30. März 2021

„Great Reset“ von rechts? – Zhao Tingyangs „Tianxia“

Martin Sellner / 51 Kommentare

Die Kritik am „Great Reset“ gewinnt im rechten Lager an Bedeutung.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Sie ermöglicht unabhängig von naturwissenschaftlich-virologischen Debatten die politische Analyse der universalistische Gesundheitsweltpolitik, die im Schatten von Corona aufgefahren wird.

Über den „Great Reset“ und seine Planer hat insbesondere Caroline Sommerfeld hier und hier geschrieben. Ich will in diesem Artikel anhand des Buches Alles unter dem Himmel von Zhao Tingyang eine Leerstelle des rechten Denkens aufzeigen, die gerade in der Kritik an den Globalisten deutlich wird. Diese erschöpt sich allzu oft in einem rein defensiven Affekt. Ihr fehlt jedes revolutionäre, visionäre und „futuristische“ Element, jeder Aufbruchsgeist und jede positive Alternative.

Rolf Peter Sieferle beschreibt in seinem Werk präzise die Krise des klassisch-liberalen Weltbildes, das auf einer spontanen und automatischen Selbstorganisation autonomer Subjekte aufbaut. Pläne und Interventionen werden abgelehnt, da gerade die persönliche Freiheit und der individuelle Wettbewerb innovative Kräfte freisetzen, die langfristig Produktivität und Wohlstand steigern würden. Sieferle schreibt:

„Im weltanschaulichen Zentrum des Liberalismus lag der Glaube, daß sich in der Wirklichkeit sämtliche Ordnungen durch ein »freies Spiel der Kräfte« bilden, ohne daß eine Instanz existieren müßte, die sich des Zustandekommens solcher Ordnungen direkt und intentional annähme.“ (Rolf Peter Sieferle, Epochenwechsel, S.348f)

Wir befinden uns jedoch, so Sieferle, aufgrund der Explosion der Technik an einem Punkt an dem moderne Informations-, Kriegs- oder Biotechnologie dem einzelnen Mensch und Unternehmen ein bisher undenkbares Ausmaß an Handlungsmacht ermöglichen. Der Glaube an eine spontane Organisation aller Akteure und die automatische Entstehung eines "besseren" Zustands durch den freien Wettbewerb ist etwa im Bereich der Genforschung und des Transhumanismus unhaltbar.

Die katastrophischen Potentiale der multikulturalistischen, transnationalen und hochtechnisierten Moderne werden (beispielsweise in Gestalt von Umweltkatastrophen oder Viruspandemien) von globalistischen Eliten schon seit Jahren als Argumente für eine Neue Weltordnung instrumentalisiert.

Die Einwände konservativer und liberaler Kritiker an den Katastrophenszenarien beschränken sich bisher jedoch darauf, ihre Dringlichkeit und Bedrohlichkeit infragezustellen, wofür sie wahlweise als „Klima-“ oder „Coronaleugner“ diffamiert werden. Ohne im Detail auf die alternativen Perspektiven auf den „menschengemachten Klimawandel“ oder die „Pandemie“ einzugehen, greift diese Kritik zu kurz. Ihr Problem: sie fußt, bewußt oder unbewußt, auf dem oben skizzierten liberalen Basisglaubenssatz, der wiederum auf dogmatischen antietatistischen und individualistischen Prinzipien aufbaut.

Die Figur des „Rechten“, der maskenlos auf der Ladefläche seines SUV-Pickups dicke Steaks grillt und dabei auf „Klimagreta“ schimpft und politisch unkorrekte Islam- und Frauenwitze erzählt, mag ein mediales Klischee sein. Sie trifft jedoch leider auch den Kern der heutigen rechten Kritik an globaler Klima-, Wirtschafts-, Gesundheits- und Migrationspolitik. Das unterschlagene Problem der berechtigten Kritik an der medialen Inszenierung und politischen Instrumentalisierung von ökologischen und medizinischen Krisen lautet: diese sind in den Augen des klassisch-liberalen Denkens faktisch nicht wahr, weil sie ideologisch gar nicht wahr sein dürfen!

Das Bestehen einer globalen Krise würde den „Virus- “ und „Klimasozialisten“ die Legitimation für eine globale Planwirtschaft und eine Einschränkung der individuellen Freiheit in die Hand geben. Eine Krise, die noch dazu ihre Grundlage in der liberalen Globalisierung hätte, würde den Basisglaubenssatz, wonach die maximale individuelle Freiheit die beste und gerechteste Ordnung erzeugt, infrage stellen.

Die defensive Kritik vieler „Rechter“ an allen linken Katatstrophenszenarien ist also dadurch belastet, daß sie aus einer liberalen ideologischen Notwendigkeit erfolgt. Hier trifft sich die libertäre Staatskritik, die neben nationaler auch globale Planung aus Prinzip ablehnen muß, mit einem evangelikalen Gottvertrauen, welches in der Problematisierung von Überbevölkerung und Umweltzerstörung instinktiv eine menschliche Arroganz gegen den Heilsplan einer "manifest destiny" vermutet.

Man verstehe mich nicht falsch: Die Kritik an der faktischen Basis der globalistischen Vorstöße zu einer neuen technokratischen Weltordnung sind notwendig. Sie deckt in vielen Bereichen auf, daß ein apokalyptischer Wunsch Vater der „ besorgten Warnungen“ ist. Aber auf Dauer ist diese Kritik zu wenig. Sie läuft, gerade über die mythisch-verschwörungskritische Schlagseite, die heute überhandnimmt, sogar Gefahr, beim Auftreten einer echten globalen Krise, in der sich die latenten Zerstörungspotentiale der Technosphäre materialisieren, irrational und suizidal zu agieren.

Diese theoretische Schwäche, die im ideologisch diktierten Leugnen aller Krisenpotentiale besteht, ist unter anderem Ergebnis des Einflusses angloamerikanischer libertärer bis evangelikaler Ideologeme auf die europäische Rechte. Durch die Überflutung  mit solchen Ideologiefragmenten aus dem kanadisch-amerikanischen Raum findet dieses Denken vor allem in theoriefernen Teilen der hiesigen Rechten großen Anklang. Seine individualistische Schlagseite fusioniert geradezu perfekt mit dem Selbstverwirklichungs- und Privaterlösungsgedanken der esoterischen alternativen Szene.

Tatsächlich trifft Sieferles Kritik des „dionysischen Individuums“, das  Jonas Schick in den Coronaprotesten verortete, leider häufig zu. Die Kritik am Great Reset und an dem Projekt der westlich-liberalen Weltordung wirkt störrisch, engstirnig und infantil, wenn sie keine positive Alternative formulieren kann. Der blinde Glaube an den Basissatz des libertären Denkens, vermischt mit esoterischen Utopien oder evangelikalem Gottvertrauen, ist keine geeignete Antwort auf die Wissens- und Ideologieproduktion tausender globalistischer Think Tanks.

Das rechte Denken verbündet sich hier teil- und tragischerweise gegen die eher „sozialistisch“, also planwirtschaftlich und egalitaristisch geprägten Technokratie mit dem nicht weniger globalistischen Liberalismus und fordert ein "Zurück zur Normalität" von Freihandel und Konsum. Die identitäre Frage geht in den neuen Virus- und Klima-Debatten beinahe unter. Das hat einen klar bestimmbaren Grund:

Die realen Gefahren und Krisenpotentiale der modernen Technosphäre und des multikulturellen Bevölkerungsexperiments wurden seit langem von rechten Denkern wie Heidegger oder Spengler analysiert und erkannt. Woran jedoch die Rechte bisher scheiterte, ist die positive Theorie eines neuen „Nomos der Erde“.

Hier dominiert die universalistische und globalistische Denkschule, die in der hegelianischen Tradition, oszillierend zwischen Marxismus und Liberalismus, eine säkularisierte Verzerrung des Christentums darstellt. Die zu recht durch den historischen Rost gefallene Idee des aufklärerischen  „Weltgeist-Nationalismus“, mit einem einzigen Volk die totale Erdherrschaft anzustreben, wird von namhaften Wissenschaftlern dagegen als säkularisierte Zerrform des Judaismus identifiziert. Sie wiederzubeleben versucht heute keiner mehr. Stattdessen herrscht, wie Martin Lichtmesz in seinem großartigen Buch beschreibt, ein rein defensiver Ethnopluralismus vor.

Diesem fehlt oft jede visionäre Kraft und jede geopolitische Verortung. Ein wichtiges Ziel neurechter Theorien- und Ideenbildung läge darin, eine identitäre Gegenthese zur westlich-universalistischen Globalisierung zu entwickeln. Ein „Great Reset von rechts“, der von manchen Kommentatoren ironisch im Munde geführt wird, wäre insofern nötig, als die derzeitige Entwicklung keine neue Wegrichtung, sondern die logische Endphase eines lange andauernden, „Fortschritt ins Grauen“ (Alain de Benoist) ist.

Selbstverständlich kann diese identitäre Alternative nicht in flapsigen Konzepten zu „tribalistischen Ökodiktaturen“, Memes über das „Tradlife“, oder Phatasmen archäofuturistischer Astronautik bestehen. Auch das bloße Konzept des „Ethnostaats“, oder einer „eurosibirischen Techno-Festung“ greift zu kurz. Es braucht, gerade im Angesicht der neuen transhumanistischen und biotechnologischer Felder, auf die sich das geopolitische Konfliktgeschehen unweigerlich verlegt, auch ein Konzept einer geopolitischen Balance und einer multipolaren Weltordnung.

Während Technokraten eine totale Kontrolle und Gleichschaltung der "Menschheit" als alternativlose Antwort auf die neuen Krisenpotentiale der Technologie anbieten, hofft die rasant wachsende verschwörungskritische Szene indes auf einen diffusen esoterischen "Bewußtseinswandel", also eine universalistische anthropologische Revolution, die das Wesen des Menschen ändern soll. Im rechten Lager herrscht in diesem Themenbereich bis auf wenige Ausnahmen wie etwa das Werk von Alexander Dugin, gähnende Leere. Neue Denkanstöße könnten aus China kommen.

Das 2020 erschienene Buch Alles unter dem Himmel des chinesischen Philosophen Zhao Tingyang versteht sich als eine Kritik am westlichen Staats- und Weltstaatsverständnis. Der Autor hat eine Professur am Institut für Philosophie der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften inne.

Das "Nouveau magazine littéraire" kürte ihn zu einem der 35 einflußreichsten Denker der Welt. Ähnlich wie Dugin gilt er als „Staatsphilosoph“, dessen Werke auf den Nachttischen der politischen Führung Chinas liegen. Im erwähnten Werk entwickelt er mit dem Konzept der„Tianxia“, das in der Chinesischen Zhou-Dynastie (1046 bis 256 v. Chr.) entwickelt wurde, und mit "Alles unter dem Himmel" übersetzbar ist, eine Alternative zum westlichen Hegemoniedenken. Mit Heidegger ist er sich darin einig, daß der westliche Nationalstaat eine etatische Version des neuzeitlichen Subjekts darstellt.

„Weil man die Seinsfrage noch nicht begreift und damit auch nicht das Da-Sein, weil man dieses doch immer als „Subjekt“ nimmt, gelangt man zu den komischen Forderungen, das Einzelsubjekt (in Sein und Zeit) müßte jetzt durch das Volkssubjekt ersetzt werden. Die armen Tröpfe!“ Martin Heidegger, Besinnung, HGA 66, S. 144

Konsequent und nachvollziehbar entfaltet Tingyang die gesamte Problematik der brüchigen, letztlich invidualistisch-solipsistischen westlichen Staatskonzeption, die sich durch koloniales Ausgreifen in das amorphe feindliche „Außen“ ebenso absichern muß wie das Einzelsubjekt durch das technische Gestell. Kein Wunder, daß es vom aufklärerischen Großinquisitor Thomas Assheuer in der ZEIT bis zu Jürgen Osterhammel in der FAZ im Westen negative Rezensionen hagelt. Greift Tinyang doch mit seinem „ontologischen Prinzip“die Elementarlehre des westlichen Liberalismus an:

„Die Koexistenz geht der Existenz voraus (…) die Koexistenz ist die Voraussetzung der Existenz“. (Zhao Tingyang, Tianxia, S. 18)

Das „Gen der Gemeinschaft“, das Tinyang unter Rückgriff auf Konfuzius in der familiären Verwandtschaft verortet, ist in Form der "Volksseele" die Grundlage der Staatlichkeit, nicht die kalkulierende Einzelvernunft, die sich aufgrund äußerer Gefahren zum „Gesellschaftsvertrag“ genötigt sieht. Tinyang stellt der westlichen Trias „Individuum - Gemeinschaft - Nationalstaat“ die chinesische Struktur von „Sippe - Staat -Tianxia“ gegenüber in der das Subjekt „keine politische Entität“ darstellt (S.22).

Stattdessen tritt das Konzept einer kosmischen Universalität, das vom „Tianxia“ verkörpert wird, auf den Plan. In diesem sieht Tinyang die Chance zu einem „Weltfrieden“ und einer „inklusiven Welt“, die nicht auf Assimilation und Hegemonie aufbaut. Das Konzept weist neben den zitierten unglaublich starken Stellen auch einige in meinen Augen naive Schwächen auf und wird von mir auf diesem Blog beizeiten rezensiert werden. Bereits jetzt kann man allerdings konstatieren, daß Denker aus den kontinentale Machtzentren China und Russland visionäre denkerische Gegenentwürfe zur westlich liberalen "Thalassokratie" erarbeiten.

Gerade das deutsche Denken hätte hier vermittels Heideggers unübertroffener Kritik am neuzeitlichen Subjekt eine wichtige ideengeschichtliche Aufgabe. Die fehlende Dimension einer nichtuniversalistischen kosmischen Ebene, die in Tingyangs Denken „Tianxia“ einnimmt, gilt es auch für das europäische Denken neu zu erschließen. Nur so kann der kommende identitäre Aufbruch aus den Fehlern eines universalistisch "verseuchten" Nationalismus lernen, anstatt auch neue Konzepte und Visionen damit anzustecken.

Auch westeuropäische Rechte sollten sich, wollen sie ihrer Rolle als Dissidenten gerecht werden, daran ein Beispiel nehmen. Gerade in der Krise und im Gewoge der politischen Aktion gilt verstärkt die Pflicht zur geistigen Besinnung. Scheinbar ohnmächtig in fremder kultureller, wirtschaftlicher und politischer Dominanz erstickend, steht uns der Widerstand gegen die „geistige Besatzung“ jedoch immer noch frei.

Die Kritik an der westlich liberalen Weltordnung und ihrem "Great Reset" ist verkürzt, wenn wir keine eigene, visionäre Alternative aufzeigen. Wenn wir den neuen Herausforderungen ausweichen, die Krisenpotentiale leugnen und unsere geistige Mitte verlieren, wird die Geschichte uns bestrafen.

-- --

Zhao Tingyang: Alles unter dem Himmel. Vergangenheit und Zukunft der Weltordnung (= suhrkamp taschenbuch wissenschaft), Berlin: Suhrkamp 2020. 266 S., 22 € – hier bestellen. Benedikt Kaiser bespricht dieses Buch hier.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.


Kommentare (51)

MARCEL

30. März 2021 11:53

Ideengeschichtlich gesprochen könnte man sagen, dass jetzt erst das 19. Jahrhundert zu Ende geht.

Das lange 19. Jahrhundert hat die menschliche Lebenswelt derart substantiell verändert (durchaus im planetarischen Maßstab), dass jeder Rückweg verbaut ist. Die permanente Flucht nach vorn ist sein Erbe und sein Fluch - bis heute.

Wer das ablehnt, begeht irgendwann Suizid, wird Eremit, verbündet sich mit der islamischen Kultur (und geht damit in ihr auf) oder vertraut/hofft mit Hans-Dietrich Sander auf ein "verborgenes Volk", das sich neu ("neu" durchaus revolutionär verstanden) findet, sammelt und organisiert.

 

 

Laurenz

30. März 2021 11:54

@MS

Würde "Great Reset" mit "Der Große Neuanfang" oder Neubeginn übersetzen. Der steht aber nicht aus politischen oder philosophischen Gründen im Raum, sondern aus ökonomischen -. Wenn die Welt-Linke den Neuanfang nicht plant, kommt er unkontrolliert, was zwangsläufig mit einer Ablösung der herrschenden Kaste verbunden sein wird, was diese Kaste natürlich auch weiß. Insofern wäre es für die identitäre Rechte richtig, den unkontrollierten Neubeginn zu favorisieren. Eins ist doch klar, wenn die globalistische Linke den Neubeginn plant, wird dieser nicht nachhaltig sein, er wird scheitern, also unkontrolliert enden. Erst dann, werter MS, müssen wir tatsächlich unsere Ideen aus der Schublade ziehen. Denn vorher existiert für die Masse der Weltbevölkerung kein Grund zur Veränderung. As-Sisi regiert Ägypten mit einem künstlich verbilligten Brotpreis, das wird auch nach einem kontrollierten Neubeginn so sein. Setzte er den Brotpreis dem freien Spiel des Marktes aus, wird er sofort einen Kopf kürzer gemacht werden. Sie argumentieren dafür, daß wir Rechten uns von den liberalen Weichspülern befreien sollten. Dem kann ich im Laufe der Zeit mittlerweile zustimmen.

Gotlandfahrer

30. März 2021 12:27

Linkes Denken, das unsere Welt einnahm, mag ursprünglich theoretisch anspruchsvoll gewesen sein.  Schon die praktische Revolution vereinfachte dies auf sinngaukelnde Sammlungsparolen auf dem Konsistenzniveau von Zahnpastawerbung, nicht zu nennen die infantilen Verballhornungen durch seine heutigen Repräsentanten.

Dementsprechend sehe ich keinerlei Theoriedefizit, auch nicht in der Art der Anklage des Great Resets, das uns von irgendetwas abhielte. Wir müssen uns nur klar sein: Sie sind an der Macht.  Wenn wir das ändern wollen, dann müssen wir in den Ring. Da wird nicht mit Theorien hantiert. Verdichtete Schlachtrufe, um den Anspruch im Publikum klarzumachen und Stimmungsschwenk zu bewirken, ja.  Gern auch unter Bezug auf Bücher, die dort niemand liest, und worin deswegen auch stehen kann was will.

Dann lesen Sie doch woanders, könnte man mir jetzt entgegenhalten. Ich aber sage: Gerade darin liegt eine intellektuelle Höchstleistung, die noch nicht gelungen ist: Sicherheits-, nicht wahrheitsorientierte Mitläufer des Gegners zu eigenen Schlachtenbummlern machen, indem man ihnen zeigt: Wir sind das neue Bayern München, we have Cookies, bleib nicht bei den Verlierern. Was also, gilt es für sie mit uns konkret zu gewinnen und zwar mit geringerem Risiko als beim Gegnerteam? Wenn das dann auch noch in einem eingängigen Moralkonstrukt, das das der Gegenseite in den Staub wirft, gereicht wird… darin läge die Kraft einer „visionären Alternative“.

Laurenz

30. März 2021 12:56

@Gotlandfahrer

"Sicherheits-, nicht wahrheitsorientierte Mitläufer des Gegners zu eigenen Schlachtenbummlern machen".

Herr Höcke sagt im Interview mit 1%, daß die AfD zur einen Hälfte aus Mitgliedern besteht, die nicht kämpfen wollen, und selbst lieber zum Establishment gehören möchten. Die sind bereist überzeugt.

"Linkes Denken, das unsere Welt einnahm, mag ursprünglich theoretisch anspruchsvoll gewesen sein."

Der ganze intellektuelle Aufwand, den Marx & Engels betrieben, war investiert, um die Intellektuellen des Planeten über den grundsätzlichen & einzig eminenten Punkt im Gesamtwerk hinwegzutäuschen, das Verbot des Privateigentums.

Heutzutage spart man sich diese Arbeit, der Klima-Gott verbietet den Besitz eines Hauses oder eines Autos. Der Klima-Gott ist für alle verständlich und daher viel effizienter.

tearjerker

30. März 2021 13:13

Die rechten Visionen sind halt auch nur linke Visionen mit anderer Bezugsgruppe. Es scheint gar keine Motivation zu geben, die Institutionen, die einen bedrängen grundsätzlich in Frage zu stellen. So wird man also resettet werden Der Reset selbst wird aber scheitern, weil Menschen und ihre Leidenschaften sich nicht ändern. Dann wird man Krieg führen um die Karten neu zu mischen, vermutlich irgendwann Mitte der 30iger. Alle gegen alle.

Gustav

30. März 2021 13:34

Wenn man nicht selbst zum Kern der Globalisten gehört, muß man sich auch keine Gedanken über irgendwelche Veränderungen machen. Die Ursünde des faustischen Menschen war sein ständiger Drang, sich in fremde Länder und Angelegenheiten einmischen zu müssen. Das wird ihm heute, wo ganz andere Kräfte diese Tätigkeit auch bei ihm selbst übernommen haben, zum Verhängnis. Wir können über uns selbst gar nicht mehr bestimmen, weil es uns als eine souveräne Macht nicht mehr gibt.

Der Masse der westlichen Menschen geht es heute immer noch besser, als den Reichen vor zweihundert Jahren. Unbewußt scheinen sie sich dessen bewußt zu sein, möchten das nicht riskieren und wollen auch nicht glauben, das man ihnen das wieder nehmen will. Hier wird man keine Kämpfer "für eine bessere Welt" finden.

«Es gibt keine Dummheit, die der moderne Mensch nicht imstande wäre zu glauben, sofern er damit dem Glauben an Jesus Christus ausweicht.»

«Mißtrauen wir dem, der von der Jagd nach Argumenten lebt, um die anderen zu überzeugen. Die Intelligenz strebt nur danach, sich selbst zu überzeugen.»

Nicolás Gómez Dávila

RMH

30. März 2021 13:51

"Ideengeschichtlich gesprochen könnte man sagen, dass jetzt erst das 19. Jahrhundert zu Ende geht."

Und das 19 Jhdt. hatte über 2tsd Jahre Grundlagen. "Die Grundlagen des 19. Jhdts." von H. St. Chamberlain (nix "omg"! Wenn Marx offiziell rechts gelesen wird, dann darf der alte Engländer schon lange gelesen werden!), sei einigen einmal wieder als Lektüre dringend angeraten. Zumindest die Einführung und die ersten Kapitel davon.

Spätestens dann wird man merken, dass M. Sellner mit seinem merkwürdig undistanzierten, fast schon Abfeiern des chinesischen Philosophen (was erfindet dieser eigentlich genau Neues? Welche ernsthaft neuen Antworten werden geleistet?) mindestens genau so eindimensional wirkt, wie die Beißreflexe der Autoren der Zeit und der FAZ, auf deren Artikel verlinkt wurde.

Es wird in der "identitären" Verzweiflung, der tristesse droite, einmal mehr das Kinde mit dem Bade ausgeschüttet, statt sich in guter konservativer Tradition zu besinnen, woher man stammt. Herr Zhao Tingyang scheint zumindest sehr genau zu wissen, woher er stammt und trägt die Flamme seiner Tradition, statt deren Asche (um einmal dieses, dank Werbefernsehen leider abgedroschene, Bild zu bemühen).

Ich drohe hiermit offiziell an, in weiteren Beiträgen das Ganze etwas zu erläutern.

PS:

@Marcel,

ich sehe die Ideen des 19 Jhdts nicht zu Ende gehen.

Volksdeutscher

30. März 2021 14:28

- "Ich will in diesem Artikel anhand des Buches Alles unter dem Himmel von Zhao Tingyang eine Leerstelle des rechten Denkens aufzeigen, die gerade in der Kritik an den Globalisten deutlich wird. Diese erschöpt sich allzu oft in einem rein defensiven Affekt. Ihr fehlt jedes revolutionäre, visionäre und „futuristische“ Element, jeder Aufbruchsgeist und jede positive Alternative."

Großartig! Einen ähnlichen Gedanken habe ich heute verfaßt, der wieder einmal nicht durch die SiN-Zensur ging. Wieso ist es nun möglich geworden, die gleiche Kritik am rechten Denken nun doch durchgehen zu lassen? Warum gibt es hier nicht eine Art "Gebrauchsanweisung" zum Kommentieren? Dadurch könnte man die falsche Erwartungshaltung flach halten und Enttäuschungen begrenzen.

kommentar kubitschek:
schreiben Sie das hier nochmal auf, aber suchen Sie desmal die quelle raus.

Nordlicht

30. März 2021 14:48

Ein rechter "Great Reset" mit dem Programm des chinesischen Staatsdenkers?

Gott bewahre uns davor.  Weder möchte ich einen von oben geplanten und herbei geführten Neustart (- wobei alle bisher erarbeiteten und geschriebenen Erkenntnisse verloren gehen, man auf der Ebene des Arbeitsprogramms neu beginnt) noch sehe ich für uns Mitteleuropäer geeignete Rezepte aus dem Rückgriff auf den zig-mal umgeformten und jetzt auf KPCh-Format gebrachten Konfuzius.

Ich sehe auch keinen politischen Gewinn und auch keine sachliche Notwendigkeit darin, plötzlich an die apokalyptischen Bilder der Grünen hinsichtlich Klima und Ressourcen anzudocken. Gerade weil ich mein ganzes Berufsleben der Emissionsreduzierung und Energieeinsparung gewidmet habe, weiss ich um den grandiosen Erfolg des Naturschutzes einschl. Menschenschutz in den Wohlstandsländern, d. h. durch das Zusammenspiel von innovativer freiheitlichen Wirtschaft und kontrollierendem, forderndem Staat.

Die Artikel von Jonas Schick zu Natur und Umwelt lese ich mit Interesse, teile die Apokalyptik jedoch nicht. Sieferle hat die zentrale Rolle der (billig verfügbaren, immer konzentrierteren) Energie beschrieben; das nachfolgend von Hoof prophezeite Ende der Wirtschaft wegen einer immer (energie)aufwändigerer Gewinnung verkennt die menschliche Intelligenz und die Innovationskraft des Wirtschaftssystems.

Mir schaudert bei dem Gedanken, dass sich hier Rechte mit Apokalyptik und zentralplanerischem Reset anfreunden. 

Laurenz

30. März 2021 16:43

@Gustav

"Der Masse der westlichen Menschen geht es heute immer noch besser, als den Reichen vor zweihundert Jahren."

Woher wollen Sie das wissen? Wo nehmen Sie die Arroganz her, das Leben anderer zu beurteilen & dem reinen Materialismus zu frönen. Was die Armen angeht, mag das stimmen, aber bei den Reichen bleibt Ihre These recht zweifelhaft.

"Wenn man nicht selbst zum Kern der Globalisten gehört, muß man sich auch keine Gedanken über irgendwelche Veränderungen machen."

Der Grund für den Reset ist der Zinseszins oder eine Hyperinflation. Dabei gehen vor allem die Geldvermögen der Reichen und der Armen flöten. Was bleibt, sind Sachwerte, wie Firmen (-Anteile oder Aktien), Grundbesitz & Immobilien. Ein globales Verbot von Privateigentum ist unmöglich durchzusetzen. Also was den eigenen Schotter angeht, muß man sich, als "Somewhere", sehr wohl Gedanken machen. Alter Schwede....

Laurenz

30. März 2021 16:53

@Nordlicht

Gut geschrieben. Die deutschen Kohlevorkommen reichen beim aktuellen Energiebedarf noch über 1.000 Jahre. Und jeder ist sich doch im klaren darüber, daß, wenn pseudo-grüne Gesäße anfangen zu frieren, wir wieder Kohle fördern werden, wenn wir sonst nichts haben.

nom de guerre

30. März 2021 19:06

Grundsätzlich ist es natürlich sinnvoll, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken – man verzeihe mir diese Binse –, aber sind die Werke eines chinesischen Philosophen als Grundlage für Überlegungen zu unserer eigenen, europäischen Lebensweise nicht etwas weit hergeholt? Die ostasiatische Denkweise ist doch eine völlig andere als unsere. Was wollen Sie daraus für einen Nutzen ziehen, der sich im Abendland nicht besser finden ließe? Abgesehen davon wirkt sich der Umstand, dass es sich hier um einen Staatsdenker der Volksrepublik China handeln soll, bei mir nicht gerade vertrauensfördernd aus.

Allerdings stimme ich Ihnen insofern zu, als eine reine Ablehnung des Great Reset vermutlich zu kurz greift, wenn man nicht gleichzeitig eine eigene, positive Vision formuliert. Schon aus psychologischen Gründen.

Nath

30. März 2021 21:11

Bezugnehmend auf "theorieferne Teile der hiesigen Rechten" schreibt Martin Sellner:

"Seine individualistische Schlagseite fusioniert geradezu perfekt mit dem Selbstverwirklichungs- und Privaterlösungsgedanken der esoterischen alternativen Szene."

Es stimmt, das "Niveau" jener Szene ist nicht immer auf dem höchsten Stand, und ihre Art von Spiritualität mag manchmal eklektizistisch sein, aber das rechtfertigt keinesfalls jene abfällige Kritik. Was hat Herr Sellner gegen Selbstverwirklichung? Hier werden "diesseitige" (etwa "Konsumismus") und `"jenseitige" Konnotationen des Begriffs wahllos in einen Topf geworfen und in beinahe propagandistischer Polemik dazu benutzt, den Begriff selbst zu desavourieren. Dass das Seelenheil en masse erreicht werden könnte, wäre mir neu."Selbstverwirklichung" mag eine missverständliche Übersetzung von atma-jnana oder atma-vidya sein, aber dies gilt z.B. auch für christliche Zentralbegriffe, deren deutsche Übersetzung das griechische Original nicht immer angemessen wiedergibt. Und was soll eigentlich "Privaterlösung" heißen? Wenn ein Weiser einst sagte, "Seid euch selber Zuflucht", dann war das Privatmystik, wenn aber ein Zimmermannssohn sagt, "Das Himmelreich is in euch", dann ist das ein weltumspannendes Erlösungswerk? So kommen wir nicht weiter.

 

 

Laurenz

30. März 2021 21:56

@nom de guerre

"man verzeihe mir diese Binse –, aber sind die Werke eines chinesischen Philosophen als Grundlage für Überlegungen zu unserer eigenen, europäischen Lebensweise nicht etwas weit hergeholt?"

Die westliche Lebensweise existiert erst seit dem Beginn der Aufklärung, in der die kirchliche - und weltliche Politik zwangsweise propagandistisch moralisiert wurde. Das hatte aber keineswegs Einfluß auf politische Handlungen in der Globalismus-Phase des 19- Jahrhunderts. Man provozierte bewußt Mio. chinesischer Opfer vor, während und nach den Opium-Kriegen.

Nath

30. März 2021 22:54

Teil 2

Was nun den "weltlichen" Aspekt der Selbstverwirklichung anbetrifft, so ist ebenfalls nicht einzusehen, was daran despektierlich sein soll. Sofern das Selbst sich als Lebewesen manifestiert, ist die Individuation von ihm nicht abtrennbar. Ein auskömmliches Leben im witschaftlichen Sinne zu führen gehört genauso dazu wie die Bereiche Ästhetik, Krativität, soziale Kontakte, Erkenntnis usw. Damit einher geht aber idealerweise das, was viele Rechte pejorativ mit dem Wort "Individualismus" zu brandmarken belieben. Ich frage zurück, was soll daran schimpflich sein? Hat es traditionell nicht immer als Wesensmerkmal und als Vorzug des Abendlandes gegolten, dass sich hier so etwas wie eine starke Individualität herausbilden konnte? Der Mensch n i c h t als Ameise oder gar als Rädchen in der Maschinerie, genannt "Staat", "Gemeinschaft" usw., sondern als eigener Kosmos! Oder will man diese Individualität nur den "Großen", also einem Alexander, Platon, Leanordo oder Goethe zubilligen, waehrend der Rest als "Fabrikwaare der Natur" (Schopenhauer) sein Dasein fristen soll? Dann wäre eine Art totalitärer Elitismus die Folge. 

Nath

30. März 2021 23:12

Teil 3

Es muss nicht jeder ein Goethe sein, aber das Recht, seine Individualität - sofern er will - zu entwickeln hat keine Macht ihm zu verweigern. Die These, wonach die Gemeinschaft über dem Individuum stehe, ist schon logisch widersinnig, da erstere ja nur in der Geamtheit der letzteren ihr Dasein hat, wie freilich umgekehrt der Einzelne dem Miteinandersein nicht entraten kann. Beides sind korrelative Termini und ontologisch gleichursprünglich. Daher hat kein Individuum das Recht, andere Individuen zu missachten und seine Interessen auf Kosten der Gesamtheit der Mitmenschen durchzusetzen. Abzulehnen ist also keineswegs der Individualismus, sondern der Egoismus und die Egomanie, sei es in ökonomischer, politischer oder sonstiger Hinsicht.

Nebenbei bemerkt, die Selbstzuschreibung "Libertäre" seitens der sogenannten Anarchokapitalisten (eine ursprünglich nur in Nordamerika beheimatete Bewegung) ist eine historisch unzulässige begriffliche Usurpation, Man kann den Anrchismus ablehnen, aber der Ausdruck "libertär" setzt die Selbstbestimmtheit  a l l e r Individuen voraus (z..B. bei Proudhon, Kropotkin, Godwin). Die Unterdrückung durch den zu elimierenden Staat einfach durch die Unterdrückung durch die Kapitalisten ersetzen zu wollen, ist ein Schelmenstück der besonderen Art.

Maiordomus

31. März 2021 06:49

Hier geht es auch geistig um eine Voll-Sackgasse. Siehe noch der Hinweis auf Heidegger als angeblichen rechten Polit-Philosophen. Von Heidegger gibt es in dieser Hinsicht keine weiterführenden theoretischen Texte. Sein Dilemma war eigentlich, im Gegensatz etwa zu Sartre und Camus, dass er im Prinzip unpolitisch war, wiederum abgesehen von ein paar Verirrungen um 1933, die er mit Umstellung seines Vorlesungsprogramms schon 1934 korrigiert hat.  Bei Sellner wiederum sehe ich die Voraussetzungen zu einem politischen Denker, in einem gewissen Gegensatz zu Lichtmesz, als eher nicht vorhanden. Es fehlen nun mal schon die rein akademischen Voraussetzungen, zu schweigen von einem angemessenen publizistischen  Leistungsausweis in der Theoriearbeit. Richtig bleibt natürlich der ständig wiederholte und durchaus zu wiederholende Hinweis auf das metapolitische Manko in der politischen Arbeit. Über diesen Hinweis hinaus repräsentiert er dieses Manko aber auch selber. Das einschlägige Studium ist durch nichts zu ersetzen. Siehe bei den Linken Joschka Fischer, der zwar aus Zeitgeistgründen 10 000 Euro pro Referat kassieren kann, aber trotzdem eine politische Null bleibt. Politisches Denken ist nun mal nicht sein Lebensberuf.  

Gustav

31. März 2021 07:58

@ Laurenz

Sie mißverstehen mich. "Die Reichen" sitzen nicht auf ihren Geldsäcken, sondern kaufen seit Jahren alles an Sachwerten, was sie bekommen können. Insbesondere dient die jetzige Krise dazu, den Mittelstand "aufzukaufen". Das erfolgt gerade auch über Länder wie China.

Die Herren des Kommunismus und des Superkapitalismus, haben den Aufschwung Chinas sicher nicht ohne Hintergedanken zugelassen.

"Privateigentum kann man nicht verbieten." Sie werden es aber versuchen, die Verwerfungen werden fürchterlich werden...

Keine Gedanken machen, meint nicht den Einzelnen, sondern man muß keine hochtrabenden politische Pläne entwerfen, wenn man keine Umsetzungsmacht hat. Was soll das denn bringen?

Der kommende Lebensstandard wird sich an der dritten Welt orientieren. Das wollte ich eigentlich nur gesagt haben.

RMH

31. März 2021 09:32

Wie kann man seit Jahren sich als Ethnopluralist bezeichnen und dann diesen Universalismus derart distanzlos präsentieren?

B.K. hat in seiner Rezension hier klarer unterschieden zwischen der Abteilung Attacke auf den westlichen Imperialismus, aus der man sich ggf. Argumente für den eigenen Waffenkoffer entnehmen mag und dem mit Harmonie- Sauce garnierten Universalismus, den man besser als Imperialismus bezeichnen sollte. Nein, diese TCM- Pille schlucke ich nicht, sie widerspricht so ziemlich allem, was Europa in den letzten zweieinhalb Jahrtausenden geschaffen hat. Das sind unsere Wurzeln, hier dürfen wir "radikal" sein.

@M. Sellner,

für diesen Beitrag hat Ihnen M.D. völlig zurecht die Leviten gelesen. 

Martin Lichtmesz

31. März 2021 10:03

China und die westlichen Globalisten sitzen doch schon längst in einem Boot und teilen sich die Erde auf. Man darf auch nie vergessen, daß nichts im Westen ohne Billigung der Partei veröffentlicht wird und immer einen bestimmten politischen Zweck hat, erst recht die Schriften eines Staatsphilosophen. Im Grunde rezipieren wir hier Propaganda auf hohem Niveau, die ein Segment bestimmter westlicher Intellektueller bedienen soll, und auch in rechten Kreisen gibt es viele, die anbeißen.

Gracchus

31. März 2021 12:01

Guter Beitrag, @Nath. 

Papier ist geduldig. Wenn das von Rechten ausgearbeitete Konzept wirkmächtig werden sollte, bedarf es - genau - eines Bewusstseinswandels. 

Ich sehe auch nicht ein, weshalb man den europäischen Individualismus über Bord werfen und sich mit Kajaphas gemein machen sollte. Individuum und Gemeinschaft bilden keine Gegensätze. Ein Individuum kann sich überhaupt nur in Gemeinschaft entfalten. Der Einzelne steht mit seinen Gaben im Dienst des Großen Ganzen. Das gilt sogar für Eremiten. Eine Gemeinschaft, die den Einzelnen unterdrückt, ist keine Gemeinschaft, sondern deren Zerrbild und tendentiell häretisch. 

Abzulehnen ist, wie @Nath sagt, der Egoismus. Anscheinend hat sich die Behauptung einer prästabilierten Harmonie zwischen egoistischen Partikularinteressen und Gemeinwohl als Irrtum erwiesen.

@Lichtmesz stimme ich ebenfalls zu. Für mich klingt das nach philosophisch verbrämter Propaganda. Auffallend ist der Rückgriff auf eine diffuse Tradition - wer denkt da nicht an Hobsbawms erfundene Tradition!

Laurenz

31. März 2021 12:35

@ML

"China und die westlichen Globalisten sitzen doch schon längst in einem Boot"

Das glauben Sie doch selbst nicht. Mao hat schon den Westen hinters Licht geführt & Deng verarscht den Westen bis zum heutigen Tage, obwohl er seit 98 tot ist. Der Aufbau Chinas passierte (vielleicht auch nicht zu Unrecht,) auf Kosten und Wissenstransfer des Westens. Das liegt einfach daran, wie MS indirekt schrieb, daß Chinesen über 100 oder 200 Jahre, als Zeitraum, denken, während der amerikanisierte Westen, überspitzt, nur die Cash-Position der nächsten Quartalszahlen im Kopfe hat. Die Chinesen teilen nicht. Warum sollten sie das auch tun, wenn ihnen irgendwann alles gehört? Den Chinesen ist auch unsere - oder besser die Existenz des Westen vollkommen egal. Solange man von uns profitiert, ist es ok. Profitiert man von uns nicht mehr, können wir auch sterben gehen.

Laurenz

31. März 2021 12:48

(Nath) "Dann wäre eine Art totalitärer Elitismus die Folge."

Das ist doch längst eingetreten. Was faseln Sie alle hier. Chinesische Philosophen wurden sicher mehr gelesen, als alle europäischen -, seit der Antike. Das ist es, was zählt. Sie legen hier alle selbst immer noch das europäische Selbst- und Weltbild des 19. Jahrhunderts zugrunde. Das ist aber längst aus & vorbei.

Ich denke nicht, daß der Artikel der Weisheit letzter Schluß ist, aber er erlaubt uns Einblicke in das chinesische Wesen, so wie die Bibel uns Einblicke in das jüdische Wesen gewährt, aber mit beidem gehen Sie hier Alle unterschiedlich um, ohne es zu merken.

Daß weder das chinesische -, noch das jüdische Wesen zu globalisieren ist, und der Versuch auch Unsinn erzeugt, hat uns die Geschichte gezeigt. Bevor Sie hier also weiter über Individuen & Gemeinschaft debattieren, hören Sie doch bitte erstmal auf, Sich am Sonntag die Knie wund zu knien.

Lotta Vorbeck

31. März 2021 12:55

Um zu wissen was gut und richtig ist, brauche die Weisheiten eines György Schwartz, eines William Henry Gates, eines Warren Edward Buffett, einer Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg, einer Luisa-Marie Neubauer genauso wenig, wie jene Weisheiten eines von der chinesischen KP alimentierten Staatsideologen.

Franz Bettinger

31. März 2021 13:12

@nom de guerre: Unsere (Rechte) Vision? Hier ist meine: direkte Demokratie à la Schweiz (vielleicht mit Mehrklassen-Wahlrecht), dauerhafte Abschaffung jeder Art von Notstands-Gesetzen, Abschaffung des Aktienmarktes, Verschuldungs-Verbot des Staates, Ablehnung sämtlicher Therapie- und Diagnose-Verfahren, die nicht evidence basiert (bewiesen) sind. Ich denke, jeder könnte diese Liste aus seinem Beruf heraus noch erweitern.

Uodal

31. März 2021 13:14

Ausgehend von meinem Kommentar über "die Doofheit in der Postmoderne", bin ich noch hin und her gerissen, wie ich auf diese neuerliche Glanzleistung rechter Intelltualität adäquat antworten soll.

Also, wie sag ich's dem Kinde, ohne es auf ewig zu traumatisierten? Vielleicht so: in der gestrigen Folge der Rosenheim Cops soll die studierte (!) Kommunikationsdingends Luise die Verleihung des städtischen Kulturpreises organisieren. Leider versäumt sie es, trotz ihres Studiums (!), zu überprüfen, ob denn der Veranstaltungsraum überhaupt noch frei ist. 

Deshalb meine Frage an SiN: hat wenigstens hier irgendjemand überprüft, ob diese Schrift auch in China erschienen ist und dort das " Konzept kosmischer Universalität" tatsächliche Relevanz besitzt? Oder - ob dies ein Pamphlet ist, welches hauptsächlich explizit für den Westen geschrieben wurde. Andocken soll an zerstörerische Denkmuster, die im Westen, und nur dort, befördert werden - und so die westlichen Gesellschaften noch schneller in die Selbst-Auflösung treiben sollen.

China ist eines der nationalistischsten Länder auf dem Planeten. Seit China in Afrika engagiert ist, erhalten die Menschen dort einen Einblick in die chin. Mentalität. In der Dokumentation "Chinesen in aller Welt", sagt die Kenianerin Hilda über den chin. Nationalstolz: "Chinesen lieben ihr Land über alles. Ich wünsche mir, wir würden unser Land auch so lieben." DAS ist es, was auch wir von China lernen sollten.

 

Laurenz

31. März 2021 14:11

@Lotta Vorbeck & Uodal

Danke Ihnen Beiden.

Es ist noch schlimmer, Lotta. Entgegen der Meinung von @Maiordomus braucht man überhaupt niemanden gelesen oder gar studiert zu haben, um zu wissen, was gut & richtig ist. Und das ist Maiordomus auch nur passiert, weil Er es versäumt hatte, den Faust zu lesen oder diesen zumindest zu verstehen.

Und natürlich können wir lesen, was chinesische Philosophen oder Chinesen generell zu sagen haben. Das ist wie "Der Relotius" lesen, nämlich tägliche Feindaufklärung.

Imagine

31. März 2021 15:09

1/2

@Martin Lichtmesz   31. März 2021 10:03
„China und die westlichen Globalisten sitzen doch schon längst in einem Boot und teilen sich die Erde auf.“

Nein, sie haben gemeinsame und antagonistische Interessen. Die USA wollen für sich die Weltherrschaft erhalten, China will eine andere Weltordnung, die nicht der kapitalistischen entspricht. Beide wollen keinen Weltkrieg und keinen Zusammenbruch der Weltökonomie, das ist ihr gemeinsames Interesse.

Um die Unterschiede zwischen den Gesellschaftsmodellen zu verstehen, braucht es Theorie. Der Kapitalismus braucht permanentes Wachstum, er muss immer neue Märkte erschließen und kann gar nicht anders, als als Imperialismus zu existieren. Daher auch die Weltkriege. Rosa Luxemburg hat dies wunderbar theoretisch ausgeführt.

Nur ist der US-NATO-Imperialismus durch die allgemeinen Fortschritte in der Waffentechnik (A-,B- und C-Waffen) nicht mehr in der Lage, hochgerüstete Großmächte wie Russland und China anzugreifen, kriegerisch zu besiegen und zu okkupieren.

Der Krieg zwischen den Großmächten verläuft daher als „Kalter Krieg“, als Wirtschafts-, Info-, Psycho-, Terror-, Migrations-, Sabotagekrieg etc., zum Teil auch mit modernen Bio-Waffen. Das ist hier jedoch nicht Thema. Die meisten haben davon keine Ahnung, wollen es auch gar nicht wissen, weil diese Realität ihnen Angst macht.

Imagine

31. März 2021 15:12

2/2

Im Gegensatz zum Kapitalismus ermöglicht das chinesische Modell eine nicht-imperialistische Postwachstumsgesellschaft. Hoffe, dass marxistisch gebildete Theoretiker wie Benedikt Kaiser diese Unterschiede erläutern.

Das macht in den Konsequenzen einen entscheidenden Unterschied. Der US-NATO-Imperialismus muss der gesamten Welt seine kapitalistische Konsum- und Vergeudungskultur aufzwängen, die mit Raubbau an Mensch und Natur einhergeht.

Das chinesische Modell benötigt und betreibt keinen Kulturimperialismus. Der KPCh geht es primär nur darum, dass sich China entwickelt und dass die Chinesen ihr chinesisches Leben in Wohlstand und Frieden leben können.

Die Kulturen von anderen Gesellschaften und Völkern wollen sie nicht zu „chinesischen“ machen, im Mittelpunkt ihrer Politik steht das eigene nationale Interesse.

Die USA hatten immer ein Interesse, dass Europa full spectrum „amerikanisiert“ wird, wirtschaftlich, politisch und kulturell. Das ist auch geschehen.

Heute ist von unserer deutschen Kultur ist im Vergleich zu meiner Jugendzeit kaum etwas übrig geblieben.

Die Deutschen sind amerikanisierte Menschen geworden, hinsichtlich „way of life“, Konsum-, Kleidungs-, Sprachgewohnheiten etc. Die meisten deutschen Frauen unterscheiden sich von der Mentalität nicht mehr von Amerikanerinnen.
 

t.gygax

31. März 2021 15:40

Ich kenne China nicht. Ich bin auch kein Sinologe, und die chinesische  Lyrik ( gefällt mir sehr gut) kann ich nur in Übersetzungen lesen ( Günter Debon und Manfred Hausmann sind da empfehlenswert). Aber ich habe vier Jahre lang einen guten Kontakt mit unserer chinesischen Nachbarsfamilie gehabt. Er sagte in fließendem Deutsch: "Ich bin nach Deutschland gegangen, weil man da kostenlos studieren konnte, was in den USA nicht möglich ist, weil ich hier promovieren konnte und an der Uni ( medizinische Fakultät ) ein Stelle bekommen habe, und weil ich Deutschland alles verdanke. China ist das korrupteste Land, das es gibt, ohne Bestechung läuft dort nichts". Er und seine Frau gaben ihrem Kind einen europäischen Namen ( Alexander), etwas, was ich bei Türken noch nie erlebt habe.

Es waren höfliche und angenehme Nachbarn, an die ich mich gerne erinnere ( in einem riesigen Wohnblock mit 50 Wohnungen, in denen die alten Eigentümer aussterben und die Neukommenden weder Deutsch sprechen, noch einen grüßen, sondern ihre bunte Vielfalt sehr elementar leben...was uns bewogen hat, für den Rest unseres Lebens eine winzige Hütte in Sachsen-Anhalt zu kaufen...)"Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar", um meinen Landsmann Friedrich von Schiller zu zitieren.

Laurenz

31. März 2021 16:14

@t.gygax

Gute Beschreibung, die sicher allgemein gültig ist, wenn man sich Schweizer Migranten-Zahlen nach Ethnien anschaut (in Deutschland verboten). 

Die Vietnamesen sind die erfolgreichste Minderheit im Westen. Hätten wir 2015 1,5 Mio. Vietnamesen anstatt Orientalen oder Afrikaner aufgenommen, stünden wir anders da.

Die Problematik hierbei wäre allerdings, daß dann auch die selbsternannten Eliten flux ausgetauscht würden (zB der Rundfunkrat), was aber gar nicht im Sinne dieser selbsternannten Eliten ist.

Gustav

31. März 2021 16:21

@ Imagine

"Der Kapitalismus braucht permanentes Wachstum..."

Nö, ist doch Quatsch! Es ist das Falschgeldsystem mit Zins, Zinseszins und Schöpfung aus dem Nichts. Das Geldsystem ist  imperialistisch, nicht der Kapitalismus.

„Der Sozialismus [...] ist nicht Wegbereiter einer besseren und schöneren Zukunft, sondern Zertrümmerer dessen, was Jahrtausende der Kultur mühsam geschaffen haben. Er baut nicht auf, er reißt nieder. Nach dem Erfolg seines Wirkens müßte man ihm den Namen Destruktionismus geben. Denn sein Wesen ist die Zerstörung. Er bringt nichts hervor, er zehrt nur auf, was die auf dem Sondereigentum an den Produktionsmitteln beruhende Gesellschaftsordnung geschaffen hat.  (L.v. Mises)

Und zwar zum Vorteil der Erfinder und Eigentümer des Geldsystems.

Sie schlagen ständig den Sack, nicht aber den Esel.

Gustav

31. März 2021 16:36

@ Imagine

Es ist eigentlich grundfalsch und irreführend, von einer marktwirtschaftlichen Ordnung als „Kapitalismus” zu sprechen. Die Ordnung eines freien Marktes ist kein „-ismus”, keine Doktrin oder dogmatische Utopie (wie der Sozialismus). Eine Marktwirtschaft ergibt sich immer und überall spontan, wo Menschen ohne Zwang und ohne willkürliche Gewaltanwendung ihren Bedürfnissen nach Existenzerhaltung und -gestaltung nachkommen dürfen. Dazu ist noch nicht einmal das Vordenken oder Formulieren einer liberalen Idee vonnöten. Marktwirtschaft ist keine „Erfindung” der klassischen oder liberalen Nationalökonomie, sondern nur deren Entdeckung.

Die Ausdrücke ,Kapitalismus‟ und ,kapitalistische Produktionsweise‟ sind Schlagwörter des politischen Kampfes. Sie sind von sozialistischen Schriftstellern geprägt worden, nicht um die Erkenntnis zu fördern, sondern um zu kritisieren, anzuklagen und zu verurteilen. [...] Begrifflich sind sie so unklar und vieldeutig, daß sie überhaupt keinen Erkenntniswert besitzen.

Gustav

31. März 2021 17:02

@ Imagine

Noch immer spukt auch in nichtsozialistischen Köpfen das Bild von Karl Marx als edelmütigem Kämpfer für die Befreiung der Unterdrückten, als ErsatzChristus der Gerechtigkeit für die Armen und Rechtlosen. Nichts ist von der Realität weiter entfernt als das. Die zeitgenössische Literatur zeigt – ebenso wie neuere Quellenforschungen – Marx als eine miese, krankhafte, haßvergiftete und heuchlerische Figur. Selbst seine ehemaligen Freunde (und er hatte fast nur „ehemalige”, weil keiner ihn längere Zeit ertragen konnte) beschreiben ihn angewidert als einen überheblichen Hohepriester, der sich als neuer Babeuf Massenschlächtereien mit der Guillotine ausdenken muß, weil er sie in der Realität nicht durchführen kann; als arroganten Zyniker,  der auf jede abweichende Meinung mit verletzendem Spott und Hohn reagiert.

Das traurige Kapitel über Marx als Person schließt man am besten mit dem Hinweis ab, daß Marx lange Jahre seines Lebens an schweren Abszessen an den unangenehmsten Körperstellen gelitten hat und dadurch auch geistig und charakterlich immer unangenehmer und menschenverachtender geworden ist. Vielleicht verdankt die Welt das eitrige Geschwür des Marxismus den eitrigen Geschwüren in der Marx‟schen Hose.

Laurenz

31. März 2021 17:31

@Gustav @Imagine

Ohne Imagine komplett in Frage zu stellen, stimme ich Ihnen zu, Sie haben das gut in Worte gefaßt. 

Der Zinseszins ist für lange Zeit kein Problem, wenn man eine ordentliche Notenbank-Politik, wie früher die Bundesbank oder jetzt noch die Schweizerische Nationalbank betreibt, d.h., nur ein kleines Inflationsziel von ca. 1-2% pro Jahr.

Ich beschreibe echtes Geld gerne als gespeicherte Arbeit. Wenn Sie diese gespeicherte Arbeit verleihen, muß zumindest eine Gebühr fällig werden, um vom Terminus Zins wegzukommen, aber letztendlich bleibt es dasselbe. Früher überließ man es den Banken, Bonitäten einzuschätzen, aber mittlerweile haben die Banken, zumindest die Europas, eine große Anzahl dieser teuren Kreditfachleute gefeuert, weil das sozialistische "EZB-Geschäft" mit viel weniger Personal vonstatten geht. Und auf diesem niedrigen Zinsniveau gibt es auch keinen Grund für die Banken wieder Kreditleute einzustellen, damit man der Kleinwirtschaft Kredite zu Verfügung stellen kann, wie eigentlich von der EZB gewünscht ist.

Martin Lichtmesz

31. März 2021 17:43

@Laurenz

"Das glauben Sie doch selbst nicht." - Die faktische Zusammenarbeit zwischen westlichen Globalisten und China ist eine dokumentierte Tatsache, der wir unter anderem die "Coronakrise" und die endlosen Lockdowns verdanken, die auf chinesische Desinformation zurückgeht, die von der WHO gestreut wurde. Klaus Schwab unterhält ein WEF-Büro in Peking, Vorsteher ist sein Sohn. China hat ein Interesse daran, den "Great Reset" zu nutzen, um zu einer futurischen Globalherrschaft zu gelangen, umgekehrt wäre der "Great Reset" unter dem Vorwand der Pandemiebekämpfung ohne die Mitarbeit Chinas nicht möglich.

Laurenz

31. März 2021 19:08

@Martin Lichtmesz @Laurenz

Es ist einfacher zu schauen, wer kein Büro in Peking hat.

Und, daß China entsprechende Vasallen im Westen unterhält, haben sie von wem gelernt?

Daß China ein Interesse am Reset hat, ist doch logisch, bei der Schulden-Situation.

Auch wenn Dirk Müller oft kurzfristig, als Bär, falsch liegt, ist die grundsätzliche politisch-ökonomische Einschätzung richtig, in dem Er sagt, daß an einem Reset, auch historisch, kein Weg vorbei führt, ob diese "Eliten" das nun wollen oder nicht. Das tatsächliche Problem am Reset sind vor allem die Geldvermögen der Reichen. Und von denen ist Schwab nur einer unter vielen. Privat-Milliardäre, wie Gates oder Soros, kann man auch ruhig aus dem Fokus nehmen. Im Vergleich zu institutionellen "mächtigen" Anlegern sind die Arme aus dem Kindergarten.

Nath

31. März 2021 19:28

Teil 1

Vorbemerkung:

Nach nochmaliger Lektüre des sellnerschen Artikels wurde mir klar, dass er eine Fülle wichtiger Gedanken enthält, was durch eine Kritik einzelner Formulierungen und Aussagen nicht in Abrede gestellt werden soll. Man könnte auch sagen, wenn ein Bultmann oder ein Binswanger Ansätze Heideggers für die Theologie/Psychologie nutzbar zu machen versuchten, besteht kein Grund, warum Sellner und andere dies nicht in Bezug auf politische Belange tun "dürfen". Nur muss man sich dann im Klaren sein, dass man die e n t s c h e i d e n d e n Motive dieses Denkens unberücksichtigt lässt bzw. in der Strudel weltanschaulicher Präferenzen hineinzieht. Es geht hier nicht um eine "korrekte" Heidegger-Philologie im Unterschied zu ein "unkorrekten", sondern darum, den Durchgang ins Offene nicht bereits von Beginn an zu verschütten.

Selner schreibt:

"Die realen Gefahren und Krisenpotentiale der modernen Technosphäre und des multikulturellen Bevölkerungsexperiments wurden seit langem von rechten Denkern wie Heidegger oder Spengler analysiert und erkannt."

 

Nath

31. März 2021 19:55

Teil 2

An dem ersten Teil des obigen Sellner-Satzes ist nichts zu beanstanden, wohl aber daran, Heidegger als "rechten Denker" zu bezeichnen. (Übrigens hat Heidegger Spenglers Ansatz aufs Schärfste abgelehnt.) (@Maiordamus hat auf diese unzutreffende Charakterisierung bereits hingewiesen. Schon Sloterdijks Forderung in der "Kritik der zynischen Vernunft", es komme darauf an, "eine heideggersche Linke" zu begründen, war ein Fehlgriff, und Analoges gilt für die Vereinnahmung durch die Gegenseite, die Sellner hier versucht.

K e i n  Denker, der diesen Namen verdient, ist jemals "rechts" oder "links", er hat genug damit zu tun, dem ihm Zugedachten zu entsprechen. Auch denkt er nicht "über" etwas nach, sondern "Denken" ist hier das Wort, das zum Ausdruck bringen soll, wie das Sich-Zeigende als Sinn "in die Verständlichkeit des Daseins hereinsteht." ("Sein und Zeit") Damit ist aber nicht etwa nur der neuzeitliche Subjektbegriff, sondern jede Orientierung am Seienden (sei es "subjektiv" oder "objektiv") destruiert. Damit aber ist auch jede Bestimmung des "Menschen" als einem v o r h a n d e n e n Lebewesen hinfällig geworden, sei sie antik, mittelalterlich oder neuzeitlich.  Auch die aristotelische Fassung des Menschen als zoon politikon (das auf das Gemeinwesen ausgerichtete Tier) fällt hierunter.

Nath

31. März 2021 21:04

Teil 3

Wohl aber können, wie oben angedeutet. gewisse E l e m e n t e  eines wesentlichen Denkens von verschiedenen weltanschaulichen Grundkonzeptionen für ihre Zwecke sozusagen in Dienst genommen werden. So kann man etwa Heideggers Begriff der Machenschaft rein anthropologisch-politisch und gleichsam als eine „ideologische Positionierung“ deuten, obwohl jene Machenschaft das Seyn selbst - und zwar in seinem menschenhaft zum Austrag gelangenden Unwesen - nennen soll, ein Geschehen, das bereits früh bei den Griechen mit dem Beginn der Metaphysik (Platon) anhebt. Hat man Letzteres nicht im Blick, greift alles Reden von einer "Kritik an der nihilistischen Moderne" seitens Heideggers zu kurz, was auch für folgenden Satz gilt:

 (Siehe Teil 4)

 

Nath

31. März 2021 21:22

Teil 4

"Gerade das deutsche Denken hätte hier vermittelst Heideggers unübertroffener Kritik am neuzeitlichen Subjekt eine wichtige ideengeschichtliche Aufgabe."

Wieder verengt Sellner die vermeintliche "Kritik" auf das neuzeitliche Subjekt, so als ob es sich etwa bei Descartes, Kant und Fichte um einen "subjektivistischen Fehlgriff" und laut Heidegger nicht vielmehr um eine seynsgeschichtliche Notwendigkeit handelte, an der kein Mensch "Schuld trägt", sondern die bereits durch die Wandlung der Wahrheit zur Richtigkeit bei den Griechen auf den Weg gebracht wurde. So aber kann der fatale Eindruck entstehen, man könnte einfach wieder zum mittelalterlichen Seelen- oder auch zum aristotelischen Geist-Begriff "zurückspringen" (etwas, was z.B. Dugin fordert. Originalton: "Ich hasse den Nominalismus."). 

Schließlich: Den "ideengeschichtlichen" Ansatz gälte es erst Recht hinter sich zu lassen. Darin bekundete sich der längst nicht überwundene Historismus des 19. Jahrhunderts, d.h. das Geschäft des Abgleichens vergangener "philosophischer Lehrmeinungen", was gerade nur zeigte, dass der gescholtene neuzeitliche Subjekt-Entwurf, damit aber auch der Anthropologismus, n i c h t überwunden wäre.

Laurenz

31. März 2021 22:53

@Nath

Mich würde interessieren, inwieweit auch nur ein Philosoph, von Heidegger bis Adorno auch nur eine wesentliche politische Entscheidung beeinflußt hätte....?

RMH

1. April 2021 09:22

@Laurenz,

direkte Mitwirkung an konkreten Einzelentscheidungen oftmals weniger, aber sie haben den Geist ganzer politischer Systeme erdacht, geschaffen und geebnet. Im konkreten klein-klein der Alltagsentscheidungen hat all dies Einfluss, gibt Motive für die Entscheidungen, schafft das Klima dafür oder bahnt es an, hilft, bei der Akzeptanz von Entscheidungen etc.

Politiker leben auch nicht abgekoppelt vom Geistesleben. Insofern ist ihr Einwand deutlich zu kurz gegriffen. Warum betreibt die Sezession denn Metapolitik? Was ist Metapolitik groß anderes als Philosophie?

Uodal

1. April 2021 10:37

Natürlich hat M.L. Recht und Laurenz Unrecht. Ohne die westl. Unterstützung, vor allem der USA, hätte China diesen Aufstieg nie geschafft. Hier nur einige Namen von Aktivisten wie z.B. Israel Epstein, Ruth Weiss u. Richard Stein aus Wien oder Mǎ Hǎidé, geb. George Shafik Hatem, libanesisch-amerikanischer Abstammung. Dazu die offizielle Unterstützung der USA seit Kissinger, der Nixon dazu brachte, am 25. 2. 1971 die sog. Nixon-Doktrin zu unterzeichnen, um Chinas Position in Südost-Asien zu  stärken. Von dem darauf folgenden Shanghai-Kommuniqué profitierten insbesondere Handel und Industrie Chinas. Amerikanische Experten wurden nach China geschickt, die dies garantieren sollten. Sachverhalte die erst Trump teilweise wieder rückgängig machte.

Aber - dieser Hinweis von mir ist genau so Korinthenkackerei wie Laurenz' Kommentar.
Warum? Weil das alles für uns völlig unerheblich ist.

M.L.'s Text bestand aus zwei Teilen. Auf den ersten, nebensächlichlichen, ging Laurenz ein. Viel wichtiger für uns ist aber der zweite Hinweis M.L.'s, nämlich daß Rechte auf die Propaganda eines chin. Staatsphilosophen hereinfallen. Warum fallen sogar Rechte darauf herein? Weil - u. das ist der Punkt - Universalismus, die Ablehnung jeder Binnenmoral, die Bevorzugung einer universellen Moral tief - d.h. genetisch - in uns verankert sind.
Und jede globalistische Ideologie, die dies noch zusätzlich verstärkt, uns zersetzt, also tödlich für uns ist. China ist der zweite Player, der dies jetzt weiß.

 

Laurenz

1. April 2021 14:32

@Uodal (1)

"Natürlich hat M.L. Recht und Laurenz Unrecht."

Bin zwar kein China-Experte, außer den bekannten historischen Fakten, aber in Asien kenne ich mich gut aus, war also schon oft dort. 

Ihre Stärkung Chinas durch Nixon, war der Konkurrenz zur Sowjetunion geschuldet. Seinerzeit unterstützten die Chinesen die Roten Khmer & die Sowjetunion den Gegner der Roten Khmer, die Vietnamesen, gegen die Nixon gerade Krieg führte. Heute ist es auf Seiten der USA umgekehrt, die Vietnamesen haben einen navalen Militärstützpunkt der Amis zugelassen, weil sie immer noch vor China Angst haben. Vor den Franzosen hatten die Chinesen die territoriale Kontrolle über Indochina, und man hat nicht 30 Jahre Krieg gegen Frankreich & die USA geführt, damit die Chinesen wieder übernehmen, was aber ökonomisch bereits der Fall ist.

Sie lesen leider meine Beiträge nicht, in China und in ganz Ostasien besitzt kein ausländischer Investor Grund & Boden. So groß ist das Mißtrauen gegen den Westen, welches auch nicht unbegründet ist. Mao schmiß ausnahmslos alle Ausländer raus, insbesondere die Nachkommen der Opiumbarone.

Laurenz

1. April 2021 14:33

@Uodal (2)

Auch wir Deutschen haben immer noch ein Budget im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit zugunsten Chinas, einfach, damit wir auch offiziell schmieren können, was verhindert, daß die Geschmierten im Stadion öffentlich erschossen werden. Unter Obama wurde die größte Truppenkonzentration um China nach dem Zusammenbrauch des Warschauer Pakts aufgebaut. Daran hat auch Trump nicht groß gerüttelt. China untergräbt diametral die Sanktions-Politik der USA, siehe gerade wieder aktuell, der Iran.

Daß China, mit Geld die WHO oder sonstwen unterwandert hat, war nicht schwer, da Trump die Zahlungen mehr oder weniger einstellte. China ist mit über 1.000 Milliarden US$ in US-Staatsanleihen investiert & damit der größte Auslandsgläubiger der USA, es waren auch schon mal über 3.000 Milliarden. Also Geld um Interessenvertreter Chinas zu schmieren, hat China genug.

Uodal, Sie haben ein paar Namen aus der 4ten oder 5ten Reihe genannt, & einen aus der ersten. Damit hatte sich Ihre Argumentation erledigt. Das ist, wie bei ML, als Argumentationsbasis äußerst dürftig. Sie verstehen daher, daß bisher Sie & ML die Debatte verloren haben.

Laurenz

1. April 2021 14:39

@RMH

"aber sie haben den Geist ganzer politischer Systeme erdacht, geschaffen und geebnet. Im konkreten klein-klein der Alltagsentscheidungen hat all dies Einfluss."

Das behaupten Sie so, ich bezweifle es. 

Ich wäre vor allem daran interessiert, ob zuerst die Henne oder das Ei war. Persönlich gehe ich davon aus, daß in den Logen des 19. & 18. Jahrhunderts längst die Vorstellungen Ihrer politischen Systeme formuliert waren. Irgendein philosophischer Hinz & Kunz mußte das dann in der intellektuellen Öffentlichkeit verkaufen, die aber so klein ist, daß es sowieso keine Rolle spielte. Mir fehlen bei Ihrem Beitrag einfach die Fakten, RMH. Das ist hier keine Frage den mangelnden Vertrauens gegen Sie, RMH.

RMH

1. April 2021 15:25

@Laurenz,

wir kommen in der Diskussion nicht weiter, da es nicht nur das Henne/Ei Thema ist, sondern auch, wo fängt der Philosoph an und wo hört der Politiker auf und umgekehrt?

Konkrete Beispiele:

Marc Aurel galt als Philosophenkaiser. Von Lenin sind philosophische Hefte in seiner Werkausgabe enthalten. Da lassen sich bestimmt noch viele weitere finden.

Last but not least, in angelsächsischen Ländern ist das berühmte PPE ein sehr häufiger Studiengang, den nachfolgende Politiker studiert haben.

Uodal

1. April 2021 16:12

@Laurenz

die folgende ist keine inhaltliche Antwort, sondern eine im Geiste der misericordia oder der karuna.

Ihre Bemerkungen 1 u. 2 sind vollkommen korrekt.

Alles richtig soweit. Nur - um die erwähnten Tatbestände geht es eben gar nicht. Es geht nicht um irgendein kleinklein, welches Reiskorn hat Mao an welchem Tag mit welchem Stäbchen gegessen oder ein "ich weiß es, ich weiß es". Auch ist richtig, daß ältere Leute oft kindisch werden und sich wie kleine Schulbüblein freuen: "ich hab gewonnen, mein Popel ist größer als deiner!"

Worum es geht, ist die Feststellung und die sich daran anschließende Frage, warum wir im Westen auf einen verbrämten chin. Universalismus "Alles unter einem Himmel" hereinfallen. Was macht das Konzept interessant für uns, an was kann es andocken?

Die Antwort darauf kann uns helfen zu verstehen, warum "Konservative immer verlieren", warum die AfD in der Corona Krise nicht profitiert - obwohl genau dies auf diesem Blog prophezeit wurde ! Warum ist das nicht eingetreten? Wieso können andere uns besser einschätzen, als wir uns selbst - und uns so seit Jhdt. manipulieren?

Der Universalismus, altgriech. "Oikumene", die Ablehnung der als Zumutung empfundenen Begrenztheit liegt uns in den Genen. Dies hat uns befähigt, im Wortsinn Grenzen, wissenschaftlicher, räumlicher, theologischer Art zu überwinden und uns so an die Weltspitze gebracht. In der Hand unserer Feinde, als Waffe gegen uns gerichtet, ist es tödlich.

Laurenz

1. April 2021 18:25

@Uodal @Laurenz

"Ich hab gewonnen, mein Popel ist größer als Deiner!"

Exakt, Uodal, das Prestige der USA & ihrer 3 Außenministerien, Geheimdienst, Army/Navy & das tatsächliche Außenministerium zu konterkarieren, & zu untergraben, kann sich wer erlauben? Wir haben, wenn Sie Sich erinnern, deswegen 2 Weltkriege verloren. Das bezeichnen Sie alles als Pappenstiel? 

Lesen Sie den letzten Beitrag von Flaneur @RMH, im Artikel  https://sezession.de/64131/alles-unter-dem-himmel-eine-rezension

welcher aufzeigt, daß die chinesische Entwicklungshilfe der westlichen -, welche trotz Globalismus immer noch in der Kolonialzeit hängen geblieben ist, in der Effizienz überlegen ist.

Wer außer China hat die Traute & kann in Erwägung ziehen, einen 2ten & größeren Panama-Kanal zu bauen?

Und dann kommen Sie mit ML angetänzelt, zählen ein paar Leute in der WHO oder sonstwo auf, die sich von China haben erfolgreich schmieren lassen & ziehen daraus hanebüchene Schlußfolgerungen.

Wenn Sie alle den Artikel MS' richtig gelesen hätten, würden Sie feststellen, daß MS schlicht das philosophische Verkaufsprospekt der Chinesen in den Raum stellt & directement BK eine Rezension hinlegt, die sich keiner aus den Fingern saugt, tatsächlich einer schöner Coup de Forum.

Laurenz

1. April 2021 18:31

@RMH @Laurenz

Neulich erwähnte ich, daß ich Francis Bacon mag, als Philosophen, trotzdem er nie Erfolg damit hatte, als Politiker hingegen zeitweise schon.

Was bringt es, wenn alle eine philosophische Ausbildung genießen, um sich nachher doch nur an Machiavelli zu orientieren?

Alle liberalen Asis, die heute arbeiten gehen, waren auch mal im Sozialkunde-Unterricht, und trotzdem agieren sie politisch asozial.

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