Netzfundstücke (113) – Spitze, Steigern, Atom

»Bäume wachsen niemals in den Himmel.«

Die ers­te Keh­re in die­sem Jahr (erscheint Mit­te März) wird das The­ma »Res­sour­cen­knapp­heit« behan­deln. Die Fra­ge nach der End­lich­keit der Res­sour­cen wur­de in Euro­pa im Wesent­li­chen von Tho­mas Robert Mal­thus popu­la­ri­siert. Er for­der­te Ende des 18., Anfang des 19. Jahr­hun­derts eine Ober­gren­ze der Bevöl­ke­rungs­grö­ße, die in Abhän­gig­keit zur land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­on ste­hen sollte.

Ob Öko­no­men wie Wil­liam Stan­ley Jevons, der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts ein bal­di­ges bri­ti­sches Koh­le­för­der­ma­xi­mum vor­aus­sag­te – das auf­grund der Erd­öl­nut­zung erst spä­ter ein­trat, als von Jevons pro­gnos­ti­ziert –, der Bericht des Club of Rome von 1972 oder die zeit­ge­nös­si­schen Post­wachs­tums­theo­re­ti­ker; sie alle ste­hen mehr oder weni­ger in der Denk­tra­di­ti­on von Malthus. 

Für den Kon­ser­va­tis­mus hat der, von pro­gres­si­ver Sei­te aus oft­mals ver­ächt­lich gemach­te, Mal­thu­sia­nis­mus stets eine wich­ti­ge Rol­le gespielt. Er schim­mert in Fried­rich Georg Jün­gers Werk Die Per­fek­ti­on der Tech­nik durch, wenn Jün­ger kon­sta­tiert, daß es »zu den Kenn­zei­chen jeder geord­ne­ten Wirt­schaft gehört, daß die bewirt­schaf­te­te Sub­stanz erhal­ten und geschont wird, daß aller Ver­zehr vor jener Gren­ze halt­macht, deren Über­schrei­ten die­se Sub­stanz selbst gefähr­det oder ver­nich­tet«; er moti­vier­te Lud­wig Kla­ges zu sei­ner viel­zi­tier­ten Ankla­ge des fres­sen­den Feu­ers des Fort­schritts und wur­de bei Her­bert Gruhl omni­prä­sent, als die­ser die Plün­de­rung des Pla­ne­ten anprangerte.

Aus­ge­hend von Jevons Ana­ly­se der End­lich­keit der Koh­le­vor­rä­te, hat sich die Dis­kus­si­on um den Erschöp­fungs­zeit­raum der fos­si­len Res­sour­cen in dem Maße auf das Öl über­tra­gen, wie das »Schwar­ze Gold« die Koh­le als wich­tigs­ten Ener­gie­trä­ger ablös­te. Aus Jevons peak coal (Koh­le­för­der­ma­xi­mum) wur­de gewis­ser­ma­ßen peak oil (Ölför­der­ma­xi­mum).

Bis heu­te wird um die Fra­ge, wie lan­ge die fos­si­len Res­sour­cen noch ver­füg­bar, oder ob sie über­haupt je erschöpft sein wer­den, kon­tro­vers gestrit­ten, gleich­wohl der all­ge­gen­wär­ti­ge Fort­schritts­op­ti­mis­mus der ein­set­zen­den Indus­tria­li­sie­rung über die Jahr­hun­der­te an Strahl­kraft ver­lo­ren hat und sich zuneh­mend in der Defen­si­ve befindet.

Jedes­mal, wenn die Ener­gie­prei­se stei­gen, erhöht sich die Dyna­mik der Dis­kus­si­on – unab­hän­gig davon, ob die Ange­bots­ver­knap­pung nun (geo)politische und/oder natu­ra­lis­ti­sche Ursa­chen hat. Das Kon­zept des Ölför­der­ma­xi­mums sieht sich indes einem zen­tra­len Miß­ver­ständ­nis aus­ge­setzt: Es wird unter­stellt, peak oil pos­tu­lie­re einen abrup­ten Abfall der För­de­rung, der ein­set­zen wür­de, wenn der peak über­schrit­ten sei.

Damit ein­her­ge­hend wird irr­tüm­li­cher­wei­se das Bild von einem Zustand gezeich­net, in dem Öl noch in die­sem Jahr­hun­dert kaum mehr ver­füg­bar sein wird. Dabei beschreibt peak oil »ledig­lich« das Sze­na­rio einer Ölför­de­rung, die auf einem Pla­teau sta­gniert und dann lang­sam abfällt (die Ölför­de­rung in der Nord­see und Mexi­ko sind para­dig­ma­ti­sche Bei­spie­le für die­ses Sze­na­rio) – Öl wird auch laut peak-oil-Theo­re­ti­kern noch für lan­ge Zeit eine wich­ti­ge ener­gie­po­li­ti­sche Rol­le spielen.

Eben­je­nes Pla­teau sieht die Bun­des­an­stalt für Geo­wis­sen­schaf­ten und Roh­stof­fe (BGR) in ihrer Ener­gie­stu­die 2019 beim kon­ven­tio­nel­len Öl ab dem Jahr 2005 erreicht. Nur die neu erschlos­se­nen unkon­ven­tio­nel­len Vor­rä­te (Schieferöl/Teersande) haben das Wachs­tum der För­de­rung über die letz­ten Jah­re mög­lich gemacht.

Für den Ein­stieg in die The­ma­tik aus Per­spek­ti­ve der Ver­tre­ter des peak-oil-Kon­zepts emp­fiehlt sich ein Vor­trag von Jörg Schind­ler und Dr. Wer­ner Zit­tel anläß­lich des 12. Mün­che­ner Kli­ma­herbs­tes der evan­ge­li­schen Stadt­aka­de­mie. Sowohl Schind­ler als auch Zit­tel sind Mit­glie­der der Asso­cia­ti­on for the Stu­dy of Peak Oil (ASPO) und prä­sen­tie­ren in ihren Vor­trä­gen die wesent­li­chen Argu­men­te für die Exis­tenz eines peak oil:

Einen etwas effekt­hei­schen­de­ren Blick auf die The­ma­tik, wie das für sol­che For­ma­te üblich ist, wirft die eng­li­sche Doku­men­ta­ti­on Is The Earth Actual­ly Run­ning Out Of Oil? | The Strugg­le For Oil:


Wie Jörg Schind­ler in sei­nem Vor­trag anhand der Auf­schlüs­se­lung der ver­schie­de­nen Ölsor­ten impli­zit deut­lich macht, ist eine ein­sei­ti­ge Ori­en­tie­rung an der Quan­ti­tät des ver­füg­ba­ren Erd­öls irre­füh­rend – viel­mehr ist die Berück­sich­ti­gung sei­ner Qua­li­tät entscheidend.

Eine Vari­an­te, um die Qua­li­tät des geför­der­ten Erd­öls zu mes­sen, ist anhand des Fak­tors ener­gy on return on invest­ment (EROI) oder zu deutsch Ern­te- bzw. Net­to­en­er­gie­fak­tor: Die­ser Wert beschreibt die Ener­gie­aus­beu­te im Ver­hält­nis zu der bei der Pro­duk­ti­on ein­ge­setz­ten Ener­gie. Anders aus­ge­drückt: Wie viel Bar­rel Öl erhal­te ich, wenn ich ein Ener­gie­äqui­va­lent von einem Bar­rel Öl einsetze?

In den Anfangs­ta­gen des Ölzeit­al­ters bekam man bei den bes­ten Ölfel­dern für ein Bar­rel Öl Ener­gie­ein­satz 100 Bar­rel Öl und mehr zurück (EROI 100:1). Heu­te wird die­ser Fak­tor bei wei­tem nicht mehr erreicht, denn das ein­fach zu för­dern­de hoch­qua­li­ta­ti­ve Öl der bes­ten Fel­der ist bereits abge­schöpft: Der Ern­te­fak­tor für in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten pro­du­zier­tes Öl sank bis 1970 auf 30:1 und bis 2005 auf 12:1.

Für die viel­ge­prie­se­nen Teer­san­de und die enthu­si­as­tisch beob­ach­te­te Schie­fer­öl­för­de­rung lie­gen die Wer­te noch nied­ri­ger, näm­lich bei kläg­li­chen 4:1. »Weil der Ern­te­fak­tor im Lau­fe der Zeit abnimmt«, resü­miert der US-Jour­na­list und Umwelt­schüt­zer Richard Hein­berg in sei­nem Buch Das Ende des Wachs­tums, »muß ein immer grö­ße­rer Teil der Ener­gie und Res­sour­cen einer Gesell­schaft in die Ener­gie­er­zeu­gung gelei­tet werden«.

Bezieht man den EROI in die Betrach­tung der Res­sour­cen­end­lich­keit mit ein, so erhält die Dis­kus­si­on um den peak oil einen völ­lig neu­en Cha­rak­ter. Im Kon­text des Bio­etha­nol-Hypes führt Hein­berg dazu wei­ter aus:

Eine Indus­trie­ge­sell­schaft braucht ein­fach einen mini­ma­len EROI zwi­schen 5:1 und 10:1, damit sie funk­tio­nie­ren kann. Mit einem gesamt­ge­sell­schaft­li­chen EROI von bei­spiels­wei­se 3:1 wür­de rund ein Drit­tel aller Anstren­gun­gen der Gesell­schaft dafür ver­wen­det, um die Ener­gie zu bekom­men, die nötig ist, um all die ande­ren Din­ge zu leis­ten, die eine Gesell­schaft leis­ten muß (wie Her­stel­lung von Pro­duk­ten, Han­del, Trans­port von Men­schen und Gütern, Bil­dung, wis­sen­schaft­li­che For­schung und Auf­recht­erhal­tung einer grund­le­gen­den Infra­struk­tur). Weil selbst die opti­mis­tischs­te EROI-Zahl für Bio­etha­nol deut­lich unter die­sem Wert liegt, ist klar, daß die­ser Brenn­stoff nicht die Pri­mär­ener­gie­quel­le für eine Indus­trie­ge­sell­schaft wie die Ver­ei­nig­ten Staa­ten abge­ben kann.

Aber auch die unkon­ven­tio­nel­len Ölres­sour­cen sind mit einem EROI von 4:1 schlicht­weg unge­eig­net, das kon­ven­tio­nel­le Öl zu erset­zen. Manu­scrip­tum-Ver­le­ger Tho­mas Hoof schluß­fol­ger­te dar­aus in sei­nem Arti­kel Der Tanz auf der Nadel­spit­ze, ent­hal­ten in der Sezes­si­on 46 (hier verfügbar):

Der Auf­wand für die Gewin­nung von Ener­gie­dienst­leis­tun­gen und für den Unter­halt der ent­spre­chen­den Infra­struk­tur wird in allen Sze­na­ri­en zu Las­ten des kon­sum­tiv oder inves­tiv ver­wend­ba­ren Anteils immer wei­ter stei­gen, bis es an einem logi­schen End­punkt (der in Charles Halls »Cheese-Sli­cer-Modell« spä­tes­tens 2050 ein­tritt) kein dis­po­nibles Ener­gie­ein­kom­men mehr gibt, das für kon­sum­ti­ve oder inves­ti­ve Zwe­cke ver­füg­bar wäre.

Das hät­te weit­rei­chen­de anthro­po­lo­gi­sche Kon­se­quen­zen, denn der von Hoof im Arti­kel ange­führ­te Pro­zeß, der den Men­schen »von einer (pro­duk­ti­ven) Ener­gie­quel­le zu einer (kon­sum­ti­ven) Ener­gie­sen­ke« mache, »ein Vor­gang, der anthro­po­lo­gisch und see­len­kund­lich noch gar nicht rich­tig gewür­digt wur­de, obwohl sich sei­ne Fol­gen seit drei Jahr­zehn­ten in den psy­cho­so­ma­ti­schen Pra­xen und Kli­ni­ken deut­lich bemerk­bar machen«, wür­de umgekehrt.

Was die­ser Pro­zeß mit dem Men­schen ange­rich­tet hat, wel­che sozio­lo­gi­sche Umwäl­zungs­macht in sei­nem Ablauf lagen, und damit simul­tan in sei­ner Umkeh­rung lie­gen, führt Sezes­si­on-Chef­re­dak­teur Götz Kubit­schek in der­sel­ben Sezes­si­on-Aus­ga­be im Arti­kel »Wir Unbe­hol­fe­nen« (hier lesen) als Fra­gen aus:

Der beken­nen­de Kom­mu­nist und FAZ-Redak­teur Diet­mar Dath (einer der Prot­ago­nis­ten des unüber­seh­ba­ren, neu­er­li­chen Links­rut­sches des Blatts) schrieb neu­lich, daß sei­ne Ide­al­ge­sell­schaft von einer Fol­gen­lo­sig­keit des Irr­tums gekenn­zeich­net sei. Der Mensch wer­de sich unun­ter­bro­chen kon­se­quenz­los irren, wer­de alle indi­vi­du­ell ange­häuf­ten Irr­tums­kos­ten unun­ter­bro­chen auf die gren­zen­lo­se Soli­dar­ge­mein­schaft abwäl­zen dür­fen. Ist das nicht genau das, was Rabehl vor 40 Jah­ren emp­fand? Daß alles, aber auch wirk­lich alles denk­bar und vor­stell­bar sei, weil es die Pro­duk­ti­ons­kräf­te her­gä­ben? Daß also der Mensch im Zustand eines irren­den, unver­ant­wort­li­chen Kin­des gehal­ten wer­den könn­te, weil der Ener­gie­auf­wand der per­ma­nen­ten Berei­ni­gung nicht stär­ker ins Gewicht fie­le als die Hand einer auf­räu­men­den Mutter?

Ver­läßt man die von Quan­ti­tä­ten bestimm­te, ober­fläch­li­che Betrach­tungs­wei­se der peak-oil-The­ma­tik und erwei­tert sie um zusätz­li­che Dimen­sio­nen, stößt man zum Kern­pro­blem der ener­gie­über­flu­te­ten Moder­ne vor: Das »Leben aus dem, was unbe­grenzt spru­delt«, die Ver­haus­schwei­nung des Men­schen, wie sie der kon­ser­va­ti­ve Etho­lo­ge Kon­rad Lorenz beschrie­ben hat.

Man möch­te den kon­ser­va­ti­ven Krei­sen, die das Atom als Ende aller Ener­gie­sor­gen pro­pa­gie­ren, Kubit­scheks Axi­om in die Gehirn­rin­de bren­nen, daß »das kon­ser­va­ti­ve Den­ken sinn­los [blie­be], wenn gelän­ge, wovon kurio­ser­wei­se auch Kon­ser­va­ti­ve träu­men: daß näm­lich end­lich eine Ener­gie­form gefun­den wür­de, die nicht end­lich, son­dern unbe­grenzt zur Ver­fü­gung stünde.«

Wahr­lich, »Wir Unbeholfenen!«


Nach­trag: Ein wei­te­ren lesens­wer­ten Arti­kel zum The­ma »Ölför­der­ma­xi­mum« mit dem Titel »Peak Oil, Glo­ba­li­sie­rung und Gren­zen der Mach­bar­keit« hat der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler Dr. Jan Mol­den­hau­er für die Sezes­si­on 68 ver­faßt. Hier zu finden!

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Kommentare (20)

Umlautkombinat

25. Januar 2022 15:43

Die letzten beiden Absaetze sind  m.E. ideologisch ueberfrachtet:

> Verläßt man die von Quantitäten bestimmte, oberflächliche Betrachtungsweise der peak-oil-Thematik

Quantitative Betrachtungsweisen sind erst einmal, was sie sind. Ob sie oberflaechlich sind bestimmt sich allein daraus, wie gewissenhaft man sie vornimmt. Nach meiner Lesart benoetigt der Autor diese Formulierung zum Uebergang zu einer suggerierten "wertvollen" "tiefen" qualitativen Betrachtungsweise. Ungluecklicherweise verleiht diesen die fehlende quantitative Komponente gerade selbst oft eine gewisse Luftigkeit.

> Man möchte den konservativen Kreisen, die das Atom als Ende aller Energiesorgen propagieren, Kubitscheks Axiom in die Gehirnrinde brennen, daß »das konservative Denken sinnlos [bliebe], wenn gelänge [...]

Wenn das konservative Denken schon daran stirbt, dann waere es wohl entschieden zu limitiert und verdiente es nicht anders.

Mitleser2

25. Januar 2022 16:35

Welche Gesellschaft wollen die rechten Grünen?

Ohne billige, leicht verfügbare Energie kein Wohlstand. In einer Energiemangelgesellschaft geht es den meisten schlecht.

Muss man also implizieren, dass sie keinen Wohlstand wollen?

Oder wie definieren sie Wohlstand?

Übrigens: die Kohlevorräte der Welt sind immens. Man muss nur die Climate Change Hysterie ablegen.

Laurenz

25. Januar 2022 18:00

Bei den Klimawandel-Protagonisten sehe ich die Gefahr, daß die irreale Sicht auf die Realitäten, wie zB Düngemittel-Herstellung, baldigst eine totale Ignoranz von Umwelt-Problemen hervorrufen wird. Den blödsinnigen Scheiß von Habeck & Co. kann doch keiner mehr hören.

Wenn das Erdöl tatsächlich ausgehen würde, baut man weltweit tausende Hydrierwerke, viel eher als reine Wasserstoff-Produktionsstandorte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kohleverfl%C3%BCssigung

Wenn das so weiter geht, holen wir wieder unsere eigene Kohle aus dem Boden.

Kernkraftwerke sind nur dazu gut, spaltbares Material für nukleare Sprengköpfe herzustellen. Kernkraftwerke machen einen Staat erpreßbar.

Suedburgunder

25. Januar 2022 18:39

@ Mitleser

"Oder wie definieren sie Wohlstand?"

******************************

Voilà die alles entscheidende Frage! Hier müßte angesetzt werden.

brueckenbauer

25. Januar 2022 19:34

Kubitscheks Axiom läuft darauf hinaus, dass es keine unbegrenzten Energien geben darf, damit das konservative Denken nicht sinnlos wird.

Im Wortsinn von "konservativ" (Verbrauche nicht, was du nicht hast) ist das wohl richtig. Aber ich hätte keine Probleme, an die Leerstelle ein "rechtes" Denken oder "nichtlinkes" Denken zu setzen, und - schwupps - das Problem ist nicht mehr meines.

Umlautkombinat

25. Januar 2022 20:42

@brueckenbauer

Das fuehrt doch irgendwie alles weg von der Argumentation des Artikels. Konservatives, rechtes, linkes, Wasimmer-Denken muss doch mit einer Entwicklung klarkommen, die wie meinetwegen hier Unmengen an Energie zur Verfuegung stellen koennte. Punkt Null hier uebrigens - unbegrenzt im Wortsinn meint niemand. Allerdings sehr viel. Jedermann mit normaler Vernunft der sich ueberhaupt auf diese - technische - Entwicklung einlaesst ist natuerlich klar, dass mit fortschreitender Zeit auch die dann erlangten Grenzen wieder zu eng werden. Schon, weil man ganz andere Fragen angehen kann, die heute kaum vorstellbaren Energieverbrauch neu mit sich bringen. Das aendert aber nichts daran, dass zuerst ein wohl auch laengeres Zeitfenster sehr ausreichender Verfuegbarkeit geoeffnet waere. Ob "konservativ" im Wortsinn erhaltend im Vorgefundenen wirken moechte, ist also dahingehend nicht relevant. Vorgefunden koennte eben auch eine Welt mit ganz anderen energetischen Vorraeten sein. 

 

Umlautkombinat

25. Januar 2022 20:42

(2)

Zur Machbarkeit. Im letzten Jahr ist es am MIT gelungen, einen Magneten mit einer Feldstaerke von 20 Tesla herzustellen. Das bedeutet in Ableitung z.B., dass der der minimale Durchmesser eines ITER-artigen Tokamak-Designs welches mehr Energie erzeugen kann als hineingesteckt wird, von 6 auf ca. 1,5m gesenkt werden kann. Das ist ingenieurtechnisch extrem wichtig, weil die Groesse allein zu den wesentlichsten Problemen bei ITER und der Fusion generell gehoert. Es wuerde auch die Zugaengigkeit durch kleinere Marktteilnehmer, Forschung etc. entscheidend aendern. Das sollte man wenn man ueber Kernkraft spricht, schon immer mit auf dem Schirm haben. Ganz unabhaengig von in welcher Schaerfe kritischern Betrachtung in Folge auch immer.

Nordlicht

25. Januar 2022 22:11

Bis auf die Idee, dass psychosomatische Schäden eine Folge des erhöhten Enrgieaufwandes zur Gewinnung von Energieträger sein könnten, kann ich der Darstellung folgen.

Allerdings: Eine Besonderheit der freien Marktwirtschaft (- die wir nur in geringem Umfang haben) besteht darin, dass der Schwarm der Anbieter bei Ressourcenmangel und Preissteigerungen nach neuen Lösungen sucht. Insofern bin ich mir sicher, dass auch bei einem 2050 mit superteurem Erdöl die Menschen nicht auf´s Fahrrad umsteigen, sondern das es andere Formen der bequemen Auto-Mobilität geben wird. (Mit Strom aus Kernkraft, wahrscheinlich.)

Mich befremdet, dass die Rechenmodelle und Bücher des Club of Rome hier unkritisch als "wichtig" im Sinne von zutreffend angepriesen werden. Sie sind ebenso grundfalsch wie alle anderen linearen Prognosemodelle, die weder technische Innovation noch menschliche Verhaltensänderungen berücksichtigen. Dass Malthus vorher auch gründlich daneben lag, hat Pestel und das MIT nicht davon abgehalten, ihr lineares Denken und das Welt3-Modell ebenfalls als "Prognose" zu verkaufen.

Amüsant ist, dass das später gegründete Pestel-Institut auch heute noch behauptet, die Prognosen von 1972 seien "im Grundsatz richtig gewesen". Sie waren wichtig als Denkanstöße, nicht mehr und nicht weniger. 

Kurativ

26. Januar 2022 07:51

Psychochirurgische Eingriffe werden kaum etwas nützen. Zumal man auch dafür elektrische Energie brenötigt, welche den Anhängern der radikalökologischen Schule (Habeck) gerade ausgeht. Auf eine Lösung aus dem soldatischen Milieu bin ich gespannt, denn die aufgeführte Negation ist natürlich keine Lösung. Diese Negation war auch bei den Ökos der Ausgangspunkt. Ich fürchte aber, dass Peak Hybris noch gar nicht erreicht wurde. Jeder darf mal "Energieversorgung" spielen. Es ist halt eine so schöne große Sache.

Laurenz

26. Januar 2022 09:32

@Brückenbauer

"Kubitscheks Axiom"

Wenn das stimmt, was Sie schreiben (ich kann das nicht beurteilen), hat es dann nicht eher was mit einer historischen echten Mangelwirtschaft zu tun, der von Clausewitz gerecht zu werden versuchte?

Bei der deutschen Armee wurde nicht deswegen jeder herausgegebene Schuß abgezählt, um Unfug zu vermeiden, sondern um sparsam, wie effizient mit den dürftigen Ressourcen umzugehen.

Auch, wenn man Hitler nicht als Militär einschätzt, in seinem Monolog gegenüber Mannerheim (der gewiß ein Militär war), geht es im wesentlichen um die mangelnden Ressourcen & wie erfolgreich man mit den vorhandenen Ressourcen ist (die gescheiterte Promo-Tour).

Gundioch

26. Januar 2022 10:31

Die Frage, inwiefern eine Ressource endlich ist oder nicht, ist im wesentlichen lediglich eine Funktion der Technologie. Wenn Sie eine Technologie entwickeln, die es ermöglicht, mit einem Containerschiff auf drei Tropfen Benzin einmal um die Welt zu fahren, ist Erdöl de facto eine unendliche Ressource, Punkt. Angesichts des technologischen Fortschritts seit der Erfindung der Dampfmaschine steht dabei gar nicht zu bezweifeln, dass Ressourcenknappheit nur ein praktisches Problem ist, das sich durch Forschung lösen lässt.

Laurenz

26. Januar 2022 12:12

@Gundioch

Man will im weltweiten Handel mit nichts anderem als Schweröl fahren. 

Ginge zumindest theoretisch alles ganz ohne Öl, würde dann aber wesentlich teuer, was aber bei Stückgutkosten immer relativ ist.

Aber auch von unseren Imperialismus-Grünen hört man da 0. Die wollen doch sonst immer überall einmarschieren, damit alle Unbedachten auf den rechten Pfad kommen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Schiff)

In absehbarer Zukunft soll es angeblich das hier geben...

https://1e9.community/t/dieses-futuristische-schiff-ist-ein-segelfrachter-der-2024-vom-stapel-laufen-soll/8684

Grobschlosser

26. Januar 2022 12:33

"London" spricht sich gegen Northstream II aus - schreibt der Laufbadredakteur beim Privatsender. Der deutscher Normalverdienermichel soll gefälligst das us fracking-Gas kaufen - die neue pipeline wird von den Anglos abgelehnt . Prognose ( für die kommenden 16 Wochen ) der Kreml wird die brit. Herrenclubs und Elitezylinderträger genau einmal verwarnen - dann tobt der Krieg - und er wird extrem innovativ daherkommen . 

Hartwig aus LG8

26. Januar 2022 13:11

Der bereits zitierte Thomas Hoof hat zum Thema Energie fast alles gesagt.  Ihm zufolge ist unbegrenzte Energie eben kein unerfüllter Traum geblieben, sondern sie stand dem Menschen innerhalb der letzten ca. 150 Jahre, also dem Erdöl-Zeitalter, tatsächlich unbegrenzt zur Verfügung.

Und ein paar Aspekte der damit einhergehenden kulturellen und sonstigen Verwerfungen beschreibt er nicht ohne Humor in dem Aufsatz "Knaben und Knäbinnen" (beim ef-magazin zu finden).

Mitleser2

26. Januar 2022 20:11

Nur bisher 14 Kommentare zu einem aus meiner Sicht kontroversen Beitrag. Das zeigt leider, dass es bei Sezession im Netz bzgl. naturwissenschaflicher Fragen wenig Widerhall gibt. Ich halte das für eine Schwäche der Rechten, dass sie so stark auf Gesellschaftswissenschaften und Sozialpolitik fokussiert sind, zumindest hier. Und wenn es dann Beiträge gibt, sind sie eher grün angehaucht. Sind Rechte also irgendwie "fortschrittsfeindlich"? Ich halte das für einen Irrweg und nicht mehrheitsfähig. Oder gilt eine Mehrheitsfähigkeit eh als unerreichbar und es lebt sich einfacher in der eigenen Gedankenwelt?

Kositza: Ich darf mal wieder mein Privileg des umstandslosen Antwortwegs nutzen: "Einmal hin - alles drin" gibt es halt nur bei "real". Oder falls Sie eine "Ampel gründen." Wer auf viele verschiedene Themen fokussiert ist, wäre halt nicht mehr fokussiert!
Daß wir ziemlich umfassend eher fortschrittsskeptisch sind, ist kein Geheimnis. Stöbern Sie mal all ihre Sezessionshefte durch!
Ob es sich damit "einfacher" lebt, pff. Ich glaube, das "Sichbequemmachen" ist nicht ganz unser Problem.

Kurativ

26. Januar 2022 22:26

Die einen spalten Atomkerne, die anderen Holzscheite. Was hier konserativ (bewahrend) ist, darüber kann man diskutieren. Hauptsache es werden keine rechten Lager gespalten, weil eine Seite mit dem Kopf durch die Wand will.

Lausitzer

26. Januar 2022 23:00

@Mitleser2

"Welche Gesellschaft wollen die rechten Grünen?"

Wollen ist nicht die Frage, sondern brauchen, um Mensch, Schöpfung und dem Schöpfer gerecht zu werden.

"Ohne billige, leicht verfügbare Energie kein Wohlstand."

Sie werden, ob Sie wollen oder nicht, mit weniger klar kommen müssen in Zukunft.

herbstlicht

26. Januar 2022 23:15

@Mitleser2, 20:11, erinnert mich an die Zusammenstöße mit Jäger-Bonzen als Naturbeobachter: hatte nicht nur mit 12 den ersten Feldhasen füsiliert sondern bin auch Berserker ...

Weiter oben schrieb er: »Ohne billige, leicht verfügbare Energie kein Wohlstand.< Damit kam er schon mal hier daher und nun, soweit ich erinnere, mindestens zum dritten Mal, ohne den Sinn der Phrase jemals verdeutlicht zu haben.  Immerhin hat er jetzt oben ergänzt: »Oder wie definieren sie Wohlstand?« --- wofür er auch schon Zuspruch bekam.

@Mitleser2, Mann: Was verstehen _Sie_ in  diesem Zusammenhang unter Wohlstand?  _Sie_ schmeißen diesen diffusen Ausdruck herum; definieren Sie ihn doch aus Ihrer Sicht, tragen Sie bei zu der Runde.  Anregungen, welche mir gerade einfallen: a) Abgrenzung gegen Luxus. b) In den Siebzigern redeten wir (Studenten der Physik und Biologie) oft von "Wohlstandsbürgern" und das war durchaus pejorativ gemeint.  Setzten noch eins drauf: "Wohlstandskrüppel".  Zur Rede gestellt, fiel's mir damals schwer diesen zu charakterisieren; heute scheint's einfach: häufig jemand, der's nötig hat, in's Fitness-Center zu gehen.

 

Mitleser2

27. Januar 2022 09:14

@herbstlicht, Lausitzer, Kositza etc.  I

Nun ja, man muss manchmal provozieren, um eine größere Reaktion zu erzielen.  Ein paar Anmerkungen:

Arbeiterkind, Bundeswehr-Uffz, Physik studiert in den späten 70er Jahren.  Aber nicht bei Nachfolgeorganisationen des SDS aktiv. Deswegen auch keine pejorativen Bemerkungen über Wohlstandsbürger. Ein Fitness-Studio brauch ich nicht.

Wohlstand ist für mich ein Leben ohne weitgehend materielle Sorgen. Ich maße mir nicht an zu wissen, wie das in Gelsenkirchen etc. und Teilen Ostdeutschlands ist. Hier in Oberbayern trifft es außer in Teilen von Großstädten jedenfalls für viele zu. Und ich halte es für erstrebenswert. Warum sollte man damit dem Mensch nicht gerecht werden? Der Schöpfer muss bei mir als Agnostiker außen vor bleiben.

Auswüchse gibt es überall, was hat das damit zu tun, Wohlstand im materiellen Sinn zu erstreben? Konsumterror gibt es; ja, sowas kann sozialen Druck erzeugen, aber muss man ihn wirklich mitmachen? Einen eigenen Willen braucht man natürlich. Ist an halbleeren Regalen irgendetwas erstrebenswert?

Mitleser2

27. Januar 2022 09:15

@herbstlicht, Lausitzer, Kositza etc. II

Die gesellschaftliche Entwicklung seit ca. dem Jahr 2000 geht sich in die falsche Richtung, gestehe ich gerne zu. Und 16 Jahre Merkel waren die absolute Katastrophe. Das hat mich auch zur Wahl der AfD gebracht. Ändert aber nichts an dem oben gesagten, auch wenn ich weiß, dass es Strömungen in der AfD gibt, die das anders sehen.

@Lausitzer: Und nochmal zur Energie: Da bleibe ich bei meiner These. Ich bin öfter in Südafrika. Da kann man sehr schön sehen, was Energiemangel bewirkt. Googeln Sie mal „Load Shedding“. Und es trifft nicht die Reichen, die haben Notstromaggregate. Oder suchen Sie mal nach Libanon oder Kosovo Energiekrise. Natürlich gibt’s da Ursachen. Aber das bewusst anstreben ???

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