18. Februar 2020

Notizen über Israel (2): Die Versprechen des Daniel Pipes

Martin Lichtmesz / 17 Kommentare

Teil (1) dieser Artikelserie handelte von unter anderem den Freuden, die manchem Geknuteten das Schwingen einer ausgeliehenen "Antisemitismus-Keule" bereitet.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Hierbei handelt es sich oft um dieselben Leute, die sich das Etikett des "Rassismus" und der "Islamophobie" nicht aufpappen lassen wollen. Daß das Schlagwort vom "Antisemitismus" häufig strukturell ähnlich benutzt wird, scheinen sie nicht zu sehen: Es hat dann den Zweck, Kritik abzuwehren, indem dem Kritiker ein ethischer, irrationaler oder psychologischer Defekt unterstellt wird. Damit kann man seine Argumente ignorieren und ihn per Ächtung aus der Diskussion ausschließen.

Der Vorwurf des "Antisemitismus" ist ohne Zweifel eine mächtige "politische Waffe", wie es Norman Finkelstein in einer seiner fulminanten Streitschriften formulierte. Und bei keinem anderen Begriff wird derart verbissen um die Grenzen des "Zulässigen" gerungen, wie hier (etwa bei der Frage, wann - erlaubte - "Israelkritik" zu - verbotenem - "Antisemitismus" wird).

Diese Grenzen sind allerdings schwammig und können je nach Belieben und Kontext verschoben werden. Wenn etwa ein Marcus Ermler einen Haufen Zitate danach abklappert, ob sie "pro-jüdisch" seien oder nicht, dann scheint ihm nicht einmal der Gedanke zu kommen, daß er diesen Begriff vielleicht erst einmal definieren sollte.

Wenn das Judentum allerdings kein "monolithischer Block" ist, wie die Bekämpfer des Antisemitismus gerne (und richtig) betonen, was ist dann die "richtige" "pro-jüdische" Haltung? Gerade in Bezug auf Israel gibt es eine Vielzahl von innerjüdischen Positionen, die von bedingungsloser Bejahung über moderate Kritik bis hin zur radikalen Ablehnung reichen.

Das bedeutet auch, daß es nicht nur einen, sondern mehrere jüdische Schilde gibt, hinter die man sich potenziell stellen kann, um den Antisemitismus-Knüppel zu schwingen. Und vor lauter Knüppelschwingen verliert man Inhalte und Tatsachen aus den Augen, und auch die Notwendigkeit, sich einen eigenen Schild zu zimmern.

Hier wäre zu konstatieren, daß sich die epochale Spaltung zwischen Globalisten und Nationalisten auch durch das Judentum zieht, wobei ich in Bezug auf die USA sogar von einer Art "jüdischem Bürgerkrieg" sprechen würde. Diese Spaltung verläuft allerdings etwas komplizierter als bei Nichtjuden, und das hat mit der Besonderheit des Judentums als Diasporavolk zu tun, dessen nationale Verortung im Staat Israel noch recht jungen Datums ist (und aufgrund der Territorialkonflikte mit den Palästinensern und arabischen Nachbarn ein noch lange nicht abgeschlossenes Projekt).

Diesen innerjüdischen Konflikt sprach auch der amerikanisch-jüdische Publizist Daniel Pipes an, der gute Kontakte zu Teilen der AfD pflegt, und eine Allianz zwischen europäischen "Rechtspopulisten" und israelisch-amerikanischen Rechtszionisten zu schmieden sucht.

Es handelt sich hier um den Versuch, eine "Internationale der Nationalen" zu begründen, in der Israel eine führende oder mindestens stark akzentuierte Rolle spielen soll - der selbsterklärte "Christian Zionist" Steve Bannon hat es erfolglos versucht, nun ist der israelisch-amerikanische Vordenker Yoram Hazony, Autor des Buches The Virtue of Nationalism ("Die Tugend des Nationalismus"), mit seinem "National Conservatism"-Thinktank an der Reihe.

Wenn überhaupt, dann zeigt dieser Artikel Pipes' vom Januar 2019 mit dem Titel "Europas Juden gegen Israel", daß dies eine eher fragwürdige Idee ist. Er ist auch auf Deutsch unter dem Titel "Europäische Diaspora und Israel" in dem Sammelband Was Juden zur AfD treibt erschienen (Hagalil, das angeblich „größte jüdische Online-Magazin in deutscher Sprache“ ließ es von unserem alten Freund Armin Pfahl-Traughber verreißen, der ein "zynisches Spiel" mit "Diskursen" wittert.)

Als Einstiegsbeispiel kontrastiert Pipes das Lob von Premierminister Netanjahu für Matteo Salvini als "großen Freund Israels" mit den Angriffen, denen Salvini seitens "linksliberaler italienischer Juden" ausgesetzt sei, die ihm "Rassismus gegen Ausländer und Einwanderer" vorwerfen.

Das ist ein Muster, das sich in so gut wie jedem westeuropäischen Land beobachten läßt: Das organisierte "Establishment-Judentum"("Jewish establishment" nennt es Pipes) ist in der Regel multikulturalistisch-globalistisch ausgerichtet und sieht in den Rechtspopulisten latent antisemitische Wiedergänger des Faschismus, die es erbittert bekämpft, während diese sich durch Bekenntnisse zu Israel als die wahren Judenfreunde und besseren Anti-Antisemiten zu präsentieren versuchen.

Diese Frontlinie ist ähnlich (aber eben nur ähnlich) in den USA zu beobachten. Pipes bemerkt:

Diese europäischen Spannungen besitzen ein amerikanisches Pendant: die israelische Regierung hat wesentlich bessere Beziehungen zur Regierung Trump als das US-amerikanische jüdische Establishment. Symbolisch dafür steht, dass die jüdische Gemeinde in Pittsburgh, als Donald Trump anreiste, um die elf in der Synagoge ermordeten Juden zu betrauern, gegen seine Anwesenheit protestierte und so dafür sorgte, dass der israelische Botschafter in den Vereinigten Staaten den Präsidenten alleine willkommen heißen musste.

In der Tat hat Trump eine "alternative" jüdische Elite an seiner Seite versammelt, was ihn derart selbstsicher macht, daß er Juden, die für die Demokraten stimmen (und das sind in der Regel etwa 3/4 der jüdischen Wähler), der "Illoyalität" gegenüber - Israel bezichtigte. Damit hat er indirekt die Frage in den Raum gestellt, welchem Staat gegenüber Juden durch ihr Judentum (und nicht ihre Staatsbürgerschaft) zur Loyalität verpflichtet seien, was ihm prompt den Vorwurf einbrachte, "antisemitische Denkmuster" zu bedienen.

An der überwiegenden diasporajüdischen Parteinahme für Globalismus und Multikulturalismus (die nicht notwendigerweise mit einer Totalverwerfung von Israel einhergehen muß), ändern jedenfalls auch zunehmende Angriffe auf Juden durch muslimische Einwanderer wenig, so auch in Deutschland. Das jüdische Establishment - etwa der Zentralrat der Juden - ist hier auf ein- und demselben Kurs wie die Merkel-Regierung und das Parteienkartell der Bundesrepublik. Zwar wird regelmäßig eine allgemeine Panikstimmung bezüglich des angeblich wachsenden Antisemitismus in Deutschland ausgerufen, andererseits wird größte Sorgfalt darauf gelegt, daß dieser evozierte Antisemitismus nach links, rechts und "islamistisch" zerstäubt wird und als eher diffuser Vorwurf im Raum stehen bleibt.

Nach "rechts" bedeutet stets, diesen Antisemitismus "insinuierend" der AfD unterzuschieben (ähnliches geschieht in den USA mit Trump, dem vergeworfen wird, er schaffe ein "Klima" des Hasses, der Intoleranz usw. und sei darum auch am Anstieg des Antisemitismus indirekt schuld). Diese Ventilation ist die häufigste, egal, woher der Wind kommt. Das hat den Vorteil, daß die bewußt diffus gehaltene Drohkulisse AfD weiterhin aufrechterhalten werden kann, während die Kollateralschäden der "bunten Politik" , an deren Berechtigung und Alternativlosigkeit grundsätzlich nicht gerüttelt werden darf, vertuscht werden.

Selbst jene wenigen Juden, die offen Roß und Reiter nennen, was antisemitische Übergriffe angeht, wie etwa Michael Wolffsohn, hüten sich davor, die Mitverantwortung des jüdischen Establishments an der Lage zu benennen, wobei er sich als glühender Unterstützer der Merkel-Politik des Jahres 2015 selbst ins Gebet nehmen müßte ("Migration ist ein Geschenk des Himmels").

Hinzu kommt der Mechanismus der "Hierarchie der Opfer": Deutsche Politiker beteuern immer wieder, kostbares "jüdisches Leben" schützen zu wollen, während Ausländergewalt und -kriminalität gegen Nichtjuden in Deutschland schon seit über einem Jahrzehnt "bunter" Alltag sind (man erinnere sich an das Buch Deutsche Opfer, fremde Täter von Götz Kubitschek und Michael Paulwitz), ohne daß sich irgendein Politiker darum kümmert.

Es gibt hier also von jüdischer Seite eine Menge Klagen über "Antisemitismus", aber keine Spur der Selbstkritik und kaum Empathie für die nichtjüdischen Opfer des Multikulturalismus, den man offenbar als Projekt zu schützen versucht, trotz des Problems des muslimischen Antisemitismus. Das führt zu der paradoxen Situation, daß die größte Empörung über den muslimischen Antisemitismus aus Richtung AfD kommt, während sich das jüdische Establishment in Deutschland beharrlich weitaus größere Sorgen um die AfD zu machen scheint und sie erbittert bekämpft.

Pipes erkennt an, daß es sich hier um ein typisches Muster handelt:

Wenig überraschend konzentriert sich Israels Regierung auf die außenpolitische Ausrichtung dieser ["rechtspopulistischen"] Parteien und betrachtet sie daher beinahe ausnahmslos als ihre besten Freunde in Europa, während das jüdische Establishment in Europa ebenso vorhersehbarerweise auf die innenpolitische Ausrichtung dieser Parteien hinweist, indem es sie als unverbesserlich antisemitisch darstellt und sogar die Rückkehr der faschistischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts prognostiziert.

Hierfür gibt es etliche Beispiele.

Erika Steinbach, die nicht müde wird, sich zu Israel zu bekennen, wurde im November 2019 von der deutsch-israelischen Gesellschaft ausgeladen und zur "persona non grata" erklärt:

Die DIG hat in der jüngsten Sitzung ihres Bundespräsidiums in Berlin beschlossen, Sie schriftlich aufzufordern, Ihre politischen Überzeugungen künftig nicht mehr mit Ihrer Mitgliedschaft in der DIG zu untermauern oder zu begründen.

Alexander Gauland forderte (2017), daß deutsche Soldaten im Ernstfall an der Seite Israels kämpfen müßten, und die pro-israelische, pro-atlantische BILD-Zeitung drehte ihm das Wort um und unterstellte ihm "gefährliche Sätze über das Existenzrecht Israels". Ein paar Monate später wiederholte Gauland dies zugespitzter im Bundestag:

Der Fraktionsvorsitzende der AfD, Alexander Gauland, sagte, "es war und ist richtig, die Existenz Israels zu einem Teil unserer Staatsräson zu erklären". Das enthalte jedoch die Verpflichtung, im Ernstfall an Israels Seite "zu kämpfen und zu sterben". Er sei nicht sicher, ob das Ausmaß dieser Verpflichtung überall in Deutschland verstanden werde. Die Existenzsicherung Israels beginne am Brandenburger Tor, sagte Gauland. Wer den Davidstern verbrenne und Kippaträger angreife, habe das Gastrecht in diesem Land verwirkt.

Angesichts der Bundestagswahlen 2017 schrieb der israelische Präsident Rivlin:

Wir schätzen Bundeskanzlerin Merkels klare Haltung gegenüber der AfD und im Kampf gegen den neofaschistischen Trend, der in der ganzen Welt sein Haupt erhebt. Diese antisemitischen und rassistischen Stimmen haben keinen Platz, weder auf deutschem Boden noch irgendwo anders.

Drei Jahre scheint er seine Meinung nicht geändert zu haben, während die Presse allen Ernstes skandalisiert, daß Gauland, offenbar nicht ziemend ehrfürchtig und betroffen genug, während einer Holocaustgedenkrede Rivlins "minutenlang in derselben Sitzposition verharrte: die Augen nach unten gerichtet, den Kopf auf dem Arm aufgestützt."

Renaud Camus, der Schöpfer des Begriffs "der große Austausch" und Freund des jüdischen Philosophen Alain Finkielkraut, hat sich mehrfach pro-zionistisch und pro-israelisch positioniert. Und doch zählte eine jüdische Antidiskriminierungsorganisation wie die LICRA (das französische Pendant zur ADL) zu seinen erbittertsten Feinden. Dieser (und einer anderen Organisation) muß er nun eine Geldstrafe von 1800 Euro bezahlen, weil er die Masseneinwanderung als "Invasion" bezeichnet hat (zusätzlich hat er zwei Monate Gefängnisstrafe auf Bewährung ausgefaßt.)

Pipes nennt ein weiteres Beispiel:

Als herausragendes Beispiel dafür ist Rabbi Pinchas Goldschmidt zu betrachten, der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz. Er warnt äußerst sanft davor, dass ein Premierminister Jeremy Corbyn Juden dazu veranließe, Großbritannien zu verlassen, während er Zivilisationisten [Pipes' Begriff für "rechtspopulistische" Parteien und Politiker] emphatisch dessen bezichtigt, eine Rückkehr zu „totaler Diktatur“ anzustreben, und ihre proisraelische Haltung als illegitime Jagd nach einem anerkennenden „Koscherstempel“ denunziert.

Derselbe Rabbi Goldschmidt hat übrigens - nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" - folgendes geäußert:

Was die Frage betrifft nach dem Zusammenstoß zwischen dem säkularen, post-christlichen Europa und der neuen Migrationswelle, die im Kern religiös ist, so findet hier in der Tat ein Zusammenstoß der Zivilisationen ["clash of civilizations" nach Huntington] statt. Und wir, die Juden, wir sind in der Mitte dieses Zusammenstosses. Auf der einen Seite ist das, was in Paris und Brüssel passiert, daß Kinder, die auf der Straße mit der Kippa herumlaufen, attackiert werden. Auf der anderen Seite haben wir die Gegenreaktion des alten Europa. Wir haben Gesetze, die die religiöse Freiheit einschränken: in der Schweiz gegen Minarette, in Frankreich gegen die Burka, in Deutschland den Versuch eines Gesetzes gegen Beschneidung, in Polen und Holland gegen Halal- und koscheres Fleisch. Das ist also die Reaktion des alten Europa gegen diese Welle religiösen Ausdrucks. Wir sehen uns im gemeinsamen Kampf mit unseren muslimischen Brüdern, die ein freies, friedliches Europa wollen, die sich integrieren wollen, wie auch unsere Vorväter sich vor 120 Jahren in Westeuropa integriert haben, und sie sind unsere natürlichen Verbündeten.

Dies behauptet Rabbi Goldschmidt wohlgemerkt, nachdem er berichtet hat, daß etliche französische Juden auswandern wollen, weil sie in Frankreich "keine Zukunft für ihre Kinder sehen", und nur kurz nach den Anschlägen auf "Charlie Hebdo", in deren Folge ein Islamist einen koscheren Supermarkt überfiel und dort Geiseln nahm. Die Identifikation mit der Minderheit, die gegenüber der Mehrheit religiöse Sonderregelungen durchsetzen will, wiegt stärker als alle anderen Bedenken. Den muslimischen Antisemitismus scheint er nicht sehr ernst zu nehmen oder nicht für sehr gefährlich zu halten. Man hat es hier offenbar mit einer sehr eingefleischten Mentalitätsfrage zu tun.

Goldschmidt wurde übrigens mit der höchsten Auszeichnung Frankreichs, der Aufnahme in die Legion d'Honneur, geehrt: Man kann also getrost sagen, daß hier keine Randfigur spricht, sondern ein Mitglied des Establishments.

Ihm gegenüber stünde etwa ein Gilles-William Goldnadel, der in Pipes Profil der "Guten" paßt: ein militanter rechter Zionist, der die Redefreiheit von Oriana Fallaci (islamkritisch) verteidigt und jene von Edgar Morin (israelkritisch) bekämpft hat, Netanjahu-Anhänger, israelischer wie französischer Staatsbürger, von Sarkozy mit dem "Ordre national du Mérite" ausgezeichnet, Autor in konservativen Blättern wie Le Figaro und Valeur Actuelles, Mitglied der gaullistischen Partei "Die Republikaner". Goldnadel ist der Ansicht, daß es keinen "moderaten Islam" gibt, allenfalls hin und wieder moderate Muslime.

Auch ein Alain Finkielkraut und ein Eric Zémmour würden in dieses Profil passen, wobei sie beide weniger als Zionisten, denn als französische Patrioten auftreten, insbesondere der letztere (und alle drei werden von dem globalistischen jüdischen Philosophen Jacques Attali scharf wegen ihrer "Islamfeindlichkeit" kritisiert, ebenso wegen ihres "Souveränismus", den er für eine Form des Antisemitismus hält, der die Juden und Muslime, die sich gegen das "Phantom des Großen Austauschs" verbünden müssen, gleichermaßen bedrohe.)

Dieser innerjüdische Kampf habe, so Pipes, große Bedeutung für die Zukunft Europas:

Dieser Umstand gründet in der einzigartigen moralischen Autorität, die der Holocaust den Juden zuteilwerden lässt in der Beurteilung dessen, wer ein Faschist ist und wer nicht. Anders, in der zurückhaltenderen Formulierung des Wall Street Journal, ausgedrückt: "Während jüdische Wähler in vielen europäischen Ländern einen relativ kleinen Teil der Wählerschaft repräsentieren, könnte ihre Unterstützung zu gewinnen dazu beitragen, das öffentliche Image der rechtsextremen Parteien zu verbessern."

Um diese "far-right parties" mit Israel (wohl eher der Likud-Partei) in ein Boot zu setzen, spannt Pipes einen Schirmbegriff auf:

... es geht immer um die von der Presse als rechtsextrem, populistisch, völkisch oder nationalistisch bezeichneten Parteien, — die ich selbst aber als zivilisationistisch bezeichne (da sie vornehmlich bestrebt sind, die westliche Zivilisation zu erhalten).

Dieses "Framing" habe ich im ersten Teil dieser Serie beschrieben: Israels Sache sei nicht bloß, dem jüdischen Volk eine nationale Heimstatt zu schaffen, sondern Israel sei ein Vorposten der "westlichen Zivilisation", der "Demokratie und Menschenrechte", im Kampf gegen den "Islamismus" und so weiter. Wie ich bereits darstelle, muß dies als Mythos zurückgewiesen werden. Israels innen- wie außenpolitische Probleme sind das Resultat seiner Gründung als ethnischer Siedler- und Kolonialstaat auf besiedeltem Gebiet; Europas politisches Problem der Massenimmigration, die Köpfe wie Renaud Camus und Guillaume Faye als eine "Kolonisierung" deuten, ist dem fast diametral entgegengesetzt.

Pipes verspricht nun den "Zivilisationisten"("Populismus" lehnt er nach Begriff und Inhalt ab) das Heil aus Jerusalem, wenn die israelischen Juden in diesem Bürgerkrieg siegen:

Falls sich Jerusalem durchsetzt, werden die Zivilisationisten einfacher und zügiger in den politischen Mainstream Europas eintreten, zu Einfluss gelangen und ihre Hauptanliegen, die Zuwanderung zu kontrollieren und die Islamisierung zu bekämpfen, in Angriff nehmen. Falls sich das lokale jüdische Establishment durchsetzt, werden die Zivilisationisten länger um Legitimität kämpfen müssen und daher langsamer zu Einfluss gelangen und ihre Ziele nur weitaus mühseliger erreichen.

Dabei ist er bemüht, die aktive Rolle dieses "lokalen jüdischen Establishments" runterzuspielen. Obwohl die größte Judenfeindlichkeit nachweislich von islamistischer und linker Seite käme (in beiden Fällen handelt es sich wohl vor allem schlicht um antizionistische und anti-israelische Aktivitäten),

... hofieren viele europäische Juden — und insbesondere ihre Anführer — in selbsterniedrigender Weise das Establishment — politische Parteien, Medien, Bildungseinrichtungen — und verfestigen damit die moralische Überlegenheit ausgerechnet jener Kräfte, die ihr Leben ruinieren. Sie haben, um Bat Ye'ors Wortwahl zu verwenden, das Verhalten von Dhimmis übernommen (den historischen Status zweiter Klasse für nichtmuslimische Monotheisten, die unter muslimischer Herrschaft leben).

In Wahrheit verhält es sich eher umgekehrt, daß die nicht-jüdischen Teile des Establishments in Europa (und den USA) unaufhörlich um Legitimation von jüdischer Seite buhlen, kraft der von Pipes selbst gepriesenen "einzigartigen moralischen Autorität, die den Juden durch den Holocaust verliehen ist"; von einem "Status zweiter Klasse" innerhalb des Establishments kann hier keine Rede sein, und die vermeintlichen "Dhimmis" sind zum Teil äußerst aktiv an der Multikulturalisierungspolitik mitbeteiligt, die angeblich "ihr Leben ruiniert" (insbesondere in Frankreich und Großbritannien). Sie glauben schlicht und einfach nicht, daß ein "Eurabien" als antijüdische Verschwörung droht, wie die zitierte Bat Ye'Or.

Die Legitimationen werden auch ziemlich bereitweillig vergeben. So erhielt Angela Merkel unter anderem den "Abraham Geiger-Preis", den "Heinz Galinski-Preis", den "Rabbi-Lord-Jakobovits-Preis des Europäischen Judentums“, " Elie Wiesel Award" des Holocaust Memorial Museum (Washington), die Ehrendoktorwürden der Universitäten Haifa und Tel Aviv oder den "Theodor-Herzl-Preis" des Jüdischen Weltkongresses (Henryk Broder dazu: "Die spinnen, die Juden. Und wie!"). Waren das allesamt Akte der Selbsterniedrigung von "Dhimmis"?

Endgültig absurd wird es, wenn Pipes auch den israelischen Präsidenten Reuven Rivlin als "Dhimmi" bezeichnet, weil dieser die "Zivilisationisten" als gefährliche "Neofaschisten" bezeichnete, obwohl er sich ihrer entschiedenen Unterstützung Israels bewußt sei. Dementsprechend verweigerte Rivlin Salvini ein Treffen. Diese Episode erscheint nicht gerade ermutigend, was das "Heil aus Jerusalem" und das zu erwartende Ausmaß der Gegenliebe angeht.

Unbefriedigend ist auch Pipes' Konklusion:

Falls der Kampf hitziger werden sollte, steht sein Ausgang bereits jetzt schlechterdings fest: die Staatsräson wird die israelische Regierung letztlich dazu bringen, sich über die Bedenken der örtlichen jüdischen Gemeinden hinwegzusetzen und mit Zivilisationisten zusammenzuarbeiten, während die europäischen Juden weiterhin auswandern und ihren eigenen Einfluss zunehmend verringern werden. Diese Entwicklung ist begrüßenswert, denn Zivilisationisten sind keine Bedrohung im Stile der 30er Jahre, wie sie Oppositionspolitiker und Mainstream-Medien an die Wand malen, sondern vielmehr eine gesunde Antwort auf ein außerordentliches Problem. Tatsächlich verhält es sich so: je schneller die israelische Stimme tonangebend sein wird, desto besser für alle — Europa, seine jüdische Bevölkerung und den Staat Israel. Die einzige Frage besteht darin, wie bald das geschehen wird.

Hier erträumt Pipes eine Win-win-Situation für die zionistische Seite: Durch eine massive "Alija" (weil die "Zivilisationisten" an der Macht sind? Sollten diese umsetzen, was Pipes von ihnen will, gäbe es für die europäischen Juden doch keinen Grund mehr, auszuwandern?) würde Israel demographisch aufgestockt werden, während in Europa Regierungen herrschen, die stramm pro-israelisch ausgerichtet sind und ihre moralische Legitimation von den Verwaltern des Holocaust in Jerusalem empfangen haben. Der Staat Israel wird sozusagen, frei nach Jesaja 49,6, zum "Licht der Nationalisten" erklärt. (Böse gefragt: Was unterscheidet die solcherart eingespannten "Zivilisationisten" denn dann von "Dhimmis" für Israel, die stets an einer Holocaustleine gehalten werden müssen?)

Letztlich hat dieser Artikel den einzigen Zweck, europäischen Nationalisten einen Persilschein und politische Protektion im Austausch für außenpolitische Israel-Unterstützung (inklusive der Übernahme pro-amerikanischer, anti-iranischer, neokonservativer etc Positionen) in Aussicht zu stellen. Pipes sieht die "moralische Autorität der Juden", zu bestimmen, wer "Faschist" ist und wer nicht (also: wer auf der politischen Bühne mitspielen darf und wer nicht) nicht nur als faktisch gegeben, sondern offenbar auch als legitim an.

Aber sein Artikel thematisiert indes selbst den Umstand, daß es "die" Juden als politische Einheit nicht gibt, sondern vielmehr sind rivalisierende Fraktionen auszumachen, die sich gegenseitig als Schmocks (und nicht selten als "Antisemiten" oder "selbsthassende Juden") diskreditieren und ihre Persilscheine sehr unterschiedlich verteilen. Wie realistisch ist sein Szenario also überhaupt? Und wer sagt, daß sich die "lokalen jüdischen Eliten" von Israel "überstimmen" lassen werden?

Da ist es dann auch schon (fast) egal, daß Pipes ein äußerst militanter Interventions-"Falke" ist: nicht nur hat er den desaströsen Irak-Krieg begrüßt, er hat auch 2010 in einem Artikel, der auch in der Online-Ausgabe der Welt erschienen ist, gefordert: "Barack Obama sollte den Iran bombardieren" - um seine miserablen Umfragewerte zu verbessern (Lorenz Jäger nannte Pipes dafür "Dr. Seltsam").

Es spricht nichts dagegen, wenn die AfD oder eine sonstige nationale Opposition gute Beziehungen zu Israel pflegt. Sie darf aber nicht in die Falle tappen, sich einen außenpolitischen Kurs aufzwingen zu lassen, der nicht in Deutschlands Interesse sein kann, noch darf sie der Illusion verfallen, Israel wäre ein "Königsmacher", der ihr zu Macht und Geltung verhelfen kann. Sie sollte auch nicht danach trachten, im Rahmen der "Holocaust-Religion" Absolution, Legitimation oder eine moralische Aufwertung anzustreben, da auf diese Weise nur der "Schuldkult", von dem sich eine nationale Alternative unbedingt lossagen muß, affirmiert und perpetuiert würde.

Ein AfD-Politiker, der die Pipes'sche Strategie befürwortet, meinte neulich zu mir, dieser "Schuldkult" müsse unbedingt ein Ende haben, damit Juden und Deutsche wieder normale Beziehungen auf Augenhöhe haben können. Aber "Schuldkult" ist eben der Kern dieser angeblichen "moralischen Autorität" (sprich: Macht), und ich finde es einigermaßen widersprüchlich, diesen abschaffen zu wollen und gleichzeitig via Israel-Partisanentum nach Absolution oder Anzügen zu streben, mit denen man in den Klub gelassen wird. Ich denke, hier muß eine grundsätzlich andere Basis anstelle dieses schiefen Fundaments gelegt werden.

Was aber aus den USA herübergespülte Gestalten wie Daniel Pipes oder Steve Bannon betrifft, so sie locken mit Karotten, die sie niemals hergeben werden, wahrscheinlich nicht einmal besitzen, und sollten daher als die Irrlichter der Nationalisten erkannt werden, die sie sind.

Buchtipp: Was Juden zur AfD treibt. Neues Judentum und neuer Konservatismus, hg. von Vera Kosova, Wolfgang Fuhl und Artur Abramovych. 170 Seiten, 14,80 Euro. Besprechung von Michael Klonovsky hier.

 


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (17)

Maiordomus

19. Februar 2020 00:40

@Lichtmesz. Wenn Sie von "Holocaust"-Religion schreiben, versteht derjenige Analytiker Sie noch am relativ exaktesten, der in diesem Zusammenhang von den Grundwerten nach Max Scheler ausgeht. Es gibt andere, die diese Ihre Ausdrucksweise auf keinen Fall verstehen wollen, sondern "unter der Herrschaft des Verdachts" (Hermann Lübbe) Ihnen dies übelnehmen werden.

Grundwerte. Da gibt es einerseits "das Wahre": wie war es tatsächlich? Andererseits: "das Heilige", den unbedingten Respekt vor den Opfern. Die Ehrfurcht, die man ihnen schuldet. Etwas im Grunde Diskussionsloses. Diese beiden obersten transzendentalen Wertbegriffe werden regelmässig durcheinandergeschüttelt. Geht es um das Heilige, haben empirische Werte, Zahlen, Chemisches und dergleichen, nichts verloren. Dies war wohl mit ein Grund, weswegen es Jahrzehnte dauerte, bis die offizielle Opferzahl von Auschwitz auf eine immer noch fast unvorstellbare Million herabgesetzt wurde, und zwar von einer noch um ein um ein vielfaches höheren Zahl.

Mir schien es in diesem Sinne unangemessen, bei einem Mittagessen mit einem bedeutenden jüdischen Philosophen, der 16 nahe Verwandte in mehreren der über 500 Lager verloren hatte, über Zahlen zu debattieren. Noch respektloser wäre es gewesen, eine von mir selber für ein öffentliches Gespräch eingeladene jüdische Überlebende, die Sekretärin in Auschwitz gewesen war (und im Zusammenhang mit ihrem Überleben auf eine Art "Schindler" verwies), im Hinblick vielleicht auf denselben Fragen zu stellen. Es hätte, bei spürbar vorsichtigen Formulierungen, erst recht als unanständig gelten können. Die Veranstaltung in einem Saal einer Ordensgemeinschaft war eindrücklich. Die Frau, eine authentische Zeugin, war nicht zu verwechseln mit einem Historiker, der noch so viel Bücher studiert und von dort Zahlen und Fakten hätte aufzählen können.

Im Vergleich zu einem Schulgottesdienst und auch noch anderen Anlässen herrschte bei diesem Besuch eine Stimmung, auch Aufmerksamkeit, wie sie bei religiösen Feiern fast nur bei der Abdankung eines Mitschülers zu registrieren gewesen war. Wenn die Dame nicht noch über einen durchaus - wenn das hoffentlich nicht rassistisch ist! - typisch jüdischen Witz und Humor verfügt hätte! Auch verwahrte sich die Frau mit zwar schon hinfälliger Gesundheit gegenüber zu grosser Hilfsbereitschaft: Man solle sie nicht wie ein Baby behandeln usw. Witz und Humor wirkten entlastend.

Die präsentierte Wahrheit über Auschwitz war die Authentizität der Person. Der dominierende Grundwert blieb das Heilige. Es wäre daneben gewesen, den Gast im Stil eines amerikanischen Beschuldigtenanwalts auf vermutete Widersprüche der Erzählung behaften zu wollen. Oder Fragen zu stellen, die man auch einer heiligen Mutter Teresa nicht gestellt hätte.

Wenn Sie, Herr Lichtmesz, hier die Ausdrucksweise "Ausschwitz-Religion" verwenden, gewiss im Zusammenhang mit dem, was alles bis hin zum Jugoslawienkrieg damit "transzendental" legitimiert wurde, kann man dies rein intellektuell verstehen. Diejenigen aber, welche für Sie das nicht satisfaktionsfähige, durch die Meinungsfreiheit gedeckte Schimpfwort "Faschist" im Köcher haben, werden den Ausdruck "Auschwitz-Religion" anders deuten, und zwar so, dass die feindbildbezogene Meinungsverschiedenheit vielleicht bis nach Karlsruhe weitergezogen wird. Und mag Martin Walser seit seiner Wortschöpfung "Auschwitz-Keule", in Verbindung mit dem als Sohn geouteten Jakob Augstein, sich hundertfach gebessert haben: er wird diese "Keule" noch mal ins Grab nehmen. Dabei ist aber der Geist oder Ungeist, wie man sich auszudrücken pflegt, längst aus der Flasche entwichen.

Ratwolf

19. Februar 2020 01:07

Es heiß: "Geben und Nehmen"

Das sollte auch für die Beziehung zw Deutschland und Israel gelten. Daraus könnte sich ja Fruchtbares ergeben.

Derzeit sieht es aber so aus, als wenn der deutsche Steuerzahler bezahlt (wie z.B. beim U-Boot-Deal), und Israel nur die Oberen (also die Entscheider, die Merkels & Friede Springers) politisch unterstützt und ehrt.

Das ist von Seiten Israels etwas unfair, weil die Merkels & Friede Springers aus Sicht vieler Menschen hier dem deutschen Volk eher schaden und es sich nur selber gut ergehen lassen. Aber was sollen sie machen? Wenn Merkel sauer wird, dann gibt es keine Ersatzteile für die U-Boote oder Panzer mehr...

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Die Graumanns, Schusters und Knoblochs sind wohlhabend genug, um problemlos nach Israel oder irgendwo in der Welt auszuwandern, wenn es in Deutschland zu heiß wird. Wie so etwas, zeigt Frankreich. Was sie über die Migrationspolitik bringen ist unfair.

Bei den nicht so wohlhabenden Juden in Deutschland ist es schwieriger. Es gibt Programme, aber man hört, dass viele Menschen, welche nach Israel übergesiedelt sind, bis jetzt nie wirklich glücklich dort geworden sind. Besonders, wenn man seine Tochter durch den Mord eines kurdischen Migranten verloren hat.

Die Zuhilfenahme der Antisemitismus-Keule von Seiten wer-auch-immer macht die Sache nicht besser, und wirft weitere Fragen auf.

MARCEL

19. Februar 2020 09:58

Kleine Bemerkungen am Rande: Die Neue Rechte wird kaum ohne Allianzen auskommen. Man muss den Staat Israel und seine Verästelungen in die USA hinein nicht mögen (und viele Ultra-Orthodoxe Haredim tun es ja auch nicht), doch überlassen wir eine Allianz mit den Palästinensern lieber der Linken. Es gibt einen kleinen, unbedeutenden (?) Teil im rechten (?) Spektrum (glaube, die nennen sich Patriotische Linke), der so starke Sympathien für die Palästinenser an den Tag legt, dass ich diesen Teil am Schluss offen auf arabischer Seite sehe, Konversion zum Islam inklusive.
Ja, ich weiß, auch Palästinensern geschah/geschieht Unrecht, doch hätten diese bei Gelegenheit keinerlei Probleme damit, uns unser Land wegzunehmen. Islam verpflichtet zur Ausbreitung - Judentum nicht.

tearjerker

19. Februar 2020 11:53

In allen westlichen Staaten und ganz besonders in der Bundesrepublik ist das jüdische Establishment Teil der Parteien, Verbände, Vereine und NGOs, die auf der Suche nach öffentlichen Mitteln und Versorgung mit den Wölfen heulen um in der Verlosung zu bleiben. Das Hemd ist halt näher als die Hose. Für die seit einigen Jahren entstehende neue Opposition innerhalb des Westens ist Israel attraktiv, weil es das Nationalstaatsprinzip lebt, während man sich umgekehrt relativ offen für neue Kräfte im Ausland zeigt um sich seine Optionen offen zu halten. Dazu kann man technisch-ökonomisch, militärisch und sozial etwas vorweisen und hat kein Problem damit, den Kampf zum Gegner zu tragen, wenn er sich zu weit aus dem Fenster lehnt. Es gibt also genug um positiv anzuknüpfen, auch wenn es gegenwärtig nur dazu reicht, der Linken ihren Anti-Semitismus unter die Nase zu reiben um sie damit auf die Palme zu bringen.

Lotta Vorbeck

19. Februar 2020 17:27

Die visuelle Bestätigung dessen, was Martin Lichtmesz ausführt - in Form eines kurzen Videos, zusammencompiliert mit im Staate Israel gefilmten Sequenzen, die den Aussagen an der Küste Griechenlands aktiver israelischer [sic!] Refugee-Welcome-Volunteers gegenübergestellt werden:

https://www.bitchute.com/video/grNhixOQV7gH/

TheBlackCat

19. Februar 2020 21:23

Pipes Versprechungen gehen von zwei – falschen – Grundannahmen aus:

1. Dass ein „Persilschein“ von jüdischer Seite allein tatsächlich das „das öffentliche Image“ der rechten Parteien irgendwie verbessern würde und diese Parteien dann „einfacher und zügiger in den politischen Mainstream Europas eintreten könnten.

2. Dass zwischen den politischen Eliten Israels und dem Pipes so genannten „lokalen jüdischem Establishment in Europa“ irgendein Dissens bestünde.

Zu 1.) Die öffentlich Wahrnehmung einer Partei ist maßgeblich von der Berichterstattung der Massen-Medien und den anderen, den Diskurs bestimmenden Eliten abhängig. Es ist offenkundig so, dass diese eine Dämonisierung-Strategie gegen die AfD betreiben. Und sofern eine israelische Parteinahme für die AfD und ähnliche europäische Parteien nichts an ihrer medialen Behandlung ändern würde, würde sich auch ihr Image nicht ändern.

Es ist naiv zu glauben, dass eine von israelischer Seite ausgestellte Unbedenklichkeitserklärung für die AFD allein auf magische Weise den Blick der Bevölkerung auf die AfD verbessern würde trotz anhaltender „Nazis“-, „Faschisten“-, „Extremisten“- Dämonisierungen durch die MSM und Altpartei-Politiker.

Zu 2.) Anders als von Pipes behauptet, betrachtet Israel die rechtspopulistischen Parteien eben nicht „ausnahmslos als ihre besten Freunde in Europa“.

Die AfD zählt Israel nach den Worten seines Botschafters ganz augenscheinlich nicht zu seinen „besten Freunden“. Genauso wenig wie die FPÖ, der Rassemblement National oder die PVV des betont israelfreundlichen Geert Wilders.

Wie Martin Lichtmesz im ersten Teil seines Artikels treffend beobachtet hat, ist „die Liebe der "Rechtspopulisten" zu Israel ist notorisch einseitig, es sei denn es handelt sich um einen "Rechtspopulisten" an der Macht, wie etwa Trump oder Orban.

Aber selbst ein Orban oder Trump wurden von israelischer Seite nie derart mit Ehrungen und Auszeichnungen überhäuft wie eine Angela Merkel.

Die freundschaftlichen Beziehungen, welche die Regierung Israels zu den Rechts-Regierungen osteuropäischer Ländern pflegt, scheinen eher realpolitischen Motiven geschuldet zu sein als weltanschaulichen Gemeinsamkeiten oder echte Sympathien für die anti-globalistische, ethno-patriotische Politik der osteuropäischen Regierungen.

TheBlackCat

19. Februar 2020 21:58

@tearjerker

"Es gibt also genug um positiv anzuknüpfen, auch wenn es gegenwärtig nur dazu reicht, der Linken ihren Anti-Semitismus unter die Nase zu reiben um sie damit auf die Palme zu bringen."

Wo sehen sie einen Antisemitismus unter den Linken verwirklicht? Und was definieren sie überhaupt als Antisemitismus?!

Lumi

20. Februar 2020 00:18

Ein guter Aufsatz, der jene zum Denken anregen kann, die sich auf dem Wege der Anbiederung oder an seinem Ende, so es denn überhaupt in Sicht wäre, die Ausstellung von Persilscheinen erhoffen. Die sind einfach zu naiv für diese Welt.

Hallo @Maiordomus, Sie haben da ja sehr schön nicht nur die besagte "Religion" veranschaulicht, sondern auch wunderbar am eigenen Erleben ihren in der Tat religiösen Charakter beschrieben. Das ist doch eine fundamentale psychologische Erkenntnis, zu der man erst mal vorstoßen muß.

Es muß einem dann auch klar werden, daß diese "Religion" weder erbaulich ist noch sein will, sondern im Gegenteil den seelischen Aufbau ihrer Zielgruppe stören will, um dort manipulativ anzusetzen. Einen anderen Zweck hat sie nicht.

Sie gehören, da bin ich mir ziemlich sicher, zu jenen Zeitgenossen, die diese unheilige Psychomechanik zwar erkannt haben, aber dennoch apologetisch verherrlichen: Das Heilige, die Ehrfurcht, der unbedingte Respekt, die Schuld - diskussionslos. Das sind lauter getarnte Imperative, die Gehorsam fordern. Ach, und die Empirie hat hier natürlich nichts verloren. Ja freilich nicht - wo kämen wir denn da hin?!

Kannitverstan.

Um auch mal ein bißchen Bildung zu bringen (wobei ich wirklich nicht belesen bin): Wenn man La Rochefoucauld auf Sie losließe, dann würden Sie keine so gute Figur machen.

Wer sich schon vor Worten fürchtet, die andere absondern könnten, der wird sowieso keinen Blumentopf gewinnen. Das System beruht auf Angst und dem sich daraus ergebenden Verstummen.

Danke jedenfalls für den Hinweis auf Johann Peter Hebel. Meine Mutter hat uns das mehrmals vorgelesen, wie wir klein waren. Hatte die Geschichte ganz vergessen und wußte auch den Autor nicht. Wir stimmen darin überein, daß sie zu tiefen Einsichten anregt.

Laurenz

20. Februar 2020 10:37

Dem Artikel kann man so lange zustimmen, wie man die aktuelle jüdische Welt isoliert betrachtet, ohne uns sonstige "Weltbürger".

Um das verständlich zu machen, ist der historische Vergleich deutscher und französischer Politiker hilfreich. Deutsche Politiker sind Konservative, Kommunisten, Liberale und dahinter irgendwann mal vielleicht Deutsch. Französische Politiker sind vordergründig erstmal Franzosen und dann erst Konservative, Kommunisten, Liberale.
Natürlich existieren ebenso, wie im Beispiel der Franzosen, unterschiedliche Befindlichkeiten im Welt-Judentum. Aber spielen diese unterschiedlichen Befindlichkeiten von vielleicht 30 Mio. Juden weltweit noch eine Rolle im Umgang mit 7,3 Milliarden Nicht-Juden?
Zweifelhaft. Da hält man im Falle des Falles doch lieber zusammen und stellt unterschiedliche Haltungen hinten an.

Die überzogene Aufmerksamkeit, die Juden und Israel in weißen Gesellschaften genießen, stammt noch aus einer Zeit, in der der alte weiße Mann den Planeten dominierte. Die jüdische Einflußnahme, vor allem in Britannien, als Weltmacht Nummer 1, hatte hier, wenn, den größten Einfluß.
Auch die Verlagerung dieses weltweiten Schwerpunkts, mit Beginn 1913 (FED-Gründung) - 1944 (Bretton Woods) nach New York, hat mit der heutigen aktuellen geo-politischen Lage nichts mehr zu tun. Der Schwerpunkt letzterer wurde mit dem Sieg Maos, 1949, und der Machtergreifung Deng Xiapings, 1979, endgültig nach Ostasien verschoben.
Westliche mediale Versuche, wie dem chinesischen "Führer" auf Lebenszeit, Xi Jinping, im Zusammenhang mit einem Virus "Schwäche" zu unterstellen, sind nur Merkmale eines selbst-beweihräuchernden Rückzugs-Gefecht aus dem tatsächlichen Weltgeschehen. Was sind in China schon 1 Mio. Tote? In China sterben jedes Jahr ca. 17 Mio. Menschen, also ein viertel-fünftel der Bevölkerung Deutschlands im Vergleich.
Die ewige Verschissmus- und Anti-Semitismus-Debatte im Westen, also die Beschäftigung mit sich selbst, soll welches geo-politische Ergebnis bringen? Lächerlich. Dieses Theater lenkt nur vom tatsächlichen Zeitgeschehen ab.

Der im weißen Westen grassierende, weltoffene (also nicht ganz dichte) Links-Liberalismus, der nicht viel mehr als eine oligarchische Diktatur darstellt, auch unter Mithilfe der Diaspora-Juden, wie dem Zentralrat der Juden Deutschlands, bleibt Jahrzehnte hinter den tatsächlichen Ereignissen zurück. Die links-liberale Zerstörung der kulturellen Identität westlicher Nationen führt daher in die geo-politische Bedeutungslosigkeit. Der Glaube der US Demokraten und ihrer europäischen Vasallen, mit militärischem Druck und Interventions-Politik hier noch etwas aufhalten zu können, erinnert irgendwie fatal an das "Tausendjährige Reich".
Jüdische Interessens-Vertretungen, ob nun NGOs oder GOs, sollten anfangen, selbst zu hinterfragen, ob sie mit dem alten weißen Mann untergehen wollen, oder etwas an ihren "Befindlichkeiten" zu schrauben. Nur Völker und Nationen, die eine Identität besitzen, haben logischerweise einen Überlebenswillen. Einzig eine pro-semitische Identität wird zum Überleben des Westens, mangels Masse, nicht ausreichen.
Und diese pro-semitischen Befindlichkeiten interessieren in Ostasien kein Schwein, sie sind keiner medialen Bemerkung wert. Was sind angesichts historischer und politischer Katastrophen Asiens für Asiaten schon die Opfer 2er Weltkriege oder eines Holocausts nach 160 Jahren eines britischen Hongkongs wert? Im Grunde wälzen sich die Asiaten auf dem Boden und lachen sich fast tot, angesichts des westlichen Niedergangs.
Längst haben die Chinesen überall (nicht nur in der westlichen Hemisphäre) ein reverses NGO-Hongkong errichtet, und wir können trefflich darüber spekulieren, welche Ewigkeiten diese Bestand haben werden.

RMH

20. Februar 2020 10:52

"Wo sehen sie einen Antisemitismus unter den Linken verwirklicht?"

@TheBlackCat,

berechtigter Einwand. Einen rassisch-biologistisch basierten Antisemitismus, wie er im historischen Nationalsozialismus unbestreitbar eine der Hauptsäulen der Ideologie darstellte, wird man bei klassischen Linken ab/seit Marx wohl eher kaum bis gar nicht finden (wer weiß aber, was es dort alles für Sekten gibt - ist ja extrem amorph, die linke Szene).

Die Linke kann zudem so ziemlich alles, was israelkritisch, antisemitismus-verdächtig und pro-palästinensisch erscheint oder erscheinen mag, recht gut unter ihre allgemeinen Schienen Antikapitalismus bzw. Anti-Finanzkapitalismus, Antiimperialismus und Antinationalismus und Pro-International und Pro-Solidarisch unterbringen. Ferner werden es Linke vermutlich locker schaffen, pro Juden in der AfD mindestens 10 oder mehr Juden in ihren eigenen Reihen als Quasi-Zeugen ihrer Unverdächtigkeit zu liefern (will ob dieser postulierten Menge mit dieser These jetzt aber nicht das klassisch antisemitische Klischee vom jüdischen Bolschewismus bedienen ...).

Insofern ist es schon zutreffend, dass man dieses ewige "Antisemit"-Gekreische der Gegenseite jetzt nicht einfach spiegeln muss. Auf der anderen Seite macht gerade die Beliebigkeit, mit der heute irgendetwas als "antisemitisch" oder "rassistisch" bezeichnet wird (da hat ja das links-grüne Politestablishment aktuell die Definitionshoheit im Stile eines H. Göring inne - sprich, es ist darin komplett beliebig) es natürlich recht einfach, manche aktuelle linke Positionen als "antisemitisch" zu bezeichnen.

Aber twitter lässt eben nur 280 Zeichen zu und da kippt dann jede Differenzierung heutzutage ... ;)

Lumi

20. Februar 2020 11:31

Ich muß sagen, dieser Blog ist eine wahre Fundgrube tiefer Einblicke! Rabenfeder zitierte neulich "einen berühmten Erspürer der Archetypen":

» Wotan disappeared when his oaks fell and appeared again when the Christian God proved too weak to save Christendom from fratricidal slaughter. When the Holy Father at Rome could only impotently lament before God the fate of the grex segregatus, the one-eyed old hunter, on the edge of the German forest, laughed and saddled Sleipnir. «

Diese Worte haben mir wegen ihrer verdrehten Perfidie, gekonnt ins Bild gegossen, keine Ruhe gelassen. So mußte ich herausfinden, wer dieser Erspürer ist: Know thy enemy. Das hat mich zu einem sensationell guten Gastbeitrag geleitet, der direkt zum Kern der Misere führt:

C.G. Jung und die deutsche Seele - 1. Dezember 2015
https://sezession.de/57169/cg-jung-und-die-deutsche-seele

» Wie könnten wir uns von Jung die Heilung dessen, was wir in Ermangelung eines besseren Begriffs »Volksseele« nennen wollen, zurückholen, die uns das von ihm propagierte Kollektivschuld-Dogma bis heute verwehrt? Dank des von Jung hochgeschätzten Paracelsus, des Begründers der Giftkunde, wissen wir ja: ubi malum, ibi remedium. Das hatte er wahrscheinlich von den Kräuterhexen. Die kannten noch die wirklich wissenswerten Naturgesetze, zum Beispiel: daß man häufig neben der Giftpflanze im Wald auch gleich die das Gegengift enthaltende Heilpflanze antrifft. «

Falsche Geschichte, falsche Erziehung, falsche Gedanken, falsche Menschen. Traurig ist das.

Die Unfähigkeit zu trauern? Nicht gelesen. Nicht ganz unsymptomatisch, aber interessant:

Der versäumte Abschied von der Volksgemeinschaft. Psychoanalyse und „Vergangenheitsbewältigung“ - von Tobias Freimüller
https://docupedia.de/zg/Mitscherlich,_Unf%C3%A4higkeit_zu_trauern

Massenhafte Selbstaufklärung der Gesellschaft? (Oder der Gemeinschaft?) Anfälligkeit für Ideologien und Massenwahn? Verleugnung der Vergangenheit? Treffende Benennung eines in der Luft liegenden Problems?

Das ist einiges an gedanklichem Material, das man auch mal andersherum wenden kann.

Immunisierung der Gesellschaft gegen zukünftige Bedrohungen durch Stärkung der individuellen kritischen „Ich-Leistung”? Oder Zersetzung der Gemeinschaft zwecks zukünftiger Manipulation durch Vergiftung der gemeinsam gefühlten Identität - durch Vergiftung der Volksseele?

Der_Juergen

20. Februar 2020 11:53

Ich begreife ohne weiteres, dass der Staat Israel und die überwältigende Mehrheit der deutschen Juden der AFD trotz ihrer peinlichen Anbiederung die kalte Schulter zeigen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Es gibt keine Gewähr dafür, dass die Parteispitze, besonders im Fall grosser Wahlerfolge, ihren heutigen Kurs weiterführen wird. Im Gegenteil, es muss damit gerechnet werden, dass eine patriotische deutsche Partei das Siegernarrativ ^über den Zweiten Weltkrieg eines Tages nicht mehr respektieren wird.

@Marcel
Eine Allianz mit den Palästinensern verlangt von uns wohl niemand, so dass Sie hier offene Türen einrennen. Nichteinmischung in die nahöstlichen Konflikte, deren Verlauf wir ohnehin nicht zu beeinflussen vermögen, wäre das Gebot der Klugheit.

tearjerker

20. Februar 2020 13:29

Die Linke inklusive der Klemmbolschewisten bei Sozis oder Grünen bekämpft den Staat Israel, weil er jüdisch ist, nicht weil er zionistisch ist.

ML: Das höre ich immer wieder, aber welchen Beweis gibt es dafür?

Nahezu jedes der zahllosen Gespräche, dass ich mit Leuten dieser Fraktionen über Jahrzehnte zur Thematik führen konnte, förderte früher oder später die üblichen angestaubten Klischees zu Tage, die auf einer tiefen emotionalen Antipathie beruhen und von der diese Leute ganz und gar ergriffen sind, weshalb man früher oder später in der Israel-Debatte immer die Katze aus dem Sack lässt. Man kann einfach nicht anders. Während die jungen Jahrgänge in den 60igern und 70igern noch die antijüdische Position der Elterngeneration übernahmen, sind die in den 80igern Geborenen im linken Spektrum zumindest gelegentlich israelfreundlich, während bei jungen politisch Aktiven der Gegenwart ganz klar offene Ablehnung praktiziert wird, die über die Mehrheitsverhältnisse in diesen Jahrgängen durch die Vielfältigen ohne Vorbehalte ins Zentrum der Debatten geführt und festgezurrt wird. Kein Wunder also, dass sich die politischen Fraktionen von links noch mit jedem Staat und jeder Splittergruppe verbünden, wenn diese nur was gegen Israel vorbringen. Hier gibt es eine starke Identiifikation, egal wie oft irgendwelche Verlautbarungen das Gegenteil behaupten. Deshalb: Hart trollen, den Laden.

Laurenz

20. Februar 2020 13:57

@Lumi .... mutmaßlich ist Wotan, Wodan, Odin in der germanischen Mythologie jüngerer Natur und kam als Reiter vermutlich mit den Asen (Skytho-Sarmaten) aus dem Osten. Er wird, im Gegensatz zu den sonstigen im Licht erstrahlenden germanischen "Gottheiten", als dunkel und düster beschrieben. Er wird deshalb teils auch als Trugvater betitelt, um aufzuzeigen, daß Wotan/Odin als nicht zulässiger Aufsteiger angesehen wird. Im Englischen ist er noch einmal in der Woche gegenwärtig, und zwar am Wednesday, zu deutsch Wotanstag. Auch Wikinger-Gründungen, wie die Hauptstadt Schottlands "Edinburgh", erinnern fast deutsch an ihn, Odinsburg.

Laurenz

20. Februar 2020 14:39

@tearjerker .... Sie liegen hier falsch und ML richtig. Wenn Sie die von mir empfohlene Sendung Me, Myself & Media 55 https://youtu.be/aKJZem0Mv4I der KenFM-Redaktion anschauen, finden Sie exakt die linke Kritik an Israel. Ken Jebsen bezeichnet, "nicht zu Unrecht", Israel als Apartheids-Staat, was aus Sicht der alt-testamentarisch geprägten Buren, durchaus Sinn ergibt.
Völlig egal, welche Haltung man selbst einnimmt, zeigt sich der innere Widerspruch im Judentum, einerseits die Ethnokratie Israel, 3 Jahre nach der Vernichtung des III. Reichs militärisch gegründet, und andererseits die Verneinung von Ethnokratien durch das Diaspora-Judentum. Da man das auf Dauer keinem verkaufen kann, tut sich eben der Riß zwischen echten Linken und dem, nach Ken Jebsen!, pseudo-linken Establishment auf, welches, in seinen Augen, die AfD weit rechts überholt.

Der_Juergen

20. Februar 2020 14:42

@tearjerker

Mir scheint, Sie stellen die Fakten auf den Kopf. Abgesehen von kleinen Gruppen wie der um die "Rote Fahne", die zwar antizionistisch, nicht aber antijüdisch ist, ist die deutsche Linke stramm projüdisch und ganz überwiegend auch israelfreundlich. Der markanteste Ausdruck dieser Ideologie sind die Deutschenhasser, die, unter israelischen Flaggen marschierend, jeweils am 13. Februar in Dresden "Bomber Harris, do it again" skandieren.

Dass der eine oder andere Linke oder Grüne milde Kritik an der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern übt, ändert nicht viel an diesem Bild. Es gibt ja auch viele Juden, welche diese Politik kritisieren.

Andreas Walter

21. Februar 2020 13:21

Das Verhältnis in den VSA ist mittlerweile 1/3 konservativ zu 2/3 links. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten stark nach rechts verschoben. In Israel ist es dagegen genau umgekehrt, steht es derzeit schon wieder 50:50. Dort bewegt es sich seit Gründung immer weiter nach links und damit in Richtung Untergang. Über das Verhältnis in Deutschland kann ich nichts sicher sagen, doch da könnte ich mir sogar 1 zu 5 oder 1 zu 6 vorstellen. Der Gruppendruck ist halt auch in der jüdischen Gemeinde enorm, weil klein. Jeder kennt sich, man trifft und sieht sich, hört und weiß voneinander.

Linke Juden sind halt genauso Träumer wie die nichtjüdischen Linken, auch hier geht Ideologie und Wunsch vor Erfahrung und Vorsicht. Wer nichts oder nur sehr wenig zu verlieren zu haben glaubt ist meist links. Konservativ (erhaltend) wird man im Normalfall erst mit zunehmenden Wohlstand. Hier macht sich darum auch der Mangel an Raum in Israel deutlich bemerkbar. Die Juden in den VSA sind im Durchschnitt vermögender und haben auch weniger Kinder als die in Israel. Deutschland ist ein Spezialfall, den will ich darum nicht erläutern. Eine deutliche Veränderung hat die jüdische Gemeinde in Deutschland erst durch die Russlanddeutschen erfahren. Von dort glaube ich kommt in Deutschland auch das meiste Verständnis für die AfD.