Netzfundstücke (62) – Helden, Identität, Fuchs

Wann ist man ein Held? Wo beginnt und endete das Heroische in der postheroischen Gesellschaft?

Um die­se Fra­gen dreht es sich im neus­ten Buch der Ber­li­ner Schrift­stel­le­rin Moni­ka Maron, Artur Lanz (hier bestel­len), das vor kur­zem im Fischer Ver­lag erschien. Dem durch­schnitt­li­chen bun­des­deut­schen Feuil­le­to­nis­ten stößt das Werk sau­er auf, denn Maron ist abtrün­nig gewor­den, hat sich mit ihrer vori­gen Publi­ka­ti­on Krum­me Gestal­ten, vom Wind gebis­sen in der Rei­he EXIL der edi­ti­on buch­haus losch­witz (hier bestel­len) außer­halb des engen Mei­nungs­kor­ri­dors des links­li­be­ra­len Kul­turesta­b­lish­ments pla­ziert. Das wird post­wen­dend abgestraft.

Bernd Zel­ler, Kari­ka­tu­rist aus Jena und eben­falls ein »Abtrün­ni­ger« (hier geht es zu sei­ner Online-Sati­re­zei­tung ZellerZei­tung), nimmt den Roman mit in das Buch­haus Losch­witz zur Lite­ra­tur­sen­dung Auf­ge­blät­tert. Zuge­schla­gen – Mit Rech­ten lesen.

Sezes­si­on-Lite­ra­tur­re­dak­teu­rin Ellen Kositza hat dies­mal ein Sach­buch aus­ge­wählt, von dem sie „abso­lut begeis­tert“ ist: Als die Nacht sich senk­te von Her­bert Lack­ner (hier bestel­len) beschäf­tigt sich mit der Zwi­schen­kriegs­zeit, genau­er mit dem lang­sam auf­zie­hen­den Natio­nal­so­zia­lis­mus und wie des­sen immer stär­ker wer­den­der Ein­fluß und Griff nach der Macht in intel­lek­tu­el­len Krei­sen wahr­ge­nom­men und ver­ar­bei­tet wird.

Kositza lobt aus­drück­lich den feh­len­den mora­li­sie­ren­den Zei­ge­fin­ger des Buches, Susan­ne Dagen attes­tiert dem Buch wie­der­um zuviel Schlagseite.

Das letz­te, von Dagen vor­ge­stellt Buch in der Run­de ist Bernd Wag­ners Mao und 72 Affen, eine bit­te­re Sati­re, die eine alter­na­ti­ve Welt­ge­schich­te schreibt, in der Mao nicht gestor­ben, son­dern 1965 von einem dao­is­ti­schen Pries­ter in den Zustand der Unsterb­lich­keit ver­setzt wur­de, wäh­rend ein Dop­pel­gän­ger sei­ne Geschäf­te wei­ter­führ­te. Dabei mani­pu­liert er die Welt­ge­schich­te in sei­nem Sinne.

Das in der 2. Aus­kopp­lung der Rei­he EXIL erscheine­ne Buch, kann man natür­lich direkt hier, bei Antai­os, dem größ­ten kon­ser­va­ti­ven Ver­sand­buch­han­del bestel­len. Aber genug um den hei­ßen Brei her­um­ge­re­det, sehen Sie es sich lite­ra­ri­sche Gespräch unter den Drei­en am bes­ten selbst an:


Wir haben ein neu­es Vor­trags­vi­deo von der jüngs­ten Som­mer­aka­de­mie auf den kanal schnell­ro­da gestellt. Das Refe­rat zu »Iden­ti­tät und Soli­da­ri­tät« des Sezes­si­on-Redak­teurs Bene­dikt Kai­ser ist ab sofort allen zugäng­lich. Ent­lang sei­ner jüngs­ten Buch­ver­öf­fent­li­chung Soli­da­ri­scher Patrio­tis­mus. Die sozia­le Fra­ge von rechts (hier bestel­len) zeigt er auf, war­um die Kom­bi­na­ti­on von »Iden­ti­tät« und »Soli­da­ri­tät« den Zement einer jeden Gesell­schaft bildet:

Die bereits hoch­ge­la­de­nen Vor­trä­ge »Ord­nungs­staat, Rechts­staat, Sozi­al­staat« von Dimi­tri­os Kis­ou­dis und »Ratio­na­ler Staat und Stahl­har­tes Gehäu­se« von IfS-Lei­ter Dr. Erik Leh­nert fin­den Sie hier in mei­nem Aka­de­mie­be­richt auf Sezes­si­on im Netz hin­ter­legt.


Kur­zer Ein­schub, da der Schwei­ge­fuchs mal wie­der auf der Tas­ta­tur aus­ge­rutscht ist: https://www.zeit.de/2020/42/rechtsextremismus-afd-pegida-identitaere-bewegung-widerstand-gesellschaft

Wer der Wochen­zei­tung für den grü­nen Leh­rer berech­tig­ter­wei­se kei­nen Pfen­nig in den Rachen schmeißt, dem sei aus dem Unfall, der sich Jour­na­lis­mus schimpft, die ent­schei­den­de Stel­le zitiert: »Jah­re­lan­ge bür­ger­schaft­li­che Pro­tes­te gegen das Haupt­quar­tier der Iden­ti­tä­ren in Hal­le führ­ten zur Schlie­ßung des ›Leucht­turm­pro­jek­tes‹ der Sze­ne im Mai 2020«

Der ZEIT und dem Schwei­ge­fuchs ger­ne zur Erinnerung:

»Lin­ke Gewalt in Hal­le – Im Gespräch mit Andre­as Karsten«

»Lin­ke Gewalt – Angrif­fe in Halle/Saale«

Da fragt man sich doch: Sieht so bür­ger­li­cher Pro­test aus?

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Kommentare (7)

Franz Bettinger

10. Oktober 2020 12:02

Was ist ein Held? Das ist einer, der aus der Masse heraustritt und was riskiert; seinen Ruf, das Leben und alles dazwischen. Das ist ein Held.  (NB: Auch Strolche können Helden sein.)

MartinHimstedt

10. Oktober 2020 22:37

Die „Vorträge“ der Akademien bedürfen einer dringenden Modernisierung. Einen (freilich druckreifen) Prosa-Text vorzulesen ist kein Vortrag. So etwas kann man vielleicht in eine Handreichung packen und/oder in ein Kaplaken. Grüße!

RMH

11. Oktober 2020 11:22

In der "postheroischen Zeit", in der der Kulturmarxismus sein zersetzerisches Werk vollendet, tut man sich in der Allgemeinheit mit Helden schwer - auch wenn viele nach wie vor gerne einer wären. Die Zahl der Nobelpreise, die nicht mehr an eine Person alleine gehen, nimmt zu, im Bereich des ominösen "Friedens" werden gerne dann auch ganze Organisationen bedacht.

In Büchern findet man die Seele der Vergangenheit - vieles wurde bereits diskutiert und beschrieben. Erinnern wir uns (Konservativ sein bedeutet gerade auch, sich erinnern zu können) und greifen beispielsweise einmal wieder zu "Über Helden und Heldenverehrung" von Thomas Carlyle (wer jetzt Carlyle nicht kannte und für einen ersten Einstieg bei Wikiblödia suchen will, dann bitte nur und unbedingt in den englischen Seiten - die deutsche Wikiblödia Seite zu Carlyle ist beschämend schlecht und tendenziös. Das deutsche Wikiblödia war so ziemlich das erste, bei dem ich bereits eine "cancelling culture" pflegte, bevor das dann linke ganz anders interpretierten).

heinrichbrueck

11. Oktober 2020 19:46

@ RMH

Eine gute Buchempfehlung, aber „Warum Konservative nicht gewinnen können“, darüber hat William Pierce schon 1971 einen Artikel geschrieben.

Nath

11. Oktober 2020 20:34

Es zeigt sich in Bendeikt Kaisers Vortrag exemplarisch das ternäre "Schnittmengenphänomen", das zwischen den vermeintlich unvereinbaren Haupt-Ideologieströmen, die uns aus dem 19. Jahrhundert vererbt wurden, existiert. Diesen scheinbaren Paradoxien genauer nachzuforschen, kann sich als nützlich erweisen:

1. Die Schnittmenge zwischen Autoritarismus und Liberalismus ( Das sozialdarwinistisch-libertäre Axiom oder das "Recht des Stärkeren"); 2. die Schnittmenge zwischen Liberalismus und Egalitarismus (die Gesellschaft als freie Assoziation selbstbestimmter Individuen); 3. die Schnittmenge zwischen Autoritarismus und Egalitarismus (die Vorzugstellung der Totalität gegenüber der Partikularität („Anti-Individualismus“).

Zwei Dinge sind hier festzuhalten, einmal dass die triadische Struktur ideologischer Komplementarität jede dichotomische Gegenüberstellung, als ob z.B. Faschismus und Anarchismus a b s o l u t e  Gegensätze wären, unterläuft; zum anderen, dass jede einzelne der genannten Weltanschauungen die beiden anderen in sich birgt und unter gewissen historischen Bedingungen aus sich hervortreibt.

Kaiser erteilt (1) und (2), also einmal dem anti-etatistischen, erst recht aber dem sozial-anarchischen Konzept eine Absage, und entscheidet sich für (3). Es ist die Idee eines paternalistischen Wohlfahrtstaates, in welchem die Sehnsucht nach Geborgenheit über diejenige nach Freiheit - unter der Voraussetzung, dass dies Gegensätze sind - den Sieg davonträgt. 

Gracchus

11. Oktober 2020 23:36

1. Der Vortrag von Lehnert ist hochinformativ, weil ich noch keine Zeile von Weber gelesen habe, aber ich bin noch nicht ganz durch. 

2. Kaisers und Kisoudis' Staatskonzepte scheinen in unterschiedliche Richtungen zu gehen, nicht nur terminologisch. Insofern wäre eine Diskussion zwischen den beiden nicht uninteressant. 

Was ich vermisse, sind Ausführungen zur "Sittlichkeit" des Staates. D. h., wie will man verhindern, dass der Staat zur Beute wird. 

Unbestritten geht die Entwicklung dahin, dass Staatlichkeit sich von Volk und Nation emanzipiert. Weniger harmlos formuliert: Entscheidungsgewalt wird auf supranationale Organisationen übertragen, die demokratischer Kontrolle entzogen sind. Das ist die globalistische oder neoliberalistische Agenda. Die dringlichste Frage ist daher, wie diese Entwicklung gestoppt und umgekehrt werden kann, falls überhaupt noch möglich. 

 

Seneca

12. Oktober 2020 10:26

Es wäre schön, wenn es eine regelmäßige Kinder-/Jugendbücher-Besprechungsrunde von Kositza & Dagen und Gäste für die verschiedenen Altersklassen und einem ausgeweiteten Angebot auf der Homepage von Antaios geben würde.  Nichts wäre wertvoller und wichtiger. Wir sind stets auf der Suche nach entsprechenden Büchern für die eigenen Kinder und Büchergeschenken für “friends&family”.

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