4. Dezember 2020

Möseneder in der FPÖ – Rolle rückwärts

Martin Sellner / 73 Kommentare

Es ist schon wieder etwas passiert. Die FPÖ hat sich von der Distanzierung distanziert.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Nachdem die Partei mehrere markerschütternde Wahlniederlagen in den Knochen und mit der Abspaltung des „Team HC Strache“ sogar rechtspopulistische Konkurrenz neben sich hat, ändert man nun die Haltung zur Identitären Bewegung. In einem Interview mit Michael Scharfmüller (Info Direkt), das sinnigerweise während einer Bergtour stattfand, erklärte der neue Generalsekretär Michael Schnedlitz die „Distanziererei“ für beendet. Wörtlich sagte er:

Wir haben unter Strache den Fehler gemacht, dass wir geglaubt haben (…) wir müssen uns auf Zuruf von Sebastian Kurz distanzieren. Mit dieser Distanziererei ist es jetzt aber definitiv vorbei!

Norbert Hofer, der als erbitterter Gegner des politischen Vorfelds und Verfechter der Anpassung und Anbiederung gilt, wirkte von dieser Aussage einigermaßen überrumpelt. In der „Pressestunde“ des Staatsfunks (die wieder einmal im Stil eines Verhörs abgehalten wurde) betonte er die ewige Wirksamkeit des „Unvereinbarkeitsbeschlusses“.

Diesen reduzierte er aber lediglich auf die Ämterkumulation, also auf „Funktionäre“ der Freiheitlichen Partei, die nicht gleichzeitig „Mitglieder“ der IBÖ sein könnten.

Da die Identitäre Bewegung in Österreich niemals „Mitglieder,“ sondern immer nur Sprecher, Aktivisten und Unterstützer hatte, ist dieser Beschluss letztlich irrelevant. Daß die wenigen öffentlichen Sprecher der Bewegung nicht gleichzeitig Ämter in einer Partei innehaben können (und wollen) versteht sich von selbst. Schnedlitz, der als ein Vertrauter Kickls gilt, bestätigte seine Aussage am darauffolgenden Tag noch einmal:

Ich habe heute viel gelesen, was ich nicht gesagt habe. Was ich jedoch gesagt habe, nämlich dass wir uns sicher nicht von den Medien oder gar der ÖVP irgendwelche Distanzierungen vorschreiben lassen, dazu stehe ich.

Diese Aussagen stehen diametral zum Trend der letzten Jahre. Die Farce der „Terrorermittlungen“ gegen die IBÖ und mich nutzten die Parlamentspatrioten in der FPÖ als Anlaß, um die Identitäre Bewegung öffentlich zu desavouieren. Norbert Hofer, der seine Antipathie gegen patriotischen Aktivismus immer schon deutlich gemacht hatte, kann als treibende Kraft hinter dieser Tendenz vermutet werden.

Die Folgen sind bekannt. Strache distanzierte sich wortreich, nannte mich einen „Idioten“, die IBÖ eine „Sekte“ und beteuerte, daß die FPÖ nichts mit uns zu tun haben wolle. Hofer stufte in einem Interview mit der linken Migrantenzeitung „BIBER“ die Identiäre Bewegung als „brandgefährlich“ (7 auf einer Skala von 1 bis 10) ein, und kündigte an, daß jede Zeitschrift, die mich öffentlich verteidigt, keine Parteiinserate mehr bekomme.

Eine Begebenheit zeigt ganz besonders deutlich, welch inneres Anliegen Norbert Hofer diese Profilierung vor dem Mainstream auf Kosten patriotischer Aktivisten war. In einem Interview mit der „HEUTE“-Zeitung antwortete er auf die Frage: „Mit welchem Politiker würden sie nie auf ein Bier gehen?“ völlig unvermittelt: „Mit dem Chef der Identitären!“, also mit mir.

Damit zeigt sich Hofers unterbewußte Strategie: Alle Politiker aller Parteien, von radikal links bis gemäßigt rechts sind für ihn Gesprächspartner, mit denen er als jovialer, toleranter „Kuschelrechter“ sich gerne zusammensetzt. Die Grenze dieser Diskurs- und Salonfähigkeit markierte für ihn aber nicht etwa ein linksradikaler Aktivist, sondern ausgerechnet ein Identitäter (den er gleichzeitig zum Politiker „adelte“ bzw. degradierte).

In diesem Video sind Hofers Aussagen zusammengefaßt.

Seine Aussage zeigt Hofers Kapitulation vor dem metapolitischen Ist-Zustand. Statt das Overtonfenster in Richtung der rechten Diskurse zu verschieben, will er es nach rechts hin versiegeln. Daß er in der Folge Verständnis für die Black-Lives-Matter-Demos zeigte, gerne selbst bei linken Klimademos mitgehen würde, und sich mehrfach linksradikalen Journalisten anbiederte, paßt ebenfalls ins Bild.

Manche Politiker wollen um jeden Preis mitregieren und die Partei so zurechtschnitzen, dass sie ins Bild der herrschenden Meinung und in den Plan der herrschenden Kräfte paßt. Er folgt damit dem opportunistischen Weg des Parlamentspatriotismus. Dessen vermeintlicher „Pragmatismus“ besteht in der täglichen Ausrichtung an den „Verhältnissen“ und der „öffentlichen Meinung“, deren normativ-faktischer Kraft man sich unterwirft.  Stattdessen wäre es Aufgabe der FPÖ, den metapolitischen Möglichkeitsraum für eine rechte Politik zu öffnen.

Das bedeutet realpolitisch

  1. den Kampf gegen die digitale Zensur, welche die öffentliche Debatte verfälscht und rechte Stimmen stranguliert, und
  2. den Kampf gegen die Gesinnungsjustiz, die in Österreich und Deutschland Jahr für Jahr repressiver und brutaler wird.

An beiden „Fronten“ hat die FPÖ in den letzten Jahrzehnten keinen Finger gerührt. Auch der ideenpolitische Kampf um den Volksbegriff, das geschichtliche Narrativ, die Bevölkerungs- und Identitätspolitik wurde von der FPÖ nicht geführt. Man beschränkte sich auf einen Extremismus der Oberflächlichkeit, der sich vor allem in der sträflichen Vernachlässigung der Gegenkultur und der Studentenpolitik ausdrückt.

Genau das will eine Person ändern, die auch der Auslöser für den jüngste Aufleger war. Roman Möseneder, ein junger Salzburger Aktivist, wurde im November zum Leiter des „RFJ“ (Ring Freiheitlicher Jugend) in seinem Bundesland gewählt. Roman ist dem rechten Lager gut bekannt, trat er doch bereits als Referent in Schnellroda auf, betreibt einen YouTube-Kanal und ist regelmäßig auf Demos des patriotischen Lagers zu sehen. Als Kampfsportler und weltanschaulich gebildeter Idealist ist er das personifizierte Gegenteil vom zynischen, karrieristischen Yuppietyp, der häufig in rechten Parteijugenden anzutreffen ist.

Seine Haltung ist klar: Möseneder tritt für eine metapolitische Strategie der Partei ein. Ebenso wie die Grünen vor 30 Jahren muß die FPÖ verstehen, daß sie in einer weltanschaulichen Minderheitenposition ist. Ihr steht eine feindliche Matrix aus Politik, Presse und Wirtschaft gegenüber. Tut sie so, als wäre das nicht der Fall, und will „wie alle anderen“ mitspielen und Sacharbeit leisten, wird sie diese Struktur nicht ändern. Man wird sie im Gegenteil nur dort und nur solange mitspielen lassen, wie sie nichts verändern kann.

Die Regierungsbeteiligung der FPÖ in Oberösterreich seit dem Jahr 2015, die sogar die Causa Ibiza überlebt hat, zeigt das. Das Bundesland unterscheidet sich in keinem wahrnehmbaren Faktor von allen anderen Bundesländern, in denen die FPÖ nicht in der Regierung ist. Weder gibt es dort einen Trend gegen den Bevölkerungsaustausch und die Islamisierung (was man einer Landesregierung nicht vorwerfen kann), noch gibt es echte Förderungen für das rechte Vorfeld, ideenpolitische Arbeit an den Unis oder wahrnehmbare metapolitische Zielsetzungen (was sehr wohl ein Versagen der Partei ist).

Schnedlitz könnte einen frischen Wind in Die Partei bringen, stellte er sich doch, nach einer empörten Pressereaktion noch einmal klar hinter das Ende der Distanzierung:

Das gilt für Roman Möseneder und auch für andere Bürger, die sich am Boden des Rechtstaates bewegen, ganz generell. Es gilt für alle Personen, die mit demokratischen und rechtsstaatlichen Mitteln versuchen, unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat zu verteidigen – und damit unser Österreich als Heimat, wie wir sie alle kennen und lieben. Die Meinungsdiktatur geht aber mittlerweile weit über politische Richtungsfragen hinaus. Und auch hier stehen wir voll und ganz hinter den Bürgern.

Es ist zu vermuten, daß alle Gegner einer solidarischen und metapolitischen Ausrichtung der Rechtspartei danach trachten, Möseneder wieder  loszuwerden. Die Suche nach Skandalen und „Skandalisierbarem“ könnte sogar den Distanzierungsflügel der FPÖ und die linke Presse vereinen. Es ist gut, daß Möseneder sich dessen bewußt ist. Seine Aufgabe wird sein, diesen Kräften keine offenen Flanken zu bieten und sich auf die ideenpolitischen Fragen zu konzentrieren.

Die FPÖ muß einen Kampf gegen Meinungsgesetze und Zensur, also den Einsatz für eine offene Debatte zu einem zentralen Punkt ihrer Politik machen. Ein erstes Testgebiet dafür wird der Begriff des „Bevölkerungsaustauschs“ sein. Die Bevölkerungspolitik muß (frei von infantiler Provokation und historischen Fixierungen) sachlich und faktenbasiert zum Kernpunkt jeder freiheitlichen und patriotischen Politik werden.

Die letzte FP-Studie von Professor Herbert Vonach, die sich auf eine demographische Prognose konzentrierte, stammt aus dem Jahr 2014 und ist längst veraltet. Das Problem der ethnischen Wahl hat die Partei scheinbar ebensowenig auf dem Schirm wie eine patriotische Antwort auf die Umweltkrise oder eine soziales Programm, das über Schlagworte hinausgeht.

Nur wenn die FPÖ zukunftsfähige und im positiven Sinne „radikale“, also an die Wurzel gehende Lösungen entwickeln kann und sich dazu der meta- und ideenpolitischen Arbeit öffnet, kann sie mithelfen, die feindliche Matrix zu sprengen, in der wir uns alle befinden. Der Aufbau einer Gegenöffentlichkeit wird damit Hand in Hand gehen.

Die Schwemme an linken Journalisten ist nicht zuletzt auch ein Ergebnis der linken Theoriebildung, Gegenkultur und Metapolitik. Statt (oder zumindest neben) dem liberalen, parlamentspatriotischen und anti-identitären „Atterseerkreis“ sollte die FPÖ schon längst zahlreiche neurechte Think Tanks, Jugendzentren, Studentenkreise, Aktionsbüros und ähnliches aufbauen und finanzieren. Die weltanschauungslose, distanzierungssüchtige Massenstrategie ist mit Ibiza endgültig gescheitert.

Die Partei muß heute ihre weltanschauliche Mitte finden, sich um sie einigen und mit voller Kraft die Machtsäulen der gegnerischen Herrschaft angreifen. Diese sind nicht im tagespolitischen Geplänkel zu finden. Es geht gegen die ideologischen Staatsapparate und um Einfluß auf die Unis, die Straße und die öffentliche Meinung.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und die "Distanzierung von der Distanzierung" ist sicher nur ein Etappensieg  in der Überwindung des Parlamentspatriotismus. Aber mit Möseneder gibt es in der Partei erstmals einen Jungpolitiker, der das vollkommen verstanden hat. Daraus kann viel Gutes entstehen.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.


Kommentare (73)

Volksdeutscher

4. Dezember 2020 20:07

@Martin Sellner - "Strache distanzierte sich wortreich, nannte mich einen „Idioten“, die IBÖ eine „Sekte“ und beteuerte, daß die FPÖ nichts mit uns zu tun haben wolle."

Den Wendehals Strache braucht man wohl niemandem vorzustellen, und ich kann Ihre Enttäuschung angesichts seiner niveaulosen Distanzierung gut verstehen. Aber verstehen Sie auch meine Enttäuschung angesichts Ihrer Distanzierung von Ihrem jugendlichen Übermut und Ihrem Umgang mit den Patrioten der NPD? Wer oder was hat Sie denn gezwungen, sich zu distanzieren? Wozu sich händeringend von einer Vergangenheit distanzieren, die trotz Distanzierungsversuche die Ihre bleibt? Hätten ansonst intelligente Leute wie Sie immernoch nicht verstanden, daß die Leute, deren Gnade Sie sich erhoffen, ihre "Vergangenheit" Ihnen immer wieder vorhalten und Sie nicht in die Unschuld entlassen werden? Hätten Sie nicht begriffen, daß jede Entschuldigung bei denen aus diesem Grunde vollkommen vergeblich ist? Denn Sie wissen doch, daß Sie nicht mit Christen zu tun haben, nicht wahr? Mir bleibt leider nur die Befürchtung, daß Sie das Video, in dem Sie Ihre Vergangenheitsbewältigung begingen, nicht für sich selbst gedreht hatten. Für wen denn dann?

quarz

4. Dezember 2020 21:16

Eigentlich wäre Möseneder der ideale Aktivist, um in seine Altersgruppe hineinzuwirken, die ja gar nichts anderes kennt als das multikulturelle Gesellschaftsgerüst, in das sie hineingeboren ist. Er könnte eine Stimme sein, die den Jugendlichen ein Bewusstsein dessen vermittelt, was sie bereits verloren haben, ohne es aus eigener Erfahrung zu kennen. Und das wohl wert ist, dass sich ein Zoomer 'sein unterwinde'.

Leider wird er aber auf der politischen Bühne der Erwachsenen dringend benötigt, weil dort zu wenige sind, die ihre Aufgabe erfüllen.

Christian

4. Dezember 2020 21:46

Früher oder später wird es Zeit werden den Spieß umzudrehen und eine Distanzierung zu verlangen von den Multikultiextremisten und jenen, die das Volk und das Erbe verraten.

Wer bestimmten Völkern das völkische Existenzrecht abspricht, ist der wirkliche Extremist.

Volksdeutscher

4. Dezember 2020 22:27

@Martin Sellner - "Die Schwemme an linken Journalisten ist nicht zuletzt auch ein Ergebnis der linken Theoriebildung, Gegenkultur und Metapolitik."

Das ist teils wahr. Wahr ist aber auch, daß es aktive rechte Theoriebildung, Gegenkultur und Metapolitik sträflich vernachlässigt wurde. In Deutschland gab es Jahrzenhte lang keine rechte, bzw. konservative Demonstrationen, so daß es im Bundesbürger leicht der Eindruck antstand, demonstrieren und protestieren gegen oder für etwas sei ausschließlich ein linker Brauch und eine linke Angelegenheit. Seit 1989 hat sich etwas gewendet, sowohl in Deutschland als auch in Europa. Vielleicht gerade deshalb schauen jetzt Linke so unendlich dumm aus der Wäsche, daß Rechte oder Leute mit rechts anmutenden Ansichten sich nicht mehr verstecken, sondern im Gegenteil, sich sehen lassen und sich sogar öffentlich organisieren. Sie haben damit nicht (mehr) gerechnet, was ihre Wut und Aggression nur mehr anfachen dürfte. Die Straße gehört nicht mehr nur ihnen. Ihre Theorien wurden teils widerlegt, teils entlarvt, teils angezweifelt. Die mangelnde Verführungskraft ihrer Theorien kompensieren sie durch Androhung und Anwendung physischer Gewalt.

Solution

4. Dezember 2020 23:37

Ja, Herr Sellner, da muß ich dem "Volksdeutschen" leider zustimmen. Bei aller Unterstützung für Sie, muß man anprangern, daß die "Distanzeritis" gerade in "demokratisch" oder "konservativ" "geläuterten" Kreisen zum Alltag gehört. Was hat man damit erreicht, wenn man letztlich doch im VS-Bericht landet? Was man Meuthen richtigerweise vorwirft, haben seine Kritiker von rechts selbst praktiziert. Wenn alle rechts von der CDU mit dem Distanzieren aufhören würden - so wie es die Linken seit langem erfolgreich tun - wären wir einen großen Schritt weiter. Würde man aufschreiben, wer sich mittlerweile alles von anderen distanziert hat, wäre das ein Buch, so dick wie ein Telefonbuch. Ein Buch der Schande und Erbärmlichkeit, in dem fast niemand fehlt.

Andreas Walter

5. Dezember 2020 01:52

“»Ich persönlich habe die Welt auch nie vom Weltall aus gesehen«, sagt nun der Richter, »trotzdem ist mir klar, dass die Welt keine Scheibe ist.«“

Und hält sich mit dem Spruch wohl für unheimlich klug, womöglich sogar für "weise“.

Meine Frage aber wäre dann sofort an ihn gewesen, wie viele Runde-Erde-Leugner er denn schon hinter Gitter gebracht hat. Was also der unsinnige Vergleich mit Frau Haverbeck soll.

Auch Ihre Gegner, Herr Sellner, sind daher auch nichts weiter als korrupte Opportunisten, im Grunde daher eine Beleidigung auch Ihrer Intelligenz. Beziehungsweise, Ihrer moralisch makellosen und daher auch einwandfreien Position. Ihrer Integrität. Ihrer Selbstbestimmung.

“Ich bestimme, was ich glaube und was nicht, Herr Richter, und denn Mund lasse ich mir auch von niemand, auch von Ihnen, nicht verbieten.“ Womit alles gesagt wäre.

All diese Leute hassen auch Sie deshalb aus einem ganz anderem Grund - und wollen auch Sie daher am liebsten mit Kot besudeln. Bespritzen. Wie Tiere.

Es ist immer der Sünder und der Schwächling, der Feige und der Heuchler, der Kriecher und die Schlange, die den Anblick und die Existenz ihres Richters nicht ertragen.

Ganz kluge Leute beschmieren sich daher selbst mit Dreck, um so weniger aufzufallen.

Maiordomus

5. Dezember 2020 08:10

@¦Sellner. Wie stellen Sie sich die von Ihnen geforderte "ideenpolitische Arbeit" einer an der Regierung beteiligten Partei an der Uni vor? So was konnten sich, nach Strauss, der es in Würzburg mit meinem einstigen Weggefährten Lothar Bossler versuchte, in den letzten 50 Jahren nicht mal die Unionsparteien zu ihren noch konservativen Zeiten leisten. Es gibt heute Bereiche der Geisteswissenschaften, die wegen totalitärer Sprachregelungen und Gesinnungsvorschriften nur noch durch Schliessung reguliert bzw. "reformiert" werden könnten, was aber zu fordern sich keine Partei leisten kann ohne als "Nazi" zu gelten. Um an einer Uni potentiell oppositionell wirken zu können, müssten Sie selber, @Sellner,  einen hochqualifizierten akad. Abschluss angestrebt haben. Bei "uns" Rechten, siehe Mohler als Schüler v. Jaspers, gibt es im Vergleich zu den Linken  (Fischer u. Co.) noch echt akademische Ansprüche im Sinne v. J. Pieper, sage ich Ihnen als Schüler einiger der berühmtesten nichtlinken Professoren in meinem Land.

Maiordomus

5. Dezember 2020 08:37

@Volksdeutscher. Die NPD ist/war eine für Rechtsaktivitäten unbrauchbare Partei mit einem allzu hohen Anteil von Sektierern einerseits und unterwandernden angeworbenen erst noch unbegabten V-Leuten andererseits, da war die Distanzierung des weltanschaulich unzuverlässigen Sellner schlicht existenznotwendig. Auch C. Jahn sagte sich mit gutem Grund los. Es gab eine Bundestagswahl, an die ich mich erinnere, bei welcher die NPD mit ihrem damaligen noch relativ politikfähigen Chef Adolf von Thadden eine Funktion gehabt hätte und aus rechter Sicht taktisch wählbar gewesen wäre: 1969, als die CDU unter Alt PG Kiesinger zwar stärkste Partei war, schon Gratulation von Präsident Nixon empfing, aber wegen den nur 4,5, Prozent NPD nicht weiterregieren konnte. Mit NPD im Bundestag hätte es Brandt/Scheels Koalition nicht gegeben, Kiesinger hätte allein oder mit der FDP weiterregieren können, was z.B. vielleicht die Preisgabe des deutschen Ostens vorläufig verhindert hätte. 

Maiordomus

5. Dezember 2020 09:24

Wiewohl Sellner hier Kritik von rechts einstecken muss: Schon vor ca. 4 Jahren war klar, dass er in Sachen Integrität mit den Grassl, Straches und anderen nicht vergleichbar ist. 

Zur gescheiterten NPD 1969 als Bedingung der Möglichkeit der damaligen historischen Koalition. 1972 machte im Bundestag noch angesichts seines bevorstehenden Krebstodes Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg der Ältere darauf aufmerksam, dass niemand hier das Recht habe, auf die deutschen Ostgebiete zu verzichten. Selbst wenn man sieht, wie "politisch unmöglich" es selbst unter Bedingungen von 1989 gewesen wäre und sich keinerlei Illusionen macht: eine vergleichbar mutige Meisterleistung patriotischer Gesinnung hat es im Bundestag nie gegeben. Und wenn auch rein theoretisch: Ein Deutschland mit  dem Schlesien der hl. Hedwig und natürlich auch polnischer Teilbevölkerung hätte sich wohl  nicht "vermerkeln" lassen.

 

Christian

5. Dezember 2020 10:48

Bei allen berechtigten Bemerkungen möchte ich darauf hinweisen, wie anerkennenswert es ist, wenn sich Autoren/Aktivisten sichtbar ins Kreuzfeuer der linken Hegemonie stellen. Wie weit man selbst so lange im Fadenkreuz stehen könnte, ohne auf die eine oder andere Weise auszuweichen oder zu schweigen, kann man halt nicht wissen.

Apropos "ideenpolitische Arbeit an den Unis" -- wenn ich an meine Alma Mater denke -- da wüßte ich nicht den geringsten erfolgversprechenden Ansatzpunkt. Selbst ein paar burschenschaftliche Flugblätter wurden sofort wieder entfernt. Deutlichere Aussagen erzeugten empört-erstaunte, feindselige Ablehnung und sogar massiv ironisierende Bemerkungen stießen gewöhnlich auf taube Ohren. Ein Diskussionsbeispiel: "Jaja, Deutschland hat seit 2000 Jahren jeden Krieg angefangen" - allenthalben zustimmendes Nicken und ein paar geradezu Antifa-mäßige Kommentare - daß und auf welche Weise das ironisch gemeint war, wurde überhaupt nicht begriffen. Ich hätte vielleicht sagen sollen - "seit den Dinosauriern". Jedenfalls war ich erst mal sprachlos - das Gefühl vor einem Abgrund zu stehen - und darauf soll man aufbauen?

Ob es da Möglichkeiten gibt, wo Leute nicht nur sozusagen verheizt würden - wer weiß?

Volksdeutscher

5. Dezember 2020 10:58

@Maiordomus - Ich wollte hier keine Diskussion über die NPD entfachen. In meiner Jugend, relativ frisch in der  BRD angekommen, war ich mit DVU-lern und später mit auch NPD-lern zusammen. Es würde mir jedoch niemals einfallen, das zu bereuen und mich dafür, bei wem auch immer, zu entschuldigen. Ich wüßte nicht, wozu, denn ich kann nicht erkennen, welcher Schuld ich damit auf mich lud und wem gegenüber. Ich weiß im Nachhinein freilich, daß die NPD im Großen und Ganzen wenig politische Phantasie besitzt und noch weniger Sinn für politische Strategie. Daß sie von V-Leuten unterwandert war und vielleicht noch ist, ist nicht der Fehler der NPD. Was und wer ist heute nicht von der Stasi der BRD unterwandert? Können wir denn sicher sein, daß hier der Verfassungsschutz nicht mitschreibt? Denn lesen wird er das Geschriebene bestimmt, wenn auch nicht zum Zwecke geistiger Erleuchtung. Aber wenn Sie schon darauf zum Sprechen kommen, sei die Frage erlaubt: Was hat Herr Sellners Distanzierung bei seinen Feinden bewirkt, welche existenzielle Not hat er damit aus der Welt schaffen können? Haben sich seine Feinde von seiner Distanzierung beeindrucken lassen? Als junger Mensch weltanschaulich unzuverlässig zu sein ist keine Frage der Schuld, das sind doch alle Menschen in einem bestimmten Alterabschnitt, manche von ihnen sogar ihr ganzes Leben lang. In einem Land, dessen Geschichte ausgelöscht werden soll, wird immer als Sünder und Schuldiger gelten, der noch eine Vergangenheit hat... Wer sich Nietzsche zum Vorbild wählt, der verzichte auf Reue.

Maiordomus

5. Dezember 2020 11:01

PS. Der berühmt-berüchtigte und hochumstrittene Würzburger Soziologieprofessor hiess natürlich Lothar Bossle, nicht Bossler. Er war ein von der Sozialdemokratie konvertierter katholischer Rechtskonservativer, sogar mal Präsident des heute radikal "antifaschistischen" Zentralkomitees der Katholiken, hat zumal dann noch als Herausgeber nicht unbedeutender Bücher zum Thema Heimat usw. sich seine Verdienste erworben. Leider kann ich ihn aber nicht als wirklich grossen bedeutenden Geist einschätzen, auch nicht aus der Erinnerung. Seine Dissertation über Reinhold Schneider ist schlicht mittelmässig, könnte eigentlich als nur knapp genügend eingeschätzt werden. Für eine Gegenposition etwa zu den Frankfurtern war er intellektuell schlicht zu schwach, verdankte seine Karriere allzu sehr CSU-Seilschaften, so wie leider das korrumpierte Summa cum laude des jüngeren Guttenberg, dessen Arbeit auch ohne Plagiat, habe sie gelesen, miserabel war, schlechter als Bossle, dem ich zwar im Vergleich zu Mohler weltanschaulich stand, doch hatte Mohler um Welten mehr Format!

RMH

5. Dezember 2020 12:14

Es sind immer wieder die selben, alten Vorwürfe, die in Selbstzerfleischung enden.

Dazu, dass eine Distanzierung zu der vom VS zum Honeypot umgestalteten NPD eine conditio sine qua non für jede, neue rechte Bewegung war und ist, braucht man sich nicht ernsthaft mehr zu streiten. M.D. hat eigentlich alles wesentliche dazu gesagt.

Alle jene, die bei NPD und DVU (genauso undurchsichtiger Laden) evtl. einmal aus den berühmten idealistischen Gründen dabei waren, sollten hier nicht die beleidigte Leberwurst spielen, wenn sie ausgeschlossen bleiben sondern immer denken, lasst die mal ihren Weg gehen, ich will hier nicht der Anlass für weitere Ablenkungsmanöver werden und gehe eben meinen eigenen Weg. Und es gibt genug Möglichkeiten außerhalb einer AfD oder einer IB (die meisten ex-NPDler u. DVUler dürften für diese aufs junge Publikum zielende Veranstaltung doch eh schon zu alt sein) zu wirken. Positive Vorbilder gibt es genug - und gerade ehem. VSler dürften doch am meisten beleidigt sein, dass sie nicht einfach in neue Organisationen überwechseln können.

Und daher bitte kein Vorwurf diesbezüglich mehr an M. Sellner.

Maiordomus

5. Dezember 2020 12:36

@Volksdeutscher. Ihren Ausführungen über Biographisches bringe ich Respekt entgegen, verdienen an dieser Stelle Beachtung. Wenn ich denke, dass ein bekannter verstorbener einst befreundeter Religionskritiker mir offen bekannte, dass sein Gedicht (als 23-Jähriger) auf AH ihm 1933 vom VB zurückgeschickt worden sei, weil sie zu viele solche Texte erhielten; später schrieb er patriotische Festspiele. Mein bester marxistischer Freund, 1991 verstorben, bekannte mir kurz vor Ableben: "Die 3 grössten Enttäuschungen in meinem Leben waren Hitler, Stalin und Gorbatschow." An alle, einschliesslich Fidel und Enver Hodscha, usw., hatte er dummerweise geglaubt! 

Weltanschauliche Orientierungsprobleme! Siehe religionsgeschichtlich erklärbaren Klima-Glauben. Bossle stand ich um 1972 "weltanschaulich näher" als dem Mohler, wiewohl B. als intellektueller Vordenker nie genügte. Für die Psychologie der Weltanschauungen brachte mir Lübbe jedoch wohl mehr als. Jaspers für Mohler.  

anatol broder

5. Dezember 2020 12:40

@ sellner

Roman Möseneder, ein junger Salzburger […]

auf instagram ist dieser roman etwas genauer, was sein alter betrifft:

17-jähriger Salzburger.

können konservative einem minderjährigen trauen? ich dachte, das sei prinzipiell unmöglich. oder ist das eine sentimentale marotte wie greta thunberg?

quarz

5. Dezember 2020 12:52

@Christian

"Apropos "ideenpolitische Arbeit an den Unis" -- wenn ich an meine Alma Mater denke -- da wüßte ich nicht den geringsten erfolgversprechenden Ansatzpunkt."

Eine - freilich mit viel Aufwand verbundene - Möglichkeit wäre, vorerst alternative Bildungskraftwerke zu organisieren, anstatt in die dicht geschlossenen Reihen der linken Diskursburgen der Universitäten einzudringen.

Ansätze dazu stellen ja die halbjährlich stattfindenden Akademien des IfS dar. Um das zu einem umfassenden Studiengang auszubauen, müsste man ein Curriculum für ein Studium der (im alternativen Sinn des Wortes) "Rechtswissenschaften" entwerfen, das Themen wie politische Theorie, Geschichte, empirische Sozialforschung und Volkswirtschaft, aber auch praktische Disziplinen wie Rhetorik und Aktivismus umfasst.

Natürlich ist nicht damit zu rechnen, dass Abschlüsse staatlich anerkannt würden. Aber darauf können wir ja pfeifen. Ziel ist nicht eine Urkunde zum Einrahmen, sondern die Ausbildung fähiger Akteure für unser Anliegen.

heinrichbrueck

5. Dezember 2020 13:31

@ Volksdeutscher

Die Demokratie ist leider keine Weltanschauung, wird Weltanschauung als Wahrnehmung der Realität verstanden, wie die Realität illusionslos wahrgenommen werden sollte. In einer Demokratie, einer Herrschaftsform innerhalb der Matrix, sind auch die Grünenwähler nicht schuld. Das Paradoxe: Wir leben in einer Demokratie = Demokratie existiert nicht. Also ist alles Diktatur, auch die demokratische Form. Wer über das Geld bestimmt, entscheidet über die Regierungsbildung und das demokratische Theater. Dem Gutmenschen („J’aime l’humanité, cela me permet de haïr mon voisin.“ Montesquieu) muß die Illusion bleiben, er hätte eine eigene Meinung, dann fällt es schwerer, sich gegen diese Meinung zu wenden, und das Theater kann weitergehen. Wahrheit und Anstand sind nicht so gefragt, darüber läßt es sich schwer abstimmen, stehen doch nur Illusionsposten zur Wahl. In die verdeckten Bereiche vorzustoßen, für die individualisierte Herde möglich, wenn die Zeit reif ist. Dann werden aber Leute vorangehen müssen, den Gutmenschen die Wahrheit zu sagen, besonders über ihre okkulte Demokratie.

Maiordomus

5. Dezember 2020 13:38

Für @Sellner.

Die Erwähnung der Uni Würzburg mit Bossle und Umfeld als Versuch eines speziell im Bereich der Soziologie radikalen anti-68-er Ansatzes diente nicht den hier beteiligten Foristen,, sondern als Kommentar zu Ihrer Forderung nach  ideenpolitischer Arbeit einer Regierung mit FPÖ-Beteiligung in Richtung Veränderungen an Unis. Im Gegensatz zur Merkel-CDU und wohl auch zu  dem im Vergleich zu FJS katastrophalen Söder wusste Franz Joseph Strauss, was Diskurshoheit bedeutet und metapolitische Schaltstellen. Das Projekt Würzburg, womöglich noch andere, ging aber daneben, hinterliess keine Spuren. Nicht nur, weil Bossle intellektuell keine Alternative zu den Frankfurtern war. Vielmehr machten sich als Pseudo- Alternative gegen die Linken auf Karriere erpichte Seilschaften breit, wobei Theologen (um Ratzinger) noch am ehesten Format generierten. Immerhin erkannte Strauss die metapolitische Lage, hatte aber, leider nicht frei von Amigo-Korruption, das Format und die Grösse nicht, die geistige Lage zu verändern. 

 

Martin Lichtmesz

5. Dezember 2020 14:16

Wenn "distanzieren" ein Schlagwort für ein bestimmtes politisches Ritual ist, dann schlage ich "abgrenzen" als alternativen Begriff vor. Ich würde mir jederzeit vorbehalten, mich abzugrenzen, von wem ich will. Der Umstand, daß einer ungefähr im selben politischen Spektrum herumgondelt wie ich, verbrüdert uns noch keineswegs. Manche, die über "Distanzeritis" klagen, fordern im Gegenzug maximale Solidarisierungen mit beliebigen Idioten oder Schädlingen im gesamtrechten Lager, oder stellen sich vor, man müsse diese von jeglicher Kritik ausnehmen, um sich bloß nicht "distanzieren". Das kann ja wohl auch nicht der richtige Weg sein.

Solution

5. Dezember 2020 14:41

Wenn hier argumentiert wird, die NPD sei mit VS-Spitzeln durchsetzt, kann man das jetzt auch von der AfD sagen. Die AfD hat eine Unvereinbarkeitsliste, auf der sie selbst schon in Teilen steht.

Der "Volksdeutsche" hat recht, wenn er schreibt, daß niemand Martin Sellner (und andere) gezwungen hat, sich von der NPD zu distanzieren. Muß man jetzt, wo nacheindander alle rechten und nationalkonservativen Kräfte und Einzelpersonen im VS-Bericht landen, nun auch jene öffentlich anprangern, weil sie über Nacht offiziell "Staatsfeinde" geworden sind?

Wie geht die AfD damit um, wenn bekannt gegeben wird, daß sie komplett beobachtet wird? Wer wagt hier als erster zu sagen: Mit der AfD geht nichts, weil sie im VS-Bericht steht und mit Spitzeln durchsetzt ist? Wahrscheinlich zuerst die servile, wachsweiche JF, aber wer noch?

Ich bezweifel übrigens, daß die Durchsetzung mit Spitzeln eine große Auswirkung auf die Beobachtungsobjekte selbst hätte. Es sind immer nur relativ Wenige. Das Gegenteil möge man hier einmal beweisen.

Also: Die einzige leigtime Abgrenzung ist gegenüber Gesetzesbrechern, die mit Gewalt vorgehen wollen. Alle anderen, auch jene, die wegen §130, vor Gericht landen, müssen differenziert betrachtet und nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Keine Rechtfertigungen und keine Selbstkritik mehr!

Im Angesicht des weit fortgeschrittenen Niederganges ist Ab- und Ausgrenzung ein Luxusproblem. Wieviele Seiten hat eine Barrikade?

anatol broder

5. Dezember 2020 15:01

@ sellner (auszeichnung von mir)

Ihr [der FPÖ] steht eine feindliche Matrix aus Politik, Presse und Wirtschaft gegenüber.

sind mitglieder dieser partei auf einer amtlichen sanktionsliste wie specially designated nationals and blocked persons gelandet? mir ist ansonsten nicht klar, warum wirtschaft gegen eine partei vorgehen sollte.

anatol broder

5. Dezember 2020 15:22

@ quarz 12:52

Eine - freilich mit viel Aufwand verbundene - Möglichkeit wäre, vorerst alternative Bildungskraftwerke zu organisieren, anstatt in die dicht geschlossenen Reihen der linken Diskursburgen der Universitäten einzudringen.

Ansätze dazu stellen ja die halbjährlich stattfindenden Akademien des IfS dar. Um das zu einem umfassenden Studiengang auszubauen, müsste man ein Curriculum für ein Studium der (im alternativen Sinn des Wortes) "Rechtswissenschaften" entwerfen, das Themen wie politische Theorie, Geschichte, empirische Sozialforschung und Volkswirtschaft, aber auch praktische Disziplinen wie Rhetorik und Aktivismus umfasst.

eine mit wenig aufwand verbundene möglichkeit wäre, vorerst auf die begriffe links und rechts zu verzichten. diese kinderstempel sind doch die rhetorische sackgasse schlechthin.

Laurenz

5. Dezember 2020 15:33

@anatol broder

Schauen Sie Sich den jungen Mann in TV-Gesprächsrunden an.

@MS

Der Inhalt Ihres Artikels beschreibt sicherlich korrekt die Situation. Ziehen Sie vielleicht in Betracht, soweit möglich, mehr inneren Abstand einzunehmen. Etwas Theater, etwas Presse, auch wenn sie negativ ist, ist besser als keine Presse.

Millenius

5. Dezember 2020 16:02

Meuthen und Hofer - zwei Brüder im Geiste

 

Ich möchte Norbert Hofer wirklich nicht mit Meuthen gleichsetzen. Aber beim Lesen dieses Artikels musste ich immer wieder an Herrn Meuthen denken. Zumindest einiges was Sellner über Herrn Hofer schreibt, trifft auch auf Meuthen zu.

 

Christian

5. Dezember 2020 17:01

@quarz >>Natürlich ist nicht damit zu rechnen, dass Abschlüsse staatlich anerkannt würden. Aber darauf können wir ja pfeifen.<<

Korrekt. Cf. Prof. Petra Weber (Universitas, 8/2013): "Deutschland ist ein Land, das mittlerweile in der mindestens dritten Generation der politisch gewollten Unbildung lebt." Zudem schrieb sie, daß die Universität "keine mehr [sei]".

Sie nannte das Abitur von 2013 "lächerlich" und "peinlich". Auch schon lange vorher sprach z.B. in unserer einführenden Mathe-Vorlesung der Prof bereits davon, daß er mindestens ein halbes Semester aufbringen müsse, um uns auf den Stand zu bringen, den "vor ein paar Jahren" die Abiturienten mitgebracht hätten.

Auch das Diplom hatte wohl bereits eine Abwertung erfahren. Mit "Bologna" wurde der Prozeß offenbar weiter beschleunigt -- eine beispielhafte Professoren-Aussage aus diesem Jahr im ingenieurwissenschaftlichen Bereich: der Prüfungsstoff von vor einer Dekade würde heute ca. 80 Prozent aussieben.

Ob rechte Rechtsschulungen, Netzportale, Vorträge usw. -- in gewisser Weise sind dies ja schon alternative Bildungsstrukturen. Und da ist ein organisches Wachstum sicher
wünschenswert. Darüber hinaus? Ein Hoch auf die Autodidakten!

Millenius

5. Dezember 2020 17:21

Eilmeldung: Meuthen-nahes Lager triumphiert bei AfD-Listenwahlaufstellung in Niedersachsen.

Ich bin total aufgewühlt,  denn es überschlagen sich die Ereignisse. Das Meuthen-nahe Lager setzt sich anscheinend bei der Listenwahl für die Bundestagswahl durch. 

Armin Paul Hampel schaffte es nicht auf den ersten Platz. Stattdessen wurden der biedere Ex-General Wundrak auf Platz 1 gewählt der Kandidatenliste für die Bundestagswahl gewählt. Selbst der neu-gewählte Landessprecher Jens Kestner unterlag bei der Kandidatur um Platz 2 gegen den mir völlig unbekannten Kandidaten.

Was wir in Niedersachsen gerade vollzieht, ist eine praktische Entmachtung des erst im September neu gewählten Vorstandes. 

Das ist ein absoluter Albtraum. Erst die Bundesvorstandswahlen, die absehbar waren, und jetzt das. Damit hätte ich nie gerechnet.

Ich bin wirklich komplett traurig, verzweifelt und entsetzt. Wie soll es jetzt weitergehen. Was ist da eigentlich los in der Partei? Ist das der Anfang vom Ende der AfD als patriotische Partei? Eine biedere, angepasste CDU 2.0 unter der Alleinherrschaft des Herrn Meuthens.

 

 

 

 

 

 

 

Maiordomus

5. Dezember 2020 18:18

@Sellner. Unterschied Distanzieren und Abgrenzen ist wesentlich, schlicht wegen der Klarheit im Dialog. Auf dieser Seite wird oft heftig gestritten, wie wesentlich an unseren Traditionen das Christliche sei. Gegensätze z.T. unversöhnlich. Auch Meinungen über Autoren sind oft konträr, keineswegs nur Geschmackssache, tief ins Identitätsbewusstsein einwirkend. Über Historisches, etwa die Einschätzung Adenauers, gibt es meines Erachtens gewaltige Ressentiments. Man sollte auf youtube mal  Abschiedsparade der Bundeswehr für den Kanzler anschauen , sein Bekenntnis hören, dieselbe sei zur Verteidigung und Bewahrung "unseres deutschen Vaterlandes" da. Das tönt gar nicht nach Hindukusch.

Dass ich über einen lieben verstorbenen Weggefährten, L. Bossle, illusionslos geurteilt habe, bei.erfreulichen pers.Erinnerungen, so Salzburger Hochschulwochen 1972, war der realistischen Schilderung eines gescheiterten Versuches geschuldet, mittels Politbeziehungen linke Geisteswissenschaft ausmisten zu wollen. Leichter gesagt als getan!

 

anatol broder

5. Dezember 2020 20:06

@ laurenz 15:33

ich habe nicht nach der objektiven eignung des jungen mannes gefragt. mir ist sein alter egal.

meine frage bezog sich auf die urteile, die noch vor einer woche über yukio mishima gefallen sind. wie mishima kämpfte möseneder nie in einem krieg. wie mishima glänzt mösender in kriegerischen posen (kampfsport). die beiden werden aber deutlich unterschiedlich angenommen. ob rmh doch recht hatte, dass manche den konservatismus für ihre sonstigen abneigungen vorschieben?

Der_Juergen

5. Dezember 2020 21:25

Nachdem mein erster Kommentar hier nicht freigegeben wurde, versuche ich es ein zweites Mal. 

Es ist ungerecht, Martin Sellner vorzuwerfen, dass er sich von einigen augenscheinlichen Torheiten seiner Sturm- und Drangzeit (als er vor einer Synagoge zum Pinsel griff, war er wohl noch Gymnasiast) distanziert hat. Dies war im Gegenteil richtig. Ob er seine damaligen Mitstreiter pauschal verurteilt hat, weiss ich nicht, hoffe jedoch, dass dies nicht der Fall war; auch sie konnten ja in idealistischer Absicht Fehler und Dummheiten begehen. Im übrigen fände ich es gut, wenn sich Sellner und die Identitären klar für die Abschaffung des monströsen "Verbotsgesetzes" aussprächen, aufgrund dessen viele Menschen teils für lange Jahre hinter Gitter gewandert sind, obwohl sie Gewalt weder angewendet noch befürwortet haben. 

Als politischer Aktivist würde ich persönlich mich nur noch von Leuten distanzieren, die Gewalt anwenden oder predigen, sowie natürlich von offenkundigen Provokateuren. In den kommenden Kämpfen können wir auf keinen verzichten, der redlich bemüht ist, sich für das Überleben der weissen Menschheit und ihrer Zivilisation einzusetzen.

Solution

5. Dezember 2020 22:33

Hat die Aufnahme aller möglichen Organisationen in den VS-Bericht nicht einen positiven Nebeneffekt? Jetzt kann bald jeder auf seinen Nachbarn im Geiste zugehen und sagen: "Willkommen im Club". Wer kennt heutzutage in seinem Umfeld nicht auch persönlich einen oder mehrere böse "Verfassungsfeinde"? Der Club wächst und wird weiter wachsen.

Den Herrschenden sei gesagt: Niemand kann auf Dauer gegen die Realität regieren.

Wenn man fortfährt, demokratische, antitotalitäre Organisationen und Bewegungen mit jenen in einen Topf zu werfen, die tatsächlich auch mit Gewalt ein anderes System wollen, wird man das Gegenteil vom geplanten Ziel erreichen: Der VS wird als Instrument des herrschenden Parteienkartells wahr- und nicht mehr ernstgenommen 

Die sich überall einmischende JF sollte in diesem Zusammenhang kleine Brötchen backen. Beim ihrem Prozeß gegen den VS wurde lediglich erreicht, daß sie dort nicht mehr erwähnt wird. Das war kein politischer Freispruch und kein Persilschein. Natürlich wird sie nicht nur von einschlägigen Kreisen weiterhin beobachtet. Sie gehört unfreiwillig längst zum Club, mag sie auch das Gegenteil propagieren. Ihre Realitätsverweigerung nützt ihr gar nichts. Was Meuthen für die AfD ist, ist Stein für die JF. 

starhemberg

5. Dezember 2020 22:43

Norbert Hofer stammt aus einer ursprünglich bürgerlichen ÖVP-Familie und stolperte eher zufällig in die FPÖ, weil vorher sein Vater aus Protest zur FPÖ ging. Er ist ein biederer, kleinbürgerlicher Typ, von dem man keine strategischen/metapolitischen Denkweisen erwarten kann und darf. Genau deshalb hat er bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich unglaubliche Zahlen eingefahren, für einen "rechten" Politiker. Kickl ist hochintelligent und ideologisch absolut sattelfest, außerdem ein begnadeter Rhetoriker, und genau deshalb für die Masse nicht attraktiv. Für eine Partei, die über 30% erlangen möchte, und das war vor Ibiza durchaus möglich, sind beide Politikertypen notwendig, aber Hofer zieht mehr. Die neue FPÖ wird sich vorderhand mit wesentlich geringeren Zielen begnügen müssen, und kann und soll daher wieder aggressiver und schärfer werden. Dafür braucht es dann keinen Hofer mehr. 

Franz Bettinger

5. Dezember 2020 22:47

Ich kann @Martin Lichtmesz zwar verstehen, aber ihm nicht ganz folgen. Es mag sie ja geben, aber ich selbst kenne im rechten Lager keine solche beliebigen Idioten. Wer soll das sein? Ist schon klar: vermintes Gelände. Dennoch! Gerade ist Frau Ursula Haverbeck (92 J) erneut von einem mutigen Richter (ha!) für ihre Überzeugung ins Gefängnis gewandert worden. Ist sie eine Idiotin?

Volksdeutscher

5. Dezember 2020 22:51

@Maiordomus

Sektierern, sagen Sie…. Auch H.C. Strache sagte über die IB, sie sei eine Sekte. Man wird immer einen Anlaß, einen Weg und einen Begriff finden, sich von anderen zu distanzieren, um sich zu retten. Indem man z.B. auf seine Fahne schreibt und für sich proklamiert: „Den wahren, guten, schönen Rechten“. Sind andere Rechte also falsch, schlecht/schlimm, häßlich? Seien wir aber ehrlich: Hat dies der rechtskonservativen Sache insgesamt irgendetwas geholfen, ihr etwa Sympathien und Anerkennung außerhalb des eigenen Lagers eingefahren? Durch solche Wertungen entsteht überdies eine Teilung in „sie und wir“. Auf den politischen Feind macht dieses selbstaufgelegte „divide et impera“ jedoch keinen Eindruck, es schadet jedoch dem rechten Lager insgesamt, weil es das Unterscheidende über das Verbindende stellt und damit das Zustandekommen einer wie auch immer gearteten rechten Solidargemeinschaft verunmöglicht. Es ist, wie wenn politische Dilletanten Parteien über die Nation stellen. Der lachende Dritte ist immer der politische Feind, der seinen Erfolg nicht zuletzt diesem Umstand verdankt, denn er diastanziert sich innerhalb seines Lagers nicht von anderen Strömungen, kann seine Einheit bewahren und dadurch seine Positionen in Gesellschaft, Medien und Politik weiter ungestört ausbauen. Etwaige Unstimmigkeiten bleiben unter ihnen und werden nicht hinausposaunt.

Volksdeutscher

6. Dezember 2020 00:30

@Maiordomus

Sie schreiben sehr richtig, daß der Unterschied zwischen Distanzieren und Abgrenzen wesentlich sei. Richtig ist aber auch, daß beide der Angst und/oder dem schlechten Gewissen vor irgendwelchen Folgen entspringen. Ob dieses Bewußtseinshaltung in der politischen Arbeit für einen selbst und/oder die Sache, für die man streitet, von Vorteil ist, möchte ich bezweifeln.

Volksdeutscher

6. Dezember 2020 01:24

@Martin Lichtmesz

Sie bringen Argumente auf, die keinen entsprechenden Behauptungen von Kritikern des Verhaltens von Herrn Sellner zuzuordnen sind. Denn es geht ja gar nicht darum, daß man sich zwanghaft verbrüdern, sondern darum, daß man sich nicht zwanghaft distanzieren soll, wenn man vom politischen Feind mit Fragen und Behauptungen bedrängt wird. Ich fordere geistige Souveränität und Haltung, verstehen Sie? In der Distanzierung vermisse ich gerade diese Dinge, denn sie ist Verbiegenlassen seines Rückgrates. Ein echtes Rückgrat kann man nicht verbiegen, sondern nur brechen. Distanzierung ist Schwenken der weißen Fahne vor dem Feind und wir haben Feinde, die selbst dann noch weiter auf uns schießen.... Oder wüßten Sie und Herr Sellner nichts davon? Der politische Feind bezieht ungeheure Vorteile aus der unnötigen Distanzierung rechter Akteure zu anderen rechten Akteuren, während er sich nicht den Zwang auferlegt, diesselben Rituale im eigenen politischen Lager salonfähig zu machen. Damit kann er Ruhe, Frieden und Eintracht nach innen wie nach außen vermitteln. Nicht so bei den Rechten, die ihr politisches Lager zu einem politischen Ghetto machen, nur um irgendwelchen Mächten ihre Satisfaktionsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Beim nochmaligen Durchlesen Ihrer Zeilen entsteht in mir der Eindruck, daß Sie Gleichgesinnte noch schlimmer als ihre linken politischen Feinde bekämpfen. Wohin soll das mit der gerechten rechten Sache führen?

Volksdeutscher

6. Dezember 2020 01:47

@Solution

Meine Zustimmung! Ich habe mir z.B das Video angetan, in dem Baumann und Gauland sich händeringend für den im Bundestag ereigneten „Skandal“  entschuldigt haben. Hätte ich es bloß nicht getan! Denn ich wurde wieder einmal Augenzeuge der mangelnden Souveränität bundesdeutscher Politiker, die die linke Journalistenmeute lächelnd, mit einem Satz hätten weghaschen müssen. Statt dessen standen sie da, wie Angeklagte und so benahmen sie sich auch: keine Souveränität, kein Nonchalance, keine rhetorische Schlagfertigkeit, nur Verängstigtheit, nackenstarrender Ernst und unübersehbare Unsicherheit.

Volksdeutscher

6. Dezember 2020 09:06

Wie ich sehe, meine Erwiderungen auf die Kommentare von RMH und Lichtmesz gingen nicht durch. Das verstehe ich nicht.... Waren meine Argumente etwa zu gut? Wie auch immer, es ist bedauerlich, denn auch sie hätten verdient, mal einen anderen Standpunkt kennenzulernen, als den ihnen bereits bekannten. Es ist niemand über Kritik erhaben, auch dann nicht, wenn er das Recht hat, sich zu irren.

Maiordomus

6. Dezember 2020 10:14

@Volksdeutscher. Sektierer oder nicht? Natürlich kommt es hier auf auch auf die politische Erfahrung und Geschicklichkeit an, nicht einfach die Meinung oder auch deren Radikalität. Es ist durchaus möglich, radikal zu sein ohne ein Sektierer zu sein. Auf dieser Seite, bzw. unter den Foristen kenne ich mindestens einen, auf den dies zuzutreffen scheint. Auf andere eher nicht. Wer im Abweichler zum Beispiel automatisch einen Verräter sieht, geht klar in die sektiererische Richtung. Auch ist der oben beklagte Befund, dass in einem bestimmten Bundesland nun mal ein Ex-General und nicht ein parteiinterner Gesinnungsfreund dank parteiinternen Mehrheitsverhältnissen auf den obersten Listenplatz kam, nun mal kein Anlass zu politischer Verzweiflung. Wer mit solchen Konstellationen nicht leben kann, neigt zum politischen Sektierertum, beruhend nicht zuletzt auf Rechthaberei mangels Horizont. Es ist auch wahr, dass der Sektierer kaum bündnisfähig ist und etwa im Niveau von jenen bornierten CDU-Politikern, die lieber auf ein paar noch nötige Stimmen aus dem Gegnerlager verzichten als das politisch Richtige durchzusetzen. Selber würde ich in einem Parlament auch zwei Stimmen von vorbestraften Ku-Klus-Clan-Vertretern annehmen, wenn es für eine politisch richtige Entscheidung auf genau diese Stimmen noch ankäme, so wie bei einem Misstrauensvotum gegen eine schlechte Regierung selbstverständlich auch Stimmen von Stalinisten mitzählen und für diese dankbar sein. Aber Ku-Klux-Clan, Stalinisten und/oder SA-Versteher bleiben für mich politische Sektierer. 

Millenius

6. Dezember 2020 10:44

Ich finde es leider traurig, dass niemand auf meinen Beitrag zum gestrigen Landesparteitag der AfD-Niedersachsen reagiert hat.

Wir diskutieren hier über die FPÖ, über die AfD, über die richtige Lageanalyse, über die richtige Strategie und Distanzierung u. v, m. während gleichzeitig jenes Lager in der AfD sich immer weiter durchsetzt, für die all diese Fragen keine wirkliche Rolle spielen, und deren Kurs auf eine (minimal rechtere) "CDU 2.0" hinausläuft.

Höckes gestrige Rede in Höxter enthielt eine richtige Lageanalyse und richtige Empfehlungen für die zukünftige strategische Ausrichtung der AfD.

Das Problem ist, dass das alles vollkommen egal ist, wenn sich Meuthen und seine Leute in der AfD durchsetzen. Denn in deren Zukunftsvision der AfD gibt es keinen Höcke mehr, (es gibt da auch kein Schnellroda mehr).

Fortsetzung folgt...

Millenius

6. Dezember 2020 10:44

Fortsetzung...

In der AfD tobt längst ein unbarmherziger Flügelkampf - so schlimm wie vielleicht noch nie zuvor - bei dem es nur einen Gewinner gibt.

Höckes korrekte Analyse der Lage in Deutschland wurde leider durch eine anscheinend komplett unrealistische Analyse der Lage in der Partei wettgemacht. Denn am Ende der Rede sang Höcke wieder sein altbekanntes Lied der Einheit.

Meuthen und seine Leute wollen aber gar keine Einheit mehr - das haben sie ganz deutlich gezeigt. Er und sein Lager wollen die Partei für sich allein und den ehem. "Flügel" und sonstige Abweichler aus der Partei verdrängen.  Und ob sie damit erfolgreich sein werden, hängst auch mit dem Ausgang der Listenwahlen für den Bundesparteitag ab.

 

Maiordomus

6. Dezember 2020 12:10

@ Haverbeck ist eine politische Gefangene, aber keine Orientierungsgrosse für Geschichtswissenchaft, die auf lebenslange ununterbrochene Forschung angewiesen ist und bei der man letztinstanzlich nichts glauben darf, als was man selber überprüft hat. Klar, gibt es Geschichtslügen. Wären diese jedoch flächendeckend strafbar, müssten wir Spezialgefängnisse bauen. Was Herwig Münkler zum Beispiel über Sieferle gesagt hat, ist aufgrund der Qualifikation jenes Professors mutmasslich fieser als was diese alte Frau an Rechthaberereien verbreitet haben mag, wiewohl ich auch Münkler nicht im Zuchthaus sehen möchte. Beim viel bedeutenderen, unterdessen provisorisch freigelassenen H.M. vermute ich bei seinen diesbezüglichen Aussagen Zivilreligionsatheismus. Dieser ist heute so strafbar wie einst der "theologische" Atheismus. Toleranz geht ohnehin immer nur bis zu jenem Punkt, wo die wahren Meinungsverschiedenheiten beginnen. Wer mit Meinungsverschiedenheiten nicht umgehen kann, gilt flächendeckend, ist aus meiner Sicht ein politischer Sektierer. 

 

 

Maiordomus

6. Dezember 2020 12:31

@Millenius. Ich bin auf Ihre Aussage eingegangen, siehe oben:

"Wer im Abweichler automatisch einen Verräter sieht, geht klar in die sektiererische Richtung. Auch ist der oben beklagte Befund, dass in einem bestimmten Bundesland ein Ex-General und nicht und nicht ein parteiinterner Gesinnungsfreund dank parteiinternen Mehrheitsverhältnissen auf den obersten Listenplatz kam, kein Anlass zu politischer Verzweiflung. Wer mit solchen Konstellationen nicht leben kann, neigt zum politischen Sektierertum, beruhend auf Rechthaberei mangels Horizont. Es ist auch wahr, dass der Sektierer kaum bündnisfähig ist etwa auf dem Niveau jener bornierten CDU-Politikern, die lieber auf ein paar noch nötige Stimmen aus dem Gegnerlager verzichten als das politisch Richtige durchzusetzen."

PS. So dumm wie im letzten Satz CDU-Politiker angesprochen hätte sich der Machiavellist Adenauer bestimmt nicht verhalten!. 

 

zephyros

6. Dezember 2020 14:11

Im Bereich der Jugend hat die Linke jahrzehntelang keine Konkurrenz gehabt. Etwas überspitzt formuliert: Rechte trugen das Image der abgeschotteten Weltabgewandtheit, die breite Masse nahm sie als verbittert, mitunter aggressiv wahr, die sich hauptsächlich über Verlusterfahrungen definierten und in der Folge die Wiederherstellung eines vergangenen Zustandes als Programm entwickelten. Die Jugend belächelt so etwas gemeinhin.

Im Repertoire des linken Marketings findet man hingegen idealistische Generationenprojekte, von Klima, über "Buntheit" und jegliche Form mehr oder weniger hedonistischer "Befreiungs"theorien. Also ein unablässiges Handeln an der Welt, das Sinnstifung generiert, jeder kann darin partizipieren und linkes Denken wird so als das eigene erfahren. Das zieht nun einmal die Jugend magnetisch an.

Was für ein Generationenprojekt können Rechte der Jugend bieten, oder: welcher überzeugende Entwurf mit hohem Identifkationspotential kann von jungen Rechten in die Gesellschaft getragen werden, der ebenso ein hohes Maß an Sinnstiftung bzw. sowohl ethische und philosophische Verortung als auch praktische Handlungsmuster miteinschließen?

Der_Juergen

6. Dezember 2020 14:52

@Millenius

Wenn - ausser dem unermüdlichen @Maiordomus - hier keiner auf Ihre Klagen über Meuthen und die AFD reagiert hat, liegt das bestimmt nicht daran, dass man Sie nicht begreift und Ihnen keine Sympathie entgegenbringt. Es liegt meines Erachtens eher daran, dass dieser Zug abgefahren ist, so leid es einem um die vielen ehrlichen Aktivisten in der Partei tut. Ich warte immer noch auf eine Antwort auf meine bereits mehrfach gestellte Frage, was die nächstjährige Bundestagswahl noch ändern soll. Die AFD, ob unter Höcke oder Gauland oder Meuthen, wird nicht in die Regierung aufgenommen werden, weil die Kartellparteien, unter denen jede beliebige Koalition möglich ist, nicht auf die AFD angewiesen sein werden. Da nützen Meuthens erbärmliche Bücklinge vor dem System und seiner Ideologie gar nichts. Wenn Trump in den USA das Ruder nicht herumreisst - und es besteht Grund zur Hoffnung, dass er dies noch tut wird -, läuft der Great Reset schon nächstes Jahr weltweit wuchtig an, und das Regime in Berlin, werde es nun von Merkel oder einer anderen Kreatur geführt, wird sich von niemandem in die Suppe spucken lassen, mag dieser auch - wie Dr. Curio - glänzende Reden halten oder - wie Höcke - auf Facebook Werbung für Dr. Bhaktis Buch machen. 

Laurenz

6. Dezember 2020 15:17

 

@Maiordomus

Auch ARTE (Maps), mit seinen durchschnittlichen guten (franz.) Historien-Dokus, lügt über politisch Verfolgte in Europa. Europa wird grundsätzlich weiß dargestellt. Dem ist aber nicht so. Haverbeck, Mahler & Co. sind politisch Verfolgte. Die Deutsche Gerichtsbarkeit steht einem Roland Freisler in nichts nach. Vor allem Juristen haben wieder mal nichts aus der Vergangenheit gelernt. Ihr Einwand, Maiordomus, ist, mit Verlaub, fehl am Platze. Haverbeck sitzt im Knast, eben weil Sie öffentlich einen anerkannten Historiker zitiert. Es existiert keine wissenschaftliche Debatte über den Holocaust. Die Debatte ist durch die Offensichtlichkeitsklausel quasi verboten, ein juristisches Paradoxon gegenüber der Meinungsfreiheit. 

@Millenius

Kein Grund zum jammern. Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht.

@zephyros

Dem ist nicht so, auch ich & viele andere waren in der Jugend nicht bei der Linken, und das ist 2 oder 3 Jahrzehnte her. Dem VS sind einfach die jugendlichen SkinHead-Alkis weggestorben, die man als Neo-Nazis der Öffentlichkeit verkaufen konnte.

Laurenz

6. Dezember 2020 15:25

GK könnte das Militärische in der Politik sicher besser erklären als ich. 

Distanzierungen im konservativen Lager sind ein defensives Instrument. Gemäß Clausewitz ist die Defensive im Falle einer Unterlegenheit richtig. Der alte Fritz hingegen, vertrat in der Tat eine andere Taktik/Strategie auch bei Unterlegenheit. Friedrich II zahlte dafür auch oft mit hohen Verlusten, aber am Ende gewann Er mit "Angriff ist die beste Verteidigung" Seine Kriege.

Anstatt sich permanent von benachbarten Front-Stellungen zu distanzieren, sollte man rund um die Uhr, 24/7, den politischen Gegner auffordern, sich von sich & seinesgleichen zu distanzieren. Verbrechen begeht die Berliner - & Wiener Polit-Schickeria wohl genug. Alleine bei Waffengeschäften, Kraftwerks-Geschäften etc. kann der parlamentarische Arm der AfD sekündlich zuschlagen, die konservative APO übrigens auch.

Maiordomus

6. Dezember 2020 15:27

PS. Der oben genannte H.M. ist natürlich nicht Herwig Münkler, sondern jener nun mal ernst zu nehmende lebenslange Oppositionelle in der Bundesrepublik, der sich seinerzeit gegenüber wirklichen Terroristen gegen das Freipressen seiner Person verwahrte. Halte ihn trotz mannigfachem Andersmeinens damals und heute für so integer wie mich selber und als integrer als jeden Politiker, der sich je gegen seine Überzeugung an den Fraktionszwang gehalten hat. Wegen letzterem Nichteinhalten wurde ich schon mal nur knapp  auf einen bereits gestellten Antrag aus einer freilich nur regional bedeutsamen Parlamentsfraktion nicht ausgeschlossen. Das Taggeld betrug freilich nur 20 Franken pro Halbtag, was man mit den Verhältnissen in einem heutigen  Berufsparlament also nicht vergleichen kann. Dass es aber für das Weiterwirken in der Politik einen Preis gibt, ist ein objektivierbarer Befund. Umgekehrt beweist die Bereitschaft, für seine Überzeugungen ins Gefängnis zu gehen, noch nicht, dass man recht hat. Galt nicht mal für Mandela bedingungslos. 

Millenius

6. Dezember 2020 15:31

Maierdormus_

""Wer im Abweichler automatisch einen Verräter sieht, geht klar in die sektiererische Richtung. Auch ist der oben beklagte Befund, dass in einem bestimmten Bundesland ein Ex-General und nicht und nicht ein parteiinterner Gesinnungsfreund dank parteiinternen Mehrheitsverhältnissen auf den obersten Listenplatz kam, kein Anlass zu politischer Verzweiflung."

Es geht hier nicht um einen Ex-General. Dieser Ex-General gehört zu dem Lager um Dana Guth - und die wiederum den Meuthen-Flügel in Niedersachsen vorsteht.

Neben dem General die ganze Liste voller Vertreter des Guth- bzw. Meuthen-Flügels. So etwa Frank Rinck (Platz 2) oder Danny Meyers (Platz 7) oder Jörg König. https://gemeinsam-guth.de/ziele/

Dabei hatte Guth doch die Fraktion gesprengt. (Die Sezession hat damals Guths Verhalten in deutlichen Worten kritisiert.) Und jetzt sollen ihre Getreuen mit der AfD-Niedersachsen in den Bundestag einziehen? Allein das ist schon ein Wahnsinn.

Fortsetzung...

Millenius

6. Dezember 2020 15:32

Fortsetzung folgt...

Davon abgesehen muss die Listenwahl in Zusammenhang mit dem Kämpfen in der Gesamtpartei gesehen werden und Meuthens Parteitagsrede. Denn der Guth-Flügel ist die niedersächische Abteilung des Meuthen-Flügels.

Auch wenn ich mich wiederholte: Meuthen und sein Flügel streben nicht Einigkeit. Sie wollen die ganze AfD für sich allein. Sie wollen den ehem. Flügel komplett vernichten. Und ein Teil ihrer Strategie ist die Bundestagsfraktion - sie wollen so viele Meuthen-loyale Bundestagsmitglieder und so wenig Flügel-nahe Kandidaten, dann soll ein Meuthen-Mann, wahrscheinlich Lucassen, oder Meuthen selbst, falls er noch irgendwo antreten sollte, die Bundestagsfraktion leiten. 

Millenius

6. Dezember 2020 15:48

Ich sage es deutlich: Wenn jetzt kein Widerstand kommt, dann war es das auf langer Sicht. Dann verkommt die AfD zu einer Meuthen-Partei und FDP 2.0.

Wir haben eine ähnliche Lage wie 2017, als das Überleben des Flügels und der AfD als auch nur halbwegs patriotische Partei auf der Kippe stand. Mit einem Unterschied: Im Gegensatz zu Petry ist Meuthen auf der Gewinnerspur. 

Millenius

6. Dezember 2020 16:01

@Laurenz

@Millenius

"Kein Grund zum jammern. Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht."

Wie soll ich jetzt diese Aussage verstehen?

 

Lotta Vorbeck

6. Dezember 2020 16:10

@Millenius - 6. Dezember 2020 - 03:48 PM

"Im Gegensatz zu Petry ist Meuthen auf der Gewinnerspur."

---

So sieht's aus.

Allerdings: Der Weg der Wehrmacht nach Stalingrad war auch mit Siegen gepflastert ... 

Maiordomus

6. Dezember 2020 17:08

@Laurenz. Doch, doch. Heutige Gerichtsbarkeit steht einem Freisler gottseidank noch stark nach. Der rote Roland war Weltrekord von entsetzlich, weswegen jemand, der ihn so relativiert, in wählbarer deutscher Opposition keine grössere Rolle spielen sollte als ein Sympathisant von Pol Pot. Vermute, dass solche Urteile bei Sellner gemeint sind bei den Typen, die er als definitiv unbrauchbar einschätzt. Achte Sie in vielem, was Sie hier sagen, aber das sollten Sie schon bedenken..

PS. Man hat den schwerkranken beinamputierten Mahler vorläufig auf freien Fuss gestellt jenseits Begnadigung unter Redeverbot.  Er ist und war ein politischer Gefangener und - so weit ich sehe bei zwar Nichtstudium seiner Akten -  ein Gesinnungstäter mit Delikt "Verbrechdenk" nach Orwell. Die seinerzeitigen Argumente für das Festhalten Mandelas waren, die Gewaltfrage betreffend, zweifelsfrei gewichtiger. Von seiner Gesamtbiographie her bleibt HM einer der auffälligsten politischen Gefangenen im gegenwärtigen Europa, gewinnt langfristig in dieser Eigenschaft seinen Platz im Geschichtsbuch. Noch Fragen?

Millenius

6. Dezember 2020 17:08

"Allerdings: Der Weg der Wehrmacht nach Stalingrad war auch mit Siegen gepflastert ... "

Ja, aber um bei dieser Parabel zu bleiben: Stalin schwor in seinen Reden das russische Volk auch auf einen "großen vaterländischen Krieg" ein - und predigte nicht Einigkeit mit Deutschland. 

 

Maiordomus

6. Dezember 2020 17:52

@Millenius. Ich frage Sie, ob Sie Erfahrung haben im Organisieren von Wahlen, dem Aufstellen von Listen und von Kampagnenprofessonialität einschliesslich der Einschätzung der Verhältnisse vor Ort, auch beim Zusammenraufen und Trennen von Siegern und Verlierern innerhalb der inneren Verhältnisse, bei denen es wechselnde Konstellationen gibt. Die Verlierer machen manchmal mehr Fehler als die Sieger, weswegen sie verlieren, und die Sieger würden grossen Fehler machen, würden sie solche Verlierer, die für den Erfolg relevante politische Perspektiven vertreten, "vernichten" wollen, mit Ausnahme von dem oder jenem Störenfried/Sektierer, mit dem man schwerlich in den Wahlkampf ziehen kann. Empfehlenswert ist es, vergleichsweise breit aufzustellen unter Beachtung der ökonomischen und gesellschaftlichen Interessen der angestrebten Gesamtwählerschaft; dabei kann man z.B. eine Gruppe "Christen in der Partei" ebenso gebrauchen wie einen Gewerbeflügel und nicht zu vergessen Intellektuelle, die bei einem Überhang aber die Wähler eher abschrecken usw. Leute mit älterer politischen Erfahrung sind für Vermeidung von Sektierertum und Fundamentalismus und für Verfahrensfragen in der Regel sachdienlich. 

Laurenz

6. Dezember 2020 17:56

@Millenius @Laurenz

"Kein Grund zum jammern. Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht."

"Wie soll ich jetzt diese Aussage verstehen?"

Überlegen Sie doch Selbst. 

Ein offensichtlicher Hinweis dabei ist, daß ich Ihnen, soweit möglich, die Schwere vom Herzen nehmen möchte. Bleiben Sie zuversichtlich, ganz egal, was morgen passiert. Es gibt immer ein übermorgen.

Millenius

6. Dezember 2020 18:15

Selbst das Westphalen-Blatt versteht im wesentlichen, was in der AfD gerade los ist:

"Wählerschichten der Mitte will Höcke, den Bundesparteichef Meuthen samt seinen Gefolgsleuten offensichtlich schnell loswerden möchte, einsammeln"

https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Hoexter/Warburg/4325826-Umstrittener-AfD-Politiker-Bjoern-Hoecke-vor-140-Zuhoerern-in-Hoexter-Ausnahmezustand-am-Hindenburg-Wall-Wir-wollen-so-schnell-wie-moeglich-an-die-Macht

Christian

6. Dezember 2020 18:33

@Maiordomus

Wo man nicht relativieren darf, ist das totalitäre Denken Vorschrift.

Helmuth James von Moltke über Freisler (Abschiedsbriefe):
"Freisler, den Hercher sehr richtig beschrieben hat: begabt, genial und nicht klug, und zwar alles dreies in Potenz. ...die Form: Vortrag von Freisler, in den man Antworten, Einreden, eventuell neue Tatsachen einbauen kann; besteht aber die Möglichkeit, daß man dadurch den Ductus stören könnte, so wird er ungeduldig, zeigt an, daß er es doch nicht glaubt, oder brüllt einen an. ...Da fing er mit mir an. In mildem Ton ging es los; sehr schnell, sozusagen rapid; Gott sei Dank, daß ich flink bin und F.'s Tempo spielend mitmachte; das machte übrigens sichtlich uns beiden Freude. Aber wenn er das bei einem Mann exerziert, der nicht ganz schnell ist, so ist der verurteilt, ehe er bemerkt hat, daß F. die Personalien hinter sich gelassen hat."

Mitverschwörer Philipp von Boeselager (JF-Interview): "Es ging ganz entscheidend um die Rettung des Reiches - und zwar nicht des kleindeutschen Reiches von 1937, sondern des Großdeutschen Reiches mit Österreich, dem Sudetenland, dem Memelland, also Deutschland in den Grenzen von 1938."

Mir fällt leider nicht mehr ein, wer aus dem Kreise des 20. Juli das schrieb oder in einem Interview sagte, aber es ging um die erst nach dem Kriegsende bei den Verschwörern erfolgte Erkenntnis, daß es den Alliierten nicht wie angenommen um einen Kampf gegen Hitler oder den NS ging, sondern um einen Kampf gegen Deutschland per se.

Simplicius Teutsch

6. Dezember 2020 19:00

@ Martin Sellner, immer wieder diese klugen Beiträge zum politischen Geschehen! Sie sind der Grund, dass ich mich heute nach Monaten mal wieder mit Österreich und der unseligen FPÖ beschäftigt habe. Eigentlich war die für mich gestorben.

Sie und, nebenbei, der andere österreichische Martin, etc., hätten es drauf, politisch oder publizistisch, als Parlamentarier oder als Leitartikler, eine gesellschaftliche Führungsposition auszufüllen. Aber Sie stehen zum falschen Zeitpunkt auf der rechten Seite. Die linke Meinungsherrschaft will Sie zur schmählichen Fußnote herabdrücken, wenn schon die Kriminalisierung nicht so richtig funktioniert.

„An seinem Ende [Weltkrieg II] wurde auch die Rechte, die nichts mit Hitler zu tun haben wollte, mit auf den großen Haufen der Besiegten gekehrt. Die Rechte als Ganzes hat diesen Krieg verloren – auch in den Ländern, die den Krieg gewonnen haben.“ (Aus Armin Mohler, Der f. Stil, 1973.)

Es bleibt Ihnen und uns vorläufig nicht viel übrig, als sich an Arthur Schopenhauer halten:

„Ein glückliches Leben ist unmöglich: das höchste, was der Mensch erlangen kann, ist ein heroischer Lebenslauf.“

"Heroisch" meine ich in dem Sinn, "dennoch die Schwerter halten". (Gottfried Benn).

Hierbei muss ich auch mit Respekt an den von Maiordomus ins Gedächtnis gebrachten HM denken.

Volksdeutscher

6. Dezember 2020 19:28

@Maiordomus - Sie haben klar und unmißverständlich umrissen, was Sie unter Sektierern verstehen. Ihrer Definiton kann ich nichts hinzufügen. Ich hatte jedoch etwas Anderes im Sinn, als ich Ihr Wort Sektierer aufgriff und es zu relativieren suchte. Nach meiner Wahrnehmung wird dieses unsägliche Wort, das beinahe einem Schimpfwort gleicht, viel zu oft als Vorwand benutzt, um sich von jemandem abzugrenzen, da man sich - ob zurecht oder zu unrecht - für etwas Besseres hält. Abgrenzungen, Distanzierungen können als Selbstzweck erfolgen, um sein Gewissen vor sich selbst zu beruhigen und zu entlasten. Das ist legitim. Anders verhält es sich jedoch dann, wenn sie öffentlich erfolgen, denn damit wendet man sich an ein bestimmtes Publikum, das man damit ansprechen möchte und bei dem seine Beteuerungen ankommen sollen. Und ich riskiere hier eine heikle Behauptung: bei dem man ankommen möchte, um begnadigt zu werden. Daß ich diese Hoffnung auf Gnade abwegig halte, habe ich schon andernorts ausgeführt.

Volksdeutscher

6. Dezember 2020 19:40

Ich habe mir gestern Höckes Rede angehört/angeschaut. Was soll ich sagen..., ich war nicht vom Hocker gerissen. Vielleicht waren meine Erwartungen auch einfach zu hochgestellt. Da ich keinen Einblick in parteiinterne Angelegenheiten und keine Kontakte zu AfD-lern habe, kann ich nicht nicht mal annähern sagen, ob der behauptete Siegeszug des liberalen Flügels wirklich von Dauer sein wird, wie manche hier im Kommentsektor unken, oder ob Höckes Erwiderung auf Meuthen eine gute, richtige oder angemessene war. Ich fand sie einfach langweilig, weil wenig aussagekräftig, zudem wurde seine Rede auch noch viel zu oft vom Applaus unterbrochen. Summa summarum: der liberale Flügel hat einige Schlachten gewonnen, aber noch lange nicht den Krieg.

Volksdeutscher

6. Dezember 2020 20:02

Und vorgestern habe ich mir das Video auf Bitchute angeschaut, in dem Sellner, Schick und Lichtmesz darüber diskutieren, wie man sich zu den Querdenkern verhalten sollte, welche Eindrücke man von ihnen und ihren Demonstrationen gewonnen habe. Meine Einstellung zu der Bewegung korrespondiert in vielem mit Martin Sellners Wahrnehmung und Einstellung. Alles in allem möchte ich jedoch keine große Hoffnungen auf eine Zusammenarbeit zwischen dem rechten Lager und den Querdenkern setzen. Björn Höcke scheint, was dies anbelangt, optimistischer zu sein. Er meinte in seiner Rede, die AfD könnte die richtige parlamentarische Vertreter der Querdenker sein. Möge er mit seinem Optimismus recht behalten: es gibt Videos mit Akteuren der Querdenker, die sich so ausdrücken, als würden sie sich nach rechts öffnen. Aber es ist noch nicht klar, wie Querdenker sich zu existenziellen Fragen nationaler Tragweite stehen, wie die uns aufgezwungene Überflutung Kultur- und Artfremder. Diese Frage sollte an allererster Stelle geklärt werden. Jürgen Elsässer mit seiner politischen Position könnte in diesem Öffnungsprozess eine Schlüsselrolle zukommen, da er aufgrund seines Linkspatriotismus die Funktion einer Drehscheibe einnehmen könnte, was für weite Teile der Bewegung die Aufnahme konservativer Argumentationslogik und konservativen Gedankengutes ermöglichen und erleichtern könnte. Schaun´ma moi.

Maiordomus

6. Dezember 2020 21:10

Ich glaube, dass Sie, @Volksdeutscher, das Problem verstanden haben. Glauben Sie Herrn Sellner, den ich bei kritischen Einwänden kaum je als Sektierer hingestellt habe. Er hat wohl nicht nur früher, auch in neuerer Zeit seine Erfahrungen gemacht mit Leuten, die man für politische Arbeit schlicht nicht gebrauchen kann. Die Sektiererprobe muss bei der Wahl politischer Symbole einschliesslich der Schlagworte quasi routinemässig erfolgen. Dabei waren sogar Hakenkreuz und noch viel mehr Reichsflagge ursprünglich - , sagen wir mal vor 120 Jahren -  ehrwürdig, nicht als sektiererisch bzw. anrüchig verrufen, wiewohl es beim Dichter Stefan George bei seinem als Elite gemeinten Kreis erstmals in diese Richtung losging, zwar eher unpolitisch und ästhetisch.

Frühe Sektiererkritik an den Identitären erfolgte vor etwa 4 Jahren bei Symbolen auf T-Shirts usw., die stark den Eindruck machten, nur Ersatz für verfemte bis verbotene Symbole zu sein. Auf solche Typologien kommt es  bei der Gewinnung einer Wählerschaft z.B. aus dem Kreis der kleinbürgerlichen fleissigen Nettozahler der Staatstätigkeit fürwahr nicht an. Das würde wohl auch eine Frau Weidel bestätigen. 

Lotta Vorbeck

6. Dezember 2020 21:32

@Millenius - 6. Dezember 2020 - 05:08 PM

"Ja, aber um bei dieser Parabel zu bleiben: Stalin schwor in seinen Reden das russische Volk auch auf einen "großen vaterländischen Krieg" ein - und predigte nicht Einigkeit mit Deutschland."

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Und Meuthen predigt Einigkeit? 

Millenius

6. Dezember 2020 21:33

@Volksdeutscher

"Summa summarum: der liberale Flügel hat einige Schlachten gewonnen, aber noch lange nicht den Krieg."

Das ist das Stichwort Krieg. Und ich kann ehrlich nicht erkennen, dass Höcke gewillt ist, diesen Krieg zu führen. 

Aber eines kann ich ihnen sagen: Dieser parteiinterne Krieg wird nicht bessere Reden oder die besseren Argumente gewonnen. Denn der Meuthen-Flügel ist dafür ohnehin nicht erreichbar. Die Parteimitglieder, die sich heute hinter Meuthen versammeln, die tragen seinen Kurs mit. 

 

 

 

 

Volksdeutscher

6. Dezember 2020 22:08

@Millenius - "Und ich kann ehrlich nicht erkennen, dass Höcke gewillt ist, diesen Krieg zu führen."

Es ist die Frage: muß sich jemand wie Höcke von sich aus dazu erklären? Oder soll er darauf warten, bis er zur Führung dieses Krieges aufgefordert wird? Was meinen Sie?

Ich finde, er möchte das nicht, er fühlt oder weiß, daß er den Kürzeren zöge. Kalbitz ist schon aus dem Rennen. Und vielleicht denkt Höcke, es habe mehr Sinn, wenn er sich zurückhalte, um mit seiner Zurückhaltung den Rest an konservativen Positionen in der AfD zu bewahren. Es ist aber die Frage, ob er mit dieser Einschätzung - falls diese die seine ist - richtig liegt. Denn es könnte sein, daß er damit zwar die Vernichtung des rechten Lagers hinauszögern, aber letztenendes nicht aufhalten kann.

Millenius

6. Dezember 2020 23:32

Ich bin der absoluten festen Überzeugung, dass es keine dauerhafte Einigkeit mehr in der AfD geben kann, solange sich nicht ein Lager komplett durchgesetzt hat. Denn Meuthen und sein Flügel wollen keine Einheit. 

Dieser Meinung war ich schon 2017 als die Führungsfigur dieses Meuthens-Flügels noch Frauke Petry hieß. Und ich hatte recht mit meiner Einschätzung. Es ist vielleicht eine Übersimplifizierung zu sagen, dass er Petry-Flügel der heutige Petry-Flügel ist, da Flügel immer einen "harten Kern" haben sowie Ränder, die weniger klar positioniert sind. Aber in weiten Teilen trifft diese Feststellung dennoch zu. Ganz besonders, was den "harten Kern" des heutigen Meuthen-Flügels betrifft. 

 

Maiordomus

7. Dezember 2020 10:52

Für auch nur ein Minimum an Einfluss auf die deutsche Politik müssten die verschiedenen Flügel, die vielleicht ein Wählerpotential von einem Viertel der Bundesrepublik ausmachen, sich zusammenreifen, einschliesslich Rücknahme von Maximalforderungen und jeweiliger Bezichtigung der Gegenseite entweder als Verräter oder als Rechtextreme. Eines der Kriterien politischer Unbrauchbarkeit ist die Unfähigkeit zur Kooperation. Diese dauert grundsätzlich bis zum nächsten Wahltag einschliesslich nach Möglichkeit die darauf folgenden Legislaturperiode. (Petry hielt ich von Anfang an nicht für führungskompetent, politisch klar naiv.) Dazu gehört noch, was ja das Thema Sellners ist, die metapolitische Grundlagenarbeit. Von seinen stärksten Begabungen her wäre aber meines Erachtens Sellner eher ein Politiker mit möglichen starken Auftritten in einem Parlament, wohingegen sein Kollege Lichtmesz in seinem Land und auch im deutschen Sprachraum zu den besseren Autoren und Publizisten gehört. In Aarau hatte er mal mit Sommerfeld zusammen eine überzeugende Präsentation. 

starhemberg

7. Dezember 2020 11:46

Es stimmt mich traurig, wie viele Kommentatoren hier von "Schlachten" und von "Krieg" fabulieren. Mit solch martialischen Begriffen sollte man sich doch eher zurückhaltend geben. Ich bezweifle, dass einer der diesbezüglichen Kommentatoren je schon in einen "Krieg" musste, oder an einer "Schlacht" teilnahm. Es drängt sich mir immer mehr der Eindruck auf, der "neue Rechte" steckt am meisten Energie in den Kampf innerhalb des eigenen Lagers. Einen größeren Gefallen kann man dem tatsächlichen Gegner und den Deutschland-Abschaffern wahrlich nicht tun. 

anatol broder

7. Dezember 2020 12:46

@ zephyros 14:11

möseneder beantwortete (1351 sekunden) kürzlich ähnliche fragen. im wesentlichen besteht sein angebot aus sport, drucksachen von antaios und praktika für angehende gestalter. die junge alternative aus brandenburg hätte top-leute, die anderen verbände seien mehr mit karrieristen durchsetzt.

zum vergleich sehen wir uns ein angebot der kommunistischen seite an: berlin spricht für sich (324 sekunden). diese darstellung wirkt trotziger und einheitlicher.

Solution

7. Dezember 2020 20:02

@ Starhemberg

Bei Ihrem "kriegerischen" Pseudonym hätte man das nicht von Ihnen erwartet. Aber Sie können sicher sein, daß hier garantiert nur der "politische" Kampf gemeint ist. Der muß allerdings mit angemessener Härte geführt werden. Natürlich an allen Fronten und ausdrücklich auch im breiten, eigenen Spektrum. Der Begriff der "Mosaik-Rechten" ist gut, soll auch für möglichst viele Gemeinsamkeiten sorgen, sagt aber auch nicht, daß alles miteinander vereinbar sein muß. Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte hat gezeigt, wie schwer alle oder möglichst viele unter einen Hut zu bringen sind. Mag man nötigenfalls getrennt marschieren. Ansonsten wäre mir neu, wenn hier jemand für Gewalt oder die Beseitigung der "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" eintreten würde. 

Maiordomus

7. Dezember 2020 21:06

"Sich zusammenraufen" müssten natürlich die diversen Flügel, nicht "zusammenreifen", wiewohl das noch ein fruchtbarer Verschreiber war. So lange man nicht in der Regierung ist, haben sehr viele unterschiedliche Positionen unter einem Dach Platz, durchwegs solche, die von anderen nicht oder fast nicht "bewirtschaftet" werden. 

Maiordomus

8. Dezember 2020 12:20

Zur Verhinderung parlamentarischer Entscheidung wurde jetzt die Gebührenerhöhungskomödie in Sachsen durch den CDU-Ministerpräsidenten H. auf autoritärem Wege geschickt, um nicht zu sagen machiavellistisch beendet, was inhaltlich zwar richtig ist, aber doch abermals wieder das Schauspiel der Kenntlichmachung einer Demokratiekrise abgibt.