16. Oktober 2020

IfS-Akademie – Visuelle Nachbetrachtung

Redaktion / 1 Kommentar

Das Institut für Staatspolitik (IfS), das die Sezession herausgibt, hat mit der 21. Sommerakademie gezeigt, wie wichtig die Denkarbeit ist, die es leistet.

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Es leistet konstruktive Denkarbeit für alle, die Interesse an konservativen, nonkonformen, freiheitlichen, rechten, »reaktionären«, solidarischen Ideen haben und über die Tages- und Parteienpolitik hinausdenken wollen. Konkrete Sach- und Themenpolitik ist ohne Zweifel unverzichtbar für die politische Opposition.

Allein, dies kann nie ausreichend sein. Jedes Lager benötigt einen weltanschaulichen Kompaß, der im Tagesgeschäft Orientierung bietet und in Zeiten der Auflösung aller Dinge ruhig und besonnen, nachhaltig und fundiert die Richtung weist. Dieser Kompaß aber wird gemeinsam erarbeitet – durch Leistungsbereitschaft, Lektürewillen und geistige Tätigkeit. Just hier liegt das Alleinstellungsmerkmal des IfS seit vielen Jahren als Orientierung und Organisation vermittelndes Zentrum des rechtsintellektuellen Milieus.

Ohne staatliche Gelder und ohne jedwede Hilfe durch parteinahe Stiftungen können beispielsweise zweimal jährlich bei der Sommer- und Winterakademie fast ein Dutzend Referenten zusammengeführt werden, die zu bestimmten Themenbereichen Substanz und Ansätze zum eigenständigen Weiterdenken liefern.

Rezipienten der Vorträge sind im Regelfall 150 Schüler und Studenten aus verschiedenen Zusammenhängen der alternativen Rechten; das Spektrum reicht von Burschenschaftern und Landsmannschaftern über Angehörige der Jungen Alternative und konservativer Jugendbünde bis hin zu aktivistisch ausgerichteten Jugendlichen.

Im September diesen Jahres mußten wir erstmals seit vielen Jahren auf die 150er Grenze verzichten. Immerhin 90 Gäste kamen nach Schnellroda ins Tagungslokal und arbeiteten drei Tage lang mit den Referenten zu den Themenbereichen »Staat und Ordnung«.

Daß die Veranstaltung trotz aller verordneten Corona-Maßnahmen auf hohem Niveau durchgeführt wurde und somit als Erfolg gewertet werden konnte, wird im Tagungsbericht von Jonas Schick ebenso deutlich wie in den persönlichen Betrachtungen des IfS-Mitbegründers Götz Kubitschek.

Daß die ganz eigene Atmosphäre in Schnellroda nur jenen zugänglich ist, die unter 35 sind und einen der begehrten Plätze ergattern konnten, ist durchaus erwünscht. Doch an der Arbeit des Instituts und seiner Referenten sollen mehr Interessierte teilhaben können.

Aus diesem Grund wurde u. a. der »kanal schnellroda« geschaffen. Fast 11.000 Abonnenten verfolgen bei YouTube – neben Buchbesprechungen von Ellen Kositza, Sezession-Heftpräsentationen von Götz Kubitschek und Benedikt Kaiser oder auch dem beliebten Podcast »Krisentrinker« von Erik Lehnert und wiederum Kubitschek – die Vorträge der IfS-Akademien.

Unsere Medienmannschaft hat die ersten Videos fertiggestellt. Wir empfehlen diese zur selbständigen Weiterbildung. So kann man die – häufig übermäßige – Zeit, die man in virtuellen Sphären verbringt, konstruktiv nutzen.

Vier Beispiele:

1. IfS-Leiter Erik Lehnert referierte über das Phänomen okzidentaler Rationalität anhand der Theorien des deutschen Soziologen Max Weber. Weber hatte herausgearbeitet, wie die Herausbildung des Kapitalismus durch einen protestantischen Arbeitsethos begünstigt wurde.

Aus diesem Prozeß entsteht nach Weber der rationale Staat, da nur jene Organisationsform dazu in der Lage sei, dem Kapitalismus die Sicherheit des Fortdauerns zu geben. Dieser zeichnet sich überdies durch einen ausufernden Hang zur Bürokratisierung aus. Demzufolge entzaubert der rationale Staat die Welt weiter und bringt Phänomene hervor, denen die Rechte den Kampf angesagt hat.

Folgte man Lehnerts Vortrag, stünden wir in einem Spannungsverhältnis aus unbedingtem Zuspruch zur Notwendigkeit des Staates und der Ablehnung seiner immanenten Auswüchse.

Lehnerts Vortrag zu Max Weber sehen Sie hier:

 

2. Neben den »Stammreferenten« zieht das IfS stets andere renommierte Gäste an. Diesmal begrüßten wir Dimitrios Kisoudis. Der versierte Anthropologe und Wissenschaftliche Mitarbeiter im Bundestag näherte sich dem Phänomen »Staat« unter dem Titel »Ordnungsstaat, Rechtsstaat, Sozialstaat« aus einer juristischen und konstruktiv liberal angereicherten Perspektive.

Im Zentrum des Kisoudisschen Denkens steht der »Ordnungsstaat«. Nur dieser könne die Sicherheitsfunktion des Staates wiederherstellen und ihn nachhaltig entschlacken.

Dimitrios Kisoudis' Vortrag sehen Sie hier:

 

3. Das IfS operiert entlang diverser Arbeitsbausteine. Neben »Klassikern« wie eben dem im Veranstaltungstitel und Institutsnamen enthaltenen »Staat« oder der Aufarbeitung des geschichtspolitischen Terrains ist dies auch das Feld »Rechts, Mitte, Links«. Benedikt Kaiser ist hier zu Hause.

Unser Mitarbeiter referierte daher entlang seiner jüngsten Buchveröffentlichung Solidarischer Patriotismus. Die soziale Frage von rechts (hier bestellen) über »Identität und Solidarität« – zwei totgeleierte Begriffe auf der linken Seite, oft diffus verwendet auf der rechten Seite. Kaiser setzte hier an und schaffte Ordnung.

Dies gelang ihm unter der Prämisse, daß der Staat als Garant einer solidarischen Gemeinschaft fungiere. Laut Kaiser kommt der »Identität« hierbei eine zentrale Rolle zu, weil sie den nicht hintergehbaren Bezugspunkt für die Solidarität festlege.

Erst die Kombination von »Identität« und »Solidarität« - dem »Zement«, der nach Émile Durkheim die Gesellschaft zusammenhält und zur Gemeinschaft werden lassen könne – lasse sich ein funktionierender, modernisierter, um zeitgenössische Probleme bereinigter Sozialstaat realisieren.

Sein Vortrag ist ebenfalls im kanal schnellroda abrufbar:

 

4. Neben Kisoudis kann ein weiterer renommierter Gast des IfS genannt werden: Die Kulturwissenschaftlerin Bettina Gruber, die im Verlag Antaios unter dem Pseudonym »Sophie Liebnitz« veröffentlicht, reiste nach Schnellroda.

Ihre jüngste Publikation Antiordnung (hier) lag ihrem Vortrag zugrunde. Den Ausgangspunkt des herrschenden Denkens in unserer Zeit der Antiordnung sieht Gruber im Poststrukturalismus und insbesondere in den Ausführungen des französischen Philosophen Michel Foucault, der jegliche Norm grundlegend in Frage stellte.

Es geht bei den Poststrukturalisten bzw. bei Foucault nicht mehr darum, eine vermeintlich schlechte Ordnung mit einer neuen besseren zu ersetzen, sondern die Ordnung an sich aufzulösen. Gruber hält in diesem Zusammenhang den Begriff des »Kulturmarxismus« für irreführend, da an den heutigen dominanten Theoremen kaum ein ordnungsherstellendes Prinzip präsent ist, wie es für die Marxismen jedoch konstituierend ist.

Auch Grubers eminent wichtigen Vortrag kann man im kanal schnellroda einsehen.


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Kommentare (1)

Franz Bettinger

16. Oktober 2020 21:57

Als bereichernd (und noch etwas) empfinde ich vor allem die Buchbesprechungen des Duofeminats Kositza / Dagen. Gegen die anarchische Gesprächs-„Führung“ habe ich nichts, denn der Respekt vor dem Gegenüber bleibt stets gewahrt. 

Noch off topic (falls gestattet): EinProzent schrieb (mir) gerade: “Das Dilemma, nämlich die klare Zweiteilung der Wählerschaft in Corona-Fragen, bedarf einer Analyse - und einer Lösung.“ Ich schrieb zurück: "Wenn 52% der Menschen die Erde für eine Kugel und 48% die Erde für für ein Dreieck halten (aber selbst wenn 98% die Erde für dreieckig hielten) worin liegt dann die Lösung des 'Problems'? Ist die Antwort nicht offensichtlich? - Kleine Hilfe: Die Lösung liegt sicher nicht in einem Kompromiss.