Warum ich alle meine Videos lösche – zum Symbolgesetz

Martin Lichtmesz hat bereits vor zwei Wochen über das "Symbolgesetz" geschrieben, das am 1. August in Österreich in Kraft tritt.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Ich will auf die unmit­tel­ba­ren Kon­se­quen­zen die­ses Will­kür­akts ein­ge­hen. Eine ist, daß ich sämt­li­che Kanä­le, die mir nach der “digi­ta­len Todes­stra­fe” ver­blie­ben sind, lee­ren muß.

Die­ser Tage lösche ich, teil­wei­se in müh­sa­mer Klein­ar­beit, jedes Video und jede Gra­fik, die ich in den letz­ten neun Jah­ren des iden­ti­tä­ren Akti­vis­mus ins Netz gestellt habe. Alles was die Zen­sur­wel­le über­lebt hat, unter ande­rem die Platt­for­men “Bitchu­te”, oder “VKon­tak­te”, wer­den jetzt vom Sym­bol­ge­setz ins Visier genommen.

Es kann als eine Ergän­zung und Ver­schär­fung der Zen­sur betrach­tet wer­den. Waren die iden­ti­tä­ren Sym­bo­le und Bot­schaf­ten in Öster­reich bis­lang nur über den Aus­schluß von allen rele­van­ten sozia­len Netz­wer­ken und Zah­lungs­platt­for­men in die Nischen der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft gedrängt, so trifft und tilgt sie das neue Gesetz auch dort.

Es ist völ­lig irrele­vant, wie klein ein Tele­gram­ka­nal ist oder wie wenig Auf­ru­fe ein Bild auf “VKon­tak­te” hat. Das küm­mert die Jus­tiz und ihre zahl­rei­chen Zuträ­ger aus der lin­ken “Zivil­ge­sell­schaft”, die ab Anfang August eine digi­ta­le “Lamb­da­jagd” ver­an­stal­ten wer­den, nicht. Die Kon­se­quen­zen eines Ver­sto­ßes sind poten­ti­ell existenzvernichtend.

Zwar wur­de das Sym­bol­ge­setz bis­her kaum ange­wen­det. ““Graue Wöl­fe”: Ver­bo­te­ne Fah­nen wehen wei­ter”, titel­te etwa der Kurier im Jahr 2019. Auch die weni­gen Fäl­le, in denen das Zei­gen ver­bo­te­ner isla­mi­scher Zei­chen geahn­det wur­de, führ­ten zu mini­ma­len Geldstrafen.

Wenn es “gegen Rechts” geht, und sowohl Sebas­ti­an Kurz als auch die Grü­nen poli­ti­sches Inter­es­se an sei­ner Durch­set­zung haben, wird sich das Sym­bol­ge­setz aller­dings von sei­ner bös­ar­ti­gen Sei­te zei­gen. Eine davon ist die kumu­la­ti­ve Wir­kung der Straf­ten. Bei mehr­ma­li­gen Ver­stö­ßen wird jeder ein­zeln gewer­tet und mit einer Ver­wal­tungs­stra­fe von bis zu 4.000 Euro belegt. Liegt bereits eine Ver­ur­tei­lung vor, geht der Rah­men bis zu 10.000 Euro pro Verstoß.

Wür­de ich also bei­spiels­wei­se ein altes Social-Media-Kon­to, das in mei­ner Ver­fü­gungs­ge­walt steht, ver­ges­sen, auf dem zwei Jah­re lang IB-Inhal­te geteilt wur­den, auf denen schät­zungs­wei­se 200 Lamb­das zu sehen sind, wür­de das einen Straf­rah­men von 800.000 Euro bedeu­ten? Das ist absurd und unwahr­schein­lich? So etwas gin­ge nie durch? Das dach­te man vor “Ter­ror­raz­zi­en” wegen emp­fan­ge­ner Spen­den auch …

Wer im Wider­stand gegen die herr­schen­de Demo­kra­tie­si­mu­la­ti­on nicht von der größ­ten Nie­der­tracht und der frechs­ten Will­kür aus­geht, wird sich “wun­dern, was alles mög­lich ist”. Zwei Aspek­te am Sym­bol­ge­setz sind aber durch­aus beach­tens­wert. Offen­bar reicht die digi­ta­le Todes­stra­fe durch “Deplat­forming” allei­ne nicht.

Die Ver­ban­nung in die Kata­kom­ben der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft und die künst­li­che Ver­nich­tung von Reich­wei­te allein still­ten den Hun­ger nach Ver­gel­tung und Erfolgs­mel­dun­gen im “Kampf gegen Rechts” nicht. Dies liegt einer­seits an der exter­mi­na­to­ri­schen Natur jedes Tota­li­ta­ris­mus. Für ihn ist auch der kleins­te sicht­ba­re Wider­spruch uner­träg­lich, da er die Insze­nie­rung einer Ein­heits­mei­nung stört. Unse­re nack­te Exis­tenz, sei sie auch noch so über­seh­bar, ist für die lin­ke “Öko‑, Coro­na- und Frie­dens­volks­ge­meinschft gegen Rechts” eine Zumutung.

Ande­rer­seits konn­te man im letz­ten Jahr Öster­reich den iden­ti­tä­ren Akti­vis­mus trotz des Coro­na­the­men­blocks, der alle ande­ren Din­ge über­schat­te­te, schwer über­se­hen. Von der Akti­on auf der Hof­burg, wel­che uns ein “Dach­be­tre­tungs­ver­bot” ein­brach­te, über die “Islam­warn­schil­der” bis hin zur Stör­ak­ti­on bei der “Vien­na Pri­de” mach­te der iden­ti­tä­re Akti­vis­mus in Öster­reich Monat für Monat Schlagzeilen.

Daß sich das Sys­tem Kurz dazu genö­tigt sieht, von der Metho­de der Zer­set­zung zum direk­ten juris­ti­schen Ver­bot über­zu­ge­hen, ist eine Wür­di­gung die­ses fort­ge­setz­ten sicht­ba­ren Wider­stands. Das neue Auf­tre­ten und die neue Form der Kom­mu­ni­ka­ti­on stel­len sicher, daß er auch  nach dem Sym­bol­ver­bot wei­ter­ge­hen wird.

Iden­ti­tä­re Aktio­nen fin­den in Öster­reich und Deutsch­land mitt­ler­wei­le vor­bild­lich mas­kiert statt, kom­men in der Regel ohne Lamb­da­fah­nen aus und wer­den auf anony­men Platt­for­men wie dem neu­en “Akti­ons­mel­der” ver­öf­fent­licht. Dazu tre­ten zahl­rei­che loka­le Initia­ti­ven und Pro­jek­te, wie “Cas­tell Auro­ra”, ein neu eröff­ne­tes Zen­trum in Linz, Frei­räu­me in Graz und Wien oder die Bil­dungs­in­itia­ti­ve der Gegen­uni.

Die ent­schei­den­den Wir­kun­gen der Akti­on, die Stö­rung des künst­li­chen Kon­sens und der geg­ne­ri­schen Insze­nie­rung, die Inspi­ra­ti­on und Mobi­li­sie­rung eige­ner Sym­pa­thi­san­ten, sowie die Rekru­tie­rung neu­er Kräf­te ent­fal­ten sich mit und ohne Lamb­da­fah­ne. Ohne­hin sind der iden­ti­tä­re Ansatz und sei­ne drei ent­schei­den­den Wir­kun­gen auf das akti­ve rech­te Lager unhin­ter­geh­bar geworden.

Die Auf­bruchs­pha­se, in der das Gesicht­zei­gen zur Über­win­dung der emo­tio­na­len Bar­rie­re und zur Schöp­fung eines neu­en Stils und Typus ent­schei­dend war, haben ihre Wir­kung hin­ter­las­sen. Nie zuvor war eine akti­ve rech­te Bewe­gung anschluß­fä­hi­ger und belieb­ter im rech­ten Lager und bis in die Mit­te der Gesell­schaft hin­ein. Her­bert Kick­ls Ein­schät­zung der IB als “rech­ter NGO” ist eine Beweis für den Erfolg die­ser Bemühungen.

Der iden­ti­tä­re Ansatz hat genau jene Lücke einer akti­vis­ti­schen, patrio­ti­schen Kraft, mit der sich alle rech­ten Par­tei­en, Autoren, Zeit­schrif­ten, und Grup­pen rück­halt­los soli­da­ri­sie­ren kön­nen, wenn sie das Rück­grat dazu haben. Das “neu­rech­te Kon­ti­nu­um” wur­de damit hergestellt.

Auch die Asso­zia­ti­ons­schuld und das gele­gent­li­che Ver­sa­gen rech­ter Akteu­re bei die­ser Bewäh­rungs­pro­be ändern nichts an die­sen Tat­sa­che. Es ändert eben­so­we­nig am him­mel­wei­ten Unter­schied in Auf­tre­ten, geis­ti­ger Sub­stanz und erziel­tem Erfolg, der zwi­schen den iden­ti­tä­ren Zusam­men­hän­gen und den vor­an­ge­gan­gen natio­na­lis­ti­schen Akti­ons­grup­pen besteht.

Der herr­schen­de Distan­zie­rungs­druck macht es schwie­rig (aber, wie Kickl zeigt, nicht unmög­lich) sich zur IB zu beken­nen, oder sie gegen Unrecht zu ver­tei­di­gen. Dyna­mi­scher, dezen­tra­ler und anony­mer iden­ti­tä­rer Akti­vis­mus, wie wir ihn in den letz­ten Mona­ten erlebt haben, läßt die­sen Druck immer öfter ins Lee­re stoßen.

Neue loka­le iden­ti­tä­re Initia­ti­ven pro­fi­tie­ren nun von der prä­gen­den Auf­bau­ar­beit für die iden­ti­tä­re “Mar­ke”, indem ihre unver­wech­sel­bar iden­tiä­ren Aktio­nen auch ohne offi­zi­el­lem Bezug oder Lamb­da­fah­nen von der Pres­se als “iden­ti­tär” erkannt und benannt werden.

Ein zwei­ter inter­es­san­ter Aspekt am Sym­bol­ge­setz ist sei­ne ver­gleich­ba­re Zahn­lo­sig­keit. Sicher, das Löschen aller Vide­os und Bil­der ist ner­vig. Die einst­wei­li­ge Stil­le­gung der Bür­ger­be­we­gung “DO5-Die Öster­rei­cher”, die eben­falls vom Ver­bot betrof­fen ist, ist ärgerlich.

Auch der neue Mus­ter­pro­zeß, für den ich zwecks Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on eine Par­tei namens “DO5” gegrün­det und einen im Jahr 2018 frei­ge­spro­che­nen Ver­ein in “Iden­ti­tä­re Bewe­gung” umbe­nannt habe, wird kos­ten- und zeit­in­ten­siv. Soll­ten wir aber am Ende obsie­gen, wie eini­ge gute Juris­ten ver­mu­ten, wür­de das einen im wahrs­ten Sin­ne des Worts sym­bo­li­schen Sieg dar­stel­len, für den mir auf Anhieb fünf gute (und etwas scha­den­fro­he) Akti­ons­mög­lich­kei­ten rund um die ÖVP-Par­tei­zen­tra­le einfallen.

Im Ver­gleich zum radi­ka­len Ver­bot der “Géné­ra­ti­on Iden­ti­taire” in Frank­reich ist das Gesetz in Öster­reich aber durch­aus erträg­lich. Soll­ten anony­me Akti­vis­ten es gar wagen, mit dem Ver­bot zu spie­len, indem sie etwa ein Lamb­da in die Wie­se rasie­ren oder Lamb­da­fah­nen an Luft­bal­lons vor dem Par­la­ment flat­tern las­sen, könn­te es sich sogar als Impuls­ge­ber für krea­ti­ven Akti­vis­mus entpuppen.

Doch selbst wenn man, wie ich es hier­mit gelo­be, in Zukunft auf das Zei­gen des ver­bo­te­nen Zei­chens ver­zich­tet, erge­ben sich zahl­rei­che Hand­lungs­mög­lich­kei­ten. Daß das Sym­bol­ge­setz sich auch auf die Logos aller “Teil- und Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­tio­nen” erstreckt, könn­te eben­falls humo­ris­tisch und wider­stän­dig ver­wer­tet wer­den. Insi­der­krei­se bestä­ti­gen mir, daß die Bewe­gung DO5 andenkt, als neu­es Logo eine Regen­bo­gen­fah­ne zu wählen.

Kurz gesagt – der Kanz­ler und sei­ne grü­nen Regie­rungs­part­ner sahen offen­bar von der ulti­ma ratio, einem Total­ver­bot der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung im Stil des “Wie­der­be­tä­ti­gungs­pa­ra­gra­phen”, bis­her ab. Der Grund dafür könn­te in der juris­ti­schen Pro­ble­ma­tik lie­gen, die selbst das der­zei­ti­ge Gesetzt birgt, das sogar von Amnes­ty und ande­ren NGOs  scharf kri­ti­siert wur­de. Viel­leicht glaubt aber die ÖVP ein­fach die eige­ne Greu­el­pro­pa­gan­da selbst nicht so ganz.

Was auch immer der Grund für die­ses eben­so läs­ti­ge wie unde­mo­kra­ti­sche Gesetz ist – am 31. Juli (über­mor­gen!) also einen Tag bevor es in Kraft tritt – wird in Öster­reich noch ein­mal im Zei­chen des Lamb­das demonstriert.

Um 16 Uhr tref­fen sich Iden­ti­tä­re und ande­re Patrio­ten aus ganz Euro­pa am Alber­ti­na­platz zu einer tra­di­tio­nel­len Wie­ner Som­mer­de­mo. Wer unse­re Tätig­kei­ten der letz­ten neun Jah­re mit Wohl­wol­len beglei­tet hat, ist herz­lich ein­ge­la­den, dem Lamb­da das vor­erst “letz­te Geleit” zu geben und gleich­zei­tig mit uns in eine neue Wider­stand­s­epo­che zu treten.

Also: Sams­tag, 31. Juli, 16 Uhr, Alber­ti­na­platz in Wien!

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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Kommentare (39)

Laurenz

29. Juli 2021 11:55

@MS

Wir haben Ihr Thema bereits unter dem ML-Artikel, https://sezession.de/64452/das-symbole-gesetz-und-die-identitaere-bewegung, ausgiebig debattiert. Da Sie momentan, wie Sie Selbst schrieben, mit multiplen Löschungen beschäftigt sind, werden Sie wohl nicht wirklich Zeit gehabt haben, alles unter dem Artikel zu lesen.

Viele SiN-Korrespondenten (auch ich) waren nicht der Meinung, daß man ein Symbol oder Logo bräuchte. Aber wenn man im Zuge dieses Symbol-Gesetzes meint, Symbole implementieren zu müssen, dann doch am besten die des politischen Gegners. Wenn ich in das Regierungsprogramm der ÖVP schaue, hat diese dort 2 breite rote Striche, die fast wie ein Kußmund aussehen. Für die Identitären müssen die ja nicht rot sein, grün würde es auch tun. Die ÖVP-Speichellecker können dann gerne das ÖVP-Symbol verbieten. Oder hier das SPÖ Symbol, auch ganz nett https://www.spoe.at/#

quarz

29. Juli 2021 12:06

"Der herrschende Distanzierungsdruck macht es schwierig (aber, wie Kickl zeigt, nicht unmöglich) sich zur IB zu bekennen, oder sie gegen Unrecht zu verteidigen."

Nachdem mit Kickl erstmals ein prominenter Politiker ohne zu cucken Paroli geboten hat, haben die Journalisten offenbar auch die Lust verloren, bei jedem Interview "die Instrumente zu zeigen", dh. auf die Gretchenfrage: "Wie hältst du's mit den Identitären" zuzusteuern. So einfach ist es also, diesem Spiel ein Ende zu setzen. Sobald sie merken, dass es wirkungslos wird, lassen sie es. Diese Lehre vor allem sollten wir aus der Sache ziehen.

RMH

29. Juli 2021 12:23

Rein juristisch wäre es schon spannend gewesen, ob etwas, was im Zeitpunkt der Veröffentlichung legal war, durch eine spätere Strafgesetzgebung strafbar werden kann. Es gibt bekanntermaßen gerade im Strafrecht ein Rückwirkungsverbot. Erzeugen die jetzigen, neuen Regeln also eine Löschpflicht und macht sich derjenige strafbar, der einstmals legal Veröffentlichtes nicht löscht?

Wären gute Themen für eine juristische Hausarbeit, aber es ist verständlich, dass sich M.S. nicht dem Wagnis einer juristischen Auseinandersetzung stellen will. Aber evtl. Macht das genau 1 Person mit nur einem Video um einen Musterprozess durchführen zu können.

Maiordomus

29. Juli 2021 12:41

Die Symbolgeschichte war von Anfang an ein unglücklich gewählter Kriegsschauplatz. Ändert zwar nichts an der Erbärmlichkeit der Verfolger. Eigentlich wurde Sellner mit dieser Sache verheizt. 

MARCEL

29. Juli 2021 13:54

Alexander Solschenizyn sprach 1980 von den kommunistischen Funktionären dieser Zeit als von "Mördern der Seele".

Erster Angriffspunkt ist immer das Nervenkostüm, die Psyche (Zersetzung) - wer zuerst aufgibt.

Man sollte viele neue Organisationen schaffen, mit vielen neuen Symbolen und vielen neuen Oberbegriffen, je mehr, je "diverser" desto besser: Das System/die Dienste muss/müssen pausenlos auf Trab gehalten werden.

Der "Rest" findet dann woanders statt.

MARCEL

29. Juli 2021 14:04

P.S. Wolfgang Leonhard berichtet von einer kuriosen Strategie während der Stalinistischen Säuberungen in Moskau:

Wurde z. B. ein Arzt als Konterrevolutionär verhaftet und im Verhör aufgefordert, alle seine Hintermänner zu nennen, gab derjenige einfach sämtliche Namen aller Moskauer Ärzte an. Als dann der Befrager einen Namen streichen wollte, entgegnete der gefangene Arzt sogleich: "Was, Sie wollen einen Konterrevolutionär davonkommen lassen?!" Der Vernehmungsbeamte wurde unsicher und blieb unschlüssig zurück. Soll funktioniert haben...

Phantasie ist wohl auch bei uns gefragt.

Beowulf

29. Juli 2021 14:12

Ich hoffe inständig, dass sich das "Gejammere" über das Symbolgesetz in Grenzen hält. Außerhalb der "Szene" interessiert sich niemand dafür und innerhalb empfinde ich diese Stilisierung als Opfer doch als sehr ermüdend.

Ist ja nicht so, als dass man erwarten sollte, dass der Gegner mit fairen Mitteln kämpft. Und es wird bestimmt nicht der letzte Versuch sein rechten Aktionismus zu behindern.

 

@RMH
Meines Erachtens geht es nicht um die Gesetzeslage zum Zeitpunkt der Erstellung des Materials (Videos, etc.), sondern um die aktuelle Verbreitung. Wenn ein Video jetzt im Internet verbreitet wird, dann ist es egal ob das Video ursprünglich vor der Gesetzesänderung veröffentlich wurde.
 

Dieter Rose

29. Juli 2021 14:44

Schön zu erfahren, dass wir wieder

mal mit Felix Austria in einem Boot

sitzen!

Der Gehenkte

29. Juli 2021 15:36

Es ist schier unglaublich und empörend! Es ist aber auch eine Zäsur, eine lehrreiche dazu. Sie zeigt die innere Abgeschlossenheit der gegnerischen "Argumentation", die sich aus der eigenen Ideologie heraus selbst die Machtmittel konstruiert, mit der sie alle Gegenposition gegen just diese Abgeschlossenheit unterdrückt. Man kann innerhalb dieses Zirkels den Organismus nicht mehr in Frage stellen oder auch nur seine Richtung ändern. Man muß also daraus heraustreten - entweder in direkter Gegnerschaft, was die Maschine meist nur trainiert, oder aber durch Abstraktionserhöhung, durch Gewinnung eines Draufblicks. Die Erkenntnisse daraus kann man dann in den Organismus eintröpfeln lassen und auf ein langfristige Wirkung hoffen.

Aller Hinterher-Zynismus ist mir zuwider - Sellner hat getan, was er tun mußte. Aber er hätte eine andere Möglichkeit gehabt, denn sein politdenkerisches Potential ist unübersehbar. Um es im obigen Sinne wirksam werden zu lassen, bedarf es umfassender Bildung. Die Biographien aller erstrangigen Denker zeigen, daß die Vorbereitung in jungen Jahren geschehen muß. Wer nicht von 15-30 extensiv liest und arbeitet wie besessen, kommt nicht an die vorderste Front. Vielleicht gelingt es Sellner ja jetzt, diese Arbeit nachzuholen. Dann können wir noch viel von ihm erwarten.

Grobschlosser

29. Juli 2021 15:56

Sellner massiv unterstützen ! Jeder kann € 50.- geben 

Laurenz

29. Juli 2021 16:04

@Der Gehenkte

"Die Biographien aller erstrangigen Denker zeigen, daß die Vorbereitung in jungen Jahren geschehen muß. Wer nicht von 15-30 extensiv liest und arbeitet wie besessen, kommt nicht an die vorderste Front."

Das ist doch absoluter Quatsch. Ronald Reagan las nur Skripte & Drehbücher in seinem Leben & hatte sonst von nichts eine Ahnung. Aber er war in der Lage selbständig zu denken. Das selbständige Denken zu lernen ist wichtiger als alles andere. Die Denkart anderer mag zwar spannend sein, manchmal auch erleuchtend, bleibt aber vollkommen nebensächlich. Sie sehen doch, man kann sogar als Analphabet Kanzlerkandidat der Pseudo-Grünen werden.

heinrichbrueck

29. Juli 2021 16:43

"Wenn es "gegen Rechts" geht,..." 
Gegen Weiß. 
Die Demokratiedefinition ist nicht überzeugend. Demokratiesimulation schlägt die alten Diktaturformen, weil die Menschen ihre "eigene" Meinung vertreten dürfen. Psychologische Methoden der Gehirnwäsche durchdachter angewendet, die Maßnahmen gegen Dissidenten freundlicher. "Friedensvolksgemeinschaft" ist kein Feind. In einer Demokratie kann es eine Dissidentenmehrheit nicht geben. 
Die identitäre Bewußtmachung widerspräche konservativen Bestrebungen, die Umvolkung durchziehen zu können; also das Verbot eigenen Denkens. Umvolkungsidentität bleibt negative Bewußtseinsbeeinflussung, "Kampf gegen Rechts" demokratischer Beharrungskampf der Falschidentität. Sie werden ihren Widerspruch verfolgen müssen, ihr eigenes Symbolbild auch nicht verbieten können, denn es wehrt sich die eigene Identität bis zum Äußersten. Sie können das Eigene denken oder vergehen, jedoch nicht die Freiheit verbieten. Im Namen der Freiheit läßt es sich nicht besonders gut morden. Freiheitsverlust führt nicht zu mehr Macht.
Wer sind wir? Dieses Wissen klar vor Augen führen...

Nitschewo

29. Juli 2021 16:48

@Gustav 

Mit dieser Einstellung lässt sich in der Tat kein Blumentopf gewinnen. Mögen die Intellektuellen und Belesenen sich auch fürderhin hinter der Schreibmaschine verstecken und schöne Wortgirlanden drechseln, das gemeine Volk wird dafür sorgen, dass sie es auch weiterhin  können werden. Empfehle einen jungen Burgunder mit ein paar Erdbeeren oder Pfirsichhälften drin, wenn es soweit ist. Zum Wohlsein.

 

PS: Was ist das Großkotzige „si omnes ...“ denn wert, wenn alles was man in die Waagschale zu werfen bereit ist, ein paar geflügelte Worte sind? 

Laurenz

29. Juli 2021 18:35

Aktuell: BGH-Urteil zu Hatebook

 

https://youtu.be/ne-IpyrDgX0

Waldgaenger aus Schwaben

29. Juli 2021 22:03

Dürfen die Schluchtis (in Bayern verbreitete, abwertende Bezeichnung für Österreicher, die Etymologie erspare ich jetzt den Lesern) in Zukunft keine lambda Funkitionen in höheren Programmiersprachen verwenden?

Mithin die Schönheit solcher Zeilen

print(meinFilter(lambda wert: wert % 2 == 0, liste))

in Phython  oder in Common Lisp

((lambda (x) (* x 2)) 5)

nicht wertschätzen dürfen?

RMH

30. Juli 2021 09:06

Alle Videos löschen ist ein bisschen kindlich trotzig, es sei denn, man will selber bei der medialen Inflation einmal wieder ein Stück Tabula Rasa haben. Bildbearbeitung bei wesentlichen Videos halte ich für sinnvoller.

Und die Ober- und Niederbayern fordere ich hiermit auf, bei passendem Wind tausende von gelben Lambda-Luftballons nach Österreich fliegen zu lassen, so wie wir vor dem Mauerfall Ballons mit Postkarten in die DDR haben fliegen lassen.

kikl

30. Juli 2021 09:07

"Insiderkreise bestätigen mir, daß die Bewegung DO5 andenkt, als neues Logo eine Regenbogenfahne zu wählen."

Die Idee finde ich sehr lustig. Die Strategie muss es sein, das Symboleverbot in den Selbstzerstörungsmodus zu schicken.

Es werden immer weitere Symbole vereinnahmt, die danach verboten werden müssen, bis es den Symbolen des Mainstreams selber an den Kragen geht. Da ließe sich sehr viel Schabernack mit dem totalitären Mainstream treiben.

quarz

30. Juli 2021 11:29

@kikl

"Die Strategie muss es sein, das Symboleverbot in den Selbstzerstörungsmodus zu schicken."

Googelnd bin ich gerade auf zwei amüsante Koinzidenzen gestoßen:

1) Eine ergänzt die Idee mit der Regenbogenfahne aufs Trefflichste:

https://lambdanachrichten.at/l212.pdf

2) Die andere könnte die Corona-Berichterstatter im österreichischen Fernsehen in Verlegenheit bringen:

https://www.swr.de/wissen/neue-corona-variante-lambda-100.html

 

Waldgaenger aus Schwaben

30. Juli 2021 14:09

Ernsthaft jetzt:

Die original Regenbogenfarben sind sieben. Die LGBT*#@!!: haben eine Farbe entfernt, ausgerechnet himmelblau. Was auf kath.net zur Spekultionen führte, dass die heilige Zahl sieben und die Farbe himmelblau den hinter dem Missbrauch des Regenbogens stehenden Mächten so zuwider war, dass sie eine Farbe entfernen mussten.

Wenn sich eine neue Bewegung die Regenbogenfahne als Symbol gäbe, dann unbedingt die siebenfarbige.

limes

30. Juli 2021 22:39

Das gröbstens verpixelte Symbol unter dem Titel „identitäre Lufthoheit“ erinnert an das „Sendepause“-Standbild in früheren Zeiten des Deutschen Fernsehens. Nach einer Sendepause geht es normalerweise weiter.

Normalerweise fängt der kreative Spaß erst an, wenn etwas verboten ist. Ich denke an die „beep“-Töne bei Johnny Cashs Auftritten in Strafanstalten, bei denen jeder genau wusste, was gemeint war.

In meiner ländlichen Region fiel mir heute im Vorbeifahren ein großes „ACAB“-Akronym an einem Schuppen auf. Ich denke, dass es zwar wenigen als staatsfeindlich bekannt ist, aber dennoch bekannter als das in Österreich nun inkriminierte (beep)-Zeichen. Das große ACAB-Graffiti wird wohl dauerhaft seine staatsfeindliche Botschaft unzähligen Vorbeifahrenden präsentieren - oder aber irgendwann sang- und klanglos überstrichen. Ein (beep)-Zeichen hingegen würde sicher auch hier in Deutschland von linksgepolten Meinungsmachern rasch raunend zum Skandal erklärt.

Dass das Kürzel ACAB staatsfeindlich ist, erschließt sich in der Übersetzung auch dem Normalbürger von selbst. Warum das schwarz-gelbe (beep)-Zeichen es sein soll, wird der Mehrheit ein Rätsel bleiben.

brueckenbauer

31. Juli 2021 00:46

Irgendwie fehlt mir der Hinweis, dass wir ja auch in der BRD Symbolverbote haben, die in den sechziger bis achtziger Jahren inflationierten, bis der Staat dann wirklich Mühe hatte, die erlaubten Wolfsangeln oder Odalsrunen von den verbotenen abzugrenzen. Hat die deutsche Rechtsopposition daraus eigentlich was gelernt? Oder wird bei jeder Häutung der Rechtsopposition der ganze Erfahrungsbestand der Vorläufer einfach vergessen?

anatol broder

31. Juli 2021 11:12

bei der heutigen demo in wien finde die regel nr 3 interessant:

«[…] alkohol […] und schlechtes benehmen sind auf unserer kundgebung unerwünscht und führen zum ausschluss.»

wie setzen die identitären diese regel durch?

Charlemagne

31. Juli 2021 14:17

Das heutige System wird oft als sanfter Totalitarismus bezeichnet.

Ich bin der Meinung, dass ein sanfter Totalitarismus auch in einen harten Totalitarismus umschlagen kann. 

Was das heißt, lese ich gerade in dem Meisterwerk von Solschenizyn (ARCHIPEL GULAG).

Ein Buch, dass es noch nie gab: Sachbuch und Belletristik, Tatsachenbericht und große Literatur in einem.

Dieses Buch sollte man dem Kanzler zuschicken, damit er überhaupt versteht, was er gerade veranstaltet und auf welchem Weg er sich befindet.

anatol broder

31. Juli 2021 17:12

treffen sich regenbogen, acab und lambda in einem beisl.

regenbogen. meine videos sind nicht mehr wegzudenken.

acab. meine videos sind nicht mehr weg.

lambda. meine videos sind nicht mehr.

Laurenz

31. Juli 2021 18:07

@Charlemagne

Der Kanzler kennt seine Feinde und Dissidenten nur zu genau....., wie auch seine Abweichler...

Charlemagne

31. Juli 2021 18:23

In diesem Artikel geht es in erster Linie nicht um Literatur.

Dennoch möchte ich nochmals auf das Buch DER ARCHIPEL GULAG zurückkommen, was ich für ein ganz außergewöhnliches Werk halte.

Das Buch wurde nicht von Swetlana Geier übersetzt, der bedeutendsten Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche. Vor Swetlana Geier lasen sich russische Romane wie französische. Nach der Neuübersetzung sind sie viel kraftvoller. Außerdem hat sie neue Titel entworfen. Schuld und Sühne heißt bei ihr jetzt Verbrechen und Strafe usw.

Nun gibt es aber auch andere gute Übersetzer. DER ARCHIPEL GULAG wurde Anna Peturnig übersetzt. Dabei handelt es sich um ein Pseudonym, hinter dem sich die österreichische Slawistin Elisabeth Markstein verbergt.

Ich finde beide Ausgaben, die 3-bändige sowie die 1-bändige gut übersetzt. 

Ich meine, dass Menschen, die sich mit Politik beschäftigen zumindest den Kurz-GULAG lesen sollten. 

Erstaunlich, dass ein Mann, der so was erlebte, mit so einer Leichtigkeit und schwarzem Humor darüber schreiben kann.

Sekundant

1. August 2021 09:49

Woher wissen Sie, Charlemagne, ob das, was im "Archipel Gulag" zu lesen ist, tatsächlich erlebt wurde? Waren Sie dabei?  Es könnte auch einfach Literatur sein; gute oder schlechte, treffend oder unzutreffend übersetzt - Glaubensfrage oder auch Geschmackssache. In beiden Fällen aber schlicht und ergreifend ohne jede Bedeutung......

wolfdieter

1. August 2021 12:22

Bin selbst nicht Jurist, empfehle aber, einen Juristen zu befragen. Rückwirkendes Verbot könnte verfassungswidrig sein. Heißt, neue Videos ohne Lambda, verflossene könnten nicht verboten sein.

Disclaimer: der Rat lautet nicht, Videos belassen, sondern, bei Fachmann anfragen.

Niekisch

1. August 2021 15:51

"Rückwirkendes Verbot könnte verfassungswidrig sein."

@ wolfdieter 12:22: Ein Blick in die behördliche oder gerichtliche Entscheidung - Tenor - erleichtert die Beurteilung.

Charlemagne

1. August 2021 17:56

@Sekundant

Wenn Sie nur historische Gegebenheiten als Wahrheit ansehen, an denen Sie selbst beteiligt waren, würde ich das als eine große Einschränkung der historischen Bildung ansehen.

Ich erwähne Solschenizyn nur, weil er den Totalitarismus so gut beschreibt. Oder glauben Sie etwa er hätte das alles erfunden?

Der Übergang von einem sanften zu einem harten Totalitarismus ist heute fließend.

Sekundant

1. August 2021 19:07

Sie, Charlemagne, "antworten" auf meine Frage mit einer erneuten Behauptung; diesmal behaupten Sie ohne jede Grundlage etwas über meine Anschauung von Wahrheit. Warum sollte ich das, was Solschenizyn schreibt, für tatsächlich Geschehenes halten? Aber genau das behaupteten Sie!

Cugel

1. August 2021 19:35

@Charlemagne

"Dieses Buch sollte man dem Kanzler zuschicken, damit er überhaupt versteht, was er gerade veranstaltet und auf welchem Weg er sich befindet."

Gehen Sie davon aus, daß Kurz vollkommen klar ist, was er da treibt. Der Mann ist intelligent und skrupellos. Ich habe ihn von Anfang an für den gehalten, als der er sich entpuppt hat. Man sieht es ihm tatsächlich an.

Cugel

1. August 2021 19:36

@limes

"Dass das Kürzel ACAB staatsfeindlich ist, erschließt sich in der Übersetzung auch dem Normalbürger von selbst."

Ist es das denn wirklich?

Charlemagne

1. August 2021 20:43

@Sekundant

Erstaunlich sind die unterschiedlichen Opferzahlen. Wikipedia schreibt von 2,7 Mio. Getöteten. Sie schränken den Zeitraum der GULAGS unzulässigerweise auf 1930 – 1953 ein. Was nicht stimmt, die Lager haben seit der Revolution bis einige Jahre nach Stalins Tod existiert (weil die Entstalinisierung etwas dauerte). 

Solschenizyn benutzt, die verbreitete Zahl von 20 Mio. Getöteten. Er erwähnt in seinem Buch allerdings auch einen russischen Statistik-Professor, der die Zahl 60 Mio. ausgerechnet hat. Unglaublich! Aber möglich, wenn man bedenkt, dass der GULAG 38 Jahre dauerte.

Ich weiß nicht inwieweit die russischen Historiker sich mit dem Thema beschäftigen und ob man jemals die genaue Zahl der Opfer ermitteln kann.

In Deutschland ist die Sache einfacher. Hier hat der Staat die Zahl der Opfer in den Lagern durch Gesetz festgelegt. Historische unabhängige wissenschaftliche Forschung im Bereich Holocaust (jedenfalls was die Zahl der Opfer angeht) ist verboten. 

Franz Bettinger

2. August 2021 08:42

@Sekundant: Ich wette, Sie haben das Buch, dessen Wahrhaftigkeit Sie in Frage stellen, nie gelesen, ja nicht einmal angelesen. - Was mich an Auto-Biographien (z.B. von Marcel Reich-Ranicki oder von Hildegard Knef, und hier insbesondere die Passagen über die Nazis und den Krieg) fasziniert, ist gerade ihre vermutete Authentizität, die sich für mich daraus ergibt, dass das Geschilderte sich mit so vielen anderen Auto-Biographien deckt. Wo es sich nicht deckt, muss man Fragezeichen setzen. Aber gerade wo es sich deckt, in dieser Schnittmenge, tut sich die Wahrheit kund. Auch beim Archipel Gulag, der ja von vielen anderen (z.B. im Wolfskind @Antaios) ähnlich beschrieben wurde. 

Sekundant

2. August 2021 09:07

Ich begreife nicht, weshalb Sie, Charlemagne, Ihre Ausführungen von gestern, 20:43 Uhr, meiner Person widmen. Was Sie da aufschrieben hat nicht das Geringste mit meinen Fragen an Sie und meinen Feststellungen über Ihr vorher Geschriebenes zu tun!

Laurenz

2. August 2021 16:58

@Franz Bettinger @Sekundant

Zeitzeugen sind zwar spannend, aber kein Richter, außer alliierte - in Nürnberg, mag/mochte sie.

Charlemagne

2. August 2021 18:33

@Laurenz

Über Alliierte Kriegsverbrechen will und darf man heute nicht mehr schreiben.

Dennoch kann man von Zeitzeugen viel erfahren.

Was ich vor der Lektüre von Solschenizyn nicht wusste, ist die unterschiedliche Behandlung der Kriegsgefangenen nach dem Krieg. Während die westlichen Kriegsgefangenen (die ohnehin durch internationale Hilfsorganisationen viel besser versorgt waren) mit Orden geehrt wurden, kamen die russischen Kriegsgefangenen fast alle in den GULAG.

Die Briten und Amerikaner wussten davon und akzeptierten das.

Solschenizyn schreibt, dass diese GULAG-Häftlinge, die einzigen Menschen der Welt waren, die sich nach den deutschen Kriegsgefangenenlagern zurücksehnten.

PS: Zur Klarstellung: Ich schreibe hier von Kriegsgefangenenlagern und nicht von Konzentrationslagern.

Laurenz

2. August 2021 22:34

@Charlemagne @L.

Was Sie über Solschenizyns Erfahrungen oder Kenntnisse schreiben, kann ich nicht beurteilen. 

Die 6. Armee ging mit ca. 95.000 Überlebenden in die Kriegsgefangenschaft. Davon kehrten um die 6.000 lebend aus der Kriegsgefangenschaft zurück.

Mein eigener Großonkel väterlicherseits, Kommunist, ging am Peipus-See in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Er verstarb in einem Kriegsgefangenenlager 1944 bei Nowosibirsk.

Uns wurde auch kein sowjetischer Orden posthum zugeschickt.

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