2. Februar 2021

Erneuter Anti-Lockdown-Protest in Wien

Martin Lichtmesz / 49 Kommentare

Am Sonntag waren tausende Menschen nach Wien gekommen, um gegen den "Lockdown" und andere "Coronamaßnahmen" zu protestieren.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Das Innenministerium hatte eigentlich jede Versammlung untersagt. Offiziell wurde das Verbot der insgesamt 17 angemeldeten Demonstrationen (eine davon antifantisch, gegen die "Coronaleugner") mit einer angeblich dräuenden "Gefahr für die Volkgesundheit" begründet.

Das war natürlich eine freche Lüge. Es liegt auf der Hand, daß Innenminister Nehammer in Wahrheit eine Potenzierung der Proteste vom 16. Januar (Sommerfeld berichtete) fürchtete, an denen etwa 20,000 Menschen teilgenommen hatten.

Das war natürlich gelinde gesagt enorm unangenehm für die Regierung. Die Bilder waren so eindrucksvoll, daß man Ansteckungsgefahr witterte. Das einzige Virus, das es einzudämmen galt, war das des zivilen Ungehorsams. Wie sich herausstellte, war dies ein erfolgloses Unterfangen.

Um die Farce zu vervollständigen, hatten die Kundgebungen, die untersagt wurden, unter anderem folgende Titel:

  • Coronamaßnahmen und deren wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen
  • Für den Schutz unserer Verfassung und Grundrechte
  • Corona und die Wirtschaftszerstörung
  • Für Frieden & Freiheit & Demokratie
  • Für gute Kooperation mit der Polizei trotz verfassungswidriger Verordnungen
  • Für Bürger- und Freiheitsrechte, gegen Zwang, Willkür, Rechtsbruch.

Zuletzt wurde die Veranstaltung „Demokratie, Freiheit und Grundrechte“" untersagt, angemeldet von der FPÖ. Dort sollte der ehemalige Innenminister Herbert Kickl, derzeit der wohl engagierteste und eloquenteste Kritiker der "Coronamaßnahmen" unter den Berufspolitikern, eine Rede halten.

Damit hat Nehammer eine rote Linie überschritten: Eine Kundgebung einer Parlamentspartei zu verbieten, ist verfassungsrechtlich mindestens waghalsig.

Kickl kommentierte scharf:

Die Untersagung der regierungskritischen Demos und der politischen Kundgebung der FPÖ ist in der Geschichte der Zweiten Republik beispielslos, willkürlich und ein offener Rechtsbruch.

Nehammers Vorgehen kochte den Zorn der Regierungskritiker noch einmal ordentlich hoch und bestätigte quasi performativ den Verdacht, daß die epidemiologisch unsinnigen Maßnahmen in Wahrheit vorrangig einer autoritären politischen Kontrolle dienen.

Martin Rutter, der aus der Friedensbewegung kommende Mitorganisator der Großdemonstration vom 16.1., meldete als Antwort auf die Verbote eine "überkonfessionelle Prozession" unter dem Titel "Für Frieden & Freiheit & Demokratie" an, unter Berufung auf das "Grundrecht der Religionsausübung". Er forderte die Teilnehmer auf, "Kreuze und Symbole ihres Glaubens" mitzubringen.

Damit war die Kundgebung in eine "Wallfahrt" umgewandelt, was aber nicht nur eine Finte war, denn schon beim letzten Mal waren gläubige Christen stark vertreten. Die Erzdiözese Wien unter dem zuverlässig opportunistischen Kardinal Schönborn schlug sich natürlich auf die Seite der Regierung, und warnte vor einem "Mißbrauch der Religionsfreiheit".

Im folgenden will ich ohne Anspruch auf Vollständigkeit schildern, was ich persönlich gesehen habe. Bewaffnet mit einem Rosenkranz traf ich etwa um 13 Uhr am Maria-Theresien-Platz gegenüber dem Heldenplatz ein. Dort waren bereits hunderte Menschen versammelt, und zwar keineswegs bloß mit religiösen Symbolen ausgestattet, sondern wie gehabt mit rotweißroten Fahnen, selbstgemalten Schildern und Transparenten, Trillerpfeifen und diversen Handzetteln.

Dominant war ein großes Banner mit der Aufschrift "Kurz wegKICKLn!" von der Initiative "Die Österreicher". Nicht nur auf dem Maria-Theresien-Platz und auf dem Straßenabschnitt davor waren Protestler zu sehen, sondern schier überall, lose herumschwirrend und ausschwärmend. Nur etwa ein Drittel trug Masken, diese häufig mit Botschaften oder mit Kreuzen à la Boris Reitschuster bemalt.

Auf den ersten Blick war klar, daß die Verbote im Vorfeld nur wenig abschreckend gewirkt hatten. Das allein war schon ausgesprochen ermutigend.

Es waren zwar deutlich weniger Protestler als das letzte Mal, aber doch einige tausend, so weit ich es überblicken konnte (die Schätzungen schwanken wie immer beträchtlich; der Kurier sprach von 10,000 Teilnehmern, oe24 zuerst von 10,000, dann von 5000).

Zu Beginn sah die Lage allerdings eher finster aus. Ein riesiges Polizeiaufgebot begann, die Ringstraße abzusperren, und eine Drohkulisse aufzubauen. Im Park hinter dem Heldenplatz wurden bellende Hundestaffeln in Stellung gebracht. Zusätzlich zu Helmen und Schlagstöcken trugen die Polizisten "Coronamasken" im Gesicht, wodurch sie besonders entmenscht und roboterhaft wirkten.

Diese "Masken" sind in der Wahrnehmung vieler Maßnahmenkritiker längst zu Symbolen einer totalitären Gleichschaltung geworden. Dieser Eindruck drängte sich nun mit physischer Evidenz auf.

Es war zu diesem Zeitpunkt nicht klar, wie weit die Polizei gehen würde, um ihren Willen durchzusetzen. Sie kesselte die Demonstranten von beiden Seiten der Ringstraße ein und hinderte sie am Weitergehen. Zu diesem Zeitpunkt war ich wie viele andere auf den Zaun vor dem Heldenplatz geklettert, um das Geschehen zwischen Kunst- und Naturhistorischem Museum auf dem Burgring zu überblicken.

Naturgemäß stieg nun zusehends der Zornesdampf im Kochtopf, den die Polizei zugedeckelt hatte. Wenn die Medien von einer "aggressiven" Stimmung berichten, dann ist das Körnchen Wahrheit in dieser Phase zu Beginn der Demo zu suchen.

Schließlich ertönte per Lautsprecher aus einem Polizeiwagen die Durchsage, daß die Versammlung wegen "rechtswidrigem Verhalten" - neben der Übertretung des generellen Verbots vermutlich "Coronaregeln", also mangelnder Abstand und Verletzung der Maskenpflicht - für aufgelöst erklärt werde. Die Teilnehmer hätten fünfzehn Minuten Zeit, sich zu entfernen, andernfalls sie mit Anzeigen zu rechnen hätten. Dies wurde mit lauten Buhrufen und Trillerkonzerten beantwortet.

Kaum ein Demonstrant reagierte oder wich vom Fleck. Die Frist verstrich, ohne daß die Polizei einschritt. Nun schien sie auf Zermürbungstaktik zu setzen, die nach etwa einer Stunde aufzugehen schien. Der Demonstrantenzug, den ich überblicken konnte, dünnte allmählich aus und floß (offenbar) über den Maria-Theresien-Platz ab. Er sollte wohl auf einen harten Kern zusammengeschmolzen werden, um anschließend besser eingetütet werden zu können.

Bald wurden auch die Tore zum Heldenplatz geschlossen und der Durchgang Richtung Innenstadt abgeriegelt. Nach ein bißchen Diskussion mit ein paar gesichtslosen Gliedern der Polizistenkette, die insgesamt eher planlos wirkten, wurde ich neben einigen anderen Passanten doch noch durchgelassen, und fand mich am Zaun vor dem Corps de Logis bei der Neuen Burg ein.

Allmählich schien die Spannung auf dem Burgring zu erlahmen. Die Demonstranten zerstreuten sich, Polizei zog sich zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, daß die Sache gelaufen ist. Über einen Umweg ging ich zum Opernring, der fast völlig fahrzeuge- und menschenleer war. In der Mitte der Straße stand ein Polizeiwagen, und ich fragte den Fahrer, was denn nun los sei. Er wies in Richtung Schwarzenbergplatz und teilte mir mit, daß die Demonstranten aus dieser Richtung erwartet werden.

Bald erblickte ich einen Demonstrantenzug, der die Kärntner Straße hinauf Richtung Oper und Innenstadt marschierte. Die Demonstranten bewegten sich nun völlig frei, es war praktisch keine Polizei mehr zu sehen. Die dicke Luft war nun deutlich verpufft, Heiterkeit breitete sich aus.

Ich folgte der Herde, die sich bald mit einem weiteren versprengten Zug vereinigte, der von einem Trupp Polizisten eskortiert wurde. Diese hatten ihre Helme abgenommen und liefen im Gänsemarsch neben dem Demonstrationszug her oder gingen ihm voran. Aufnahmen davon wurden netzviral und führten zu der irrigen Annahme (oder Wunschvorstellung), die Polizisten hätten sich den Protestlern angeschlossen. Etlichen von ihnen, die am Straßenrand standen, konnte man indes deutlich ansehen, daß sie alles andere als motiviert waren, die Demonstranten weiter zu schikanieren.

Es glich einem Wunder.

Der Bann war gebrochen.

Die Demonstration fand statt.

Das Volk hatte sich gegenüber einem feindseligen Staat durchgesetzt. Die Polizei hatte von einer Eskalation abgesehen, die ohnehin nichts weiter gebracht hätte, als Nehammer und die Regierung in ein äußerst schlechtes Licht zu rücken.

Entsprechend euphorisch waren auch die Protestler. Nun herrschte eine gesellige, fröhliche Stimmung vor. Wildfremde Menschen sprachen einander vertraulich an."SO geht Demokratie!" sagte ein junger Mann mit leuchtenden Augen zu mir.

Nun ergoß sich der Demonstrantenstrom wie eine Flut über die ganze Stadt, in Marschrouten und Winkel, die ursprünglich gar nicht vorgesehen waren. Ganz Wien konnte nun den zentralen Slogan hören, der immer wieder mit voller Lautstärke skandiert wurde: "Kurz muß weg!", gefolgt von "Frieden, Freiheit, keine Diktatur!"

Die Reaktionen der Passanten und Fenstergucker auf den Demonstrationszug waren überwiegend positiv: Lächeln, manchmal breites Grinsen, Winken, Daumen hoch, Zurufe.

In den Bobovierteln zeigten sich in den Fenstern gelegentlich Stinkefinger oder waren schrille Stimmen zu hören, die irgendwas mit "Nazis" und "Faschisten" kreischten. In den Fenstern der Wohnblocks und Gemeindebauten hingegen tauchten regelmäßig ganze Migrantenfamilien mit Sympathiebekundungen auf.

Ich folgte dem Zug über die linke Wienzeile, entlang des Gürtels und schließlich über die Mariahilfer Straße hinunter zum Heldenplatz, wo alles begonnen hatte. Noch um 19 Uhr, als es schon längst dunkel war, war der Universitätsring von Anfang bis Ende mit Demonstranten besetzt.

Wie vorauszusehen, läuft die Schadensbegrenzung der regierungshörigen Presse nun auf Hochtouren. Wie beim letzten Mal soll ein möglichst abstoßendes Zerrbild vom Verlauf der Demo und der Zusammensetzung der Teilnehmer gezeichnet werden.

Die massenhaft verbreitete Gratiszeitung oe24 (früher Österreich) ist neben der Kronen-Zeitung das schmierigste Blatt aus diesem Genre. Wie die Krone wurde es letztes Jahr fett mit Regierungsgeldern (lies: Steuern) eingebuttert (2020 gab es 3, 65 Millionen Euro, davon 1, 74 Millionen "Corona Sonder-Förderung"). Dementsprechend agitiert sie zuverlässig als Einpeitscher, Propagandaorgan und Panikventilator.

Sie tat nun nichts weiter, als ihre Berichterstattung anläßlich der ersten Großdemonstration vom 16. Januar zu recyclen und geringfügig aufzufrischen. Gleich auf der Titelseite kamen die allerallerwichtigsten Fakten: "Identitäre und Neonazi Küssel auch dabei". Der "Demopulk" soll sich folgendermaßen zusammengesetzt haben: "... eine Mischung aus Rechtsextremen, Hooligans, selbsternannten Querdenkern, aber auch viele Neugierige und Wutbürger."

Es wurde mehrfach betont, wie "aggressiv" die Leute gewesen seien, mit einem Beispiel:

Auf die Frage, weshalb sie ihren Kindern das antun, wurde mit blanker Aggression reagiert: "Lügenpresse, Lügenpresse. Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen."

Was erwarten diese Gestalten, die für ihre reißerischen Reportagen in mala fide berüchtigt sind, wenn sie den Leuten hinterfotzige Fragen à la "Wann haben Sie zuletzt Ihre Frau geschlagen" stellen?

Eine glatte Lüge ist ziemlich sicher diese Behauptung:

Rund ein Dutzend Demonstranten, die besonders aggressiv gegen die Polizei agierten, wurden festgenommen. Darunter auch Martin Rutter, der Organisator der Demos - bei ihm erfolgte der Zugriff, weil er Polizisten angegriffen haben soll.

Es ist völlig ausgeschlossen, daß ausgerechnet Rutter etwas derart Sinnloses und Kontraproduktives unternommen hätte. Der Wochenblick, der sich noch einige andere Presselügen vorgeknöpft hat, schreibt dazu:

Tatsächlich ist nach 18.30 eine hochaggressive Polizeitruppe mit Gewalt in den Demonstrationszug eingedrungen und hat Martin Rutter willkürlich und ohne Anlass herausgezogen und festgenommen – so berichten übereinstimmend alle Augenzeugen. Daraufhin skandierten die Kundgebungsteilnehmer „Lasst ihn frei“.

Der Wochenblick berichtet außerdem, daß "in den ersten Stunden der Kundgebung gingen massive Eskalationsversuche durch die Polizei" ausgingen:

Die Einheiten, welche in Richtung Parlament eingesetzt waren, zogen immer wieder willkürlich Demonstrationsteilnehmer aus der Menge, warfen sie zu Boden und fixierten sie mit übertriebener Brutalität.

Ich selbst sah zu keinem Zeitpunkt, über sechs Stunden hinweg, "Randale", gewalttätige Übergriffe oder Vandalismus. Die Demonstranten haben sich auch in der Masse vorbildlich verhalten, folgten nach dem Einlenken der Polizei widerspruchslos sämtlichen Anordnungen, skandierten irgendwann sogar "Danke, Polizei!", ohne jeglichen Sarkasmus.

Nur einmal war ich Zeuge, als ein Trupp Polizisten in die Menge stürzte, einen Mann isolierte und zu Boden drückte. Dies geschah zu einem späteren Zeitpunkt, als sich die Polizei bereits im Eskortiermodus befand. Als sich ein paar Demonstranten darüber empörten und die Polizisten beschimpften, appelierte einer der Anführer der Menge, weiterzugehen, da man nicht wisse, was dieser Mann getan hatte - vielleicht hatte die Polizei ja guten Grund dazu? Immer wieder wurde über Lautsprecher zu Kooperation und Friedlichkeit aufgerufen, was wie selbstverständlich eingehalten wurde.

Die Polizei Wien gab bekannt, daß nicht weniger als 1,766 Anzeigen erstattet wurden, "vor allem wegen Verstöße gegen die Covid-19-Bestimmungen" (sic Oe24), "die Angezeigten können mit saftigen Strafen rechnen". Wenn das stimmt (und ich selbst konnte kein diesbezügliches Einschreiten der Polizei beobachten, noch wurde es mir von irgendjemandem berichtet), dann handelt es sich hier um nackte Anarchotyrannei. Oder glaubt jemand das Märchen, daß es hier ernsthaft um "Gesundheitsschutz" ging?

Vielmehr hat man völlig willkürlich zufällige Menschen aus der Menge herausgepickt, die nichts anderes taten, als was hunderte, ja tausende von ihnen ebenfalls ungestört getan haben, und das unter den duldenden Augen der Polizei. Ich zweifle, ob es überhaupt eine tragfähige rechtliche Grundlage für diese Anzeigen gibt. Die gesamte Veranstaltung fand im Freien statt, viele bewegten sich frei flottierend auf den Gehsteigen und Straßen, manche rückten nur deshalb zusammen, weil sie die Polizei zusammendrängte. 

Die "Covid-19-Bestimmungen" wurden also gezielt mißbraucht, um regierungskritische Demonstranten zu schikanieren, zu demoralisieren und einzuschüchtern. 

Wie tief, wie furchtbar tief ist mein Land gesunken.

Was die Zusammensetzung der Demonstranten betrifft, so bot s ich das gleiche Bild wie letztes Mal: Der weitaus größte Teil waren durchschnittliche Österreicher aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen (diesmal fielen mir sehr viele junge Leute zwischen 20-30 auf).

Es ist genauso gewesen, wie z.B. Dr. Marcus Franz berichtet:

Von einer Demo Teilnehmerin: „Waren gestern auf der Demo. Von wegen Rechtsradikale. Absoluter Quatsch. Eher wieder ein Querschnitt der Bevölkerung. Ich habe Krankenschwester, Musiker, Lehrer, dönermann usw. getroffen. Es ist zum verrückt werden was die Medien daraus machen....“

Hinzu kamen natürlich die bei jeder größeren Demo unvermeidlichen Käuze, Selbstdarsteller und Jäger nach Aufmerksamkeit, die bewußt aus der Masse herausstechen oder ihre diversen Sonderthemen in die Kundgebung schmuggeln wollen. Mit dem sicherem Riecher eines Trüffelschweines stürzt sich die Presse auf diese Leute, denn sie bieten häufig exzellentes Material, um das Anliegen einer Kundgebung ins Lächerliche zu ziehen.

An "Buntheit" ließ jedenfalls auch diese Demo nichts zu wünschen übrig: Ich sah Katholiken mit Holz- und Metallkreuzen, singende Hare-Krishna-Jünger, die die Bhagavadgita verteilten, Hippies, Gruftis und andere Wesen mit bunten Haaren, Tätowierungen und Piercings, Lodenmantel- und Trachtenträger, Juden mit Kippas und Davidsternen, Licht-und-Liebe-Esoteriker, Kopftuchfrauen, Rollstuhlfahrer, eine selbstvergessene ekstatische Tänzerin, Spaßguerillas im Einhornkostüm, zahnlose "deplorables", bärtige Rocker, sowie gelegentliche Israel-, QAnon- oder Regenbogenfahnenträger.

Was oe24  genau unter "Hooligans" versteht (oder unter "Rechtextremisten", wenn wir schon dabei sind), weiß ich nicht. Es gab sicher auch etliche wilde, "proletarische" Typen, aber man kann nicht ernsthaft sagen, daß diese das Bild dominiert hätten (eine Fotostrecke gibt es hier.)

Es trifft zu, daß viele Teilnehmer, Initiatoren und mediale Unterstützer der Kundgebungen aus dem patriotischen Spektrum kamen. Dieses lehnt so gut wie geschlossen die Coronamaßnahmen ab, und hat sich schon früh von dem offiziellen Mainstream-Narrativ abgewandt. Warum das so ist, und was es bedeutet, werde ich in einem Folgebeitrag erläutern.

Alles in allem war die Demonstration eine krachende Niederlage und eine peinliche Blamage für Kurz und Nehammer. Sie sind sozusagen von der Demokratie in ihrer Roh- und Reinform überrollt worden.

Die ganze Hilflosigkeit Nehammers angesichts der Situation zeigt sich unter anderem darin, daß er allen Ernstes behauptet hat, einige Demonstranten hätten versucht, "das Parlament zu stürmen", um ein bißchen Kapitolsturmgrusel zu erzeugen. Nehammer dürfte das Parlament schon lange nicht mehr aus der Nähe gesehen haben, denn wie jeder weiß, befindet sich davor gerade eine riesige Baustelle. Was soll man hier "stürmen" und zu welchem Zweck? Die Erbärmlichkeit und Würdelosigkeit des herrschenden Personals kennt offenbar keine Grenzen nach unten.

Martin Sellner bezeichnet die Ringbesetzung optimistisch als ein "patriotisches Hainburg".  Dieses ist jedoch nur gelungen, weil Österreich offenbar über eine Polizei verfügt, die noch Beißhemmungen kennt, gegen das eigene Volk vorzugehen, vor allem wenn die Unrechtmäßigkeit und Unverhältnismäßigkeit der Regierungsanweisungen derart laut zum Himmel schreit wie dieses Mal. Hoffen wir, daß es so bleibt.

 

Bild: wochenblick.at


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (49)

tearjerker

2. Februar 2021 08:54

Für niemanden ist diese Zeit härter als für die Polizei, hat diese ihre bezahlten Überstunden doch bisher bequem durch Rumstehen im Umfeld der Rapid oder vergleichbarer Grossveranstaltungen einstreichen können. Die Stadt Wien musste reagieren.

Maiordomus

2. Februar 2021 09:04

@Lichtmesz. Ich gratuliere Ihnen als kirchenkritischer Kathole zu Ihrem heutigen erwählten Namenstag; feiern wir doch heute Lichtmesz, einen Muttergottesfeiertag, eigentlich Maria Reinigung, nebenbei auch noch ein Stück Frauenvolkskunde und einen Wetter-Lostag; überdies ein Tag der Hoffnung, werden doch die Tage nun wieder spürbar länger. Dabei begann seit vorgestern "Septuaginta" die Vorfastenzeit, im Prinzip 70 Tage vor Ostern. Wer jetzt zu fasten beginnt, schafft bis Ostern allenfalls 10 Kilo Corona-Speck runter, wiewohl abnehmen mit Ausnahme des Geistigen, zum Beispiel weniger Internet-Konsum, im Prinzip nicht das Prinzip des Fastens ist. Fastenkönnen würde auch heissen Wartenkönnen, die Geduld nicht verlieren, der geistigen Verzweiflung den Kampf ansagen und sich durch die Verwirrungen der Zeit nicht verrückt machen lassen.  

Laurenz

2. Februar 2021 09:31

Schöner Bericht.

Allerdings bedaure ich es, daß die Volks-Polizei nicht hart eingegriffen hat. Es kann gar nicht genug Schreckens-Bilder geben, auch, wenn ich das dem einzelnen Demonstranten natürlich nicht wünsche, versehrt zu werden.

Wenn ich die Berichterstattung der letzten Wochen und Monate in mir selbst reflektiere, verwischen Begrifflichkeiten, wie Faschismus, Totalitarismus, Bolschewismus, bzw. real existierender Sozialismus immer mehr. Ich vermag diesem Gefühl der politischen Eskalation, die stattfindet, im Grunde überhaupt keinen Terminus mehr zu geben, der es irgendwie treffen würde.

Und unseren antifantilen Freunde sind tatsächlich zu einer reinen Versorgungs-Masse verkommen. Wenn es jemals politische Inhalte gegeben hatte, sind diese doch mittlerweile im linken Sein völlig belanglos geworden. So peinlich waren politische Gegner noch nie gewesen.

anatol broder

2. Februar 2021 10:23

singende Hare-Krishna-Jünger, die die Bhagavadgita verteilten 

in zeitungssprech übersetzt:

Mit gespannten Drahtseilen bewaffnet grölten die Mitglieder der rechtsextremen HK-Gruppe menschenverachtende Parolen und verteilten kriegsverherrlichende Hetzschriften.

quarz

2. Februar 2021 11:05

@anatol broder

Und nicht vergessen, den Indien-Konnex via Swastika ins Spiel zu bringen!

Gotlandfahrer

2. Februar 2021 11:28

Als sicher darf gelten, dass es kein Zurück mehr gibt. Der fundamentale Interessenskonflikt zwischen gehobenen Funktionseliten und Bevölkerungen, der bislang durch liturgische Beschwörung des westlichen Erbsündekonstruktes und Belohnung des Handlangertums dem Bewusstseinshorizont der meisten derer entzogen werden konnte, die die Richtigkeit des Ganzen aus der Bestätigung materieller Notlosigkeit ("es geht uns doch so gut") ableiteten, bricht mit jeder zusätzlichen Maske unmaskiert hervor.  Sie können rein sprachlich, damit gedanklich und rituell nicht mehr anders, als durchzuziehen.  Jede Korrektur würde ihr Daseinsverständnis brechen.  Solange sie also können, werden sie weiter die Unterwerfung der Bevölkerungen anstreben.  Der Punkt der Ehrlichkeit rückt heran, die Gräben, in denen - ich wiederhole mich, ich weiß - die Instinkte walten.  

Wichtig aus meiner Sicht: Aufhören, anzunehmen, dass eine Absicht der Verständigung auf ihrer Seite vorläge. Eine vollkommene Abwendung, äußerlich, sprachlich, wo immer möglich, sollte vollzogen werden. "Sind Sie Nazi?" - "Für Sie ja, und jetzt geh' zur Seite". Mehr hielte nur unnötig den Verkehr auf.

Uwe Lay

2. Februar 2021 11:58

Hauptsache-lärmende Opposition
Wenn jede Oppostion gegen eine Regierung, egal gegen was und wofür sie demonstriert,Hauptsache medienwirksam als etwas Positives angesehen wird, muß dies als eine völlig unpolitische Herangehensweise auch kritisiert werden. Was wollen diese Coronaproteste? Sie wollen nur dies, daß es so wieder werden soll, wie es vor dieser Epidemie war. Um das zu rechtfertigen, behaupten sie einfach, es gäbe keinen gefährlichen Virus, sodaß alle Gesundheitsschutzmaßnahmen überflüssig seien.Das ist alles!

ML: Danke für diesen tiefsinnigen und informierten Kommmentar!

Laurenz

2. Februar 2021 12:04

@Gotlandfahrer

"daß eine Absicht der Verständigung auf ihrer Seite vorläge."

Wer nimmt das an?

Laurenz

2. Februar 2021 12:05

@Uwe Lay

Was wollen Sie uns mitteilen? Ihr Beitrag ist völlig unverständlich und sagt irgendwie nichts aus.

Maiordomus

2. Februar 2021 12:29

@Lay. Sie sehen einiges richtig, auch wenn längst nicht alle Opponenten Quatsch verbreiten. Aber es gibt auch die reine "Hedonisten"-Opposition; diejenigen, die für keinen Ernstfall bereit wären Opfer zu bringen. Nur handelt es sich über weite Strecken um einen inszenierten, benützten Ernstfall, welch letzterer es aber verdienen würde, mit anderen medizinischen Ernstfällen verglichen zu werden. Ärzte, Virologen, Gesundheitspolitiker ohne genaue medizinhistorische Kenntnisse sind, weil Wissenschaft alle Aspekte berücksichtigen muss, zumal heute nicht ausreichend kompetent. Z.B. wird über die Pesttoten 1348 f. Falsches erzählt; die schlimmsten betroffenen Räume wurden auf ganz Europa "übergerechnet".  Man muss die Geschichte der Pandemien, die z.T. mit Hexenprozessen und Judenverfolgungen zu tun haben, kennen; auch wissen, dass Hexenexperten oft über akademisches Studium verfügte und von der durchschnittlichen Intelligenz und auch dem Wohlmeinen von heutigen Experten und Politikern sich nicht verstecken müssten. Bergengruen mahnte in seinem Tyrannenroman, den jeder Regierende kennen müsste, es solle "der Glaube an die menschliche Vollkommenheit eine Einbusse" erfahren.

Waldgaenger aus Schwaben

2. Februar 2021 13:26

Ungern gieße ich Essig in den Wein, der trunken macht. Doch zum einen ist es so, dass sich bisher noch jede Bewegung, die von der Straße ausging, totgelaufen hat, Pegdia, Gelb-westen,.. Jede rechte Partei, die sich zum politischen Sprachrohr einer neuen Bewegung macht, rutscht mit dem Totlaufen ein Stückchen weiter in den Abgrund. Dies nur als Warnhinweis.

Zum anderen schwindet gerade in Deutschland in der vielgenannten bürgerlichen Mitte rapide die Zustimmung zur  Germany-last-Europe first-Politik der National Front 2.0 aufgrund der durch die Quotenfrauen-Riege grandios versemmelten Impfstoff-Beschaffung.

Den Unmut aufzugreifen wäre Aufgabe gerade der rechten Opposition. Nun ist es allerdings eine gewisse argumentative Herausforderung gleichzeitig gegen Corona-Maßnahmen zu demonstrieren und die Impfstoff-Beschaffung zu kritisieren. Diese Herausforderung ist zu bewältigen, aber das erfordert Geschlossenheit und Disziplin und gerade daran fehlt es den rechten Parteien, die immer noch im Werden sind. 

Nichtsdestotrotz dem neuen Aufbruch alles Gute!

 

Laurenz

2. Februar 2021 14:22

@Maiordomus

Wer ist denn bitte nach Ihrer Definition kein Hedonist? 

Mal abgesehen davon, daß die eigene Interessenvertretung keinen Hedonismus im weiteren Sinne bedeutet, im engeren vielleicht schon.

@Waldgaenger aus Schwaben

"Doch zum einen ist es so, dass sich bisher noch jede Bewegung, die von der Straße ausging, totgelaufen hat"

Das hatte der ehemalige Schah von Persien auch gedacht.

Maiordomus

2. Februar 2021 14:47

@Über Worte soll man nicht streiten. Wer glaubt, man könne Opposition machen ohne "Opfer und Verzicht und heisse Bitten" (Reinhold Schneider), hat das Wesen der Opposition kaum verstanden. Wohlstand und Wohlbefinden  ist allerdings ein sehr hoher Wert, nur nicht gerade der höchste Wert. Es stellt sich in der Tat die Frage, unter welchen Bedingungen etwa es angemessen wäre, im Sinne der aristotelischen Norm "Tapferkeit", jenseits von Tollkühnheit und Feigheit sein Leben in die Waagschale zu werfen. Auf diese Weise auf die Annehmlichkeit des Lebens zu verzichten ist nunmal fürwahr das Gegenteil von Hedonismus. Letzterer hat übrigens eine Schnittmenge mit Hippie-Pazifismus und natürlich auch Ansprüchen an den Sozialstaat. Aus rechter und konservativer Sicht ist indes Hedonist in der Regel entweder eine Feindbezeichnung oder dann Selbstkritik im eigenen Lager an denjenigen, die es sich aus Bequemlichkeit zu einfach machen. Selbstverständlich kann es nicht einfach um eine kürzere oder längere "Grippe"-Pause der Wirtschaft gehen; wenn schon, wie weit stehen Grundrechte auf dem Spiel und was opfere ich für diesen indes definitorisch durchaus umstrittenen Wert?

Gotlandfahrer

2. Februar 2021 15:21

@ Laurenz:

"Wer nimmt das an?"

All die, die sich noch die Mühe machen, deren Gesagtes zu interpretieren, zu widerlegen, sich zu empören.  Der Worte sind genug gewechselt, wir sehen seit Jahren ihre Taten.  Nicht missverstehen: Ich fordere zu gar nichts auf, ich sage nur keine Liebesmüh' mehr vergeben. Es kommt wie es kommen muss. Embrace the suck, wie Stevie Wonder immer sagt.

Imagine

2. Februar 2021 15:55

1/2

Bei jedem politischen Handeln – so die These - muss man unterscheiden, zwischen rationalem und wirksamem Handeln und symbolischen Ersatzhandlungen.

Das gilt für politischen Aktionismus und insbesondere für Demonstrationen.

1967/68 waren Demonstrationen lediglich Begleithandlungen der politischen Arbeit, welche hauptsächlich in politischen Organisationen, in den Hochschulen und in den Medien stattfand.

Der SDS war ein Thinktank, der Impulse in den wissenschaftlichen und medialen Diskurs einbrachte. Viel wichtiger als die Demonstrationen waren die Publikationen, die Teach-ins, die Podiumsdiskussionen und die Theoriearbeit in Basisgruppen und Seminaren.

Imagine

2. Februar 2021 15:57

2/2

Später wurden die Demonstrationen zu symbolischen Ersatzhandlungen.

In Frankfurt zum Beispiel ging das links-alternative Milieu am Samstagmorgen zunächst zum Flohmarkt am Main und traf sich dann in der Innenstadt zu Demonstrationen für oder gegen Etwas. Politisch völlig ineffektiv, es führte nur zum Verkehrsstau und zum Ärger jener Autofahrer, die in der Innenstadt einkaufen wollten.

Der Aktionismus von „Occupy“ war nur symbolische Pseudo-Politik, völlig ineffektiv
.
Letztendlich eine Unterwerfungsgeste, wie jene von armen und notleidenden Untertanen, die sich vor den Fürsten auf den Boden warfen und um Gnade und Hilfe bettelten.

Heute sind es die demokratischen Herrscher, an die man appelliert. Auch eine Unterwerfungsgeste, weil man diese damit als legitime Entscheider anerkennt.

So wie die Teilnahme an Wahlen eine Unterwerfungshandlung ist, welche die Entscheidungen der Polit-Marionetten legitimiert.

Zudem stellt sich immer die Frage, inwieweit es sich um gelenkten Widerstand handelt, wie es hier im Video von einem kritischen Menschen thematisiert wird, der seinen Verstand gebraucht.

Solution

2. Februar 2021 16:28

Es ist richtig, daß bisher alle Bewegungen als Welle auftraten und wieder abflachten. Hier handelt es sich jedoch um eine besonders starke Welle.

Die größte Gefahr ist eine zu sehr ins Detail gehende Programmatik, die wieder zu Aufspaltung und Streit führen muß. Einerseits will ein großer Teil parteiunabhängig eine Bewegung bleiben, während andererseits eine Reihe von Parteien gegründet wurden.

Gelingt es den Corona-Maßnahmen-Kritikern nicht, flexibel weiterhin die vielen Fehler des Establishments auszunutzen und gleichzeitig tragfähige Strukturen auszubilden, wird die Welle auslaufen. Da aber der Corona-Komplex immer mehr Angriffspunkte liefert und die katastrophalen Folgen aus heutiger Sicht endlos sein werden, kann man gespannt sein. 

Der Bewegung ist es bis heute nicht gelungen, die inzwischen zahlreichen Gruppen, die sich aus persönlicher Not und Existenzangst mit überwiegend hilflosen, aber auch nicht mehr zu übersehenden Aktionen in die Öffentlichkeit begeben, einzubinden. Das kann sich ändern, wenn die Bewegung mit ihren angekündigten Frühjahrsoffensiven kritische Massen auf die Straße bringen kann und die Not weiter ansteigt.

Hier sind Hunderttausende in Bewegung geraten, die weder der Regierung, noch den Parteien (die Meuthen-AfD eingeschlossen) trauen, ja deren Weltbild durch totalitäre Gesetze und Maßnahmen, staatliche Repression, Medienlügen und Existenzvernichtung zertrümmert wurde. Eine brisante Mischung.

Gotlandfahrer

2. Februar 2021 16:51

1 von 2

@ Waldgaenger aus Schwaben

Den Unmut aufzugreifen wäre Aufgabe gerade der rechten Opposition. Nun ist es allerdings eine gewisse argumentative Herausforderung gleichzeitig gegen Corona-Maßnahmen zu demonstrieren und die Impfstoff-Beschaffung zu kritisieren.

Meiner Meinung nach zeigt die Stimmlosigkeit der AfD in dieser Lage, dass wir eben längst jenseits parlamentarischer Diskursmöglichkeiten, so verbarrikadiert diese auch ohnehin schon waren, stehen. Kritisiert man die „Impfstoffbeschaffung“, anerkennt man diese als Teil der Lösung eines Problems, das jedenfalls nicht so besteht, wie es gesetzt wird.  Wer noch seine Sinne zusammen hat, wird nicht ernsthaft dieses auf die Schnelle zusammengepanschte Zeug, das uns die verabreichen wollen, denen ich mittlerweile mehr zutraue, als den Politkommissaren in Reihen der Roten Armee, seinen Kindern in die Venen jagen. Wenn ein Cohn-Bendit, vor Glück dies noch mitzuerleben, im Staatsfernsehen unter sich wegmacht bei der Phantasie, alles und jeden jedes Jahr damit penetrieren zu können, brauche ich keine „rechte Opposition“ mehr.  Wenn das Oberreptil von meinem Leben als „neuen Freiheiten“ spricht, brauche ich kein Gespräch mehr. 

Gotlandfahrer

2. Februar 2021 16:52

2 von 2:

Wenn es von einer „Naturkatastrophe“ redet, die „über uns gekommen ist“, wo der Virus mit erstaunlichsten Designereigenschaften nachweislich nur einen Steinwurf entfernt vom weltweit führenden „Gain of Function Lab“ in Wuhan „ausbrach“, weiß ich, wem es und sein Adlatenkranz definitiv nicht dient.  Welche „argumentative Herausforderung“ soll da noch genommen werden? 

@ Laurenz / @ Waldgaenger aus Schwaben

"Doch zum einen ist es so, dass sich bisher noch jede Bewegung, die von der Straße ausging, totgelaufen hat"

Das hatte der ehemalige Schah von Persien auch gedacht.

Meine Sicht: Der Schah war der Rest einer Hochkultur. Hochkulturreste werden von der Straßenkultur hinweggefegt. Eine herrschende Straßenkultur wird nie durch Hochkulturreste, die auf die Straße gehen, hinweggefegt. Bei uns beginnt die Herrschaftsblüte des Abschaums, der von der Strasse kam und sich durch die Institutionen und Finanzmärkte schlich.  Der ist robuster als die gepeinigten Bürgerseelen.  Und dennoch: Pack verträgt sich, Pack schlägt sich.  Der Abschaum wird seine Fehler machen, das ist die Chance der Hochkulturreste auf der Straße. Nicht allein schon die Straße.

 

Maiordomus

2. Februar 2021 16:53

@imagine. Es stellt ein echtes, nicht nur die Regierungspropaganda betreffendes Problem dar, dass "gelenkt" sich auch auf die Opposition beziehen kann. Sie sehen ein messerscharfes Dilemma. Und obwohl ich den im Einzelfall, wenn auch längst nicht immer überdurchschnittlich klug argumentierenden Gunnar Kaiser zu den Angehörigen der Sorte "influencer-Bubi" gerechnet habe, bleibt seine methodisch, nicht inhaltlich diesbezüglich nützlichste Leistung (erst vor einigen Tagen geschaltet) die politologisch fundierte Darlegung von "10 Arten der Manipulation" auf youtube.  Hilft  methodisch, ist nicht blosse "Meinungsarschlocherei", wie ich nun mal die mir als Leser jeweils guter und bester Literatur nicht sympathische Gilde der hauptberuflichen "Influencer" nennen möchte. Von diesen läuft sich so gut wie jeder über kurz oder lang tot. Diese Kritik ist viel grundsätzlicher als die von mir schon geübte an Ihnen, geehrte Dame; dass Sie sich der Forderung nach Unterwerfung entgegenstellen, auch rechter und bürgerlicher, kann ich durchaus achten. Die 10 Sätze zur Manipulation sind in diesem Sinn wertvoll. 

Lotta Vorbeck

2. Februar 2021 16:55

@Imagine - 2. Februar 2021 - 03:57 PM

MARIO BUCHNER: "QUERDENKEN IST NUN EIN FÜR ALLEMAL GESCHICHTE!"

 

Maiordomus

2. Februar 2021 17:00

Aus aufmerksamkeitstechnischen Gründen muss man froh sein, dass in kritischen Lagen auch demonstriert wird; aber Veränderungen werden in  der gegenwärtigen im Grunde schon postdemokratischen Gesellschaft nicht von den massenpsychologisch mitgeprägten Plakatträgern und deren Nachläufern geleistet; eher schon, wenn jeder an seinem Ort etwas weniger feige ist, als er bisher war. Gesetzt den Fall, er versteht unter Mut auf keinen Fall den Weg des geringsten Widerstandes oder gar den Kampf der 99% gegen die wirklich mutigen 1 Prozent. 

anatol broder

2. Februar 2021 17:47

@ quarz 11:05

bingo. die abkürzung hk wählte ich nicht umsonst. für die richtige deutung sorgt schon das aufmacherbild. der fotoredakteur liefert nämlich einen unscharfen pseudo-zoom auf den umschlag des buches. die bildunterschrift:

Die HK-Gruppe verbreitet rechtsextreme Symbole. © U. N. Ehrlich

der leser von gratiszeitungen kann gar nich genug von kreuzworträtseln und horoskopen bekommen. «oh, eine hübsche spendenaktion auf der seite fünf. pupsibär, wo liegt eigentlich dieses kongo?»

@ maiordomus

danke für die geschichtliche einordnung. ich bitte aber, den hinweis auf corona-speck zu überdenken, denn hunger ist für manche schon seit monaten normal. der doppel-v-mann auf dem foto oben hat auch keinen arsch in der hose.

@ waldgaenger

auch wenn gar keine oppositionelle partei richtig punktet, so steigt die allgemeine medienkompetenz.

***

und nun die neue folge jura und mathe gegen judo und karate:

berechne ausgehend von der heutigen impfgeschwindigkeit deines landes, wie lange ein 20-jähriger mann, der nicht im staatsdienst ist, auf seine impfung zu warten hat? vergleiche das ergebnis mit dem mindeststrafmass für die fünf häufigsten verbrechen in dieser altersklasse.

Wahrheitssucher

2. Februar 2021 17:55

Lassen wir doch einmal jeden Fatalismus weg: Diese Demonstration und Ihre Berichterstattung darüber, Herr Lichtmesz, vermitteln ein Gefühl und eine Ahnung, dass sie Geschichte machen können. Als Anfang vom Ende...

Ordo

2. Februar 2021 20:41

War das jetzt "das Volk" oder sitzt das nicht immer noch daheim, verängstigt, aber mit Fussball und Netflix noch halbwegs bei Laune gehalten? Was sagen die Wahlumfragen in Österreich? 

Flaneur

2. Februar 2021 21:31

Ermutigend, auf den ersten Blick. Aber auf den zweiten stellen sich Fragen: Was hat Pegida gebracht? Was Merkel muss weg? Was haben die Geldwesten bewirkt? Außer der Selbstvergewisserung, nicht alleine zu sein, bleibt da nicht viel. Solche Proteste kann das System, um mal systemtheoretische zu argumentieren, wegstecken, dazu ist die Dominanz der systemstützenden Kräfte im metapolitisches Bereich zu dominant, um nicht zu sagen zu total. Ich befürchte, wir sind schon (zu) weit fortgeschritten auf dem Weg in das, was Jacob L. Talmon einst als "totalitäre Demokratie" beschrieben hat.

Lotta Vorbeck

2. Februar 2021 22:08

@Flaneur - 2. Februar 2021 - 09:31 PM

Frage: Was haben die Geldwesten bewirkt?

---

Die Geldwesten hielten sich dezent im Hintergrund, traten nicht sichtbar in Erscheinung.

Die Gelbwesten provozierten Videos, die den Einsatz von in die Bereitschaftspolizeieinheiten eingebetteter EUROGENDFOR-Gendarmerie gegen Gelbwestenträger, Feuerwehrmänner und Sanitäter dokumentierten.

Franz Bettinger

2. Februar 2021 23:02

@Waldgänger aus Schwaben meint, wenn ich ihn nicht falsch verstanden habe: „Es ist eine argumentative Herausforderung, einerseits gegen Corona-Maßnahmen zu sein (FB: Dazu zählt ja die Impf-Propaganda bzw. Imofpflicht) und gleichzeitig die zögerliche Impfstoff-Beschaffung zu kritisieren. Dies ist aber zu bewältigen mit Geschlossenheit und Disziplin. Dem neuen Aufbruch alles Gute!“

Glauben Sie's wirklich? Kann man einerseits Hexenprozesse verurteilen, gar die Existenz von Hexen leugnen, andererseits aber den Mangel an Folterinstrumenten anprangern? Nun ja, vielleicht muss dazu der geborene Politiker sein.

Franz Bettinger

3. Februar 2021 00:06

@Imagine empfiehlt sozusagen durch die Blume - wenn ich ihn nicht falsch verstehe: Nicht demonstrieren! Randalieren! Denn mit Demos appelliere man ja an die Machthaber. Das aber sei eine Unterwerfungs-Geste, weil man die Herrscher damit als legitime Entscheider anerkenne. Da ist was dran. 

Franz Bettinger

3. Februar 2021 07:14

Ha, die ersten Perlen fallen aus der Krone Corona: Heribert Prantle, einer der systemtreuen Einpeitscher, rudert ans Ufer der Wahrheit und Redlichkeit zurück, seit er nicht mehr Chef der Süddeutschen ist. Er hat sein Schärflein im Trockenen. Jetzt kann er anständig werden:

https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/heribert-prantl-ich-hoffe-dass-die-gesellschaft-aufwacht-li.136339

Valjean72

3. Februar 2021 09:25

@Gotlandfahrer:

Wer noch seine Sinne zusammen hat, wird nicht ernsthaft dieses auf die Schnelle zusammengepanschte Zeug, das uns die verabreichen wollen [...] seinen Kindern in die Venen jagen.

In diesem Zusammenhang eine Meldung vom 31.01.2021

Ausbruch in Altenheim

Corona-Mutation tötet 15 Senioren

Die erste Impfdosis hatten sie schon. Doch das kann mehrere Heimbewohner in Leverkusen nicht vor einer Infektion mit der britischen Coronavirus-Mutation und einem schweren Krankheitsverlauf schützen. 15 Bewohner überleben die Ansteckung nicht.

(Quelle: n-tv.de)

Eine ähnliche Meldung gab es am 10. Januar aus einem Pflegeheim in Darmstadt-Dieburg.

"Kolateralschäden" in Bezug auf die Impfung gehen als Corona-Opfer in die Statistik ein.

Geht es noch zynischer?

 

 

Laurenz

3. Februar 2021 09:31

@Franz Bettinger @Imagine

"empfiehlt sozusagen durch die Blume - wenn ich ihn nicht falsch verstehe: Nicht demonstrieren! Randalieren! Denn mit Demos appelliere man ja an die Machthaber. Das aber sei eine Unterwerfungs-Geste, weil man die Herrscher damit als legitime Entscheider anerkenne. Da ist was dran."

Dem ist mitnichten so, werter Franz. Man könnte fast meinen, Imagine hätte einfach nur wieder seine Tabletten nicht genommen.

Passiver Widerstand gegen Machthaber, die den Boden des GGs verlassen haben, ist laut GG die einzige legale Form des Widerstandes. Der Öffentlichkeit des Protests richtet sich daher nicht an die Machthaber als solche, sondern an alle.

Hartwig aus LG8

3. Februar 2021 09:39

@ Maiordomus

Oft lese ich Ihre Beiträge kopfschüttelnd, der Menge an Lebenslauf wegen, die Sie ganz nebenbei in ein paar Zeilen unterzubringen verstehen; gepaart mit nicht uneitlem "Namedropping".

Aber alles, was von Ihnen oberhalb in diesem Strang geschrieben wurde, habe ich mit echtem Gewinn gelesen. Dafür mal ganz nebenbei mein Dank.

Valjean72

3. Februar 2021 10:03

@Franz Bettinger:

Vielen Dank für das Verlinken des Interviews mit meinem Landsmann Heribert Prantl.

In der Tat spricht er viele wunde Punkte an, im Kern ist er dennoch nach wie vor "voll auf Linie":

Die Frage nach dem Stellenwert des Rechts auf Leben – sie war schon durch das Sterben der Flüchtlinge im Mittelmeer drängend. Die Fragen nach der Notwendigkeit massiver staatlicher Eingriffe und nach der Rolle des Parlaments dabei – sie waren schon in der Bankenkrise drängend und sie werden es erst recht in der Klimakrise sein. [...]

Wenn jedwede Maßnahme als alternativlos erklärt wird, ist das undemokratisch. Wir müssen den mühsamen Weg gehen, die Vielzahl von Antworten zu hören und abzuwägen […]

Es darf nicht sein, dass ein Grundrechtsverteidiger schon fast im Verdacht steht, ein Corona-Leugner zu sein. Corona-Leugner stehen außerhalb des Diskurses.

 

Corona-Leugner und gewiss auch Klima- und Flüchtlingsleugner stehen für ihn ausserhalb des Diskurses ...

 

Gotlandfahrer

3. Februar 2021 10:03

@ Franz Bettinger:

"Nicht demonstrieren! Randalieren! ... weil man die Herrscher damit als legitime Entscheider anerkenne."

Wenn ich Demos anmelde, bei Verbot auf sie verzichte oder mich auf Zuruf auflöse dann ja.  Wenn ich demonstriere wo, wann und wie lange ich will, dann nicht. Randalieren ist in keinem Falle zu empfehlen, da es die Falschen (also wirklich Falschen, nicht die richtigen Falschen, wie die Antifa es ausdrücken würde) trifft, außer man randaliert sehr gezielt, was dann aber nicht mehr der Idee des Randalieren entspricht.

Alles, was wirklich frei ist, nimmt die Konsequenzen in Kauf, ansonsten bleibt man tatsächlich im Laufstall.

frdnkndr

3. Februar 2021 11:10

"(...) aber Veränderungen werden in  der gegenwärtigen im Grunde schon postdemokratischen Gesellschaft nicht von den massenpsychologisch mitgeprägten Plakatträgern und deren Nachläufern geleistet; eher schon, wenn jeder an seinem Ort etwas weniger feige ist, als er bisher war(...)"

 

Genau so siehts aus.

Die alltägliche Feigheit, gerade im Kleinen, derjenigen, die es besser wissen, zumindest wissen könnten, gar müssten, ist eines der eigentlichen Übel hierzulande.

Würde jeder davon auch nur ein klitzekleines Bisschen ehrlicher und gerader durchs Leben gehen, wäre bereits eine Menge gewonnen.

So allerdings verhindert bei vielen die Feigheit nicht nur das Tun, sondern zuvor bereits das Denken und erschreckend oft sogar das Wahrnehmen selbst der offensichtlichsten Dinge. 

Maiordomus

3. Februar 2021 11:13

@Hartwig. Namedropping. Wenn ich etwas wissen wollte über Leute, die man aus  Medien kennt, bekannt sind, habe ich mich - ab meinen zwar wenigen Jahren als Berufspublizist -  an die selben gewandt und Kontakte geschlossen. So kannte ich intellektuelle ehemalige Nationalsozialisten, Frontisten, Vichy-Franzosen  u. aktive Kommunisten persönlich, auch den bestinformierten Schweizer Islamisten, der mit Osama bin Ladin, Saddam Hussein, Ghadaffi und dem ägyptischen Islam-Nazi Leers in konkretem Kontakt stand, unsere Telefonate wurden sicher4 abgehört. Da Medienberichte oft Schrott sind, waren vorbereitete genaue Rückfragen notwendig. Es war 1972  kein Problem, mit Joseph Ratzinger oder C.F. Weizsäcker ins Gespräch zu kommen, wobei sich beim einen der intellektuelle Rang bestätigte, beim andern musste einer mangels Kenntnis von Standardwerken zur Geschichte der Physik etwas herabgestuft werden. In Zürich gehörte Elias Canetti zum Strassenbild, längst bevor er Nobelpreisträger war. Otto Habsburg und Kuehnelt-Leddihn waren problemlos als Vortragsredner zu gewinnen. Sie hatten über die Zeitgeschichte ein gigantisch höheres Wissen als sagen wir mal heutige FAZ-Schreiber oder auch die Foristen hier. Mit Christen in der DDR war ich ab ca. 1970 in Kontakt, auch mit Exil-Ungarn aus dem rechten und dem kommunistischen Lager.. 

Waldgaenger aus Schwaben

3. Februar 2021 12:55

@Bettinger und andere

Zum Thema Hexenwahn: Man sollte sich in diesem illustren Kreis nicht auf dem Niveau aufgeweckter, zehnjähriger Romanleserinnen (Majordomus dixit) äußern.

Der Hexenwahn wurde schon als er virulent war, von verschiedenen Seiten kritisiert, die den Glauben an die Existenz von Hexen nicht ablehnten. (siehe Hexenhammer)

Die spanische Inquisition urteilte über den Hexenhammer wie folgt: „Denn der Autor  nimmt für sich in Anspruch, genau die Wahrheit ermittelt zu haben, in Dingen, die so beschaffen sind, daß er so leicht wie alle anderen getäuscht werden kann." . 

Der Jesuit Friedrich Spee hatte rechtliche Bedenken gegen die Anwendung der Folter in Hexenprozessen.

Man konnte also gegen Hexenwahn bekämpfen ohne die Existenz von Hexen zu leugnen.

Zum Thema Impfen:

Eine Position wie "Jeder mündige Bürger, der eine Impfung will, soll sie auch bekommen." setzt nicht voraus, dass man an die Wirksamkeit der Impfung glaubt und erlaubt doch die Kritik an der mangelnden Beschaffung.

Zu Thema Lockdown:

Die Kritik an unverhältnismäßigen Schließungen von Geschäften, Verbot von Veranstaltungen im Freien, etc, verbunden mit der Zustimmung zur Maskenpflicht, setzt nicht voraus, dass man an eine Gefährlichkeit des Virus glaubt, die über die von Grippeviren hinausgeht. 

Laurenz

3. Februar 2021 13:28

@Metropolenspazierer aus Baden

Wieso relativieren Sie die Hexenverfolgung?

In und um meine Geburtsstadt Lohr am Main herum wurden bis 1730 Frauen und Männer als Hexen verbrannt, nur deswegen, weil sie dem Protestantismus nicht abschwören wollten. 

In Polen und den USA ging die tödliche Hexenverfolgung bis weit in das 19. Jahrhundert. Keine Wiedergutmachung, nichts. Aber wir zahlen Reparationen für die bonapartistische Säkularisierung, witzig, nicht?

Und die damaligen Deliquenten kritisierten ganz sicher ihre Verfolgung und Hinrichtung. Das haben Sie Recht, Kritik war möglich.

Waldgaenger aus Schwaben

3. Februar 2021 14:41

@Laurenz

1. bin ich Schwabe kein Badenser. Da lege ich Wert darauf. Der schwäbische Teil Baden-Württembergs ist Württemberg. Ich persönlich lebe im bayrischen Regierungsbezirk Schwaben, das konnten Sie  aber anhand meines Namens nicht erkennen.

2. Relativieren ist etwas anderes als der historischen Wahrheit Geltung zu verschaffen. Gerade hier in diesem illustren Kreise ist dies sicher bezüglich der neusten deutschen Geschichte, wie jene 12 Jahre gerne umschrieben werden, allgemein anerkannt und braucht von mir nicht weiter erläutert werden.

anatol broder

3. Februar 2021 15:25

neulich erinnerte der mitforist marcel:

Hanna Arendt sprach […], man solle nicht dauernd fragen: Warum hast Du das System nicht bekämpft? Man solle vielmehr die Frage stellen: Wo hast Du es unterstützt? Hier sich in unserer Zeit zu fragen, wäre ein Anfang.

auf genau diese weise können auch alte, unbewegliche männer beim widerstand helfen. beispiele:

  • abonierst du prantl oder relotius? hör auf.
  • gibst du deinen enkeln süssigkeiten? hör auf.
  • zahlst du die kirchensteuer? hör auf.
  • rufst du die polizei, wenn deine nachbarn ihr jährliches familientreffen bis in die nacht feiern? hör auf.
  • bedenkst du in deinem testament kommunisten? hör auf.
  • laberst du frauen voll? hör auf.

als faustregel: weniger ist mehr.

Laurenz

3. Februar 2021 16:18

@Waldgaenger aus Schwaben @Laurenz

Taufte Sie um, um eine Antwort zu provozieren.

Und die haben Sie auch gegeben. Nur Ihre Antwort macht keinem Schwaben Ehre.

Wir relativieren oder interpretieren deshalb einen Teil unserer Vergangenheit nicht, weil dies gesetzlich so vorgeschrieben ist, was man auch immer über dieses juristische Paradoxon zur Meinungsfreiheit halten mag.

Was allerdings die Hexenverfolgung angeht, so ist hier keine Meinungsfreiheit ausgeschlossen. Warum wollen Sie dann die Geschichte umschreiben? Man kann mit dem Umschreiben der Geschichte keine Schuld tilgen. Man kann nur um Vergebung bitten.

Laurenz

3. Februar 2021 16:22

@Anatol Broder

Demnach zahlen Sie keine Kirchensteuer?

Der_Juergen

3. Februar 2021 17:20

@Gotlandfahrer

Ihre Kommentare sind, wie schon etliche Male, auch diesmal die treffendsten auf diesem Strang. Selbst gigantische Katastrophen zeitigen oft die eine oder andere positive Folge; dies galt sogar für die Schwarze Pest, die im Gegensatz zu Covid eine sehr reale und tödliche Seuche war. Das Gute am Corona-Weltbetrug ist, dass sich die Spreu endgültig vom Weizen geschieden hat. Wer über die "Unverhältnismässigkeit" der Zwangsmassnahmen meckert, das offizielle Narrativ jedoch akzeptiert, gehört zur Spreu.  Und wer noch an einen Wandel durch irgendeine Partei und irgendwelche Wahlen glaubt, glaubt vermutlich auch an den Klapperstorch oder daran, dass John F. Kennedy junior seinen Unfalltod 1999 nur vorgetäuscht und sich dann 21 Jahre lang versteckt hat, um gemeinsam mit Trump den Tiefen Staat zu stürzen. Am 4. März ist es ganz sicher so weit; das hat mir QUanon höchst persönlich ins Ohr geflüstert.

quarz

3. Februar 2021 19:24

@Waldgaenger

"Man konnte also gegen Hexenwahn bekämpfen ohne die Existenz von Hexen zu leugnen."

Das sieht man z.B. an der Art, wie der Bischof Golser von Brixen mit Heinrich Institoris, dem Verfasser des 'Hexenhammer', umgesprungen ist. Dieser wollte im Bistum seine Hexenprozess-Show abziehen, worauf Golser eine Task Force von vier geistliche Juristen auf ihn ansetzte, die Institoris nach allen Regeln der Kunst auskonterten und seine Tätigkeit im Bistum mit sofortiger Wirkung für beendet erklärten.

In einem Brief kommentierte Bischof Golser die Aktivitäten des Hexenjägers: "Mich verdrießt der Mönch gar sehr im Bistum ... er selbst scheint mir wirklich verrückt zu sein. Er wollte vielleicht noch gern in der Sache der Frauen handeln. Ich lasse ihn aber dazu nicht kommen."

Franz Bettinger

3. Februar 2021 22:30

@Waldgänger: Sie scheinen gar nicht zu begreifen, worum es mir geht bei meinen dauernden Hexen-Vergleichen. Es geht nicht darum, die Ursachen, Methoden, genauen Ablauf oder die Verbreitung des Hexen-Wahnsinns zu beschreiben oder irgendeine Schuld Einzelner, der Kirche oder der blinden Bevölkerung nachzuweisen. Es geht mir darum, auf eine von vielen geglaubte, unabweisbare grausame Parallele zu den heutigen Verbrechen ! hinzuweisen. Gerade weil sich viele Menschen heutzutage für unfehlbar halten, ist es wichtig, sie an vergangene Glaubensfehler zu erinnern, die sich Hunderte von Jahren hielten. Dazu zählt als weiteres empfehlenswertes Argument und Beispiel auch der verderbliche Aderlass als Allheilmethode für alles.

 

Gracchus

3. Februar 2021 23:31

Flaneur schreibt: "Ermutigend" und "Außer der Selbstvergewisserung, nicht alleine zu sein, bleibt da nicht viel." Das ist aber schon viel und sollte nicht unterschätzt werden. Der Zug in eine postdemokratische Gesellschaft (Maiordomus) lässt sich vermutlich nicht mehr aufhalten. Trotzdem: Bleib erschütterbar und widersteh! (Rühmkorf). Ob nun auf Demos oder im persönlichen Umfeld. 

Der Konzertveranstalter eventim hat angekündigt, nur noch Geimpfte auf seine Konzerte zu lassen. Anscheinend erhofft man sich dadurch den Betrieb früher aufnehmen zu können. Ansonsten ist mir das unverständlich.

Bezeichnend ist, dass man von Privilegien nur mit Blick auf Geimpfte, nicht aber Genesene diskutiert, obwohl letztere erst recht immun sein müssten. 

  

Franz Bettinger

3. Februar 2021 23:31

Sehen Sie, Waldgänger: Wenn jemand heute an Viren glaubt, ist das nichts anderes, als hätte er damals an Hexen geglaubt. Damals wie heute konnte er seinen Irrtum mangels fehlender Kompetenz nicht einsehen. Er glaubt aus denselben Gründen: Weil Viren (aber eben auch Hexen, oder die Schuldigen an WW1 und WW2; ergänzen Sie die Reihe gängiger falscher Überzeugungen) als etabliertes, gesichertes Wissen gelten, das von Autoritäten (cui bono) gepredigt und von der Masse des Volkes dogmatisch angenommen wird. Dennoch sind all diese Dinge falsch: Lügen, Irrtümer und Trugschlüsse. Grad weil man sich heute so sicher fühlt (bei Viren, Impfen, Krebs- und anderen Vorstellungen) muss man auf die vergangenen vermeintlichen Gewissheiten verweisen, die sich als Fehler herausgestellt und katastrophal ausgewirkt haben. Um zu überzeugen ist wichtig, dass die gewählten Beispiele ganz und gar unstrittig sind (da kann ich nicht mit dem Bomben-Holocaust kommen) und es ist wohl unstrittig, dass es keine Hexen gab.

Imagine

4. Februar 2021 01:16

@Franz Bettinger  3. Februar 2021 00:06
„@Imagine empfiehlt sozusagen durch die Blume - wenn ich ihn nicht falsch verstehe: Nicht demonstrieren! Randalieren! Denn mit Demos appelliere man ja an die Machthaber. Das aber sei eine Unterwerfungs-Geste, weil man die Herrscher damit als legitime Entscheider anerkenne. Da ist was dran.“

Nicht randalieren (== toben, schreien, pöbeln), sondern intelligent opponieren. Die Lügengebäude der Herrschenden zum Einsturz bringen und auf deren Intelligenzdefizite und Irrtümer konsequent hinweisen.

Die große Lüge ist: Es gibt keine Alternative zu Regierungshandeln!

Doch es gibt sie. Man kann die Corona-Pandemie in 3 Monaten unter Kontrolle bringen. Und danach ist das Leben wieder weitgehend normal. Ohne Lockdown, ohne Maskenzwang, man kann wieder Tanzen gehen, sich umarmen, reisen usw.

Das ist möglich. Man muss die Politik und Medien damit konfrontieren, warum sie NICHT die Pandemie beenden, obwohl dies möglich ist. Und zwar mit Methoden, die weniger die Freiheit der Individuen einschränkt und das wirtschaftliche Wohlergehen von Millionen von Menschen beeinträchtigt.

Diese Figuren im Establishment, welche IHR Pandemie-Regime für alternativlos erklären – das sind Corona-Leugner.

Demonstrieren mit Plakaten wie „Kurz muss weg! ist non intelligent, politisch „infantil“, wirkungslos und kontraproduktiv.

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