10. Oktober 2020

Netzfundstücke (62) – Helden, Identität, Fuchs

Jonas Schick / 7 Kommentare

Wann ist man ein Held? Wo beginnt und endete das Heroische in der postheroischen Gesellschaft?

Um diese Fragen dreht es sich im neusten Buch der Berliner Schriftstellerin Monika Maron, Artur Lanz (hier bestellen), das vor kurzem im Fischer Verlag erschien. Dem durchschnittlichen bundesdeutschen Feuilletonisten stößt das Werk sauer auf, denn Maron ist abtrünnig geworden, hat sich mit ihrer vorigen Publikation Krumme Gestalten, vom Wind gebissen in der Reihe EXIL der edition buchhaus loschwitz (hier bestellen) außerhalb des engen Meinungskorridors des linksliberalen Kulturestablishments plaziert. Das wird postwendend abgestraft.

Bernd Zeller, Karikaturist aus Jena und ebenfalls ein »Abtrünniger« (hier geht es zu seiner Online-Satirezeitung ZellerZeitung), nimmt den Roman mit in das Buchhaus Loschwitz zur Literatursendung Aufgeblättert. Zugeschlagen – Mit Rechten lesen.

Sezession-Literaturredakteurin Ellen Kositza hat diesmal ein Sachbuch ausgewählt, von dem sie „absolut begeistert“ ist: Als die Nacht sich senkte von Herbert Lackner (hier bestellen) beschäftigt sich mit der Zwischenkriegszeit, genauer mit dem langsam aufziehenden Nationalsozialismus und wie dessen immer stärker werdender Einfluß und Griff nach der Macht in intellektuellen Kreisen wahrgenommen und verarbeitet wird.

Kositza lobt ausdrücklich den fehlenden moralisierenden Zeigefinger des Buches, Susanne Dagen attestiert dem Buch wiederum zuviel Schlagseite.

Das letzte, von Dagen vorgestellt Buch in der Runde ist Bernd Wagners Mao und 72 Affen, eine bittere Satire, die eine alternative Weltgeschichte schreibt, in der Mao nicht gestorben, sondern 1965 von einem daoistischen Priester in den Zustand der Unsterblichkeit versetzt wurde, während ein Doppelgänger seine Geschäfte weiterführte. Dabei manipuliert er die Weltgeschichte in seinem Sinne.

Das in der 2. Auskopplung der Reihe EXIL erscheinene Buch, kann man natürlich direkt hier, bei Antaios, dem größten konservativen Versandbuchhandel bestellen. Aber genug um den heißen Brei herumgeredet, sehen Sie es sich literarische Gespräch unter den Dreien am besten selbst an:


Wir haben ein neues Vortragsvideo von der jüngsten Sommerakademie auf den kanal schnellroda gestellt. Das Referat zu »Identität und Solidarität« des Sezession-Redakteurs Benedikt Kaiser ist ab sofort allen zugänglich. Entlang seiner jüngsten Buchveröffentlichung Solidarischer Patriotismus. Die soziale Frage von rechts (hier bestellen) zeigt er auf, warum die Kombination von »Identität« und »Solidarität« den Zement einer jeden Gesellschaft bildet:

Die bereits hochgeladenen Vorträge »Ordnungsstaat, Rechtsstaat, Sozialstaat« von Dimitrios Kisoudis und »Rationaler Staat und Stahlhartes Gehäuse« von IfS-Leiter Dr. Erik Lehnert finden Sie hier in meinem Akademiebericht auf Sezession im Netz hinterlegt.


Kurzer Einschub, da der Schweigefuchs mal wieder auf der Tastatur ausgerutscht ist: https://www.zeit.de/2020/42/rechtsextremismus-afd-pegida-identitaere-bewegung-widerstand-gesellschaft

Wer der Wochenzeitung für den grünen Lehrer berechtigterweise keinen Pfennig in den Rachen schmeißt, dem sei aus dem Unfall, der sich Journalismus schimpft, die entscheidende Stelle zitiert: »Jahrelange bürgerschaftliche Proteste gegen das Hauptquartier der Identitären in Halle führten zur Schließung des ›Leuchtturmprojektes‹ der Szene im Mai 2020«

Der ZEIT und dem Schweigefuchs gerne zur Erinnerung:

»Linke Gewalt in Halle – Im Gespräch mit Andreas Karsten«

»Linke Gewalt – Angriffe in Halle/Saale«

Da fragt man sich doch: Sieht so bürgerlicher Protest aus?



Kommentare (7)

Franz Bettinger

10. Oktober 2020 12:02

Was ist ein Held? Das ist einer, der aus der Masse heraustritt und was riskiert; seinen Ruf, das Leben und alles dazwischen. Das ist ein Held.  (NB: Auch Strolche können Helden sein.)

MartinHimstedt

10. Oktober 2020 22:37

Die „Vorträge“ der Akademien bedürfen einer dringenden Modernisierung. Einen (freilich druckreifen) Prosa-Text vorzulesen ist kein Vortrag. So etwas kann man vielleicht in eine Handreichung packen und/oder in ein Kaplaken. Grüße!

RMH

11. Oktober 2020 11:22

In der "postheroischen Zeit", in der der Kulturmarxismus sein zersetzerisches Werk vollendet, tut man sich in der Allgemeinheit mit Helden schwer - auch wenn viele nach wie vor gerne einer wären. Die Zahl der Nobelpreise, die nicht mehr an eine Person alleine gehen, nimmt zu, im Bereich des ominösen "Friedens" werden gerne dann auch ganze Organisationen bedacht.

In Büchern findet man die Seele der Vergangenheit - vieles wurde bereits diskutiert und beschrieben. Erinnern wir uns (Konservativ sein bedeutet gerade auch, sich erinnern zu können) und greifen beispielsweise einmal wieder zu "Über Helden und Heldenverehrung" von Thomas Carlyle (wer jetzt Carlyle nicht kannte und für einen ersten Einstieg bei Wikiblödia suchen will, dann bitte nur und unbedingt in den englischen Seiten - die deutsche Wikiblödia Seite zu Carlyle ist beschämend schlecht und tendenziös. Das deutsche Wikiblödia war so ziemlich das erste, bei dem ich bereits eine "cancelling culture" pflegte, bevor das dann linke ganz anders interpretierten).

heinrichbrueck

11. Oktober 2020 19:46

@ RMH

Eine gute Buchempfehlung, aber „Warum Konservative nicht gewinnen können“, darüber hat William Pierce schon 1971 einen Artikel geschrieben.

Nath

11. Oktober 2020 20:34

Es zeigt sich in Bendeikt Kaisers Vortrag exemplarisch das ternäre "Schnittmengenphänomen", das zwischen den vermeintlich unvereinbaren Haupt-Ideologieströmen, die uns aus dem 19. Jahrhundert vererbt wurden, existiert. Diesen scheinbaren Paradoxien genauer nachzuforschen, kann sich als nützlich erweisen:

1. Die Schnittmenge zwischen Autoritarismus und Liberalismus ( Das sozialdarwinistisch-libertäre Axiom oder das "Recht des Stärkeren"); 2. die Schnittmenge zwischen Liberalismus und Egalitarismus (die Gesellschaft als freie Assoziation selbstbestimmter Individuen); 3. die Schnittmenge zwischen Autoritarismus und Egalitarismus (die Vorzugstellung der Totalität gegenüber der Partikularität („Anti-Individualismus“).

Zwei Dinge sind hier festzuhalten, einmal dass die triadische Struktur ideologischer Komplementarität jede dichotomische Gegenüberstellung, als ob z.B. Faschismus und Anarchismus a b s o l u t e  Gegensätze wären, unterläuft; zum anderen, dass jede einzelne der genannten Weltanschauungen die beiden anderen in sich birgt und unter gewissen historischen Bedingungen aus sich hervortreibt.

Kaiser erteilt (1) und (2), also einmal dem anti-etatistischen, erst recht aber dem sozial-anarchischen Konzept eine Absage, und entscheidet sich für (3). Es ist die Idee eines paternalistischen Wohlfahrtstaates, in welchem die Sehnsucht nach Geborgenheit über diejenige nach Freiheit - unter der Voraussetzung, dass dies Gegensätze sind - den Sieg davonträgt. 

Gracchus

11. Oktober 2020 23:36

1. Der Vortrag von Lehnert ist hochinformativ, weil ich noch keine Zeile von Weber gelesen habe, aber ich bin noch nicht ganz durch. 

2. Kaisers und Kisoudis' Staatskonzepte scheinen in unterschiedliche Richtungen zu gehen, nicht nur terminologisch. Insofern wäre eine Diskussion zwischen den beiden nicht uninteressant. 

Was ich vermisse, sind Ausführungen zur "Sittlichkeit" des Staates. D. h., wie will man verhindern, dass der Staat zur Beute wird. 

Unbestritten geht die Entwicklung dahin, dass Staatlichkeit sich von Volk und Nation emanzipiert. Weniger harmlos formuliert: Entscheidungsgewalt wird auf supranationale Organisationen übertragen, die demokratischer Kontrolle entzogen sind. Das ist die globalistische oder neoliberalistische Agenda. Die dringlichste Frage ist daher, wie diese Entwicklung gestoppt und umgekehrt werden kann, falls überhaupt noch möglich. 

 

Seneca

12. Oktober 2020 10:26

Es wäre schön, wenn es eine regelmäßige Kinder-/Jugendbücher-Besprechungsrunde von Kositza & Dagen und Gäste für die verschiedenen Altersklassen und einem ausgeweiteten Angebot auf der Homepage von Antaios geben würde.  Nichts wäre wertvoller und wichtiger. Wir sind stets auf der Suche nach entsprechenden Büchern für die eigenen Kinder und Büchergeschenken für “friends&family”.

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