Deutsch-Amerikaner, welche obgleich in der Mehrheit kein deutsch sprechen, sich doch - nach meinem Eindruck: zunehmend - für ihre Wurzeln interessieren.

Der ewige Nazi wird als Wiedergänger seiner Verbrechen noch lange die Trivialmythologie einer postreligiösen Welt zieren. Die Erde aber wird von diesem Schandfleck erst dann gereinigt werden, wenn die Deutschen vollständig verschwunden, d.h. zu abstrakten „Menschen“ geworden sind.

(Quelle: Rolf Peter Sieferle: «FINIS GERMANIA»; Verlag Antaios; S. 69)

Nicht nur die Deutschen müssen verschwinden, auch die Deutschamerikaner und überhaupt alle Menschen die dem «Deutschen Wesen» positiv verbunden sind …

Laurenz

16. März 2020 17:25

Was Hollywoods "Avengers" gerne vergessen, ist, daß der Nationalsozialismus, wenn auch in abgeschwächter Form, mit geringerem, nicht-biblischen Herrschaftsanspruch, seine Wirkungsweisen aus dem biblischen Judentum adaptiert hatte. Die Nazis wollten mit dem äußeren Feindbild "Jude" den inneren Juden in jedem bekämpfen und Hollywood will mit dem äußeren Feindbild "Nazi" den inneren Nazi in jedem bekämpfen. Daß hier nur Protagonisten und keine Ideologien getauscht werden, stellt den Rassismus Hollywoods, wo "Nazi" im Grunde nur eine Synonym für "deutsch sein" darstellt, auf eine Stufe mit dem anti-jüdischen Rassismus der Nationalsozialisten, wobei letztere noch einen zionistischen Staat unterstützten, was man von Hollywood umgekehrt so nicht behaupten kann.
Auch in Terminologie existieren kleine Unterschiede. Müßte ich mein Haupt unter das Joch eines totalitären Regimes beugen, würde ich die Klassifizierung "Untermensch" gegenüber "Goyim" für mich bevorzugen. Einen weiteren kleinen Unterschied bildet die jeweilige Masse der Deklassierten. Juden können, außer in Israel, selten Mehrheiten bilden, Nazis per linker Definition schon. Wenn man gegen die Regierungsmeinung antritt, war man früher Dissident, heute ist man Nazi. Eine umgekehrte Adaption finden wir im deutschen Umgang mit den Religionen. Unsere jüdischen Mitbürger, wie die Groß-Merkel'schen Antifanten haben seit gut 70 Jahren überhaupt kein Problem sich die "Nazi-Rules" vom Reichskonkordat zu eigen zu machen, warum feiert eigentlich keine Kirche/Religion und alle deutschen Parteien den seit 70 Jahren gelebten und von allen akzeptierten Nationalsozialismus? Hier ist komischerweise auch kein Hollywood-Schund unterwegs. Selbst ein Oilver Stone haut hier keine Kerbe rein. Und selbst ein Rainer Werner Fassbinder, würde er noch leben, wäre mindestens ein AfD-Mitläufer. Gegen Fassbinder ist doch Naidoo ein kultureller Winzlings-Rassist.

@Lumi ... vielen Dank ... Sie sind der erste, der sich traut, meine desöfteren benannte These vom "Nationalsozialistischen China" öffentlich zu unterstützen. Immerhin sind wir jetzt schon 2t.
Ich wollte in keinem China dauerhaft leben. Aber aktuell liegen die Nationalsozialisten, Dank China, weltweit vorne. Und China ist eben ein ganz anderes Kaliber als das historisch kleine Deutsche Reich. Und der Initiator des ostasiatischen Nationalsozialismus war der Intellektuelle Deng Xiaoping, welcher 1904 geboren (+1997), fast die ganze Geschichte des 20. Jahrhunderts leibhaftig erlebte und seine Schlüsse daraus zog und umsetzte.
Da der ökonomische Druck im Wirtschaftskrieg West gegen Ost massiv ansteigt, und wir wieder mal in der Mitte liegen, müssen uns echt was einfallen lassen. Davon sehe ich aktuell überhaupt nichts, auch nicht bei den Ober-Pappnasen der AfD.

Ergon

16. März 2020 19:50

So abstrakt und universell der Begriff des "Nazi" auch inzwischen verwendet wird, der inhärente und unvermeidliche deutsche Bezug tritt in verlinkten Videoschnipseln sehr prägnant zutage, auch in der Szene, die in der Interpretation von Lichtmesz die "kryptonazistisch" unterwanderete Welt des "normalen" weißen Amerikaners zeigt. Die Personen, die im sowohl von Landwirtschaft als auch von einem Raumfahrtzentrum der NASA geprägten Huntsville, Alabama, dargestellt sind und dem klassischen fähnchenschwingenden amerikanischen Patriotismus huldigen, sind, wie am gekünstelten deutschen Akzent (beachte die Aussprache des "w" und "th" in "weather") zu erkennen ist, nicht nur generische weiße Amerikaner. Und sind nicht die in den Farben Schwarz, Rot und Weiß gehaltenen Streifen an der Kleidung des vor dem Sternenbanners posierenden Kindes ein Spiel mit den Farben des Deutschen Reichs? Zumal in der nächsten Szene die Bedeutung der durch Operation Paperclip, über die die amerikanische Öffentlichkeit erst nachträglich informiert wurde, in die USA verbrachten deutschen Wissenschaftler für die NASA und die Mondlandung thematisiert wird.

Insofern das sich in comicartiger Vergröberung an Tarantinos Inglorious Basterds anlehnende Stück Trash auf deutschstämmige Amerikaner und darunter insbesondere diejenigen, die exzessiv die Symbol- und Bildsprache des klassischen amerikanischen Patriotismus betreiben, bezieht, ist es naheliegend, eine Verbindung zu Trump herzustellen. Das Stück ist im Wahljahr auch und vor allem politische Propaganda: Trump wird unterstellt, unter dem Deckmantel eines dick aufgetragenen amerikanischen Patriotismus NS-Ideen umzusetzen.

Lumi

16. März 2020 20:12

Hallo @Laurenz, ja, ich hab das mit dem NS China neulich irgendwo gelesen und es leuchtete mir ein wie eine plötzliche Apokalypse … der Erfolg, die Zufriedenheit, die Massenkultur, der Patriotismus, die Disziplin, die Prosperität, der überragende Führer Xi (nach dem großartigen kleinen Mann neben dem dummen Mao).

Ich wußte dann nicht mehr, wo ich es nun gelesen habe, ob in diesem Blog oder anderswo, aber jetzt ist klar, daß diese Idee von Ihnen stammt. Sehr gut! :)

Übrigens, wo hier auch von einer gewissen Entität in Nahost geschrieben wird … also eine krassere Anwendung des Prinzips Blut & Boden geht ja wohl wirklich nicht. Soll keine Kritik am Prinzip an sich sein, nur daß der Anspruch auf den Boden in diesem Fall nur auf Lug und Trug beruht.

Homeland

16. März 2020 21:40

Der Tagesspiegel vom 16.03.2020 unter:
AfD bald komplett vom Verfassungsschutz beobachtet? Höcke schockiert mit Auschwitz-Wortspiel

"In einem Videoausschnitt greift Höcke interne Kritiker des „Flügels“ der Partei an. Er sagt wörtlich: „Die, die nicht in der Lage sind das Wichtigste zu leben, was wir zu leisten haben, nämlich die Einheit, dass die allmählich auch mal AUSgeSCHWITZt werden.“ (Anm.: Hervorhebung wie im Original).

Das Video soll am 6. März bei einem geheimen Treffen des „Flügels“ in Schnellroda aufgenommen worden sein. Die Anspielung auf das Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau in der NS-Zeit sorgt beim anwesenden Publikum für Jubelstürme, gefolgt von „Höcke, Höcke“-Rufen. In Auschwitz wurde Schätzungen zufolge 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen getötet." Zitat Ende.

Am 12.03.2020 hätte ich hier gepostet:

"Die Uneindeutigkeit in mehreren Aussagen, die, wohlwollend wollend, wegretuschiert werden können, können in (auch unterstellt) böser Absicht eben auch hinein interpretiert werden. Mir ist persönlich unklar, warum Höcke diese Zweideutigkeit zulässt, weil er intellektuell in der Lage ist, die Dinge zu sehen. Jedenfalls erscheint mir das Zeitfenster der möglichen Zweideutigkeiten vorbei zu sein."

Natürlich interessiert Herrn Höcke nicht, was ich schreibe. Aber mich interessiert, was er sagt.

Ich erbitte also eine Darlegung aus Sicht von Götz Kubitschek zu dem Vortrag des Tagesspiegel, weil a). die Veranstaltung in Schnellroda gewesen sein soll und b). weil ich denke, dass es für alle (nicht nur) hier von Bedeutung ist.

Ratwolf

16. März 2020 23:04

Wir befinden uns in einem Stadium, in dem sich eine geschichtliche Tatsache (Auschwitz) in eine Art von Religion umwandelt.

Das ist schon beim Christentum schief gegangen.

Gustav Grambauer

16. März 2020 23:06

Joe M, wer immer dahinter steht, der diesen Film

https://www.youtube.com/watch?v=3vw9N96E-aQ&list=PLYtHJHCK4jkp1CNrlcpiJzxJkr7OODk0-

2018 womöglich produziert hatte, jedenfalls die Ehre hatte ihn auf seinem Youtube-Kanal hochladen zu dürfen, hat heute abend folgenden Tweet abgesetzt:

https://twitter.com/StormIsUponUs/status/1239617024860487680

- G. G.

ML: Bitte nicht mehr diesen "Q"-Unfug posten. Wer fällt noch ernsthaft darauf herein?

Thomas Martini

16. März 2020 23:46

Der Nazi nimmt im Bewusstsein der westlichen Welt genau den Wert ein, den die Alliierten vorgeschrieben haben. Die Gesellschaft teilt die Wertordnung der Nachkriegszeit, deswegen fehlt dem Nazi bis zum heutigen Tag eine Verteidigung. Darauf hat er kein Recht. Er ist seit 75 Jahren einseitig angeklagt, belastet und verurteilt. Ohne Revision bleibt er auf ewig dazu verdammt, der Täter zu sein. Schlägt man ihm den Schädel ein, ist der Nazi kein Opfer einer grausamen Tat. Er ist nur ein Täter, der eine gerechte Strafe erhielt.

Lichtmesz hat es unzählige Male aufgezeigt: Den Nazi dürfen Sie ohne Gewissenbisse verfluchen, verspotten, verachten und hassen. Wer Nazis auf den Tod nicht ausstehen kann, gehört zu den Guten. Ein Nazi ist nichts wert. Keine Menschengruppe hatte je ein schlechteres Ansehen, und der Holocaust dient dafür als Begründung. Die Symptome sind bekannt: Von Antifa bis Zivilgesellschaft arbeitet sich alles an dem Feindbild Nazi ab. Manche tun es mahnend, andere belehrend, manche unterhaltend, einige spaßhaft. Manche Nazigegner fungieren als Wächter, wieder andere als Denunzianten. Wer sich gegen Nazis stellt, handelt demokratisch. Das ist allgemein bekannt.

Weniger bekannt ist und bleibt die Ursache. Was die Grundlage für diesen Zirkus ist, wissen nur wenige. Die meisten Leute wollen es gar nicht wissen. Ein Standardargument dieser Fraktion: Das ist lange her, und hat nichts damit zu tun, was heute passiert. Oder: Wir müssen das hinter uns lassen; nach vorne schauen. Nur so kann es besser werden. Und wenn sie nicht gestorben sind, wundern sich Martin, Fritz, Lothar und Franz noch in hundert Jahren über die eigenartigen Symptome, die das Feindbild „Nazi“ zeitigt. Dabei besteht zwischen dem Internationalen Militärtribunal von Nürnberg und der Amazon-Serie „Hunters“ ein kausaler Zusammenhang. Die Aufgabe, diesen gordischen Knoten zu durchschlagen, wird den Deutschen niemand abnehmen. Schon gar nicht Onkel Donald aus Amerika.

Franz Bettinger

17. März 2020 03:08

@Martini: Willkommen zurück an Bord! Sie haben mir (und anderen) gefehlt.

qvc1753

17. März 2020 10:07

Im 2. Weltkrieg hat die alliierte Propaganda den "Nazi" sehr geschickt als Kraft des Bösen markiert. Dies beruhte zum einen auf der schlichten Tatsache das es die Nazis waren die halb Europa erobert hatten und nicht die Alliierten. Zum anderen darauf, dass die gesamte Bildsprache der Nazis Stärke, Entschlossenheit ausdrücken sollte und eben auch einschüchternd für ihre Gegner sein wollte.
Eine Steilvorlage für jede Propaganda. Dies zumal sich nach dem Krieg herausstellte, das sich hinter den Propagandabildern zum Teil ganz reale Schrecken verbargen.

(Dies war ein sehr deutlicher Unterschied zum Ersten Weltkrieg, der zwar auch von sehr erfolgreicher Propaganda seitens gerade der Briten geprägt war. Viele Aussagen über die deutsche Barbarei war aber für viele britische Entscheidungsträger eben als Propaganda erkannt worden. Weite Kreise der Briten waren nicht sonderlich vom Versailler Vertrag überzeugt und sahen die Deutschen als unfair behandelt).

Wer heute einen Bösewicht in einem Film markieren will, der lässt einen Deutschen im schwarzen Ledermantel auftreten. Oder einen britischen Schauspieler mit deutschem Akzent einen kultivierten Terroristen spielen (Die Hard). Oder einen schwarz gekleiden Sith Lord mit leicht veränderten Wehrmachts-Stahlhelm.
Die Nazis sind inzwischen folglich in der Popkultur als Synonym für das Böse angekommen. Und teilen sich dasselbe Schicksal wie Indianer, Cowboys, Sheriffs und andere Archetypen.

Nach meinem Verständnis ist "Hunters" nicht mehr als eine Art comichafte Version des Kasperletheaters. Das Krokodil kriegt am Ende immer fürchterlich Prügel und das Böse wird so ausgetrieben.

Da finde ich persönlich Serien "The Man in the High Castle" eher spannend. Die Vermischung des weißen WASP Vororts mit Picket Fences und den Verstzstücken einer Naziherrschaft (Hakenkreuz im Sternenbanner, HJ Uniform im gelben Schulbus usw) - all das lässt das archetypische weiße Amerika mehr als verdächtig aussehen und man grübelt direkt wie diese beiden Dinge offenbar nahtlos ineinander passen.
Das der amerikanische SS-Mann Smith - den Rassegesetzen und der Eugenik treu - seinen erbkranken Sohn in den staatlich befohlenen Tod schickt und damit sich in einen einen Konflikt mit Frau, Ideologie und Familie stürzt - all das hat als Serie fast mehr aus zu sagen als "Hunters".

Imagine

17. März 2020 10:11

Zur These vom „nationalsozialistischen China" (@Lumi + @ Laurenz).

Für einen soziologischen Laien mag dies auf den ersten Blick so aussehen, weil es gewisse Gemeinsamkeiten gibt. Aber zugleich gibt es grundlegende Unterschiede im System und seinen Zielsetzungen, welche zeigen, dass die These vom „nationalsozialistischen China" grundfalsch ist.

Schauen wir und zunächst die Gemeinsamkeiten an.

Als gesellschaftliche Zielsetzung steht das Volkswohl an erster Stelle, dem haben sich die Individuen mit ihren Bedürfnissen unterzuordnen.

„Gemeinsinn geht vor Eigensinn!“ ist ein alter sozialistischer Imperativ.

Es gibt eine gesamtwirtschaftliche Rahmenplanung und –steuerung. Es gibt mittel- und langfristige Pläne.

Das NS-System war volkswirtschaftlich und planwirtschaftlich ausgerichtet. Hingegen besteht die liberale kapitalistische Markwirtschaft aus privatwirtschaftlichen Unternehmen, deren primäres Ziel die betriebswirtschaftliche Gewinnoptimierung ist.

Daher gibt es in der liberalen Markwirtschaft den grundlegenden Widerspruch zwischen betriebswirtschaftlicher Gewinnoptimierung und gesamtgesellschaftlicher/makroökonomischer Nutzenoptimierung.

Was dem Privatunternehmen hohe Profite einbringt, kann auf der anderen Seite der Gesamtgesellschaft schaden. Das erleben wir ständig, nämlich den Widerspruch zwischen Volkswohl und privatwirtschaftlichen Interessen.

Die nationalsozialistische Ökonomie war eine Planwirtschaft. Die gesamtgesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Ziele wurden von der Politik bestimmt. Die Politik bestimmte, was produziert wurde und welchen Preis die Produkte hatten. Man ließ die Betriebe im Privateigentum, weil man den Privatunternehmer schätzte und für unverzichtbar hielt. Man gestand ihm auch entsprechende Gewinne zu. Aber der Unternehmer war nicht mehr frei, selbst zu entscheiden, was er produzierte und zu welchem Preis er seine Waren anbot.

In der Sprache der Nationalsozialisten: Das „schaffende Kapital“ wurde gefördert und durfte gute Gewinne machen, das „raffende Kapital“ wurde diszipliniert. So sah die wirtschaftliche Gesamtsteuerung aus.

Kommen wir zu den grundlegenden Unterschieden zwischen NS-System und China:
Die gesamte Nazi-Ökonomie war auf Aufrüstung und kriegerische Eroberung ausgerichtet. Ziel war ein räuberische Aneignung der Länder und der Bodenschätze der Ostvölker sowie die Versklavung der „slawischen Untermenschen“.

Die nationalsozialistische Ideologie wurde von einen rassistischen Denken bestimmt. Die arische Rasse wurde zu „Herrenmenschen“ willkürlich bestimmt und die anderen Menschen zu „Untermenschen“, welche man zu Arbeitssklaven machen oder ausrotten konnte, wie in den USA die Neger und die Indianer.

Der Kern der Nazi-Ideologie ist ein rassistischer Sozialdarwinismus, der zutiefst anti-humanistisch ist. Die Politik der Nazis bestand aus Auslese und Ausmerzung. Wer für die Nazis als Feind oder als „Ballastexistenz“ angesehen wurde, wurde versklavt oder umgebracht, so wie die Behinderten und Geisteskranken. Siehe T4-Aktion (https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4).

Humanisten, Sozialisten und Kommunisten wurden als Todfeinde angesehen, die ins KZ gesteckt, vertrieben oder ermordet wurden.

Chinas Politik hingegen ist zwar national und sozialistisch, aber Chinas Politik ist friedlich und nicht auf militärische Eroberung ausgerichtet. Die völkische Politik ist nicht rassistisch, d.h. auf „Rassereinheit“ und tribalistisches Herrenmenschentum ausgerichtet.

China ist als Nation ein Vielvölkerstaat, so wie die Schweiz. Die Chinesen sehen sich nicht als Herrenmenschen und die anderen Menschen nicht als biologisch/genetisch minderwertig. Anders als die NS-Politik ist die chinesische Politik nicht menschenverachtend.

Das sind die entscheidenden Unterschiede zwischen dem deutschen Nationalsozialismus und dem chinesischen Weg zum Sozialismus.

Die Gemeinsamkeiten bestehen darin, dass eine gesamtwirtschaftliche Steuerung und Planung besteht. Beide haben den liberalistischen Kapitalismus gezähmt bzw. überwunden. In beiden Fällen handelt es sich um eine „Mixed Economy“ aus makroökonomisch gesteuerter Marktwirtschaft und Planwirtschaft.

Beide Systeme haben sich historisch von der liberalen Demokratie und vom Parteiensystem verabschiedet und weisen ein „Einparteisystem“ mit starkem Staat und klarer Hierarchie auf.

Aber die Kultur im sozialistischen China unterscheidet sich grundlegend von der nationalsozialistischen.

Homeland

17. März 2020 10:39

"Die Aufgabe, diesen gordischen Knoten zu durchschlagen, wird den Deutschen niemand abnehmen. Schon gar nicht Onkel Donald aus Amerika."

@ Thomas Martini (und andere):
Die Hoffnung auf Trump wurde ja bereits geäußert, eine solche in Richtung Putin noch nicht (meiner Kenntnis nach). Gleichwohl wird eine neue Verbrüderung mit Russland da und dort propagiert. Ihr Vortrag zu "Der ewige Nazi" ist richtig. Das Inverse zu "Der ewige Jude" möchte ich behaupten. Wer weiß, was Intension des Films ist, weiß was das Schicksal des Deutschen im Sinne der Nachkriegszeiten sein soll: Die Endlösung.

Ich gehe jetzt einen Schritt weiter (und ich möchte ausdrücklich auf die Diskussion hier um das Verhalten der AFD im BT zum Antrag der Linken - Schließung Ramstein - abheben, wo ich für Vernunft im Sinne von Strategie, nicht Taktik, warb): Wer von den alliierten Siegermächten ist willens, Deutschland aus der Schuld zu entlassen, voran zu gehen mit "Der Krieg mit Deutschland wird für beendet erklärt!", vor dem Hintergrund, dass überall dort "der Sieg" nach wie vor gefeiert wird?

Es ist für sich erst einmal richtig, dass nur die Deutschen selbst diesen gordischen Knoten durchschlagen können. Aber ein Trump, ein Putin (und ich lasse die unbedeutenden Franzosen und Briten mal außen vor) könnten das Schwert liefern. Ein solcher Akt würde "die Dinge" vollkommen neu regeln. Persönlich messe ich beide Präsidenten final genau an dieser Tat. Ich bin überzeugt, dass ohne eine solche "Maßnahme" Deutschland Knecht bleiben wird. Die Frage wäre: Was kann Deutschland anbieten, ohne auch in diesem Fall Knecht zu bleiben?

RMH

17. März 2020 11:51

Zunächst einmal war der Begriff "Nazi" im deutschsprachigem Raum bis tief in die dreißiger oder sogar Anfang der 40er Jahre hinein in allererster Linie ein Spitzname für Menschen, die den schönen Vornamen Ignatius trugen.

Es wäre interessant einmal zu eruieren, ab wenn der "Nazi" auch in Deutschland flächendeckend nur für die entsprechenden Parteigänger verwendet wurde (wenn ich mich richtig an die Erinnerungen meiner Altvorderen aus dieser Zeit erinnere, war "Nazi" als Bezeichnung für die entsprechenden Parteigänger jetzt nicht gänzlich unbekannt, wurde aber praktisch kaum verwendet).

Der ewige Nazi wurde aber in den entsprechenden Wochenschau-Pendants der Alliierten zu Genüge verwendet.

Mittlerweile, über 75 Jahre später, ist der "Nazi" eigentlich nichts konkret Greifbares mehr, da es von comic-haften Darstellungen à la "Iron Sky" bis eben den hier besprochenen "Hunters"-Schund reicht. Interessant ist auch, dass der "Nazi" gerade bei den Amerikanern nach wie vor durchaus hoch im Kurs ist. Bei den dortigen WWII Reenactments hat man zumeist keinerlei Probleme, eine komplette Waffen SS Division auf die Beine zu stellen, aber genügend Leute, die mit der GI- Klamotte durchs Feld stolpern, findet man oft nicht sofort. Auch hat das US-Militär viel von der Optik und der Militärdoktrin von Wehrmacht und SS übernommen (siehe Irakkrieg 2003).

Wir haben also den Krieg verloren, hatten aber zumindest die schöneren Uniformen.

Und das Junktim Nazi = Deutscher, sollte man gar nicht an sich heran lassen, es sei denn, man ist in Wahrheit ein "Nazi", dann ist klar, warum es gewisse Unentspanntheiten im Umgang mit dem Thema geben kann. Letztlich führt die komplette Auflösung und Beliebigkeit des Nazi-Begriffs doch nur dazu, dass am Ende jemand eben sagen kann "wer Nazi ist, bestimme immer noch ich". Diese Dimension haben wir fast erreicht - und hiergegen kann man sich mit guten Argumenten auch zur Wehr setzen - noch ...

Imagine

17. März 2020 13:05

Nazi versus Nicht-Nazi, Faschist versus Anti-Faschist, „links“ versus „rechts“ – diese Bezeichnungen werden im Alltag papageienhaft und begriffsleer gebraucht.

So ist es beispielsweise völlig idiotisch, wenn fanatische Veganer fleischessende Mitmenschen als „Nazis“ bezeichnen.

Aber ist es intelligenter, Merkels Politik als „links“ zu bezeichnen?

In meiner Jugendzeit gab es noch echte Nazis. Ein Lehrer auf dem Gymnasium war weiterhin ein begeisterter Nationalsozialist, der stolz davon erzählte, dass er SA-Mann gewesen sei. Und betonte, dass das meiste, was nun dem Nationalsozialismus an Negativem zugeschrieben wird, Lüge sei.

Auch im Verhalten der Bevölkerung waren noch Nachwirkungen des Nationalsozialismus zu beobachten, wie z.B. die Maxime: „Gemeinsinn geht vor Eigensinn!“. Anti-soziales Verhalten sowie ein egozentrischer und egoistischer Individualismus waren verpönt. Das Volk dachte noch gemeinschaftsbezogen und solidarisch. Daher auch die „soziale Marktwirtschaft“. Eine Werbung mit „Geiz ist geil!“ wäre damals als undenkbar, weil sittenwidrig angesehen worden.

Ein Klassenkamerad war Hitler-Fan und Judenhasser. Obwohl es bei uns gar keine Juden gab. Trotzdem rief er „Juda verrecke!“ und rezitierte Nazi-Lieder wie: „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt …“ Natürlich war er kein echter Nazi, genauso wenig wie ein Kind ein Ronaldo ist, wenn er mit einem Ronaldo-T-Shirt herumläuft.

Später während der Studienzeit kam er mit einem langen, dunklen Ledermantel im Gestapo-Style zum Klassentreffen. Ein infantil gebliebener Möchtegern-Nazi mit überkompensiertem Minderwertigkeitskomplex, der sich nach persönlicher Macht sehnte, die er allerdings in seinem inferioren Angestellten- und kinderlosen Singleleben nie erreichte. In der Schule war er ein A-Kriecher gewesen, ängstlich und feige mit masochistischen Zügen.

Es gibt heute keine echten Nazis mehr, genauso wenig wie z.B. Ritter.

„Nationalsozialismus“ war ein soziales Phänomen in einer untergegangenen Epoche.

Das deutsche Volk hat sich nach dem verlorenen Krieg den Siegermächten unterwerfen müssen und sich ihrer Kultur kontinuierlich angepasst. Die war in Westdeutschland anders als in Ostdeutschland. Selbst nach 30 Jahren Wiedervereinigung sieht man im Westen und im Osten Deutschlands kulturelle Unterschiede.

Valjean72

17. März 2020 13:24

Thomas Martini:

Die Gesellschaft teilt die Wertordnung der Nachkriegszeit, deswegen fehlt dem Nazi bis zum heutigen Tag eine Verteidigung. Darauf hat er kein Recht […]

Wer sich gegen Nazis stellt, handelt demokratisch […]

Dabei besteht zwischen dem Internationalen Militärtribunal von Nürnberg und der Amazon-Serie „Hunters“ ein kausaler Zusammenhang. Die Aufgabe, diesen gordischen Knoten zu durchschlagen, wird den Deutschen niemand abnehmen.

---

Hier sprechen Sie mE etwas Essentielles an. Die allermeisten Deutschen, auch die Patrioten identifizieren sich - als Teilnehmer des politischen Diskurses – beinahe komplett mit jener Staats- und Regierungsform, welche Deutschland von seinen westlichen „Befreiern“ (in einem Akt der Barmherzigkeit) nach dem 2. WK geschenkt bekam.

Ebenso wurde die Geschichtsschreibung der Westalliierten und darüber hinaus der Narrativ aus unzähligen Hollywoodfilmen übernommen, ja mehr noch, er wurde gänzlich aufgesaugt: ein irregeleitetes, trunkenes und rassistisch aufgehetztes Volk rennt einem größenwahnsinnigen und blutrünstigen Diktator hinterher, der nur ein finsteres Ziel verfolgt, nämlich die ganze Welt zu erobern, Völker zu unterjochen und unwertes Leben zu vernichten.

Gott sei Dank stand die freie Welt selbstlos zusammen, um diesen menschenfressenden deutschen Dämon (=Diktator samt irregeleitetem Volk) zu stoppen.

Auch hier, in diesem Leserkommentarbereich kann man aus manchen Zeilen dieses geflissentlich übernommene, holzschnittartige Geschichtsbild erkennen.

Ja, so meine auch ich, dass zwischen „Nürnberg“ und „Hunters“ ein kausaler Zusammenhang besteht - (und ich füge hinzu) - dessen sich deutsche Patrioten gewahr werden sollten … es ist an der Zeit.

Gustav Grambauer

17. März 2020 15:39

Homeland

"Es ist für sich erst einmal richtig, dass nur die Deutschen selbst diesen gordischen Knoten durchschlagen können."

Träumen Sie mal weiter so rührselig. Rudolf Steiner hierzu bereits 1919:

"Wie steht es denn eigentlich mit dem, was sich gewandelt hat, gewandelt hat bei den sogenannten Besiegten, gewandelt hat bei den sogenannten Siegern? Nun, die eigentlichen Sieger, das ist ja das anglo-amerikanische Wesen. Und dieses anglo-amerikanische Wesen ist durch die Kräfte, die ich ja auch hier öffentlich charakterisiert habe, zur künftigen Weltherrschaft bestimmt.
Nun kann man fragen: Da das deutsche Volk ausgeschaltet sein wird von dem Miterleben der Dinge, durch welche die äußere Welt in der Zukunft beherrscht sein wird, was geht da eigentlich vor? Es fällt die Verantwortlichkeit - nicht die des Individuums natürlich - aber die Volksverantwortlichkeit fällt ja weg, die Verantwortung für die Menschheitsereignisse. Nicht die des Individuums, aber die Volksverantwortlichkeit fällt weg bei denjenigen, die niedergetreten sind, denn das sind sie. Sie können sich auch nicht wieder erheben. Alles das, was gesagt wird nach dieser Richtung, ist Kurzsichtigkeit. Die Verantwortung fällt weg. Um so größer wird die Verantwortung auf der anderen Seite. Dort wird die eigentliche Verantwortung liegen." - Die Sendung Michaels, 14. Dezember 1919, Seite 194

- G. G.

Laurenz

17. März 2020 15:47

@Imagine

Sie sollten weniger glauben, was im Relotius steht, der wie das Sinnbild der linken Blödheit, 40 Jahre über den inneren Widerspruch der KP Chinas fabuliert, sondern sich einfach mehr an die Fakten halten. Ihr Beitrag, insofern er sich an die Fakten hält, unterstützt auch nur Lumis und meine Aussage. Es existiert in China kein innerer Widerspruch, es herrscht dort der Nationalsozialismus, die einzig mögliche Analyse, zumindest solange, wie wir keine Begrifflichkeiten manipulieren wollen, auch wenn dieses in der minimalisierten linken Denkwelt eine unvorstellbare Unmöglichkeit darstellt, was man Ihrem ideologisch geprägten Beitrag intensiv anmerkt.

Im Gegensatz zu den Bolschewisten/Maoisten/Kühnertisten, verboten die Nationalsozialisten nie Privat-Eigentum (Adolf Hitler sinngemäß:"Ich kann den Menschen nicht den Erwerbstrieb nehmen, das wäre so, also wollte ich Ihnen den Sexualtrieb verbieten"). Die Nationalsozialisten kontrollierten die Wirtschaft, die Chinesische Administration ebenso, um sogenannte Markt-Exzesse zu vermeiden und die Ökonomie in den Dienst der eigenen Volksgemeinschaft/Volkswirtschaft zu stellen. (Bei uns heute läuft es umgekehrt, die Wirtschafts-Lobbyisten kontrollieren die Politik.) Wenn Sie in China Eigenkapital von einer ihrer Firmen-Töchter zu einer anderen transferieren wollen, müssen Sie dies erst in einem aufwendigen Formular einem Beamten gegenüber begründen. Ohne das schmeißen Sie in China keinen Sack Reis um. In China sind staatliche Einflußnahmen noch restriktiver als im III. Reich, was an den ethnisch-kulturellen Unterschieden liegt. In Ostasien sind Korruption und die Lüge gesellschaftlich akzeptiert, ja Teil des Volkscharakters, was Regulierungen schwierig macht. Um Regulierungen Nachdruck zu verleihen, lassen die Chinesen jede Woche korrupte Beamte öffentlich hinrichten. 

Die elementare nationalsozialistische Politik zeigt sich im wesentlichen in der ökonomisch bestimmten Außenpolitik. Sie richtet sich exorbitant gegen den westlichen finanz-militärischen Komplex. Die Nationalsozialisten waren diejenigen, welche im großen Maßstab Joint-Ventures-Deals abschlossen, eine diametrale Abkehr von der westlich militärischen Interventionspolitik. Auch extreme Schwankungen von Devisenkursen konnten damit vermieden werden. So auch die Chinesen, man dealt die Erschaffung von Infrastruktur (Straßen, Häfen) gegen Minenrechte oder Pachtung/Ankauf von Agrarflächen. Als die Nationalsozialisten sich verführen ließen, die Abkehr von westlicher Interventionspolitik nicht durchzuziehen, war der Einsatz der Legion Condor in Spanien der größte außenpolitische Fehler, den man zu Friedenszeiten beging. Der Aufkauf von Schlüsselindustrien im Westen ist in China staatlich koordiniert, und damit nationalsozialistischer als das Original https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ig-metall-fordert-strategie-gegen-chinesische-uebernahmen-15620527.html  Die deutschen Nationalsozialisten förderten einfach die Wissenschaft im eigenen Land, anstatt sie im Ausland aufzukaufen, was sich im Krieg, zB in der Radar-Technik als nachteilig erwies.

Ihre, Imagine, Schulbuch-Propaganda-Aussage zur Aufrüstung des III. Reichs bleibt eben nur Propaganda. Noch 1938 war das Rüstungsbudget des III. Reichs niedriger als das Frankreichs. Der Z-Plan zum Bau von Großkampfschiffen zielte auf 1944 ab, mit dem Bau von 6 Schiffen der Bismarck-Klasse und 2 Flugzeugträgern der Graf-Zeppelin-Klasse, was weit hinter den bereits vorhandenen Flottenstärken anderer Seemächte zurückblieb. Auch die übliche Argumentation, der Kaiser hätte mit seiner Flottenrüstung die Briten provoziert, ist historisch daher nicht zu halten. 1939 war die Deutsche Kriegsmarine nicht viel mehr als ein schlechter Witz, der nicht mal seine Namensbezeichnung verdiente. Ohne diesen Fakt einer exkrementalen Lage der deutschen Kriegsrüstung hätten, aufgrund eines lokalen Konflikts mit der polnischen Militär-Diktatur, Britannien und Frankreich dem Reich niemals den Krieg erklärt, wenn man nicht von einem totalen Sieg über das Reich überzeugt gewesen wäre. Denn zum Vergleich erklärte man der Sowjetunion, dem 2ten Invasoren Polens, nicht den Krieg, weil am 1. September 1939 die Sowjetunion über mehr Panzer und Kampfflugzeuge verfügte, als der Rest des Planeten zusammen. Auch die berühmte Blitzkriegs-Taktik entsprang nicht dem Kopf eines genialen Militärs, sondern der tatsächlichen Munitions-Knappheit. Man hatte für den Fall Weiß nur für 6 Wochen Munition zur Verfügung, bei bestimmten Waffengattungen, wie Panzerhaubitzen, nur für knapp 2 Wochen Munition, was besagt, daß man sich auf keinen langwierigen Konflikt um Westpreußen einlassen konnte, sondern man mußte die Streitkräfte des Piłsudski-Regimes möglichst schnell ausschalten und ohne die Unterstützung der Sowjetunion, die noch eine Rechnung aus dem polnisch-sowjetischen Krieg offen hatte, wäre das auch eng geworden. Auch im Fall Gelb war die Wehrmacht den alliierten Truppen weit unterlegen. Und nur der Zwang aus der militärischen Mangelwirtschaft zwang zum überlegten Einsatz der vorhandenen Mittel.

Wenn wir hier einen Vergleich zu China ziehen, ist die militärische Unterversorgung der Wehrmacht (Umstellung von Friedens- auf Kriegsproduktion erst 1943) den Chinesen sehr wohl bewußt. Nicht umsonst investiert China jährlich 220 Milliarden US$ in seine Rüstung, das ca. 3,5 fache von Rußland und fast das doppelte vom EU-Europa inkl. Britanniens.

Von daher, Imagine, wenn wir SiN gerecht werden wollen, bitte mehr recherchieren, weniger ideologisieren, weniger labern, und das Bemühen um historische Fakten sollte in den Vordergrund gestellt werden.

Uodal

17. März 2020 16:46

Der Nazi gilt als das absolute, das metaphysische Böse.
Andererseits ist die Brandmarkung eines politischen Konkurrenten als Nazi, oder genauer: als "Faschist", ein fast beliebig und ausufernd werdender Anwurf.

Der Unterschied in der Feindmarkierungen scheint einer gewissen Logik zu folgen, die sich irgendwann vollständig durchsetzen wird. Der Faschist ist der Rassist von nebenan, ein Hetzer oder Klimaleugner in der Mitte der Gesellschaft, den man sehen und begreifen und damit real ausgrenzen kann. Das reine Spiel um Macht ist klar erkennbar. Der Nazi dagegen wird für das ominöse, unbegreifliche, absolute Böse stehen. Der Faschist kann nicht als Element einer Anti-"Religion" dienen. Der Nazi als das absolut Böse sehr wohl.

Deshalb ist richtig, dass wohl nur die Deutschen diesen "gordischen Knoten" durchhauen können. Nur sie verspüren die Dimension des Vorgangs am eigenen Leib.

Ich will noch mal die These meines obigen Kommentars aufgreifen: Der „Nazi“ als Figur eines manichäischen Mythos beendet den Jahrhunderte älteren manichäischen Mythos der Christusmörder. Die historische Erlösung des Judas: eine Kollektivschuld löst die andere Kollektivschuld ab.

Die nationalsozialistischen Verbrechen als größtes Menschheitsverbrechen in der Geschichte gelten als nicht vergleichbar mit z.B. den Indianerkriegen in Nordamerika, dem Genozid an den Armeniern, den Verbrechen der Belgier im Kongo, den Gemetzeln der Mongolen oder islamischen Heere... Warum? Weil hier Menschen anderen Menschen schrecklichste Dinge angetan haben. Schlimm, aber halt menschlich. Was die Nazis dagegen taten, würde eine ganz andere Dimension betreffen. Es seien Ereignisse, die bis in eine anderen Sphäre reichten. Nach dieser Vorstellung hatten die Nazis das Ziel, mit den Juden das so genannte "Volk Gottes", und damit Gott selbst zu vernichten. Zumindest sehen das einige genau so.

So wie Judas - und damit allen Juden - jahrhunderte lang der Vorwurf entgegen gehalten wurde, Gottes Sohn ermordet zu haben (ein Vorwurf übrigens, den, weit vor dem Christentum, bereits die alten Ägypter erhoben), so wird heute auf eine gewisse Weise dem Nazi und damit dem Deutschen vorgeworfen, die Vernichtung des Gottesvolkes geplant und fast verwirklicht zu haben. Auch wer diese Vorstellung nicht teilt, kann sich trotzdem davon nicht ganz freimachen. Dazu sind die tiefsitzenden Prägungen eines jüdisch-christlichen Abendlandes mit all ihren verinnerlichten Mysterien und Geschichten einfach zu bestimmend.

Der gordische Knoten könnte sich somit als tatsächlich unlösbar und als sichtbarer Teil der prometheischen Ketten erweisen, die uns angelegt wurden. Wie in der Sage des Prometheus, der ebefalls den Zorn Gottes auf sich gezogen hatte, können wir dann erst von einem wahren Herkules wieder erlöst werden.

Laurenz

17. März 2020 16:51

@Imagine .... was echte und unechte Nazis angeht, so liegen Sie insofern daneben, weil das "Nazi-Bild" in erster Linie aus der Feder, des Pinsels der politischen Gegner gezeichnet wurde.
Auch im Film-Genre ist das desöfteren ein Schuß ins Knie. Nicht umsonst ist Darth Vader die beliebteste Figur in StarWars, bei einer Verdrehung der Faktenlage. Nicht die pösen Sith-Nazis sind die Führer des pösen Imperiums, sondern die Jedi-"Republikaner" des weltweiten US-Imperiums, davor des britischen -. Und wenn es ähnlich wie Ihnen, Herrn Spielberg an historischer Bildung mangelt, sollten wir das in der Debatte in Betracht ziehen. Natürlich wurden nach dem Kriege Konzentrationslager weiter ihrem Zweck zugeführt und man internierte dort hundertausende von "Nazis", die sich alleine deswegen strafbar gemacht hatten, weil sie Nazis, als Ketzer, sind/waren. Nicht umsonst lernte der Weltbürger und Jude Goscinny bei Walt Disney Comic-Propaganda. Wir sehen in Hollywood permanent den Asterix-Effekt. Hollywood-Helden, wie Rambo, zeigen den blöden Taliban mal, wie man so nebenbei alleine die pöse Rote Armee in Afghanistan besiegt. Auch der Soldat Ryan zeigt eine verdrehte militärische Lage, der nie eine amerikanische Kriegswirklichkeit bis zum heutigen Tag zugrunde lag. Wenn wir tatsächlich einen echten realen Asterix sehen wollen, müssen wir meist zu britischen Produktionen greifen, wie hier https://youtu.be/86K0ncTkAkA eine von Mark Felton. Generell sind britische Produktionen nicht frei von ideologischen Einfärbungen, bleiben aber Gold zu ex-deutschen Propaganda-Dokus. Auf youtube zu empfehlen ist zB The Great War.
Von daher existiert keine heutige Sicht der Nationalsozialisten auf sich selbst. Und wenn, verbleiben, wie auch bei den Konservativen, meist Rechtfertigungen im Dauerfeuer linker Propaganda. Sachliche Debatten aufgrund von Faktenlagen, werden schlicht religiös ausgeklammert. Seit Theodosius hat sich systemisch da nicht wirklich was geändert, trotz der sogenannten Aufklärung.
Wir brauchen auch gar keine Erzählung aus nationalsozialistischer Sicht. Der Nationalsozialismus kommt aus Asien über uns. Wenn wir ihn vermeiden wollen, müssen wir, vor allem auf ökonomischer Ebene uns effizientere Lösungs-Modelle einfallen lassen. Mit F...up for Future und grünen Luxus-Problemen tun wir weder uns noch unserer Ökologie einen Gefallen. Gerade jetzt läuft wieder ein Großangriff auf die Bürgerlichen Rechte. Die Wacht am Rhein hilft da gewiß nicht weiter. https://www.achgut.com/artikel/mit_dem_virus_ans_grundgesetz

@Gustav Grambauer ... Sie erwarten immer die Findung des heiligen Grals. Bleiben Sie doch mal beim Machbaren und schauen ausnahmsweise mal über unseren Lebenszeitraum hinaus. Asien hat sich endgültig gegen die westliche Bevormundung erhoben. Alleine der Beginn des chinesischen Bürgerkriegs 1927 brauchte über 20 Jahre um sich gegen den Westen durchzusetzen. Maos brutale Kur war, laut Scholl-Latour, notwendig um eine 3.000 Jahre alte verkrustete Kultur zu eliminieren und den Weg für das "neue" frei zu machen. Wenn hier tatsächlich Nazis durch die Landschaft spazieren würden, hätten wir bei jedem chinesischen Erfolg gegen den Westen deren Hurra-Geschrei zu hören. Ich höre keines.

Valjean72

17. März 2020 18:09

@Laurenz @Imagine:

Denn zum Vergleich erklärte man der Sowjetunion, dem 2ten Invasoren Polens, nicht den Krieg, weil am 1. September 1939 die Sowjetunion über mehr Panzer und Kampfflugzeuge verfügte, als der Rest des Planeten zusammen […] man mußte die Streitkräfte des Piłsudski-Regimes möglichst schnell ausschalten und ohne die Unterstützung der Sowjetunion, die noch eine Rechnung aus dem polnisch-sowjetischen Krieg offen hatte, wäre das auch eng geworden.

---

Vieles was Sie schreiben ist durchaus logisch. Allein Pilsudski, mit welchem Hitler einen deutsch-polnischen Ausgleich suchte, verstarb bereits 1935, woraufhin Hitler in Berlin ein Ehrenzeremoniell abhielten ließ, bei welchem ein mit polnischer Flagge samt Adler bedeckter Sarg aufgebahrt wurde:

The head of Poland Józef Piłsudski died on May 12, 1935. His funeral was made few days later in Warsaw. But in Berlin there was a service for Piłsudski ordered by Adolf Hitler. In the picture you can see Adolf Hilter during the service for Piłsudski and a symbolic coffin with a Polish flag and eagle. This was the only time that Fuhrer attended a holy mass as a leader of the Third Reich and probably one of the last times when he was in a church.

(Quelle: https://rarehistoricalphotos.com/adolf-hitler-memorial-pilsudski-1935/ )

Der polnische Botschafter in den USA berichtete um die Jahreswende 1938/39 an seine Regierung in Warschau über die seiner Auffassung nach vorherrschende Kriegskampagne gegen Deutschland. Dabei stellte er fest, dass die UdSSR von dieser Kampagne vollkommen ausgespart und als zum „demokratischen Lager“ gehörig dargestellt wurde:

Drei Tage später ging er in einem weiteren Bericht nach Warschau erneut auf das Thema ein, spottete über die laufende Kampagne gegen Deutschland und die „totalitären Staaten“, weil die Sowjetunion aus dieser Kampagne völlig ausgeschaltet sei und dem Publikum als zum demokratischen Lager gehörend dargestellt würde.45 Es werde gezielte eine Kriegspsychose geschürt.

(Quelle: Stefan Scheil – „Polen 1939 – Kriegskalkül, Vorbereitung, Vollzug“; S. 59/60)

Meine persönliche Schlussfolgerung:
Polen wurde von den „Angelsachsen“ in seinen eigenen, teils zum Größenwahn neigenden, chauvinistisch expansiven (im Kern: anti-deutschen) Bestrebungen motiviert und alsdann wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen.

Das Ziel war mE über die Opferung Polens, Deutschland den Krieg erklären zu können, sowie der Roten Armee für den geplanten Angriff eine signifikante Frontlinie mit dem Deutschen Reich einzuräumen.

Polen war demnach eine … wohlpräparierte Falle.

Gustav Grambauer

17. März 2020 18:10

Laurenz

Sie haben all meinen Zeilen der letzten Tage gar nicht meine überschäumende Freude entnommen, darüber daß das Machbare ja gerade gemacht wird. Hier klingelt unentwegt das Telefon, alle sind am Feiern und wollen ihrerseits die neuesten Frontmeldungen teilen und ihre Feunde bekunden. Überall fließt der Champagner, ein einziger Rausch, noch dadurch verstärkt, daß Friedrich Merz heute nachmittag ausgeschaltet wurde, was nur der Anfang des "Sturms" in Deutschland ist.

- G. G.

links ist wo der daumen rechts ist

17. März 2020 19:29

Also was hier gerade wieder abgeht, Mann Mann Mann.

Schade, daß besonnene Leute wie @RMH, @Nemesis u.a.m. oder Meister des „Ins-Ziel-Wackelns“ wie @zeitschnur und @Maiordomus eisern schweigen; damit bekommt das hier eine ungute Schlagseite.

Während ein einsamer Krieger – als mögliche Spätfolge der Debatte zwischen von Waldstein und Gerlich über den Islam - überlegt, sich doch mit den Muslimen zu „verständigen“, als hätte noch niemand den tieferen Sinn von Houellebecqs Satire „Unterwerfung“ erkannt (die Identitären verbünden sich mit den Muslimen im Sinne einer augusteischen Neugestaltung Europas, nachdem der Katholizismus seine Integrationskraft eingebüßt hat), reitet die Mehrheit wieder einmal ihre Steckenpferde.

Tenor: die armen Deutschen sind ewiges Opfer der Umerziehung (während gerade die, die einen Schwachsinn wie „The Hunters“ nicht umgehend in den amerikanischen Unterhaltungskosmos zurückbefördern, sondern ihre Opferrolle bestätigt sehen, erst dem Ganzen auf den Leim gehen) – und nebenbei erfahren wir vollkommen überflüssigerweise, daß die Chinesen die besseren Nazis sind. Wen interessiert das?

Leute, ich habe meinen Schrenck-Notzing und einiges mehr gelesen (derzeit die Bücher von Hellmut Diwald aus der Zeit 1989ff): man ist nie nur Objekt, sondern immer auch Subjekt einer (Um-)Erziehung; und die läuft weltgeschichtlich nicht erst seit 1945, sondern seit 1917. Und die Totschlägerreihe der Geschichte zwischen links und rechts begann bekanntlich mit der Niederschlagung der Pariser Kommune (nachzulesen bei Sebastian Haffner); letzteres für diejenigen, die ihr Steckenpferd einer jahrhundertelangen Verschwörung reiten.

Daß es 1989ff keine großen deutschen Staatsmänner gab, die die europäische Selbstzerstörung des Jalta-Verbrechens anprangerten, die die eigene „Vergangenheitsbewältigung“ im Vergleich zu der nie stattgefundenen der Alliierten ebendiesen um die Ohren schlugen („man kann uns ja vieles vorwerfen, und wir glauben aus der Vergangenheit einiges gelernt zu haben, ewige Büßer aber wollen wir nicht sein“) und die die wirtschaftliche Macht Deutschlands bei der anstehenden EU-Erweiterung zum eigenen Vorteil in die Waagschale warfen – daß das alles nicht geschah, müßt ihr allein mit euren unfähigen Politikern ausmachen, gopferdammi!

Stattdessen damals: vorauseilender Gehorsam in allen Punkten bei den Zwei-plus-Vier-Gesprächen. Unterwürfigkeit bis zur Erbärmlichkeit. Das Zeitfenster ist damit zu.
Im schlimmsten Fall hätte es halt zwei deutsche Staaten gegeben, wobei der kleinere, mitteldeutsche sehr wahrscheinlich eher zu einer späten Südtirol-Lösung mit den Nachbarn Polen und Tschechien gefunden hätte als ein „wiedervereinigtes“ Deutschland.

Mit den Russen (besonders mit Gorbatschow und Schewardnadse) konnte man reden, die britische Regierung stürzte über ihre Angst vor einem „Vierten Reich“, Mitterand glaubte trotz Händchenhaltens mit Kohl in Verdun vor ein paar Jahren von ebendiesem jetzt als Gegenleistung für die „Wiedervereinigung“ die Abschaffung der DM erzwingen zu müssen – und die Amis erinnern ohnehin an den Zauberer von Oz, bei dem es nur niemand wie der kleine Hund Toto wagt, den Vorhang wegzuziehen.

Aber nein, immer dieses gouvernantenhafte „Aber wir sind doch immer noch besetzt, hach, wenn wir nur könnten, wie wir wollten…“: Ihr wollt halt nicht und verkriecht euch in eurem self-fulfilling „Nationalmasochismus“; die einen praktizieren ihn, die anderen beten ihn herbei.
Und nur auf diesem Boden kann das Ernstnehmen eines Nazi-Trashs wie „The Hunters“ gedeihen.

Was WK1 betrifft, ist Deutschland so gut wie rehabilitiert, was WK2 angeht, muß man halt strikt trennen zwischen einem verachtenswerten totalitären Regime und den damals zugleich berechtigten (geo)politischen Interessen Deutschlands, wobei ersteres das deutsche Volk durch zweiteres in Geiselhaft genommen hat, um diese berechtigten Forderungen ins Hypertrophe zu steigern.
Einwände gegen alliierte Mitschuld ließen sich im o.a. Sinne auf der Ebene der Moral entkräften: WIR haben gelernt, IHR anscheinend nicht.

Das alles ist allen Beteiligten, auf welcher Seite der „Umerziehung“ man auch stehen mag, schon lange klar.
Und allein dazu müßte auch kein Hotte Mahler im Knast verrotten.

Vielleicht könnte dann ja doch wieder irgendwer halbwegs zum Thema zurückkommen, Filmanalysen inbegriffen (bitte ohne „Star Wars“).

Gustav Grambauer

17. März 2020 20:49

Soweit ich es mit Stichproben deutschsprachiger Portale nachvollzogen habe, stimmen die Gerüchte, daß Google heute befreit wurde. Metapedia, Archiv des verbotenen Wissens, Concept Veritas, GFP, Thule-Seminar, Lübeck Kunterbunt, Deutsche Lobby, DS, Rennicke.de, Lesen & Schenken, Okkulte Nazis, Ludendorff.info, Deutsches Reich heute, Frank-Radon.de, Bismarcks Erben, Staatenlos, Velesova Sloboda, Morgenwacht usw., bisher wie die Pest gemieden, d. h. bisher niemals auch nur einen Beifang-Treffer bringend, sind jetzt alle mit Google zu finden, hab`sie gerade alle durchgeprüft, Treffer werden ganz oben angezeigt, es kommen sogar zielführende Vorschläge bei Tippfehlern.

- G. G.

Rautenklause

17. März 2020 21:06

Funfacts:

1989 erschien aus der Feder eines "Andrew Macdonald" (dem Pseudonym des National Alliance Gründers William Luther Pierce) der Roman "Hunter" als quasi Prequel zu den berüchtigten und verabscheuungswürdigen "Turner Diaries". Dort nimmt ein rechter Jäger mit dem sinnigen Namen Oscar Yeager das aufs Korn, was er mit irrem Blick als jüdische Weltverschwörung betrachtet. Also ein ähnlicher Plot von der "anderen Seite".
Funny - isn't it?

P.S. Das Machwerk ist auf archive.org zu finden.

Imagine

17. März 2020 22:07

Der nationale Sozialismus ist keine Erfindung der Nationalsozialisten.

Wer glaubt, das chinesische System sei eine Kopie des nationalsozialistischen, mag damit zwar an rechten Stammtischen reüssieren, aber nur dort.

Simplicius Teutsch

17. März 2020 23:05

@ links ist wo der daumen rechts ist

Ich gebe zu bedenken: Wir kommen an der Nachkriegs-Realität nicht vorbei. Und die Muslime in Deutschland sind mittlerweile eine eingewurzelte, sehr sensible Realität. Ob es uns passt oder nicht.

Das ist meine halbe Meinung. Die andere kann ich nicht öffentlich äußern. Sie geht jedenfalls nicht(!) gegen die Muslime.

Lumi

17. März 2020 23:09

Tja, also @Imagine, ich finde, Sie schreiben hier sehr viele gute Kommentare, denen ich auch sehr häufig zustimme, auch gerade den linken, kommunitaristischen Aspekten. Und ich bin sicher allerhöchstens ein soziologischer Laie (wobei ich andererseits auch nicht genau weiß, was denn ein soziologischer Profi wäre).

Aber Ihre sechs Absätze zum NS-System stellen dann doch bis in die Terminologie hinein einen Rückrutsch in einen Sumpf unsachlicher und verhetzender Ideologeme dar, deren reflexhafter Abruf uns BRD Insassen vom Apparat für Volksverdummung und Propaganda leider antrainiert wird.

Das kann man doch heute wirklich etwas nüchterner und auch entspannter sehen.

Eine Retoure kann ich mir allerdings nicht verkneifen: T4 erfolgt nämlich heute pränatal. Auch das eine Gnade der späten Geburt. Das ist unser Glück, aber kein Grund, hoch vom moralischen Roß auf jene zu zeigen, denen unsere Mittel nicht zur Verfügung standen.

Zum Thema der von T4 terminal Betroffenen (keineswegs alle Behinderten, wie Sie suggerieren) habe ich mal einen historischen Abriß gelesen, ich glaube, von Franz Josef Scheidl (lange her), woraus klar hervorging, daß es nur ein kurzes historisches Fenster gab, wo die T4 Kandidaten durchgepäppelt wurden. Vorher wurden sie einfach als Säuglinge in den Wald gesetzt oder über die Klippe geworfen, naja und heute eben die fortschrittliche Pränataleuthanasie (die ich nicht kritisiere).

Ach, und das Lied, das Sie ansprechen, scheint das Heckerlied zu sein, das angeblich um 1921 in der zitierten Weise ausgeformt wurde, also praktisch schon in statu nascendi demokratischen Geist atmet. :)

https://de.wikipedia.org/wiki/Heckerlied

Laurenz

18. März 2020 10:22

@Imagine

Zitat- Der nationale Sozialismus ist keine Erfindung der Nationalsozialisten.
Wer glaubt, das chinesische System sei eine Kopie des nationalsozialistischen, mag damit zwar an rechten Stammtischen reüssieren, aber nur dort.-Zitatende

Wieder mal nur Relotius-Parolen, 0 Argumente, mit Verlaub, Ihr Beitrag ist unter aller Sau. Wenn wir haltlose Meinungs-Bekundungen sehen wollen, brauchen wir nur das ÖRR einzuschalten oder auf dessen Seiten gehen. Sie mißachten Ihre Debatten-Teilnehmer. Ist der klügere Teil der Imagine-Post-Gruppe gerade im Urlaub gestrandet?

links ist wo der daumen rechts ist

18. März 2020 22:49

Abwehr- und Kulturkämpfe

@ Simplicius Teutsch

Der Schmäh an Houellebecqs Szenario besteht doch darin, daß die Linksliberalen eventuell eine „Machtergreifung“ einer muslimischen Minderheit dulden und damit ermöglichen, daß aber bei einer substantiellen, i.e. „augusteischen“ Neubesinnung Europas die Rechten mit fliegenden Fahnen die Seiten wechseln werden, da eben die spirituellen Kräfte des Christentums für einen Abwehrkampf gegen den dekadenten Liberalismus nicht mehr ausreichen.
Aus heutiger Sicht nicht verwunderlich, daß der Strizzi Strache das zu seinem Lieblingsbuch erkor.
A bissl polemisch zugespitzt:
Wer heute geschichtsklitternd den Abwehrkampf gegen die Türken vor Wien feiert, indem er erloschene Allianzen als Mummenschanz wiederaufleben läßt, wird sich morgen unter dem Zepter des Halbmonds im Kampf gegen den Westen vereinen.

Und ganz unpolemisch:
Unabhängig davon nun, wie man den Asylstreit seit den 80ern (Asyl ist immer ein Individualrecht), die Debatte um „Multikulti“ und Zuwanderung/„Überfremdung“ in den 80ern und 90ern, die Diskussionen um Ius sanguinis vs. Ius soli in den 90ern ff und die Hickhack-Entwicklungen bis 2015 im Einzelnen sieht: Die Vermischung all dieser Fragen seit 2015 (Fluchtursachen) einerseits und die Frage des prinzipiellen Umgangs mit einer muslimischen Minderheit aus heutiger Sicht andererseits sind für mich zwei Paar Schuhe.
Insofern gebe ich Ihnen in Ihrer abwägenden Haltung vollkommen recht.

D.h. ich kann weder einer Multikulti-Euphorie, die in Fragen der Zuwanderung alles kunterbunt vermischt, noch einem Kulturkampf von rechts, der die Integrationsprobleme der Vergangenheit vollkommen ausblendet, etwas abgewinnen.
Beispiele für Letzteres? Gerne.
Wien war bis zu Luegers Zeiten de facto eine zweisprachige Stadt, der Kulturkampf zwischen Tschechen und Deutschen unerbittlich (und wohl auch eine Erklärung für die grausamen Vertreibungsverbrechen 1945/46).
Die Integration der Zuwanderer aus der Lombardei (Südfrüchte-, später dann Seiden- und Galanteriewarenhändler) seit dem Dreißigjährigen Krieg in Frankfurt und den Städten am Niederrhein dauerte gut und gern 100 Jahre.
Beide Male "Brudervölker".

ullrich

22. März 2020 11:23

Diese Serie hat in Wahrheit nichts mit Rache von Juden an Nazi Bestien und deren Schlechtigkeit zu tun, sondern mit dem bewussten Lügen einer Mehrheit von Juden über ihre Stellung in der amerikanischen Gesellschaft. Darum sind mit ihnen als Protagonisten in der Serie nur Minderheiten auf Mission unterwegs. Sie wollen sich bei den Minderheiten anbiedern und gleich mit ihnen sein, nur die sozialen Unterschiede sind einfach zu groß. Darum kommt diese Serie auch bei der linken Kritik nicht an. Hätte ein Afro diese Serie mit Sklavenhaltern statt Nazis gemacht wäre die Kritik besser ausgefallen.

Ratwolf

23. März 2020 22:11

Das Problem bei der Transformation einer geschichtlichen Tatsache in eine Religion ist, dass entschiedene Fakten verloren gehen, und neue "nützliche" Vorstellungen hinzukommen.

Die Verwendung der Ereignisse von 33-45 sind wenig brauchbar, um daraus eine neue Religion zu basteln.

Das ist schon beim Christentum überwiegend schief gegangen.

Die Fakten können bleiben, die Fokussierungen, die Umformungen und die Wiederverwendungen müssen aufhören.

links ist wo der daumen rechts ist

25. März 2020 10:05

Also bevor das jetzt wieder mit dem Gejammere über „Auschwitz-Religion“ und „Schuldkult“ ad infinitum endet: Religionen und Kulte sind nur dann stark, wenn Ketzer und Ungläubige sie ex negativo bestätigen.
Und ich wiederhole mich immer wieder gerne: Man ist nie nur Objekt, sondern immer auch Subjekt von (Um-)Erziehung; aber bis das einmal einsickert…

Stelle übrigens mit Bestürzung fest, daß ich dieses Machwerk mit einem vorangestellten „The“ geadelt habe. Vermutlich dachte ich an „The Munsters“, einer meiner Lieblingsserien in der Kindheit, oder gleich an ein Meisterwerk wie John Fords „The Searchers“.
Vergeßt also diesen Schwachsinn, der eure Umerziehungs-Unlogik nur bestätigen soll. Es gibt bessere Filme mit Al Pacino - oder freut euch an Fred Gwynne und Yvonne De Carlo oder John Wayne und Natalie Wood.