Sammelstelle für Gedrucktes (27)

Die Toten der Flutkatastrophe in Teilen Westdeutschlands sind noch nicht alle geborgen, doch der politmediale Komplex ist wieder ganz bei sich:

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Im ent­grenz­ten Kampf gegen rechts kann es kei­ne Ver­schnauf­pau­se geben.

Schließ­lich gibt es über »rech­te Flut­hel­fer« zu berich­ten, von Focus bis nd (ehe­mals neu­es deutsch­land), von der Tages­schau bis zum Deutsch­land­funk. Man kennt die­se Argu­men­ta­ti­ons­wei­se: »Rech­te« wür­den Opfer instru­men­ta­li­sie­ren, Nicht­rech­te sich der­weil auf­rich­tig sorgen.

Nun muß man zuge­ben, daß es auch für die Poli­ti­ker des Estab­lish­ments schwie­rig ist, »kor­rek­tes« Ver­hal­ten an den Tag zu legen. Geht man nicht in Arbeits­klei­dung in die von den Flu­ten ver­wüs­te­ten Orte im Rhein­land und anders­wo, zei­ge man kein Inter­es­se; begibt man sich just dort­hin, betrei­be man Wahl­kampf, so der jewei­li­ge Tenor.

Die­se ambi­va­len­te Kon­stel­la­ti­on kann posi­ti­ve wie nega­ti­ve Trends ver­stär­ken, je nach­dem, wie die Insze­nie­rung des eige­nen Auf­tritts gelingt. Man erin­ne­re sich für ein geglück­tes Bei­spiel an Ger­hard Schrö­ders Enga­ge­ment an der Oder, für ein ver­un­glück­tes aktu­ell an sei­nen Genos­sen Hel­ge Lindh.

Aber was ist kor­rek­tes Ver­hal­ten für die Ver­fem­ten, also für die poli­ti­sche Rech­te von AfD bis zu natio­na­len Krei­sen (Reichs­bür­ger und Co. aus­ge­klam­mert)? Kor­rekt ist, was den Lands­leu­ten vor Ort nützt. Danach soll­te sich das Tun aus­rich­ten – und so wird auch von eini­gen Akteu­ren verfahren.

Her­vor­zu­he­ben ist Sebas­ti­an Mün­zen­mai­er (MdB), der mit Freun­den und Kol­le­gen aus AfD und Umfeld prak­ti­sche Arbeit vor Ort ver­rich­te­te, ohne sich um die fol­gen­den Anwür­fe der Medi­en­meu­te zu sche­ren; wei­te­re Bei­spie­le lis­tet Ein­Pro­zent auf.

Ande­re, wie Jür­gen Braun (auch er: AfD-MdB), glän­zen der­weil in den Tagen rund um die Flut mit US-Besu­chen und Ver­net­zungs­ar­beit mit vor­wie­gend Neo­con-las­ti­gen US-Akteu­ren, deren – sicher­lich: auf­rich­ti­ge – Sor­ge um die zuneh­men­de glo­ba­le Chris­ten­feind­schaft dadurch ins Hin­ter­tref­fen gera­ten zu droht, weil man selbst die Regime-Chan­ge-Ideo­lo­gie der trans­at­lan­ti­schen Fal­ken gegen Syri­en, Irak und Co. affir­miert, ohne auch nur eine Sekun­de dar­an zu den­ken, daß es seit Jahr­zehn­ten just jene Ideo­lo­gie ist, die den bedräng­ten Chris­ten des Ori­ents so viel Leid verschafft.

Richard Mil­let, Ori­ent-erfah­re­ner Autor bei Antai­os, hat es in sei­nen im Band Töten. Ein Bericht ver­sam­mel­ten Tex­ten dar­ge­legt: Daß näm­lich »der Wes­ten« für geo­stra­te­gi­sches Kal­kül, öko­no­mi­sche Ver­wer­tungs­in­ter­es­sen und kurz­fris­ti­ge Alli­an­zen seit jeher will­fäh­rig bereit war, den Exo­dus, ja die Aus­lö­schung der alt­ehr­wür­di­gen ori­en­ta­li­schen Chris­ten­heit zu beschleunigen.

Wenn die Jür­gen Brauns die­ser Welt wie­der mit­ten in einer »Pan­de­mie« über den Gro­ßen Teich flie­gen, um auf die – tat­säch­lich schänd­li­che – Chris­ten­ver­fol­gung zu ver­wei­sen, soll­te man sich aus­drück­lich der dafür mit­ver­ant­wort­li­chen Kol­la­bo­ra­ti­on der soge­nann­ten »frei­en Welt« mit isla­mis­ti­schen bzw. neo­fun­da­men­ta­lis­ti­schen Schläch­tern gegen sou­ve­rä­ne Staa­ten wie Syri­en und den Irak erinnern.

[Rich­tig­stel­lung: In der ursprüng­li­chen Ver­si­on die­ses Arti­kels hat­ten wir geschrie­ben, dass “die Jür­gen Brauns die­ser Welt […] wäh­rend einer Not­si­tua­ti­on in west­deut­schen Regio­nen über den Gro­ßen Teich flie­gen”. Das ist inso­fern falsch, als dass Jür­gen Braun per­sön­lich bereits am 12.07.2021, also schon über zwei Tage vor Ein­bruch der Flut­ka­ta­stro­phe, in die USA flog. Wir wider­ru­fen die Aus­sa­ge inso­weit und wer­den sie nicht wiederholen.]

Der eine hilft also in Rhein­land-Pfalz, der ande­re eifert als Mus­ter­schü­ler US-Vor­bil­dern nach, wie es ihm im Ver­blen­dungs­zu­sam­men­hang der Self-Ree­du­ca­ti­on logisch erschei­nen muß, und ver­stößt damit ein­mal mehr gegen das grund­sätz­li­che Nachahmungsverbot.

Jeder trifft eben sei­ne eige­ne Aus­wahl der Prio­ri­tä­ten – die AfD ist im Posi­ti­ven wie im Nega­ti­ven viel­fäl­tig zusammengesetzt.

– –

Unter geht in die­sem Poli­tei­n­er­lei etwas Zen­tra­les, wor­auf zwar nicht bun­des­deut­sche Leit­me­di­en, sehr wohl aber die schwei­ze­ri­sche NZZ (v. 21.7.2021) hin­weist: Die »Flut­ka­ta­stro­phe wur­de vorhergesagt«!

In der Mel­dung heißt es einleitend:

Ver­mut­lich hät­ten deut­lich weni­ger Men­schen ster­ben müs­sen, wenn deut­sche und bel­gi­sche Behör­den adäquat auf Hin­wei­se des euro­päi­schen Früh­warn­sys­tems Efas reagiert hät­ten. Das leg­te am Wochen­en­de die For­sche­rin Han­nah Clo­ke in einem Inter­view mit der bri­ti­schen Tages­zei­tung «The Times» nahe. Schon am 10. Juli, vier Tage vor dem Unwet­ter also, hät­ten die Hydro­lo­gen vor «extre­men Über­schwem­mun­gen» in den Län­dern gewarnt, sag­te Clo­ke. Sie sei bestürzt gewe­sen über feh­len­de Eva­ku­ie­run­gen in den Gebieten.

Es ist näm­lich kei­ne neue Situa­ti­on für die For­schung gewe­sen. Nach den Über­schwem­mun­gen an Elbe und Donau (2002) finan­zier­te die Euro­päi­sche Uni­on etwas Sinnvolles:

Die Idee war, Län­der in ganz Euro­pa mit­hil­fe meteo­ro­lo­gi­scher und hydro­lo­gi­scher Daten und anhand von Com­pu­ter­mo­del­len bis zu zehn Tage im Vor­aus vor Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen zu war­nen. 2012 ging das von der EU finan­zier­te Sys­tem in Betrieb. Und zwei Jah­re spä­ter zeig­te sich, dass es aus­ge­zeich­net funk­tio­nier­te: Bei Unwet­tern auf dem Bal­kan war es den Behör­den in Ser­bi­en, Kroa­ti­en und Bos­ni­en mög­lich, sich dank der Efta-Pro­gno­sen auf die mas­si­ven Über­schwem­mun­gen vorzubereiten.

Setz­te das Sys­tem dies­mal aus? Ein­fach so? Nein, nach in der NZZ wie­der­ge­ge­be­nen Daten wurden

zwi­schen dem 10. und 14. Juli mehr als 25 War­nun­gen mit fort­lau­fend aktua­li­sier­ten Vor­her­sa­gen für spe­zi­fi­sche Regio­nen her­aus­ge­ge­ben. Obwohl die genaue Vor­her­sa­ge ein­zel­ner Über­schwem­mungs­ge­bie­te schwie­rig gewe­sen sei, hät­te es laut Clo­ke sicher­lich aus­rei­chend Zeit geben müs­sen, um grös­se­re Gemein­den mit War­nun­gen und Eva­ku­ie­run­gen vorzubereiten.

Dies ist jedoch aus­ge­blie­ben, wes­halb die Pro­ble­me bei den Ver­ant­wort­li­chen liegen:

Die Tat­sa­che, dass die Leu­te von den Flu­ten vie­ler­orts jedoch völ­lig über­rascht wor­den sei­en, zei­ge, dass auf der Ebe­ne des natio­na­len Kata­stro­phen­schut­zes etwas gewal­tig schief­ge­gan­gen sei. Wenn die Warn­ket­te irgend­wo gebro­chen sei und die Mel­dun­gen bei den Men­schen nicht ange­kom­men sei­en, müs­se man von einem «monu­men­ta­len Sys­tem­ver­sa­gen» spre­chen, so Clo­ke gegen­über «The Times».

Das wie­viel­te »monu­men­ta­le Sys­tem­ver­sa­gen« der herr­schen­den Klas­se der letz­ten bei­den Jahr­zehn­te war dies? Allein, es kann ihr offen­bar wei­ter nichts anha­ben (sinn­vol­le Gedan­ken dazu bei die­sem anony­men Twit­ter-Nut­zer).

Höchst pro­ble­ma­tisch ist dabei, daß sich die eigent­li­chen Her­aus­for­de­rer die­ser Klas­se immer wie­der – wie Jörg Meu­then im Öffent­lich-Recht­li­chen – als Bitt­stel­ler ent­pup­pen; geblen­det von ihrem nur mehr bemit­lei­dens­wer­ten Drang, doch end­lich dazu­zu­ge­hö­ren, was sich nicht zuletzt dar­in äußert, daß man auf Distanz zu den eige­nen Leu­ten geht, anstatt – vor Mil­lio­nen­pu­bli­kum! – ein selbst­be­wuß­tes »Es geht ganz anders« mit kon­struk­ti­ven Kon­zep­ten zu untermauern.

Immer­hin ist Meu­then nicht so ein­sam wie anno dazu­mals Frau­ke Petry; gan­ze Lan­des­vor­stän­de sind gefan­gen in ihrem Traum vom Zugrun­de­rich­ten der Alter­na­ti­ve zu einem devo­ten Kor­rek­tiv des fal­schen Ganzen.

Und so distan­ziert sich auch ein Lan­des­vor­sit­zen­der wie Micha­el Frisch (Rhein­land-Pfalz) gegen­über dem SWR lie­ber vom eige­nen, basis­de­mo­kra­tisch gewähl­ten Pro­gramm, als daß er in die Offen­si­ve gegen den poli­ti­schen Geg­ner ginge:

Nicht nur in Kli­ma­fra­gen distan­ziert sich Frisch von Mehr­hei­ten sei­ner Par­tei auf Bun­des­ebe­ne – und somit dem eige­nen Bun­des­tags­wahl­pro­gramm. Die gene­rel­le Ableh­nung des Fami­li­en­nach­zu­ges für Geflüch­te­te sei eben­so falsch, wie die For­de­rung nach einem EU-Aus­tritt Deutsch­lands, die sich im Pro­gramm findet,

was man zwar intern dis­ku­tie­ren kann, aber doch nicht mit Ver­ant­wor­tungs­trä­gern des Öffent­lich-Recht­li­chen, doch nicht vor Mil­lio­nen poten­ti­ell inter­es­sier­ter Bundesbürger.

Frisch reiht sich damit ein in die Trup­pe um Georg Pazder­ski, Uwe Jun­ge und Co. – eine destruk­ti­ve Alt­her­ren­rie­ge, der man die real­po­li­ti­sche His­to­ri­sie­rung ihrer selbst in nächs­ter Zukunft nur innig wün­schen kann. Sie ist nun wirk­lich alternativlos.

– –

In Frank­reich ist Prä­si­dent Emma­nu­el Macron der­weil längst nicht mehr alter­na­tiv­los. Doch der Ras­sem­ble­ment Natio­nal (RN), der frü­he­re Front Natio­nal (FN), muß­te bei den Regio­nal­wah­len vor weni­gen Wochen einen Rück­schlag inso­fern hin­neh­men, als daß man die pro­gnos­ti­zier­ten Zuge­win­ne nicht ein­fah­ren konnte.

Abge­hakt; die wich­ti­ge­re Wahl ist für den RN die Prä­si­dent­schafts­wahl 2022. Hin­sicht­lich die­ses Urnen­gangs inter­viewt Nina Belz den fran­zö­si­schen His­to­ri­ker Gil­les Richard in der NZZ (v. 15.7.2021), wobei die Hin­füh­rung zum Gespräch objek­ti­ve Män­gel enthält:

Der His­to­ri­ker Gil­les Richard erklärt, war­um die rech­ten Par­tei­en in Frank­reich die poli­ti­sche Büh­ne domi­nie­ren, obwohl die meis­ten Fran­zo­sen eher kapi­ta­lis­mus­kri­tisch sind.

Denn wer sich mit dem RN beschäf­tigt, wird wis­sen, daß die­ser auf­ge­mach­te Wider­spruch kei­ner ist; Wäh­ler­schaft, Pro­gram­ma­tik und nen­nens­wer­te Tei­le der Par­tei­funk­tio­nä­re sind ja selbst »kapi­ta­lis­mus­kri­tisch« im Sin­ne des Zie­les einer pro­tek­tio­nis­ti­schen, soli­da­ri­schen, natio­nal­staat­lich ein­heg­ten Marktwirtschaft.

Aber zum Inter­view selbst: Der 65jährige Zeit­ge­schicht­ler geht auf die Aus­gangs­la­ge der Élec­tion pré­si­den­ti­el­le ein – sie sei ähn­lich wie 2017:

Die lin­ken Par­tei­en sind ori­en­tie­rungs­los, gespal­ten und sehr geschwächt. Ein gros­ser Teil der Arbei­ter­klas­se geht nicht mehr wäh­len – aus­ser jene, die zum Ras­sem­ble­ment natio­nal (RN) über­ge­lau­fen sind. Die­ses hat es in den letz­ten zwan­zig, dreis­sig Jah­ren geschafft, die natio­na­le Fra­ge auf­zu­brin­gen und zu einem domi­nan­ten The­ma zu machen. Die Spal­tung ver­läuft nun weni­ger zwi­schen rechts und links, son­dern zwi­schen den neo­li­be­ra­len Euro­pa­freun­den und den natio­na­lis­ti­schen Iden­ti­tä­ren. In der zwei­ten Run­de der Prä­si­dent­schafts­wah­len 2017 wur­den die­se Pole von Emma­nu­el Macron und Mari­ne Le Pen ver­kör­pert. Die rech­ten Par­tei­en sind heu­te domi­nant in Frank­reich. Aber sie sind eben­falls gespal­ten. Bei den Répu­bli­cains [den Estab­lish­ment­kon­ser­va­ti­ven, B. K.] zum Bei­spiel ten­diert ein Teil zu Macron, ein ande­rer zum RN.

Wäh­rend der RN der­zeit also auf der Stel­le ver­harrt, die Repu­bli­ka­ner recht rat­los vor den eige­nen Spal­tungs­ten­den­zen ste­hen, ist die Lin­ke frag­men­tiert und para­ly­siert. Das war nicht immer so:

Sie basier­te einst auf einer star­ken kom­mu­nis­ti­schen Par­tei und der Gewerk­schaft CGT. Heu­te hat die CGT aber weni­ger Mit­glie­der als 1914, und die Kom­mu­nis­ten kom­men gera­de noch auf zwei Pro­zent der Stim­men. Der Par­ti socia­lis­te (PS) ist seit der Ära Mit­ter­rand eine Ver­wal­ter­par­tei gewor­den und kei­ne wirk­lich lin­ke Par­tei mehr, weil sie den Kapi­ta­lis­mus akzep­tiert hat. Die lin­ken Wäh­ler haben die Ori­en­tie­rung verloren,

womit die fran­zö­si­sche Situa­ti­on der deut­schen gleicht, nur daß es hier­zu­lan­de noch nicht mal eine Schrumpf-CGT, dafür aber sys­tem­sta­bi­li­sie­ren­de Berufs­an­ti­fa­schis­ten in den meis­ten Gewerk­schaf­ten gibt.

Und die Rech­te? Der RN hat sich moder­ni­siert, pro­fes­sio­na­li­siert, aktua­li­siert. Das ging zuguns­ten des Stils, des Auf­tre­tens, der Serio­si­tät, aber an eini­gen Stel­len zulas­ten bis­he­ri­ger Allein­stel­lungs­merk­ma­le, weil man sich par­ti­ell den Repu­bli­ka­nern annä­her­te (bzw.: annä­hern muß­te?). Dies ist es jeden­falls, was eini­ge Neue und radi­ka­le Rech­te im Hexa­go­ne kri­ti­sie­ren. Auch der RN-Geg­ner Richard räumt ein:

Im Pro­gramm von Mari­ne Le Pen fin­det sich kei­ne grund­sätz­li­che Sys­tem­kri­tik. Wer heu­te «rechts» ist, hat zudem die Repu­blik akzeptiert.

Akzep­tiert hat der RN mitt­ler­wei­le auch die EU als Kon­strukt; man will es umfas­send refor­mie­ren, aber nicht abschaf­fen, und ein FREXIT, ver­gleich­bar dem DEXIT der AfD, sucht man in den Ver­laut­ba­run­gen des Ras­sem­ble­ment ver­ge­bens. Was hat sich geändert?

Mari­ne Le Pens Wäh­ler haben 2017 Angst vor dem EU-Aus­stieg bekom­men – vor allem die klei­nen Händ­ler und Unter­neh­mer, die noch Erspar­tes haben und fürch­te­ten, dass sie mit einem Aus­stieg aus dem Euro alles ver­lö­ren. Dar­um hat Le Pen den EU-Aus­stieg aus dem Pro­gramm genom­men. Ihre Bemü­hun­gen um eine Alli­anz mit Gleich­ge­sinn­ten in Euro­pa haben zum Ziel, die Macht der EU ein­zu­schrän­ken. Sie ist nicht pro­eu­ro­pä­isch gewor­den, aber sie macht klei­ne Zuge­ständ­nis­se im Hin­blick auf die Wahl.

Nina Belz fragt Richard an spä­te­rer Stel­le etwas Naheliegendes:

Muss eine zah­me­re Le Pen Kon­kur­renz von rechts fürch­ten – etwa vom islam­feind­li­chen Jour­na­lis­ten Éric Zemmour?

Dies ist eine Fra­ge, die auch in der Kom­men­tar­spal­te von Sezes­si­on im Netz wie­der­holt dis­ku­tiert wur­de: Besitzt Zem­mour die Befä­hi­gung, RN-Wäh­ler, Repu­bli­ka­ner und Nicht­wäh­ler zu ver­ei­nen, als kon­ser­va­ti­ver Solo­spie­ler, als popu­lä­rer Autor?

Richard bringt die Debat­te auf den Punkt:

Sei­ne Sym­pa­thi­san­ten sind nur eine Min­der­heit der RN-Wähler,

und

Éric Zem­mour ist noch nicht Kan­di­dat. Er braucht zunächst 500 Unter­schrif­ten von gewähl­ten Man­dats­trä­gern und dann noch eine poli­ti­sche Kraft, die den Wahl­kampf macht. Im Moment hat er nichts von bei­dem, dafür dro­hen ihm wei­te­re Gerichtsprozesse.

Also doch Macron ver­sus Le Pen, 2022? Und dann?

Es scheint mir wahr­schein­lich, dass Mari­ne Le Pen es in den zwei­ten Wahl­gang schafft. Aber stel­len Sie sich vor, dass es wie­der eine Aus­gangs­sper­re gibt oder einen gros­sen Ter­ror­an­schlag. Oder dass Macron die Ren­ten­re­form noch durch­drückt und es gros­se Demons­tra­tio­nen gibt, bei denen die Poli­zei gewalt­tä­tig auf­tritt oder gar jeman­den tötet . . . Es kann noch viel passieren,

wobei ent­schei­dend ist, daß man auf Basis der

Regio­nal­wah­len, bei denen zwei Drit­tel der Wäh­ler nicht zur Urne gegan­gen sind, auf kei­nen Fall etwas vorhersagen

kön­ne.

Noch bleibt also Zeit für Le Pen und den Ras­sem­ble­ment Natio­nal, eine wür­di­ge Alter­na­ti­ve zu Macron zu bie­ten. Die dafür not­wen­di­gen Grund­leh­ren der Poli­tik haben vie­le der RN-Ver­ant­wort­li­chen jeden­falls längst ver­in­ner­licht – womit sie der deut­schen Alter­na­ti­ve wei­ter­hin um eini­ges vor­aus sind.

– –

Jeden­falls sind sie der Alter­na­ti­ve auf Bun­des­ebe­ne eini­ges vor­aus; den Thü­rin­gern Lokal­ma­ta­do­ren nicht. Die Akteu­re um Ste­fan Möl­ler und Björn Höcke sind wie­der ein­mal in aller Mun­de und sor­gen für bun­des­wei­tes Auf­se­hen, weil sie die Lan­des-CDU von einer Absur­di­tät zur nächs­ten trei­ben, und so geht ja Oppo­si­ti­on: die geg­ne­ri­schen Kom­ple­xe auf­bre­chen, ihre inne­ren Wider­sprü­che erken­nen, ana­ly­sie­ren, nut­zen, das Eige­ne offen­siv präsentieren.

Wer das Gesche­hen in Erfurt dies­mal nicht ver­folgt, kann auf einen kon­zi­sen Arti­kel des libe­ral­kon­ser­va­ti­ven Jour­na­lis­ten Alex­an­der Kis­s­ler aus der NZZ (v. 22.7.21, also heu­te) zurück­grei­fen: »Wer Wah­len ver­hin­dert, miss­traut den Wäh­lern«, heißt es da im Titel. Und wei­ter: »Im ost­deut­schen Bun­des­land Thü­rin­gen schei­tern alle Ver­su­che, den Land­tag aufzulösen.«

Das ist also der auf­ge­spann­te Rah­men, und Kis­s­ler lei­tet mit fol­gen­dem Beleg für die Infan­ti­li­sie­rung des poli­ti­schen Betrie­bes durch die Kar­tell­par­tei­en ein:

Wenigs­tens das Erfur­ter Guck-und-Steh-Thea­ter bleibt den leid­ge­prüf­ten Thü­rin­gern erspart. Der Frak­ti­ons­chef der SPD hat­te es ins Spiel gebracht. Für die Abstim­mung über die Fra­ge, ob der Land­tag sich auf­lö­sen und den Weg zu Neu­wah­len frei machen sol­le, schlug der SPD-Poli­ti­ker Hey ein bizar­res Ver­fah­ren vor: Erst soll­ten die Abge­ord­ne­ten die Hand heben und dadurch ihr Abstim­mungs­ver­hal­ten ankün­di­gen. Um die Stim­me gül­tig zu machen, wäre dann ein Auf­ste­hen nötig. Dazwi­schen, so das Kal­kül, hät­ten die Par­la­men­ta­ri­er sich umge­schaut, um zu sehen, ob die nöti­ge Zwei­drit­tel­mehr­heit für eine Land­tags­auf­lö­sung wirk­lich ohne Stim­men der AfD vorliegt.

Ein Glück – das pein­li­che Pro­ze­de­re blieb allen erspart, weil Links­par­tei und Grü­ne, zwei der drei Regie­rungs­par­tei­en in Thü­rin­gen, den Antrag auf eine Selbst­auf­lö­sung des Lan­des­par­la­men­tes zurück­ge­zo­gen haben. Gemein­sam mit der SPD ver­fü­gen die­se bei­den Par­tei­en über kei­ne eige­ne Mehr­heit; FDP und CDU hät­ten nicht geschlos­sen für den Antrag gestimmt und so bestand

aus Sicht von Lin­ken und Grü­nen eben das Risi­ko, am Ende mit der einen oder ande­ren AfD-Stim­me das all­seits bekräf­tig­te Ziel, Neu­wah­len, zu errei­chen. So muss Bodo Rame­low wei­ter­hin ohne Mehr­heit regie­ren – und sich mut­mass­lich am Frei­tag einem kon­struk­ti­ven Miss­trau­ens­vo­tum der AfD stel­len, die ihren Frak­ti­ons­chef Björn Höcke als Gegen­kan­di­da­ten aufbietet.

Kein Zwei­fel: Höcke wird vor­erst kein Minis­ter­prä­si­dent Thü­rin­gens, aber die gute Nach­richt ist: Amts­in­ha­ber Bodo Rame­low wird zuneh­mend unbeliebter:

Gemäss einer neu­en Umfra­ge sind nur 42 Pro­zent der Thü­rin­ger mit ihm zufrie­den. Das reicht für den regio­na­len Spit­zen­platz, ist jedoch ein deut­li­cher Rück­gang ange­sichts der im März erziel­ten Zustim­mungs­quo­te von 54 Pro­zent, dem damals bereits dritt­schlech­tes­ten Wert aller deut­schen Ministerpräsidenten.

Und die Christdemokraten?

Die CDU wie­der­um ern­tet die fau­len Früch­te ihrer Sta­bi­li­täts­ver­ein­ba­rung. Die­se fak­ti­sche Unter­stüt­zung einer lin­ken Regie­rung sorg­te zwar für ein Mini­mum an staats­po­li­ti­scher Serio­si­tät. Der Haus­halt des Jah­res 2021 konn­te ver­ab­schie­det wer­den. Das kata­stro­pha­le Votum der letz­ten Land­tags­wah­len, als die Par­tei unter Mike Mohring auf 21,3 Pro­zent abstürz­te und hin­ter die AfD fiel, war aber gewiss kein Auf­trag, Bodo Rame­low eine gross­zü­gi­ge Lauf­zeit­ver­län­ge­rung zu spen­die­ren. Mit ihrem Miss­trau­ens­vo­tum gibt die AfD der CDU zu ver­ste­hen, dass die Auf­ga­be der Oppo­si­ti­on in der Kri­tik der Regie­rung besteht,

wenn nicht sogar, bei Chan­cen auf Erfolg, auf Ablö­sung oder zumin­dest Nicht-Unter­stüt­zung der Regie­rung, wor­auf der Par­la­men­ta­ri­sche Geschäfts­füh­rer der AfD im Thü­rin­ger Land­tag, Tor­ben Bra­ga, hinweist:

Nun wird Rot-Rot-Grün also vor­erst wei­ter als Min­der­heits­re­gie­rung die grü­ne Mit­te Deutsch­lands regie­ren dür­fen, es wird nicht neu gewählt, und die CDU macht sich ein­mal mehr zum Kol­la­bo­ra­teur der lin­ken Einheitsfront.

Kis­s­ler ist spür­bar irri­tiert, war­um die Par­tei­en des Establishments

nicht die Kraft auf­brin­gen, in einer der­art ver­fah­re­nen Situa­ti­on den Sou­ve­rän um eine Ent­schei­dung zu bit­ten. Wol­len sie es am Ende gar nicht?,

fragt Kis­s­ler – hof­fent­lich – iro­nisch, um am Ende den ent­schei­den­den Hieb zu setzen:

Wer dem Volk das Wort ver­bie­tet aus Sor­ge, die AfD könn­te es ergrei­fen, schwächt die Demo­kra­tie. Wer Wah­len ver­hin­dert, miss­traut den Wählern.

Man kann nur hof­fen, daß die­se beim nächs­ten Wahl­gang die pas­sen­de Ant­wort geben.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (16)

Niedersachse

22. Juli 2021 19:55

Normalerweise müsste es jedem, der es gut mit Thüringen meint, an Neuwahlen gelegen sein. Steht nur die Frage im Raum, ob bei einem  erneuten Urnengang zum jetzigen Zeitpunkt andere - sprich bessere -  Mehrheitsverhältnisse zu erwarten wären. Was wäre denn gewesen, wenn die jetzige Regierungskoalition bei einer Neuwahl an Prozenten und Mandaten dazugewonnen hätte? Das Thema Wahlfälschung steht ja auch omnipräsent im Raum. Prinzipiell befindet sich die AfD sogar in einer recht komportablen Situation: Die nächsten gut zwei Jahre dürften für die CDU und FDP in Thüringen zu einer Zerreißprobe werden. Denn jede Sauerei die dort beschlossen wird, kann nur mit Hilfe der CDU und/ oder FDP geschehen. Die AfD dagegen, die in Thüringen einen guten und geschlossenen Eindruck macht, kann ihr Profil weiter schärfen und kluge Oppositionsarbeit betreiben. Zu Meuthen und Konsorten ist auf dieser Seite bereits alles gesagt worden. Anfangs von ihm recht überzeugt, ist er für mich mittlerweile zum Feindzeugen geworden. Der AfD stünde es gut zu Gesicht, alsbald einen besseren Bundessprecher neben Chrupalla zu haben und den BuVo ausgewogen zu besetzen.

Nordlicht

22. Juli 2021 22:50

Zu: Hochwasserkatatrophe und Klimawandel

Hochwasserkatstrophen durch anhaltenden Starkregen sind in Mitteleuropa seit Jahhunderten dokumentiert, sind also keine Folge der menschengemachten CO2-Emissionen. Auf derartige Ereignisse muss ein Land vorbereitet sein, dafür gibt es Beobachtungssater und Warnsysteme. Es ist offenkundlich, dass diese in Deutschland versagt haben.

Dass die Verantwortlichen auf Bundeebene sowie in NRW und Rheinland-Pfalz sich aus den Versäumnissen und Fehlleistungen herausreden möchte und alles auf den "Menschengemachten Klimawandel" schieben, war zu erwarten. Die Verantwortlichen haben in den vergangenen Jahrzehnten die ureigensten Aufgaben des Staates vernachlässigt, nämlich ihre Bürger zu schützen. Das zeigt sich bei der Massenzuwanderung wie bei diesem Katastrophenfall.

Klimapolitik muss aus zwei Säulen bestehen, 1. Anpassung und 2. Risiko-Minderung. Ob deutschen CO2-Reduzierungen das Klima gnädig stimmen, ist zweifelhaft. Um so wichtiger ist Punkt 1. 

Laurenz

23. Juli 2021 10:44

Es wird Zeit, daß Meuthen , Pazderski, Storch & Co. die AfD verlassen. Mit diesen Versagern ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Das sollte mittlerweile auch eine Frau Weidel begriffen haben, die in der gesamten Partei doch recht hohe Anerkennung genießt.

Was die Flutkatastrophe angeht, so hat Tim Kellner eindrucksvoll gezeigt, wie fatal unsere Berliner Junta agiert. Oder hier

https://www.achgut.com/artikel/die_inkompetenz_hat_einen_namen_schusters_desease

Was Thüringen angeht, so ist die Oppositionsarbeit der AfD dort beispielhaft für Staaten, die demokratisch sein wollen.

@BK

Das orientalische Christentum ist das originale Christentum, der Rest sind schlechte Kopien. Und um es historisch auszudrücken.... diese orientalischen Christen-Menschen (auch die Kopten in Ägypten & die Chaldäer im Irak) leiden seit der islamischen Eroberung, also über 1.000 Jahre. Und die westlichen Kirchen haben nichts besseres zu tun, als dieses historische Leiden weltweit zu verbreiten. Manchmal fragt man sich wirklich, was in Frau Hayali an Masochismus abgehen muß. Das wünscht man eigentlich niemandem.

Volksdeutscher

23. Juli 2021 13:31

"Aber was ist korrektes Verhalten für die Verfemten, also für die politische Rechte von AfD bis zu nationalen Kreisen (Reichsbürger und Co. ausgeklammert)?"

Für die Rechte gilt: "Korrekt ist es, erst gar nicht hinzugehen, um zu zeigen, daß man aus der Vergangenheit gelernt hat..." Oder so ähnlich. Man weiß ja, zu welch verschrobener Logik Systemlinge des Establishments fähig sind.

heinrichbrueck

23. Juli 2021 14:57

"Auf derartige Ereignisse muss ein Land vorbereitet sein, dafür gibt es Beobachtungssater und Warnsysteme. Es ist offenkundlich, dass diese in Deutschland versagt haben."

In dieser Demokratie kommt recht häufig das Wort "Versagen" vor. Besonders die Bild-Zeitung operiert in diesem Sinne. Ein Propagandaorgan für die umschmeichelte Masse. Die Erklärung stimmt zwar nicht, aber Vorsatz wäre schwerer zu beweisen gewesen. Wird einem demokratischen Stimmenabgeber das Versagen (der kleinen Politiker) nahegebracht, fällt die Selbsterkenntnis unter den Tisch, auch wenn der Migrationspakt nicht ausgeklammert werden kann. Und die Bild wird sich hüten, ihre Leser als Vollidioten einzustufen, könnte das Selbstwertgefühl durcheinanderbringen; letztendlich muß die demokratische Ordnung gewahrt bleiben. 

Volksdeutscher

23. Juli 2021 21:22

@Laurenz

Diese Figuren werden nicht freiwillig die AfD verlassen, es bedürfte in ihrem Falle einer kleinen "Nachhilfe". Welchen offiziellen Weg es gibt, um sie loszuwerden, weiß ich auch nicht.

Laurenz

24. Juli 2021 02:02

@HeinrichBrueck & Nordlicht

 

Nordlicht hat das richtig beschrieben. So schlimm die einzelnen Schicksale für die Betroffenen sind, die Zahl der Toten ist im historischen Vergleich pillepalle, dasselbe gilt für die Schäden. Jeden Tag sterben in Deutschland 2.500 Menschen, alles Schicksale. Entweder sind die Mitbürger versichert, oder sie bekamen keine Versicherung, weil sie freiwillig in einem Risiko-Gebiet leben. Auf jeden Fall hat dieses Mini-Hochwasser nichts mit irgendeinem Klima zu tun, sondern vordergründig mit dem Regenwetter, auch wenn die kranke Phantasie der Relotius-Schreiber die wildesten Gift-Blüten treibt.

Daß unseren Bundes-Stalinisten, wie Steinmeier & Co. die Schicksale der betroffen Bürger am Allerwertesten vorbeigehen & sie nichts anderes tun, als vor Ort "sich ein Bild zu verschaffen & bescheuerte Pressekonferenzen" zu geben, läßt die AfD-MDB-Aktion, neben der Hilfe vieler Mitbürger, in einem freundlichen Licht erscheinen.

Hoffnungsträger, der Katastrophen-Schutz würde sich durch das Ereignis verbessern, werden auf dem Holzweg sein. Wer in einem Risikogebiet lebt, kann nur versuchen, täglich dem Landrat die Hölle heiß zu machen.

Cugel

25. Juli 2021 00:12

@Nordlicht
Im Prinzip stimme ich Ihnen zu, halte aber Versagen und Vernachlässigung für in diesem Zusammenhang unzutreffende Begriffe. Auch massenhafte Einwanderung ist keine Folge eines Versagens. Zum Klima: Das Klima wandelt sich, seit die Erde eine Atmosphäre hat. Es ist Ergebnis im wesentlichen von zyklischen Prozessen unterschiedlicher Phasenlänge, Amplitude und räumlicher Ausdehnung, die in vielen Fällen mechanistisch noch nicht ausreichend verstanden werden (Es gibt jedoch Anzeichen, die in den nächsten drei Jahrzehnten mindestens eine Beibehaltung des Temperaturplateaus der letzten beiden Dekaden, eher aber eine Abkühlung erwarten lassen.). Man fälscht Daten und verwendet präjudizierte Modelle, um auf dieser Grundlage ein natürliches und geringfügiges Phänomen, das im übrigen positive Effekte hat, propagandistisch dämonisierend aufzublasen und als Folge menschlichen Fehlverhaltens darzustellen. Wir brauchen daher keine "Klimapolitik", sondern altbewährten Katastrophenschutz und ökonomisch verantwortbaren Naturschutz. Das gleiche Prinzip wie beim Klima wird bei SARS-COV-2 angewendet, um nur die jüngsten der großen Lügen der Moderne zu benennen. Demokraten haben die Lüge als ihr Hauptwerkzeug perfektioniert. "Im Kreml brennt noch Licht" nimmt sich dagegen wie eine Tatsachenkolportage aus.

Cugel

25. Juli 2021 00:19

Was die Neocon-lastigen US-Akteure betrifft, so nehme ich keinem von denen humanistische Besorgnis ab, weder für Christen noch sonstige Mitmenschen. Diese Leute wissen um die Folgen ihres Handelns, die für jedermann nicht erst retrospektiv erkennbar sind bzw. waren. Ihre Sorge gilt ganz anderen Dingen. Währe Braun ehrlich, würde er aus der AfD aus- und der CDU beitreten.

Der_Juergen

25. Juli 2021 22:12

@Nordlicht

"Hochwasserkatstrophen durch anhaltenden Starkregen sind in Mitteleuropa seit Jahhunderten dokumentiert, sind also keine Folge der menschengemachten CO2-Emissionen. Auf derartige Ereignisse muss ein Land vorbereitet sein, dafür gibt es Beobachtungssater und Warnsysteme. Es ist offenkundig, dass diese in Deutschland versagt haben. Dass die Verantwortlichen auf Bundeebene sowie in NRW und Rheinland-Pfalz sich aus den Versäumnissen und Fehlleistungen herausreden möchte und alles auf den "Menschengemachten Klimawandel" schieben, war zu erwarten. "

Ich würde weiter gehen: Da die Regierung im voraus über die bevorstehenden gewaltigen Regenfälle gewarnt war, aber keine Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergriff, ist der Schluss praktisch unausweichlich, dass sie möglichst grosse Zerstörungen und möglichst viele Opfer wollte. "Da seht ihr nun, wie es herauskommt, wenn man nichts gegen den menschengemachten Klimawandel tut", lautete die Botschaft an das Volk, perdon, die Menschen im Lande. Wenn erst einmal fast jeder gespritzt ist und die Corona-Gruselmärchen ihre Wirkung verlieren, soll die Demontage Deutschlands offenbar unter dem Motto "Die Massnahmen dem Klima zuliebe weiterführen" ihren Fortgang nehmen.

Franz Bettinger

26. Juli 2021 03:14

Zwischen Altenahr und Walporzheim gehört die Ahr (WW Grad I-II, aber wegen häufiger Baumhindernisse dennoch nichts für Anfänger) landschaftlich zu den schönsten Wildbächen Deutschlands und leider zu den wenigen, die ich nie paddeln konnte - wegen Wassermangels. Die erste Regel für den Katastrophenschutz müsste lauten: Brücken-warte haben noch während einsetzenden Hochwassers zu melden, wenn Brücken-Durchlässe (auch kleinster Brücken der Nebenbäche) durch einen angeschwemmten Baum verengt werden. Der Baum ist umgehend, wenn nötig mit schwerem Gerät, zu entfernen. In meiner 30-jährigen Laufbahn als WW-Fahrer haben wir im Alpenraum oft mit offiziellen Rettungsteams zu tun gehabt. Meine Erfahrung: Die haben von Tuten und Blasen keine Ahnung. Sorry for being cocky. Die reagieren erst, wenn's zu spät ist (und sie hören auch nicht auf unsere Tipps).

RMH

26. Juli 2021 07:16

"Jeder trifft eben seine eigene Auswahl der Prioritäten – die AfD ist im Positiven wie im Negativen vielfältig zusammengesetzt."

Solche schwarz-weiß Feststellungen kann ich nicht teilen. Es ist das selbe Prinzip wie "böser Flügel" etc. nur gewendet. Das machen die Mainstream-Medien zur Genüge. 

"Wenn erst einmal fast jeder gespritzt ist und die Corona-Gruselmärchen ihre Wirkung verlieren," @Der_Juergen,

Der Corona-Grusel hat aktuell durch die "Einstufung" von Reisegebieten mehr Auswirkungen auf den Durchschnittsdeutschen als die Flut, die nur punktuell verheerend war. So langsam fragen sich viele der brav und fortschrittlich "doppelt geimpften" aber, wann sie endlich den dritten "Pieks" bekommen ... das Drama hat seine 5 Akte leider noch nicht durch. Der Klima-Terror ist zu offensichtlich mit persönlichen Kosten des Wahlvolks verbunden, daher kocht man ihn vor der Wahl lieber nicht allzu hoch. Die Rechnung für beides, Corona und Klima, deutet sich in der anziehenden Inflation bereits jetzt an und wird dann nach der Wahl erst so richtig präsentiert werden.

Gustav Grambauer

26. Juli 2021 10:00

"Schließlich gibt es über 'rechte Fluthelfer' zu berichten, von Focus bis nd (ehemals neues deutschland), von der Tagesschau bis zum Deutschlandfunk. Man kennt diese Argumentationsweise: 'Rechte' würden Opfer instrumentalisieren, Nichtrechte sich derweil aufrichtig sorgen."

Lieber Herr Kaiser, niemand spricht es aus, aber es geht hier darum, daß im Netz keine Bilder von den Skeletten viral herumgereicht werden sollen:

https://www.youtube.com/watch?v=c7HnWJm6De4

- G. G.

Laurenz

26. Juli 2021 13:51

Hier wohl die beste 2teilige Corona-Doku von Servus TV   https://www.servustv.com/allgemein/v/aa-27juub3a91w11/

RMH

26. Juli 2021 14:29

@G.G.

Da wird man gar nichts finden, die Toten wurden offiziell bestattet. Mein Onkel war in so einem Rheinwiesenlager und hat mir folgendes berichtet: Er wurde mit vielen anderen in einem LKW "angeliefert" und einfach abgeladen. Es gab ein kurze Registrierung, danach wurde man seinem Schicksal überlassen. Es gab nichts, keine Zeltplanen, keine Unterkünfte, man lag buchstäblich im Dreck und in der Sch... Bis hierhin deckt seine Schilderung 1:1 die Narrative rechter Autoren. Doch ab dann weicht er ab. Er sagte, wenn nicht gerade neue LKW Ladungen ankamen, waren sie jeden Morgen deutlich weniger, weil in der Nacht viele einfach abhauten (nur mit Stacheldraht gesichert). Er selber blieb 8 Tage, in der Hoffnung, irgendwann offizielle Entlassungspapiere zu bekommen, aber dann wurde es ihm zu viel, bei den dort herrschenden Bedingungen und er ist dann auch Nachts mit einigen Kameraden geflohen, was unproblematisch möglich war, wenn einem die Entlassungspapiere egal waren (Zudem war er Kriegserfahren, Stacheldraht schreckten ihn und seine Kameraden wahrlich nicht). Er sagte, er hatte danach bei der Arbeitssuche durchaus seine Probleme, ohne die Papiere, aber irgendwann hat er dann doch einen Job gefunden. Ergo: Diese Lager waren unmenschlich, aber die zu verbuchenden "Verluste" hatten nicht immer einen tödlichen Hintergrund. Da findet eine Übertreibung statt.

Laurenz

26. Juli 2021 16:02

@RMH @Gustav Grambauer

Das ist schon wieder so eine linke Argumentationskette einer persönlichen Zeitschnur-Erfahrung, die einfach als Maßstab auf Mio. anderer angewendet wird. Kein einzelner ist ein Maßstab. Nur Zahlen & Fakten zählen.

Natürlich ist das Erzählen von Einzelschicksalen legitim.

Mein Großvater war als kriegsgefangener Soldat auf den Rheinwiesen im Alter von 45 Jahren. Da haute niemand ab, weil die Bewachung eben "lagergerecht" war. Er hatte hunderte meist junger Soldaten beerdigen müssen, viele, die vor Schwäche mit Durchfall einfach vom Donnerbalken in die Jauche stürzten & in dieser erstickten. Im Grunde war mein Großvater mit nichts anderem als Beerdigungen beschäftigt. Nach 2 oder 3 Wochen kam er so raus, nach Marseille. Marseille war die Hölle meiner Beiden Großväter. Beide (90KG-Männer)  wurden dort mit 55KG Körpergewicht aus der Gefangenschaft entlassen. Meine Großmutter fragte sich bei der Heimkehr meines Großvaters, warum mein Vater (damals 10 oder 11 Jahre) einen völlig fremden Mann umarmt & küßt.

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