Ehre und Vaterland: Der Aufruf der Generäle

Im April warnten zwanzig Generäle im Ruhestand die französische Regierung in einem offenen Brief vor einem kommenden Bürgerkrieg.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Sie for­der­ten Prä­si­dent Macron auf, die­ser dro­hen­den Eska­la­ti­on, ver­ur­sacht durch mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­sche Poli­tik und “Lasch­heit”, end­lich durch har­tes Durch­grei­fen vor­zu­beu­gen. Andern­falls wür­den im Fal­le eines Staats­kol­lap­ses Tei­le der Armee auf eige­ne Faust ein­grei­fen müs­sen, um die Ord­nung wiederherzustellen.

Letz­te­rer Punkt wur­de den Ver­fas­sern als “Andro­hung eines Put­sches” ange­krei­det, ein Ver­dacht, der auch durch das Datum der Ver­öf­fent­li­chung genährt wur­de: Der Appell, der bis­lang von über 10,000 akti­ven und ehe­ma­li­gen Sol­da­ten unter­zeich­net wur­de, erschien am 21. April 2021, dem sech­zigs­ten Jah­res­tag des Putsch­ver­su­ches von vier Gene­rä­len in Algier gegen Staats­prä­si­dent Charles de Gaul­le, weil die­ser Alge­ri­en in die Unab­hän­gig­keit ent­las­sen wollte.

Wenig über­ra­schend reagier­te das poli­ti­sche Estab­lish­ment Frank­reichs empört und gereizt. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Flo­rence Par­ly ver­ur­teil­te den Appell (ver­öf­fent­licht in der kon­ser­va­ti­ven Wochen­zei­tung Val­eurs actu­el­les) und droh­te umge­hend mit juris­ti­schen Sank­tio­nen. Die deutsch­spra­chi­ge Pres­se berich­te­te dar­über etwa hier und hier, die Jun­ge Frei­heit hat einen der Initia­to­ren inter­viewt (hier). 

Ohne Zwei­fel kann man davon aus­ge­hen, daß die­se War­nung erheb­li­ches Gewicht hat und nicht leicht­fer­tig aus­ge­spro­chen wur­de. Wer in den letz­ten Jah­ren die Stim­men von Ren­aud Camus, Richard Mil­let, Lau­rent Ober­to­ne, Jean Ras­pail, Guil­laume Faye, Eric Zem­mour, Alain Fin­kiel­kraut, Michel Hou­ell­becq und ande­ren zur fata­len, gewalt­träch­ti­gen Lage in Frank­reich gehört hat, wird das Bild, das der Auf­ruf zeich­net, kaum für über­trie­ben halten.

Wäh­rend “Coro­na” im letz­ten Jahr alle ande­ren Pro­ble­me zu über­schat­ten schien, erle­ben wir nun, wie alte eth­ni­sche Kon­flik­te wie­der mit vol­ler Wucht auf­flam­men. Die erneu­ten Aus­brü­che isla­mis­ti­scher Gewalt im Okto­ber letz­ten Jah­res erin­ner­ten dar­an, daß das fran­zö­si­sche Pul­ver­faß noch lan­ge nicht ent­schärft ist.  Zwei Wochen vor der Ent­haup­tung des Leh­rers Samu­el Paty ver­kün­de­te Macron  in einer Rede, Frank­reich müs­se mit einem “repu­bli­ka­ni­schen Erwa­chen” und einem “repu­bli­ka­ni­schen Patrio­tis­mus” den “isla­mi­schen Sepa­ra­tis­mus” bekämp­fen, eben­so wie alle ande­ren Sepa­ra­tis­men, die die Ein­heit der Nati­on gefährden.

Dem Auf­ruf der Gene­rä­le, den man­che als sepa­ra­tis­ti­sches Don­ner­grol­len inter­pre­tier­ten, ging die Ermor­dung einer Poli­zis­tin vor­an, die im April von einem ille­ga­len Ein­wan­de­rer aus Tune­si­en ersto­chen wur­de. Als es im Mai zu einer erneu­ten krie­ge­ri­schen Eska­la­ti­on im Gaza­strei­fen kam, pro­tes­tier­ten tau­sen­de Ara­ber auf Frank­reichs Stra­ßen gegen die israe­li­sche Poli­tik. Der Staat erach­te­te dies als eine der­art erns­te Gefähr­dung der öffent­li­chen Ord­nung, daß er sämt­li­che pro-paläs­ti­nen­si­schen Demons­tra­tio­nen ver­bot. Dazu hat­te er gewiß guten Grund, denn ähn­li­che Pro­tes­te die­ser Art haben im letz­ten Jahr­zehnt immer wie­der zu Gewalt­aus­brü­chen und anti­jü­di­schen Über­grif­fen geführt.

Und so kann ich sagen, daß auch mein im Herbst letz­ten Jah­res erschie­ne­nes Buch Eth­nop­lu­ra­lis­mus trotz “Coro­na” aktu­ell bleibt. Es ent­hält einen län­ge­ren Abschnitt über den “Uni­ver­sa­lis­mus der fran­zö­si­schen Nati­on”, der hel­fen könn­te, Licht auf die gegen­wär­ti­gen Vor­gän­ge zu werfen.

Der Zer­fall Frank­reichs fin­det par­al­lel zum Zer­fall der USA statt, den ich auf die­sem Blog lau­fend kom­men­tiert habe. Bei­de Natio­nen (Frank­reich ver­stan­den als die Nati­on von 1789) sind etwa zeit­gleich, als mit­ein­an­der ver­floch­te­ne poli­ti­sche Früch­te der Auf­klä­rung ent­stan­den. Bei­de schei­tern heu­te (trotz aller his­to­ri­schen Unter­schie­de) an dem­sel­ben Anspruch, näm­lich eine uni­ver­sa­lis­ti­sche Staats­kon­zep­ti­on auf Bevöl­ke­rungs­tei­le aus­zu­deh­nen, denen dafür die eth­no­kul­tu­rel­len Grund­la­gen und Vor­aus­set­zun­gen feh­len. Ein Zuviel an “Diver­si­tät” sprengt das Gefüge.

In bei­den Fäl­len zer­brö­selt die natio­na­le Ein­heit ent­lang einer Ras­sen- und Kul­tur­fra­ge: In den USA schei­tert, 150 Jah­re nach dem Sezes­si­ons­krieg, die Inte­gra­ti­on vor allem der Afro­ame­ri­ka­ner, in Frank­reich vor allem die Inte­gra­ti­on der ara­bi­schen Mus­li­me. In den USA sind Skla­ve­rei und Ras­sen­se­gre­ga­ti­on die his­to­ri­schen Nega­ti­va, mit denen die über­lie­fer­te natio­na­le Iden­ti­tät madig gemacht und zer­setzt wird, in Frank­reich ist es der Kolo­nia­lis­mus. Auch dies spre­chen die Gene­rä­le in ihrem Auf­ruf an.

Die Crux an der Sache zeigt sich, wenn sie jene Men­schen als Vor­bil­der anprei­sen, “die über Jahr­hun­der­te hin­weg unab­hän­gig von ihrer Haut­far­be oder ihrem Glau­ben Frank­reich gedient” haben. Die gro­ße Mehr­zahl die­ser Men­schen, die in der Ver­gan­gen­heit die “gloire” des fran­zö­si­schen Vater­lan­des gemehrt haben, war aller­dings von wei­ßer Haut­far­be und ent­we­der christ­lich oder auf­ge­klärt-säku­lar ori­en­tiert. Zu die­sem “Ruhm” gehö­ren im Guten wie im Schlech­ten auch die Taten der Kolo­ni­sa­ti­on, die unter uni­ver­sa­lis­ti­schen Vor­zei­chen als zivi­li­sa­to­ri­sche Mis­si­on der fran­zö­si­schen Nati­on betrie­ben wurde.

Es liegt auf der Hand, daß die aus Schwarz- und Nord­afri­ka stam­men­den heu­ti­gen citoy­ens des Lan­des die­se Geschich­te erheb­lich anders sehen und bewer­ten. Hin­zu kommt die Wühl­ar­beit der Lin­ken, die aus dem Kolo­nia­lis­mus einen “Schuld­kult” geformt hat, ana­log zur ideo­lo­gi­schen Rol­le des “Holo­caust” in Deutsch­land und der Skla­ve­rei und der India­ner­krie­ge in den USA. Und genau­so wie in den USA wer­den dadurch unab­läs­sig die Res­sen­ti­ments der “Far­bi­gen” gegen­über den “Wei­ßen” gefüt­tert, was einen stei­gen­den Ras­sen­haß auf der einen und einen Ras­sen­selbst­haß auf der ande­ren Sei­te zur Fol­ge hat.

Neben dem isla­mi­schen Sepa­ra­tis­mus und der ideo­lo­gi­schen Zer­set­zung durch die poli­ti­sche Lin­ke nen­nen die Ver­fas­ser des Mani­fests noch einen drit­ten wich­ti­gen Punkt, der den Zer­fall der Nati­on beschleu­nigt hat: Den Ver­rat der herr­schen­den Eli­ten an jenen petits blancs (“die klei­nen Wei­ßen”), die als “Gel­be Wes­ten” einen vehe­men­ten und hart­nä­cki­gen “popu­lis­ti­schen” Pro­test auf die Stra­ßen gebracht haben, der vom fran­zö­si­schen Staat auch ent­spre­chend hart bekämpft wurde.

Den Flut­wel­len der lin­ken Iden­ti­täts­po­li­tik und des Isla­mis­mus wol­len die rebel­li­schen Gene­rä­le ein Boll­werk klas­sisch-repu­bli­ka­ni­scher Stan­dards ent­ge­gen­stel­len, wie es auch Macron zumin­dest sei­nen Lip­pen­be­kennt­nis­sen nach zu tun beab­sich­tigt. Was aber wäre die Lösung für die Pro­ble­me, die sich aus der demo­gra­phi­schen Auf­lö­sung der fran­zö­si­schen Nati­on erge­ben? Erzwun­ge­ne Völ­ker­ver­mi­schung, erhöh­ter kul­tu­rel­ler Assi­mi­la­ti­ons­druck, stren­ge­re Unter­wer­fung unter das repu­bli­ka­nisch-lai­zis­ti­sche Gesetz? Das hat man ver­sucht, das ist geschei­tert, dazu ist es zu spät. In die­ser Lage wäre die Remi­gra­ti­on gro­ßer Bevöl­ke­rungs­grup­pen wün­schens­wert, ist aber so gut wie undurch­führ­bar. Die Tra­gö­die scheint vorprogrammiert.

Eine von dem TV-Sen­der LCI in Auf­trag gege­be­ne Umfra­ge vom 28. 4. 2021 brach­te fol­gen­des Ergebnis:

  • 58% der Befrag­ten, also mehr als die Hälf­te (sechs von zehn Fran­zo­sen), sym­pa­thi­sie­ren mit der Peti­ti­on der Gene­rä­le, wobei nicht jeder Sym­pa­thi­sant allen Punk­ten zustimmt.
  • 86% sind der Mei­nung, daß es in Frank­reich No-Go-Zonen gibt, in denen die Geset­ze der Repu­blik nicht gelten.
  • 84% sehen eine Zunah­me der Gewalt.
  • 74% sind der Mei­nung, daß der Anti­ras­sis­mus das Gegen­teil des Ange­streb­ten bewirkt, also ein Anstei­gen des Rassismus.
  • 73% sind der Mei­nung, daß das Land inner­lich zerfällt.
  • 49% wür­den ein eigen­mäch­ti­ges Ein­grei­fen der Armee begrü­ßen, falls die inne­re Sicher­heit nicht mehr anders her­ge­stellt wer­den kann.

Das beauf­trag­te Insti­tut resümmierte:

Im Gro­ßen und Gan­zen tei­len die Fran­zo­sen die Ein­schät­zung der Lage durch die Gene­rä­le. Auch wenn die Inten­si­tät der Reak­tio­nen vari­iert und sich poli­ti­sche Zwi­schen­tö­ne bemerk­bar machen, sind die Mei­nungs­ab­wei­chun­gen ins­ge­samt nur gering (abge­se­hen von der Fra­ge nach einer “auto­no­men” Inter­ven­ti­on der Armee). Wie zu erwar­ten, stim­men die Sym­pa­thi­san­ten des Ras­sem­ble­ment Natio­nal und der Repu­bli­ka­ner den Aus­sa­gen der Mili­tärs beson­ders vehe­ment zu.

Im fol­gen­den also der gesam­te Text des offe­nen Brie­fes in deut­scher Übersetzung.

– – –

Auf­ruf zur Wie­der­her­stel­lung der Ehre unse­rer Regierenden

Sehr geehr­ter Herr Präsident,
Sehr geehr­te Damen und Her­ren von der Regierung,
Sehr geehr­te Damen und Her­ren Parlamentarier,

Eine schwe­re Schick­sals­stun­de hat geschla­gen. Frank­reich steht auf dem Spiel, bedroht von meh­re­ren töd­li­chen Gefah­ren. Ange­sichts der gegen­wär­ti­gen Umstän­de kön­nen wir, die wir auch im Ruhe­stand Sol­da­ten Frank­reichs geblie­ben sind, nicht län­ger gleich­gül­tig gegen­über dem Schick­sal unse­res schö­nen Lan­des bleiben.

Unse­re Tri­ko­lo­re ist mehr als nur ein Stück Stoff. Sie sym­bo­li­siert die Tra­di­ti­on derer, die über Jahr­hun­der­te hin­weg unab­hän­gig von ihrer Haut­far­be oder ihrem Glau­ben Frank­reich gedient und ihr Leben geop­fert haben. Auf die­sen Flag­gen ste­hen in gol­de­nen Let­tern die Wor­te “Hon­neur et Patrie” – „Ehre und Vater­land“. Unse­re Ehre besteht heu­te dar­in, den Zer­fall unse­res Lan­des anzuprangern.

- Einen Zer­fall, ver­ur­sacht durch eine bestimm­te Art des Anti­ras­sis­mus, der dem allei­ni­gen Zweck dient, auf unse­rem Boden Miß­trau­en, ja sogar Haß zwi­schen den Bevöl­ke­rungs­grup­pen zu säen. Mit­hil­fe von Ras­sen­theo­rien und Begrif­fen wie Indi­ge­nis­mus und Deko­lo­ni­sa­ti­on stre­ben sei­ne haßer­füll­ten und fana­ti­schen Unter­stüt­zer einen Ras­sen­krieg an. Sie ver­ach­ten unser Land, sei­ne Tra­di­tio­nen und sei­ne Kul­tur, und sie wol­len es auf­lö­sen, indem sie es sei­ner Ver­gan­gen­heit und sei­ner Geschich­te berau­ben. In der Gestalt von Denk­mä­lern grei­fen sie den mili­tä­ri­schen und zivi­len Ruhm ver­gan­ge­ner Zei­ten an, wäh­rend sie alt­ehr­wür­di­ge Wor­te auseinandernehmen.

- Einen Zer­fall, ver­ur­sacht durch den Mob der Vor­städ­te und den Isla­mis­mus, durch den wei­te Tei­le der Nati­on abge­spal­ten wur­den, um sie in Gebie­te zu ver­wan­deln, deren herr­schen­de Dog­men im Wider­spruch zu unse­rer Ver­fas­sung ste­hen. Da jedoch ein jeg­li­cher Fran­zo­se, sei er gläu­big oder nicht, über­all in Frank­reich zu Hau­se ist, kann und darf es kei­nen Ort und kei­nen Bezirk geben, in dem die Geset­ze der Repu­blik nicht gelten.

- Einen Zer­fall, ver­ur­sacht durch Auto­ri­tä­ten, die ange­sichts der ver­zwei­fel­ten Demons­tra­tio­nen der gel­ben Wes­ten den Haß über die Brü­der­lich­keit stell­ten und die hier­für die Ord­nungs­kräf­te als Hand­lan­ger und Sün­den­bö­cke miß­brauch­ten, wäh­rend gleich­zei­tig Pro­vo­ka­teu­re und Ver­mumm­te Geschäf­te plün­der­ten und eben die­se Ord­nungs­kräf­te bedroh­ten. Dabei haben die Letz­te­ren ledig­lich die – zuwei­len wider­sprüch­li­chen – Anwei­sun­gen befolgt, die Sie, die Regie­ren­den, ihnen erteilt haben.

Die Gefah­ren wer­den immer grö­ßer, die Gewalt nimmt von Tag zu Tag zu. Wer hät­te vor zehn Jah­ren zu pro­phe­zei­en gewagt, daß in unse­rem Land eines Tages ein Leh­rer vor sei­ner Schu­le ent­haup­tet wer­den wür­de? Wir, die Die­ner der Nati­on, die gemäß unse­rem mili­tä­ri­schen Stand immer schon bereit waren, unse­ren Kopf zu ris­kie­ren, kön­nen nicht län­ger pas­si­ve Zuschau­er die­ser Vor­gän­ge bleiben.

Die­je­ni­gen, die unser Land regie­ren, haben des­halb die unbe­ding­te Pflicht, den Mut auf­zu­brin­gen, der erfor­der­lich ist, um die­se Gefah­ren zu besei­ti­gen. Dabei wür­de es häu­fig schon aus­rei­chen, die bereits bestehen­den Geset­ze ohne Schwä­cheln durch­zu­set­zen. Ver­ges­sen Sie nicht, daß eine gro­ße Mehr­heit unse­rer Mit­bür­ger eben­so wie wir kei­ne Geduld mehr mit Ihrem Zau­dern und ihrem schuld­be­wuss­ten Schwei­gen hat.

Wie Kar­di­nal Mer­cier, der Pri­mas von Bel­gi­en, sag­te: “Wer immer vor­sich­tig ist, ist nie­mals mutig. ” Nun denn, unse­re Damen und Her­ren: Genug des Zau­derns, die Lage ist ernst, die Arbeit, die vor Ihnen liegt, ist gewal­tig; ver­schwen­den Sie kei­ne Zeit mehr und sei­en Sie ver­si­chert, daß wir bereit sind, poli­ti­sche Maß­nah­men zu unter­stüt­zen, die den Schutz der Nati­on ins Auge fassen.

Wenn jedoch wei­ter­hin nichts unter­nom­men wird, wird die Lasch­heit der Gesell­schaft, die sich unauf­halt­sam aus­brei­tet, letz­ten Endes zu einer Explo­si­on und zu einer Inter­ven­ti­on unse­rer akti­ven Kame­ra­den füh­ren, die eine gefähr­li­che Mis­si­on zum Schutz unse­rer zivi­li­sa­to­ri­schen Wer­te und unse­rer Lands­leu­te auf dem natio­na­len Boden antre­ten werden.

Man sieht, daß wir kei­ne Zeit mehr für Zau­de­rei­en haben, denn sonst wird mor­gen der Bür­ger­krieg die­sem wach­sen­den Cha­os ein Ende set­zen, und die Opfer­zah­len der Toten, für die Sie die Ver­ant­wor­tung tra­gen wer­den, wer­den in die Tau­sen­de gehen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (36)

Dietrichs Bern

28. Mai 2021 08:21

Naja, wer die "Partyszene" der "erlebnisorientierten" mal Leibhaftig gesehen hat, weiß was auch hier blüht. Mutmaßlich wird es keine langen Ankündigungen geben, es reicht, wenn bei solchen Gelegenheiten mal eine Schusswaffe im Handgemenge abhanden kommt und jemand getroffen wird und der Menge ihre zahlenmäßige Überlegenheit bewusst wird.

Die Zustände in Frankreich sind sicher noch deutlich schlimmer, aber wir arbeiten ja daran, Rückstände aufzuholen.

 

Schwarzseher

28. Mai 2021 09:26

Wer hat gesagt das die Früchte der Aufklärung zum Wohle der weissen Europäer, oder erst recht der ethnischen Gemeinschaften reifen sollten? Die Nation als Freimaurerprojekt war von Beginn an eine Lüge für die Massen. Die Nation wurde erfunden um das Christentum die europäischen Werte, Gemeinschaften, gewachsene Völker und Reiche zu zerstören. Vor allem jetzt im Jahre 2021 zu jammern die Nation würde zerfallen und aufgelöst werden ist einfach lächerlich. Wie dumm sind diese Helden? Oder wird eher das Volk wieder für dumm verkauft. Davon wird seit Jahrzehnten gesprochen und aktiv daran gearbeitet. Wenn sich Malocher wundern dann mag das aufrichtig sein. Aber was dachten diese Sytemtypen, dass in ihren Logen nur Späßchen gemacht werden? Die "Nationsgemeinschaft" war eine künstliche Krücke, auf denen die Völker solange stehen sollten bis alle natürlich gewachsenen Wurzeln gnadenlos herausgerissen werden konnten. Und jetzt wird auch diese Krücke als solche offenbart und entfernt, damit ganz im Sinne der Aufklärung das Individuum ohne jedwede Gemeinschaft frei dastehen kann. Soll das Gejammer der Weissen über Gewalt und Kriminalität unsere Elite und die Herren des Geldes interessieren? Und das ganze Aufklärungsprojekt wird wieder zurückgedreht?

Franz Bettinger

28. Mai 2021 10:57

Einen Putsch droht man nicht an, man führt ihn durch. Ich fürchte, mit dieser Androhung hat man ihn bereits verloren. Hat es in der Geschichte jemals eine ähnliche Androhung gegeben, und hat es funktioniert? Kann mich nicht entsinnen. 

Laurenz

28. Mai 2021 11:30

@ML

Die Analyse ist trefflich, nicht zu lang, finde es gut. Allerdings sind die Schlußfolgerungen aus meiner Sicht in einem Punkt falsch. Ein Putschist putscht & schreibt keine Briefe an die Regierung, die er wegputschen will. Ich sehe ich pure Verzweiflung auf einem bereits verlorenen Posten. Nur der politische Exzess bringt im Westen Veränderung.

No-Go-Areas sind der falsche politische Begriff. Es sind autonome Gebiete, die sich immer bei Einwanderung bilden. Das war aber historisch schon immer so & ist überall in Europa zu erwarten. Auch, was die antisemitischen Übergriffe in Frankreich angeht, immerhin leben da um die 800k Juden, so tragen die in der französischen Linken organisierten Juden (berühmtestes Beispiel Strauss-Kahn) ihren Anteil an der Misere. Manche mögen auch behaupten, das sei Teil der Einwanderungspolitik Israels.

Was die neo-liberalistischen oder linken Kräfte des Westens, zu denen auch Macron oder die Staatsratsvorsitzende zählen, anscheinend nicht wahrnehmen, ist die geo-strategische Entwicklung. Die weitere Schwächung des Westens, die im Artikel beschrieben ist, beschleunigt auch die eigene Entmachtung im globalen Maßstab im Verhältnis zu Asien ohne Rußland.

Laurenz

28. Mai 2021 11:36

@Schwarzseher

Was ist daran falsch, das Christentum "zerstören" zu wollen? Auf einer geistigen Ebene stehe ich auch dazu, meinen kleinen Teil dazu beizutragen, einfach schon deswegen, weil ich etwas gegen morgenländische Kultur im Abendland habe. Worauf ich Sie aufmerksam machen möchte, ist der innere (ideologische) Widerspruch bei vielen intellektuellen Konservativen, wie zB ML, dem Autoren.

(Im katholischen Frankreich ist der Prozeß der Desintegration der Kirche zum Glück bereits weiter fortgeschritten, weil es in Frankreich, außer Elsaß-Lothringen, keine Kirchensteuer gibt.)

Um sich gegen das Einwandern orientalischer Werte politisch auszudrücken, will man quasi den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Das ist, zumindest aus philosophischer Sicht, völlig sinnentleert.

Es ist auch immer wieder interessant, daß dieser innere "ideologische" Konflikt, bei den ansonst guten ML-Artikeln offenbar wird.

Der_Juergen

28. Mai 2021 12:13

Ich hatte gestern nacht einen wunderschönen Traum. Ein General Martin Westbruch hat, gestützt auf eine kleine, aber zuverlässige Schar patriotischer Offiziere, in Deutschland die Macht ergriffen, die führenden Exponenten der Elite verhaftet, alle Fernseh- und Rundfunkstationen sowie Zeitungsredaktionen besetzt und eine "Regierung der nationalen Rettung" ausgerufen. Washington teilte sogleich mit, aufgrund der schwierigen innenpolitischen Lage in den USA werde man sich nicht in innerdeutsche Angelegenheiten einmischen; Moskau reagierte zurückhaltend wohlwollend; aus Paris traf ein Glückwunschtelegramm seitens des Rats der Nationalen Einheit ein, der kürzlich die Macht ergriffen hatte; unwilliges Protestgemurmel ertönte nur in Jerusalem und Warschau. 

Doch dann riss mich der Wecker unsanft aus dem Schlaf, und ich kapierte bestützt, dass ich wieder in der realen Welt gelandet war.

RMH

28. Mai 2021 12:13

Wenn man die Dialektik oder den Schwarz-Hegelianismus, den die Mächtigen betreiben, einmal durch spekuliert, dann wird es in der französischen Armee mindestens zu den Säuberungen kommen, die wir hier bei der Bundeswehr schon seit einiger Zeit ganz ohne solche Erklärungen erleben.

Gracchus

28. Mai 2021 13:07

Schwarzseher hat, was die unselige Rolle der Nation betrifft, einen richtigen Punkt benannt, den ich bereits mehrfach angesprochen habe.

Die Entgegnung von @Laurenz zeigt wiederum, dass das rechte Projekt - falls man davon sprechen kann - nicht in die Gänge kommt, weil man metaphysisch gespalten ist. Da ich Metaphysisches für wirkliches halte, geht es nicht nur um subjektive Präferenzen, die sich durch guten Willen überbrücken ließen. Warum mit Leuten kooperieren, der anscheinend von demselben Zerstörungsgedanken motiviert sind wie die Globalisten? Beide haben keine Achtung vor dem Einen Gott. Leute wie @Laurenz sagen: Wir lehnen die Sonne ab, wir wollen unsere eigene abendländische Sonne! Es ist nicht wahr, dass dieselbe Sonne über Ost und West scheint. Die einen wollen ihn durch einen lokalen Götzen ersetzen, die anderen durch einen universellen Götzen. Beides ist zum Scheitern verurteilt. Und zu beiden sage ich: nein danke!

RMH

28. Mai 2021 13:22

Worauf ich hinaus wollte:

Am Ende wird eine Schwächung der französischen Armee stattfinden. Ganz im Sinne des Globalismus.

Schwarzseher

28. Mai 2021 14:07

@Laurenz

Das Christentum war keine morgenländische Kultur. Es war europäische Philosophie, Platon. Es war die Grundlage für alles was man europäische Kultur und Identität nennt.

Das Problem sind nicht der Islam oder die fremden Werte die jetzt einwandern. Das ist die Folge, die Auswirkungen der Krankheit. Die neuen Werte der Aufklärung, die Gottlosigkeit der Materialismus, die Freiheit u.ä., dieses gesamte neue philosophische Paradigma der Moderne ist die Ursache für die Krankheit. Die Krankheit ist der Kapitalismus, Herrschaft und Freiheit des Geldes, Auflösung der Gemeinschaften und Völker. Ausbeutung als billige Arbeitsnomaden. Migration ist nur ein Teil davon. Und damit die schöne neue Welt errichtet werden konnte musste als ersten das Christentum beseitigt werden. Es ist nur eine Beschreibung der Vergangenheit. Keine Heilmittel gegen die „Islamisierung“. Jedenfalls nicht im Westen.

Dietrichs Bern

28. Mai 2021 15:22

@Laurenz: Als der Sozialismus seine letzten, umfassenden Niederlagen erlitt wurde seinen Protagonisten und Fans auf allen Ebenen eines klar. Sie durften zwei Dinge nicht mehr erhalten: Die Familie und das Christentum.

Seit her wird beides mit Macht zerstört und der Sozialismus ist wieder auf dem Vormarsch.

Niekisch

28. Mai 2021 15:43

 "Die Tragödie scheint vorprogrammiert"

Ja, denn völkergemischter Sprengstoff explodiert in einer etatistischen Kiste besonders gut...

tearjerker

28. Mai 2021 16:58

Wenn die Herren Generäle Gewaltpotential für einen Aufstand mustern könnten, würden sie einfach machen und nicht Briefe schreiben um eine Feuilletondebatte anzustossen. Wer sich auf die Trikolore beruft, dem klebt im Übrigen auch genau die Ideologie am Schuh, die Frankreich die ganze Misere überhaupt erst eingebrockt hat. Viel Glück damit.

In den USA vertritt die demokratische Partei zum erstenmal seit Generationen auf breiter Front eine offen rassistische Weltanschauung, die den wissenschaftlichen Rassismus des 19 Jahrhunderts wiederaufleben lässt, der diesmal durch Historiker und nicht die Biologen und ihnen verwandte Disziplinen vertreten werden soll und die Segregation erneuern. Ganz im Sinne der Partei der Vorbürgerkriegszeit, nur mit vertauschten Rollen für die Menschen. Hier liegt enormes Konfliktpotential für die gesamte erste Welt, da diese Politik wieder die ganze Welt beglücken soll. Für Deutschland eine gute Nachricht.

Andreas Walter

28. Mai 2021 17:21

Oh je.

Auch aus Afrika weiß man ja was passiert, wenn irgendwo ein Bürgerkrieg ausbricht.

Millionen von Flüchtlinge, die in die Nachbarländer fliehen.

Ich glaub', ich brauch' jetzt auch mal Urlaub, von der Sezession. Dagegen waren meine Hiobsbotschaften ja noch harmlos.

Bis später.

Auf Sehrohrtiefe

28. Mai 2021 19:19

Der Aufruf der Generäle, den ich begrüße, beläßt es bei Worten, sollte aber ernstgenommen werden. Aus meiner Sicht wäre eine kleine Gruppe entschlossener Soldaten mit der nötigen Führung und Vorbereitung in der Lage, die formulierten Ziele zu erreichen. Das politische System und das Establishment hätten dem nichts entgegenzusetzen (was natürlich nicht heißt, daß die Lage dann geklärt wäre, denn der eigentliche Widerstand kommt daher, von wo er auch zu erwarten ist: vom Zielobjekt der Aktion).

Flaneur

28. Mai 2021 19:40

@Schwarzseher

wofür stand das Christentum vor der Aufklärung? Es war definiert durch seinen Absolutheits- und Universalitätsanspruch, durch seinen mit einer eschatologischen Heilserwartung verbundenen Historizismus. Alles Grundelemente, die tendenziell totalitär, in jedem Fall aber für eine Weltanschauungsdiktatur im Fritzeschen Sinne konstitutiv sind. 

Aus meiner Sicht ist der Rekurs auf ein voraufklärerisches Christentum nicht mit einem ethnopluralistischen Weltbild zu vereinbaren. Benoist hat dazu vor vielen Jahren eigentlich schon alles in einer in deutscher Übersetzung als "Heide sein" vorliegenden Schrift gesagt. 

Heinrich Loewe

28. Mai 2021 20:47

(1)

Nur auf den ersten Blick kann man die Vorgänge in Frankreich und den USA gleichermaßen abhandeln.

Betreffs letzteren betreibt die Ventilierung ethnischer Kategorien nur Spaltung und damit das Geschäft der Kulturmarxisten. Sie verstellt den Blick auf einigermaßen hoffnungsvolle Lösungen.

Der Konflikt besteht vielmehr aus den woken, verdrehten linken Kulturmarxisten, Big Media und dem Corporate America der Globalisten einerseits sowie den einfachen Leuten des America First andererseits.

Die Black Community und die Latinos sind weithin praktizierende Christen; letztere überproportional „entrepreneurs“, also Kleingewerbetreibende - die die Verheerungen des Sozialismus in Lateinamerika kennen. Die halten an traditionellen Werten und dem alten amerikanischen Traum fest. Da ergibt sich, zusammen mit dem ländlichen Raum, ein mächtiges „Realignment“ über alle Ethnien hinweg. Lassen wir mal die lärmenden Großstädte einen Moment beiseite.

Hinzu kommt, das grundsätzlich andere (Selbst-)Verständnis, von den Gründervätern her, im Verhältnis von Bürger und Staat. Zentral- und Obrigkeitsstaatlichkeit wie weithin in europäischer Tradition gibt es dort kaum. Die Leute übernehmen viel häufiger Verantwortung von unten her. Das repräsentative System ist viel durchlässiger: Primaries, Recall, kurze Legislaturperioden, viel mehr Funktionäre werden direkt gewählt.

Heinrich Loewe

28. Mai 2021 20:50

(2)

Die Tea Party als Graswurzelbewegung hat in den Midterms von 2010 einen Erdrutschsieg von 62 Sitzen im House für die GOP erbracht, was es zuletzt in den 30ern gab.

Was derzeit dort subkutan in Reaktion auf die gestohlene Wahl 2020 stattfindet ist 10x die Tea Party!

Never-Trumper im Kongress werden zensiert und bekommen durchgehend Gegenkandidaten. Die Mütter gehen in den schoolboards gegen die CRT auf die Barrikaden. Es läuft die Übernahme der GOP  durch MAGA über die precincts. Die offene Grenze zu Mexico treibt die Latinos scharenweise zur GOP, ebenso die Juden der Antisemitismus der Demokraten. In den Swing-States, ausgehend von Arizona, finden forensische Audits der 2020 Wahl statt, die das politische Kapital der Biden-Administration regelrecht ausbluten werden.

Mehr als 120 Flag Officer Veteranen haben übrigens auch einen offenen Brief verfaß:

https://img1.wsimg.com/blobby/go/fb7c7bd8-097d-4e2f-8f12-3442d151b57d/downloads/2021%20Open%20Letter%20from%20Retired%20Generals%20and%20Adm.pdf?ver=1620643005025

Valjean72

28. Mai 2021 23:02

Nun, ich finde den Hinweis von Schwarzseher vollkommen richtig, wenn er von den "Früchten der Aufklärung" schreibt.

Auszug aus dem Brief der franz. Generäle:

Unsere Trikolore ist mehr als nur ein Stück Stoff. Sie symbolisiert die Tradition derer, die über Jahrhunderte hinweg unabhängig von ihrer Hautfarbe oder ihrem Glauben Frankreich gedient und ihr Leben geopfert haben.

Tja, was soll man davon halten? Jeder kann Teil der franz. Nation werden, ein west-afrikanischer Christ, ein nordafrikanischer Muslim und auch der oder andere asiatische Buddhist und natürlich viele europäische Atheisten und Materialisten, so lange sie die Werte der Republik verkörpern. Welche Werte sind das denn letzten Endes? "Gleichheit" und "Weltoffenheit" ...

Im Staate Frankreich ist etwas grundsätzlich faul und das seit 1789.

Niklaus

29. Mai 2021 06:34

Ich teile die Meinungen von Schwarzseher, Gracchus und Dietrich Berns in ihren Entgegnungen zu Laurenz. 

Vertiefendes dazu wäre bei Theodor Haecker (1879 – 1945) zu lesen (der Spiritus Rector der Geschwister Scholl), der sinngemäss geschrieben hat, dass ein Volk, dem das Evangelium gepredigt worden ist und dieses verworfen hat, unweigerlich in einen Zustand der Verwesung übergehen würde.

Die hier anwesenden Verächter des Christentums würden vielleicht ins Grübeln kommen, wenn sie, als Einstieg ins Denken von Haecker, die biografischen Notizen zu demselben  von Gerd-Klaus Kaltenbrunner: «Wir sind Hierarchisten», lesen würden http://gloria.tv/media/X26xtrDgfvr

oder den Essay von Haecker selbst: Das Reich und die Reformation, der Deutschen Bestimmung und Verhängnis, 5. Kapitel aus «Betrachtungen über Vergil, Vater des Abendlandes» (ca. 1930).
https://gloria.tv/post/4HqteXXKYMHV2RGJr7XgCaEWf

 

Gracchus

29. Mai 2021 13:16

@Flaneur

Ist Gott totalitär?

Totalitäre politische Herrschaft bedarf einer totalitären Machtausübung, d.h. Kontrolle und Konzentration. M. E. standen mit dem modernen Nationalstaat erst die Mittel zur Verfügung, um totalitäre Kontrolle auszuüben. Für einen Christ gibt es auch keine totalitäre weltliche Herrschaft, weil Gott über jeder weltlichen Herrschaft steht, ob diese Herrschaft das weiss oder nicht. 

Es will hier auch niemand zurück, was nicht geht: ein voraufklärerisches Christentum. Warum auch? Christus selber ist die Aufklärung. 

Uwe Lay hat es in einem vorherigen Thread gesagt, die Moderne hat das Christentum durch irgendwelche rein immanenten Erlösungslehren ersetzt. Bei diesem Götzendienst steige ich aus.

Nach Herder ist jedes Volk ein Gedanke Gottes. Mit dem einen Gott ist daher Ethnopluralismus vereinbar. Alle Menschen und Völker sind Geschöpfe Gottes, deshalb verdienen sie Achtung.

 

 

 

Sekundant

29. Mai 2021 13:29

So langsam bekomme ich den Eindruck, es beginnt auch hier, närrisch zu werden. Wohin möchten denn die, die den Nationalstaat ablehnen? Doch hoffentlich nicht zum "Gottesstaat"?!

Gustav

30. Mai 2021 10:01

1.) Ohne spezifisches, auf das politische Funktionieren des Gemeinwesens gerichtetes Ethos läßt sich ein Staat nur unter den Bedingungen einer Diktatur aufrecht erhalten. Inhalt des republikanischen Ethos ist es, das Volk als politisches Gemeinwesen zu konstituieren. Es ist der einzige Wert, den wir bewußt setzen, notfalls geradezu erfinden müssen. Der Eigenwille und der Trieb zur Gemeinschaft sind phylogenetisch vorfindbare und nicht disponierbare Größen. Der als grenzenlos gedachte Eigenwille und ein ebenso grenzenlos gedachtes Eigenrecht der Gemeinschaft können nicht unversöhnt nebeneinander bestehen. Nach einem genetisch ererbten, politischen Verantwortungsbewußtsein, für ein Ethos des Staates, haben Verhaltensforscher bisher aber vergeblich gesucht. Diese Tugend entspringt offenbar rein kultureller Überlieferung und ist darum besonders störungsanfällig.

 

 

Gustav

30. Mai 2021 10:01

2.)Was geschieht, wenn der Gedanke individueller Autonomie sich durchsetzt und die Gemeinschaft verdrängt, erleben wir in Deutschland heute tagtäglich. Was geschehen konnte, als die Gemeinschaft alles und der einzelne nichts galt, haben wir nicht vergessen. Eine freiheitliche Gemeinschaft ohne einen Wert, der zwischen beiden Extremen vermittelt und sie verbindet, kann nicht auf Dauer aufrecht erhalten werden. Radbruch hatte als dritten Wert die Kultur einführen wollen, und wenn man das politische Gemeinwesen richtigerweise als kulturelle Leistung begreift, hatte er damit recht. Wir sind von Natur aus Kulturwesen, und als Kulturwesen sind wir auch von Natur aus Gemeinschaftswesen - aber: freiheitsliebende! Es ist einfach unbegreiflich, wie der evidente Zusammenhang dieser Werte immer wieder bestritten und mit intellektualistisch halbierter Vernunft immer nur der eine oder der andere Wert verabsolutiert werden konnte.

Gustav

30. Mai 2021 10:06

2.)Ein Staatsethos, das alle Bürger zum Gemeinsinn verpflichtete, war einmal untrennbar mit dem Namen Preußens verbunden. Es wurde in Deutschland schon gelebt, als sich die Vorfahren der Amerikaner noch mit Vorliebe gegenseitig umgebracht haben. Das letzte gilt jedenfalls, wenn wir der Selbstdarstellung ihrer eigenen Geschichte in ihren "Western" Glauben schenken dürfen. Eine geistige Traditionslinie führte dagegen in Deutschland von der Romantik über die konservative Revolution bis in unsere Tage und betont: Zusammengehalten werde die Nation nicht nur durch die staatlichen Institutionen, sondern, mit Worten Moeller van den Brucks, durch "eine lebendige Klammer der Anteilnahme." Diese spezifisch politische Anteilnahme ist die republikanische Tugend, sie ist mehr als Liebe zu Volk und Vaterland, sie ist die tätige Verantwortlichkeit für das politisch konstituierte Gemeinwesen. "Politik," so sieht das auch Jung, "ist das auf die Gestaltung des Gemeinschaftslebens gerichtete Streben des Menschen, eines Volkes. Und dieses Streben gehört zur Gesittung," also in den Bereich der ethischen Tugenden.

Gustav

30. Mai 2021 10:17

"Dem allgewaltigen Staate steht heute eine ungeordnete, im Kampfe aller gegen alle liegende Masse gegenüber. Ihre einzigen Gesetze empfängt sie von ihm, meist mit dem Vorsatze, sie zu umgehen. Diese Summe gleichberechtigter Einzelmenschen bildet die moderne Gesellschaft. Ohne den Geist wahrer Gemeinschaft, ohne innere Verbundenheit leben sie in stummer Gehässigkeit nebeneinander her." Der "Geist wahrer Gemeinschaft", die "innere Verbundenheit" ist das staatsbürgerliche Ethos, die republikanische Tugend. Fehlt diese, werde Demokratie zum "mechanischen Mehrheitssystem" ohne innere Teilnahme ihrer Bürger. ( E.J.Jung, Herrschaft, S.160 )

Der Staat muß institutioneller Bezugspunkt und Schützer des Gemeinschaftsethos sein: der republikanischen Tugend. Jeder Kommunitarist könnte die Klage Sanders unterschreiben: "Es ist eine der wesentlichen Ursachen für den politischen Niedergang, daß man sich angewöhnt hatte, Individuum und Staat als etwas entgegengesetztes zu betrachten."

Der Staat, die Polis, ist nichts ohne Bürgertugenden, die ihn erhalten.

Wer sich auf eine abstrakte Menschheit beruft, verwandelt nur die Politik in Innenpolitik und in letzter Konsequenz den Krieg in einen Bürgerkrieg.

Der_Juergen

30. Mai 2021 11:21

@Sekundant

Ich begreife auch nicht, wie man als Rechter den Nationalstaat ablehnen kann. Mit dem christlichen Glauben ist dieser selbstverständlich vereinbar. Von einer Wiederkehr des Heiligen Römischen Reiches darf man natürlich träumen, das Träumen ist schliesslich keinem verboten, aber realistisch sind solche Vorstellungen nicht.

Laurenz

30. Mai 2021 12:43

@Gustav

Ihr Beitrag ist sicherlich nicht falsch, aber es gibt eben volkscharakterliche Unterschiede. Explizit die Deutschen ticken extrem föderal, das hat sich auch in zig tausend Jahren sich bis zum heutigen Tage nicht verändert. Gerade die durch Wohlstands verwöhnte, vaterlandslose & pseudo-grüne Deutschen ticken viel deutscher als eine Volksgemeinschaft propagandierende Rechte. Das Problem beim deutschen politischen Gegner ist, daß er vergessen hat, wer er ist, was dieselbe Blödheit darstellt, wie die Romanisierung der Franken Mitte des 1. Jahrtausends, die im Prinzips rechts war, aber in keiner Weise deutsch.

Gracchus

30. Mai 2021 20:47

Ein Gottesstaat ist Blasphemie, und ich lehne den Nationalstaat nicht ab, sondern erlaube mir bloß auf dessen Anfälligkeit für bescheuerte moderne Ideologien und seine totalitären Gelüste hinzuweisen, und die Antwort auf die Frage, wie man sich davor schützen kann, kann folglich nicht lauten: durch den Nationalstaat.  

Nun zum Thema: Militär und Polizei sind konservative, auf den Bestand des Staates ausgerichtete Institutionen. Die derzeitige öko-identitäre-globalistische Politik untergräbt diese Institutionen und müsste bei den meisten Polizist*innen und Soldat*innen Widerspruch hervorrufen. Das haben die Generäle ausgesprochen; anscheinend weil sie keine negativen Sanktionen zu befürchten haben.

Laurenz

30. Mai 2021 23:55

@Gracchus

Wenn Sie keinen Gottesstaat & keinen Nationalstaat wünschen, was denn dann bitte?

Volksdeutscher

31. Mai 2021 05:30

@Valjean - Sie haben vollkommen recht, die Franzosen gleich den Engländern begreifen das Allerwesentlichste nicht und das ist: Wenn sie das ethnische Prinzips der Nation aufgeben und es gegen die liberale Chimäre des staatsrechtlich definierten Begriffs der Nation austauschen, bekommen sie fast automatisch die Verhältnisse, in denen sie stecken.

@Der_Jürgen - Träume wie Sie habe ich rund um die Uhr. Das hält mich wach.

@Lichtmesz - "In dieser Lage wäre die Remigration großer Bevölkerungsgruppen wünschenswert, ist aber so gut wie undurchführbar."

Dem kann selbst ich zustimmen - wenn die Betonung auf "in dieser Lage" fällt. Aber wie lange noch kann diese Lage diese Lage bleiben? Denn die Zeit vergeht und die Lage wechselt von einer Minute auf die nächste unmerklich. Irgendwann mal wird man handeln müssen, weil man nichts mehr aufschieben, nichts verdrängen kann. Mit dem Verrat von allem Französischen bekommt man die Rechnung serviert. Um es mit Baudelaire zu sagen: "Meurs, vieux lâche! il est trop tard!"

Volksdeutscher

31. Mai 2021 06:24

@Der_Jürgen - "Von einer Wiederkehr des Heiligen Römischen Reiches darf man natürlich träumen, das Träumen ist schliesslich keinem verboten, aber realistisch sind solche Vorstellungen nicht."

Wenn man dieses Staatsgebilde nicht in 1:1 vorstellt, sondern in seiner zeitgemäßen Form, könnten solche Vorstellungen - begleitet mit politischer Meinungsbildung breiter Massen - sehr wohl Wirklichkeit werden.

Laurenz

31. Mai 2021 10:59

@Volksdeutscher @Der_Jürgen

Erachte diese Debatten als krank. Es ist undeutsch. Die Schweizer wollten auch kein Teil Ihres Unheiligen Reiches sein. Wir haben grundsätzlich einen föderalen Charakter. Das ist, wie wir aus Erfahrung wissen, nachteilig gegen zentralisierte Mächte, daran sind auch viele Kaiser gescheitert. Man braucht sowas, wie eine Föderation. Reich, Republik, immer stehen die Attribute im Vordergrund. Es ist wichtiger, wer wir sind, als was wir sind. Warum reicht Ihnen nicht einfach Deutschland? Auch Sie sind weniger patriotisch als selbst linke Franzmänner, die sind immer erst mal Franzmänner & erst dann Sozialisten.

Volksdeutscher

31. Mai 2021 21:42

@Laurenz - "Es ist wichtiger, wer wir sind, als was wir sind."

Ich mache diese Unterscheidung schon lange nicht mehr. Wozu denn auch? Beides ist gleich wichtig, denn beides hat mit uns und wir haben mit ihnen gleichzeitig zu tun, solange wir sind - und nicht nacheinander und abwechselnd. Die Bevorzugung des einen und die Vernachlässigung des anderen wird immer negative Konsequenzen mit sich ziehen. Um perspektivisch zu sehen, bedürfen wir unserer beider Augen.... Wir kennen die Kontrapoststellung aus der Kunst, wo das Modell/die Figur auf dem einen Beiden steht, während das andere scheinbar ruht, in Wirklichkeit jedoch das Gleichgewicht hält. Keines der beiden Beine ist wichtiger als das andere, sie haben nur verschiedene Funktionen zu erfüllen. Im Falle von Ermüdung kann man die Funktion der Beine gegeneinander austauschen, aber das Wesen des Kontraposts bleibt dabei erhalten: zwei verschiedene Funktionen wirken gleichzeitig zu einem einzigen Zweck.

Laurenz

1. Juni 2021 10:58

@Volksreichsbürger

Das können Sie historisch gar nicht nachweisen, da wir noch nie ohne Attribute in einem gemeinsamen Deutschen Staat lebten. Sie sollten Ihr Pseudonym wechseln. In Anbetracht dessen, daß unsere staatlichen Attribute sowieso immer pervertiert werden, kann man nur feststellen, Sie sind kein Patriot. Gerade heute, wo unsere Herkunft, wie wir selbst vernichtet werden sollen, ist das "Wer" einfach eminenter, als ein Reich, welches nicht nur keine Mehrheiten interessiert, sondern eine Mehrheit, inklusive meine Wenigkeit, froh ist, daß es für immer weg ist. Und wenn wir auf die Historie zurückgreifen, hat der Begriff Reich mehrmals & der Begriff Republik 1x versagt & die Republik versagt gerade ein 2. Mal. Beide Begriffe bedeuten also ein totes Pferd zu reiten & haben jede Daseinsberechtigung vor den Augen unserer Geschichte verloren. Es ist nicht schlimm Fehler zu machen, aber es ist unglaublich dämlich, Fehler zu wiederholen. Strengen Sie Ihren Kopf an, seien Sie kreativ. Wenn Ihnen etwas an Deutschland liegt, werfen Sie entweder unnützen Ballast ab oder lassen Sich was Neues einfallen.

Volksdeutscher

2. Juni 2021 13:09

@ Laurenz

Lassen Sie mein Pseudonym lieber in Ruhe. Was Ihre Theorie betrifft, ist sie in sich schlüssig, ermangelt jedoch der Objektivität. Das sollte Sie weder entmutigen noch enttäuschen. Geben Sie es aber nicht auf, Sie schaffen es.