19. März 2020

Syrien – Notizen einer politischen Reise (4)

Gastbeitrag / 2 Kommentare

von John Hoewer -- Der überwiegend christlich geprägte Ort Maalula liegt rund 60 Kilometer nördlich von Damaskus.

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Man erreicht ihn über die M5-Autobahn, die Damaskus mit Homs und Aleppo verbindet. Etwa eine Stunde dauert die Fahrt. Die Wagenkolonne braust aus der Stadt. Nach einigen belebten Außenbezirken fährt man hinter einigen Checkpoints auf die Autobahn. Sie wird am Fahrbahnrand gesäumt von kleinen Verkaufsläden, einige kaum mehr als ein Pavillon.

Nur einen Kilometer weiter ändert sich die Szenerie eindringlich. Hier liegen die Orte, deren Namen sinnbildlich für vieles steht, was in der westlichen Hemisphäre über den Konflikt in Syrien berichtet wurde:

Ost-Ghouta, über fünf Jahre lang eine Festung diverser islamistischer Milizen.

Die Stadt Duma, die bereits zu Beginn des Krieges von »Rebellen« besetzt wurde und seit 2013 von Regierungstruppen umzingelt wurde.

Harasta, einer der letzten Kessel, den die syrische Armee im Frühjahr 2018 freikämpfte.

Die Autobahn führt mitten hindurch. Hier steht kaum ein Stein mehr auf dem anderen. Ehemalige Industriegebiete, eine Polizeikaserne, Autohäuser, komplette Ortschaften. Eine einzige Trümmerwüste, bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Alle paar Kilometer folgen Checkpoints. Die Soldaten tragen kaum einheitliche Kleidung. Viele haben nicht einmal Stiefel. Sie tragen Turnschuhe, manche auch Sportjacken oder zivile Hosen anstelle eines Uniformteils. Ihre Gewehre sind uralte Kalaschnikows, oft ohne Schulterstütze. Die Soldaten haben sie abgestellt oder in ihren kleinen Häuschen abgelegt. Sie winken und salutieren mit freundlichem Gesicht.

Nach einer Weile biegen wir ab auf eine Landstraße, passieren einige Ortschaften in der Wüste, kleine begrünte Oasen. In der Weite des Landes liegen vereinzelte Gehöfte inmitten der kargen Landschaft, während wir dem Qalamun-Gebirge immer näher kommen. Da liegt es. Das Bergdorf Maalula. Es ist malerisch eingefaßt in die Gebirgslandschaft. Beinahe schützend, wie eine Hauswand, erhebt sich in ihrem Rücken ein Felsen.

Es herrscht geschäftiges, aber dennoch ruhiges Treiben. Mopeds sausen über die Kreuzung, an der Dorfbewohner ein Motorrad reparieren. Bauarbeiter schleppen Werkzeug und Material über die Straße. An einigen Häusern wird gebaut. Fast verträumt sind die weißen Häuser in den Berg gezogen. Auf den Flachdächern hängt die Wäsche zum Trocknen und über allem wachen zwei weltbekannte christliche Pilgerorte: das Kloster zu Ehren der Märtyrer Sergius und Bacchus sowie das Kloster der Heiligen Thekla.

Postkartenidylle. Man möchte sich kaum ausmalen, dass hier noch vor wenigen Jahren brutal gekämpft wurde. Islamistische Rebellen hatten den Ort überfallen und terrorisiert, Menschen verschleppt, ermordet. Die Heiligtümer der Kirchen geschändet, verbrannt und gestohlen. Wohl um so verlockender für die Islamisten, daß Maalula ein Zentrum auch der aramäischen Sprache ist, der Sprache Jesu.

Brutal wüteten die Schergen von Al-Nusra und anderer barbarischer Milizen. Noch heute sind in den Klöstern die Schändungen sichtbar. Brandflecken und Löcher zeichnen Gemälde und Ikonen, zerstörte Heiligenfiguren, Einschusslöcher. An mehreren Stellen im Ort werden die gefallenen Soldaten als Märtyrer verehrt. Auf Bildern und Gigantografien sind sie abgebildet, meist in Flecktarn und entschlossener Mimik. Eine breite Allianz hatte den Ort befreit, freigekämpft von monatelanger Versklavung und mörderischer Barbarei.

Gemeinsam mit der syrischen Armee und Kämpfern der Hisbollah brachen einheimische Freiwilligenverbände das Regiment der islamistischen Terroristen, in der kriegshetzerischen Propaganda des Westens als »Oppositionskräfte« verschleiert. Unter den Kriegstoten der Islamisten hätten sie kaum Syrer identifiziert, sagen die Einheimischen. Dafür Kämpfer aus zig Nationen.

Mit ernster Stimme berichten die Gemeindemitglieder von den Kämpfen. Von Ihren Verlusten. Die Schilderungen sind eindringlich, teilweise grausam. Die Kühle des in Stein gehauenen Gebetsraumes legt sich merklich über die Haut, als der Vorsitzende der Gemeinde von den Gräueltaten der Islamisten berichtet. Aber auch vom mutigen Widerstand, von der heroischen Gegenwehr.

Man führt uns noch in den Hof des Gebäudes, ein wunderschönes Atrium. In einem kleinen Verkaufsraum wird selbstgemachter Wein gereicht, freundliche ältere Damen verkaufen Souvenirs. Neben dem Kirchengebäude räumen französische Freiwillige Trümmer auf. Sie gehören zur Organisation SOS Chrétien d'Orient, einer konservativen-christlichen Hilfsgesellschaft.

Von der Straße aus hat man einen weiten Blick über das Land. Strahlend blauer Himmel steht über der Steppe. Immer noch etwas unwirklich das Ganze. Ein paar Meter die Straße rauf stehen die Reste eines Hotel, im Vorfeld ein Gebäudekomplex, ebenfalls in Trümmern. Oft ist auf den ersten Blick nicht klar, ob etwas gerade im Rohbau ist oder durch Kampfhandlungen zerstört wurde. Hier ist es eindeutig. Ein jüngerer Mitarbeiter schießt Fotos von den Ruinen. »Meinst Du, wir haben noch Zeit, daß ich da mal rein kann? Gibt bestimmt gute Bilder.« Ein strenger Blick reicht, es ihm auszureden.

Weiter unten im Dorf liegt das Kloster der Heiligen Thekla. Von einer Terrasse aus kann man wunderbar über den Ort schauen. Während das syrische Fernsehen unsere Abgeordneten im Gespräch mit den Klosterfrauen filmt, schauen wir fasziniert dem Alltagstreiben auf dem kleinen staubigen Platz hinterher. Eine Bäckerei, in der das typische Fladenbrot gebacken wird. Daneben eine Art kleiner Supermarkt, dessen Kühlschrank mit kalten Getränken lockt. Einige Dorfbewohner schrauben an einem Laster, während unsere Fahrer Tee trinken und Zigaretten rauchen. Immer wieder das Hupen der vorbeirauschenden Mofas, deren Rost man noch aus gut 20 Metern fast schmecken kann. Wir besuchen noch einige andere Orte. Sie alle waren Schauplatz brutaler Kampfhandlungen.

Auf dem Weg zurück nach Damaskus halten wir an einem Gebäudekomplex, der mehr oder weniger mitten in der Wüste liegt. Ein modernes Gebäude, große Glasfassade. Davor ein großer Parkplatz und eine Art kleiner Freizeitpark für Kinder, der einen Spielplatz, Schaukeln, Rutschen, ein Karussel und sogar einen kleinen Autoscooter bereithält.

Im ersten Stock eröffnet sich ein riesiger Gastraum, in den mehrere hundert Leute passen. Das Restaurant ist gut besucht. Viele Familien sitzen hier, in der Luft steht der Dampf aus unzähligen Wasserpfeifen. Ältere Männer trinken Faßbier aus großen Glaskrügen, auch Jack Daniels-Flaschen stehen teilweise auf den Tischen.

Serviert wird die übliche Kombination. Erst unzählige Salate, Humus und Pasten, dann gefülltes Gebäck. Als Hauptgang üppige Fleischplatten. Gegrillte Lammspieße, Kebab, Hähnchenflügel, als Beilage Pommes, Reis und gebratene Zwiebeln. Danach Baklava und Eis. Wir sitzen bunt gemischt. Nur die Abgeordneten plazieren sich meist gegenüber der syrischen Parlamentarier. Der Dolmetscher kommt kaum dazu, an seiner Limonade zu trinken. Seven up scheint hier eine Art heimliches Nationalgetränk zu sein.

Im Sonnenuntergang erreichen wir die Außenbezirke von Damaskus. Auf dem Weg dorthin ein gemischtes Bild. Teilweise ärmliche Gegenden, aber vielerorts auch äußerst schöne Landanwesen. Einige Orte scheinen verlassen, in anderen wird gebaut, repariert, gearbeitet. Was verstört ist der viele Müll, der überall entlang der Straßen liegt.

In einem der Außenbezirke verfährt sich das vorausfahrende Polizeiauto. Mühselig muß die ganze Kolonne in einem rumpligen Nadelöhr wenden, das sich durch die Hügel um Damaskus zieht. Für die Bewohner des etwas abgehängt wirkenden Stadtteils ein offenbar ulkiges Schauspiel, das sie interessiert verfolgen.

Der späte Freitagabend ist dann tatsächlich die erste Möglichkeit, sich das Nachtleben der syrischen Hauptstadt anzuschauen. Gemeinsam mit ein paar Einheimischen ziehen wir zu Fuß los, um in der Nähe des Hotels ein Taxi heranzuwinken. Der Wagen ist ein uralter Dacia, dessen Rückbank mit einem ganz merkwürdigen Bezug überzogen ist. Fast wie Wolle. Zu viert quetschen wir uns auf die Rückbank. Das Wageninnere ist in violettes Licht getaucht, während wir zu lauten Technoklängen gen Stadtzentrum fahren.

Ein Bekannter möchte uns mitnehmen zu einem Freund, der im Krieg schwer verwundet wurde. Wir warten in einer Bar in einem muslimisch geprägten Viertel, doch das Treffen kommt nicht zustande. Dafür hat mir einer unserer einheimischen Kontaktleute ein Geschenk mitgebracht: eine riesige Tonfliese mit dem Konterfrei des Präsidenten Assad. Wir drapieren sie prominent auf einem der freien Stühle und trinken unsere Fruchtsäfte aus. Alkohol wird hier nicht ausgeschenkt.

Der syrische Youtuber »Treka Z« verspricht jedoch, uns noch auf die Partymeile zu führen. Wir ziehen los durch die engen Gassen der Altstadt. Es ist sehr belebt, überall flanieren Leute, schieben sich durch die zugeparkten Seitenstraßen. Was auffällt, ist die Gelassenheit. Kein Gebrüll und kein Gekeife, wie es etwa in unseren Städten die Nächte des Wochenendes prägt. Niemand »führt sich auf«. Keinerlei Aggression liegt in der Luft.

Auch wir als Westeuropäer werden nicht wirklich wahrgenommen, wo uns unser Begleiter Treka nicht freudig als Gäste aus Deutschland vorstellt. Wenige Gehminuten später erreichen wir eine Art Ausgehstraße. Hier reiht sich Bar an Bar, Restaurant an Restaurant. In einem kleinen Park sitzen Jugendliche und feiern. Ein Geschäft bietet Cocktails to go an. Polizei sieht man keine. Nur an wenigen Ecken sitzen Soldaten an Plastiktischen und halten Wache.

Uns verschlägt es in eine Art Kneipe in einer weiteren Seitenstraße. Wir sitzen mit einigen unserer einheimischen Bekannten an einem größeren Tisch. Es gibt syrisches Bier und Wein, dazu Erdnüsse und ähnliche Knabbereien. Einer unserer Bekannten erkennt einen wohl recht prominenten syrischen Schauspieler, der sich sodann zu uns gesellt. Man kommt ins Gespräch, auch mit anderen Gästen. Einblicke in das Seelenleben dieses Volkes, das – und das drückt sich in ausnahmslos jedem Gespräch während der Reise aus – sehr gut Bescheid weiß über die weltpolitische Lage, die sich um ihr Land entspannt.

Trotz der Rückkehr der Normalität, leicht ist das Leben hier nicht. Nicht zuletzt die Sanktionen halten Syrien am Boden. Das Land ist vom internationalen Zahlungsverkehr abgekoppelt, ausländische Investitionen aus dem Westen sind nahezu verunmöglicht. Auch die syrische Zentralbank ist im Fadenkreuz des Sanktionsregimes. Die Währung liegt am Boden, Löhne wurden durch die Inflation massiv entwertet.

Die Syrer, mit denen wir sprechen, beklagen sich bitterlich über die Politik des Westens, der noch immer diejenigen unterstützt, die Syrien mit Krieg und Terrorismus überzogen haben. Dafür, daß viele Syrer in den Westen ausgewandert sind, haben einige Verständnis, aber dennoch in der Regel keine allzu hohe Meinung über diejenigen, die ihr Land in seinen schwersten Zeiten im Stich gelassen haben – insbesondere jetzt, wo der Krieg beendet sei. V

iele betonen die nationale Einheit, loben die syrische Armee für das entschlossene Handeln gegen die Terrormilizen. Aber auch Kritik daran wird geäußert, daß Regierung und Verwaltung oft zu langsam, zu träge und ineffizient seien. Es sind offene Worte, vorgetragen mit Inbrunst und echten Emotionen von Menschen, deren Herausforderungen und Erfahrungen von denen der unsrigen Gesellschaft kaum weiter weg sein könnten. Mit dem Krakeele derer, die sich in unseren Städten breitgemacht haben, hat all das nichts gemein. Es ist vielmehr beeindruckend, wie sehr die Menschen hier an einen Wiederaufbau und eine nationale Aussöhnung glauben.

Irgendwann nach Mitternacht breche ich mit einem anderen Delegationsteilnehmer auf. Der Rest bleibt noch und durchzieht weiter das Nachtleben von Damaskus, in dem wilde Geburtstage gefeiert werden und die Straßen bis in die Morgenstunden voller Menschen sind, die ihr Wochenende begehen. Gemeinsam mit Treka und unserem Kamerateam nutzen wir auch am Sonntag, dem letzten Tag vor der Rückreise, eine kurze Pause, um alleine in die Stadt aufzubrechen. Wir wollen noch ein paar Straßenszenen filmen. Und ein original syrisches Shawarma essen an einer der vielen Imbißbuden.

Es ist strahlender Sonnenschein, man kann noch ohne Pullover in der Sonne stehen. In der Nähe des Parlaments durchstreifen wir eine Einkaufsstraße. Hier gebe es das beste Shawarma, meint Treka, der Blogger mit den Dreadlocks. Für umgerechnet etwa 1,50 € bekommen wir eine kleine Rolle Fladenbrot, das entweder mit Fleisch vom Rinder- oder Hähnchenspieß gefüllt ist, und ein Joghurtgetränk. Die Kameras sorgen für Begeisterung bei den Passanten und der Belegschaft des Imbisses, die hinter ihrem Tresen stumpf Zigaretten raucht.

Wie auch sonst bei Ausflügen abseits des Protokolls können wir wie selbstverständlich ohne Begleitung hin, wo wir wollen. Auch, daß wir mit Kameras filmen, stellt kein Problem dar. Derlei Auflagen, über die einige bundesdeutsche Journalisten stets klagen, die aus Syrien berichten wollen, daß uns Mitarbeiter des Informationsministeriums begleiten müssten, uns überwachen oder gar unsere Notizen und Film- und Fotoaufnahmen kontrollieren, gibt es nicht. Ob man uns heimlich beschattet oder es eben hilft, nicht als Feindpropagandist mit Presseausweis aufzutreten – man weiß es nicht.

Der deutliche Eindruck, den man jedoch nach nun einer Woche in Syrien hat, ist der, daß vermutlich fast alles, was man in der bundesdeutschen Öffentlichkeit über Syrien vorgesetzt bekommt, falsch oder verzerrt ist. Vor dem am Nachmittag angesetzten Treffen mit dem Präsidenten des syrischen Parlaments, dem letzten Termin der Reise, schauen wir für einige Zeit dem geschäftigen Treiben der syrischen Hauptstadt zu.

Wir sind uns einig in der Hoffnung, das Land möge wieder vollständig auf die Beine kommen. Am nächsten Morgen wird es heimwärts gehen. Über die Autobahn bis in den Libanon, durch den Berufsverkehr Beiruts und per Billigflieger direkt zurück in das spätherbstlich verregnete Berlin. Bereits am Morgen nach der Wiederkehr wird die Delegation in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit ein erstes Fazit darstellen. Danach wird es darangehen, zu schauen, was aus den eindringlichen und unmittelbaren Eindrücken dieser Reise zu entwickeln sein wird.

Politisch, parlamentarisch. Aber auch menschlich.

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Unser Autor John Hoewer bereiste mit einer Gruppe von AfD-Bundestagsabgeordneten um Frank Pasemann Syrien und wirkte als Organisationsreferent der Reise. Teil 1, 2 und 3 der persönlichen und lockeren Syriennotizen sind hier, hier und hier abrufbar.

In einem der folgenden Printhefte der Sezession wird Hoewer aus den theoretischen Erfahrungen eine praktische Herangehensweise destillieren, wie sie von Florian Sander (im vergriffenen Heft 93) so hervorragend formuliert wurde, so daß beide Artikel eine aufeinander bezogene Symbiose rechter geopolitischer Analyse bilden werden. 


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Kommentare (2)

Maiordomus

19. März 2020 20:37

Am Essen hat sich in den letzten 30 bis 50 Jahren nicht viel geändert, das berührt nachgerade wohltuend.
Für die Lage der Christen in Syrien wäre gewiss CSI, Christian Solidarity International, hilfreich mit seinem informativen Periodicum.

Gibt es eine "rechte geopolitische Analyse"? War mir bis jetzt nicht bekannt, es sei denn aus den Berichten von Kuhenelt-Leddhin, dem über eine Dutzend Sprachen geläufig waren, nicht zuletzt das Arabische. Beim obigen Text hätte man, wenn es schon eine Art Tagebuch ist, noch gerne eine Datierung gesehen.

Laurenz

20. März 2020 12:13

Abgesehen davon, daß es mich einen feuchten Kehricht interessiert, ob Jesus Aramäisch oder Kishuaheli sprach, fand ich den Beitrag wieder gut. Der Reisebericht strahlt grundsätzlich eine extrem kindliche Naivität aus. Natürlich waren der Libanon und der Anti-Libanon im weiteren Sinne das intellektuelle Zentrum des Christentums vor der islamischen Eroberung. Wenn es jemals etwas Kreatives im Christlichen gab, dann dort. Was mir etwas im Bericht fehlt, seitens des auffälligen Mülls, links und rechts der Straßen (war auch in Spanien vor 30 Jahren nicht anders) ist es der generelle Bezug zur dortigen Umwelt. Die gesamte Levante wurde landschaftlich schon vor 4.500 Jahren durch Menschen ruiniert, wie wir dem Gilgamesch-Epos entnehmen können. Und nur unter den Römern trat eine ökologische Erholung ein, die durch die islamische Eroberung zunichte gemacht wurde. Ist doch kein Wunder, daß alle zu uns wollen, was dann allerdings den Effekt hat, daß es bei uns in hundert Jahren dann genauso öde aussieht, wie in Syrien.
Was ebenso, zumindest politisch, etwas fehlt, ist der Bezug zum Westen, der Herkunft der Reisegruppe. Den vielen Assad-Beseitigern, wie Altmeier, ist das Schicksal der dort lebenden Menschen doch völlig egal. Und wem das Schicksal der Menschen in den Kriegsgebieten der Levante völlig egal ist, dem ist auch unser Schicksal gleichgültig. Die Altmeiers müssen weg.